Greenpeace Member Nr. 4 / 25
Debatte
Das steckt dahinter
Welche Ver antwortung trägt die Schweiz?
Wie viel Gift gelangt in die Umwelt?
S. 31
Gold
S. 29
Atomkraft? Nie wieder! Wir wollen keine Rückkehr in die Vergangenheit – und keine neuen AKW. Denn Atomkraft ist gefährlich, teuer und hinterlässt strahlenden Abfall für unzählige Generationen. Unterzeichnen auch Sie unsere Petition an den Nationalrat.
greenpeace.ch/de/handeln/ atomkraft-nie-wieder
Editorial
Schmuck hat mir noch nie viel gesagt, liebe Leser:innen. Wenn ich mal einen Ring oder eine Kette geschenkt bekommen habe, sind die nach zwei-, dreimal Tragen irgendwo in der Kommode verschwunden. Und trotzdem hat mich Instagram vor nicht allzu langer Zeit dazu verleitet, zusammen mit meinem Partner permanente Goldarmbändchen machen zu lassen. Kitschig? Absolut. Aber der Gedanke daran, etwas zu haben, das uns verbindet, war dann doch irgendwie auch schön. Und: Man kann es nicht abziehen. Ha! Woran ich beim Armband-Kauf leider keinerlei Gedanken verschwendet habe, ist die Herkunft des Goldes. Denn wegen meiner Schmuck- Indifferenz kam ich bisher einfach nie auf die Idee, mich damit aus einanderzusetzen. Bitzli blauäugig? Auch hier: absolut. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich mit meiner Unkenntnis über Gold nicht allein bin. Weshalb wir dieses Magazin genau diesem Thema widmen. Wir zeigen, wie das Edelmetall aus illegalen Minen in Ghana in die Schweiz kommt und dabei eine Spur der Verwüstung hinterlässt (S. 16). Welche (desaströse) Rolle Quecksilber bei der Gewinnung spielt (S. 29). Und wieso ausgerechnet in der Schweiz beim Gold niemand so wirklich hinschauen will (S. 31). Ich wünsche Ihnen schöne Festtage mit wenig Gold – aber viel Guetsli! Danielle Müller Redaktionsleitung
Cover: Evgeny Makarov
Goldener Teufelskreis
Inhaltsverzeichnis
Reportage Der Goldmarkt feiert Rekorde, doch der wahre Preis des Edelmetalls zeigt sich in Ghana: zerstörte Natur, kranke Menschen und leere Versprechungen.
S. 16
International
Aktuell
Bei den Kayapó-Indigenen
Achtung: Happiness-Effekt
S. 10
S. 14
IMPRESSUM GREENPEACE MEMBER 4 / 25 Herausgeberin/ Redaktionsadresse: Greenpeace Schweiz Badenerstrasse 171 8036 Zürich Telefon 044 447 41 41 redaktion@greenpeace.ch greenpeace.ch Redaktionsteam: Danielle Müller (Leitung), Franziska Neugebauer (Bildredaktion) Korrektorat/Faktencheck: Marco Morgenthaler, Danielle Lerch Süess Texte: Evgeny Makarov, Katharina Wehrli, Miryam Nadkarni, Roland Gysin Fotos: Evgeny Makarov, Samara Souza Illustrationen: Janine Wiget, Jörn Kaspuhl, Raffinerie Gestaltung: Raffinerie Bildbearbeitung: Marjeta Morinc Druck: Stämpfli AG, Bern
Papier, Umschlag und Inhalt: 100 % Recycling Druckauflage: d 63 000, f 13 000 Erscheinungsweise: viermal jährlich Das Magazin Greenpeace geht an alle Mitglieder (Jahresbeitrag ab Fr. 84.–). Es kann Meinungen enthalten, die nicht mit offiziellen Greenpeace-Positionen übereinstimmen.
Aktion 4 Fortschritt 6 Taten statt Worte
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Engagement 9 International 10 Aktuell 14 Zahlen & Fakten
15
Reportage 16 Das steckt dahinter
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Stimmt Ihre Adresse noch? Planen Sie einen Umzug? Wir nehmen Änderungen gerne entgegen: schweiz@greenpeace.org oder 044 447 41 41
DIY 30
Spenden: CH07 0900 0000 8000 6222 8 Online-Spenden: greenpeace.ch/spenden
Schlusswort 35
Debatte 31 Patenschaft 33 Rätsel 34 Spotlight 36
Aktion
Während sich die Regierungen der Welt in Genf zu den Verhandlungen über ein globales Plastikabkommen trafen, hinterliessen Greenpeace-Aktivist:innen eine symbolische Spur aus schwarzem Öl vor dem Eingang des Palais des Nations, um auf den zunehmenden Einfluss der fossilen Brennstoffindustrie auf die Verhandlungen rund um die Reduzierung der Plastikproduktion hinzuweisen. Genf, Schweiz 7. August 2025
Bild: © Samuel Schalch / Greenpeace
Fortschritt
Weniger Aquakultur
Bild: © Marten van Dijl / Greenpeace
Mehr Naturschutz Gemeinsam mit anderen Organisationen hat Greenpeace Niederlande die Umweltgenehmigung des Flughafens Schiphol in Amsterdam angefochten – und einen Sieg errungen. Ein Gericht befand im Juli, dass die Genehmigung auf falschen Daten beruhte, und erklärte sie für ungültig. Das bedeutet, dass der Flughafen nicht mehr in seinem derzeitigen Umfang betrieben werden darf und verkleinert werden muss. Was wiederum zu geringeren Klimagasemissionen und weniger Stickstoffbelastung führt. Ein wichtiger Schritt für die Natur und den Klimaschutz.
Vor der Küste der italienischen Gemeinde Battipaglia wollte das Unternehmen Tuna Sud Srl auf einer Meeresfläche von rund 49 000 Quadratmetern eine Mastanlage für Roten Thunfisch errichten. Doch dann veröffentlichte Greenpeace Italien den Bericht «Die Jagd nach dem roten Gold» über die intransparenten Machenschaften der Thunfisch-Industrie – und die Gemeindeverwaltung entzog dem U nternehmen die Genehmigung für die Anlage wieder. Ein kleiner, aber wichtiger Sieg im Kampf gegen die wachsende Aquakultur.
Bild: © Martin Katz / Greenpeace
Bild: © Gavin Newman / Greenpeace
Weniger Ölförderung
Ein historisches Urteil erlangte Greenpeace im September in Argentinien: Der oberste Gerichtshof des Landes verurteilte die nationale Regierung und zwei Ölgesellschaften dazu, einen Plan zur Einstellung der Ölförderung im Nationalpark Calilegua bis 2030 zu erarbeiten. Ausserdem müssen verursachte Umweltschäden im Park rückgängig gemacht werden. Greenpeace Argentinien hatte 2019 Klage gegen die Ölförderung im Park eingereicht und mit einer Petition rund 270 000 Unterschriften für deren Schliessung gesammelt. Nun werden die 76 000 Hektaren Land und Teile des arten reichen Yungas-Regenwaldes in fünf Jahren endlich stärker vor Umweltverschmutzung geschützt sein.
Taten statt Worte
Mit vielen Freiwilligen für weniger Food-Waste
Mehr Infos zur Wertstätte: Sonja Grässlin, Gründerin Wertstätte
wertstaette.ch
Autorin: Jara Petersen
Alles begann mit einer Palette übrig gebliebener Erdbeeren, die Sonja Grässlin, damals Leiterin der Schweizer Tafel in Basel, vor der Entsorgung bewahrte. «Wir machen noch was aus denen», sag te sie dem Importeur. Wie so oft im Leben der seit 33 Jahren in der Schweiz lebenden Holländerin fügten sich die Dinge. Eine Spende an Gläsern und Zucker, und die ersten Konfitüren aus geretteten Früchten wurden von einer Grup pe Freiwilliger gekocht. Die symbolische finanzielle Starthilfe eines Freundes ermutig te Sonja Grässlin, die Gründung einer gemeinnützigen GmbH zu wagen. Heute, sechs Jahre später, rettet die Wertstätte mit rund 75 Freiwilligen Lebensmittel, ver wandelt sie in Köstlichkeiten, be
treibt einen Marktstand und einen Laden und organisiert Workshops für Schulklassen, Gruppen und Firmen. «Ich wollte etwas machen, das zu einer positiven Entwick lung beiträgt und mir und ande ren Spass bringt», erzählt Sonja Grässlin. «Alleine hätte ich es nie geschafft», betont sie. Denn die Wertstätte lebt vom Austausch und vom Engagement vieler. Zu Beginn stand für Sonja das The ma Lebensmittelverschwendung im Vordergrund. Nach sechs Jah ren Wertstätte begegnet sie im mer häufiger auch einem anderen Problem: der Einsamkeit. «Die kann einfach jeden treffen», sagt sie. Viele Menschen kämen am Marktstand und im Laden vorbei, einfach um zu reden. «Einmal räusperte sich eine Frau», erzählt Sonja Grässlin, «und ich fragte sie, ob sie Halsweh habe. Woraufhin
die Frau Nein sagte, aber sie habe schon seit drei Tagen nicht mehr gesprochen.» Auch unter den Freiwilligen sind immer wieder Menschen, die Struktur und Gemeinschaft su chen. Oft erlebt Sonja Grässlin, wie sie aufblühen: «Mit anderen zusammen etwas herzustellen und ein Produkt in den Händen zu hal ten, tut gut.» Ihr gefällt es, Men schen zusammenzubringen, deren Wege sich sonst kaum gekreuzt hätten. Von der Schülerin bis zum pensionierten Koch. Die einzigen Hürden: Fehlende Zeit und fehlen de Mittel sind ständige Begleitfak toren ihrer Arbeit. Doch sie bleibt positiv: «Das Thema Lebensmit telverschwendung ist sehr aktuell und viele helfen uns.» Menschen zu unterstützen und an Lösungen für weniger Food-Waste zu tüfteln, bleibt ihr Motor.
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Taten statt Worte
Ohne Boden keine Zukunft
Teil von «Soil to Soul» werden: Thomas Sterchi, Gründer von «Soil to Soul»
sotoso.org
Autorin: Danielle Müller, Greenpeace Schweiz
Boden und Darm – zwei Wörter, die man eher selten miteinander in Verbindung bringt. Doch ge nau da setzt «Soil to Soul» an. Die Wissensplattform will das Be wusstsein dafür stärken, wie gross der Zusammenhang zwischen ge sunden Böden und gesunden Men schen ist. «Wenn wir den Boden nämlich nur aus- und übernutzen, mit Chemikalien belasten und mit Gülle überdüngen», erklärt Gründer Thomas Sterchi, «wird uns diese Ressource in wenigen Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen.» Und das wäre laut dem gebürtigen Berner vor allem eines: fatal. Das Projekt «Soil to Soul» bringt deswegen Experten, Gas tronominnen, Bauern und sons tige Interessierte an einen Tisch
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und fördert den Diskurs rund um die Themen Bodenbewirtschaf tung, Genuss und Verdauung. Ge rade in Zeiten, in denen die Indus trie den Status quo beibehalten will und die Bevölkerung nur un zureichend über die Problematik informiert wird, ist das beson ders wichtig, sagt Thomas Ster chi. «Weil von einem gesunden Boden nicht nur unsere Ernäh rung abhängt, sondern auch die der nächsten und übernächsten Generationen.» Dass der Unternehmer weiss, wie nachhaltige Landwirt schaft funktioniert, zeigt er auf seiner Farm in Portugal. Diese hat Thomas Sterchi vor wenigen Jah ren gekauft und auf eine regene rative Landwirtschaft umgestellt. Genauso sieht er auch die Zukunft: «Es muss einen deutlich höheren Selbstversorgungsgrad geben,
kleinere Kreisläufe und weniger Nahrungsmittel, die einmal um die Welt verschifft werden.» Die Politik wisse das auch, ist der 56-Jährige überzeugt. «Nur macht sie zu wenig, und das, was sie machen will, wird von der Land wirtschaftslobby verhindert.» Mit «Soil to Soul» hat er eine Gegenbewegung lanciert. Und auch wenn die Plattform nur ein kleiner Widerstand in einer grossen Maschinerie ist, verzwei felt Thomas Sterchi nicht, denn: «Alles Grosse hat einmal klein angefangen. Man muss nur dran bleiben.»
Illustrationen Seite 7/ 8: Jörn Kaspuhl schloss 2008 sein Studium an der Universität in Hamburg als Illustrator ab. Nach langem Aufenthalt in Berlin arbeitet er heute wieder in der Hansestadt.
Engagement
e r k w sin r e u iti e F Ein lauter Knall, dann helle Lichter am Him mel: Für viele bedeutet das Festlichkeit. Für Tiere, manche Menschen und die Umwelt beginnt damit aber eine Nacht voller Belastun gen. Die Initiative «Für eine Einschränkung von Feuerwerk» setzt genau hier an. Sie fordert eine nationale Regelung, die lärmerzeugendes Feuerwerk auf bewilligte öffentliche Anlässe beschränkt, wie etwa zum 1.August oder an Silvester. Leise Alternativen wie Vulkane oder bengalische Lichter sollen weiterhin auch durch Private gezündet werden können.
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Des einen Freud, des anderen Leid
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Feuerwerkslärm bedeutet für Tiere akuten Stress. Haustiere verkriechen sich zitternd oder müssen medikamentös beruhigt werden. Wild tiere reagieren besonders sensibel: Der plötz liche Lärm löst panikartige Flucht aus. Das stört die Tiere bei ihrer Winterruhe und kostet überlebenswichtige Energie. Vögel verlieren die Orientierung und kollidieren mit Hinder nissen. Auch Nutztiere wie etwa Kühe geraten in Stress, verletzen sich oder durchbrechen Zäune. Diese Folgen sind vermeidbar. Zudem verursacht Feuerwerk jährlich rund 1300 Tonnen Abfall und bis zu 400 Ton nen Feinstaub, inklusive giftiger Metalle und teils krebserregender Stoffe. Diese gelangen in Böden, Luft und Gewässer. Rückstände bleiben in der Natur liegen. Es ist an der Zeit, mit mehr Rücksicht auf Menschen, Tiere und Umwelt zu feiern. Mit Ihrer Unterstützung machen wir die Schweiz ruhiger, sauberer und umwelt- und tierfreundlicher.
In Hier itiativ
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inen ruhigen Silvester : Für e
feuerwerksinitiative.ch
«Der Regenwald und die Flüsse sind seit Generationen unsere Lebensquelle. Menschen auf der ganzen Welt müssen verstehen: Wir können nicht ohne die Natur leben», sagt Bedjai Txucarramãe, einer der Anführer der indigenen Kayapó.
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International
GIFTIGES
GOLD
Das Herz des Amazonasgebiets ist geprägt von zerstörter Natur – und Menschen, die sie mit aller Kraft verteidigen. Eine Reise zu den illegalen Goldminen im Regenwald und in die Heimat der Kayapó-Indigenen.
Autorin: Miryam Nadkarni, Greenpeace Deutschland; Bilder: Samara Souza
Es ist ein wackeliger Flug. Gerade sind die Turbulenzen besonders heftig, da ruft der Pilot plötzlich: «Garimpo, garimpo!» Wir drehen uns alle auf unseren Sitzen um und schauen gespannt aus dem Fens ter. Die letzten zwei Stunden sind wir über den teilweise unter Wol ken verborgenen, schier endlosen Amazonas-Regenwald geflogen – doch jetzt lichtet sich die Wolken decke und unter uns klafft eine riesige Wunde im Wald. Rötlichgelbe Sand- und Schlammgru ben, so weit das Auge reicht, und zahlreiche teilweise bläuliche Wasserbecken. Fast schön, aber
wir wissen: Das Wasser und die Böden sind mit Chemikalien und Schwermetallen verseucht. «Garimpo» – so nennt man in Brasilien den illegalen Gold abbau im Amazonasgebiet. Die Goldgräber:innen leisten hier ganze Arbeit. Mit Baggern rücken sie auch in die entlegensten Ecken des Regenwaldes, graben ihn um und zerstören Pflanzen, Tiere und den Boden. Die Gebiete, in denen sie nach Gold schürfen, sind dabei oft nicht unbewohnt, sondern in digene Territorien. Während der Pilot über den Minen Kreise dreht, machen wir so viele Fotos wie möglich. Das ist die einzig sichere Möglichkeit, an Bildmaterial zu kommen. Am
oden können wir uns den Gold B gräber:innen nicht nähern, das Risiko, angegriffen zu werden, ist zu hoch. Zusammen mit ausge werteten Satellitendaten schicken unsere Kolleg:innen aus dem brasilianischen Greenpeace-Büro diese Recherche später an die Behörden Brasiliens – damit un terstützen wir den Kampf gegen den illegalen Goldabbau. Der Bergbau ist in indigenen Gebieten grundsätzlich verboten. Die Regierung unter dem derzeiti gen Präsidenten Lula da Silva schickt regelmässig Patrouillen in die Territorien, die die Minen dichtmachen und die Bergbauma schinen zerstören. Aber es ist nicht leicht, das Problem in den Griff
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zu bekommen. Eine aktuelle Greenpeace-Recherche zeigt, dass die «Garimpeiro», wie die Gold gräber:innen genannt werden, Katz und Maus mit den Einsatz kräften spielen: Wird eine Mine geschlossen, weichen sie auf ande re Gebiete aus. Denn der Bergbau ist so lukrativ wie nie zuvor – allein seit Ende 2024 ist der Goldpreis um über 50 Prozent gestiegen. Und so lohnt sich die Suche nach dem Edelmetall, obwohl in einer Tonne Boden des Amazonasbe ckens nur gerade mal 0,4 Gramm Gold zu finden sind.
Vermeintliche Idylle Drei Kinder toben über den Dorf platz, während träge Hunde im Schatten der Bäume dösen und ein zahmes Wildschwein den Boden durchstöbert. Unter einem Schat ten spendenden Dach haben sich die Dorfältesten versammelt – manche in traditioneller Kleidung,
andere in T-Shirts und Shorts. Wir sind im Dorf Piaraçu in Capoto Jarina. Es liegt im Bundesstaat Mato Grosso im Herzen Brasiliens. Die Region gehört zum Siedlungsund Schutzgebiet der indigenen Kayapó und ist geprägt von dich ter Regenwaldlandschaft, Flüssen und einer weitgehend unberührten Natur – noch. So idyllisch die Atmosphäre im Dorf, so real die Bedrohungen für seine Bewohner:innen. Die Dorfältesten erzählen von den Goldminen, die sich immer weiter in indigenen Gebieten ausbreiten. Von Pestiziden, die nahe dem Dorf versprüht werden, die Luft ver pesten und Pflanzen und Insekten vergiften. Und von den immer nä her rückenden Rinderweiden und Sojafeldern. «Ihr sehnt euch nach Frieden in euren Städten, wir möch ten doch nur denselben Frieden in unseren Dörfern», sagt Kiabieti Metuktire Beko Metuktire, einer der Kayapó-Anführer.
Über 17 Prozent des AmazonasRegenwalds wurden bis heute zerstört. Das mag zwar nicht so schlimm klingen, doch Wissen schaftler:innen gehen davon aus, dass der Regenwald seinen Kipp punkt erreicht, wenn 20 bis 25 Pro zent der Waldfläche verschwun den sind. Dann gibt es nicht mehr genug Baumfläche, um den Was serkreislauf des Waldes und all sein Leben aufrechtzuerhalten.
Amazonas schützen
greenpeace.ch/de/handeln/ amazonas-schuetzen/
Eine aktuelle Greenpeace-Recherche zeigt, dass in den letzten beiden Jahren allein in vier untersuchten indigenen Gebieten über 4000 Hektaren Regenwald für Goldminen zerstört wurden.
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Im März 2025 besuchte Greenpeace das Dorf Piaraçu, um über Waldzerstörung, illegalen Goldabbau und die Landrechte indigener Völker zu sprechen.
3 Fragen an Greenpeace Brasilien Bringt der Goldabbau nicht auch Vorteile für die Bevölkerung im Amazonas?
Wohin wurde 2024 der grösste Teil des illegalen Goldes exportiert?
Kann man legales und illegales Gold beim Kauf unterscheiden?
Entgegen der Behauptung einiger fördert der illegale Goldabbau we der Entwicklung noch Fortschritt. Stattdessen generiert er Gewinne für wenige, während er soziale, ökologische und gesundheitliche Schäden für viele verursacht. Dies belegt eine Studie des Instituto Escolhas, die zeigt, dass der Gold abbau der Bevölkerung im Ama zonasgebiet keine sozialen oder wirtschaftlichen Vorteile bringt und die umliegenden Gemeinden weiterhin in Armut, Krankheit und ohne Bildung leben.
Nach Kanada, in die Schweiz und in das Vereinigte Königreich. Die se drei Länder sind wichtige glo bale Zentren für die Raffination, Verarbeitung und den Handel von Gold. Es bestehen jedoch erheb liche Diskrepanzen zwischen den von Brasilien und der Schweiz ge meldeten Importen und Exporten: Das importierte Gold überstieg die exportierte Menge im Jahr 2023 um 62 Prozent, was etwa 8,7 Ton nen des Edelmetalls entspricht.
Leider nein. Aufgrund der weiten Verbreitung und einfachen Mani pulierbarkeit lässt sich die Her kunft von Gold leicht verschleiern. Über verschiedene Kanäle wird so illegal abgebautes Gold aus dem Amazonasgebiet an Banken, Ju weliere, Handelsunternehmen und internationale Märkte verkauft. Daher sollten Verbraucher:innen von Behörden und Unternehmen mehr Transparenz hinsichtlich der Herkunft und Verarbeitung von Gold verlangen.
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Aktuell
Das gute und glückliche Leben für Mensch und Planet beginnt zu Hause, vor der eigenen Haustür, in der Gemeinde. Deshalb sucht Greenpeace Gemeinden, die mit dem Modell der Donut-Ökonomie arbeiten möchten. Dafür zählen wir auf Ihre Unterstützung. Tomelilla liegt ganz im Süden von Schweden. Der Ort hat gut 7000 Einwoh ner:innen. Im September trafen sich in Tomelilla rund 40 Menschen aus der gan zen Welt, unter ihnen auch GreenpeaceKampagnenleiterin Annina Aeberli. Unter der Leitung der in Oxford lehren den britischen Wirtschaftswissenschaft lerin Kate Raworth diskutierten sie die Umsetzung der Donut-Ökonomie. Dieses von Raworth entwickelte Modell stellt Wirtschaft und Gesellschaft als Donut dar: Der innere Ring steht für das «gesellschaftliche Fundament» mit Grundbedürfnissen wie politischer Teil habe, Gesundheit und Bildung. Der äussere Ring steht für die planetaren Be lastungsgrenzen wie Klimawandel und Verlust der Artenvielfalt. Raworth nennt ihn die «ökologische Decke». Es ist kein Zufall, dass das DonutTreffen gerade in Tomelilla stattfindet. Die Kleinstadt will die Donut-Ökonomie einführen. Ein Experiment, das kürzlich der englischen Zeitung «The Guardian» eine Reportage wert war. Bauer Per-Martin Svensson lässt sich vom Medieninteresse nicht aus der Ruhe bringen. Er mag das Konzept des Donuts. Es sei wie das Führen eines Bauernhofs: «Zu viel Dünger ist ein Fehler, zu wenig ebenfalls.» Zusammen mit Expert:innen er arbeiteten Politiker:innen, Verwaltung und Einwohner:innen, wo der Schuh drückt und wo die Gemeinde gut unter wegs ist. Resultat ist ein Donut-Fahr plan. Aeberli: «Basis für den Donut sind Daten, Gespräche und gute Ideen. Es
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greenpeace.ch/de/handeln/ happiness
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braucht ein gemeinsames Verständnis, wohin die Reise geht.» Jonna Olsson ist eine dieser Ex pertinnen. Das neue Schulhaus zum Bei spiel will Tomelilla ganz aus Recycling material bauen. Der öffentliche Verkehr wird ausgebaut. Olsson: «Es ist ein coo les Gefühl, Teil eines internationalen Wandels zu sein.» Weltweit arbeiten über 50 Gemeinden mit dem Donut – dar unter Glasgow und Barcelona oder die deutsche Stadt Bad Nauheim. Das gute und glückliche Leben für Mensch und Planet beginnt vor der eigenen Haustür, in der Gemeinde. Das Donut-Konzept ist ein möglicher Weg dorthin. Deshalb sucht Greenpeace Schweizer Gemeinden, die im Rahmen dieses Modells so politisieren und ar beiten möchten, dass sie die planeta ren Belastungsgrenzen einhalten und den Menschen ein stabiles soziales und gesellschaftliches Fundament bieten. Aktuell konzentrieren wir uns auf die Deutschschweiz. Bei der Suche zählen wir auf Ihre Unterstützung. Scannen Sie den QRCode und nominieren Sie eine Gemein de. Je mehr Menschen eine Ortschaft nominieren, desto eher können wir sie von der Teilnahme am Gemeindeprojekt überzeugen. Übrigens: Bevor Annina in Tome lilla in den Zug Richtung Schweiz stieg, konnte sie mit Donut-Erfinderin Kate Raworth sprechen. Sie sei gespannt, wie sich das Schweizer Gemeindeprojekt entwickeln werde, meinte diese und füg te verschmitzt an, sie habe schon immer einmal für Greenpeace arbeiten wollen.
35 Indikatoren Im Jahr 1944 beschloss die Staatengemeinschaft in Bretton Woods (USA), die Entwicklung von Volkswirtschaften künftig hauptsächlich mit dem Bruttoinlandprodukt (BIP) zu messen. Seither lautet die Formel: Je höher das BIP, desto mehr Wohlstand. Dem BIP ist es jedoch weitgehend egal, wie es um soziale Gerechtigkeit, Umweltzerstörung oder Gesundheit und Zufriedenheit steht. Anders der Donut. Im Modell der Donut-Ökonomie gibt es 35 Indikatoren wie politische Teilhabe, Verlust der Artenvielfalt und Gleichstellung. Das vermittelt ein weit besseres Bild über unseren Wohlstand und unser Wohlbefinden als das BIP.
×3 Zwischen 2000 und 2022 hat sich das globale Bruttoinlandprodukt (BIP) verdreifacht. Das heisst, eigentlich müsste es den Menschen und dem Planeten viel besser gehen. Doch das stimmt nicht. Die sozialen Fortschritte bleiben weltweit bescheiden und dem Klima geht es immer schlechter. Das hat viel mit der Verteilung des Reichtums zu tun. Im reichsten Fünftel aller Staaten – dazu gehört die Schweiz samt Nachbarstaaten – leben nur 15 Prozent der Weltbevölkerung. Mit einem Anteil von bis zu 73 Prozent tragen sie jedoch übermässig viel dazu bei, dass die planetaren B elastungsgrenzen mehr und mehr überschritten sind.
45 Prozent Wenige tausend Familien besitzen in der Schweiz immer mehr. In kaum einem anderen industrialisierten Land sind die Vermögen ungleicher verteilt als hierzulande. Das reichste Prozent der Steuerzahlenden besitzt rund 45 Prozent des Gesamtvermögens. Anfang der 1990er-Jahre waren es 32 Prozent. Es gibt verschiedene Gründe, weshalb wenige immer vermögender werden. Dazu gehören: Die Höhe der vererbten Vermögen nimmt stetig zu, immer mehr reiche Personen ziehen aus dem Ausland in Schweizer Steuerparadiese und Immobilien gewinnen ständig an Wert.
Quellen: «Verteilungsbericht 2025», Das Denknetz, 2025; «Doughnut of social and planetary boundaries monitors a world out of balance», Andrew L. Fanning, Kate Raworth, Nature, 2025; dievolkswirtschaft.ch/ de/2021/10/gruenes-bip-aufstiegfall-und-neuanfang; bpb.de/ kurz-knapp/zahlen-und-fakten/ globalisierung/52655/welt-bruttoinlandsprodukt
Ein M f
Reportage
GOLDENER
Was für die Welt glänzt, hinterlässt in Ghana tiefe Narben. Während der Goldmarkt Rekorde feiert, kämpfen Dörfer um ihr Wasser und ihre Zukunft. Zwischen Schlamm, Quecksilber und leeren Versprechen zeigt sich, was der Boom wirklich kostet. Text und Bilder: Evgeny Makarov
TEUFELSKREIS
Vorsichtig tastet Steven Apia in der schlammigen Brühe im Plastikeimer, bis etwas Glänzendes in seiner Handfläche aufblitzt: eine erbsengrosse, schimmernde Kugel. Er hält sie ins Licht, drückt, rollt, knetet sie, bis sie kleiner und fester wird. «Gold», haucht er und legt die Kugel in ein Tuch. Mit Schlägen gegen den Stein trennt er das Quecksilber von den gebundenen Partikeln. Zurück bleibt ein unförmiges Stück Goldamalgam, kaum grösser als ein Streichholzkopf. In Ghana nennt man seine Arbeit «Galamsey» – abgelei tet von «gather them and sell» (sammle sie und verkauf). Gemeint ist der Goldabbau ohne Lizenz, ausserhalb staatlicher Kontrolle. Für Menschen wie Steven ist es der vermeintliche Ausweg aus der Armut, für das Land eine ökologische Katastrophe. Am Ufer des Flusses Pra, der sich von den tropischen Re genwäldern vorbei an Farmland und Siedlungen hin zum Golf von Guinea quer durch Ghanas Goldgürtel schlängelt, liegt Stevens Grube. Über einen schmalen Pfad durch eine Kakaoplantage hindurch gelangt man dorthin. Er wischt sich mit der schlammi gen Hand den Schweiss aus dem Gesicht. Hier gibt es nichts mehr, was Schatten spenden könnte. Drei Männer aus Stevens Gang – so nennen sich die Gruppen der Arbeiter oft – stehen bis zur Brust im Schlamm und ziehen ein verstopftes Rohr frei. Hustend springt die alte Benzinpumpe an. Ihr Rattern zerreisst die Stille der Kra terlandschaft; schwarzer Rauch steigt auf. Mit einem Wasserstrahl lösen sie den Boden, bis eine Suppe aus Sediment entsteht. Die Pumpe treibt den Schlamm die Böschung hinauf auf eine Rampe, ausgelegt mit groben Matten, die die schwereren Goldpartikel filtern sollen. Dann ein weiterer Durchlauf mit feineren Tüchern, bis dem Ganzen hochgiftiges Quecksilber beigemischt wird, um die Goldpartikel zu binden. Während die Quecksilberreste am Ende des Tages im Wasser und in der Erde zurückbleiben, nimmt Steven das Gold mit.
Verlockender Gewinn
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Ghana fördert aktuell so viel Gold wie kein anderes Land in Afri ka – und vor allem der Kleinbergbau wächst rasant. Mittlerweile sollen über eine Million Menschen wie Steven in kleinen Gruppen oder auf eigene Faust so arbeiten. Laut einer Untersuchung von Swissaid stammt inzwischen fast die Hälfte der Goldproduktion Ghanas aus diesem Sektor. 2023 waren es über 68 Tonnen. Für 2025 wird ein weiteres Rekordjahr erwartet. Doch der Boom hat seinen Preis. In manchen Gemeinden liege die Quecksilberbelas tung beim 134-Fachen des WHO-Richtwerts, der Arsengehalt teils über 4000 Prozent des Grenzwerts. Ärzt:innen berichten aus Berg baugebieten von Nieren-, Haut- und Krebserkrankungen – beson ders bei Kindern.
Seite 16: Nana Bargya der Dritte, 47. Er ist Chief der Gemeinde Edugyee und gegen illegalen Bergbau. Seite 19, oben: Einer der vielen Goldankäufer und -veredler in der Region. Seite 19, unten: Eine Bar, in der sich viele Bergleute nach dem Zahltag treffen: Das Padis Pub.
Seite 20: Ein Goldgräber zeigt das Queck silber, das er verwendet, um das Gold während des Prozesses zu binden. Seite 21: Eine Galamsey- Minenanlage in Ghana. Die Männer stehen bis zu den Knien im Schlamm. Seite 22: Abdullah Yussif Adugyaa, 51, bei der Arbeit auf seiner Palmölplantage in der Gemeinde Edugyee, wo es keinen Goldabbau gibt.
Nur ein paar Kilometer vom Fluss entfernt im Dorf Nyenase stapeln sich auf dem Schreibtisch von Shalot Kwatema Medika mente und Patientenakten. Die kleine Klinik ist gerade leer, doch Arbeit gibt es für die Krankenschwester genug. Die Folgen des Goldabbaus sieht auch sie immer öfter. Und auch die Galamseyer kommen vermehrt zu ihr. «Viele schämen sich und tun sich schwer, nach Hilfe zu fragen», erklärt sie. Weil sie den ganzen Tag in dem vergifteten Wasser arbeiten, sind es oft Harnwegsinfekte und Haut ausschläge, mit denen sie Shalot aufsuchen. Aber auch Verbren nungen von Pumpen und Generatoren und aufgerissene Hände. Überall hinterlässt diese Arbeit ihre Spuren. Vor Ort könne man nur lindern und aufklären, die Möglichkeiten seien begrenzt. Sie warne die Männer oft vergeblich vor den langfristigen Gefahren für ihre Gesundheit. «Gerade machen sie gutes Geld, sie wollen nichts hören und gehen zurück in die Gruben. Und dann landen sie wieder bei uns. Ein Teufelskreis», sagt Shalot. Sie erinnere sich gut an die Zeit, als man das Wasser im Fluss Pra noch trin ken konnte. Heute schiebt sich eine schlammig gelbe Suppe die Ufer entlang. Das Wasser im kleinen Bach neben Abdullah Yussif Adugyaas Haus ist noch sauber. Sein Dorf Edugyee liegt zwar nur einige Kilometer entfernt von den Gruben, wehrt sich aber bisher erfolgreich gegen den Goldrausch. Der Farmer, Anfang fünfzig, lässt den Eimer in den Brunnenschacht hinab. «Mittlerweile über nimmt Galamsey die Gegend. Alle angrenzenden Dörfer sind betroffen. Überall wird gegraben», sagt er. Wo früher Farmland war, klaffen jetzt Löcher. Geduld und Disziplin, sagt Abdullah, brauche man als Farmer. Er baut Ölpalmen an, bewirtschaftet mit einem Kollegen vier Hektaren Kakao. Drei Jahre dauerte es, bis die Palmen Gewinn abwarfen, beim Kakao noch länger. Beim Galamsey gebe es wöchentlich Geld – mehr als vom Anbau. Viele der Farmhelfer hätten in die Gruben gewechselt. «Die Leute sehen nur den Gewinn, aber nicht, wie Gold das Land und die Naturres sourcen zerstört und uns Farmern die Lebensgrundlage nimmt», erzählt er deutlich bewegt.
Ein lukratives Geschäft In Ghana greifen traditionelles und staatliches System ineinander: Jede Community hat einen Chief. Er verwaltet Land, schlichtet Konflikte, vermittelt zwischen Staat, Investoren und Bewohne rinnen und kümmert sich um die Gemeinde. Wer Zugang zu Land will, verhandelt zuerst mit ihm. Nana Bargya III., Chief von Abdullahs Dorf Edugyee, ist klar gegen Galamsey. Der 47-Jähri ge, selbst Farmer, erklärt, dies bringe nur Probleme. In den Dörfern stiegen die sozialen Spannungen, es gebe mehr Diebstähle und die Jugend greife häufiger zu Alkohol und Zigaretten. Auch die
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erstörte Landschaft schmerze ihn. «Was sollen unsere Kinder in z Zukunft davon haben? Was bleibt für sie übrig?» Aber Standhalten werde immer schwerer, berichtet er. Viele junge Männer beklagten den Mangel an Perspektiven. Und tatsächlich wirkt das Dorf ver schlafen im Vergleich zu anderen in der Region: keine Kioske, die Gold ankaufen wollen, kaum Motorräder mit jungen Männern auf der Strasse, viele Häuser in schlechtem Zustand. In Nyenase hingegen, nur fünf Minuten Autofahrt ent fernt, herrscht reger Betrieb am Morgen. Ein neuer Arbeitstag in den Gruben – und im Laden von Oduro Dankwa, Lokalpolitiker und «Sponsor» der Goldgräber – beginnt. Motorräder rattern über die rote Piste. Junge Männer in Gummistiefeln steigen ab. Benzin geruch liegt in der Luft. Oduro, ständig in Bewegung und am Telefon, beschreibt sein Geschäftsmodell: Er liefert Pumpen, Ben zin, Schürfmatten, zahlt «Chop Money» für das Essen der Jungs. Sein Lohn: das Goldamalgam, das die Männer gewinnen; nach Möglichkeit kauft er auch den Rest zum Vorzugspreis ab. Er zählt Scheine aus einem dicken Bündel, füllt Kanister und gibt irgend wem Anweisungen per Telefon. Am Nachmittag zeigt er seine Ausbeute: grüne Plastik döschen mit Amalgamkugeln. «Wenn alle Maschinen arbeiten, bekomme ich pro Woche 15 bis 20 Pfund Goldamalgam rein», be hauptet er. Aber aktuell fehle es ihm an Equipment zum Ausleihen; nicht weniger als acht Pumpen hätten die Sicherheitskräfte in einer der Gruben beschlagnahmt. Es klingt fast absurd: Oduro Dankwa, den sie im Dorf auch «Chairman Ghana» nennen – wegen seiner Zugehörigkeit zur Regierungspartei und seines Einflusses auf die Gemeinde –, beschwert sich über vermeintlich korrupte Sicherheits kräfte und die Willkür, die ihm angeblich widerfährt. «Ich habe doch keinen Einfluss darauf, was die Leute mit den Maschinen ma chen: Ich leihe nur aus», sagt er. Diese Antwort gibt er auch, wenn man ihn nach der Umweltzerstörung in der Gegend fragt. Er sei halt Geschäftsmann. Angefangen habe er mit Benzinverkauf am Strassenrand, später habe er einen Goldgräber gesponsert, dann sei das Geschäft gewachsen. Heute arbeiten acht Gangs für ihn. «Gerade spare ich, um eine Raffinerie zu eröffnen», sagt er.
Auf Umwegen in die Schweiz
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In Twifo Praso, der nächstgrösseren Ortschaft, stehen viele solcher kleinen Raffinerien, in denen die Ausbeute aus den Gruben weiter verarbeitet und zu Goldnuggets gegossen wird. In einem Abstell raum mit kleinem Fenster zündet ein Arbeiter den Schweissbrenner an. Der dünne Stoff, den er bei solchen Arbeiten vor Mund und Nase trägt, hilft kaum gegen die giftigen Dämpfe. Bei hohen Tem peraturen verdampft das Quecksilber aus dem Goldamalgam. Übrig bleibt Gold. Im Vorraum hängt eine Karat-Tabelle, auf dem
Seite 25: Oduro Dankwa in seinem Geschäft, wo er Pumpen für den Bergbau verleiht, Geld an die Bergleute verteilt, Benzin für die Motorräder verkauft und das Goldamalgam einsammelt.
Seite 26, oben: In einer kleinen Raffinerie demons triert ein junger Mann den Prozess der Raffination von Amalgam zu Gold, indem er es erhitzt, sodass das Quecksilber verdampft. Seite 26, unten: Oduro Dankwa zeigt das Goldamalgam, das er von seinen Gangs erhalten hat, die in der Region Bergbau betreiben.
Tisch liegt eine Waage zur Dichtebestimmung. Das Gewicht wird hier mit dem Tageskurs hochgerechnet. Herkunftsfragen stellt niemand – und wohin das Gold geht, interessiert ebenso wenig. Einmal eingeschmolzen, wird der Ursprung des Goldes immer schwieriger nachzuverfolgen. Aus den Dörfern wandert es an lokale Zwischenhändler:innen. Diese verkaufen es weiter an grössere, lizenzierte Ankäufer:innen. Ein Teil wird direkt aus dem Land geschmuggelt. Nach Berechnungen von Swissaid sind im Jahr 2023 über 34 Tonnen Gold für den Export deklariert worden. Fast genauso viel wurde – so die Schätzung – auf inoffiziellen Wegen aus dem Land geschafft. Ghanas Gold aus dem Kleinbergbau wird überwiegend von den Vereinigten Arabischen Emiraten aufge kauft. Da beim Zoll das letzte Verarbeitungsland als Ursprung gilt, kann das Gold über solche Drittstaaten in eine Vielzahl von Län dern gelangen – so auch in die Schweiz. Der eigentliche Förderstaat bleibt dabei unsichtbar. Rund 200 Kilometer entfernt von Stevens Grube und Abdullahs Farm in der Hauptstadt Accra konzentriert sich der po litische Kampf. In einem stickigen Presseraum mit brummender Klimaanlage drängen Kameras nach vorn. Die Koalition gegen Galamsey hält eine Pressekonferenz. Vertreter von Berufs- und Bauernverbänden, der Zivilgesellschaft, Jugend- und Hochschul organisationen, Medien, Gewerkschaften und Unternehmen en gagieren sich hier. Sie eint die Sorge um Wasser, Land und Gesund heit. Am Pult steht ein Mann mit rotem Cowboyhut, dichtem Bart, schwarzer Brille: Kenneth Ashigbey. «Der Präsident muss um gehend den Notstand verhängen!», ruft er ins Mikrofon. «Wir werden keine Zukunft akzeptieren, in der wir uns das Wasser nicht leisten können, weil den Verantwortlichen der Mut fehlte, diejeni gen aufzuhalten, die es verderben.» Viele Bürger:innen hatten sich zu Jahresbeginn vom Regierungswechsel Besserung erhofft. Doch die versprochenen Massnahmen griffen nicht, klagt die Koalition. Wenn Wasserwer ke das Zehnfache an Chemikalien einsetzen müssten, um durch illegalen Bergbau verschlammtes Wasser aufzubereiten, sei die Lage unhaltbar. Über 20 Millionen Ghanaer:innen, warnt er, könn ten den Zugang zu sauberem Wasser verlieren. Eine schnelle Lö sung? Nicht in Sicht. Zu viele Entscheidungsträger:innen profitier ten, kritisieren die Aktivist:innen und verweisen auf Verstrickungen in Polizei und Verwaltung. Immer wieder werden Verbindungen lokaler Politiker:innen zum Goldabbau aufgedeckt.
Kein Ende absehbar Seit 2022 hat sich der Goldpreis mehr als verdoppelt – Rekorde folgen. Der Boom lockt korrupte Beamte, Politikerinnen, Sicher heitskräfte, Chiefs und ausländische Investoren; die weltweite
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Nachfrage treibt die Zerstörung voran. Wenn junge Menschen, die keinen Platz auf dem Arbeitsmarkt finden, im Galamsey einen Ausweg sehen, ist das Ausdruck eines grösseren Problems. Auch für Steven ist das Gold in erster Linie Lebensgrundlage: «Wir zerstören das Land, die Anbauflächen, so vieles. Das wissen wir – aber wir haben finanzielle Schwierigkeiten, deswegen können wir nicht aufhören.» Mit dem Geld aus der Grube finanziert Steven die Weiter bildung seiner Frau und kann seine Kinder versorgen. Trotz Haut ausschlägen, Schmerzen im Bauch und Rücken – solange er die Kraft hat, will er weitermachen. «Vielleicht noch zwei, drei Jahre. Wenn es gut läuft, kann ich dann aussteigen», sagt er mit einem verstohlenen Lächeln, während er unsicher im gelben Schlamm von einem Fuss auf den anderen tritt.
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Evgeny Makarov, geboren in St. Petersburg, verbrachte seine Kindheit zwischen Deutschland und Russland, nachdem seine Familie 1992 nach Hamburg gezogen war. Er studierte Sozial- und Politikwissenschaften an der Universität Hamburg. Während dieser Zeit entdeckte er die Fotografie als ein Werkzeug, um sich mit sozialen Realitäten jenseits des traditionellen akademischen Ansatzes auseinanderzusetzen.
Das steckt dahinter
Quecksilber
13,5 Kilogramm Quecksilber ist absonderlich. Es ist nicht nur das einzige Metall, das bei Zimmertemperatur flüssig ist, wegen seiner hohen Oberflächenspannung hinterlässt es auch keine Flecken. Ausserdem hat das Schwermetall eine sehr hohe Dichte: 1 Liter Quecksilber wiegt 13,5 Kilogramm.
30 Prozent
Über 3300 Tonnen Gold werden jährlich in über 100 Ländern der Welt abgebaut. Pro Kilogramm Gold braucht es rund 1,3 Kilogramm Quecksilber, das heisst rund 4300 Tonnen des giftigen Schwermetalls pro Jahr. Rund die Hälfte gelangt in die Umwelt: Der grösste Teil geht in die Atmosphäre, während sich 30 Prozent davon im Boden und in Gewässern absetzen.
Abführmittel
Im Mittelalter wurde das chemische Element rege und unbekümmert in der Medizin verwendet. Der Schweizer Arzt Paracelsus nutzte es im 16. Jahrhundert beispielsweise als Abführmittel. Bis ins 20. Jahrhundert war Quecksilber aber auch ein weitverbreitetes Mittel gegen Syphilis, wobei es zur Bekämpfung entweder auf die Haut aufgetragen oder inhaliert wurde.
Giftig
Weltweit arbeiten schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Menschen in kleinindustriellen Goldminen. Sie alle sind den giftigen Dämpfen von Quecksilber direkt ausgesetzt. Indirekt nehmen noch weitaus mehr Menschen das Metall über den Fischkonsum auf. Im Körper wirkt es sich auf das zentrale Nervensystem aus und kann vor allem bei ungeborenen Kindern zu Hirnfunktionsstörungen und Missbildungen führen.
34-fach
Nur schon im Amazonasgebiet gibt es ungefähr 2500 illegale Goldminen. Durch ihre Aktivitäten wird der als sicher geltende Grenzwert von Quecksilber in nahe gelegenen Gewässern um das 34-Fache übertroffen. Im Wasser verwandelt sich das Schwermetall in sogenanntes Methylquecksilber, ein starkes Nervengift, das in die Blutbahnen von Fischen und anderen Wassertieren gelangt.
Quellen: faszinationchemie.de/artikel/news/quecksilber-von-alchemisten-roten-wangen-und-verrueckten- hutmachern; materialarchiv.ch/de/ma:material_898?type=all; pureearth.org/global-mercury-program/ mercury-poisoning/; wwf.ch/de/medien/amazonas-quecksilberverseuchung-durch-goldabbau-groesserals-bisher-angenommen; wwf.de/themen-projekte/waelder/mining
Text: Danielle Müller, Greenpeace Schweiz
Backe, backe Christbaumschmuck Wie man ganz einfach seinen eigenen Weihnachtsbaumschmuck herstellt – und zwar im Backofen.
1. Kneten Eine Tasse Wasser, eine Tasse Salz, zwei Tassen Mehl und einen Esslöffel Öl in einer Schüssel vermengen und zu einem Teig kneten. Die Masse kurz ruhen lassen und anschliessend wie einen gewöhnlichen Guetsliteig ausrollen.
2. Ausstechen Mit Förmli die gewünschten Motive ausstechen oder von Hand eigene Figuren gestalten. Am Schluss mit einem Bleistift in jedes Guetsli ein kleines Loch fürs Aufhängen stechen.
3. Backen
4. Anmalen
Den Weihnachtsbaumschmuck auf einem Blech für ca. 2 Stunden bei 150 °C im Ofen backen. Gelegentlich die Ofentüre öffnen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Nach der Backzeit das Blech aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen.
Zum Bemalen eignet sich mikroplastikfreie Acrylfarbe oder man mischt Farben aus Gewürzen und Wasser. Gelb beispielsweise mit Curry, Rot mit Paprikapulver und Braun mit Kaffeepulver. Nach dem Trocknen noch einen Faden durch das Loch ziehen und fertig ist der Baumschmuck.
Debatte
Die Schweiz und das Gold
Die Goldindustrie sorgt wegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung immer wieder für negative Schlagzeilen. Antikorruptionsspezialist Mark Pieth und Grünen-Nationalrätin Franziska Ryser sprechen im Interview über die Gründe für diese Missstände, mögliche Lösungsansätze und die Rolle der Schweiz als grösste Golddrehscheibe der Welt. Interview: Katharina Wehrli
Franziska Ryser, Grünen-Politikerin und Nationalrätin. Ihre Schwerpunkte sind Klimaschutz, Gleichstellung und Konzernverantwortung.
Mark Pieth, Rechtswissenschaftler und Antikorruptionsexperte. Bis 2020 Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie.
Mark Pieth, warum kommt es beim Goldabbau immer wieder zu Missstän den?
Wenn Gold im Kleinbergbau handwerklich abgebaut wird, kommt es oft zu Kinder arbeit. Denn in solchen Betrieben arbeiten häufig Menschen aus prekären Verhältnissen. Um zu überleben, müssen sie sehr früh ins Erwerbsleben einsteigen.
Wir haben mehrmals eine Aufsicht gefordert. Franziska Ryser
Franziska Ryser, haben Schweizer Gold händler keine Pflichten bezüglich Her kunftsdeklaration?
Doch. Die Unternehmen müssen beispielsweise transparent machen, wenn sie Metalle oder Mineralien importieren, die aus Konflikt- oder Hochrisikogebieten stammen oder in Zusammenhang mit Kinderarbeit stehen könnten. Aber die Kontrolle,
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Und welche Probleme gibt es beim in dustriellen Abbau?
Typisch ist beispielsweise, dass ein Unternehmen eine Konzession für eine Mine durch Korruption erwirbt und dann Menschen vertreibt, die vorher dort wohnten. Oder dass ein Unternehmen durch die Chemikalien, die es beim Abbau verwendet, schwere Umweltschäden verursacht. Sie verwenden im Zusammenhang des in der Schweiz verarbeiteten Goldes den Begriff «Goldwäsche». Was bedeutet er?
Dass Unternehmen Gold importieren, das aus Konflikt- und Hochrisikogebieten stammt, dieses dann umschmelzen und als «Schweizer Gold» weiterverkaufen. Diese Praxis geht zurück auf den Zweiten Weltkrieg, als die Nazis Gold in die Schweiz lieferten und dafür dringend benötigte Devisen erhielten. Eine systematische «Goldwäsche» betrieben auch die Schweizer Banken in der Zeit des Apartheid-Regimes in Südafrika. Sie kauften südafrikanisches Gold, liessen es in eigenen Raffinerien umschmelzen und verkauften es weiter.
Russisches Gold wird über Umwege in die Schweiz importiert. Mark Pieth
Gibt es international Regeln für die Her kunftsdeklaration von Gold?
Der Weltstandard ist eine OECD-Richt linie für Rohstoffe aus Konflikt- und Hochrisikogebieten. Die EU hat sie in verbindliches Recht überführt, was meiner Ansicht nach auch die Schweiz tun sollte. Ich erwarte, dass die Schweiz früher oder später einzelne Elemente daraus übernimmt, weil hiesige Unternehmen ihr Gold sonst nicht mehr in EU-Länder verkaufen können. Liesse sich so verhindern, dass «drecki ges» Gold importiert wird?
Die OECD-Richtlinie fokussiert auf Menschenrechtsverletzungen wie Krieg und Völkermord. Umweltschäden verhindert sie nicht. Hier würde die neue Konzernverantwortungsinitiative Verbesserungen bringen, denn sie adressiert auch Kinderarbeit, Sklaverei und Umweltzerstörung.
Weil dahinter ein lukratives Geschäfts modell steht. Im Rohstoffhandel sind momentan sehr grosse Gewinne möglich. Auch die Standortkantone der Rohstoffkonzerne profitieren davon. Er ist aber auch überdurchschnittlich risikoreich und korruptionsanfällig. Da wollen viele lieber nicht zu genau hinschauen. Ein Beispiel: Die Schweiz importiert viel Gold aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese gelten nicht als Konfliktoder Hochrisikogebiet. Deshalb müssen Schweizer Händler nicht abklären, woher dieses Gold genau stammt. Gut möglich, dass ein relevanter Teil davon aus dem Sudan kommt und zur Finanzierung des Bürgerkriegs genutzt wird. Sehen Sie Anzeichen für ein Umdenken?
Ich bin zuversichtlich, was die Konzernverantwortungsinitiative betrifft. Franziska Ryser
Denken Sie, dass dies geschieht?
Warum ist der Widerstand so gross?
Welche Konsequenzen hat dies?
Und heute?
Heute geschieht dies beispielsweise bei russischem Gold, das man wegen der Sanktionen in Westeuropa nicht kaufen kann. Es wird über einen Umweg – zum Beispiel Dubai oder Singapur – in die Schweiz i mportiert, umgeschmolzen und weiterverkauft.
ob sie diesen Sorgfaltspflichten nach kommen, liegt bei den privatrechtlichen Revisionsstellen dieser Unternehmen. Wir haben in den letzten Jahren mehrmals eine unabhängige Rohstoffmarkt-Aufsicht gefordert, aber das Parlament hat sie abgelehnt.
Die Stimmung könnte langsam kippen. Einerseits wächst das Bewusstsein, dass die bisherigen Branchenlösungen wie Labels und Zertifikate nicht ausreichen. Und andererseits wird jetzt mit der US-Zoll politik vielen Menschen in der Schweiz – auch Politikerinnen und Politikern – bewusst, welche Dimensionen der Schweizer Goldhandel hat. Was würde die neue Konzernverantwor tungsinitiative verändern?
Alle grossen Konzerne würden einer risikobasierten Sorgfaltspflicht unterstehen, und es gäbe eine unabhängige Aufsicht zur Kontrolle. Die Initiative sieht zudem eine Haftungsklausel vor. Damit kann ein Konzern, wenn er sich nicht an die Einhaltung von Menschenrechten oder Umweltstandards hält, mit einer Zivilklage auf Schadenersatz belangt werden. Wie schätzen Sie ihre Chancen ein?
Ich bin sehr zuversichtlich. Innerhalb von nur zwei Wochen wurden die Unterschriften gesammelt. Das zeigt, wie viele Menschen finden, dass Konzernverantwortung in der Schweiz einfach überfällig ist. Illustration: Jörn Kaspuhl, kaspuhl.com
Patenschaft
KOMMEN SIE AN BORD! Schiffe sind das Herz von Greenpeace. Sie bringen unsere Kampagnen an die Front, fahren in entlegene Regionen und dokumentieren Umweltzerstö rung und Raubbau. Auf See werden Missstände sicht bar gemacht – und Veränderungen an gestossen. So konnten wir bereits zahl reiche Erfolge für Meere, Flüsse und das Klima erzielen, die ohne unsere Schiffe nicht möglich gewesen wären. Mit Ihrer Flottenpatenschaft hal ten Sie uns auf Kurs – für Frieden und Umweltschutz. Sie unterstützen Ein sätze, die schützen, was uns alle verbin det: eine intakte Natur.
Exklusive Einblicke:
Jährlicher Report mit Bildern, Geschichten und Ergebnissen direkt von Bord. Live dabei:
Einladung zum Flottenpat:innen-Event. Erleben Sie hautnah, was Ihre Unterstützung bewirkt. Wirksamkeit mit Kompass:
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Patenschaft abschliessen
act.gp/patenschaft-flotte
Das Rätsel rund ums Greenpeace-Magazin
Rätsel
kommt das Kleinstipelige Wassersack1 Wo moos in der Schweiz vor? K: H: U:
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Wie heisst der argentinische Nationalpark, der ab 2030 vor Ölförderung geschützt ist? C: M: A:
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Zuckerklumpen Zimtmasse Salzteig
viel Abfall verursacht Feuerwerk in 7 Wie der Schweiz pro Jahr? 2400 Kilogramm 1300 Tonnen 3500 Kilotonnen
wurde Quecksilber im Mittelalter 8 Wie auch eingesetzt? N: P: H:
Galamsey Assamsey Collamsey
Extrainto Garimpo Ilevaninto
kann man Weihnachtsbaum6 Woraus schmuck selber machen?
J: E: T:
Mit dem Bundesrat Mit einer Gemeinde Mit dem WWF
Wie nennt man den illegalen Goldabbau in Ghana? E: O: S:
M: N: B:
M: T: K:
Calimera Calilegua Calipso
Mit wem möchte Greenpeace Schweiz das Donut-Modell umsetzen? R: D: F:
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In den Walliser Bergen In den Glarner Alpen Im Berner Oberland
5 Und wie wird er in Brasilien genannt?
Als Abführmittel Als Aufputschmittel Als Schmerzmittel
Lösungswort: Wir verlosen zehn Mal die «Kochtagebücher» von Peter Breuer aus der Greenpeace Magazin Edition. Bei Auktionen, in Antiquariaten und Nachlässen fand der Autor 75 handgeschriebene Leder- und Leinenbände sowie kleine Notizbücher, die in Küchen in Deutsch land, Österreich und der Schweiz seit dem späten 18. Jahrhundert entstanden waren. 14 Rezepte daraus hat er in einem Bildband vereint. Senden Sie das Lösungswort inklusive Ihrer Adresse bis zum 18. März 2026 per E-Mail an redaktion@greenpeace.ch oder per Post an Greenpeace Schweiz, Redaktion Magazin, Stichwort Ökorätsel, Postfach, 8036 Zürich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt.
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Das Lösungswort des Rätsels aus dem Magazin 3/25 lautet: Atomnein
Schlusswort
Glänzender Schmutz
Ich mag den schmalen Goldrand an meinem Silberring ebenso wie meine kleinen Goldohrringe. Ich trage sie seit vielen Jahren und bin damit Teil der schmutzigen Geschichte des glänzenden Edelmetalls. Im Goldabbau ist alles zu finden, was uns aufruft, genau hinzuschauen und sich zu engagieren: Minen mit Kinderarbeit, fehlenden Sicherheitsstandards, Vergiftung der Arbeiter:innen durch den Einsatz von Quecksilber, Enteignungen und Vertreibung der indigenen Bevölkerung, Abholzung der Wälder, Vergiftung von Wasser und Böden durch Cyanid und Arsen, Gewalt, Korruption, Geldwäscherei und Mitfinanzierung von Kriegen und Konflikten. Die Schweiz? Mittendrin im Geschäft des Glanzes als Drehscheibe. Noch immer ein Land, in dem Konzerne nicht zur Verantwortung gezogen werden können. Der Goldabbau ist ein weiteres trauriges Beispiel für die Notwendigkeit eines Gesetzes für Konzernverantwortung. So kann es gelingen, dass Gold zukünftig nachhaltig und nachverfolgbar geschürft wird – und wenn nicht, dass die Konzerne dafür geradestehen müssen. Aktuell können die Bosse der Schweizer Raffinerien, auch wenn der Fall klar ist, nach eigenem Gutdünken entscheiden, ob sie geschehenes Unrecht aufarbeiten wollen, ob sie die Opfer von Vertreibungen, vergifteten Böden und verseuchtem Wasser und anderen Menschen rechtsverletzungen entschädigen und zerstörte Land striche sanieren. Das darf nicht sein! Herzliche Grüsse
Bild: © Anne Morgenstern
Ihre Iris Menn Geschäftsleiterin Greenpeace Schweiz
Spotlight
Kleinstipeliges Wassersack moos (Frullania parvistipula) Merkmale Kleinstipelige Wassersackmoose sind weniger als 1 mm kleine Pflanzen, die in Grün oder Braun-Grün vorkommen. Auf der Unterseite ihrer winzigen Blätter befinden sich dreidimensionale Wassersäcke. Am Blattrand können wurzelartige Gebilde wachsen, mit denen sich das Moos im Untergrund verankert. Das Kleinstipelige Wassersackmoos pflanzt sich asexuell durch seine Blätter fort. Am Rand der Blättchen werden Zellen zur Vermehrung abgeschnürt, die zu Boden fallen, und auch Rhizoide gebildet.
Vorkommen Das Kleinstipelige Wassersackmoos kommt vor allem in Ostasien vor. In der Schweiz hat man es bisher nur an wenigen Fundorten im Kander- und Gasterental sowie in der Gemeinde Brienz im Kanton Bern entdeckt, gesichtet wurde es hierzulande das erste Mal 1984. Frullania parvistipula ist in der Schweiz in lockeren, fichtendominierten Mischwäldern anzutreffen und bevorzugt mässig feuchte bis feuchte Standorte. In Asien ist das Kleinstipelige Wassersackmoos häufig epiphytisch, eine Bezeichnung für Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen, an Land vor allem auf Bäumen.
Gefährdung Da das Kleinstipelige Wassersackmoos in der Schweiz nur im Berner Oberland vorkommt, wird es in der Roten Liste der Moose als vom Aussterben bedroht (CR) aufgeführt. Gefährdet ist es vor allem durch Bauarbeiten im Strassen- und Schienenbau, aber auch durch bauliche Veränderungen und Rodungen im Wald. Als Schutzmassnahme ist festgelegt, dass jegliche bauliche Tätigkeiten in der Nähe von Populationen des Kleinstipeligen Wassersackmooses auf Verträglichkeit zu überprüfen sind. Ausserdem dürfen Bäume in unmittelbarer Nähe seiner Standorte nicht ohne Bewilligung gefällt werden. Denn wenn das Moos plötzlich der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, besteht die Möglichkeit, dass es verschwindet.
Quellen: oekologie-seite.de/index.php?id= 24&pid=3466; swissbryophytes.ch/index.php/de/ beschreibung?taxon_id=nism-2492; swissbryo phytes.ch/documents/naturschutz/Artenschutz_ Moose_D.pdf Illustration: Janine Wiget ist gelernte Grafik designerin und Hochbauzeichnerin. Die Zürcherin arbeitet als freischaffende Illustratorin in verschiedensten Themenbereichen.
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11. Juni 2025 – «Blick»
«MIKROPLASTIK IM KOT VON SCHWEIZER WILDTIEREN ENTDECKT»
24. Juni 2025 – «Tages-Anzeiger»
«GREENPEACE SCHREIBT, DASS DER STROMBEDARF VON KI DIE ENERGIE WENDE GEFÄHRDE»
10. Juli 2025 – «Neue Zürcher Zeitung»
«VOR 40 JAHREN VERSENKTEN FRANZÖSISCHE GEHEIMAGENTEN DAS GREENPEACE-SCHIFF ‹RAINBOW WARRIOR›»