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GoodTimes 2020-03

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Deep Purple • Herman's Hermits • Led Zeppelin • Suzi Quatro • Beatles • Rolling Stones • Karat • Buffy Sainte-Marie

Kritiken

D: € 6,90

• Schweiz CHF 12,00 • A • L • NL • I • B: € 7,50 •

3/2020 (Nr. 166) • Juni/Juli • www.goodtimes-magazin.de

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uber 150 CD/LP-

N ie r. 1

Das Ori ginal si

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RORY GALLAGHER Bobby Elliott • Wally Waller • Gordon Lightfoot • Ricky Nelson • Gary Fletcher • Joe Simon • Mike Batt • Joe Brown


EDITORIAL

IMPRESSUM Anschrift:

wird in uber 30 Ländern der Welt gelesen!

NikMa Verlag Fabian Leibfried Eberdinger Straße 37 71665 Vaihingen/Enz Tel.: 07042/ 37660-160 Fax: 07042/37660-188 E-Mail: goodtimes@nikma.de www.goodtimes-magazin.de www.facebook.com/goodtimesmagazin www.instagram.com/goodtimes_magazin www.pinterest.de/goodtimes_magazin Herausgeber und Chefredakteur: Fabian Leibfried (fl)

Liebe Leserinnen und Leser,

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Juni/Juli 2020

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ch hoffe, es geht Ihnen gut und Sie sind mit der CoronaPandemie bisher einigermaßen zurechtgekommen. Wir alle waren und sind mehr oder weniger stark betroffen, mussten und müssen mit Einschränkungen leben. Die Musikbranche allerdings gehört zu den Gesellschaftsbereichen, die von Covid-19 am heftigsten in Mitleidenschaft gezogen wurden, auch wenn andere, wie das Gesundheitswesen, die Wirtschaft und vor allem der Fußball, weit mehr im medialen Fokus standen. Viele Existenzen hat das Virus vernichtet, Clubs werden nach dem Lockdown nicht mehr öffnen, Labels ihren Geschäftsbetrieb einstellen. Zahllose Musiker wussten und wissen nicht, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Noch mehr Menschen, die in der damit verbundenen Infrastruktur arbeiten, haben ihre Jobs verloren. Tourneen, Festivals und Konzerte wurden abgesagt, zahlreiche ins nächste Jahr verschoben. Wenn die inzwischen angelaufene Öffnung so richtig greift – und uns eine zweite Infektionswelle erspart bleibt –, wird ein Hauen und Stechen einsetzen, wird das Darwin’sche Prinzip zu beobachten sein, dass nur die Stärksten überleben. Alle Musiker wollen (und müssen) auftreten, um Geld zu verdienen – und das an relativ wenigen Spielstätten. Der Plattenmarkt wird überflutet werden, wenn sich verschobene und regulär geplante Tonträgerveröffentlichungen sinnbildlich gegenseitig aus den Regalen realer und virtueller Läden boxen. Auch wir bei GoodTimes – und damit indirekt auch Sie – sind unübersehbar von den Corona-Folgen betroffen. Sehr viele Anzeigen, vor allem aus dem Livesektor, sind weggebrochen, Zeitungsläden waren geschlossen oder nur schwer erreichbar, was die ökonomische Kalkulation und Planung erschwert. Manche für diese Ausgabe geplanten Geschichten sind nicht zustande gekommen. Es war nicht zu umzugehen, Ihnen diesmal nur eine reduzierte Ausgabe bieten zu können, und das nicht nur, weil der von vielen so geschätzte Konzertkalender wegfällt – mangels Shows und angesichts der Unsicherheit, wann es auf den Bühnen weitergeht. Dennoch haben wir ein, wie ich meine, sehr ansehnliches Heft mit zahlreichen interessanten Themen zusammengestellt. Bleiben Sie gesund! Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit der neuen GoodTimes-Ausgabe.

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Fabian Leibfried Herausgeber/Chefredakteur

GoodTimes ist auf umweltfreundlichem, chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt! Weiterverwendung aller in GoodTimes erschienenen Artikel, Interviews, Discographien, Fotos, Rezensionen etc. nur mit der Zustimmung des Herausgebers gestattet. Gerichtsstand: Stuttgart

GoodTimes 3/2020

NEU: kult! Nr. 22 jetzt erhältlich

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Music from the 60s to the 80s

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Seite

3


INHALT

RORY GALLAGHER

POSTER

12 Titelstory

stories 12

Rory Gallagher

56

Die Liebe zur Bühne kostete ihn das Leben

18

Deep Purple

57

Album Cover Art Galerie #25: IN ROCK

20

Kansas

58

25

Led Zeppelin ( Teil 9)

59 59

Ich mache all diese Dinge!"

34

Joe Satriani

60

Suzi Quatro "

61

Ich bin immer den harten Weg gegangen!"

Beatles

62

Herman's Hermits

64

Konzeptalben

66

54

Rolling Stones

66

Ricky Nelson Karat Harry Chapin Curtis Stigers Der Schmerzensmann des Jazz

Bobby Elliott "

Tell!

Der große Geschichtenerzähler

Die Stones, ein DDR-Fan und die Stasi

53

Ich halte nichts von Schubladen"

Mit dem BLAUEN PLANETEN im Zenit

Kalkulierte Gesamtkunstwerke

46

"

Großes Idol aller Teenager

Englands erfolgreiche Anti-Stones

42

Gary Fletcher

Schweizer Nationalheld auf CD

50 Jahre LET IT BE

40

Sparks Keine Zeit für den Tod

Die Schönheit des Instrumentals

26

Ron Sexsmith Neuigkeiten vom optimistischen Melancholiker

Mike Batt "

Joe Brown Vom Cockney-Cowboy zum britischen Ry Cooder

Zum Finale wartete der Tod

24

Krautrock Die Wissenschaft von Krautrock

Alles auf Pomp

22

Gordon Lightfoot Der Nimmermüde

67

Trommel das doch mal so wie der Hollies-Typ!"

Glass Hammer Mehr Hammer, weniger Glas(s)

Kak

70

Wie bitte!?

Joe Simon Soul aus der Country-Metropole

Die nächste Seite

4

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erscheint am 24. Juli 2020

GoodTimes 3/2020

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Music from the 60s to the 80s


MADE IN GERMANY - MUSIC Ausgabe Nr. 166, Juni/Juli 2020

18 Deep Purple

Das Rock - Musical Tell!

26 Suzi Quatro

Rerelease des Musicals um den Schweizer Nationalhelden aus 1977. Zum ersten Mal auf CD und digital.

HARRY CHAPIN

some more stories live

40 Herman's Hermits

46 Rolling Stones

rubriken

features

Rory Gallagher Die Liebe zur Bühne kostete ihn das Leben Rory Gallagher war ein Anti-Star. Nein, nicht jemand, der sich vehement gegen den Star-Ruhm stellte oder eben Attitüden an sich hatte, die ihn als Identifikationsfigur für tausende Rockfans ausschlossen. Vielmehr galt er als sehr bodenständig. Seine Anhänger – viele davon geradezu hingebungsvoll – sahen in ihm immer einen von uns". ... weiter Seite 12 "

3 4 6 10 28 30 32 55 68 69 72 74 76 93 94 95 96 97

Beatles – 50 Jahre LET IT BE Als die Beatles am 22. März 1963 mit PLEASE PLEASE ME ihr Debüt gaben, konnte keiner ahnen, was für eine dominierende Rolle die Musik des Liverpooler Quartetts dereinst in der Rockhistorie spielen würde. Wiederum wollten die Fans der Gruppe – ungeachtet des Schocks über das am 10. April 1970 veröffentliche McCartneyStatement, er habe die Zusammenarbeit mit der Band aufgekündigt – beim Erscheinen von LET IT BE am 8. Mai 1970 nicht wahrhaben, dass das ihre letzte gemeinsame ... weiter Seite 60 ... weiter Seite 34 LP gewesen sein sollte.

98

Der US - Singer/Songwriter und Storyteller präsentierte sich 1977 in Bestform. Klanglich brilliant aufgearbeitet.

Impressum/Editorial Inhalt Aktuelles – Neues aus der Szene Verstorbene Shop Abo-Bestellschein Kleinanzeigen Leserbriefe Was macht eigentlich …? Wally Waller (Pretty Things) History Pics Runde Geburtstage Gedenktage CD/Vinyl-Rezensionen Buch-Rezensionen Konzertbericht: Rock Meets Classic Charts 1980 Kreuzworträtsel + Verlosung Kreuzverhör: Buffy Sainte-Marie … zuguterletzt Einstürzende Neubauten • Vanja Sky • Die Happy

GoodTimes 3/2020

ROB TOGNONI Catfish Cake

Rob: „Catfish“ ist ein Synonym für das Mississippi-Delta. Hier begannen die Wurzeln meines Spiels: der Blues.

FRANKFURT RADIO BIG BAND KRIEGEL TODAY!

Mit „Kriegel Today“ bekommt Volker Kriegel von der hrBigband posthum eine tönende Gedenktafel überreicht. n

Music from the 60s to the 80s

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Seite

5

www.mig-music.de facebook.com/migmusic.de/


NEWS Anzeige

Am 12. Juli 2019 starb Russel Smith, Sänger und Gitarrist der amerikanischen Country-Rock-Band Amazing Rhythm Aces. Danach verkündete Billy Earheart, neben Russel Smith Kopf der ARA, das endgültige Aus der Band. Abschied per Platte nimmt die Band mit einem LiveKonzertmitschnitt aus dem Bremer Moments, wo sie am 20. März 2000 gastierten. In der Besetzung Smith, Earheart, Jeff „Stick" Davis (Ex-Burrito-Deluxe, John Mayall), Bryan Owings (Ex-Burrito-Deluxe) und Fred James (Ex-Burritos, Flying Burrito Brothers) hatten sie alle Register gezogen und knapp zwei Stunden lang Americana-Rock vom Feinsten gespielt. Die Doppel-CD soll Ende September erscheinen+++ Unabhängig von der Corona-Pandemie musste Ozzy Osbourne wieder Konzerte seiner Abschiedstournee absagen. Der 71-Jährige ließ seine in Nordamerika geplanten Auftritte ausfallen, da er sich laut seiner Homepage sechs bis acht Wochen lang in der Schweiz medizinisch behandeln lassen musste und die Behandlung nicht vor April beginnen konnte. „Ich hatte ein Scheiß-Jahr", erklärte Osbourne. Es sei Fans gegenüber nicht fair, die Tour zu starten und Auftritte dann kurzfristig abzusagen. Der britische Wahl-Amerikaner war im vergangenen Jahr am Nacken operiert worden und hatte Ende Januar öffentlich gemacht, an Parkinson erkrankt zu sein+++ "Erbarme, die Hesse komme" hieß es ab 1982, als die Rodgau Monotones "Volle Anzeige

nem Powertrio wird er Ende des Jahres per CD/DVD wieder präsent sein+++

Lotte" zu ihrem überraschenden Höhenflug ansetzten. Ende 1977 gegründet, sind die Dialekt-Rocker um Sänger Peter „Osti" Osterwold heute noch auf Tour und bespielen in den Sommermonaten vor allem Festivals und Open Airs, wobei neben dem Frontmann von der Originalbesetzung noch Ali Neander (g), Raimund Salg (g), Joky Becker (b) und Mob Böttcher (dr) an Bord sind. Am 13. November 1984 gastierten die Hessen für den „Rockpalast" in der Bochumer Zeche, ein Jahr später traten sie in der Essener Grugahalle bei einer der legendären „Rockpalast"-Nächte zusammen mit Squeeze und Ruben Blades auf und heizten mit ihrem schweißtreibenden Rock inklusive ZZ-Top-Einlage ein. Ab Ende August sind beide Shows als CD/ DVD-Paket erhältlich+++

Europa-Tournee zur Präsentation des neuen Albums THE NEW MINE abgesagt, Festivalauftritte wie in Cropredy gestrichen – Matthews Southern Comfort erging es wie allen Künstlern in Zeiten der Corona-Pandemie. Die zwangsfreie Zeit nutzten Iain Matthews und seine Mitstreiter, um sich ihre eigenen Gedanken über die Corona-Krise zu machen, und veröffentlichten Anfang Mai die Single "Hey Superman". Dabei sind sie auf der Suche nach dem Superhelden, der die Welt vor dem Virus retten+++ Am 12. Oktober 1987 stand das avantgardistische EBM/Industrial-Künstlerkollektiv Laibach aus Slowenien, das zu der Zeit mit OPUS DIE für Furore sorgte, auf der Bühne des Bremer Schlachthofs. Zuvor hatten ihre eigenwilligen Versionen des Opus-Gassenhauers "Live Is Life" und der Queen-Nummer "Geburt einer Nation (One Vision)" international aufhorchen lassen – die fehlten beim Auftritt für Radio Bremen nicht. Derzeit sind Laibach damit beschäftigt, die Aufnahmebänder zu bearbeiten, damit ihre Fans Ende August per CD diesem Mitschnitt lauschen können. Vinyl soll dann später folgen+++

Auf diese posthume Ehrung wäre Lemmy sicher stolz gewesen: Beim Spirit Business Rum & Cachaca Master 2020 wurde Motörheads Premium Dark Rum in der Kategorie „Rum Aged 7-12 Years" mit dem prestigeträchtigen Gold Award ausgezeichnet. 40 Hersteller hatten 113 „Teilnehmer" ins Rennen geschickt, doch bei der Blindverkostung sammelte das acht Jahre lang in Bourbon-Fässern gereifte Motörhead-Erzeugnis mit 80 die höchste Punktzahl. Daneben bietet das Unternehmen Brands For Fans auch Motörhead Vödka, und Motörhead Sing le Malt Whisky an+++

Wie viele andere Künstler musste auch Altmeister Willie Nelson die Veröffentlichung seines neuen Albums FIRST ROSE OF SPRING Corona-bedingt verschieben. Der 70. (!) Longplayer des mittlerweile 87-Jährigen erscheint nun am 3. Juli und präsentiert elf neue Studiosongs. Das Artwork gestaltete sein Sohn Micah Nelson. Auch einige Songs von Kollegen hat der ewige Country-Outlaw auf seine Weise interpretiert: von Toby Keith (”Don’t Let The Old Man In"), Billy Joe Shaver ("We Are The Cowboys"), Pete Graves ("Just Bummin’ Around") und Chris Stapleton ("Our Song")+++

In den 1960er Jahren war John Nitzinger (g, voc) Mitglied der psychedelischen Garage-Rock-Band The Barons, 1968 nahm er erste, von T Bone Burnett produzierte Singles auf und belieferte seine texanischen Kumpels Bloodrock mit Songs, die denen wiederum zu Goldauszeichnungen verhalfen. Er brachte mit Carl Palmer (ELP) PM an den Start, begleitete Alice Cooper und veröffentlichte solo. Mit seinem Blues Rock gastierte er im April 2001 in Köln im „Rockpalast" – mit sei-

In loser Folge bemüht sich GoodTimes, auf interessante Radiomacher und spannende Sendungen im frei empfangbaren Radio aufmerksam zu machen. Diesmal geht es um Burghard Rausch. Musikfans kennen den 72-Jährigen als Schlagzeuger von Agitation Free und Bel Ami oder auch als Autor von Sachbüchern („Rockmusik-Lexikon"). Ab 1987 arbeitete er als Redakteur bei Radio Bremen. Heute gestaltet er einstündige Specials für „Nachtclub Classics", mit denen er alle vier bis sechs Wochen sonnabends ab 23 Uhr bei NDR Info zu hören ist. Häufig würdigt er dabei runde Geburtstage von Rockgrößen wie zuletzt Eric Clapton oder Pete Townshend. „Und dann mache ich alle zwei Wochen dienstags 18 bis 19 Uhr die Sendung ‚Rock The Casbah‘ bei ByteFM. Das ist Internetradio, aber nächstes Jahr sind die in Hamburg auch ‚an der Luft’. Da mache ich eine Stunde lang Krach – Sachen, die mir gefallen, also auch viel schönen Alternative-Kram, Shoegazer, Punk – es ist schon laut", sagte Rausch GoodTimes+++

Rock + Pop Memorabilia

Wall Of Fame • P.O. Box 1950 • 48580 Gronau Tel.: 0171/7412584 • eMail: info@wall-of-fame.de Internet: www.wall-of-fame.de Goldene Schallplatten, Signaturen etc. von Abba bis Zappa. Das weltweit größte Angebot an Raritä ten aus dem Bereich Rock + Pop Memorabilia. Anfragen bitte telefonisch. Seite

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GoodTimes 3/2020

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Music from the 60s to the 80s

Zehn Jahre hat sich Robby Krieger Zeit gelassen, seine Fans wieder mal mit einem neuen Album zu beglücken. THE RITUAL BEGINS AT SUNDOWN heißt das neue, inzwischen neunte Opus des Doors-Gitarristen, der erneut mit seinem langjährigen Co-Autoren und Co-Produzenten Arthur Barrow zusammengearbeitet hat. Neun Eigenbauten plus eine Frank-Zappa-Coverversion ("Chunga’s Revenge") sind darauf zu hören, wobei das Ganze einen jazzigen Unterton aufweist. Die Zappa-Nähe – es waren auch einige frühere Mitstreiter des eigenwilligen Musikers mit im Studio – kommt bei Rock’n’Roll-Hall-Of-FameMitglied Krieger nicht von ungefähr, hatte Barrow doch in den 70er und 80er Jahren intensiv mit dem 1993 verstorbenen Zappa zusammengearbeitet+++ Am 19. Juni veröffentlicht Bob Dylan mit ROUGH AND ROWDY WAYS nach acht Jahren erstmals wieder ein Album mit neuen Songs. Im Vorfeld der Albumankündigung hat Dylan bereits zwei Songs daraus veröffentlicht. Einer davon ist das fast 17-minütige Song-Epos "Murder Most Foul", das auf einer separaten Disc im Album-Package enthalten sein wird. Alle zehn Songs sind Dylans erste neue Eigenkompositionen, seit er 2016 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wurde+++ Ehre, wem Ehre gebührt: In der letzten Ausgabe ist bei der Würdigung der runden Geburtstage ein Mann durchgerutscht, der unbedingt hätte dabei sein müssen: Am 28. April ist mit Ossy Hoppe einer der wichtigsten deutschen Tourveranstalter 70 Jahre alt geworden. Also der Mann, der in den 70er Jahren als Tourmanager von Bands wie Deep Purple oder Whitesnake wichtige Erfahrungen sammelte, ehe er die inzwischen fast kultig gefeierten „Monsters Of Rock"Fes tivals startete, als Geschäftsführer von Shooter Promotions große Acts auf deutsche Bühnen holte. Neun Jahre arbeitete Hoppe an der Seite von Marek Lieberberg, dann beim Branchenriesen Deutsche Entertainment AG (DEAG). 2004 gründete er Wizard Promotions, das in seinem Künstler-Portfolio nicht nur Hard’n’Heavy-Acts führt, sondern auch zu den Wegbereitern des NewCountry-Siegeszuges in Deutschland gehört+++ Sein Konzert im neuseeländischen Auckland musste Elton John Mitte Februar abbrechen, weil ihm die Stimme versagte. Kurz darauf schrieb der Sänger auf Instagram, bei ihm sei eine leichte Lungenentzündung festgestellt worden. Deshalb musste er die verbleibenden Shows in Neuseeland auf Januar 2021 verschieben. Damit würde er das Abschlusskonzert seiner laufenden Tour nicht wie ursprünglich geplant am 17. Dezember in London, sondern rund einen Monat später in Neuseeland geben+++


JOHN LEES’

Seit einigen Jahren besucht der Musiker und Kinderbuchautor Chris Kramer Schulen in ganz Deutschland und bringt die unterschiedlichsten Projekte gemeinsam mit Schülern und Lehrern auf die Bühne, wobei „Die kleine Mundharmonika" die Hauptfigur spielt. Die beschäftigt sich jetzt auch mit Coronaviren. In Zusammenarbeit mit dem Musikpädagogen und Grundschullehrer Oliver Krajewski entwickelte Kramer Unterrichtsmaterial und ein Hörbuch für unterschiedliche Klassenstufen, um bei der behutsamen Wiederaufnahme des Unterrichts- und Schulbetriebs zu helfen. In der Geschichte „Die kleine Mundharmonika und die Coronaviren" wird die aktuelle Situation kindgerecht erklärt und die Notwendigkeit der Hygieneregeln, des Abstandhaltens und Maskentragens mit Hilfe eingängiger Lieder und eines „spielerischen" Zugangs vermittelt. Arbeitsblätter, Playbacks, Noten, Musikvideos und das Hörbuch sind für Lehrkräfte kostenlos unter http://chris-kramer.de/diekleinemundharmonikaunddiecoronaviren/ zu finden+++ 26 EAST: VOLUME 1 wird das neue, dann sechste Studiowerk des früheren StyxFrontmanns Dennis DeYoung heißen. Das Cover zeigt drei Lokomotiven, die symbolisch für den Aufbruch DeYoungs und der Panozzo-Zwillinge John und Chuck, die 1962 den Nukleus der späteren Weltstars bildeten, in die große Rockwelt stehen. Mit im Studio waren unter anderem Multi-Instrumentalist Jim Peterik, August Zadra (g), Jimmy Leahey (g), Craig Carter (b), Mighty Mike Morales (dr) und Sohn Matthew DeYoung, der bei einem Song am Schlagzeug saß, sowie der Chicago Children’s Choir+++ Eine personelle Veränderung melden die deutschen Heavy-Metal-Veteranen Rage: Gitarrist Marcos Rodriguez wird „aus sehr persönlichen Gründen" nicht mehr für Auftritte zur Verfügung stehen, teilte Sänger/Bassist Peavey mit. „Seit einiger Zeit ist es mein Wunsch, die Band in ein Quartett zu verwandeln, das heißt mit zwei Gitarristen an meiner Seite", erklärte Peavey weiter, allerdings noch ohne Namen zu nennen+++

„PopStop – das Musikradio" – immer freitags zum Erscheinen unseres Heftes gibt es eine GoodTimes-Sondersendung (19 bis 20 Uhr), in der die neueste Ausgabe vorgestellt wird (die Sendung wird dann mehrfach wiederholt). „PopStop" sendet Musiktitel mit Format – ohne formatierte Musikzusammenstellung+++ Mit einer Serie von Performances im Rahmen des „New York Guitar Festival" erinnern prominente Musiker auf dem eigens eingerichteten NYGF's YouTube Kanal an Blues-Ikone Reverend Gary Davis. Zwölf Tage lang stimmten Größen unterschiedlichster Generationen wie Warren Haynes, Jorma Kaukonen, Bill Frisell, Rosanne Cash & John Leventhal,

Larry Campbell & Teresa Williams, Larkin Poe, Fantastic Negrito oder Amythyst Kiah unter dem Motto „In Search Of The Harlem Street Singer" Songs des blinden Musikers (1896–1972) an+++ Ein Unglück kommt selten allein: Nachdem der gerade nach schwerer Krankheit wieder genesene US-Singer/Songwriter David Munyon seine Deutschland-Tour wegen des Virus hatte absagen müssen, zog ein Sturm durch die Gegend, in der er lebt. Dabei stürzte ein Baum auf seinen Wohntrailer, Bad und Teile des Schlafraums wurden zerstört. Mit Frau Sharon verbrachte er einige Tage in einem Motel, ehe er wieder in den noch zu zwei Dritteln vorhandenen Trailer zurückzog, in dem ein Notaggregat den Strom liefert. Derweil sammelt sein deutscher Manager Sebastian Linke Spenden für den Musiker. „Als kleine Gegenleistung biete ich sechs Songs des nächsten Solo-StudioAlbums STOCKFISCH SESSIONS 2017, das nicht vor 2021 erscheint, und vier Outtake-Songs des nächsten OFFICIAL BOOTLEG VOL. 4 – LIVE 1996, das im Sommer/Herbst veröffentlicht wird, zum sofortigen Download als Wave an", erklärte Linke und erbat Spenden per PayPal an cd@davidmunyon.de+++

„Die gesellschaftliche Vollbremsung infolge der Bedrohung durch die Pandemie schafft Raum für neues Denken und eröffnet uns auch die Chance zu einer Kurskorrektur unseres gesellschaftspolitischen Leitbildes ... Es kommt nun darauf an, das Hoffen zu lernen und unseren Blick auf künftige Lösungen und auch die Zeit nach der Pandemie zu richten", mahnt der als (gesellschafts-) politisch nachdenklicher Zeitgenosse bekannte Leslie Mandoki. „Heute wissen wir, dass diejenigen systemrelevant sind, die sich an vorderster Front ohne Rücksicht auf ihre eigene Gesundheit oder die ihrer Familien dafür einsetzen, damit auch eine sich langsamer drehende Welt in Bewegung bleibt und wir wieder Hoffnung schöpfen können." Deshalb wolle er sich bei all diesen Alltagshelden im Gesundheitswesen, in der öffentlichen Ordnung, in der täglichen Nahversorgung bedanken. Dies geschehe mit dem Charity-Song "Thank You", den er und seine Soul-Mates-Mitstreiter Ian Anderson, Till Brönner, John Helliwell, Jesse Siebenberg, Bobby Kimball, Simon Phillips, Randy Brecker, Bill Evans, Nick van Eede, Chris Thompson und Klaus Meine „in unserer individuellen Isolation digital versammelt eingespielt haben", so Mandoki+++

Auch Wolfgang Niedecken zollt mit Bap und dem Song "Huh Die Jläser, Huh Die Tasse" „allen HeldInnen unseres Alltags" tiefen Respekt und Dankbarkeit. „Der Song ist eine tiefe Verneigung vor allen, die in der aktuellen Zeit an vorderster Stelle unsere Gesellschaft am Laufen halten", erklärte der Sänger. Das ursprüngliche Video bestand aus StudioAufnahmen der Band aus den letzten Jahren. Fans wurden gebeten, Fotos von Heldinnen und Helden des aktuellen Alltags zu schicken, woraus die sogenannte Heldenversion von "Huh Die Jläser, Huh Die Tasse" entstand+++ Vinylfans können sich auf Schmankerl aus dem Hause Repertoire Records freuen: Als 180g-LPs gibt es Ende Mai zwei derzeit nicht erhältliche Alben von Robin Trower: 20TH CENTURY BLUES von 1994 und LIVING OUT OF TIME aus dem Jahr 2003. Das Cutting beider Alben erfolgte in den Abbey Road Studios. Außerdem haben die Repertoire-Macher im reichhaltigen, von Jon Hiseman bis zu seinem Ableben penibel geführten Archiv von Colosseum gestöbert und vier Liveperlen aus den frühen Jahren zutage befördert, die im CD-Format zugänglich gemacht werden: LIVE AT THE BOSTON TEA PARTY, LIVE AT THE MONTREUX INTERNATIONAL JAZZ FESTIVAL 1969, LIVE AT RUISROCK FESTIVAL, TURKU, FINLAND 1970 und LIVE AT THE PIPER CLUB, ROME, ITALY 1971+++ Das Label Avid Rock N Roll setzt seine „Five Classic Albums Plus"-Serie mit einer neu gemasterten 2-CD-Veröffentlichung von Duane Eddy fort, der am 28. April 82 Jahre alt geworden ist. Enthalten sind seine Originalalben HAVE TWANGY GUITAR WILL TRAVEL (1958), ESPECIALLY FOR YOU (1959), 'THE TWANG’S THE THANG (1959), $1,000,000 WORTH OF TWANG (1960) und TWISTIN’ 'N’ TWANGIN’ (1962). Dazu gibt es auch noch sechs Bonustracks. Einen Longplayer weniger enthält die „Four Classic Roots Albums"-Serie auf jeweils zwei CDs. Diesmal hat Avid mehrere Künstler zusammengespannt, und so gibt’s THE BEST OF LITTLE WALTER, THE BEST OF MUDDY WATERS, von Sonny Boy Williamson DOWN & OUT BLUES und von Howlin’ Wolf SINGS THE BLUES. Als Schmankerl sind drei Bonussingles von Howlin’ Wolf beigefügt+++ 31 Künstler aus acht Ländern mit 26 Songs präsentiert die Doppel-CD LOCKDOWN SESSIONS, die sich unter dem Motto „Hot Blues And Boogie To Fight That Cabin Fever" nicht mit Online-Darbietungen und Wohnzimmerkonzerten in den sozialen Medien begnügen wollten. Der in Deutschland lebende britische Mundharmonikaspieler Roger C. Wade brachte den Stein ins Rollen, und so kann man Bluesmusiker in ungewöhnlichen Konstellationen erleben, die nicht im Studio, sondern auf digitalem Weg zusammenspielten. Abi Wallenstein, Andreas und Maddy Arlt (B.B. & The Blues Shacks), Tommy Schneller, Micha Maas, Michael van Merwyk, Kai Strauss, Larry

BARCL AY JAMES HARVEST BEST OF CLASSIC BARCLAY 04.11.2020 05.11.2020 06.11.2020 20.11.2020 21.11.2020 22.11.2020 17.12.2020 18.12.2020 19.12.2020

CH - PRATTELN KUSEL KOBLENZ NEUSTADT / W ATTENDORN SOEST LIMBURG / LAHN HAGEN ST. INGBERT

ZEPPELIN’S RESURRECTION 03.04.2020 VERLEGT. NEUER TERMIN: 04.04.2020 VERLEGT. NEUER TERMIN: 11.04.2020 VERLEGT. NEUER TERMIN: 16.04.2020 VERLEGT. NEUER TERMIN: 17.04.2020 VERLEGT. NEUER TERMIN: 18.04.2020 VERLEGT. NEUER TERMIN: 13.11.2020 14.11.2020 26.11.2020 05.12.2020 11.12.2020 20.03.2021 27.03.2021 31.03.2020

COTTBUS 12.12.2020 BERLIN 09.12.2020 BENSHEIM 10.11.2020 MÜNCHEN 29.11.2020 WERDAU 17.10.2020 ERFURT 04.12.2020 MEININGEN REGENSBURG FRANKFURT MEMMINGEN DRESDEN CH-PRATTELN WUPPERTAL NÜRNBERG

TEN YEARS AFTER 50th ANNIVERSARY TOUR 23.10.2020 14.11.2020 28.11.2020 07.01.2021 08.01.2021 09.01.2021 14.01.2021 10.04.2021

WORPSWEDE WINTERBACH ERFURT ASCHAFFENBURG NÜRNBERG AFFALTER MÜNCHEN DRESDEN

12.09.2020 L-ECHTERNACH 20.09.2020 L-ECHTERNACH

MANFRED MANN’S EARTH BAND &

TEN YEARS AFTER 18.12.2020 19.12.2020 20.12.2020 21.12.2020

ST. INGBERT ROCKENHAUSEN HAGEN KOBLENZ

Aus gegebenem Corona Anlass empfehlen wir weitere Terminverlegungen auf https://www.kultopolis.com/de/corona.html zu prüfen.

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Garner, Fred Kaplan, Nathan James, Big Daddy Wilson und viele mehr stießen dazu, toben sich stilistisch kunterbunt aus – und der Erlös soll den beteiligten Musikern helfen, Corona-bedingte Engpässe zu überstehen+++ Im Rahmen seiner „Go Music"-Reihe hat Martin Engelien, seines Zeichens Bassist, Produzent und Labelbesitzer, die Corona-Selbsthilfe-CD ONE EARTH initiiert. 36 Musiker waren daran beteiligt, 13 Originalsongs von Mitgliedern der Go-Music-Familie live einzuspielen. „Durch den Kauf dieser CD erhalten die Komponistenkollegen Geld durch die Gema-Lizenzen, die beteiligten Musiker eine angemessene Beteiligung, und die Fans kommen in den Genuss, einige Originalsongs in einer live gespielten, nie wieder zu hörenden Interpretation zu genießen", erläuterte Engelien den Hintergrund. Mitgeschnitten wurde bei zahlreichen Go-Music-Konzerten, die Engelien seit Jahren organisiert. Mit dabei waren u.a. Ben Granfelt, Bene Neuner, Charly T., Dave Goodman, Gil Edwards, Glen Turner, Muddy Manninen, Robert Carl Blank, Thomas Blug, Vanja Sky, Vic Faulkner und viele mehr+++ Zwölf neue Songs präsentiert der kalifornische Blueser Franck L. Goldwasser auf SWEET LITTLE BLACK SPIDER AND OTHER SONGS. Acht weitere Lieder, laut Info Blues-getränkt und von Sonny Rhodes, Nick Gravenites, Charlie Musselwhite, Tim Kaihatsu und Ike Turner erzählend, gibt es auf der beigefügten Bonus-CD+++

ECHOES DON’T LIE heißt die neue, dann sechste Studioscheibe der Electric Family. Seit fast 35 Jahren ist der mehr oder weniger lose Musikerverbund um Mastermind Tom Redecker und seines treuen Mitstreiters Rolf Kirschbaum zugange. Ende Juli wird dann auch zu hören sein, wie sich die neuen Familienmitglieder Roman Bunka (Embryo), Rolf Möller (Extrabreit), Milla Kapolke (Grobschnitt), Marlon Klein (Dissidenten) oder Jojo Brandt (The Convent) eingefügt haben+++

entstand 2019 während der Sessions für FLESH & BLOOD+++ Einen beschwingten Mix aus ChicagoPiano-Blues, Rockabilly, Jazz und Sixties-Soul serviert das aus Chicago stammende Roots-Quartett The Claudettes auf seinem passend betitelten fünften Album HIGH TIMES IN THE DARK (Review in der nächsten Ausgabe)+++ Zwei Studio- und zwei Live-Alben, die David Crosby mit seiner Band CPR einspielte, stehen auf der BMG-Wiederveröffentlichungsliste. CPR, JUST LIKE GRAVITY, LIVE AT CUESTA COLLEGE und LIVE AT THE WILTERN sind seit Mitte Mai digital wieder erhältlich, die beiden Erstgenannten erscheinen am 31. Juli auch auf CD. Nach seinen Engagements bei den Byrds und Crosby, Stills & Nash (& Young) brachte Crosby gemeinsam mit seinem Sohn James Raymond und dem Gitarristen Jeff Pevar vier Jahre nach seiner lebensrettenden Lebertransplantation 1998 CPR an den Start und veröffentlichte das selbst betitelte Debüt. Das bot von Jazz beeinflussten Rock mit atemberaubenden Gesangsharmonien. „Bei CPR wurde mir bewusst, dass die Welt von CSN&Y alt wurde und an ihrem Platz feststeckte und dass ich immer noch in Bewegung bleiben musste", sagte Crosby zu den Re-Releases+++

„Unsere Erfahrung, gemeinsam Lieder zu schaffen, war eine einmalige Gelegenheit. In gewisser Weise ist es, als ob Helmut eine Umgebung geschaffen hätte, in der mein Körper liegen kann, ein Schlafzimmer musikalischer Möbel, Teppiche, Gemälde an der Wand usw., eine Situation, die unweigerlich zu meinen vokalen Äußerungen passt, die surrealistischen Reime einbettend." So beschreibt Chris Newman die Ergebnisse des Rock-Avantgarde-Projekts, das er gemeinsam mit Keyboarder Helmut Zerlett betreibt. Zu hören sind sie demnächst auf dem Album BODY GLUE+++ Bereits seit fast fünf Jahren arbeitet Country-Star Dierks Bentley an seinem Nebenprojekt Hot Country Knights, nun hat er mit THE K IS SILENT dessen Debütalbum abgeliefert: Nicht nur musikalisch orientiert sich die Band an den 90er Jahren, sondern auch modisch überzeugt sie durch ihre Neon- und stonewashed Jeans. Bentley firmiert hier übrigens als Douglas „Doug" Douglason, auch „Big Rhythm Doug" genannt+++ Einige der härtesten Songs seiner Karriere mit Whitesnake hat Sänger David Coverdale für THE ROCK ALBUM ausgesucht und überarbeitet, sprich remixt und remastert. Die Scheibe bildet zugleich den Auftakt einer „Red, White & Blues Trilogy". Dafür hat Coverdale Songs thematisch geordnet. Nach THE ROCK ALBUM (White) folgen LOVE SONGS (Red) und THE BLUES ALBUM. Wenn die Rockpost ab dem 19. Juni in allen möglichen Formaten abgeht, wird auch "Always The Same" erstmals zu hören sein. Der Song

Ihr erstes Album seit 14 Jahren haben die Hard-Rock-Veteranen Alcatrazz angekündigt. BORN INNOCENT erscheint am 31. Juli. Mit von der Partie im Studio waren Sänger und Gründungsmitglied Graham Bonnet (Ex-Rainbow, Michael Schenker Group, Marbles) sowie Jimmy Waldo (keys) und Gary Shea (b), die schon bei der Gründung 1983 mitmischten. Gitarrist Joe Stump lehrt als Assistenzprofessor am Berklee College Of Music+++

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Alan Davey spielte Bass bei Hawkwind, ehe er sein eigenes Projekt Hawkestrel an den Start brachte. Daneben betrieb er mit Sänger Danny Faulkner ein ProgRock-Nebenprojekt namens Pre-Med. Mit dem Titel HAWKESTREL PRESENTS PRE-MED gibt es nun eine Triple-CD mit achtfach gefaltetem Digipak samt RetroSci-Fi-Artwork. Sie enthält die Alben MEDICATION TIME (2006), THE TRUTH ABOUT US (2008) und EINSTEIN’S DAY OFF (2013)+++ WE ARE ONE ist das Album betitelt, das die Metal-Veteranen U.D.O. und das Musikkorps der Bundeswehr aufgenommen haben (VÖ: 17. Juli). Die Band um die deutsche Shouter-Ikone Udo Dirkschneider und die Soldaten haben dafür 15 neu geschriebene Songs eingespielt. Am Seite

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Komponieren beteiligt waren auch Dirkschneiders frühere Accept-Kollegen Stefan Kaufmann und Peter Baltes. Die Band und das 60-köpfige Orchester waren bereits gemeinsam live zu erleben+++ Nick Lowe scheint Gefallen an rein digitalen Veröffentlichungen zu finden. Jetzt schlägt er mit der EP „Lay It On Me" zu, wobei er wieder von Los Straitjackets begleitet wird. Die limitierte EP enthält zwei neue Originale von Lowe sowie ein Cover von Dorsey Burnette. Dazu haben Los Straitjackets Shocking Blues "Venus” (auch von Bananarama übernommen) ein ganz eigenes Klanggewand verpasst. Außerdem gibt es ebenfalls über sein US-Label Yep Roc ein bislang unveröffentlichtes Live-Album, das im April 2019 beim Gastspiel als „Quality Rock & Roll Revue Starring Los Straitjackets" in New York festgehalten wurde. Das Label kündigte an, vorerst jeden Freitag einen Konzertmitschnitt eines seiner Acts aus dem Archiv online zu stellen+++ Zum ersten Mal in seiner 46-jährigen Geschichte ist der „Rockpalast" ohne Zuschauer über die Bühne gegangen: Als die Blues-Rockerin Laura Cox am 13. März in der Bonner Harmonie auf der Bühne stand, war kein Publikum dabei+++ Die Frage der Namensrechte in Sachen Nektar ist juristisch zumindest für Deutschland und Europa geklärt: Die liegen in Deutschland bei Klaus Henatsch und seinen Mitstreitern beziehungsweise deren Manager Hartwig Komar (siehe GT 2/2020). Das hält die US-Besetzung mit den Originalmitgliedern Derek „Mo" Moore, Ron Howden und Mick Brockett nicht davon ab, Platten als Nektar zu veröffentlichen. Nach THE OTHER SIDE haben sie nun den nur digital erhältlichen Konzertmitschnitt LIVE FROM THE WILDLEY THEATRE nachgeschoben. Allerdings ist er bei Internetdiensten wie Amazon oder jpc nicht gelistet+++ Cherie Currie, einst Leadsängerin der Runaways, hat mit BLVDS OF SPLENDOR ein neues Solowerk am Start. Produziert hat Matt Sorum (Guns N’ Roses, The Cult), mitgewirkt haben Billy Corgan (Smashing Pumpkins), Slash und Duff McKagan sowie die Schauspielerin Juliette Lewis. Zu hören gibt es eine Neufassung von "Draggin’ A Line” (Tommy James), die Digitalversion des Albums enthält drei Bonustracks, darunter "The Air That I Breathe” (Albert Hammond)+++ Das ist ein eigenwilliges Gespann: KultGitarrist Jeff Beck und Schauspieler/ Gelegenheitssänger Johnny Depp (P, Holly wood Vampires). Die musikalischen Seelenverwandten haben in den vergangenen Jahren hinter den Kulissen intensiv an neuer Musik gebastelt und jetzt passend zur allgemeinen Stimmung die erste


Unsere Gewinner aus Heft 1/2020 Lösung – Kreuzworträtsel: HARD AND HEAVY CD Carl Carlton Wolf Nehrenheim, Geesthacht Alexander Reder, Linz (Österreich) Janina Friedrich, Wernigerode Vinyl Rod Stewart Michael Erich, Gudensberg Dirk Michael Drube, Uetersen Achim Krämer, Bad Pyrmont

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! gemeinsame Single veröffentlicht: ihre Interpretation des John-Lennon-Songs "Isolation". Mit Drummer Vinnie Colaiuta und Bassistin Rhonda Smith hatten sie die Nummer im vergangenen September bei Eric Claptons „Crossroad Guitar Festival" in Texas live präsentiert. „Ihr werdet demnächst noch mehr von Johnny und mir hören", kündigte Beck an+++ Covid-19 ist schuld daran, dass die Veröffentlichung des neuen Deep-PurpleAlbums WHOOSH! vom Juni auf den 7. August verschoben wurde. Ian Gillan, der selbst in Corona-Quarantäne war, begründete den Schritt mit „geschlossenen Verteilerleitungen" für den Verkauf physischer Tonträger+++ Anzeige

In ihrer aktiven Zeit von 1970 bis 1974 hatte die Nürnberger Musikkommune Lord's Family in ganz Deutschland live gespielt, aber nichts veröffentlicht. Quasi posthum erschien 2019 die 10-InchSingle „Innere Musik". Im Frühherbst wird eine CD folgen. Darauf zu hören sein werden erneut unveröffentlichte Aufnahmen von einst sowie mehrere Songs, die bei der Release-Party im Oktober vergangenes Jahr in Bamberg mitgeschnitten wurden+++ Zahlreiche Freunde haben Altmeister Dion bei den Aufnahmen für BLUES WITH FRIENDS unterstützt: Jeff Beck, Rory Block, Joe Bonamassa, Samantha Fish, Billy Gibbons, John Hammond, Sonny Landreth, Van Morrison, Brian Setzer, Paul Simon, Bruce Springsteen, Stevie Van Zandt und Joe Louis Walker sind auf der Scheibe zu hören. Die 14 Songs hat Dion (teils mit Co-Autoren) selbst verfasst, die Liner Notes stammen von keinem Geringeren als Bob Dylan. Zehn Prozent der Einnahmen gehen an die Keeping The Blues Alive Foundation+++ Beim Aufräumen in seiner Garage hat Doug Cosmo" Clifford, einst Schlagzeu" ger von Creedence Clearwater Revival, die Masterbänder seines 1985er Solo-Albums MAGIC WINDOW wiederentdeckt. Die Platte wurde allerdings nie veröffentlicht. Dies wurde nun korrigiert+++

Joe Grushecky war und ist ein Freund von Bruce Springsteen. Ian Hunter, Mick Ronson und Little Steven Van Zandt ließen es sich nicht nehmen, 1980 HAVE A GOOD TIME BUT GET OUT ALIVE zu produzieren, das Album, das Grush ecky mit seiner damaligen Band Iron City Houserockers veröffentlichte. Zum 40-jährigen Jubiläum gibt es das Werk jetzt mit einer Bonus-CD, die 16 bislang unveröffentlichte Demos enthält+++ Hinter den Kulissen war schon lange von dem Projekt gemunkelt worden, nun kommt das Tribute-Album zu Ehren von Marc Bolan tatsächlich. Für A N GE L H E A DE D HIPSTER haben Größen wie Elton John, U2, Joan Jett, Nick Cave, Peaches, Marc Almond, Donald Fagen, Bill Frisell, Wayne Kramer, Van Dyke Parks, Lucinda Williams, Gavin Friday, Nena, Todd Rundgren, Sean und Julian Lennon, David Johansen sowie Maria McKee BolanKlassiker neu interpretiert. Produziert hat das Ganze der kurz darauf verstorbene Hal Willner, erscheinen wird das Album Anfang September+++ Die am 13. März veröffentlichte ClannadAnthologie IN A LIFETIME zum 50. Bandjubiläum enthielt in einigen Formaten auch das Album RARITIES. Das ist jetzt auch einzeln als Digital-Release erhältlich+++ Natürlich konnte man die Veröffentlichung von "Living In A Ghost Town", des ersten neuen Songs der Rolling Stones seit acht Jahren, nicht verpassen. Noch interessanter sind aber Nebensätze von Mick Jagger und Keith Richards dazu: „Wir waren vor dem Lockdown im Studio und haben neues Material aufgenommen – es gab einen Song, von dem wir dachten, dass er in die Zeit, in der wir jetzt leben, gut passen würde", sagte der Sänger. Der Gitarrist ergänzte, man habe den Song für ein neues Album eingespielt+++ Ende Juli wird Yes-Gitarrist Steve Howe mit LOVE IS ein neues Solowerk veröffentlichen. Darauf sind fünf Instrumentalstücke und fünf mit Gesang zu hören, für die Howe selbst die Stimmbänder aktivierte. Yes-Vokalist Jon Davison sorgte derweil für die Gesangsharmonien, und Sohn Dylan Howe trommelte+++ Den Titel HATE FOR SALE wird das neue Pretenders-Album tragen, das ab 17. Juli erhältlich sein wird. Den Titelsong bezeichnete Chefin Chrissie Hynde „als unseren Tribut an die Punkband, die ich als die musikalischste in ihrem Genre betrachte – The Damned"+++


VERSTORBEN

22.3. Julie Felix (*14.6.1938) entwickelte sich schnell zur Folklegende. Die in Kalifornien geborene Musikerin blieb früh im UK hängen und wurde von der „Times" zu „Britain’s First Lady Of Folk" gekürt. Hierzulande war sie im „Beat-Club" zu sehen und trat bei den „Essener Songtagen" auf. Hatte ihre eigene BBC-TV-Show, in der sie Gäste wie Jimmy Page, Leonard Cohen und Dusty Springfield begrüßte. Sie lebte in diversen Weltgegenden, engagierte sich in Menschenrechtsgruppen und gab gelegentlich Konzerte. Sie starb nach kurzer Krankheit. 22.3. Gabi Delgado-López (*18.4.1958) betätigte sich als Sänger und Komponist, gründete mit Robert Görl zu NDW-Zeiten die Deutsch Amerikanische Freundschaft

24.3. Bill Rieflin (*30.9.1960) war MultiInstrumentalist, hatte seine Musikerlaufbahn in den 70er Jahren als Schlagzeuger von Bands wie Ministry, Revolting Cocks, KMFDM und Nine Inch Nails gestartet. Seine Wege kreuzten sich öfter mit denen von Robert Fripp, was neben gemeinsamen Projekten auch zu einer dreijährigen Mitgliedschaft bei King Crimson führte. Zudem trommelte der Mann aus Seattle als Angestellter von 2003 bis 2011 bei R.E.M. Er erlag seinem Krebsleiden. 24.3. Cy Tucker trat schon mit 13 Jahren in Liverpooler Pubs auf, sang kurz mit den (späteren) Beatles, danach Cilla Black und anderen Größen der Hafenstadt. Er wurde 76 Jahre alt, bis ihn als ersten Liverpooler Covid-19 dahinraffte. 26.3. Bill Martin (*9.11.1938 als William MacPherson) schrieb Gassenhauer, die nicht nur beim ESC abräumten, wie "Puppet On A String”, mit dem das UK 1967 erstmals siegte, oder "Congratulations” (Cliff Richard). Der Schotte belieferte (auch mit Co-Autoren) u.a. Van Morrison, die Dubliners, Serge Gainsbourg, The Bachelors, Dave Dee, Mireille Mathieu, Kenny, Slik und die Bay City Rollers mit Songs und betätigte sich auch als Verleger. 26.3. Neil Landon (*26.7.1941 als Pat Cahill) sang ab 1960 bei den in Dover beheimateten Rolling Stones (nicht zu verwechseln), bei den Cheetahs und Burnettes; er veröffentlichte 1965 erste eigene Singles, war bei The Ivy League, den Flower Pot Men als Sänger zu hören, ehe er mit Noel Redding und Jim Leverton 1968 Fat Mattress an den Start brachte und als Vorgruppe für die Jimi Hendrix Experience tourte. Seit 1974 lebte und wirkte er in Hamburg, wo er mit eigenen Formationen (und Alben), bei Rudolf Rock & Die Schocker und Musical-Engagements schnell zur lokalen Größe avancierte, bundesweit aber zeitlebens nie die angemessene Würdigung fand (siehe auch GT 6/2017). 28.3. Hans Wallbaum (*2.5.1949) trommelte fast ein Vierteljahrhundert bei der Seite

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sein Instrument auch in den Dienst von David Bowie, Chrissie Hynde, Morrissey, Tori Amos und Sinead O’Connor. Das Coronavirus sorgte dafür, dass er nur 64 Jahre alt wurde.

29.3. Alan Merrill (*19.2.1951 als Allan Preston Sachs) sang, spielte Gitarre und Bass, schrieb Songs und arbeitete als Schauspieler und Model. Der New Yorker spielte bei Left Banke und zog dann nach Japan, um dort solo und in diversen Bands Karriere zu machen. 1972 landete er in London, gründete die Arrows (einziger Hit: "Touch Too Much"), war Co-Autor und erster Sänger von "I Love Rock’n’Roll". Später arbeitete er mit Rick Derringer und Bob Bradbury (Hello) zusammen, ehe er zu den ersten CoronaOpfern zählte.

24.4. Hamilton Bohannon (*7.3.1942) galt als menschliche Rhythmusmaschine, spielte schon mit 13 Jahren in Stevie Wonders Tourband, begleitete zahlreiche Motown-Acts. Er komponierte, arrangierte und produzierte. Selbst räumte er mit Erfolgen wie "Disco Stomp" und "Let’s Start The Dance" ab. Zuletzt arbeitete er noch mit seinem gleichnamigen Sohn zusammen und verfasste seine Memoiren als Hörbuch.

30.3. Bill Withers (*4.7.1938) ging mit Erfolgen wie dem mehr als 300 Mal gecoverten "Lean On Me” und ”Lovely Day” in die Soulgeschichte ein. Der Spätstarter, der die Jobs bei der Army und als Automechaniker spät aufgegeben und sein erstes Album 1971 veröffentlicht hatte, engagierte sich in der Bürgerrechtsbewegung und kehrte 1985 angesichts ausbleibender Erfolge dem Musikgeschäft den Rücken, wurde aber 2015 in die Rock’n’Roll Hall Of Fame aufgenommen. Herzkomplikationen verursachten sein Ableben. 1.4. Adam Schlesinger (*31.10.1967) war in Bands wie Ivy und Fountains Of Wayne zu erleben, komponierte erfolgreich Filmmusiken, für Werbespots und wurde mit einem Grammy sowie mehreren Emmys ausgezeichnet, ehe er sich tödlich mit dem Coronavirus infizierte. 7.4. Steve Farmer (*31.12.1948) spielte an der Seite von Ted Nugent Gitarre bei den Amboy Dukes, beide verfassten 1968 den Top-20-Hit "Journey To The Center Of The Mind". Schrieb später Songs für andere und veröffentlichte gelegentlich Alben. Sein Ableben hing wohl mit dem Coronavirus zusammen. 7.4. Hal Willner (*6.4.1956) galt nicht nur als einer der erfolgreichsten, sondern auch vielseitigsten Musikproduzenten. Für Filmmusiken für das Haus Disney engagierte er Tom Waits, Suzanne Vega oder Sun Ra, brachte Debbie Harry im Studio mit Avantgardisten wie Bill Frisell oder Henry Threadgill zusammen. Er produzierte Lou Reed, Marianne Faithfull, Lucinda Williams, Allan Ginsberg oder Metallica, um nur einige zu nennen. Er entwickelte das Prinzip der Tribute-Alben, organisierte TV-Konzerte, Tribute- und thematische Veranstaltungen, bis ihn Covid-19 final stoppte und künftig daran hindert, die Grenzen zwischen E- und U-Musik und Avantgarde immer wieder zu sprengen.

17.4. Matthew Seligman (*14.7.1955) gehörte als Bassist den Soft Boys an, stellte n

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27.4. Obie Jessie (*28.12.1936) sang bei den Coasters, The Flairs und Debonaires, war Musical Director bei Esther Phillips und spielte mit seiner eigenen Jazzcombo oft in Europa. 27.4. Scott Taylor (*31.12.1961) spielte in den 80er Jahren Gitarre bei der englischen Alternative-Rock-Truppe Then Jericho. Er starb nach zweijähriger Krebserkrankung. 30.4. Tony Allen (*12.8.1940) trommelte ab 1964 in der Fela Kuti Band, ehe er seine eigene Gruppe gründete, außerdem mit King Sunny Adé, Manu Dibango, Damon Albarn und dem Detroiter TechnoPionier Jeff Mills arbeitete. Er überlebte ein Aneurysma nicht. 30.4. Florian Schneider-Esleben (*7.4.1947) ließ den zweiten Teil seines Doppelnamens früh weg, gründete mit Ralf Hütter 1968 in Düsseldorf zunächst die Organisation (da spielte er noch Querflöte), aus der Kraftwerk hervorgingen. Der technikbegeisterte Eigenbrötler galt als verschlossen, überließ Interviews den Kollegen, stieg 2009 aus und lebte sehr zurückgezogen.

© W. Wiggers

© Pressefoto

20.3. Kenny Rogers, (*21.8.1938) der Mann mit der rauchigen Stimme, nahm seine erste Single 1957 als Kenneth Rogers auf, agierte als Frontmann bei New Christy Minstrels und First Edition und verkaufte nicht nur in Country-Zirkeln mehr als 125 Millionen Tonträger. Auch in Deutschland hatte er dank seiner Hits "Lucille" und "The Gambler" Fans, kam aber aus finanziellen Erwägungen (so sein Manager Ken Kragen) nicht zu Tourneen hierher. Sein offizielles Abschiedskonzert gab der leidenschaftliche Golfer und professionelle Fotograf (mehrere Bücher!) am 25.10.2017 in Nashville. Zuletzt hatte der mehrfache Grammy-Gewinner zunehmende gesundheitliche Probleme.

24.3. Manu Dibango (*12.3.1933) stammte aus Kamerun, spielte Saxofon und Piano und sang. Aus der heimischen Tanzmusik Makossa und Jazz entwickelte er einen eigenen Stil, schaffte es auch in den USA in die Charts, avancierte zum Weltstar nicht nur der World Music. Er kooperierte mit vielen Kollegen. Bis Covid-19 zuschlug.

Hamburg Blues Band. 1969 hatte er sich Curly Curve angeschlossen, heuerte 1981 bei Interzone an, trieb Stoppok mehrere Jahre an. Er erlag einer Krebserkrankung, die Ende 2019 diagnostiziert worden war.

© NikMa Verlag

14.3. Genesis Breyer P-Orridge (*22.2.1950) betätigte sich als Autor, Musiker und Performance-Künstler, galt als AvantgardeIkone, nicht zuletzt durch das Schaffen mit den Experimentalbands Throbbing Gristle („Entertainment through pain") und Psychic TV. Zuletzt definierte er/ sie sich als Angehörige des dritten Geschlechts, bis der Krebs zuschlug.

(DAF), die neben Kraftwerk und Can zu den einflussreichsten Elektronik-Acts zählten. Der musikalische Visionär liebte es zudem, mit seiner Musik zu provozieren, man denke nur an "Tanz den Mussolini". Er veranstaltete mit WestBam House-Partys in Berlin und wollte im Mai eigentlich mit DAF auf Tour gehen. Doch zuvor starb er in einem portugiesischen Krankenhaus.

© Pressefoto

7.3. Keith Olsen (*12.5.1945) hatte auf seiner Erfolgsliste als Toningenieur und Produzent sechs Grammys, 125 Alben (14 Mal Multiplatin, 24 Mal Platin, 39 Mal Gold) und 40 Jahre Studio-Erfahrung stehen. Er startete seine Laufbahn als Bassist für Country-Star Jimmy Rodgers, spielte Kontrabass in Folk- und Jazz-Bands in Minneapolis, und ihm gelang als Bassist mit Music Machine der Hit "Talk Talk". Bekam von Brian Wilson höchstpersönlich Produktionstipps, die er in den folgenden Jahren um eigene Erfahrungen erweiterte. Er arbeitete mit Fleetwood Mac, Ozzy Osbourne, Grateful Dead, Whitesnake, Rick Springfield, Pat Benatar, Heart, Santana, Saga, Foreigner, Magnum, Journey, Emerson, Lake & Palmer, Joe Walsh, Eric Burdon & The Animals, Jethro Tull, den Scorpions, Bad Company, Sammy Hagar und vielen anderen. 1996 gab er das Produzieren auf, um sich der Entwicklung von Surround-Sound-Mixen und digitaler Kommunikationstechnik zu widmen.

1.5. Will Theunissen (*30.6.1954) gründete als Gitarrist in den 70er Jahren in den Niederlanden die Jazz-Rock-Gruppe Elevator, war danach in der Frank Boeijen Group aktiv. 3.5. Bob Lander (*11.3.1942) mischte als Gitarrist bei The Rebels, The Frazers, Rock-Teddy & The Blue Caps und vor allem den Spotnicks mit, mit denen er 2019 noch auf Welttour war. 3.5. Dave Greenfield (*29.3.1949) versuchte sich zunächst in Deutschland an einer Karriere als Musiker, zeichnete dann ab 1975 bei den Stranglers als Keyboarder, gelegentlicher Leadsänger und zusätzlich auch als Komponist für die verkaufsträchtigen Nummern wie "Golden Brown" verantwortlich. Während eines Krankenhausaufenthalts wegen akuter Herzprobleme fing er sich das Coronavirus ein, was er nicht überlebte.


Der Architekt des Rock'n'Roll ist tot Als Erfinder des Rock’n’Roll wurde Little Richard gewürdigt, als am 9. Mai auch in den großen Nachrichtensendungen hierzulande von seinem Tod berichtet wurde. Er war der Mann, der in den 50er Jahren nicht nur die Musikwelt in Aufruhr versetzte, Kollegen wie Jerry Lee Lewis, Chuck Berry oder Elvis Presley inspirierte und später auch lautstark mit ihnen konkurrierte. Schließlich hatte der am 5. Dezember 1932 als Richard Wayne Penniman geborene Musiker bereits 1955 mit "Tutti Frutti" (und dem darauf zu hörenden Urschrei „A-wop-bop-a-loo-bop-a-wopbam-boom!") entscheidende Weichen gestellt, mit Fats Domino und Berry ein neues Genre geschaffen. Mit "Long Tall Sally", "Good Golly Miss Molly" und "Keep-AKnockin’" hatte der charismatische Showman weitere Hits, kam aber mit Phasen der Erfolglosigkeit nicht immer klar. Zumal er lange mit seiner Sexualität zu kämpfen hatte, auch damit, dass ihn seit Vater mit 15 Jahren aus dem Haus gejagt hatte, weil er Kleider und Make-up seiner Mutter anlegte. Er tat sich schwer, bezeichnete sich 1995 in einem „Penthouse"-Interview als schwul, 2007 als bisexuell, später auch als „omnisexuell". Zweimal zog sich Little Richard von der Musik zurück, suchte sein Heil in Drogen, dann als wiedergeborener Christ in der Religion – und kehrte doch immer wieder

auf die Bühne und ins Studio zurück. Er versuchte sich auch an Country, vermengte Gospel, Blues und Boogie – und blieb im Herzen doch immer Rock’n’Roller, der von späteren Generationen auch gerne mittels Samples „beklaut" (oder gewürdigt) wurde. In den letzten Jahren hatte er zunehmend gesundheitliche Probleme. Am Ende erlag Little Richard einem Krebsleiden. Im folgenden Auszüge eines Telefoninterviews, das GoodTimes-Mitarbeiter Philipp Roser am 21. August 1991 im Vorfeld einer Deutschland-Tournee geführt hat und das zwischen den Zeilen einiges über den Künstler mit den wilden Frisuren aussagt. In den letzten Jahren hat man wenig von dir gehört – was hast du getrieben? Ich war sehr beschäftigt, ich habe sehr viele Sachen gemacht: Commercials, Filme, die große Erfolge waren. Ich habe Videos gemacht, die ebenfalls sehr erfolgreich waren, und ich war viel im Fernsehen. Ich bin in Amerika sehr erfolgreich! Hast du diese Commercials für Taco Bell und Commodore aus finanziellen Gründen gemacht? Es hat mir einfach Spaß gemacht. Aber lass mich etwas fragen: Sind die Leute in Deutschland denn scharf darauf, uns zu sehen? Werden sie in größerer Zahl zu den Shows kommen?

Ja! Du warst ja sehr lange nicht mehr hier! Viele, viele Jahre! Es ist schon so lange her, dass ich in Deutschland war, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnern kann! Ich wäre ja gekommen, wollte aber nicht fliegen, weil ich das nicht gerne mache. Meine Onkel fliegen ebenfalls nicht, mein Onkel Willie fliegt nie, er fährt lieber mit dem Zug oder dem Greyhound. Wie machst du es diesmal? Ich habe lange nachgedacht und beschlossen, dass ich einfach kommen muss! Ich bringe meine zwei Brüder mit rüber. Deutschland ist ein schönes Land, und dort ist es immer sehr gut für uns gelaufen. Weißt du, die Beatles haben damals in Hamburg mit uns gespielt, als sie gerade am Anfang ihrer Karriere standen. Auch The Swinging Blue Jeans, Mick Jagger war mit uns auf Tour. Jerry Lee Lewis war vor einem halben Jahr hier, Chuck Berry war auf Tour ... Haben sie Leute gezogen? Ja, die Hallen waren voll. Okay, aber ich denke, dass es bei uns noch voller werden wird, weil wir schon so lange nicht mehr da waren. Bo Didd© H. Ölschlegel, 1999, Circus Krone

Little Richard

ley war auch oft bei euch drüben unterwegs – aber die Leute haben den Urheber (Originator), den Architekten lange nicht mehr erlebt – und ich bin der Architekt des Rock’n’Roll, ich habe ihn gestartet! In deiner Bio wirst du zitiert, dass du inzwischen deinen Frieden mit dir selbst gemacht hast, dich sicherer fühlst und helfen willst, ein wenig Frieden zu verbreiten – was meinst du damit? Ich verbreite Freude und Frieden bei allen Menschen, und das überall! Ich will die Leute so wissen lassen, dass es Zeit für uns ist, uns gegenseitig zu lieben! Wir bringen die Botschaft der Liebe. Meinst du, dass ein Musiker oder Entertainer wie du helfen kann, diese Botschaft zu verbreiten? Ohne jeden Zweifel! Und ich fühle mich richtig gut, wenn ich die Pianotasten berühre. Magst du die Art und Weise, wie ich Piano spiele? Stehst du auf Rock'n'Roll? Ja? Ich spiele immer noch fetzig – hörst du es (legt wild an seinem Flügel los)? Klingt wirklich frisch! Ich werde schreiben, dass du für mich gespielt hast! Ja, ich habe live für dich von Hollywood aus gespielt! Und in den Shows werde ich alle meine Hits spielen! Ich werde auch ein bisschen Country machen, aber ich werde in erster Linie rock’n’rollen!

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RORY GALLAGHER Von Jens-Uwe Berndt

Foto: © Jim Summaria

Die Liebe zur Bühne kostete ihn das Leben Rory Gallagher war ein Anti-Star. Nein, nicht jemand, der sich vehement gegen den Star-Ruhm stellte oder eben Attitüden an sich hatte, die ihn als Identifikationsfigur für tausende Rockfans ausschlossen. Vielmehr galt er als sehr bodenständig. Seine Anhänger – viele davon geradezu hingebungsvoll – sahen in ihm immer "einen von uns". In der zweiten Hälfte der Sechziger auf der Bildfläche erschienen und in den Siebzigern musikalisch eine Macht, entzog er sich komplett dem Glamour, machte um sich und seine Musik weder ein Geheimnis noch viel Aufhebens. Und doch erlangte er neben seiner immensen Bedeutung als Gitarrist sogar eine Bedeutung im sogenannten Mainstream und damit kommerzielle Relevanz.

Der jüngst verstorbene WDR-„Rockpalast"-Begründer Peter Rüchel schrieb in seinen „Erinnerungen"

Foto: © Grumann, NikMa Verlag

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n einer Zeit, in der die Bühnenpräsentationen der angesagtesten Acts immer opulenter und ausufernder wurden, galt Minimalismus als Markenzeichen und stand nicht etwa für ein fehlendes Image. Status Quo waren das beste Beispiel. Die Boogie-Rocker machten ihr Alltags-Outfit zu einem bewussten Gegenentwurf zu den Glam-Rockern vom Schlage Sweet oder T.Rex. Und musikalisch wurde unablässig schweißtreibend gerockt, während die Musiker hinter ihren Haarvorhängen die Köpfe im Rhythmus wiegten. Rory Gallagher, der Blues-Rocker aus Irland, agierte ähnlich: rauf auf die Bühne, Gitarre geschnappt und beseelt jeden Abend das beste Set der Karriere abgeliefert.

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(2009): „Für Rory gab es nichts anderes als Musik. Er lebte für den Auftritt auf der Bühne. Und wo keine Bühne war, schuf er sich eine." Gallagher eröffnete am 23. Juli 1977 die erste „Rockpalast"-Nacht in der Essener Grugahalle und blies weg, räumte ab, ließ keinen Stein auf dem anderen. Floskeln umrissen schon damals nur annähernd, was Rory Gallagher und Band live abzuliefern imstande waren. Wie zigtausend andere Rockfans in Ost und West saß damals auch Ola Van Sander vor dem TV-Gerät. Er war 14 Jahre alt, und wie seine Kumpel stand Gier auf Glam Rock. Und auf die „herrschenden Gi tarristen" Jimmy Page und Ritchie Blackmore. Der Tipp für die Übertragung der Rocknacht kam aus dem Freundeskreis – und ganz speziell wegen Rory Gallagher. Der Jungspund wurde gepackt. Und das so sehr, dass er quasi seine gesamte musikalische Karriere auf Rory Gallagher aufbaute. Heute zählt Pender Rostocker Musiker mit seiner Gruppe Bad Pen ny zu den besten Vertretern, die das musikalische Schaffen des Iren bewahren und sich davon inspirieren lassen. Mehrfach spielten Fes-sie auf dem Gallagher Fes tival in der Geburtsstadt des Musikers, Ballyshannon, und waren zur Premiere des Buches „Rory Gallagher" von Jean-Noel Coghe als FrankLive-Act nach Lille in Frank reich eingeladen worden. n

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In Peter Rüchels „Erinnerungen" leiten sie gar das Kapitel „Erinnerung nach vorn" ein. Rüchel schrieb hier: „Bei einem Straßenfest habe ich neulich Neil Youngs 'Like A Hurricane' gehört. Von einer jungen Band aus Rostock eins zu eins und so gut nachgespielt, dass es mich mitten ins Herz getroffen hat. Diese Band, Bad Penny, hat mir von ihrer ,Rockpalast'-DDR-Sozialisation erzählt und wie viel ihnen die Konzerte von Rory Gallagher bedeuteten. Seine Musik ist in ihren Konzerten gegenwärtig: erster Song 'A Million Miles Away', letzter Song 'Shadow Play'."

intensiver mit den Hintergründen des speziellen Flairs von Rory Gallagher. „Das ist nur auf den ersten Blick normaler Blues Rock", sagt er. „Hört man ein zweites Mal hin, entdeckt man die irischen Wurzeln und erkennt zum Beispiel, dass die Melodieführung in den Songs von Rory Gallagher anders gestaltet ist als bei typischen Vertretern des Genres wie zum Beispiel Canned Heat oder Ten Years After."

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Rory-Gallagher-Discographie

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1980 hatte der Gitarrist und Sänin GoodTimes Edition Discographien ger aus Norddeutschland seine Vol. 10 – siehe Shop Seite 29 erste Band gegründet, was bebe reits unter dem Eindruck des gerade erschienenen Live-Albums STAGE STRUCK geschah, das gemeinhin als akustische Fan-Bibel „Gallagher machte damals auf mich den gilt. „Das war die Hochzeit des New Wave und Punk", sagt Van Eindruck, er sei einfach so wie ich und Sander. „Und Blues Rock war eigentlich nicht gerade das Gebot der meine Freunde", erinnert sich Ola Van Stunde. Aber Rory verband die Energie des Sander an diese erste TV-Nacht von Punk mit einem unglaublichen Können. 1977. „Das war ein ähnliches Phänomen Wenn man diese Platte hört, stellt man fest, wie bei Bruce Springsteen." Und trotz dass er mit der Gitarre machen konnte, was dieser Attitüde des Typen von nebenan, er wollte." Als er mit seiner ersten ernst zu habe der Gitarrist auf einem unfassbar nehmenden Gruppe, Mister Taste, 1985 zur hohen Niveau gespielt. Er habe von der Bad Penny 2020 (v.l.): Peter Möller (keys, acc), Einstufung (Spielerlaubnis und Gagenhöersten bis zur letzten Minute gefesselt, Ola Van Sander (voc, g), Fiete Blümel (dr) Gagenhö he) spielte, habe er das gesamte Material von STAGE daohne seinen Auftritt mit Showeffekten aufpeppen zu müssen. Und genau da STRUCK draufgehabt. rin lag der Kern der Faszination: Rory Gallagher war ein Bühnentier. Schon in der ersten Hälfte der 70er Jahre sprachen Musikjournalisten von der „geschunUnd wenn Van Sander von einer Punkenergie spricht, denen Stratocaster", die Gallagher spiele. Nach seinem Tod 1995 wurde gern trifft er den Nagel beim ersten Schlag punktgenau. kolportiert, dass der Ire bis zuletzt ausschließlich eben genau dieses InstruZum Beispiel ist "Wayward Child" ein krachharter ment aus seiner Anfangszeit gespielt habe. Allerdings nutzte Rory Gallagher 10 0 - M e t e r- L a u f natürlich eine ganze Reihe von Gitarren. bei vollem Energieschub. Mit solch einem Am Ende sahen die allerdings alle so aus, Tempo haben nur wenige Blues-orientierte als handle es sich um die einzige heilige Musik durchs Ziel gepeitscht. "Moonchild" Klampfe, die sich der Gitarrist bereits in den und "Hellcat" machen hörbar, weshalb 60er Jahren zugelegt hatte. damals Hard-Rock-Fans ebenso Gefallen an Rory Gallagher fanden wie puristische Seinen Livestatus begründete Gallagher Blues-Rocker. Und warum die Irish-Folkbereits mit der Band Taste, die er 1966 gelastigen Bad Penny ausgerechnet den gründet hatte und die mit ihm bis 1970 exisgleichnamigen Song als Bandnamen wähltierte. Die bedeutendsten dokumentierten wähl ten, liegt in deren Hang zu eben jenen iriAuftritte bestritt er mit Richard McCracken iri schen Wurzeln des Musikers begründet. (b) und John Wilson (dr), die 1968 für die Gründungsmitglieder Eric Kitteringham (b) Taste waren spätestens 1969 geradezu exund Norman Damery (dr) gekommen waren. ex plodiert. In jenem Jahr begann auch die meExemplarisch dafür war der Taste-Auftritt me diale Debatte um Starruhm oder eher nicht. beim „Isle Of Wight Festival" von 1970, als Das war allerdings ein von den Magazinen die Gruppe eigentlich schon in ihren letzhausgemachtes Thema, um Rory Gallaghers ten Zügen lag. Von Gallagher ging eine Normalität in den Mittelpunkt zu rücken. sprühende Energie aus, und der gerade mal Denn eine große Nummer war der Ire, der 22-jährige Gitarrist zeigte eher so nebenbei, die meiste Zeit seines Lebens in Cork zu dass er einer der Besten seines Fachs war. Hause war, ohne Frage. So einer musste doch irgendwie verschroben sein – wenn Natürlich basierte das Meiste, was Taste er schon auf der Bühne ganz ohne Allüren und später Rory Gallagher als Solokünstler auskam. Dem war aber nicht so. Gallagher präsentierten, auf Blues. Aber schon in den überraschte die Journalisten immer wieder mit einer entwaffnenden AusAus Jahren als wild rockendes Trio, das ganz explizit für die „Farewell Concerts" kunftsbereitschaft. Und wenn er von seiner Sehnsucht nach den Freunden und von Cream in der Royal Albert Hall 1968 als Support ausgesucht worden war, Nachbarn in Cork sprach, klang das so verdammt authentisch! In einem Interzeigte sich, dass die Iren eben nicht mit der Unmenge view von 1974 sagte der Gitarrist einmal: „Wenn ich Aufsehen erregen wollte, an Blues-Rock-Formationen zu vergleichen waren. Der dann könnte ich meinetwegen Opener des ersten Taste-Albums TASTE (1969), "Blister mit einem knallgrünen Cape On The Moon", drückte als satter Hard-Rocker aus der und einem breiten, rot gefärbten Anlage. Und auch wenn der Rest tief durch den Blues Streifen im Haar herumlaufen. watete, bekam man keine Dutzendware. Noch stärker Wichtiger ist mir aber, dass ich als mit Taste wurde Gallaghers Besonderheit auf seinem mich frei bewegen kann." ersten Solo-Album RORY GALLAGHER (1971) deutlich. Zum Beispiel das Zeppelin'sche Folkstück "Just The Smile" oder die unruhige Das klappte ganz gut. Dort, wo man ihn erkannte, klopfte man ihm auf die Nummer "Hands Up". Der Slidekracher "Sinner Boy" wurde zum Klassiker, "It's Schulter, fragte nach einem Autogramm oder hielt einen kurzen Plausch. DieYou" sah den Iren sogar im Country. An Ideen für die Gitarrensolos sprudelte ser Status änderte sich eigentlich nie, da mochte der unverwechselbare Gitarrist Gallagher über, und die Melodien hatten immer irgendwie eine ungewöhnliche noch so oft touren oder mit Titelgeschichten in Musikmagazinen auftauchen. Wendung. Sein Leben hätte sich allerdings geändert, wäre er Bestandteil einer jener Bands geworden, die ihn als Gitarristen ins Auge gefasst hatten – die Rolling Stones. Ola Van Sander hat diese Besonderheit sofort wahrgenommen, ohne dafür Die testeten nach dem Weggang von Mick Taylor 1975 in Rotterdam eine ganunmittelbar eine Erklärung gesucht zu haben. Wenn man als Halbwüchsiger ze Reihe von namhaften Klampfern. Rory Gallagher gehörte dazu. Allerdings Musik liebt, geht sowieso alles über Emotionen. Später beschäftigte er sich GoodTimes 3/2020

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Im selben Jahr dachten auch Deep Purple über Rory Gallagher nach. Mehr übrigens nicht, auch anwenn an anderer Stelle immer wieder behauptet wird, der Ire sei offiziell an gefragt worden. Ritchie Blackmore hatte das einstige HeavyRock-Flaggschiff verlassen, weil ihm unter anderem die Hinwendung zu Soul und Funk nicht mehr behagte. Zuerst hatte man in den Reihen der Verbliebenen die Option Jeff Beck auf dem Schirm. Danach brachte David Coverdale Rory Gallagher ins Spiel. „Ich gehörte einer lokalen Band an, als wir in Peterlee im Blues-Club Argus Butterfly für The Taste eröffneten", erzählte der Sänger damals. „Ich erinnerte mich an ihn als einen Ausnahmemusiker, einen großartigen weißen Bluesinterpreten und sehr anständigen Kerl. Aus irgendeinem Grund wurde Rory jedoch nicht weiter besprochen. Ich denke immer noch, dass es interessant gewesen wäre."

(dr) sowie Lou Martin (keys) und behielt nur Bassist Gerry McAvoy, um dann lediglich Ted McKenna ans Schlagzeug zu holen. Es ging eindeutig um ein neues Feeling, eine neue Arbeitsweise. Er wollte zurück zur Energie des Powertrios, wie sie einst bei Taste vorgeherrscht hatte. Das Ergebnis, das 1978 mit PHOTO-FINISH vorlag, gab ihm Recht. Im Vergleich zu dem 2011 posthum veröffentlichten NOTES FROM SAN FRANCISCO, dem von Gallagher entsorgten Album, verströmte PHOTOFINISH eine komplett andere Atmosphäre. ErdiErdi ger, leichter, schmutziger … Interessanterweise ist das bei dem schleppenden Blues "Fuel To The Fire" besonders deutlich auszumachen. Die von Gallagher verschmähte Version ist schlichtweg lahm. Und obwohl das Stück auf PHOTO-FINISH keinen Deut schneller gespielt wurde, hatte es Saft. Die Melodie, die einem auf NOTES egal zu sein scheint, fräst sich von dem Powertrio gespielt geradezu in die Gehörgänge. Gallagher-FaGallagher-Fa natiker Ola Van Sander beschäftigt sich gerade mit solchen Nuancen im Katalog seines musikalischen Helden. „Das macht auch das Genie aus: zu wissen, wenn das eigene Produkt nicht gut genug ist", sagt er. „Im VerVer gleich waren die Entsorgung der ersten AufnahAufnah men und der Austausch der Musiker der richtige Schritt, denn das dann veröffentlichte PHOTOFINISH hatte radikal gewonnen." Musik für die Singlecharts erschuf Rory Gallagher nie. Für ein Publikum, das sich voll Begeisterung immer wieder 45er-Vinyl auf den Plattenteller legte und bestimmte Songs unentwegt reinzog, bis der Text saß, war das raue Material des manischen Gitarristen unun geeignet. Obendrein war nicht von der Hand zu weisen, dass Gallagher nicht gerade einen Pokal für den besten Gesang gewinnen konnte. Aber auch hier konnte sich der Musiker seiner treuen Anhängerschaft sicher sein. Denn die liebte (und das ist laut einschlägigen Foren im Netz immer noch so) sein Organ eben wegen genau dieser unun verwechselbaren Kantigkeit. Mit den Jahren verlor sie an Intensität und Kraft und überschlug sich bei Auftritten manchmal. Das ist sicher natürlicher Verschleiß, allerdings hatte Gallagher mit ganz anderen Problemen als dem Alterungsprozess zu kämpfen. Und diese Probleme kosteten ihn nicht nur seine Stimme und die Fähigkeit, Gitarre zu spielen – Gallagher verlor seine AusAus strahlung. Foto: © Jim Summaria

wird darum heute mehr Wind gemacht als nötig. Rorys Bruder und Manager Donal Gallagher erzählte vor Jahren in einem Interview, wie der Gitarrist allein nach Rotterdam gereist sei und gemeinsam mit den Stones gejammt habe. Vor allem Mick Jagger hatte Gefallen an dem Karohemdträger gefunden, weshalb er vom Stones-Management auch direkt eingeladen worden war. Nach den gemeinsamen Sessions entließen die Stones Gallagher allerdings ohne ein Wort, was ihn am nächsten Tag dazu veranlasste, wieder abzureisen. Immerhin stand eine Japan-Tournee an. An der Rezeption soll er einen Zettel hinterlassen haben: „Wenn Ihr mich wollt, werdet Ihr Euch melden." Zu diesem Zeitpunkt hatte Rory laut Donal Gallagher aber schon gewusst, dass bei ihm gar kein Interesse an einer Stones-Mitgliedschaft bestand. Zum einen habe ihm die Arbeitsweise der Rolling Stones, stundenlang an einem Song zu feilen, nicht gefallen, zum anderen sei Rory Gallagher ob der qualitativen Kluft zwischen ihm und Keith Richards klar gewesen, dass sich da nie eine Chemie entwickelt hätte. Absagen musste der Ire aber nicht, denn von den Stones meldete sich niemand.

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Trotz seiner „Netter-Kerl-Attitüde" wechselte Rory Gallagher über die Jahre hin und wieder seine Mitmusiker aus. Bei Taste war der Schnitt 1968 sehr auffällig gewesen, als er gleich beide Mitstreiter austauschte. Bei dem Kumpeltypen hatte es aber tatsächlich kaum etwas mit zwischenmenschlichen Animositäten zu tun. Es ging fast ausschließlich um die Musik, denn einige Male hatte Gallagher das Gefühl, seine aktuelle Mannschaft könne ihm nicht in die neuen Dimensionen folgen. Bestes Beispiel dafür ist das Jahr 1977, als er ein in San Francisco produziertes Album komplett in die Tonne warf und sich dabei sowohl mit Manager Donal als auch mit seiner Plattenfirma anlegte. „Es lag nicht am Material oder den Musikern oder so etwas", flunkerte Gallagher später in einem Interview. „Es war ein Song-Ding. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es aus technischer Sicht funktionierte." Aber statt sämtliche Songs auszutauschen, feuerte Gallagher seine Mitmusiker Rod de'Ath n

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1992 meinte der Gitarrist in einem Interview mit „Hot Press", dass er in seiner Karriere mehr getourt habe, als gut für ihn gewesen sei. „Ich war mehr auf Tour als jeder andere Künstler in Europa", sagte er. Nie habe er eine Familie aufauf bauen oder soziale Bindungen pflegen können. Denn die Fähigkeit zu geben sei bei jedem Menschen begrenzt – physisch wie psychisch. „Blues ist schlecht für die Gesundheit", erklärte Gallagher. Viele der ganz großen schwarzen Bluesmusiker seien Alkoholiker gewesen. Und wenn sie aufgehört hätten zu saufen, hätten sie an Faszination eingebüßt, ihre Musik sei auch nicht mehr so gut gewesen. „So sind Trinken und Blues eng miteinander verbunden, eines nährt das andere." Er selbst ernährte sich zeitweise förmlich vom Alkohol. Hinzu kam ein exorbitanter Tablettenmissbrauch. Da waren die Gifte am Abend, um einschlafen zu können, und die am Morgen, um wieder wach zu werden, fast schon Routine.


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Ola Van Sander erlebte den von ihm so verehrten Musiker zum ersten Mal 1992 in Bremen. „Als Ostbürger waren wir viel zu früh vorm Aladin eingetroffen und saßen in unserem Auto, als eine Limousine vorfuhr", erinnert sich der Gitarrist und Sänger. „Plötzlich stieg Rory aus, und wir rannten sofort hin und bestürmten ihn. Und wir sagten all diese Floskeln, die man in solch einer Situation so sagt." Und alles sei gewesen, wie er es sich ausgemalt habe: Rory Gallagher sei freundlich und bodenständig gewesen, habe wie ein Kumpel auf alle Fragen geantwortet, und zum Abschied habe man sich auf die Schultern geklopft. „Während des Konzerts entdeckte er mich in der ersten Reihe und kam auf mich zu, um zu fragen, wie mir der Auftritt gefalle. Ich war völlig perplex. Es war ein unglaubliches Erlebnis."

Zwei Jahre später sah Van Sander sein Idol noch einmal im August in Hamburg im Stadtpark. Zu jenem Zeitpunkt war dessen Leberzirrhose schon so weit fortgeschritten, dass von dem alten Rory Gallagher nichts mehr übrig war. „Es war ein sehr schlechtes Konzert", erinnert sich der Hansestädter an den Auftritt. „Rory war total fahrig, es war schlimm mit anzusehen. Ständig hat er sich verspielt, was ihn wütend machte, so dass er seine Gitarre zerstören wollte. Schließlich setzte er sich sogar ans Klavier … ja, ans Klavier … und wir reden hier von dem Gitarrengenie Rory Gallagher." Das Genie war verlorengegangen, der Musiker am Ende. Alkohol und Tabletten hatten seinen Körper zerstört. Darüber hinaus kämpfte er inzwischen mit schweren Neurosen. So konnte er zum Beispiel kein Zimmer bewohnen, ohne darin sämtliche Gegenstände geradezurücken.

The Absence of Presence

VÖ: 26.06.2020 In diesem Sommer werden KANSAS ihr 16. Studioalbum „The Absence of Presence“ veröffentlichen. Das breitgefächerte Progressive Rock-Album knüpft an das Vorgängeralbum „The Prelude Implicit“ an. Das Album ist erhältlich als Limited CD+Blu-Ray Artbook, Special Edition CD Digipak, Gatefold 2LP + CD und als digitales Album

Wie bei jedem Musiker, der an Drogenkonsum oder Alkoholismus zugrunde geht, stellte sich auch bei Rory Gallagher die Frage, was zu dieser teuflischen Symbiose Genie und Wahnsinn geführt hatte. Seine Fans, die die Entwicklung Gallaghers mit Argusaugen beobachteten, haben fast einhellige Antworten parat, wenngleich bei dem irischen Gitarristen mehrere Lebensumstände dazu geführt haben dürften, dass er in den letzten Jahren seiner Karriere unter schweren Depressionen litt. Auch darüber hat Van Sander sich seine Gedanken gemacht. „Ich gehöre nicht zu den Vertretern, die automatisch eine Verbindung zwischen überdurchschnittlichem Musiker und Drogenkonsum herstellen", sagt er. „Aber ein Musiker, der beinahe jeden Tag auf der Bühne steht – an manchen sogar zweimal –, unterliegt einem immensen Druck. Denn in Pujedem Konzert möchte er sein Bestes geben, das Pu blikum zufriedenstellen. Gelingt das nicht, beginnen die Selbstzweifel. Dann kam bei Rory hinzu, dass er nie eine beständige Beziehung zu einer Frau aufbauen konnte." Gallagher selbst hatte Ende der Achtziger immer wieder bitter festgestellt, dass sich die Musikpresse nicht mehr für ihn interessiere, obwohl er weiterhin gute Alben abliefere und unentwegt toure. Trotz AntiStar-Haltung fehlte ihm die mediale Anerkennung. Gute Alben gab es. Allerdings tat sich Rory Gallagher schwemit der Produktion von neuem Material weitaus schwe rer als noch in den Siebzigern. So erschienen mit JINX (1982), DEFENDER (1987) und FRESH EVIDENCE (1990) nur drei neue Studioplatten. Und diese unterschieden sich streckenweise deutlich von dem, was den Gitarristen GoodTimes 3/2020

VÖ: 12.06.2020 Das legendäre Live-Album ist nun endlich auf Vinyl erhältlich und erscheint mit neuem Mastering, welches transparenter und brillanter klingt als die Originalversion. Erlebt die Genesis-Klassiker in neuer Qualität! Erhältlich als 3LP & 2CD im Gatefold sowie als digitales Album!

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berühmt gemacht hatte. Die neue Heavy-Metal-Welle war an ihm genauso wenig vorbeigegangen wie der Punkboom. Vor allem JINX war außerordentlich HardRock-lastig, und "The Devil Made Me Do It" konnte gut und gern als Punk durchgehen. Die bluesigste Nummer war dann auch eine Coverversion: "Ride On Red, Ride On". DEFENDER war im Sound noch etwas fetter als der Vorgänger, hatte dabei aber wieder etwas stärker den Blues im Fokus: im Großen und Ganzen ein exzellentes Album. FRESH EVIDENCE klang mit seiner Rückbesinnung auf alte musikalische Werte wie aus der Zeit gefallen und zeigte einen kreativ sehr sattelfesten Künstler. herWas er – wie sich mit Blick auf die Produktionsdauer und Selbstzweifel her ausstellte – zu jenem Zeitpunkt gar nicht war. Stücken wie "Alexis" hörte man das aber nicht an.

Denn „sie sind das, was sich Rory immer gewünscht hat und ich an ihnen schätze: sie selbst". 2004 spielten Van Sander und Co. auf dem Ballyshannon-Festival, als ehemalige Gallagher-Musiker dort gemeinsam auftraten. Als Gallagher-Keyboarder Lou Martin wegen Krankheit ausfiel, holte sich die Truppe Penny-Tastenmann Peter Möller ins Line-up. Und der drückte sich die Setlist in Lichtgeschwindigkeit drauf – vieles davon kannte er ja bereits. Tourneen durch Irland gehören seit der ersten Hälfte der 90er Jahre zum Selbstverständnis der Nordlichter. Und auf der grünen Insel ist man von den „Erben Gallaghers", wie Marcus Connaughton in „Rory Gallagher – His Life And Times" schrieb, schier begeistert. Sogenannte Tribute-Bands gibt es eine ganze Reihe. Zum Beispiel das PowerPower trio The Loop, das 1993 als Blues-RockTruppe gegründet worden war, sich später aber ausschließlich auf Gallaghers Musik einschoss. Im Oktober ist ein Auftritt in Nörgelbuff, Göttingen vorgesehen. Oder Blueprint. Die gibt es seit 2012. Live-AkLive-Ak tivitäten für die mögliche Zeit nach der Corona-Veranstaltungssperre liegen bisbis her nicht vor. Die Thüringer von Double Vision verkünden stolz, längst nicht mehr nur Gallaghers Songs zu reproduzieren, seien doch bereits mehrere CDs mit eigeeige nen Material erschienen – jüngst PURE 'N SIMPLE. Von den geplanten Livegigs sind – wenn überhaupt – kaum welche relerele vant, liegen die Termine doch alle im SomSom mer. Gerry McAvoy, langjähriger Bassist, hält mit seiner Band Of Friends die Musik Gallaghers ebenfalls am Leben. Unter UmUm ständen im September könnte in Hamburg die Gruppe Top Priority zu sehen sein – eine reine Tribute-Band. Den „Spirit Of Rory Gallagher" wollen nach eigener AusAus sage auch Remember Rory hochhalten.

Zuletzt war Rory Gallagher live nur noch ein Name aus einer längst vergangenen Zeit. Die Konzerte waren meist eher dürftig, manchmal soll er vor Erschöpfung zusammengebrochen sein. In Holland lieferte er im Januar 1995 seine letzten Auftritte ab. Dann kam er ins Krankenhaus, überstand eine LebertransplantaLebertransplanta tion. Sein Körper war allerdings so geschwächt, dass ihn die letzte von vier in kurzer Zeit aufeinander folgenden Lungenentzündungen das Leben kostete: Am 14. Juni 1995 starb der Musiker im King's College LonHospital in Lon don. Die Musikwelt trauerte. In Erinnerung blieben große RockMomente der Rock geschichte, einige davon magisch. Die fünf „Rockpalast"Auftritte gehören gewiss allesamt dazu. Ebenso seine Live-Alben, allen voran LIVE! IN EUROPE (1972), das in Großbritannien bis auf Rang 9 der Albumcharts vordrang und sich 15 Wochen unter den 100 besten Platten jener Zeit hielt. IRISH TOUR '74 (1974) hat unter Fans zum Teil einen noch höheren Stellenwert, auch wenn es sich nicht ganz so bemerkenswert platzierte (UK #36). Und schließlich STAGE STRUCK – schlichtweg ein Meilenstein des europäischen Blues Rock. Zurück zu Ola Van Sander. Der fühlte sich geradezu getrieben, Gallaghers Andenken zu bewahren. Bewusst nahm er Verbindungen zu Leuten auf, die sich um das musikalische Vermächtnis seines Vorbildes verdient machten oder aus dessen Umfeld stammten. So spielten Bad Penny 2002 auf dem „Rory Review" in Wiesbaden, das von einem Typen namens Karl-Heinz Bilstein, genannt 20$-Bill, organisiert wurde. Mit von der Party war auch „Rockpalast"-Kameramann Rudi Gerlach, der im Besitz einer Original-Gallagher-Telecaster war. „Der beste Gitarrist des Abends durfte darauf spielen – und das war damals ich", sagt der Rostocker Bandkopf. Bilstein schrieb später das Vorwort zur CD RETURN TO THE G-MAN (2008), darin schreibt der Veranstalter, dass die Rostocker die Songs anderer unverkennbar zu ihren eigenen machen würden. Seite

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Bad Penny wiederum haben neben der Rory-Gallagher-Verehrung musikalisch ein Eigenleben. Sie nennen sich eine EpicFolk-Rock-Band, stecken mittlerweile ganz tief in der irischen Folklore. Davon zeugt unter anderem die Show „Celtic Lights", von der es eigentlich in diesem Herbst in Rostock eine Auflage geben sollte. Der Todestag von Rory Gallagher jährt sich in diesem Jahr zum 25. Mal. Auch wenn solche Ereignisse nicht gefeiert werden, bieten sie doch immer einen Anlass, der verehrten Person spezielle Veranstaltungen zu widmen. Leider fällt das in diesem Jahr komplett aus, gege hört der Juni doch noch zur Phase der kompletten CoronaVeranstaltungssperre. Das ist eine unglückliche Verkettung der Ereignisse, brauchen verver storbene Künstler wie Rory Gallagher doch die „runden" Ereignisse, um mal wieder aus der Versenkung gehoben zu werden. Ob es zum JahresenJahresen de noch Möglichkeiten geben wird, ein Gedenk- oder ErinErin nerungskonzert auszurichten, steht in den Sternen. Aber da gibt es ja noch diese wunderwunder baren Alben, die Gallagher hinterließ und die es verdient haben, endlich mal wieder auf den Plattentellern zu rotieren. n

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IN ROCK Von Horst Berner

Mit dem rasanten Aufstieg der CD ab den 1980er Jahren und den anschließenden Online-Musikdiensten drohte der guten alten Schallplatte das Aus. Doch Vinyl erlebt seit Jahren ein Revival. Viele Neuheiten sind ebenfalls als LP zu haben, ganz zu schweigen von der Flut an Repros mit Oldie-Material. Diese Entwicklung setzte nicht nur eine Debatte über die Sinnlichkeit analogen Musikhörens in Gang, der Blick fällt auch wieder auf die "Wundertüten", in denen die schwarzen Scheiben stecken: kunstvoll gestaltete großformatige Albumhüllen. Ausgewählte Beispiele erläutert diese Serie.

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Rückseite "April Part I") erschienen, stammte aus der Feder der Komponisten Roger Greenaway (*1938) und Roger Cook (*1940), die 1966 als Popduo David & Jonathan mit "Lovers Of The World Unite" einen Top-Ten-Hit im UK hatten. Die Single-A-Seite war ein achtbares, doch erfolgloses fast vierminütiges Statement, das die Nahtstelle bildete zwischen neuen und alten Deep Purple, die bis dahin drei LPs vorweisen konnten: SHADES OF DEEP PURPLE (1968), THE BOOK OF TALIESYN CONCERTO (1969) und IN ROCK (1970) (1968) und DEEP PURPLE (1969). Radio Bremens TV-Kult-Sendung „Beat-Club" sendete am 30. August 1969 eine gemimte Performance des Titels, der – inklusive Gillan'scher Schreipassagen – zumindest andeutete, wohin die musikalische Reise des Quintetts gehen könnte. Am meisten profitiert von diesem Lied hat letztlich Gillan, der im Jahr darauf bei den Aufnahmen zur Rockoper „Jesus Christ Superstar" die Hauptrolle sang.

aum eine andere Band hat in derselben Besetzung binnen weniger Monate zwei so unterschiedliche LPs aufgenommen wie Deep Purple mit CONCERTO FOR GROUP AND ORCHESTRA und DEEP PURPLE IN ROCK. Während das am 24. September 1969 in der Londoner Royal Albert Hall aufgeführte CONCERTO die Gruppe im Zusammenspiel mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Malcolm Arnold (1921–2006) in klassischen Gefilden zu Gehör Vor 50 Jahren, am 3. Juni 1970, veröffentlichte EMI brachte, bot IN ROCK den stürin Großbritannien auf seinem Undergroundlabel Harmischen Aufbruch zu einer neuvest DEEP PURPLE IN ROCK. Bei den zwischen Oken Stilrichtung, in der Rockmusik tober 1969 und April 1970 in den Londoner Studios härter als je zuvor präsentiert IBC, De Lane Lea und Abbey Road aufgenommenen wurde. Eine kreative KonfrontaSongs stellte speziell Tontechniker Martin Birch tion zwischen ernsten und un(*1948) sein Einfühlungsvermögen unter Beweis und terhaltsamen Tönen, E- versus Uwurde dafür als „Katalysator" gewürdigt. Von AnMusik, in der die Rivalen Jon Lord beginn des aus einem Tongewitter bestehenden In(1941–2012) und Ritchie Blacktros, das nach gut 90 Sekunden in ein ultraschnelles more (*1945) hießen. Der eine, "Speed King" überblendet, machte die Band deutlich, ausgebildet in klassischer Musik, dass die sinfonische Darbietung nun ein Ende hatte brillierte an der Hammondorgel, und die folgende Dreiviertelstunde ganz im Zeichen der andere, bereits in den frühen von hartem Rock stehen würde. Erwähnenswert, 1960er Jahren ein gesuchter Studass die US-Ausgabe diomusiker, faszinierte durch fuder Platte von 1970 bei riose Riffs und virtuose MelodieDeep Purple, v.l.: Glover, Blackmore, Gillan, Lord, Paice Warner um just dieses folgen auf der Stratocaster. Mit Intro (bandintern als "Woffle" bezeichnet) geBandmitbegründer und Wahnsinns-Drummer Ian Paice (*1948) sowie Bassist kürzt wurde. Derlei Gedröhn war für die VerantRoger Glover (*1945) und Sänger Ian Gillan (*1945) – beide kamen von Episode wortlichen wohl „too much" und hätte mögliche Six und ersetzten Nick Simper (*1945) und Rod Evans (*1947) –, bildeten sie das Line-up, das künstlerisch wie kommerziell die bedeutendste Phase Käufer abschrecken können, zumal die progressiv-pain der Karriere von Deep Band bis dahin mit progressiv-pa Deep-Purple-Discographie Staathetischen Rocksongs in den Staa Purple einläuten sollte in GoodTimes Edition Discographien und später als Mark II ten erfolgreicher agierte als in der DEEP PURPLE, Heimat. Bereits am 21. September katalogisiert wurde. Vol. 1 – siehe Shop Seite 29 Atco-LP (1963) 1968 konnte sie mit der Interpretation des von Joe South (1940–2012) geschriebenen Titels Für die Dunkelvioletten fing alles an mit einem "Hallelujah", siewobei damit nicht zwingend klerikalen Gedanken geschmeichelt "Hush" eine #4 in den Billboard Hot 100 verbuchen. Die sie wurde, auch wenn sich das vermuten ließe angesichts der Lyrics ben Tracks von IN ROCK knallten dagegen wie eine Soundorgie ins Ohr. Das war laut und kraftstrotzend und reichte weit hinaus vom Prediger mit der friedlichen Botschaft und der bischöflichen über das, was Gruppen wie Blue Cheer, Iron Butterfly, Steppenwolf Farbsymbolik im Bandnamen. Der wurde im Übrigen angeregt vom Hit "Deep Purple" von Nino Tempo (*1935) und April Stevens "Hallelujah", deutsche und Vanilla Fudge zuvor mit "Summertime Blues", "In-A-Gadda(*1929) (USA: #1, 1963). "Hallelujah", am 25. Juli 1969 (mit der Harvest-Single (1969) Da-Vida", "Born To Be Wild" und "You Keep Me Hangin’ On" an-

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gefacht hatten. Ob bei "Child In Time" (dessen Thema inspiriert war von It's A Beautiful Days "Bombay Calling"), "Flight Of The Rat" oder "Living Wreck", in jeder Nummer fügten sich ekstatischer Gesang, wilde Dialoge zwischen Orgel und Gitarre und treibende Rhythmusarbeit an Bass und Drums zu einem explosiven Gemenge. "Hard Lovin’ Man" hielt dann noch ein Outro bereit, das mit einer dem Intro ähnlichen Lärmkaskade den krönenden Abschluss zierte. In Verbindung mit der am 5. Juni 1970 erschienenen Single "Black Night" (in der Schweiz vier Wochen #1; D: #2; UK: #2) markierte die LP den kommerziellen Durchbruch für die Band in Europa. Während sie in den britischen Charts auf #4 stieg (USA: #143), stand sie in Deutschland vom 15. Oktober 1970 bis zum 14. Januar 1971 und damit 13 Wochen auf #1.

DEEP PURPLE IN ROCK Seite 1: 1. "Speed King" (5:48) 2. "Bloodsucker" (4:11) 3. "Child In Time" (10:13) Seite 2: 4. "Flight Of The Rat" (7:50) 5. "Into The Fire" (3:29) 6. "Living Wreck" (4:30) 7. "Hard Lovin’ Man" (7:10)

Konzertplakat, München (5. Dezember 1970)

ne gewann und damit selbst zitierfähig wurde. Auf den Wiedererkennungseffekt setzte natürlich in erster Linie die Band selbst, sei es bei Anzeigen, Konzertplakaten, Singlehüllen oder Kompilationen. Von dem Hingucker profitierten aber auch andere – unlängst die Puhdys, die bei ihrer 2-CDRetrospektive IN ROCK (2020) nicht nur optisch, sondern auch verbal der großen Vorlage huldigten.

Track 1 bis 7: Ritchie Blackmore, Ian Gillan, Roger Glover, Jon Lord, Ian Paice

Mit den gemeinsam komponierten Titeln von IN ROCK schrieben Deep Purple Musikgeschichte und definierten, parallel zu ihren Landsleuten und Kollegen von Led Zeppelin und Black Sabbath, eine neue Ausdrucksform: Hard Rock.

Bücher, die sich gezielt einer Platte widmen, sind eher selten – Picture Disc (1985) erst recht in deutscher Sprache. Eben diese Absicht erfüllt „DEEP PURPLE IN ROCK: Der lange Weg zu einem MeisterIN ROCK, aufgeklappte Außen- und Innenhülle (UK, 1970) werk" (Hannibal, 176 Seiten, 25,00 EUR) und überrascht Neben der tönenden Rille hinterließ aber auch die Verpackung der Vinylscheibe allein schon durch die schiere Menge an aufbeEindruck. Zu deren Gestaltung trug Tony Edwards (1932–2010), neben John reiteten Text- und Bildinformationen. In zwölf Coletta (1932–2006) damals Manager der Band, die so simple wie geniale Kapiteln bietet die attraktiv angelegte Broschur Idee bei, die Gesichtszüge im Format 20,5 x 21 cm eine Mount-Rushmore-Denkmal der Musiker wie in Stein gelebendige Vertiefung, die von meißelt darstellen zu lassen. den frühen Bandrehearsals Als Musterbild diente das im Londoner Hanwell Comberühmte Mount Rushmore munity Centre über die ArNational Memorial in den beit im Studio sowie analyBlack Hills mit den monutischen Überlegungen zu den 25th Anniversary Edition, CD (1995) mentalen, 1941 fertiggeeingespielten Titeln bis hin stellten Porträtköpfen der zu den Live-Auftritten jener US-Präsidenten Washington, Zeit reicht. Selbst zur EntsteJefferson, Roosevelt und Lin"Black Night", deutsche hung des Album Covers gibt Harvest-Single (1970) coln. Angefertigt wurde die es viele Hinweise, die in dieübermalte Collage – auf der von links Gillan, Blackmore, ser Genauigkeit bisher nicht Lord, Glover und Paice zu sehen sind – von Colin Lynch im vertraut waren. Im Anhang Londoner Artstudio Nesbit, Phipps & Froome. Die runden eine Konzertliste aus der Phase Illustration vor blauJuli 1969 bis Dezember 1970, IN ROCKem Himmel schmückDiscographie und -Chartplatzierungen te sowohl Vorder- wie die mit großer Leidenschaft recherchierte THE MANY FACES OF DEEP PURPLE (2014) Rückseite des GateDokumentation ab. Für inhaltliche Qualifoldcovers, während tät bürgt – neben Co-Autor Stephen Clare, der als musikalischer Berater die schwarz-weiß gefungierte – vor allem Simon Robinson. Ursprünghaltenen Innenseiten lich als Grafiker tätig (er designte eine Fülle von links die Lyrics und CD-Verpackungen), hat rechts Fotos der Muer sich darüber hinaus siker (von Mike Brown als Archivar, Schreiber IN ROCK, Hörzu"-LP und Alan Hall), Bandvon Booklets zu Purple" (1970) kommentare und die Reissues und HerausgeHannibal (2018) Credits abdruckten. ber beim Label Purple Eine Eigenheit bot die Records Kompetenzen erworben. Kurzum: eine deutsche LP-Version "NME", Nr. 1222 (13. Juni 1970) Pflichtlektüre für die Fans der Hard Rocker und von „Hörzu", die auf dem dieses Vinylklassikers. "Black Night"/"Speed King", Record Store Day (2015) Titel den blauen Fond durch einen weißen ersetzte. UnOb es von DEEP PURPLE IN ROCK eine Jubiläumsausgabe geben wird, stand geachtet dessen prägte sich zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels in den Sternen. Sicher ist jedie grafische Lösung durch doch, dass die noch immer rastlos tourenden Deep Purple – bei denen Steve ihre plakative Wirkung so Morse (*1954) seit 1994 und Don Airey (*1948) seit 2002 anstelle von Blackmore stark ein, dass sie rasch den und Lord dabei sind – 50 Jahre nach ihrem Meilenstein, am 7. August 2020, LP COLLECTION (1980) Status einer modernen Iko- PUHDYS IN ROCK eine neue, ihre dann 21. Studioplatte veröffentlichen werden: WHOOSH! GoodTimes 3/2020

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Zart besaitet darf das Gemüt des geneigten Hörers nicht sein, wenn er sich auf den Konsum von Kansas-Musik einlässt. Schließlich existiert die Formation aus dem, der Bandname verrät es, amerikanischen Kansas bereits seit einem knappen halben Jahrhundert und hat sich nie auch nur einen Tag lang Gedanken über aktuelle Trends oder musikalische Moden gemacht. Stattdessen von Beginn an einen ureigenen Kosmos kreiert.

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ie immer mal wieder wechselnden Mitstreiter der Combo setzten seit der Gründung 1972 auf wuchtig-orchestrale Arrangements mit jeder Menge Streichern und Keyboardopulenz, durchaus gepaart mit dem einen oder anderen kernigen Rock&Roll-Riff. Wenn man darauf steht (und das scheinen nicht wenige zu tun, immerhin haben Kansas im Verlaufe ihrer Karriere weltweit rund 35 Millionen Tonträger verkauft), ist diese Formation definitiv das Maß aller Dinge im Classic-Rock-Bereich. Auch beim aktuellen 16. Studio-Album THE ABSENCE OF PRESENCE hat die Gruppe, die momentan als Septett tätig ist, keinen Millimeter Annäherung zugelassen, was irgendwelche moderne Trends betrifft. Anachronismus von der besten Seite! „Wozu auch", fragt Keyboarder Tom Brislin gleich zu Beginn des Gesprächs. „Wir würden dadurch ja unsere musikaSeite

lische Identität verlieren. Offensichtlich gibt es jede Menge Leute auf unserem Planeten, die exakt diese zu schätzen wissen." Der 46-jährige Tastenmann ist der Frischling bei der altehrwürdigen Prog-Combo, er stieß vor gerade mal zwei Jahren zu Kansas, mischte zuvor in diversen nur lokal bekannten Prog-Rock-Bands mit und war Gastkeyboarder auf der 2001er-YesTournee. Trotzdem spielte er von Beginn an eine gewichtige Rolle im Mikrokosmos der Formation. Schließlich komponiert er an etlichen Melodien mit, ist für den einen oder anderen Text verantwortlich. „Es kommt mir vor, als hätte ich niemals bei einer anderen Gruppe als Kansas mitgewirkt", staunt er. Was nicht stimmt. Aber Kansas ist garantiert die wichtigste Station in der Kreativkarriere des sympathischen Mannes, der gern mal lacht während des telefonisch geführten Interviews.

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GoodTimes 3/2020

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Wenn du dir THE ABSENCE OF PRESENCE mit einer gewissen Distanz anhörst: Würdest du sagen, die Platte reiht sich nahtlos ins KansasOeuvre ein? Als ich 2018 gefragt wurde, ob ich ins Kansas-Boot steigen möchte, bat ich mir eine kleine Bedenkzeit aus. Denn ich wuchs mit Bands wie Camel oder Pink Floyd auf, Kansas hatte ich nicht so sehr auf dem Schirm. Doch innerhalb weniger Wochen habe ich mich radikal ins Werk dieser Band eingearbeitet, von der ich gerade mal ein paar Radiohits kannte. Und siehe da: Ich war hin und weg. Sagte begeistert zu, dass ich mitmischen wolle, dass ich gern bei der Tour 2018 dabei sei. Heute bin ich zu 150 Prozent Kansas-Mann, mit sämtlichen Arbeiten dieser Formation vertraut. Daher kann ich nur sagen: Ja, THE ABSENCE OF PRESENCE steht vollkommen in der Tradition dieser außergewöhnlichen Gruppe. Worauf ich sehr stolz bin.

Music from the 60s to the 80s

© Pressefoto

Alles auf Pomp


Der Albumtitel klingt recht kryptisch. Wie ist er zu verstehen? Das Ding ist ziemlich mystisch, vor allem aber hochphilosophisch. Ich weiß mittlerweile, dass die Band intern heftig über Inhalte diskutiert. Als Küken wurde ich allerdings ziemlich spät ins gesamte Geschehen eingeweiht. Danach allerdings umso mehr. Ich musste mich erst mal anschleichen, um von den Altvorderen anerkannt zu werden. Doch als das gelungen war, wurde ich mit Arbeit zugeballert (lacht). Wofür ich extrem dankbar bin.

Wenn man Kansas als progressive Rockforma" tion" bezeichnet: Wie fühlt man sich mit dieser Definition?

Die geht total in Ordnung! Einfach, weil man als „Proggie" dermaßen viele Möglichkeiten hat, sich musikalisch auszudrücken. Lieder etwa von Yes, Renaissance, Gentle Giant oder Camel, um nur einige Bands zu nennen, sind in meinen Ohren unglaublich originell und bahnbrechend, was moderne Musik angeht. Wobei ich mir eigentlich nie einen Kopf darüber mache, wie Kansas-Musik in der Öffentlichkeit wahrgenommen oder definiert wird. Wichtig ist mir nur, dass jeder von uns sein Handwerk versteht, sprich: seine Instrumente perfekt beherrscht.

Wie war die erste Zeit als Neumitglied bei Kansas?

Ganz richtig: Trotz aller Opulenz in den Kompositionen, tief im Inneren war Kansas-Musik immer ziemlich melancholisch. Warum ist das so? Vermutlich, weil wir allesamt in der Band, und auch für die früheren Mitglieder gilt das, habe ich mir sagen lassen, ziemlich nachdenkliche, melancholische Personen sind. Der Kansas-Sound verkörpert weltfremde Träume, dazu stehen wir, sie sind ein Vehikel für unseren eigenen, gelegentlich vorhandenen Drang zum Eskapismus. Den leben wir innerhalb der Band aus. Im Alltag hingegen sind wir die braven Familienväter, wie das unsere Frauen und Kinder von uns erwarten.

Und woher stammt dieser Hang zu mittelalterlichen Sagen und Riten?

Der hat denselben Ursprung. Wir reden uns in Gesprächen ein, dass die alten Zeiten spannender und romantischer waren als die heutigen. Ob das der Wahrheit entspricht, kann ich nicht beurteilen und wage es eher zu bezweifeln. Bei uns ist keiner Historiker.

Kansas haben es geschafft, das sieht man bei euren jüngsten Konzerten, dass nicht nur die alteingesessenen Fans jenseits der 50 vorbeikommen. Sondern auch Besucher in ihren Zwanzigern. Was macht Kansas-Musik für die junge Generation attraktiv?

Man hat mich auf der Stelle in der Tradition dieser Band verankert: „Beweis dich mal, Junge, ob du unseren Ansprüchen gewachsen bist!" Ich habe Stücke mitkomponiert. Eigene Texte vorgelegt. Und wenn die angenommen wurden vom Kollektiv, hatte ich die Pflicht, sie selbst zu singen. Kansas ist eine äußerst demokratische Institution. Also: Rechte und Pflichten überall. Der Erwartungsdruck ist hoch. Gleichzeitig erhält man ein gehöriges Maß an Ermutigung, Tag für Tag.

es bedeutet dem Gegenüber, dass an es gedacht wird. Dass wir diese Krise gemeinsam aussitzen. Und dass wir irgendwann Seite an Seite stehen werden, wie in alten Tagen, und gemeinsam ein Kansas-Konzert zelebrieren. Mann, ich kann es kaum erwarten!

Habt ihr keine Angst, dass irgendwann diese Symbiose aus Klassik, Prog und Heavy Rock nicht mehr aufgeht?

Nein, ganz und gar nicht. Ich glaube sogar, in Zeiten der Krise, wie wir sie aktuell erleben, besteht jede Menge Nachfrage nach unserer Art von Sound. Die Leute können sich damit eine Art harmonischen Schutzschild basteln. Gerade wenn man verunsichert ist, der Alltag sich hin zu mehr Isolation verändert, man nicht wie gewohnt und unkompliziert seine Freunde treffen kann – ich denke, dann ist Kansas-Stoff perfekt geeignet, um sich in eine bessere Welt zu katapultieren.

Musik als Eskapismus?

Warum nicht? Ich kenne schlimmere Ansätze, an Kunst heranzugehen. Gerade in komplizierten Zeiten wie den jetzigen kann ein Kreativer nichts Besseres tun, als den Menschen gute Gefühle zu vermitteln, meinetwegen auch Sehnsucht, Wärme, vielleicht gar ein bisschen Nostalgie. Selbstverständlich wollen wir nicht, dass unsere Zuhörer für immer und ewig im künstlichen Wunder- und Traumland verweilen. Stattdessen wollen wir mit unseren Songs Kraft spenden für den komplizierten Alltag.

Woher nehmt ihr selbst diese Energie?

© Pressefoto

Wir besitzen allesamt das riesige Privileg, dass wir in geordneten sozialen Umfeldern leben. Harmonische Familien. Und wir innerhalb der Band verstehen uns gleichfalls prächtig. Dann gibt es als auslösenden Energie-Motor das Feilen an der gemeinsamen Musik. Keiner von Kansas 2020 ist demnach eine Art uns kann sich ein Dasein ohne diese verschworener Geheimbund? Berufung – denn das Schaffen von Nun ja, drücken wir es mal so aus: Wir neuer Musik ist weit mehr als ein sieben haben äußerst unterschiedliche simpler Job für uns – vorstellen. Und Biografien. Da gilt es zunächst mal, im Falle von Kansas geht das eben sich zusammenzuraufen. Wir sind Kansas-Urbesetzung v.l.: Kerry Livgren, Phillip Ehart, Rich Williams, Robby Steinhardt, Steve Walsh, Dave Hope nur in der Konstellation jener sieben durch die Bank ziemliche Alphatiere, Burschen, welche die Band anno 2020 ausmachen. absolut von sich und der eigenen Arbeit überWir sind ehrlich, kreativ, leidenschaftlich: Diese zeugt (lacht). Doch dadurch, dass wir gemeinsam Art von Musik wirkt generationsübergreifend. Geht ihr auch mal in die Kneipe um die Ecke, Musik erzeugen, setzt dieser Umstand eine immenAußerdem ist unser Sound dynamisch, was spezium eure Kumpanei außerhalb von Studio oder se Kreativität frei. Das absolut Berauschende an ell live äußerst intensiv wirkt. Und unsere Songs Bühne zu vertiefen? Kansas ist, dass wir letztlich gemeinsam an einem mögen in der Regel komplex daherkommen, aber Kommt schon mal vor, allerdings nicht regelmäßig. Strang ziehen. Mit der Vorgabe, richtig tolle, spezisie sind am Ende dennoch eingängig, bleiben im Muss auch nicht sein, weil das Herzstück unserer elle Musik zu schaffen. Wenn das gelingt, leuchtet Ohr hängen. Das finde ich wirklich großartig! Freundschaft ist eben das Kreieren von neuen definitiv jeder einzelne von uns. Aktuell finden in Zeiten der Corona-Pandemie Liedern. In dieser Aufgabe gehen wir komplett auf. Es sind noch zwei Originalmitglieder bei Kansas keine Konzerte statt. Wie geht eine Band wie Ansonsten sind wir mit unseren Familien zusamübrig: Gitarrist Rich Williams und Schlagzeuger Kansas, die stark von ihrer Livepräsenz lebt, men. Bei denen tanken wir Kraft für neue Klangabenteuer. Unser Beruf kann schon mal anstrenPhil Ehart. Wie blicken die auf das Kansas-Opus mit einer solchen Ausnahmesituation um? gend sein, kann ziemlich schlauchen und auslaugen. zurück? Irgendwann wird dieses Monster, das offensichtlich Aber mal ganz ehrlich: Keiner von uns „glorreichen keine Kultur leiden kann, aus unserem Dasein verRich und Phil geraten immer mal wieder ins Sieben" könnte sich vorstellen, auch nur einen Tag schwinden. Jedenfalls werden wir zurückkommen Schwärmen, wenn sie von der „guten alten Zeit" lang irgendwas anderes zu machen als Musik. als Livegruppe, mit aller Macht. Wir werden diesem erzählen. Wobei sie sich durchaus bewusst sind, doofen Virus eins auf die Birne geben. Vermutlich dass nicht alles Gold war, was glänzte. Sie wissen, Musik, das große Faszinosum? müssen wir nur laut genug spielen, damit es sich dass es Phasen und Aufnahmen gab, die schwächer Na klar, was denn sonst? Irgendjemand hat mich verzieht (lacht). Aber ernsthaft: Ich hoffe, dass waren als andere. Aber letztlich ist es eine Gruppe, auf diesen Planeten geworfen, damit ich für die Kansas bald wieder live tätig sein dürfen. Ansonsten die einen sehr speziellen Sound über Dekaden hinMenschheit etwas Schönes, Bewegendes kreiestehen wir permanent mit unseren Fans digital und weg geformt hat. Und eine Gruppe, die damit, völlig re. Das tue ich. Gerne und mit Leidenschaft. Ich virtuell in Kontakt. Diese Form der Kommunikation zu Recht, ordentlich Geld verdient hat. Es ist irre, möchte diese Welt ein kleines bisschen zu einem ist nicht dasselbe wie eine Umarmung. Darüber wenn man mit teilweise besinnlichen Klängen die schöneren Ort machen. sind wir uns natürlich im Klaren. Aber immerhin, Radios weltweit erobert. Michael Fuchs-Gamböck GoodTimes 3/2020

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