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Geflügelimport aus Brasilien in die Schweiz: ein Abholzungsrisiko

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GEFLÜGELIMPORT AUS BRASILIEN IN DIE SCHWEIZ:

ABHOLZUNGSRISIKO

GEFLÜGELIMPORT AUS BRASILIEN IN DIE SCHWEIZ:

EIN ABHOLZUNGSRISIKO

Einleitung

Brasilien beherbergt einige der artenreichsten und vielfältigsten Ökosysteme unseres Planeten. Der Amazonas-Regenwald, die «grüne Lunge der Erde», erstreckt sich über Millionen Hektar tropischen Regenwald und ist Lebensraum von 10 Prozent aller weltweit erfassten Pflanzen- und Tierarten. Fast 20 Prozent seiner Fläche wurden jedoch im Verlauf der vergangenen 50 Jahre zerstört. Es wurden zwar Schutzprogramme zum Erhalt des Amazonas-Regenwaldes aufgebaut, diese reichen jedoch nicht, um die Zerstörung dieses Ökosystems einzudämmen, das heute mehr denn je bedroht ist. Über den AmazonasRegenwald hinaus umfasst Brasilien auch den Cerrado – eine einzigartige tropische Savanne mit einer hohen endemischen Artenvielfalt – und das Pantanal, das grösste Binnenland-Feuchtgebiet der Erde und Zufluchtsort einer spektakulären Tierwelt. Diese Ökosysteme spielen eine entscheidende Rolle in der Klimaregulierung, in der

Wasserspeicherung und im Erha lt der Biodiversität. Als Folge der Abholzung sind sie heute jedoch stark bedroht – angekurbelt wird diese insbesondere durch die expandierende Landwirtschaft. Während der Schutz des Amazonas-Regenwaldes die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Medien erhält, werden andere Ökosysteme wie der Cerrado von der Umweltpolitik vernachlässigt. Dies trotz der Warnsignale bezüglich Abholzung in dieser Region im Verlauf der vergangenen drei Jahre1. Zwischen 2002 und 2023 wurden in Brasilien insgesamt 43,5 Millionen Hektar Wald zerstört 2, was mehr als dem Zehnfachen der Fläche der Schweiz entspricht.

Der Hauptgrund für die Abholzung in Brasilien ist die intensive Landwirtschaft für Produkte wie Rindfleisch und Soja. 2024 hat Greenpeace Schweiz einen Bericht3 veröffentlicht, der darauf aufmerksam macht, dass Rindfleischprodukte in

Schweizer Supermärkten mit der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes zusammenhängen. Rindfleisch hat durch seinen hohen Bedarf an Landwirtschaftsflächen und seinen CO₂-Fussabdruck besonders grosse Auswirkungen auf die Umwelt, doch auch die Produktion anderer Tierprodukte, wie beispielsweise Geflügelfleisch, hat negative Folgen für die Umwelt und das Klima. Tatsächlich wird Geflügel hauptsächlich mit Futtermitteln auf Sojabasis ernährt. Dieses wird oft intensiv angebaut und führt zu Abholzung. Umweltorganisationen prangerten den Import von Soja aus abgeholzten Gebieten für die Geflügelzucht in Europa und der Schweiz an. 2020 hat eine Untersuchung von Greenpeace Grossbritannien ergeben, dass die Firma Cargill ihre Hühner mit Soja aus abgeholzten Gebieten im Cerrado fütterte4. Greenpeace Schweiz kritisierte 2021 die Kennzeichnung «Schweizer Fleisch», die für Geflügel verwendet wurde, das in der Schweiz mit importierten Futtermitteln produziert wurde. 38 Prozent der Sojaimporte stammten dabei aus Brasilien5.

Heute kommen die importierten Futtermittel in der Schweiz hauptsächlich aus Europa und das Risiko, dass sie mit Abholzung zusammenhängen, ist beschränkt. Doch die Schweiz importiert grosse Mengen an Geflügel direkt aus Brasilien. Im Jahr 2024 stammten 42 Prozent der Geflügelimporte in die Schweiz aus Brasilien – was das Land zum mit Abstand grössten Geflügellieferanten der Schweiz macht – gefolgt von Ungarn (15%), Deutschland (11%) und Frankreich (11%)6. Die vorliegende Recherche von Greenpeace Schweiz zeigt: Es besteht das Risiko, dass aus Brasilien importiertes Geflügel mit Futtermitteln gezüchtet wird, die mit Soja aus abgeholzten Gebieten hergestellt wurden.

Angriffe auf das Soja-Moratorium im Amazonasgebiet

Das Soja-Moratorium im Amazonasgebiet (Amazon Soy Moratorium, ASM) ist eine branchenübergreifende Vereinbarung, die seit 2006 umgesetzt wird, unter anderem als Folge einer Kampagne von Greenpeace. Gemäss den Bestimmungen des Abkommens haben sich Rohstoffhändler verpflichtet, kein Soja aus Gebieten zu kaufen, die nach 2008 im Amazonas-Biom abgeholzt wurden. Das Abkommen will die mit der Sojaproduktion verbundene Entwaldung beseitigen. Das ASM gilt als wirkungsvoll: Im Jahr 2022/23 verstiessen weniger als 4 Prozent der Sojaanbauflächen gegen die Bestimmungen. Vor dem ASM waren es fast 30 Prozent. Es hat auch dazu beigetragen, dass die Entwaldung im Amazonasgebiet allgemein zurückgegangen ist. Dennoch wird das Abkommen derzeit von der Agrarindustrie heftig attackiert. Als Folge der Angriffe hatte eine brasilianische Behörde das Moratorium ausgesetzt, bevor ein Gericht die Aussetzung Ende August 2025 vorläufig stoppte. Das Schicksal des Moratoriums ist ungewiss, ein schlechtes Zeichen für den Schutz des Amazonasgebiets.

Greenpeace Schweiz hat verschiedene Supermärkte und Grosshandelsgeschäfte in der Schweiz besucht, um brasilianisches Geflügel zu finden. Brasilianisches Geflügelfleisch ist bei den Detailhändlern allgegenwärtig. ChickenNuggets, Pouletschnitzel und panierte Trutenschnitzel, Geflügelwurstwaren, Pouletgeschnetzeltes – die Liste der Geflügelprodukte ist lang und macht einen wichtigen Teil der Geflügelprodukte der besuchten Betriebe aus. Basierend auf dieser Stichprobe hat Greenpeace Schweiz bei AidEnvironment einen Bericht in Auftrag gegeben, einer gemeinnützigen Organisation, die auf Forschung, Strategie und Umsetzung im Bereich Nachhaltigkeit spezialisiert ist. Die Studie kartografiert die Geflügelproduktionskette in Brasilien. Sie stellt Verbindungen her zwischen den Produkten bei Schweizer Detailhändlern und brasilianischen Produzenten von Geflügel und Soja (für die Herstellung von Futtermitteln). So zeigt die Studie das Risiko auf, dass brasilianisches Geflügelfleisch, das in der Schweiz verkauft wird, mit der Abholzung der Ökosysteme Brasiliens zusammenhängt.

Politischer Kontext in der Schweiz: Mercosur-Abkommen bald im Parlament

Die EFTA-Länder, zu denen auch die Schweiz gehört, haben Anfang Juli 2025 ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Ländern (Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay) geschlossen. Dieses Abkommen wurde vom Bundesrat unterzeichnet und wird anschliessend dem Parlament vorgelegt. Es ist absehbar, dass es starken Widerstand gegen die Ratifizierung dieses Abkommens geben wird, da es mit der einheimischen Agrarproduktion konkurriert. Ausserdem wird es den Import von Produkten erleichtern, deren Herstellung in diesen lateinamerikanischen Ländern zu Entwaldung führen kann.

Kontext

Brasilien ist der weltweit grösste Exporteur von Geflügelfleisch: 2023 hat das Land an die 5 Millionen Tonnen davon exportiert, was 13 Prozent der weltweiten Exporte entspricht. Seara, eine Marke der brasilianischen JBS-Gruppe, ist mit 5,1 Millionen geschlachteten Hühnern pro Tag weltweit die Nummer 2 in der Geflügelschlachtung.

Ungefähr 43 Prozent der weltweiten Futtermittelproduktion werden für die Geflügelzucht verwendet. Diese Futtermittel bestehen hauptsächlich aus Soja- und Maismehl. Brasilien gehört bei beiden zu den weltweit grössten Produzenten (41% für Soja und 11% für Mais). Ungefähr 98 Prozent der brasilianischen Geflügelproduzenten verwenden das System der so genannten «vertikalen Integration». Bei diesem Geschäftsmodell erhalten die Geflügelzüchter alle «Betrieb smittel» von den Schlachtbetrieben: Tiere, Futter mittel, technische Unterstützung, Transport, Schlachtung usw. Dieses Modell erleichtert auch die Rückverfolgbarkeit der Lieferanten. Trotzdem bleibt diese Rückverfolgbarkeit unzureichend, insbesondere im Fall von Soja.

In der Geflügelproduktionskette liegen die Abholzungsrisiken hauptsächlich beim Anbau der Futterpflanzen, insbesondere von Soja und

Mais. Zwischen 2018 und 2023 hat Brasilien 14 Millionen Hektar Wald verloren. 57 Prozent dieser abgeholzten Flächen befanden sich im Amazonas- und 33 Prozent im Cerrado-Biom. Zur Veranschaulichung des Ausmasses der Situation: Die zwischen 2018 und 2023 in Brasilien abgeholzte Fläche entspricht mehr als drei Mal der Fläche der Schweiz. Im gleichen Zeitraum hat sich der Sojaanbau auf 3,6 Millionen Hektar ausgebreitet, hauptsächlich durch die direkte Umwandlung von Weideflächen. Da die Wälder aber häufig zuerst gerodet werden, um Weideflächen für die Landwirtschaft zu schaffen, bleibt der Sojaanbau ein wichtiger indirekter Faktor der Abholzung in Brasilien.

Die Schweiz ist stark abhängig vom Import von brasilianischen Geflügelprodukten. Im Jahr 2023 waren in der Schweiz rund 35 Prozent des konsumierten Geflügelfleischs importiert. 2024 stammten 42 Prozent dieser Importe aus Brasilien, insgesamt über 19’000 Tonnen Fleisch. 92 Prozent dieser Produkte stammten aus fünf Gemeinden im Südwesten Brasiliens. Diese sind mit Exportfirmen wie Seara (JBS), C. Vale und Vibra verbunden, die oft weder eine handfeste Rückverfolgbarkeit bieten noch sich für Nulltoleranz gegenüber der Abholzung einsetzen.

Auf Schweizer Seite importieren zehn Firmen an die 80 Prozent des importierten Geflügelfleischs. Die drei grössten Importeure (die GVFI AG, die Bell Schweiz AG –, die Teil der Coop-Gruppe ist – und die Swiss Poulet Trade AG) führen dabei fast die Hälfte ein (45%). Die Selbstverpflichtungen der verschiedenen Importeure hinsichtlich Abholzung sind unterschiedlich. Wir haben keine öffentlich zugänglichen Informationen gefunden, inwiefern sich GVFI für Geflügelproduktionsketten ohne Abholzung engagiert. Dasselbe gilt auch für andere Importeure wie die Swiss Poulet Trade AG und die Prime Meat Swiss AG. Die Bell Schweiz AG ist Teil der Coop-Gruppe und setzt daher die Verpflichtungen der Gruppe um: Einerseits will die Gruppe im Detailhandel bis 2026 für «sechs kritische Rohstoffe» abholzungs- und umwandlungsfreie Produktionsketten garantieren. In den Produktionsunternehmen und im Grosshandel andererseits, gilt bis 2026 diesbezüglich ein Zwischenziel von 85 Prozent. Lidl hat je nach Rohstoff unterschiedliche zeitliche Ziele formuliert. Micarna gehört zur Migros-Gruppe, die sich verpflichtet hat, Abholzung bis Ende 2025 aus den Lieferketten für «Risikorohstoffe» wie Kakao, Palmöl oder Rindfleisch zu verbannen.

Soja zählt für die Unternehmen, die Verpflichtungen bezüglich abholzungsfreien Lieferketten haben, zwar systematisch als «kritischer» Rohstoff, doch das importierte Geflügelfleisch scheint nicht als «kritisch» eingestuft, obwohl die Tiere sehr oft mit Futtermitteln auf Sojabasis ernährt werden.

Brasilianische Geflügelproduktion und Abholzungsrisiko – Fallstudie

Im Allgemeinen zeigen unsere Fallstudien, dass die Händler nicht transparent über die Herkunft der Produkte informieren. Die Etiketten lassen selten Rückschlüsse auf den brasilianischen Schlachthof oder die Herkunft des Sojas zu, das in die Geflügelzucht fliesst. Nur gewisse Tiefkühlprodukte bei Grossisten enthalten einen Code zur Identifikation des Schlachthofs.

Eine unserer Fallstudien verfolgt die Produktionskette von tiefgefrorenen Geflügelprodukten von TopCC und Aligro zurück. Im Gegensatz zu den meisten anderen Produkten der Stichprobe verfügen diese Produkte über einen Identifikationscode, mit dem der Schlachthof identifiziert werden kann. Es handelt sich dabei um einen Schlachthof von C. Vale in Palotina im brasilianischen Bundesstaat Paraná. Im Jahr 2024 stammten 19 Prozent aller Geflügelimporte aus Brasilien in die Schweiz aus dieser Stadt. Der einzige Schlachthof da, der über eine Exportgenehmigung für sein Fleisch verfügt, gehört zur Firma C. Vale. Das System der «vertikalen Integration» der Geflügelproduktion bedeutet, dass C. Vale den Geflügelzüchtern die Futtermittel für die Aufzucht der Tiere liefert. In Palotina steht der Schlachthof von C. Vale direkt neben der Futtermittel-Verarbeitungsanlage. C. Vale verfügt insgesamt über 121 Silos in fünf brasilianischen Bundesstaaten, in denen Futtermittel zwischengelagert werden. 22 dieser Silos stehen im Bundesstaat Mato Grosso, zwischen dem Amazonas-Regenwald und der Savanne des Cerrado. 15 Kilometer von einem Lager von C. Vale entfernt befindet sich ein Betrieb, der Viehzucht betreibt und Getreide wie Soja anbaut.

Es wird davon ausgegangen, dass für diesen Betrieb zwischen September 2021 und Juni 2023 rund 2700 Hektar AmazonasRegenwald abgeholzt worden sind.

Obwohl wir nicht mit Sicherheit feststellen können, ob C. Vale von diesem Betrieb beliefert wird, zeigen unsere Fallstudien einen Trend, der sich wiederholt: Die Silos der Geflügelproduzenten stehen oft in der Nähe von Sojaproduktionsbetrieben, die für illegale Abholzung verantwortlich sind. Dies deutet auf ein bekanntes Risiko hin, dass die Geflügelproduktionskette in Brasilien aufgrund der Sojaproduktion mit der Abholzung von Ökosystemen zusammenhängt.

Schweizer Hühnerfleischproduktion erhöhen: eine Scheinlösung

Aktuell ist der Fleischkonsum in der Schweiz etwa dreimal so hoch wie die offizielle Empfehlung des Bundes. Während der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch seit etwa 15 Jahren leicht zurückgeht, steigt der Konsum von Hühnerfleisch weiter an7. Eine der Entwicklungsstrategien der Schweizer Detailhändler besteht darin, den Geflügelfleischkonsum anzukurbeln, insbesondere durch Werbekampagnen und aggressive Rabatte. Jede Woche gehört Hühnerfleisch zu den Sonderangeboten der Grossverteiler.

Sie präsentieren Geflügel als umweltfreundlichere und gesündere Alternative zu anderem Fleisch wie Rindfleisch. Und Geflügel verzeichnet in der Schweiz ein stetiges Wachstum. Doch auch wenn die Hühnerproduktion weniger Treibhausgase verursacht als die Produktion anderer Lebensmittel aus Tieren, wirkt sie sich auf die Umwelt aus. Die intensive Geflügelzucht ist für die Schweizer Bedingungen nicht geeignet. Darum importiert die Schweiz etwa 80 Prozent des Futters für die Hühnerzucht, insbesondere Soja und Mais. Dies führt zu einem Überschuss an Nährstoffen (Stickstoff und Phosphor), die über den Kot der Hühner die Ökosysteme verschmutzen. Darüber hinaus konkurriert der FuttermittelAnbau oft den Anbau von Lebensmitteln für den direkten menschlichen Verzehr.

Schliesslich ist auch die Massentierhaltung in der Schweiz besorgniserregend: Jedes Huhn verfügt über eine Fläche, die kaum grösser ist als ein A4-Blatt8 Mehr als 90 Prozent der Tiere haben keinen Zugang zum Freien9 und sie wachsen so schnell, dass einige von ihnen nicht mehr auf den Beinen stehen können.

Die Strategie der Grossverteiler in diesem Bereich bleibt sehr intransparent. Das zeigt das Micarna-Projekt für einen Mega-Schlachthof in Saint-Aubin, im Kanton Freiburg. Gemäss Micarna wird die Produktionskapazität des neuen Standorts kleiner sein als im derzeitigen Schlachthof in Courtepin. Gleichzeitig rechnet das Unternehmen in den nächsten Jahren mit einem Anstieg des Geflügelkonsums. Diesen Widerspruch hat die Migros-Gruppe bisher nicht aufgeklärt. Das Unternehmen scheint auch in den nächsten Jahrzehnten auf umfangreiche Importe von Hühnerfleisch zu setzen.

Schlussfolgerung

Unsere Recherche hat ergeben, dass die Schweiz stark von Geflügelimporten aus Brasilien abhängig ist, weit mehr als von Importen aus anderen Ländern. Der Anbau von Soja, das insbesondere zur Herstellung von Futtermitteln für die Geflügelzucht verwendet wird, ist in Brasilien jedoch einer der Hauptgründe für die Abholzung im Amazonas-Regenwald und im Cerrado. Unsere Fallstudien haben aufgezeigt, dass die Futtersilos der Geflügelproduzenten nahe bei Betrieben der Sojaproduzenten stehen, die für die illegale Abholzung im Amazonas-Regenwald verantwortlich sind.

Es besteht ein erwiesenes Risiko, dass in der Schweiz konsumiertes brasilianisches Geflügelfleisch von einem Tier stammt, das mit Soja aufgezogen wurde, dessen Anbau mit der Zerstörung dieser bedrohten Ökosysteme zusammenhängt. Die Schweizer Detailhändler und Grossisten engagieren sich unterschiedlich stark, wenn es um den Kampf gegen die Abholzung geht. Selbst diejenigen, die Richtlinien für «abholzungsfreie» Lieferketten haben, schliessen Geflügel fl eisch oft aus der Kategorie «Risikorohstoffe» aus. Sie ignorieren damit den potenziellen Zusammenhang zwischen diesem Fleisch und der Abholzung im Herkunftsland der Tiere. Sie machen sich mitschuldig an der Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes und des Cerrado –und dies zugunsten von Giganten der Agrarindustrie wie JBS. Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sind also indirekt in diese Kette der Zerstörung verwickelt.

Wir fordern eine ambitionierte Politik gegen die Abholzung sowie eine entsprechende Umweltund Klimapolitik:

Dafür müssen Detailhändler und Grossisten:

• den Import von Produkten, die brasilianisches Geflügel enthalten, stoppen,

• sich Ziele setzen, um insgesamt weniger Fleisch zu verkaufen, indem sie ihre Rahmenbedingungen (Preise, Rabatte, Marketing usw.) anpassen,

• transparent über ihre Strategien für den Import und die einheimische Produktion kommunizieren

• auf Projekte für Mega-Schlachthöfe, wie denjenigen in Saint-Aubin (FR), verzichten.

ANMERKUNGEN UND QUELLEN

1 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959378025000421

2 https://plataforma.brasil.mapbiomas.org/coverage/coverage_ lclu?activeBaseMap=9&layersOpacity=100&activeModule=coverage&activeModuleContent=coverage:coverage_changes&activeYea r=2023&mapPosition=-15.114553,-51.459961,4&timelineLimitsRange=1985,2023&baseParams[territoryType]=1&baseParams[territori es]=10001;Brasil;1;Pa%C3%ADs;-33.751177993999875;-73.99044996899988;5.271841077000147;-28.847639913999956&baseParam s[activeClassTreeNodeIds]=5&baseParams[activeSubmodule]=coverage_main&baseParams[yearRange]=2002-2023

3 https://www.greenpeace.ch/de/story/113056/brasilianisches-fleisch-in-schweizer-supermaerkte

4 https://unearthed.greenpeace.org/2020/11/25/brazil-fires-deforestation-tesco-nandos-mcdonalds/

5 https://www.greenpeace.ch/de/medienmitteilung/63709/klima-in-schweizer-fleisch-steckt-laengst-nicht-nur-schweiz

6 https://www.gate.ezv.admin.ch/swissimpex/

7 https://www.sbv-usp.ch/de/services/agristat-statistik-der-schweizer-landwirtschaft/grafiken#prettyPhoto[gal18204]-12

8 https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2008/416/de#a10

9 https://www.agrarbericht.ch/de/politik/direktzahlungen/produktionssystembeitraege

IMPRESSUM

Geflügelimport aus Brasilien in die Schweiz: Ein Abholzungsrisiko

Basierend auf dem Bericht «Soy as poultry feed: A case study linking Swiss poultry imports to deforestation risk in Brazil», AidEnvironment, im Auftrag von Greenpeace Schweiz

Autorin: Sera Pantillon, Greenpeace Schweiz

Übersetzung: Julia Schumacher und Christin Fritsche

Gestaltung: Sophie Baumgartner

Fotos:

Titelbild: © Peter Caton / Greenpeace

Foto S. 2: © Marizilda Cruppe / Greenpeace

Foto S. 3: © Marizilda Cruppe / Greenpeace

Foto S. 4: © Marc Meier / Greenpeace

Foto S. 5: © Marizilda Cruppe / Greenpeace

Foto S. 7: © Greenpeace

September 2025

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