Banat
II BZ / 16. April 2026
Ein persönlicher Nachruf auf ADAM CSONTI Ich habe Adam Csonti Mitte der 90er auf einem Pipatsch-Handballturnier kennengelernt. Ich weiß nicht mehr welches Jahr es war. Es scheint jetzt ewig her zu sein und genauso ewig schien mir bis vor einigen Tagen Adam Csonti. Damals war ich ein junger Reporter und sollte für Radio Temeswar über das Turnier berichten. Mein erster Ansprechpartner war Adam Csonti. Und er war schon damals ein Urgestein. Ein Urgestein des Handballs und ein Urgestein der Deutschen aus Billed. Adam Csonti hat Handball geliebt und die Tradition weitergeführt bis er fast 60 war. Er war Spieler, Trainer, Vereinsfunktionär und Veranstalter. Alles in einem. Als die Banater Zeitung den Pipatsch-Pokal nicht mehr organisieren konnte, hat Adam Csonti noch einige Auflagen des Turniers selbst organisiert. Er war sozusagen der Va-
ter des Pipatsch-Pokals. Während ich diese Zeilen schreibe, fällt mir gerade auf: Adam Csonti war der letzte deutsche Handballer hier. Sozusagen der letzte Mohikaner des Handballs auf dem Banater Land. Adam Csonti hat sich für seine Gemeinschaft 35 Jahre lang im Billeder Gemeinderat engagiert. Er war bereits Mitglied, als es noch nicht einmal Gemeinderat hieß, sondern Consiliul Provizoriu de Uniune Na]ional². Adam Csonti hat regelmäßig die Wahl zum Gemeinderat gewonnen, sei es als Vertreter des Demokratischen Forums der Deutschen, sei es als Unabhängiger und er hat oft mehr Stimmen erhalten, als so manche Partei in Billed. Das kann nur eines heißen: Adam Csonti hatte den Respekt der Billeder. Ob Deutsche oder nicht. 2024 hat sich Adam Csonti nicht mehr zur Wahl gestellt. Aber
seine Arbeit für die Gemeinschaft ist den Billedern gut im Gedächtnis geblieben. Sie wählten an seiner Stelle seine Nichte Silke Csonti. Den Respekt hat sich Adam Csonti auf vielfache Weise verdient. Unter anderem mit der lokalen Sozialstation der „Adam Müller-Guttenbrunn“ Stiftung, Sozialstation, die er seit 1994 mit seiner Frau Roswitha geleitet hat und für die er noch bis am Vortag seines Todes am 8. April 2026 buchstäblich Essen auf Rädern für bedürftige Billeder ausgefahren hat. Auf seinem Fahrrad. Adam Csonti war Mitglied im Vorstand des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat. Vermutlich schon kurz nach seiner Gründung. Und seit 2006 auch Mitglied im Leitungsrat des Banater Vereins für internationale Kooperation BANATIA. Seit 2022 – seitdem ich Geschäftsführer
der Banatia bin – hat Adam Csonti nie bei einer der monatlichen Sitzungen des Leitungsrats gefehlt. Ja, er kam nicht einmal zu spät. Ich habe sie immer als gegeben angenommen. Diese Verlässlichkeit. Aber sie ist es nicht. So war er eben, der Adam Csonti. Wir haben uns auch oft bei Vorstandssitzungen des Banater Forums getroffen. Er hat nicht gern geredet. Und wenn er mal geredet hat, dann war es ruhig und überlegt. Ich weiß es jetzt. Ich habe seine ruhige Art geschätzt und gemocht. Erst vergangene Woche habe ich noch eine Delegation aus Deutschland nach Billed begleitet. Der Forumssitz und die Sozialstation sahen wie immer aus. Sauber und gepflegt. Wie neu, bemerkte noch einer der Gäste, der vor 20 Jahren schon einmal in Billed war. Und Adam Csonti war auch wie immer. Er führte die Gäste durch die exzellent von
Die Billeder Heimatstube ist Anlaufstelle für viele Gäste aus dem In- und Ausland. Adam Csonti führte oft durch die Billeder und Banater Heimatgeschichte. ihm eingerichtete Heimatstube und durch die bewegte Geschichte von Billed und dem Banat. Denn das war er eben auch der Adam Csonti. Der Lokalhistoriker von Billed, bei dem nicht selten Reiseleiter mit Touristen im Gepäck zu Besuch waren. Reisende aus den USA und sonstwo auf der Welt, die auf der Suche nach ihren Banater Wurzeln waren. In Billed und Umge-
bung tragen viele eine Hose, die der pensionierte Schneider Adam Csonti mal genäht hat. Ich – und ich traue mich zu sagen, dass ich im Namen vieler Landsleute spreche – trage Adam Csonti im Herzen. Ruhe in Frieden, Adam. Gott sei deiner Seele gnädig. Wir werden dich nie vergessen. Benjamin Neurohr, Temeswar, 9. April 2026
Zum Ableben eines geschätzten Mitgestalters der Banater deutschen Gemeinschaft Schon von Beginn an, gleich nach der Wende im Dezember 1989, war der von uns geschätzte Adam Csonti aktiv in der Aufbauphase der neuen Struktur der deutschen Gemeinschaft in Billed (Forumsgründung im Februar 1990) und im ganzen Banat. Als langjähriges Mitglied im Vorstand des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, seit dem Beginn dieser
Struktur, war er immer bestrebt, nach vorwärts zu blicken, das Gleichgewicht immer im Vordergrund haltend. Nicht unerwähnt darf bleiben sein langjähriger Einsatz innerhalb des Banater Vereins für internationale Kooperation „Banatia” Temeswar, innerhalb dessen er als Mitglied des Leitungsrats aktiv war. In seinem Heimatdorf war er ein Beispiel der Konstruktion und des
Jahrzehnte lang war Adam Csonti der Garant und Wegweiser für den Billeder Handball.
Weitergangs der geschrumpften Gemeinschaft, aktiv in Verbindung auch mit der ausgewanderten Gemeinschaft, wo immer sie auch lebte. Adam Csonti war für 7 Mandate Gemeinderatsmitglied seitens des Forums in Billed, er setzte sich ein für die Belange der gesamten Bevölkerung, unabhängig ihrer Muttersprache. Für ihn galten die Kultur – insbesondere die Volkskul-
tur – und der Sport – als Handballer – als essentielle Faktoren des Weiterbestands einer Gemeinschaft, deshalb setzte er sich massiv dafür ein, wann und wo immer er es konnte. Als Vorzeigeschild gilt die von ihm aufgebaute museale Sammlung beim Forumssitz in Billed, besucht und geschätzt von vielen Besuchern weltweit, ob Politiker oder einfache Menschen. Selbst
der Forumssitz mit all seine n E i n r i c h t u n g e n , auch die Sozialstation in Billed waren und bleiben ein Zeichen seines Einsatzes für die Gemeinschaft. Die Sozialstation in Billed, die er aufbaute, bereitet täglich für 40 ältere Menschen ein Mittagessen zu und liefert dieses nach Hause. Belohnt wurde er im Laufe der Jahre mit der Ehrenbürgerschaft sei-
nes Heimatorts Billed, mit der Goldenen Ehrennadel des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat (August 2019), er war Träger der „Adam Müller-Guttenbrunn“-Plakette der Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V. und des „Banatia”-Abzeichens in Gold des Banater Vereins für Internationale Kooperation „Banatia“ aus Temeswar. Erwin Josef }igla
Nur wenige Tage vor seinem Tod war Adam Csonti Gastgeber eines Treffens in Billed, bei dem sich eine politische Delegation aus Deutschland und Spitzen des Deutschen Forums trafen. Fotos: Zoltan Pázmány und privat (1)
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