D: € 6,50
EDITION
WesternSerien
Österreich € 7,50 Luxemburg € 7,50 Schweiz CHF 12,70
Ausgabe 1/2017 (Nr. 2)
DieBonanza Leute von der Shiloh Ranch Rauchende Cheyenne * Lancer * Rauchende Colts * Die* Leute von derColts Shiloh Ranch **Big Valley Am Fu High der blauen Berge Santa Fé * Yancy Derringer * Westlich Chapparal * Westlich von von Santa Fé * Mann ohne Colt
DER SOUNDT RACK ZUM T V-E VEN T!
DER ORIGINAL SOUNDTRACK VON HEIKO MAILE MIT DEN BEKANNTEN MELODIEN VON MARTIN BÖTTCHER. A B S O F O R T A L S C D U N D D O W N L O A D M I T B O N U S T R A C K S E R H Ä LT L I C H ! W W W.W I N N E T O U - F I L M.D E
|
W W W.U N I V E R S A L- M U S I C .D E
DIE LEGENDÄREN
ORIGINALAUFNAHMEN ENDLICH KOMPLETT AUF CD! DIGITAL REMASTERT AB SOFORT ERHÄLTLICH!
www.universal-music.de
DIE SCHÖNSTEN ORIGINALMELODIEN AUF 1 CD
ALLE 5 SOUNDTRACK-ALBEN VON MARTIN BÖTTCHER AUF 3 CDs
Impressum Anschrift:
NikMa Verlag Fabian Leibfried Eberdinger Straße 37 71665 Vaihingen/Enz Tel.: 0 70 42/37660-160 Fax: 0 70 42/37660-188 E-Mail: goodtimes@nikma.de www.goodtimes-kult.de www.facebook.com/goodtimeskult
Herausgeber:
Fabian Leibfried
Chefredakteur: Andreas Kötter
Mitarbeiter:
Matthias Auer, Sven Rachner, Philipp Roser, Thomas Wachter
Shop:
Andrea Leibfried, goodtimes@nikma.de
Grafische Gestaltung:
Andrea Zagmester, kult@nikma.de Kathleen Müller, grafik@nikma.de
Anzeigenverkauf:
Petra Czerny, anzeigen@nikma.de
Vertrieb:
IPS Pressevertrieb GmbH Postfach 1211 53334 Meckenheim Tel: 0 22 25/88 01-0
Druckerei:
Dierichs Druck + Media GmbH & Co. KG Frankfurter Straße 168 34121 Kassel
Erscheinungsdatum:
Januar 2017, 1. Auflage
Editorial Der Western ist nicht gänzlich tot. Das zeigen Beispiele wie die TV-Serie Hell On Wheels" oder das Remake von Die glor" " reichen Sieben". Verglichen mit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aber ist es ein Nischendasein, welches das einst größte Genre der bewegten Bilder führt. Dabei waren in den 60er Jahren und dank der zunehmenden Verbreitung von TV-Geräten Serien wie Bonanza", Rauchende Colts" oder " " Yancy Derringer" auch hier zu Lande so populär wie es heute " nur Castingshows oder Reality-Formate sind. Mein Leben jedenfalls hat der Western in Bild, Schrift und Skulptur geprägt wie keine andere Idee von Abenteuer und Freiheit. Noch Jahrzehnte später hat meine Mutter, die im Juli 2016 verstorben ist, gerne erzählt, dass ich mich damals standhaft geweigert hätte, zur Schlafenszeit den Revolvergurt oder den Tomahawk abzulegen. Sie war es, die mir den Wilden Westen schon sehr früh nahegebracht hatte, als sie mir alle Winnetou"-Erzählungen vorlas. Mit diesem Heft möchte ich mich – nicht " nur dafür – bei ihr bedanken und gleichzeitig dem TV-Western noch einmal eine späte Ehre erweisen. Selbstverständlich erhebt diese Sammlung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Rahmen eines Magazins wie kult! wäre das auch kaum zu leisten. Vielmehr soll das Blättern in diesem Bilderbogen manche Erinnerung noch einmal lebendig werden lassen und – im besten Fall – den einen oder anderen vielleicht dazu animieren, selbst noch einmal auf Spurensuche zu gehen Am Fuß der blauen Berge", " im Big Valley" oder Westlich von Santa Fé". " "
Copypreis:
Einzelheft: 6,50 € (Preis inkl. 7% MwSt.)
Anzeigen:
Für gewerbliche Anzeigen bitte Preisliste Nr. 01 (inkl. Mediadaten) anfordern.
Andreas Kötter Autor & Chefredakteur
Kontoverbindung:
NikMa Verlag Kreissparkasse Ludwigsburg
Folgen Sie uns auch auf facebook: www.facebook.com/goodtimeskult
IBAN: DE38 6045 0050 0000 1082 94 BIC: SOLADES1LBG
Fotos/Abb.:
Bildarchiv Hallhuber © Kinowelt GmbH © NikMa Verlag © Pressefotos Wir drucken auf umweltfreundlichem, chlorfrei gebleichtem Papier. Weiterverwendung aller in GoodTimes kult! Edition Western-Serien erschienenen Artikel, Interviews und Fotos etc. nur mit der Zustimmung des Herausgebers gestattet. Gerichtsstand: Stuttgart
2x im Jahr erhältlich!
Neu bst 2017: er H b a Edition ! lt u k n im Kri Serie EDITION WESTERN 1/2017
Seite 3
Inhalt·
Seite 10
Seite 18
Bonanza
3 Editorial / Impressum
Shiloh Ranch
30 High Chaparral Italo-Western Light
37 kult!-Shop
34 Cheyenne Ein Held wie ein Baum
39 kult!-Abonnement 49 kult!-Poster
38 Tausend Meilen Staub (Rawhide) Rollin’, Rollin’, Rollin’, Rawhide ..." "
6
42 Josh / Der Kopfgeldjäger (Wanted: Dead Or Alive) Der King Of Cool des Wilden Westens
Wie der Wilde Westen ins Fernsehen kam Westlich von Santa Fé", Am Fuß der blauen Berge" "... und in Wuppertal-Barmen "
10 Bonanza Eine wie keine – die Mutter aller Western-Serien 18
Die Leute von der Shiloh Ranch (The Virginian / The Men From Shiloh) Auf der Shiloh Ranch wird der TV-Western endgültig erwachsen
44 Geächtet (Branded) Wenn schon der Vorspann eine ganze Geschichte erzählt 46 Westlich von Santa Fé (The Rifleman) Ein alleinerziehender Vater schießt scharf
22 Big Valley Das Barkley-Goldstückchen – meine erste große Liebe
53 Am Fuß der blauen Berge (Laramie) Western-Schlaraffenland für Fortgeschrittene
26 Rauchende Colts (Gunsmoke) Viele Rekorde, aber keine große Liebe
56 Lancer Wer zu spät kommt, den bestraft das Publikum
Seite 4
EDITION WESTERN 1/2017
Seite 22
Seite 30
Big Valley
58 Der Marshal von Cimarron (Cimarron Strip) Der Mann mit dem Silberstern
74 Von Cowboys, Sheriffs und Banditen Viel Blei fürs Geld
60 Großer Adler – Häuptling der Cheyenne (Brave Eagle) Der rote Mann nimmt die Dinge selbst in die Hand
79 Yancy Derringer Vollendeter Gentleman in geheimer Mission
62 Der Mann ohne Namen (A Man Called Shenandoah) Auf der Suche nach sich selbst
82 Davy Crockett – Daniel Boone – Jim Bowie Davy, Jim und Daniel – Volkshelden, die zu Fernsehstars wurden
64 Nakia – der Indianersheriff Wanderer zwischen den Welten
88 Abenteuer im Wilden Westen ("Dick Powell’s Zane Grey Theatre") ... und die Moral von der Geschicht ...
66 Sergeant Preston (Sergeant Preston Of The Yukon) Die Kinderstunde – ein Wintermärchen!
90 Die besten Western-Serien, die bei uns nie zu sehen waren Sie mussten draußen bleiben
68 Der Texaner (The Texan) Leg dich nicht mit Texas an!" "
96 Union Pacific Auf dem Abstellgleis
70 Hondo Ralph Taeger gibt den John Wayne 72 Bronco Erst smarter Held, später Sexsymbol und schließlich Rassist
EDITION WESTERN 1/2017
Seite 5
Wie der Wilde Westen ins Fernsehen kam
, " ĂŠ F a t n a S n o v h Westlic "Am FuĂ&#x; der blauen Berge" "... und in Wuppertal-Barmen
Wenn ich es heute recht bedenke, hat nur wenig mein Leben so geprägt wie der Mythos vom Wilden Westen. "Cowboys und Indianer" – dieses Thema war meine Leidenschaft und ist es ein Stück weit auch heute noch. Ob "Die Leute von der Shiloh Ranch" oder "Westlich von Santa Fé", ob "Bonanza" oder "Big Valley": Der Zauber, den diese Serien Ende der 60er Jahre auf mich ausübten, ist auch nahezu fünf Jahrzehnte später nicht verflogen.
Z
war besaß ich damals auch anderes Spielzeug, etwa Modellautos, Ritterfiguren oder ein Gokart. Meine allerliebs te Freizeitbeschäftigung aber war doch das „Cowboy und Indianer”-Spielen, und zwar in allen Variationen. Ob ich nun mit einem Spielzeugreplikat der legendären Silberbüchse selbst den „Winnetou" gab oder aber die Abenteuer des großen Häuptlings der Apatschen (so verballhornte man damals den Stamm der Apachen) mit den Figürchen solcher Hersteller wie Timpo Toys oder Hausser en miniature nachstellte – meine Betätigung und mein noch unverdorbenes Selbstverständnis waren stets dem Wilden Westen zugetan, am Tag und auch in der Nacht. So erzählte meine Mutter noch viele Jahre später, dass ich mich abends, wenn nach all den aufregenden Abenteuern eines langen Tages die Zeit der Bettruhe kam, standhaft weigerte, das Indianer- (oder wahlweise das Cowboy-) Outfit abzulegen. Befeuert wurde meine Fantasie dabei durch die vielen Western-Comic-Serien, die es am Kiosk zu bewundern gab. „Bessy” war mir die liebste, schon wegen der fantastischen Titelbilder von Klaus Dill, die aller dings meist mehr versprachen, als die Geschichten selbst halten konnten (was mir allerdings erst viel später bewusst wurde). Der klassische Kinowestern Hollywood’scher Studioprägung dagegen, der erst Jahre später zu einer bis heute währen den Leidenschaft werden sollte, spielte zur Zeit meines sozi alen Erwachens aus rein pragmatischen Gründen noch keine Rolle. Denn einem Siebenjährigen standen damals allenfalls die Sonntagsmatineen der Kinos offen. Und die zeigten gemeinhin eher Kindgerechtes wie „Das Dschungelbuch” als einen handfesten Western.
• Kekse, Milch und Bonanza • Etwas anders dagegen verhielt es sich mit dem TV-Western. Obwohl sich meine Eltern zunächst aus – mir damals völlig unverständlichen – ethischmoralischen Gründen standhaft weiger ten, einen Fernsehapparat anzuschaffen, waren mir die süßen Früchte wie „Am Fuß der blauen Berge”, „Westlich von Santa Fé” oder im „Big Valley” natür lich nicht verborgen geblieben. Schließlich sprach auf dem Schulhof nahezu jeder Junge von diesen Serien oder von „Bonanza”, „Rauchende Colts” oder „Yancy Derringer”. Ein Lehrerehepaar aus der Nachbarschaft, mit ähnlich hohem moralischen Anspruch, wie ihn meine Eltern pflegten, dennoch aber mit einem TV-Gerät gesegnet, gestattete es mir hin und wieder, bei Keksen und einem Glas Milch, Rudimente von „Bonanza” zu erhaschen. „Rudimente” deshalb, weil es der guten Frau häufig ausgerechnet im Verlauf der 47 Minuten einfiel, in denen die Cartwrights gemeinhin für Recht und Ordnung sorgten, dass sie noch dieses oder jenes Wissenswerte in einem der beiden anderen der ins gesamt drei Programme sehen wollte. So blieben mir der finale Showdown und damit der Sieg der Gerechtigkeit viel zu oft vorenthalten. Und nicht selten endete der späte Nachmittag mit Tränen bitterer Enttäuschung. Nichtsdestotrotz hatte ich allemal genug gesehen, um zu spüren: So wie diese Cowboys, furchtlos und rechtschaffen, wollte ich auch sein. Daher konnte es passieren, dass ich an einem Tag den „Winnetou" gab, am nächsten aber den Adam Cartwright, mir damals der Liebste dieser Sippe. Aber auch Jess Harper („Am Fuß der blauen Berge”) oder Nick Barkley („Big Valley”), vor allem aber der Virginian („Die Leute von der Shiloh Ranch”) und John McLean („Westlich von Santa Fé”) wurden mir alsbald – meine Eltern hatten meine Quengelei mittlerwei le satt und einen Fernseher angeschafft – zu lieb gewonnenen Alten Egos. Und ich lernte rasch, dass dort, wo diese Helden herkamen, noch viel mehr sein mussten. Wie sich die große Popularität des TV- Western tat sächlich erklärte, dar über machte ich mir damals natür lich noch keine Gedanken. Heute aber verstehe ich, warum die Helden des Wilden Westens der amerikani schen Nation nach den Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs in den 50er Jahren den Wertekompass (zurück-)geben und schließlich, mit der Verspätung einer Dekade, auch die meis ten jungen Abenteurer in Deutschland infizieren konnten.
EDITION WESTERN 1/2017
Seite 7
Der Wilde Weste(r)n – Amerikas Weltkulturerbe Der Western ist das ureigene amerikanische Kunstgenre, viel leicht Amerikas einziges ganz großes Weltkulturerbe. So war der erste Spielfilm, der diesen Namen wirklich verdiente, weil er schon sehr früh so etwas wie eine Erzählstruktur aufzuweisen hatte, ein Western. Edwin S. Porters „Der große Eisenbahnraub” von 1903 dauerte zwar nur rund zwölf Minuten, gilt aber zu Recht als Katalysator für den Western wie für den Kinofilm überhaupt. Noch bevor die Bilder laufen lernten aber waren es bereits Erzählungen über den Wilden Westen gewesen, die der Populärkultur einen zarten Anfang bescherten. So wurden in den erfolgreichen „Dime Novels”, den Groschenheften des späten 19. Jahrhunderts, Ereignisse und Figuren der Pionierzeit wie William Frederick Cody (besser bekannt als „Buffalo Bill”) dramatisiert und romantisiert. Ein Erfolg, den sich die aufstrebende Filmindustrie zunutze machte. So entwickelte sich der Westernfilm in den Jahrzehnten nach Porters epochalem Türöffner unauf haltsam zum populärsten Kinogenre. Dabei durchlief er einen Reifeprozess, der von den simplen Gut/Böse-Geschichten der singenden Cowboys der 30er Jahre, wie Gene Autry oder Roy Rogers, über die epischen Variationen der 40er bis zu den 50er Jahren reichte, als der Western endgültig erwachsen wurde. Jetzt waren die Helden häufig gebrochene Charaktere, wie sie etwa Hollywoods damals beliebtester Star, James Stewart, in den großartigen Werken von Regisseur Anthony Mann (u.a. „Nackte Gewalt”, „Der Mann aus Laramie”) verkörperte. Als dann mit dem Fernsehapparat eine neue faszinierende Technik die Wohnzimmer der Amerikaner eroberte, war es nur folgerichtig, dass die drei großen Networks ABC, CBS und NBC den Western von der großen Leinwand auf den kleinen Bildschirm brachten. So war die erste TV-Western-Serie 1948 eine Fortführung der aus dem Kino bereits bekann ten Geschichten um die Figur „Hopalong Cassidy”, für die man, ganz prag matisch, auf etwa 30 Minuten heruntergebro chene Abenteuer produ zierte. Die erste eigens für den „Small Screen” pro duzierte Western-Serie war ein Jahr später „The Lone Ranger”, der wiederum so erfolgreich war, dass es auch viel später noch große Kino-Abenteuer mit dem Rächer mit der Maske geben sollte (siehe „The Lone Ranger” von 2013 mit Johnny Depp). In den kommenden Jahren erlebte der TV-Western seine größte Blütezeit. Allein zwischen 1955 und 1960 starteten 75 neue Serien, und 1958 waren unter den Top 25 der erfolgreichsten TV-Sendungen zwölf Western. 1959 liefen schließlich sage und schreibe 32 Western-Serien in der Primetime. Zwar sollte der TV-Western auch Seite 8
noch in den 1960er Jahren Erfolge feiern – einige der besten Serien überhaupt, etwa „Die Leute von der Shiloh Ranch”, „Big Valley” oder „Bonanza”, starteten erst in diesem Jahrzehnt oder erlebten ihre Blüte in dieser Dekade. Dennoch werden es immer die 1950er Jahre sein, die man in den USA mit dem Höhenflug des TV-Western in Verbindung bringen wird.
Das Wirtschaftswunder bringt den Deutschen das Fernsehen – und den TV-Western Hier zu Lande dagegen setzte dieser Erfolg mit Verspätung, ab Mitte der 1960er Jahre, ein. Die erste Western-Serie im deutschen Fernsehen – vorausgesetzt, man lässt „Rin-TinTin” als Western gelten – startete zwar schon im Februar 1956, der erste Western nach klassi schem Verständnis war 1959 aber „Am Fuß der blauen Berge”. Damals selbstverständlich noch in Schwarzweiß („Laramie”, so der Originaltitel, umfasste in den USA 124 Episoden, lediglich die letzten 31 wurden in Farbe produziert). Erst als 1963 neben der ARD mit dem ZDF ein zweiter Sender stertete, nahm in Deutschland auch die Zahl der verkauften TV-Geräte sprunghaft zu. Gab es 1955 gerade einmal 100.000 Exemplare in der BRD, so explodierte diese
Zahl innerhalb eines Jahrzehnts auf sieben Millionen Geräte. Mit diesem den Wirtschaftswunderjahren geschuldeten Boom wuchs zwangsläufig auch die Nachfrage nach Inhalten. Und die bezog man nun einmal am liebsten aus der Traumfabrik Hollywood, damals wie heute eine Art Leitmedium in Sachen Populärkultur. Western-Serien waren in Hülle und Fülle verfügbar, so dass der TV-Western jetzt auch bei uns große Erfolge feierte. Neben den schon genannten Klassikern waren das u.a. Serien wie „Abenteuer im Wilden Westen”, „Bronco”, „Cowboys” („Tausend Meilen Staub”) oder „Von Cowboys, Sheriffs und Banditen”, die gleich sam einen Hauch von Pulverdampf durch deutsche Wohnzimmer wehen lie ßen und für uns Nachwuchshelden noch die kleinste Wiese hinter dem Elternhaus zur weiten, endlosen Prärie mach ten: Der Wilde Westen war nun auch in Buxtehude, in Castrop-Rauxel und in Wuppertal-Barmen ange kommen.
EDITION WESTERN 1/2017
kult!
Kommen Sie mit auf einen weiteren Trip in die goldene Vergangenheit! 2x im Jahr erhältlic h!
(Nr. Ausgabe Oktober 2016
15)
nur 6,50 €
Alle
kult!
Ausgaben noch erhältlich! Je 100 Seiten inkl. Poster
SonderAusgabe Auto
Erhältlich im Handel oder unter:
www.goodtimes-kult.de oder im Shop Seite 37
Bonanza
Eine wie keine – die Mutter aller Western-Serien Ich erinnere mich so deutlich, als ob es gestern gewesen wäre. Wenn am späten Sonntagnachmittag die weltberühmte Titel melodie gleichsam die ebenso bekannte Landkarte entzündete, stand auch mein kleines Cowboy-Herz in hellen Flammen. Bonanza", die Geschichte von der " Cartwright-Sippe, bestimmte damals mein Leben für eine Zeit lang mehr als jedes andere Kulturgut! Seite 10
* Prolog * Vater Ben (Lorne Greene), von seinen drei Söhnen stets mit „Pa" angesprochen, der meist schwarzgewandete Adam (Pernell Roberts), Eric, besser bekannt als Hoss (Dan Blocker), und Joseph, das von allen Little Joe (Michael Landon) gerufene Nesthäkchen, versetzten mich damals aber nicht nur am Sonntagnachmittag in Hochstimmung. Vielmehr waren mir die Cartwrights buchstäblich auch sonst die liebsten Spielkameraden. Denn die Macher von „Bonanza" wussten längst um die Bedeutung von Marketing und Merchandising, auch wenn das damals noch niemand so nannte.
S
o existierte zur Serie eine kleine, aber feine Action-Figuren-Welt, die nicht nur die vier Familienmitglieder selbst umfasste, sondern
EDITION WESTERN 1/2017
TV-Erstausstrahlung in Deutschland
von Routiniers wie William F. Claxton, Jacques Tourneur und Tay Garnett oder von späteren Regiegrößen wie Robert Altman, erzählten meist intelligente, bisweilen gar bespielhafte Geschichten aus dem täglichen Leben und Sterben. Kleine „Morality Plays", Erzählungen um Schuld, Sühne und Vergebung also, die vor heiklen Themen wie Rassismus, religiösem Fanatismus oder Raubbau an der Natur nicht Halt machten (auf die – meiner Meinung nach – komischen Episoden möchte ich nicht weiter eingehen).
N
icht zuletzt der geistige Vater von „Bonanza", David Dortort, zeichnete sich dafür verantwortlich. Dortort hatte in Hollywood als Drehbuchautor, u.a. für TV-Western, begonnen, wurde mit „Bonanza" aber zum Erfolgsproduzenten. „Meine Inspiration waren König Artus und der Mythos der Ritter der Tafelrunde. Bloß spielte meine Geschichte nicht im Britannien des Mittelalters, sondern in der Pionierzeit des Wilden Westens, und der gute König war jetzt der liebevolle Vater, und die ehrenhaften Ritter waren die loyalen Söhne", so Dortort später einmal.
E 13. Oktober 1962 bis April 1965 in der ARD (lediglich 13 Folgen) 28. August 1967 bis 31. August 1969 im ZDF
ine „mythische Geschichte über die Pioniere, ein amerikanisches Camelot" habe er erzählen wollen. „Wir haben diese Historie nicht. Wir haben den Unabhängigkeitskrieg, wir haben den Bürgerkrieg. Aber wo ist unsere große poetische Legende?! Es gibt keine. Also habe ich sie mit ‚Bonanza' geschaffen. Und die ganze Welt hat zugeschaut. Denn diese Geschichte ist universell." Stimmt! Und man könnte sagen, dass der Name Programm war. Eine „Bonanza" ist nämlich eine Goldader, und genau das war die Serie auch für den produzierenden Sender NBC. Nicht zuletzt, weil Dortort buchstäblich Farbe ins Bild gebracht und mit „Bonanza" die erste in Farbe produzierte Western-Serie etabliert hatte.
selbstverständlich auch ihre Pferde sowie einen riesigen Planwagen. Die Figuren waren etwa 20 Zentimeter groß, und dementsprechend fielen die Maße dieses Gefährts aus, das bereits vorwegnahm, was man im heutigen Automobilbau als Variabilität bezeichnet. Im Nu war der vierspännige Wagen umgebaut in einen offenen Pritschenwagen oder in einen der typischen Küchenwagen der Cowboys (Chuckwagon). Der war ausgestattet mit allerlei Utensilien, mit Bechern und Tellern, mit Töpfen und Pfannen, wie sie die Cowboys während des Viehtriebs für das tägliche Leben eben benötigten. Die Cartwright-Figuren selbst waren so konzipiert, dass sie ihre Gliedmaßen bewegen und Pistole, Gewehr oder die Zügel ihrer stolzen Rösser in den Händen halten konnten. Auch für sie gab es selbstverständlich das notwendige Rüstzeug wie Revolvergürtel und Sattel, Colt und Winchester, Lasso und Trinkflasche.
I
m Vergleich zu späteren Actionfiguren, etwa Big Jim, dem „Action Team" oder „Madelman", waren die Plastik-Cartwrights zwar primitiver gearbeitet. Zum einen kannte ich diese anderen Figuren damals aber noch gar nicht – und zum anderen hätte mich das ohnehin nicht gestört. Kleine Anekdote am Rande: Adam, wie meist in der Serie auch ganz in Schwarz gekleidet, war ein Sonderfall. Weil Pernell Roberts mit Ende der sechsten Staffel ausgestiegen war, durfte sein Charakter nicht mehr verwendet werden. Also verpasste der Hersteller unserem Adam kurzerhand einen schwarzen Schnurrbart und erklärte ihn zum Bösewicht des Spielsets. Ein Schelm, wer daraus Rückschlüsse auf die späteren Geschicke von Roberts ziehen will (dazu später mehr). Fakt ist jedenfalls: Einen kurzen Moment lang im hektischen Getriebe der Zeitläufte war „Bonanza" für mich das Nonplusultra, ob nun auf dem Bildschirm oder als Spielzeug.
D er
* Bonanza * Popkultur-K lassiker
Wie kaum eine andere Western-Serie hat sich „Bonanza", damals gerade auch hier zu Lande ein wahres TV-Lagerfeuer, bis heute ein großes Maß an Popularität bewahren können. Dabei war die Reihe, genau genommen, nichts anderes als eine in den Wilden Westen verlegte Familienserie, eine frühe Soap und damit der erste der so genannten Family Formula- und Thinking Bonanza" Person's Westerns, wie es in „Cult TV – The " er st po en Ries Essential Critical Guide" heißt. Die knapp in kult! Nr. 6 60-minütigen Episoden, in Szene gesetzt Ausgabe 2/2012 zu bestellen im Seite 37
B
is heute halten sich Stimmen, die behaupten, dies sei nicht zuletzt geschehen, um den stockenden Verkauf der neuen TV-Apparate mit Farbtechnologie von NBCs damaliger Konzernmutter RCA anzukurbeln. Dortort selbst hat das immer wieder bestritten. Vielmehr hätten sich die NBC-Verantwortlichen anfangs wegen der hohen Kosten vehement gegen eine Farbproduktion gewehrt. Er aber habe den Verantwortlichen gesagt: „Ich soll in die Berge der Sierra Nevada gehen, eins der schöns-
Serienrolle
Darsteller
Benjamin „Ben” Cartwright Adam Cartwright Eric „Hoss” Cartwright Joseph „Litte Joe” Cartwright Hop Sing Sheriff Roy Coffee Candy Jamie Hunter Griff King Dusty Rhoades Deputy Clem Foster
Shop
EDITION WESTERN 1/2017
Seite 11
Darsteller/in Lorne Greene Pernell Roberts Dan Blocker Michael Landon Victor Sen Young Ray Teal David Canary Mitch Vogel Tim Matheson Lou Frizzel Bing Russell
re Charaktere gleichberechtigt zu etablieren. Denkt man an „Big Valley", hat man vor allem Victoria Barkley (Barbara Stanwyck) oder den wilden Nick (Peter Breck) vor Augen. Denkt man an „Die Leute von der Shiloh Ranch", sind es der Virginian (James Drury) oder Trampas (Doug McClure), die einem zunächst in den Sinn kommen. Und bei „High Chapparal" sind es Billy Blue (Mark Slade) und Manolito (Henry Darrow), an die man sich vor allem erinnert. Eine solche Selektion kennt „Bonanza" nicht.
ten Fleckchen Erde des ganzen Landes mit schneebedeckten Gipfeln, tiefgrünen Wäldern, einem malerischen See und dem blauesten aller Himmel – und all das soll ich in SchwarzWeiß drehen?! Das ist ein Sakrileg. Das werde ich nicht tun." Und Dortort setzte sich durch – wie so oft. Denn ähnlich unnachgiebig zeigte sich der Produzent auch bei der Wahl seiner Hauptdarsteller. Während NBC bereits aus dem Kino bekannte Gesichter wollte (Serien wie „The Restless Gun", ebenfalls eine Dortort-Produktion, setzten auf B-Movie-Stars wie John Payne), war Dortort sich sicher: „Das Fernsehen macht sich seine eigenen Stars." Auch hier behielt er nach zähen Verhandlungen die Oberhand.
D
S
tand „Bonanza" anfangs wegen der hohen Produktionskosten noch auf wackligen Füßen, so dass einige Male das Aus drohte, war der Erfolg spätestens ab dem dritten Jahr und mit der Verlegung des Sendetermins von Samstag- auf Sonntagabend gesichert. 14 Jahre, von 1959 bis 1973, und 430 Episoden lang sollte die Serie in den USA laufen und in dieser Zeit mehrere Jahre in Folge einen der Top-Plätze der Quotencharts belegen. Verkäufe in alle Herren Länder machten „Bonanza" schließlich zum Welterfolg. Unter objektiven Gesichtspunkten wie Storytelling, a t m o sphärische Dichte etc. mag es ebenbürtige Western-Serien gegeben haben. Manch einer würde vielleicht „Die Leute von der Shiloh Ranch" anführen, ein anderer einen hier zu Lande nie gezeigten, in den USA aber hochverehrten Klassiker wie „Wagon Train". All das aber ändert nichts an der grundsätzlichen Bedeutung, die „Bonanza" für das Genre des TV-Westerns hat. Die Reihe taugt jedem, gerade auch demjenigen als Referenz für eine Western-Serie, der sich im Wilden Westen nicht ganz so heimisch fühlt: „Bonanza" ist allgemeines Kulturgut, ein Thema, zu dem beinahe jeder etwas sagen kann (erinnert sei etwa an die wunderbare Hommage in Barry Levinsons „Tin Men", bei der die Protagonisten in einem Diner trefflich über die Cartwrights streiten).
U
nd der Status als (Populär-)Kult(ur)-Klassiker ist wohlverdient. Denn bei „Bonanza" stimmt einfach alles. Vom Vorspann mit der schon erwähnten brennenden Landkarte über die unwiderstehliche Melodie von Ray Evans und Jay Livingston, die es zu Hitehren bringen sollte, bis hin zu einem Casting und damit einer Besetzung, die einem Gottesgeschenk gleicht. Übertrieben? Kaum! Zieht man andere Western-Serien mit ebenfalls mehreren Ensemblehauptrollen zum Vergleich heran, etwa „Big Valley", „Die Leute von der Shiloh Ranch" oder „High Chapparal" (ebenfalls eine Dortort-Produktion), fällt auf, dass es keiner dieser Serien so perfekt gelungen ist wie „Bonanza", mehreSeite 12
ank Dortort, der sich später erinnerte: „Ich wollte nicht nur von einem Star abhängig sein, wie es mir mit John Paynebei ‚The Restless Gun' gegangen war." So stehen Ben, Adam, Hoss und Little Joe für den Zuschauer auf einer Stufe. Man mag einen Liebling haben, aber es ist das Kollektiv, nicht der Einzelne, das sich ins Gedächtnis gebrannt hat. Ben denkt man nicht ohne Adam, Little Joe nicht ohne Hoss usw. Für mich selbst war die Frage nach dem Lieblings-Cartwright immer auch eine Frage nach dem jeweiligen „Lebensabschnittspartner". Ich entsinne mich gut, dass mir zunächst vor allem der ernste Adam in seinem schwarzen existenz-philosophisch-angehauchten Dress imponierte. Schon bald aber spürte ich, dass man mit Little Joe, dem ungestümen Womanizer wohl auf Dauer weit mehr Spaß haben würde. Und Hoss, den sanften Riesen, hatte ich ohnehin von Anfang an ins Herz geschlossen. Der prägendste Cartwright aber war und ist für mich Ben, der seinen Ehrenplatz dort hat, wo meine größten Schätze weilen.
* Ben *
Vater
aller
Väter
Im Regal mit Hunderten von Western-DVDs, -Comics und -Sekundärwerken wacht Benjamin Cartwright, hinter Glas und gülden gerahmt, über diese Schätze. Es wäre wohl etwas übertrieben, würde ich behaupten, dass ich von Ben mehr über das Leben und die Menschen gelernt hätte als von meinen Eltern. Und doch war neben diesen er es, der mein B e w us s t sein von Recht und Unrecht schärfte: Ben war mir die Richtschnur für ein moralisch halbwegs gesellschaftskonformes Dasein. Keine Kunstfigur, sondern fast ein Mensch aus Fleisch und Blut. Ein Mann der festen Grundsätze und der ruhende Pol der Familie. Während etwa Little Joe die Bösen reihenweise ins Jenseits beförderte, setzte Ben in den meisten Fällen auf das Wort, nicht auf den Colt. Er machte die Ponderosa zu einem Hort für die Verfolgten und Gequälten, für die Notleidenden und Unterdrückten. Und als Vater war er so, wie wohl jeder sich den Vater wünscht.
EDITION WESTERN 1/2017
Liebend und verständnisvoll, wenn es sein musste, etwa weil Little Joe wieder einmal über die Stränge geschlagen hatte, durchaus aber auch mal etwas strenger.
N
atürlich gab es Stimmen, die Ben Cartwright gerne etwas ans Zeug geflickt hätten; und sei es nur, dass man ihn verdächtigte, ein Blaubart zu sein – waren die drei Söhne doch von drei verschiedenen Frauen, die auf die eine oder andere tragische Weise ihr Leben verloren hatten. Dauerhafte romantische Liebe war Ben nicht vergönnt. Hin und wieder tauchte zwar eine Kandidatin auf, die die vierte Frau Cartwright hätte werden können. Letztlich aber gab es immer gute Gründe, warum für Ben auf der Ponderosa keine Hochzeitsglocken läuten sollten. Mal entpuppte sich die zunächst Auserwählte als geldgeiles Luder, dem nur an Besitz und
Ü
Status gelegen war. Mal wurde das traute Glück durch Dramen der unterschiedlichsten Art abrupt zerstört. So blieb Ben dauerhaft allein. Aber auch das trug er mit Anstand und Würde, nicht einen Hauch von Verbitterung konnte man bei ihm ausmachen. Er war kein Gutmensch, kein Eiferer oder Pharisäer, er war – in Anlehnung an Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan" – der gute Mensch von Nevada und damit ein wahres Vorbild. Kurzum, Ben Cartwright war mein großer Held. Und letztlich ist er es bis heute geblieben.
W
as nicht zuletzt der Verdienst von Lorne Greene war. Der kanadische Schauspieler (1915–1987) hatte Ben Cartwright über 14 Jahre so zum Leben erweckt und vor allem auch weiterentwickelt, dass diese Figur wie nur wenige andere Seriengestalten ein fast reales Eigenleben führen konnte. Für Greene war es fraglos die Rolle seines Lebens. Der klassisch ausgebildete Schauspieler mit der tief-warmen, autoritär gefärbten Stimme war zwar auch vor und nach „Bonanza" in Rundfunk, Kino und TV ordentlich im Geschäft (Sci-Fi-Fans werden sich etwa an „Kampfstern Galactica" erinnern). Aber es war die Rolle des Ben Cartwright, die ihm Weltruhm und Millionen einbrachte. Zahlreiche Ehrungen bezeugen die große Popularität, die Greene selbst heute noch genießt, 45 Jahre nach dem Ende von „Bonanza" und knapp 30 Jahre nach seinem Tod. So wurde ihm der klassische Stern auf dem Hollywood Walk Of Fame ebenso zuteil wie 2015 die Aufnahme in Canada’s Walk Of Fame. Der befindet sich in Toronto und ehrt außergewöhnliche Kanadier mit einem Stern, der an ein Ahornblatt erinnert. Zudem war Greene bereits 2006 der erste von vier kanadischen Künstlern, die je von der kanadischen Post mit einer eigenen Briefmarke geehrt wurden. Sein Vorname soll übrigens auf einen Mann namens Lorne MacKenzie zurückgehen. Greenes Vater Daniel, ein russischer Einwanderer jüdischer Abstammung, hatte in Ottawa ein Geschäft als orthopädischer Schuhmacher eröffnet und seinen Sohn nach dem ersten Kunden, eben diesem Lorne MacKenzie, genannt. Eine nicht unerhebliche Anekdote, weil sie viel aussagt über Greenes Vater und damit auch über Lorne Greene selbst. Denn der richtete die Charakterisierung seines Ben Cartwright „zu 75 Prozent" am eigenen Vater aus, wie er später einmal erzählte.
berhaupt engagierte sich Greene sehr für die (Weiter-)Entwicklung seiner Figur. Wer sich einmal die Zeit nimmt, frühe Episoden von „Bonanza" mit späteren zu vergleichen, wird feststellen, dass Ben, aber auch seine Söhne, mit der Zeit umgänglicher erscheinen. Sitzt der Colt zu Beginn bei allen noch recht locker, so ändert sich das schon bald. Denn Greene sah vor allem Ben nicht als einen „Mann mit einem Colt in der einen und einer Bibel in der anderen Hand". Vielmehr wollte er „einen Vater zeigen, der seine Söhne in Liebe erzieht und Fremden gegenüber aufgeschlossen und hilfsbereit ist". Nur so, „durch den Kontakt mit Fremden konnten die Cartwrights erfahren, was vor sich geht in der Welt". Und viele Jahre, nachdem die letzte Klappe gefallen war, hat Greene die Serie einmal so charakterisiert: „‚Bonanza' war ein Eastern Western. Wir waren keine vagabundieren Cowboys mehr, sondern hatten unseren Platz gefunden. Es war eine Serie über die Liebe – die Liebe zum Land, die Liebe zur Familie und die Liebe zur Heimat." Dem gibt es nichts hinzuzufügen.
D er
* Adam * stille I ntellektuelle
Adam war buchstäblich ein Fall für sich: Ein Außenseiter in der Familie Cartwright – wie sein Darsteller Pernell Roberts (1928–2010) ein Außenseiter am Set war. Adam war der Nachdenkliche, der Grüblerische, als ältester Sohn aber auch derjenige, der es am ehesten wagte, der Meinung des Patriarchen eigene Ideen entgegenzustellen. Kurzum: Adam war der Intellektuelle, immer loyal, aber vor allem auch dem eigenen Gewissen verpflichtet.
M
an muss wissen, dass damals nicht wenige Kritiker darüber diskutierten, ob nun Greene oder doch Roberts der beste Schauspieler der „Bonanza"-Riege war. Fakt ist: Roberts war ein guter Schauspieler, und er wusste das auch. Zunehmend gequält vom dem Gefühl, mit einer Western-Serie unterfordert zu sein, suchte er am Set kaum die Nähe der anderen. Wenn sich Lorne Greene, Michael Landon oder Dan Blocker in den Drehpausen untereinander oder mit der Crew aust a us c h t e n , blieb Roberts meist allein und hing seinen Gedanken nach.
EDITION WESTERN 1/2017
T
atsächlich war der in Waycross, Georgia, geborene Roberts wie Adam ein Einzelgänger. Ein Denker, ein Zweifler und vor allem ein kritischer Geist. So
Seite 13
machte er keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber den organisierten Religionen. 1964, kurz vor seinem Ausstieg, äußerte er sich in einem seiner seltenen Interviews so: „Die Kirche spricht von Brüderlichkeit, und doch haben in unserer weißen Kirche Schwarze keinen Zutritt. Baptisten, Methodisten und Lutheraner beten voneinander getrennt zu Gott. Was für eine Brüderlichkeit soll das sein?!" Bedenkt man die Zeit, in der Roberts solche Aussagen tätigte, wundert es nicht, dass sowohl NBC als auch Chevrolet, Sponsor der Serie, übelste Hassbriefe, gerade auch aus Roberts’ Heimat im tiefen Süden, erreichten. Er aber sollte zeitlebens ein Aktivist gegen Rassismus und für Gleichberechtigung bleiben und nahm 1965 an einem der drei legendären Selma-nach-Montgomery-Märsche teil.
E
twa um diese Zeit herum war ihm aber auch endgültig bewusst geworden, dass er bei „Bonanza" nicht die Herausforderung finden würde, die er suchte. Wie weit seine Unzufriedenheit schließlich ging, zeigt diese oft zitierte Aussage: „Gibst du den Dummköpfen auch nur die Hälfte von dem, was die Szene eigentlich verlangt, denken sie schon, es wäre große Kunst." So verließ Roberts schließlich mit Ende der sechsten Staffel „Bonanza". Bitter für ihn, dass sich andere Pläne – u.a. eine langfristige Rückkehr zum Theater – zerschlugen, so dass er sich zunächst mit Episodenrollen ausgerechnet in Western-Serien über Wasser halten musste. Alles in allem soll ihm durch den Abschied von „Bonanza" rund eine Million Dollar entgangen sein, schätzt man.
E
rst 1979 kehrte mit der Hauptrolle in der Arztserie „Trapper John, M.D.", einem Spin-off von „M.A.S.H.", so etwas wie berufliches Glück, wenigstens unter finanziellen Gesichtspunkten, zurück. Fast 20 lange Jahre blieb er nach dem Tod von Michael Landon 1991 schließlich der letzte lebende Cartwright. Am 24. Januar 2010 starb Roberts, 81-jährig, an Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Western-Erfahrung, war aber von den bisherigen Resultaten und seinen Aussichten enttäuscht und wollte zurück in seinen vorherigen Beruf als Lehrer. Dortort aber konnte den früheren Amateurboxer und Korea-Kriegs-Teilnehmer (der seitdem eine lebenslange Abneigung gegen Schusswaffen aller Art pflegte) umstimmen.
F
ür Blocker ein Glücks- und Unglücksfall zugleich. Denn mit der enormen Popularität, die ihm „Bonanza" einbringen sollte, konnte er zeitlebens nichts anfangen. „Ich kann nicht verstehen, dass Menschen sich für mich interessieren. Wenn Hoss Cartwright ihr einziges Interesse ist, welche Hoffnung gibt es dann?!", so der Demokrat, der sich ähnlich wie Roberts für die Bürgerrechtsbewegung stark machte. Aber Blocker war nun mal richtig gut in seiner Rolle. So gut, dass Regisseur Robert Altman, den Blocker von frühen „Bonanza"-Episoden kannte, den Schauspieler Anfang der 70er Jahre für seine Raymond-Chandler-Verfilmung „The Long Goodbye" und die Rolle des alkoholkranken Schriftstellers Roger Wade wollte. Blockers viel zu früher Tod am 13. Mai 1972 nach einer Lungenembolie infolge einer GallenblasenOP machte das unmöglich. Altman, damals bereits eine Ikone des New Hollywood, widmete den Film schließlich seinem verstorbenen Freund.
D
en Verlust von Adam hatte „Bonanza" noch verschmerzen und später durch die Rolle des Loners Candy (David Canary) sogar einigermaßen wettmachen können. Hoss aber war unersetzlich. Daran konnten auch bereits neu Zugezogene, wie Adoptivsohn Jamie Hunter Cartwright (Mitch Vogel) oder später Griff King (Tim Matheson) nichts ändern. „Bonanza" war ohne Hoss dem Tod geweiht.
* Hoss * Der sanfte Riese Hoss war „the gentle giant", der sanfte Riese. Zumindest so lange, wie man ihn nicht reizte, indem man Wehrlose triezte oder gar die eigene Familie bedrohte. Dann konnte Hoss zum Tier im großen Manne werden. Und wo dieses Tier hinlangte, da wuchs kein Gras mehr. Das aber waren Ausnahmen. Gemeinhin war er ein Mann von ausgesuchter Freundlichkeit und großer Anteilnahme. Ein gemütlicher Menschenfreund, scheu gegenüber Frauen, in deren Umgebung er sich bisweilen weniger wohlfühlte als bei seinen geliebten Pferden. Produzent Dortort hat wiederholt beSeite 14
tont, dass er den Part des Hoss explizit für Dan Blocker (1928– 1972) geschrieben hatte, einen anderen Schauspieler habe er nie im Sinn gehabt. Auch Blocker hatte wie seine Kollegen bereits TV-
* Little Joe * Der junge Wilde
P
hysische Attraktivität in Verbindung mit einer ansteckenden Fröhlichkeit und jungenhaftem Charme machten Little Joe zu einem ganz besonderen Herzchen. Es gibt wohl kaum eine Diskussion darüber, dass Little Joe die meisten – in aller Regel weiblichen – Herzen zugeflogen sein dürften. Und wer heute einmal die 14 Staffeln auf DVD Revue passieren lässt, kann fast wie
EDITION WESTERN 1/2017
Vater. Man hört danach nicht einfach auf, Vater und Sohn zu sein. Und ich werde ihn immer als meinen Vater betrachten."
im Zeitraffer dabei zusehen, wie aus dem hübschen Jungen ein echter und ebenso attraktiver wie vor allem selbstbewusster Mann wurde.
* Die Ponderosa * D er fünfte H auptdarsteller
F
ür Michael Landon, zu Beginn von „Bonanza" gerade einmal 22 Jahre alt, sollte die Serie nicht Höhe-,sondern Ausgangspunkt einer großartigen Karriere sein. Während seine drei Kollegen ihre größte Popularität durch „Bonanza" erreichten, diente Landon die Serie als steile Karriereleiter. Schon bei „Bonanza" war es ihm nicht genug gewesen, „nur" vor der Kamera zu stehen. So schrieb er etwa 30 Drehbücher und führte zudem Regie bei zwölf der filmisch ambitioniertesten Episoden. Als die Serie schließlich 1973 endete, boten ihm alle drei großen Networks, ABC, NBC und CBS, eine Zusammenarbeit an. Landon war mittlerweile ein Superstar und nutzte die ohnehin bestehende Zusammenarbeit mit NBC zu zwei weiteren weltweiten TV-Hits, „Little House On The Prairie" („Unsere kleine Farm") und „Highway To Heaven" („Ein Engel auf Erden"). Bei beiden Serien war Landon nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch als Regisseur bzw. Produzent in die künstlerische Ausrichtung eingebunden. „Ein Engel auf Erden" war allerdings trotz des Publikumserfolgs der wohl am wenigsten sehenswerte von Landons TV-Erfolgen, zeigte sich hier doch seine wohl einzige künstlerische Schwäche, ein Hang zu weinerlicher Sentimentalität. Gleichzeitig sollte die Serie sein letzter großer Erfolg sein.
A
ls Landon im März 1991 während eines Ski-Urlaubs mit der Familie so starke Bauchschmerzen bekam, dass er zurück nach L.A. fliegen und sich ins Krankenhaus begeben musste, wurde dort am 5. April 1991 Krebs diagnostiziert. Am 9. Mai sprach Landon mit großer Offenheit und viel Humor in „The Tonight Show", der Talkshow seines Freundes Johnny Carson, über seine
Krankheit und verhalf der Show damit zur zweithöchsten Einschaltquote seit ihrem Sendestart 1962. Knapp zwei Monate später, am 1. Juli 1991, starb Landon, der dreimal verheiratet war und neun Kinder hatte, auf seiner Ranch im Malibu Canyon an den Folgen von Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er hinterließ ein geschätztes Vermögen von 100 Millionen US-Dollar. In den USA hatte seine Erkrankung größte Anteilnahme geweckt, und sein Tod mit nur 54 Jahren kam beinahe einer nationalen Tragödie gleich.
L
andon hatte wie kein anderer der vier Cartwright-Darsteller die künstlerischen Geschicke von „Bonanza" mitgeprägt. Vor allem aber war er ein Teamplayer, den mit Dan Blocker ebenso eine innige Freundschaft verbunden hatte wie mit Lorne Greene. So sagte Landon über Greene kurz nach dessen Tod: „Ich kannte ihn damals ein halbes Leben. Er war bei ‚Bonanza' 14 Jahre lang mein
Die Ponderosa, benannt nach der in den Wäldern um den Lake Tahoe wachsenden Ponderosa Pine (dt. Gelb-Kiefer), war über 14 Jahre lang die Ranch und das Zuhause der Cart wrights und damit fast so etwas wie der fünfte Hauptdarsteller. Gelegen nahe Virginia City zwischen dem malerischen Lake Tahoe und dem kleineren Washoe Lake, erstreckte sich die Ranch über ein Gebiet fast so groß wie der Lake Tahoe selbst, der wieder um knapp 500 Quadratkilometer umfasst. Zwar wurde das Ausmaß des Cartwright-Besitzes in einigen Episoden als noch weit größer angegeben. Faktisch aber passte das nicht zu den Größenverhältnissen, die auf der berühmten Landkarte gezeigt werden. Nicht die einzige Ungenauigkeit übrigens. So hieß der Lake Tahoe noch bis 1862 Lake Bigler, nach dem dritten Gouverneur Kaliforniens, während das Gewässer auf der Karte bereits als Lake Tahoe bezeichnet wird.
W
ie auch immer, erbaut hatte Ben, ein früherer Kapitän und im Umgang mit Bauholz durchaus geschult, die Ranch gemäß einigen Rückblenden, noch bevor die eigentliche Handlung der Serie einsetzte. Adam, der auch im Verlauf „seiner" sechs Staffeln einige Male technisch-handwerkliches Geschick unter Beweis stellen sollte, vollendete schließlich den Bau. So jedenfalls die Legende. Gedreht wurden die Innen- und Außenaufnahmen der Ponderosa auf dem Gelände der Paramount Studios/Stage 16. Ich selbst hatte Ende der 80er und noch einmal Mitte der 90er Jahre die Möglichkeit, die Ponderosa zu besuchen – oder wenigstens ein Duplikat. Denn nahe Incline Village, einem kleinen Ort am Lake Tahoe, existierte von 1967 bis 2004 eine Art „Bonanza"Disneyland, nach und nach geschaffen um einen Nachbau des klassischen Ranchhauses der Cartwrights herum. Das Rancherehepaar Bill und Joyce Anderson, das dort zunächst eine kleine Pferdezucht besaß, nutzte 1965 die Popularität von „Bonanza" und kontaktierte NBC bzw. Dortort. Schnell war die Idee zu einem Themenpark geboren, der 1967 schließ-
EDITION WESTERN 1/2017
Seite 15
Gegen Ende von Staffel 12 aber, in der Episode „Sklavenlager", war er plötzlich wieder da. Genaugenommen jedoch handelte es sich dabei um eine Täuschung. Denn diese besonders grimmige Folge war bereits knapp zwei Jahr zuvor abgedreht worden, nach der Ermordung von Martin Luther King Jr. sowie Robert Kennedy und einer darauffolgenden Kampagne gegen Gewalt im Fernsehen zunächst einmal aber im Giftschrank verstaut worden. Tatsächlich kehrte Candy erst zur Saison 1972 noch einmal zurück.
I
lich eröffnet wurde. Spätere Erweiterungen umfassten u.a. die Gräber der vier Cartwrights und eine zweite Version von Virginia City. Obwohl die Ranch weiterhin ein Besuchermagnet war, entschied sich die Anderson-Familie 2004 aber, den Besitz für 50 Millionen Dollar an den Software-Milliardär David Duffield zu verkaufen. Seitdem ist der Park geschlossen. Gerüchte, dass alle Bauten mittlerweile abgerissen worden seien, wurden bisher nicht bestätigt. So zeigte Google Earth am 16. April 2015 nach wie vor alle alten Gebäude. Weitere Gerüchte über einen neuen „Bonanza"-Park an anderer Stelle sind bis dato ebenfalls genau das – nicht mehr als Gerüchte.
* Hop Sing und Co. * Die zweite und Dritte Reihe Kaum einer, der nicht auch an Hop Sing (Victor Sen Young) denkt, wenn ihm „Bonanza" in den Sinn kommt. Der chinesische Koch war das Mädchen für alles der Cartwright-Sippe, dem schon deshalb größere Bedeutung zukam, weil er für Hoss’ gute Laune zuständig war. Blieb Hop Sings Küche kalt, konnte der sonst so gemütliche Koloss durchaus schon mal die Ruhe verlieren. In immerhin 106 der insgesamt 430 Episoden war Hop Sing mit von der Partie, wenn ihm meist auch nicht viel mehr zukam als die Rolle des Stichwortgebers. Die aber spielte Victor Sen Young so perfekt, dass sein „Mistel Caltwlight, Essen ist feltig" bis heute unvergessen ist.
A
llemal mehr als nur ein Stichwortgeber war dagegen Candy (eine Kurzform für Canaday; und sehr viel mehr sollte man über seine Vergangenheit auch nicht erfahren). Der tauchte in der zweiten Episode der neunten Staffel – „Der neue Mann" – gleichsam aus dem Nichts auf und sollte zunächst einmal bleiben. Candy, ein Loner, der einsam durch die Gegend streifte, hatte keine Familie wie die Cartwrights im Rücken und musste seine Probleme alleine lösen. Er war ein Mann der Tat, der es verstand zuzupacken, und zunächst zwei Staffeln lang für etwas frischen Wind auf der Ponderosa sorgte, bevor er sich dann wieder auf seinen Weg machte. Seite 16
hn letztlich nur als eine Art Second-Hand-Adam zu betrachten, würde seinem Part übrigens kaum gerecht. Tatsächlich machte CandyDarsteller David Canary, der Produzent Dortort erstmals im wuchtigen Indianer-Western „Man nannte ihn Hombre" an der Seite von Paul Newman aufgefallen war, einen so guten Job, dass etwa Dan Blocker lobte: „Der Junge ist klasse. Die Show braucht ihn!" Und auch für mich wurde der gutaussehende Candy schnell zu einem durchaus liebgewonnenen Mitglied der „Bonanza"-Familie.
W
as indes ebenso für den knorrigen Sheriff Roy Coffee galt. Darsteller Ray Teal, 1960, bei seinem Eintritt in die Serie, immerhin schon 58 Jahre alt, war damals längst ein Hollywood-Veteran, der in seiner Karriere meist kleinere, nichtsdestotrotz oft auch feine Rollen wie die des Richters im Nazi-Prozessklassiker „Das Urteil von Nürnberg" übernommen hatte. Das Alter des Sheriffs wurde dann auch immer wieder mal thematisiert, ihm letztlich aber nie als Nachteil ausgelegt, sondern vielmehr als Vorteil gezeigt. Und auch das imponierte mir damals bereits: Echte Profis sind eben nicht zwingend jung, sondern glänzen vor allem durch Erfahrung. Und die bringt nun mal in erster Linie erst das Älterwerden mit sich.
* Die Gäste *
H ollywood gibt sich die K linke in die H and Gaststars gehörten bei „Bonanza" zum guten Ton und wurden im Vorspann häufig auch im Bild vorgestellt. Hier nur eine kleine Auswahl: Slim Pickens, Arthur Hunnicutt, Will Geer, John Saxon, James Coburn, Jim Davis, Jack Elam, Leif Erickson, Rod Cameron, Jo Van Fleet, Aldo Ray, Charles Bronson (rechts) Faith Domergue, John Carradine, Bruce Dern, Victor Jory, Beau Bridges, Yvonne de Carlo, Jane Greer, Ida Lupino, Jan Sterling, Julie Adams, Robert Culp, Martin Landau, Lee
EDITION WESTERN 1/2017
Charles Bronson
Lee Marvin
Yvonne de Carlo
Marvin, Felicia Farr, Charles Bronson, Stefanie Powers, Gena Rowlands, Dennis Hopper, Teresa Wright, Telly Savalas, Forrest Tucker, Mala Powers, Stella Stevens, Warren Oates, Lee van Cleef, Adam West, Linda Cristal …
* Epilog * Das tolle „Bonanza"-Spielzeug habe ich später, als ich herangewachsen und von der Serie vor dem Hintergrund der Wirren der Pubertät zwischenzeitlich entwöhnt war, in einem Anfall juveniler Großzügigkeit an ein Kinderheim verschenkt: eine Geste sicherlich ganz im Sinne der mildtätigen Cartwrights. Heute, mit 54 Jahren und dem Wissen, wie bittersüß der Schmerz über die unwiederbringlich verlorene Kindheit sein kann, würde ich, wenn ich könnte, aber wohl Unsummen zahlen, um auch nur eine dieser Puppen wieder in meinen Besitz zu bringen.
Telly Savalas
DVD - Deutsche Fassung Bonanza Staffel 1–14 Studiocanal
(8 DVDs)
(8 DVDs)
(8 DVDs)
(8 DVDs)
(8 DVDs)
(8 DVDs)
(8 DVDs)
(9 DVDs)
(9 DVDs)
(8 DVDs)
(7 DVDs)
(7 DVDs)
(7 DVDs)
(4 DVDs)
Bonanza Staffel 1–7 (56 DVDs) Studiocanal
Bonanza Staffel 8–14 (51 DVDs) Studiocanal
EDITION WESTERN 1/2017
Seite 17
Die Leute von der Shiloh Ranch (The Virginian / The Men From Shiloh)
Aus Kindern werden Leute. Und weil das so ist, wurde ich der kleinen, feinen, aber wegen ihres 30-MinutenFormats auch immer ein wenig eindimensionalen Western-Abenteuer, die sich "Westlich von Santa Fé" ereigneten, Anfang der 70er Jahre allmählich ebenso müde wie der Verwerfungen im Hause Cartwright. um Glück aber zeigte sich im gleichen Maße, wie das Kind zum Knaben heranreifte, auch der TV-Western immer erwachsener. Schon 1962 war in den USA mit „The Virginian" die erste WesternSerie im 90-Minuten-Format (75 Minuten plus Werbung) angelaufen. Und ab 1970 ritten „Die Leute von der Shiloh Ranch" schließlich auch durch deutsche Wohnzimmer. Sehr lose basierend auf Owen Wisters mehrfach verfilmtem Roman „The Virginian" von 1902 (u.a. 1929 mit Gary Cooper und 1946 mit Joel McCrea) bedeutete „Die Leute von der Shiloh Ranch" gleichzeitig den Höhe- und vorläufigen Endpunkt eines Genres. Weil hier eine TV-Western-Serie zum ersten Mal im Überformat und damit beinahe schon in Spielfilm-Länge Seite 18
produziert wurde – bei uns blieben von den schon genannten 75 Minuten allerdings meist nur 60 übrig, so dass man sich bisweilen über arge Brüche in der Handlung ärgern musste – konnten Drehbuchautoren und Regisseure (u.a. Hollywood-Veteranen bzw. Western-Routiniers wie Sam Fuller, Burt Kennedy oder Andrew McLaglen) aus dem Vollen schöpfen. Und so beinahe ähnlich epische Geschichten inszenieren, wie man das vom Kino gewohnt war.
EDITION WESTERN 1/2017
Darsteller
ein Wunder also, dass die Erfolgsserie mit 275.000 Dollar pro Folge teurer war als jede andere TV-Show ihrer Zeit. Über den im Original titelgebenden „Virginian" (hier zu Lande wurde er gerne auch als „Vormann", also eine Art leitender Angestellter, Sektion Cowboys, bezeichnet) erfuhr man in den 171 (von tatsächlich 249) in Deutschland ausgestrahlten Folgen recht wenig. Genaugenommen ist „recht wenig" sogar noch untertrieben ausgedrückt. Denn nicht einmal sein tatsächlicher Name wurde dem Zuschauer verraten, so dass der Virginian, der außer einem weinroten Cordhemd meist Schwarz trug, immer ein wenig mysteriös blieb. Auch weil er alles andere als ein Schwätzer war. icht dass der Mann ein eindimensionaler Charakter gewesen wäre. Im Gegenteil: Der Vormann konnte durchaus sensibel und mitfühlend sein. Aber statt große Reden zu schwingen, ließ er lieber Taten oder – wenn es gar nicht anders ging – seinen Colt sprechen. Für den Schauspieler James Drury war der Virginian die Rolle seines Lebens. Bis heute tingelt Drury im Zeichen der Shiloh Ranch durch die USA, von WesternFestival zu WesternFestival. Fraglos zu Recht. Denn der Virginian war nicht nur die titelgebende, sondern auch die attraktivste Figur und damit der Fixpunkt der Serie.
Der Vormann: kein Schwätzer sondern ein Mann der Tat
Serienrolle
Darsteller/in
Der Virginian Trampas Richter Henry Garth Betsy Garth Randy Deputy Emmett Ryker Sheriff Mark Abbott Morgan Starr John Grainger Stacy Grainger Elizabeth Grainger Clay Grainger Holly Grainger Col. Alan MacKenzie Roy Tate Steve Hill Belden
James Drury Doug McClure Lee J. Cobb Roberta Shore Randy Boone Clu Gulager Ross Elliott John Dehner Charles Bickford Don Quine Sara Lane John McIntire Jeanette Nolan Stewart Granger Lee Majors Gary Clarke L.Q. Jones
war neben dem Virginian die wohl bekannteste. Während Trampas im Roman von Owen Wister und in den frühen Kinoverfilmungen ein schlimmer Finger war, gab sich der Serien-Trampas charakterlich deutlich sympathischer. Mit jungenhaftem Charme und einem Gespür für Frohsinn gesegnet, war er der ideale Gegenpart zum meist betont ernsten Virginian, dem Trampas in Sachen Einsätze aber ebenbürtig war. Und auch für den mit nur 59 Jahren 1995 viel zu früh verstorbenen McClure sollte „Die Leute von der Shiloh Ranch" das Karriere-Highlight bleiben.
ichtsdestotrotz gab es noch eine ganze Reihe weiterer Hauptfiguren. Trampas (Doug McClure)
TV-Erstausstrahlung in Deutschland
8. November 1969 bis 30. September 1973 im ZDF
atürlich umfasste die Belegschaft einer so großen Ranch wie Shiloh noch eine ganze Reihe weiterer Cowboys. So etwa Steve Hill (Gary Clarke), Randy Benton (Randy Boone), Belden (L.Q. Jones) und später – als die neunte und letzte Staffel in den USA nicht mehr unter dem Titel „The Virginian", sondern unter „The Men From Shiloh" laufen sollte – Roy Tate (der spätere „Colt für alle Fälle", Lee Majors). Vor allem Randy Boone war eine interessante Wahl. enn der 1942 geborene Boone war früh, noch vor seiner Karriere als Schauspieler, bereits als Countrysänger unterwegs. Da lag es nahe, dass er später auch auf der Shiloh Ranch schon mal zur Gitarre griff und so die Tradition der singenden Cowboys à la Roy Rogers oder Gene Autry fortführte. Sie alle, der Virginian und Trampas, Randy und Steve, Belden und Roy, machten
EDITION WESTERN 1/2017
Seite 19
Randy Boone
Trampas: Womanizer und Sympathieträger
die Soap Opera endgültig im Wilden Westen heimisch. ie Erzählungen über das Leben auf der und um die Shiloh Ranch her um waren nichts anderes als eine große Clan-Saga, bei der Familie nicht verwandtschaftlich verbunden war, sondern schlicht und ergreifend durch die verschworene Gemeinschaft der Cowboys vorgegeben wurde. Die machten Lee Majors aber nur einen Teil des Mikrokosmos Shiloh Ranch aus. Ebenso bedeutend für den Erfolg eines florierenden Unternehmens und einer so erfolgreichen Serie waren selbstverständlich die Chefs.
und William Wyler bis zu John Huston mit fast allen großen Regisseuren dieser Zeit gearbeitet hatte. Bickford gab John Grainger, einen seinem Typ entsprechend harten, aber gerechten Mann, der allerdings ebenfalls nicht glücklich werden sollte auf Shiloh. ach nur etwa der Hälfte der fünften Staffel verstarb Bickford, so dass man mit John McIntire einen weiteren Wes tern-Routinier verpflichtete, der kurzerhand als Johns Bruder Clay Grainger eingeführt wurde. McIntire, aufgewachsen in Montana unter Cowboys, war zuvor in vielen
Roberta Shore als Rancherstochter Betsy Garth
nd von denen gab es eine ganze Reihe auf Shiloh, so dass man beinahe sagen kann, dass sich die Herren Gutsbesitzer Klinke und Brandeisen regelmäßig in die Hand gaben. Mit diesen Bossen und ihren Darstellern hatte von Beginn an schauspielerisches Schwergewicht das Sagen auf Shiloh. Denn es handelte sich doch um Charaktermimen des US-Kinos und des Broadways wie Lee J. Cobb, der als Erster das Brandeisen in die Hand nahm – und seine große Kunst zuvor bereits in Klassikern wie „Die Faust im Nacken", „Die zwölf Geschworenen", „Der Mann aus dem Westen" oder „Tod eines Handlungsreisenden" unter Beweis gestellt hatte. Nach knapp vier Jahren hatte Cobb aber genug. Ähnlich wie Lee J. Cobb kurz zuvor Pernell Roberts bei „Bonanza", fühlte er sich wohl ein Stück weit unterfordert mit einem FernsehWestern. uf Cobb folgte mit John Dehner als Morgan Starr so etwas wie ein Übergangsboss (für nur sieben Folgen). Dehner, der bei Walt Disney Anfang der 40er Jahre als Trickfilmzeichner begonnen hatte, konnte sich in den Jahren darauf John Dehner einen Ruf als HollywoodProfi durch und durch erarbeiten und wurde gerade wegen seiner charismatisch-aristokratisch-diabolischen Ausstrahlung in Western oft als Kopf einer Outlawgang gebucht. Rasch folgte ihm mit Charles Bickford der nächste Charakterkopf der großen Hollywood-Studio-Ära, der von Lewis Milestone über Henry Hathaway Seite 20
großen Hollywood-Western zu sehen gewesen, so dass er das Qualitätslevel mühelos halten konnte. In der neunten und letzten Staffel, in den USA, wie schon erwähnt, unter dem
Titel „The Men From Shiloh" ausgestrahlt, war es schließlich niemand anderes als „Winnetou"-Kumpel Old Surehand, der gebürtige LonStewart Granger doner Stewart Granger, der als Col. Alan MacKenzie mit britischer Noblesse die Geschicke der „Leute von der Shiloh Ranch" (zu Ende) führen sollte.
eben den Bossen und den Kuhjungen gab es noch zwei weitere Gruppen von Charakteren, die auf Shiloh durchaus zu ihrem Recht kamen. Wobei die eine Gruppe, die der Stadtleute aus Medicine Bow, genau genommen nur einen (bedeutenden) Mann umfasste: Deputy Sheriff Emmett Ryker, der später zum Sheriff befördert wurde, war nicht nur ein enger Freund des Virginian, sondern genoss zudem das Privileg, eine Clu Gulager ganze Reihe eigener Abenteuer bestehen zu dürfen. Dargestellt wurde Ryker von Clu Gulager. Der ehemalige US-Marine, der nach seiner Dienstzeit in Paris experimentelles Theater gespielt hatte, bevor er schließlich in Hollywood landete, hatte allemal das Zeug, um den Virginian bei den Schönen von Medicine Bow auszustechen – was beide übrigens hin und wieder gegenseitig bei der schmucken Pippa Scott versuchten, die als Molly Wood eine Handvoll Auftritte absolvierte.
EDITION WESTERN 1/2017
nd dann waren da noch die „anderen", die Gaststars, die den Etablierten bisweilen die Show stahlen. So tauchten im Laufe der Jahre Hollywood-Routiniers wie Joseph Cotten, Lee Marvin, Joan Crawford, Charles Bronson oder George C. Scott auf. Weitere Gastauftritte aufstrebender Stars wie Robert Redford, der damals noch am Beginn seiner Karriere stand, machten diese großartige Serie endgültig zu einer ganz besonderen Produktion. Einer Produktion, die vielleicht gerade auch unter objektiven Gesichtspunkten für Zuschauer jenseits der WesternGemeinde ein echter Gewinn war und ist.
Der Traum aller Schwiegermütter: Doug McClure als Trampas
ls „Die Leute von der Shiloh Ranch" nach der neunten Staffel schließlich in den finalen Sonnenuntergang ritten, bedeutete das für mich eine besonders schmerzhafte Tren-
nung. Nicht nur, weil ich den Virginian, Trampas, Ryker und all die anderen wirklich liebgewonnen hatte. Schlimmer noch traf es mein und wohl auch das Herz eines jeden anderen Großstadt-Cowboys, dass mit dem Abschied von Shiloh eine Epoche zu Ende ging – die der klassischen TV-Western. Einsame Nachzügler, etwa „Kung Fu", „Colorado Saga" oder die zugegebenermaßen fantastische Miniserie „Der Ruf des Adlers", waren nur noch die berühmte(n) Ausnahme(n) von der Regel. Mit „Die Leute von der Shiloh Ranch", ohnehin angesiedelt im späten Wilden Westen der 80er bzw. 90er Jahre (letzte Staffel) des 19. Jahrhunderts, war die berühmte „frontier", die Gren-
ze zwischen Zivilisation und Wildnis, endgültig geschlossen. Und bis heute löst die wunderbare Titelmelodie von Percy Faith, die schönste des Wilden Leinwand-Westens überhaupt neben denen von „Big Valley", „High Noon" und „Die glorreichen Sieben", bei mir eine unstillbare Sehnsucht nach dieser verwunschenen (Kinder-)Zeit aus.
DVD Deutsche Fassung The Virginian – Die Leute von der Shiloh Ranch Gesamtedition Staffel 1–4 Koch Media GmbH (5 DVDs)
(5 DVDs)
(5 DVDs)
(5 DVDs)
(5 DVDs)
The Virginian – Die Leute von der Shiloh Ranch Staffel 1–4 Koch Media GmbH Joel McCrea (2. v.r. als Virginian) EDITION WESTERN 1/2017
Seite 21