Damit das Gas fließt
Waffenschein für KI
Ehrenamtlich im Einsatz
Unternehmen aus der Region arbeiten am LNG-Terminal
Osnabrücker Professor Rainer Mühlhoff im Interview
Nordhorner Geschäftsführer engagieren sich im THW
Macher & Märkte – Seite 10
KI & Forschung – Seite 14
Leben & Leidenschaft – Seite 19
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www.maler-schulte.de DONNERSTAG, 22. DEZEMBER 2022 AUSGABE 06/22 | EINZELPREIS 1,90 €
OSNABRÜCK | EMSLAND | GRAFSCHAFT BENTHEIM
KI-Hotspot Osnabrück? Experten sind sich einig: Gute Voraussetzungen in der Region
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In dieser Ausgabe:
Standortporträt Samtgemeinde Fürstenau
Nils Köster rückt in den Vorstand auf OSNABRÜCK Seit Anfang November
Bei den Start-ups ist Osnabrück die Nummer eins in Niedersachsen. Daten sind ein wichtiges Kapital für zukünftige Geschäfte. Es fehlen noch Leuchtturmprojekte mit Strahlkraft. VON NINA KALLMEIER OSNABRÜCK Wenn es um das Start-
up-Ökosystem geht, hat Osnabrück es bereits geschafft: Das Oberzentrum im Süden Niedersachsens steht in den Top Ten des bundesweiten Städte-Rankings und ist „Startup-Hauptstadt“ Niedersachsens. Kann der Region in der Forschung zu und Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) ein ähnlicher Erfolg gelingen? Marco Barenkamp ist da optimistisch. Der Gründer des Osnabrücker IT-Unternehmens LMIS AG ist Mitglied der Bundesfachkommission Künstliche Intelligenz und Wertschöpfung 4.0 im Wirtschaftsrat Deutschland. KI ist für ihn eine Schlüsseltechnologie für Innovation in der Wirtschaft. „Osnabrück kann das schaffen“, ist er überzeugt. „Wir sind gut aufgestellt.“ Das gilt für Barenkamp insbesondere, wenn es um die Stärken der Region geht: die Landwirtschaft und die Ernährungsbranche. „In diesen Bereichen haben wir uns deutschlandweit bereits durchaus einen Namen gemacht, hier kann Osnabrück perspektivisch eine bundesweite Marke sein.“ Ähnlich sieht es auch Ingmar Bojes von der Wirtschaftsförderung Osnabrück. „Gerade im Bereich der Agrartechnik spielt KI eine immer größer werdende Rolle und hat das Potenzial, landwirtschaftliche Prozesse zu automatisieren, Erträge zu steigern und die Landwirtschaft nachhaltiger zu machen.“ Ein ganz unbeschriebenes Blatt ist die Region in Sachen KI derweil nicht. Gebündelt wird Expertise unter anderem am KI-Campus. Er
ist nicht der einzige seiner Art in Deutschland. Für Kai-Uwe Kühnberger, Professor für Künstliche Intelligenz an der Universität Osnabrück und Vizepräsident für Forschung und Transfer, ist Osnabrück dennoch ein „Leuchtturm der angewandten KI-Forschung“. Der Grund: Der KI-Campus verbinde universitäre KI-affine Institute wie die Informatik, die Kognitionswissenschaft, die Wirtschaftsinformatik und Mathematik mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz Niedersachsen (DFKI). „Theorie und Praxis werden bei unserem KI-Campus eng miteinander verzahnt“, betont Kühnberger. Auch Wirtschaftsförderer Bojes ist überzeugt: „Osnabrück bringt beste Voraussetzungen mit, um sich dauerhaft als einer der relevanten KI-Hotspots in Deutschland zu etablieren.“ Mit dem Label ist Joachim Hertzberg nicht ganz glücklich: „Forschung ist nicht Fußball, wo man Tabellen hat, und selbst dort sagt der Tabellenplatz nicht immer alles über die Stärke und den Einfluss einer Mannschaft aus.“ Hertzberg ist Geschäftsführender Direktor des DFKI-Standorts Niedersachsen und Leiter des Forschungsbereichs Planbasierte Robotersteuerung. Mit Osnabrück und Oldenburg ist Niedersachsen einer von vier permanenten DFKI-Standorten in Deutschland. Sein Kollege Oliver Thomas, Leiter des Forschungsbereichs Smart Enterprise Engineering, ergänzt: „Ein KI-Hotspot sollte nicht nur dadurch definiert werden, wie viel KI-Forschung oder KISpin-offs am Standort existieren, sondern auch, wie passgenau die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft adressiert werden.“ Diese Passgenauigkeit ist Kühnberger zufolge in Osnabrück gegeben: „Die Universität Osnabrück pflegt viele Kooperationen mit der Industrie, beispielsweise über das DFKI und das Agrotech Valley Forum e.V. Hier werden konkrete Fragestellungen, die für die Agrartechnik, die Bioökonomie und die Landmaschinenhersteller wichtig sind, in Kooperation mit Forschenden des KI-Campus der Uni Osnabrück
bearbeitet“, sagt der Professor für Künstliche Intelligenz. Der international ausgerichtete und starke Mittelstand spielt DFKIDirektor Hertzberg zufolge der Forschung in die Hände. „Viele dieser Firmen sind sehr innovationswillig, Informationstechnik einschließlich KI spielt bei solchen Innovationen oft eine wichtige Rolle“, so der Professor. Und die Bereitschaft zur Kooperation mit der Forschung sei oft sehr hoch. „Denn um eigenes Know-how zu KI selber aufzubauen, sind diese Firmen oft zu klein.“ Dass Know-how zur Umsetzung von KI-Anwendungen fehlt, sieht auch Oliver Thomas. Viele Unternehmen seien daher zurückhaltend. Die Erwartungen an Anwendungen der künstlichen Intelligenz seien hingegen relativ hoch. Entsprechend durchlässig ist für Barenkamp die Barriere zwischen Forschung und Wirtschaft. „Mittlerweile landen viele der Forschungen im Regelbetrieb.“ Kühnberger ergänzt einige konkrete Beispiele:
„In Osnabrück Pflöcke einschlagen, die bundesweit als Vorbild gelten.“ Marco Barenkamp, Gründer der LIMS AG
die automatische Erkennung von Krankheiten bei Ackerbaupflanzen, die Auswertung der gesammelten Daten von Landmaschinen oder auch die Prädiktion von Bodeneigenschaften im Ackerbau durch Auswertung von Drohnendaten. Barenkamp sieht zwei Aspekte, die das Thema KI in Osnabrück treiben. „Es gibt ein Momentum, und das will man nutzen. Hinzu kommt: Traditionsunternehmen merken, dass ihre Geschäftsmodelle langfristig auslaufen könnten.“ Es sei mittlerweile durchgedrungen, dass Daten ein wichtiges Kapital für Geschäftsmodelle der Zukunft sein könnten. „Künstliche Intelligenz wiederum basiert in der Regel auf einer großen Datenmenge. Hier dabei zu sein kann ein Vorteil sein“, sagt der IT-Unternehmer. Allerdings: Um Daten gut nutzen zu können, fehlen Barenkamp zufolge landesweit vernünftige Rahmenbedingungen. „Wir sind in Deutschland sehr wählerisch bei der Herausgabe und vor allem der Nutzung von Daten. Für Geschäftsmodelle, die auf Daten aufbauen, kann das ein Killer sein. Wir müssen konstruktiver damit umgehen.“ Um eine Art Blaupause zu entwickeln, arbeiten Uni und Hochschule Osnabrück, DFKI, Coppenrath Stiftung, LMIS, Praxispartner, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Landesdatenschutzbeauftragte Niedersachsens an einem Konzept für die Umsetzung eines KI-Reallabors in Osnabrück. „Wenn uns das gelingt, könnten wir in Osnabrück Pflöcke einschlagen, die bundesweit als Vorbild gelten“, so Barenkamp. Was Osnabrück zum bundesweiten Hotspot noch fehlt, ist KI-Professor Kühnberger zufolge eine bundesweit sichtbare und nachhaltige Grundlagenforschung im Bereich der KI. „Wir haben bereits viele erfolgreiche Projekte in der KIGrundlagenforschung, aber große drittmittelgeförderte Leuchtturmprojekte wie ein KI-affiner Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft würden unseren Standort auf der KI-Landkarte noch weiter nach vorne bringen“, ist er überzeugt. Ingmar Bojes denkt praxisorientierter. „Eine Art Smart Factory, um
kleinen und mittleren Unternehmen den Einsatz neuester Technik, Robotik inklusive KI live zu demonstrieren, könnte das ,i-Tüpfelchen‘ für den Standort Osnabrück sein“, sagt er. Mit dem Lokviertel und dem darin geplanten Coppenrath Digital Innovation Cluster (CDC) werde Osnabrück im KI-Bereich jedoch noch mal erheblich an Gewicht gewinnen“, ist der Wirtschaftsförderer überzeugt. Dem im Lokviertel vorgesehenen Start-up-Zentrum mit Schwerpunkt KI könnte dabei ein von Joachim Hertzberg vorgebrachtes Manko helfen. „Wenn es um Startups, gerade mit KI-Themen, geht, fehlt in der Region das, was so oft in Deutschland fehlt: ausreichend Geld, um neue Start-ups nach ihrer ersten Anlaufphase über längere Zeit sicher zu finanzieren“, sagt er. „Das Potenzial ist aus meiner Sicht bei Weitem nicht ausgeschöpft.“ Mehr zum Thema künstliche Intelligenz lesen Sie im Spezial ab Seite 11
www.assmann.de
ist Nils Köster Mitglied des Vorstands der Köster Holding SE, in der die Aktivitäten der Bauunternehmensgruppe gebündelt werden. Der 40-jährige Köster ist Gesellschafter des Osnabrücker Unternehmens und war bisher als Geschäftsführer in der Köster GmbH tätig, ehe er vom Aufsichtsrat in den Vorstand bestellt wurde. Nils Köster hat sich gezielt auf den Einsatz im Vorstand vorbereitet. Nach Studien von Bauingenieurwesen, MBA und Immobilienökonomie sowie mehrjähriger Tätigkeit als Bau- und Projektleiter trat er 2019 in die Geschäftsführung des Familienunternehmens ein. Im vierköpfigen Vorstand verantwortet Köster die Bereiche Allgemeiner Hochbau und Tiefbau. Mit rund 2000 Mitarbeitenden an 21 Standorten und einem Jahresumsatz von rund 1,4 Mrd. Euro zählt Köster zu den führenden Bauunternehmen in Deutschland. Der Generalunternehmer übergibt jährlich rund 150 fertiggestellte Projekte an seine Kunden.
Nils Köster
Foto:Köster