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PLANT: Das Ernährungssystem der Zukunft

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PLANT:

DAS ERNÄHRUNGSSYSTEM DER ZUKUNFT

PFLANZLICH, LOKAL, AUSGEWOGEN, NACHHALTIG, TIERGERECHT


PLANT: Das Ernährungssystem der Zukunft Wir laden Sie ein, mit uns in das Jahr 2050 zu reisen: Wie sieht das Ernährungssystem in der Schweiz dann aus? Wir konsumieren hauptsächlich pflanzliche und in lokalen Strukturen produzierte Nahrung. Die Schweizer Landwirt:innen sind stolz darauf, dass sie standortgerecht eine grosse Vielfalt an Pflanzen anbauen, die ihnen ein sicheres Auskommen ermöglichen. Wo früher Futtermittel wuchsen, produzieren sie heute Getreide, Hülsenfrüchte, Ölsaaten und widerstandsfähige Kulturen für die menschliche Ernährung (gemäss dem Prinzip «Feed no Food – Verfüttere keine Lebensmittel»). Sie arbeiten dabei mit agrarökologischen und regenerativen Anbaumethoden mit geschlossenen Stoffkreisläufen. Das Saatgut von klimatisch angepassten Sorten wird patentfrei in der Schweiz gezüchtet, und nicht bei internationalen Agrarchemie- und Saatgutkonzernen eingekauft. Der Selbstversorgungsgrad der Schweiz ist trotz Bevölkerungswachstum dank dieser effizienten Landnutzung stark gestiegen. Als Folge der konsequenten Umsetzung des «Feed no Food»-Prinzips spielen Nutztiere in der Schweizer Landwirtschaft inzwischen eine Nebenrolle. Hühner und Schweine werden ausschliesslich mit nicht zu vermeidenden Nebenprodukten der Lebensmittelverarbeitung gefüttert – zum Beispiel Trester – und leben in artgerechten Gruppen. Massentierhaltung ist ein Konzept der Vergangenheit. Kühe, Ziegen und Schafe leben insbesondere in den Bergregionen, wo sie das vorhandene Grasland und das entsprechende Raufutter (Heu, Gras, Stroh usw.) fressen. Die Zahl der Tiere richtet sich nach der lokal verfügbaren Futtermenge.

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Da viel weniger Nutztiere in der Schweiz leben, sind die Klimagase und Nährstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten stark geschrumpft. Die Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Kleinstlebewesen ist gewachsen. Die Belüftung von Schweizer Seen konnte nach rund 60 Jahren endlich eingestellt werden. Die Böden sind entlastet und ihre Resilienz ist gestärkt. Die Qualität des Trinkwassers ist gestiegen. Die Verarbeitung und der Vertrieb der Nahrungsmittel sind dezentral organisiert. Landwirt:innen verkaufen ihre Produkte selbst oder liefern sie an lokale Verarbeitungsbetriebe, die wiederum mit lokalen Händlern zusammenarbeiten. Diese Strukturen stellen sicher, dass sie faire Preise erhalten. Die überwiegend pflanzlichen Nahrungsmittel aus der Schweizer Landwirtschaft sind Grundlage einer ausgewogenen und gesunden Ernährung der Bevölkerung. Ökologisch produziertes, regionales und saisonales Gemüse, Hülsenfrüchte und Getreide spielen die Hauptrolle und sind für alle Menschen erschwinglich. Milchprodukte kommen seltener auf den Teller, Fleisch nur als Beilage bei besonderen Gelegenheiten. Gesunde und verantwortungsvolle Ernährung ist Teil der kulturellen Bildung, auch im Schulalltag: Kinder erfahren die Lebensmittelproduktion und -verarbeitung durch Schulgärten und gemeinsames Kochen und Essen. Die ausgewogene und gesunde Ernährung spiegelt sich auch in der Gesundheit der Menschen wider: Die Gesundheitskosten sind in den letzten Jahrzehnten markant gesunken. Das ist unsere Vision PLANT. Sie zeigt, wie eine zukunftsfähige, kooperative und kreislauforientierte Ernährungswirtschaft aussehen könnte – pflanzlich, lokal, ausgewogen, nachhaltig und tiergerecht. Damit sie Wirklichkeit werden kann, müssen künftig mindestens 60 Prozent der produzierten, verkauften und konsumierten Proteine pflanzlich sein.

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Inhaltsverzeichnis 1. Gesundes Ernährungssystem: dezentral, divers und pflanzenbasiert

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2. Fleisch und Milch: wirtschaftliche Interessen als Konsumtreiber

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3. Agrarpolitik: Tierprodukte im Fokus

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4. Fleisch- und Milchwirtschaft: Zerstörung mit System

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5. Was wir jetzt brauchen: mutige Detailhändler und Politiker:innen

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1. Gesundes Ernährungssystem: dezentral, divers und pflanzenbasiert Damit wir und nachfolgende Generationen langfristig gesund und sicher leben können, benötigen wir ein Ernährungssystem, das: • resilient bezüglich Versorgungssicherheit und Klimawandel und zukunftsfähig ist. • innerhalb der planetaren Grenzen agiert. • das Netto-Null-Ziel ermöglicht. • keine negativen Effekte, wie beispielsweise Abholzung oder Wasserverschmutzung ins Ausland auslagert. Die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften hat im Auftrag von Greenpeace Schweiz untersucht, was nötig wäre, um dieses Ernährungssystem in der Schweiz zu realisieren. Der entstandene wissenschaftliche Bericht bildet die Basis für diese Publikation.

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Das Ernährungssystem in der Schweiz ist heute in der Produktion stark auf Tiere ausgerichtet. Einige wenige Akteure kontrollieren die Verarbeitung von und den Handel mit Lebensmitteln. Konkret: Coop und Migros (inklusive Denner) haben einen Marktanteil von rund 80 Prozent im Lebensmittelhandel in der Schweiz. Auch in der Verarbeitung und der Gastronomie verfügen sie über immensen Einfluss. Damit Schweizer Landwirt:innen die Bevölkerung langfristig gesund ernähren können und dafür eine faire Entschädigung erhalten, braucht es hauptsächlich zwei grosse Veränderungen: • Ein Wandel hin zu einem System, in dem mindestens 60 Prozent der Proteine von Pflanzen stammen. • Eine Dezentralisierung und Diversifizierung in Verarbeitung und Handel.

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2. Fleisch und Milch: wirtschaftliche Interessen als Konsumtreiber Das Schweizer Ernährungssystem ist stark von Tierprodukten, also von Fleisch, Milchprodukten und Eiern geprägt. Die politischen Rahmenbedingungen fördern die Produktion von Tierprodukten, beispielsweise indem 82 Prozent der Direktzahlungen in die Tierproduktion fliessen.1 Der Detailhandel wiederum lockt die Kundschaft mit Werbung und Verkaufsaktionen für Fleisch und andere Tierprodukte in seine Läden. Das zeigt sich auch im Konsum: 49,86 Kilogramm Fleisch pro Person wurden 2024 in der Schweiz verkauft.2 Die Menschen in der Schweiz essen damit rund dreimal mehr Fleisch als vom Bund und der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung empfohlen. 2.1 Meatification: Fleischkonsum steigt stark an Das war nicht immer so: 1950 lag der Pro-KopfVerbrauch von Fleisch in der Schweiz bei rund 30 kg. Bis in die 80er-Jahre stieg der Fleischkonsum drastisch an, angetrieben durch wirtschaftliche Interessen und mit politischer Unterstützung.3 Mit der zunehmenden Verbreitung von gut mit dem Auto erreichbaren Supermärkten stieg in den 50er-Jahren die Bedeutung der Detailhändler Migros und Coop. Die beiden Genossenschaften versuchten damals schon, sich mit ihren Preisen

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zu unterbieten. Da noch nicht in allen Haushalten Kühlschränke vorhanden waren, bot Fleisch die Möglichkeit, Kund:innen fast täglich mit gross angekündigten Aktionen in die Läden zu locken. Metzgereibetriebe und Verbände fusionierten, um dem Preisdruck standhalten zu können. So entstanden Bell (Coop) und Micarna (Migros) als zentrale Akteure im Fleischmarkt.4 Fleisch, Milch und Eier verschoben sich zunehmend ins Zentrum unserer Ernährung. Der Begriff «Meatification» beschreibt diese radikale Veränderung unserer Ernährung in den letzten 100 Jahren.5 2.2 Migros und Coop als dominierende Player Die damals entstandenen Strukturen in Verarbeitung und Betrieb bestehen bis heute und bestimmen das Ernährungssystem der Schweiz. Landwirt:innen vermarkten nur rund 5 Prozent der landwirtschaftlichen Produkte direkt.6 In den Wertschöpfungsketten für Fleisch und Milch kontrollieren wenige Verarbeitungsbetriebe und noch weniger Detailhändler den Markt. Die knapp 48’000 landwirtschaftlichen Betriebe verkaufen ihre Produkte mehrheitlich an Emmi, Cremo, Elsa (Migros), Bell (Coop) und Micarna (Migros). Die Menschen in der Schweiz kaufen ihre Lebensmittel hauptsächlich bei wenigen Grossverteilern ein.7

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Abbildung 1: Das Nadelöhr im Ernährungssystem

47’719

landwirtschaftliche Betriebe

80%

8,9 Mio.

Einwohner:innen in der Schweiz

20%

andere Detailhändler

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Verschiedene Faktoren erschweren es, diesen Status quo zu verändern: • Pfadabhängigkeit: Verarbeiter und Landwirt:innen haben viel Geld investiert, um die aktuelle Infrastruktur aufzubauen. • Politik: Die aktuellen Rahmenbedingungen fördern die Tierproduktion (vgl. Kap. 3). • Lockmittel: Detailhändler setzen Aktionen auf Fleisch ein, um Kund:innen in die Läden zu locken. Der Detailhandel bestimmt nicht nur das Angebot, sondern beeinflusst auch die Konsumentenpreise. Coop und Migros (inklusive Denner) verfügen über einen Marktanteil von 80 Prozent im Detailhandel. Angesichts dieses Duopols spricht der Preisüberwacher von einem «mindestens eingeschränkten Wettbewerb».11 So bestimmen Coop und Migros massgeblich mit, was die Schweizer Bevölkerung isst. Der steigende Marktanteil von Discountern (Lidl, Aldi) führt zu einem grösseren Margendruck und Preissenkungen. Günstigere Lebensmittel mögen aus Konsumentensicht positiv sein. Die Folgen tragen jedoch längerfristig die Landwirt:innen: Sie erhalten, was übrig bleibt, nachdem Detailhändler und Verarbeitungsbetriebe ihre Kosten und Margen abgezogen haben. Dieser Anteil genügt nicht immer, um die Produktionskosten zu decken.12 Zusätzlich verschlechtern die Preissenkungen im Handel die Wettbewerbsfähigkeit von Direktvermarktern und kleinen Läden. Während bei den Produzentenpreisen wöchentlich Richtpreise publiziert werden, ist die Preisbildung in der Verarbeitung und im Handel gänzlich intransparent. 13

Abbildung 2: Marktanteile von Coop und Migros im Schweizer Fleischmarkt Coop, Migros Diverse

Schweinefleisch8

40% 60%

Poulet9

26% 74%

Rindfleisch10 Wer verdient an unseren Lebensmitteln? Der Gewinnanteil der Landwirtschaft am Nahrungsmittelmarkt sinkt seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Grundsätzlich gilt: Je stärker ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto weniger verdienen die Bäuerinnen und Bauern. Durchschnittlich verdienen sie rund 12 Prozent, der verarbeitende Betrieb 22 Prozent, Transport und Handel 51 Prozent und die restlichen Branchen 16 Prozent. Gleichzeitig geben die Schweizer Haushalte immer weniger aus für Lebensmittel. 2023 waren es noch knapp mehr als 6 Prozent des gesamten Haushaltsbudgets.14

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38%

62% GREENPEACE SCHWEIZ /

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3. Agrarpolitik: Tierprodukte im Fokus Die Politik in der Schweiz beeinflusst das Ernährungssystem bzw. den Lebensmittelmarkt mit Förderinstrumenten auf der Seite der Produktion und des Konsums. Dass die Landwirt:innen in der Schweiz so grosse Mengen an Fleisch und Milchprodukten produzieren, ist wesentlich auf die agrarpolitischen Rahmenbedingungen zurückzuführen. Denn fast alle Fördermassnahmen unterstützen die Fleisch- und Milchproduktion. Folgende Förderinstrumente sind dafür relevant: • Direktzahlungen sind einkommensergänzende Zahlungen vom Bund an Landwirt:innen. Der Bund richtet diese insbesondere an Massenprodukte wie Fleisch, Milch und Weizen aus. Mit den Direktzahlungen unterstützt der Bund indirekt industrielle Verarbeitungsbetriebe und den Detailhandel. Diese können dank Direktzahlungen landwirtschaftliche Produkte aus der Schweiz günstiger einkaufen.15 2024 hat der Bund 2,8 Milliarden Franken an Direktzahlungen ausgerichtet, 2,3 Milliarden (82 Prozent) davon fliessen in die Produktion von Tierprodukten. Um Direktzahlungen zu erhalten, müssen Landwirt:innen den «Ökologischen Leistungsnachweis» erbringen, der eine umweltschonende Landnutzung sicherstellen soll. Leider genügt der aktuelle Nachweis nicht, um die natürlichen Ressourcen vor Übernutzung zu schützen.16

Agrarpolitik 2030+: Proteinwende als Elefant im Raum Aktuell erarbeitet das Bundesamt für Landwirtschaft im Auftrag des Parlaments einen Vorschlag, wie die Schweizer Landwirtschaft in Zukunft aussehen soll. Die Agrarpolitik 2030+ wird bestimmen, welche Regeln und Förderungen zum Beispiel beim Einsatz von Dünger, beim Klimaschutz oder bei Direktzahlungen in Zukunft gelten. Obwohl die Wissenschaft klar zeigt, dass eine Verschiebung zu einem pflanzenbasierteren Ernährungssystem der zentrale Hebel ist, um die Ziele des Bundesrates in den Bereichen Umwelt,

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• Mit der Absatzförderung finanziert der Bund Branchenwerbung für Schweizer Landwirtschaftsprodukte (zu maximal 50 Prozent). 2024 hat er dafür über 66 Millionen Franken aufgewendet. Mehr als die Hälfte davon fliesst in die Absatzförderung für Tierprodukte (47% für Milchprodukte und Käse, 8% für Fleisch). Andere Bereiche wie Getreide und Kartoffeln ( je 1%) und Gemüse und Obst (1 bzw. 3%) erhalten markant weniger staatliche Absatzförderung.17 • Der Grenzschutz ist ein weiteres agrarpolitisches Instrument, das die inländische Produktion fördert und stützt. Dazu gehören Zölle, welche die eingeführten Produkte verteuern und Kontingente, die eine bestimmte Menge an Importen ohne oder zu tieferen Zöllen erlauben. Die höchsten Zölle erhebt die Schweiz auf Milchprodukte (durchschnittlich 187,5%) und Fleisch (96,7%).18 Für weniger häufig angebaute Pflanzen wie Hafer und Ackerbohnen besteht praktisch kein Grenzschutz. Das liegt daran, dass diese Kulturen in den vergangenen Jahrzehnten in erster Linie als Futtermittel dienten und es politisch gewollt ist, dass Futtermittel günstig importiert werden können.19

Klima, gesunde Ernährung und Selbstversorgungsgrad20 erreichen zu können, werden wirksame Massnahmen in den laufenden Diskussionen zur Agrarpolitik 2030+ tabuisiert. Im Rahmen des politischen Prozesses ist eine Zielvereinbarung zwischen Bund und Detailhändlern vorgesehen. Eine solche böte die Chance, den Detailhandel als zentralen Akteur in der Wertschöpfungskette in die Verantwortung zu nehmen. Damit dies gelingt, müsste die Zielvereinbarung konkrete, ehrgeizige und verbindliche Ziele beinhalten – zum Beispiel einen Mindestanteil von 60 Prozent pflanzlichen Proteinen im Verkauf.

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4. Fleisch- und Milchwirtschaft: Zerstörung mit System Die vorausgehenden zwei Kapitel haben beschrieben, wieso Landwirt:innen in der Schweiz so viel Fleisch und Milchprodukte produzieren. Die sogenannte Meatification – der massive Anstieg der Produktion und des Konsums tierischer Produkte – wirkt sich lokal und global negativ aus. Denn die Landwirtschaft ist entscheidend für den Zustand der Landschaft und der Ökosysteme. Treibhausgasemissionen, Nährstoffüberschüsse, eine verstärkte Landnutzung und Pflanzenschutzmittel belasten unsere Luft, die Böden, das Wasser, die Biodiversität und das Klima. Eine Ernährung mit viel weniger oder ohne Tierprodukte würde die Umweltbelastung drastisch reduzieren, die menschliche und tierische Gesundheit verbessern und den Selbstversorgungsgrad der Schweiz erhöhen. Gemäss der «Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung» des Bundesamtes für Landwirtschaft, könnten die Klimagase aus der Ernährung alleine die Erreichung des 1,5-Grad-Ziels gefährden.

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Gegenüber heute müsste der Klimafussabdruck der Ernährung bis 2050 um mindestens zwei Drittel gesenkt werden. Rund ein Drittel der Schweizer Landesfläche ist landwirtschaftliche Nutzfläche. Auf nur 15 Prozent davon wachsen aktuell Lebensmittel für die menschliche Ernährung. Auf den restlichen 85 Prozent wachsen Mais, Weizen oder Gras für die Tierproduktion.21 Würden auf allen geeigneten Flächen Nahrungsmittel für den Menschen angebaut, liesse sich der Selbstversorgungsgrad der Schweiz um 15 Prozentpunkte auf 65 Prozent erhöhen.22 Trotz dieser gross angelegten inländischen Futtermittelproduktion ist die Tierproduktion in der Schweiz stark von Futtermittel-Importen abhängig. Relativ gesehen benötigen insbesondere Geflügel und Schweine grosse Mengen an importiertem Kraftfutter. Doch auch die Milch- und Rindfleischproduktion braucht Futtermittelimporte.23

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Futtermittelimporte pro Tierart Proteinverschwendung par excellence Die Produktion von Tierprodukten ist hochgradig ineffizient. Je nach Tierart gehen dabei 50 – 90 Prozent der eingesetzten Energie verloren. Wir verfüttern Kraftfutter, oft Proteine, die auch für die menschliche Ernährung geeignet sind, an Tiere, welche die Kalorien nur ineffizient in Fleisch umwandeln.27 Um ein Kilogramm an Tierproteinen zu erhalten, verfüttern wir 4,5 kg Protein an Schweine, bei Hühnern sind es gar 5 kg.28 Beim Huhn entspricht das einem Proteinverlust von 80 Prozent – statt einer Mahlzeit könnten wir also fünf essen. Diese verschwendeten vier Mahlzeiten fehlen in unserer Ernährung und verschmutzen die Umwelt in Form von Gülle und Klimagasen. In einem zukunftstauglichen Ernährungssystem essen wir daher mehr pflanzliche Proteine selbst, anstatt sie an Tiere zu verfüttern. Für die Tierfütterung verwenden wir nur Grünland, auf dem keine Lebensmittel für die menschliche Ernährung angebaut werden können, und Lebensmittelabfälle. Die Tierbestände in der Schweiz würden dadurch stark sinken, insbesondere bei den Hühnern und Schweinen, da sie sich hauptsächlich von Kraftfutter ernähren. Eine im Dezember 2025 publizierte Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau zeigt, wie weniger Nutztiere die Selbstversorgung der Schweiz steigern und die Umweltbelastung markant senken würden.29 Abbildung 3 zeigt, wie sich die Tierbestände verändern würden, wenn auf allen geeigneten Ackerflächen in der Schweiz Pflanzen für die menschliche Ernährung angebaut würden.

49,8% importiert

50,2% 94,2% aus der aus derSchweiz Schweiz

21,7% aus der Schweiz

94,2% 78,3% importiert

5,8%

importiert

Abbildung 3: Veränderung der Tierbestände in Feed-no-Food-Szenario

94,2%

aus der Schweiz

10,6% importiert

-25%

-81%

-88%

-7%

94,2% 89,4% aus der Schweiz aus der Schweiz

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Die Schweiz. Ein Grasland? Die Schweiz als Grasland wird häufig angeführt, um zu argumentieren, wieso der Anteil der Tierproduktion in der Schweizer Landwirtschaft so hoch ist. Wegen der grossen Grünlandflächen entspräche die Milch- und Fleischproduktion einer standortangepassten Landwirtschaft. Diese Argumentation basiert auf drei Annahmen, die wir einem kurzen Faktencheck unterzogen haben. 1. S chweizer Nutztiere fressen hauptsächlich Gras: Nur 62 Prozent des Futters für Schweizer Nutztiere stammen von Schweizer Grasland. Auch bei Rindern liegt der Futteranteil von Schweizer Gras nur bei 75 Prozent.30 Mengenmässig gesehen frisst das Rindvieh zudem mehr Kraftfutter als andere Nutztiere.31 2. Raufutter wird auf natürlichen Grünflächen produziert, die sich nicht für den Ackerbau eignen: 46 Prozent des Raufutters werden aktuell auf Ackerflächen produziert.32 Ein Blick in die Vergangenheit und auch Pionierprojekte zeigen zudem, dass auf heutigen Naturwiesen und Weiden durchaus Ackerbau möglich wäre.33 3. D ie Tierproduktion ist wichtig für den Selbstversorgungsgrad der Schweiz: Die Selbstversorgung der Schweiz mit Tierprodukten ist hoch. Systemisch gesehen ist die Produktion von Tierprodukten jedoch hochgradig ineffizient (vgl. Box «Proteinverschwendung par excellence»). Würden auf den Ackerflächen der Schweiz Nahrung für Menschen wachsen und geeignete Grünflächen als Ackerfläche umgenutzt, stiege der Selbstversorgungsgrad um 15 Prozentpunkte auf 65 Prozent.34

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Die importierten Futtermittel führen zu einem Nährstoffüberschuss in Schweizer Böden. Besonders problematisch sind Stickstoff und Phosphor. Beide setzt die Landwirtschaft als Dünger ein. Aktuell gelangen aber zwei Drittel des Stickstoffs in die Umwelt.24 Die Folgen: • Im Grundwasser belastet Nitrat das Trinkwasser und kann unserer Gesundheit schaden.25 • In der Luft erhöht Stickstoff die Feinstaubbelastung. • Im Boden wandeln Mikroben Stickstoff zu Lachgas um – ein besonders schädliches Klimagas. • Gelangen Stickstoff oder Phosphor in sensible Ökosysteme wie Moore, werden diese überdüngt. Als Folge nimmt die Vielfalt an Lebewesen drastisch ab oder die Arten sterben ganz aus. • In Gewässern führt zu viel Stickstoff und/ oder Phosphor zu einem starken Algenwachstum, was wiederum zu Sauerstoffmangel und Fischsterben führt. Die Überdüngung von Gewässern ist kein neues Problem in der Schweiz: Bereits seit über 40 Jahren müssen fünf Schweizer Seen belüftet werden, um zu verhindern, dass die Ökosysteme in den Seen kollabieren und die Fische sterben.26

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5. Was wir jetzt brauchen: mutige Detailhändler und Politiker:innen Ein zukunftstaugliches Ernährungssystem wie PLANT, mit 60 Prozent pflanzlichen Proteinen, gelingt nur, wenn alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette mitziehen. Politik und Detailhandel kommt dabei eine besondere Verantwortung zu. Darum fordern wir von diesen beiden Akteuren mutige und effektive Massnahmen. Forderungen an den Detailhandel: • Proteinziel: Bis 2035 sollen mindestens 60 Prozent der verkauften Proteine pflanzlich sein. • Transparenz: Detailhändler müssen jährlich messen, wie viele pflanzliche und tierische Proteine sie verkaufen. Die Zahlen dazu müssen sie veröffentlichen, transparent und nachvollziehbar. • Ökologische Schweizer Produkte: Detailhändler müssen mehr pflanzliche Produkte anbieten, die ökologisch von Schweizer Landwirt:innen produziert werden. • Faire Preise: Die Produktpreise müssen der Kostenwahrheit entsprechen. Das heisst unter anderem, pflanzliche Alternativen dürfen nicht teurer sein als tierische Proteine. • Verantwortungsvolles Marketing: Werbung, Verkaufsaktionen und Rabatte sollen Detailhändler nur noch für pflanzliche Produkte aus der Schweiz anbieten.

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Forderungen an die Bundesverwaltung und die Politik: • Eine umfassende und kohärente Ernährungspolitik, die einen Rahmen für die gesamte Wertschöpfungskette setzt. • Erarbeitung einer Proteinstrategie, die den Anteil pflanzlicher Proteine in der ganzen Wertschöpfungskette deutlich erhöht und dabei wirtschaftliche Resilienz, Gesundheitsund Umweltziele vereint und den Übergang sozial gerecht gestaltet. • Für die Agrarpolitik 2030+ fordern wir: • Eine rechtliche Grundlage für die Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel, um diese ab 2030 verbindlich zu machen (siehe Forderungen an Detailhandel, vgl. «Agrarpolitik 2030+»). • Effektive konsumseitige Massnahmen: Zum Beispiel müssen Gesundheits- und Nachhaltigkeitsanreize gesetzt und die Gemeinschaftsgastronomie (Kantinen, Spitäler, Heime usw.) einbezogen werden. • Die Verschiebung von Subventionen (Direktzahlungen, Absatzförderung) von tierischen zu pflanzlichen Proteinen. • Die Verbesserung des Grenzschutzes für ökologisch angebaute Pflanzen für die menschliche Ernährung. • Ressourceneffizienzanreize (REA), die dazu führen, dass die Nutztierzahlen sinken. • Einen Transformationsfonds, der Landwirt:innen bei der Umstellung berät und finanziell unterstützt. • Die Umsetzung der Klimamassnahmen gemäss «Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung.»

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Quellen: 1 Schläpfer (2020). Kosten und Finanzierung der Landwirtschaft. Vision Landwirtschaft. https://www.visionlandwirtschaft.ch/documents/59/KFL_Bericht_pK2gDgn.pdf 2 BLW (2025). Agrarbericht 2025. Bundesamt für Landwirtschaft BLW. https://www.agrarbericht.ch/de/markt/tierische-produkte/fleisch-und-eier 3 Auderset, J., & Moser, P. (2023). Geschichte des Fleisches und des Fleischkonsums in der Schweiz seit dem 19. Jahrhundert. Ein Forschungsbericht. (Working Paper No. 8; AfA-Working Paper). Archiv für Agrargeschichte. https://www.histoirerurale.ch/pdfs/AfA-Working_Paper_08.pdf 4 Auderset, J., & Moser, P. (2023). Geschichte des Fleisches und des Fleischkonsums in der Schweiz seit dem 19. Jahrhundert. Ein Forschungsbericht. (Working Paper No. 8; AfA-Working Paper). Archiv für Agrargeschichte. https://www.histoirerurale.ch/pdfs/AfA-Working_Paper_08.pdf 5A uderset, J., & Moser, P. (2023). Geschichte des Fleisches und des Fleischkonsums in der Schweiz seit dem 19. Jahrhundert. Ein Forschungsbericht. (Working Paper No. 8; AfA-Working Paper). Archiv für Agrargeschichte. https://www.histoirerurale.ch/pdfs/AfA-Working_Paper_08.pdf 6 BLW (2024a). Agrarbericht 2024. Bundesamt für Landwirtschaft BLW. https://issuu.com/blw_ofag_ufag/docs/agrarbericht_2024 7T rachsel, S., Forrer, C., Grüter, R., & Bezzola, T. (2024, Oktober). Tierische Produkte und ihre pflanzlichen Alternativprodukte im Vergleich: Preis-und Kostenstrukturen. https://doi.org/10.21256/ZHAW-31683 8 Python, P., Gresset, F., Réviron, S., & Dani, L. (2022). Wertschöpfungskette Schweinefleisch. Agridea. 9 Aviforum. (2024, November 15). Eier- und Geflügelmarkt 2023, (Inlandproduktion, Importe, Konsum). https://www.aviforum.ch/Portaldata/1/Resources/wissen/ statistiken/de/Statistiken_2023_24_d.pdf 10 Gresset, F., Python, P., & Réviron, S. (2017). Wertschöpfungskette Rind. Agridea. 11 Preisüberwacher. (2023). Vorabklärung des Preisüberwachers betreffend die Preise der (Bio-)Lebensmittel im Detailhandel. 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Economie Suisse. https://www.economiesuisse.ch/de/dossier-politik/agrarpolitik-einfach-erklaert 19 Trachsel, S., Forrer, C., Grüter, R., & Bezzola, T. (2024, Oktober). Tierische Produkte und ihre pflanzlichen Alternativprodukte im Vergleich: Preis-und Kostenstrukturen. https://doi.org/10.21256/ZHAW-31683 20 Bundesrat (2022). Zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik. Bericht des Bundesrates in Erfüllung der Postulate 20.3931 der WAK-S vom 20. August 2020 und 21.3015 der WAK-N vom 2. Februar 2021. https://www.parlament.ch/centers/eparl/curia/2020/20203931/Bericht%20BR%20D.pdf 21 G rüter, R. (2024). IST-Analyse: Charakterisierung der Wiederkäuerhaltung der Schweiz. In «Zukunft Weide» Chancen und Herausforderungen einer zukunftsfähigen Graslandwirtschaft. foodward Stiftung. 22 Müller A., Augustiny A., Amacker R., Walter A., Keller B., Bosshard A. (2025). Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung. Agrarforschung Schweiz, 16, 212–224. https://doi.org/10.34776/afs16-212 23 Agristat. (2025a). Grafiken zur Schweizer Landwirtschaft. Inlandanteil der Futtermittel nach Tiergattung. Schweizer Bauernverband. https://www.sbv-usp.ch/ de/services/agristat-statistik-der-schweizer-landwirtschaft/grafiken (Abgerufen am 23.12.2025) 24 Siegwart, K., Schwarz, E., Blank, S., Wüest, M., Rohn-Brossard, M., Schneeberger, K., Steffen, P., Zimmermann, P., Jakob, M., & Stark, R. (2023). Umwelt Schweiz 2022. Bericht des Bundesrates. Schweizerischer Bundesrat. 25 BLW. (2024b, Dezember 11). Stickstoff in der Landwirtschaft. Bundesamt für Landwirtschaft BLW. https://www.blw.admin.ch/de/stickstoff 26 Spiess, E., & Liebisch, F. (2024). Nährstoffbilanz der schweizerischen Landwirtschaft für die Jahre 1975 bis 2022. In Agroscope Science (Bd. 198). Agroscope. https://doi.org/10.34776/AS198G 27 Mowi. (2023). Feed conversion ratio of selected meat and fish worldwide. 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Impressum PLANT, Das Ernährungssystem der Zukunft Basierend auf dem Bericht «Vision PLANT50. Für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem der Schweiz: Pflanzlich-Lokal-Ausgewogen-Nachhaltig-Tiergerecht», Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) im Auftrag von Greenpeace Schweiz. Greenpeace Schweiz, März 2026 Kampagnenverantwortung: Barbara Wegmann und Nico Frommherz, Greenpeace Schweiz Autorin: Michelle Sandmeier Lektorat: Urs Wittwer Layout: Franziska Neugebauer Fotos: © Franziska Neugebauer / Greenpeace (S. 1), © Lucas Wahl / Greenpeace (S.2), © Gian-Luca Riner/ Unsplash (S. 2), © Marc Meier / Greenpeace (S. 3, 5, 6, 11, 16), © Kelly Sikkema / Unsplash (S. 3), © Emile Loreaux / Greenpeace, © Fred Dott / Greenpeace, © Jean Wimmerlin / Unsplash (S. 10), © Lukas W / Unsplash (S. 13) © Lukasz Rawa / Unsplash, (S. 15) Greenpeace Schweiz, Badenerstrasse 171, Postfach, CH-8036 Zürich schweiz@greenpeace.org Greenpeace finanziert ihre Umweltarbeit ausschliesslich durch Spenden von Privatpersonen und Stiftungen. greenpeace.ch/de/handeln/spenden Spendenkonto: IBAN CH07 0900 0000 8000 6222 8 16

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PLANT: Das Ernährungssystem der Zukunft by Greenpeace Switzerland - Issuu