Horrorgami

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Freitag, 30. Oktober 2015 Unterhaltung Seite 28

Magazin

FILM

Dirigieren auf der Leinwand Für «Venzagos Bruckner» hat der Filmemacher Laurent Jaquet den Berner Chefdirigenten Mario Venzago mit der Kamera begleitet. SEITE 27

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BERNER ZEITUNG

www.bernerzeitung.ch

Besser als Kürbisschnitzen

Bastel bücher «HANDLETTERING»

Schritt für Schritt zum Schild

FALTTECHNIK Es ist die perfekte Bastelidee für das morgige Halloween-Fest – und geht erst noch ohne die Sauerei beim Kürbisschnitzen: Marc Hagan-Guirey schneidet und faltet aus A4-Papierbögen Gruselkarten. Der Nordire Marc Hagan-Guirey scheint einer Geschichte des 19. Jahrhunderts entsprungen. Frankenstein vielleicht. Mit Fünftagebart und braver Scheitelfrisur – den Zylinder kann man sich wunderbar vorstellen – und diesem Ausdruck im Gesicht, der besagt: Ich bin ganz lieb, aber trauen kannst du mir nicht. Wahrscheinlich kann man es doch. Marc Hagan-Guirey passt übrigens auch ins düstere Oktober-London, wo er jetzt lebt und arbeitet. Dort und anderswo wird morgen Halloween gefeiert, werden Menschen mit grausigen Fratzen und Verkleidungen durch die Strassen irren. Für Hagan-Guirey ist das ein grosses Fest: Sein Herz hänge an Horror, Basteln und Architektur, schreibt er in seinem Buch. Man nennt ihn auch Paper-Dandy; der gewandte Bastler ist ein sogenannter Kirigami-Papierkünstler. Kirigami ist Origami mit Scheren und Messern. Hagan-Guirey braucht für seine Arbeit Cutter, Lineal, Papier. Keinen Leim. Allenfalls eine Beleuchtung, grüne, rote oder andersfarbige Birnen lassen seine Werke dramatisch erstrahlen (zum Beispiel in der «Star Wars»-Ausstellung, die im August in London stattfand). Crazy.

Horror für Fortgeschrittene Und nicht einmal so schwierig, es selber zu tun, jedenfalls nicht mit Hagan-Guireys Schnittvorlagen. In «Horrorgami» sind zwanzig spektakuläre Kirigami-Modelle zu finden. Inspiriert von Horrorklassikern aus Film und Literatur lässt Hagan-Guirey aus gewöhnlichen Pappbögen gruselige Szenen emporwachsen. Allein mit scharfen Schnitten und – ein wenig Geduld fordernder – Falttechnik. Klingt ein wenig kindisch, aber hey, Draculas Schloss, einen Galgenberg, die Totenkopfinsel oder «Blutbad im Kinderzimmer» nachzufalten, macht Spass. Und ist irgendwie cooler als das blöde Kürbisschnitzen, das die letzten Jahre in war. Der Autor gibt übrigens im Buch Schneideund Falttipps sowie persönliche Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Motiven – für Anfänger und Fortgeschrittene. Zurück zum Schöpfer dieser Horrorgamis, Marc Hagan-Guirey. Als Kind habe er seiner Mutter sofort nach den Einkäufen Müslischachteln, Eierkartons und dergleichen abgeschwatzt. Seine Spielsachen musste er sich aus der Asche von zerbombten Warenhäusern zusammensuchen – er wuchs in den 1980erJahren in einem unruhigen Belfast auf. Die Behausungen für seine Plastikhelden bastelte er sich jeweils gleich selbst. Ein Drama mit Happy End. Nina Kobelt Infos, Faltdemonstrationen und na­ türlich Fotos von Marc Hagan­Guirey auf www.paperdandy.co.uk.

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Annika Sauerborn, «Hand­ lettering» Schildermalerei – eines von vielen Handwerken, die mit der Digitalisierung verschwanden. Zumindest fast. Im Kleinen ist «Handlettering» in Mode – für Geburtstagskarten, Schilder, lustige Taschen. Illustratorin Annika Sauerborn zeigt in ihrem Buch Schritt für Schritt, wie die verspielten Schriftzüge entstehen, von der ersten Skizze bis zur bemalten Kaffeetasse. Ein Händchen brauchts, sonst aber sollten damit auch Anfänger zu passablen Ergebnissen kommen. (ToppVerlag, 95 S., ca. 18 Fr.) MALEN

Totenköpfe in allen Farben

Schneide­ und Faltmuster für Dr. Frankensteins Burg. Schwarze Linien werden geschnitten, Strichpunktlinien gefaltet.

Marc Hagan-Guirey/zvg

HORRORSZENARIEN AUS PAPIER

Frankensteins Burg en miniature

Hagan-Guirey braucht Cutter, Lineal, Papier. Keinen Leim. Allenfalls eine dramatische Beleuchtung.

Richtig beleuchtet, und schon siehts aus wie in echt.

Marc Hagan-Guirey/zvg

InMary Shelleys Roman«Frankensteinoder dermoderne Prometheus» (1818) erschafft ein gewisserViktorFrankenstein in seinemSchlosskünstlicheMenschen.Marc Hagan-GuireysVorstellungvon Frankensteins Burg isteine Festung aufeinerzerklüfteten Bergspitze. SeinHorrorgami­Modell (sieheSchnittmusteroben) ist eigentlichsimpel, trotzdemzeugt es von Dramatik, Serpentinenpfadund BlitzseiDank. LassenSie sich nichtausder Ruhebringen, falls esnicht sofortklappt. PröbelnSie, dieKartezubasteln, ist etwasknifflig, abermachbar! Anleitungzum Nachbau von FrankensteinsBurg: Siebrauchen eineSchneidematte, ein Cuttermesser,eventuellein Metalllinealund ein Stäbchenoder einenZahnstocher. 1. Musterauf ein weissesBlatt Papier kleben. 2. Schneiden:Das Schneiden der Zinnenund derStreben des

Steildachsist aufwendig,machen Siees sorgfältig! 3. Falten:Bedruckte Seitenach oben legenundHorizont(Falz zwischen «Boden»und«Hintergrund»)herausdrücken. 4. Talfalten (grüneStrichpunktlinien) amFussder Klippen herausdrücken.Talfalten ander Rückwand des Modellsvon unten nach oben knicken. 5. Bergfalten(orange)oberhalb derKlippen undder Brückeanlegen. Steildach falten. 6. Entsprechendbeleuchten! DievollständigeAnleitung mit Bildernist imBuch «Horrorgami» zufinden,das mitnachtleuchtendemCover auftrumpft. nk Marc Hagan­ Guirey: «Horrorgami». 20 gruselige Szenen zum Schneiden und Falten. 128 S., Haupt. zvg

Thaneeya McArdle, «Sugar Skulls» Ausmalen sei auch etwas für Erwachsene, findet Künstlerin Thaneeya McArdle. Es soll meditativ wirken. Auszumalen gibt es in McArdles Buch: Totenköpfe. Inspiriert wurde sie vom «Día de los Muertos», dem mexikanischen Totengedenk-Fest, das fröhlich begangen wird. Auf den ersten Seiten des Buches gibt McArdle Tipps (Filzstift und Malstift kombinieren), dann gehts ans Malen – Skelett mit Gitarre, Totenkopf mit Ohrring, Skelett mit Schmetterling. Die restlichen Seiten füllt McArdle mit bedeutungsschwangeren Zitaten. Am Schluss bleibt der Eindruck: Die Künstlerin hat es sich etwas zu leicht gemacht. (Verlag Trinity Kreativ, 80 S., ca. 10 Fr.) FALTEN

Vielfältige Kunstwerke

Paul Jackson, «Falttechniken» Die Falte sei der stumme Helfer für dekorative Zwecke, schreibt Paul Jackson. Der Brite mit 30 Jahren Falterfahrung will dies ändern. Und er beginnt ganz am Anfang, mit der Frage: Was ist eine Falte? Auf 300 Seiten erklärt Jackson alles von «Grundfalten» bis zu komplexen «Faltsystemen» und dem «Schattenfalten» auf Stoff – inspirierend. (HauptVerlag, 305 S., ca. 50 Fr.) dog


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