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Billeder Heimatblatt 2004 Dezember 2004
17. Ausgabe
Vor 60 Jahren sind 70 Billeder Familien vor der Sowjetarmee westwärts geflßchtet
Inhalt
Rückblick .................................................................................................................... 4 Brauchtum ................................................................................................................ 42 Aktuelles ................................................................................................................... 54 Begegnungen ............................................................................................................ 61 Gedichte .................................................................................................................... 68 Dialekt ...................................................................................................................... 72 Reisetagebuch ........................................................................................................... 76 Leistung und Würdigung .......................................................................................... 88 Statistik ................................................................................................................... 101 In eigener Sache ..................................................................................................... 124 Inhaltsverzeichnis ................................................................................................... 127 Umschlag U1, U2: Das Banater Dorf in Darstellungen von Stefan Jäger U3: Am Billeder Dorfrand, Ölmalerei von Josef Breitenbach U4: Der Kalvarienberg, Ölmalerei von Josef Breitenbach
Redaktion: Elisabeth Martini Layout, Grafik und Satz: Hans Rothgerber Herausgeber: Heimatortsgemeinschaft Billed www.billed.de Herstellung: Präzis-Druck Karlsruhe
Vorwort Liebe Landsleute, liebe Freunde! Wenn sich die 17. Ausgabe unseres Heimatblattes in Euren Händen befindet, werdet Ihr vielleicht wieder einmal überrascht feststellen, wie kurz ein Jahr sein kann. Und zwar ganz unabhängig davon, welche Ereignisse dieses Jahr geprägt haben. Das 21. Jahrhundert, kaum angebrochen, hat unsere Hoffnung auf eine friedvolle Zukunft der Menschheit erschüttert. In vielen Zonen der Welt wüten Gewalt und Terror, Kinder hungern, unschuldige Menschen kommen täglich zu Tode. Die Politik steht vor kaum lösbaren Problemen, Gewaltaktionen werden meist mit Gegengewalt beantwortet. Für die kleine Welt unserer Gemeinschaft soll der bevorstehende Jahreswechsel Anlass bieten, auf das Jahr 2004 zurück zu blicken und Pläne für 2005 zu schmieden. Wir können stolz sein auf unsere Tätigkeiten des abgelaufenen Jahres. Über folgende Aktivitäten sind Berichte in dieser Ausgabe zu finden: Das Große Schwabentreffen in Ulm mit Auftritten unserer Trachtenträger und die Premiere der Blasmusik in Halle 1, Seniorennachmittage in Karlsruhe, Schlachtfest in Frankenthal, Fahrt nach Prag, Allerheiligen am Billeder Gedenkstein in Karlsruhe u.a. Im neuen Jahr stehen wieder große Ereignisse an. An Pfingsten findet unser Heimattreffen in Karlsruhe statt und wir feiern 240 Jahre seit der Gründung unseres Heimatortes Billed. Aber nicht nur Gegenwart und Zukunft sind wichtig, sondern auch die Vergangenheit. Unsere Vergangenheit, über die wir möglichst oft und viel erzählen sollten. Und eben durch dieses Erzählen über das Vergangene und das Leben mit unseren Brauchtümern bleibt alles lebendig für diejenigen unter uns, die ein Teil ihres Lebens im Banat verbracht haben. Für unsere Kinder - die schon in Deutschland geboren wurden - ist es bestimmt auch eine Bereicherung zu wissen, wo und wie ihre Eltern und Großeltern aufgewachsen sind. Sie sollen ja nicht eines Tages da stehen und kaum etwas von unserem Leben im Banat wissen. Deshalb lade ich auch an dieser Stelle die Jüngsten ganz herzlich zu unseren Treffen ein. Wir wollen uns bemühen und darauf hinarbeiten, dass auch das nächste Billeder Treffen ein Erlebnis wird. Einige der Trachtenträger, die letztes Mal dabei waren, erklärten sich begeistert dazu bereit, auch im nächsten Jahr wieder mitzumachen. Wir freuen uns darüber und sagen „Danke“! Wir würden uns aber mindestens genau so sehr freuen, wenn sich noch mehr Landsleute finden würden, die unsere kleine Gruppe verstärken möchten. Dankbar und froh wären wir natürlich auch, wenn weitere Ideen und Anregungen die Gestaltung unseres Festes bereichern würden. Die Leistungen unserer Heimatgemeinschaft hängen auch von der Arbeit des Einzelnen ab. Nur vereint sind wir auf Dauer stark! Deshalb meine Bitte: Bringt Euch in die Vereinsarbeit mit ein, steht nicht abseits! Im Namen des Vorstandes der Heimatortsgemeinschaft Billed e.V. wünsche ich allen Billedern fröhliche Weihnachten sowie ein gutes und glückliches Jahr 2005! Werner Gilde Vorsitzender der HOG Billed
Rückblick
Die Flucht von 1944 am Fallbeispiel Billed 60 Jahre seit dem Frontwechsel Rumäniens Elisabeth Packi (geb. Hehn)
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ach dem Frontwechsel Rumäniens am 23. August 1944 entstand für die hier lebenden Deutschen eine völlig neue Lage von weitreichender, schicksalhafter Bedeutung. Es wurden Vorbereitungen zur Evakuierung der deutschen Bevölkerung aus großen Teilen des Banats und Nordsiebenbürgens getroffen. Die sich auf dem Rückzug befindenden deutschen Truppen riefen die Bevölkerung zur Flucht auf. Bereits am 15., 16. und 17. September setzten sich die ersten Wagenkolonnen der Flüchtlinge in Marsch. Das Durcheinender der Befehle, die unklare Kompetenzverteilung und nicht zuletzt das Versagen der örtlichen Organisatoren machten aber eine systematische Evakuierung in vielen Dörfern unmöglich. Dennoch brachen einige Gemeinden aus den Bezirken GroßSankt-Nikolaus und Perjamosch in geschlossenen Trecks auf (wie etwa in Marienfeld, Neu-Sankt-Peter oder Albrechtsflor). Die Gesamtzahl der von Ende August bis Anfang Oktober aus dem heutigen rumänischen Staatsgebiet evakuierten Deutschen ist schwer zu bestimmen. In der „Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ostund Mitteleuropa“, Band III „Das Schicksal der Deutschen in Rumänien“, herausgegeben vom Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte heißt es zusammenfassend: „Insgesamt werden sich somit bei Kriegsende nahezu 100.000 volksdeutsche Flüchtlinge aus Rumänien auf dem Boden des damaligen Deutschen Reiches befunden haben. Der größere Teil der Sachsen und Schwaben blieb jedoch in Rumänien zurück.“ Von der oben genannten Zahl waren schätzungsweise etwa die Hälfte der Betroffenen Banater Schwaben. An der Westgrenze Rumäniens, von Großwardein bis zum Eisernen Tor, gab es in den ersten Tagen nach dem 23. August keinerlei 4
militärische Fronten. Erst in den Tagen zwischen dem 17. und 21. September fand der Einmarsch der russischen Truppen in Temeschburg und Arad statt. Für Billed begann die Schicksalswende am 21. September 1944, als plötzlich ein Spähtrupp von etwa 20 Rotarmisten im Dorf auftauchte. Die vom Hottar Heimkehrenden berichteten, dass die Fluren voller Russen seien. Und tatsächlich noch am gleichen Tag überfielen die Besatzer das Gemeindehaus, setzten den letzten freigewählten Bürgermeister - Josef Reiter - ab, plünderten die Gemeindekasse und verwüsteten das ganze Gebäude. Am 22. September stieß eine deutsche Kampfgruppe in Richtung Billed vor. Fast drei Wochen tobte ein erbitterter Kampf in den Straßen von Billed, welchem von beiden Seiten zahlreiche Soldaten zum Opfer fielen. Am 5. Oktober wurde Billed endgültig von den Russen besetzt. Es folgten Gewalt und Plünderungen, die bis in den Winter anhielten. Als die deutsche Heeresleitung die Aussichtslosigkeit der Lage erkannt hatte, forderte sie die deutsche Bevölkerung von Billed zur Flucht auf. Etwa 70 Familien folgten dieser Aufforderung, packten ihre Habseligkeiten und verließen Haus und Hof. Die Billeder Flüchtlinge bildeten jedoch keinen gemeinsamen Treck. Sie sind in kleinen Nachbarschaftsgruppen aufgebrochen. Ein erster Treck von 10 Familien versuchte über Jugoslawien zu flüchten. Dieser wurde bei Kikinda von serbischen Partisanen gefangen genommen. Die Männer wurden hingerichtet, die Frauen und Kinder zurückgeschickt. Ein zweiter Treck flüchtete über Ungarn. Dieser überquerte die Grenze bei Keglowitsch. Nach einigen Wochen kamen die
Rückblick meisten von ihnen an ihrem Bestimmungsort in der Ostmark (heute Österreich) an. Eine dritte Gruppe flüchtete mit der Eisenbahn. Es waren dies meist Frauen und Kinder, deren Männer und Väter an der Front waren. Sie wurden in Hatzfeld in Waggons verladen, bevor es in Richtung Westen weiterging.
hann Klein [473], Nikolaus Laut, Jakob Muttar [381], Wilhelm Kuhn [287], Johann Slawik [468]. In Niederösterreich: Peter Krier [50] und Peter Mumper [49] In der Tschechoslowakei: Elisabeth Tuttenuit [424], Peter Steiner [450] und Wendel Steiner [450].
Die meisten der Flüchtlinge verbrachten den Winter 1944/1945 in Niederösterreich, wo sie bei Bauern untergebracht wurden. Oft geschah dies jedoch in Form von Zwangseinweisungen, denn es herrschte eine allgemein flüchtlingsfeindliche Stimmung. Im Frühjahr 1945 zog der Großteil von ihnen in Richtung Westen weiter, manche kehrten aber auch in ihre Heimat zurück.
Während der Kampfhandlungen um die Gemeinde Billed wurden insgesamt 12 Zivilpersonen getötet. Sieben Billeder wurden während der Flucht von jugoslawischen Partisanen hingerichtet.
Diejenigen, welche die Flucht heil überstanden hatten, fanden laut Franz Klein (nachzulesen in „Billed – Chronik einer Heidegemeinde im Banat in Quellen und Dokumenten, 1765-1980“) das Endziel ihres Fluchtweges wie folgt: In Oberbrunn: Familie Flesch [547], Familie Braun [469], Adam Neiß [622], Johann Deininger [350], Michael Kotzian [815], Josef Mann [475], Mathias Slawik [424], Johann Wolf [469] In Ried im Innkreis: Jakob Noll [9], Susanne Alexius [115], Anna Schlauch [115], Mathias Slawik [371], Johann Groß [369], Josef Reiter [376], Jakob Wolf [415], Nikolaus Mann [474], Jakob Laub [535], Anna Schaljo [224], Hans Peter [307], Johann Keller [679], Jakob Mumper [572], der Gastwirt Hans Fiak, Johann Mann [131], Josef Thöreß [532]. In Grieskirchen: Peter Gago [143], Josef Zimmermann [148], Jakob Jung [428], Magdalena Scholz [543]. In Waldzell: Anton Weiß [691] und Jakob Metzger [499]. In Eching: Wilhelm Adametz [621], Nikolaus Klein [642], Jakob Eimann [147], Jakob Gilde [297], Mathias Klaus [644], Jo-
Und wieder stoße ich während meiner Recherchen auf Franz Klein, der im letzten Teil seiner Orts-Monographie „Das große Sterben der Bevölkerung von Billed im Zweiten Weltkrieg und in den Nachkriegsjahren“ auch den Verlust in den Reihen der Zivilbevölkerung lückenlos dokumentiert. Diejenigen Personen, deren Name im Folgenden mit einem * versehen ist, wurden auf der Flucht von jugoslawischen Partisanen hingerichtet. Die anderen kamen während der Kämpfe um Billed ums Leben. Elisabeth Bohn [144], Johann Bohn* [349], Johann Braun* [299], Filip Braun [747], Anton Göttert [858], Elisabeth Göttert [858], Michael Hahn [415], Susanne Kraußer [269], Johann Linzer* [298], Anton Mayer [637], Adam Neumann [602], Michael Ortinau* [229], Heinrich Schaljo [224], Attila Schmidt* [233], Peter Schwarz* [462], Hedwig Steiner [429], Jakob Thöreß [180], Hans Weber* [295] und Katharina Reiter [376]. Für die in Rumänien zurückgebliebenen begannen Jahre der Entrechtung, Verschleppung und Diskriminierung, die ihren Willen in den alten Siedlungsgebieten auszuharren, entscheidend geschwächt haben, was in den folgenden Jahrzehnten in einer Massenauswanderung endete. In Billed leben heute noch etwa 92 Deutsche. 5
Rückblick
Der lange Treck In einem Monat aus dem Banat nach Niederösterreich. Vor 60 Jahren sind 70 Familien vor der Sowjetarmee westwärts geflüchtet
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eit Tagen ist Gewehr- und Kanonen don-ner zu hören. Er wird immer lauter. Die Deutschen in Billed haben ein ungutes Gefühl. Der Sommer ist fast zu Ende. Der Mais sollte schon gebrochen werden. Doch seit Tagen traut sich kaum noch jemand auf den Kneser und Hodonier Hotter. Und dann taucht am ersten Herbsttag der erste Russe in der Sauerländer Gasse auf. Seit jenem 21. September 1944 sind 60 Jahre vergangen. Es sind Jahre, in denen sich das Dorf in der Banater Heide so grundlegend verändert hat, dass die, die es seither nicht mehr gesehen haben, es kaum wieder erkennen würden. Für die, die nicht an der Front sind, beginnt erst das große Leid. In jenen Septembertagen, aber auch noch später, will kaum einer es wahr haben, was in den kommenden Monaten, Jahren und Jahrzehnten passiert. Der russische Vorposten in der Sauerländer Gasse kann keinen Feind im Dorf ausmachen und lässt seine Kameraden ausschwärmen. Auf dem Hof von Jakob Gilde im Schatten der Billeder Kirche taucht an diesem Tag ein Soldat asiatischer Herkunft auf, die Kalaschnikow im Anschlag. Sein Ziel: die Ställe. Seine Truppe braucht Pferde. Doch er findet keines. Jakob Gilde hat sein letztes Pferd - die beiden vorletzten hat die rumänische Armee ihm genommen - hinter den Strohschober gestellt. Bis dorthin geht der Rotarmist nicht. Er zieht unverrichteter Dinge ab. Das unverhoffte Auftauchen des Mannes mit den Schlitzaugen lässt bei Jakob Gilde die Alarmglocken läuten. Er will weg, bevor die Russen scharenweise einfallen. Das Pferd macht es noch möglich, und deutsches Militär, das die Russen am nächsten Tag aus dem Dorf drängt. Jakob Gilde, seine Frau Katharina und die Tochter, die auf denselben Vornamen wie die Mutter hört, zögern keinen
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Johann Steiner Augenblick. Sie bereiten die Flucht vor. Sie schlachten ein Schwein, braten das Fleisch, konservieren es in Gläsern und packen das Nötigste. Am 24. September hat Jakob Gilde Geburtstag. Er wird ihn auf seinem ersten Fluchttag fahrend und marschierend verbringen. Er lässt einen Stall voller fetter Schweine zurück, einen Keller voller Kartoffeln, die gesamte zur Lieferung vorbereitete Hanfernte, den nicht geernteten Mais und die ganze Wirtschaft. Doch er hat viel Geld bei sich. Das Jahr 1944 war noch ein gutes Jahr für Landwirte im Banat. Zusammen mit den Gildes aus der Kirchengasse flüchtet auch ein Teil der Verwandtschaft. Jakob Gildes Schwester Maria aus der Altgasse, die mit Hans Szlavik verheiratet ist. Die beiden nehmen Schwiegertochter Anna und den knapp vier Monate alten Enkel Ewald mit. Die Eltern bleiben im Haus in der Altgasse: Katharina und Jakob Gilde senior weigern sich mitzufahren. Als dritte Familie fahren die mit den Szlaviks und Gildes verwandten Brauns aus der Altgasse mit: Mutter Katharina mit der gleichnamigen Tochter und Sohn Hans. Dabei sind auch die Eltern der Mutter, Margarethe und Hans Wolf. Ungarische Soldaten haben ihnen die letzten Pferde weggenommen. Für den Trecker haben sie keinen Diesel mehr. Über Gertjanosch erreichen die Flüchtlinge Hatzfeld und erleben die erste Überraschung: Sie treffen Jakob Szlavik, Ewalds Vater, der sich als Angehöriger der Organisation Todt von Serbien durchgeschlagen hat. Kurzentschlossen zieht er die Uniform aus und fährt im Flüchtlingstreck als Zivilist mit. Über St. Hubert erreichen sie Kikinda im serbischen Teil des Banats. Unter dem Schutz deutscher Soldaten besteigt ein Teil
Rückblick der Flüchtlinge einen Zug, der westwärts fährt. Dazu gehören auch die Brauns und Wolfs, die auf dem Weg ihr ganzes Gepäck verlieren, aber schließlich wohlbehalten Ried im Innkreis erreichen und in Niederbronn einquartiert werden. Sie haben es bei „ihrem“ Bauern nicht gut. Auch Maria Szlavik und ihre Schwiegertochter Anna mit dem Sohn Ewald entscheiden sich für den Zug. Der Rest der Familie fährt mit dem Pferdewagen weiter. Doch es dauert nicht lange, dann sehen sie sich wieder. Die Pferdefuhrwerke holen den von serbischen Partisanen gestoppten Zug ein. Sie setzen die Flucht mit der Familie fort. Der Pferdewagen-Treck erreicht nach wenigen Tagen die Theiß bei Szeged. Die Flüchtlinge müssen sich gedulden. Die Gildes und Szlaviks liegen acht Tage am Fluss, um mit der „Flüchten oder bleiben“? - die Schicksalsfrage im Fähre übersetzen zu können. Sie ha- Herbst 1944. ben Glück und schaffen es. Auf der Fahrt haben sie schon manches gute Stück ten Tochter Magdalena, seiner Tochter Wetweggeworfen, denn die Wege sind vom vie- ti Schäfer und Enkelin Arntrud. Sie nehmen len Regen aufgeweicht, die Pferde haben es auch Margarethe Rademacher und deren schwer. Weil immer wieder serbische Parti- Tochter Maria ins Schlepptau. Auch sie versanen versuchen, die Flüchtlinge am Über- lassen Rumänien bei Hatzfeld, fahren über setzen zu hindern, lassen viele Pferde und Serbisch-Zerne, erinnert sich Magdalena Wagen mit dem letzten Hab und Gut stehen. Sehi geborene Gilde. Dort stoppen PartisaSie retten das nackte Leben auf die ungari- nen sie und zerstören Hans Gildes Traktor, sche Seite. Manche profitieren davon. Jakob der mit zwei angehängten Wagen zurückGilde nimmt sich eines der zurückgelassenen bleibt. Deutsche Soldaten vertreiben die Parherrenlosen Pferde. Er hat jetzt ein zwar un- tisanen. Weiter geht es nachts mit den beigleiches Gespann, doch zwei Pferde schaf- den Pferdefuhrwerken, die ihnen noch gefen mehr als eins. Wie sich später im Salz- blieben sind. Auf den aufgeweichten Wegen burger Land herausstellen soll, gehört das müssen sie bald einen der beiden Wagen Pferd einem Billeder. Viele erreichen das zurücklassen, weil es die Pferde nicht mehr rettende ungarische Ufer nicht. Sie fallen in schaffen. Die beiden Rademacher-Frauen die Hände serbischer Partisanen. Dazu ge- entschließen sich, nach Hause zu gehen. Sie schaffen es. Die anderen erreichen Deutschhört eine Reihe Billeder Familien. Zerne. Deutsche Soldaten schicken sie nach Auch Hans Gilde, ein Vetter Jakob Gildes, Kikinda, denn nur dort kann noch für ihre begibt sich am 24. September auf die Flucht Sicherheit garantiert werden, so Magdalena mit seiner Frau Regina, seiner unverheirate- Sehi. Doch dorthin gelangt der Treck nicht 7
Rückblick mehr. In Elemer fallen die Flüchtenden in die Hände von Partisanen. Diese Serben bringen die Gefangenen nach Großbetschkerek: Frauen und Kinder auf Pferdewagen. Die Männer müssen laufen, reitende Partisanen treiben sie vor sich her. In einer ehemaligen Mühle beginnt für die Männer ein unbeschreibliches Martyrium. Sie werden geschlagen, gefoltert und später erschossen. Die Frauen und Kinder, die zusammen untergebracht sind, bekommen - genau wie die Männer - kaum etwas zu essen. Weil die Frauen protestieren, werden die Jugendlichen nach einigen Tagen von den Männern getrennt und in dem Raum der Frauen gesteckt, erinnert sich der damals 17jährige Hans Ortinau. Dieses Glück haben neben Hans Ortinau ferner Hans Braun (Kirchengasse), Adi Klein und zwei Gesellen. Freigelassen werden nach wenigen Tagen die beiden Temeswarer Textilfabrikanten Josef Stefan Schmidt und Anton Knopf. Die Russen brauchen sie, um die Produktion wieder anzukurbeln. In die alte Mühle eingeliefert werden nach paar Tagen auch Katharina Köster und ihr Schwiegersohn Hans Lichtfuß. Deutsches Militär nimmt sie auf dem Rückzug von Hatzfeld mit einem Rot-KreuzWagen mit, weil sie auf ihrem Hof in der Vertgass verwundet wurden: Katharina Köster hatte ein durchschlagenes Bein, Hans Lichtfuß 18 Granatsplitter im ganzen Körper verteilt. Bis Hatzfeld sind sie zusammen mit Hans Lichtfuß, Tochter Maria und Sohn Hans geflüchtet, die jedoch von dort heimkehren. Die gefangenen Männer müssen täglich zur Arbeit. Anfangs leeren sie die Rucksäkke erschossener und umgebrachter deutscher Soldaten. Das verschimmelte Brot, das sie darin finden, ist gut gegen den Hunger, sie weichen es am Brunnen in Wasser auf und essen es. Die Männer sind in einem Raum mit Betonwänden und -boden untergebracht, Betten fehlen. Von den Decken fallen die Wanzen. 8
Die Frauen haben Stockbetten, sie müssen sich gegen Läuse wehren. Vor dem Raum der Frauen liegt die „Schwitzzelle“. Dort erschlagen die Partisanen nachts deutsche Soldaten. Sie prügeln mit Knüppeln und Gewehrkolben auf sie ein. Die Blutlachen sind am Morgen nach den fürchterlichen Schreien in der Nacht ein weiteres Zeugnis dieses Martyriums. Unter den Gefangenen ist auch eine russische Krankenschwester. Sie wird eines Tages freigelassen. Doch sie will das Lager nur verlassen, wenn auch die anderen Gefangenen befreit werden. Ihr Protest hilft. Im Dezember werden Frauen, Kinder und Jugendliche freigelassen. Von Billed kommen frei: Magdalena und Regina Gilde, Wetti und Arntrud Schäfer, Susanne und Maria Weber, Gabi und Barbara Linzer, Inge, Elsi, Günther und Magda Thöreß, Magdalena, Ritzi und Adi Klein, Mädi, Hans und Anna Braun, Katharina Köster, ferner Attila Schmidts Frau. In Hatzfeld werden sie von Rumänen im Großen Wirtshaus interniert, doch es geht ihnen besser, denn die Bevölkerung versorgt sie. Jede Straße ist reihum eine Woche lang an der Reihe, für die Geschundenen zu kochen. Ein neues Problem ist jetzt aufgetreten: Die Mädchen müssen sich vor den russischen Soldaten verstecken, um der Vergewaltigung zu entgehen. Das Versprechen, auch die Männer aus der Mühle in Großbetschkerek zu entlassen, halten die Serben nicht. Im Lager in Betschkerek kommen ums Leben, die meisten durch Genickschuss: Dr. Hans Weber, Hans Linzer, Janni Braun, Dr. Michael Ortinau, Attila Schmidt, Peter Schwarz und Hans Bohn. Die Flucht gelingt Hans Gilde, Adam Klein, Albert Thöress und Hans Lichtfuß. Wie Magdalena Sehi berichtet, ist ihr Vater, Hans Gilde, nach der Heimkehr ein gebrochener alter Mann. Er wird an den Folgen der Prügel sterben. Hans Lichtfuß gelingt zweimal die Flucht. Das erste Mal schicken die Rumänen ihn von Arad aus zurück nach Serbien. Das zweite Mal, im
Rückblick
Aus dem Banat flüchtete etwa ein Zehntel der deutschen Bevölkerung.
Jahr 1948, wird er wieder in Arad festgenommen, doch anschließend freigelassen. Während die einen in serbischen Lagern dahinvegetieren, setzen die anderen die Flucht fort. Mit Essen sind die Flüchtenden versorgt. Probleme gibt es nur mit Kleinkindern. Maria Szlavik klopft täglich in den Dörfern an Haustüren und bittet für ihren Enkel Ewald um Milch. Jeden Tag Milch von einer anderen Kuh, das verträgt nicht jedes Kind. Ewald übersteht es, problemlos. Für die Pferde ist gesorgt, denn der Mais ist noch nicht geerntet. Nächstes Ziel des Trecks ist die Donaubrücke in Dunaföldvar und dann deutscher Boden. Nach einem Monat hat die Flucht in Niederösterreich ein vorläufiges Ende. Doch das weiß noch keiner. Die Familien Gilde und Szlavik machen in Aspersdorf im Kreis Hollabrunn Halt. Das Bürgermeisteramt kümmert sich um die Unterbringung der Flüchtlinge. Familie Gilde wird bei Familie Haunold eingewiesen. Der Hausherr will sie im Vorbehalterhaus unterbringen. Es ist ein altes Gebäude. Das Zimmer und die Küche haben kaputte Fußböden, die Fensterscheiben sind eingeschlagen, Möbel fehlen. Als sich die beiden Frauen umsehen, müssen ihre Mienen Bände sprechen. Der Hausherr bittet sie ins Haupthaus. Er lässt das alte Haus reparieren, Dorfbewohner spenden Möbel.
Sie kommen durch den Winter. In Aspersdorf erhält Familie Gilde Besuch. Hans Steiner, der Verlobte Katharinas, hat zwei Wochen Urlaub. Er marschiert in der Zeit, als die Flüchtlingstrecks schon unterwegs sind, als Wachsoldat mit russischen Gefangenen binnen eines Monats von Belgrad bis Wien. Auch der Neffe der Gildes, Jakob Billinger, kommt während seines Urlaubs zu Besuch nach Aspersdorf. Im Frühjahr nähert sich die Front, die zwei Familien packen wieder und fahren weiter westwärts. Über Bayern gelangen sie ins Salzburger Land. Den 8. Mai erleben sie im zu St. Georgen gehörenden Untereching. Der Tag des Zusammenbruchs ist ein schlimmer. Freigekommene Kriegsgefangene bewaffnen sich, morden und feiern Orgien. Familie Gilde kommt bei dem Landwirt Franz Spatzenegger unter. Sie hat Glück. Die Spatzeneggers sind gute Leute. Die Gildes bekommen täglich ihren Liter Milch und ausreichend Kartoffeln. Bei dem herrschenden Elend nicht mit Gold aufzuwiegen. Doch was sie und ihre Gastgeber nicht ahnen können: Das Gute, das die Gildes erfahren, werden sie mit ähnlich Gutem zurückzahlen. Zwei Wochen nach dem Zusammenbruch ist Hans Steiner ein freier Mann. Als Angehöriger der Organisation Todt hat er keinen Blutgruppenstempel unter dem Arm. Des9
Rückblick halb entlassen in die Amerikaner aus der Kriegsgefangenschaft. Über die Salzach wechselt er von Bayern nach Österreich und geht zu seiner Verlobten nach Untereching. Der neue Bürgermeister von Sankt Georgen bei Salzburg nimmt ihn nur unter einer Bedingung in die Gemeinde auf: Er muss auf seinem Hof Knecht werden. Auf dem Bauernhof gibt es oft Suppe zum Mittagessen. Doch wählerisch kann keiner sein. Hauptsache: Er ist satt.
gasse dürfen zusammen mit sechs Mann aus Kleinbetschkerek täglich nach Krems fahren, um das Kino instand zu halten. Und dann ist der langersehnte Tag der Freiheit gekommen: der Karfreitag 1946, es ist der 19. April. Als er in Untereching eintrifft, sind die Ostereier schon gefärbt. Doch Ewald hat Angst vor dem Vater, er kennt ihn nicht. Mit den gefärbten Eiern gelingt es Jakob Szlavik, den Sohn spielend für sich zu gewinnen. Das Eis ist gebrochen.
Weniger Glück als Hans Steiner hat Jakob Szlavik. Nachdem seine Familie in Niederösterreich untergebracht ist, schlägt er sich nach Wien durch und meldet sich bei seiner Einheit. Nach Weihnachten 1944 wird er nach Prag verlegt, wo ihn seine Mutter eines Tages besucht. Sie legt die 120 Kilometer nach Prag zu Fuß zurück. Auf dem Weg zurück nach Niederösterreich nimmt ein Lastwagenfahrer sie mit. Von Prag setzt sich Jakob Szlaviks Einheit nach Westen ab. 14 Tage vor dem Zusammenbruch wird ihm noch die Blutgruppe unter den Arm tätowiert. Er gehört jetzt der Waffen-SS an. Am 4. Mai ist er mit Kameraden auf einem Bauernhof bei Salzburg. Sie sind hungrig. Doch die Bäuerin kann ihnen kein Brot anbieten. Sie dürfen sich jedoch Kartoffeln nehmen. Als sie eben die Suppe kochen wollen, tauchen Franzosen auf und stellen sie an die Wand, um sie zu erschießen. Bevor die Franzosen anlegen können, fahren Amerikaner vor und nehmen sie als Gefangene mit. Zurück bleibt alles, was sie noch haben. Auch die Uniformröcke. Sie kommen in ein Sammellager bei Ried. Es folgen kalte Nächte. Sie liegen ohne Schutz im Freien, morgens bedeckt Reif ihre Körper. Und sie sind hungrig. Sie werden dann in ein richtiges Lager bei Wegscheid verlegt. Auch dort plagt sie der Hunger. Doch eines Morgens duftet es nach Kaffee. Und von diesem Tag an funktioniert der amerikanische Verpflegungsnachschub. Allmählich wird alles lockerer. Jakob Szlavik und Josef Thöreß aus der Alt-
Er ist erst wenige Tage frei, da steht ein Hochzeitsfest an. Katharina Gilde und Hans Steiner sind seit dem 29. März standesamtlich getraut, jetzt bekommen sie auch den kirchlichen Segen. Seit Monaten hat die ganze Familie die Lebensmittelkarten nicht eingelöst. Jetzt reichen sie aus, um die nötige Portion Fleisch für den Hochzeitsbraten einkaufen zu können. Es ist der 23. April. Hans Steiner hat keinen Sonntagsanzug. Seine Kleidung hängt noch daheim im Schrank bei den Eltern. Aber Jakob Szlavik kann aushelfen, sein blauer Anzug hat die Flucht überstanden. So richtig wollen Hose und Rock dem deutlich größeren Bräutigam nicht passen. Er trägt den Gürtel samt Hose etwas tiefer. Es sind eben schlechte Zeiten. Inzwischen hat Jakob Gilde sein rumänisches Geld - es hätte ausgereicht, ein Haus zu kaufen -, in Reichsmark und in Schilling umgetauscht. Doch die Gedanken kreisen ständig um die Heimat. Katharina Gilde hat großes Heimweh. Maria Szlavik will ihre alten Eltern nicht allein in Billed lassen. Die Folge: Als erster fährt Hans Szlavik nach Hause, um alles zu erkunden. Im Juni machen sich Katharina und Jakob Gilde zusammen mit Tochter und Schwiegersohn, ferner Maria Szlavik mit Sohn, Schwiegertochter und Enkel auf den Heimweg. Geld für die Fahrkarten haben sie noch. Hätten sie es nicht, wäre die Heimreise gefährdet. Um die Durchreiseerlaubnis durch Ungarn zu erhalten, lassen sie sich als Ungarn registrieren. Einen Schleuser haben sie auch gefunden. Es ist ein ge-
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Rückblick
Auf der Flucht vor der Roten Armee wisser Stefan. Er stammt aus dem serbischen Teil des Banats und spricht Deutsch, Ungarisch, Serbisch und Rumänisch. Am Tag der Abfahrt kommt Katharina Braun auf den Salzburger Bahnhof, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und sagt: Leute, was habt ihr vor? Doch die Heimreisewilligen lassen sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Sie steigen ein in den Zug Richtung Osten. In Kaposvar die erste Überraschung. Die Ungarn kontrollieren die jungen Männer und filtern ehemalige SS-Angehörige heraus. Stefan, der Schlepper, geht zweimal zur Kontrolle, einmal für sich und das zweite Mal für Jakob Szlavik. Ein Wunder, dass es nicht auffällt. Einer der Kontrolleure schaut schon schief. An der Grenze im Dreiländereck Ungarn/Rumänien/Serbien sind die ungarischen Grenzer bestochen. Doch das hindert sie nicht, den Heimkehrern vor dem Grenzübertritt die letzten Habseligkeiten wegzunehmen. Während die einen heimgehen, flüchten die anderen. 1946 kommt Katharina Brauns Bruder Hans in Niederbronn an. Nach einer Haft in Targu-Jiu flüchtet er über die Gren-
zen in die Freiheit. 1949 zieht die ganze Familie nach Kaiserberg im Oberelsass, wo sie bis 1952 bleibt. Dann dürfen die Brauns endlich nach Deutschland einreisen. Ihre Odyssee endet in Glatt im Schwarzwald. Dort finden Margarethe und Hans Wolf mit Kindern, Katharina Braun und Hans Wolf, ihre letzte Ruhestätte. Den Szlaviks, Gildes und Steiners erspart die Flucht die Russland-Verschleppung. Der Verbannung in den Baragan entgehen sie aber nicht. Zu Hause angelangt, stehen die Gildes vor dem Nichts. Nicht einmal ein Bett haben sie mehr. Im Haus sind Bessarabien-Flüchtlinge. Doch die rücken zusammen und machen ihnen Platz. Das Verhältnis ist gut, man hilft sich sogar. Trotzdem: Eines Tages kommt Misstrauen auf. Aus den Nahrungsmittelvorräten der bessarabischen Flüchtlinge fehlt ab und an etwas. Der Verdacht fällt auf die frisch Heimgekehrten. Der Bessarabier ist Postmeister und hat einen Lehrling. Als der Postmeister den Jungen beim Stehlen erwischt, verprügelt er ihn jämmerlich. Der Hausfrieden ist für immer hergestellt. 11
Rückblick
„Flucht“ von Stefan Jäger. Wegen eines gebrochenen Rades am Pferdewagen wird eine Flüchtlingsfamilie von den Rotarmisten eingeholt. Doch das sind Lappalien. Hans Steiner Bahnhof. Er tritt die Hälfte seines Tabaks und Jakob Szlavik haben ganz andere Sor- einem Eisenbahner ab, der nimmt ihn im Gügen, ähnlich wie viele andere Heimkehrer. terwagen nach Simeria mit. Nach zwei TaBeide sind vor dem Angriff auf die Sowjet- gen wird er zu Hause sein. Er muss noch eiunion aus der rumänischen Armee desertiert nige Male umsteigen: in Deva, Radna und und haben sich der Organisation Todt in Ser- Temeswar. Auf dem Bahnhof in Temeswar bien angeschlossen. Jetzt werden sie gesucht. dann die Überraschung: Jakob Szlavik sieht Ein Monate währendes Versteckspiel be- den Billeder Polizeichef in den Zug einsteiginnt. Es endet erst, sagt Jakob Szlavik, als gen. Er geht bis nach Tscharda, steigt dort in Peter Mann die Pferde einspannt, unter al- den Zug ein, in dem der Polizist sitzt. In Billen Wehrmachts- und Waffen-SS-Angehöri- led verlässt er den Zug auf der dem Bahngen sowie Deserteuren im Dorf eine Samm- hof abgewandten Seite. Der Polizeichef sieht lung durchführt und die Polizei besticht. Die ihn nicht. Verfolger sind stets Angehörige der neuen rumänischen Kolonisten, die Ende 1944 ins Kaum sind die Flüchtlinge heimgekehrt, Dorf gekommen sind, alle Rechte haben und erreicht sie aus Untereching die Nachricht, sich als Herren aufführen. dass der Sohn ihrer Wohltäter in Temeswar in Gefangenschaft ist. Hansi, dem jüngsten Hans Steiner hat Glück, er entwischt ih- Sohn der Spatzeneggers, ist die Flucht aus nen immer wieder. Doch Jakob Szlavik fas- einem serbischen Lager über die Donau gesen sie eines Tages bei Onkel Wendel in der lungen. Er sitzt im Dikasterialgebäude am Altgasse. Sie bringen ihn zusammen mit Ja- Domplatz ein. Bis er nach Russland verkob Bürger und Josef Schöplein nach Temes- schickt wird, versorgen die Gildes ihn mit war und anschließend nach Hunedoara ins Lebensmitteln. Der Kreis hat sich geschlosHüttenwerk. Dort angekommen, sitzt er mit sen. Die Hilfsbedürftigen werden zu Helfern. vielen anderen Eingefangenen in einem gro- Die Freundschaft zu den Spatzeneggers wird ßen Raum. Doch nicht lange. Beim Schicht- die Jahrzehnte überdauern, bis sich alle nach wechsel mischt er sich unter die vielen Ar- der Aussiedlung der Steiners 1980 in Österbeiter, die das Werk verlassen und geht zum reich und in Deutschland wiedersehen. 12
Rückblick
„Stille Nacht, heilige Nacht“ Josef Herbst
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4. Dezember 1944: Heiligabend im letzten Kriegswinter des zweiten Weltkrieges. 70 Familien aus unserem Ort flüchteten Anfang September vor der herannahenden Front. 10 Familien wollten über Jugoslawien durchkommen, aber Partisanen stellten sich ihnen in den Weg. Sie haben die Männer willkürlich hingerichtet und die Frauen und Kinder nach wochenlangem Lageraufenthalt nach Rumänien zurückgewiesen. 40 Familien flüchteten über Ungarn und hatten nach wochenlangen Entbehrungen das Glück bis nach Österreich zu kommen. 20 Familien kehrten einfach um, die Front zu Hause zu erleben schien ihnen das kleinere Übel. Vom 22. September bis zum 5. Oktober war der Frontverlauf vor unserem Ort. Danach wurde Billed sozusagen von der Front überrollt, es landete im sowjetisch-kommunistischen Einflußbereich der Welt. Die Leute fragten sich bange, wie es denn weitergehen würde? An Heiligabend 1944 war die Kirche überfüllt. Domherr Josef Unterreiner, seit über 30 Jahren Dechantpfarrer in Billed, gestaltete die Christmette mit sehr vielen Ministranten überaus feierlich. Ahnte er, was da noch kommen würde? Zum Abschluss des Gottesdienstes sang der Kirchenchor, wie jedes Jahr, „Stille Nacht, heilige Nacht“. Es war für viele Anwesende das letzte Mal, das sie dieses überaus beliebte, feierliche Lied hörten: Am 15. Januar 1945 erfolgte die Verschleppung aller männlichen Personen im Alter von 16 45 sowie aller Frauen von 17 - 33 Jahren zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion. Von den 556 Deportierten unserer Gemeinde sollten
Während der Messe, von Stefan Jäger. 76 „Stille Nacht, heilige Nacht“ nie wieder in ihrer Heimatkirche zu Ohren bekommen. Wie ist dieses Lied entstanden? Oberndorf, im Salzburger Land, am 24. Dezember 1818. Bei den letzten Proben versagte in der Pfarrkirche die Orgel. Eilig schrieb der damalige Hilfspriester Josef Mohr einen 4-Strophen-Text für das Ersatzlied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Noch am gleichen Abend komponierte der Organist und Dorfschulmeister in Arnsdorf, Franz Gruber, eine passende Melodie für 2 Stimmen, Chor und Gitarren-Begleitung. So entstand eines der schönsten Weihnachtslieder, es wurde in über 180 Sprachen übersetzt und man singt es sogar dort, wo man Weihnachten gar nicht kennt. Es wurde zum meistgesungenen Lied auf Erden, obwohl weder ein berühmter Dichter noch ein Komponist von Weltruf es schuf. Es ist ein „ Weltvolkslied“ geworden. 13
Rückblick
Durch Europa, aber nicht als Tourist Josef Breitenbach 2. Teil
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er Lkw ging es weiter bis vor Szegedin, am nächsten Tag bis in die Nähe von Ketskemet, dann in den Raum Szolnok, wo wir - wie gewöhnlich - in selbstgegrabenen Erdlöchern in Stellung lagen. In einem abgeernteten Maisfeld mit aufgestellten Laubhaufen verloren wir einen Siebenbürger Kameraden, da sich - vermutlich - ein einziger Russe angeschlichen hatte, der dann auch sein Leben lassen musste. Ich sah nur, wie der Sachse aus dem Laubhaufen heraus kam, hörte den Feuerstoß aus einer MP und sah, wie sein Stahlhelm in die Luft flog und er zusammenbrach. Wenn wir in Stellungen kamen, wo vorher Russen lagen, wunderten wir uns immer, wie die so enge und tiefe Löcher graben konnten. Während dieser Zeit waren wir immer draußen, außerhalb der Ortschaften. Bei einem Uberraschungsangriff auf die russische Stellung, bei der wir zum Glück nur kleinere Verluste hatten, stellten wir den großen Unterschied zwischen Kompaniechefs, die ihren Soldaten im Kampf voran gehen, alles riskieren und den „Schreibstubenhengsten“ fest, die nur aus der Deckung die Soldaten antreiben, statt selbst ein gutes Beispiel zu sein. Es hat sich auch hier bewiesen, dass die Offiziere und Unteroffiziere, die in der Ausbildung die größte Klappe hatten und am arrogantesten waren, vorne an der Front sehr feige waren. Am Abend erfuhren wir, dass uns 100 Panther-Panzer zugeteilt wurden, da der Auftrag vielleicht kriegsentscheidend sein konnte und das übliche Gerede von Heldenmut, Soldatenehre und Endsieg. Bei Debrecen sollten die Russen eingekesselt werden! Ein kurioser Vorfall ereignete sich, als wir uns den Häusern näherten: Ein russischer Soldat kam, einen Hocker vor sich haltend, auf die Straße, lief aber bei unserem Anblick so 14
schnell wieder in den Hof, dass wir gar nicht schießen konnten. Zurück blieb auf dem Hocker ein Teller mit noch warmen Spiegeleiern, wahrscheinlich für einen Offizier. Wir berieten, ob die wohl vergiftet sein könnten, ließen sie uns dann aber doch schmecken, die für einen russischen Offizier bestimmten Eier! Trotz erreichten Ziels konnten wir unsere Stellung nicht halten und um die eigene Einkesselung zu vermeiden, haben wir uns still und leise in den Szolnoker Raum zurückgezogen. Die Kriegspropaganda im Radio aber meldete, dass russische Divisionen eingeschlossen sind und ihrer Vernichtung entgegengehen. Vor der Stadt auf freiem Gelände hatte ich wieder mal ein sonderbares Erlebnis: Ein Russe kam mir mit dem Gewehr im Anschlag - genau wie ich - entgegen. Als wir uns in etwa 15m Entfernung sahen, blieben wir sofort stehen, machten - wie auf ein geheimes Kommando - kehrt und gingen zurück. Es ist schon ein Unterschied, auf jemanden zu schießen, der weit entfernt ist oder auf jemanden, mit dem man Blickkontakt hat. Vielleicht sagte uns unser Unterbewusstsein: „Wenn ich nicht treffe, trifft er mich!“ Ich gehörte nie zu den ganz Mutigen, eher zu den Zaghaften. In einem von den Russen aufgegebenen Dorf, das aber immer noch unter Granatfeuer war, lag ich im Straßengraben und knapp neben mir schlug ein Blindgänger ein: Noch mal Glück gehabt! Gegen Abend wurden wir in Szolnok in einer Kaserne untergebracht, wo wir uns nach 6 Wochen zum erstenmal wieder duschen konnten und saubere Wäsche bekamen, was sogar die Läuse freute, die in Scharen aus der verschwitzten Uniform in das saubere Hemd krochen. Nachdem wir in richtigen Betten die Nacht durchgeschlafen hatten, mit „neuen Leuten“ aufgefrischt wa-
Rückblick
Josef Breitenbach vor seiner Malstaffel in Stuttgart ren, ging’s in Stellung vor der Stadt. Die Neuzugänge waren alle ohne Fronterfahrung und zum Teil noch jünger als wir. Mein neuer Kamerad kam aus einer technischen Werkstatt - wahrscheinlich Lehrling. Unter ständigem Störfeuer haben wir uns eingegraben und erfahren, dass die eigene Artillerie einen Banater getötet hat, weil sie zu kurz geschossen hatte. Bei den Granatwerfern konnte man gut hören, wo sie einschlagen, weil sie nicht so schnell flogen; nur wenn man sie ganz kurz hörte, war es gefährlich, denn dann schlugen sie in der Nähe ein. Als es dunkel wurde, ließ ich den Neuen die erste Wache, die leichtere, übernehmen. Während ich versuchte einzuschlafen, hörte ich etwas, als hätte er geschossen und ich sagte: „Du Trottel, warum schießt du denn? Du verrätst doch mit dem Mündungsfeuer nur unsere Stellung!“ Darauf rief er: „Au, mich hat’s erwischt!“ Ich fragte: „Wo denn?“ - „An der Hand“, sagte er. Als ich die Wun-
de verband - es war sternenklar - kam mir gleich der Verdacht, dass er sich selber durch die Hand geschossen hat. Nun war ich die ganze Nacht allein und an Schlafen war nicht zu denken. Am nächsten Morgen kam unser Sanitäter und fragte mich, wie das denn mit der Verwundung war, weil man vom Hauptverbandsplatz nachgefragt hatte, ob er nichts Verdächtiges an der Wunde festgestellt hat. Eigentlich hatte er sie ja gar nicht gesehen, da sie von mir gut verbunden worden war und er deshalb den Verband nicht geöffnet hatte. Weil ich in Griechenland einen Sanitätskurs gemacht hatte, hatte ich ihm die Wunde so gut verbinden können. Deshalb war ich jetzt im Dilemma: Einerseits wollte ich dem Kameraden nicht schaden, andererseits durfte ich ihn auch - entgegen der Wahrheit - nicht so in Schutz nehmen, dass es verdächtig erschien, denn das hätte mich in große Schwierigkeiten bringen können. Ich war ja überzeugt, dass er sich selber in die Hand 15
Rückblick geschossen hatte. Darum habe ich behauptet, nicht sagen zu können, wie es passiert ist, da ich geschlafen habe, was ja mein Recht war, während der andere wachte. Beim Verbinden konnte ich doch nichts sehen, weil es Nacht war. Dabei blieb es auch und ich wurde nicht weiter befragt. Was dann mit ihm geschehen ist, weiß ich nicht, auf Selbstverstümmelung jedoch stand die Todesstrafe. Auch der neue Kamerad ist mir schon am nächsten Tag abhanden gekommen, ich weiß aber nicht mehr wieso. Weil ich wieder allein war und schlafen wollte, obzwar es kalt war, habe ich mich in ein Loch unter einem Strohschober verkrochen. Wie schon erwähnt, war ich nicht sehr mutig, aber manchmal doch sehr leichtsinnig. Weil „mein“ Strohschober den ganzen Tag unter Granatfeuer lag, wählte ich mir einen anderen, kletterte darauf und hatte so eine bessere Aussicht. Mein „neuer“ Kamerad - jünger und ganz neu an der Front - musste erst von mir das Schießen mit dem Maschinengewehr lernen. Es zeigte sich, dass unser „Stellungswechsel“ sehr gut war, denn die Russen kamen zum vorherigen Strohschober, verrieten sich jedoch durch einen unvorsichtigen Schuss, so dass ich mit der MP in diese Richtung feuern konnte; die ganze Nacht gab es Störfeuer von Granatwerfern. Vom Strohschober aus sah ich größere Bewegung auf russischer Seite, was auf einen Angriff hindeutete. Auf gleicher Höhe mit mir sah ich im Graben einen Russen stehen, der Zeichen machte, dass die andern ihm folgen sollten. Ich schoss auf ihn, traf ihn aber nicht. Erst als er über die Straße herüber kam, um Schutz in einem Haus zu suchen, habe ich ihn scheinbar ins Bein getroffen, denn er konnte nicht weiterlaufen und machte seine Kameraden auf sich aufmerksam. Doch mit diesem Schuss muss ich meinen Standort verraten haben, denn gleich darauf schlug eine Kugel vor mir ins Stroh ein. Ich 16
dachte mir: „Jetzt haben sie dich gesehen!“ und duckte mich noch tiefer. Als ich nach einiger Zeit ganz vorsichtig den Kopf hob, sah ich so 70-80m vor mir jemanden mit erhobenem Gewehr stehen. Da hat es auch schon geknallt und ich bekam einen kräftigen Schlag ans Kinn. Der Kopf fiel mir nach unten, es drehte sich alles um mich, ich schloss die Augen und dachte: „Es ist aus!“ Doch etwas später machte ich die Augen auf: Es drehte sich nichts mehr! In dem Moment rief mein Kamerad von unten: „Hat’s dich erwischt? Mich auch.“ Ich ließ mich vom Schober runterfallen und bemerkte erst unten, dass mein rechter Arm kraftlos herunterhing. Meinen Kameraden hatte es am Bein erwischt, so dass er nicht mehr laufen konnte. Ich sagte ihm, dass er sich verbinden soll, ich laufe zurück und melde, dass er verwundet ist und nicht laufen kann. Das Ganze dauerte nur paar Sekunden. Vielleicht war es doch gut, dass ich auf dem Schober war, unten hätte es mich noch schlimmer erwischen können. Ich lief dann, was ich konnte, zurück, doch nach etwa 50m wurde ich in einem Maisfeld langsam müde und konnte nicht mehr laufen. Ich spürte auch ein Brennen am linken Handgelenk und sah, dass ich auch dort blutete. Ich bekam es sofort mit der Angst zu tun, denn ich fürchtete, dass es die Schlagader erwischt hat, was zum Glück nicht der Fall war! Mir wurden langsam die Knie weich, ich hatte nicht einmal so viel Kraft in den Armen, das Koppel 1cm zusammenzuschieben, damit der Brotbeutel mit der vollen Feldflasche herunterfiel. Ich tastete dann mit der linken Hand an mein Kinn und spürte, dass alles weich und blutig war. Ich versuchte sogar zu sprechen, kam aber nicht auf die Idee, meinen Spiegel aus der Tasche hervor zu holen, um hinein zu sehen. Vielleicht war es auch gut so!? So ging ich dann weiter bis zum Kompaniegefechtsstand, der durch kleine Pfeile mit unserer Feldpostnummer gekennzeichnet
Rückblick
Mein Freund Mandl sagte:„Sepp, wie schaust du denn aus?“ Ich habe dann etwas zum Trinken verlangt, doch sie sagten, dass sie nichts haben. Das stimmte aber nicht, sie wollten mir bloß nichts geben. Diese Bilder wurden in Wien-Stammersdorf eine Woche nach der Verwundung gemacht. war. Unterwegs sah ich einen toten Russen, der - an den Beinen verwundet - vor Tagen an dieser Stelle flehend die Hände erhoben hatte. Zugführer Hillmann hatte klar und deutlich gerufen, es soll ihm niemand etwas zuleide tun, weil er verwundet ist und unter dem Schutz des Roten Kreuzes steht. Woran er dann aber doch gestorben ist, kann ich nicht sagen. Den Kompaniegefechtsstand fand ich in einem Keller nicht weit vom Ortsrand. Als ich die Treppe hinunterging, sind die dort Anwesenden ganz bleich geworden und mein Freund Mandl sagte: „Sepp, wie schaust du denn aus?“ Ich habe dann etwas zum Trinken verlangt, doch sie sagten, dass sie nichts haben. Das stimmte aber nicht, sie wollten mir bloß nichts geben. Daraufhin sagte ich, dass ich in meiner Feldflasche noch Kaffee habe. Dann erst versuchten sie, mir etwas zu geben. Aber ich konnte nicht viel
hinunterschlucken, weil das meiste seitlich herauslief und die Zunge wahrscheinlich auch schon geschwollen war. Ich sagte dann, dass mein Kamerad am Bein verwundet ist und nicht laufen kann, auch in welche Richtung sich die Russen bewegen, was ich ja vom Strohschober aus hatte sehen können. Der Sanitäter - auch so ein Held mit großer Klappe - musste mich, obwohl er Angst vor den Granatwerfern der Russen hatte, zum Bataillonsarzt begleiten, der mich verbunden hat, wonach ich zum Hauptverbandsplatz gefahren wurde. Unterwegs habe ich noch schießen hören und dachte mir: „Hoffentlich kommen wir noch rechtzeitig da raus!“ Dass ich die Verwundung nicht überleben würde, daran habe ich keine Sekunde gedacht. Doch damit war für mich auch der Fronteinsatz beendet. Was mit meinem verwundeten Kameraden geschehen ist, weiß ich nicht. Fortsetzung folgt 17
Rückblick
Kurze Beschreibung des Sanitätswesens in der Heidegemeinde Billed
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inige mir vorliegende alte Schriften be handeln sehr aufschlussreich das Sanitätswesen „Billiets“ und geben Auskunft über den Gesundheitszustand der Einwohner im 18. und 19. Jahrhundert. Ohne zu ahnen, welch nützliches und wertvolles Quellenmaterial er damit späteren Generationen hinterließ, hat der königlichungarische Hofkammerrat und Salzwesensdirektor Baron Wolfgang von Kempelen im Auftrage der Wiener Hofkammer, mit einer Instruktion vom 1. Juli 1767 versehen, am 22. August 1767 eine Inspektionsreise ins Banat angetreten, die er am 18. November 1767 beendete und darüber seine Eindrücke niederschrieb. Am 11. Februar 1768 übergab er in der „Relation welche der königlich hungarische Hofkammerrat und Salzwesensdirektor Wolfgang von Kempelen als k.k. Commissarius über die ihm allergnädigst aufgetragene Banatische Impopulations Untersuchungscommission gehorsamst abgestattet hat“ einen 272 Seiten umfassenden handschriftlichen Bericht, der im Wiener Hofkammerarchiv aufbewahrt wird. Kempelen nahm seinen Auftrag sehr ernst, war sehr aktiv und bereiste in knapp drei Monaten nicht weniger als 9 neu angesiedelte Orte und 27 mit neuen Ansiedlern erweiterte Dörfer. Er beschrieb seine Eindrücke und den vorgefundenen Zustand. Auf Grund seiner Beobachtungen arbeitete er einen „Grundriß zu einer systematischen Landeseinrichtung des Banates“ aus. 1769 mit der Leitung der Banater Ansiedlung betraut, praktizierte er ein Ansiedlungsverfahren, das auch Misserfolge aufwies. Deshalb verließ er 1770 das Banat und wurde durch Hildebrand ersetzt. Wir sind nicht berufen, Kempelens Schuld oder Unschuld am Versagen seiner Ansiedlungsmethode zu beurteilen, sondern freuen uns vielmehr des hinterlassenen handschrift-
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Wilhelm Weber lichen Berichts, besonders der Relation „Zweyter Theil, Beschreibung der Banatischen Ansiedlungs-Örter“, worin er auf den Seiten 100 bis 105 einiges über die Verwirklichungen, aber noch viel mehr über die Anfangsschwierigkeiten des bei seiner Inspektion gut ein Jahr alten Dorfes Billiet und über die von ihm getroffenen Anordnungen berichtet. Wenige Orte des Banats erfreuen sich solcher zeitgenössischer Beschreibungen der Erstzeit. Die ausführlichste ist wohl die von Kempelen verfasste. Er beschreibt darin, dass er bei seiner Inspektionsreise, die ihn im September 1767 auch nach Billiet geführt hat, feststellte, dass in den 252 fertigen und mit Ansiedlern bereits bewohnten Häusern „192 Kranke beyderley Geschlechts mit verschiedenen Arten von Fiebern behaftet waren“, welchen der Feldscher Gerbel „mit Arzneyen und Fleischbrühe nach Nothdurft“ beistand. Auch ist dem Bericht zu entnehmen, dass ein Spital in einer großen Bretterhütte untergebracht war. In diesem Notjahr 1767 wurde eine Anklage- und Bittschrift verfasst und nach Wien geschickt. Aus dieser Anklage gegen die grobe und unmenschliche Behandlung der Ansiedler seitens des Distriktverwalters Knoll geht hervor, dass bereits zwei Einwohner verhungert sind und „400 schon würklich brösshaft lagen“ und der Untergang des ganzen Dorfes unausbleiblich gewesen wäre, hätten sich nicht die beiden Ärzte Dr. Groß und der Distriktchirurg Dr. Leber der Kranken angenommen. Laut Bericht hat Dr. Leber den armen Kranken sogar aus seinen eigenen Mitteln Geld zur Verfügung gestellt, um sich das Allernotwendigste an Lebensmitteln kaufen zu können. Auch ist in der Bittschrift von einem „ordentlichen Spittal“ die Rede. Den „Justiz Commissions Protokollen“ aus dem Monat Juli 1773 ist zu ent-
Rückblick
Kempelens „Zweyter Theil, Beschreibung der Banatischen Ansiedlungs-Örter“ 19
Rückblick
Die erste Seite des Kempelenschen Berichtes über Billiet im Monat September 1767. nehmen, dass der Feldscher Max Scholtz „zu Billiet“ gestorben ist und ein von Hackner, Obrist des k.k. Erzherzog Maximilian Kürassierregiments, sich dafür eingesetzt hat, dass der „Verwittibten Billieter Colonisten Feldscherin Eleonora Scholtz“ die Verlassenschaft ausgefolgt werde. Da sich ein Offizier um die Frau des verstorbenen Feldschers kümmerte, ist anzunehmen, dass Scholtz Mi20
litärfeldscher war. Das bekräftigt wieder die Annahme, dass in den Ansiedlerdörfern auch Militärärzte und Militärfeldscher lebten und wirkten. Wie die Hilfe und der Beistand bei Geburten 1767 verlief, wurde von Kempelen folgendermaßen geschildert: „Kein geschwohren, oder eigends vorgestelte Hebamen haben diese deutschen Örter durch aus nicht,
Rückblick sondern es befinden sich fast in einem jeden Dorfe ein paar Weiber, die gleichsam ein Profession darausmachen den Gebärenden beyzustehen, oder aber eine Nachbarin komt der anderen zu Hülfe, und dessen ungeachtet, hat man mich versichert, dass unter diesem gemeinen Volke sich nur sehr seltsam unglückliche Geburten ereignen.“ Mangels Unterlagen kann keine lückenlose Namensliste aller in Billed tätig gewesenen Ärzte und Feldscher erstellt werden. Soweit es mir möglich war und anhand verschiedener ärztlicher Zeugnisse und Rezepte gelang es mir herauszufinden, dass außer den schon anfangs erwähnten zwei Ärzten und Feldschern in den Jahren 1837 bis 1842 Dr. Hartwigh als Wundarzt und Kreisarzt in Billiet praktizierte. Zum damaligen „Billieter Sanitätssprengel“ gehörten Alexanderhausen, Lowrin, Bogarosch, Groß- und Kleinjetscha, Gertianosch, Csatad und Grabatz. Über Dr. Kotzvar ist 1841 vermerkt, dass er als Arzt der Billieter Herrschaft alljährlich in Billiet und den zur Herrschaft gehörenden Dörfern die Impfungen gegen Blattern vornahm. 1855 war Dr. Anton Slezak Billieter Kreisarzt. Aus ärztlichen Zeugnissen und Gutachten ist ersichtlich, dass 1858 Dr. Franz Kramer und 1862 Dr. Franz Prochaska in Billet, wie damals das Dorf hieß, als Ärzte wirkten. Diesen folgte Dr. Bartusch. In der II. Hälfte des 19. Jahrhunderts, vermutlich als Nachfolger von Dr. Bartusch, ordinierte Dr. Becker in der Hauptgasse. Er stammte aus Bogarosch und, wie es noch vor einigen Jahrzehnten alte Leute wussten, verordnete er Rheumaleidenden Bäder in Gerberlohe aus der Riederschen Gerberei. Sein Nachfolger, der auch außerhalb der Gemeinde bekannt und geschätzt war und am Anfang des 20. Jahrhunderts gemeinsam mit dem berühmten Hatzfelder Chirurgen Dr. Diel viele Gemeinden bereiste und Kranke heilte, war Dr. Josef Szentirmay-Schütz, der bis
Ein Bittgesuch der Gemeinde Billiet an die Torontaler Komitatsverwaltung. ins hohe Alter ordinierte und 1951 mit 81 Jahren starb. Außer ihm praktizierten noch: Dr. Nikolaus Tuttenuit, Dr. Johann Schäfer und der Zahnarzt Dr. Johann Feiler. Neben diesen privat ordinierenden Ärzten gab es auch staatlich angestellte, die als Kreisärzte wirkten wie Dr. Horia Pauta, Dr. Mihailescu, Dr. Valeriu Iutchin, Dr. Ludwig Klöcker, Dr. Walter Halm, Dr. Peter Wersching und auch heute wirkt Dr. Victor Telescu. Billed verfügt über ein ärztliches Ambulatorium und ein Entbindungsheim; seit vielen Jahren wirken hier auch Zahnärzte, Kinderärzte - vor Jahren war es Dr. Jakob Schneider - und ein geschultes Sanitätspersonal. Von Interesse sind auch die in den Sterbematrikeln der Jahre 1766 bis 1770 in der Rubrik „Infirmates“ angegebenen, den Tod verursachenden Krankheiten, zumeist ist es „Dissenterie“, also Ruhr. Vermerkt wird häufig auch „Febris maligna“, Böses Fieber, „Febris calida“ und „Variola“. Febris maligna lichtete die Reihen der Erwachsenen, Variola hingegen die Reihen der Kinder. In medizinisch-historischen Studien stellten 21
Rückblick
Anfang eines ärztlichen Gutachtens des Billeter Arztes Dr. Franz Prochaska über die Verletzung des Peter Fingen, nachdem ihn sein Schwiegersohn misshandelt hatte. Ärzte fest, dass unter der Bezeichnung „Febris maligna“, die häufig in dieser Zeit in den Sterberegistern sämtlicher Pfarreien des Banats vermerkt ist, Flecktyphus zu verstehen ist. An dieser, bis dahin umstrittenen und teilweise unbekannten Krankheit starben mehr Ansiedler als an den herkömmlichen, schon bekannten und im Banat verbreiteten Seuchen wie Banater Sumpffieber (Malaria),
Ruhr, Blattern, Cholera, Pest und Skorbut. Genau 150 Jahre später - 1927 - um einen Vergleich anzustellen, starben in Billed 66 Einwohner, davon 16 Kinder unter 7 Jahren. Aus der Statistik geht hervor, dass folgende Krankheiten den Tod dieser 66 Menschen verursacht haben: Bronchitis, Gehirnhautentzündung, Magen- und Darmerkrankungen, Lungenentzündung und Lungentuberkulose.
Entwurf zum Ansiedlungsbild von Stefan Jäger
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Rückblick
Billed mit den Augen eines Siebenbürgers Friedrich Töpfer 2. Teil digung seiner geographisch-sprachlichen nfang September begann für Schüler Heimat ein. Für seine deutschen Landsleuund Lehrer der Ernst des Lebens, nicht te, die sich beruflich und menschlich ungedass man sich logischerweise in den Unter- recht behandelt fühlten, war er oft die letzte richtsstoff vertieft hätte, nein, die Parteifüh- Anlaufstelle, und er half nicht selten, wenn rung des Landes sorgte dafür, dass man 2-4 dies in seiner Macht stand. Doch er wurde Wochen lang auf den weiten Feldern vorerst zu einer „tragischen Gestalt“, da er erkennen frische Luft schnappte und eine „landwirt- musste, dass die Ideale des Sozialismus in schaftliche Praxis“ ausübte. Mit dem Wan- seinem Vaterland missbraucht wurden. So del auf dem Lande waren die Landwirt- siedelte er 1984 Hals über Kopf zu seinem schaftlichen Produktionsgenossenschaften Sohn in die Bundesrepublik Deutschland (Kollektivwirtschaften) gegründet worden, aus, unternahm hier aber keinen Versuch, ein die aber an chronischem Arbeitskräfteman- „ Westgesicht“ aufzusetzen, wie das von eigel litten. Also verrichteten während der nigen anderen Intellektuellen zu berichten Erntezeit bestimmte Tätigkeiten nur die wäre. Wenn dann der erwartete Unterricht anlief, Schulkinder, wie das Maislieschen, Kartoffelneinsammeln, die Tomatenernte usw. - und bestätigte sich die von Haus aus erfahrene dies für ein Dankeschön. (Eigentlich unbe- gute Kinderstube, der sprichwörtliche Fleiß zahlte Kinderarbeit!) Geriet man mit dem der deutschen Schüler sowie deren Freude an vorgesehenen Arbeitspensum in Verzöge- geistiger Arbeit, was von allen Lehrern dankrung, konnte schnell und willkürlich die bar honoriert wurde. Auch waren die GrundHauptschuld den Lehrern zugeschoben wer- schullehrerinnen: Frau Beck, Frau Divo, den. So erschienen eines Tages der bekann- Frau Mager, Frau Orner, Frau Pierre, Frau te Parteiaktivist Nikolaus Berwanger, der Weber usw. ihren Pflichten in den unteren deutsche Bürgermeister des Ortes und der Klassen gewissenhaft nachgekommen und immer sauer dreinblickende rumänische Par- hatten den Kindern Wissen und Fertigkeiten teiboss von Billed und lasen in einer „Ar- mitgegeben, auf denen dann in den weiterbeitssitzung“ allen deutschen und rumäni- führenden Jahrgängen leicht aufgebaut werschen Lehrkräften lautstark die Leviten. Das den konnte. An allen Schuleinheiten des Landes, also Merkwürdige an der Sache war, dass die Obrigkeit insgeheim wusste, dass die Lehr- auch in Billed, gab es damals eine einheitkräfte überhaupt keine Schuld an Erntever- lich verordnete Uniformpflicht, die bei den zögerungen tragen konnten und wir die zu Mädchen z.B. die Länge der Röcke und soUnrecht erhobenen Beschuldigung als eine gar die Breite und Farbe ihrer Haarbänder festschrieb, jedoch preisgünstig konnten die Absurdität erkannten. erforderlichen Bekleidungsstücke am SchulKurz zu Nikolaus Berwanger (1935- jahresanfang keinesfalls erworben werden. 1989): Er war Banater Schwabe, einer sozi- Im Gegenteil! (In Deutschland erlebte ich aldemokratischen Tradition entstammend, dann, wie es ohne Uniformpflicht, jedoch mit von deren Werten zutiefst geprägt. 1969 zum abgetragenen, angerissenen Jeans ist, die als Chefredakteur der „Neuen Banater Zeitung“ chic gelten!) Stimmten aber andere Rahmenbedingunin Temeswar berufen, setzte er sich - innerlich überzeugt - für den Aufbau einer neuen gen wie Schulgebäude und KlasseneinrichGesellschaftsordnung sowie für die Vertei- tung, um mit Leib und Seele Schüler oder
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Rückblick Lehrkraft in der Großgemeinde Billed zu sein? In dem 1967 errichteten Schulbau sollte die Zentralheizung funktionstüchtig sein - und sie war es dann auch, wenn die winterlichen Temperaturen nicht allzu tief sanken und kein erhöhter Bedarf an Heizöl damals als ein kostbares Gut des Landes betrachtet - da war. Die Schüler saßen deshalb in „kühlen“ Stunden fest eingepackt da, während die in ihren Mantel eingehüllte „Professorin“ hin und her rauschte und zugleich ihr Wissen preis gab. Hätte man dagegen nicht wenigstens einen leisen Protest wagen können? Die Lehrkräfte wagten auch dann keinen Protest, wenn sie unter dem Druck der Parteidiktatur abends für die Ortsbewohner im „Kulturheim“ (Kulturladen!) Aktivitäten zur Erziehung des „neuen Menschen“ starten mussten. Irgendwann wurde auch ein Chor aller Intellektuellen des Dorfes auf die Beine gestellt und nach einer Probezeit durfte man - der Erfolge harrend - wenigstens drei revolutionäre Lieder in Richtung Publikum schmettern. Gesundheitliche Probleme der Chorsänger galten als ein Tabu, so auch die von Kollegin Luci, Zeichenlehrerin an allen Klassen, angemeldeten Zahnschmerzen, so dass diese mit einer festen Binde wie in „Max und Moritz“ zur Probe erschien. Ein Geheimnis jedoch blieb, warum die Schmerzen nur während der Chorproben auftraten. Im Lehrersprechzimmer - wo sie als Künstlerin keine Schülerhefte zu korrigieren hatte - versuchte sie nach dem Vorbild der biblischen Eva, etliche Mannsbilder in Versuchung zu führen, in der Pause mit ihr doch schnell ein Rommeespiel auszutragen. Am 1. März erhielten die Kolleginnen von den Schülern als Zeichen der Anhänglichkeit und der Freude an den ersten wärmenden Sonnenstrahlen „Märzchen“, kleine Anhänger in Form von Herzen, Sternchen, Kleeblättern usw., die sich diese an die Brust steckten. Am 8. März galt es dann, den in den sozialistischen Ländern genehmigten Frauentag „festlich“ zu begehen. Diesmal waren es meist Blumentöpfe, mehr oder weniger 24
geschmackvoll eingepackte kleine Präsente, die den Weg zu allen Frauen fanden, „garniert“ - nach Unterrichtsschluss - mit einem festen Händedruck der Obrigkeit. Jedoch der allbekannte Muttertag, der auf die Amerikanerin Ann Jarvis zurückgeht und seit rund hundert Jahren jeden zweiten Sonntag im Mai seine Verinnerlichung findet, war in der damaligen Öffentlichkeit nicht gefragt und konnte nur im engsten Familienkreis oder in der Kirche Erwähnung finden. Waren Lehrerinnen damals nicht auch Mütter? Und wie wurden denn Väter geehrt? Der Vatertag war in den sechziger Jahren in Rumänien kein Begriff und so hielten sich die männlichen Kollegen lieber an dem am Ende jeden Schuljahres offiziell stattfindenden „Lehrertag“ schadlos. Dabei waren es keinesfalls die verbindlichen Ansprachen und Hurra-Rufe, die interessierten, sondern eher das Fleischgericht (Fleisch wurde immer rarer!) und etliche nicht Alkohol freie Getränke, die man an diesem Tag mit besonderem Genuss schlürfte, aber selbstverständlich auch aus eigener Tasche finanzierte. Man freute sich, das Schuljahr unbeschadet über die Runden gebracht zu haben - wie es überall auf der Welt der Fall ist - auch wenn die Ferienzeit der Schüler mit der eigenen Urlaubszeit nicht im Einklang stand. So mussten nach Schuljahresende zwei-drei Lehrkräfte mit etlichen Kindern, die man händeringend und bittend von zu Hause holte, auf den abgeernteten Weizenfeldern nach liegen gebliebenen Getreideähren suchen, um so einen kleinen Beitrag zum Aufbau des Landes zu leisten. Für das „neue“ Vaterland waren schon Monate vorher, in den Winterferien, die in der Regel nach Weihnachten begannen, einige Kollegen tätig gewesen, als sie gewöhnlich mit je einem Ortsbewohner von Haus zu Haus pilgerten - natürlich auch am Tag der Heiligen Dreikönige - um den jeweiligen Viehbestand (Kühe, Pferde, Schafe, Schweine, Ziegen, Hühner, Gänse, Enten usw.) der Einzelwirtschaften genau in die vorbereiteten Druckbögen einzutragen, zu zentralisie-
Rückblick
Gruppenbild des Jahrganges 1958 vor der Billeder Schule. ren und dann allabendlich dem Bürgermeisteramt von der geleisteten Tagesarbeit Meldung zu machen. Von einigen Bauersleuten wurde einem insgeheim hie und da ein Gläschen „Raki“ (Schnaps) mit dem freundlichen Hinweis angeboten: “Nehmet hin und trinket!...Ihr seid doch durch und durch erfroren!“ Und dann konnte es weiter heißen: „Hingle? (Hühner) Hingle haben wir keine! Ah doch! Schreibt drei oder vier auf, die anderen fünf sind ja schon längst krepiert!“ Bei den Dorfbewohnern war das Ansehen der deutschen Lehrkräfte hoch, vor allem wenn diese ihren Pflichten nachkamen, wollte man doch den eigenen Kindern eine bessere Zukunft sichern. Die Zeit, als durch Heirat „Feld zu Feld“ und „Geld zu Geld“ gegolten hatte, gehörte längst der Vergangenheit an. Das setzte selbstverständlich einen guten Schulabschluss im Ort voraus, um anschließend in der Kreisstadt Temeswar eine entsprechende Ausbildung zu machen oder über die Mühen des bekannten „LenauLyzeums“ (Gymnasium) zu einem Studienplatz an einer Uni zu gelangen. So sorgten Eltern dafür, dass ihre Kinder vor allem im Hauptfach Mathematik zusätzliche Privatstunden bekamen, was einigen Kollegen ein kleines Zusatzbrot bescherte. Deutschlehrer
Franz Trendler gab bei einer sich bietenden Gelegenheit den Mathematikern seine philosophische Betrachtungsweise humorvoll preis: „Je teurer eine Privatstunde ist, umso mehr glaubt der Banater Schwabe an die Effizienz einer solchen Unterrichtseinheit. Also setze man die Taxe von Anfang nicht zu tief an. Lasst euch entsprechend gut bezahlen!“ Im Nachhinein kann das damalige Arbeitsverhältnis der Lehrer (Professoren) untereinander als entsprechend gut bezeichnet werden, auch wenn die „eigenen“ Kollegen sich damit längst abgefunden hatten, dass nur die rumänischen Lehrkräfte in allen Fragen tonangebend und bestimmend waren und das - wie überall in der Republik - schon seit dem gesetzlich verankerten Zusammenschluss aller Schulen im Lande (1959). Auch war es üblich, im gemeinsamen Lehrersprechzimmer Konversationen überwiegend rumänisch zu führen, um ja kein Misstrauen zu erregen oder schief angesehen zu werden. (Man hatte sich eben anzupassen!) Erwähnenswert ist aber, dass anlässlich privater Familienereignisse mehr als ein Vertrauensfunke von einem zum andern sprang und beide Gruppen freundschaftlich miteinander verband: Als der rumänische Mathematiker Fumor D. T. sein Herz an eine romanische Schönheit aus 25
Rückblick Igrisch verloren hatte, wurden etliche Kollegen beider Abteilungen(!) zu seinem im orthodoxen Ritus stattfindenden Hochzeitsfest eingeladen. Auch glaubte der stolze Bräutigam, allen zusätzliche Erläuterungen schuldig zu sein: „Bei uns Rumänen spielt in der Orthodoxie die kirchliche Zeremonie eine wichtige Rolle. Wundert euch also nicht, wenn mir der Pope in der Kirche eine glitzernde Krone einige Male auf- und dann wieder absetzt und mich auch dreimal den Altar umrunden lässt. Auch soll der in Richtung Gotteshaus sich bewegende Hochzeitszug durch diverse laute und schrille Schreie auf sich aufmerksam machen - zugleich nehme jeder Hochzeitsgast des öfteren einen tiefen Schluck aus der mit bunten Bändern geschmückten und ihn begleitenden Weinflasche. Ist die Flasche leer, soll diese mit voller Wucht in Richtung des nächsten Haustores geworfen werden. Krachen muss es auf jeden Fall!“ Wie oft es tatsächlich gekracht hat, ist nach so vielen Jahren nicht mehr bekannt. Ich entsinne mich auch, später mit einem Kollegen in Billed bei Familie Steiner Hochzeitsgast gewesen zu sein. In diesem Haus sollte alles seine deutsche Ordnung haben! So waren Herz- und Schmerzensschreie oder frenetische Freudensausbrüche daselbst nicht eingeplant, dafür gab es in den Abendstunden in einer auserlesenen Männerrunde mit Dr. Franz Haupt einen feinen Humor zu genießen, garniert mit den besten Witzen in Richtung Parteibürokratie des Landes. War dies damals nicht riskant? 1967 war ich also als Junglehrer mit leichten Zweifeln im Herzen in die Großgemeinde Billed angereist und habe in sechs abwechslungsreichen Schuljahren zahlreiche Eindrücke zusammen getragen und bin insgesamt um eine bedeutende Lebenserfahrung reicher geworden. So war hier nicht nur rund um das Kalenderjahr ein gepflegtes Brauchtum zu bewundern, sondern es waren vor allem Schüler und Eltern, die einem erwartungsvoll entgegenblickten und eine positi26
ve Zusammenarbeit geradezu herausforderten. Ist man diesen Erwartungen immer gerecht geworden? Als ich dann später in der neuen Heimat Deutschland mehr als zwanzig Jahre lang Nürnberger Schüler, deren Erziehung und Mentalität vom „freiheitlichen Westen“ geprägt waren, unterrichten durfte und bei meiner Elevenschar nicht selten Intoleranz und Auseinandersetzungen zu beobachten waren, rief ich mir insgeheim die ehemals freundlichen und meist fleißigen Schüler von anno dazumal in Erinnerung. Auch der Eltern von damals gedenke ich, die, wann immer, für jeden pädagogischen Hinweis ein offenes Ohr hatten und deren Bestreben es war, ihren Kindern neben der schulischen auch eine musische Ausbildung angedeihen zu lassen: So lernte z.B. in seiner Freizeit jeder zweite Schüler ein Musikinstrument spielen! Parteibonzen und rumänische Machthaber haben mir viele Stunden und Tage meines jungen Lebens unwiderruflich gestohlen. Es ist aber keinem gelungen, mein helles Erinnerungsbild an Schüler, Eltern und Erzieher sowie an entschlafene Teichlandschaften der Banater Heide zu entzaubern. Und die Verehrung für den naturverbundenen Lyriker Nikolaus Lenau schon gar nicht, dessen Name im europäischen Zusammenleben von heute aktueller denn je sein sollte: „Wenn sich dann der Busch verdüstert, rauscht das Rohr geheimnisvoll. Und es klaget und es flüstert, dass ich weinen, weinen soll...“ (Schilflieder 3) Im August 2003, nach 28 Jahren Abwesenheit - bekanntlich stehen 30 Jahre für eine gesamte Generation - besuchten meine Frau und ich wieder das Banat und die Heidegemeinde Billed, wo wir bei Familie Adam Csonti freundliche Aufnahme fanden und die neuesten Informationen erhielten. Auf gezielte Fragen nach ehemaligen Ortsbewohnern erfolgte meist die lapidare Antwort: „ Verzogen!“, „Ausgewandert!“, „Verstor-
Rückblick ben!“ Von den einstmals zahlreichen Schülern der deutschen Klassen, jetzt Erwachsene im „besten Alter“, sind nur noch wenige im Ort, die dem Rest einer stark geschrumpften Gemeinschaft einen Zusammenhalt und ein Durchhaltevermögen sichern, vor allem die Brüder Adam und Erwin Csonti sowie eine der ehemaligen Klassenbesten Brunhilde Klein und ihr Mann Helmut. Sind das alle? „Selbst eingesessene Rumänen haben ihre seelische Kraft verloren, seit ihre deutschen Nachbarn, mit denen sie so manches verband, in den Westen ausgewandert sind. Mit den Neuankömmlingen verstehen sie sich nicht, sprechen kaum mit ihnen und helfen sich gegenseitig wenig“, berichtet unser Gastgeber. Sein jüngerer Bruder Erwin ist Landwirt geworden, hat sich mit seiner Frau durch Fleiß und mit Hilfe von auswärts (landwirtschaftliche Maschinen) eine solide Existenz aufgebaut. Rindvieh, zahlreiche Schweine, Schafe und Kleintiere werden täglich betreut, wobei ein Arbeitstag mehr als 12 Stunden hat und bei Bedarf werden spät am Abend für auswärtige Trachtenträger Hüte geschmückt bzw. Blumenkränze für lokale Beerdigungen gebunden. Mit Begeisterung spricht der Bauer von seinen Aktivitäten und vor allem von seinen Zukunftsvisionen. Am Ortsende in Richtung Knees wächst der eigene Kukuruz! Brunhilde hat sich nach der politischen Wende gemeinsam mit ihrem Mann und mit Aufbauhilfe eine Konditorei eingerichtet und geht voll und ganz in ihrer Arbeit auf. „Man muss flexibel sein! Darum habe ich meinen Ingenieurberuf vorläufig an den Nagel hängen müssen“, erzählt sie. Ist es eigentlich in Deutschland anders? Aber ahnt sie überhaupt, wie mich jetzt alte Schulbilder beeindrucken, die sie spät am Abend hervorkramt und die mich vor zirka drei Jahrzehnten, damals jung, inmitten meiner einstigen Schülerschar zeigen? „Alle sind in den Westen gezogen, und nur die rote Diktatur nationaler Prägung war
schuld daran“, werden wir am nächsten Tag von einem älteren Mann, Peter Trendler, in der Kirchgasse belehrt, dessen Tochter und Enkelin in einer neu gegründeten deutschen Firma in Temeswar Arbeit gefunden haben, deren Chefin, Erna Paler geb.Weber, ebenfalls eine gewesene Schülerin von mir ist. Peter Trendler ist Billed treu geblieben, wird von der gut funktionierenden Sozialstation des Ortes betreut, schmökert dort gerne in Büchern, spielt Karten und kennt nicht nur nebenbei die genaue Anzahl aller Storchenjungen, die in riesigen Nestern meist auf hohen Elektromasten unermüdlich klappern. Mit Gastgeber Adam Csonti fahren wir in der Abenddämmerung fast alle Gassen der Ortschaft ab: Etlich Gebäude erkenne ich wieder, andere nicht, da von den jetzigen Besitzern seit langer Zeit kein reinigender Pinselstrich mehr aufgesetzt wurde. Halt! Habe ich nicht da in diesem großflächigen Eckhaus seinerzeit eine mit viel Ausdauer angelegte Münzsammlung des Schulbibliothekars Wilhelm Weber bewundern dürfen? Wieso ist dieses Gebäude nun Eigentum der kirchlichen Orthodoxie des Ortes geworden? Ich werde belehrt und informiert. Etwas später betreten wir dann in der Ortsmitte das Kirchenschiff der römisch-katholischen Kirche, zu der man noch vor Jahrzehnten als Lehrkraft keinen Zutritt hatte (Verbot) und sich deshalb schlecht und recht vorbei schleichen musste; besichtigen nachher auch die beiden gepflegten Friedhöfe sowie den außerhalb der Ortschaft renovierten „Kalvarienberg“ mit den 14 Leidensstationen Christi. Ob in der Tiefe dieses aus der Ferne sichtbaren Erdhügels vor vielen Jahrhunderten Fürsten oder auch einfache Krieger ihre letzte Ruhestätte fanden, ist bis heute noch nicht geklärt. Seit eh und je sind die Billeder im christlichen Glauben verankert, und wenn die einstigen deutschen Einwohner den Weg aus der Ferne in den alten Heimatort finden, so ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie im Gotteshaus und auf dem Kalvarienberg weiterhin die Hilfe Gottes erbitten. 27
Rückblick
Hoher Besuch am 8. Juli 1922: Im Garten vor dem Kastell der Kronprinz Karl mit Gemahlin, daneben eine Hofdame und die 2-jährige Lonzi Schneider. Links: Ida Petö, Dr. Ignaz Petö und Stefan Petö. Eins.: Helene Hrivnyak (Schneider).
Seine Majestät Kenich Ferdinand in Billed! Josef Thöresz Ich will eich was verzähle, was nor meh die ganz Alde wisse. Aa ich mit achzich han et nor meh vun meine Eltre un meiner Großi verzähle gheert. Et hat aa scheene Täch for die Billeder gen. Nohm erschte Weltkriech war de Wohlstand in unsrem Dorf am greschte: A jede is seiner Arweit fleißig nohgang, hat sich gut gstan, drum war ne aa zufride. So bei 70% vum Banat is nohm Kriech an Rumänien gfall, was de minschte Leit jo net recht war, weil unser Vatre jo schon ball liewer Ungarisch wie Deitsch gered han, die Ungare han das gut verstan, aa in der Schul war alles nor Ungarisch. Et war awer nix zu änre, die Rumäner han jo alles Scheene un Gute versproch. „Na, wer mr mol gsien“, han die Leit gsaat. Die Rumäner han das alles von aller Anfang an ganz langsam angang, weil 28
net mol die Lehre domols Rumänisch han kenne. Am 13. November 1923 war for die Billeder e ganz große Tach: „De Kenich kummt uf Billed un will sich mol die Derfer anschaue, die wo seim Land nohm Kriech zugfall sen.“ Das war was ganz Großes: De Kenich in unser Dorf un e Baurehof will ne sich anschaue! Alle greßre Baurehef in dr Zwettgass (Hauptgass) sen verschtenicht gen, sich rauszuputze, so hat de Gemeinderat beschloss. „Mer welle doch e gude Endruck mache, weil de Kenich doch e Hohenzoller-Sigmaringer is, aa so e Deitsche wie mer.“ Endlich war et soweit: Die Leit vun alle Gasse, sogar vun de Nochberschderfer, sen in die Zwettgass schaue kumm. Die han
Rückblick
In dr Mett es de Nikolaus Reiter, mei Urgroßvater; rechts von ihm sei Fraa, links sei Tochter Katharina verh. Thöresz; hinne stehn Josef Thöresz, mei Vater, un mei Motter geb. Jost; die zwaa han nohm Kriech die Wertschaft mit Haus un Hof iwerholl; vor meim Urgroßvater stehn ich mit 3 Johr un sen jetz aa schon achzich! rechts un links newer de Stroß mit kläne rumänische Fahne em Kenich zugewunk. Am Gemeindehaus han de Richter un de Domherr uf Deitsch de Kenich empfang, wie das so iblich war mit Brot un Salz. Die hechre Persenlichkeide han dann im Gemeindesaal gess un han dann uner anrem de Billeder Wein un bsonderscht de Tuwak gelobt, weil de jo landesweit bekannt war. Unser Baurehof war jo de erschte gleich newer em Groß-Wertshaus (Camin). Mei Urgroßvater - de Nikolaus Reiter - hat von Großjetscha uf Billed gheirat un hat dann 1890 newer em Groß-Wertshaus zwerch langscht die Gass mit ner trockne Enfuhr gebaut. Was Spannendes, was se mr immer verzählt han: Uf mol reiße zwaa Ordner de Tor hinewidr uf un saan: „De Kenich kummt! Er is schun ufm Wech zu eich.“ Das war mol e
Ufregung, mei Vater war gar net drhem, war aa uf dr Gass uner de ville Leit. Et Militär awer hat alles abgeriechelt un hat käne meh dorchgeloss weger de Sicherheit. Ja, awer de Kenich hat misse empfang gen. Mei 82-jähriche Urgroßvater war korz entschloss, ism in dr Enfuhr entgege gang un hat gsaat: „Seine Majestät der König ist herzlich willkommen in unserem Haus!“ Mittlerweil han die Ordner, die wo jo Billeder ware, aa mei Vater rengeloss. De Kenich hat sich bei meim Urgroßvater for die Enladung herzlich uf Deitsch bedankt un hat sich de Baurehof grindlich angschaut. Am längschte hat ne sich in dr Speis ufghall: Im November noch geraachte Schunke un Speck, die ville Gläser mit Dunschtobst - das Obst ausm eigene Garte - im Keller die ville Grumbiere, e Stenner mit Sauerkraut, meh 29
Rückblick
Das ehemalige Thöresz-Haus in der Hauptgasse Fässer mit Wein vun de Trauwe ausm eigene Garte. Er hat alles gelobt, mer hat gsien, er war stolz, hat heimlich die Träne abgeputzt, hat sich bestimmt gedenkt: „Ja, die sen aa vun dort, wo ich her sen.“ In de Ställ is ne gang, hat die scheene Pher bewunert, sen doch die Keniche aa bei Feschtlichkeide in Offiziersuniform geriet; die Schiwer ufm Tenn, de volle Kukruzhambar, die dutzend gemäschte Schwein, die em e Monat gschlacht gen. Alles hatm gfall! In dr Enfuhr hat ne sich dann verabschid, hat noch gsaat: „Ich han net gement, dass vun so em Sumpfgebiet dorch fleißich Arweide so e bliehendes Land were kann un so wohlhabende Leit do wohne.“ Mei ältre 2-jähriche Bruder hat ne noch uf de Arm gholl un em vill Glick als zukinftiche Hofbesitzer gewunsch. Leider is mei Bruder schon im nächschte Johr an Scharlach gstorb un mei Urgroßvater hat noch bis November 1928 gelebt un is met 87 gstorb. Wann de Kenich Ferdinand aa nor vun 1914 bis 1927 regiert hat, hat ne doch immer 30
sei schitzend Hand iwer uns Deitsche ghall. In de Schule is noml Deitsch unerricht gen, in Temeschwar is e deitsch Schul gebaut gen, die Banatia, natierlich nor vun de Banater Schwowe finanziert. Et war e groß Internat, wo bei 700 Dorfkinner unnergebrung ware; anschließend e Lizeum, e Handelsgimnasium un e Lehrepräprandie, wo die deitsche Lehre ausgebild sen gen for die Volksschule in de Mottersproch. De Professer Josef Nischbach war dort de Direktor un aus Dank un for sei Name verewiche, is in Ingolstadt et Senioreheim noh ihm benennt gen. Ihm un seine Lehrekollege is et gelung, gude deitsche Lehre auszubilde, die wo uns de richtiche Wech gewies han. Dene all saan mr noch mol Dankscheen, weil, wie mer do uf Deitschland kumm sen, mer net nor reindeitsche Name han, mer kenne aa e perfektes Deitsch un han kä Sprachkurs gebreicht. Aa met unser Mundart brauch mr uns net schäme, weil die von do rede jo aa noch ihre Dialekt, bsonderscht die Phälzer un Saarlänner. Wann ich mit dene red, men ich grad et sen Banater Schwowe.
Rückblick
Was uns erwartete, verschlug uns allen die Sprache! Bega - Trophäe ging an die Ostsee Es war ein Handballwettbewerb von Format, das internationale Turnier für Juniorinnen um die IV. Bega-Trophäe, das von der Temeswarer Sportschule in Zusammenarbeit mit der NBZ Ende Juni 1974 veranstaltet wurde. Es nahmen Mannschaften aus der DDR, Polen, Jugoslawien und Rumänien teil, die damals zur Elite ihres Landes gehörten, so dass es fast eine Mini-Europameisterschaft für Klubvertretungen war, bei der nach dem WM-Modus gespielt wurde. HVN Hannover und Montello Rom hatten kurzfristig abgesagt. Der erste Bega-Pokal war an die polnischen Spielerinnen gegangen, zweimal gewann ihn die Sportschule Nr. 2 Bukarest und zum IV.Wettkampf hatten sich auch die Rostockerinnen angemeldet aus der Handballhochburg an der Ostsee. Die Presse berichtete damals, dass auch Billed sich für die Spiele der Gruppe A ganz besonders ins Zeug gelegt hat. Der Handballplatz wurde umzäunt und eingeebnet und erhielt einen feinen Schlacke-Belag (asphaltiert wurde er erst später!), es wurden 120 Tribünenplätze geschaffen und der Baderaum überholt. Alles durch freiwilligen Arbeitseinsatz der Handwerker und Sportliebhaber wie Hans Ortinau, Hans Eichert, Hans Pierre, Hans Herbst, Franz Klein, Nistor Hui u.a. Brigit Polkehn und Gabriele Hennel, zwei der Empor-Rostock-Handball-Juniorinnen von damals, erinnern sich auch heute noch gut an ihre damalige Rumänienreise und ihren Aufenthalt in Billed. So schreibt Brigit Polkehn: „In meiner Freizeit spielte ich Handball. Mit 5 Mal Training die Woche und am Wochenende Punktspiele war das allerdings schon mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Da ich in der DDR groß geworden bin und es dort eine eingeschränkte Reisemöglichkeit gab, war der Sport oftmals die einzige Mög-
lichkeit, Land und Leute kennen zu lernen. So war die Ankündigung, dass für Juni eine dreiwöchige Tour in die Tschechei und nach Rumänien auf dem Programm stand, auf die selbstverständlich nur die Besten mitgenommen wurden, Ansporn für alle Mitspielerinnen, sich noch mehr anzustrengen. Am Ende hatte auch ich Glück, diese Reise miterleben zu dürfen... In Prag blieben wir einige Zeit, um zu trainieren und an einem Turnier teilzunehmen. Über Budapest, die Stadt, die wir uns einen ganzen Tag anschauen und uns von ihr faszinieren lassen konnten, zumal sie so ganz anders aussah als unser kleines Rostock, fuhren wir nach Rumänien und gelangten über Arad nach Billed. Noch während der Busfahrt erklärte man uns, dass wir dort 2-3 Nächte privat untergebracht würden, was für uns alle neu war, denn bisher hatten wir immer zusammen in Schulen oder Hotels übernachtet.“ Gabi Hennel erinnert sich: „ Unsere ersten Spiele fanden in Billed, einem großen Dorf, statt. Was uns erwartete, verschlug uns allen die Sprache: Man empfing uns mit Blaskapelle, einem Chor, einer Ansprache des Bürgermeisters und Blumensträußen. Man wollte uns den Aufenthalt so schön wie möglich machen.“ Brigit Polkehn ergänzt: „Das Einzige, was man uns vorher sagte, war, dass wir bei Deutsch sprechenden Familien untergebracht werden. Als wir dann ankamen und sahen, dass das ganze Dorf zu unserem Empfang bereit stand, waren wir schon sehr beeindruckt... Von Familie Jost wurde ich herzlich aufgenommen und in die gute Stube geführt. Helgas Vater begleitete mich dann voller Stolz durch seinen Garten und wollte mich auch zum Essen einer Peperoni überreden, was ich dankend ablehnte, da ich um ihre Schärfe wusste... Nach dem Essen trafen wir uns dann alle wieder auf dem Schulhof zu einer Kutschfahrt in die nähere Um31
Rückblick
Feierlicher Empfang der Gäste aus Rostock in der Billeder alten Schule. gebung. Dabei hatte ich das große Glück, di- nach Timisoara gekommen sind, um uns dort rekt neben dem Kutscher sitzen zu dürfen, beim Turnier zu unterstützen. Sie wollten uns auch mal die Zügel zu halten. Leider ist das gewinnen sehen. Eine dieser Personen ist die Foto davon nicht so schön geworden... Am junge Frau auf dem Foto links oben im roAbend hat man dann in einem großen Saal ten Hosenanzug. Vielleicht erkennt sie sich für uns ein großes Fest organisiert, wo wir wieder.“ alle zum ersten Mal in unserem Leben Pol„Durch unsere gute Einstellung und unseka tanzten. Wir haben viel gelacht und er- ren Kampfgeist gewannen wir auch das Endzählt und fielen spät am Abend todmüde in spiel, worüber unsere Freude riesengroß war, die Betten.“ denn unser erster Auslandsstart war ein ErGabi Hennel hat noch etwas festgehalten: folg für uns geworden“, schließt Gabi Hen„Es war gerade Tomatenernte und so schlu- nel ihre Erinnerungen an das Sportereignis gen wir uns die Bäuche voll mit Tomaten, mit von vor 30 Jahren, mit dem Zusatz: „ Wir denen unsere Kutscher uns während der hofften, den Pokal auch 1975 zu gewinnen“, Kutschfahrt versorgten.“ was bei ihren rapiden Kombinationen, FlüNach Training und Qualifikationsspielen gelwürfen, „Bomben“ aus der zweiten Reihieß es Abschied nehmen, wobei Adressen he nur bercchtigt erscheint. Die Mannschaft ausgetauscht wurden und man sich ver- „brillierte“ durch ausgezeichnete Vorbereisprach, in Verbindung zu bleiben. tung in der Ballbehandlung, taktische Ein„ Was mir noch in Erinnerung geblieben stellung, Kondition, Kampfgeist, Sicherheit ist, ist, dass einige Gastgeber aus Billed mit und Anpassungsfähigkeit. 32
Rückblick Konrad Knebel, Wachtmeister, in Temeswar ansässig, von den Behörden als Knöbl madjarisiert, ist der Enkel des Michael und der Marianna Knebel, geb. Gallo aus Billed, geheiratet 1828.
Konrad Knöbl, der Wachtmeister Marliese Knöbl
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on Seiten meines Mannes sind auch die Knöbls echte Billeder, denn ein Franz Josef Knebel kam 1792 zusammen mit Gattin und 4 Kindern nach Billed und zwar aus Schwarzach am Rhein. Von einem seiner Nachfahren will ich hier berichten. Konrad Knebel, Wachtmeister, in Temeswar ansässig, automatisch von den Behörden als
Knöbl madjarisiert, ist der Enkel des Michael und der Marianna Knebel, geb. Gallo aus Billed, geheiratet 1828. Einer ihrer Söhne heiratete nach Cene und aus dieser Ehe stammt der Wachtmeister. Er dürfte ein stolzer, selbstbewusster Mann gewesen sein - so würde ich ihn anhand des Bildes (um 1910?) einstufen. Tatsächlich kam er eines Tages in 33
Rückblick die Schlagzeilen der Temeswarer Zeitung. Er wollte nämlich drei Pferdediebe dingfest machen. Mit diesen kam es beim Stadtgraben (gefüllt mit Wasser) zu einer ernsten Rangelei, indem dieselben ihn sozusagen überfielen, unter Wasser drückten, um ihn zu ersäufen. Doch Wachtmeister Knöbl verlor in dieser äußerst bedrohlichen Situation keinen Moment die Nerven, denn er verstand es, seinen Peinigern unter Wasser mit Handschellen die Füße aneinander zu fesseln (grenzt ja an Magie!) und unter diesen dramatischen Bedingungen doch noch die Oberhand zu gewinnen. Kein Wunder, dass er in aller Munde war, Angst oder Bewunderung hervorrief... In den 60-er Jahren waren wir an einem der vielen, schönen Kirchweihfeste bei Fam. Kneip und Wagner zu Gast. Irgendwie kamen wir unter anderem auch auf den KnöblWachtmeister zu sprechen, welcher zu der Zeit längst nicht mehr unter den Lebenden weilte. (Stimmt gar nicht: Solange man von einem Menschen spricht, ist er nicht tot!) Die Großi, die bis dann nur stille Zuhörerin war, sagte plötzlich: „Ei, das es doch bestimmt de Knebl-Wachtmeister gewehn, de wo uns Billeder immer so anstänich behandlt hat. Nämlich han mer in meine junge Johre efters mol Krombiere (Kartoffeln) in die Stadt of de Maark (Markt) gfehrt un han uns anstatt of et Maarktplatz immer an de Hausekke gstellt, was jo net erlaabt war! Do es aa immer mol de Wachtmeister komm un hat jedsmol gsaat: „Billeder, Billeder, seid ihr schon wieder da?“ Strof (Strafe) han mer awer nie zahle misse; mer sen halt dann weggang un han et nekscht Mol gemach wie immer...“ Uns verschlug es die Stimme: Da gab es also noch eine echte Zeitzeugin für den Temeswarer Wachtmeister, der trotz allem immer auch ein Billeder war! Übrigens haben wir ein „standfestes“ Andenken an ihn: eine etwa 1,50 m hohe Nepomukstatue. Diese war seinerzeit im Fabrikstädter Stadtpark und sollte „entsorgt“ werden. Der Wachtmeister 34
Ein schönes Plätzchen zum Bewachen hatte Mitleid mit „seiner Heiligkeit“ und durfte denselben mit nach Hause nehmen. Nach seinem Ableben kam der Nepomuk zum Vater meines Mannes, denn der direkte Nachkomme - sein Sohn Mathias - fiel im II. Weltkrieg. So stand der Nepomuk bis zur Auswanderung nach Deutschland im Garten und wurde danach von Bekannten „aufgenommen“. Erst vor drei Jahren ermöglichten wir dem hl. Mann mit unserem Wohnmobil eine Fahrt nach Ansbach (Zailach), wo er einen würdigen Platz bekam. Es ist kein Fluss, den es zu bewachen gibt, aber ein schönes Plätzchen mit Ranken und Blumen. Sein Gesichtsausdruck strömt noch immer Ruhe und Gelassenheit aus, ein Zeichen, dass es ihm hier ganz gut gefällt (Siehe Bild). Somit schaut nun von OBEN unser Wachtmeister i.R. auf den Heiligen und uns herab. Wir können nur hoffen, dass er von dort seine schützenden Hände über uns und unser Heim hält. Tüchtig, wie er zu Lebzeiten war, müsste er das auch jetzt noch schaffen!! P.S. Gibt es nicht noch Nachfahren mit dem Namen Gallo, welche dieselben Wurzeln haben?
Rückblick
Heirat nach Preiskategorie Marliese Knöbl
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m Vorjahr habe ich über meinen Maurer- weil et letscht Wort han die Eltre g’hat!“ (Wir Opa berichtet, weil seine Eigenschaften, wissen ja um das Drama der Mutter des sein Leben für viele Opas zugetroffen hat: Adam Müller-Guttenbrunn und dessen reifleißig, pünktlich, ehrlich. Die Enteignung chen Vater). Muttis logische Erklärung pasnach dem verlorenen 2. Weltkrieg, das ste nicht zu meinen Traumbildern über LieSchlimmste, was ihnen widerfahren konnte be und Heirat! So war ich richtig aufgebracht - es war wie Hände und Füße zugleich - bei und meinte : „Do hat doch de Kommunismus lebendem Leib abschneiden.... Aber sie lie- a was Gutes, jetz is das nimmi so wichtich! ßen sich nicht unterkriegen - sie - die Nach- Jetz entscheid’ net das Feld, ob mer jemand fahren der Opas vor ihnen, welche einst mit liebt un heirate kann!“ Ja, ihr Schwoweleit - das mit dem Feld noch weniger den Lebenskampf meisterten!! Über was ich euch heute erzählen bzw. hatte noch weitere negative Effekte! Um zum schreiben möchte, ist etwas, - was mich als Feld noch mehr Feld zu bekommen - war es 14-15 Jährige beschäftigte und nach meinem ganz praktisch - Das EINKIND-System! Begriff in der „heilen Welt“ der Banater Jede Familie bemühte sich - weil: „Um GotSchwaben störte. Ich konnte mit meiner Elisabeth und Adam Wagner im Februar 1938 Mutti über alles reden. So kam es, dass ich eines Tages fragte: „Mutti, wieso hascht du e Handwerker g’heirat un ke Bauresohn?“(Das hieß nicht, dass ich meinen Vati als solchen nicht schätzte.) Sie erwiderte, dass ihr vor meinem Vati sehr wohl ein Bauernbursch gefiel - sie auch ihm. Aber er hätte als „Einziger“ 20 Joch Feld geerbt, wobei sie (noch einen Bruder) nur knapp die Hälfte davon bekommen hätte. Wahrscheinlich, ja fast mit Sicherheit würden seine Eltern nie zugestimmt haben und ihm ein Mädchen mit ebensoviel Feld „empfohlen“ haben. (Jedenfalls hat der junge Mann dann zwar auch ein nettes Mädchen geheiratet - und die war wie er - einzige Erbin von 20 Joch). „Do han ich et net d’rof ankomme geloss, ich han mei Grenze gekennt, sonscht hättet mer passiere kenne, dass er mich eventuell steh’n losst - ich wär von mei’m Stand (Ich sage dazu „Preiskategorie“) nimmi ang’schaut gen un von de Reichere sowieso net“. Das war halt so, e jede hat eigentlich gewisst, wer vor ne in Betracht kommt - manche han das net gleich reschpektiert - awer de Kummer war dann vorprogrammiert, 35
Rückblick tes Willen- das reicht doch!“ So wurden sie des eigenen Volkes Totengräber. Aber im Kommunismus verbesserte sich diesbezüglich auch nicht viel! Denn jetzt waren die Zeiten zu schwer! Also zuerst zu reich und danach zu arm dazu?! Immerhin hatten es die Vorfahren viel, viel schwerer - waren viel, viel ärmer - aber DIE konnten sich sechs und mehr Kinder leisten! Die schliefen noch alle in einem einzigen Zimmer! Pest und andere Epidemien wüteten zwar, verlangten ihre Opfer. Aber bei dem Kinderreichtum konnte der Volksstamm auf alle Fälle überleben, ja sich vermehren! Mein Vater entstammte einer alten Handwerkerfamilie -als solcher kam er als „Neuer“ mal Sonntags in die Reih’- wie das hieß, wenn sich eine bestimmte Gruppe Jugendlicher bei einem der Mädel (reihum) traf. Mutti über ihn: „ Dei Vater war damals net so scheen, er war mager un sei Hautfarb recht blass. Ich denk, das kommt von sei’m Beruf. Schmid sen - das es Schwerarweit in schlech-
ter Luft. Awer er war witzich un hat gut rede kenne, un wie ne weggang war, han ich gleich die anre g’froot, wer dann de mit de große dunkle Aue war?! Ja, so hat mich de met seine große Aue un seiner Schlachfertichkeit g’heirat. Mei Leit ware inverstann, e gute Handwerker for ihre Tochter war ne recht...“ Der Kinderreichtum bei Handwerkern war wohl weniger problematisch als bei den Bauern, Vater selbst war das sechste Kind, von denen vier überlebten. Irgendwann hat er uns mal gesagt: „Wenn der Krieg nicht dazwischen gekommen wäre, da hätten wir auch drei oder vier Kinder“. Es waren nebst Krieg die Kriegsgefangenschaft, die Baragandeportation, was alles anders werden ließ, als gedacht.... Sein Nachkomme, der Enkelsohn, hat eher unbewusst des Großvaters Gedankengut in die Tat umgesetzt und hat zwei gesunde Jungs sowie ein Mädchen. Ich kann mich für so eine schöne (fast) Großfamilie begeistern....
Der erste 6-scharige Pflug gefertigt in Billed von Schmiedemeister Adam Wagner, Geselle und Lehrbub im Sommer 1942. Eins.: Marliese Knöbl.
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Rückblick
Die heilige Kommunion des Jgs. 1949 am 24. Mai 1958 mit Pfarrer Josef Wild
Der Pfarrer und der Messner Florica Rosi Reiser
E
gal, wie alt man auch ist: Wenn man an die eigene Kindheit zurückdenkt, dann erinnert man sich an ganz besondere Erlebnisse, die einen ein ganzes Leben lang begleiten. Die Welt war damals für uns Kinder noch in Ordnung, Jungen und Mädchen aus dem Jahrgang ’49 wurden 1956 eingeschult. Aber das Leben im Kommunismus wurde immer härter, die Menschen wurden mehr und mehr unterdrückt. Wenn ich heute an die damalige Zeit denke, dann erinnere ich mich zum Beispiel daran, wie wir sonntags die heilige Messe besuchten und man aus diesem Anlass das schöne Sonntagskleid tragen durfte; oder auch daran, dass die Lehrerinnen werktags immer die Frühmesse besuchten. Schließlich kam die Zeit, in der wir Kinder sehr stolz waren: Wir feierten die heilige Erstkommunion. Damals predigte noch unser lieber alter Pfarrer Josef Wild (1900 1961), den ich sehr gern hatte: Religion war damals mein Lieblingsfach. Die Regierung jedoch machte uns das Leben immer schwerer, erließ das Gesetz, wonach Schülern und
Arbeitern der Kirchenbesuch verboten wurde. Aber ich hatte Glück und ging trotzdem zur Kirche, denn mein Großvater Mark Vetter Christoph war Mesner (Kirchendiener) und ich half oft beim Läuten. Natürlich bekam ich in der Schule immer heftigen Ärger, aber ich ging trotzdem - wenn auch heimlich - zur Kirche. Vor meinem Großvater, der am Sauländer Friedhof gewohnt hat, habe ich noch heute große Achtung! Trotz seiner schweren Gehbehinderung ging er den Weg vom Friedhof bis zur Kirche und wieder zurück dreimal am Tag, um die Glocken zu läuten. Nebenbei pflegte er den Friedhof, war Schuster und reparierte für ein paar Lei die Schuhe der Kunden und zog sechs Kinder groß! Nie hat er sich jedoch beschwert, ihm wäre das alles zu viel. Und wenn man bedenkt, wie heutzutage gejammert wird, wenn man einen ganzen Kilometer zu Fuß gehen muss... Eines Tages erreichte mich die Nachricht, Pfarrer Wild sei gestorben, er wäre während der heiligen Messe zusammengebrochen und gestorben. Eine Persönlichkeit war gestor37
Rückblick
Erstkommunion im Jahre 1938. Jahrgang 1929. Die Serviererinnen vom Katholischem Mädchenkranz nach dem gemeinsamen Festessen im großen Saal. Von links: Magdalena Scholz (543), Elisabeth Tobias (171), Anna Lichtfuss (674), Magdalena Reiter (376), Maria Ochsenfeld (73), Barbara Thöress (565) Margaretha Thöress (41) Maria Gilde (483) Katharina Glassen (708), Anna Mann (230). Kaplan: Hermann Hausner. Eins.: Fam. Peter Schwartz (435) Straubing
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Rückblick
Kommunion des Jahrgangs 1921. Eins.: Barbara Zimmer (529) Pitesti.
Katholischer Mädchenkranz 1939 nach dem gemeinsamen Festessen gelegentlich der Erstkommunion des Jahrganges 1930 im großen Saal (60 Kinder). Von links: Katharina Laub (535), Elisabeth Tobias (171), Anna Lichtfuss (674), Magdalena Reiter (376), Elisabetha Graf (549), Barbara Thöresz (41), Barbara Thöress (565), Maria Reinert (345), Maria Gilde (483), Margarete Thöresz (41), Maria Fischer (53), Anna Mann (230), Kaplan: Adam Zenz. Eins.: Fam. Margaretha Thöress (41) Karlsruhe.
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Rückblick ben! Meine Großmutter ging zum Rosenkranzbeten und ich habe mich mitgeschlichen, da ich so was noch nie erlebt hatte. Ich erinnere mich noch genau: Er war vor dem Altar aufgebahrt, ringsum standen lauter schöne Kränze, meist aus weißen Lilien. Am Tag der Beerdigung, um zehn Uhr, durften wir Schüler natürlich nicht dabei sein, jedoch unser Klassenzimmer lag dem Kircheneingang genau gegenüber, so dass das Geschehen vor den Fenstern uns so fesselte, dass Unterrichten keinen Sinn hatte und unsere Lehrerin uns erlaubte, uns ans Fenster zu
stellen. Es war ein regnerischer Tag - der Totenwagen mit den vier Schimmeln, der weiße Sarg, der ganze Wagen umgeben von weißen Lilienkränzen... Wir standen alle wie gelähmt am Fenster und starrten still hinaus. Das war für uns unfassbar! Ich werde dieses Bild nie vergessen. Ich denke, dass es für jeden von uns solche Erinnerungen gibt, die uns die Heimat nicht vergessen lassen. Und wir sollten dankbar sein, diese Erinnerungen im Herzen bewahren zu dürfen.
Vor dem Theaterstück „Die rote Hanne“, v.l.: Katharina Reitler (207), Margarete Volcz (638), Elisabeth Thöress (328), Leni Sauer (546), Barbara Welter (614), Kaplan Josef Wild, Margarete Nothum (290). Eins.: Leni Wirth geb. Sauer (546) Heilbronn.
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Rückblick
Vor der Aufführung „Die Zärtlichen Verwandten“ am 10.02.1931. v.l.: Wendel Ballmann (520), Elisabeth Thöress (328), Elisabetha Klein (259), Katharina Reitler (207), Maria Pritz (493), Anna Betsch (235), Albert Thöress (328), Barbara Betsch (235), E. Bauer (?), Kaplan Josef Wild, Katharina Welter (486) Leni Sauer (546). Eins.: Leni Wirth geb. Sauer (546)
Einer von unseren
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ir erlebten gerade die ersten Weihnachtsferien im Westen. Es war alles neu, neu, neu... Wir waren von allem so sehr überwältigt, dass uns eine tiefe Ehrfurcht befiel, eine Unsicherheit, ja man kann ruhig Schüchternheit, Untertänigkeit, Ängstlichkeit sagen. Dem entsprach auch unser besonders artiges Benehmen. Weihnachten verbrachten wir bei den Schwiegereltern am Schliersee in Oberbayern und genehmigten uns auch drei Tage Wien, weil ich immer sage: Jeder Banater Schwabe sollte unbedingt drei kulturelle Höhepunkte in der Metropole der k.u.k Monarchie erlebt haben: einen Operngenuss in der Wiener Oper, einen Abend im Burgtheater und eine Operette im Volkstheater. Am letzten Abend: „Der Prinz von Luxemburg“ im Volkstheater. Wir waren selbstverständlich rechtzeitig da, eine gute halbe Stunde vor Beginn der Aufführung. Wir genossen die Atmosphäre im Foyer und blätterten im Programmheft. Nur ab und zu hoben wir
Martin Mettler uns zaghaft aus unserer gebeugten Haltung und beobachteten das Verhalten der anderen, der Einheimischen, derjenigen, die „berechtigter“ waren „dort zu sein“, fielen aber schnell wieder in unsere geduckte Haltung zurück... Irgendwann bemerkte ich, dass an den Wänden eine Bildergalerie hing und sagte zu meiner Frau: „Komm Muttchen, wir schauen uns die mal an. Wahrscheinlich sind das berühmte Schauspieler und Regisseure.“ Sie jedoch meinte: „Wir kennen diese Persönlichkeiten sowieso nicht.“ „Das macht doch nichts. Wir haben doch die schönste Zeit dazu.“ Und schon standen wir vor dem ersten Bild. Das kam mir doch irgendwie bekannt vor. Und wir lasen: Adam Müller Guttenbrunn, Begründer des Volkstheaters. Daraufhin sagte ich: „Aber jetzt stramm gestanden, Muttchen! Das ist einer von unseren!“ Wir richteten uns auf und drehten, erhobenen Hauptes, eine Runde durch die Galerie und waren ungemein stolz. 41
Brauchtum
Kirchweih in Billed Adam Csonti
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m 3. Oktober 2004 fand bei herrlichem Herbstwetter das seit 1996 wieder alljährlich gefeierte Kirchweihfest statt, das von der Billeder Tanzgruppe „Heiderose“ organisiert wurde. Die 15 Trachtenpaare - alle aus Billed - wurden vom ersten Geldherrpaar Claudiu Kleitsch und Susanne Csonti und dem zweiten Geldherrpaar Cosmin Legindi und Laura Kleitsch angeführt. Nach dem Einladen der Ehrengäste marschierte der Kirchweihzug zur katholischen
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Kirche, wo Ortspfarrer Bonaventura Dumea zu Ehren des Schutzpatrons unserer Kirche Erzengel Michael die Festmesse zelebrierte. Am Nachmittag fand die Straußversteigerung und ein Kulturprogramm im Billeder Kulturheim statt. Den Strauß ersteigerte Elmar Nachram für seine Freundin Adeline Messer aus Sanktanna. Anschließend fand Tanzunterhaltung statt; für die Musik war die Mathias-Henschel-Kapelle aus Rekasch zuständig.
Brauchtum
Die „Banater Trachtengruppe Karlsruhe“ wird von der Moderatorin des Volkstumnachmittags als nur aus Billeder Landsleuten bestehend angesagt, wenn dem auch so nicht ist, haben die Billeder doch die Nase vorn.
Billeder in Ulm
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illeder in Ulm und um Ulm herum, die sind dünn gesät. Ich kenne einen, den Ewald. In der Billeder Datei findet man bestimmt noch drei Namen von Familienoberhäuptern. Am 30. Mai 2004 aber, da waren es nicht wenige. Ich meine nicht jene, die um Ulm herum waren, weil sie sich verfranzt hatten. Gesehen habe ich keinen, ihr vielleicht? Und wenn, auch die haben mittels faszinierender und tadellos funktionierender Hightech, GPS-Navigationssystem oder UMTS-Handy ihr Ziel, das Messezentrum Ulm gefunden. Nein, ich meine die vielen Billeder mit PKW, mit Bus und Bahn auf dem Weg zum Heimattag 2004 der Landsmannschaft Banater Schwaben, hier im Messezentrum Ulm. Am Vortag, bei Sport und Spiel, hat Billed durch Abwesenheit geglänzt. Nachträglich darf man sogar froh sein, Ausfälligkeiten nicht miterlebt zu haben, es sei denn, man hätte die Hergänge positiv beeinflussen können. Siehe Berichte in der Banater Post! Anwesend am 29. Mai waren aber die Bille-
Peter Neumann der der Trachtengruppe Karlsruhe und diese hat geglänzt, in der Fußgängerzone und beim Festzug zum Auswandererdenkmal am Donauufer. Ein Denkmal auch für unsere Ahnen, die sich hier hoffnungsvoll einschifften, nur wussten sie noch nicht, dass sie Billeder werden und Vorfahren der hier in einer anderen, neueren Tracht versammelten Rückkehrer. Und wir? Wie oft haben wir voller Sehnsucht zu der im Westen stehenden Sonne gekuckt! Und jetzt? In Ulm schicken wir unsere Sehnsucht mit dem Wasser der Donau auf Reise, ostwärts... Man kommt natürlich hoffnungs- und erwartungsvoll nach Ulm, man kann aber auch traurig, skeptisch oder gar müde anreisen, alles verfliegt beim Einstieg in den Trubel des Heimattages. Es sind über 8.000 Banater angereist um miteinander zu feiern, zu beten, zu tanzen und zu singen. Man sagt mir, es gab Heimattage mit über 30.000 Teilnehmern. Ich bin zum erstenmal hier. Der Besucher spürt, dass hier weit mehr Menschen an dem Ereignis hängen, als sich gewagt 43
Brauchtum haben her zu kommen, auch meine Bekannten. Und wo sind die Billeder? Eigentlich überall, vor allem aber in Halle 1, wo eine stattliche Anzahl Tische für sie bereit steht. Die „Banater Trachtengruppe Karlsruhe“ wird von der Moderatorin des Volkstumnachmittags als nur aus Billeder Landsleuten bestehend angesagt, wenn dem auch so nicht ist, haben die Billeder doch die Nase vorn und beipflichten muss man ihr sowieso, wenn es dann wortwörtlich heißt: „Hut ab!“ vor den 6 geschmückten Kirchweihhüten, vor Anmut und Können der 8 Tanzpaare. Ob es um Kinder, Jugend oder Verheiratetengruppe geht, Billed überwiegt und drückt seinen Stempel auf. Unsere Trachtenträger wirken an allen Programmteilen des Heimattages mit und wo endet ihr Abmarsch mit Ehrentanz? Geraten, in Halle 1 bei der Billeder Blechmusik. Offiziell nennt sie sich „ Trachtenblaskapelle Billed-Alexanderhausen“, spielt heute zum ersten Mal bei einem Heimattag in Ulm und dann gleich in Messehalle 1! Also die Kapelle besteht aus 22 Musikanten in schöner Tracht, ich habe sie gezählt. Es glänzen nicht nur die Instrumente, auch das Repertoire kann sich sehen und hören lassen. Die Tanzwilligen aus Halle 1 konnten sich hier austoben. Um ein Missverständnis zu vermeiden wie bei meinem Bericht zum „Billeder Heimattreffen 2001“, als der Druckteufel aus 20 Musikanten 20 Beamte von Bundesgrenzschutz und Bereitschaftspolizei machte, habe ich vor Feierabend die Mannen der Kapelle wieder gezählt. Nachdem, wie üblich, die Kehlen kräftig geölt wurden und sie sogar eine Stunde überplan gespielt hatten, waren es noch immer 22, Musikanten in Tracht, kein einziger von BGS oder BP. Kapellmeister ist Jakob Groß, doch groß sind auch die anderen, weil sie Großes tun für die Gemeinschaft, auch im Kleinen, weil sie das gerne tun, was sie nicht tun müssten, weil sie da sind. Und sie waren da, 44
in Ulm, in Frankenthal, in Sankt Peter und Paul und... Beim Festgottesdienst in der Donauhalle hieß es, man solle sich ein Zeichen des Friedens geben, einen Händedruck. Und wie viele Hände wurden hier gedrückt, beim Gottesdienst und auch danach in den Hallen! Dem Nachbarn, dem alten Freund, der Respektsperson, dem „Petter“, dem „zwette Gschwisterengel“, dem „Iwrichgebliebne vun der Kartepartie“, dem Bekannten des Bekannten aus dem Banat... Gesucht habe ich Bekannte in Halle 1, 2, 3 und 4, Temeschwarer, Lugoscher, Orawitzaer; gefunden hab’ ich den „Schager“ und der war aus Billed! Die Restaurantpreise waren rundum günstig, Franz konnte seinen „Kleinen Feigling“ trinken, Banater Spezialitäten hatten reißenden Absatz: Langosch, Alawitschka, Halwa - Schlange stehen scheint kein verlernter Sport zu sein. Wichtig, denk ich, war die im Foyer der Donauhalle erstmals einer großen Besucherzahl gezeigte Ausstellung „Steingewordener Glaube“ - Kirchliche Architektur im Banat des 18. Jahrhunderts, wo auch unserer Kirche samt erarbeiteten Bauplänen eine Tafel gewidmet ist. Wer sich von Ulm verabschiedet, den grüßt noch weithin der mit 161,53 m höchste Kirchturm der Welt, denn man hat es sich ja auch nicht nehmen lassen, die besteigbaren 143 m oder 768 Stufen bis zur Helmkranzgalerie zu bewältigen. Frischer Wind und ein wunderbarer Weitblick rundum belohnen die Mühe. Der Heimattag ist zu Ende, das Ulmer Münster und die evangelische Münstergemeinde erwarten in zweieinhalb Wochen den Deutschen Katholikentag. Es war ein schöner Tag in Ulm für alle Banater, für die Billeder, für uns, hier in Ulm, im Herzen Europas. Er strahlt aus um Ulm, um Ulm herum über Österreich ins Banat, über Frankreich bis nach Amerika. Auf Wiedersehen!
Brauchtum
Musik wie einst „drhem“
Billeder Sommerfest in Nürnberg Peter Krier
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ie Idee dazu hatten Elisabeth Follmer und Heinrich Grapini. Entscheidend jedoch war die von Nikolaus Pritz erwirkte Zusage seiner Musikanten-Kollegen der Billeder-Alexanderhausener Blasmusik, in Nürnberg aufzuspielen. Den Rest der Organisation: Saalmiete, Essenbestellen, Kuchenbacken, Einladen, Werben besorgten die Erstgenannten. Doch trotz großer Anfangsbegeisterung blieb man in gespannter Erwartung. Ein Sommerfest der Billeder? Kommen die oder wird es ein Misserfolg? „Komme es, wie es kommen mag! Wir gehen da durch“, sagten sich die Veranstalter. Und es kam der 19. Juni und es kamen die Gäste. Der Genossenschaftssaal in der Bauerfeindsiedlung füllte sich; Billeder, „Schanderhaser“, „Schwowe“ aus anderen Dörfern gaben sich ein Stelldichein. Erst drei Wochen zuvor hatte die Blaskapelle unter der Leitung von Jakob Groß in Ulm Aufsehen - besser gesagt Aufhören - erregt. In der Halle 1, wo sie spielen durften, hatten sich Hunderte Blasmusikliebhaber eingefunden und lauschten dem harmonisch-melodischen Klang einer echten Banater Blasmusikkapelle. Auch
im Genossenschaftssaal begeisterten sie die Zuhörer. Musik wie einst „drhem“. Doch nein, eigentlich sind sie besser geworden als in den Nachkriegsjahren daheim. Junge Musiker mit guter Ausbildung haben die Kapelle verstärkt, ihren Klangkörper verbessert. Dazu kommt Schwung und Dynamik, sodass auch denen, die sich nicht mehr auf die Tanzfläche wagten, die Beine juckten bei den feurigen Polkas. Wer konnte, den riss es mit, auf und „nochmol“; Bandscheiben, Hüft- und Kniegelenke, was sind dies? Dann kommt ein gefühlvoller Ländler - die Billeder lauschen den zweistimmigen Tenorhörnern. Es wird still im Saal, außer der Musik hört man nichts, sie dringt durch die geöffneten Fenster in die laue Sommernacht. Wie ein Sommernachtstraum verflog auch der Abend, allzu bald kam die Stunde des Abschieds. Die Teilnehmer hatten ein schönes, stimmungsvolles Sommerfest erlebt und die, die zuhause geblieben waren, hatten den Schaden. Aber es kommt ja noch mal ein Sommer und vielleicht auch die Billeder Musikanten nochmals nach Nürnberg. Wir sind bestimmt dabei. 45
Brauchtum
Mitglieder der Deutschen Jugend im Jahre 1937. Obere Reihe v.l.: Johann Steiner, Peter Welter, Josef Steiner, Nikolaus Reiter, Johann Laub, Josef Krutsch, Nikolaus Pastuschka. 2. Reihe v.l.: Josef Pritz, ? , Franz Tobias, Nikolaus Mann, Johann Sehi, Johann Mann, Josef Thöresz, Peter Thöress. 3. Reihe v.l.: Margareta Zimmermann, Aloisia Lauer, Magdalena Scholtz, Wilhelmine Kreuter, Anna Steiner, Katharina Schaljo, Anna Haus. Sitzend v.l.: Magdalena Reiter, Katharina Glassen, Katharina Eichert, Anna Laub, Gabriele Linzer, Katharina Eichert, Maria Reinert, Katharina Schütz. Hans Reichel. Eins.: Fam. Hans Jobba (364) Karlsruhe Nach dem Gesellenball 1937. Wer kennt noch wenn? Eins.: Margarete Nothum geb. Zimmermann (290) Hamburg.
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Brauchtum
Die Billeder Mädchen beim Schwabenball 1939. Obere Reihe v.l.: Magdalena Steiner (218), Kath. Krogloth (70), Kath. Eichert (162), Kath. Eichert (428), Klara Reinert (343), Elisabeth Eichert (428), Barbara Welter (39), Susanne Glass (426), Katharina Schßtz (524), Magdalena Reiter (376). Zweite Reihe v.l.: Magdalena Klein (642), Barbara Lauth (333), Maria Reinert (343), Maria Klein (473), Magdalena Gilde (458), Anna Lichtfusz (674), Elisabeth Tobias (171), Anna Steiner (218). Untere Reihe v.l.: Kath. Gilde (297), Magdalena Scholz (543), Anna Schultz (775), Maria Gilde (483), Elisabeth Graf (400), Margareta Zimmermann (147), Anna Haus (737). Eins.: Hans Jobba (364) Karlsruhe Kirchweihfest in Josefsdorf 1958 mit den Billeder Musikanten
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Brauchtum
Ein erfolgreiches Jahr Heidi Müller
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as Jahr geht langsam seiner Neige zu. Zeit, das Geschehene rückpassieren zu lassen. Wie jedes Jahr können unsere Karlsruher Kulturgruppen auf ein aktives und erfolgreiches Jahr zurückblicken. Es ist noch immer so, dass viele Billeder in diesen Gruppen mitwirken und wir als Billeder stolz auf diese Gruppen sein können. Deshalb möchte ich über einige Ereignisse dieses Jahres kurz berichten. Mit dem bereits zur Tradition gewordenen Trachtenball der Banater- und Donauschwaben in der Badnerland-Halle in KarlsruheNeureut eröffneten wir das Jahr 2004 bereits am 17. Januar. Kurz darauf konnten die Faschingsgäste in der Sängerhalle die tänzerischen Darbietungen unserer einzelnen Gruppen bestaunen. Im Februar fuhren wir auf Einladung des Landesverbandes BadenWürttemberg nach Göppingen zum Schwabenball. Ein ganz besonderes Ereignis waren wohl die Heimattage in Ulm zu Pfingsten. Bereits am Samstag Vormittag konnten uns viele Billeder in der Ulmer Fußgängerzone bewundern. Beim Umzug durch die Innenstadt zum Rathaus und anschließend an der schönen Donau entlang zum Denkmal boten die Trachtenpaare einen Blickfang für die Zuschauer am Straßenrand. Am Sonntag beim Kulturnachmittag wurde die Karlsruher Trachtengruppe von den Moderatoren auf besondere Weise gelobt. Unsere Kindergruppe hatte eine Prämiere zu verzeichnen und zwar tanzten alle Kindergruppen aus BadenWürttemberg zum ersten Mal einen gemeinsamen Tanz auf der Bühne. Dieser Auftritt war für die Kinder etwas ganz Besonderes, steckte doch viel Arbeit und fleißiges Proben dahinter. Doch das ganz Besondere an diesem Nachmittag war, dass die Billed-Alexanderhausener Blaskappelle in Halle 1 spielte.
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Auch sie hatte Prämiere. In einer so großen Halle und für so viele Zuschauer bzw. Zuhörer zu spielen, war bestimmt eine große Herausforderung für jeden Einzelnen. Wir mussten alle feststellen, dass viele Banater Schwaben aus anderen Hallen zum Zuhören rüber kamen, weil der typisch „Billeder Blasmusikklang“ alle in ihren Bann zog. Nach den Sommerferien ging es gleich nach Singen zum Volkstanzfestival der Trachtengruppen der Banater Schwaben in Baden-Württemberg. Der Tag der Heimat I. Preis für Carola Krier in Billeder Frauentracht beim Banater Trachtenfest am 2. Oktober in Nürnberg
Brauchtum war für unsere Gruppen abermals ein großer Erfolg, durften diesmal doch auch unsere Kleinsten ihr Können vor einigen hundert Zuschauern beweisen. Am 26. September war es mal wieder soweit. Bereits zum dritten Mal in Folge marschierten alle Banater Trachtengruppen aus Baden-Württemberg, begleitet von unserer Billed-Alexanderhausener Blaskapelle, beim Umzug zur Eröffnung des Cannstatter Wasen mit. Auch diesmal war unsere Gruppe eine wahre Augenweide für die Zuschauer, konnten diese doch Banater Trachten aus verschiedenen Ortschaften bewundern und dazu die Klänge der Kapelle genießen. Mit dem Traubenball, organisiert von den Trachtengruppen, konnte am 9. Oktober ein weiterer Erfolg verzeichnet werden. Mit prallgefüllten Traubenkörbchen marschierten alle Karlsruher Trachtengruppen auf. Vor einem gut gefüllten Saal zeigten die Mitwirkenden, vom Jüngsten bis Elisabeth Zimmer, geb. Wilhelm mit Sohn Jakob 1920. zum Ältesten, ihre neuen Tän- Eins.: Barbara Zimmer (529) Pitesti ze. Der Höhepunkt des Abends war wohl die Versteigerung des großen Traubenkorbes, den ein Für unsere Kindergruppen ist das Jahr Billeder gewann. noch nicht zu Ende. Am Kathreinball werAuch das Schlachtfest sollte wieder ein den ihre Talente nochmal gefragt sein. Und Erfolg werden. Die Musikanten konnten für für die Weihnachtsfeier am 19. Dezember nahezu 350 „Blechmusikfreunde“, darunter führen unsere Kinder ein Theaterstück auf, 260 Billeder, spielen. Es war eine gelunge- welches noch harte Arbeit sowohl von den ne Veranstaltung, mit gutem Essen und wun- Kindern als auch von den Leitern erfordert. derbarer Musik, welche bis weit in die Nacht An alle Aktiven, seien es die Musikanten dauerte. Sogar Dr. Peter Wersching mit sei- oder die Tänzer, ein herzliches Dankeschön nem Sohn war zugegen und unterhielt sich für die geleistete Arbeit und uns allen ein mit „seinen Billedern“ aufs Beste. gesundes und erfolgreiches Jahr 2005. 49
Brauchtum
ALLERHEILIGEN 2004 am „Billeder Kreuz“ Peter Neumann
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ir Menschen brauchen Orte, an denen wir Gott erfahren können. Auch wenn Er überall ist. Einen solchen Ort gibt es allen zugänglich - beim Billeder Kreuz, in Karlsruhe, auf dem Hauptfriedhof und ganz sicher am 1. November. So auch an Allerheiligen 2004. Um 14 Uhr ertönt das vom Billeder Kirchturm ausgeliehene Glockengeläute. Alfred Herbst hat es mitgebracht. Die „Groß“-, die „Zwett- oder Mittachs“-, die „Halbmess“- und die „Klänglock“ künden dem Herrn: Sie haben sich versammelt, sie sind wieder da, die Billeder und ihre Landsleute, Banater, Badener oder Weitangereiste. Die noch im Alleenlabyrinth des Friedhofs Verirrten und Verspäteten leiten sie in letzter Minute in die richtige Richtung. Dieselben halfen schon den uns Vorausgegangenen sich im Labyrinth des Lebens zurecht zu finden. Sie zu ehren, ihrer zu gedenken, sind wir hier, doch auch wir brauchen diese Feier, an wichtigem Tag am richtigen Ort. Alternativen kenne ich keine, es sei denn der „Neigässer- oder Saulänner Kerchhoff“, wem es möglich ist. Der Glockenruf verstummt und der Banater Chor Karlsruhe erhebt seine Stimme: „Harre meine Seele...“ Er wird von Hannelore Slavik geleitet. Jakob Dietrich, Ehrenvorsitzender des Kreisverbandes der Landsmannschaft Banater Schwaben konnte für die Ansprache ge50
wonnen werden. Und es war ein Gewinn, die Ansprache eine Bereicherung. Hervorgehoben hat er den Wert des Billeder Denkmals als Gedenkstätte für alle Banater, denn „das Schicksal der Billeder ist ja das Schicksal aller Banater Schwaben“. So erkannt hat dies auch Jakob Ballmann schon im Billeder Heimatblatt 1990 als „Symbol und Brückenpfeiler zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für alle Banater Landsleute“. Unser Redner spricht dem Denkmal eine „Brückenfunktion“ zwischen dem Banat und Baden, zwischen dem Hier und dem Jenseits zu. Und wenn er meint, „Heimat wäre dort, wo deine Gräber liegen“, wir aber unsere Gräber noch im Banat und schon in Deutschland haben, so stattet er uns mit zwei Heimaten aus. Schöner hat es nur noch Robert Rohr ausgedrückt: „So leben heut’ in meiner Brust zwei hochgepries’ne Welten. Ich lasse beide - ganz bewusst als meine Heimat gelten.“ Sarkastisch, aber plastisch, fast greifbar das von Jakob Dietrich gezeichnete Bild des Heimkehrers mit 70 kg Gepäck in zwei Koffern als Erlös für über 200 Jahre Aufbauarbeit. Mit dem Vortrag des Gedichtes „Ahnengedenken“ rettet Heidi Müller „wenn auch nur ein Herzschlag vom Ahn’ zum heutigen
Brauchtum
Ansprache von Jakob Dietrich vor dem Billeder Denkmal. Leben“. Antwort auf Frage, Hoffnung in Verzweiflung vermittelt der Banater Chor: „Wohin soll ich mich wenden?“ Er schrumpft, der Chor, seine Sache aber macht er gut. „ Wir haben uns an diesem Kreuz versammelt, um unseren Toten in aller Welt die Ehre zu erweisen.“ So beginnt Josef Herbst die Totenehrung und im Geleit der Billeder Friedhofsglocken nennt er uns die seit 1. Nov. 2003 verstorbenen 41 Billeder Landsleute. Sie fehlen uns heute und an Allerheiligen 2005 werden wir wieder weniger sein. „Hier an diesem Kreuz, wo zwischen Ziegelsteinen von unserer Kirche und vom Kalvarienberg Heimaterde von beiden Billedern Friedhöfen eingebettet wurde, gedenken wir auch der 124 Gefallenen des I.Weltkrieges, der 104 jungen Männer, die ihr Leben im II. Weltkrieg lassen mussten, der 19 Landsleute, die bei den Kämpfen um Billed, bei Fliegerangriffen in Temeschburg und auf der Flucht ermordet wurden, gefallen oder verstorben sind; der 76 Verstorbenen der Russlanddeportation sowie der 58 Opfer der Baraganverschleppung“. Vielsa-
gende Statistik, vor allem Gedenken, noch nicht Vergessen. Letzter feierlicher Beitrag des Banater Chores: „Glocken der Heimat...“, „...beim Abschied, beim Kommen sind stets dein Geleit.“ Er hat heute noch eine Aufgabe bei der Feier am 2003 erneuerten Mahnmal der Vertriebenen. „Allerheiligen im Banat“, das Gedicht unserer Landsmännin Margarethe Pierre, hat Anna Martini beeindruckt. Uns auch. Nachzulesen im Heimatblatt 1989, Seite 48. Hut ab, mit Elisabeth Luckhaub beten wir, sie weiß wie: Fürbitten - „Herr, erbarme Dich“. Beten heißt, mit Gott reden.Das wollten wir jetzt hier. Das Ende der Feier meldet Werner Gilde und spricht den Mitwirkenden seinen und unseren Dank aus, macht noch auf die anschließende Feier am Denkmal der Vertriebenen aufmerksam. Dazu gehören wir auch. Auf dem Heimweg fragt einer scherzhaft: „Lebt denn der alte Holzmichel noch?“ Wir können - auch im übertragenen Sinn - in den Kehrreim des Randfichten-Schlagers einstimmen. Das ist eine Antwort. 51
Brauchtum
Altweibersommer an Allerheiligen Elisabeth Martini (Frick) Gewöhnlich war und ist es um den 1. November, den Tag unserer Toten, unangenehm kühl bis kalt, windig, unfreundlich und man verhält sich in dem, was man trägt und tut, dieser Wetterlaune gemäß, obwohl es manchmal danach noch recht angenehme Herbsttage gibt. Doch diesmal war es ganz anders an Allerheiligen „zu Hause“ in Billed: Altweibersommer wie er im Buche steht, so dass viele hemdsärmelig waren und die, die sich auf die gewöhnliche Wetterlage eingestellt hatten, schwitzten. Bei Temperaturen über 20°C war es die ganze Zeit angenehm warm, windstill und die Spinnen zogen fleißig ihre silberweißen Fäden durch die Luft, über Grabsteine, Kreuze, Sträucher, Blumen und hüllten sie ein; die Menschen meist dunkelgekleidet - ließen sie marmoriert erscheinen. Diese schmückten ihre Gräber, wischten Kreuze ab, brachten die ersten Kerzen zum Brennen. Wunderschön waren auch die Blumen; vom Frühreif verschont, waren sie eine Augenweide und noch Tage danach unverändert schön, auch wenn es viele Gräber ohne Blumenschmuck und Kerzenschein gab. Im Allgemeinen war die ordnende Hand und das kontrollierende Auge von Adam Csonti zu erkennen, Pietät und Ehrfurcht vor den Toten war deutlich spürbar. Die zahlenmäßig kleine Prozession mit Pfarrer Bonaventura Dumea zum Neugässer Friedhof vermochte es, alle hier Anwesenden um das Kreuz zum Gebet und Gesang zu scharen, feierliche Stimmung zu vermitteln, innige Zwiesprache mit unseren lieben Verstorbenen, an die eigene Vergänglichkeit zu mahnen. Auch wenn die älteren Billeder und die Angereisten schon vor dem Dunkelwerden ihre Kerzen anzünden, hat der Abend mit seinem deutlich schwächeren Leuchten als früher doch etwas Einmaliges, Beeindrukkendes. Ich wünsche es mir, noch viele Jah52
Die Steinerkapelle renoviert re diesen einmaligen Zauber in mich aufnehmen und bewahren zu können. Wohltuend war es auch, die Renovierungsarbeiten an der Steiner-Kapelle verfolgen zu können, die, wenn auch noch ohne Farbanstrich, jetzt dem Auge anders begegnet, nicht mehr Verfall und Vernachlässigung verdeutlicht, sondern Fürsorge, Pflege und Achtung all unseren Toten gegenüber, die um diese herum ihre ewige Ruhe gefunden haben. Wir leben zwar zahlenmäßig mehr hier als dort, doch unsere Vorfahren dürfen wir nicht vergessen, abschreiben, solange es uns möglich ist, etwas für sie und ihre Gräber zu tun. Und es lohnt sich, diesbezüglich gemeinsam kleine Anstrengungen zu machen, sofern wir an die vielen verwilderten Friedhöfe des Banats denken. Übrigens: Ein herzliches Vergeltsgott an alle, die dort - mit unserer Unterstützung von hier - ihr Möglichstes tun, unseren Verstorbenen die gebührende Ehrerbietung zu erweisen, gegen Gleichgültigkeit und Vergessen.
Brauchtum
Ausnahmen bestätigen die Regel Brigitte Prutean
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ag ja sein, dass die Jugend von heu sollen weitere Generationen so leiden wie te null Ahnung hat vom Leben der et- Sie? Was die Landsmannschaft betrifft: Meine was älteren Generationen was Armut, Krieg und Leid betrifft. Und geschmacklos, unver- Geschwister und ich sind seit etwa vier Jahschämt, ungehobelt, frech und unerzogen, ren dabei; unsere Eltern sind zwar aus Ruselbstsüchtig und rücksichtslos sind sie auch mänien, wir aber in Deutschland geboren, alle. Ihre Klamotten sind zum Schreien, ihre haben keine Ahnung vom wahren, harten Musik nichts anderes als Trommelschläge Leben im Kommunismus; unsere Großmütund für alte schöne Traditionen, die bewahrt ter schimpfen genauso über unsere Gleichwerden sollen, haben sie sowieso keinen altrigen und doch: Wir sind jedes Jahr aufs Sinn mehr - kurz: Die sind doch alle gleich! Neue gerne und mit Herz dabei! Wir helfen Stellt sich nur die Frage, warum wir so in sogar mit Spaß und Eifer beim Stärken und Schubladen gesteckt werden; warum wir auf Falten der Trachtenröcke und mal ehrlich: der Straße schief angestarrt werden und war- Irgendwie sind die Jugendlichen vielleicht um man böse meckert, wenn man freundlich doch nicht so schlimm oder? die Ladentür offen hält, wenn die ältere Frau dazu keine freie Hand mehr hat? Zur Erklärung: Wir sind nicht alle gleich! Im Gegenteil! Einige von uns sind sogar derselben Meinung wie Sie: Schleimigen Speichel überall auf der Straße zu verteilen, ist nicht gerade appetitanregend; sich im Laden vor eine kleine, auf einen Krückstock gestützte Frau zu drängen, ist nicht gerade die feine englische Art und im Bus auf zwei Plätzen zu sitzen, auch nicht gerade nett. Aber wenn Sie sich mal genauer umhören: Es gibt auch andere! Immer mehr junge Leute lassen sich in Trachtenvereinen blicken. Und wenn wir auch nicht über Krieg und Hungersnöte mitreden können: Auch wir haben unsere persönlichen Erfahrungen gemacht. Gut, über die eben genannten Themen zu diskutieren, fällt uns schwer. In welchem Krieg hätten wir denn hungern sollen? Unsere Argumente würden sich nur auf die im Geschichtsunterricht erwähnten As- Dreikönige 1926, v.l.: Jakob Zimmer, Jakob Slavik, pekte beziehen. Man sollte meinen, Mathias Nothum. Eins.: Barbara Zimmer (529) es wäre vielleicht sogar gut so. Oder Pitesti 53
Aktuell
Im Bild v. l. Adam Csonti, Bürgermeister Ullrich Eidenmüller, Bürgermeister Sorin Supuran und Ex.-Vizebürgermeister Moise Suricescu vor dem Billeder Gemeindehaus.
Billed 2004 - erste Eindrücke des „Schirmherrn“ Ullrich Eidenmüller - Bürgermeister von Karlsruhe
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chon seit Jahren wollte ich Billed besu chen, das kleine von Deutschen aufgebaute Dorf im heutigen Rumänien, mit dem mich dienstlich so viel verbunden hat in den letzten Jahren. Als Friedhofsdezernent der Stadt Karlsruhe fiel die Einweihung des Billeder Denkmals auf dem Karlsruher Hauptfriedhof in meine Amtszeit - und seit diesem Jahr übernehme ich mit großer Freude alle zwei Jahre die Schirmherrschaft über die Heimattreffen der Billeder jeweils an Pfingsten in Karlsruhe. Im Frühjahr 2004 endlich fand sich die Gelegenheit zum Besuch. Eine Reise nach Timisoara konnte ich zu einem Abstecher ins unbekannte und doch inzwischen so vertraute Billed nutzen. In Timisoara führte ich Gespräche über die Unterstützung der Karlsruher Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2010 durch unsere rumänische Partnerstadt. Die Mischung der Kulturen zwischen Südwestdeutschland und Südosteuropa seit den Zeiten Maria Theresias - das ist nämlich
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aus unserer Sicht ein wunderbares Thema für eine Kulturhauptstadt-Bewerbung. Von Timisoara also auf dem Weg nach Billed - flache, fruchtbare Landschaft. Und nach einer dreiviertel Stunde lag es vor mir, das Dorf, das ich nach den Bildern sofort wieder erkannte. Langgezogene Straßen, niedrige Häuser, klar aufgeteilte Grundstükke. Bürgermeister Sorin Supuran und Vizebürgermeister Moise Suricescu empfingen uns im Rathaus - Adam Csonti war da, der Vertreter der Deutschen, mir vertraut aus manchen Pfingsttreffen in Neureut, als Nebenmann am Ehrentisch. Und Adam Csonti war es auch, der uns nach dem offiziellen Empfang des - inzwischen wiedergewählten - Bürgermeisters durch sein Dorf führte. Durch Straßen, über deren Zustand ich doch ein wenig erschrokken bin. Steine, Erde, Schlamm - viel zu tun! In die kleine Kirche gingen wir, deren Vergangenheit uns der eigens geholte Pfarrer erzählte. Ein wenig traurig ist der Pfarrer
Aktuell darüber, dass die deutsche Bevölkerung weiter abnimmt und damit auch seine Gemeinde. Adam Csonti führte uns durch ein Dorf, das Schlichtheit atmet, aber gleichzeitig etwas zutiefst Menschliches ausstrahlt. Man fühlt sich geborgen, was wohl zuerst an Adam Csonti selbst liegt, der sich vor Gastfreundschaft mit seiner lieben Frau Roswitha fast überschlug. Beinahe hatten wir ein schlechtes Gewissen, dass uns für den gesamten Besuch nur etwas mehr als zwei Stunden blieben. Ein wunderbares Essen wurde uns im Gemeinschaftshaus aufgetischt, zubereitet von freundlichen Geistern unter Anleitung von Roswitha Csonti, der Leiterin der Sozialstation. Und Adam Csonti erzählte uns von dem sozialen Zusammen-
halt, den es in Billed noch gibt; von der Unterstützung der Alten durch die Sozialstation, ein großartiges Objekt. Und draußen fuhr sein Vater auf dem Pferdefuhrwerk vorbei. In eine andere Welt aus längst vergangenen Zeiten waren wir für zwei Stunden in Billed eingetaucht. Mit lieben Menschen wie Roswitha und Adam Csonti, der uns noch auf den Friedhof führte und sein nächstes Projekt der Wiederherstellung der alten Ruhestätte erklärte. Ich hoffe, er findet die gewünschte Unterstützung. Zum Abschied begleitete uns das Ehepaar Csonti noch zum Denkmal auf dem kleinen Hügel in den Feldern von Billed. Ein letzter Blick zurück schön war es. Ich kann den Zusammenhalt der Billeder gut nachfühlen.
Aktuelles aus Billed Adam Csonti
Gemeindewahlen Infolge der am 06.06.04 stattgefundenen Gemeindewahlen, - erstmals Billed allein, ohne Alexanderhausen und Uihel - an der sich 10 Parteien und Wählerlisten beteiligten, haben 5 Parteien den Einzug in den Gemeinderat geschafft. Die Gemeinderäte sind: Name, Jahrgang Eugen Supuran geb. 1971 Gheorghe Braica geb.1958 Gheorghe Baba geb. 1953 Ioan Catrinoiu geb. 1962 Petru Oprisa geb. 1957 Constantin Clodeanu geb. 1951 Viorel Sibu geb. 1947 Clara Miron geb. 1957 Melinda Szabo geb. 1967 Mircea David geb. 1965 Gheorghe Baba geb. 1969 Ioan Bogdan geb. 1952 Adam Csonti geb. 1957 Von den 8 angetretenen Bürgermeister Kandidaten schaffte es Sorin Supuran, geboren 1969, Hausnr. 108 von der PNL im zweiten Wahlgang die notwendige Mehrheit zu erzielen.
Hausnr. 427 628 458 111 107 432 297 415 409 513 593 109 79
Partei PNL PNL PNL PNL PNL PSD PSD PSD PSD PNTCD PNTCD PRM FDGR
Zum Vizebürgermeister wurde Leontin Duta, 1961, Hausnr. 352, PNTCD vom Gemeinderat gewählt.
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Aktuell
Landwirtschaft Das Landwirtschaftsjahr 2004 war eines der besten der letzten Zeit. Bei Weizen erzielte man Rekorderträge von 5.500 - 6.000 kg je ha, demzufolge sind auch die Preise niedrig: 9 - 10 C/kg; auch bei Mais lagen die Erträge bei 5.000-6.000 kg Körnermais je ha. Sonnenblumen werden nur noch auf kleinen Flächen angebaut, andere Industriepflanzen wie Zuckerrüben und Hanf überhaupt nicht mehr.
Im Viehzuchtsektor sind die Preise bei Schlachtschweinen wieder etwas gestiegen, von 60-70 C/kg im Vorjahr auf 1,00-1,10 Euro/kg in diesem Jahr. Es war auch ein gutes Jahr für den Obstund Weinbau, bei Weintrauben gab es sogar Rekorderträge, sodass man darüber klagte, zu wenig Fässer und Gefäße für den Most zu haben.
Storchbestand 2004 nisteten 23 Storchenpaare in Billed: zwei von ihnen auf Schornsteinen, 21 auf Elektromasten und hatten 2-4 Junge, insgesamt 63 Jungstörche.
Peter Trendler Der erste Storch kam am 15.03. angeflogen; in der Nacht vom 30. auf den 31. August verließen alle wieder Billed.
Die Tuwaksleit in der Kollektiv 1960 Von links stehend: Susanna Stumpf (30), Susanna Breitenbach (67), Katharina Schuller (753), Anna Krutsch (217) Margaretha Gebel (150). Friedrich Gilde (513), Katharina Hipp (639), Elisabeth Mann (623), Susanna Gängler (625), Anna Scheer (671), Dominik Weber (663), Barbara Otto (676), Katharina Schmidt (90), Katharina Herrenreich (742), Katharina Bacsi (281), Elisabeth Otto (765), Magdalena Slavik (311), Peter Uitz (629) Unten v.l.: Katharina Bojar (502), Maria Schortje (432), Elisabetha Enderle (659) Margaretha Lauth (677), Maria Engrich (526), Elsi Schäfer (281) Johann Pfeiffer (681). Eins.: Fam. Hans Mayer (502) Billed.
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Aktuell
Handballturnier in Billed
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as schon traditionelle Billeder Hand ballturnier, das Sommerfest des Banater Handballs, fand am 22.08.04 statt und es nahmen 12 Mannschaften teil. Jugend: Teams aus Großsanktnikolaus, Arad, Lovrin und Billed. Herren: Teams aus Lovrin, Hatzfeld, Arad, Reschitz, Gavojdia, Lugosch, Billed und der 1. FC Nürnberg, eine Mannschaft, die vom ehemaligen Handballstar Victor Tampu trainiert wird. Zu den Leistungsträgern der Nürnberger gehören auch die aus Billed stammenden Brüder Walter und Robert Billi sowie Dieter Hipp. Zumal die Nürnberger mit einer zahlenmäßig kleinen Mannschaft angereist waren, haben Roland Russ und Titi Damian Braun, die gerade Urlaub in Billed machten, den Nürnberger Kader verstärkt.
Adam Csonti Dem schlechten Wetter zum Trotz - Es war kühl und regnerisch - wurde dennoch guter Handball gespielt. Nach Austragung der Gruppenspiele kam es zu folgenden Endspielpaarungen: Jugend: 1 - 2 Billed - Großsanktnikolaus 22:21 (7m-Werfen), 3 - 4 Lovrin - Arad 20:13 Herren: 1 - 2 Billed - Arad 22: 17, 3 - 4 Hatzfeld - Nürnberg 22:19 Zum besten Spieler des Turniers wurde Robert Billi gewählt. Das Fest fand seinen krönenden Abschluss im Sportlerball auf dem Handballplatz. Ein herzliches Dankeschön auch auf diesem Wege an unseren Freund Günter Weber, der die Billeder Handballer schon seit Jahren mit Trikot-Sätzen seines FC Südstern versorgt.
Baseball-Spiel im Jahre 1934 zwischen der Altgass und Zwetgass Stehend v.l.: Geselle bei Gagstädter aus Alexanderhausen, Nikolaus Würtz, Jakob Mann, Mathias Hubert, (Kind) Adam Gagstädter, Adam Gagstädter, Johann Michels, Jakob Breitenbach, Andreas Wolf, Wilhelm Gimpel, Josef Mann, Peter Koch, Nikolaus Braun, Nikolaus Neiss. Sitzend v.l.: Peter Steiner, (Kind) Nikolaus Rollinger, Martin Steiner, Nikolaus Steiner, Nikolaus Klein, Anton Rugel, Johann Schneider , Heinrich Slavik, Jakob Bürger, Heinrich Bürger Liegend: Peter Rollinger, Nikolaus Schneider. Eins.: Fam. Josef Thöres (255) Karlsruhe.
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Aktuell
Mittagspause im Forumshof v. l. n. r.: Hans Weber, Hans Muhl, Peter Trendler, Josef Herbst, Jakob Muttar, I. Andras, Hans Martini, Adam Csonti, Werner Gilde
Erfassung der Friedhöfe
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ach anfänglichen Schwierigkeiten einen gemeinsamen Termin zu finden, konnten wir unser Vorhaben, die beiden Friedhöfe zu erfassen, am 14. Juni starten. Nach 15-stündiger Fahrt kamen wir um 18 Uhr in Billed an und gingen - nach einer herzlichen Begrüßung durch Familie Csonti - auf den Sauerländer Friedhof, um mit der Nummernvergebung zu beginnen. Am Dienstag um 8 begannen wir die Erfassung auf fünf Arbeitsgruppen verteilt: Die erste Gruppe war zuständig für die Nummernvergabe, die zweite für die Reinigung der von Moos befallenen Kreuze, die dritte für die Erfassung der Inschriften, wobei alle Daten in eine Kartei eingetragen wurden; die vierte Gruppe übernahm die bildliche Erfassung der Gräber, die fünfte hat alle Karteikarten und Bild-Daten gesammelt und auf dem Computer gespeichert. Da sich unsere Arbeitsgruppe verdoppelt hatte, ging die Arbeit besser und schneller vonstatten als geplant, so dass wir schon am dritten Tag fertig waren und mit der Erfassung auf dem Neugässer Friedhof beginnen konnten. Und damit waren wir am Sonntag Abend auch fertig. Gearbeitet wurde täglich
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Werner Gilde von 8 bis 13 Uhr, wonach wir gemeinsam das Mittagessen beim Forumssitz einnahmen; Frühstück und Abendessen stellten unsere Gastfamilien. 2 Stunden Mittagspause waren nötig, in der Mittagsglut war es unmöglich zu arbeiten. Mit dem Wetter hatten wir großes Glück: nur blauer Himmel und Sonne! Nach den 10 Tagen in Billed sahen alle aus, als hätten sie Urlaub am Meer gemacht. Mitgearbeitet haben: Josef Herbst, Johann Martini, Jakob Muttar, Werner Gilde, Hans Muhl; ferner die Billeder: Adam und Roswitha Csonti, Brunhilde Klein, Peter Trendler, Hans Weber, Ioan Andras. Die BleistiftZeichnung der beiden Friedhöfe fertigte Tiberiu Neu an, die Überarbeitung derselben übernahm Isolde Hehn, was mit einem CADProgramm erfolgte und jede Grabstätte eine Nummer erhielt. Die Heimatgemeinschaft Billed bedankt sich bei allen, die bisher an diesem großen Vorhaben mitgearbeitet haben, zumal ein Buch und eine CD mit den beiden Friedhöfen geplant sind als Fortsetzung der Kette von Bemühungen um den Erhalt des Heimatlichen, dessen, was uns verbindet und zusammenhält. Vorbestellungen bei Josef Herbst.
Aktuell
Blick in die „Gute Stube“. Foto: Hans Martini.
Feier zum 10-jährigen Bestehen des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses
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it Beteiligung eines zahlreichen Publikums aus Temeschburg und dem Umland - auch aus Billed - wurde am 7. und 8. Mai unter dem Motto: „In der Welt ein Heim, im Heim eine Welt“ das 10-jährige Bestehen des AMG-Hauses feierlich begangen. Organisiert wurde das Fest von der AMG-Stiftung und dem Hilfswerk der Banater Schwaben. Am 7. Mai erfolgte der Empfang der zahlreichen Gäste und die Eröffnung der Ausstellung „Banater Impressionen“. In seiner Eröffnungsrede am 8. Mai wies Helmut Weinschrott, Direktor des Hauses, auf die ursprüngliche Zielsetzung desselben hin als Zufluchtsstätte für Alt und Jung, vor allem für die Alten, doch habe diese Zielsetzung eine kontinuierliche Entwicklung erfahren. Immer mehr Menschen zieht dieses Haus in seinen Bann, vermittelt Geborgenheit und Zusammengehörigkeit, Anschluss
Elisabeth Martini an das Lokal - und Weltgeschehen, Wissen und Freude. Viele Ehrengäste - auch aus dem Ausland - äußerten sich lobend bezüglich der Verwirklichungen dieses Hauses mit seiner angenehmen Atmosphäre, dem freundlichen Entgegenkommen; es ist eben ein Heim in der Welt, aber auch eine Welt in einem Heim. Es zelebrierte S.E. Bischof Martin Roos im Festsaal des AMG-Hauses den Festgottesdienst und wies in seiner Predigt darauf hin, dass die Gründe dieses Feierns Dankbarkeit und Freude sind. Rückblickend stellte er fest, dass die 90er Jahre Jahre der Hoffnung und der Enttäuschung waren. Und doch kam nicht alles so schlimm, wie man befürchtet hatte. Verändert hat sich viel durch die Rückwanderung ins Mutterland, geblieben sind Menschen, die Hilfe und Beistand brauchen: Kranke, Alte, Behinderte, in seelische Not Geratene. Doch geblieben sind auch Men59
Aktuell schen, die helfen wollen, deren Leben Sinn erhält durch die Hilfe für andere. Unschätzbar ist zudem die permanente Hilfe der Landsleute, Organisationen und Institutionen aus dem Ausland. Auch die Kirche hat die Verluste in ihren Reihen nur schwer verkraftet: 100 Pfarreien mussten aufgelöst werden, 70 sind geblieben als Stütze für die Verbliebenen. Nur 10 Priester sprechen Deutsch als Muttersprache, die anderen mussten es erst erlernen, um die Seelsorge effizient bewerkstelligen zu können. Das sei natürlich nur durch konstruktive Zusammenarbeit möglich und die allseitige Hilfe. Für alle, die sich für das Wohl der Gemeinschaft einsetzen, erbat Bischof Martin Roos den Segen Gottes, Gesundheit, Geduld u. Ausdauer. Publikumserfolg hatte - nach der Besichtigung des Hauses auch die Eröffnung im obersten Drei Kusinen 1918, v.l.: Anna Würz, geb. Rugel, Nikolaus Geschoss der Ausstellung zur Rugel, Barbara Kneip. Eins.: Barbara Zimmer (529) Russland- und Baragan-Deportation, wobei dazwischen - sozusagen verAm 9. Mai erfolgte noch die feierliche Einbindend - der Raum liegt, der das Leben im weihung des neuen Sitzes des DemokratiHaus veranschaulicht mit den Porträts aller schen Forums der Deutschen und der AMG gewesenen und gegenwärtigen Insassen des - Sozialstation in Großsanktnikolaus. Hauses und Fotos ihrer GemeinschaftsaktioAussiedlerrückgang nen. Die Russlanddeportation erlebt man J. Herbst nach Siebenbürgische Zeitung dabei auch aus der Perspektive des dort gevom 21.01.2004 borenen Heimdirektors H. Weinschrott, der Die Zahl der Aussiedler aus Rumänien als Tourist die Lagergegend wieder gesehen und im Bild festgehalten hat, alles in allem nach Deutschland geht weiter drastisch zueine sehenswerte Ausstellung, die man nur rück. Im Jahre 2003 wurden lediglich 137 Neuzugänge registriert, 2002 waren es 256, empfehlen kann. Das gemeinsame Festessen, das anschlie- 2001 noch 380, 2000 noch 547, 1999 noch ßende Kulturprogramm und der Tanzabend 855, 1998 genau 1005 und 1997 immerhin für Jung und Alt mit dem Orchester des Deut- 1777 gewesen. Dieser Rückgang ist auf die schen Staatstheaters rundeten den Tag zu restriktive Aufnahmepraxis gegenüber deuteinem unvergesslichen Ereignis im Leben schen Aussiedlungswilligen aus Rumänien zurückzuführen. der deutschen Banater Gemeinschaft ab. 60
Begegnungen
Schön, dass wir wieder beisammen sind!
„Billeder unr sich“ beim Seniorentreffen in Karlsruhe
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ieder waren es zwei gelungene Begegnungen der Billeder Senioren im „Haus der Heimat“ am Mittwoch, dem 21. April mit 42 Anwesenden und am Mittwoch, dem 22. September mit 38 Personen. Wie schon gewohnt und in vertrauter Umgebung war - wie immer - eine gemütliche und gesellige Stimmung, wobei über vieles miteinander geplaudert, an vieles erinnert wurde und - wie immer - ging die Zeit zu schnell dahin. Auf festlich geschmückten Tischen wurden Kuchen und „Bäckkipfel“ und dazu Kaffee - nach Wunsch auch andere Getränke - serviert. Zu der kulturellen Gestaltung gehörten im Frühjahr besinnliche Verse von Catherina Großkopf, einer Banater Schwäbin aus Klein-Betschkerek, als auch eine humoristische Einlage über die „Schwiegermottr“. Beim Herbsttreffen, das gerade auf den Herbstanfang fiel, waren es gut formulierte Erkenntnisse und Überlegungen über den Einfluss der bevorstehenden Jahreszeit auf
J. Gehl
Körper und Gemüt. Auch das Gedicht „Das erste Blatt“ von Karl Hans Groß, einem Hatzfelder Naturliebhaber, erinnerte an gern erlebte goldene Herbsttage, die aber leider nicht in jedem Jahr unsere Wünsche erfüllen. Seitens unserer HOG berichtete Sepp Herbst anhand der Billeder Kartei über Geburten, Heiraten und Sterbefälle sowie über die geplanten Arbeiten zur Bestandsaufnahme der Grabstätten auf den Billeder Friedhöfen. Trotz jährlicher Einladung und Aufforderung im Heimatblatt an jüngere Senioren, an unseren Begegnungen mitzumachen, sind nur wenige dazu gekommen; hingegen sind jährliche Ausfälle zu verzeichnen, die wegen hohen Alters, Krankheit, Behinderung oder Ablebens nicht mehr dabei sein können. Zu den Treffen im Jahre 2005 am Mittwoch, dem 20. April sowie am Mittwoch, dem 21. September sind auch diesmal alle jüngeren und älteren Senioren, die sich in gemütlicher Umgebung mit ihren Landsleuten wohl fühlen wollen, recht herzlich eingeladen. 61
Begegnungen
Seniorentreffen in Karlsruhe: die Männerfraktion
Fußreflexmassage bei Christa Weber (Donawell)
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arlsruher Gastfreundschaft erlebte Norbert Rier von den Kastelruther Spatzen anlässlich des Konzerts der Band in der Fächerstadt. Christa Weber (Donawell), ihres Zeichens Heilpraktikerin in der Friedrich-Weick-Straße 57 in Karlsruhe, lud den populären Musiker, den sie schon einige Jahre kennt, zur Fußreflexmassage ein. Dieser nahm das Angebot gerne an und bedankte sich herzlich bei Christa Weber. „Vor unserer Weiterreise war dies eine wundervoll entspannende Sache, die ich sehr genoss“, meinte Rier, der mit den Kastelruthern auch im kommenden Jahr wieder nach Karlsruhe kommen und natürlich wieder bei Christa Weber vorbeischauen wird. Diese bietet in ihrer Praxis übrigens nicht nur Fußreflexmassage an, sondern auch Abhilfe bei Allergien, psychischen Problemen; ganzheitliche Stoffwechselregulierung, Gewichtsreduktion u.a.
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Christa Weber (Donawell) und Norbert Rier von den Kastelruther Spatzen
Begegnungen
Unten v.l.: Katharina Heinrich, Anna Gilde, Magdalena Muttar, Elisabeth Schmidt, Elisabeth Martini, Maria Schweininger, Maria Groß, Anna Holz, Elisabeth Tobias, Regine Braun; oben: Johann Holz, Wilhelm Groß, Nikolaus Gilde, Josef Schmidt, Johann Braun, Peter Schweininger, Jakob Muttar, Johann Martini, Nikolaus Heinrich, Peter Krier, Adam Tobias
Und zum dritten Mal... Die 34-er feierten ihren 70. Geburtstag
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um dritten Klassen- und Jahrgangstreffen der 34-er - verstärkt durch einige 33er und 35-er - lud diesmal Jakob Muttar als kompetenter Organisator am 23. Oktober in die Frankonia-Gaststätte in Karlsruhe. Leider kamen - bedingt durch Krankheit und Ableben - diesmal etwas weniger Teilnehmer als 10 Jahre zuvor: Von den Klassenkameraden waren es nur 11, mit Ehepartnern 21. Laut Billeder Kartei von Sepp Herbst hätten es 43 (ohne Partner) sein können, wenn nicht schon 6 verstorben und 14 früh von Billed weggezogen wären, aber ihre Billeder Wurzeln nicht verleugnen; auch eingeheiratet haben welche. Das Schrumpfen der Teilnehmerzahl am Treffen stimmt ein wenig nachdenklich, liegt jedoch im natürlichen Trend der Dinge. Der Beginn der Begegnung verzögerte sich, da einige Teilnehmer sich etwas schwer zurechtfanden, aber zum gemeinsamen Gruppenfoto klappte es doch. Bei Kaffee und Kuchen - von Elisabeth Tobias, Magdalena Muttar und Katharina
Elisabeth Martini Heinrich selbst gebacken - gab es viel zu fragen und zu erzählen, zumal Peter Krier als Klassensprecher anhand der Kartei-Liste auf einzelne Namen besonders einging, vor allem auf die, an die man sich nur schwer erinnerte, weil sie früh Billed verlassen haben. Auch der verstorbenen Kollegen gedachte man in einer Schweigeminute. Von den ehemaligen Lehrern konnte keiner dabei sein, dafür aber lebten diese in der Erinnerung ihrer damaligen Schüler wieder auf, mit ihren guten und weniger geschätzten Eigenschaften und Ansprüchen. Es wurde an „Bubenstücke“ und lustige Begebenheiten aus weit zurückliegenden Tagen erinnert. Man freute sich auch als 70-Jährige über die erfindungsreichen Streiche von damals, die eigentlich meistens ein Mittel der Selbstverteidigung und Selbsterhaltung waren. Nach dem Abendessen war immer noch viel zu erzählen, waren Erinnerungen auszutauschen. Man vereinbarte, sich schon in 5 Jahren wieder zu treffen. 63
Begegnungen
Sepp Dinjer, Franz Klein und Hans Muhl hatten wieder alles im Griff. Gruppenbild mit den Schlachtfest-Machern.
Schlachtfest der Trachtenblasmusikkapelle Billed - Alexanderhausen
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in gelungenes Fest war es wieder, meinten viele unserer Gäste. Es lief alles wie am Schnürchen. Ein jeder weiß schon, was er zu tun hat. Die Helfer in Frankenthal, das ist ein eingeschworenes Team, verstehen sich mittlerweile fast blind. Sepp Dinjer, Franz Klein und Hans Muhl hatten wieder alles im Griff. Ihnen und den vielen Helfern vielen, vielen herzlichen Dank. Danken wollen wir auch den Kuchenund Kipfelspendern, Maria Muhl für die Organisation der Sitzplätze und den Verantwortlichen im Donauschwabenhaus Frankenthal. Dieses Jahr hatten wir einen regnerischen Morgen und blieben im Saal. Aber der Griebenkuchen von Dinjer’s hat doch den Weg zu uns gefunden. Um 12:30 Uhr gab es dann das Mittagessen: Krautwickel und Bratfleisch, dazu Saure Sahne und Brot, nachmit-
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Adam Tobias tags gab es wieder Kuchen, Torten und Kipfeln. Abends die traditionelle Schlachtplatte und ebenso traditionell, die Tombola. Wir, die Blechmusik, haben uns aber auch Mühe gegeben und ein paar neue Stücke eingeübt, teils mit Gesang. Neu bei der Blechmusik: das Gesangsduo Elisabeth Rieder und Jaksch Groß. Eingeladen hatten wir wieder den Singkreis der Banater Schwaben Frankenthal. Es wurden wieder sehr gekonnt Gedichte von Manfred Haupt und Hans Müller vorgetragen. Die Blechmusik spielte bis ca. 22 Uhr zum Tanz, anschließend Gerri Kegler mit seinen CDs, bis ungefähr 2:30 Uhr. Nächstes Jahr feiern wir ein Jubiläum. 10 Jahre Blechmusik in Deutschland. Am 21. Mai 2005 im Donauschwabenhaus Frankenthal. Dazu laden wir herzlichst ein. Näheres wird noch rechtzeitig in der BZ bekannt gegeben.
Begegnungen
Im Bild das Servieren der Speisen, selbstverständlich im Takt der Marschmusik. Es lief alles wie am Schnürchen. Ein jeder weiß schon, was er zu tun hat. Die Helfer in Frankenthal, das ist ein eingeschworenes Team, verstehen sich mittlerweile fast blind.
Gruppenbild mit dem zahlreichem eingeschworenen Nachwuchs Foto.: Peter Schweininger
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Begegnungen
Sie lassen sich die Wurst schmecken. Foto.: Peter Schweininger.
Das fleiĂ&#x;ige KĂźchenpersonal. Foto.: Peter Schweininger.
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Begegnungen
Sonntags nachmittags, v.l.: Nikolaus Jobba (331)1919*, Peter Mann (494) 1919*, Franz Oberle (191) 1922*, Karl Schneider (108) 1919*). Eins.: Fam. Hans Mayer (502) Die Schuhmacher in der Genossenschaft 1953. Von links stehend: Johann Blum, Nikolaus Klein, Hans Mayer, Michael Stadtfeld. Unten von links: Josef Schmidt, Josef Schwendner, Hans Muhl. Eins.: Fam. Hans Mayer (502) Billed.
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Gedichte
Der alte Baum Chris und Karl Balogh Viele Jahre steh’ ich hier. Tief in die Erde reichen meine Wurzeln. Meine Krone ragt hoch in den Himmel. Im Frühling treffen mich die ersten Sonnenstrahlen. Meine Blätter wachsen leuchtend grün und zart. Es sprießen meine Äste und wiegen sich sanft im Wind. Kinder springen lustig um meinen Stamm. Vögel bauen Nester in meinem Geäst und sind vor Regen und Gewitter geschützt. Im Sommer brennt die Sonne heiß vom Himmel. Kinder tollen über die Wiese, ruhen sich dann aus in meinem Schatten. Im Herbst lassen die Kinder Drachen steigen. Der Wind jagt sie wild durch die Luft. Die Kinder achten darauf, dass diese mir nicht zu nahe kommen. Jetzt leuchten meine Blätter in den schönsten Farben.
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Wenn der Herbstwind weht, muss ich sie alle fallen lassen. Die Kinder tummeln sich dann im bunten Blätterhaufen. Winter ist es geworden. Nun stehe ich kahl da. Der erste Schnee ist gefallen: die Kinder haben Riesenspaß. Herhalten muss ich als Deckung bei der Schneeballschlacht. Die Kinder bauen einen Schneemann. Keck streckt er mir die rote Rübennase entgegen. Aber in den ersten Sonnenstrahlen wird sein Stolz schnell dahinschmelzen. Ein weinendes Kind kommt manchmal zu mir, kauert sich an meinen Stamm und erzählt mir, warum es so traurig ist. So erfahre ich die Sorgen der Kinder. Eines Tages kommt ein Mann zu mir. Er streicht mit der Hand über meine Rinde. Ich erkenne ihn wieder: Als kleiner Junge ist er oft bei mir gewesen. Jetzt weiß ich: Eine lange Zeit ist vergangen!
Gedichte
Leben ist mehr... Arlene Hell (Mann) Leben ist mehr als ackern und schuften, leben ist mehr als Kohle und Kies; leben ist mehr als warten auf morgen, leben ist jetzt, leben ist dies.
Leben ist, miteinander zu reden, leben ist, aufeinander zu bauen; leben ist, füreinander zu kämpfen, leben ist Hoffnung, Mut und Vertrauen!
Leben ist träumen, lachen und weinen, leben ist Zärtlichkeit und auch Gefühl; leben ist Lust und leben ist Liebe, Zeit für Musik und Zeit für ein Spiel.
Drum lebe immer fröhlich und heiter heraus, denn viel zu schnell ist unser Leben mal aus! Deshalb danken wir Gott für jeden neuen Tag, den du und ich auf der Erde noch haben!
Leben ist mehr als hetzen und jagen, leben ist mehr als nur Theorie! Leben ist mehr als warten und fragen, leben ist hier, jetzt oder nie!
Serenade für den Großen Wagen Karl Balogh
Ich bin nicht alleine Heute sind wir uns begegnet, Aug in Auge, ich und sie. Endlich...! Ich glaube, öfters ihre Anwesenheit gespürt zu haben. Aber ich tat so, als ob ich sie nicht sehe. Sie stand an meiner Tür und wartete auf irgendjemanden. „ Weißt du, ich kam zurück, um auch mal bei dir zu sein.
„Aber wer bist du eigentlich? Wie heißt du?“ „Ich bin deine Einsamkeit!“ Oje, leid tat es mir um sie. Sie hoffte unter Tränen, dass ich ihr Einlass gewähre in mein Haus, an meinen Tisch. „Ich kann dich nicht empfangen in meinen Haus, an meinem Tisch: Ich bin nicht mehr alleine! In meinem Leben ist Gott bei mir und die Familie sitzt am Tisch!“
Niemand, wo ich auch wanderte, niemand wollte mich...!“ 69
Gedichte
Des Chorleiters Seelenqualen J. Sieber-Brach
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iebe Landsleute, heute will ich euch etwas erzählen in Verbindung mit meiner Laufbahn als Chorleiter hier in der neuen Heimat. Wie ihr vielleicht wisst, leitete ich drei Chöre. Neben allen Annehmlichkeiten, die eine solche Tätigkeit mit sich bringt, hat man auch viel Ärger und muss oft sehr diplomatisch sein, damit man mit so vielen Menschen, die alle irgendeine Idee oder Meinung an den Tag legen, auch zurecht kommt. Schlichtarbeit ist da des öfteren angesagt. Man muss auch oft ein Clown sein, damit man die Leute mit Witz und Charme bei der Stange hält. Man muss in der Freizeit Partituren studieren, damit man nicht unvorbereitet vor der Menge steht. Alles in allem war es eine Beschäftigung, die meine ganze Freizeit ausgefüllt hat, damit ich über die Runden kam mit den vielen Konzerten, Besprechungen, Proben, Sitzungen, Ausflügen usw. Es war natürlich auch viel Positives dabei: Ich habe viele gute Freunde gewonnen und viel Beifall beim Publikum geerntet. 1997 sollten wir ein großes Kirchenkonzert starten, also fing die konzentrierte Vorbereitung 1996 mit der Einstudierung der Bruckner-Messe in C an und dies noch in lateinischer Sprache. Obwohl wir schon lateinische Messen gesungen hatten, war das für unsere evangelisch Gläubigen etwas schwer. Es zog sich dahin mit den Proben; die Messe ist nicht so leicht wie z. B. die Schubert-Messe und so mancher verlor die
Geduld und motzte. Es war zum erstenmal, dass ich irgendwie die Zuversicht verlor und zum Vorstand ging, um mich zu beraten, ob wir noch weiter machen sollen oder nicht. Er sagte aber sehr konsequent: „Das wird durchgezogen!“ Als wir dann endlich mit dem 30köpfigen Orchester aus Salach zusammen geprobt haben, kristallisierte sich die schöne Bruckner-Messe schon besser heraus, und alle fingen an, mehr Spaß zu haben. Es war nicht leicht, mit einem Orchester aus 40 km Entfernung zu proben. Man konnte auch nur zwei Proben organisieren, denn alles kostet ja Geld, und so einen Bus zu mieten für diese Proben war immer ein finanzielles Problem für die sowieso nicht so betuchten Vereine. Endlich kam dann der Aufführungstermin in einer übervollen Kirche. Außer der Bruckner-Messe führten wir noch „Exultate, jubilate“ von Mozart, „Tu es Petrus“ von Liszt, „Air“ von Bach auf. Es war ein einmaliger Erfolg, alles ging wie am Schnürchen trotz der wenigen Proben mit dem Orchester. Alle waren sehr aufmerksam und gaben ihr Bestes. Doch, was ich noch erwähnen möchte, war unsere Nikolausfeier mit dem Chor gerade in der Zeit, als ich das Einstudieren der Werke fast aufgegeben hätte. Für diese Feier hatte ich mir etwas ausgedacht, um die Sänger wieder zur Weiterarbeit aufzumuntern und zwar ein Gedicht, das ich dann bei der Feier vorgetragen und mit dem ich so manchem zu denken gegeben habe.
Des Chorleiters Traum Es träumte mir, wie war’s doch gleich? Im Traum war ich im Himmelreich. Dort hörte ich zu meinem Staunen, ein Engel tät ins Ohr mir raunen; es singt gerade jetzt ein Chor, der Klang kam mir bekannt doch vor! 70
Und näher ging ich nach dem Sang, entzückt hat mich der Kehlen Klang. Ja, es war doch nicht zu glauben, traute kaum noch meinen Augen. Freudestrahlend sah ich gar meine liebe Sängerschar!
Gedichte Und sie sangen „Credo in unum“, auch schön und rein klang das „Te Deum“. Mein Herz, es war vor Freude weit, denn grad zu dieser Weihnachtszeit beschert mein Chor mir diese Freude, beschenkt mich so zum Niklaus heute!
Da sagt der Herrgott: „Geh zur Erde und trachte, dass es richtig werde! Dann hörst du, was dein Herz entzückt. Und übe lange, bis es glückt, so dass am End’ mit freien Zungen das Gloria, Credo wird gesungen!
Ganz in Verzückung, in mich gekehrt, denk’ ich: Wie ist’s wohl auf der Erd’? Werd’ ich den schönen Klang genießen? Tut’s manchen wohl schon oft verdrießen, weil der lateinisch’ Text nicht sitzt, ein andrer gar im Traume schwitzt?
Falls das Konzert dann ist gelungen, „ Tu es Petrus“ hat recht geklungen, hat erfüllt sich dann dein Traum, weil’s herrlich klang im Kirchenraum.“ Da bin ich plötzlich aufgewacht, der Traum hat mir viel Freud’ gebracht.
Pater omni potentem, Du Allmächtiger! Factorem coeli et terrae, Schöpfer des Himmels und der Erde, warum lässt Du es denn nicht walten, die Bruckner-Mess in Schwäbisch halten? Mit Freud’ und Lust dann würden singen die Sänger und die Sängerinnen.
Jetzt bet’ ich noch voll Innigkeit: Der Traum soll werden Wirklichkeit! Und dass ein jeder sagen kann: Wir hatten trotzdem Spaß daran! Nun mit Geduld noch harret aus, das wünscht euch heut’ der Nikolaus!
(Dezember 1996)
Kapellmeister Nußbaum (Großvater von Elisabeth Vastag, geb. Thöresz) mit seiner Knabenkapelle auf Amerikatournee im Jahr 1889.
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Dialekt
Frieher un jetz Margarethe Weber (Divo) Et war derhem doch immer scheen, wie alle Billeder in Billed geween. E jede hat Haus, Hoff un Garte khat, e gut Bett, gedeckte Tisch, ze esse satt. Mer han gäre un vill gearweit, die ganz Wuch, zu jeder Zeit. Et Lewe war a mit Sorche verbun, mer hat et Geld net uf der Gass fun. Awer wamer gsien hat, dass et ufwärts geht, hat mer umso meh Mut un Kraft angeleet. Wamer so iwerleet un zuruckdenkt, ohne Hand angeleet, war uns nix gschenkt. Do ware kä Motore un Maschine, net emol die Bleistiftmine. Mit Thinte un Feder hamer gschrieb, die Wäsch uf der Wäschrumpl gerieb. Im Bichleise hamer die Holzkohle gschwenkt, iwrem Bichle efter die Himeter versengt. Unrem Kessl war Feier for die Wäsch koche, net so wie do, wu mer se nor in die Maschin muss stoppe. Drbei kenne mer ruhich in de Supermarkt gehn, wo mer alles fertig ze kaafe krien. De Bauer is mit Pheer un Waan uft Feld gfahr, mit de Eecht un am Pluch 2 bis 3 Schar. Die Frucht un Gerscht hat ne mit der Sens abgemach, die Garwe uf de Waan gelaad wie in e Fach. Do hats khäsch um 4-5 Uhr ufstehn, dass mer noch in de Stall kann fiedre un melke gehn. Vonre Melkmaschin hat noch käne was gewisst, un de Mähdrescher hat aa noch käne vermisst. Trotz der schwer Arweit ware die Baure gsunde Leit, han se doch immer in der frisch Luft un in der Sunn g’arweit. 72
A de Handwerker hat frieh de Tach angfang, dass er doch oweds was ufweise kann. Ob Schuster, Tischler, Moler oder Schneider, mit Nodl, Nagl, Hammer un Pensl komme se immer weider. Wamer im Haus etwas zu repariere khat hat, hat mer dem Handwerker net a die Anfahrt gezahlt. Gut war et frieher un is a jetz, wamer vill selwer mache kann, no brauch mer net so oft rufe de Handwerksmann. Na un wie mer als Kinner gspillt han, do is als bis oweds spot scheen gang. Grawemännche, Nolafches, Gewelballe un Verstoppelches, bloßfießich im Stab rumlaafe hat gut getun de Schlimme un de Brave. Mer han net e Termin for spille ausmache misse, net de Spilltach per Telefon feschtsetze misse. Do war no’m Esse et Leni vor de Tier un hat gsaat: „Lissi, kummscht spille mit mer?“ Ja, die Zeide han sich stark geänert, net nor do, - in alle Länner. Die Kids tun liewer vor der Kischt uf der Couch rumleie, Computer spille, SMS un e-maile. Awer das brauche se a in der Schul un iwerall, in jedem Beruf - international. Vergesse derfe mer die Hausfraue net, do is e große Unerschit zwischn frieher un jetz. Zum Beispil tun mer do die Erwesse in e Reindl läre, bissi Zwiwl un Grienzeichbläder zu de waiche Khäre un schun is e gut Supp ufm Tisch
Dialekt
Handarbeit-Kurs für Mädchen vor Schulbeginn 1931 Obere Reihe v.l.: Anna Rugel (69), Barbara Thöress (565), Barbara Steiner (51), Emma Noldi (95), Barbara Plennert (605), Jakob Mumper (240), Barbara Bauer (458), Maria Schortje (432), Elisabeth Szlavik (15), Katharina Lichtfuß (437), Barbara Welter (39), Margarete Thöresz (41). Untere Reihe v.l.: Barbara Zimmer (4), Agnes Klein (42), Magdalena Gilde (458), Maria Szlavik (15), Anna Lauer (501), Barbara Thöresz (41), Katharina Muhl (128). Eins.: Margarete Thöresz (41) Karlsruhe un drno e „lecker“ gebrotne Fisch. De hat mer derhem ender fange misse aus de Lacke, Bäche oder Fliss, derno abschawe, putze un no erscht brode. Die hiesich Fischwertschaft, die muss mer lowe: ausm Gschäft in die Phann un glei uf de Tisch, e gude Grumbiersalat passt zu dem gude Fisch. Derhem simer mim Weidling in de Garte gang and anre End, bis an die Spinn-Erwesse dran, dort hamer gsucht un geroppt, bis de Weidling war voll, e frisch Zwiwl, e Grienzeichblaat un was sonscht noch nin soll. Derno zruck in die Kich, die Erwesse plikke, dass alles beizeide fertich is, musst mer sich schicke.
Aa die Bohne hamer so misse roppe, Schleiße abziehe, wäsche, schneide un koche. Na un de Salat un de Spinat hamer geroppt Blaat for Blaat, dann gut wäsche, abquelle un hacke, koche un die Imbrenn mache. Do geft die Grienspeis um halwer zwelf ufgetaut, mit bissi Rahm un e Spichelai um zwelf Uhr schon ausm Teller schaut. No’m Paprika, der Paradeis brauch mer nor greife, mer krit se immer ze kaafe, die „Halbreife“. Derhem hamer die Planze ender mol gsetzt, se anghauft, Pheel gschlaa, genetzt, Grawe gezoo un gut gewässert, drum ware die Unsriche a besser. Ja, von morjets bis oweds warmer im Garte, ganz graade Furche ziehe, säe, hacke...warte! 73
Dialekt Awer die Arweit hat sich immer gezahlt, net nor Grienzeich un Grumbiere, aa Obst haade mer satt: Mer han Omorte, Kersche, Prunier, Aplkuse ingeleet, vill Leckwar gekocht von frieh bis spät. Jetz brauche mer das alles nimmi mache, ze kaafe kriet mer immer all die Sache. Mer brauche a kä Schwein meh schlachte, kä Feld for Viehfuder pachte, kä Speck un Schunke int Salz lee, kä Worschtfleisch in de Darm drehe. Das kriet mer alles im Supermarkt no Wunsch, awer dem Sach e gude Gschmack gen, is Banater Kunscht! Samschtachs hamer sauwer gemach im Haus, do han misse alle Fetzeteppiche raus. Die hamer gebeidlt, de Staab rausgekloppt, do war kä Staubsauger, kä Wischmopp. De Hoff un die Gass hamer bis an de Grawe gekehrt, do hat kä „Müllauto“ de Dreck wechgfehrt. Derno ware die Gasse sauwer un blank, mit Stolz sen mer noh dorch unser Billed gang.
Ja, manch gut Gewohnheit hamer dort geloss, weil mer do in Deitschland anerscht lewe muss. Das häscht, mer komme do leichter dorcht Lewe, weil mer a uf e ganz aner Art strewe. Awer mer vergesse unser Heimat nie un nimmer, unser scheen Billed bleibt uns for immer! Tach for Tach semer zufride un dankbar, dass et Schicksal mit uns doher is gfahr. Mer sen zwar iwerall in Städt un Derfer verstraut, awer e jede hat sich e gemitlich Nischt gebaut, von wo aus er zum Billeder Treffe fahrt, zum Kerweifescht mit der Eintrittskart. Do ka’mer mit de Billeder kreische un lache no Herzensluscht, schwowisch verzähle so von der Bruscht. Zum Schluss miss mer uns noml verabschiede un vonaner trenne un dankbar sen, dass mer mitnaner for unser Tote bete han kenne.
10 Deka im Stanitzel Erika Weith, geb. Leidecker
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or unserem letzten Urlaub in Österreich sagte meine Mutter zu mir: „Wann dr noot dort seid, kannscht mr ä Weitling mitbringe“. Hier bei uns in Franken gibt es keinen Weitling zu kaufen und man kann ihn auch nur unzulänglich beschreiben. Also machten wir uns auf die Suche und fanden in Eisenstadt im Burgenland ohne große Probleme Weitlinge in jeder Größe und aus verschiedenen Materialien. 74
Durch dieses Wort Weitling, eine große tiefe Rührschüssel, deren oberer Umfang weiter als der Boden ist, war mein Interesse an den österreichischen Wörtern im Schwowischen geweckt. Und als ich mich auf die Suche machte, stellte ich schnell fest, dass es eine unglaubliche Fülle solcher Wörter im Billedrischen gibt. Billedrisch ist eine Mischung aus rheinfränkischen und moselfränkischen Dialek-
Dialekt ten, wobei das Rheinfränkische überwiegt, und hat mit dem österreichischen Deutsch nicht viel zu tun. Trotzdem finden wir heute in den schwowischen Mundarten viele Wörter, die an das Wienerische erinnern und aus der österreichischen Umgangssprache stammen. Die Kolonisten, die ins Banat kamen, stammten überwiegend aus den linksrheinischen Gebieten, also der Pfalz und dem Rheinland und nur ein geringer Teil aus österreichischen Ländern. Doch Handwerker, Kaufleute und Beamte, die aus Österreich, vor allem aus der Gegend um Wien ins Banat kamen, brachten ihre Mundart ins Schwowische. Auffallend ist, dass viele mit Küche und Nahrung zusammenhängende Bezeichnungen an das Wienerische erinnern. Wahrscheinlich haben auch Wiener Kochbücher des 18. Jahrhunderts zur Verbreitung der Wiener Küche und der dazugehörigen Ausdrücke beigetragen. Nun also zu einigen ursprünglich österreichischen Wörter im Billedrischen. In Billed braucht man zum Kochen nicht nur den Weitling, sondern auch den „Nudlwaljer“ und den Reindl, ein größeres flaches Kochgeschirr. Im Deutschen ist der Metzger, Fleischer oder Schlachter üblich. Im Billedrischen heißt er Fleischhacker, genauso wie in Österreich. Dort kauft man das Geselchte und nicht etwa Geräuchertes. Frikadellen oder Fleischküchle sind Faschiertes. Man kann es auf jeder Speisekarte in Österreich finden. Und beim „Fascheertet derf dr Knowl net fehle“. Knowl kommt von Knofel für Knoblauch im Österreichischen. Das Gemüse oder die Beilage, die man dazu isst, heißt auch in Österreich Zuspeis. Sellerie ist in Billed und Österreich der Zeller. Zu Johannisbeeren sagt man Riwisle und zu Stachelbeeren Agratzle. Das eingeweckte Obst ist das Dunstobst. In Deutschland isst man Rühreier, in Billed jedoch „Oierspeis“. Kauft man etwas in einer kleinen trichterförmigen Verpackung aus Papier, so heißt diese Tüte Stanitzel. Dieses Wort stammt
ursprünglich von dem italienischen Wort „scarnuzzo“ für dreieckige kleine Tüte. Backt man einen Kuchen, so wiegt man nicht 100 Gramm Zucker, sondern 10 Deka. Die Hefe ist in Österreich die Germ und durch Lautverschiebung im Billedrischen die „Gerwe.“ Auch Polsterzipfel, in Billed „Polschterzippe“, kann man in Wien kaufen. Darauf darf der Staubzucker (hochdeutsch Puderzucker) nicht fehlen. Nun noch einige Beispiele aus anderen Sachgebieten, die uns den Einfluss der österreichischen Umgangssprache auf das Billedrische vor Augen führen. Die ersten beiden Monate des Jahres heißen Jänner und Feber. Auch heute noch gibt es keinen Januar in Österreich, sondern nur den Jänner. Die Kommode heißt „Schubladkaschte“ und ein Krischpindl ist ein kleiner, schwacher Mensch. Wenn jemand erschrickt oder entsetzt ist, „fallt ne in die Frääs.“ Auf dem Markt wird gefratschelt und wenn etwas geklebt wird, „gefft et gepickt.“ Wenn man sich schnäuzt, braucht man kein Taschentuch sondern ein Sacktuch. Und wenn mich jemand ärgert, werde ich sekkiert. Zum Bauen braucht man Mörtel, in Österreich jedoch Malter. Was mich sehr verwundert hat, ist das Buchstabieren der Buchstaben J und Q. In Österreich werden diese Buchstaben als je und kwe gesprochen, so lernten es auch die Kinder in Billed. In Deutschland heißen sie jot und ku. Die Liste der Wörter aus der österreichischen Umgangssprache ist lang und lässt sich beliebig fortführen. Ich werde mich weiter mit unserem schönen Dialekt beschäftigen und würde mich freuen, wenn mir Billeder Landsleute, ungewöhnliche, fremd klingende, schöne, lustige, altmodische oder sonst irgendwie auffällige Wörter und Redewendungen zuschicken würden. Das wünscht sich Eure Wortschatzsucherin 75
Reisetagebuch
Nach über 60 Jahren wieder in der alten Heimat Josef Herbst nach einem Bericht von Andreas Bali
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ch, Andreas Bali, wurde am 20. Novem ber 1931 in einer Wohnung der SteinerMühle, Haus Nr. 450 geboren; meine Taufpaten waren Herr und Frau Steiner geb. Zwergal. Da mein Vater in der Mühle als Maschinenschlosser tätig war und später auch mein Bruder, hatten wir dort auch unsere Wohnung. Nach einigen Jahren zogen wir in Miete zu Familie Johann Seiler ins kleine Haus (446). 1940 sind mein Vater und meine 3 Brüder nach Graz (Österreich) umgezogen. Nach 2 Jahren - Januar 1942 - wollten auch wir: Großvater Thomas Kozar *1865, Mutter Katharina *1900 und ich nachziehen. Wir gingen illegal über die Grenze nach Jugoslawien, wo uns Vater erwartete und mit mir und Mutter nach Graz fuhr. Großvater blieb bei Bekannten, wo ihn Vater in einigen Tagen abholen wollte. Großvater ging aber zu Fuß zurück nach Billed, wo er an Erschöpfung in der Nacht zum 24. Januar starb und in Billed begraben wurde; Großmutter war schon 1928 in Billed gestorben. In Graz ging ich weiter zur Schule und erlernte das Handwerk eines Waffenschmieds. 1950 sind wir nach Australien ausgesiedelt, wo ich noch den Beruf des Werkzeugschlossers hinzu lernte und bis zu meinem Rentenantritt ausübte. Schon nach unserer Heirat stand es für mich und meine Frau fest, dass wir einmal nach Europa, nach England, woher ihre Verwandten kamen, und nach Billed fliegen. Leider verstarb meine Frau viel zu früh und so wurde erst mit meinem Sohn Johann/John der Traum Wirklichkeit. Am 17. September 2003, nach 22 Flugstunden von Sydney erreichten wir Temeschburg. Das Wiedersehen mit meiner Heimat hat mich sehr erfreut. Nach einer Übernachtung in einem guten Hotel ging es morgens mit dem Zug Richtug Billed. Die Fahrt war
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ein Erlebnis, die Strecke war so schlecht und der Zug fuhr so langsam, dass man hätte Blumen pflücken können während der Fahrt. Und dann kam einer der schönsten Augenblicke meines Lebens: Wir waren in Billed, meinem Geburtsort! Es kamen meine Kinheitserinnerungen zurück, ich habe keine Worte, das zu beschreiben. Vieles aus meiner Erinnerung war leider nicht mehr zu sehen: hinter dem Bahnhof die großen Eichen, der Tennisplatz vor dem Bahnhof, das Gasthaus mit der Kegelbahn... Unser erster Weg führte uns am Friedhof vorbei, der dank der Fürsorge der Familie Csonti - was wir erst später erfuhren - in sehr gutem Zustand ist. Das nächste Ziel war die Kirche, auch wusste ich, da war mein Kindergarten, die Schule, ein großes Kaufhaus, auch war da, wo ich als Kind immer vorbei ging, das Hotel „Zum Trompeter“, wo ich essen und übernachten wollte. Zu meiner Enttäuschung fand ich kein Hotel und so konnte ich meinen rumänischen Wortschatz von 5 Wörtern: „Maninc, va rog, mamaliga cu lapte“(Ich esse bitte Maisbrei mit Milch) auch nicht anwenden. Ich hatte ja nie Rumänisch gelernt, aber was konnte mit so einem Wortschatz schon schief gehen? Da wir kein Hotel vorfanden, hatten wir die Idee, bei der Polizei-Dienststelle nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu fragen. Leider war da keiner anwesend außer drei großen Hunden. Keine Polizei, kein Gasthof und keine Unterkunft! Was sollten wir tun? Alle Leute, die wir ansprachen, verstanden uns nicht, sprachen nur Rumänisch. Wo sind denn nur unsere Landsleute, die Schwaben, geblieben? Mit so viel Vorfreude und Sehnsucht, meine Heimat wiederzusehen, wollte ich nicht gleich nach Temeschburg zurückfahren. Da war ja noch so vieles, was ich hören und sehen wollte! Deshalb gingen wir in einen kleinen Laden, wo wir eine Cola tran-
Reisetagebuch ken. Die Inhaberin sprach einige deutsche Worte und gab uns zu verstehen, dass vielleicht Familie Csonti uns weiterhelfen könnte. Wir hatten großes Glück: Familie Csonti wurde unser Schutzengel. Wir waren bei ihnen gut aufgenommen und haben viele nette Stunden mit ihnen verbracht. Als wir im „Ortssippenbuch Billed“ von Hans Wikete noch meine Geburten-Eintragung fanden, fühlte ich mich noch wohler in meiner alten Heimat. Herr Csonti hat uns mit seinem Wagen überall dorthin gefahren, wo wir etwas sehen wollten: An die Steiner-Mühle, zum Hause Seiler, wo ich meine Kindheit verbracht habe, auf die Friedhöfe und durch alle Gassen. Vom deutschen Forum waren wir sehr beeindruckt und davon, dass für unsere alten Leute gesorgt wird durch Essen auf Rädern. Herr Csonti hat uns auch mit Frau Elisabeth Marx geb. Steuer bekannt gemacht, die als Mädchen in unserer Nachbarschaft gewohnt und unsere Familie gut gekannt hat. Am folgenden Tag fuhren wir mit Frau Csonti, die uns die Stadt zeigte, nach Temeschburg. Eine schöne Stadt, doch sieht man - genau wie in Billed - die Spuren der Nachkriegsjahre. Auch waren wir im AMG-Haus,
in einem von Deutschland erbauten modernen Altenheim und im dort mit viel Liebe eingerichteten Heimatmuseum. Es freut uns, dass man auch hier für den Lebensabend unserer alleinstehenden, alten Landsleute bestens gesorgt hat. Die Zukunftsaussicht für unsere alte Heimat ist vielversprechend; man sieht die Bemühungen, den einstigen Wohlstand wieder zu erreichen und zu mehren. Mein Sohn und ich waren beeindruckt von der Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und der Gastfreundschaft unserer Landsleute aus Billed. Zwischenzeitlich kennen wir durch die Vermittlung von J. Herbst den jüngeren Billeder Landsmann Hans Martini mit seiner netten Frau Roswitha hier in Sydney. Wir hätten uns viel Zeit erspart für Informationen vor unserer Reise nach Europa, wenn wir die Landsleute schon gekannt hätten. Wir haben, wenn wir uns treffen, immer ein besonderes Thema: unsere alte Heimat Billed! Diese Reise nach Billed war für uns ein sehr schönes Erlebnis. Mein Sohn wird bestimmt noch einmal Billed besuchen, was ich auch möchte, nur darf ich keine 60 Jahre mehr warten! Herzlich euer Andreas Bali und Sohn John
Das Elternhaus, Ölgemälde von Josef Breitenbach
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Reisetagebuch
Nach fast 21 Jahren Fahrt in die alte Heimat Magdi Roos
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ienstag, 8. Juni: Sohn Erwin, mein Mann und ich fuhren am Morgen um 6 Uhr von Karlsruhe über Passau, Österreich nach Ungarn, wo wir in Györ-Raab in einem traumhaft schönen österreichischen Hotel übernachteten. Mittwoch, 9. Juni: Früh am Morgen ging es dann der rumänischen Grenze entgegen, welche wir, wie auch die anderen Grenzen, ohne Schwierigkeiten passierten. Der erste Eindruck war die schöne, große Tschanader Kirche, im Stande gehaltene, jedoch überwiegend vernachlässigte Häuser, hohe Gräser in den Gassen. Wir fuhren nach Semiklosch, dem Geburtsort meines Mannes. Das Zentrum ist erneuert, schön und in Ordnung, die Kirche machte einen traurigen Eindruck: Abgefallener Mörtel, Tauben über Tauben, die den Eingang mit einem Teppich belegen, auf welchem man ausrutscht! In einigen Nebengassen, durch die wir mit dem Auto mehr humpelten als fuhren, staubte es. Viele Häuser sehen aus, als wären sie nicht bewohnt. Das Elternhaus meines Mannes im Zentrum gelegen - hat längst nicht mehr sein gewohntes Aussehen. Wir haben auch die Gräber der Eltern und Großeltern besucht, welche, wie der ganze Friedhof, im Stande gehalten sind. Weiter fuhren wir durch Marienfeld, welches katastrophal aussieht; wir schauten durch tränennasse Augen. Die einst so schmucke Kirche geht scheinbar ihrem Verfall entgegen. Wir suchten auch die Gräber von Vewandten unserer Schwiegertochter Yvonne. Der hohen Gräser wegen, durch welche man die Wege nicht mehr sieht, sind wir wie durch Dickicht gestiegen, haben die Gräber jedoch nicht gefunden. Ein Schock war es für uns, als wir Yvonnes Elternhaus, ein schönes, großes Eckhaus, besichtigen wollten und nur einen Haufen Erde, über welcher Gräser und Unkraut wuchern, vor-
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fanden. Kein Stein war mehr vorhanden! Am späten Nachmittag sind wir durch Komlosch, Gottlob, Lovrin, Alexanderhausen gefahren, wo es teils besser, teils vernachlässigt aussieht, die Landstraße hingegen ist in gutem Zustand. Nun fuhren wir klopfenden Herzens durch die Hauptstraße unserer einst so blühenden Heimatgemeinde Billed. Mit der Vorstellung, wie es einst gewesen war, ist es nach so langer Zeit erschütternd. Der Blick sucht Gebäude, welche nicht mehr vorhanden sind; es entstanden inzwischen Neubauten wie in allen Dörfern, man sieht gepflegte und vernachlässigte Häuser, fremde Menschen. Außerhalb von Billed hielten wir vor dem Kalvarienberg, gingen zwischen den erneuerten Stationen mit freudig-traurigen Gefühlen den Weg hinauf. (Als Schulkinder sind wir jedes Jahr einmal dorthin gepilgert.) Oben angelangt, sahen wir die Kirche und das ganze Panorama unserer Heimatgemeinde und fuhren nach einem stillen Verhalten Richtung Temeswar. Die gewohnten Bäume am Straßenrand und die gute Landstraße das war heimisch. Nicht so die Einfahrt in die Stadt, wo schon außerhalb derselben von Ausländern erbaute Unternehmen stehen, für uns alles fremd, fremd...Endlich waren wir an der Oper, auf dem schönsten Platz in dieser uns einst so vertrauten Stadt, wonach wir im Hotel Cina-Banatul ein Dreibett-Zimmer für 6 Übernachtungen buchten. Donnerstag, 19. Juni: Die Nacht gut durchgeschlafen, fuhren wir am Morgen nach Billed: Die Veränderungen im Dorf und die fremden Menschen ließen anfangs unsichere Gefühle in uns aufkommen, was sich dann gelegt hat. Auf dem Weg zum Forum begrüßten uns schon früher ansässige rumänische Bürger, welche auf der Straße bei einem Bier beisammen saßen und uns erkannten. Danach haben wir eine angenehme Stunde mit
Reisetagebuch
Erwin Roos erfrischt sich am artesischen Brunnen in Großsanktnikolaus Familie Csonti verbracht, welche sich bemüht und ihr Bestes tut, um alles aufrecht zu erhalten. Auf schlechtem Weg ging es dann zum Sauerländer Friedhof, wo mein Vati und die Zoller-Großeltern beerdigt sind. Dieser Friedhof ist überraschend gut erhalten. Auf dem Rückweg haben wir am Wagner-Haus bei Sortoc-Klein Brunhilde angehalten, welche in der Kirche die Orgel spielt. Da Fronleichnam war und die Messe um 18 Uhr abgehalten wurde, versprach ich, die Orgel zu spielen, was auch Pfarrer Bonaventura erfreut hat. Inzwischen fuhren wir noch zu unseren gewesenen Nachbarn - Stefanescu Stelica/ Thöreß Leni und Fam. Udroiu in die Kirchengasse. Auch die jetzige Bewohnerin unseres Hauses hat uns hineingebeten, wo jetzt alles von den Menschen, die da wohnen, geprägt ist. Aus der früheren Werkstätte meines Vaters, aus welcher wir für Roland und Erwin ein Zimmer und ein Vorzimmer errichten und mit Parkett auslegen ließen, haben die jetzigen Einwohner ein Geschäft und einen Lagerraum gemacht und den Fuß-
boden mit Motorin eingelassen. Ein Schreck ist der Hinterhof. Ein Zaun, welcher aus beschädigtem, rostigen Draht und zerbrochenen Latten und Brettern besteht. Wo ist der schöne Hinterhof mit den ringsum duftenden Akazienbäumen, mit den gackernden Hennen und dem stolzen Hahn? Nichts ist übriggeblieben als eine Ablagerung unmöglicher Sachen und unbrauchbarer Gegenstände. Auf dem Weg durch die Kirchengasse blieben wir an der Ecke, wo einst die BallmannMühle stand (welche abgebrannt ist), stehen. Auf dem Fundament der Mühle und der anderen Gebäude hat ein Ausländer ein Unternehmen erbaut, das in starkem Kontrast zu den Häusern ringsum steht. In der Kirche hatte ich so eigenartige Gefühle beim Emporsteigen der Wendeltreppe, beim Platznehmen an der Orgel, die ich schon mit 15 Jahren begeistert gespielt habe. Sie kann nicht sprechen, aber ihre abgenutzten Tasten mit Vertiefungen fühlten sich für mich wie Samt und Seide an. Die Singfrauen, die sowohl deutsch als auch rumänisch 79
Reisetagebuch singen sind: Brunhilde und Ingrid Klein, Lissi Schneider (Busa), Resi-Neni (Keller) u.a. Der Pfarrer hat sich nach der Messe für das Orgelspiel bedankt und dafür, dass wir überhaupt gekommen sind. Nach Temeswar zurückgekehrt, gingen wir mal wieder zwischen 22 und 24 Uhr auf dem Opernplatz spazieren, es war wie an allen Tagen warm und noch viele Menschen auf der Straße. die Familien Roos und Csonti gemütlich im Hof des Freitag, 11. Juni: Wir bummel- Forums in Billed. ten über „Piata 700“, kehrten bei „Bila“ aus Österreich ein, entdeckten auf war, doch längst nicht mehr vorhanden ist. dem Marktplatz kuhwarme Milch noch mit Die Hauptstraße entlang sahen wir die Post, Schaum im Flaschenhals, so dass jeder einen die Schule, die kleine ungarische Kirche halben Liter gleich an Ort und Stelle aus- wie vor Zeiten von Tannen umgeben - wo mein Vater als junger Mann kurze Zeit die trank, weil die Milch so gut mundete. Um 19 Uhr gingen wir über den schönen Messe auf einem Harmonium gespielt hat. Domplatz und besuchten Alt-Bischof Kräu- Lang, lang ist’s her! Wir kamen zum Geter, während Bischof Roos in Deutschland meindehaus und daneben zum Elternhaus weilte. Danach spazierten wir an den Fe- meines Vatis. Hätte ich nicht gewusst, wo es stungsmauern vorbei, alles grünte und blüh- steht, wäre es dem jetzigen Aussehen nach te, die Sonne strahlte und wärmte noch vor für mich nicht zu erkennen gewesen. Meine ihrem Untergang und wir fühlten uns einfach Großeltern hatten ein Geschäft und ein wohl. Da ich gerade 75.Geburtstag hatte, Wirtshaus; mir ist, als sähe ich noch heute fuhren wir zur „Schari-Neni“, dem jetzigen das große Schild über beiden Eingangstüren: „Intim“ und ließen es uns bei gutem Essen - „Ballmann Peter“, doch heute kein Schild, nicht ohne Ciorba - gut ergehen. Als wäre sie keine Treppen, keine Eingangstüren... Die eigens für meinen Geburtstag bestellt, sang Menschen, die mit Fleiß ihr Leben meisterdort eine Sängerin die schönsten Balladen ten, liegen auf dem verlassenen Friedhof, auf und Romanzen mit Musikbegleitung und so dem wir mit Mühe ihre Ruhestätte fanden. ging für uns wieder ein schöner Tag zu Ende. Meine Spielgefährtin Marioara, der ich als Samstag, 12. Juni: Morgens sind wir auf Kind die Nase in unser Handtuch putzte und guter Landstraße nach Cheveresul-Mare ge- dafür Rüge bekam, ist vor einigen Jahren fahren. 9 Monate alt, bin ich mit meinen El- verstorben. Dann habe ich unsere einst so tern zu meinen Großeltern väterlicherseits schöne, stolze Nachbarin Lenuta besucht. hierher umgezogen, doch nach 5 Jahren sind Wir haben uns natürlich nicht wieder erwir wieder nach Billed zurückgekommen, kannt: Sie ist eine 80-jährige, alte, von der das war meine erste Kindheit. Und jetzt kam Arbeit gezeichnete Frau mit gekrümmtem mir wieder alles in den Sinn: Über die Te- Rücken. Als ich sagte, wer ich bin, umarmmeschbrücke bei Cheveres herein suchten ten wir uns und weinten. Ja, es gab Begebenmeine Augen die Mühle, welche damals Ei- heiten und Eindrücke, welche sich in die gentum der Bakowaer Familie Schlapanzki Seele meißeln. In Temeswar ruhten wir uns 80
Reisetagebuch erst aus und gingen dann am Abend wieder spazieren, aßen bei Lloyd wieder eine Ciorba - die ließen wir nie aus - die Männer tranken noch ein Bier. Sonntag, 13. Juni: Nach dem Frühstück sind wir in die Kathedrale gegangen und haben dem schönen Gesang gelauscht, sind dann in die Elisabethstädter Kirche gefahren, wo ich vor vielen Jahren bei Prof. Weiss Orgelstunden nahm. Anschließend fuhren wir nach Billed, zum Neugässer Friedhof, welcher auch sehr in Ordnung ist. Obwohl es zu tröpfeln begann, half Erwin noch einen Grabstein aus einem Auto zu heben. Wir gingen dann noch zum Bahnhof, zur Hanffabrik und zur Baza de receptie, wo mein Mann angestellt war. Wir konnten nur enttäuscht staunen. Wie versprochen, spielte ich zum Fronleichnams-Fest wieder die Orgel. Die kleine Prozession von 40-45 Personen führte unter Gesang durch den Kirchengarten um die Kirche herum wieder in die Kirche. Brunhilde hatte mir
sogar einen Fronleichnamskranz gemacht: Es war alles wie üblich und doch ganz anders! Vor der Kirche haben wir dann noch mit dem Pfarrer und den Leuten erzählt, auch Süßigkeiten und Kleidung an arme Kinder verteilt, die alle ihre Arme streckten, um etwas zu erhaschen, ein trauriges Bild. Adi Csonti hat Erwin dann in den alten Schulhof mitgenommen, wo Mannschaften aus Billed, Lovrin und Hatzfeld Handball spielten. Nachdem wir uns vom Pfarrer und den Leuten verabschiedet hatten, fuhren wir nach Temeswar zurück. Montag, 14. Juni: In Temeswar wollte Erwin noch seine gewesene Schule und seinen Arbeitsplatz besichtigen; wir gingen dann noch einiges auf dem Josefstädter-Markt besorgen. Dienstag, 15.Juni: Da ging es auf zu Hause zu. Nach 6 erlebten Tagen voller Gefühle, Eindrücke, Staunen, Freude, Enttäuschung und Traurigkeit kamen wir spät am Abend in Karlsruhe an.
Gruppenbild nach einem Singspielauftritt unter der Leitung von Lehrerin Eva Mager im Jahr 1965. Eins.: Eva Mager
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Reisetagebuch
Zum 50-jährigen Siedlungsjubiläum nach Brasilien (Schluss)
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ei herrlichem Wetter hatten wir von dem berühmten Aussichtspunkt des sich 704 m über Rio de Janeiro erhebenden Corcovado mit seiner 38 m hohen Christusfigur einen einmaligen Blick auf das MaracanaFußballstadion, das größte der Welt, das 200.000 Zuschauern Platz bietet; auf die Bucht und den modernen Teil der Stadt. Mit der Seilbahn fuhren wir hoch auf den Zukkerhut, das Wahrzeichen der Stadt, von wo wir eine eindrucksvolle Aussicht auf den Jachthafen, die Strände Ipanema und Copacabana sowie den endlosen Atlantischen Ozean hatten. Bei einer Rundfahrt durch die Stadt sahen wir nicht nur die moderne Stadt mit ihren Kirchen und Prachtbauten, sondern auch ihre Schattenseiten, die Favelas, die Wohnviertel der armen Leute im Norden der Stadt. Auch das riesige Sambadrom haben wir gesehen, welches 85.000 Zuschauern Platz bietet und wo die weltbekannten Karnevalsumzüge stattfinden. Da im Januar dort Sommer ist, haben wir auch am 5km langen Traumstrand an der Copacabana gebadet. Vom Dreiländereck Brasilien-Argentinien-Paraguay und dem Nationalpark Macuco fuhren wir mit einem Sonderbus zu einem der 7 Wunder des vergangenen Jahrhunderts, zum Wasserkraftwerk Itaipu - dem größten der Welt - am Flusse Parana. Der Stausee hat 1.350 qkm; 20 (700 MW)-Generatoren haben eine installierte Kapazität von 14.000 MW. Im Jahr 2000 erzeugten sie 90 Milliarden Kilowatt/Stunden, ein Rekord, der bislang von keinem anderen Kraftwerk der Welt erreicht wurde. Über 10 Millionen Besucher haben Itaipu seit 1977 bereits besichtigt, ein Tagesdurchschnitt von mehr als 1.500 Besuchern! Auf dem Weg von Guarapuava nach Curitiba besichtigten wir die phantastischen Felsformationen von Vila-Velha, die in Tausenden von Jahren durch Wind und Regen so 82
Josef Herbst geformt wurden, dass jeder der 23 Felsen ein Tier symbolisiert und demgemäß einen Namen trägt. Anschließend machten die 28 in der Gruppe Verbliebenen Badeurlaub. Eine beeindruckende Bahnfahrt brachte uns über die Serra do Mar zum kleinen Kolonialstädchen Morretes, eine Bahnstrecke, deren Bau 1875 beschlossen wurde, um die Exportprodukte Tee, Kaffee, Maniok, Baumwolle und Mais aus den Kolonien in den Hafen von Paranagua befördern zu können. Die Ingenieure wurden damals vor fast unüberwindliche Herausfordeungen gestellt: Auf einer Strecke von 108 km war zwischen Küste und Hochland ein Höhenunterschied von 1.030 m zu bewältigen, eine Arbeit, die 5 Jahre dauerte und von fast 5.000 Sklaven verrichtet wurde. Auf dieser Strecke befinden sich u.a. 17 Bahnhöfe, 41 große Brücken und Überführungen, 32 kleine Brücken und 13 Tunnels der längste ist 429 m lang - jedoch das Meisterwerk ist die 58 m hohe und 110 m lange Sao-Joao-Brücke. Die 67 km von Curitiba bis Morretes hat der Zug in 4 Stunden zurückgelegt; vor der Abfahrt erhielt jeder Fahrgast einen halben Liter ZuckerrohrSchnaps und Salz-Knabbergebäck... Weil die Fahrt so kurvenreich ist, gibt es nur Sitzplätze. Die Fahrt war jedoch so schön und abwechslungsreich mit steil abfallenden Schluchten, Sturzbächen und Wasserfällen, Seen, wild wachsenden Hortensien und verschiedenen Farnarten, so dass keiner aus Langeweile zur Schnapsflasche greifen musste. Wunderschön war vor allem der Kontrast der Farben: Das dunkle Wasser, die weißen Felsen, das Grün des Waldes und unvergesslich das Bild, als wir aus einem Tunnel wieder ans Licht kamen. Es war, als öffnete sich vor uns ein Vorhang und wir erblickten das Küstenland mit seinen Flüssen, Städten und
Reisetagebuch den Atlantik. Unser Bus hatte die Strecke von Curitiba in 70 Minuten zurückgelegt und erwartete uns in Morretes am Bahnhof. Morretes liegt etwa 40 km vom Ozean entfernt und ist eine im 18. Jahrhundert gegründete Barockstadt mit breiten Straßen, vielen Restaurants und im Sommer mit viel Staub. In einem der Restaurants haben wir zu Mittag gegessen: Barreado, ein typisches Gericht dieser Gegend, ein aus Büffel- oder Rindfleisch in einem irdenen Topf 24 Stunden lang gekochtes Gericht, das man sich selber mit Maniok-Mehl anrichten kann, aber es gab auch Fisch in allen Variationen mit Gemüse. Vor dem Essen gab es als AppetitMacher frei an der Theke den hier beliebten Cachaca de Banana (Bananenschnaps) und andere alkoholische Getränke. Nach einer langen Busfahrt kamen wir in „unseren“ Badeort Barra Velha im Staate Santa Catarina, in „unser“ strandnahes Hotel Flamboyant. Es folgten herrliche Badetage mit Halbtagsausflügen in die in der Mitte des 19. Jahrhunderts, vor und nach den Weltkriegen von Deutschen besiedelten Orte wie Blumenau, Pomerode, Brusque, Camboriu und Florianopolis. Blumenau und Brusque haben knapp 10.000 Einwohner, von denen viele in den Webereien beschäftigt sind. Camboriu ist ein Städtchen mit vielen Einkaufsmöglichkeiten; Pomerode, das germanische Brasilien oder die deutscheste Stadt Brasiliens, ist eine Kleinstadt im grünen Tal des Itajais und bewahrt die typischen Merkmale aus der Zeit der Einwanderung der Deutschen in Brasilien. Die Mehrheit der 21.000 Einwohner sind deutschstämmig; hier gibt es auch die meisten Fachwerkhäuser Brasiliens. Volkstanzgruppen und Musikkapellen versuchen Kultur und Tradition der Vorfahren zu bewahren. Bei unserer Ankunft konnten wir die Eröffnung der 19. Festtage von Pomerode mit dem Umzug der Trachtengruppen, der Reiter und schön geschmückten Pferdewagen sehen. Aus dem Umzug heraus bewirtete man uns mit Kuchen und
Bier und lud uns herzlich ein, zum Feiern auf den Festplatz zu kommen. Auch unser Busfahrer Herbert, der uns 17 Tage mit seinem Bus zur Verfügung stand, ist ein Deutschstämmiger aus Pomerode. Auf dem Festplatz, der vor 20 Jahren zu diesem Zweck angelegt wurde, sind große Hallen und riesige überdachte Flächen; in den Hallen war gerade eine regionale Gebrauchsgütermesse und auf dem übrigen Gelände waren Verkaufsstände, Musikkapellen (auch aus Bayern), große Tanzflächen sowie Bühnen zur Vorführung von Volkstänzen aus dem In - und Ausland. Zu essen gab es typisch deutsche Gerichte: Entenbraten mit Rotkohl, Schweinebraten mit Sauerkraut usw., neben einheimischem Bier gab es auch Bier aus Deutschland. Das Pommernfest wird jedes Jahr im Januar eine Woche lang gefeiert. Am 22. waren wir zu unserem letzten Ausflug unterwegs: Wir besichtigten Florianopolis, die Hauptstadt des Staates Santa Catarina, auf der Halbinsel gleichen Namens - 42 km lang, breiteste Stelle 18,5 km - die mit dem Festland durch eine Brücke verbunden ist, 218.000 Menschen, in der Stadt 43.000. Jährlich kommen etwa 2,5 Millionen Badegäste und Besucher auf die Insel; selbst viele Prominente aus dem In - und Ausland haben hier ihre Urlaubshäuser oder wohnen hier, auch der brasilianische Tennisspieler Gustavo Kuerten, dessen Großeltern in der Nähe von Stuttgart wohnen. Bei der herrlichen Inselrundfahrt beehrte uns der deutschstämmige Vize-Präfekt Enio Schöninger mit Gattin, die uns auch das exklusive neue Wohnviertel zeigten. Beide sprechen gut deutsch; er ist Tourismus-Botschafter des Staates Santa Catarina und oft in Deutschland. Am 25. Januar war morgens die letzte Gelegenheit zum Baden. Nach dem Mittagessen brachte uns der Bus zum Flughafen Navegantes, von wo aus wir die 650 km bis Sao Paulo bei herrlichem Wetter zurücklegten. Nach dem Nachtflug von Sao Paulo bis 83
Reisetagebuch Frankfurt kamen wir mit vielen schönen Eindrücken von dem herrlichen Land Brasilien an. Herr Huhn und das Reisebüro „Im Sommerfeld“ Latin Travel Tour, die diese Reise veranstalteten, hatten für Januar 2004 eine
mit noch längerem Aufenthalt in verschiedenen anderen Gegenden, mit anderen Sehenswürdigkeiten geplant und durchgeführt. Auch die Reise für 2005 wird sicherlich auch ein Erfolg.
Rumänien-Radeltour Regina und Franz Krogloth
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ie jedes Jahr, auch heuer wieder, ein Fahrradurlaub. Nach Mallorca-Umrundung, Moselradweg, Bodensee-Umrundung, Fahrt bis an die Adria usw. ging es dieses Jahr nach Billed. Erstmal zur Salzach, das Ufer entlang bis zum Inn, dann Inntalradweg bis Schärding, quer rüber nach Engelhartszell, Donauradweg bis Hainburg, über Nickelsdorf - sehr schöne Fahrt durch Naturschutzgebiet; Fa-
sane neben der Straße - über Hegyeshalom nach Györ. Nach einer Pannenserie wegen selbstverschuldeter abgefahrener Reifen Busfahrt bis nach Szeged: Zwei Übernachtungen in dieser schönen Stadt, die wir bisher nur von der Durchfahrt kannten, im gleichen Hotel wie das australische Ruder-Nationalteam. Weiter über Cenad/Tschanad nach Billed. 800 km in 6,5 Tagen!
Ein ganz wichtiges Etappenziel in der unendlichen Weite der Banater Ebene ist erreicht.
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Reisetagebuch
Exotische Begegnungen auf den Landstraßen der Banater Heide
Prager Reiseeindrücke Heidrun Done
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rag, Hauptstadt der Tschechischen Re publik, mit den zu Recht bestehenden Beinamen „goldene“ und „hunderttürmige“ Stadt, war das Ausflugsziel einer Gruppe von Landsleuten, die Ende September/ Anfang Oktober diese Stadt besichtigt hat. Gestartet wurde in Karlsruhe mit einem Bus des Unternehmens Stefan Mayer Reisen aus Plankstadt/Sanktanna, dem an dieser Stelle ein Lob ausgesprochen werden muss für Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und reibungslosen Ablauf der gesamten Reise. Die ca. siebenstündige Anreise war kurzweilig, es wurde viel erzählt und gelacht und es herrschte eine gute Stimmung. So gegen 14.30 Uhr kamen wir in der Stadt mit den vielen historischen Bauten aus allen Epochen an, eine Stadt, in der sich Baustile von 1000 Jahren wie Jugendstil, Barock, Historismus und Gotik zu einer kaum zu übertreffenden Einheit verbinden. Prag empfing uns mit einem freundlichen Herbstwetter, das uns während der ganzen Zeit unseres Aufenthalts begleitet hat, bis auf eine kleine Ausnahme,
als es an einem Nachmittag einen kurzen Regenschauer gab. Unser Bus brachte uns zuerst zum Hotel „Duo“, ein komfortables Mittelklassehotel, in dem wir für drei Nächte untergebracht waren und das ca. 8 km vom historischen Stadtzentrum entfernt im Norden Prags lag. Am darauffolgenden Tag war unser erstes Besichtigungsziel die Prager Burg, gelegen im Stadtteil Hradschin, das wir – geleitet von unserem Stadtführer – ansteuerten. Durch die drei Burghöfe gelangt man zum St.-VeitsDom, der die gesamte Burganlage überragt und der das Wahrzeichen Prags ist. Diese imposante Kathedrale, an der jahrhundertelang gebaut wurde und die verschiedene Stilrichtungen von der Gotik, über Renaissance und Barock bis hin zum Jugendstil harmonisch miteinander vereinigt, durften wir betreten und kamen aus dem Staunen nicht heraus. Heute ist hier der Sitz des Prager Erzbistums. Ein Spaziergang durch den Wallgarten führte uns dann zurück und so kamen wir wieder am ersten Burghof vorbei, 85
Reisetagebuch
Es war eine eindrucksvolle, allen Teilnehmern für immer in Erinnerung bleibende Reise, für deren Zustandekommen wir uns bei der HOG Billed bedanken und insbesondere bei Werner Gilde. wo wir um 12.00 Uhr das Schauspiel der Wachablöse der Burggarde verfolgen konnten. Doch verweilen konnten wir nicht allzu lange, denn noch viele Sehenswürdigkeiten warteten auf uns. Nachdem wir immer wieder – von der Prager Burg aus – den herrlichen Ausblick über die Stadt genossen hatten, kamen wir zum Waldsteinpalast mit seinem herrlichen Garten. Waldstein, von Friedrich Schiller „Wallenstein“ genannt, ließ diesen Monumentalbau, der sich um fünf Höfe mit weitläufigem Garten mit Skulpturen und einer dreiteiligen Gartenloggia gliedert, in einer nur siebenjährigen Bauzeit (1623 – 1630) errichten. Heute ist im Waldstein-Palais der Senat der Tschechischen Republik untergebracht. Den Nachmittag hatten wir zur freien Verfügung, wobei – in kleineren oder größeren Gruppen – durch die Altstadt gebummelt, mit der Bummelbahn gefahren , durch die Karlsgasse und über die Karlsbrücke spaziert, das „Prager Jesulein“ in der 86
Wallfahrtskirche St. Maria de Victoria besichtigt oder mit der Standseilbahn auf den Laurenziberg gefahren wurde, um Prag von oben zu betrachten. Die Zeit verging wie im Fluge und nach dem Abendessen im Hotel konnten wieder bei gemeinsamem Zusammensitzen „neue Eindrücke“ und „alte Geschichten“ ausgetauscht werden. Unser zweiter Tag in Prag brachte uns in die Altstadt, deren Zentrum der Altstädter Ring mit dem Altstädtischen Rathaus und der astronomischen Aposteluhr ist. Zu jeder vollen Stunde beginnt das Figurenspiel der berühmten Uhr und wir hatten die Gelegenheit dies fasziniert zu verfolgen. Der weitere Spaziergang führte uns zu verschiedenen Kirchen, bis wir schließlich alle gemeinsam zur berühmten Karlsbrücke kamen. Mit 16 Bögen auf 17 Pfeilern und einer Länge von 510 m überspannt die Karlsbrücke die Moldau und verbindet die Altstadt mit dem Stadt-
Reisetagebuch teil „Kleinseite“. Unsere Stadtführung endete am 65 m hohen, mit Skulpturen reich geschmückten „Pulverturm“, früher ein Depot für Schießpulver. Von hier aus konnte dann wieder individuell erkundet und besichtigt werden. Schnell war wieder die Zeit vorbei; wir hatten zwei anstrengende, aber erlebnisreiche Tage in Prag hinter uns. Auf unserer Heimfahrt machten wir noch einen zweistündigen Abstecher in den berühmten, wunderschönen Kurort Karlsbad. Doch Karlsbad ist nicht nur als Kurort bekannt, sondern auch wegen seiner Oblaten, mit denen sich die meisten Ausflügler ausreichend versorgten. Am Abend in Karlsru-
he wieder angekommen, konnten alle Teilnehmer – denke ich – folgendes Fazit ziehen: - Es war eine eindrucksvolle, allen Teilnehmern für immer in Erinnerung bleibende Reise, für deren Zustandekommen wir uns bei der HOG Billed bedanken und insbesondere bei Herrn Werner Gilde, der sich sehr eingesetzt hat - Es hätten vielmehr Landsleute teilnehmen können, denn im Bus gab es noch so manchen leeren Platz - Vielleicht wird nächstes Jahr wieder eine Städtereise organisiert; es gibt noch so viel Sehenswertes in Europa, denn Jean Paul sagte schon: „Das Leben ist wie ein Buch - und wer nicht reist, liest nur ein wenig davon!“
Kein Luxusauto 1924 vor dem Billeder Kastell! Ing. Robert Schneider, Stefan und Josef Petö pendelten damit täglich zwischen Billed und ihrer Ziegelei in Gertjanosch. Eins.: Helen Hrivnyak, geb. Schneider.
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Leistung und Würdigung
Zur 100. Wiederkehr des Geburtstages meines Urgroßvaters Dr. Nikolaus Tuttenuit Ulrike Jochum
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ein Bild hing im Schlafzimmer meiner Urgroßmutter. Schon in früher Kindheit faszinierte mich der prüfende Blick seiner dunklen Augen und erweckte den Wunsch in mir, mehr über das Leben jenes Mannes zu erfahren, der mein Urgroßvater war. Seither sind viele Jahre vergangen. Meine Urgroßmutter ist ihm bereits in die Ewigkeit gefolgt und das Bild befindet sich mittlerweile im Wohnzimmer meiner Großeltern. In diesem besonderen Jahr, das er nicht mehr erleben darf, möchte ich nun an ihn erinnern, um sein Andenken im Gedächtnis jener zu bewahren, die ihn kannten und schätzten.
In der wohl bescheidenen Stube eines Kleinbauernhauses des Banater Heidedorfes Wiseschdia stand die Wiege des kleinen „Klosi“ – wie mein Urgroßvater zeitlebens in der Familie und von Freunden genannt wurde. Hier verbrachte er auch seine frühen Kinderjahre, in denen man sehr bald schon seine außerordentliche Intelligenz und Begabung entdeckt hat. Die Eltern, die ihm gerne eine akademische Ausbildung ermöglichen wollten, verdienten und ersparten sich in den folgenden Jahren ein kleines Vermögen in Amerika – und schufen damit die materiellen Voraussetzungen für die spätere medizinische Berufslaufbahn ihres Sohnes. Der Weg dahin führte über das damalige Temeschburger Real-Gymnasium (heute Nikolaus Lenau - Lyzeum), an die medizinische Fakultät der Grazer Universität. Sein Medizinstudium absolvierte der junge Mann mit Höchstnoten und schloss mit dem Zusatz „Summa cum laude“ ab. Diese Empfehlung öffnete ihm beruflich sämtliche Türen – so war er denn auch, an seine Studienzeit anschließend, einige Jahre 88
an einer renommierten Grazer Privatklinik tätig. Der Ruf der Heimat wurde jedoch immer lauter, sodass er ihm schließlich Folge leisten musste: Zu Beginn der dreißiger Jahre kehrte er in das Banat zurück, gründete in Billed eine Privatpraxis und wenige Jahre später auch eine Familie. Dr. Nikolaus Tuttenuit war damit zu einem Wahlbilleder geworden und ist dies auch bis zu seinem Lebensende geblieben. Mit Hilfe seines überragenden fachlichen Wissens und seiner ärztlichen Fähigkeiten erzielte er in dieser Zeit Behandlungs- und Heilerfolge, die ihn bald über die Grenzen seines Wirkungsbereiches hinaus bekannt machten. Zweifelsohne war es aber noch etwas anderes, was ihm das Vertrauen und die Anerkennung seiner Patienten eintrug – nämlich die totale und kompromisslose Hingabe, mit der er seinen Arztberuf ausübte. So kämpfte er selbst in den hoffnungslosesten Fällen um
Leistung und Würdigung jedes Leben. In Krisensituationen verbrachte er oft ganze Nächte am Bett eines Schwerkranken und verließ dieses erst, wenn der Kampf gewonnen war oder aber ein Herz nicht mehr schlug. Und dann und wann - erinnern sich einstige Patienten oder deren Angehörige auch heute noch oft -, hat er mittellosen Kranken Geld zugesteckt, um sich die dringend benötigten Medikamente zu kaufen. Eine Gewohnheit übrigens, die er auch in den Armutsjahren der Nachkriegszeit nicht aufgab,
als sogar sein eigenes Heim, einst wohlhabend, unter dem Mangel am Lebensnotwendigsten litt. Leider sollte er die Zeitenwende und mit ihr die Rückkehr seiner Lieben in die alte, deutsche Heimat nicht mehr erleben. So vielen er auch das Leben bewahrt hat, seines wurde ihm schon sehr früh genommen. Er starb im 49. Lebensjahr an einer unheilbaren Krankheit und fand seine letzte Ruhestätte in der Gruft der Billeder Friedhofskapelle.
Nachruf und Würdigung Msgr. James J. Rugel Grete Eichert (Ballmann)
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sgr. James (Jakob) Rugel wurde am 2. August 1920 in Billed, Neugasse, geboren. Seine Eltern Mathias Rugel und Barbara, geb. Gängler (630), sind mit dem damals 3-jährigen Sohn in die USA - Passaic ausgewandert. Nach Beendigung des Priesterseminars wurde er am 15. Juni 1946 in der katholischen Kirche, der Hl. Johannes Kathedrale in Paterson, zum Priester geweiht. Als junger Pater begann er seine kirchliche Laufbahn in der St. Brendan Kirche in Clifton, wo er bis 1960 arbeitete. Danach wurde er vom damaligen Bischof als Verwalter der Mission „Unserer lieben Frau vom Tal“ in Wayne berufen. Hier lebte er als Priester und Mitbegründer dieser Gemeinde bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1992. 1970 besuchte er mit den Eltern sein Heimatdorf Billed. Zum Monsignor wurde J. J. Rugel 1981 von Papst Johannes Paul II ernannt. Im Billeder Heimatblatt 1996 wurde Msgr. Rugel bereits anlässlich seines 50-jährigen Priesterjubiläums am 15. Juni 1996 in Wayne gewürdigt. Bei der Trauerfeier würdigte Bischof Rodimer die gute Zusammenarbeit mit dem hervorragenden Priester, der mit ganzem
Herzen Gott liebte und seiner Gemeinde diente. Die Gläubigen der Kirche „Unserer lieben Frau vom Tal“ schätzten sein offenherziges Wesen, seine Fürsorge und sein Wohlwollen der kirchlichen Gemeinschaft gegenüber. Msgr. Hundt, der Leiter der Diözese Hawthorne, bezeichnete Msgr. Rugel als einen großen Freund und Priester, der stets die 89
Leistung und Würdigung christlichen Werte und Jesus Christus im Blickfeld hatte. Außerdem besaß er die wundervolle Gabe, stets als Zuhörer für die Probleme der Mitmenschen da zu sein. Er war ein eher bescheidener Mensch und seine Ratschläge wurden gut angenommen. Für Msgr. Rugel bedeutete die Pensionierung die Fortsetzung seiner kirchlichen Auf-
gaben, sowohl in der eigenen Pfarrei als auch in Krankenhäusern und Schulen. Als Seelsorger war er stets bestrebt, immerzu mit seinem persönlichen Wissen und seiner Erfahrung zu helfen. Sein Ableben wurde von seiner Kirchengemeinschaft, in der er jahrzehntelang tätig war, als großer Verlust empfunden.
Eiserne Hochzeit bei Peter und Kathi Weber in Göttingerode Eine sozial engagierte Familie
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ennen gelernt haben sie sich quasi im Vorübergehen. 1933 arbeitete Peter Weber als Friseurgeselle in seinem Heimatort Billed, im heutigen Rumänien; jeden Tag ging Kathi auf dem Weg zur Arbeit am Friseursalon vorbei. Irgendwann sind sie sich begegnet, es war Liebe. Im Februar 1939 hat das Paar geheiratet, ihre Eiserne Hochzeit feierten die beiden an Peters 90. Geburtstag, am 5. Febraur 2004. Der Krieg hat das Leben von Peter und Kathi geprägt: Im Januar 1945 wurde die junge Familie auseinander gerissen. Peter und Kathi wurden wie tausende Deutsche zur Zwangsarbeit in die Ukraine verschleppt, mussten dort in Ordnung bringen, was die Deutschen zerstört hatten. Ihre beiden Kinder und die Eltern ließen sie in Billed zurück. Im September 1946 wurden sie aus der Zwangsarbeit entlassen und mit einem Transport nach Bitterfeld gebracht, zurück in die Heimat wollten sie nicht. Lieber harrten sie aus in der Hoffnung, die Familie nachholen zu können. Ein Jahr lang blieben die Webers in Bitterfeld, wurden dort in einem Gasthaus untergebracht. Im August 1947 hatten sie schließlich die Gelegenheit, in den Harz zu gehen, wo sie schon ihr Ziel kannten: Kathis Bruder war bereits während des Krieges nach Oker geflüchtet. Im Harz fanden die Webers nicht nur Unterschlupf, sondern 90
schließlich ein neues Zuhause. Endlich konnten sie auch Kontakt zu ihrer Familie in Billed aufnehmen. Auf der Zinkhütte fanden die Webers Arbeit: er als Zinkgießer, sie als Reinigungs- und später als Küchenfrau. Nun wurde Tag und Nacht gearbeitet; 1951 konnten sie ihre beiden Kinder und Peters Mutter aus Rumänien freikaufen. Sechs Jahre hatten sie sich nicht sehen können: Die Kinder waren nun schon zehn und zwölf Jahre alt. Peter und Kathi hatten für die Familie bereits ein „Nest“ gebaut. Ein Jahr vor der Ankunft ihrer Kinder hatten sie das kleine Siedlungshaus in Göttingerode bezogen. Die Arbeit in Haus und Garten bestimmte ihren Lebensrhythmus. „Wir kamen ja aus der Landwirtschaft“, sagt Peter Weber, der stolz auf seinen Garten hinterm Haus verweist, denn Haus und Garten wurden ihre zweite Heimat; auch Schweine, Hühner, Kaninchen wurden früher gehalten. Bis heute kümmert Peter sich um Anpflanzung und Ernte von Kartoffeln, Bohnen, Tomaten und Salat. Die Webers sind bald die letzten Siedler, die damals gemeinsam die neuen Häuser an der „Hüttenstraße“ bezogen haben. „Viele sind wir nicht mehr!“, sagt Peter Weber. Seit 30 Jahren ist er Rentner, bis März 1974 war er auf der Zinkhütte beschäftigt. Seine Frau Kathi kümmerte sich seit 1958 ausschließ-
Leistung und Würdigung
90. Geburtstag von Peter Weber (Essichsiedersch Peter) mit Ehefrau Kathi (Ottose Kathi) aus dem Oberharz. lich um Haus und Familie. Dazu gehören sowie das Adam-Müller-Guttenbrunn-Heim, inzwischen fünf Enkel und zwei Urenkel. Einzelpersonen in Billed und im Banat. Die Um ihren Festtag brauchen sich Peter und Billeder HOG würdigte diese herausragenKathi nicht zu kümmern, denn das machen de Hilfsbereitschaft mit einer Ehrenurkunde; die Kinder! vom Bundesvorstand der Landsmannschaft Das Ehepaar Weber fühlt sich auch heute wurde Peter Weber mit dem Ehrenbrief ausnoch eng verbunden mit den Billedern und gezeichnet. Für dieses tiefe Mitgefühl und vor allem mit den bedürftigen Landsleuten die selbstlose Hilfsbereitschaft recht herzliin der alten Heimat, indem es seit vielen Jah- chen Dank von den Billeder Landsleuten und ren großzügig die Einrichtung „Essen auf die besten Wünsche für die kommenden JahRädern“ für unsere Alten und Bedürftigen re: Gesundheit, Wohlbefinden, Zufriedendurch die Sozialstation in Billed unterstützt heit, Daseinsfreude.
Bischof Nikolaus Hummel ist 80 geworden
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m 24. September ist der aus Billed stammende altkatholische Bischof Nikolaus Hummel in Pressbaum/Österreich 80 Jahre alt geworden. Als Sohn des Fleischermeisters Nikolaus Hummel und der Elisabeth geb. Kurt war sein Werdegang für ein Dorfkind nicht gewöhnlich.
Nach der Volksschule in Billed, dem Deutschen Gymnasium in Schäßburg, der Banatia in Temeswar kam er 1949 zum Studium der Theologie nach Wien. Das schloss er 1955 ab, wurde zum Priester geweiht und begann seine Seelsorgertätigkeit in Klagenfurt. 1956 heiratete er und kam 5 Jahre spä91
Leistung und Würdigung ter nach Wien, wo er 1975 zum 4. altkatholischen Bischof Österreichs geweiht wurde. 1993 wurde Bischof Nikolaus Hummel vom Bundespräsidenten Dr. Klestil der Berufstitel „Hofrat“ verliehen für seine langjährige fruchtbare Mitarbeit im Rahmen der Religionsunterrichtsgesetze, für seine Tätigkeit als Religionslehrer und sein Wirken als Fachinspektor; auch für seine vorbildliche ökumenische Einstellung und sein integrierendes Verhalten.
Er wurde in die verschiedensten Kommissionen des Bundesministeriums berufen; das Religionsunterrichts-Referat hat er lange Zeit selbständig geführt, bis er als Vertreter der Kirche in den Stadtschulrat von Wien berufen wurde. Im wohlverdienten Ruhestand lebt Bischof Nikolaus Hummel mit seiner Familie in Pressbaum/ Österreich und seine Billeder Landsleute wünschen ihm noch recht angenehme Jahre im Kreise seiner Lieben.
Sommer 1914 vor dem Billeder Kastell: v.l. Ignaz Petö, Ila Petö, Stefan Petö, Ida Petö und Josef Petö als Soldat vor dem Krieg. Eins.: Helen Hrivnyak, geb. Schneider.
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Leistung und Würdigung
Johann Jobba, ein aktiver Rentner Elisabeth Martini
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r ist ein Billeder „Kind“, inzwischen 83 Jahre alt, doch quicklebendig und voller Tatendrang, geht federnd die Treppe runter und meint scherzhaft: „Es könnte noch 100 Jahre so bleiben“, damit er noch all seine Pläne verwirklichen kann. Am 14.09.21 als zweiter Sohn der Familie Nikolaus und Elisabeth Jobba (geb.Berg) in Billed geboren, besuchte er mit 6 Jahren die „Spielschule“ und von 1928 bis 1935 die Volksschule, nahm inzwischen 3-4 mal pro Woche Violinunterricht, zumal auch Vater und Großvater Violine spielten. Mit 17 spielte er in der Feuerwehr-Musikkapelle unter der Leitung von Michael Braun, bis er seinen Militärdienst leisten musste und ist heute der einzige Überlebende von den Gründungsmitgliedern des Braunschen Streichorchesters 1946. 1942 gehörte er zum 7. Infanterieregiment Dorobanti Ploiesti, kam 1943 in die deutsche Armee, wurde ausgebildet, machte einen Sanitäterlehrgang. An der Front erlitt er 6 Verwundungen, was er mit: „Es hätte noch schlimmer sein können“ abtut und behauptet, Glück gehabt zu haben. Hans Jobba ist traditionsgemäß Bauer geworden, hat aber nach dem 2. Weltkrieg auch das Schmiedehandwerk erlernt, als Schmied und Schlosser bis 1960 gearbeitet. Danach war er bis zu seiner Pensionierung 1982 als Kassierer beim Elektrizitätswerk in Temeswar tätig, was ihm ermöglichte, alle Billeder Familien - und nicht nur die - bestens kennen zu lernen. 1988 übersiedelte er mit seiner Familie nach Deutschland (Karlsruhe), wo er seinen wohlverdienten Ruhestand aktiv verbringt: Er bearbeitet 2 Kleingärten zu je 350qm, wo er alles sät und pflanzt, was er auch in Billed hatte und rekordverdächtige Exemplare erzielt: einen weißen Bratkürbis mit 45 kg, einen Kochkürbis mit 15 kg. Von seinen Weinreben macht er jährlich 80-100 Liter Wein, den er dann in angemessen kleinen
Mengen täglich mit seiner Frau Kathi als natürliches Medikament genießt und vor Gesundheit strotzt. Während der Wintermonate jedoch, wenn es draußen nichts mehr zu tun gibt, schreibt er, weil er schon als 18Jähriger zu schreiben begonnen hat so nach dem Motto: „Denken und dichten, das macht mir Spaß. Ich greif zur Feder und schreib dann auch das. ........................................ Manchmal kommt mir viel in den Sinn. Man könnte glauben, dass ich ein Dichter bin.“ „Denken und dichten“! Eine Äußerung, die sowohl auf den Hang zum Festhalten von Bildern, Eindrücken, Gedanken und Gefühlen schließen lässt als auch auf leise Selbstzweifel. Und dass ihm viel in den Sinn kommt, beweist die reichhaltige Themenpalette, auf die er eingeht: Siedlungsgeschich93
Leistung und Würdigung te, Heimatliebe und Naturverbundenheit, Zeitenwandel, Feste... In „Drei Siedlungen“ verweist der Autor auf die ausweglose Situation unserer Vorfahren, die „durch Hunger, Leid und Armut“ vertrieben ins Banat zogen: „Mit starker Hand und starkem Sinn kamen unsere Ahnen für einen Neubeginn .......................................................... hoffend, dass dies Land für sie ein besseres sei.“ Doch die Anfangsschwierigkeiten waren übergroß: „So manch einer wurde krank und müde, der Tod ereilte ihn in seiner schönsten Blüte..... die Hoffnung auf ein besseres Leben musste mancher leider ins Grab mitnehmen.“
Ahnengräber sind jetzt geblieben viele dort, denn die Banater Schwabenkinder sind fast alle fort. Verlassen sind Haus, Hof, Feld und die Industrie, zurückkehren werden wir dorthin nie.“ Auf das wechselhafte Schicksal der ins Mutterland Zurückgekehrten verweisen die Verse: „Ins Mutterland nun heimgekehrt, wurde uns Glück und Unglück oft beschert.“ Das Verwurzeltsein in der heimatlichen Erde des Banats, die Liebe des Landmanns für jede Getreideähre, für jedes Körnlein verdeutlichen: „Goldne Ähre auf den Feldern strahlend hell im Sonnenschein...“ „Goldene Ähre“
Die Bindung ans Mutterland aber auch die allmähliche Loslösung und Verselbständigung von demselben hält Hans Jobba folgendermaßen fest: „Post ging jetzt hin und her, so manch einer beklagte sich sehr, aber die Hoffnung blieb bestehen, dass man von hier nie mehr wird fortgehen.“
Aus eigener Erfahrung weiß Hans Jobba, wie wichtig für den Dorfbewohner der eigene Garten war und ist: „Ein Garten ist der Mühe wert, du musst ihn gut und richtig pflegen“, dann kann er dich auch ernähren, auch wenn Gartenarbeit nicht leicht ist und wetterbedingt die Ernte. Mit viel Liebe spricht der Autor auch vom Rebstock: seinem Pflanzen, Hegen und Pflegen, bis er Trauben trägt, woraus man den Wein keltert. Großes Augenmerk schenkt der genaue Beobachter auch den heimischen Vögeln: den Schwalben, Spatzen, Störchen: „In unsrem Hof da steht ein großer Baum, er hat so viele Blätter, man durchsieht ihn kaum, doch guckt man tief hinein in das Geäst, so sieht man ja ein Spatzennest.“ „Das Spatzennest“
Dass es durch Fleiß und Ausdauer der Siedler mit der Zeit aufwärts ging, wobei auch der Kinderreichtum dazu beitrug, die hohe Sterbequote wettzumachen, verdeutlichen die Zeilen: „Der Wohlstand machte sich sehends im Schwabenland breit, es gab Arbeit und Wohlstand für alle Banater Leut’. Niemand musste hungern und sich machen Sorgen, was tue ich heute oder voraussichtlich morgen.“ Krieg und Nachkrieg brachten die Wende: „Verschleppung nach Russland und in den Baragan, das war der Anfang und unser Ende kam.... 94
Den Storch sieht er als den fleißigen Kinderbringer, der seine Arbeit nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter tut, jedoch leider viel weniger zu tun hat als früher. Im regelmäßigen Wechsel der Jahreszeiten hält unser Landsmann über den Frühling und
Leistung und Würdigung den Sommer fest: „Es grünt und blüht auf Wiesen und Feld. Was kann da schöner sein auf dieser Welt?.... Wiesen und Felder stehen jetzt in voller Pracht. Ja, das haben der Regen und die Sonne gemacht.“ Der Herbst „füllt den Boden, den Keller und das Fass“, der Winter bringt Spaß für Jung und Alt. „Die vier Jahreszeiten“
„Hans, Hans, du kommst auch mal dran.“ Über die innere Zerrissenheit und Zwiespältigkeit, beruhend auf dem Spannungsbogen alte Heimat - neue Heimat, schlussfolgert er: „Heimatland ist nicht nur, wo ich geboren bin. Heimatland ist auch, wo ich mich glücklich und wohl fühle, darum hat Heimatland für mich einen doppelten Sinn.“ „Mein Heimatland“
Auch die Dorffeste besingt Hans Jobba, die Kirchweih und die Feuerwehrbälle vor allem: „Zu unserem Kirchweihfeste wünschen wir jedem das Allerbeste, auch den Gästen, die zu uns gekommen und unsere Einladung angenommen.“ „Das Kirchweih-Fest“
„Heute bin ich schon etwas weiser, heute spreche ich schon etwas leiser...“
Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr von 1946 bis 1982 und ihr Sekretär von 1956 bis 1976 fühlte er sich diesem Verein eng verbunden, hat sogar einen Feuerwehrmarsch komponiert und natürlich bei allen Feuerwehrbällen mitgefeiert: „Herzlich eingeladen ist die ganze Gemeinde dann; so ein frohes, schönes Fest gibt es nur dann und wann.“ „Die Feuerwehr“ Auf den selbstlosen Einsatz bei Feuergefahr verweist das „Marschlied der Feuerwehr“: „Feuerwehr, heraus, heraus! Im Dorf da brennt ein Haus! Ob’s stürmt oder schneit, ob die Sonne scheint, die Feuerwehr ist immer bereit.“
Durch die Übersiedlung ist mancher Vers und manche Komposition des leidenschaftlichen Violinspielers und Schlagzeugers Hans Jobba, der in verschiedenen Kapellen gespielt hat, verloren gegangen, er schreibt jedoch weiter und wir wünschen ihm dazu viel Spaß und beste Gesundheit.
v.l. Elisabeth Berg, (1901), Maria Berg, geb. Brunner (1879), Nikolaus Peter Berg (1910)
Selbst über die Vergänglichkeit des Lebens und das Sterben macht sich unser Landsmann Gedanken, von denen manch einer ironisch-überheblich spricht, solange sie in weiter Ferne zu liegen scheinen, doch dem Pfarrer als Mahner legt der Autor die Worte in den Mund: 95
Leistung und Würdigung
Dem Freund zum Dank! Drei Lebensabschnitte zweier Freunde Josef Kupi
Abschnitt I
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em Zeitgeist unserer Jugend ist es zu verdanken, dass ich Franz Klein vor 65 Jahren kennen lernte, als ich gerade einen Monat in Billed bei seinem Bruder als Friseur tätig war. Als Arbeitsloser kam ich aus Ulmbach, fand Arbeit und einen neuen Brotgeber im Hause Klein. Die Weihnachtsfeiertage standen unmittelbar bevor und in der Familie war Onkel Franz im Gespräch, der zu den Festtagen in Urlaub kam. Es war eine freundliche Begrüßung aufgrund der Erkenntnis, dass wir uns schon einmal begegnet waren - 1937 beim Erntedankfest in Ulmbach. Damit war das Eis gebrochen. Als wir feststellten, unsere Jugendideale: „Einer für alle - alle für einen“ sind identisch, begann eine Freundschaft, die 65 Jahre nach dem ersten Handschlag immer noch währt. Franz Klein hat in Temeschburg Holzdrechsler gelernt und die Meisterprüfung bestanden. Danach kehrte er in sein Heimatdorf zurück und gründete im Hof des elterlichen Hauses einen eigenen Betrieb, was mir einen täglichen Gedankenaustausch mit Franz ermöglichte. So lernten wir uns näher kennen. Er hatte in der städtischen Jugendbewegung viel gelernt, zumal er im „Banater Wandervogel“ und später in der DJ Temeschburg war und aus dieser Zeit viel erzählen konnte. Dieser Erfahrung wegen wählte ihn die Billeder Jugend 1939 zum Ortsjugendführer, gleichzeitig wurde er Kreisjugendführer im Kreis Heide-West. In ihm fand ich das ideale Vorbild für die Jugendarbeit. Es war die Zeit des Zusammenschlusses der deutschen Parteien und Jugendverbände. Franz Klein und seine Helfer schafften es in kurzer Zeit, die Jugend zu begeistern und zur Einheit zusammenzufassen, die sozialen Spannungen im Gemein96
schaftsleben nach und nach abzubauen. Während der Heimabenden wurde gesungen und Volkstänze eingeübt; die Jugendgruppe half beim Ausbau der „Schließ“, hatte viel Freude am Handballspiel, das Franz eingeführt hatte, und an der Leichtathletik. Die Landsknechtstrommeln für unseren Spielmannszug haben wir selbst angefertigt. Es gab viel zu tun im Dienste der Gemeinschaft, 1939 auch die Betreuung der Berliner Ferienkinder, jedoch der Höhepunkt in diesem Jahr war der Schwabenball. Darauf folgte noch ein Jahr segensreicher Jugendarbeit, geprägt von der Persönlichkeit Franz Klein, wobei natürlich der damalige wirtschaftliche und kulturelle Aufschwung das Schwungrad für den Erfolg war. Für mich war Franz Klein ein Glücksfall, zumal ich durch ihn wie ein Familienmitglied aufgenommen wurde. Ich arbeitete in der DJ mit und war in kurzer Zeit in der Billeder Jugend integriert. Mitten in diese friedliche Welt in Billed kam die Nach-
Leistung und Würdigung richt von der „1.000-Mann-Aktion“ der deutschen Volksgruppe. Sie ermöglichte es je vier Jugendlichen aus den deutschen Gemeinden nach Deutschland zu fahren. Als Erster meldete sich Franz Klein, dann Nikolaus Jobba, Mathias Noll und ich. Am 09.06.40 hieß es Abschied nehmen von der Familie, den Freunden und Billed. Vielleicht ein Abschied für immer? Die Fahrt nach Orschowa und von dort auf der Donau bis Wien war für viele eine Fahrt ins Ungewisse. Abschnitt II In der Schönbrunner Kaserne gemustert, trennten sich die Wege der vier Billeder: N.Jobba und M. Noll habe ich nie wieder gesehen; Franz meldete sich zur Division Brandenburg - Vorzeigedivision der Wehrmacht, wodurch er zu vielen Sondereinsätzen auf unterschiedlichen Kriegsschauplätzen in Europa kam. In den letzten Kriegsmonaten wurde er zum „Jagdverband-Südost“ für einen Sondereinsatz in Rumänien versetzt, genau wie ich. Ob es eine Fügung des Schicksals war? Im Schloss „Seebarn“ bei Kornneuburg-Wien trafen und umarmten wir uns nach vier Jahren Krieg. Aus meiner Sicht war der Krieg aussichtslos: Unsere Heimat war von der „Roten Armee“ besetzt, die ersten Billeder Flüchtlinge mit Pferd und Wagen waren nördlich von Wien angekommen. Unsere Sorge war: Wie können wir helfen, wo doch ein Soldat keine Möglichkeit hatte, in die Zivilverwaltung einzugreifen? Auch über unsere Vorhaben nach Kriegsende, falls wir überlebten, haben wir gesprochen: 1.Adressenaustausch, damit die Familien sich finden; 2.Betreuung unserer Flüchtlinge und entlassenen Soldaten; 3. Wohnungs- und Arbeitsvermittlung. Zum Glück kam es nicht mehr zum Rumänieneinsatz! Nach Kriegsende Mai 1945 mussten wir uns leider trennen: Franz Richtung Steiermark und ich zu meiner Frau und meiner
Schwester, die im Raum Stuttgart lebten. Der Neuanfang mit Rucksack und Koffer nahm unsere ganze Kraft in Anspruch. Anfang der fünfziger Jahre kam Post aus Wien: Franz meldete seinen Besuch an und kam dann mit seinem Motorroller! Die Freude war groß, sein Kommen war für uns ein Festtag. Wir beide machten eine gemeinsame Fahrt an den Bodensee und die Zeit war ausgefüllt mit Erzählen und Planen. Wir waren uns wieder einmal einig: Eine Rückkehr ins Banat gibt es nicht mehr! Also blieb uns nur, unser „Drei-Punkte-Vorhaben“ in die Tat umzusetzen. Auch galt es, die alte Heimat nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dazu war es notwendig, Dokumente aller Art zu sammeln, um sie später in Buchform - als Erinnerung und Denkmal - zu erhalten, ein Vorhaben, das für uns beide als Autodidakte etwas überheblich erschien. Abschnitt III Franz Klein in Wien saß am längeren Hebel und konnte seine Freizeit der Archivforschung widmen und nützte diese Gelegenheit wie kaum einer unserer Landsleute. Auch versprach er mir, bei der Archiverforschung - soweit wie möglich - zu helfen. Sein Schwerpunkt war Billed und das Banat, mit einem Auge für Kupis Ulmbach. Natürlich vertiefte diese Arbeit unsere Freundschaft, doch ohne das Verständnis unserer Frauen für unser Tun wäre vieles nicht entstanden. So gebührt auch ihnen ein inniges „Vergeltsgott“. Franz Klein ist ein geradliniger Mensch und verstand es stets, seine Ziele in die Tat umzusetzen. Er hat immer die Verbindung mit seinen Landsleuten gesucht und gepflegt. Mit seiner Banatforschung bekannt geworden, war er ein gefragter Mann, was ihn auszeichnete. Alle seine Leistungen aufzulisten würde den Rahmen dieser Würdigung sprengen. Seine Aktivitäten hat man nicht übersehen, im Gegenteil, sie wurden von höchster Stelle geehrt und gewürdigt: 1981 wurde ihm 97
Leistung und Würdigung
Unvergessliches Beisammensein mit Freunden und Landsleuten bei Familie Klein in Wien 1954. Sitzend v.l.n.r.: M. Slavik, K. Hehn, H. Hehn, F. Tobias, F. Klein, J. Slavik, Kinder v. Fam. Hehn; stehend: J. Kupi, A. Kupi, K. Neiß, F. Klein, G. Tobias. das Silberne Verdienstabzeichen der Republik Österreich durch den Bundespräsidenten Dr. Kurt Waldheim verliehen, doch zu seiner höchsten Ehrung zählt sicherlich die Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Heimatgemeinde Billed am 27.04.90. Eine Reihe anderer Auszeichnungen, auch vonseiten der Landsmannschaft der Banater Schwaben, heben Franz Klein heraus aus dem Alltäglichen, sind ein Spiegelbild seiner geleisteten Arbeit für die Gemeinschaft, für Billed und das Banater Deutschtum! Lieber Franz, unvergessen sind die vielen Stunden und Tage, die wir - Anne und ich bei Euch herzliche Aufnahme fanden; auch das Einführen ins Hofkammer- und Kriegsarchiv und die für meine Arbeit wichtigen Dokumente, die Du mir zukommen ließest. Unvergessen sind die Tage in Rust am See. Du und Friedl habt uns immer echte Freundschaft erwiesen, ohne auf Gegengabe zu 98
warten. Dafür sagen wir auch heute: „Herzlichen Dank!“ Anlässlich Deines 85. Geburtstages wird Dir zu Ehren eine Festschrift herausgegeben, womit Du im hohen Alter eine reiche Ernte heimfahren darfst! Dass ich mit Freunden Ähnliches für Ulmbach geschafft habe wie Du für Billed, verdanke ich zum Teil unserer Freundschaft und dem Umstand, dass wir unseren Jugendidealen treu geblieben sind: „Alle für einen - einer für alle.“
Auch die HOG Billed wünscht ihrem „Ehrenbürger“ im Namen aller Billeder Landsleute zum 85. Geburtstag Gesundheit, ungebrochenen Optimismus und einen angenehmen Lebensabend nach einem so überaus fruchtbaren Schaffen im Dienste seiner Mitmenschen, wofür diese ihm von Herzen danken.
Leistung und Würdigung
Wilhelm Weber zum 80. Elisabeth Martini
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ie Zeit, seit wir unseren Billeder Vorzeige-Landsmann Wilhelm Weber zum 70. Geburtstag beglückwünscht haben, zum Erscheinen seines allseits geschätzten Buches „Und über uns der blaue endlose Himmel“, zur Verleihung anderer Auszeichnungen und Ehrungen, ist wie im Fluge vergangen und schon stehen wir als Gratulanten zum 80. da, unglaublich dreinblickend ob der Schnelllebigkeit unserer Zeit, aber auch der Vielseitigkeit und Ausdauer im Arbeitsstil unseres Wahl-Billeders. Auf die Etappen und Meilensteine seiner Entwicklung als Mensch und Forscher wurde wiederholt hingewiesen, weshalb ich nur einiges herausgreifen, unterstreichen möchte. 1924 geboren, hat „Willi“ als der ältere Bruder wohl den kleineren Richard schon hin und wieder huckepack getragen, ihn im Winter mit dem Schlitten gezogen, auch mal die Pflichtlektüre-Hefte an ihn weitergereicht, doch 6 Jahre älter, wollte er auch nicht unbedingt mit dem Kleinen an der Straßenbahn-Haltestelle gesehen werden. Als gebürtiger Josefstädter hat er nie - wie sein Bruder - „josefstädtlerisch“ gesprochen, weil er in Wort und Schrift stets auf gepflegtes Deutsch Wert gelegt hat, darauf bedacht, sich schön und korrekt auszudrücken. Und diese Genauigkeit in allem, was er tat, äußerte sich im Beruf wie auch im Außerberuflichen, ja sogar in der Art, wie er seinen Hobbys nachging, z.B. der Zucht von Hasen, Rassetauben und -hühnern über viele Jahre hinweg, aber stets aufgrund fachmännischer Kenntnisse, die er sich in Büchern und Zeitschriften holte. Deshalb ist er auch unschlagbar in allem, was er tut: Wissen wie und dann mit größter Genauigkeit! Das erklärt auch den in der Banater Post veröffentlichten Artikel „Die historische Wahrheit muss stets Vorrang haben“, worin sich Wilhelm Weber zu falschen Angaben in heimatgeschichtlichen Veröffentlichungen äußert z.B. bezüglich der Hof-
stellen bei der Ansiedlung Billeds, der Anzahl der Toten des I. Weltkrieges, des Alters der Russlanddeportierten, der Gesamtanzahl der Baragan-Verschleppten, der deutschen Namen vor allem in rumänischen Veröffentlichungen, weshalb er Vorsicht und kritische Hinterfragung aller als Quellenmaterial benutzten Publikationen verlangt. Obwohl offen und zugänglich, suchte Wilhelm Weber gern auch mal die Einsamkeit des Anglers meist am Ufer der Gewässer rund um Billed, auch das tat er mit Leidenschaft. Schon als Jugendlicher zeigte er Interesse für die Banater Heimatgeschichte, was sich in Billed, wo er als Lehrer seine Tätigkeit begann, Margarethe Divo heiratete, durch den Einfluss seines Schwiegervaters Peter Divo und des Dipl.Ing. Johann Pierre noch verstärkte. Natürlich stieß er damals auf Widerstand, wenn es um die Veröffentlichung seiner Erkenntnisse und Forschungsergebnisse ging, aber er ließ sich nicht entmutigen und seine Zeit kam. Doch unser Augenmerk wollen wir diesmal nicht nur auf Veröffentlichungen in der deutschsprachigen Presse Rumäniens ( Neuer Weg, Neue Banater Zeitung) richten, sondern auch auf die Presse in Deutschland (Banater Post, Westfalen-Blatt), auf Interviews im Westdeutschen Rundfunk, Radio Berlin, auf Ausstellungen und Vorträge in München, Sindelfingen, Ulm, Karlsruhe, Landshut, Düsseldorf und Billed, aber vor allem auf die reichgefächerte Themenpalette seiner Beiträge in unserem Billeder Heimatblatt, dem er nicht nur über all die Jahre treu geblieben ist, son99
Leistung und Würdigung dern hoffentlich auch anderen Landsleuten Impulse und Anregungen zu weiteren Studien und Veröffentlichungen gab und immer noch gibt. Anschließend nur ein Teil der im Heimatblatt veröffentlichten Beiträge: 1987: - „Aus der Geschichte der Heidegemeinde Billed im rumänischen Banat“ in der Festschrift zur Einweihung des Billeder Denkmals in Karlsruhe 1988: - „Billeder Geschichte in Siegellack. Die ersten Billeder Petschaften“ - „Herkunftsorte der 252 Erstansiedlungsfamilien von Billed“ - „Die Billeder Landwirtschafts- und Gewerbeausstellung 1924“ - „Wassertechnische Arbeiten, die zur Entwässerung des Billeder Hotters und zur Trockenlegung der um Billed befindlichen Sümpfe beigetragen haben“ 1989: - „Die Sauerländer in Billed“ - „Die Billeder Hausnummern“ 1990: - „Chronik der groszen Noth“ - „Naturkundliche Betrachtungen und Erinnerungen“ - „Die Störche in Billed und deren jährliche Zählung“ 1991: - „Amtliches Namensverzeichnis der aus Billed in die Baragan-Steppe verschleppten Familien“ - „40 Jahre seit der Zwangsverschleppung in die Baragan-Steppe“ - „Dipl.- Ing. Johann Pierre 1886-1952“ - „Die schönste Beschreibung Billeds aus der Feder des Dipl.-Ing. Johann Pierre“ - „Kurfürst Friedrich August von Sachsens Feldlager bei den Sümpfen von Billiet“ - „275 Jahre seit der Befreiung des Banats vom Türkenjoch“
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1992: - „Bedeutende Billeder Persönlichkeiten“ in 5 Folgen - „Ein Bericht aus dem Jahre 1924 über die Kriegerdenkmalsenthüllung in Billed“ - „Maria Theresias ‘Peinliche Gerichtsordnung’“ 1993: - „Ein Bericht über die Feuerwehrausstellung und Wissenswertes über die Billeder Freiwillige Feuerwehr“ - „Ehrungen und Ordensverleihungen für besondere Verdienste an Billeder und andere Banater Landsleute“ in 3 Folgen 1994: - „Eindrücke von einem Billed - Besuch“ - „Der Billeder Kalvarienberg“ - „Das Billeder Trachtenpuppenpaar im Lenauheimer Heimatmuseum“ - „Franz Ferch und seine Dorfrandbilder“ - „Billeder Ansichtskarten“ 1995: - „Das Schicksal eines Billeder Heimkehrers“ 1996: - „Und über uns der blaue endlose Himmel“ Das sind - wie ersichtlich - nur die Beiträge aus den ersten 9 Ausgaben unseres Heimatblattes (+ Festschrift); die Reihe könnte bis zur jetzigen Ausgabe fortgesetzt werden und so das unermüdliche Schaffen des Jubilars Wilhem Weber im Dienste der Billeder Gemeinschaft veranschaulichen. Der durch die Wirren der Zeit hartgeprüfte Banater, Temeswarer Billeder hat wohlverdienterweise für seine Tätigkeit als Heimatforscher, Publizist und Buchautor Anerkennung, Würdigung und Auszeichnungen erfahren, worauf die Billeder stolz sind und ihm auch weiterhin Gesundheit und Schaffenskraft wünschen, einen schönen Lebensherbst.
Statistik
Statistik unserer Billeder Landsleute in Rumänien Josef Herbst
Trauungen – Geburten - Sterbefälle 1. November 2003 – 1. November 2004
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8.
Lucia Klein Josef Teiber Johann Schämer Michael Lukas-Bauer Johann Bauer Elisabeth Pumple Nikolaus Metzger Maria Michels, geb. Weimann
Trauungen: Keine Geburten: Keine Sterbefälle: 788 am 14. 12. 2003 84 am 30. 12. 2003 13 am 26. 03. 2004 47 am 28. 03. 2004 78 am 24. 05. 2004 27 am 06. 07. 2004 58 am 20. 09. 2004 557 am 21. 09. 2004
96 84 69 74 93 85 70 63
Billed Billed Billed Billed Billed Billed Billed Billed
Unsere Landsleute in der alten Heimat, die in diesem Jahr über 80 Jahre alt wurden und die, die runde Geburtstage feierten 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16.
Anna Jobb, geb. Mesz Rosalia Heiberger, geb. Knill Simion Done-Schank Maria Schortje Maria Schöplein, geb. Plennert Elisabeth Blum, geb. Striffler Katharina Gilde Katharina Done, geb. Schank Johann Hubert Katharina Klein Theresia Weber, geb. Keller Margarete Weber, geb. Gabriel Margarete Nefriceanu, geb. Klein Maria Gilde Barbara Zimmer, geb. Deininger Anna Follmer
301 809 728 432 719 257 483 728 415 416 533 9 503 483 529 693
am am am am am am am am am am am am am am am am
06. 28. 01. 24. 27. 19. 21. 18. 19. 23. 06. 20. 12. 03. 22. 06.
04. 01. 09. 04. 04. 08. 12. 02. 03. 03. 05. 06. 01. 06. 10. 11.
98 93 87 85 85 85 85 84 84 84 84 84 83 83 83 83
in in in in in in in in in in in in in in in in
Reschitza Billed Hunedoara Billed Temeschburg Billed Billed Hunedoara Billed Temeschburg Billed Billed Temeschburg Billed Pitesti Temeschburg
80 Jahre 1. Magdalene Schrott, geb. Laub 2. Elisabeth Marx, geb. Steuer
806 am 17. 11. 80 in Billed 62 am 27. 11. 80 in Billed
75 Jahre 1. 2. 3. 4. 5.
Hans Otto Margarete Schämer Hans Krier Elisabeth Juhasz, geb. Uitz Franz Jost
607 751 197 629 399
am am am am am
13. 02. 27. 10. 23.
01. 07. 07. 10. 10.
75 75 75 75 75
in in in in in
Billed Billed Temeschburg Arad Lovrin
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Statistik 70 Jahre 1. Nikolaus Metzger 2. Elisabeth Klein, geb. Bauer 3. Friedrich Preisach
58 am 28. 07. 70 in Billed 78 am 17. 08. 70 in Billed 530 am 22. 08 70 in Billed
65 Jahre 1. Zoe Mincu, geb. Marcovici 2. Elisabeth Hubert, geb. Ningel 3. Hans Weber 4. Anni Weber, geb. Hegjeschi 5. Klothilde Waltrich 6. Jakob Donawell
668 243 472 472 825 168
am am am am am am
01. 05. 15. 05. 24. 06. 19. 09. 06. 10. 03. 11.
65 65 65 65 65 65
in in in in in in
Bukarest Billed Billed Billed Billed Billed
60 Jahre 1. Jakob Weber 2. Christa Dutica, geb. Roman
533 am 30. 04. 60 in Billed 346 am 16. 08. 60 in Bukarest
55 Jahre 1. M. Neu, geb. Pacateanu-Wayer 2. Mariane Sandor, geb. Ciobanu 3. Josef Mirsch 4. Samfora Werle, geb. Cotalan
405 294 472 609
am am am am
03. 02. 08. 04. 21. 05. 12. 12.
55 55 55 55
in in in in
Billed Billed Billed Billed
16. 03. 14. 04 28. 07 14. 12.
50 50 50 50
in in in in
Billed Moritzfeld Kleinbetschkerek Billed
50 Jahre 1. Johanna Musta, geb. Szas 2. Barbara Sot, geb. Werle 3. Katharina Friedrich, geb. Bojar 4. Andreas Szeghi
497 609 16 641
am am am am
45 Jahre 1. Ingrid Nachram, geb. Klein 2. Hans Krier 3. Nikolaus Otto
78 am 29. 03. 45 in Billed 197 am 31. 05 45 in Temeschburg 91 am 07. 07 45 in Billed
40 Jahre 1. Hildegard Kileber, geb. Lukas 2. Hanneliese Biro-Laub
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47 am 16. 01. 40 in Billed 806 am 08. 10. 40 in Temeschburg
Statistik
Ehejubiläen 2004 Goldene Hochzeit, 50 Jahre Hans und Florika Schämer, geb. Mustaciosu 13 am 07. 02. in Billed Franz und Maria Jost, geb. Thöress 399 am 06. 11. in Lovrin
Rubin-Hochzeit, 40 Jahre Stefan und Viktoria Werle, geb. Cimpeanu 820 am 17. 05. in Billed Johann und Katharina Herbst, geb. Weiss 170 am 30. 08 in Billed
Perlenhochzeit, 30 Jahre Franz und Silvia Lambrecht, geb. Milcu
292 am 02. 05. in Billed
Silberhochzeit, 25 Jahre Jenica und Brigitte Raia, geb. Trendler
304 am 18. 12. in Temeschburg
Die besten Segenswünsche der Heimatortsgemeinschaft Billed an alle Geburtstags- und Hochzeits-Jubilare.
Schuljahr-Ende 1936. Mädchen des Jahrganges 1923 Obere Reihe v.l.: Aloisia Lauer (696), Katharina Glassen (171), Rosa Juhasz (199), Katharina Hahn (6), Barbara Gagstädter (388), Katharina Schütz (524), Susanna Stumpf (30), Elisabeth Müller (60). Mitte v.l.: Elisabeth Braun (645), Elisabeth Pritz (588), Barbara Jung (78), Lehrerin: Theresia Klein, Katharina Slavik (163), Katharina Kiefer (138), Katharina Glassen (707). Untere Reihe v.l.: Maria Steuer (349), Margarethe Zimmermann (147), Magdalena Scholz (543), Elisabeth Mann (608), es fehlt Elisabeth Tobias (171). Eins.: Fam. Hans Jobba (364) Karlsruhe
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