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Billeder Heimatblatt 2019

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Billeder Heimatblatt 2019

heimathaus-billed.de

Dezember 2019 | 32. Ausgabe

Inhalt 2 3 4 24 32 38 52 56 64 72 75 77 80 84 86 94 101 106 111 122

130 Hohe Gäste zum 25. Jubiläum der Sozialstation, Unser Heimatblatt Werner Gilde Vorwort, Werner Gilde 135 Stefan-Jäger-Preis für Andreea Lăpugean, Heimattag 2019, Elisabeth Martini Laudatio von Edith Singer Sommerfest 2019, Irmgard Triess 136 Seniorentreffen zwischen Sonnenschein Nürnberger Herbstfest 2019, und Sturm, Elisabeth Martini Hanna und Renate Frombach 139 Herbst-Treffen der Karlsruher-Senioren und 20 Jahre Schlachtfest in Frankenthal, Gäste, Elisabeth Martini Heidi Müller 141 Am Gardasee im Frühling, Elisabeth Jung Von der Sau zur Wurst, Torsten Rosebrock 148 Wie mei Schwester aa mohl hat was wille saan, Kirchweih mit Ehrennadel, Siegfried Thiel Erika Weith, geb. Leidecker Ein Glücksfall für Billed, Johann Steiner 149 September-Nostalgie, Karl Balogh Allerheiligen 2019 am Billeder Denkmal, 151 Helfer-Essen, Josef Herbst Ansprache von Werner Gilde 152 Luschtiche Gschichte, Alfred Selpal Bischofbesuch in Billed, Brunhilde Klein „Was man will, das kann man“, Halrun Reinholz 154 Aus meinem Garten 2019, Franz Gebel 156 Wie der Vater, so die Tochter ..., Monika Bendel Tagebuchaufzeichnungen, Elisabeth Martini 158 Nachruf Dipl. Ing. Helmut Schneider, Selber Schuld, Peter Krier Peter Krier Abenteuer Baragansteppe, Inge Aigner (Thöres) 160 In memoriam H.H. Pfarrer Peter Zillich, Billeder bei der Revolution von 1989 Peter-Dietmar Leber Dan Marian Zimmermann (Coroiu) 161 Susanna Ballmann 108-jährig verstorben Was von der Revolution übrig blieb, 162 Schachmeisterschaft 2019, Alfred Selpal Hans-Dieter Hartmann 164 Statistik unserer Landsleute in Rumänien, 50 Jahre Familienbeziehungen, Anna Schütz Josef Herbst Schule und Studium nach dem 2. Weltkrieg, 166 Statistik unserer Landsleute weltweit, Hans Fink Josef Herbst Unsere Adam-Müller-Guttenbrunn Stiftung, 172 Dem Alter die Ehre 2019, Josef Herbst Peter Krier

Impressum Herausgeber: Heimatortsgemeinschaft Billed e.V. | heimathaus-billed.de Redaktion: Elisabeth Martini | Bildredaktion, Grafik, Layout und Satz: Hans Rothgerber | Auflage: 1.450


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In eigener Sache

Unser Heimatblatt

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rundsätzlich wird das Billeder Heimatblatt allen Landsleuten kostenlos zuge­stellt. Da wir für Druck und Versand je Buch 10.- € leisten müssen, bitten wir Sie, eine Spende auf das Konto der HOG Billed, IBAN: DE95661900000000111791 BIC: GENODE61KA1 zu überweisen, ein entsprechender SEPA-Überwei­sungsschein ist beigelegt. Achtung, er muss entsprechend ausgefüllt werden! Um ihre Überweisung einordnen zu können, schreiben Sie bitte auf den Überweisungsschein Vorname (auch der E­he­frau), Fami­lienname, Ortschaft und Zweck. Wir erwarten keine Spende von Landsleu­ten mit geringer Rente, von Arbeitslosen und von den Landsleuten aus Billed. Wir freuen uns, dass wir Ihnen unser Heimatblatt als Zei­ chen unserer Verbundenheit übermitteln können. Wir bitten jedoch um Verständnis dafür, dass wir wohlsi­ tuierten Landsleuten ohne Ge­genleistung die nächste Ausgabe nicht mehr zusenden. Landsleute, deren An­schrift sich geändert oder in deren Familien ein Ereignis (Geburt, Hochzeit, Todesfall) stattgefunden hat, bitten wir um Mitteilung an Josef Herbst, Freiligrathweg 14, 76571 Gaggenau Tel.07225/76041, josef.herbst@billed.de Ihre Meinungen und Äußerungen zum Heimatblatt, Ihre Vorschläge und Ideen richten Sie bitte an die Redaktion: Elisabeth Martini, Kronenstraße 36, 76133 Karlsruhe, Telefon 0721/379214 Druckfehler, Änderungen und Irrtümer vor­behalten. Autorenbeiträge sind namentlich gekennzeichnet und die

inhaltliche Verantwortung liegt bei diesen. Die Redak­ tion dankt allen diesjährigen Mitarbeitern für ihre Beiträge und Bilder und möchte gleichzeitig alle Landsleute auffordern, Artikel bzw. Anregungen für das Heimatblatt auch im nächsten Jahr zu senden. Der Vorstand der HOG Billed Gewählt am 8.06.2019 bei der Hauptversammlung in Karlsruhe Ehrenvorsitzender: Peter Krier Vorsitzender: Werner Gilde, Tel. 0721-863891 Stellvertreter: Josef Herbst, Tel. 07225-76041, Email: josef.herbst@billed.de Ralf Gilde: ralf.gilde@googlemail.com Schriftführer: Adelheid Müller, Tel. 0721-1331547 Kassenwart: Jakob Muttar, Tel. 0721-784177, Email: j.muttar@web.de Beisitzer: Elisabeth Martini, Tel. 0721-379214, Email: emartini@gmx.net Johann Rothgerber, Email: joharo@gmx.de Hans Herbst, Tel. 07225-77233 Email: hans.herbst@billed.de Adam Tobias, Tel. 0721-865315 Email: ea.tobias@web.de Werner Tobias, Tel. 06138-941031 Email: wernertobias83@web.de Mitglieder unserer HOG, die auch nach Weihnachten das Heimatblatt nicht erhalten haben, mögen sich unmittelbar an Josef Herbst wenden.


Vorwort

3 Liebe Landsleute, liebe Freunde!

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eit 1987 erscheint unser „Billeder Heimatblatt“ jährlich. Nun ist die 32. Ausgabe endlich druckfrisch bei Ihnen im Briefkasten angekommen. Auch in dieser Ausgabe ist es uns durch die kräftige Unterstützung vieler Ehrenamtlicher gelungen, ein interessantes und in den Themen abwechslungsreiches Heimatblatt zu gestalten. Ich wünsche Ihnen jetzt schon viel Freude bei der Durchsicht der zahlreichen Beiträge mit Fotos und Berichten zu geschichtlichen sowie aktuellen Themen. Wie ich finde, ein weiterer Meilenstein, um Erlebtes und Gelebtes in der alten und neuen Heimat lebendig zu halten und dies auch für weitere Generationen zu bewahren. Wenn ich zurückblicke, muss ich an folgende Veranstaltungen des nun zurückliegenden Jahres denken: An Pfingstsamstag unser Billeder Heimattag in Karlsruhe. Hier möchte ich einen kurzen, aber wie ich finde, besonderen Moment hervorheben, als mir nämlich unsere neue Schirmherrin, Bürgermeisterin Gabriele LuczakSchwarz, am Ende des Gottesdienstes Folgendes zugeflüstert hat, ich zitiere: “Bei so einem Chor und so einem Pfarrer freut man sich auf den nächsten Sonntagsgottesdienst.“ Ein Lob für die einzigartige kulturelle Arbeit, die wir alle gemeinsam Jahr für Jahr leisten. Eines der zwei Jubiläen, die unsere Gemeinschaft feiern durfte, war die 25-Jahr-Feier der Sozialstation in Billed. Bei dieser Feier konnten wir hohe politische Persönlichkeiten begrüßen und das Wirken der Sozialstation sowie die Heimatausstellung im Forum präsentieren. Die Krönung unserer Aktivitäten war das zweite Jubiläum. Das 20-jährige Schlachtfest in Frankenthal. Eine äußerst gelungene Feier, mit „Worschd“, Blechmusik und einer selbstgedichteten Jubiläumshymne. Auch das

Herbstfest der Billed-Alexanderhausener Blechmusik in Nürnberg war wiedermal eine tolle Veranstaltung und ein voller Erfolg. Erfreulich für mich war die Feststellung, dass mehr Landsleute der mittleren Generation zu unseren Veranstaltungen kommen. Hoffentlich hält dieser Trend an und verstärkt sich vielleicht sogar noch. Lasst uns die Gemeinschaft leben! Man muss aber auch immer wieder betonen, dass keines der Feste ohne die tatkräftige Unterstützung der Organisatoren und zahlreichen Helfer, die all die Veranstaltungen und Kulturbeiträge erst möglich machen, stattfinden würde. An dieser Stelle möchte ich allen Beteiligten ganz herzlich danken. Auch dieses Jahr gilt unser besonderer Dank unseren beiden Redakteuren, Elisabeth Martini und Johann Rothgerber, die durch ihre hervorragende und zeitintensive Arbeit das Fundament dieses Heimatblattes bilden. Ich hoffe, dass dieses Heimatblatt auch noch weitere Landsleute zur aktiven Mitarbeit motiviert. Jeder Beitrag, sei er auch noch so klein, ist ein Geschenk an unsere Gemeinschaft und die Möglichkeit, unser Heimatblatt mitzugestalten und zu bereichern. Wie üblich, erhalten Sie unser Heimatblatt kostenlos. Spenden sind sehr willkommen, Dank an alle, die uns unterstützen. So kann nicht nur unser Heimatblatt weiter erscheinen, auch unser Internetauftritt und weitere Vorhaben der Gemeinschaft können verwirklicht werden. Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein friedvolles Weihnachtsfest und ein glückliches Neujahr 2020. Werner Gilde Vorsitzender der HOG Billed


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s war das 23. Billeder Treffen und das 18. in Karlsruhe, dem Zentrum der Billeder in der BRD, wobei auch Billed selbst durch sein Heimathaus - mit Forum und Heimatstube - immer mehr an touristischem Reiz gewinnt, immer mehr Besucher anzieht. Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, ist zugleich das Fest der Begegnungen vieler Banater Schwaben, was aber zur Konkurrenz mit der allgemeinen deutschen Ur-

Elisabeth Martini

laubswelle führt. Es darf somit nicht wundern, wenn erhoffte Teilnehmerzahlen nicht immer erreicht werden. Gemäß veröffentlichtem Programm fand am Samstag, dem 8. Juni, auf dem Karlsruher Hauptfriedhof, am Billeder Gedenkstein, die Feier zur Totenehrung statt, an der sich der Banater Chor unter der Leitung von Ortwin Meinhardt, die Bläsergruppe unter der Leitung von Adam Tobias, Billeder und Nicht-Billeder beteiligten. (ð S. 8)


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Abbildungen 1. Eine Bläsergruppe unter der Leitung von Adam Tobias eröffnet die Gedenkveranstaltung 2. Der Banater Chor unter der Leitung von Ortwin Meinhardt singt während der Feier die Lieder „Wohin soll ich mich wenden?“, „Näher mein Gott zu Dir“, und „Glocken der Heimat“. 3. Adam Tobias und Jakob Muttar am Denkmal der Billeder nach der Kranznierlegung. Fotos: Cornel Gruber


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Gedenkansprache von Ralf Gilde

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elten waren die Geschichte und die Erfahrungen der Schwowe aktueller als heute. Denn die Geschichte der Banater Schwaben ist im Besonderen eine der Umsiedlung, der Vertreibung, der Suche nach einer besseren Zukunft für sich und die eigene Familie. Eine Geschichte der Auswanderung und Flucht, eine Geschichte von Neuanfang und neuer Heimatfindung, eine Geschichte von freiwilligem Wegzug und erzwungener Deportation. Aber auch eine Geschichte von Menschen, die sich – auch wenn die äußeren Umstände noch so widrig waren – nicht unterkriegen ließen und mit Fleiß, Demut, Bescheidenheit und harter Arbeit ihres eigenen Glückes Schmiede wurden. Die historischen Fakten und Begebenheit lassen sich in

zahlreichen Büchern und Chroniken mittlerweile gut recherchieren und nachvollziehen. Die Aktualität der schwowischen Geschichte erwächst allerdings aus den Entwicklungen unserer heutigen, globalisierten Welt. Wir sehen heute ein zunehmendes Maß an Migration von Menschen des afrikanischen Kontinents oder des Nahen Ostens in Nachbarländer und auch in die Europäische Union. Migration, die vielfältige Ursachen und ganz unterschiedliche Motive hat. Migration, um Hungersnöten oder der eigenen wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit zu entkommen. Migration, um Krieg und Verfolgung zu entkommen oder um sich aus dem Joch der politischen oder religiösen Unterdrückung zu befreien. Motive, die wir über die vergangenen Jahrhunderte auch in der schwowischen Geschichte häufig wiederfinden. So sind Mitte des 18. Jahrhunderts unsere Vorfahren


Heimattag 2019 von Mosel, Lothringen oder Luxemburg aus aufgebrochen, um den Hungersnöten, ausgelöst durch mangelndes Ackerland und durchs Land marschierender Kriegstruppen, zu entfliehen. Aber auch in der Hoffnung auf eine erträglichere Zukunft für sich und die eigene Familie im Banat. Es waren vor allem einfache Handwerker oder Bauern, denn hätten sie Land oder eine besondere Profession besessen, wären sie geblieben und hätten sich nicht aufgemacht in eine ungewisse und entbehrungsreiche Zukunft. Ende des 19. Jahrhunderts und nach dem ersten Weltkrieg gab es einen regelrechten Wegzug nach Amerika. Knapp gewordener Lebensraum, die Kriegserfahrung aber vor allem die Hoffnung auf an Bäumen wachsende Dollars, waren Antrieb zur Auswanderung. Diesmal waren es eher die besser Situierten, die aufbrachen, ihr Glück zu finden. Und dann, ab Mitte des 20. Jahrhunderts, mit den Erfahrungen des Krieges, den Leiden einer Deportation und dem Aufkommen eines kommunistischen, diktatorischen Systems, schloss sich für viele Schwowe der Kreis, man ging zurück in die alte-neue Heimat, zurück nach Deutschland. Liebe Festgäste, liebe Schwowe, liebe Billeder, Wir feiern heute das 18. Billeder Heimattreffen hier in Karlsruhe. Aber wir feiern auch über drei Jahrzehnte gelungene Integration. Auch wenn heute selbst meine Generation noch als „mit Migrationshintergrund“ bezeichnet wird, kann man doch sagen, dass man uns den Migrationshintergrund nicht wirklich anmerkt. Es sei denn man unterhält sich gerade lautstark auf Schwowisch oder zieht stolz in der Banater Tracht, begleitet von Blechmusik, durch die Straßen, wie es auch heute Nachmittag wieder der Fall sein wird.

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Abbildungen 1. Ralf Gilde während seiner Ansprache bei der Gedenkveranstaltung auf dem Karlsruher Hauptfriedhof 2. Ralf Gilde vor dem Denkmal der Billeder auf dem Karlsruher Hauptfriedhof. Fotos: Cornel Gruber


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Heimattag 2019 Die Gedenkrede hielt Ralf Gilde, Vertreter der jungen Generation, Vorstandsmitglied, der aus dieser Sicht einen historischen Rückblick auf Billed und seine Bewohner warf, auch die große Leistung derselben hervorhob, ihren Fleiß und ihre Charakterstärke, ihre Heimatverbundenheit. Der Banater Chor bot bekannte Lieder wie: „Wohin soll ich mich wenden?“, „Näher mein Gott zu Dir“, und zum Schluss „Glocken der Heimat“, die so manches Herz wehmütig stimmten. Die Totengebete und Fürbitten bot Elisabeth Luckhaup, während unser Heimatpfarrer Marius Frantescu darauf hinwies, dass auch Trauer zum Leben gehört und wir Gottes Hilfe brauchen, um nicht allein zu sein. Er segnete die Lebenden und die Toten im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. In Abwesenheit des gesundheitlich angeschlagenen stellvertretenden Vorsitzenden Josef Herbst verlas sein Sohn Alfred Herbst die lange Liste derer, die seit dem letzten Treffen verstorbenen sind. Die Bläser umrahmten die Totenfeier mit feierlichen Tönen, ein Gedichtvortrag von Kerstin Klein ergänzte die beeindruckende Feier. Allen Beteiligten dankte Werner Gilde zum Schluss und verwies auf die weiteren Programm-Punkte des Tages.

Abbildungen 1. Ansprache von Heimatpfarrer Marius Frantescu 2. In Abwesenheit von Josef Herbst verlas sein Sohn Alfred Herbst die lange Liste derer, die seit dem letzten Treffen verstorbenen sind. Fotos: Cornel Gruber

9 Schon Freitag Nachmittag hatten Hans Rothgerber, Peter Krier, Josef Freer und Peter Weber im Foyer der Badnerlandhalle die Ausstellung des Banater Malers Franz Ferch organisiert mit wunderbaren Druck-Exponaten, die durch 2-3 Bilder jede Schaffensperiode des Künstlers veranschaulichen sollten, sein Talent und seine Wandlungsfähigkeit. Peter Krier präsentierte bei der Eröffnung vor zahlreichem Publikum den Maler in seiner Entwicklung und verwies darauf, dass dieser aus den Gegebenheiten heraus, in die er hineingeboren wurde, das Bestmögliche gemacht hat; unter anderen Umständen hätte er vielleicht mehr erreicht. Die vergrößerten Drucke beeindruckten die Besucher, wobei auch auf die noch größeren Exponate in der Galerie im Essraum des Billeder Forums hingewiesen wurde. In der Zwischenzeit waren die Trachtenträger mit der 20-köpfigen Blasmusikkapelle zur Feuerwehr-Remise marschiert, um Ehrengäste mit einem Ständchen einzuladen: die neue Schirmherrin, Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz, den neuen Ortsvorsteher von Neureut Achim Weinbrecht. Zaungäste fanden es äußerst unterhaltsam, den Trachtenträgern bei Musik und Tanz zuzusehen, zu klatschen, mitzumarschieren. Für viele Neureuter ist es das sichtbarste Zeichen des Heimattages: der Festzug der Trachtenpaare mit der Trachten-Blasmusikkapelle – ein Augen- und Ohrenschmaus. Die Einladung zum Fest wurde dankend angenommen. Marschierend zur Blasmusik kam der Festzug als optischer Höhepunkt mit den Ehrengästen zur St. JudasTaddäus-Kirche, wo Heimatpriester Marius Frantescu die Festmesse zelebrierte. Dabei sollte sowohl Gott als auch die Gemeinschaft, unsere Gemeinschaft, gefeiert werden. Den feierlichen Rahmen bot der Banater Chor unter der Leitung von Sonja Salman und den Solistinnen Irm­gard


10 Holzinger-Fröhr und Melitta Giel, deren wunderbarer Gesang so manchen tief berührte, manchen zu Tränen. Im Foyer der Badnerlandhalle wurde um die Mittagszeit vor zahlreichem Publikum die Ausstellung „Bilderwelt des Banater Malers Franz Ferch“ durch den Ehrenvorsitzenden der HOG Billed Peter Krier eröffnet. Dieser erläuterte die Bedeutung des Malers für die Kunst, aber auch für uns Banater, seine Entwicklung, bedingt durch die politisch-sozialen Umstände. Die großformatigen Reproduktionen von Hans Rothgerber veranschaulichten durch je 2-3 Exponate die verschiedensten Schaffensperioden des Künstlers und zugleich seine Wandlungsfähigkeit und seine Heimatverbundenheit, was die Betrachter berührte. Beeindruckt hat auch wieder die Tatsache, dass unser Dorfkind, Priester M. Frantescu, in der ST. JudasTaddäus-Kirche „schwowisch“ / schwäbisch gepredigt hat in Erinnerung an seinen Großvater/Ota, der ihn ermahnte: „Vergess net, in deiner Bruscht schlaat e schwowisch Herz! Mer steht zu dem, was mer is – e Schwob, e Billeder.“ Lesungen aus dem Evangelium und Fürbitten nahmen Trachtenträger vor. An Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes, sollten die Gebete der Gemeinschaft auch die Verbundenheit der Lebenden mit den Toten ermöglichen. Die Bitte um Friede und Eintracht ließ die Menschen einander die Hand reichen; die Hostie, den Leib Christi, nahmen die meisten zur inneren Stärkung an, während der Chor das „Ave Maria“ sang. Der Kirchweihstrauß und alle Anwesenden wurden am Schluss gesegnet und der Chor ließ „Großer Gott, wir loben Dich“ erschallen. Nach dem Einzug der Trachtenträger mit den Ehrengästen in die Festhalle erfolgte die feierliche Begrüßung der schon erwähnten Festgäste, ergänzt durch den Lan-

Heimattag 2019 desvorsitzenden der Banater Schwaben BW Josef Prunkl, die Vorsitzenden befreundeter HOGs, Hans Mathis, Peter Weber. Gekonnt und charmant führte Heidi Müller durch das Kulturprogramm, wobei Grußreden und Tanzeinlagen der Trachtenträger wie Gedichtvorträge ein harmonisches Ganzes ergaben. In ihrem Grußwort unterstrich die Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz als neue Schirmherrin des Heimattages die Ziele der Heimatgemeinschaft Billed: „Sie alle tragen mit Herzblut, Ideenreichtum und Kreativität dazu bei, die Erinnerung an ihre Heimat aufrechtzuerhalten. Sie brennen für ihre Heimat und schaffen es, diesen Funken auf die jüngeren Generationen zu übertragen.“ Sehr nachdenklich stimmte die Rede von Josef Prunkl, der die Billeder von früher kannte, der aber auch erlebte, wie sie und viele Banater zu sehr bemüht waren, sich in der neuen Heimat anzupassen, sprachlich nicht aufzufallen. Zumal sie die Erfahrung einer Diktatur haben, dürften sie die Wehrhaftigkeit viel mehr verteidigen. Das „Verzähle“ der versammelten Billeder ist heute anders als vor 20 und mehr Jahren, es ist weniger rückwärtsgewandt als zeitnah, bedingt im Großen durch Generations- und Zeitenwechsel. Festprogramm gemäß musste so um 19 Uhr die Jahreshauptversammlung der HOG dazwischen geschaltet werden, zumal Neuwahlen des Vorstandes anstanden. Nach der Entlastung des alten Vorstandes, des Kassenwarts und der Kassenprüfer brachte die Neuwahl nur wenige Veränderungen, da die meisten bereit waren, ihre Aufgaben weiter zu erfüllen. Zuerst brachte die Blaskapelle die Tanzlustigen in Schwung, dann unterhielt Eduard Thöress auf seine Art, sang zuerst das „Billed-Lied“ von Hans Mathis.


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Die Tanzunterhaltung dauerte anschließend mit DJ „EdiKumedi“ bis nach Mitternacht und ließ alle zufrieden nachhause gehen, mit dem Wunsch, dass es das nächste Mal wenigstens ebenso schön wird wie diesmal. Einhellig war man der Meinung, dass es ein sehr gelungenes Fest war, das wir vielen Helfern, Organisatoren, Mitwirkenden und denen verdanken, die das Ganze im Bild für jedermann und auch später festgehalten haben: Cornel Gruber-Simionescu, Ottmar Liep, Hans Rothgerber, Holger Giel.

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Abbildung Peter Krier eröffnet die Ausstellung „Bilderwelt des Banater Malers Franz Ferch“ im Foyer der Badnerlandhalle. Foto: Cornel Gruber

Den wunderbaren Strauß schmückten: Anna Just, Elisabeth Hipp, Elisabeth Pfeifer, Heidi Müller, Gerlinde Gilde; den Rosmarin spendeten die Familien Jäger (Durmersheim) und Gilde senior.


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1. Das Plakat zum Heimattag mit dem Billeder „Entelacke“ in einer weiteren malerischen Darstellung von Franz Ferch. 2. Auch der Rollstuhl kann Josef Herbst nicht vom Billeder Heimattag abhalten. 3. Peter Weber aus München und Hans Mathis aus Ried im Innkreis/Österreich beim Billeder Heimattag. Beide haben gemeinsam, dass ihre Eltern 1944 vor der Roten Armee geflüchtet sind. Aus Billed waren das 142 Personen, 7 von ihnen wurden von Partisanen in Serbien ermordet. Peter Weber hat in seinem Buch „Kindheit, Krieg und neue Heimat“ diesen Weg seiner Familie dokumentiert. Hans Mathis, erfolgreicher Texter und Komponist, hat seinen Landsleuten das Billed-Lied gewidmet. 4. Hans und Anna Fost mit Enkelkindern Timmi und Anni. Für die Familie Fost war und ist der Billeder Heimattag ein fester Eintrag in ihrem Terminkalender.


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Abbildungen 1. Mit der Blaskapelle Billed-Alexanderhausen durch KA-Neureut 2. Festumzug zum Einladen der Ehrengäste in die Feuerwehrremise 3. Einladen der Ehrengäste 4. Tanzen im Hof der Feuerwehrremise 5. Ausmarsch des Festzuges (Fotos: Cornel Gruber)

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Abbildungen 1. Heimatpfarrer Marius Frantescu empfängt die Kirch-1 weihpaare zum Gottesdienst 2. Fürbitten beim Festgottesdienst in der St. Judas-Taddäus Kirche 3. Der Chor der Banater Schwaben Karlsruhe mit den Solistinnen Irmgard und Melitta 4. Festgottesdienst mit Heimatpfarrer Marius Frantescu


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Abbildungen 1. Gruppenbild der Kirchweihgesellschaft mit den Ehrengästen 2. Mit der Blaskapelle in die Badnerlandhalle 3. Nach dem Gottesdienst Umzug der Trachtengruppe in die Badnerlandhalle. Fotos: Cornel Gruber

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Abbildungen 1. Ansprachen der Ehrengäste in der Badnerlandhalle 2. Tischreihe mit den Ehrengästen. Links im Bild Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz, die neue Schirmherrin des Heimattages. Fotos: Cornel Gruber Ansprache von Josef Prunkl Landesvorsitzender der Banater Schwaben BW

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radition heißt nicht, Asche zu bewahren, sondern das Feuer weiterzugeben.“ Dieses Zitat schreiben einige dem französischen Historiker und Politiker Jean Jaures, andere dem deutschen Komponisten Gustav Mahler zu. Aber wichtiger als die Frage, welcher der beiden Herren es nun tatsächlich für sich beanspruchen darf, ist doch der tiefere Sinn dieses Ausspruchs und der passt genau zu dem, was wir hier und heute beim 23. Billeder


Heimattag 2019 Heimattag erleben dürfen: Mit Ideenreichtum und Kreativität stellen Sie Billed, Ihre alte Heimat, vor. Und bei jedem einzelnen Programmpunkt ist deutlich zu spüren, wie sehr Sie für diese ehemalige Heimat brennen. Billed liegt im Banat, etwa 30 km nordwestlich der Karlsruher Partnerstadt Temeswar. Karlsruhe hat also gute Beziehungen ins Banat und pflegt diese gerne, gerade auch jetzt, wo sich Temeswar in den Vorbereitungen auf seine Rolle als Kulturhauptstadt Europas 2021 befindet. Mit großer Beharrlichkeit und Hingabe setzen Sie sich für die Stärkung des Herkunftsbewusstseins der Billeder ein. Sie pflegen das Brauchtum, die kulturellen Traditionen und die Gemeinschaft, und Sie achten darauf, das Bewusstsein der jüngeren Generationen für Herkunft und Heimat zu schärfen. Hierdurch gelingt es Ihnen zugleich, junge Menschen für die Brauchtumspflege zu begeistern. Und dies ist gerade in einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft so wichtig. Menschen, die in unser Land zuwandern, woher auch immer, sollen und dürfen ihre Wurzeln bewusst mit sich tragen, aber zugleich konsequent und konsensorientiert am Bau unserer Gesellschaft mitwirken. Dazu kommt: Als Banater Schwaben wissen Sie, was es heißt, einer Diktatur ausgeliefert zu sein. Sie wissen damit zugleich, was Freiheit und Demokratie bedeuten und welch hohen Wert sie haben. Letzteres sollten wir uns alle immer wieder bewusst machen! Gerade erst kürzlich gab es hierfür einen besonderen Anlass, den 70. Geburtstag des Grundgesetzes. Karlsruhe richtete die zentralen Feierlichkeiten aus. Unsere Verfassung beinhaltet genau die Werte, auf denen unsere Ge-

21 sellschaft basieren muss: Menschenrechte, Freiheit, Demokratie und Solidarität werden groß geschrieben. Menschenfeindlichen Tendenzen, Rassismus und Diskriminierung darf kein Raum gewährt werden! Dafür steht Karlsruhe, dafür steht unsere Gesellschaft! Es ist beeindruckend, wie aktiv und intensiv Sie die Beziehungen zu Ihrem früheren Heimatland Rumänien pflegen und bewahren - natürlich in erster Linie zu den wenigen noch in Billed lebenden Banaler Schwaben, aber auch zu den Verantwortlichen vor Ort und den dortigen Einrichtungen. Die Heimatgemeinschaft hat in den letzten Jahrzehnten viel für Billed getan, zum Beispiel durch die Hilfe bei der Renovierung der Kirche und der Friedhöfe oder durch vielfältige technische und beratende Unterstützung. Dafür gebührt Ihnen hohe Anerkennung! Die Heimatgemeinschaft ist ein Vorbild als Brückenbauer zwischen den Generationen, zwischen Tradition und Gegenwart. Sie tragen entscheidend dazu bei, Vorbehalte abzubauen und den vertrauten Umgang zwischen Menschen in Deutschland und Rumänien zu intensivieren. Das Zusammenwachsen der europäischen Länder lebt von diesen menschlichen Kontakten auf Augenhöhe. Der italienische Filmemacher Federico Fellini sagte einmal: „Niemand darf seine Wurzeln vergessen. Sie sind der Ursprung unseres Lebens.“ In diesem Sinne danke ich Ihnen allen für Ihre Arbeit gegen das Vergessen, für Ihr unermüdliches Engagement und wünsche mir zugleich, dass Sie genauso unermüdlich weitermachen! Dafür wünsche ich Ihnen viel Erfolg und stets das nötige Durchhaltevermögen!


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Abbildungen 1. Traditionelle Tänze der Trachtengruppe der Banater Schwaben Karlsruhe auf der Bühne in der Badnerlandhalle. 2. Tanzvorführungen der Trachtengruppe, es spielt die Blaskapelle Billed-Alexan­ derhausen. 3. Tanzunterhaltung mit der Blaskapelle Billed-Alexan­derhausen und den Solisten Melitta und Dietmar Giel. 4. Tanzunterhaltung am späten Abend mit DJ Edimann


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Veranstaltungen

Sommerfest 2019

Das Sommerfest des Kreisverbandes der Landsmannschaft der Banater Schwaben Karlsruhe öffnete erneut seine Tore Irmgard Triess

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m 06. Juli 2019 fand das 11. Sommerfest des Kreisverbandes der Landsmannschaft der Banater Schwaben Karlsruhe statt. Das Vereinsgelände des FC Südstern lud in strahlender sommerlicher Atmosphäre die Gäste zum Verweilen ein. Den Organisatoren muss man ein Lob aussprechen, denn es war für alles gesorgt: Schattige Sitzgruppen, Musik ertönte von der Billed- Alexanderhausener Blaskapelle, in der Luft lag der Duft von Mititei und Gegrilltem, kalte Getränke standen bereit, all das lud die Menschen ein, sich wohlzufühlen. Werner Gilde, der 1. Vorsitzende des Kreisverbandes eröffnete die Veranstaltung, indem er alle begrüßte. Günter Weber, der Ehrenvorsitzende des TSV Südstern freut sich, dass in diesem Jahr das Sommerfest wieder hier auf dem Gelände stattfindet. Er hieß alle herzlich willkommen und wünschte eine gute Unterhaltung. Im Namen der Tanzgruppen begrüßte Heidi Müller alle Anwesenden und wünschte den Mitwirkenden gutes Gelingen. Dietmar Giel, der 1. Vorsitzende des Chores der Banater Schwaben Karlsruhe, hob hervor, dass fast alle Chormitglieder anwesend seien, 30 an der Zahl und dass man sich in vielen Proben für dieses besondere Fest vorbereitet hatte. Der Chorleiter, Ortwin Meinhardt, begleitete die Lieder mit dem Akkordeon. Der Chor eröffnete das Fest und sang alte Schlager, Volkslieder, die über Sehnsucht, Liebe, Abschied und Heimat handeln. So erklangen, passend zum Sommer, altbekannte und schöne Lieder wie „Wenn der Wein blüht...“, „Wo die Donau fließt nach

Süden…“, „Lebe wohl Jasmina, …“, Schönes Mädchen aus Arcadia…“ und viele mehr. Von den Klängen der Blasmusik getragen, fieberte man dem Höhepunkt der Veranstaltung entgegen, dem Auftritt der Tanzgruppe. Beim Einmarsch der großen Gruppe der Tänzerinnen und Tänzer auf dem grünen Rasen des Fußballplatzes, die in diesem Jahr schwarz, weiß mit türkisen Schürzen gekleidet waren, bildeten sie einen überwältigenden Anblick. Der Applaus begleitete sie über längere Zeit. Für die Tänzerinnen und Tänzer war der Rasen nicht gerade vorteilhaft, aber sie schlugen sich tapfer. Sie tanzten vier Tänze, die für Kenner eine Augenweide waren, denn viele neue Figuren und Kombinationen wurden gezeigt. Die Tänze waren: „Wenn die Kastanien blühn“, „Donauschwabenwalzer“, „Für lustige Leut“ und ganz neu „Susi, heb dich“ ein sehr ansehnlicher, abwechslungsreicher Tanz, der mir besonders gut gefiel. Lobenswert ist die Bewirtung der Gäste in der Grillecke, die bei den sommerlichen Temperaturen so manchen Schweißtropfen verloren und an der Kuchentheke zu erwähnen, denn so viele schöne Kuchen und Torten in einer Reihe angeordnet sind schon bewunderungswert, da ja alle Kuchen von den Mitwirkenden und einigen Gästen selbst gebacken und gespendet wurden. Das Sommerfest ging mit Tanz und guter Laune zu Ende. Es war ein gelungenes Fest und man kann sagen: „Macht weiter so, denn mehr denn je soll das Schöne und Positive der jungen Generation weitergegeben werden.“


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Abbildungen 1. Günter Weber, Ehrenvorsitzende des TSV Südstern, Werner Gilde und Heidi Müller bei der Eröffnung des 11. Sommerfestes am 6. Juli 2019 2. Ehrenamtliche Helfer um den Grill mit den Mititei, dem Hauptfleischgericht beim Fest. 3. Grillen ist ehrenamtliche Männersache. Fotos: Cornel Gruber


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Abbildungen 1. Chorleiter Ortwin Meinhardt begleitet mit Akkordeon 30 Sänger der Banater Schwaben Karlsruhe. 2. Der Chor der Banater Schwa­ ben Karlsruhe singt Volkslieder und alte Schlager. 3. Kapellmeister Jakob Gross und die aus ganz Deutschland angereisten Musikanten 4. Die Solisten Melitta und Dietmar Giel mit der Blaskapelle Billed-Alexanderhausen

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Abbildungen Von den Frauen der Trachtengruppe wird das Tortenbuffet vorbereitet, neben hunderten Kipfeln wurden rund 40 selbstgebackene Torten gespendet. Im Hintergrund hat sich schon eine Schlange gebildet. Fotos: Cornel Gruber

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Abbildungen Abb. links: Die Trachtenpaare vor ihrem Aufmarsch ins Stadion. Abb. oben: Ein weiterer HÜhepunkt des Sommerfestes bilden die traditionellen Tänze der Trachtengruppe.


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Nürnberger Herbstfest 2019

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m 21. September 2019 war es soweit, das schon fast zur Tradition gewordene Herbstfest der Blaskapelle Billed-Alexanderhausen fand wieder statt. Noch vor der Veranstaltung ab 14.00 Uhr, im Genossenschaftssaalbau in der Bauernfeindsiedlung in Nürnberg, waren beim Organisationsteam unter Josef Hipp, bereits 150 Platzreservierungen eingegangen. Durch die intensive Werbung, auch über die Banater Post, hatte sich der Saal schon sehr bald mit tanzlustigen Gästen und auch solchen, die einfach den altbekannten Blasmusikstücken lauschten, gut gefüllt.

Hanna und Renate Frombach

Gegen 15.30 Uhr wurde das langersehnte Kuchenbuffet eröffnet. 22 Torten und viele Kipfel wurden zum Verkauf angeboten. Vielen Dank an dieser Stelle für die zahlreichen Spenden der fleißigen Bäckerinnen und Bäcker! Viel Applaus gab es für die Tanzgruppe der Banater Schwaben des Kreisverbandes Nürnberg, die gegen 19.00 Uhr mit einigen Tänzen das Publikum begeistern konnte. Den ganzen Nachmittag über und bis spät in die Nacht hinein spielte die Kapelle altbekannte und auch neue Stücke, die die schönsten Erinnerungen an die Feste


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in den Banater Dörfern ins Gedächtnis riefen und für gute Stimmung sorgten. Es wurde gejuchzt, getanzt, gestampft und es gab immer wieder Zugabe-Rufe. Lauter fröhliche Gesichter begegneten mir auf der Tanzfläche, welche bis zum allerletzten Stück, das die Kapelle spielte, immer gut gefüllt war. Die Zeit verging wie im Flug und schon bald verabschiedete man sich, wohl aber mit dem Versprechen, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Danke an Fam. Hipp und an all die, die im Hintergrund dazu beitrugen, dass dieses Fest stattfinden konnte. Danke sagen wir auch der Blaskapelle Billed-Alexanderhausen, die immer für gute Stimmung sorgt. Wir freuen uns auf das nächste Herbstfest, dass wir wieder

Abbildungen 1. Zum Herbstfest 2019 sind rund 20 Musikanten der Blaskapelle Billed-Alexanderhausen aus ganz Deutschland angereist. 2. Die Organisatorinnen um Josef Hipp vor dem Tortenbuffet im Genossenschaftssaalbau in der Bauernfeindsiedlung. so viele Liebhaber der Blasmusik begrüßen dürfen! Wir alle sind auf jeden Fall dabei, am 26. September 2020, wenn es wieder heißt – „Es ist Herbstfest in Nürnberg und es spielt die Billed-Alexanderhausener Blechmusik!“


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Die gespendeten Torten beim Herbstfest 2019


Die gespendeten Torten beim Herbstfest 2019

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Abbildungen 1. Aufmarsch der Tanzgruppe der Banater Schwaben des Kreisverbandes Nürnberg 2. Tanzvorführungen, zur Nürnberger Tanzgruppe gehört auch eine Kindergruppe. 3. Einer für Zwei oder Zwei für Einen? Tanzmotiv der Nürn­berger Jugendtrachtengruppe. 4. Der Erfolg des Herbstfestes lässt sich beziffern: Noch vor der Veranstaltung ab 14.00 Uhr waren bereits 150 Platzreservierungen eingegangen. 5. Frauen in der Blech? Vor 30 Jahren noch hätten Alt­bauern im Dorf sich verwundert die Augen gerieben. Doch die Zeiten haben sich gewaltig geändert und es ist ein herausragendes Merkmal der Billeder Blaskapelle und ihrer Kapellmeister, dass sie sich immer wieder neu aufstellen und organisieren können. Fotos: Heidi Müller und Siegfried Frombach

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20 Jahre Schlachtfest in Frankenthal… …und kein bisschen müde… u diesem Ereignis möchte ich mit einer E-Mail anfangen, die mich ein Tag nach dem Fest erreichte: „Liebe Heidi, ich möchte dir - stellvertretend für die BilledAlexanderhausener Musikkapelle - für den wunderschönen Abend danken. Es war grundsätzlich ein Abend voller Höhepunkte und Gaudi. Jeder hat sein Bestes gegeben, die Metzger und das Helferpersonal, die Tanzgruppe, Melitta und Dietmar, das Organisationsteam und nicht zu-

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Heidi Müller

letzt die Musikanten. Und euch, den Musikanten, möchte ich nun danken. Einer der Musikanten hat gesagt: ‚Was ist ein Banater Schwabe ohne Kuchen?‘ Das stimmt. Aber ich möchte noch eines draufsetzen und sagen: ‚Was ist ein Banater Schwabe ohne Polka?‘ Ihr habt so viele schöne Polkas gespielt! Da stellt sich diesmal die Frage: Wer hat wen ‚kaputtgemacht‘? Die Musikanten die Tänzer? Diesmal war es - glaub ich - umgekehrt. Die Musikanten sind ganz schön ins Schwitzen gekommen. Das Herz des Ba-


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Abbildungen 1. Stillleben mit 5 Wurstsorten zum 20-jährigen Jubiläum 2. Stillleben zum Jubiläum von Entertainer Edimann, der einen Unfall hatte und leider nicht dabei sein konnte. nater Schwaben schlägt im Polkatakt, das hat sich wieder einmal gezeigt. Die Tanzfläche war immer brechend voll. Ein ganz großes Lob an alle Musikanten, ihr wart klasse!“ Bettina Geller Eigentlich gibt es nichts mehr hinzuzufügen, es ist bereits alles gesagt. Trotzdem möchte ich von ganz vorne anfangen. Bereits die ganze Woche vor dem 26. Okto-

ber wurde bei Familie Dinyer gewurstelt, gebrutzelt, gekocht, gebacken. Viele fleißige Helfer unterstützten Sepp Dinyer und Franz Klein, damit am Samstag pünktlich Leberwurst, Bratwurst, Griebenwurst, Blutwurst, Schwartenmagen und „Griewe“ zum Abendessen serviert werden konnten. Am Samstagmorgen trafen sich die Musikanten um 10.00 Uhr im Donauschwabenhaus und spielten sich kurz ein. Währenddessen war bereits Hochbetrieb in der Küche; Krautwickel, Kartoffelpüree, Bratwurst und paniertes Schnitzel wurden zum Mittagessen vorbereitet. Die Gäste trafen langsam ein, die Musikanten gaben den


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Abbildungen 1. Blaskapelle und Gäste im Hof der Familie Dinyer in Fran­kenthal. 2. „Griewekuche“, Rosé aus der Pfalz, selbstgebackene „Klänmehlspeis“ und Sonnenschein beim Em­pfang im Hof der Familie Dinyer. Foto: Florian Helfrich.


Aktuell beiden Metzgern und ihren Helfern ein Stelldichein und spielten bei Familie Dinyer im Hof ein Ständchen, was für viele Beteiligte und Gäste bereits der erste Höhepunkt des Tages war. Es gab Blasmusik vom Feinsten sowie den berühmten „Griewekuche“ von Elisabeth Dinyer; die vollen Weingläser wurden auf ein gutes Gelingen erhoben. Nicht zuletzt bedankten sich die Musikanten für die bereits getane Arbeit. Zurück im Donauschwabenhaus ging es mit Blasmusik weiter, das reichliche Mittagessen wurde serviert, man erzählte, die Tanzlustigen tanzten. Kurz nach 15.00 Uhr kündigte sich der erste Programmpunkt an. Die Tanzgruppe der Banater Schwaben aus Karlsruhe unter Leitung von Melanie und Heidi Müller sowie Werner Gilde marschierte auf und tanzte vier Tänze. Alle wurden live von der Blaskapelle begleitet, was die Stimmung zum nächsten Höhepunkt führte. Zwischen den Tänzen trugen Melitta und Dietmar Giel ein Gedicht zum Jubiläum vor, sowie einige lustige und heitere Begebenheiten aus dem Alltag eines Banater Schwaben. Ich bedankte mich bei der Blaskapelle für die musikalische Begleitung und für die vielen gemeinsamen Auftritte, die wir bereits zusammen erleben durften. Hoffen wir, dass es noch viele sein werden. Nachdem die letzte Zugabe der Gruppe getanzt war, wurden die Kuchen aufgetragen. Fast 40 Kuchen und Torten wurden den Gästen angeboten. Diese Vielzahl an Kuchen ist dank der Spenden der Musikantenfrauen, der Helfer und einiger Gäste möglich. An dieser Stelle möchte ich bereits ein herzliches Dankeschön an die Kuchenspender aussprechen. Nach einer kleinen Kuchenpause, die auch den Musikanten gegönnt war, da Familie Frombach eine Jubiläumstorte extra für die Musikanten mitgebracht hatte, ging es im Polka- und Walzertakt weiter. Die Gäste durf-

41 ten wieder das Tanzbein schwingen. Weitere musikalische Einlagen bot das Ensemble „Quintessenz“ mit klassischer Blasmusik und erntete begeisterten Beifall. Auch die Geschwister Maxima und Fabio Hell gaben ihr Bestes am Akkordeon und erfreuten die Gäste mit volkstümlicher Musik. Sie bereicherten mit ihren Darbietungen, wie jedes Jahr, das Fest. Danke auch an euch! Nach dem reichlichen Abendessen, einer Wurstplatte, steigerte sich die Stimmung immer mehr. Bei der Schlachtfesthymne, die diesmal nicht von Edi van der Billed gesungen wurde, da er nach einem Unfall leider nicht dabei sein konnte, sondern vom Sängerduo der Kapelle, Melitta und Dietmar, tanzten, klatschten alle mit und die Kapelle spielte eine Zugabe nach der anderen. Eine Polka-Runde folgte nach der anderen, die Gäste tanzten, die Musikanten spielten…Es stellte sich langsam die Frage: Wer hält länger durch?... Es war herrlich, eine super Stimmung, wie schon lange nicht mehr. Alle waren in Feierlaune… Toll! Adam Tobias wagte es kaum, die Stimmung zu unterbrechen, wollte er doch auch ein Dankeschön im Namen der Musikanten an alle Helfer, an alle Mitwirkenden, an alle Gäste richten. Selbst die Tombola-Ziehung war spannend. Zum 20-jährigen Jubiläum gab es 20 Meter Bratwurst zu gewinnen und die drei Hauptgewinne kamen noch dazu. Das Feiern, das Tanzen zur Blasmusik ging bis kurz vor Mitternacht, dann kam endlich unser DJ Gerry zum Zuge. Auch er heizte den Gästen noch kräftig ein. Bis in die frühen Morgenstunden hielt die Feierlaune an. Alle waren sich einig, es war ein Fest wie noch nie! Leider war es das letzte Schlachtfest in dieser Form. Am 24. Oktober 2020 findet das nächste Fest nach einem neuen Konzept statt.


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Zum Schluss sage ich noch einmal an alle Danke: an die Metzger Sepp Dinyer, Franz Klein und Hans Muhl, an das gesamte Schlachtteam, an das Helferteam, an das Küchenteam, an die Herren hinter der Theke, an Lissi Stadtfeld für die Nerven aus Stahl bei den Kartenreservierungen, an die Kuchenspender, an die Musikanten unter der Leitung von Jakob Groß und Adam Tobias, an die Musikantenfrauen, an DJ Gerry, an alle Aktiven und Mitwirkenden, die in diesen 20 Jahren ihre Unterstützung gewährten.

Abbildungen 1. Das Schlachtfestessen, deftig und hart am Rand zur Sünde: Gefüllte Krautwickel, loses Sauerkraut, paniertes Fleisch sowie Bratwurst, dazu reichlich Weißbrot. Die Speisen werden traditionell mit Marschmusik serviert. Nach den Gästen bedient das Helferteam die Musikanten, die ihrerseits danach das Essen für die Helfer auftragen. 2. Zuletzt sind auch die Helfer zu Tisch. Mehrheitlich sind sie seit 20 Jahren dabei. Fotos: Cornel Gruber


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Abbildungen 1. 2.Torten soweit das Auge reicht. Insgesamt sind es rund 40 verschiedene Torten und Mehlspeisen, alle von den Spendern selbstgebacken. 2. 3. 4. Einige speziell dem Jubiläum gewidmete Torten. Fotos: Cornel Gruber


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Eintrittskarten für das Schlachtfest sind begehrt und nicht einfach zu buchen. Die Nachfrage erinnert an die Bayreuther Festspiele von früher und, so gesehen, ist das Schlachtfest über Billeder Grenzen hinweg zurzeit eine der erfolgreichsten Veranstaltungen der Banater Schwaben. Abbildungen 1. Auftritt der Trachtengruppe der Banater Schwaben Karlsruhe, ein fester Programmpunkt der Veranstaltung 2. Mit den Frauen in lockerer Dirndl Trachtenmode bieten sie traditionelle banatschwäbische Tänze 3. Das Ensemble „Quintessenz“ mit klassischer Blasmusik 4. Die Geschwister Maxima und Fabio Hell spielen volkstümliche Musik. Ihr Auftritt ist schon traditionell, sie wachsen von Fest zu Fest. Fotos: Cornel Gruber


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Abbildungen 1. Zwischen den verschiedenen Programmpunkten spielt die Blaskapelle Billed-Alexanderhausen immer wieder zum Tanz auf. 2. Die Solisten der Blaskapelle Melitta und Dietmar Giel 3. Am Abend wird die „Kalte Platte“ mit fünf Wurstsorten und Grieben aufgetragen 4. Letzter Höhpunkt ist das Gruppenfoto der Tombolagewinner, die Preise sind selbstverständlich Schlachtprodukte. Fotos: Cornel Gruber


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Abbildung Gruppenfoto der Schlachtfestgesellschaft, das sind: Organisator Sepp Dinyer mit Familie, die Schlachtfesthelfer, die Blaskapelle Billed-Alexanderhausen und die Trachtengruppe der Banater Schwaben Karlsruhe.

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Von der Sau zur Wurst Über den 3. Oktober lud der 1984 nach Frankenthal übergesiedelte Hans Muhl ein paar Freunde und Arbeitskollegen zum Schlachtfest in seine alte Heimat Billed ein. Torsten Rosebrock

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elch‘ eine Vorfreude! Hans, den ich seit fast 20 Jahren kenne und schätze, hat mich schon mehrfach eingeladen, mit ihm ins Banat zu reisen und die Spuren seiner Geschichte zu entdecken. In diesem Jahr passte es endlich zeitlich - ich sagte zu und war gespannt: Sollte das eine Reise in die Vergangenheit werden? Oder hat die Moderne inzwischen auch das Land in Rumänien erreicht? Sieht es dort noch so aus wie in den 70er Jahren auf dem Dorf in Norddeutschland, wo ich als Kind meine Ferien bei der Oma und auf dem benachbarten Bauernhof verbracht habe? Oder ist alles ganz anders - und mich erwartet ein Kulturschock? Nach unserer Ankunft am Flughafen und einem kurzen Besuch in Timisoara erreichen wir am Tag der deutschen Einheit die Region um Billed. Und müssen erstmal „bergsteigen“: Hans hat uns gesagt, dass wir den Kalvarienberg erklimmen müssen - ohne uns die Höhe zu nennen. Und so erblicken wir Billed erstmals vom nur wenige Meter hohen Hügel aus. Im Ort werden wir im Heimathaus herzlichst von Roswitha und Adi empfangen. Mit Kaffee und einer Gastfreundschaft, die ich von Hans‘ Familie kenne und schätze. Am Morgen des 4.10. ist es dann so weit: Das große Erlebnis unseres Besuchs steht an: wir dürfen beim Schlachten einer Sau dabei sein und mit anpacken. Erwin und Ingrid haben bereits alles vorbereitet, als die Gäste aus Deutschland und der Schweiz nach einem guten Frühstück auf ihrem Bauernhof eintreffen. Im Stall

tummeln sich acht muntere gesunde Schweine, für die es nichts Besonderes ist, dass sich der Bauer zwischen ihnen bewegt. Keine große Aufregung, kein Quieken, keine Unruhe. PENG. Das Bolzenschussgerät wurde exakt platziert. Ohne die Chance, noch eine Reaktion zeigen zu können, ist die Schweineseele schon auf dem Weg in den Himmel. Die verbleibenden sieben Artgenossen wundern sich nur kurz, warum das am Boden liegende Tier raus muss, dann ist die Stalltür schon wieder verschlossen und der Alltag kehrt zurück. Dann geht alles zügig, aber professionell und ruhig seinen Weg. Ein gezielter Stich, Auffangen des warmen Schweineblutes und Abbrühen der borstigen Haut mit kochendem Wasser - all das ist in wenigen Minuten er-

Abbildungen 1. Ein gezielter Stich, Auffangen des warmen Schweineblutes und Abbrühen der borstigen Haut mit kochendem Wasser - all das ist in wenigen Minuten erledigt. 2. Und schon liegt ein totes und sauberes Schwein in der Wanne, aus der es an den Hinterbeinen voraus aufgehängt wird. 3. Nach einigen gekonnten Schnitten per Messer und Säge hängen zwei Schweinehälften vor uns. 4. Die Profis machen die großen wichtigen Schnitte, während die Gäste aus Deutschland sich um die Schnitte kümmern, bei denen man nicht viel falsch machen kann.


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54 ledigt. Und schon liegt ein totes und sauberes Schwein in der Wanne, aus der es an den Hinterbeinen voraus aufgehängt wird. Nach einigen gekonnten Schnitten per Messer und Säge hängen zwei Schweinehälften vor uns. Und es sieht schon fast so aus wie beim heimischen Metzger: zartrosa Fleisch, verlockend wirkende Rippchen und prächtige Schinken am Stück. Zeit für einen guten Aprikosen-Schnaps. Dann packen 18 fleißige Hände mit an: die Profis machen die großen wichtigen Schnitte, einer kümmert sich um den Bauchspeck zum Auskochen der Grieben. Zwei sorgen dafür, dass Schwarte, Zunge und einige Innereien in den Kessel kommen, so dass später gute Wurst gemacht werden kann. Andere trennen das Filet und die Koteletts heraus, während die Gäste aus Deutschland sich um die Schnitte kümmern, bei denen man nicht viel falsch machen kann. Derweil sind die ersten Schnitzel paniert und Leberstücke brutzeln mit Zwiebeln in der Pfanne. Kartoffelbrei, Gurken und Paprika sowie rumänischer Rotwein ergänzen die Leckereien zu einem Festmahl für uns - während drei Türen weiter sieben verbliebene Schweine zufrieden ihren Mittagsschlaf halten. Frisch gestärkt steht dann die nächste Unterrichtseinheit für die „Stadtmenschen“ an: Wir lernen, wie Wurst gemacht wird. Mit vereinten Kräften werden aus den vielen kleinen Fleischstücken 35 kg Hackfleisch, die gewürzt und durchgeknetet werden müssen. Die Innereien und Speckschwarten sind zwischenzeitlich gar gekocht und dienen als Grundlagen für Leberwurst und Schwartenmagen. Und so hängen am Abend gut 50 Mettwürste in der Räucherkammer, während sich der Kühlschrank mit Bratwurst, Filets und weiteren Leckereien gefüllt hat. Hat mir jemals eine Bratwurst so gut geschmeckt, wie diese

Veranstaltungen „selbst gemachte“ am Abend der Schlachtung? Ich kann mich nicht daran erinnern… Am folgenden Samstag folgt dann das „normale“ Besichtigungsprogramm in Billed: Nach dem außerordentlich guten Frühstück (eine sensationelle Wurstplatte), das Roswitha uns kredenzt, führt Adi uns per Fahrrad durchs Dorf. Wir lernen den Bahnhof und die Friedhöfe, den historischen Leichenwagen und den Sportplatz kennen, bevor Hans uns das Grundstück zeigt, auf dem früher sein Elternhaus stand. Wie beeindruckend muss es erst gewesen sein, als sich dahinter die heute trocken gelegten Feuchtwiesen befanden, von denen er mir oft mit leuchtenden Augen erzählt hat. Schade, dass das Vergangenheit ist… Abends steht dann das große Schlachtfest an, zu dem es neben Koteletts und besten Filetstücken auch reichlich rumänisches Bier (lecker) und hausgebrannten Aprikosen-Schnaps (noch leckerer) gab. Todmüde fallen wir in die Betten, die nur eine Etage entfernt stehen und uns eine unerwartet komfortable Unterkunft bieten. Sonntags ist die schöne und erlebnisreiche Zeit im Banat leider schon wieder vorbei: Zeitig brechen die beiden ersten Gäste auf, die per Auto die Reise gen Osten angetreten haben und nun mit einem Zwischenstopp in Österreich zurück in die Pfalz fahren. Stunden später muss auch ich Abschied nehmen – mit einem letzten großen Dank für die so freundliche Aufnahme in Billed. Mir bleibt die Erinnerung an einen sehr schönen und erlebnisreichen Kurztrip. Es war grandios, auf dem Bauernhof von Erwin und Ingrid beim Schlachten dabei sein zu dürfen. So hautnah habe ich den Alltag in der Landwirtschaft zuletzt in den 70er Jahren erlebt – und es ist schön, dass diese alten Erlebnisse durch die Rumänien-Reise irgendwie wieder präsent geworden sind.


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Abbildungen 1. Grieben aus ausgekochtem Bauchspeck. 2. Mit vereinten Kräften werden aus den vielen kleinen Fleischstücken 35 kg Hackfleisch, die gewürzt und durchgeknetet werden müssen. 3. Die Innereien und Speckschwarten sind zwischenzeitlich gar gekocht und dienen als Grundlagen für Leberwurst und Schwartenmagen.


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Kirchweih mit Ehrennadel

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ie Billeder Kirchweih mit all ihrem Treiben war in diesem Jahr eingebettet in die Festtage der Gemeinde – als einer der Höhepunkte bleibt auf jeden Fall die Verleihung der Ehrennadel in Gold, die das Demokratische Forum der Deutschen im Banat (DFDB) dem langjährigen Vorsitzenden in Billed, Adam Csonti, überreichte. Der katholische Ortspfarrer Bonaventura Dumea wies darauf hin, dass Jugendliche mehrerer Ethnien und Konfessionen an der Kirchweih teilnehmen, und dass die Auszeichnung in der Kirche erfolgte, sei ein klarer Beweis dafür, „dass wir in jeder Hinsicht christlich sind“. Der Vorsitzende des DFDB, Dr. Johann Fernbach, sagte seinerseits, dass die Deutschen vor allem Kirche und Traditionen hinterlassen haben und „die wenigen verbliebenen Deutschen haben auch heute noch markante Persönlichkeiten in ihren Reihen“. Wenn Ostern und Weihnachten Familienfeiern sind, dann ist die Kirchweih ein Fest der gesamten Gemeinschaft, so Fernbach, und für diese Gemeinschaft habe Adam Csonti „viel getan“ (Fernbach) und deshalb nicht unverhofft die Auszeichnung am Festtag der Kirchweihe.

Siegfried Thiel

Der Ausgezeichnete nahm diese Ehrung „für das gesamte Deutsche Forum im Banat und im Namen der deutschen Gemeinschaft in Billed entgegen“. Die Klänge der „Banater Musikanten“ begleiteten die Trachtenträger - unter Leitung von Tanzlehrer Hansi Müller - aus fünf Ortschaften. Kirchweihvater war Alex Dohină. Die Trachtenträger kamen aus Billed, Großjetscha, Hatzfeld, Warjasch und Neupalota. Bunter Trachtenzug durch Billed Ein bunter Farbtupfer im Treiben zum Dorffest war der Kirchweihzug, der an Tradition, Ahnen und an die Schwaben erinnerte, die vor etwa zweieinhalb Jahrhunderten das Dorf errichtet und diesem zur Blüte verholfen haben. Jugendliche aus fünf Banater Ortschaften waren durch die Gemeindestraßen marschiert und ließen nach altem Brauch den Kirchweihstrauß segnen. Diesen ersteigerte Alex Draia für Oana Tomescu, die im kommenden Jahr Vortänzer sein werden. Das Tuch gewann durch Losentscheid Larisa Bozga und den Hut Cristian Lengendi.


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Abbildungen Links: Einmarsch der Trachtenpaare der Billeder Heiderose ins Heimathaus zum Einladen der Ehrengäste. Foto: Heidi Mßller Oben: Einmarsch der Trachtenpaare ins Heimathaus. Foto: Dietlinde Huhn Rechts: Einmarsch der Kindergruppe der Billeder Heiderose ins Heimathaus. Foto: Dietlinde Huhn

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Abbildungen 1. Ehrentanz der Vortänzer mit den Hausherren und Gästen. Fotos: Dietlinde Huhn 2. Marschmusik mit den Banater Musikanten aus Temeswar

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3. Die Kirchweihpaare auf dem Weg zum Festgottesdienst. Fotos: Heidi Müller 4. Die Billeder Kirche


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Laudatio auf Adam Csonti von Dr. Johann Fernbach, Vorsitzender des DFDB Ein urwüchsiges Billeder Sprichwort sagt: „Schuster, bleib bei deim Lääscht!“ Und das ist nicht leicht im Rumänien unserer Tage, wo sich seit der Wende die ganze Welt plötzlich von heut auf morgen ändern kann. Wenn einer sich das zu Herzen genommen hat, so ist es Adam Csonti, ein waschechter Sohn seiner Heimatgemeinde, den wir heute ehren möchten. Es ist ein Billeder des Jahrgangs 1957, der weniger durch seine Worte sondern eher durch seine Taten bekannt und geschätzt wird. Wenn andere nach der Wende ausgewandert sind (mit „anderen“ meine ich eigentlich die Mehrheit, von den 3200 Einwohnern sind nur mehr knapp 70 Deutschstämmige da), so ist Adam Csonti mit seiner Familie hier geblieben und sozusagen gegen den Strom geschwommen. Mit der Gründung des deutschen Ortsforums schon im Februar 1990 hat er ohne zu zögern sein Vertrauensvotum in die deutsche Gemeinschaft abgegeben und entscheidend zur Bewahrung der deutschen Gemeinschaft in Billed beigetragen. Das vorgenannte Sprichwort stimmt in seinem Fall wirklich: Herrenschneider von Beruf, übt Csonti diesen Beruf aus der Zeit vor der Wende bis heute ununterbrochen bei der HWG in der Gemeinde aus. „Der richtige Mann an seinem Platz“, so reden seine Landsleute über ihren Landsmann. Adam Csonti leitet seit 1990 die Geschicke der kleinen deutschen Gemeinschaft als DFDVorsitzender (zur Seite steht ihm seine Frau Roswitha als umsichtige Leiterin der Sozialstation), vertritt aber seine Landsleute und deren Belange auch seit der Wende als Kommunalrat. Und diese deutsche Präsenz auf Kommunalebene ist schon eine Rarität in Rumänien.

Abbildungen Links: Ehrung von Adam Csonti beim Kirchweih-Festgottesdienst. Foto: Dietlinde Huhn Oben: Dr. Johann Fernbach und Adam Csonti während der Verleihung der Ehrennadel. Foto: Heidi Müller


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„Ich häng zuviel an allem.“ So belächelt er oftmals seine hartnäckige Art, das Leben auf dem Lande und als Mitglied einer Minderheit zu meistern. Doch wenn man in Billed, auch in der rumänischen Mehrheit und der aus etwa 20 Ethnien bestehenden Bevölkerung, ein wenig herumhört, wenn man den schönen Forumssitz mit Sozialstation, bekanntlich mit Essen auf Rädern (seit 1994), die Heimat- und Brauchtumsstube, das Gästehaus, den gepflegten Friedhof besucht, wenn man die Billeder von hüben und drüben beim Kirchweihfest (wie 2015 beim 250. Jubiläum der ehemaligen Mustergemeinde Maria Theresias, Billed) oder bei dem von Adam Csonti seit Jahren betreuten im Banat einmaligen Pipatsch-Handballturnier erlebt, wenn man erkennt, dass in dieser Gemeinde wie in wenigen Banater Gemeinden alle alten ba-

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natschwäbischen Traditionen geschätzt und hochgehalten werden, so versteht man vollauf die vielseitige und vitale Rolle, die Adam Csonti in der deutschen Gemeinschaft, aber auch in der allgemeinen Verwaltung dieser Heidegemeinde spielt. Als Vorsitzender des Ortsforums hat Adam Csonti es geschafft, in seiner Heimatgemeinde etliche dringende Dinge, die die deutsche Gemeinschaft betreffen, im Rathaus durchzusetzen, so z.B. die schwierige Rückerstattung von Privateigentum, die vielseitigen Probleme der kleinen und veralteten deutschen Gemeinschaft zu lösen. Gemäß seiner gesunden schwäbischen Lebensphilosophie ist eine eventuelle Niederlage für den Forumskandidaten bei den Lokalwahlen keineswegs ein Malheur: Seine Wähler schätzen gerade das an ihm. Als Gemeinderat hat er sich


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Abbildungen Links: Die traditionelle Versteigerung des Hutes auf der Festbühne im Dorfzentrum, links im Bild Bürgermeister Cristian David. Foto: Heidi Müller Oben: Gruppenbild der Trachtengruppen der Billede Heiderose vor dem Kulturheim. Foto: Heidi Müller für alle wichtigen Gemeindeprojekte, sowohl für die Belange der deutschen Gemeinschaft als auch der gesamten Einwohnerschaft, eingesetzt. Während einer Wahlkampagne hat er einmal ehrlich bekannt: „Ich betrachte mich eigentlich nicht als Politiker, sondern als Vertreter der Zivilgesellschaft!“ Adam Csonti erfüllt seine prägende Rolle auch auf Banater Ebene als DFDB-Vorstandsmitglied seit der Gründung des DFDB, desgleichen setzt er sich als Mitglied

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im Leitungsrat der Banater deutschen Wirtschaftsstiftung BANATIA für die Förderung der Banater Kleinunternehmer, Handwerker und Landwirte ein. Abschließend möchte ich sagen: Mit dem Billeder Adam Csonti haben wir und das DFDB heute die schöne Gelegenheit, zweifellos den richtigen Mann mit der Ehrennadel in Gold, der bedeutendsten Auszeichnung des Banater Forums, zu beehren. Er ist einer der Unsrigen, der sich für die deutsche Gemeinschaft, aber auch für das gesamte Umfeld, in einer heutzutage nur mehr rar anzutreffenden gründlichen banatschwäbischen Art und Weise, einsetzt. Ich glaube, es wäre gar nicht falsch, den heute Geehrten kurz so vorzustellen: Adam Csonti aus Billed, Banater Schwabe von Beruf.


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Ein Glücksfall für Billed Deutsches Forum kümmert sich seit 30 Jahren um die Belange einer schwindenden Bevölkerungsgruppe / Sozialstation versorgt seit 25 Jahren Senioren Johann Steiner

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uf Billeds Straßen ist die Hausgans verschwunden. Rasenmäher übernehmen ihre Aufgabe. Seit Gänse Auslaufverbot haben und das Gras in den Gassen nicht mehr kurz halten, hat sich mancher Billeder einen Rasenmäher angeschafft. Statt Gänsen treiben sich heute immer wieder herrenlose Hunde in den Straßen umher. Im Sommer 2018 machte ein Rudel den Abschnitt der Bahngasse zwischen Haupt- und Altgasse mehr oder weniger unsicher. Zwischendurch sind sie abgeholt worden. Ob sie in Deutschland gelandet sind, ist nicht verbürgt. Inzwischen sind aber wieder zwei Köter aufgetaucht, nur, weil eine selbsternannte Wohltäterin sie füttert. Auch Adam Csonti hat sich einen Rasenmäher besorgt. Vor dem Haus mit der Nummer 421 in der Bahnhofsgasse wirft er ihn samstags an; von Frühjahr bis in den Herbst hinein, wenn das Wetter es erlaubt. Er hält das in Schuss, was schlechthin Deutsches Haus genannt wird. Der Rasen und die Hecken um die Laube im Hofhintergrund sind ebenso gepflegt wie der Rasen auf der Straße. Das Haus des Billeder Deutschen Forums mit Sozialstation, Heimatstube und Fotoausstellung zur Geschichte der Gemeinde ist inzwischen auch Geschichte geworden: Es besteht seit 25 Jahren und hat einen guten Ruf zu verteidigen. Denn es hat sich längst herumgesprochen, wie schön das Forum mit seinem Hof aussieht. Brautpaare bitten um die Erlaubnis, Haus und Hof als Kulisse für ihre Hochzeitsfotos nutzen zu dürfen. Und die 2015 aus

Anlass der 250-Jahr-Feier der Gründung der Gemeinde Billed von Johann Rothgerber zusammengetragene und arragierte Fotoausstellung, ferner die mit Gegenständen aus dem Alltag eingerichtete Heimatstube sind ebenfalls zu Ansehen gekommen. Reiseleiter aus Temeswar bringen immer wieder Touristen nach Billed, denen Forumsvorsitzender Adam Csonti auf Rundgängen die Heimatgeschichte näher bringt. Denn schließlich weiß er, wovon er spricht: Die zur Schau gestellten Objekte hat er selbst zusammengetragen. Es geht ihm aber um mehr als nur die Billeder Vergangenheit, es geht um die Geschichte aller Banater Deutschen. Csonti empfängt Ausgewanderte, die ihren Urlaub in der alten Heimat verbringen, deutschsprachige Schülergruppen, aber auch Politiker aus dem In- und Ausland und führt sie durch die Heimatstube. In einem Gästebuch ist viel Lob eingetragen. Die Führungen seien spannend, lebendig und sehr interessant. Magdalene und Jakob Schmidt, die nach fast fünfjähriger Baragan-Deportation 1956 nicht mehr ihren enteigneten Hof in der Bahngasse zurückerhalten haben und 1968 zu ihrem ältesten Sohn Adam nach Wolfsburg ausgewandert sind, hätten sich das nicht vorstellen können: dass ihr Haus in neuem Glanz erstrahlen und der Allgemeinheit zur Nutzung dienen wird. Es ist ein offenes Haus der Heimat, in dem Billeder, die zu Besuch kommen, auch in drei Zimmern übernachten können. Was heute als Erfolg ausgemacht werden kann, hat sich keineswegs von allein eingestellt. Vor dem Haus mit


RĂźckblick

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Abbildung Diese Aufnahme aus der Fotoausstellung zur Geschichte Billeds zeigt eine Schlacht bei Johann Schmidt in der Hauptgasse (403) Anfang der 1930er Jahre mit: (von links) seiner Schwiegertochter Elisabeth, einer Magd, seiner Tochter Elisabeth verheiratete Steiner, einem Offizier der rumänischen Armee mit Frau, seinem Sohn Johann (Haus-

nummer 567), einem Knecht, seinem Schwiegersohn Johann Steiner und dessen Mutter Margarete Steiner, einem Knecht, seiner Frau Katharina und ganz rechts einem Knecht und einer Magd; die Kinder im Vordergrund sind Johann Schmidts Enkel Johann Schmidt, Elisabeth Steiner und Elisabeth Schmidt.


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Als Ruine hat das Deutsche Forum das Haus Schmidt in der Bahngasse 1991 von der Gemeinde Billed übernommen: im Hof meterhohes Unkraut, fehlende Fenster und Türen.

Rückblick


Rückblick der Sozialstation war das Deutsche Forum. Ohne Forum und seine regen Mitglieder hätte es die segensreiche Einrichtung Sozialstation mit Essen auf Rädern nie gegeben. Im Februar 2020 blicken die Deutschen in Billed auf 30 Jahre erfolgreichen Wirkens des Forums zurück. Alles Anlässe zur Freude, wenn die Zahl der Deutschen im Dorf nicht allmählich schwinden würde. Das Billeder Deutsche Forum war das erste, das nach dem Fall des Kommunismus auf dem Land gegründet worden ist, und zwar auf einer Versammlung am 26. Februar 1990 im Sitzungssaal des Rathauses mit 60 Teilnehmern. Adam Csonti ist zum Vorsitzenden und Brunhilde Klein zu seiner Stellvertreterin gewählt worden. Die Ämter haben sie auch heute noch inne, was für Vertrauen und Kontinuität spricht. Der nächste Schritt ist mit der Gründung der Sozialstation getan worden. Triebfedern waren der Vorsitzende des Hilfswerks der Banater Schwaben, der inzwischen gestorbene Helmut Schneider, und sein Vize Peter Krier, damals noch Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Billed und inzwischen deren Ehrenvorsitzender. Die Sozialstation ist zu einer regelrechten Erfolgsgeschichte geworden. Waren bei der Gründung des Deutschen Forums noch an die 250 Deutsche in Billed, so hatte sich fünf Jahre später ihre Zahl auf weniger als 100 verringert. Heute steht fest: Ohne Forum, ohne die Begegnungsstätte und die Sozialstation wären noch weitere Billeder nach Deutschland ausgesiedelt; vor allem alleinstehende Frauen. Die von der Bundesrepublik Deutschland und der rumäischen Regierung geförderte Sozialstation – sie ist neben jenen im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar und in Großsanktnikolaus die dritte Einrichtung dieser Art im Banat. - ist mit angezogener Handbremse am 12. Dezember 1994 gestartet. Denn die Leu-

67 te hatten keine Vorstellung von einer solchen Einrichtung und wollten nur zögerlich die angebotenen Dienste in Anspruch nehmen. Roswitha Csonti als Stationsleiterin musste zusammen mit anderen Forums-Mitgliedern Überzeugungsarbeit leisten unter den Senioren. Doch der Start ist schließlich gelungen, die Versorgten waren zufrieden, was sich herumgesprochen hat. Roswitha Csonti ist noch heute als Leiterin zuständig für Buchhaltung und Einkäufe. Zusammen mit zwei Frauen bereitet sie Essen für 40 Senioren zu, die ausgefahren werden. Aber auch sonst hilft sie den alten Menschen selbstlos: bei Arztbesuchen, Behördengängen, sie erledigt auch die Formalitäten bis zur Beerdigung. Aber auch manchem Ausgewandeten hilft sie. Anfangs hatte die Sozialstation Billed, die eigentlich eine Zweigstelle der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung ist, nur Essen für Deutsche bereitgestellt. Inzwischen versorgt sie auch bedürftige Rumänen im Dorf. Adam Csonti, der seit Anfang das Demokratische Forum der Deutschen im Gemeinderat Billed vertritt, sorgt als Helfer seiner Frau nicht nur für die Pflege und Instandhaltung der Sozialstation. Hauptamtlich arbeitet er in seiner Schneiderwerkstatt, zusätzlich fährt er von Montag bis Samstag Essen aus, und zwar mit dem Fahrrad, auch bei schlechtem Wetter; die beiden in der Küche tätigen Frauen fah­ ren mit dem Auto. Als Ratsmitglied kümmert er sich zusätzlich um die Instandhaltung der beiden Billeder Friedhöfe, mit Erfolg. Das Amt als Handballtrainer hat er inzwischen abgegeben. Was sich heute als Schmuckstück in der Billeder Dorfmitte präsentiert, war vor einem Vierteljahrhundert noch Ruine. Nach der Enteignung ist das Schmidt-Haus in der Bahngasse von der LPG genutzt worden, war Kindergarten und Entbindungsheim und wurde schließlich


68 von Mietern herabgewirtschaftet. In diesem Zustand hat das Forum der Deutschen es als Leihgabe der Gemeinde Billed gegen eine Instandhaltungspflicht übernommen, für manche ein Grund, die Hand lieber aus dem Spiel zu lassen. Doch Peter Krier und Helmut Schneider setzten sich durch. Und die Billeder machten mit. Nach dreijähriger Renovierung und Verwirklichung eines Anbaus, in dessen Erdgeschoss eine neue Küche und im Dachgeschoss drei Hotelzimmer unterbracht werden konnten, waren Adam Csonti und seine freiwilligen Helfer einen guten Schritt weiter, aber noch lange nicht ganz am Ziel. Adam Csonti bewahrt die Rechnungen noch heute auf: Renovierung und Umbau haben 115000 Euro gekostet, eine Summe, mit der das heute nicht mehr verwirklicht werden könnte. Ein guter Teil der Investitionen ist durch Spenden verstorbener Senioren zustande gekommen; sie stammen aus den Nachlässen – Geld, Feld und Häuser – von Magdalena Thöreß (401), Irene Henz und Magdalena Weber (Riemersch), dazu gekommen sind ferner Mittel der HOG Billed und der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung. Es ist in erster Linie das Verdienst von Adam Csonti, dass dieses Projekt umgesetzt werden konnte. Als Gemeinderat wusste er, wo die Hebel anzusetzen waren, um das Ziel zu erreichen. Geholfen hat auch seine freiwillige Nebentätigkeit als Handballtrainer der Dorfmannschaft. Seine Jungs haben tatkräftig auf der Baustelle geholfen. Was anfangs Leihgabe der Gemeinde war, ist heute Eigentum der Heimatortsgemeinschaft Billed. Bei einem Besuch in Brasilien, bei Nikolaus Schmidt, dem jüngsten Sohn der Eheleute Magdalena und Jakob Schmidt, haben Peter Krier und der rührige Josef Herbst den Hoferben überzeugt, das Haus der Heimatortsgemeinde zu schenken. Den Weg geebnet hat kein anderer als Adam Cson-

Rückblick ti, der mit seinen Kollegen im Gemeinderat übereingekommen ist, das Haus der HOG als Eigentum zu überlassen. Dazu wurde 2002 ein Antrag Nikolaus Schmidts auf Rückgabe des Eigentums seiner Eltern positiv beschieden. Und Nikolaus Schmidt hat im Anschluss das Haus der HOG geschenkt. Adam Csontis Engagement, Einsatzfreude, Geradlinigkeit, Verlässlichkeit und Kompromissbereitschaft, gepaart mit Roswitha Csontis Diplomatie, ist es zu verdanken, dass die Billeder HOG und das Forum das Schmidt´sche Haus ihr Eigen nennen können. Heute erinnert eine am Haus angebrachte Tafel an die Erbauer und Spender: „Dieses Haus wurde 1920 von Jakob und Magdalene Schmidt geb, Hehn erbaut. Es wurde 2002 der Billeder Heimatortsgemeinschaft e.V. von deren Sohn und seiner Ehefrau, Nikolaus und Margarethe Schmidt geborene Seibert, geschenkt, die nach den Ereignissen des 2. Weltkriegs in Entre Rios eine neue Heimat gefunden haben.“ Die Idee zur Einrichtung der Heimatstube ist vor der 250-Jahr-Feier der Gemeinde Billed 2015 geboren worden. Die Ausstellung ist zustandegekommen in Zusammenarbeit des Deutschen Ortsforums mit der Heimatortsgemeinschaft. Für das Gesamtkonzept zeichnet Hans Rothgerber verantwortlich, die geschichtlichen Daten stammen von Hans Martini. Um die Gestaltung Abbildungen 1. Das Fallrohr der Dachrinne ist nur noch zur Hälfte da. Regenwasser trägt dazu bei, dass die Wände noch mehr Feuchtigkeit aufsaugen. 2. 1991: Freiwillige Helfer packen an. Katharina Gilde (Altgass) putzt die Fensterrahmen auf der Straßenseite, ihr folgt als Streicher Johann Steiner (Vertgass).


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Abbildung oben: Heute ist der Hof des Hauses der Deutschen ein Schmuckstück: Blumen- und Rasenpflege gehören zu Roswitha und Adam Csontis Aufgaben. Abbildung unten: Hofansicht mit Sprenkelanlage: An- und Altbau präsentieren sich in neuem Glanz.

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der Ausstellung haben sich ferner Elisabeth Martini und der HOG-Vorsitzende Werner Gilde verdient gemacht. Die deutsche Ansiedlungsgeschichte des Banats ist auf Plakaten festgehalten, ebenso jene der ehemals deutschen Gemeinde Billed. Die Geschichte der Banater Deutschen ist in der Heimatstube im ehemaligen Schüttschopp zum Greifen nah. Von rund 30 Plakaten können Besucher diese Geschichte able- Beleuchteter Hof bei Nacht. Im Hintergrund der ehemalige Schüttschopp, in dem sen. Von der Ansiedlung im Ba- heute Heimatstube und Ausstellung zur Geschichte Billeds und des Banats untergenat über die Entwicklung von bracht sind. Auch hier haben sich freiwillige Helfer als Renovierer hervorgetan. Handwerk und Landwirtschaft bis hin zu den Deportationen in die Sowjetunion und in re. Zu sehen sind ferner Johann Schmidts Schwiegertochden Bărăgan und dem Exodus in den 1980er und 1990er ter Elisabeth, seine Tochter Elisabeth, seine Frau KathariJahren. na und seine Enkelin Elisabeth Schmidt. Mancher Billeder, der die Ausstellung besichtigt, wird Anlässlich des Billeder Kirchweihfestes 2019 hat das Baden einen oder anderen Verwandten oder Bekannten nater Demokratische Forum der Deutschen Adam Csonauf Fotos erkennen. Aber eine der Aufnahmen lässt den ti für seine jahrzehntelangen Verdienste die Ehrennadel in Schluss zu, dass es auch Zufälle gibt, die einen staunen las- Gold verliehen. Für Peter Krier, den HOG-Ehrenvorsitzensen. So jenes von einer Schweineschlacht. Dem Betrach- den, sind die Eheleute Csonti „ein Glücksfall für Billed“. Sie ter fällt ein riesiges Schwein auf; es soll 370 Kilogramm haben manchem Senior die Umsiedlung erspart, sie haben gewogen haben, ist darauf zu lesen. Was aber kaum einer sie fürsorglich begleitet bis zum Schluss, sie haben ihnen mit weiß: Es zeigt Jakob Schmidts Vetter Johann Schmidt auf ihrem Einsatz einen würdigen Lebensabend gesichert. Ob dessen Hof in der Hauptgasse (403). Personen mit dem sie – die beiden streben allmählich dem Rentenalter entgeNamen Schmidt sind auf diesem Foto vorherrschend: gen - jemals ersetzt werden können oder müssen, wer will Neben dem Hofeigentümer sind dessen Sohn und En- das voraussagen? Roswitha Csonti legt sich allerdings fest: kel abgebildet, die beide, wie könnte es anders sein, auch „Wir machen weiter, so lange es geht“. Und noch eine Fraden Vornamen Johann tragen. Aber es geht weiter mit ge ist offen: Was geschieht mit dem Haus der Deutschen, Schmidt auf der Aufnahme von Anfang der 1930er Jah- nachdem der letzte gegangen ist?


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Allerheiligen 2019 am Billeder Denkmal Ansprache von Werner Gilde

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ch darf euch zu unserer Allerheiligenfeier hier an dem Billeder Gedenkstein, welcher aber auch zum Banater Gedenkstein auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe geworden ist, recht herzlich begrüßen! Wie jedes Jahr gedenken wir an Allerheiligen gemeinsam unserer Toten und besuchen ihre Gräber und Denkmäler. An einige Gräber unserer Angehörigen können wir nicht persönlich hin, weil sie zu weit weg sind, weil wir die Stelle nicht kennen oder weil es einfach kein Grab gibt. Für all diese Gräber ist dieser Gedenkstein stellvertretend. Wir gedenken der Soldaten, die an Fronten gefallen, derer, die vermisst blieben oder in Gefangenschaft verstorben sind. Wir gedenken in Ehrfurcht aller unserer Toten, der Ermordeten, der Erschossenen, der Verhungerten. Wir gedenken der Frauen, Mädchen und Männer, die nach Russland verschleppt und nicht heimgekehrt sind. Wir gedenken derer, die die Deportation in den Baragan nicht überlebt haben. Wir gedenken der unzähligen Toten, denen die Flucht nicht gelang, und die dabei ums Leben kamen. Wir gedenken aller vergessener Namen, der Toten, die niemand beweint, der Vermissten, deren Geschick wir nicht wissen, der Verzweifelten, die sich das Leben nahmen. Wir gedenken aller verstorbener Billeder. Wenn wir so dastehen, kommen Bilder der Erinnerung auf: an die Friedhöfe, die wie flimmernde Lichtermeere da lagen. Leise dringen die Verstorbenen in unsere Erinnerung ein und wir denken daran, was sie für uns bedeuteten und was sie uns aus ihren Lebenserfahrungen hinterlassen haben.

Wir sehen sie in verschiedenen Lebenssituationen, so wie wir sie in freudigen, aber auch in schweren Augenblicken erlebt haben. Als Ausdruck unserer Verbundenheit zünden wir Kerzen an und sprechen Gebete. Auf den Friedhöfen im Banat gibt es Gräber, auf welche niemand mehr eine Blume niederlegt oder eine Kerze anzündet. Es sind aber Gräber mit Namen, eingemeißelt in harten Stein, die verraten, dass dort ganze Generationen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Diese Grabsteine sind immerhin schweigende Zeugen unserer Vergangenheit, Zeugen deutscher Siedler. Die Heimatortsgemeinschaften geben sich große Mühe, die Friedhöfe mit den Grabstätten zu erhalten. In diesen Gräbern sind unsere Wurzeln und deshalb sollten wir uns mit dem gleichen Stolz dazu bekennen, wie wir uns zu den Werken bekennen, welche unsere Vorfahren geschaffen haben. An jedem von uns liegt es, dass die Zeit die Spuren unserer Ahnen, den Banater Schwaben, nicht verwischt. Erzählen wir den Kindern und Enkelkindern, dass zum Banater Dorf auch die Hand des Großvaters gehörte, die durch mühevolle Arbeit mit Hornhaut geformt war, aber auch liebevoll streichelnd sein konnte. Erinnern wir auch an die Großmutter und an ihre grenzenlose Liebe und Gutmütigkeit. Erzählen wir auch über den Zusammenhalt der Gemeinschaft, über Brauchtum und über Werte, die für ein gutes Zusammenleben wichtig waren und heute auch noch sind! So bleiben unsere Verstorbenen und ihre Leistungen lebendig unter uns.


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73 Abbildung Gedenkveranstaltung vor dem Denkmal der Billeder auf dem Karlsruher Hauptfriedhof am 1. November 2019. Foto: Cornel Gruber


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Bischofbesuch in Billed

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m 25. Juni hat Jozsef Csaba Pal, der am 16. Mai von Papst Franziskus zum Bischof der Diözese Temeswar ernannt wurde, die Billeder Kirchengemeinde besucht. Am Kircheneingang sprach Adam Csonti die Grußworte und die Ministrantin Andreea Herbst überreichte einen Blumenstrauß. Anschließend zelebrierte der Bischof gemeinsam mit dem Ortspfarrer Bonaventura Dumea die heilige Messe. Der Gottesdienst wurde in Deutsch, RuAbbildungen Links: Gottesdienst mit Bischof József-Csaba Pál Oben: Abendessen mit dem Bischof der Diözese Temeswar

Brunhilde Klein

mänisch und Ungarisch abgehalten. Außer den katholischen Gläubigen haben Cristian David, Billeds Bürgermeister, sowie geladene Gäste des Rathauses an der Andacht teilgenommen. Nach dem Gottesdienst führte der Bischof Gespräche mit den anwesenden Kindern, Jugendlichen und Rentnern. Im Anschluss versammelte sich der Kirchenrat im Hof des Pfarrhauses – bei Kipfeln und Saft - zu einem weiteren Austausch mit dem Bischof. Der Abschluss des Besuchs fand bei einem Abendessen im Billeder Heimathaus statt, ein Abendessen, das von den Köchinnen der Sozialstation vorbereitet wurde.


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„Was man will, das kann man“ Johann Sieber-Brach und sein Einsatz für die Billeder Kirche Halrun Reinholz

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ans Sieber-Brach ist den älteren Banatern als Sänger in Erinnerung. Mit seinem klangvollen Bariton war er Mitglied im Temeswarer Philharmonischen Chor und sang als Solist, u.a. beim Schubertchor. Doch er war wohl auch ein geschickter Handwerker, der hilfsbereit zupacken konnte, wie die folgende Episode zeigt. Vor einiger Zeit fielen seiner Witwe Gerda SieberBrach Fotos in die Hände, die die Altar- und Heiligenfiguren der Billeder Kirche zeigen. Peter Krier hat sie bei einem Besuch in Billed um 1980 fotografiert. Zu sehen ist auf den Bildern, dass die Figuren frisch renoviert sind. Gerda Sieber-Brach erinnert sich, wie es dazu kam: Hans, der aus Billed stammte und dort regelmäßig seine Mutter besuchte, wurde eines Tages vom damaligen Billeder Pfarrer Dittrich angesprochen und gefragt, ob er in der Stadt jemanden kennt, der die fällige Innenrenovierung der Kirche übernehmen könnte. Spontan sagte Hans Sieber-Brach: „Ich mach das.“ Erstaunt fragte seine Frau, die bei dem Gespräch dabei war: „Ja, glaubst du, dass du das kannst?“ – „Was man will, das kann man“, war seine Antwort.

Abbildungen Links: Der Altar der Billeder Kirche mit den lebensgroßen Statuen der Apostel Paulus und Petrus. Foto 2009. Rechts: Statue des Heiligen Nepomuk, Schutzpatron des Banats, unter dem Chor der Billeder Kirche. Foto 1978.


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Rückblick Ab März 1977 verbrachte das Ehepaar Sieber-Brach jede freie Minute in Billed. Zuerst reisten sie mit dem Bus an, bei gutem Wetter später mit dem Motorrad. Mit Hilfe einiger Kollegen von der Philharmonie hatte Hans Sieber-Brach ein Gerüst am Altar gebaut. Zunächst musste alles auseinandergenommen und gereinigt werden. Ganz oben, hinter dem Auge mit Strahlenkranz, hatten sich Fledermäuse eingenistet. Genau da erlebte Hans Sieber-Brach eine große Überraschung: In einer Aufschrift waren zwei Malermeister und ein „Gehülfe“ erwähnt, die 50 Jahre davor zum letzten Mal an der Kirche gearbeitet hatten. Einer der Malermeister war sein Vater, den Hans niemals kennengelernt hatte. Er war fünf Monate vor seiner Geburt bei den Arbeiten in der Kirche vom Gerüst gefallen und auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben. Umso mehr war dies Ansporn für die beiden Kirchenrenovierer, die sich für ihre Arbeit einiges einfallen lassen mussten: So war das Altarbild eingerissen. Es wurde von hinten verklebt und vorne mit Ölfarbe restauriert, sodass auch der Pfarrer den Riss nicht mehr erkennen konnte. Nach und nach wurden alle Altarfiguren – die Heiligen Peter und Paul, Josef, Nepomuk und die Herz Jesu Figur - neu gestrichen. Farbreste waren vorher kaum Abbildungen Links: Sanierungsarbeiten an der Billeder Kirche 1927. Der Vater von Hans Sieber-Brach war bei den Arbeiten in der Kirche vom Gerüst gefallen und verstorben. Foto: Archiv Hans Plennert. Rechts: Statue des Heiligen Antonius mit dem Jesuskind. Foto: Peter Krier 1978.


Rückblick noch zu erkennen gewesen, danach strahlte alles wieder farbenfroh. Der Heilige Nepomuk war die Lieblingsfigur von Gerda, er wurde von ihr persönlich „frisch angezogen“. Auch die 14 Kreuzweg-Stationen hatte sie übernommen, Hans restaurierte in der Zeit die Nebenaltäre und die Säulen am Altar und am Eingang. Die verblüffend echt wirkende „Marmorstruktur“ für die Säulen erzielte er mit einer speziellen Maltechnik, die er sich selbst ausgedacht hatte. Zum Schluss folgte noch die Orgel. Im Spätherbst 1977 waren die Arbeiten abgeschlossen. Den ganzen Sommer über, als die Philharmonie Ferien hatte und Hans Sieber-Brach auch, arbeiteten die beiden täglich von morgens bis abends an den Kirchenfiguren. Sie hatten im Garten der Kirche Holzböcke für die Figuren aufgestellt, um die Farben bei Tageslicht besser zu sehen. Nur selten übernachteten sie in Billed, denn die Mutter und Schwiegermutter wohnte ziemlich beengt. Meistens fuhren sie mit dem Motorrad abends in die Stadt und kamen am nächsten Tag wieder. Gerda Sieber-Brach erinnert sich: „Es war eine Heidenarbeit, aber wir machten es mit Liebe und Begeisterung.“ 1978 wanderte das Ehepaar Sieber-Brach über Amerika nach Deutschland aus. Die Kirchenfiguren sind seitdem nicht wieder renoviert worden, sollen aber noch in gutem Zustand sein.

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Tagebuchaufzeichnungen

des Billeder Rasierers (Balwere) Jacob Gallo ergänzt durch Sohn Josef und Enkel Hans Gallo Rezensiert und orthografisch angepasst von Elisabeth Martini

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ewundernswert sind Menschen, die Geduld und Ausdauer besitzen, über viele Jahrzehnte hinweg das aufzuschreiben, was im Familiären und in der Dorfgemeinschaft wesentlich ist. Jacob Gallos Meinung dazu: „Wer Tagebuch führt, fragt nicht danach, wie nützlich oder unnütz diese fast regelmäßigen Eintragungen sind. Vorfälle, Einfälle, Gedanken – sie geben beim späteren Lesen wertvolle Gedächtnisstützen ab.“ Geboren 1897 in Billed, hat er das Pech, den Ersten Weltkrieg in seiner Gänze und Unmenschlichkeit zu erleben, aber auch das Glück, wieder heimzukehren. 1921 heiratet er Elisabeth Thöresz und beginnt in diesem Jahr seine Aufzeichnungen über alles Mögliche in der Familie. Über Schenkungen der Verwandten, Anschaffungen, Schulden, Tilgungen usw. Weil aber die Anmerkungen über Eigenes und die Welt so umfassend und verschiedenartig sind, ausgedehnt werden auf die Gemeinde, das Banat, die ganze Welt, schicken wir persönliche Daten des Rasierers (in Billed Balwere genannt) voraus, eines „Balweres“ mit wichtigen Voraussetzungen, um „lebendige Dorfzeitung“ zu sein, der schon früh am Morgen den Bart abnahm und zwischendurch die Neuigkeiten bei seinen Kunden verbreitete, später sogar aufschrieb wie ein Schriftführer des eigenen Daseins und der Gemeinschaft, der er angehörte. „Ich war 1919 (nach meiner Heimkehr aus dem Krieg) auf dem Gesellenball Schriftführer und anschließend 6 Jahre Schriftführer des Billeder Meister-Vereins,

1920 dessen Präses, 6 Jahre lang. Ich war 21 Jahre Schriftführer des Leichenvereins und mit 81 Jahren noch im Ausschuss desselben. Auch im Kirchenrat war ich 3 Jahre Schriftführer, sodass ich mich viele Jahre für die Gemeinschaft eingesetzt habe.“ Jacob Gallos Aufzeichnungen beginnen zwar 1921, doch greift er später - zum Unterschied vom Anfang statt in altdeutscher Schrift mit lateinischer Schreibweise auf seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg detailliert zurück, Anmerkungen, die er wahrscheinlich zeitnah aufgezeichnet haben muss, sonst dürften sie womöglich nicht so genau sein. Erinnerugen und Erlebnisse aus meiner MilitärDienstzeit und aus dem Ersten Weltkrieg 1915-1919 (gekürzt) Am 15. Oktober 1915 bin ich zum Infanterie Regiment 61 II., Erste Kompanie, Temeswar, eingerückt und am 13. Februar 1916 an verschiedene Orte der italienischen Front (genaue Angaben) verlegt worden. Märsche, Übungen, Munition und Fracht nachts über Hindernisse in die Stellung gebracht, Rast. Am 1. Juli 1916 durch die Deckung am Rücken leicht verwundet worden, am 4.,5.,6. Juli ins Feld-Marodehaus, ins Feldspital und zurück zur 14. FeldKompanie, in die Telefon-Schule verlegt worden... Dann hat der Italiener die 8. Offensive gestartet, es folgte der erste Rückzug, als Rasierer bin ich bei der Division geblieben. Am 1. November hat ein Feind-Fliegerge-


Rückblick schwader Bomben abgeworfen, ist eingebrochen, Flucht in die Berge... Am 16. Januar bin ich in Urlaub gefahren, war am 18. über Gertianosch zuhause. Nach 20 Tagen (mit Reise) bei hohem Schnee am 5. Februar über Ungarn zurück – der Zug im Schnee stecken geblieben, mit Verspätung doch noch zur Abteilung... Am 17. März feindlicher Beschuss, Flucht in die Stellung... Am 8. April waren wir in einer Kirche, auf dem Rückweg bin ich erkrankt...Vom14. bis 17. Mai großes Trommelfeuer des Feindes, erst am 3. Juni unser kleiner Gegenangriff... Am 18. August startete der Feind die 11. Offensive: Tag und Nacht schweres Trommelfeuer... Am 27. September kam ich mit Typhus ins EpidemieSpital, am 23. Oktober habe ich schon eine Stunde aufstehen dürfen, doch dann kamen Magen- und Darmbeschwerden, Erkältung dazu.... Am 28. März 1918 – nach vielen Verlegungen – erneut Urlaub vom 1. bis 21. März – wieder an die italienische Front zur Telefon-Abteilung... Während der 13. italienischen Offensive - Juni 1918 große Verluste erlitten...Im September erneut Urlaub bis 5. Oktober; am 27. Oktober großes Feindfeuer, am 30. Oktober alles packen, weiße Fahne: Frieden! Alle haben die Waffen weggeworfen - beiTrient nochmalige Entwaffnung - Gefangennahme - Kaserne – Freilager – 3-Tage-Marsch – Hunger und Leid! Im Dezember weiter, ich war Rasierer und Fassungsmann; am 15. Februar an Magen-Katarrh erkrankt, auch nach 14 Tagen dort geblieben, weil es mir dort sehr gut gefallen hat, war frei, bin auch ins Dorf rasieren gegangen... Am 20. Juli der erste Heimtransport, mit dem Sanitäts-

81 zug bin ich nach 3 Tagen in Wien angekommen, nach Ungarn von Sammelstelle zu Sammelstelle – Billeder getroffen... Nach dem 25. August konnten wir weiter nach Budapest zum rumänischen Konsulat, nach Szolnok, wo wir über eine Notbrücke die Theiss überquerten und dann Arad und Temeswar erreichten. In Billed am 29. August angekommen, am 30. August 1919 mit Gallo Jacob die Aufzeichnungen unterschrieben. Was Jacob Gallo als Balwere / Rasierer genau beobachtete und auch notierte – wahrscheinlich zum Unterschied von den meisten Dorfbewohner – waren die besonderen Wettererscheinungen in seinem „Revier“, zumal das Dorf zu einer bestimmten Zeit recht viele „Balwere“ hatte, zwischen 1920 und 1944 mehr als 20, dazu 3 „Officine“ / Rasierstuben, in den 70er Jahren waren es nur noch Jacob Gallo und Johann Muhl, dazu die Cooperativa-Rasierstube. Die Wetteraufzeichnungen – vor allem bezüglich der Winter - von Jacob Gallo beginnen 1922 und reichen bis... • 1922: vom 6. bis 8. Februar großer Schnee, 2,5 Schuh hoch • 1933: großer Sturm mit Schnee im März • 1940: grimmige Kälte den ganzen Winter bis März • 1941-1942: harter Winter mit viel Schnee • am 15. Juni 1943 nachts ein riesiges Hagelgewitter, großer Schaden und Verluste • 1943-1944: bis am 6. Februar kein Winter, dann großer Schneesturm • 1953-1954: sehr strenger, harter Winter mit viel Schnee, im Sommer viel Regen • 1954-1955: ein sehr milder Winter, mit viel Regen, kein Eis


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Abbildungen Links: Jakob und Elisabeth, geb. ThĂśres, Gallo mit Sohn Josef 1925. Rechts: Jakob Gallo im Alter von 80 Jahren in Billed.


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83 für im Februar, Schneesturm im März • 1963: am 14., 15. und 16. März Schneesturm • 1970: große Überschwemmung, wie es sie noch nie gab Lebensdaten der Verwandten, Kauf und Verkauf, Absprachen, Ausstellung und Parteitag in Billed – alles notiert, Ausweispapiere mit allen Daten festgehalten, Begräbniskosten... Mit den Aufzeichnungen von 1939 – dem Beginn des Zweiten Weltkriegs – sind diese mit lateinischer Schrift und geben nicht nur Kriegsgeschehen an, sondern auch Einführung des elektrischen Stroms bei Gallos im Stall (1942) und im Hof (1943), doch kein Strom den ganzen Winter über (1954)... Die Russland-Verschleppung hat am 14. Januar begonnen, die ersten Kranken sind im Dezember 1945 zurückgekehrt, die Letzten im Dezember 1949 (auch Anna). Am 9. Mai 1945 ist Sohn Sepp in russische Gefangenschaft geraten, das erste Schreiben von ihm aus russischer Gefangenschaft vom12. Juli am 30. August 1946 erhalten. Heimgekehrt ist er im August 1948.

• 1956: im Februar grimmige Kälte • 1958: Schnee den ganzen Monat März • 1959: nicht so kalt, nicht viel Schnee • 1960: Winter nicht so kalt • 1961: Winter sehr mild und wenig Schnee, gutes Jahr für Mais, Tabak und Weizen • 1962: Winter sehr lange, nicht so kalt im Januar, da-

Dazwischen (aufgeschrieben aus beruflichen Gründen) ein Rezept für häusliche Herstellung und Verwendung einer Rasier-Seife; Gewerbescheine, Militärakten, Familiendaten...Sepp hat am16. Februar Anna geheiratet, im November 1950 wurde Hansi geboren... Das „Haupt Protokoll“ der Gallos: Jacob, Josef (Sepp) und Johann (Hans) wurde Hans Mayer überlassen, der es Adam Csonti gab, wonach es Elisabeth Martini zur Auswertung zukam.


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Selber Schuld Zum Fernsehfilm „Das Schicksal der zivilen deutschen Zwangsarbeiter“ in den ehemaligen deutschen Reichs- und Siedlungsgebieten. Peter Krier

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er am 20.11.2019 vom Bayerischen Fernsehen ausgestrahlte Film „Das Schicksal der zivilen deutschen Zwangsarbeiter“ wurde in unseren Kreisen mit Spannung erwartet, zumal das Thema uns besonders betrifft und die Ausstrahlung angekündigt war. Um es vorweg zu schreiben, es ist sehr gut, dass die Fernsehzuschauer erfahren haben, wie es den Deutschen in den ehemaligen deutschen Reichs- und Siedlungsgebieten nach dem Ende des II. Weltkriegs erging. Der Film ist mit Einschränkungen gut gemacht und lehrreich, die Aussagen von Adam Zirk und der anderen Zeitzeugen sind klar formuliert und absolut glaubhaft und beeindruckend. Der Film vermittelt die Not, das Elend und den vielfachen Tod der deutschen Zwangsarbeiter. Der Beitrag von Prof. Dr. Philipp Ther im Film folgt dem üblichen Muster, es wird eine Relativierung zu anderen Opfergruppen vorgenommen, denen es noch viel schlimmer erging und es folgt der Schuldspruch, wörtlich: „Die Zwangsarbeit der Deutschen war notwendig, sie war unvermeidbar, die Deutschen hätten sich selbst außer Recht gestellt“. Demnach waren die zur Zwangsarbeit Verschleppten selbst schuld an ihrem Schicksal.

Dies ist falsch. Falsch ist auch, dass die Listen der zur Verschleppung Vorgesehenen nach politischen Faktoren, etwa der Teilnahme bei der Waffen SS, erstellt wurden, die waren im Januar 1945 noch an der Kriegsfront. Politische, religiöse oder gesellschaftliche Kriterien haben bei Erstellung der Listen der Verschleppten keine Rolle gespielt, ausschlaggebend war allein die deutsche Volkszugehörigkeit in den festgelegten Altersgruppen, wobei es Ausnahmen gab. Was Schuld oder Unschuld betrifft, stellt Dr. Bernd Fabritius, Präsident des Bundes der Deutschen Vertriebenen fest, dass diese absolut individuell ist, eine Kollektivschuld gibt es nicht. Niemand kann bestraft werden für etwas, was er nicht getan hat. Unsere Schuld an dem Krieg und seinen Folgen war nicht größer als die anderer Deutschen. Wir erinnern uns an unsere Zahlen der Verschleppten: Aus Billed wurden am 14. Januar 1945 556 Personen verschleppt, davon 264 Frauen und 292 Männer. Von ihnen sind 76 Personen, 10 Frauen und 66 Männer während der Zwangsarbeit und auf dem Hin- oder Heimweg, gestorben.


Rückblick

Abbildungen Links: Cover zum Fernsehfilm „Das Schicksal der zivilen deutschen Zwangsarbeiter“ Der Film ist in der BR-Mediathek zu sehen unter https://www.br.de/mediathek/video/verschleppt-doku-das-schicksal-der-zivilen-deutschen-zwangsarbeiterav:5dd3c8882786bb001a499b62 oder einfach unter Google.de: „Das Schicksal der zivilen deutschen Zwangsarbeiter“ suchen.

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Oben: Malerei von Juliana Rausch aus Sanktandres. Im Bild der Abmarsch der Deportierten bei klirrender Kälte im Ja­ nuar 1945 zu den Verladebahnhöfen. Kleinkinder, die zu ihren Müttern in der Kolonne wollen, werden von den Militärs mit Waffengewalt ferngehalten. Juliana Rausch musste auch ihre Kleinkinder zurücklassen.


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Abenteuer Baragansteppe

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ber die Jahre 1951-56, der Baragandeportation, wurde schon viel berichtet. Auch die Beiträge im Billeder Heimatblatt 2001 haben fast alle Aspekte aus dieser Zeit in anschaulicher Erzählweise erfasst. Ebenso weiß man, dass das kindliche Bewusstsein die traurige Realität und das damit verbundene Elend nicht wahrnehmen kann oder will. Wenn ich jetzt noch einige Erlebnisse aus jener Zeit bringe, so sind das Sichtweisen eines 6-jährigen Kindes, aus der ersten Zeit der Verschleppung. Was kümmerte mich die Hitze, der Staub, das lehmige Trinkwasser, die strohgedeckte Erdhütte, wenn ich von morgens bis abends mit den vielen Kindern spielen konnte, die immer da waren? Wenn nachts die großen Feldmäuse über unsere Betten huschten, schlief ich trotzdem gut, müde vom stundenlangen Herumtoben im Steppengras. Wir Kinder spielten Fangen und „Verstoppelches“ in den Feldern am Dorfrand, später stundenlang „Hopsa Scherwel“ im Schatten der neuen Häuser. Das Beste für uns Kinder aber war die Nähe der Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel und Cousinen. Die Erwachsenen schufteten, um das Leben unter dem weiten Himmel erträglich zu machen. Die einzige Aufgabe für uns Kinder war die Futterbeschaffung für die Ziegen, unsere Milchlieferanten. Dazu gingen wir auch in die Anbaugebiete, weil der frische Weizen ein Schmaus für die Tiere war. Leider schmeckte mir die nahrhafte Ziegenmilch gar nicht, brachte sie nur gemischt mit Zichoriekaffee hinunter. Eine Schreckensvision waren für mich die Sanitäter, die ab und zu durch unsere Zelte zogen und alles pflichtimpften, wogegen weiß ich nicht mehr. Die Nadeln waren dick und nicht steril, der Arm war tagelang geschwol-

Inge Aigner (Thöres)

len. Nach dem ersten Mal versteckte ich mich nach Möglichkeit, es gelang mir meistens zu entkommen. Zum Glück war ich fast nie krank, unter den Bedingungen ein Wunder. Meinen Bruder Edi, damals 3 Jahre alt, hatte es schlimm erwischt. Ich weiß es nur noch aus Erzählungen, aber die Rettung kam, glaube ich, von einem Arzt aus Marienfeld, der Antibiotika von daheim mitgebracht hatte. So erlebten wir Jahreszeiten anders als daheim, mit heißen, trockenen Sommern, Herbststürmen, sibirischen Wintern mit Riesendünen aus verwehtem Schnee. Für unbedarfte Kinder kein Grund zum Verzweifeln, sondern reinstes Abenteuer. Die Schulzeit hat uns nicht geschadet, die Lehrer gaben sich Mühe. Außer mit der deutschen Grammatik, und das nur für eine kurze Zeit nach der Heimkehr, konnten wir im Unterricht bestens mithalten. Es gab auch immer Schulfeste mit diversen Aufführungen, wie Tänze, Thea­ ter, Gesang. Im Frühjahr 1956 traten wir zwei Kinder die endgültige Heimreise an, der Neugässer Großvater hat uns abgeholt, die Eltern kamen etwas später nach. Den Sommer 3 Jahre davor hatten wir Kinder verbotenerweise in Billed verbracht, ich kam in den Reli­ gionsunterricht und konnte die Kommunion mitmachen. Wir wohnten damals in der Neugasse und waren nicht immer „brav“. Die daheimgebliebenen Großeltern haben uns während der 5 Jahre nach Möglichkeit mit Lebensmittelpaketen unterstützt. Das Beste war die in Fett eingelegte Bratwurst zur Weihnachtszeit, Sachen, die man nie vergisst. Frühjahr 1956 ging das Abenteuer Baragan zu Ende; Es war auch höchste Zeit.


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Milchlieferanten und Spielgefährten, im Hintergrund der zusammengebastelte Stall.


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Winteridylle in der Steppe, noch. Denn, wenn der gefürchtete „Crivăț“ vorbeikommt, wird man über den Schneeverwehungen die Schornsteine kaum mehr erkennen.


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Die Familie Thöres als Deportierte in der Baragansteppe vor ihrer Behausung 1952. Fotos: Jakob Thöres

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Deportierte Kinder bei der Schul­endfeier in der Baragansteppe verkleidet als Vögel. Fliegen steht bereits seit Jahrtausenden sinnbildlich für grenzenlose Freiheit. Wer sich die Kostümierung ausgedacht hat, hatte bewusst oder unbewusst Realsatire inszeniert.


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Fotos aus dem „Goldenen Zeitalter“ 1. Die tägliche Milchschlange an einem frühen Morgen 1981. Aufnahme von Jakob Breitenbach vom Dach des Hoch­hauses, in dem er im 10. Stockwerk mit seiner Familie wohnte. Bis 1989 war die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln praktisch zusammengebrochen. 2. Da die gesamte Schlange nicht auf ein Foto passte, machte Jakob eine weitere Aufnahme, auf der unten links einige Kas­ten mit den 1 Liter Milchflaschen zu sehen sind, augenscheinlich zu wenig für alle Anstehenden. Pro Kopf gab es 2 Liter der stets verdünnten Kolchosen-Milch und das Leergut musste mitgebracht werden. Am anderen Ende ist die Schlange noch immer nicht ganz erfasst, aber für Jakob war es höchste Zeit zu verschwinden, bevor die allgegenwärtigen SecuritateSpitzel ihn identifizieren konnten. Denn die Folgen wären für ihn und seine Familie unberechenbar gewesen. Der Wohnblock befindet sich im begehrten, zentralen Temeswarer Neubaugebiet der 70er Jahre, Circumvalațiunii. Links in Bild 1 ist das Dach des Marktes Piața Dacia zu sehen. Jakob Breitenbach, Jhg. 1950, und Ehefrau Hermine sind im Dezember 1981 mit einem Paddelboot über die Donau in den Westen geflüchtet, ihre beiden Kinder konnten ein Jahr später nachkommen. Text: Hans Rothgerber


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Billeder bei der Revolution von 1989 Dan Marian Zimmermann (Coroiu)

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ls die Menschenansammlungen vor dem Haus des Pfarrers Tőkés in Temeswar und die von hier ausgehenden Proteste bekannt wurden, wollten auch einige Jugendliche in unserer Gemeinde Zeichen des Widerstandes setzen. Wir organisierten uns in 3 Gruppen, Neluțu Nine und ich beschlossen mit weißer Farbe auf die Fahrbahn ca. 400 m vom Dorfzentrum entfernt „Jos Ceaușescu“ (Weg mit Ceaușescu) zu pinseln. Eine andere Gruppe plante, das lange, rote, kommunis­tische Propagandabanner am Orts­ eingang mittels Strohballen anzuzünden. Der Feuerschein dieser zeitlich letzten Aktion sollte allen anderen signalisieren, das Weite zu suchen. Gegen Mitternacht machten wir uns mit einer Farbdose und einem Pinsel in der Dunkelheit, Straßenbeleuchtung gab es keine mehr, an die Arbeit. Als sich jedoch nach einigen Buchstaben Scheinwerferlichter näherten, gingen wir im Straßengraben in Deckung. Unglücklicherweise ist uns dabei der Pinsel abhanden gekommen. Der Gedanke, dass meine Fingerabdrücke darauf von der Miliz am nächsten Tag gefunden werden könnten, bewog uns, die Aktion abzubrechen. Ich ging nach Hause und gab mir Mühe, den verräterischen Farbgeruch von den Händen zu waschen. Am nächsten Morgen um 6 Uhr, es war noch dunkel, klopfte es hart an unser Tor, Hausnr. 307. „Komm“, sagte der Dorfmilizionär. Der knappe Befehl ließ mich Schlimms­ tes befürchten. Denn nach 2 gescheiterten Fluchtversuchen aus dem Land bin ich von der Securitate misshandelt worden, hatte wöchentliche Meldeauflagen und sie hatten meine Fingerabdrücke. Aber eine winzige Chance bestand noch.


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Abbildungen Links: „Jos Ceaușescu“ (Weg mit Ceaușescu) auf der Torontaler Landstraße, im Hintergrund das Auto der Milizionäre Rechts: „Jos“ aus der Farbdose gegossen „Soll ich die Kamera mitnehmen?“ Die Miliz war auf meine Dienste als Dorffotograf angewiesen, sie hatten keine Kamera, um Straftaten zu dokumentieren. „Nimm sie mit“, sagte der, auch knapp, und zusammen mit seinem Kollegen aus der Nachbargemeinde fuhren wir in Richtung Alexanderhausen. Mir fiel ein Stein vom Herzen, denn es ging nicht in Richtung Temeswar zur Securitate.

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Was war geschehen? Auf dem Nachhauseweg probierte Neluțu an anderer Stelle den Schriftzug zu gießen, die 3 Buchstaben „Jos“ sehen entsprechend ungeübt aus, das S ist sogar verkehrt. Doch dann fand er den Pinsel, der in die Dose gerutscht war, und vollendete die Losung. Es war noch immer dunkel, als das Foto der Parole entstand (Abb. links), ausgeleuchtet vom Pkw der Miliz. So schnell und effizient arbeitete das Informantensys­tem in einer Zeit ohne Handy und Straßenbeleuchtung. Ich weiß bis heute nicht, ob die Milizionäre von meiner Mittäterschaft gewusst hatten und sich nur angesichts der sich abzeichnenden politischen Wende zurückhielten.


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Abbildungen 1. Billeder, mehrheitlich jugendliche Demonstranten, auf dem Weg nach Temeswar. Im Hintergrund sind Busse zu sehen, die die stetig wachsende Anzahl der Teilnehmer nach Temeswar karren, um dann wieder für den nächsten Transport zurückzukehren. 2. Die Demonstranten führen selbstgebastelte Schilder mit Beschriftungen wie „Billed unterstützt Temeswar“, „Wir möchten Demokratie“ „Weg mit dem Tyrannen“ u.a. Aus den mitgeführten Natio­nalflaggen wurde das kommunistische Wappen herausgeschnitten. 3. In der Nachbargemeinde Kleinbetschkerek schließen sich weitere Demonstranten an. 4. Kleines Intermezzo in Kleinbetschkerek: Einige Teilnehmer machen sich nach jahrzehntelanger Unterdrückung Luft, sie können nun die verhassten kommunistischen Parolen ungestraft mit Schmutz bewerfen.


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Abbildung Vor der Kathedrale wurde häufig zum Gedenken an die vielen Opfer und Märtyrer der Revolution aufgerufen. Die Flaschen enthalten kein Bier, sondern Wasser. Bei einer spontanen Hilfsaktion verteilten Temeswarer Lebensmittelbetriebe an die Demonstranten, was sie gerade noch hatten: je ein

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Brot, eine Zitrone und eine Flasche Mineralwasser. Im Hintergrund durch Aufwiegler der Securitate zerstörte Kaufläden. Im Vordergrund einige der Billeder Jugendlichen, die in ihrem Heimatort öffentliche Zeichen des Widerstandes gegen die kommunis­tische Diktatur gesetzt hatten.


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Abbildung Tagelanger Siegestaumel Hunderttausender auf dem Temeswarer Opernplatz. Kaum jemand konnte sich den spontanen, Ăśffentlichen, berauschenden Kundgebungen der Befreiung entziehen.

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Was von der Revolution übrig blieb Erinnerungen eines Augenzeugen Hans-Dieter Hartmann

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ie lange ist das her? 30 Jahre? Oft kommt es mir vor, als wären es schon 100. Und manchmal wiederum ist es so gegenwärtig, als wäre es erst vor kurzem geschehen. Ersteres liegt wohl daran, dass die folgenschweren Dezember-Ereignisse im Temeswar des Jahres 1989 nicht nur in einem anderen Jahrhundert (und Jahrtausend) abliefen, sondern auch in einer ganz anderen Welt. Im Rumänien des 20. Jahrhunderts gab es eine Zeit vor Ceaușescu und eine Zeit nach Ceaușescu. Und die (vorwiegend) schlimme Zeit während Ceaușescu. Dass mir die damaligen Ereignisse manchmal so gegenwärtig scheinen, liegt wohl daran, dass ich damals ganz nah dabei war. Fast schon zu nah … Eines vorweg: Für diesen Beitrag habe ich weder recherchiert, noch historische Fakten gesammelt oder gar geprüft. Und auch keine zweite Meinung eingeholt. Dieser Text will weder Chronik noch politisches Statement sein. Er soll nur meine Erinnerungen an jene Tage und Nächte wiedergeben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger – und ungeachtet dessen, ob es sich damals um eine „klassische“ Revolution, um einen spontanen Volksaufstand oder gar um einen getarnten Staatsstreich handelte. Darüber schrieben und schreiben bereits Chronisten, Historiker und sonstige Autoren. Aufruhr, Angriff und Agenten Der Dezember 1989 fühlte sich schon zu Beginn recht unruhig an. Der Fall der Berliner Mauer im November war uns dank der verbotenen Radiosender „Freies Euro-

pe“ und „Stimme Amerikas“ längst bekannt und man fragte sich, ob und wann auch in Osteuropa etwas passieren wird. Hinter vorgehaltener Hand wurde immer häufiger über den Vorstoß einer Handvoll Altkommunisten gesprochen, die schon im Frühjahr 1989 mit einem offenen Brief in der New York Times Ceaușescus Rücktritt forderten. Von einem Pfarrer namens László Tőkés wusste ich zu jenem Zeitpunkt noch nichts. Das sollte sich aber bald ändern. Am Donnerstag, dem 14. Dezember, musste ich wegen eines seltsamen, unregelmäßig auftretenden Hautausschlags ins Krankenhaus. Daneben lag, nur durch eine Straße getrennt, das Militärkrankenhaus, dessen Einfahrt von meinem „Salon“ aus einsehbar war. Ich war in einem stets voll belegten Acht-Bett-Zimmer im zweiten Obergeschoss untergebracht, das allerdings recht groß war und vier oder fünf Fenster zur Straße aufwies. Seit der Untersuchung am Tag der Aufnahme hatte sich bis Freitagabend kein Arzt mehr bei mir blicken lassen. Gegen 20 Uhr erschien eine Krankenschwester, um uns zu verkünden, dass jeder, der keine ansteckende Krankheit hatte, das Krankenhaus bis Montagmorgen, 8:00 Uhr, verlassen durfte. So konnte die Verwaltung wohl Kosten sparen. Ich ging zu meiner Cousine Elisabeth (Lissi) Kapler (geb. Joiart), die mit ihrem Ehemann Johann (Jani) und den Kindern Reinhold und Edgar in Temeswar lebte. Am Samstagvormittag kam Lissi völlig aufgeregt vom Einkaufen und erzählte uns von den Ereignissen vor Lász-


102 ló Tőkés‘ Haus, von tätlichen Angriffen und der Zerstörungswut jugendlicher Gewalttäter. Wie man später erfuhr, handelte es sich bei Letzteren um „Agents Provocateurs“ der Securitate. Die Geschehnisse in Lissis Bericht fühlten sich so unwirklich, so unfassbar und so undefinierbar an. Man konnte sie nicht einordnen, weil in unseren Gedanken solche Vorfälle unmöglich schienen. Und wahrscheinlich konnte zu jenem Zeitpunkt niemand ahnen, was hier gerade begonnen hatte. Schüsse, Schläge und Spione Am Sonntag beruhigte sich die Lage in der Stadt nicht. Rundfunk und Fernsehen berichteten über ungarische Agenten, die ins Land eingedrungen seien, um das friedliche Rumänien zu destabilisieren. Es lag etwas bis dahin nie Erlebtes in der Luft, ein unbeschreibliches Gefühl … eine nie zuvor empfundene Mischung aus Angst und Hoffnung. Und so etwas wie Vorfreude auf das Unerwartete. Obwohl mein „Freigang“ bis zum Montagmorgen galt, machte ich mich bereits am späten Sonntagnachmittag auf den Weg ins Krankenhaus. Inzwischen fielen Schüsse, Vorfreude und Hoffnung verblassten wieder, die Angst wurde übergriffiger. Auf dem langen Fußmarsch von der Calea Aradului, wo meine Cousine wohnte, bis zur Piața Libertății (Nomen est Omen?) wurde ich mehrmals von Miliz und Militär kontrolliert und kurz, aber scharf verhört. Zweimal antwortete ich nicht schnell genug und fing mir dabei je eine kräftige Ohrfeige ein. Bei meinem Eintreffen im Krankenhaus waren meine „Salonkollegen“ bereits anwesend. Wir sprachen über die Ereignisse – mehr oder weniger zurückhaltend. Man wusste ja nicht, wer von uns zum Spionage-Netzwerk der Securitate gehörte. Wer sich aus dem Fenster unseres Zimmers

Rückblick lehnte, konnte bis zur Piața 700 sehen, wo sich ebenfalls Menschen versammelt hatten. Gegen 18 Uhr errichteten – genau unter unseren Fenstern – ca. zehn Soldaten, unter dem Kommando eines Hauptfeldwebels, eine Art Barrikade und bezogen Schussposition in Richtung Piata 700. Zu ihrer Linken befand sich unsere „Unterkunft“, zu ihrer Rechten das Militärkrankenhaus. Trotz ausdrücklichen Verbotes öffneten wir die Fenster und schauten und hörten zu. Die Soldaten sollten hier niemanden durchlassen. Wer auf Zuruf nicht stehenbliebe, auf den sei ohne weitere Warnung zu schießen, befahl der Hauptfeldwebel. Wenig später setzte er den Befehl eigenhändig um … Es war das Grauenvollste, was sich je vor meinen Augen abspielte. Selbst die vergangenen 30 Jahre konnten die Erin­nerung an dieses schreckliche Erlebnis nicht mildern. Mir war ein offensichtlich sehr betrunkener Mann aufgefallen, der sich von der Piata 700 her näherte. Er schwankte stark, blieb oft stehen und hielt sich an den Häuserwänden fest. Die Soldaten wurden auf ihn aufmerksam und riefen ihm zu, er solle sofort umkehren. Der Mann schwankte unbeirrt weiter, lallte etwas vor sich hin und versuchte zu singen. Er war noch ca. 150 Meter von der Gruppe entfernt, als ein Korporal rief: „Stehen bleiben oder ich schieße!“ Der Betrunkene hielt inne, starrte in die Richtung der Soldaten und rief so etwas wie „Hallo Kameraden! Alles gut, ich will ja nur nach Hause“, und wollte weitergehen. Der Hauptfeldwebel riss einem Soldaten die Maschinenpistole aus der Hand und sagte: „Überlasst den mir!“ Er entsicherte seelenruhig die Waffe, stellte den Hebel auf „Schnellfeuer“ und schoss! Mehrere Kugeln trafen den harmlosen Menschen und schüttelten den Körper durch, bevor er leblos zu Boden fiel. Ich schrie unbewusst auf, der Schütze schaute nach oben und


Rückblick rief: „Fenster zu! Sonst komme ich hoch!“ Ich schloss das Fenster, blieb aber daneben stehen. Zusammen mit meinen Zimmergenossen beobachteten wir, wie zwei Soldaten zu dem Opfer liefen und es an den Beinen in das Militärkrankenhaus schleiften. Die Blutspur auf dem Gehweg habe ich heute noch vor Augen! Kurz darauf erschien unsere sichtlich verängstigte Krankenschwester mit einem Armeeleutnant, der die Abzeichen der Securitate-Truppen trug. Schnarrend fragte er, ob jemand etwas Ungewöhnliches auf der Straße beobachtet habe. Wir schwiegen, niemand sagte ja oder nein. Er forderte uns auf, ab sofort dem Fenster fernzubleiben. Außerdem dürfe vorerst niemand das Krankenhaus verlassen – ob krank oder gesund. In der Nacht schliefen wir nicht. Manche redeten, andere starrten nur vor sich hin. Am Montagmorgen erschien ein Krankenpfleger, den wir noch nie gesehen hatten und teilte uns mit, dass wir bis Mittag unsere Kleidung – die jeder in seinem Spind aufbewahrte – im Lager abgeben müssten. Wer dafür keinen Beleg vorzeigen könne, bekäme auch kein Mittagessen. Die Vorstellung, dass ich ohne meine Kleidung hier gefangen wäre, machte mir Angst. Somit beschloss ich, nicht nur auf das Mittagessen, sondern auch auf alle weiteren Mahlzeiten in dieser Einrichtung zu verzichten. Ich nahm meine Kleidung aus dem Schrank und machte mich auf dem Weg zum Lager. Auf einer Toilette zog ich mich um, ließ meinen Krankenhaus-Bademantel im Flur hängen und verließ ungehindert das Krankenhaus. Mein Hautausschlag war wieder mal verschwunden und kein Arzt hatte mich bis zu jenem Zeitpunkt überhaupt danach gefragt. Ich betrachtete mich als geheilt. Und, um es vorwegzunehmen: Der Ausschlag machte sich danach nie wieder bemerkbar.

103 Helden, Helfer, Hooligans Währenddessen geschah in einem anderen Temeswarer Krankenhaus Schreckliches: Die verletzten Demonstranten im Kreiskrankenhaus durften nicht mehr behandelt werden. Das hatte Ceaușescus Bruder Ilie angeordnet, der dort persönlich auftauchte und zusammen mit Bukarester Staatsanwälten die Krankenakten beschlagnahmte. Das erfuhr die Öffentlichkeit aber erst viel später. Straßensperren, Kontrollen, Festnahmen und immer noch vereinzelte Schüsse prägten am Montagvormittag das Stadtbild. Gruppen ab drei Personen galten als Demonstranten und wurden festgenommen. Ich war allein unterwegs, wurde aber dennoch zwischen der Piața Libertății und dem Bega-Kaufhaus mehrmals angehalten, befragt und kontrolliert. Der Anblick der Panzerfahrzeuge an den großen Straßenkreuzungen war sehr beklemmend und beängstigend. Ich verbrachte den Tag in der Stadt, hielt mich von den – meist gemischt auftretenden – Miliz- und Militärpatrouillen fern und ging am späten Nachmittag zum Opernplatz. Dort hatten sich wieder, grob geschätzt, mehrere Hundert Menschen versammelt. Ich gesellte mich dazu, man sprach über Geschehenes und fragte sich, wie es nun wohl weiterginge. Plötzlich fielen Schüsse. Die Bilder vom Vorabend im Kopf, stürzte ich in panischer Angst davon. Ich ging wieder zu meiner Cousine Lissi und übernachtete dort. Am Dienstag verließ ich die Wohnung nicht und überlegte sogar, nach Billed zu fahren. Den Gedanken verwarf ich aber schnell wieder. Wahrscheinlich wäre ich sowieso nicht mehr aus Temeswar hinausgekommen. Am Montagvormittag war ja bereits der Ausnahmezustand ausgerufen worden, die Stadt abgeriegelt und die Telefonverbindungen unterbrochen. Das Fernsehen berichtete wei-


104 terhin über die „Temeswarer Hooligans“. Wir hörten Radio. Radio „Freies Europa“ und „Stimme Amerikas“. Der nächste Tag war wahrscheinlich ausschlaggebend für alles, was danach folgte. Es war Mittwoch, der 20. Dezember, ein milder Wintertag. Ich machte mich auf den Weg zum Stadtzentrum und stellte überrascht fest, dass auf den Straßen keine Patrouillen und keine Panzerwagen mehr zu sehen waren. Gegen Mittag erreichte ich den Opernplatz, auf dem bereits Tausende Menschen verharrten. Die Arbeiter aus den Industriegebieten hatten auf ihrem Weg hierher Passanten mitgerissen. Ich sah unter ihnen Mitläufer, Skeptiker und Helden. Die Helden gingen trotz der Warnschüsse auf die Soldaten zu, bis die­se ihre Kalaschnikows sinken ließen. Ich blieb lange auf dem Opernplatz, die Zeit verging wie im Flug. Jemand rief so etwas wie „Wir müssen zum Kreisparteikomitee gehen!“ Ich ging mit. Hohe Parteifunktionäre aus Bukarest um Ministerpräsident Dăscălescu standen dort auf dem Balkon und gestikulierten. Die Demonstranten riefen fast pausenlos „Wir sind das Volk!“ und „Keine Gewalt!“ Als dennoch Fensterscheiben eingeworfen wurden, verschwanden die mächtigen Genossen ganz schnell. Irgendwann marschierten wir zurück zum Opernplatz, der inzwischen flächendeckend gefüllt war. Ab jenem Zeitpunkt war dieser Platz so etwas wie unser Wohnzimmer. Die Redner auf dem Balkon hielten uns bei Laune, in regelmäßigen Abständen las jemand die Forderungen des Komitees der Aufständischen (Rumänische Demokratische Front) vor. Dazwischen konnte theoretisch jeder ans Mikrofon, eine kurze Rede halten oder ein Gedicht vorlesen. Immer wieder erklang aus zigtausend Kehlen das damals verbotene Lied „Deșteaptăte, române!” („Wach auf, Rumäne!“). Obwohl ich mich nie als Rumäne gefühlt habe, war es auch für mich ergrei-

Rückblick fend, berauschend und so schön! Weniger schön wäre es wohl gewesen, wenn wir gewusst hätten, dass die Stadt zu jenem Zeitpunkt von Panzern und Artillerie umstellt war. In Abwesenheit ihres verreisten Gatten hatte Elena Ceaușescu befohlen, Temeswar dem Erdboden gleich zu machen. Der damalige Verteidigungsminister Milea lehnte dies heldenhaft ab, was zu seinem Tod führte – anscheinend durch Selbstmord. In den folgenden Tagen und Nächten ging man nur sporadisch nach Hause, um vielleicht kurz zu schlafen und – vor allem – Essen und Getränke mitzubringen, was man gleich verteilte. An Menschen, die man vorher nie gesehen hatte! Als großzügiger Helfer zeigte sich der Direktor der Temeswarer Brotfabrik. Er ließ wiederholt Brotwagen über den Opernplatz fahren und frisches Brot verteilen. Lkw-Fahrer des staatlichen Vorzeigebetriebs COMTIM versorgten die Demonstranten mit Wurst- und Fleischwaren. Zu Tränen rührte mich ein Ereignis am frühen Donnerstagvormittag. Ein Redner auf dem Balkon der Oper ließ uns wissen, dass am Bahnhof mehrere Züge aus Oltenien angekommen seien. Darin saßen Tausende Menschen in der Uniform der „Patriotischen Garden“, mit Stöcken oder Knüppeln bewaffnet. Sie hatten den Auftrag, den Aufstand in Temeswar niederzuschlagen und die „Hooligans“ festzunehmen. Aus unserem „Demonstranten-Wohnzimmer“ machten sich ca. 1.000 Leute auf den Weg zum Bahnhof. Sie empfingen die „Gäste“ und brachten sie zum Opernplatz. Da konnte auch der Skeptischste unter ihnen erkennen, dass hier weder Hooligans noch ausländische Agenten zu finden waren. Zudem wurden sie mit frischem Brot und Wurst versorgt. Der Kommandeur der Patrioten-Truppe wurde auf den Balkon gebracht. Er hielt ein warmes Weißbrot in Händen und weinte bitterlich. Schluchzend teilte er uns mit, dass er


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Der Heldenfriedhof mit Ehrendenkmal in Temeswar dieses Brot seinen Kindern bringen werde – weil die noch nie ein weißes Brot gesehen hätten. Für die kommunis­ tischen Machthaber war dieser Schuss nach hinten losgegangen: Die „Patriotischen Garden“ kehrten heim und erzählten, was in Temeswar wirklich geschehen war. Freiheit, Flucht und Feierlaune Am 22. Dezember, gegen Mittag, flogen die Fenster der Wohnungen um den Opernplatz auf und Menschen schrien „Der Diktator ist geflohen!“ oder „Die Ceaușescus sind weg!“ Langsam begannen wir zu verstehen, dass das der Sieg war! Es dauerte eine Weile, bis jeder es begriffen hatte. Dann aber sang und tanzte die Menschenmasse auf dem Opernplatz. Man umarmte Menschen, die man nie im Leben gesehen hatte, lachte und weinte vor Glück. Ich stand auch am Tag danach noch auf diesem Platz. Und

mit mir noch unzählbar viele andere. Der Ort, an dem man die Nachricht eines solch unglaublichen Sieges erhält, der Ort, an dem man zum ersten Mal erfährt, wie sich Freiheit anfühlt … der bleibt einem für immer in Erinnerung. Den Rest kennt man: Die Ceaușescus wurden hingerichtet, es gab weitere Tote und Verletzte durch Schießereien und sonstige Straßenkämpfe. Für manche kam die Freiheit zu plötzlich, andere nahmen sie gar nicht wahr. Es gab danach Verhaftungen und Verurteilungen, Selbstmorde und unerklärte Todesfälle. Und ein Land, das sich neu finden und erfinden musste. Was für mich von der Revolution übrig blieb? Vor allem die Erkenntnis, dass Mut verbindet. Und dass man zusammen nicht nur stark ist, sondern mit der nötigen Entschlossenheit auch die Welt ein bisschen besser machen kann.


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50 Jahre Familienbeziehungen über den Eisernen Vorhang und den Atlantik hinweg

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m Sommer 1969, also vor fünfzig Jahren, haben Hermann und ich nicht nur geheiratet, sondern aus diesem Anlass auch den in Amerika lebenden Teil meiner Familie kennengelernt: den Bruder meiner Mutter, meinen Onkel und Path Franz Backes, seine Frau und deren Kinder, meine – leider im vergangenen Herbst verstorbene – Cousine Linda und meinen Cousin Frank. Path und Goth, wie ich sie genannt habe, waren beide Schwowe und sind erst nach dem Zweiten Weltkrieg nach Amerika ausgewandert. So konnten Linda und Frank Schwowisch verstehen und sprechen, außerdem besuchten sie in den Sommerferien zusätzlich einen Deutschkurs. Linda war bei ihrem ersten Besuch im Banat 12 Jahre alt, Frank 10. Beide haben sich bei diesem Besuch in der alten Heimat ihrer Eltern wohlgefühlt. Besonders Linda hat es in Billed gut gefallen, da sie sich schnell mit Hans und Franz Dugonitsch (unseren Gschwisterenkeln), die mit ihr im gleichen Alter waren, angefreundet hat. In dem Abschiedsbrief, den Linda kurz vor ihrem Tod an uns Cousins geschrieben hat, erzählte sie, dass sie bis zu dieser Begegnung mit den vielen Verwandten in Billed, Keglewichhausen und Knees der Meinung gewesen war, ihre Familie beschränke sich auf die Personen, die mit ihr in Cincinnati im gleichen Haus wohnten, also ihre Eltern und die Eltern ihrer Mutter, Oma und Opa Stillebauer genannt. 1979, nachdem unsere Familie nach Deutschland ausgewandert war, ist der Kontakt mit meinen Cousins in Amerika einfacher und enger geworden. Jetzt konnten wir uns schreiben, ohne dass die Briefe von der Securitate

Anna Schütz

Abbildungen Oben: Hochzeitsfoto von Hermann und Anna Schütz (geb. Fost) mit den Familien Bakes und Fost im Sommer 1969. Rechts: Unser Besuch in den USA 1989. Im Bild Erhard mit Lindas Sohn, Linda, Sigrid mit Franks Tochter, Frank.


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kontrolliert wurden, und telefonieren konnten wir auch. Aber bis wir uns alle wiedersahen, vergingen einige Jahre: Linda und Frank hatten in der Zwischenzeit geheiratet, in beiden jungen Familien war das erste Kind schon geboren, als Hermann und ich mit unseren Kindern Sigrid und Erhard die Verwandten in Amerika 1987 zum ersten Mal besucht haben. Für alle war es eine große Freude. Wir waren bei Onkel und Tante und Linda und ihrer Familie in Cincinnati zu Gast, aber auch bei Frank und seiner Familie in Pennsylvania, wo er damals gearbeitet hat. Vieles von Amerika haben sie uns damals gezeigt, Frank ist sogar nach Washington und New York mit uns gefahren. Im Laufe der Jahre wurden die Familien größer (Linda hat vier Söhne und Frank zwei Töchter und einen Sohn; unsere Kinder haben ebenfalls geheiratet und Kinder bekommen) und die Kontakte zwischen den Familien intensiver und häufiger: Erhard und seine Familie waren in

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Cincinnati zu Besuch, Frank und seine Familie kamen und kommen recht regelmäßig nach Deutschland. Er ist beruflich in der ganzen Welt unterwegs, und der Hauptsitz seiner Firma für Deutschland liegt zufällig nur drei Kilometer von Eschborn, wo wir seit zehn Jahren wohnen, entfernt. So hat er in den letzten Jahren oft einen kurzen Abstecher zu uns gemacht, manchmal auch in Begleitung seiner Frau Jo. Mit Linda waren wir in reger telefonischer Verbindung und so immer bestens informiert. Aber ihren Wunsch, mal wieder nach Deutschland zu kommen, hat sie sich erst erfüllt, als ihre vier Jungen ‚aus dem Gröbsten heraus‘ waren. 2014 kam sie im Advent zu Besuch, denn sie war neugierig auf die Weihnachtsmärkte in Deutschland. Sie hat sich mit uns Rüdesheim und Frankfurt angesehen, ist weiter zu ihren Verwandten nach Aschaffenburg und Augsburg gefahren und natürlich auch zu Hans und Franz Dugonitsch und ihren


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Familien nach Nürnberg. Mit ihnen konnte sie auch den berühmten dortigen Christkindlesmarkt kennenlernen. Alles in einer Woche. Die ganze Bakes-Familie ist in Cincinnati im Verein der Donauschwaben aktiv, und viele von ihnen machen dort auch Musik. Zusätzlich spielt Lindas Mann Bob Waldhorn in einer großen Waldhornbläsergruppe. Mit diesem Bläserensemble ist er 2017 beim Eröffnungszug des Münchner Oktoberfestes mitmarschiert. Linda und er haben dabei die Gelegenheit für einen weiteren Deutschlandbesuch genutzt: Für einige Tage waren sie bei uns, und wir konnten zusammen einen kurzen Ausflug zum Heidelberger Schloss unternehmen und Sigrid und ihre Familie sehen, die seit einiger Zeit dort leben. Das war Lindas letzter Besuch bei uns, denn im Oktober 2018 ist sie nach kurzer Krankheit leider viel zu früh verstorben.

Frank hat in der Zwischenzeit zwei Enkelkinder und möchte nächstes Jahr in Rente gehen. Dann sind seine beruflichen Reisen vorbei und er wird nicht mal schnell auf einen Tag vorbeikommen können. Die Beziehung, die wir seit nun schon fünfzig Jahren pflegen, wird vermutlich nicht mehr so eng und rege sein, aber hoffentlich trotzdem erhalten bleiben. Abbildungen 1. Franz und Resi Bakes mit Kindern und Enkelkinder in schwäbischer Kirchweihtracht im Verein der Donauschwaben in Cincinnati. 2. 2013 - Frank mit Familie, Erhard und Antje, Lindas Familie. Vorn Lindas Jüngster in der Mitte und daneben Erhards Kinder. 3. Frank und Sigrids Familie bei uns in Eschborn im Mai dieses Jahres.


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Das Lenaulyzeum 1993 in einer Aufnahme von Richard Weber


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Schule und Studium nach dem Zweiten Weltkrieg Die Einmaligkeit des muttersprachlichen Unterrichts für die nationalen Minderheiten im europäischen Vergleich Hans Fink

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ie Rumäniendeutschen bildeten keinen einheitlichen Bevölkerungsteil, sie setzten sich aus mehr als zehn Gruppen zusammen, die sich nach Herkunft, Geschichte und Lebensraum unterschieden. Gestützt auf die Ergebnisse der Volkszählung vom 15. März 1966 hat Heinrich Lauer diese Situation im Almanach des „Neuen Wegs“ für das Jahr 1967 beschrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Rumäniendeutschen keine eigenen Schulen, ihre Kinder und Jugendlichen besuchten staatliche Einrichtungen. Deshalb gibt es keine offiziellen statistischen Angaben für die Banater Deutschen (zu denen nicht nur die sogenannten Banater Schwaben in der Heide und Hecke, sondern auch die Steirer und die Deutschböhmen im Banater Bergland, Alt-Österreicher, Bayern und Alemannen gehörten). 1966 lebten in Rumänien zusammengenommen 376.000 Deutsche, davon rund 180.000 im Banat und im Kreis Arad. Den Außenstehenden mag diese Formulierung verwundern. Tatsächlich reichte das Banat im Norden streng genommen nur bis zum Fluss Marosch/ Mieresch/Mureş, der Kreis Arad dagegen erstreckte sich viel weiter. Aus kultureller Sicht aber zählten die nördlich der Marosch siedelnden Deutschen zu den Banater Schwaben. Nach der Gebietsreform vom Jahre 1968, als das Land in 39 Kreise (judeţe) gegliedert wurde, zu denen sich als 40. Verwaltungseinheit die Hauptstadt gesellte, hat sich der Begriff „Banat“ verändert, unter diesem Begriff wurden nun die drei Kreise Karasch-Severin,

Temesch und Arad zusammengefasst, und so ist es bis heute geblieben. Rumänien war das einzige kommunistisch regierte Land, das für seine nationalen Minderheiten umfassend Schulen einrichten ließ und ihnen ein Kulturleben in der Muttersprache ermöglichte. Zu den Minderheiten gehörten nicht nur die Ungarn und die Deutschen, sondern auch die Serben, die Ukrainer und die Bulgaren, ferner die Albaner, die Armenier, die Juden, die Polen und die Russen, dann die Tschechen und die Slowaken, die Türken und die Tataren, schließlich die Zigeuner (damals die offizielle Bezeichnung für Sinti und Roma), die jedoch über keine Schriftsprache verfügten. Nach offiziellen Angaben stellten die nationalen Minderheiten annähernd 15 Prozent der Landesbevölkerung. Einerseits politischer und ideologischer Terror (aus den Funktionären der Kommunistischen Partei entwickelte sich, wie vorher in der Sowjetunion, eine neue Ausbeuterklasse mit zahlreichen Privilegien) – andererseits Schulbücher in vierzehn Sprachen, vom Staat finanzierte Zeitungen, Zeitschriften und Kulturformationen. Kein Ausländer, der für kurze Zeit in Rumänien weilte, ob er nun von dort stammte oder nicht, konnte diese komplexe Situation verstehen. Gewöhnlich schlug ihn die eine Komponente in Bann, und er ignorierte oder minimalisierte die andere. Eines Tages hielt sich eine Delegation des Europaparlaments in Bukarest auf, und einige ihrer Mitglieder, unter ihnen auch ein Bretone, besuchten die Redaktion des


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„Neuen Wegs“. Die Bretonen zählen weit mehr als zwei Millionen Seelen. Damals starben an der rumänisch-jugoslawischen Grenze täglich Menschen, die das Land illegal verlassen wollten, um den trostlosen politischen und wirtschaftlichen Zuständen zu entkommen. So war es seit den frühen siebziger Jahren. Der Gast begann zu weinen, als er hörte, was die Rumäniendeutschen alles haben: Unterricht in der Muttersprache, zwei Tageszeitungen, zwei Bühnen, jährlich rund 50 Buchveröffentlichungen, alles vom Staat subventioniert. Ich war nicht dabei, doch der Chefredakteur hat die Szene wiederholt geschildert, und ich sehe keinen Grund, an seinen Worten zu zweifeln. Nun war die Minderheitenpolitik Rumäniens nicht nur im ehemaligen Ostblock einmalig, sondern auch im europäischen Vergleich eine Ausnahme. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Elsass die deutsche Sprache unterdrückt wie in Polen, wo man auf der Straße nicht deutsch sprechen durfte. In Ungarn war sie unerwünscht. In Frankreich konnte bis Mitte der achtziger Jahre nur in französischer Sprache unterrichtet werden, nicht aber in Bretonisch oder in Okzitanisch. In Spanien waren Katalanisch und Baskisch bis in die späten fünfziger Jahre bei Gefängnisstrafe verboten. In Griechenland, dem angeblichen Mutterland der Demokratie, riskierten die Aromunen, eingesperrt zu werden, wenn sie sich in der Öffentlichkeit in ihrer Muttersprache verständigten. Die Schulreform vom Jahre 1948 als Wende im sozialen Leben Die rumänische Schulreform vom Jahre 1948 wurde mit Blick auf die Industrialisierung des Landes vorgenommen, mit der die Kommunistische Partei ihren Machtanspruch legitimierte. Durch die Industrialisie-

rung sollte Rumänien seine wahre Unabhängigkeit erlangen. Ohne ein komplexes, differenziertes Schulwesen wäre sie nicht möglich gewesen. Zur allgemeinen Überraschung gewährte die politische Führung der bis dahin verfemten deutschen Minderheit im Rahmen der Reform die Gleichberechtigung, weil sie, wie man heute weiß, die als tüchtige Arbeiter und als geschickte Organisatoren geschätzten Deutschen für den geplanten sozialistischen Aufbau gewinnen wollte. Die deutsche Minderheit befand sich in einer tragischen, verzweifelten Lage. Vor dem Krieg und während des Krieges hatte das Dritte Reich die sogenannten Volksdeutschen auffällig protegiert, allerdings mit dem Hintergedanken, sie bei seinen Raubzügen als Helfershelfer zu missbrauchen. Nach dem Machtwechsel im Jahre 1944 warfen alle politischen Parteien, nicht nur die Kommunistische, sondern auch die bürgerlichen, den Volksdeutschen Mitschuld am Ausbruch des Krieges vor. Mehr als 17.000 Männer waren gefallen, unter ihnen 9.000 Banater. Im Januar 1945 hatte die Besatzungsmacht 70.000 Deutsche im arbeitsfähigen Alter, Männer und Frauen, in sowjetische Arbeitslager verschleppen lassen; kein Mensch konnte sagen, wann sie zurückkehren. Im März 1945 hatte die Regierung die deutschen Landwirte, d. h. 70 Prozent der Familien, von Haus und Hof enteignet, sie lebten im Elend. Räuber aus allen Schichten der Bevölkerung nahmen die Gelegenheit wahr, um die Schutzlosen zu erleichtern. Die politische Führung hatte den Deutschen das Wahlrecht entzogen. Mit Ausnahme einiger konfessioneller Einrichtungen waren die deutschen Schulen seit vier Jahren geschlossen. Und nun, im Herbst 1948, richtete die Rumänische Volksrepublik deutsche Grundschulen und Mittelschulen


Rückblick ein, ließ Schulbücher für sie drucken und gründete zwei Lehrerbildungsanstalten. Auf einmal ergab sich für viele Deutsche – wegen der politischen Diskriminierung nicht für alle – eine Perspektive. Die vom Regime begünstigten Kinder der Arbeiter und der ehemaligen Knechte nutzten die Chance, um sich durch Schulbildung eine soziale Position zu schaffen. Ebenso die Kinder der Bauern, die ihren Hof, und die Kinder der Handwerker, die ihre Werkstatt verloren hatten. Viele nahmen die Qual der Abendschule auf sich. Die guten Lehrer gaben ihr Bestes und rissen die anderen mit. Die Zöglinge der Lehrerbildungsanstalten bewältigten mit gutem Mut das erdrückende Pensum; ihre Absolventen gingen wie Apostel in die abgelegenen kleinen Dörfer, wo man noch mit Petroleumlampen hantierte und die bei Schlechtwetter aufgeweichten Straßen auf Stelzen überquerte. Nach und nach bewirkten sie einen Neubeginn des kulturellen Lebens, indem sie Chöre, Tanz- und Theatergruppen auf die Beine stellten, Bälle, Kronenfeste, Kirchweihfeste und Faschingsprogramme organisierten. Nachdem Hans Speck in seinem Geburtsort Jahrmarkt zum Kulturheimdirektor aufgestiegen war, richtete er 1973 ein Heimatmuseum ein, welches vom „Museum des Banats“ (mit Sitz in Temeswar) als Abteilung anerkannt worden ist. Nikolaus Horn, der anschließend Philologie studierte, richtete später an der Hatzfelder Allgemeinschule Nr. 1 den landesweit ersten Fachunterrichtsraum für das Fach Deutsch-Muttersprache ein. Sehr bald entwickelten sich die nach 1948 neu- oder wiedergegründeten deutschen Schulen zum, wie Heinrich Schubkegel es formuliert, „Dreh- und Angelpunkt“ des kulturellen Lebens in den einzelnen Ortschaften. „Die Schulen – sprich Lehrer – übernahmen auch Aufgaben

113 und Funktionen, die früher hauptsächlich von verschiedenen Vereinen wahrgenommen worden waren. Es entfaltete sich eine rege und erfolgreiche Kulturtätigkeit in deutscher Sprache. Das Schulgesetz von 1948 bot den Deutschen – wenn auch unbeabsichtigt – die Möglichkeit, schulisch und außerschulisch im Sinne der nationalen Identitätsbewahrung zu wirken. Der Erfolg dieser Bemühungen hing von der Einsatzbereitschaft und den Fähigkeiten der einzelnen Lehrer ab.“ Das Hochschulstudium, schreibt Gudrun Schuster, wurde ausdrücklich als Bildungskapital wahrgenommen, vermutlich sei es diesem Umstand zuzuschreiben, dass es in der Geschichte der Rumäniendeutschen noch nie so viele Universitätsabgänger gegeben hat wie zur Zeit des Sozialismus. Statt auf den Besitz an Boden und Vieh richtete sich der Ehrgeiz der Deutschen unter den neuen Verhältnissen auf die Bildung, ausgedrückt durch Titel wie Ingenieur, Agronom, Professor, Doktor und Architekt. Die große Zahl von Deutschen, die nach der verpflichtenden Allgemeinschule mit ursprünglich sieben, später acht Klassen die Mittelschule besuchten, anschließend eine zweijährige oder dreijährige technische Schule absolvierten oder sogar studierten, war die Basis für die Blüte des rumäniendeutschen Kulturlebens in den sechziger und siebziger Jahren. Als bundesdeutsche Soziologen sich 1970-1971 im Dorf Klein-Betschkerek unweit von Temeswar für eine ethnografische Monografie dokumentierten, verzeichneten sie auch folgende Einschätzung: „Die Leistungen, die die Schulen heute erbringen, werden allgemein sehr viel besser bewertet als die Schulergebnisse vor dem Krieg. Zum Teil wird dies darauf zurückgeführt, dass jetzt die begabten Kinder die weiterführenden Schulen besuchen,


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Rückblick

während es in früheren Zeiten die Kinder wohlhabender Eltern gewesen seien, denen aber häufig das Talent oder der Lernwille gemangelt habe.“ Die Soziologen aus der Bundesrepublik erwähnen einen aufschlussreichen Fall aus der Zwischenkriegszeit. Die kleinbäuerlichen Eltern eines Mädchens, das durch gute Leistungen in der Schule aufgefallen war, schlugen das Angebot eines Stipendiums für ihre Tochter aus; da ihre Tochter armer Leute Kind war, empfanden sie den Besuch einer höheren Lehranstalt als unangemessen. Sie vertraten den Standpunkt, die Tochter solle „verdienen gehen“. Das Mädchen lernte nähen und arbeitete dann im Tagelohn. Die politische Diskriminierung an den weiterführenden Schulen äußerte sich in der betonten Förderung von Jugendlichen mit einer sogenannten „gesunden sozialen Herkunft“. Mehr als ein Jahrzehnt wurde diese sehr eng definiert, denn sie galt nur für die Kinder von Arbeitern und von werktätigen Bauern, für die von Kleingewerbetreibenden und Mittelbauern schon nicht mehr. Die Struktur des Schulsystems. Änderungen im Laufe der Jahre Der Unterricht in der Muttersprache begann im Kindergarten und wurde in der Allgemeinschule fortgesetzt. Er endete in der Mittelschule, in Rumänien Lyzeum genannt. Nach der Allgemeinschule gabelte sich der Weg. Von vier Absolventen der Allgemeinschule gelangte einer ins Lyzeum, wenn er die Aufnahmeprüfung bestand. Die Alternative zum Lyzeum war die Berufsschule mit einer Dauer von zwei, zweieinhalb oder drei Jahren. Dort fand der Unterricht in rumänischer Sprache statt. Das Lyzeum umfasste zunächst nur drei Jahrgänge (mit Ausnahme der

Lehrerbildungsanstalten); im Jahre 1958 wurde es auf vier Jahrgänge ausgeweitet. Zu Beginn des neuen Schulsystems haben vorübergehend auch Abteilungen von Fachmittelschulen und Berufsschulen mit deutscher Unterrichtssprache in Temeswar, Reschitz, Arad, Großsanktnikolaus und Lippa bestanden. Im Jahre 1959 gab es die Lyzeumsstufe, d. h. die vierklassige Mittelschule mit deutscher Unterrichtssprache, außer in Bukarest in 14 Ortschaften, davon sechs im Banat, nämlich in Temeswar, Reschitz, Arad, Lugosch, Hatzfeld und Lippa. Ende der fünfziger Jahre ging Lippa aus Mangel an Schülern ein (die letzte Serie absolvierte 1962), aber 1966 wurde eine deutsche Abteilung in Großsanktnikolaus eingerichtet. Für die Bevölkerung unerwartet ließ das Ministerium im Herbst 1959 alle bis dahin selbstständigen Schulen der Minderheiten mit einer rumänischen Schule zusammenschließen. Das Temeswarer Lenau-Lyzeum etwa verwandelte sich nach der Angliederung von rumänischen Klassen und nach der Einsetzung eines rumänischen Schulleiters (1962) in eine rumänische Schule mit einer deutschen Abteilung. Erst ein Jahrzehnt später, in den Jahren 1971-1972, erreichten die Kreisräte der Werktätigen deutscher Nationalität, dass vier große, traditionsreiche Schulen erneut als Lehranstalten mit deutscher Unterrichtssprache eingerichtet werden: die Lenau-Schule in Temeswar (Klassen I-XII), die Neuarader Schule (Klassen I-XII), die Brukenthal-Schule in Hermannstadt (offiziell „Lyzeum für Mathematik-Physik Nr. 2“, Klassen IX-XII) und die Honterus-Schule in Kronstadt (Klassen I-XII). Alle vier Einheiten entwickelten sich in kürzester Zeit wieder zu Drehscheiben des Kulturlebens in deutscher Sprache.


Rückblick Ab 1960 wurden die Fächer Geschichte Rumäniens und Geografie Rumäniens sowohl im Lyzeum als auch im VIII. Schuljahr der Allgemeinschule in rumänischer Sprache unterrichtet. Durch die zahllosen Fachausdrücke sahen sich die Schüler aus den Reihen der nationalen Minderheiten hoffnungslos überfordert. Dazu verlautete aus dem Unterrichtsministerium, dass es anders ja nicht möglich wäre. Ende der sechziger Jahre führte die Regierung abermals eine Schulreform durch. Im Sommer 1968 ist ein Schulgesetz in Kraft getreten, welches die Aufnahme in den Kindergarten ab drei Jahren vorsah und für jedes Kind verpflichtend zehn Schuljahre vorschrieb. Das neue Gesetz leitete die Profilierung der Lyzeen auf Fachbereiche ein, von Geschichte, Philologie, Mathematik und Physik über Elektrotechnik und Forstwirtschaft bis Pädagogik, Sport und Kunst. Mit der Abschlussprüfung nach dem zwölften Schuljahr, dem Bakkalaureat, erwarb man die Hochschulreife. Damals entbrannte der Kampf um die Gründung deutscher Klassen an Lyzeen mit rumänischer Unterrichtssprache. Sie konnte nur gelingen, wenn sich genug Interessenten für einen Fachbereich zusammenfanden. Laut Heinrich Schubkegel besuchten im Schuljahr 1977-1978 rund 10.000 Schüler „deutscher Nationalität“ rumänischsprachige Lyzeen, weil der von ihnen bevorzugte Fachbereich an keinem deutschsprachigen Lyzeum existierte oder – aus Mangel an genügend Kandidaten – keine deutsche Klasse an einem rumänischsprachigen Lyzeum zustande kam. Ab 1968 erlaubte das Gesetz, für mindestens sechs Schüler im Grundschulalter einen Lehrerposten zu schaffen, für 31 Schüler zwei Posten, für 61 Schüler drei Posten und für 81 Schüler vier Posten. Noch mehr fiel ins Ge-

115 wicht, dass der Volksrat, wenn die Kontinuität gesichert war, für mindestens 15 deutsche Schüler eine V. Klasse einrichten konnte. Doch, um diese für ein Land des Realsozialismus großzügigen Bestimmungen in die Wirklichkeit umzusetzen, war viel diplomatisches Geschick erforderlich, man musste mancherlei Hindernisse auf lokaler Ebene überwinden. Dazu hat Jakob Neumann, der von 1956 bis 1973 General-Schulinspektor im Unterrichtsministerium war (ein Banater), entscheidend beigetragen. Dessen Arbeit wurde von Heinrich Schubkegel (ebenfalls Banater), von 1973 bis 1979 fortgesetzt. Die Unterrichtsreform vom Jahre 1973 brachte für die Minderheiten neue Richtzahlen, die ungünstiger waren als die vom Jahre 1968: Mindestens 25 Schüler für die Klassen V-X. Im Schuljahr 1970-1971 bestanden im Kreis Temesch an 95 Schulen Abteilungen mit deutscher Unterrichtssprache: an 41 Vierklassenschulen, an 41 Achtklassenschulen, an 8 Zehnklassenschulen und an 5 Lyzeen. In diese Abteilungen waren 11.865 Schüler eingeschrieben. Insgesamt gab es im Kreis Temesch in diesem Schuljahr 412 Schulen mit annähernd 93.000 Schülern. Davon besuchten 71.300 die Allgemeinschule, 12.000 das Lyzeum, 8.600 die Berufsschule und ungefähr 400 eine Spezialschule. In sämtlichen Schulformen war der Unterricht von der offiziellen Ideologie durchtränkt, bis hin zu den Textaufgaben in der Rechenstunde. Die systemspezifische Kinder-Organisation – die „Organisation der Pioniere“ – und die kommunistische Jugendorganisation setzten die im Unterricht vorgeschriebene ideologische und politische Erziehung fort. Sie erfassten praktisch alle Kinder und Jugendlichen, für die Ausnahmen ergaben sich Schwierigkeiten bei der beruflichen Laufbahn.


116 Andererseits bot die Pionier-Organisation den Rahmen für sinnvolle Tätigkeiten in Schüler-Zirkeln, für Betriebsbesuche und Ausflüge. Viele Lehrer haben diese Möglichkeiten ausgeschöpft. Verbreitet waren Zirkel für BastelArbeiten, physikalische und chemische Experimente, Botanik, Geografie, Geschichte, Tanz, Musik und Sport. Ab Mai 1968 veröffentlichte die Tageszeitung „Neuer Weg“ wöchentlich eine Beilage für Pioniere und Schüler, die populäre „Raketenpost“, die so erfolgreich war, dass sie die Auflage stabilisierte. Unmittelbar nach der Schulreform verwendete man zunächst viele aus dem Russischen übersetzte Lehrbücher; erst nach und nach traten Werke rumänischer Autoren an deren Stelle, die ebenfalls übersetzt werden mussten. Für den Unterricht im Fach Deutsch-Muttersprache verwendete man von aller Anfang an auch Bücher einheimischer Autoren, z. B. die Fibel. In der Temeswarer Filiale des Schulbuchverlags, eingerichtet Anfang der fünfziger Jahre, betreuten die Redakteure die Originalbücher für den muttersprachlichen Deutschunterricht (Klassen I-VIII) und die Übersetzungen der rumänischen Originalbücher (Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Erdkunde usw.). Die auswärtigen Mitarbeiter der Filiale arbeiteten hauptamtlich an deutschen Lyzeen bzw. an Lyzeen mit einer deutschen Abteilung. Es gab auch deutsche Hochschullehrer, die sich nicht zu schade waren, für ein dürftiges Honorar als Referenten mitzuwirken: Lektor Julius Amberg, Lektor Alfred Geier, Prof. Dr. Peter Lamoth, Dozent Dr. Josef Philips. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die komplexeste Form der Zusammenarbeit zwischen Banater Schwaben, Siebenbürger Sachsen und anderen in Rumänien lebenden Deutschen das Verfassen bzw. Übersetzen, Begutachten, Revidieren und Drucken von Schulbüchern.

Rückblick Großes Aufsehen erregte eine Serie von Lehrbüchern für den muttersprachlichen Deutschunterricht an der Lyzeumsstufe, die 1972 bis 1976 in die Schulen gelangte. (Weil das Schulwesen bald darauf umorganisiert wurde, musste man die Bücher umschreiben, die zweite Serie erschien 1978 bis 1983.) Diesen Lehrbüchern lag die Überzeugung zugrunde, dass die Zugehörigkeit zum deutschen Kulturkreis nur über den Literaturunterricht vermittelt werden kann, außerdem sollte ein undogmatisches Literaturkonzept begründet werden. An dem schwierigen Unternehmen, das viele Kompromisse erforderte, waren 13 Autoren beteiligt, zu ihnen gehörten die Banater Dorothea Götz, Peter Kottler, Hans Müller, Walter Engel und Heinrich Lauer, zu den Referenten Dr. Johann Wolf, Dorothea Götz und Franz Storch. Die Leitung des Projekts lag in den Händen des Klausenburger Hochschullehrers Michael Markel. Im Rückblick schätzte Markel das Unternehmen als abenteuerlich ein, weil es die herrschende Ideologie unterlief. Über die Schwierigkeiten hat er sich wiederholt geäußert, sowohl in einem umfangreichen Bericht in der „Siebenbürgischen Zeitung“ (1995) als auch in einem Referat im Rahmen des zweiten Seminars zur kommunistischen Vergangenheit an der „Akademie Mitteleuropa“ in Bad Kissingen im Februar 2008. Er würdigte den Initiativgeist von Maria Rózsa, Leiterin der Minderheiten-Abteilung im Schulbuchverlag, die Unterstützung von Heinrich Schubkegel, Inspektor im Unterrichtsministerium, und von Franz Storch, stellvertretender Direktor im Kulturministerium. Für den Aufsatzunterricht gab es lange keine eigene einheimische Methodik, bis 1979 das Lehrerhandbuch von Dorothea Götz erschienen ist.


Rückblick Die Unterstützung der Schulen durch die Elternschaft und die deutschsprachige Presse Den deutschen Schulen bzw. den deutschen Abteilungen wurde von zwei Seiten Unterstützung zuteil. Wenn die Eltern merkten, dass die Lehrer sich Mühe gaben, unterstützten sie die Schule mit Ratschlägen, Beziehungen, Dienstleistungen und Spenden. Als das rührige Lehrerehepaar Franz und Therese Pretz sich Ende der fünfziger Jahre an der Allgemeinschule von Glogowatz einarbeitete, flogen ihm die Herzen der Eltern zu. Der einzigartige Fachunterrichtsraum von Franz Pretz, der als Erster in Rumänien Aufbauteile in den Physikunterricht einführte, wäre ohne die begeisterte Mithilfe der Eltern kaum zustande gekommen; u. a. wurden bestimmte Metallteile von den Vätern, die in der Waggonfabrik arbeiteten, mit Genehmigung der Werkleitung nach Schichtende aus Abfall gefertigt. Als im Sommer 1972 auch in Arad eine selbstständige deutsche Schule mit zwölf Klassen gegründet wurde, strömten die Eltern herbei, um Direktor Franz Straub und seiner Mannschaft bei der Renovierung und Ausstattung der Gebäude zu helfen. Mit solchen Beispielen könnte man ein Buch füllen. Die Studenten der Temeswarer Mathematik-PhysikFakultät wurden von ihrem Methodik-Lektor Julius Amberg zum passiven Praktikum in die Glogowatzer Allgemeinschule geschickt, um zu erleben, wie moderner Physikunterricht aussieht. Als aktive Freunde der Schulen traten die deutschsprachigen Zeitungen in Erscheinung, im Falle der Banater schulischen Einrichtungen die überregionale Tageszeitung „Neuer Weg“ (1949-1992, mit Sitz in Bukarest) und die in Temeswar redigierte Zeitung „Die Wahrheit“ (19571968), gefolgt von der regionalen Tageszeitung „Neue Ba-

117 nater Zeitung“ (1968-1993). Der in Warjasch tätige Lehrer Hans Tittenhofer, zeitweilig (1953-1959) Schulleiter an der dortigen Allgemeinschule, hat die deutschsprachige Presse mit Überzeugung „unsere Lobby“ genannt. Veröffentlicht wurden nützliche Informationen, Porträts von Lehrern, Berichte über Feste und Ausfahrten. Besonderen Erfolg hatten die von der „Neuen Banater Zeitung“ eingeführten Schülerseiten für Arad, Großsanktnikolaus, Hatzfeld, Lugosch und Reschitz sowie die monatliche Beilage „Lenau-Schüler-Stimmen“. Unzählige Male halfen die Chefredakteure den Schulen dank ihrer Beziehungen. Um einen Begriff zu vermitteln, wie viele Texte die deutschsprachige Presse der Schulproblematik gewidmet hat, zitiere ich eine Veröffentlichung der Zeitschrift „Volk und Kultur“ aus dem Jahre 1972. Die Zentrale Staatsbibliothek in Bukarest hat laufend alle Publikationen bibliografisch ausgewertet, auch die deutschen. Die Texte zur Schulproblematik wurden sorgfältig in nicht weniger als zwölf thematische Gruppen geordnet. „Volk und Kultur“ hat im November 1972 eine Übersicht abgedruckt, die vom 1. Januar 1971 bis zum 30. Oktober 1972 reicht, das sind 22 Monate. Es handelt sich um die Publikationen „Neuer Weg“, „Neue Banater Zeitung“, „KarpatenRundschau“, „Hermannstädter Zeitung“ (bzw. „Die Woche“), „Neue Literatur“, „Volk und Kultur“. Die Übersicht nennt mehr als 300 Texte vom Bericht aufwärts, d. h. vom Bericht bis zur Sonderseite. Es tauchen 60 Namen von deutschen Journalisten auf und mehr als 60 Namen von Mitarbeitern. Nun war im kommunistisch regierten Rumänien jede Zeitung, jede Zeitschrift entweder ausdrücklich das Organ einer Parteistelle (wie die „Neue Banater Zeitung“) oder sie wurde dessen ungeachtet (wie der „Neue Weg“)


118 von der Presseabteilung der Kommunistischen Partei angeleitet und von der Zensur kontrolliert. Die einmütige Unterstützung der Schulen durch die deutschsprachige Presse wurzelte in der Einsicht, dass dem Unterricht in der Muttersprache wesentliche Bedeutung für die Identität der Minderheit und für ihren Fortbestand zukommt. Hier ist ein Vermerk zur Einstellung von Organisationen fällig, die nicht aus Initiativen der deutschen Minderheit hervorgegangen, sondern auf Anweisung der politischen Führung gegründet worden sind: des Deutschen Antifaschistischen Komitees (1949-1953) und der Räte der Werktätigen deutscher Nationalität (1969-1989). Als wichtigste Aufgaben des Deutschen Antifaschistischen Komitees galten die Beseitigung der faschistischen Überbleibsel, der Kampf gegen das eigene Bürgertum, die Erziehung im Geiste der Verbrüderung mit dem Mehrheitsvolk und den anderen Minderheiten sowie die Aufbietung der Massen für die Erfüllung des Staatsplans. Mit einem Wort: sehr schwierige Aufgaben, doch schon nach vierjährigem Bestehen wurde das Komitee aufgelöst, angeblich weil das Nationalitätenproblem in der Rumänischen Volksrepublik im Geiste des proletarischen Internationalismus und der Verbrüderung der Werktätigen aller Nationalitäten gelöst worden war. In Wirklichkeit hatte sich das DAK als Hindernis für die Parteiarbeit erwiesen, indem es sich nicht nur um Schul-Angelegenheiten kümmerte (was mit dem Vorhaben der Industrialisierung übereinstimmte), sondern auch um andere Probleme: es bereitete die Rückgabe der im Jahre 1945 enteigneten Häuser und Gärten im ländlichen Raum vor – es setzte sich ein für das Recht, 1950 an den Volksratswahlen teilzunehmen – es bemühte sich, Arbeitsplätze für die Heimkehrer aus der Deportation zu finden – es unterstützte die Kulturarbeit in deutscher Sprache.

Rückblick Die „Räte der Werktätigen“ wurden vom Partei- und Staatschef Nicolae Ceauşescu erfunden. Nach dem Einmarsch der Ostblockstaaten in die Tschechoslowakei im August 1968 (an dem Rumänien nicht teilgenommen hatte) rief Ceauşescu die „Front der sozialistischen Einheit“ ins Leben (später „Front der sozialistischen Demokratie und Einheit“ genannt), die alle vorhandenen Organisationen und mehrere neue zusammenfasste. Die Abteilungen der „Front“ waren dazu bestimmt, die Menschen besser zu kontrollieren, zeitraubend zu beschäftigen und eine Entwicklung wie in der Tschechoslowakei, bekannt als „Prager Frühling“, zu verhindern. Im Oktober und November 1968 entstanden als neue Organisationen die „Räte“ der Minderheiten, unter diesen auch die Kreisräte und der (Landes-)Rat der Werktätigen deutscher Nationalität. Viele ihrer Mitglieder nutzten den gegebenen Rahmen, um das deutsche Kulturleben zu unterstützen. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass in den Jahren 1971-1972 vier Schulen – je eine in Kronstadt, Hermannstadt, Temeswar und Arad – als Einheiten mit ausschließlich deutscher Unterrichtssprache neu gegründet worden sind. Besondere Sympathie genossen die Lehrerbildungsanstalten. Nach dem Krieg entfalteten im Banat zwei deutsche Lehrerbildungsanstalten ihre Tätigkeit, eine in Temeswar und eine in Neuarad. Die „Deutsche Pädagogische Lehranstalt Temeswar“ hat von 1948 bis 1958 über 500 Lehrerinnen, Lehrer und Kindergärtnerinnen ausgebildet. In den Erinnerungen der Absolventen lebt sie als Musterschule fort, denn eine solche Ballung von hochbegabten und engagierten Lehrkräften hat es im Banat nicht mehr gegeben. Sie begeisterten ihre Schüler mit Erfolg für Literatur, Theater, Musik, Sport und Brauchtumspflege.


Rückblick Der erste Direktor, Dr. Stefan Binder (Deutsch), wurde 1956 zum Leiter des Lehrstuhls für deutsche Sprache an der neu gegründeten Pädagogischen Hochschule ernannt, aus der 1962 die Universität Temeswar hervorging. Dr. Maria Pechtol (Deutsch), Dr. Hans Weresch (Deutsch), Dr. Johann Wolf (Pädagogik, Logik und Psychologie) und Josef Zirenner (Deutsch) setzten ihre Tätigkeit am genannten Lehrstuhl der Universität fort. Friede Fuchs (Deutsch) wechselte von der Lehrerbildungsanstalt zum Lenau-Lyzeum und von dort zur Universität. Charlotte Gutmayer (Deutsch, Geschichte und Französisch) ging zum Fremdsprachen-Lehrstuhl des Polytechnischen Instituts, Gabriele Haivas (Russisch) nach einem Intermezzo als Schulinspektorin zum Slawistik-Lehrstuhl der Universität. Die Karriere von Josef Ackermann (Musik) gipfelte in seiner Arbeit als Dozent am Bukarester Konservatorium „Ciprian Porumbescu“. Anton Höckl (Sport) stieg nach einem Intermezzo als Direktor der Sportschule zum Dekan der Fakultät für Leibeserziehung auf, die der Universität angegliedert war. Dr. Peter Lamoth (Mathematik und Physik) promovierte 1965 zum Doktor der Physik und wurde 1967 zum Professor am Physik-Lehrstuhl der Elektrotechnik-Fakultät des Polytechnischen Instituts berufen. Ioan Géza Stoica (Rumänisch) bekleidete von 1958 bis 1964 das Amt des Dekans der Philologischen Fakultät der Universität und war zugleich Leiter des Lehrstuhls für rumänische Sprache und Literatur. Im Laufe der Jahre sind mehrere Bücher mit Erinnerungen der Absolventen erschienen, zuletzt (2012) der auf jahrelangen Recherchen fußende Band „Deutsche Pädagogische Lehranstalt Temeswar 1948-1958“ in der Gesamtredaktion von Katharina Schmidt. In Neuarad hatte die deutschsprachige Mittelsschule von 1950 bis 1955 den Status einer Lehrerbildungsan-

119 stalt. Sie entließ 1954 und 1955 je eine Serie von Grundschullehrern, insgesamt 77 Junglehrer. Deutsche Studenten Während unsere Historiker für jedes Jahr der Nachkriegszeit angeben können, wie viele Deutsche Rumänien legal verlassen haben, vermag keiner zu sagen, wie viele Deutsche im kommunistisch regierten Rumänien eine Hochschule absolvierten. Im Jahre 1962 sind aus dem kleinen Dorf Bakowa 15 Jugendliche an einer Hochschule angekommen – mehr Personen, als bis dahin insgesamt eine Hochschule besucht hatten. Die Bilanz der Gemeinde Deutschsanktpeter, wo 1944 noch 1.617 Deutsche gezählt wurden und 1977 nur mehr 1.019, sieht für die Zeit nach 1948 so aus: 10 Grundschullehrer, 6 Kindergärtnerinnen, 1 Sportlehrer, 13 Lehrer für Mathe-Physik, Sprachen, Geschichte und Musik, 17 Techniker, 17 Ingenieure, 5 Ärzte. Mit Sicherheit lag der Prozentsatz der deutschen Studenten etwas über dem Prozentsatz der Deutschen in der Gesamtbevölkerung (bei der Volkszählung 1966 rund zwei Prozent), deshalb dürfen wir annehmen, dass im Schuljahr 1960-1961 mehr als 205 Deutsche eine Hochschule absolvierten, und im Schuljahr 1968-1969 mehr als 478. Im Schuljahr 1971-1972 entfielen auf 10.000 Einwohner 75 Studenten. Freilich darf man diese Zahlen nicht auf 40 Jahre hochrechnen, einerseits weil das Hochschulwesen sich in den fünfziger und sechziger Jahren rasant entwickelte, andererseits weil die Gesamtbevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg langsam anwuchs, während der Anteil der Deutschen stetig schrumpfte, insbesondere nach 1970.


120 Detaillierte Angaben für das Schuljahr 1976-1977 finden sich in der Monografie von Monica Barcan und Bert Millitz: Von rund 100.000 Studenten insgesamt waren 1.965 Deutsche, und zwar • an Hochschulen mit pädagogischer Ausrichtung 843 (davon an Universitäten 763 und an dreijährigen pädagogischen Instituten 80); • an Kunstinstituten 41; • an technischen Hochschulen 725 (davon in Lehrgängen für Diplomingenieure 486, in Lehrgängen für Betriebsingenieure 236 und in Lehrgängen für Bauleiter 3); • an Hochschulen für Medizin und Pharmazie 193; • an Hochschulen für Landwirtschaft u. Tiermedizin 74; • an Hochschulen für Volkswirtschaft 75; • an Hochschulen für Rechtswissenschaften 14. Werfen wir noch einen Blick auf die Deutschlehrer. Laut Luzian Geier, vormals Redakteur der „Neuen Banater Zeitung“, haben zwischen 1948 und 1989 fünf Hochschulen (Bukarest, Klausenburg, Temeswar, Jassy, Hermannstadt) insgesamt knapp 6.000 Germanisten mit Deutsch als Hauptfach ausgebildet, und viele unter diesen waren Deutsche, freilich längst nicht alle. So wie die Absolventen der Lehrerbildungsanstalten – nach der Schulreform Temeswar und Schäßburg, später Hermannstadt – haben sich auch zahlreiche Deutschlehrer aktiv am Kulturleben beteiligt. Im kommunistisch regierten Rumänien verband sich die schulische Ausbildung mit einem System materieller Unterstützung. Alle Schüler der Berufsschule erhielten eine Art Monatslohn, viele Schüler der postlyzealen technischen Schulen und mehr als die Hälfte der Studenten ein Stipendium. Im Falle der technischen Schulen und der Hochschulen wurde die Zuwendung vom Einkommen der Eltern und von der Lernleistung abhängig ge-

Rückblick macht. So haben im Laufe der Jahrzehnte Millionen Jugendliche vom Staat ein Schulgeld erhalten, unter diesen auch Zehntausende Deutsche. Darum ist aber nicht weniger wahr, dass manchen Jugendlichen, sowohl Rumänen als auch Ungarn, Deutschen und Serben, der Zutritt zu gewissen Schulen und Berufen wegen ihrer sozialen Herkunft verwehrt worden ist. Ob wenige oder viele – für den Betroffenen und für dessen Familie war es eine Katastrophe. Ebenso wenig haben alle deutschen Studenten automatisch ein Stipendium bekommen. Beides war Teil der Wirklichkeit. Auch die Direktoren der Temeswarer Deutschen Lehrerbildungsanstalt, Stefan Binder und Fridolin Klein, wiesen manche Kandidaten mit dem Hinweis auf ihre soziale Herkunft ab. Um ihre Chancen beim geplanten Aufnahmewettbewerb an der Hochschule zu verbessern, haben sich fünf meiner Mitschüler im Lenau-Lyzeum nach der Matura im Jahre 1959 in eine Berufsschule für Dreher eingeschrieben, die von den Temeswarer Maschinenbauwerken (UMT) patroniert wurde, denn als Absolventen jener Schule zählten sie zu den Arbeitern. Ihre Rechnung ist aufgegangen. Erst Anfang der sechziger Jahre schaffte die Parteiführung die Einteilung der Hochschulkandidaten nach ihrer sozialen Herkunft ab, weil die Kinder der Parteifunktionäre ins entsprechende Alter gelangt waren und wegen der festgeschriebenen Bevorzugung der Kinder von Arbeitern und werktätigen Bauern zu kurz gekommen wären. Folgen der Industrialisierung und der Auswanderung Vor dem Zweiten Weltkrieg war der überwiegende Teil der Banater Deutschen mit der Landwirtschaft verschmolzen.


Rückblick Nach dem Zweiten Weltkrieg lösten sie sich immer mehr von der Landwirtschaft und wechselten zur Industrie über. Der letzte auffällige Akt dieses Vorgangs vollzog sich Ende der siebziger Jahre, als die Erdölindustrie in die Banater Heide vorrückte. Damals nahmen alle noch jungen Leute die Gelegenheit wahr, um sich durch einen Lehrgang für die Arbeit in der Industrie zu qualifizieren, die sich gewissermaßen vor der Haustür breit machte, weil die Bedingungen viel günstiger waren als in der Landwirtschaft: geregelte Arbeitszeiten, geringere physische Anstrengungen, Arbeit in wettergeschützten Räumen, hohes Gehalt und eine für Genossenschaftsbauern fantastische Rente. Während 1945 annähernd 75 Prozent der Rumäniendeutschen zur bäuerlichen Bevölkerung zählten, waren 1977 weniger als 20 Prozent in der Landwirtschaft tätig, dagegen war der Anteil der Industriearbeiter auf mehr als 60 Prozent gestiegen. Durch das stete Überwechseln zur Industrie, zum Handwerk und zur Dienstleistung hat sich die soziale Identität der Banater Schwaben im Laufe von mehr als drei Jahrzehnten verändert, genauso wie durch das Verschwinden der patriarchalisch geführten Einzelwirtschaften und die Arbeit in den vom Staat erzwungenen Kollektivwirtschaften bzw. auf den Staatsgütern. Auch ihr Bewusstsein hat sich verändert. Industrialisierung und Landflucht bewirkten unvermeidlich den allmählichen Zerfall der dörflichen Gemeinschaften, und eine der Folgen war die Überfremdung der deutschen Sprache durch die rumänische. Parallel dazu bewirkte die Auswanderung für das Bildungswesen und Kulturleben in deutscher Sprache einen ständigen Aderlass, der sich am deutlichsten in der Fluktuation der Lehrkräfte äußerte, aber auch die Redaktionen der deutschsprachigen Zeitungen und die zwei deutschen Theater waren betroffen. Die großen Chöre schmolzen

121 zusammen; der Rest des 1969 gegründeten SchubertChors von Temeswar löste sich 1987 auf. An die Stelle der ausgewanderten Lehrer traten immer öfter Rumänen, die des Deutschen nicht kundig waren. Seit den siebziger Jahren befanden sich die deutschen Klassenzüge in einer Existenzkrise, denn immer öfter wurden die oben genannten Mindestzahlen nicht erreicht, was die Menschen außerordentlich beschäftigte. In der Folge breitete sich in den Grundschulen der Simultanunterricht aus, während den Schülern des zweiten Zyklus nichts anderes übrig blieb, als in eine benachbarte Ortschaft zu pendeln oder sich in den rumänischen Klassenzug einzuschreiben. Ab 1985 wurden die fünf selbstständigen deutschsprachigen Lyzeen umstrukturiert, indem man in der I. Klasse und in den „Übergangsklassen“ V, IX und IX rumänische Klassenzüge eröffnete. Die verstärkte Auswanderung hat um 1970 begonnen, aber noch 19 Jahre später, als das kommunistische Regime zusammenbrach, lebten in Rumänien mehr als 200.000 Deutsche. Im Schuljahr 1979-1980 waren im Banat, d. h. in den drei Kreisen Temesch, Arad und Karasch-Severin, noch 13.290 Kinder in deutschen Klassen von Allgemeinschulen und Lyzeen eingeschrieben. Hans Fink, geb. 1942 in Temeswar studierte Germanistik und Rumänistik an der West-Universität Temeswar. 1965 zog er nach Bukarest und arbeitete bis 1991 als Redakteur bei der deutschsprachigen Zeitung Neuer Weg. Seine Fachgebiete waren die Bereiche Erziehung und Unterricht. Seit 1991 lebt er mit seiner Familie in Deutschland.


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Rückblick

Unsere Adam-Müller-Guttenbrunn Stiftung 25 Jahre erfolgreiches Wirken im Dienste der Gemeinschaft

Peter Krier

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ie Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung (AMGStiftung) ist eine Sozial- und Kultureinrichtung der Deutschen im Banat. Stifter der Einrichtung sind: das Demokratische Forum der Deutschen im Banat mit Sitz in Temeswar, die Landsmannschaft der Banater Schwaben mit Sitz in München und das Hilfswerk der Banater Schwaben mit Sitz in Ingolstadt. Die AMG-Stiftung wurde 1994 gegründet, sie hat ihren Sitz im AMG-Heim in der Gh. Lazar Str. Nr. 10 in Temeswar. Das Heim wurde auf einem Grundstück errichtet, dessen eine Hälfte die Stadt Temeswar der Stiftung zweckgebunden überlassen hat. Die zweite Hälfte des Grundstücks hat die Stiftung käuflich erworben. Erbaut und eingerichtet wurde das Heim mit Zuwendungen der Bundesrepublik Deutschland. Benannt wurden die Stiftung und das Heim nach dem bedeutenden banatschwäbischen Dichter, Schriftsteller und Kulturpolitiker Adam Müller-Guttenbrunn (1852-1923). Leiter der AMG-Stiftung ist seit ihrer Gründung vor 25 Jahren Helmut Weinschrott. Die in der AMG-Stiftung zusammengefassten Einrichtungen wurden gegründet zur Unterstützung hilfsbedürftiger Banater Deutscher, wobei nach Möglichkeit auch im Umfeld geholfen wird. Die Stiftung setzt sich auch ein zur Erhaltung der deutschen Kultur, insbesondere auch der deutschen Volkskultur im Banat. Die Kerntätigkeit der Stiftung bezieht sich jedoch auf die in ihrer Trägerschaft befindenden Altenheime und Sozialstationen, wobei sporadisch oder auch regelmäßig Hilfe an Personen außerhalb der Heime geleistet wird.

Das Demokratisches Forum der Deutschen im Banat Als in den letzten Dezembertagen des Jahres 1989 der in Temeswar ausgebrochene Aufstand die 44 Jahre dauernde kommunistische Diktatur beendete, gab es keine Strukturen der Deutschen in Rumänien. Nichts wurde von der Diktatur übernommen, deren Strukturen waren nicht brauchbar für eine neue, demokratische Gesellschaft. Erstaunlich schnell haben sich noch während der Revolution entschlossene deutsche Frauen und Männer zu einer Gruppierung zusammen gefunden und eine politische Interessenvertretung der Deutschen im Banat aufgebaut, die als Demokratisches Forum der Deutschen im Banat, in der Region, in den Gemeinden, auch im Lande für die deutsche Minderheit wirkt. Das Forum wurde die politische Organisation der Deutschen im Banat. Damit hatten die Deutschen im Banat wieder eine Stimme. Erschwert wurde die Aufbauarbeit der Foren zunächst dadurch, dass die Auswanderung der Deutschen aus dem Banat noch voll im Gange war. Im ersten Halbjahr 1990 sind 111.000 Deutsche aus Rumänien ausgewandert. Die Situation hat sich aber bald stabilisiert. Das Banater Forum konnte sich als politische, soziale und kulturelle Organisation der Deutschen im Banat etablieren. Erster Vorsitzender des Banater Forums wurde der Hochschullehrer Prof. Karl Singer, der diese Einrichtung 20 Jahre leitete. Ihm folgte an die Spitze des Banater Forums ab 2014 Dr. Johann Fernbach. Sitz des Banater und Temeswarer Forums ist das AMG-Haus, eigentlich die Zentrale der politischen, kulturellen und so­


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Abbildungen Hohe Gäste bei der Festveranstaltung zum 25. Jubiläum des AMG-Hauses und der verbundenen Sozialstationen am 14. Juni. Fotos: Zoltán Pázmány

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Abbildung Das weiß gestrichene AMG-Haus in der Bildmitte, Gh. Lazar Str. Nr. 10 in Temeswar. Rechts davon befindet sich der Botanische Garten, links die Piața 700 mit Resten der ehemaligen Prinz Eugen Bastion.


Rückblick zialen Aktivitäten der Deutschen im Banat. Im AMGHaus hat auch der Forumsabgeordnete im Rumänischen Parlament, Ovidiu Gant, seinen Sitz. Stärkend für den Aufbau des Demokratischen Forums der Deutschen und die Stabilisierung der im Banat verbliebenen deutschen Bevölkerung war der Besuch des damaligen deutschen Außenministers, Hans Dietrich Genscher, der kurz nach der Revolution die Deutschen in Temeswar besucht hat. Der damals zweithöchste deutsche Politiker hat in Temeswar versprochen, dass Deutschland die deutsche Minderheit in Rumänien unterstützen und Bleibehilfen gewähren werde, im sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich. Die gewährten Hilfen für den Kulturbereich vermittelt das Außenministerium, während die Wirtschaftshilfen von der Stiftung für Internationale Kooperation „Banatia“ vermittelt werden. Die Zuwendungen des Bundesinnenministeriums für die Altenheime und Sozialstationen wurden zunächst über das Hilfswerk der Banater Schwaben vermittelt. Seit 2017 hat die Gesellschaft „Baden-Württemberg International“ diese Aufgabe übernommen. Die Hilfen aus Spenden und Eigenleistungen vermittelt das Hilfswerk der Banater Schwaben. Erbaut und eingerichtet wurden die Heime und Sozialstationen der Stiftung vom Hilfswerk der Banater Schwaben. Das Hilfswerk der Banater Schwaben e.V. Viele alte Menschen im Banat waren infolge der Kriegsund Nachkriegsereignisse allein, hilflos und arm geblieben. Ihre Angehörigen waren verstorben, ausgesiedelt oder aus anderen Gründen nicht in der Lage, sie zu versorgen. Hilfe war gefragt. Schon 1979 wurde im Landes-

125 verband Bayern der Landsmannschaft ein Sozialreferat eingerichtet. Es wurden Spenden gesammelt, Kontakte zu anderen Sozialeinrichtungen, Caritas, Rotes Kreuz und Diakonie geknüpft, die Hilfsmittel für die Landsleute im Banat bereitstellten. Weitere Mittel wurden durch Werbeaktionen der Landsmannschaft gesammelt. Die Hilfspakete wurden im Banat sehr dankbar angenommen, doch die große Not wurde damit nicht gelindert, denn in den letzten 10 Jahren der Ceausescu-Diktatur hatte sich die Versorgung der Bevölkerung im Banat sehr verschlechtert. Es gab Armut und Not. Lebensmittel gab es nur mangelhaft, in den Städten war die Lieferung von Wasser und Strom rationiert. Zur besseren Organisation der Hilfen wurde im November 1985 vom Bundesvorstand der Landsmannschaft das Hilfswerk der Banater Schwaben gegründet. Zum ersten Vorsitzenden des Hilfswerks wurde Helmut Schneider gewählt, Stellvertreter wurde Peter Krier. Helmut Schneider ist es gelungen, in kurzer Zeit ein gut organisiertes Hilfswerk aufzubauen, das 1989 als selbständige Hilfsorganisation beim Amtsgericht Schwabach eingetragen wurde. Das Hilfswerk erwarb sich in kurzer Zeit das Vertrauen der Behörden und wurde vom Deutschen Bundesinnenministerium mit dem Einsatz der deutschen Zuwendungen im Banat beauftragt. Als dann an den Weihnachtstagen 1989 die Diktatur gestürzt wurde, war das Hilfswerk gerüstet, verfügte über einen guten Fuhrpark, gut ausgestattete Packungsund Verteilerräume und eine starke Gruppe ehrenamtlicher Helfer. Nach Helmut Schneider folgten Peter Krier und Hans Metzger als Vorsitzende des Hilfswerkes, zur Zeit leitet Nikolaus Rennon das Hilfswerk der Banater Schwaben.


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Rückblick Sozialprojekte

Beim Hilfswerk hat man schnell erkannt, dass man dort, wo wirklich Armut herrscht, mit Paketverteilen keine dauernde Lebenshilfe leisten kann. Es wurde klar, dass Einrichtungen für dauernde Hilfe benötigt werden. Nachdem bekannt wurde, dass die Bundesregierung größere Finanzmittel als Bleibehilfen für die in der Heimat verblieben Deutschen bereitstellen würde, hat das Hilfswerk ein Projekt für die Schaffung von Dauereinrichtungen zur Unterstützung Hilfsbedürftiger entwickelt. Es gelang dem Hilfswerk, die einmalige Chance zu nutzen, dem Konzept wurde zugestimmt, sowohl beim Bundesinnenministerium als auch bei der Stadt Temeswar. Wir konnten das Projekt „Einrichtungen der Altenhilfe im Banat“ starten. Projektentwickler, Projektleiter und Motor des Konzepts war Helmut Schneider. Neben den finanziellen und bautechnischen Aufgaben waren fast unzählige bürokratisch-rechtliche Hindernisse zu bewältigen, zumal das Installations- und Einrichtungsmaterial über drei Grenzen aus Deutschland gebracht wurde. Erschwerend war auch der häufige Wechsel an der Rathausspitze. Seitens des Bauherrn hat Helmut Weinschrott die Arbeiten überwacht. Altenheim Bakowa Das erste Altenheim der AMG-Stiftung wurde in Bakowa eingerichtet. Die Stadt Busiasch überließ im Februar 1991 dem Bakowaer Forum ein leer stehendes Bauernhaus, das generalrenoviert, erweitert und zweckentsprechend eingerichtet wurde. Die ersten 17 Bewohner des Heimes zogen schon nach sieben Monaten Bauzeit,

im September 2001, in das erste Altenheim der Rumäniendeutschen. Das Heim ist seit seiner Eröffnung stets voll belegt und unterstützt mit „Essen auf Rädern“ weitere 40 Bewohner des Ortes. Weitere 40 Mahlzeiten werden im Hause, im Auftrag der „Arbeitsgemeinschaft Berchtesgaden hilft Rumänien“, an Schüler ausgegeben. Leiterin des Altenheimes Bakowa ist seit der Gründung Anni Weinschrott, die auch die Buchhaltung der Stiftung führt. Altenheim Sanktanna Das nächste Altenheim der AMG-Stiftung konnte 1994 in einem früheren Kloster in der Kleinstadt Sanktanna eingerichtet werden. Das Heim bietet 40 Plätze und auch dort werden weitere 20 Personen außerhalb des Hauses mit „Essen auf Rädern“ versorgt, ein Teil von ihnen sind Selbstabholer. Auch das Heim in Sanktanna versorgt eine Gruppe von 15 Kindern an Schultagen mit einer warmen Mahlzeit. Das Heim in Sanktanna verfügt über eine schöne Hauskapelle. Sehr schön ist auch der Hof voller Blumen, mittendrin eine Mariengrotte. Wie in Bakowa auch, sind viele Heiminsassen ehemalige Dorfbewohner oder Menschen aus der Umgebung, die sich unter Ihresgleichen wohlfühlen. Medizinisch werden die Heimbewohner durch eine im Hause teilzeitbeschäftigte Ärztin versorgt. Die Bewohner des Heimes werden religiös durch den Stadtpfarrer betreut. Heimleiter des Heimes in Sanktanna war zunächst Anton Schauer, seit über 20 Jahren leitet nun Anna Macarie das Heim in Sanktanna.


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Für die dritte Einrichtung der AMG-Stiftung wurde 1994 zunächst ein altes Haus in Großsanktnikolaus angemietet. Erst 2004 konnte dann ein Haus in der Stadtmitte erworben werden, in das nach der Sanierung die Sozialstation Großsanktnikolaus und das Demokratische Forum der Deutschen in Großsanktnikolaus einziehen konnten. Dies erleichtert die Arbeit der Leiterin der Sozialstation, Dietlinde Huhn, die auch das Demokratische Forum der Deutschen in Großsanktnikolaus leitet. Das Heim wurde 1994 eröffnet. Die Sozialstation in Großsanktnikolaus betreut ambulant 20 bedürftige Personen und liefert ihnen „Essen auf Rädern“. In der Station ist eine gut ausgebildete Altenpflegerin tätig, ferner besteht ein Vertrag mit einer Ärztin, die, bei Bedarf, von der Sozialstation betreute Kranke besucht und medizinisch versorgt. Kulturell verfügt das Forum in Großsanktnikolaus über eine Jugendtrachtengruppe und einen gemischten Chor. Im Forum finden häufig verschiedene Kulturveranstaltungen statt, an denen die Bevölkerung der Stadt teilnimmt. Sozialstation Billed Im Dezember 1994 konnte in der Heidegemeinde Billed in einem erworbenen großen Bauernhaus eine zweite Sozialstation der AMG-Stiftung eingerichtet werden. Das Haus wurde sehr baufällig übernommen und musste vor der Einrichtung aufwendig renoviert werden. Im gleichen Haus hat auch das Demokratische Forum der Deutschen in Billed seinen Sitz. Beide Organisationen ergänzen sich bei ihrem Einsatz. In Billed werden 22 Bewohner täglich besucht, ihnen wird vielfältig geholfen. Den alten

bedürftigen Menschen wird nach Möglichkeit auch im Haushalt geholfen, sie werden mit Medikamenten versorgt und bei Bedarf zum Arzt gebracht, oft organisiert die Sozialstation bei alleingebliebenen Verstorbenen auch deren Beerdigung. Im Sommer 2015 wurde in Billed ein Heimat- und Brauchtumsmuseum eingerichtet, das sich vieler Besucher erfreut. Das Forum ist ein Kultur- und Begegnungszentrum der Deutschen in Billed, das oft bewundert wird. Adam Csonti hat die Renovierung des heruntergekommen Hauses geleitet und das Demokratische Forum der Deutschen in Billed gegründet. Während Adam Csonti nun schon 25 Jahre das Forum leitet, führt seine Frau Roswitha Csonti die Sozialstation in Billed ebenfalls seit 25 Jahren. Adam Müller-Guttenbrunn-Heim Am 31. Mai 1990 berichtet die Neue Banater Zeitung vom Besuch Helmut Schneiders in Temeswar und dessen Verhandlungen mit der Stadt über ein Grundstück für den Bau eines weiteren, größeren deutschen Altenheimes im Banat. Das Heim in Temeswar sollte mit einem Kulturzentrum verbunden werden. Die Verhandlungen waren sehr schwierig, das Projekt stand mehrmals vor dem Scheitern, doch letztlich konnte sich Helmut Schneider, unterstützt durch den deutschen Botschafter, Dr. Klaus Terflot, durchsetzen. Die Stadt überließ dem Forum ein entsprechendes Grundstück in der Stadtmitte. Der Bau des fünfgeschossigen Hauses verlief recht zügig. Schon nach nur zwei Jahren Bauzeit konnte das Heim am 5. Mai 1994 von Bischof Sebastian Kräuter, in Anwesenheit hoher Gäste, geweiht werden. Zur Eröffnung des AMGHauses waren neben wichtigen rumänischen Vertretern


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aus Gesellschaft und Politik auch aus Deutschland hohe Gäste angereist, unter ihnen der Parlamentarische Staatssekretär Horst Waffenschmidt, Beauftragter der Bundesregierung für Fragen der deutschen Minderheit. Mit der Eröffnung des Heimes hat Helmut Weinschrott die Leitung der AMG-Stiftung übernommen. Das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus besteht neben dem eigentlichen Altenheim aus einem Kultur- und Verwaltungstrakt. Das Heim, in dem 80 alte, hilfsbedürftige und pflegebedürftige Menschen leben, ist nach westdeutschem Niveau ausgestattet. Neben gut ausgebildeten Pfleger/innen verfügt das Heim über ein Dentalkabinett und eine Arztpraxis zur Behandlung der Bewohner im Haus. Im Heim befindet sich auch ein Medikamenten-Service, der von der HOG Temeschburg beliefert wird. Die Einrichtung ist in vielen Bereichen Selbstversorger. So sorgt die modern eingerichtete Küche des Hauses für gute und gesunde Verpflegung für die Bewohner im Hause. Mit der Einrichtung „Essen auf Rädern“ liefert die Küche Mahlzeiten an 100 bedürftige Personen in der Stadt Temeswar. Auch im haustechnischen Bereich ist das Haus weitgehend Selbstversorger. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein Nach diesem Bibelspruch hat Helmut Weinschrott mit seinem Team das Funktionskonzept des AMG-Heimes ausgerichtet. Die Bewohner sollen nicht nur leiblich versorgt sein, sondern sich wohlfühlen in einem ihnen vertrauten Umfeld. Im Hause wird viel Wert auf persönliche Betreuung und gruppenweise Beschäftigung gelegt. Die Bewohner nehmen an Gymnastikübungen teil, es finden regelmäßig Bastelnachmittage statt, es wird gemeinsam gesungen, gelesen, vorgetragen, es werden Feste gefeiert.

Die Bewohner nehmen, je nach persönlicher Möglichkeit, am Gemeinschaftsleben im Heim teil. Ein Leitsatz des Hauses im Umgang mit den Bewohnern lautet: „So viel Selbständigkeit wie möglich, so viel Hilfe wie nötig“. Im Heim werden die Bewohner auch religiös betreut, alle kirchlichen Feste von Neujahr bis Silvester werden unter Mitwirkung der Bewohner gestaltet und gefeiert. In der Hauskapelle werden sonntags und feiertags Gottesdienste gefeiert. Auch die Verabschiedung der Verstorbenen erfolgt mit einer entsprechenden Feierlichkeit im Heim. Die religiösen Veranstaltungen werden von Ignaz Fischer geleitet. Helmut Weinschrott beschreibt das Leben im Heim wie folgt: „Es ist in der Welt ein Heim und im Heim eine Welt.“ Kulturtrakt Im Kultur- und Verwaltungstrakt des AMG-Hauses befindet sich der Carl-Singer- Festsaal. Der Anbau mit dem Festsaal war Weitsicht von Helmut Schneider. Das AMG-Haus mit dem schönen Saal ist mittlerweile ein in der Stadt anerkanntes und bekanntes Kulturzentrum geworden. Das Foyer des Saales ist dauernd ausgebucht für verschiedene Ausstellungen, im Saal finden verschiedene Kulturveranstaltungen statt, Tagungen, auch internationale Tagungen zu verschiedenen Themen, es werden Konzerte geboten und es finden Buchvorstellungen statt. Im Kultur- und Verwaltungstrakt befinden sich eine große Bibliothek und Räumlichkeiten für kleinere Veranstaltungen. Hier hat auch das Demokratische Forum der Deutschen im Banat seinen Sitz wie auch das Temeswarer Forum. Ferner hat dort der Verein der ehemaligen Russ-


Rückblick landverschleppten seinen Sitz, auch das Jugendforum, wie weitere acht Kulturgruppen, ihre Zentrale. Die Kulturarbeit im Hause wird von Edith Singer koordiniert. Erfolgreich und gesellschaftlich anerkannt Als die Initiative zum Bau des AMG-Heimes gestartet wurde, gab es auch Bedenken, ob sich eine so große Einrichtung mit den gegebenen finanziellen Möglichkeiten werde halten können und die Erwartungen erfüllen kann. Bedenklich war auch die Koppelung Altenheim und Kulturzentrum. Mittlerweile hat es sich gezeigt, dass die damalige Entscheidung richtig war. Heute schauen wir auf 25 Jahre Adam-Müller-Guttenbrunn- Stiftung zurück. Es sind erfolgreiche Jahre. In der Einrichtung haben während dieser Zeit über 500 alte, allein gebliebene Menschen ihren Lebensabend, wohl versorgt, würdevoll im Kreis unserer Gemeinschaft verbracht. Die Einrichtung „Essen auf Rädern“ lieferte in dieser Zeit täglich 400 Essen an bedürftige Landsleute. Im Haus haben in diesen 25 Jahren unzählige Kulturveranstaltungen stattgefunden. Das Haus erfreute sich in dieser Zeit vieler Besucher, darunter gesellschaftlich sehr hochgestellter Persönlichkeiten, die sich lobend über die gebotene Versorgung der Bewohner und über die Ordnung im Hause äußerten. Das AMG- Heim ist eine Vorzeigeeinrichtung in der Stadt und in der Region, das mit seiner Leistung hohes Ansehen genießt. Das Heim ist ein Beweis der Eigeninitiative und Solidarität der Deutschen im Banat, ein Beweis der Fürsorge Deutschlands für die im Banat verbliebenen Deutschen und auch ein Beleg unserer Akzeptanz durch die Stadt, den Landkreis und den rumänischen Staat.

129 Mehr als ein Heim Wer durch den Haupteingang des Hauses das große Foyer betritt, steht vor dem Einwanderungsbild Stefan Jägers. Das monumentale Gemälde stellt das geschichtliche Werden der Banater Schwaben dar. Adam Müller-Guttenbrunn, der dieser Volksgruppe das Bewusstsein einer eigenen Ethnie gab, finden wir gleich zweimal in dem Saal, als Gemälde von Franz Ferch, der ihn als Lehrer und Wegweiser darstellt und als in Bronze gegossene Büste, gestaltet von Walter Andreas Kirchner. Beim Gang durch das mit Bildern und Blumen ausgeschmückte Haus begegnen wir gepflegten, wohlversorgten alten Menschen, die anders gekleidet sind als Jägers Einwanderer, die sich aber in der Kontinuität derer befinden, die Jäger in seinem großen Bild gemalt hat. Wer durch die sauberen Gänge bis zum Dachgeschoss des Hauses geht, findet dort das von Helmut Weinschrott liebevoll eingerichtete Heimatmuseum: Möbel, Trachten, Handarbeit, Haushaltsgeräte, Arbeitsgeräte. In zwei Nebenräumen befinden sich Fotoausstellungen zur jüngeren Geschichte der Banater Deutschen, eine über die Verschleppung zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion (19451949) und eine zur Deportation in die Baragansteppe (1951-1956). In einem weiteren Raum sind Fotos aller gewesener Bewohner des Heimes ausgestellt. Wer von diesem Raum aus gedanklich einen Bogen spannt, kommt mit der einen Seite über das Einwanderungsbild Jägers bis zum Rhein und mit der anderen Seite ostwärts bis zum Donetz, mittendrin liegt unsere Geschichte. Dieses Haus ist Teil unserer Geschichte im 20. Jahrhundert.


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Hohe Gäste zum 25. Jubiläum der Sozialstation Werner Gilde

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s war Donnerstag und schon 10:30 Uhr, als, zusammen mit Norbert Müller, wir uns auf den Weg von Karlsruhe nach Billed machten. Der Zweck war, am 25. Jubiläum des AMG-Hauses und der verbundenen Sozialstationen am Freitag, dem 14. Juni, und an der 14. Auflage der Heimattage der Banater Deutschen in Temeswar, am 15. und 16. Juni 2019, sozusagen als Vertreter der HOG Billed teilzunehmen. Zu den Veranstaltungen gehörte auch ein Besuch der offiziellen Persönlichkeiten in unserem Heimathaus am 14. Juni. Unter den Gästen befanden sich Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Barbara Stamm, Landtagspräsidentin a.D., Sylvia Stierstorfer, Beauftragte der Baye-

rischen Landesregierung für Aussiedler und Vertriebene, Ovidiu Ganț, Abgeordneter des DFDR im Rumänischen Parlament, Peter Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Nikolaus Rennon, Vorsitzender des Hilfswerks der Banater Schwaben, Peter Krier, Ehrenvorsitzender des Hilfswerks der Banater Schwaben, u.a.m. Nach einer Führung von Adam Csonti durch unsere Heimatausstellung wurden die Gäste im Speisesaal und im Hof bewirtet. Das gemütliche Zusammensein dauerte bis spät in die Nacht. Zu dem Traditionsfest in Temeswar am 15. und 16. Juni sind rund 800 Mitwirkende aus dem Banat und Deutschland angereist, darunter 3 Blaskapellen und 14 Trachtengruppen.


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Abbildungen Links: Warten in der Gartenlaube auf die Gäste, die nach dem Festessen im AMG-Haus mit Bussen am späten Nachtmittag in Billed eintreffen werden. Oben: Gruppenfoto mit den hohen Gästen im Speisesaal des Heimathauses. Fotos: Werner Gilde


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Abbildung Peter Krier erläutert die kleine Bildergalerie im Speisesaal mit Reproduktionen von Gemälden der Banater Maler Stefan Jäger und Franz Ferch.


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Abbildung Weitere G채ste und Landsleute, f체r die im Hof B채nke und Tische aufgestellt worden sind, werden mit Fleischgerichten vom Grill und Getr채nken bewirtet.


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Abbildung Angehörige der Trachtengruppe der Billeder Heiderose bei den Heimattagen der Banater Deutschen am 15. Juni 2019 in Temeswar beim Festumzug auf der Piața Libertății (früher Paradeplatz) Foto: Zoltán Pázmány

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Stefan-Jäger-Preis für Andreea Lăpugean

Laudatio von Edith Singer

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ch kenne Andreea schon als kleines Mädchen mit geflochtenen Zöpfen, das mit Leidenschaft tanzte und mit Stolz die banatschwäbische Tracht trug. Das hat sich bis heute nicht geändert. Ihre schwäbische Ader kommt von ihrer Großmutter aus Billed, die sie die ersten deutschen Kinderlieder lehrte. Andreea, geboren 1989 in Temeswar, hat die NikolausLenau-Schule besucht und danach ihr Studium an der Ludwig-Maximillian-Universität München, Fachbereich Chemie-Biologie begonnen. Danach kehrte sie 2009 nach Temeswar zurück, wo sie ihr Studium an der Hochschule für Chemie und Umweltwissenschaften an der Technischen Universität Temeswar fortgesetzt hat. Auch nach dem Magisterstudium im Bereich Umweltschutz hat sie nicht lockergelassen und im selben Bereich ihren Doktor gemacht. Ihre Forschungen und Ergebnisse in diesem Bereich haben der jungen Wissenschaftlerin an der Technischen Universität und auf internationaler Ebene Anerkennung gebracht. Es sei auch gesagt, dass sie an der Lenau-Schule mit viel Hingabe Chemie unterrichtet. Im Gemeinschaftsbereich können wir vermerken, dass sie im Jahr 2000, mit elf Jahren, Mitglied des Jugendtrachtenvereins „Banater Rosmarein“ wurde, was ihre Zukunft geprägt hat; heute ist sie nämlich Tanzleiterin bei den Rosmareinern. Wenn Andreea zwischen ihren Tänzern weilt, leuchten ihre Augen. Mit Wissen, Geduld und Ausdauer bringt sie den Jugendlichen die ersten Walzerund Polkaschritte bei und freut sich mächtig mit ihnen über jeden gelungenen Auftritt. Sie ist nicht nur eine gute Tanzleiterin. Seit Jahren wirkt sie aktiv beim Deutschen Forum der Banater Jugend mit – als Referentin oder Lei-

Andreea Lăpugean, hier bei der Preisverleihung im Opernsaal anlässlich der Heimattage der Banater Schwaben, hat Billeder Wurzeln mütterlicherseits. Foto: Zoltán Pázmány terin verschiedener Jugendprojekte, Seminare, Tagungen. Sie ist stets bestrebt, den Jugendlichen die Banater Geschichte, ihre Traditionen, das Volksgut nahezubringen. Ihr Wesen, ihre Art machten Andreea zu einer beliebten und anerkannten Referenzfigur für die Jugendlichen und für ihre Schüler. Andreea ist die junge Frau, die beweist, dass sie durch Arbeit, Beständigkeit und Leidenschaft ein guter Freund, eine wundervolle Kollegin und ein bedeutendes Mitglied der deutschen Gemeinschaft im Banat ist. Wegen all dieser Gründe hat der Vorstand der Stefan-Jäger-Stiftung beschlossen, in diesem Jahr den Stefan-Jäger-Preis an Andreea Lapugean zu verleihen. Liebe Andreea, ich darf dich nun als Erste zu diesem Anlass beglückwünschen..


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Seniorentreffen zwischen Sonnenschein und Sturm Elisabeth Martini

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ie geplant, veröffentlicht und vorbereitet, fand das Billeder Seniorentreffen am 24. April im Haus der Heimat Karlsruhe statt, konnte aber nur eine immer kleiner werdende Gruppe von treuen Teilnehmern vereinen. Traditionell getrennt an zwei Tischen: doppelt so viele Frauen (12) als Männer (6), weil angeblich die besprochenen Themen geschlechtsspezifisch sind. Der Teilnehmerverlust war umso „schmerzhafter“, weil diesmal sogar der „immrige Hauptorganisator“, Sepp Herbst, schweren Herzens fernbleiben musste, da er zur periodischen Behandlung im Krankenhaus weilt. Ihm ließen alle Anwesenden durch seine liebe Frau Lissi Genesungswünsche überbringen. Vieles war auch diesmal wie immer: Kaffee, Kuchen (lecker und mehr als genug), Getränke nach Wunsch; Gespräche über dies und das, Anekdotenhaftes, Witze (knapp an der Gürtellinie), erzählt von Billeder Seniorinnen. Der Gedichtevortrag von Elisabeth Lukhaub stimmte heimatlich-wehmütig, nachdenklich... Doch das Tüpfelchen auf das I setzte die wieder aus München angereiste Hedi Frick, der das Herbsttreffen 2018 so gut gefallen hatte, dass sie wiederkam und auch versprach, nach Möglichkeit, auch im Herbst dabei zu sein. Könnte das, unter Umständen, vielleicht auch manchen Karlsruher und „Billeder“ aus der Umgebung ein bisschen die Bequemlichkeit vergessen lassen? Hedi Frick ist nicht nur ein Gewinn, was gute Stimmung verbreiten betrifft, sie bemüht sich als Sächsin, nicht nur den Billeder Dialekt zu verstehen, sondern auch lautgerecht zu sprechen, was nicht immer leicht ist.

Die große Überraschung bot sie jedoch dadurch, dass sie sich ans Harmonium setzte und mit Gefühl und Können die für uns vorbereiteten Stücke zum Besten gab, mit immer mehr Selbstsicherheit, getragen vom Applaus der Anwesenden: „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ von Carl Zeller, „Walzer“ von Franz von Suppe‘, „Ungarischer Tanz Nr 4“ von Johannes Brahms, „Capriccio Italian“von Peter Tschaikowsky, „Aufforderung zum Tanz“ von Carl Maria von Weber u. a. Das Besondere daran war, dass es das Ergebnis eines intesiven Selbststudiums und unermüdlichen Übens ist, was im fortgeschrittenen Alter nur wenige schaffen, denen wir jedoch gern applaudieren! Die gute Stimmung ließ uns ganz die Wetterprognose vergessen, dass auf wunderbares Frühlingswetter – auch die Kastanien blühten schon – Sturm im Kommen war. Die nicht per Auto unterwegs waren, erreichten durchgepeitscht die Straßenbahn, die alle gut nachhause brachte, zumal es dann mit dem Unwetter gar nicht so schlimm war. Hoffentlich kommen viele zum Billeder Pfingsttreffen, wo dann auch das Herbsttreffen der Senioren anberaumt und jedes Wiedersehen entsprechend gelebt, gefeiert wird. Herzlichen Dank an die Organisatoren des Treffens Leni und Jakob Muttar und Frau Andrea Bauer. Termine 2020: 22. April 2020 23. September 2020


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Herbst-Treffen der Karlsruher-Senioren und Gäste Elisabeth Martini

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rüher hieß das Treffen „Billeder unr sich“, was diesmal ein bisschen anders war. Ein Wariascher / Totinaer war als Gast dabei, zumal er sonntags mit den Billeder Männern eben da, im Haus der Heimat, Karten spielt. Die Frauen überraschte sein Erscheinen, aber dann, informiert über die Identität des Fremden, nahmen sie ihn freundlich in die Runde auf. Wie gewöhnlich war auf den Tischen alles zum Wohlfühlen da: Kaffee, Kuchen, Kipfel und die verschiedensten Getränke. Außerdem waren alle – 13 Frauen und 6 Männer – mit bester Laune da, begrüßten sich mit einem Lächeln, Fragen und Neuigkeiten. Am stürmischsten wurde Sepp Herbst begrüßt, der trotz mancher Unpässlichkeit, immer gern dabei ist, wenn die Gemeinschaft sich trifft. Jakob Muttar begrüßte als Organisator alle recht freundlich und wünschte einen unterhaltsamen Nachmittag, während seine Frau Leni für die Verköstigung sorgte. Auch dabei – wie schon zweimal davor – war Hedi Frick aus München, gewissermaßen Gast, aber auch adoptierte Billederin, die mit Freude und Begeisterung über ihre Aufenthalte in Billed erzählt und immer besser den Billeder Dialekt spricht. Über „künstlerische Hemmungen“ hinweggehend, spielte sie auch diesmal, zur Freude der Anwesenden, eingeübte Stücke, einige recht anspruchsvoll. Der Applaus war ihr sicher, und wir hoffen, dass sie uns noch öfter mit ihrem Spiel beehrt. Da nun bei diesen Billeder Klein-Zusammenkünften nur Dialekt gesprochen wird, fand Elisabeth Martini es passend, auf die Rolle der Großeltern in der Weitergabe des Dialekts an die Enkel und Urenkel hinzuweisen, in-

dem sie auf die von Lothar Blickling aus Großsanktnikolaus initiierte Aktion hinwies, das meist in deutsche Mundarten übertragene Kinderbuch „Der Struwwelpeter“ auch ins Billedrische zu übertragen. Dadurch sind etwa 40 Banater Mundarten in den 9 Ausgaben vertreten, je 4/5 in jeder Ausgabe. Billed mit Bakowa, Deutschbentschek und Engelsbrunn in der zweiten Ausgabe von 2014. Krankheitshalber kann L. Blickling leider das gesammelte Material nicht weiter betreuen, was er und wir bedauern, denn, wie schon Goethe hinterließ, ist es der Dialekt, woraus die Seele ihren Atem schöpft. Die vier von E. Martini billedrisch vorgetragenen Struwwelpeter-Geschichten gefielen, zumal die Vortagende ihre persönliche Liebeserklärung an die eigene Mundart so formulierte: „Mei Pilledrisch, mei Mundaart on mei Mottrschproch es anerscht wi ti anre, awer scheen es se toch, aa wann mr kschpott kenn, iwer ons aa lacht, ons tas wenich schteert on aa neks ausmacht. On wann mr was net welle, noh saan mr änfach „Näh!“ on schteen, wann‘t reent, met äm Pään em Pilleder Lähm.“ Mer ehre onser Pilledrisch, mer schreiwe, rede kääre, well onsre Eltre waare onser erschte, peschte Lähre“. Zum Abschied schlussfolgerte Hedi Frick: „Andere gehen, um Kraft zu tanken, ins Kloster, in die Einsamkeit. Ich tanke hier (im Kreise der Billeder) Kraft, die ich bis zum nächsten Mal brauche.“ Dazu gab sie eine sogenannte Weisheit weiter: „Gottes beste Gab‘ ist der Schwab‘“ und ergänzte – bedingt durch die Erfahrung - “Für uns der Banater Schwab‘“.


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Bootsrundfahrt um die Halbinsel Sirmione. Foto: Cornel Gruber


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Am Gardasee im Frühling

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m frühen Morgen des 29. Aprils trafen sich 84 Reisefreudige, um im bequemen, modernen Reisebus der Firma Mayer-Reisen zum Gardasee aufzubrechen. Der Gardasee ist der drittgrößte See Europas, nach dem Balaton- und dem Bodensee. Die Fahrt ging vorbei an Stuttgart, Ulm, Innsbruck, über den Fernpass (es schneite), bis wir nachmittags unser Ziel, Garda am Gardasee, erreichten. Und schon waren wir im Süden: Sonne, Wärme, blühender Holunder und Klatschmohn, Weinreben und Olivenbäume soweit das Auge reichte, duftende Akazien und blühende Zitronenbäume. Das frühlingsfrische Grün duftete. Herrlich! Am zweiten Tag besuchten wir das unbekannte Juwel Trient (Trento), Hauptstadt der Region Trentino, Renaissancestadt im Herzen der Alpen. Durch die Völkerwanderung entstand im frühmittelalterlichen Italien das Herzogtum Trient. Es wurde von den Kelten gegründet und später von den Römern erobert (Tridentum). Trient hat heute eine renommierte staatliche Universität und ist eine Stadt mit einem großartigen architektonischen Erbe. Wir fuhren mit der Seilbahn zum Belvedere von Sardagna hoch und haben die Stadt, die einem zu Füßen liegt, von oben betrachtet. Die Aussicht war ein Augenschmaus! Sodann machten wir einen Spaziergang zu den Plätzen und Palazzi der Altstadt: zum Dom, zum schönen Platz mit dem Neptunbrunnen, durch Gassen mit fres-

Elisabeth Jung

kengeschmückten Fassaden und Türmen, weiter bis zum Schloss (Castello del Buonconsiglio), ehemalige Residenz des Bischofs von Trient, heute ein Museum. Zum Abschluss des Stadtbummels gab es einen Insalata Caprese mit einem spritzigen Trento doc und schließlich die Rechnung. Diese enthält im Restaurant stets ein sogenanntes ,,coperto“, d.h. man bezahlt immer das „Gedeck“ mit, ein bis zwei Euro pro Person, da die Italiener im Allgemeinen kaum oder nur wenig Trinkgeld geben. Am Nachmittag ging es zur Sektkellerei Ferrari in Trient. Diese wurde 1902 von Giulio Ferrari gegründet,dem es -besessen vom Qualitätsgedanken- gelang, durch Flaschengärung einen Wein mit einer besonders feinen Perlage herzustellen. Auch heute noch findet die zweite Gärung in den Flaschen statt, dabei ruhen diese in völliger Dunkelheit und Stille in den riesigen Kellern, mindestens zwei Jahre für einen Ferrari Brut, fünf Jahre für einen Ferrari Perle und 7 bis 10 Jahre für einen Giulio Ferrari Riserva del Fondatore. Zeit und Geduld bringen besondere Aromen und Düfte hervor, welche den Ferrari zum weltweiten Botschafter italienischer Lebensart und Lebenskunst machen. Nach der Besichtigung wurden wir alle zur Verkostung eingeladen und es gab die Möglichkeit, den Ferrari zu kaufen. Am dritten Tag machten wir eine gemütliche Panoramafahrt entlang der Küste, von Garda mit dem Linienschiff, an das Südufer des Sees, bis in den Hafen von Sirmione, eine Halbinsel , die als „Augapfel aller Halbinseln“gilt.


142 Am Hafen befindet sich die von Wasser umgebene Scalierburg. Nur über die Zugbrücke gelangt man über die tiefen Wassergräben in die Burg und in die Ortschaft (Sirmione). Die wehrhafte Burg mit den typischen Schwalbenschwanzzinnen bot dem Hafen Schutz. Wir besuchten die Altstadt mit ihren engen Gassen, ruhigen Plätzen, Boutiquen, Antiquitätenläden, Osterias, einfachen Trattorias, Cafe‘s und edlen Ristoranti, sowie die Kirche Santa Maria Maggiore, etwas abseits des Zentrums. Es war der erste Mai, ein warmer, sonniger Frühlingstag und entsprechend viel los auf den Straßen. Hier wartete auf uns das typische Dolce Vita Italiens:das gute Essen, bestes Olivenöl, herrlicher Käse, feine Süßigkeiten und köstliches Eis. Die Zitronen begleiteten auf feinste Weise die Fischgerichte, auch die leichten Weine aus Bardolino, der Valpolicella und der Vino Santo zum Dessert dürfen nicht unerwähnt bleiben. Sirmione ist stolz darauf,daß das bekannte Oldtimerrennen, welches jährlich im Mai stattfindet, auch Sirmione und den Gardasee streift. Die legendäre Rally startet im Stadtzentrum von Brescia, auf der Piazza del Vittoria, und führt über eine Strecke von 1600km bis nach Rom und zurück. Die lange Strecke ist sowohl für die einzigartigen, alten Fahrzeuge, als auch für die Fahrer eine große Herausforderung und deshalb für die vielen tausend Zuschauer sehr interessant, vor allem, weil es heute weniger um das Sportliche, als um das Sehen und Gesehenwerden geht. Zieleinlauf ist wieder in Brescia und so ist es den vier Gründern des Autorennens gelungen, aus ihrer kleinen Stadt ein bekanntes Zentrum des Motorsports zu machen. Leider haben wir die Mille Miglia( tausend Meilen) knapp verpasst.

Reisen Auf der Rückfahrt, über den östlichen Teil des Gardasees, machten wir einen Abstecher zu einer Ölmühle. Hier konnte man sich mit dem äußerst hochwertigen Olivenöl „Olio Extravergine del Garda“ mit der Gütebezeichnung D.O.P.mit einem fruchtig- leichten, angenehmen Geschmack eindecken. Tags darauf besuchten wir Verona. Die Stadt liegt an der Etsch, 59 m über dem Meeresspiegel, ihre Altstadt wurde im Jahre 2000 zum Weltkulturerbe erklärt. Zuerst bestaunten wir das Amphitheater, die im Jahre 30 nach Christus erbaute und gut erhaltene Arena von Verona mit 22000 Plätzen. Hier finden, dank der hervorragenden Akustik, ab dem ersten Mai täglich Konzerte statt und im Sommer die berühmten Opernfestspiele. Weiter geht es zur Piazza delle Erbe mit dem mittelalterlichen Uhrturm Torre del Gardello und einer Marmorsäule mit dem geflügelten Markuslöwen. Im Zentrum des Marktplatzes thront über einem antiken Brunnenbecken die „Madonna Verona“, das Symbol der Stadt aus dem 14. Jahrhundert. Wir bestaunen die Piazza dei Signori, mit dem Denkmal Dantes, umgeben von historischen Palazzi, an deren Zinnen man erkennen konnte, ob die Besitzer kaisertreu oder papsttreu waren. Wir kommen zu den Grabmälern der Scaliger(von 1260-1387 Stadtherren von Verona), die sich auf einem Familienfriedhof neben der kleinen Kirche Santa Maria Antica befinden und quälen uns schließlich durch die Menschenmassen bis zum Haus der Julia aus „Romeo und Julia“ von W. Shakespeare, um den berühmten Balkon zu sehen. Auch die Führung in der Grappabrennerei Distilleria Marzadro in Nogaredo war sehr interessant. Unter anderem


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Cavaion Veronese, kurze Präsentation des 1951 gegrßndeten Familienbetriebs TurriBild 35 / 70. Foto: Cornel Gruber


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Abbildungen Oben: Gruppenfoto auf den Eingangsstufen der Sektkellerei Ferrari Rechts: Sektkellerei Ferrari, Vortrag Ăźber GrĂźndungsund Erfolgsgeschichte der Firma. Fotos: Cornel Gruber


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erfuhren wir, dass man jungen Grappa gut mit Vollmilchschokolade und gereiften Grappa am besten mit dunkler Schokolade genießen kann, was wir dann auch taten.

nach Garda zu schlendern, nach Bardolino zu spazieren, auf der Promanade zu flanieren, oder „nur“ eine Pizza zu genießen, mit Blick auf den See.

Der Tag zur freien Verfügung wurde genutzt, um nach Limone und Malcesine zu fahren, den Soldatenfriedhof der deutschen Kriegsgräberfürsorge zu besuchen, auf dem über 22.000 deutsche Soldaten bestattet sind, zum Markt

Die Tage am Gardasee waren ein Genussurlaub für das Auge, den Gaumen und die Seele. Jeder konnte ein Stück Gardasee mit nach Hause nehmen und noch lange vom Urlaub zehren, im wahrsten Sinne des Wortes.


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Abb. links: Die Reisegesellschaft vor der Heimfahrt Abb. oben: Gruppenbild mit den Billedern. Fotos: Cornel Gruber


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Rückblick

Wie mei Schwester aa mohl hat was wille saan Erika Weith, geb. Leidecker

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ann mei Schwester Monika un ich telefoneere, geft immer vill geredt. Awwer et hatt aa mohl ä Zeit genn, wo das noch net so waar. Im Summer ‘62 waare mei Leit mit meiner Schwester un mir in Billed uff äner Hochzeit ingelaad. Damols han de Breitenbach Hans un et Gergen Lise gheirat. Also hatt unser Muttr uns zwaa scheene Kläder aangezoh, un aach die Hoor scheen gekampelt un uff jede Fall haade mer große Schlepp uffm Kopp. Weil ich schon 4 ½ Johr alt waar, hann ich e Gedicht solle uffsaan. Ich hann mit dr Muttr geiebt un irgendwann hann ich et aa gekennt. Am Taach vunn dr Hochzeit waar ich gut vorbereit un wie ich an der Reih waar, sinn ich in de Saal in die Mitt gang, hann mich uff de Stuhl gstellt un hann mei Gedicht uffgsaat. Et is schaad, dass sich käne mee erinnere kann, was das vor a Gedicht waar. Awwer uff jede Fall hat et gut geklappt. Wie die Leit noht geplätscht hann, hann ich mich verneigt, sin vum Stuhl runner un wollt uff mei Platz gehn. Uff ämohl kummt mei Schwester aangelaaf, et war grad 2 Johr alt, is uff de Stuhl gekrawwelt un hat aangfang sich zu verneige. Eerscht in die än, noh in die anner Richtung. Redde hatt et noch net richtich kenne, awwer was mer mache muss, wann mer uff em Stuhl steht, das hatt et schun gewisst. Do hann die Hochzeitsgäscht aarch misse lache. Un so war aa ihm sei „Voortrach“ ä große Erfolg. So is das bei de kläne Gschwistre, sie wille aa schun groß sinn un mache de Große alles noh. Heit is mei Schwester ball 60 Johr alt un ihr jingscht Engelskind is schun älter wie es damals waar.

Abbildung Von links nach rechts: Monika und Erika Leidecker


Rückblick

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September-Nostalgie Karl Balogh

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s ist wieder September. Morgens und abends ist es schon frisch. Vorbei ist die Hitze des Sommers. Ich sitze auf dem Balkon und genieße die warmen Sonnenstrahlen des Spätsommers, betrachte den Schurwald des schönen schwäbischen Landes. In Gedanken danke ich Gott, dass ich hier bin, in dieser schönen Stadt, mit dem alten Marktplatz, den vielen Fachhäusern und den engen Gassen. Alles viel ruhiger als im Stuttgarter Kessel. Hier kann ich mich in Ruhe auf meine Kunst konzentrieren und mich damit befassen. Ich habe eh zu spät damit begonnen. Ob ich dafür je Anerkennung bekomme, ist die große Frage. Aber ich habe ein Versprechen einzulösen. Mir und anderen Menschen gegenüber, die mich viel gelehrt haben, denen ich zu Dank verpflichtet bin. Und diesen Menschen will ich auch etwas hinterlassen... Aber mich ergreift immer wieder dieses innere Gefühl, tief in meiner Seele nimmt es Besitz von mir, stimmt mich traurig, stürzt mich in Depression – und es braucht eine gewisse Zeit, mich davon zu erholen ... Und dieses Gefühl sagt mir, dass ich schon lange nicht mehr in meiner alten Heimat war! Meine Sehnsucht ist so groß, dass ich manchmal das Gefühl habe, es zerbricht mein eh schon krankes Herz. Wie gerne würde ich durch die Gassen gehen, den Leuten in den Gärten bei der Arbeit zusehen; das Grab meiner Großeltern auf dem Friedhof wiederfinden! Könnte ich damit meinen Schmerz wohl lindern?

Hier läuten die Kirchenglocken auch, aber es sind nicht die mit dem gewissen,vertrauten Klang: die Glocken der Heimat! In der Heimatkirche, beim Altar beten! Als ich es konnte, tat ich es so rar ... Die Blasmusik durch‘s Dorf klingt, die Kirchweihpaare durch die Gassen ziehen, so schön in voller Pracht, im Tanze schwingen.Wunderbar ist unsere Banater Schwaben-Tracht! Ja, mir kommt in den Sinn. Wir waren doch alle mittendrin: „Wir waren jung, verliebt und frei, dachten uns nichts dabei. Unsre Herzen schlugen laut und wir hatten Gänsehaut.“ In Temeschburg am Brunnen steh‘n, eine Münze reinwerfen und mir etwas wünschen! Vor der Oper die Tauben füttern, in Lugosch an der Temesch den Anglern und den Menschen auf der Promenade zusehen, auf einer Parkbank der Spieluhr lauschen ... Zurück aus meinen Tagträumen zünde ich mir auf meinem Balkon eine Zigarette an, schlürfe den Kaffee, betrachte den schönen Wald und den Himmel, denke laut für mich: So, jetzt hast du genug geträumt! Dabei fällt mir Andrea Bergs Lied ein: „Die geheimen Träume finden keine Ruh, rasen wie Kometen aufeinander zu. Die geheimen Träume tanzen lichterloh zwischen den Sternen am Himmel irgendwo.“ (Schorndorf 2019)


150 Mittagessen bei der Kartoffelernte Foto 6x6 cm aus dem Fotoalbum von Margarethe Neumann, geb. Koch. Das Foto wurde von Jakob Lenhardt während seines Heimaturlaubs 1944 aufgenommen. 1944 waren die meisten Bauern im Kriegsdienst, die Feldund Erntearbeiten wurden von den Frauen durchgeführt. Im Bild mit schwarzem Kopftuch rechts Elisabeth Koch, die Mutter von Margarethe Neumann, mit weiteren Billeder Frauen bei der Kartoffelernte der Familie Lenhardt.

Rückblick


Rückblick

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Helfer-Essen

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achdem das Billeder Freibad über Sommer genutzt wurde, haben Bürgermeister Berg und der Gemeindevorstand beschlossen, im Herbst ein Helfer-Essen zu organisieren. Ins Gasthaus Nothum hat man die Planer, die Jugendlichen und Männer, die ausgegraben haben und noch nicht beim Militär waren, die Material-Spender, die, die Kies und Sand von Periamosch brachten und sonstige Förderer und Spender eingeladen. Es sollte ein Hasen- und Hühner-Gulasch von Frau Nothum zubereitet werden. 17 Hasen wurden nach einer Treibjagd von den Jägern gespendet, 15 Hühner von Jakob Wolf (360) und (415) sowie von Franz Slavik (459), Dr. Michael Ortinau (229) und Nikolaus Seibert (309). Das Brot kam vom Bäcker Johann Sauer (546), Wein von Josef Eichert (162), Lehrer Hans Hager (238), Friedrich Schaljo (480) und Peter Divo (202). Nachts, als der Wein knapp wurde, kam noch welcher von Nikolaus Kuhn (216) und Peter Zimmer (281). Die Hasen wurden bei Johann Glasz (426) gehäutet und mundgerecht zugeschnitten; auch die Hühner wurden geschlachtet. Wilhelm Schiller (242) und der Wirt Mathias Nothum (290) haben den Saal für über 70 Personen vorbereitet. Frau Nothum bekam noch Hilfe von Frauen aus der Nachbarschaft. Und so wurde das Bad bei Essen und Trinken nochmals eingeweiht, leider musste nachts nochmals frischer Wein herbeigeschafft werden, da man doch so gut gegessen und dazu noch mehr getrunken hatte. Zu den anwesenden Jägern zählte auch Nikolaus Gilde (412, Friedls Klos), einer der besten Schützen, der eine Flinte aus der Tschechei hatte, die so teuer war wie ein Joch Feld. Er hatte seinen Platz neben Wilhelm Gimpel (211) und erzählte ihm, dass er von den 17 Hasen 7 erlegt hatte.

Josef Herbst

Gimpel, als Schlitzohr bekannt, fragte ihn: „Klos, kannst du mir nicht auch einen Hasen schicken?“ Darauf hatte Gilde schon gewartet und Gimpel war also nicht ganz unschuldig an der Wette, dass vor Ostern Gilde den Osterhasen schießt. Im Wirtshaus haben sie um 10 Liter Wein gewettet, dass Gilde das nicht imstande ist. Getrunken hatten sie schon und Gilde ging die Wette ein, denn er wusste, dass seine Frau zuhause gerade die Ostereier färbt. Da nahm er seine Flinte und schoss aus 50-60 Meter mit Spatzenschrot (den kleinsten Schrotkugeln) seiner Frau ins Hinterteil. Er hatte somit die Wette gewonnen und den Osterhasen getroffen. Dr. Tuttenuit (424) musste der Wess Marian 7 Schrotkugeln aus dem Hinterteil entfernen und fast wäre dadurch die Ehe in die Brüche gegangen. Gilde sagte noch: „Wilm, ich geh morgen auf die Jagd und schicke dir übermorgen den Has.“ Gimpel ahnte nichts Gutes und sagte noch: „Klos, du brauchst ihn nicht abziehen (häuten), denn du wärst imstande und schickst mir eine Katze.“ Darauf Klos: „Na hör mal, Wilm, abziehen musst du ihn schon selber.“ Am nächsten Mittag ging Gilde ins Gemeindehaus, wo Michael Haas (23) Gemeindediener war und sagte ihm, er möge unbedingt zum Gimpel gehen, der Friedls Klos habe ihn geschickt. Gimpels Frau, die Wess Liss, hat nicht wenig gestaunt, als der Haas sagte, dass der Friedls Klos ihn geschickt habe. Ihr Mann war ja nicht zuhause, hatte aber gesagt, dass der Friedls Klos einen „Has“schicken wird. Sie gab ihm die Schnapsflasche zum Trinken und sagte.“Es hat sich erledigt!“ Von da an gab jeder acht, dass keiner von dem anderen übers Ohr gehauen wurde.


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Mundart

Luschtiche Gschichte Alfred Selpal E Lausbu Te Pankraz waar noch ganz klän,wie sei Eltre ihre Haus scheen hergericht han. Un wie se te Gewl abgeriss han, is ne of te Speicher gang un hat ronnergschaut, wie te Maurer sei Aarweit macht. Do hat te Handlanger ne gsien un is zu‘m nufgang un hat ne angstift, ronner zu pronze, graat dort, wo te Maurer waar. Un te hat dann nor noch romgflucht, te Handlanger hat nor so gelacht un ronnergeruf: „Alles Gute kommt von owe!“ Et englisch Klo is for die Gäscht! Te kläne Pankraz is oft zu seim Freind Hannes spille gang. Do hat ne gsien, dass die zwaa WCs han: e altes ufm Tenn un e modernes am End vom Gang. On wie ne sei Freind gfrot hat wieso, saat te: Et modernet is for die Gäscht. On a‘me Taach waar te Pankraz mol noml bei seim Freind on hat pletzlich misse sei groß Gschäft erlediche. On wie ne en Richtung modern Klo geht, saat sei Freind, er soll doch of te Tenn ent alt Klo gehn.Awer te Pankraz is doch ent erscht bescht gang. Bis ne fertich waar, hat die Mama vor der Tier gschtan un gschent: Wieso ne net of te Tenn of et alt Klo gang is?! Do saat te Pankraz: “Ich sen doch Gascht oder?“ E frech Antwort Te kläne Pankraz geht mit zwaa Sodawasserflasche en te Hänn zum Abfille. Of te Gass froot e alt Nochpersch, wo ne dann hingeht? Do saat te trocke: „Millich holle.“

Krode im Sack Te kläne Pankraz hat sich gäre en ter Kaul romgetrieb un nateerlich han an tem Taach tie Krode draan glaawe misse. Do hat ne sich gedenkt, seiner Cousinin, die graad aus dr Stadt in de Sommerferien zu Besuch waar, e Streich zu spille. Er hat tie Krode en sei Pucksesack getun un es zu seiner Cousinin gang un hat gsaat: „Schau mol, mei Naas laaft un mei Hänn sen dreckich. Holl doch mol mei Sacktuch aus meim Sack raus!“ On well tie sich nix derbei gedenkt hat, greift se aa gleich nin un vor Schreck mit te Krod en te Hand schnell noml raus. Seit dann frot se efter: “Hascht Krode em Sack?“ E „faul“ Fischfangerei Te kläne Pankraz waar mol met seim Freind Hugo vom Ecke an ter Saulänner Breck fische gang. Sie han jo e paar Rotschwänz gfang, awer em mette Lacke hat so e 5 Kilo tode Hecht gelee. On te han se onbedingt han welle. On wie te Zufall so well, waar an tem Taach em Hugo sei Cousin, e berihmte Fischer, aa am Lacke, on te han se net en Ruh geloss, bes ne met seim Blinker te Hecht rausgezo hat. No han se te Hecht an e Schnur ghonk on sen hemzus gang. Ofm Wech han tie Leit nor so gschaut on te Vedder Konrad hat te Hecht for 10 Lei abkaafe welle. Wie ne ne en tie Hand gholl hat, es‘m erscht ofgfall, dass te Hecht schon ganz verweest waar, so dass ne ne voll Abschei glei of tie Erd geworf on gschrie hat: „Te stinkt jo bes zum Himml!“


Mundart Tie Aaiersammlung waar for tie Katz! Te Pankraz hat jo aa – wie tie meischte Buwe – von alle Vegl, wo omet Dorf waare, e Aaiersammlung ghat. Tie hat ne ausgeploost on an Schnier ofgereiht ofm Speicher an te Dachlatte hänge ghat. Awer an äm Taach hat sich tie Katz nufgschlich on hat an tene Schnier, wo so romgepamplt han, so lang draan gspillt, bes alle Aaier gebroch waare. Wie te Pankraz tas gsien hat, hat ne e Schreck griet, awer hat sich schnell beruicht on met te Hänn en te Säck schelmisch grinsend gedenkt: „Jetz kann ich von voore anfange!“ Tie korz Hos es net emmer praktisch Te Pankraz hat gsien, dass bei seim Nochper, beim Vedder Lutz, of ter Gass ofm hoche Akazepaam e Spazenischt es. On wie ne gedenkt hat, dass do Aaier drinn kende sen, hadn tie aa for sei Sammlung han welle. Schon es ne nufgekrawlt for se aushewe, hat awer vergess, dass ne jo e korz Hos anghat hat. Beim Ronnerkrawle hat ne tie ausghobne Aaier em Maul ghat, awer for sei nackiche Päncher hat ne kä Auswech gfon. Beim Ronnerretsche hat ne sich ganz bludich ofgschurpt on te Vedder Lutz hat nor gement: „Tie Aaieraushewerei werscht so schnell net vergesse!“ Te Schuss es hinne los gang Te Pankraz es en te School net te Praavschte geween. On wie te Onnericht mol noml langweilich waar, hat ne seim Panknochper gsaat: „Schau mol her, ich kann an te Aue Luft rausploose!“ Er hat sich dann tie Naas zughall on Druck gemach. Awer well sei Kumraat nex gsien on gheert hat, hat ne noch meh Druck gemach. Do es tie Luft met me laute Knall hinne onne rausgetonnert on tie Leh-

153 rerin hat ne glei vor tie Tier gscheckt. Em Pankraz sei Gsicht waar vom Druckmache schon rot genuch, er hat sich nor noch gedenkt: „So e Pech, awer aa!“ E gude Reflex Te Pankraz waar schon en ter Lehr, awer waar noch emmer rawellisch. On das hat seim Meister nateerlich net gepasst. On wie te Pankraz mol noml was ausgfress haat, hat sei Meister em e Watsch verpasst. Awer te Pankraz hat blitzschnell zuruckgschaa, sodass te Meister of te Aarsch gfall es. Te es dann verstawert ofgstan, kloppt sich te Staab met ter Schneppskapp ab on saat: „Ich han net gement, dascht zuruckschlaascht!“ Mem Bizickl en tie Aarweit Te Pankraz hat schon beim „Petrol“ em Nochperschdorf geaarweit on es emmer met em Bizickl hin gfaahr. Er hat mol noml Spootschicht ghat, on for an ter Nacht zuruckkomme, hat ne e Lanter ghat. Awer tie Battrie waar leer, dass ne vorher noch ent Dorf gfaahr es. Awer er hat nor 3 Lei on 10 Bani terbei ghat on aa noch feschtgschtellt, dass ne aa noch was for Raache brauch. Nateerlich hat ne sich for tie Zigerettle entschied on es ohne Battrie en tie Aarweit gfaahr. On wie ne an ter Nacht noml hem gfaahr es, waar graat e Gewitter em Aanmarsch on stockdunkl, mer hat sich nor an te Baamspitze links on rechts von ter Strooß orienteere kenne. On wie te Pankraz ofm halwe Wech waar, es ne met em anre Bizicklfaahre aus entgegegsetzte Richtung - aa ohne Licht - zamgstuppt on alle zwaa sen of tie Strooß gfall on han starke Blessure abgriet, awer engsien: „Heit han mer awer et Geld falsch ausgen!“


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Leistung und Würdigung

Aus meinem Garten 2019

Franz Gebel

Abbildungen 1. Jeder Kopfsalat wächst in einer Schüssel

5. Butternut auf dem Gewächshausdach

2. Stangenbohnen auf Spalier

6. Hokkaido-Ernte: 9,270 kg, Butternut-Ernte: 20,188 kg

3. Vier Gurkenpflanzen auf Spalier. Ernte: 20,245 kg

7. Quittenbaum. Ernte: 8,560 kg

4. Zwölf Buschtomatenpflnzen. Ernte: 40,488 kg

8. Edelquitte U-Form. Ernte: 10,360 kg

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Leistung und WĂźrdigung

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Leistung und Würdigung

Wie der Vater, so die Tochter ... Monika Bendel

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m 03. 11. 2019 bin ich den Marathon in New York gelaufen, es war mein zweiter Marathon überhaupt. Den ersten bin ich letztes Jahr an meinem Geburtstag 12. 05. in Mannheim gelaufen, worauf mir mein Vater Hans Muhl den New York-Marathon gesponsert hat. Er hat nämlich bereits vor 15 Jahren diesen Marathon gelaufen und meinte, wenn man einen Marathon läuft, dann sollte es der von New York sein. Er behielt Recht: Dieses Großereignis ist nicht zu toppen! Allein schon die Stadt...Und dann in so einer großen Stadt 42,195 km zu laufen, ist der Wahnsinn! Mehr als 53.000 Starter und 2 Millionen Zuschauer. Ich habe es geschafft, in 4 Stunden 15 Minute 21 Sekunden das Ziel zu erreichen... Die Emotionen, die man dabei hat, sind unbeschreiblich. Als Vorbereitung auf diesen Lauf habe ich hunderte von Kilometern auf dem heimischen Acker zurückgelegt, auch an dem einen oder anderen Wettkampf teilgenommen. Wenn ich nicht laufe, bin ich selbständige Fotografin für Babybauch, Newborn, Familienfotos...bin 38 Jahre alt, verheiratet und Mutter von 2 Kindern ( 12 und 10 Jahre alt). Abbildung Monika Bendel - Tochter von Hans Muhl, Enkelin von Maria Muhl


Leistung und Würdigung Marlene Mumper – Innungssiegerin

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ei der Gesellenprüfung der Auszubildenden im Schreinerhandwerk ging Marlene Mumper aus Tuttlingen als Innungssiegerin hervor. Die Gesellenstücke wurden im Landratsamt Tuttlingen ausgestellt und alle Aussteller waren mächtig stolz auf ihre Leistung. Während der Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Tuttlingen wurden am 25. Oktober 2019 in der Stadthalle die Gesellenbriefe und Prüfungszeugnisse überreicht sowie die jeweiligen Ehrungen vorgenommen. Ergänzend sei erwähnt, dass Marlene Mumper aufgrund ihrer schulischen und praktischen Leistungen nach ihrem zweiten Ausbildungsjahr die Gelegenheit hatte, am Lehrlingsaustausch in der Schweiz teilzunehmen, Vergleiche vorzunehmen. Abbildung Marlene Mumper mit Gesellenstück Gratulation zum Studiumabschluss

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r. med. Franziska Jans, Tochter von Gerold und Dr. Monika Jans, geb. Krier, hat an der Universität Pecs ihr Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen. Franziska lebt In Waldburg und wird am 1. Januar 2020 in ihr erstes Wirkungsfeld eintreten. Die angehende Internistin arbeitet parallel dazu an ihrer Promotion an der Universität Ulm. Die Heimat ihrer Mutter und Großeltern hat sie schon kennengelernt. Billedrisch versteht sie ohne Dolmetscher. Abbildung Dr. med. Franziska Jans mit Doktorhut

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Leistung und Würdigung

Nachruf Dipl. Ing. Helmut Schneider 7. August 2019, Waldfriedhof Schwabach Ansprache von Peter Krier

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erehrte trauernde Frau Schneider, trauernde Familie, trauernde Anwesende, liebe Landsleute. Nach langem, schwerem und bis zur letzten Lebenskraft mutig geführtem Kampf unterlag Helmut Schneider dem Tod. Wir nehmen heute Abschied von ihm und begleiten ihn auf seinem letzten irdischen Gang. Von allen Grenzen, die uns Menschen gesetzt sind, ist der Tod die endgültige. ... Als er 1931 in Temeswar geboren wurde, war unsere kleine Banater Welt noch in aufstrebender Ordnung. Dies sollte sich jedoch bald ändern, denn es kam der Zweite Große Krieg über uns, mit verheerendem Ausmaß, unsere Banater Welt wurde zerstört, zerschlagen. Helmut Schneider hat schon als Heranwachsender die durch die Herrschaft der Kommunisten entstandene Not im vormaligen Wohlstandsland Banat erlebt. Seine Familie wurde politisch verfolgt, die Großeltern in die Baragansteppe deportiert, die Eltern wurden enteignet und in die Bukowina an die russische Grenze verbannt. Auf sich allein gestellt, schaffte der vormalige Banatiaschüler es dennoch mit einem vorzüglichen Staatsexamen den Abschluss der Technischen Universität Temeswar und wurde ein erfolgreicher Maschinenkonstrukteur. Erstaunlich erfolgreich war Schneider auch als Kunstfotograf. Er gewann viele Inlandspreise und stellte auch erfolgreich im Ausland aus. Die Photographic Society of America hat ihn von 1972 bis 1977 als erfolgreichsten rumänischen Kunstfotografen geführt, auf einer Internationalen weltweiten Rangliste stand er auf Platz 50.

Obwohl beruflich erfolgreich, konnte sich Schneider nicht mit dem herrschenden politischen System abfinden. Schon 1960 lernte er die Keller der Securitate und deren Verhörmethoden kennen. Helmut Schneider entschließt sich 1964, mit seiner Familie einen Antrag zur Ausreise aus Rumänien zu stellen. Es folgten der Verlust der Arbeitsstelle und viele Schikanen, er wurde zusammengeprügelt. Da der Antrag über die Jahre erfolglos blieb, entschloss sich das Ehepaar Schneider Anfang 1979, in Hungerstreik zu treten. Unterstützt durch den Sender „Radio Free Europe“ wurde öffentlicher Druck aufgebaut, der die Securitate zum Nachgeben zwang, Helmut Schneider konnte mit seiner Frau und beiden Kindern ausreisen. Schon gleich nach der Ankunft in Deutschland schloss er sich unserer Landsmannschaft an und wurde 1985 Gründer des Hilfswerks der Banater Schwaben, das er mit Geschick, Wissen und Können zu einer leistungsstarken Einrichtung ausbaute. Mit LKW wurden Lebensmittelpakete zu den Bedürftigen ins Banat gebracht. Schneider hat jedoch schnell erkannt, dass Pakethilfen allein für die


Leistung und Würdigung Versorgung der allein gebliebenen alten Menschen nicht ausreichen. Dazu mussten Dauereinrichtungen geschaffen werden. Dafür kämpfte er nun. Nachdem das deutsche Bundesinnenministerium die Finanzierung zugesagt hatte, entwickelte er die Pläne für die vorgenommenen Projekte. Es entstanden im Banat die Altenheime in Bakowa, Sanktanna und das AdamMüller-Guttenbrunn Heim in Temeswar, die Sozialsta­ tionen in Billed und Großsanktnikolaus und die Einrichtungen für „Essen auf Rädern“. Nach der Fertigstellung dieser Einrichtungen wurde die Schaffung eines Banater Seniorenzentrums in Deutschland angestrebt. Auch dieses Projekt wurde unter der Leitung von Helmut Schneider verwirklicht. Im Dezember 1999 konnte das Josef-Nischbach Heim in Ingolstadt geweiht und bezogen werden. Letztlich erhielt das Nischbach-Zentrum 2005 noch ein viertes Heim, so dass in den Einrichtungen des von Helmut Schneider geleiteten Hilfswerk 280 Personen leben und über die Einrichtungen für „Essen auf Rädern“ weitere ca. 400 Personen versorgt werden. ...

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Sein Hilferuf wird über die Grenzen vernommen und zeigte Wirkung. Dass er seine Landsleute liebte, dass ihm die Männer mit Arbeitsschwielen an den Händen und die Frauen mit den Kopftüchern nahe standen, bringt er in seinem schönen Bildband über das Banat zum Ausdruck. ...

sein Bekenntnis zu unserer großen deutschen Kulturnation, der er sich zugehörig fühlte, und er baute auf Gottes Beistand, nach einem Ausspruch Adam Müller-Guttenbrunns, den er verehrte: Was ihr für euer Volk tut, ist ein Dienst Gottes. Helmut Schneider hinterlässt Spuren seines Wirkens. Man kann die Geschichte der Deutschen im Banat in der Zeit um und nach der politischen Wende von 1989 nicht schreiben, ohne die Leistung des Hilfswerks der Banater Schwaben unter der Leitung von Helmut Schneider zu berücksichtigen. Helmut Schneider fand für seine Leistung Anerkennung in unseren Reihen und in der Öffentlichkeit. So wurde er von Bundespräsident Roman Herzog 1995 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet, seine Geburtsstadt Temeschburg hat ihn mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet und unsere Landmannschaft ehrte ihn mit ihrer höchsten Auszeichnung, mit der Prinz Eugen Nadel. Wir nehmen Abschied von Dir, lieber Helmut, in Trauer und Dankbarkeit, im Namen der vielen Menschen, denen Du geholfen hast und auch seitens des Hilfswerkes, der Landsmannschaft und der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung. Möge die Erde, mit der wir dich nachher zudecken, Dir leicht sein und möge Dir unser Herr Jesus Christus ein gnädiger Richter sein. Ruhe in Frieden.

Helmut Schneider hat in unserer kleinen Banater Welt viel bewegt, er hat Hilfe, Licht und Wärme für viele Menschen geschaffen. Er hat dabei keinen einzigen fixen Punkt gehabt, er stützte sich auf vier gebündelte Säulen: Seine geschlossene, feste Familie, seine Liebe zur Heimat und zu seinen Landsleuten, die er in seinem Bildband „Das Banat“ zum Ausdruck bringt. Eine dritte Säule war

Die Großeltern von Helmut Schneider hatten Grundbesitz in Billed, die Hackbeil Puszta. Helmut Schneider wurde in Temeswar geboren und war als Kind in Billed. Die Familie lebte nach dem Krieg in Billed, in dem Haus, in dem die Ortsklinik war. Seine Eltern waren in die Moldau verbannt, die Großeltern im Baragan. Das Haus blieb enteignet.


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Leistung und Würdigung

Heimatpfarrer Peter Zillich zelebrierte beim Billeder Heimattag 2005 den Festgottesdienst in der St. Judas-Thaddäus Kirche

In memoriam H.H. Pfarrer Peter Zillich Peter-Dietmar Leber

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eboren am 11. September 1957 in Kleinbetschkerek, aufgewachsen in Dolatz, 1984 zum Priester geweiht, am 13. Februar in Regensburg gestorben. Als Priester, Stadtjugend-Seelsorger, Religionslehrer, Schulpastoral, bischöflicher Beauftragter für die Vertriebenen-Seelsorge in der Diözese Regensburg, stellvertretender Landesvorsitzender Bayern der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Präses des St. Gerhardswerkes hat er sich in vielen Bereichen bleibende Verdienste erworben. Als „Pfarrer mit dem Akkordeon“ fand er einen ganz persönlichen Weg, um sowohl die christliche Botschaft

zu verkünden als auch seine Landsleute unmittelbar anzusprechen. Als Schuldirektor musste er seine Schullaufbahn aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig beenden, für seine Landsleute war er jedoch nach wie vor da und unermüdlich unterwegs. Die Landsmannschaft der Banater Schwaben trauert um ein rastloses und engagiertes Mitglied unserer Gemeinschaft, die ihm sehr viel bedeutete und in die er tief einwirkte. Sein Wirken ist uns Verpflichtung. Den Angehörigen gilt unsere aufrichtige Anteilnahme. Möge er in Frieden ruhen!


Leistung und Würdigung

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Susanna Ballmann 108-jährig verstorben

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reimal schon haben Josef Herbst und Elisabeth Martini in unserem Billeder Heimatblatt über die älteste Billederin berichtet: einmal anlässlich ihres 100. Geburtstags und dann zum 104. und 105. Geburtstag. Geboren wurde unsere Alters-Rekordhalterin am 31. August 1910 in Großjetscha, ihr Bruder starb nach nur 13 Tagen, ihr Vater 1914 mit 32 Jahren. Die Mutter heiratete in zweiter Ehe Christian Bettendorf, der für die Halbwaise ein sehr guter Vater war. Geheiratet hat Susi- wie sie genannt wurde, später auch Wess Suss – 1936 Hans Ballmann, eine Ehe, die 58 Jahre hielt und nur durch einen Unfall des 81-jährigen Ehemanns ein Ende nahm. Als Bäuerin hatte sie es früher nicht leicht, zumal sie die Bauernwirtschaft in denKriegsjahren allein führte. Doch ihr Mann kam 1945 aus serbischer Gefangenschaft zu Fuß nach Billed zurück. Enteignung und Baragan-Verschleppung waren schwere Schicksalsschläge, erst 5 Jahre später fand er Arbeit in der Hanffabrik, sie arbeitete als Stickerin bei Colortex. Durch Übersiedlung nach Deutschland fanden sie eine neue Heimat in Frankenthal. Auch als Witwe hat Susi / Wess Suss ihre Freude am Leben bewahrt, das gesellige Beisammensein mit Freunden und Bekannten gepflegt, Karten und Rummy gespielt, ferngesehen, vor allem Fußball. Selbst als 104-, 105-Jährige beeindruckte sie als starke, humorvolle, schlagfertige Frau, die nicht jammerte und klagte, ihr tat ja nichts weh. Demzufolge konnte sie lange selbst ihren Haushalt führen, mit dem Rollator einkaufen gehen, Bankangelegenheiten regeln. Als sie sich bei

einem Sturz die Schulter ausrenkte, glaubte man ihr im Krankenhaus ihr Alter erst, als sie ihren Personalausweis vorlegte. Sie war die Sensation des Krankenhauses, da sie für ihr Alter geistig noch so fit war, logisch denken und sprechen vermochte, nicht ruhig im Bett liegen konnte, ihre üblichen 1.000 Schritte tun musste. Zahlen konnte sie sich besser als Namen merken, was ihr beim Vergleichen der Einkaufspreise zugute kam. Außerdem wusste sie auch noch vieles von Billed, über die Familiengeschichte, die Nachbarschaft, das Dorfleben, bedauerte nur, dass es um sie immer einsamer wurde. Ihres Mannes zuliebe aß auch sie Diät-Kost, die er nicht mochte, sie blieb auch nach seinem Tode dabei, was ihrer Fitness gut tat. Als 100-Jährige wollte sie bei ihrer Feier mit dem Oberbürgermeister nicht fotografiert werden, um nicht die Aufmerksamkeit der Einbrecher und Betrüger zu wecken, weil sie schon schlechte Erfahrung machen musste und nur durch Besonnenheit und adäquates Handeln schadlos blieb.


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Statistik

Schachmeisterschaft 2019 der Banater Schwaben

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ie 2015 unter der Schirmherrschaft der Lands­mannschaft der Banater Schwaben gestartete Schachmeis­terschaft ist 2019 in die 5. Runde gegangen und erfolgreich abgeschlossen worden. Es sind neue Spieler hinzugekommen, in Augsburg und Ingolstadt haben wieder Turniere stattgefunden. Die Spieler der Münchner Gruppe haben ihre Partien bei regelmäßigen, kleineren Treffen ausgetragen. Die Spieler der Gruppe Spaichingen konnten ihre Partien in der lokalen Stadtmeisterschaft sowie im Rudolf-Hengstler-Turnier austragen. Online sind Pokalwettbewerb im KO-System sowie Meisterschaft in drei Gruppen ausgetragen worden. Eugen Stein ist kein Vereinsspieler, gewann aber den Online-Pokal und besiegte im Finale den Titelverteidiger des letzten Jahres, Paul Deme, mit 2:0. Die Online-Meisterschaft wurde wieder von Paul Deme souverän mit 8:0 Punkten gewonnen, der somit wieder mehrere Vereinsspieler auf die Plätze verwiesen hat. Die Allgemeine Ranglis­te der Banater Schwaben wird vom FIDE-Meister Karl-Jasmin Muranyi angeführt, der nach einjähriger Pause sich zurückgemeldet hat. Seine letzten großen Erfolge sind: (Schachbund Rheinland-Pfalz und Hessen) SBRP-Schnellschachmeister 2018, und die Titel Pfalzmeister im Blitzschach und Pfalzmeister im Schnellschach 2019.

Alfred Selpal

Turniere 2019 und die Plätze 1 bis 4

1. 2. 3. 4.

Augsburg 09.02. Josef Zammer Reschitz Konstantin Tryfon / Temeswar Bruno Neusatz Lippa Peter Tillger Temeswar

Ingolstadt 15.08. Werner Staar Birda Paul Deme Temeswar Alfred Selpal Billed Lorenz Klug Neuarad

Ingolstadt Online-Pokal 03.10. 2019 Paul Deme Eugen Stein Temeswar Tolwad Werner Rollinger Paul Deme Warjasch Temeswar Alfred Selpal Reinhard Kaiser Billed Kleinjetscha Sven Rollinger Reinhold Becker Bakowa Lenauheim

Online-Meisterschaft Abschlusstabelle 2019

1. 2. 3. 4. 5. 6. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 1. 2. 3. 4.

Name

Heimatort

Paul Deme Reinhold Becker Dirk Becker Fabian Kowatsch Raphael Birg Bruno Neusatz B-Gruppe Eugen Stein Reinhard Kaiser Franz Labling Werner Staar Andreas Mihalko Harald Lenhardt C-Gruppe Konstantin Tryfon Jürgen Reingruger Alfred Selpal Nikolaus Tintoi

Temeswar Lenauheim Lenauheim Temeswar Georgshausen Lippa/Temeswar

A-Gruppe

Tolwad Kleinjetscha Temeswar Birda/Liebling Darowa Billed Temeswar Paulisch Billed Bogarosch


Statistik

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Schachmeisterschaft der Banater Schwaben - Rangliste 2019 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42

Name Karl-Jasmin Muranyi Paul Deme Bruno Neusatz Eugen Stein Dirk Becker Reinhold Becker Nikolaus Sentef Valentin Jurca (neu) Josef Vollmer Raphael Birg Reinhard Kaiser Peter Michel Peter Tillger Friedrich Holiga Lukas Zetto Andreas Schmitz Fabian Kowatsch Josef Zammer Franz Labling Andreas Mihalko Werner Staar Josef Hermann Konstantin Tryfon (U16) Jürgen Reingruber (neu) Harald Lenhardt Josef Reingruber Alfred Selpal Gerhard Keller Lorenz Klug Sven Rollinger (neu) Johann Lux (neu) Werner Rollinger (neu) Jakob Lulay Markus Zetto Werner Keller Gehard Birg Nikolaus Tintoi Peter Löchinger (neu) Johann Oster Franz Gerber (neu) Otmar Metzenrath Adam Schneider (neu)

Heimatort Zipar Temeswar III. Lippa, Temeswar I. Tolwad Lenauheim Lenauheim Temeswar Temeswar Nitzkydorf Georgshausen Kleinjetscha Bogarosch Temeswar IV. Reschitza Darowa Arad Temeswar Reschitza Temeswar VI. Darowa Birda, Liebling Mercydorf Temeswar I. Paulisch Billed (438) Glogowatz Billed (192) Billed (270) Neuarad Bakowa, Warjasch Ketfel, Perjamosch Warjasch, Bakowa Guttenbrunn/Temesw. Darowa Billed (270) Georgshausen Bogarosch Nitzkydorf Lenauheim Nitzkydorf Nitzkydorf Kleinbetschkerek

Wohnort Rockenheim Ingolstadt Augsburg München Landau (Pfalz) Landau (Pfalz) Weisenbach Rastatt Rastatt Herxheim Karlsruhe Bayreuth München Nürnberg Spaichingen Ludwigshafen Bamberg Augsburg Heilbronn Spaichingen Lauf a.d. Pegnitz Traunreut Frankfurt Paris Karlsruhe Gilching Manching Baar-Ebenhausen Ingolstadt Landshut Ingolstadt Landshut Ingolstadt Spaichingen Baar-Ebenhausen München Manching Augsburg Augsburg Augsburg Augsburg Ingolstadt

Spiele und Turniere 2020 Für die Meisterschaft 2020 sind wieder mehrere Turniere geplant. Das erste Turnier wird am Samstag den 15. Februar, 10.00 Uhr in Augsburg stattfinden. Auch beim Heimattreffen in Ulm am Pfingstsonntag wird wieder ein Turnier stattfinden. Ein weiteres Turnier wird in Frankenthal ausgetragen, wo von der HOG Bogarosch das ,,Peter-Michel-Gedenkturnier“ organisiert wird. Es wird wahrscheinlich im August stattfinden, im Monat, in dem unser Bogaroscher Landsmann Peter Michel 2019 nach längerer Krankheit aus dem Leben geschieden ist. Weitere Turniere werden noch in anderen Städten folgen. Die Online-Meisterschaft wurde bereits schon neu gestartet und auch der OnlinePokal wird wieder ab dem 1. Februar ausgetragen. Die Termine der Turniere werden auch im Internet unter: www.banaterschwaben.org veröffentlicht. Weitere Teilnehmer aller Leistungsklassen sowie auch Landsleute, die bei der Organisation von Turnieren und Treffen mithelfen möchten, werden gebeten, sich bei Alfred Selpal unter der Rufnummer 08459/593660 oder der E-Mailadresse: alfred-selpal@t-online.de zu melden, damit weitere Schachgruppen gegründet und bestehende ausgebaut werden können. Die Regeln zur Meisterschaft werden im Internet unter: www.heimathaus-billed.de veröffentlicht.


192 Unser Heimatblatt......................................................2 Vorwort, Werner Gilde.................................................3 Heimattag 2019, Elisabeth Martini.............................4 Sommerfest 2019, Irmgard Triess..............................24 Nürnberger Herbstfest 2019, Hanna und Renate Frombach...............................32 20 Jahre Schlachtfest in Frankenthal, Heidi Müller...38 Von der Sau zur Wurst, Torsten Rosebrock.................52 Kirchweih mit Ehrennadel, Siegfried Thiel...............56 Ein Glücksfall für Billed, Johann Steiner..................64 Allerheiligen 2019 am Billeder Denkmal, Ansprache von Werner Gilde..................................72 Bischofbesuch in Billed, Brunhilde Klein.................75 „Was man will, das kann man“, Halrun Reinholz....77 Tagebuchaufzeichnungen, Elisabeth Martini...........80 Selber Schuld, Peter Krier..........................................84 Abenteuer Baragansteppe, Inge Aigner (Thöres)........86 Billeder bei der Revolution von 1989, Dan Marian Zimmermann (Coroiu)....................94 Was von der Revolution übrig blieb, Hans-Dieter Hartmann..................................... 101 50 Jahre Familienbeziehungen, Anna Schütz........ 106 Schule und Studium nach dem Zweiten Weltkrieg, Hans Fink......................................................... 111 Unsere Adam-Müller-Guttenbrunn Stiftung, Peter Krier......................................................... 122 Hohe Gäste zum 25. Jubiläum der Sozialstation, Werner Gilde..................................................... 130

Inhaltsverzeichnis Stefan-Jäger-Preis für Andreea Lăpugean, Laudatio von Edith Singer................................. 135 Seniorentreffen zwischen Sonnenschein und Sturm, Elisabeth Martini.............................................. 136 Herbst-Treffen der Karlsruher-Senioren und Gäste, Elisabeth Martini ............................................. 139 Am Gardasee im Frühling, Elisabeth Jung............. 141 Wie mei Schwester aa mohl hat was wille saan, Erika Weith, geb. Leidecker................................ 148 September-Nostalgie, Karl Balogh......................... 149 Helfer-Essen, Josef Herbst....................................... 151 Luschtiche Gschichte, Alfred Selpal....................... 152 Aus meinem Garten 2019, Franz Gebel................. 154 Wie der Vater, so die Tochter ..., Monika Bendel... 156 Marlene Mumper – Innungssiegerin.................... 157 Gratulation zum Studiumabschluss..................... 157 Nachruf Dipl. Ing. Helmut Schneider, Ansprache von Peter Krier................................... 158 In memoriam H.H. Pfarrer Peter Zillich Peter-Dietmar Leber.......................................... 160 Susanna Ballmann 108-jährig verstorben............ 161 Schachmeisterschaft 2019 der Banater Schwaben, Alfred Selpal...................................................... 162 Statistik unserer Billeder Landsleute in Rumänien, Josef Herbst........................................................ 164 Statistik unserer Landsleute weltweit, Josef Herbst........................................................ 166 Dem Alter die Ehre 2019, Josef Herbst................... 172


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