Nr. 159 Herbst 2026 CHF 11.–
www.globetrottermagazin.ch
AUSZUG aus dem Globetrotter Magazin Herbst 2026 (Nr. 159)
NEUSEELAND
Wanderung auf wilden Pfaden ISLAND
Paddelabenteuer zwischen Klippen und Höhlen BOTSWANA
Leben für eine Löwin PERU
Abstecher zu Goldgräbern und Halunken WESTAFRIKA
Scootertrip durch Senegal, Gambia und Guinea-Bissau
DUNKLE ORTE IN DEN USA
Stille unter dem Sternenzelt
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C10 4x4, Elektromotor 430kW (598 PS), CHF 39’900.–, CO 2 -Emissionen: 0 g/km, Verbrauch: 20.5 kWh/100 km, Energieeffizienzkategorie: C. Alle Preise sind unver- bindliche Nettopreise inkl. 8,1 % MwSt. Allfällige Preisänderungen, Irrtum und Druckfehler vorbehalten. Durchschnitt CO 2 aller in der Schweiz verkauften Neuwagen: 111g/km für das Jahr 2026.
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EDITORIAL
«Globetrotter – Das Reisemagazin für Weltentdecker» erscheint vierteljährlich, Auflage: 30 000 Gegründet 1982 von Globetrotter Walo Kamm Abo-Service/ Card-Anmeldung Magazin abonnieren www.globetrottermagazin.ch, club@globetrotter.ch +41 (0)31 313 07 77 Zu jedem Abo gibts die Globetrotter-Card mit attraktiven Vergünstigungen aus der Welt des Reisens. Abo inkl. Card: CHF 40.– pro Kalenderjahr, Ausland: Euro 40.– Redaktionsadresse Globetrotter-Magazin Neuengasse 20 3001 Bern +41 (0)31 313 07 77 redaktion@globetrotter.ch
Auf Kurs
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Liebe Weltentdeckerinnen und Weltentdecker
Redaktion Fabian Sommer (Chefredaktor), Karin Jakob, Sabine Zaugg, Michèle Suter, Eva Fuchs, Evelyn Hebeisen (Fotografin) Inserate und Vertrieb Globetrotter Club; Evelyn Hebeisen, Sabine Zaugg, Eva Fuchs, Karin Jakob, Michèle Suter, Roger Lütolf Postfach 7764, 3001 Bern club@globetrotter.ch Gestaltung Theo Gamper, Oberdorf SO Druck und Korrektorat Stämpfli Kommunikation, Bern Redaktionssystem Stämpfli Redaktionssystem Bezugsquellen der Zeitschrift GLOBETROTTER-Filialen Aarau Graben 4, 062 834 07 07 Baden Badstrasse 8, 056 200 21 00 Basel Falknerstrasse 4, 061 269 86 86 Bern Neuengasse 23, 031 326 60 60 Bern – Barrierefrei Reisen Waldeggstrasse 42B, Liebefeld, 031 326 60 68 Biel Bahnhofstrasse 49, 032 328 32 32 Chur Gäuggelistrasse 20, 081 382 02 02 Fribourg Rue de Lausanne 28, 026 347 48 00 Luzern Hirschmattstrasse 40, 041 248 00 00 Rapperswil Seestrasse 3, 055 220 55 88 St. Gallen Merkurstrasse 4, 071 227 40 90 Thun Bälliz 61, 033 227 37 37 Winterthur Untertor 21, 052 269 07 07 Zug Alpenstrasse 14, 041 728 64 64 Zürich Rennweg 35, 044 213 80 80 Zürich Theaterstrasse 8, 044 377 77 44 © 2026 Globetrotter Club, Bern Nachdruck oder Reproduktion in irgendeiner Form, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder kann keine Haftung übernommen werden.
enn noch kaum etwas passiert, aber trotzdem schon alles beginnt, wird es auf Reisen oft besonders. Das habe ich diesen Sommer wieder einmal sehr bewusst erlebt, als ich mit meinen Liebsten mit der Nachtfähre von Liverpool nach Belfast gefahren bin. Nach dem Einsteigen bezogen wir unsere winzige Innenkabine, inspizierten das oberste Deck und, ja, auch den Spielsalon. Beim Eindunkeln, als die «Edda» langsam ablegte und die Lichter der Stadt am Ufer zurückliess, standen wir an der Reling. Das Schiff fand seinen Rhythmus auf dem Wasser, und ich spürte, wie die Welt kleiner wurde: Bald waren da nur noch die Schattenlinien der Küste, das gleichmässige Vibrieren der Motoren, der Geruch von Meer und Diesel. Und meine Söhne, meine Frau und ich. Wir sahen wenig und nahmen viel wahr. Wir waren auf Kurs, auf vielen Ebenen. Fähren entschleunigen Reisen, die ja oft vom Wunsch geprägt sind, möglichst schnell anzukommen. Ein Flugzeug überwindet riesige Distanzen in wenigen Stunden. Eine Fähre lässt Zeit verstreichen, macht Distanzen fassbar und gibt Raum, für Gedanken, für Nähe, für kleine Momente. Das Bild von meiner Familie an der Reling und den Lichtern von Liverpool, die in der Dunkelheit immer kleiner werden, bleibt für immer. Um die Kraft solcher kleinen Momente geht es auch in unserer Geschichte aus Botswana. Valentin Grüner erzählt ab Seite 58 in dieser Ausgabe, wie er mit Mitte 20 in die Wüste Kalahari zog, um seinen Traum von einem Leben als Wildhüter und Naturschützer zu leben. Er fand ein verwaistes Löwenjunges, päppelte es auf und wurde sein bester Freund. Jahre später errichtete er ein Reservat in der afrikanischen Wildnis und leistet damit einen sehr konkreten Beitrag zum Artenschutz. Valentins Story ist keine spektakuläre Heldengeschichte, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Es ist vielmehr eine Geschichte über Geduld, Nähe, Respekt und Aufmerksamkeit. Valentin nimmt auf seinem Abenteuer viele kleine Zeichen wahr. Er vertraute einem Prozess, den er nicht vollständig kontrollieren konnte. Er stieg an Bord, ohne die ganze Strecke zu sehen. Wie wir auf der Nachtfähre nach Belfast. Euch, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich viel Spass und Inspiration bei der Lektüre dieser 159. Ausgabe des Globetrotter-Magazins. Und eine gute nächste Reise. Vielleicht führt sie ja zu einem Augenblick, in dem sich die Welt für einen Moment ein bisschen langsamer dreht. Herzlich
Fabian Sommer fabian.sommer@globetrotter.ch Drucksache myclimate.org/01-26-459936
PS. Wie immer im Herbst liegt dieser Ausgabe der QR-Zahlschein für die Begleichung der Abogebühr des nächsten Jahres bei. Vielen herzlichen Dank für Eure Treue. HERBST 2026 GLOBETROTTER-MAGAZIN
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ASIEN Besuch bei den eingezäunten Nomaden in Tibet
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AFRIKA Mit dem Scooter durch das Herz von Westafrika Schweizer im Ausland: Südafrika Löwenland: Ein Leben für Afrikas Wildnis
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AMERIKAS Der Schweizer Reggaepapst reist durch Jamaika Peru: Das harte Leben in La Pampa Bildreportage: Amerikas dunkle Seite
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EUROPA Island mit dem Seekajak Statt Sightseeing: Orte in Trenčín
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OZEANIEN Wandern in Neuseeland
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WELT Per Autostopp um den Globus 50 Jahre Globetrotter Travel Service E-Mails aus …
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FORUM Editorial Leserbriefe/Mailbox REISENRING: Kolumne von Yvonne Eisenring Fundstücke: Karin Jakobs Kaktus Mein Globetrottermoment
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IM GESPRÄCH Fabian Sommer, CEO Globetrotter Club AG Robert Bösch, Fotograf und Bergsteiger Check-in mit Autorin Olivia El Sayed
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LITERATUR Buchtipps von Walo Kamm
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ESSEN Weltküche: So schmeckt China
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SERVICE Reisenews Gesundheit: Dr. Travel Blackboard Vorschau auf die nächste Ausgabe
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Titelbild Bei der letzten Volkszählung hatte der Ort exakt 30 Einwohner: Shaniko im Bundesstaat Oregon ist einer der richtig dunklen Orte der USA. Fotograf Christian Heeb ist losgezogen, um solche Relikte eines anderen Amerikas, Lost Places und filmreife Szenerien aufzuspüren. Seine eindrückliche Bildreportage findet Ihr ab Seite 70. Bild: Christian Heeb
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MAILBOX
Aus dem Skizzentagebuch Betrifft: Skizzieren auf Reisen
Anfang 2025 habe ich an der Schule für Gestaltung in Basel einen Kurs in Urban Sketching besucht. Seither führe ich ein Skizzentagebuch. Ich trage eine kleine Tasche mit einem Zeichenblock und einige Filzstifte auf mir. Ich nehme mir auf Reisen vor, jeden Tag mindestens drei Skizzen anzufertigen. Zuletzt waren meine Frau und ich sieben Wochen unterwegs. Wir waren in Bali, Australien und Malaysia. Dabei habe ich gegen 160 Skizzen gezeichnet. Seit ich skizziere, ist praktisch fast alles, was ich sehe, interessant. Beim Skizzieren komponiere ich das Bild. Nebensächliche Dinge lasse ich weg. Um die Spannung zu erhöhen, erfinde ich auch gewisse Dinge. Auch die Grössenverhältnisse wähle ich selbst. So kann ich das Bild selbst gestalten. Das ist ein grosser Unterschied zum Fotografieren. Reiseerlebnisse erfahre ich mit dem Skizzieren tiefer. Paolo Bernbach, Basel
Ein Ggöfferli-Gschichtäli Betrifft: Abenteuer auf Sardinien
Während unserer Sardinienferien benutzten wir zweimal die Nachtfähren: einmal von Genua nach Porto Torres und auf dem Heimweg von Olbia nach Livorno. Praktisch denkend, wie wir schon immer waren, packten wir zwei Rucksäcke mit Nachthemd, sauberen Unterhosen und Toilettentäschli. Den Koffer liessen wir im Car. So weit, so gut. Nächtens um zwei Uhr klopft es plötzlich an unserer Kabinentür. Uns wird schonend mitgeteilt, unser Koffer habe einsam auf dem grossen Fährenparkplatz gestanden und sei von der Polizei abgeholt worden. Wir verstehen nur Bahnhof, oder wie mein Schmid sagt: «I önderständ only railway steischon.»
Wieder zufrieden. Simona Küng (links) vom Globetrotter Travel Service Chur mit Margrit Schmid.
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Momentaufnahmen. Paolo Bernbach hält seine Beobachtungen auf Reisen als Skizzen fest. So erfahre er Erlebnisse tiefer, sagt der Globetrotter-Magazin-Leser aus Basel.
Es muss passiert sein, als die anderen 20 Mitreisenden ihre Koffer aus dem Car grübelten und unser im Weg stand. Er wurde aus-, aber nicht wieder eingeladen. Auch der Chauffeur hatte kein Auge drauf und fuhr den leeren Car auf die Fähre – fertig. Der Offizier auf der Brücke und auch Carola von der Rezeption sind äusserst liebevoll mit uns älteren Lüütleni. Sie geben uns Adresse und Telefonnummer der Polizei, und wir gehen wieder schlafen. Eigentlich hatten wir alles richtig gemacht, aber die Welt um uns herum ist offenbar noch nicht so weit! Auf dem Weg von Livorno nach Pisa meldet sich mein Handy: Das verlassene iPad im Koffer schreibt: «Ich befinde mich jetzt 351 Kilometer weit weg von dir.» Still verdrücke ich ein Tränli, denn das tüürste Werkzeug wird mir arg fehlen. Daheim angekommen, schlafen wir zuerst einmal tief und fest. Anderntags kontaktiere ich UPS, DHL, Planzer und wer weiss, wen noch alles, um unseren Koffer zurückzubekommen. Weil das iPad drin ist, bitten wir vorsorglich auch die Kantonalbanker, ein Auge auf unser Konto zu haben. Überall lande ich bei KI-generierten Sätzen: «Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?» Irgendwann rufe ich ziemlich laut: «Ich möchte einfach mit einem richtigen Menschen sprechen!» Tatsächlich kommt ein Kundenberater – helfen kann er mir aber auch nicht. Dann folgt eine E-Mail von UPS: Unser Koffer sei bei der Zollabfertigung, Gebühr: 0,48 Euro. Da hätten wir misstrauisch werden sollen. Aber wenn der Wunsch grösser ist als die Vernunft, schaltet sich das Misstrauen aus. Wir geben tatsächlich die Kreditkartennummer an. Kurz darauf lassen wir die Karten sperren und bekommen neue. So ein Fake aber auch! Da hat mein Schmid die Glanzidee: Wir fragen beim
Globetrotter-Reisebüro in Chur nach! Und tatsächlich meldet sich Carmen. Ihre Kollegin Simona sei zufällig gerade in Sardinien in den Ferien. Vielleicht könnte sie uns zumindest das iPad mitbringen. Gesagt, getan. Beim Anruf auf Simonas Nummer meldet sich Meta: «Ich bin nicht Simona, ich bin nur die KI von Meta. Wie kann ich dir weiterhelfen?» Echt jetzt? Doch dann schreibt sie: «Margrit, möchtest du, dass ich dir einen Textentwurf formuliere?» So geht es weiter: Sie formulierte, ich dankte und schrieb. Am Schluss meinte sie: «Freut mich, dass es passt. Viel Erfolg beim Erledigen der Vollmacht. Wenn du etwas brauchst, melde dich einfach.» Ist das nicht herzig? Sie hat mich mit KI wieder versöhnt! Alles klappte. Ich schickte Simona die Vollmacht. Sie wurde sogar von der Polizei im Hotel abgeholt und brachte mein heiliges iPad zurück. Inspettore Fadda aus Olbia hat also meines Schmids Sackmesser voll und ganz verdient, im Fall. Den Koffer mit Kleidern und Schuhen lassen wir in Sardinien. Am Freitag, dem 29. Mai, gegen Mittag, meldet sich das iPad wieder: «Ich befinde mich gerade bei Simona im Zug und fahre in Sichtweite an Malans vorbei Richtung Chur.» Gut, dies ist jetzt also auch eine KI von mir – aber meiner Fantasie wachsen derzeit Flüüügel. Gestern nun bin ich nach Chur zur Globetrotter-Filiale gefahren und habe mein Werkzeug bei Simona abgeholt. Sie verdient nicht nur unseren grossen Dank, sondern auch unsere Bewunderung für ihr hilfreiches und unkompliziertes Vorgehen. Alles in allem war dieses «Ggöfferli-Gschichtäli» trotzdem eine gute Erfahrung, bei der ich vieles lernte und gute Menschen kennenlernen durfte. Das war es wert! Margrit Schmid, Malans
Spuren im Sand. Abseits der wenigen Touristenorte sind die Strände in Westafrika meist menschenleer. Bei Ebbe verwandelt sich der Strand wie hier in Cap Skirring in Senegal in eine perfekte Sandpiste.
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WESTAFRIKA
Mit dem Motorroller durch Senegal, Gambia und Guinea-Bissau
Freiheit im vierten Gang TEXT: SABINE ZAUGG BILDER: EVELYN HEBEISEN
Westafrika mit dem Scooter? Klingt nach einer schlechten Idee. Oder nach einer sehr guten. Redaktorin Sabine Zaugg findet die Antwort irgendwo zwischen Hitze, Staub und Schlaglöchern auf dem Weg aus ihrer Komfortzone.
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ie Ebbe legt eine feuchtschwarze Sandpiste frei. Rechts rauschen die Wellen des Atlantiks, links stehen Palmen Spalier wie stumme Zuschauer einer Rennstrecke. Kühe liegen im Sand, ansonsten nichts als Strand und Meer. Ich drehe am Gashebel, schalte in den vierten Gang. Der Fahrtwind treibt mir Tränen in die Augen, die Reifen schlingern im Sand. In meinem Kopf läuft der Easy-Rider-Klassiker «Born to be wild», mein Herz weitet sich wie der Horizont vor uns. Ein Gedanke sickert tief in mein Bewusstsein: Ich fahre mit einem Motorroller durch Westafrika. In wilden Formationen jagen wir auf unseren Scootern dem Strand entlang. Hin und wieder reckt jemand die Faust in die Luft und ruft: «Hee-haw!» Es sind Momente, in denen das Gefühl von Freiheit plötzlich überschäumt wie kochende Milch in einer Pfanne. Morgen verlassen wir den Küstenort Cap Skirring und nehmen die Fähre von Ziguinchor zurück in die senegalesische Hauptstadt Dakar. Dann ist die Reise vorbei, und unsere Wege trennen sich. Mich erstaunt, wie schnell aus Fremden Verbündete werden. Und wie viel Erleben in eine Woche passt. Eine Woche, die sich anfühlt wie ein Monat. Dabei hat alles gerade erst angefangen.
Heilige Bäume. Sieben Tage vorher schütteln wir uns südlich von Dakar zum ersten Mal die Hände – neugierig, etwas unsicher, ahnungslos. Zehn Verrückte aus Europa und Amerika. Menschen, die finden, dass ein Scooter ein völlig geeignetes Fortbewegungsmittel für Westafrika ist. Der Plan: von Senegal südwärts durch Gambia und die Casamance bis nach Guinea-Bissau. Drei Länder, 650 Kilometer, acht Tage. Auf Scootern. Eine Tour, die uns einiges abverlangen wird. Genau deshalb bin ich hier. Nicht wissen, wo ich abends schlafen werde. Keine Ahnung haben, was mich morgen erwartet. Jeden Tag neue He rausforderungen. Kurz: raus aus der Komfortzone. Viel Zeit zum Kennenlernen bleibt nicht. Vor uns liegen die ersten 60 Kilometer. Schnell verstauen wir unser Gepäck in den Seitentaschen unserer Motorroller. Phil, der mit Matt die Tour organisiert, erklärt die Technik: Licht und Blinker links, Gas rechts, geschaltet wird mit dem linken Fuss, gebremst mit dem rechten. Vier Gänge, dazwischen Neutral. Die alten 110-ccm-KTM-Scooter stammen aus China und leuchten in allen Farben. Ich wähle einen blauen. Am Rückspiegel baumeln Muschelketten – ich hoffe, sie bringen Glück. Mit unseren 14 Scootern fahren wir in Einerreihe durch staubige Dörfer, dann ist sie plötzlich da, die afrikanische Weite. Zum ersten Mal staune ich: Baobab-Bäume ragen aus der Steppenlandschaft wie uralte Monumente. Kein Wunder, gelten sie als heilig. Wir stoppen bei einem besonders alten Exemplar. 850 Jahre lang soll er schon die Klagen und Wünsche der Dorfbewohner ertragen. Am späten Nachmittag parkieren wir unsere Scooter am Rand des Sine-Saloum-Deltas und steigen in ein Boot, das uns auf eine der vielen Inseln bringt. Hier gibt es keine Autos, nur Pferdekarren 10
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und sandige Wege. Wir übernachten in einer Lodge mit Bambushütten und einem einfachen Restaurant. Beim Abendessen unterhalte ich mich mit Moustapha, der unsere Gruppe als Guide begleitet. Ich stelle fest, dass sich die Menschen hier stärker mit ihrer ethnischen Herkunft identifizieren als mit ihrer Staatsbürgerschaft. So sieht sich der 37-Jährige zuerst als Diola, dann erst als Senegalese. In Westafrika leben Hunderte ethnische Gruppierungen. In Senegal gehört knapp die Hälfte der Menschen zu den Wolof. Daneben gibt es Fulani, Serer, Mandinka oder eben Diola, die besonders in der Casamance stark vertreten sind. Ihre Kultur prägt den Alltag bis heute. «Es ist mir wichtig, dass Besucherinnen und Besucher unsere Kultur verstehen», sagt Moustapha und zeigt mir ein Video von einem Kumpo. Der Tänzer steckt komplett unter einem Kostüm aus getrockneten Palmblättern. Wenn er sich dreht, wirbeln die Blätter wie wild um ihn herum. Der Kumpo schützt das Dorf. Und er flösst den Kindern Respekt ein. Wer nicht gehorcht, wird von ihm bestraft.
Flach. Unterwegs geht es immer wieder über sandige Pisten, wie hier am Rande des Sine-Saloum-Deltas im Süden Senegals. Flink. 650 Kilometer legt die Gruppe auf Scootern zurück. Die wendigen 110-ccm-Maschinen erweisen sich als ideale Fortbewegungsmittel. Fischer. Die Vogelwelt in Westafrika ist beeindruckend. So wie der grosse Nimmersatt, der zur Storchenfamilie zählt. Feudal. Die Lodge in Toubakouta gehört zu den gehobeneren Unter künften der Tour und führt direkt ins Herz des Sine-Saloum-Deltas.
Andere Welt. Nach dem Frühstück kehren wir zu
unseren Scootern zurück. Ich mache die Satteltaschen fest, binde mir ein Tuch vor Nase und Mund, stülpe den Helm über den Kopf und drücke den Startknopf. Wir brausen über schmale Pisten durch die Salzebenen des Sine-Saloum-Deltas. Schnell lerne ich: Auf Sand lenkt man keinen Roller. Man vertraut ihm. Steuert ihn mit seinem Gewicht, nicht mit hektischen Bewegungen am Lenker. Fotografin Evelyn, die mit mir aus der Schweiz angereist ist, lernt es auf die harte Tour. Der tückische Untergrund bringt sie zu Fall, und sie stürzt mit ihrem Roller in den Sand. Zum Glück ist nichts passiert. Denn wir sind weit draussen, wo es Stunden dauern würde, bis ein Krankenhaus erreicht wäre. Eine Ambulanz gibt es nur im Grossraum Dakars. Ausserdem haben wir hier keinen Handyempfang. Nach ein paar Stunden erreichen wir einen Ort mit Tankstelle. Während Boubacar, unser liebenswürdiger Mechaniker aus Mali, die Scooter auftankt, flüchten wir in den klimatisierten Shop. Der Klimawandel ist auch hier spürbar. Normalerweise lässt im November die drückende Hitze der Regenzeit nach, die Temperaturen liegen bei 25 bis 30 Grad. Damit habe ich gerechnet. Mit 38 Grad nicht. Ich komme spürbar ans Limit. Dazu das Fahren, der Staub, die Abgase. Schatten ist in der trockenen Savannenlandschaft rar. Etwas Abkühlung bringt nur der Fahrtwind – vorausgesetzt, man nässt sein Hemd mit Wasser. Der Tankstellenshop fühlt sich an wie eine Fata Morgana. Bridie aus London und Tracy aus Boston geht es ähnlich. Wir pressen kalte Getränkedosen an unsere roten Gesichter. Nach der Erfrischungspause fahren wir auf der Hauptstrasse weiter. Der Asphalt flimmert in der Luft. Jetzt verlangt nicht mehr der Sand, sondern der Verkehr volle Konzentration. Schlaglöcher, überholende Lastwagen, die schwarze Rauchwolken hinter sich herziehen. Ich merke mir: Rückspiegel sind deine besten Freunde. Für zusätzlichen Nervenkitzel sorgen Schulkinder, Kühe, Ziegen,
Mit jedem Kilometer wächst meine Begeisterung.
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Advertorial
Zypern: Schritt für Schritt, Kurve für Kurve Unser Zypern beginnt dort, wo der Weg den Asphalt verlässt. Ein schmaler Pfad führt durch duftende Wälder, zwischen Felsen und mediterraner Vegetation hin durch. Weiter unten glitzert das Meer, während sich im Hinterland die Berge auftürmen. Auf kaum einer anderen Mittelmeerinsel liegen solche Gegensätze so nah beieinan der. Wer Zypern zu Fuss oder auf zwei Rädern erkundet, erlebt nicht nur Landschaft, sondern taucht ein in eine Insel mit mehr als 11 000 Jahren Geschichte.
Für Wanderer ist die Insel ein über raschend vielseitiges Terrain. 52 aus gewiesene Wanderwege führen durch unterschiedliche Landschaften und verbinden Natur mit Kultur und Geschichte. Im Troodos-Gebirge geht es durch schattige Wälder und über abwechslungsreiche Pfade, andernorts entlang der Küste, zu rauen Kaps oder durch ländliche Gegenden und Dörfer. Die Akamas- Halbinsel aber auch das Kap Greco sind hierfür ein Muss. Unterwegs verändert sich die Szenerie beinahe im Rhythmus des Weges: Mediter rane Pflanzen, Felsformationen und weite Ausblicke wechseln sich ab. Hinzu kommen Spuren der Bergbau geschichte und historische Monu mente vor allem aus byzantinischer Zeit, die zeigen, wie eng Natur, Kultur und menschliche Nutzung auf Zypern miteinander verbunden sind. Gerade diese Mischung macht das Wandern interessant: Der Weg ist nicht nur Strecke, sondern führt mitten hinein in die Geschichte der Insel. Raum für das, was beim Unterwegs sein zählt: das Tempo selbst zu bestimmen und die Landschaft bewusst wahrzunehmen. Auch auf dem Fahrrad lässt sich Zypern entdecken. Das Gelände ist kompakt, aber erstaunlich abwechs lungsreich – von flachen Abschnitten und Küstenstrassen bis zu Anstiegen
im Gebirge. Rennradfahrer finden ebenso reizvolle Herausforderungen wie Mountainbiker, die auf rauerem Untergrund unterwegs sein möchten. Routen führen durch Wälder und über Bergstrecken, vorbei an Dörfern und durch ländliche Land schaften. Wer ohne festen Plan losfährt, kann dabei an einem Ort landen, der auf keiner persönlichen Tagesplanung stand: in einem klei nen Dorf, einem Aussichtspunkt oder einer kulturell interessanten Stätte. Besonders attraktiv ist die Kombi nation aus sportlicher Aktivität und entspanntem Entdecken. Nach einer Wanderung oder einer längeren Velotour wartet kein aus tauschbarer Ferienort, sondern eine Insel voller Gegensätze: Küste und Berge, moderne Städte und traditio nelle Dörfer, Natur und jahrtausen dealte Geschichte. Auch kulinarisch lässt sich eine Tour verlängern – etwa bei einem Zwischenhalt in einem Dorf, wo lokale Spezialitäten auf den Tisch kommen. Das Klima ermöglicht Aktivitäten im Freien praktisch ganzjährig. Für Radsportler sind besonders die Frühjahrsmonate interessant; gleich zeitig dient Zypern auch ausserhalb der Saison als Trainingsdestination. Doch letztlich ist es weniger die sportliche Leistung, die in Erinnerung bleibt, als das Erlebnis unterwegs: der Duft der Wälder, eine kurvige Bergstrasse, der Blick aufs Mittel meer und die Begegnung mit einem Stück Zypern, das man sich selbst erwandert oder erradelt hat.
Für mehr Informationen: www.visitcyprus.com
REISENEWS
VERLOSUNG
Türkische Gastfreundschaft über den Wolken Turkish Arlines macht Reisen in der Business Class zu einem ganz besonders angenehmen Erlebnis. Preisgekröntes Essen, ein modernes Inflight-Entertainment-System der neusten
Generation, zusätzliches Freigepäck, schnelleres Check-in am Flughafen und Zugang zu exklusiven Lounges und komfortablen Sitzen sorgen für Wohlgefühl vor dem Flug – und vor allem dann über den Wolken. Zudem können Reisende in der Business Class mehr Meilen über das Programm Miles & Smiles verdienen. Wir verlosen 1 × 2 Hin- und Rückflugtickets mit Turkish Airlines in der Business Class von Basel nach Istanbul im Wert von mindestens 1800 Franken. Schreibe eine E-Mail mit dem Betreff «Turkish» sowie Name und Adresse an wettbewerb.magazin@globetrotter.ch. Einsendeschluss ist Montag, 16. November 2026. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird per E-Mail benachrichtigt, die gewonnenen Tickets müssen in Absprache mit Turkish Airlines eingelöst werden. Rechtsweg ausgeschlossen. è turkishairlines.com 20
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Vertikale Verlockungen Ein Wohnhaus aus den 1960er-Jahren hat sich zu einem hippen Treffpunkt von Ho-Chi-Minh-Stadt entwickelt: Hinter der alten Fassade des The Café Apartments (Bild) an der Nguyen Hue Walking Street entstand auf neun Etagen ein vertikales Café- und Kreativviertel mit ganz unterschiedlichen Lokalen, von Cafés über Restaurants bis zu Boutiquen und Ateliers. Besonders beliebt sind die Plätze auf den Balkonen mit Aussicht auf die lebendige Fussgängerzone. Das ungewöhnliche Gebäude verbindet den Charme des alten Saigons mit urbanem Leben und ist längst ein beliebtes Fotomotiv.
Die Geparde sind zurück
Obsi und nidsi durch die Zentralschweiz
Nach fast 30 Jahren kehren Geparden in die LuangwaRegion in Sambia zurück. Sechs Tiere – drei Männchen und drei Weibchen – wurden aus Südafrika in den NorthLuangwa-Nationalpark umgesiedelt. Weitere Tiere sollen später in diesem Jahr folgen. Nach einer Eingewöhnungsphase in einem geschützten 2000 Hektar grossen Areal sollen sie in die freie Wildbahn entlassen werden. Ziel ist der Aufbau einer Popula tion, die sich langfristig selbst erhalten kann.
Hinauf und hinunter – oder eben «obsi und nidsi»: Uri Tourismus und Engelberg-Titlis Tourismus haben gemeinsam die neue Plattform «OBSI+NIDSI» lanciert. Das Herzstück der Website ist eine interaktive Erlebniskarte für Uri, Obwalden und Nidwalden. Sie zeigt die Routen der kleinen «Buiräbähnli», die einst vor allem dem Transport von Milch, Heu und Geräten dienten und heute mit oft offenen und originellen Gondeln Ausflüglerinnen und Wanderer befördern. Zudem empfiehlt die Karte passende Bike- und Wandertouren sowie Gasthäuser und Übernachtungsmöglichkeiten. So lädt die Plattform dazu ein, die Region abseits der bekannten Ausflugsziele zu entdecken. è obsi-nidsi.ch
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Optimal versorgt im Ausland Wer für Ferien, Reisen oder längere Aufenthalte ins Ausland reist, sollte früh zeitig prüfen, welche Leistungen die Grundversicherung im Ausland übernimmt und wie die Zusatzversicherungen von Swica den Versicherungsschutz erweitern können. Mit den passenden Zusatzversicherungen bietet Swica einen umfassenden und optimalen Gesundheitsschutz im Ausland. èswica.ch/ausland
Freie Fahrt nach Gibraltar Nach jahrelangen Verhandlungen ist am 15. Juli 2026 die Grenzkontrolle zwischen Spanien und Gibraltar gefallen. Das vorläufig angewendete Abkommen zwischen Grossbritannien und der EU erleichtert den Grenzübertritt und bindet das britische Gebiet an der Südspitze der Iberischen Halbinsel enger an den Schengenraum an.
Zum 50-Jahr-Jubiläum trat unser Schwesterunternehmen Globetrotter Travel Service im Juni als Hauptsponsor des Hofkinos des Landesmuseums Zürich auf und feierte gemeinsam mit Kundinnen und Kunden und prominenten Gästen. Ein Höhepunkt war die Explora-Show «Verrückt nach dieser Welt» von Solarpionier Louis Palmer. Auch Globetrotter-Gründer und Filmemacher Walo Kamm (Mitte) liess sich den Reise-ComedyAbend nicht entgehen. Mit dabei waren unter anderem (von links): die Massai-Schamanin Marieta Kiptalam, Sängerin Lea Lu, Filmregisseurin Barbara Miller («#Female Pleasure»), Fran (Carlos Leals Verlobte), Dokfilmer Christian Frei («War Photographer»), Meditations-Guide Ceci Estrella, Ex-Miss und Filmschauspielerin Mahara McKay, Schauspieler und Sänger Carlos Leal, Regisseur Rob Holub («First Swiss Rockstar») und der Werbeunternehmer Frank Bodin.
TOLIS FRAGOUDIS
Promis feiern mit Globetrotter
«Je mehr man reist, desto mehr erkennt man, dass die ganze Welt eine einzige Nachbarschaft ist.» Franklin D. Roosevelt
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Unser Tor zur Welt Der Rhein ist weit mehr als eine idyllische Wasserstrasse – er ist das Tor der Schweiz zur Welt. Eine neue Ausstellung im Verkehrshaus der Schweiz nimmt Besucherinnen und Besucher mit auf eine spannende Entdeckungsreise hinter die Kulissen der Rheinschifffahrt. Wie gelangen Kaffeebohnen, Kleidung oder Smartphones in die Schweiz? Wer sorgt täglich dafür, dass Häfen, Schiffe und Warenströme reibungslos funktionieren? In sechs Themen bereichen wird ein meist verborgener Arbeits- und Verkehrsraum erlebbar. Zahlreiche interaktive Highlights laden zum Entdecken und Ausprobieren ein: Besucherinnen und Besucher können ein Schiff im Simulator steuern, nautische Berufe kennenlernen, ein riesiges Schleusenmodell erkunden oder einen Blick in eine begehbare Passagierkabine werfen. Der perfekte Ausflug für einen regnerischen Herbsttag! è verkehrshaus.ch/rheinhaefen
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North Dakota feiert Theodore Roosevelt Zum 250. Geburtstag der USA wurde diesen Sommer in Medora, North Dakota, die Theodore Roosevelt Presidential Library (Bild) eröffnet. Auf mehr als 3700 Quadratmetern zeichnet die Ausstellung Roosevelts Weg von der Jugend über seine Zeit als Rancher bis zu seiner Präsidentschaft und seinem Einfluss auf die amerikanische Gesellschaft nach. Ein Highlight ist «Run Your Own Presidency»: In der interaktiven Simulation treffen
Besucherinnen und Besucher politische Entscheidungen und erleben Herausforderungen, vor denen Roosevelt einst stand. Eine KI liefert dabei Antworten anhand von Roosevelts verifizierten Schriften und Briefen. Ergänzt wird das Angebot durch öffentliche Veranstaltungen und Naturerlebnisse in der Umgebung. Das Gebäude fügt sich mit seinem begrünten Dach harmonisch in die hügelige Landschaft der Badlands ein. è trlibrary.com 21
GESUNDHEIT
DR. TRAVEL
Reisemedizinerin Dr. Danielle Gyurech berichtet aus ihrem Praxisalltag
Fit zum Tauchen
Reiselust
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NEU
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Mit 10 Milchsäurebakterienstämmen für die ganze Familie. Ein Nahrungsergänzungsmittel ist kein Ersatz für eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. VERFORA AG 22
Maria plant eine zweiwöchige Liveaboard-Tauchsafari auf den Malediven. Die Route führt zu neun Atollen. Sie freut sich auf die Walhaie im Süd-Ari-Atoll. Im Baa-Atoll gibt es oft Mantas zu sehen. Auch Hammerhaie, Grau-, Weissspitzen- und SchwarzspitzenRiffhaie sind anzutreffen. Noch vor der Abreise verlangt der Veranstalter ein Tauchtauglichkeitszertifikat. Maria kommt dafür in unsere Praxis. Als Erstes befrage ich sie zu Medikamenteneinnahme, Vorerkrankungen, früheren Tauchzwischenfällen und ihrem Tauchverhalten. Ich messe Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung. Werte unter 95 Prozent in Ruhe können auf eine eingeschränkte Lungenfunktion, eine Anämie oder Herz-Kreislauf- Probleme hinweisen. Zur Untersuchung gehört auch das Abhören der Lunge und des Herzens. Zur Beurteilung der Herztöne verwende ich das Valsalva-Manöver. Die zu untersuchende Person wird gebeten zu pressen – ähnlich wie auf der Toilette. Dadurch steigt kurzzeitig der Druck im Brustkorb. Dies verändert den Blutfluss durch das Herz, sodass sich allfällige Herz geräusche hören liessen. Bei Maria höre ich ein gleichmässiges Herzgeräusch zwischen den Herzschlägen. Dies kann auf eine undichte Herzklappe hindeuten. Im Liegen ist das Geräusch jedoch nicht mehr hörbar. Die Lageabhängigkeit spricht für ein funktionelles, also harmloses Herzgeräusch. Daher beurteile ich es als nicht relevant. Der Lungenfunktionstest misst zwei wichtige Werte: die Luftmenge, die nach maximalem Einatmen mit voller Kraft ausgeatmet werden kann, sowie die Luftmenge, die innerhalb der ersten Sekunde ausgeatmet wird. So lassen sich das Lungenvolumen und die Elastizität des Gewebes beurteilen, und ebenso, ob die Atemwege verengt sind. Dies ist beim Tauchen besonders wichtig, da eingeschlossene Luft beim Aufstieg zu Verletzungen der Lunge führen kann. Beide Werte müssen mindestens 80 Prozent des geschlechts-, grössen-, und altersspezifischen Sollwertes erreichen. Mit einer Untersuchungslampe beurteile ich die Rachenhinterwand und die Mandeln. Die Schleimhaut sollte glatt, feucht und rosa sein, die Mandeln nicht vergrössert, damit die Luft ungehindert zirkulieren kann. Im Halsbereich bis zum Schlüsselbein taste ich nach vergrösserten Lymphknoten. Mittels Ohrmikroskopie prüfe ich, ob die Gehörgänge frei und nicht durch Ohrenschmalz verstopft sind. Dies würde die Druckregulation beim Tauchen beeinträchtigen. Das Trommelfell selbst muss sich beim Druckausgleich frei bewegen können. Anschliessend überprüfe ich die Reflexe und taste die Bauchorgane ab. Auffälligkeiten müssten weiter abgeklärt werden. Auf Blut- und Urinuntersuchungen sowie ein Ruhe-EKG verzichte ich, da Maria jünger als 60 Jahre ist und keine Risikofaktoren angibt. Insgesamt beurteile ich Maria als tauchtauglich. Ich unterschreibe das internationale Zertifikat, wünsche ihr grossartige Tauchgänge und «gut Luft».
Dr. Danielle Gyurech (62) führt seit 1995 mit Dr. med. Julian Schilling die T ravel Clinic in Zürich, eine Praxis für Reise- und Tropenmedizin. Danielle ist Mutter von zwei erwachsenen Söhnen und bereist selbst leidenschaftlich gerne die Welt. In der Rubrik «Dr. Travel» schildert sie anonymisierte Fälle aus ihrem Berufsalltag. è travelclinic.ch
Wanderreise durch Neuseeland
Der Zufall führt Regie TEXT UND BILDER: LENA WIDMER
Eine Farm mit 17 000 Schafen, einsame Täler voller Regenwald und ein unerwartetes Fotoshooting am Strassenrand: In Neuseeland sammelt Lena Widmer wandernd Geschichten, die sich nicht alle planen lassen.
D
er Tag war lang und anstrengend, meine Füsse schmerzen. Ich sitze in Arthur’s Pass neben der Pass strasse auf meinem vollen Ruck sack am Boden und bin in ein Buch vertieft. Der Bus fährt, falls er überhaupt kommt, erst in einer Stunde. Plötzlich stoppt ein weisses Auto neben mir, drei Männer steigen aus. Sie sprechen mich freund lich an, erklären, dass sie aus Japan kommen und für eine Sockenmarke arbeiten. Und dann die Frage: «Do you want to be a sock model?» Wie bitte? Ob ich Sockenmodel sein möchte? Bereits das zweite Mal reise ich für mehrere Mo nate durch Neuseeland. Ausser dem Wunsch, einige Bekannte zu besuchen, habe ich keine festen Pläne. Mein Rucksack ist gefüllt mit Zelt und Camping sachen, ich möchte wandern, draussen sein und den Kopf auslüften. Schaffarm. Die ersten sechs Wochen begleitet mich Elena, eine meiner besten Freundinnen. Wir besu chen Mikayla, die als Schafhirtin auf der Dome Hills Station auf der Südinsel Neuseelands arbeitet. Wir haben sie auf unserer ersten Reise im Jahr 2018 ken nengelernt und uns sofort in die Hügellandschaft von North Otago verliebt. Auch jetzt, Jahre später, nimmt sie uns wieder mit in ihren turbulenten und anstrengenden Alltag inmitten ihrer 17000 Schafe und 16 Hirtenhunde. Wir helfen mit, so gut wir können, und lernen schnell dazu: wie man Schafe treibt, den Slang der Locals versteht, das Röhren eines Hirsches imitiert und ein Motorrad über holp rige Feldwege lenkt.
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Die Realitäten, in denen Mikayla und wir auf gewachsen sind und die wir unseren Alltag nennen, sind verschieden. Dennoch ist eine schöne Freund schaft entstanden, die bis heute anhält. Mikayla lässt uns an ihrem Leben teilhaben, nimmt uns mit zu ihrer Familie. Ihre Grossmutter Maureen schrieb uns über Jahre Briefe, in denen sie von ihrer Fami lie und dem Wechsel der Jahreszeiten erzählte.
Mut. Die ersten sechs Wochen ihrer Reise durchwandert Lena Neuseeland mit ihrer Freundin Elena. Danach ist unsere Autorin bereit für ihre erste alleinige Mehrtageswanderung.
Geduld. Die Tage auf der Farm vergehen wie im
Übernachtung. In Neuseeland gibt es ein ausgezeichnetes Hütten- und Zeltplatznetzwerk.
Flug, der Abschied fällt schwer. Doch die Berge und Täler der Südinsel rufen. Elena und ich reisen mit dem Bus bis zur Endstation in Gore. Ein kleines und ländliches, aber sehr weitläufiges Dorf, das sich selbst als «Hauptstadt der Countrymusik» bezeich net. Mit unseren vollbepackten Rucksäcken stellen wir uns am Dorfrand an die Strasse. Unser Ziel ist es, noch am selben Tag Te Anau zu erreichen, wo wir bei Rosie übernachten dürfen. Von vergangenen Reisen haben wir bereits Erfahrung mit dem Fah ren per Anhalter, doch dieses Mal schätzen wir die Situation falsch ein. Aus dem Dorf führt nur eine Strasse, die mehr oder weniger direkt nach Te Anau führt. Wir stehen an einem idealen Ausfahrstreifen, die Rahmenbedingungen könnten nicht viel besser sein. Doch es kommt lange kein einziges Auto. Die Sonne steht schon tief. Als endlich ein Auto vorbeifährt, gibt uns die Fahrerin zu verstehen, dass sie nur bis zum nächs ten Abzweiger fährt. Wir beschliessen, die Mission abzubrechen und in diesem verlassenen Ort einen Schlafplatz zu suchen. Ein paar Hundert Meter zu rück finden wir eine Tankstelle. «Ja, es gibt einen Campingplatz», sagt die Tankwartin, «nur zehn
Wald. Die Wanderwege führen sowohl durch dichten Wald als auch über Berggipfel und weite Sandstrände.
Einsatz. Auf der Dome Hills Station dürfen die Freundinnen für ein paar Tage mitanpacken. Mit 17 000 Schafen gibt es genug Arbeit. Freundschaft. Lena und Elena haben Mikayla auf ihrer ersten Neuseelandreise kennengelernt. Klar gehen sie auch diesmal zu ihr auf Besuch.
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OZEANIEN Verwirrt schaue ich sie an. Ich sitze verschwitzt am Strassenrand. Gerade bin ich von einer sie benstündigen Wanderung vom Avalanche Peak zurückgekehrt und warte auf den Bus. Um diese Uhrzeit verirren sich nur noch wenige Wandernde hierher. «Ich verstehe nicht genau, was ihr meint», sage ich. Der grösste der drei streckt mir ein Infoblatt unter die Nase. Darauf stehen der Name der Marke, eine kurze Erklärung und ein Bild der Website. Einer der Männer hat bereits ein paar Wollsocken in der Hand, die er ebenfalls in meine Richtung streckt. In einem anderen Mo ment hätte ich spätestens jetzt den Kopf geschüttelt, aus Angst vor fremden Männern oder aus Skepsis. Aber ich habe ja gerade nichts anderes zu tun. Und ich fühle mich stark und abenteuerlich. Zudem sind mir die drei irgend wie sympathisch. «Okay», willige ich lachend ein und zucke mit den Schultern. «Meine Füsse stinken vielleicht», füge ich noch hinzu. «Kein Problem», winken sie ab, und ich nehme die blau-weissen Socken in die Hand. «Ich muss nichts bezahlen?», frage ich noch nach. Ähn liche Situationen endeten bisher meist damit, dass ich einem Strandverkäufer ein Armband abgekauft hatte, das ich nicht wollte, oder jemand Geld für eine Bibel verlangte, die ich nie haben wollte.
Erfahrung. Mit japanischen Wollsocken an den verschwitzten Füssen posiere ich für den Foto grafen, der mir zuruft, ich solle doch einmal meinen Rucksack aufsetzen. Er macht ein paar Fotos aus verschiedenen Perspektiven. Dann einige Nahaufnahmen meiner Füsse. «So das wars, vielen Dank! Die Socken kannst du be halten.» Die Männer schütteln mir die Hand, setzen sich zurück in ihren Mietwagen und fahren davon. Mit einem Lachen auf den Lip pen bleibe ich zurück. Das Erlebte kommt mir surreal vor. Doch die Socken an meinen Füssen sind der Beweis dafür, dass ich tatsächlich ge rade Model war. Vielleicht hängen sich die drei die Bilder über ihr Bett, wer weiss. Ich bin trotzdem dankbar für ein paar saubere Socken. Ich freue mich auf die Monate, die ich in Neuseeland bleibe. Ich möchte weiterwandern und lernen, mir selbst zu vertrauen, den Mut haben, als Frau allein draussen unterwegs zu sein. Im Vergleich zu meiner ersten Neusee landreise fühle ich mich erfahrener, besser vor bereitet und weniger unvorsichtig. Ich bin bereit für meine erste Solomehrtageswanderung. Einige Monate später finde ich ein Foto von mir auf einem Social-Media-Account des japa nischen Sockenlabels. Für den grossen Durch bruch hat es nicht gereicht, aber auf jeden Fall für eine gute Geschichte. lenaw7000@gmail.com
Alles über Neuseeland Hinweise über die beste Reisezeit, Einreisebestimmungen und viele weitere Infos über Neuseeland findest Du online beim Globetrotter Travel Service. è globetrotter.ch/info-neuseeland
Lena Widmer (26) aus Graubünden hat Geografie studiert und bildet sich heute zur Geografielehrerin weiter, um ihre Neugier für die Um- und Mitwelt weitergeben zu können. Sie ist sehr gerne draussen unterwegs, beim Klettern, Wandern oder Schwimmen. Auch wenn ihr Neuseeland ans Herz gewachsen ist, liebt sie ebenfalls das Reisen kreuz und quer durch Europa.
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MIT BÜCHERN DIE WELT ENTDECKEN
VORGESTELLT VON WALO KAMM
Dichtestress. Reisen ist schön. Aber bleibt es schön, wenn wie hier an der ligurischen Küste alle gleichzeitig an den gleichen Ort reisen? Und wie können wir die Herausforderungen des Übertourismus meistern? Mit solchen Fragen setzt sich Lukas Niederberger in seinem neuen Buch auseinander. Bild: Sarina Sommer
Ein neuer Blick aufs Reisen Der Zeitgeist führte zu Massentourismus mit viel Oberflächlichkeit, ökologischen Belastungen und Overtourism. Immer mehr Kritik wird laut. Das neue Buch «Reisen ist mehr als wegfahren» verbindet präzise Analyse und Kritik mit Verbesserungsvorschlägen.
In einer Zeit, in der das Reisen in fremde Länder für viele Menschen selbstverständlich geworden ist, droht genau das verloren zu gehen, was Reisen einst ausgemacht hat: die Offenheit für das Unbekannte, die Bereitschaft, sich wirklich ein zulassen, und die Fähigkeit, sich unterwegs auch selbst zu hinterfra gen. Reisen kann bereichern, ver binden und verändern – wenn wir es nicht nur als geografische Ver schiebung, Erholungsurlaub oder Prestigetrip sehen, sondern auch als Weg der Selbstbegegnung. 28
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Gleichzeitig hat sich der Touris mus zu einem globalen Wirt schaftszweig entwickelt, dessen Schattenseiten von ökologischen Belastungen bis zu den Herausfor derungen des Übertourismus rei chen. Umso wichtiger ist es, sich die Frage zu stellen: Warum und wozu reisen wir eigentlich? Genau hier setzt dieses aktuelle Buch von Lukas Niederberger an. Es beleuchtet die Realität des glo balen Tourismus und greift aus wissenschaftlicher Perspektive zentrale Fragen auf, die heute drängender sind denn je. Beson ders überzeugend ist, dass es nicht bei der Theorie bleibt. Es lädt zur Reflexion ein. Die Impulsfragen am Ende jedes Kapitels führen uns auf uns selbst zurück und regen zur ehrlichen Auseinandersetzung an. Beachtenswert sind auch die Vorschläge für Verbesserungen der jeweiligen Problematik sowie
die aufschlussreichen Rückmel dungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die der Autor als Leiter von Studienreisen bekommen hat. Reisende mit offenen Augen nehmen unterwegs neue Inspira tionen auf, lassen dafür alte Gewissheiten zurück – und keh ren bereichert und verändert zurück. Doch diese Transforma tion geschieht nicht von selbst. Sie verlangt Offenheit und die Bereit schaft, sich wirklich einzulassen. Gerade heute, wo fast alles geplant und digital vorweggenommen wird, droht genau dieses Uner wartete verloren zu gehen. Dabei sind es oft die Überraschungen, die einer Reise die Würze geben. Ich freue mich, dass dieses Buch dazu beiträgt, das Reisen neu und bewusster zu denken. Wer sich darauf einlässt, wird nicht unbe dingt weniger reisen, aber anders:
wacher, bewusster, vielleicht auch dankbarer. Vielleicht beginnt die nächste Reise dann nicht nur mit dem Aufbruch in ein unbekanntes Land, sondern mit einem neuen Blick auf die Welt – und auf sich selbst.
Lukas Niederberger Reisen ist mehr als wegfahren Eine Einladung zum bewussten Unterwegssein 174 Seiten, CHF 36.90, Oekom Verlag, ISBN 978-3-98726-568-6
Sinnsuche und Statussymbol
Wanderreiseplaner
Frau mit Motorrad
Die Sehnsucht nach dem ultimativen Trip prägt das Lebensgefühl einer ganzen Generation – Reisen ist heute Sinnsuche und Statussymbol zugleich. Doch der Druck, immer mehr und intensiver zu erleben, hinter lässt Spuren – an überlaufenen Instagram-Hotspots, aber auch in uns selbst. Die Angst, das Beste zu verpassen, reist im Handgepäck ganz oben mit. War der Urlaub nicht für die Erholung gedacht? Woher kommen unser Stress und unsere Ansprüche? Und wie schaffen wir es, dass Reisen wieder zu einer erfüllenden Erfahrung wird? Ein schonungsloser Bericht über das Reisen der Gegenwart. Und ein Plädoyer für mehr Gelassenheit, Musse und Entdeckungslust.
Wohin führt dich dein nächstes Wanderaben teuer? Träumst du von einer spirituellen Pilgerreise auf dem spanischen Jakobsweg im Februar? Oder lockt dich ein verlängertes Wochen ende auf dem britischen South West Coast Path im April? Vielleicht planst du eine mehrwöchige Expedi tion durch Kaliforniens High Sierras auf dem legen dären John Muir Trail im Juli? Oder reizt dich eine viertägige Küstenwanderung auf dem südafrikanischen Strandloper Trail im Novem ber? Egal wann und wohin es dich zieht – hier findest du 96 spektakuläre Wanderziele welt weit und den besten Reisemonat für jede Tour.
Was tust du, wenn dir das Leben statt Steine ganze Felsbrocken in den Weg legt? Als Noraly Schoenmaker von ihrem Partner betrogen wird, ihr Haus notgedrungen verkaufen muss und ihren Job kündigt, entscheidet sie sich, auf ein Motorrad zu steigen und von Indien nach Holland zu fahren. Das Bike tauft sie Basanti, innerhalb von neun Monaten fährt sie quer durch 25 Länder. Vom farbenfrohen Indien durch die immense Hitze des Iran und entlang der afghanischen Grenze über die schneebedeck ten Berge Kirgistans zurück in die Niederlande. Eine unvergessliche Reise, mit der Noraly schnell das Internet eroberte – und die insge heim viel anstrengender war, als sie jemals gezeigt hat.
Philipp Laage Travel is broken Warum Reisen oft enttäuscht und wie wir es neu entdecken können
Lonely Planet Wann am besten wohin wandern Der ultimative Reiseplaner für jeden Monat
Noraly Schoenmaker Free Ride 36 000 Kilometer mit dem Motorrad auf dem Weg zu mir selbst
222 Seiten, Kösel Verlag, CHF 25.50, ISBN 978-3-466-37352-9
Format 19×25 cm, 328 Seiten, 285 Farbfotos, Kunth Verlag, CHF 41.90, ISBN 978-3-575-01366-8
256 Seiten, 36 Farbfotos, Goldmann Verlag, CHF 28.90, ISBN 978-3-442-18079-0
Die Angst vor dem Verpassen
Mit 80 Jahren…
Einfach losfahren
Eine Reise zum Vergnügen ist die grosse persönliche Belohnung, die Auszeit, das Aben teuer, das Entkommen aus allen Zwängen und Pflichten. Und unterlegt mit der Angst, etwas zu verpassen. Nach seinem vielbeachteten Essay «Ferienmüde» hat sich Valentin Groebner erneut auf die Reise gemacht: von den Traumstränden des Peloponnes zum Wellnessurlaub auf Sri Lanka, von alpinen Idyllen und überfüllten Bergdörfern in die bukolische Leere des Bur gund, von Rom über Südtirol nach Luzern. Ob auf griechischen Parkplätzen, an Mittel meerstränden oder im Schatten der schmelzen den Gletscher, die Zukunft des Reisens wird voll sein mit Touristen; alle geplagt von der Angst, schon wieder zu spät gekommen zu sein.
Sieben Kontinente, 80 Tage und zwei uner schrockene beste Freundinnen. Das riecht nach Spass und Erlebnissen! Als mehrfache Grossmütter, engagierte Chris tinnen und Globetrotterinnen haben Eleanor und Sandra schon viel erlebt, bevor sie sich in ihr wohl grösstes Abenteuer stürzen. Bald sind sie auf TikTok und Instagram als die «Traveling Grannies» bekannt, die auf ihre eigene Art reisen: mit einem Fokus auf Budgetreisen, um näher an den Kulturen der besuchten Länder zu sein. So lernen sie Menschen, Kulturen und sich selbst immer besser kennen und lieben. Eine herzerwär mende Hommage an die Schönheit der Welt, die Kraft der Freundschaft und den Mut, auch im Alter noch Verrücktes zu wagen.
Was passiert, wenn man alles hinter sich lässt – Job, Sicherheit, Erwartungen – und ein fach losfährt? Bobby Bolton hat genau das gemacht und mit einem gebrochenen Herzen sein Zuhause hinter sich gelassen, um in einem selbst gebauten Truck gemeinsam mit seinem Hund Red bis nach Australien zu fahren. Aus der Abenteuer reise wird schnell eine Liebes geschichte, wenn Bobby seine zukünftige Freundin Marie mit Hündin Rubia in Frank reich trifft und sie sich kurzerhand seiner Reise anschliessen. Es entspinnt sich eine spannende Reise voller Widrigkeiten und Hindernisse, aber auch Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und unvergesslicher Erlebnisse.
Valentin Groebner Abgefahren Reisen zum Vergnügen
Eleanor Hamby, Sandra Hazelip The Traveling Nanas – Here we go Mit 80 Jahren furchtlos um die Welt
Bobby Bolton Truck it! Die Reise um die Erde, die mein Leben rettete
134 Seiten, Taschenbuch, University Press, CHF 28.50, ISBN 978-3-8353-9188-8
320 Seiten, Malik Verlag, CHF 29.50, ISBN 978-3-89029-621-0
346 Seiten, 0 Fotos (schade), Edel Verlag, CHF 29.90, ISBN 978-3-68965-008-7
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CHEFSACHE
Die CEOs der Globetrotter Group im Gespräch
Fabian Sommer, Globetrotter Club AG
«Ich bastelte schon als Kind Zeitungen» INTERVIEW: ANDY KELLER
veröffentlichen können, hat aber den Vorteil, dass wir die Qualität und Vielfalt der Reportagen hoch halten können.
Die Ausgangslage ist eine besondere: Andy Keller interviewt seinen Nachfolger Fabian Sommer (45), den er vor acht Jahren angestellt hat. Wie tickt der heutige Chefredaktor des Globetrotter-Magazins?
Was ist dein Bezug zum Thema Reisen?
Du bist seit acht Jahren Leiter der Globetrotter Club AG und damit Chefredaktor des Globetrotter-Magazins. Wie kam es dazu?
Du hast mich angestellt… (lacht). Im Ernst, ich war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, habe die Stellenausschreibung gesehen und mich sofort beworben. Ich gab mir nicht den Hauch einer Chance, den Job zu bekommen.
Das hast du falsch eingeschätzt, deine Bewerbung landete sofort auf dem Stapel der heissen Kandidaten.
Ja, wir beide hatten dann, für mich überraschend, sehr schnell ein erstes Gespräch, und mir wurde klar, dass ich die Stelle unbedingt will. Es dauerte dann noch eine Weile bis zur Zusage.
Es folgten Gespräche mit weiteren Globetrotter-Kaderleuten. Alle wollten mich kennenlernen und mir auf den Zahn fühlen. Und dann kam der Anruf von dir, den ich nie vergessen werde. Ich jubelte und habe den Wechsel bis heute nie bereut. Du bist ein Vollblutjournalist.
Ich habe schon früh gerne Texte geschrieben und mit meinem Vater Zeitungen gebastelt. Ab der fünften Klasse machte ich eine Schülerzeitung, und später verfasste ich bei der Jugendredaktion des «Bieler Tagblatts» erste journalistische Texte. Nach einer KV-Lehre erhielt ich vom Büro Cortesi in Biel, das damals mehrere regionale Wochenzeitungen und andere Printprodukte produzierte, das Angebot für ein Volontariat. Dort lernte ich während zwei Jahren das journalistische Handwerk und schrieb über alles. Ich blieb dann als Redaktor weitere vier Jahre dort, bevor ich zur «Berner Zeitung» wechselte, wo ich 13 Jahre lang in verschiedenen Ressorts arbeitete.
Reisefamilie. Fabian Sommer mit Frau Sarina und den Söhnen Kian (links) und Quin vor dem Titanic-Museum im nordirischen Belfast.
Und mittendrin gab es noch die Bar-Episode in Biel.
Genau. Ich gründete 2009 mit meiner heutigen Frau und einem Freund im Zentrum von Biel die Bien Bar. Fünf Jahre lang arbeitete ich fast Tag und Nacht für dieses Projekt. Ich reduzierte während dieser Zeit mein Pensum bei der «Berner Zeitung» auf 50 Prozent. Eine abenteuerliche Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Welches ist dein Lieblingsdrink?
Americano – ein Mix aus Campari, rotem Martini, Mineralwasser, Eis und einem Orangenschnitz. Guinness mag ich auch. Das hat auch mit meiner Frau zu tun, sie hat nordirische Wurzeln. Wie fühlte sich der Wechsel vom schnelllebigen Tagesjournalismus zum langsameren Magazinjournalismus an?
Ich musste mich darauf einstellen, dass hier alles viel langfristiger – bis sechs Monate im Voraus – geplant wird. Dadurch kann man sorgfältiger arbeiten. Das gefällt mir sehr. Im Tagesjournalismus war es oft hektisch. Am Morgen erfuhr ich, was zu tun war. Am Abend musste es fertig sein. Das Magazin steht für authentische, persönliche Reisegeschichten. Erhaltet ihr genügend Reportagen?
Uns werden pro Monat mindestens zehn angeboten. Das sind viel mehr als wir
Als Kind reisten wir jeweils im Sommer mit dem Nachtzug nach Italien ans Meer. Das Gefühl des Aufbruchs, an einen Ort zu reisen, wo es anders aussieht, anders riecht und eine andere Sprache gesprochen wird, hat mich schon von klein auf fasziniert. So ab dem Alter von 15 Jahren war ich dann immer wieder allein oder mit Freunden in Europa unterwegs. Reisen ist bis heute – neben Schreiben, Fussball und Eishockey – meine grosse Leidenschaft. Welches war deine prägendste Reiseerfahrung?
Schwierig, es gibt so viele… aber es ist wohl die mehrmonatige Südostasien- und Austra lienreise im Jahre 2014 mit meiner Frau Sarina. Es war unsere erste grosse gemeinsame Reise.
Jetzt habt ihr zwei Kinder. Wie vereinbart ihr euer Familienleben mit dem Beruf?
Wir haben zwei Jungs im Alter von sieben und elf Jahren und teilen uns die Betreuung und Familienarbeit. Ich kann meine Arbeitszeit recht flexibel einteilen, im Büro und zum Teil zu Hause. Klar ist es ein permanentes Jonglieren und Organisieren, aber unser Modell funktioniert. Ihr seid auch eine Reisefamilie.
Wir gehen viel und gerne auf Reisen. Es freut mich, dass beide Kinder auch gerne unterwegs, flexibel und neugierig sind. Ich habe noch nie von ihnen gehört, dass sie nach Hause wollen. Und für uns ist es schön, die Welt noch einmal durch Kinderaugen zu sehen. fabian.sommer@globetrotter.ch è globetrottermagazin.ch
Die Globetrotter Group, zu der auch das GlobetrotterMagazin gehört, bietet das Dach für zwölf Reiseunternehmen mit 21 spezialisierten Marken. Seit der Gründung im Jahr 2009 hat sich der Kreis der Mitglieder ständig vergrössert. Heute arbeiten rund 370 Menschen für die Gruppe. In der Rubrik «Chefsache» sprechen wir in jeder Ausgabe mit dem CEO einer der Firmen über Persönliches und Geschäftliches. Mit dieser Folge endet die Serie. è globetrotter-group.ch
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Per Anhalter unterwegs
Möchtest du einsteigen? TEXT UND BILDER: DANIEL DAKUNA
Als Daniel Dakuna für seinen Masterabschluss nach Australien und Neuseeland reist, stellt er sich zum Trampen an die Strasse, weil er Geld sparen will. Diese Art des Reisens sowie die Bekanntschaften, Gespräche und Abenteuer stellen seine Weltanschauung und seine Idee von einem glücklichen Leben auf den Kopf. Mittlerweile hat Daniel fast 100 000 Kilometer per Anhalter zurückgelegt.
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in sommerlicher Nachmittag vor etwa zehn Jahren in Neuseeland. Ich stehe mit ausgestrecktem Daumen an der Strasse. Leo hält an. Der 60-jährige Auswanderer aus Belgien ist meine insgesamt sechste Mitfahrgelegenheit. Die Begegnung mit ihm stellt mein Leben auf den Kopf. Wieso er mich mitnimmt, will ich wissen. Er ist mit 16 Jahren aus Belgien abgehauen und dann 20 Jahre lang per Anhalter unterwegs gewesen, erzählt mir der grauhaarige Mann. «Ich habe so ungefähr 250 000 Kilometer zurückgelegt. Deshalb nehme ich heute jeden Tramper mit.» Meine Kinnlade klappt herunter. «Es ist so viel lustiges Zeug passiert. Trampen ist unglaublich.» Während die Landschaften Neuseelands an uns vorbeiziehen und Leo davon erzählt, wie er mal von einer Nonne mitgenommen wurde, die in ihm die Wiedergeburt von Jesus Christus sah, macht sich in mir eine weitere Frage breit. Da ich selbst erst vor zwei Wochen zum ersten Mal getrampt bin, plagen mich Zweifel und Ängste. So euphorisch, wie der Belgier von seiner Reise erzählt, kann er mir sie bestimmt nehmen. «Sind dir auch schlechte Dinge passiert?», frage ich. «Ja», seufzt er, «eine meiner Mitfahrgelegenheiten hat mich vergewaltigt.» Während meine Hände schwitzig werden und sich um mich herum alles dreht, fährt er fort. «Trotzdem bin ich froh, all diesen Fremden vertraut zu haben. Das habe ich nie bereut. Sonst wäre ich nicht hier, wo ich heute bin.» Er schaut zu mir und sieht mich an wie ein Vater, der kurz davor ist, seinem Sohn ermutigend auf die Schulter zu klopfen. Das Vertrauen Fremden gegenüber. Wo könnte es mich selbst hinführen? Rückblickend bin ich mir
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recht sicher, dass genau diese Frage entscheidend war. Auch wenn mir das damals nicht klar war, beschloss ich unterbewusst, Fremden uneingeschränkt zu vertrauen. Menschen. Obwohl ich mittlerweile knapp 100 000 Kilometer per Anhalter zurückgelegt habe und dabei von über 700 Fremden mitgenommen wurde, ertappe ich mich gelegentlich bei der Frage nach dem Warum. Machen wir uns nichts vor: Wenn ich zwei Tage lang in einer kanadischen Kleinstadt namens Dryden an der Strasse stehe, vergeblich auf eine Mitfahrgelegenheit warte und von den Einheimischen schon mit Namen gegrüsst werde, hat das wenig mit Abenteuer oder Spass zu tun. Aber selbst in diesen Momenten besinne ich mich auf die Dinge, die mich seit dem Beginn meiner Reise im Jahr 2017 packen: Natur und Menschlichkeit. Die grösste Sanddüne der Welt in Namibia macht mir nicht nur bewusst, wo mein derzeitiger Windows-Bildschirmhintergrund aufgenommen wurde, sondern sie lässt mich auch wie einen ganz kleinen Teil von etwas Grossem fühlen. Und selbst die zwei deutschen Rentner, die sich neben mir über die improvisierte Toilettenanlage in der Wüste beschweren, ändern daran nichts. Ein winziges Lagerfeuer spendet mir neben meinem Zelt im russischen Altai-Gebirge Wärme, während ich wie hypnotisiert auf die verschneiten Gipfel starre. Ich möchte vor Freude explodieren, als ich in Alaska meinen ersten Bären in freier Wildbahn sehe – auch wenn ich dabei zittere. Einer der Bäume bewegt sich leicht, und als ich nach oben schaue, sehe ich mein erstes Faultier, nachdem ich am Abend zuvor den vielleicht
Geduld. Nicht überall herrscht viel Verkehr, nicht überall braucht es so viel Ausdauer an der Strasse wie hier im Süden Namibias. Genuss. In der ehemaligen namibischen Goldgräberstadt Kolmanskuppe lädt nicht Wasser, sondern Sand zum Bade. Globus. In den letzten zehn Jahren hat Daniel alle Kontinente per Anhalter bereist, hier ist er in Portugal unterwegs.
Daniel trampt in die Schweiz Ab November 2026 erzählt Daniel Dakuna in zehn Schweizer Städten in einer Liveshow von seinen verrückten Abenteuern, mittleren Katastrophen und der Schönheit dieser Welt. Die Daten: 22. November 23. November 25. November 26. November 27. November 29. November 2. Dezember 3. Dezember 5. Dezember 6. Dezember
Aarau Basel Luzern Bern Chur Nottwil Winterthur Zürich Thun Rorschach
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WELT schönsten Sonnenuntergang meines Lebens an einem See in Costa Rica bestaunt habe. So schön und überwältigend unsere Erde ist, bin ich mir mit jedem Kilometer bewusster, dass es vorrangig die Menschen und deren Geschichten sind, die mich immer weiter vorantreiben. Lachs. Wenn ich an die Sanddüne in Namibia
zurückdenke, erinnere ich mich daran, wie mich ein Parkmitarbeiter abends zum Übernachten in seine Hütte einlädt und wir gemeinsam deutsche Musik hören und Wodka trinken. Beim Altai-Gebirge denke ich an Julei, der mich mitnimmt und zu einem Angelausflug einlädt, obwohl wir keine gemeinsame Sprache sprechen. Auch daran, dass er es für eine gute Idee hält, mich abends zum Übernachten bei einem Freudenhaus abzusetzen. Beim Zurückdenken an den ersten Bären erinnere ich mich daran, wie ich zu dieser Zeit bei Kayce, einer meiner Mitfahrgelegenheiten, gewohnt habe, um ihr bei der Vermarktung ihres erotischen Männerkalenders «Mountain Men of Alaska» zu helfen. Beim Faultier denke ich an Mackenzzee und seine Familie, die mit mir auf Faultiersuche gehen. Und an das gemeinsame MonopolySpielen am Abend bei ihnen zu Hause. Auch daran, wie er mir stolz erzählt, dass er vielleicht der einzige Mackenzzee dieser Welt ist, da seine Mutter im Spital den Namen falsch buchstabiert habe. Während meiner Reisen gerate ich immer wieder in oft lustige und teils absurde Situa tionen. So nimmt mich ein Mann aus Litauen mit nach Riga und erzählt mir, dass er als Fischer arbeite und jetzt unterwegs zu seiner Familie sei. Ob ich denn gerne Lachs esse, fragt er. Er habe welchen im Kofferraum. Ich antworte mit einem begeisterten Ja. Als er mich Stunden später in Riga absetzt, kann ich mich vor lauter Lachen kaum bedanken. Der Litauer überreicht mir kein Lachsfilet, sondern einen ganzen, fünf Kilo schweren Fisch, den ich dann wie ein Baby durch die Hauptstadt Lettlands zu meiner Gastgeberin spazieren trage. In Schweden lädt mich ein 65-jähriger Mann namens Bengtake an einer Tankstelle zum Übernachten in sein Hotel ein. Auf dem Weg dorthin sagt er, dass das Hotel noch gar nicht fertig gebaut sei. «Mach dir keine Sorgen, ich habe schon an eigenartigeren Orten geschlafen», sage ich. Er schmunzelt. Und hat offensichtlich ein paar Kleinigkeiten ausgelassen. Beispielsweise, dass er das Hotel in einer geheimen Kriegsbunkeranlage baut, deren Eingang mit dicken Gitterstäben und drei Vorhängeschlössern verriegelt ist. Auch dass der Bau derzeit unterbrochen ist, da sein Geschäftspartner von den USA ermordet worden sei. Und er hat zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht erwähnt, dass er mich – zu meiner eigenen Sicherheit – über Nacht in diesem Bunker einsperren wird. Ich nehme meine Aussage mit den «eigenartigeren Orten» zurück. HERBST 2026 GLOBETROTTER-MAGAZIN
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WELT Gepäck. Was mit muss, passt in einen Rucksack. Auch das Rollbrett hat dort seinen Stammplatz. Gesellschaft. Der Gastgeber (links) im kanadischen Whitehorse ist Pilot und lädt den Tramper zu einem Rundflug ein. Geld. In Indien lässt sich Daniel zu einer Hochzeit einladen. Der Bräutigam erscheint in einem Kostüm aus Geldscheinen. Gelegenheit. Nebst dem Reisen auf der Strasse bleibt immer Zeit für anderes. Zum Beispiel für eine Wanderung in Malaysia. Geiz. Am Nordkap beschliessen Daniel und seine Mitfahrgelegenheit, Geld zu sparen, und geniessen die Aussicht vom Parkplatz aus. Gefahr. An einem Strand in Mexiko mit Krokodilen bietet dieser Container einen idealen Platz zum Zeltaufstellen.
Während mich derartige Begegnungen immer wieder überraschen, gibt mir das An-derStrasse-Stehen mittlerweile ein Gefühl von Heimat. Ich lerne, die Ungewissheit zu lieben. Nicht zu wissen, wer als Nächstes anhält. Ob es ein Lastwagenfahrer ist, der mich 2000 Kilometer mitnimmt, oder eine Frau, die mich mit ihrem Sportwagen mit 260 km/h weiterbringt. Nicht zu wissen, ob ich heute Abend in einem Jacuzzi sitze und mit meiner Mitfahrgelegenheit Weisswein trinke oder ob ich die Nacht im wahrsten Sinne des Wortes hinter schwe dischen Gardinen verbringe. Nur eins ist sicher: Ich bin immer überzeugt davon, dass im nächsten Fahrzeug eine Person sitzt, die mich mit ihrer Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit berühren wird. Und manchmal tun genau diese Menschen noch so viel mehr als das. Apfelbäume. «Du scheinst in deinem Leben
irgendetwas richtig gemacht zu haben», ruft mein Gastgeber in Sarajevo, als ich frühmorgens die Wendeltreppe nach unten wackle. Mir wird erst bewusst, was er meint, als mir in seiner Küche ein fremder Mann winkt. «Hey, ich bin Oha. Ich bin ein Kumpel deines Gastgebers. Er hat mir erzählt, dass du runter nach Mostar trampen willst. Ich war die
Nacht hier auf einem Konzert und fahre gleich dorthin.» Dazu trinkt er einen Schluck aus seiner angebrochenen Bierflasche. Aus meiner Anmerkung, dass er in dem Fall besser keinen Alkohol trinken sollte, windet er sich geschickt heraus. «Wenn ich nüchtern Auto fahre, rase ich wie ein Irrer. Das ist sehr gefährlich. Aber mit zwei, drei Bier fahre ich schön vorsichtig.» Während ich darüber nachdenke, wo Vertrauen enden sollte, offeriere ich ihm eine meiner Mandarinen. «Nein danke», antwortet Oha, «ich habe den Tag ungesund begonnen und möchte daran auch nichts ändern.» Der Mann wächst mir direkt ans Herz, und als wir gegen Nachmittag in seiner Heimatstadt ankommen, lädt er mich in seine Wohnung ein. Während wir auf der Veranda sitzen und auf die Apfelbäume im Garten blicken, erzählt der 44-Jährige von seiner Kindheit, von der Zeit, als die Kriege ausgebrochen sind. «Ich wuchs in einem Waisenhaus auf und war damals 14 Jahre alt. Wir Waisen waren die perfekten Soldaten. Niemand würde uns vermissen, wenn wir draufgehen.» Er erzählt mir, wie er mit 14 Jahren in den Krieg gezogen ist und sieben Menschen getötet hat. Und auch davon, wie er diese unvorstellbare Grausamkeit überleben konnte. «Musik hat mir damals das Leben gerettet», sagt Oha. Er gründete nach den Konflikten mit ein paar Freunden eine Musikband, die zu einer der erfolgreichsten Gruppen des Balkans wurde: Dubioza Kolektiv. Mittlerweile ist Oha kein Teil der Band mehr, sondern hat in Mostar eine Musikschule gegründet, in der er Menschen kostenfrei die Möglichkeit gibt, Instrumente zu erlernen und miteinander zu musizieren. Ich starre auf die Apfelbäume und frage mich, wie Oha und andere Menschen, die ich im Balkan antreffe, von derart grausamen Vergangenheiten erzählen können, ohne in Tränen auszubrechen. Ich finde nur eine mögliche Antwort: Weil sie es können müssen. Nordlichter. Nachdem ich auf einer Autofähre im nördlichen Norwegen sämtliche Passagiere vergebens nach einer Mitfahrgelegenheit gefragt habe, stelle ich mich nach dem Anlegen an die Hafenstrasse und hoffe, dass einer der Fahrer seine Meinung geändert hat. Und tatsächlich hält der 25-jährige Sultan an. «Ich kann dich nicht zu den Lofoten bringen, aber ich kann dich 20 Kilometer an die Hauptstrasse mitnehmen.» Ich bin dankbar, denn Sultan bewahrt mich vor einer Nacht im Zelt am Hafen. Während wir unterwegs sind, erzählt er, dass er vor zehn Jahren mit seiner Familie aus dem Irak nach Norwegen geflüchtet ist. Ich frage ihn, ob es schwierig war, nach Norwegen zu immigrieren, wie sie aufgenommen wurden, da in vielen Ländern die Ausländerfeindlichkeit ein immer lauteres Thema wird. Kurz herrscht Stille. «Naja, da du fragst: Ich fahre gerade von Trondheim, wo ich studiere, zu meiner Familie in den Norden, weil mich meine Mutter heute
Morgen angerufen hat.» Er wird kurz still. «Meine zwölfjährige Schwester hat sich heute Morgen das Leben genommen, weil sie in der Schule wegen ihres Herkunftslandes gemobbt wurde.» Ich fühle mich taub und ringe nach Luft und Worten. Kurze Zeit später umarme ich Sultan kräftig und wünsche ihm und seiner Familie alles erdenklich Gute. Er tritt aufs Gas, und ich stehe allein an der Strasse. Ich schwanke und denke an meine jüngere Schwester Anne. Wenn ich eine solche Nachricht bekäme, ich weiss nicht, wie ich damit umgehen könnte. Und dann sehe ich Sultan vor meinem geistigen Auge. Wie er mich an der Strasse stehen sieht. Und wie er sich dazu entscheidet, mir zu helfen. Auch wenn für ihn gerade eine Welt zusammengebrochen ist. Kurz darauf werde ich von einem weiteren Autofahrer mitgenommen, der mich zu dem Ort bringt, an dem ich die ersten Nordlichter meines Lebens sehe. Und während ich mit feuchten Augen in den tanzenden Himmel schaue, frage ich mich, ob ich an Sultans Stelle angehalten hätte. Die Antwort hierauf findet sich schnell. Ich hätte es auf keinen Fall getan. Aber ich würde es in Zukunft tun. Und ich werde es nur tun können, weil Sultan mir gezeigt hat, dass genau das möglich ist. Vertrauen. Manchmal stelle ich mir vor, wie ich
alt bin und irgendwo auf dieser Welt eine Tramperin einsammle. Wie sie mir erzählen wird, dass ich gerade ihre sechste Mitfahrgelegenheit bin, so wie es damals Leo, der Belgier in Neuseeland, für mich war. Wie ich ihr von den Geschichten meiner Reise, all den unglaublichen Zufällen, all der Hilfsbereitschaft und all der Menschlichkeit erzählen werde. Ich werde ihr Mut machen, ihr davon erzählen, wie mir das Vertrauen Dinge gezeigt hat, von denen ich noch nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Und ich werde ihr Folgendes sagen: «Als ich damals zum ersten Mal an der Strasse gestanden bin, habe ich mit vielem gerechnet. Aber ich hätte mir nicht in meinen Träumen ausgemalt, dass mich das Trampen zu Menschen führen wird, die mir zeigen, welche Art von Mensch ich selbst sein möchte.» Aber bevor ich das erzählen kann, muss ich die Tramperin zuerst etwas ganz anderes fragen. Vielleicht wird die Frage ja auch für sie alles verändern: «Möchtest du einsteigen?» daniel@dakuna.de è dakuna.de
Daniel Dakuna (36) stammt aus dem Saarland in Deutschland und studierte Wirtschaft und Informatik. Seit er sich aus finanziellen Gründen zum ersten Mal zum Trampen an die Strasse stellte, will er keinen Lamborghini mehr kaufen – sondern nur noch darin mitgenommen werden. Zwischen seinen Reiseetappen jobbt er jeweils, um seine Reisekasse aufzufüllen. In Sambia baute er gemeinsam mit einem seiner Gastgeber eine Schule. Er hat zwei Bücher geschrieben.
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INTERVIEW
Stimmig. In seinem Buch «Bilder, die ich gesehen habe» macht Röbi Bösch auf vielen Fotografien die Poesie des Alltags sichtbar. Hier ein rotes Auto mit Baum in Edlibach (ZG). Renommiert. Röbi hat über 20 Bücher veröffentlicht. Sein opulentes Werk «Mountains» war für ihn auch der Schlussstrich unter seine Karriere als Actionfotograf. Bild: Bernard van Dierendonck
«Unsicherheit zwingt einen dazu, genauer hinzuschauen.»
Ein Mann, der Bilder sieht Robert Bösch (72) lebt in Oberägeri (ZG), ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Seine Bilder zeigte er in mehr als 20 Büchern und in Zeitschriften wie «Stern», «Geo», «National Geographic» und «Spiegel» sowie in vielen Galerien, Museen und Ausstellungen. Röbi arbeitete mit vielen Topathleten zusammen, unter anderem eng mit dem verstorbenen Bergsteiger Ueli Steck. Als Bergsteiger war er auf allen sieben Kontinenten auf schwierigen Routen und höchsten Bergen unterwegs. Seit 2018 beschäftigt er sich intensiv mit Landschaftsund Kunstfotografie. 2025 erschien das 252-seitige Werk «Bilder, die ich gesehen habe» mit 118 Bildern, erschienen im Christoph Merian Verlag. Es ist ein Buch mit Bildern von überall auf der Welt. Röbi will mit ihnen aber nicht die Welt, sondern Bilder von dieser Welt zeigen, wie er betont. Das Werk entfaltet seine Wirkung oft erst auf den zweiten Blick: Der Fotograf zeigt darin Ausschnitte und Momente, «willkürlich gewählt aus der Unendlichkeit des Sichtbaren», wie er im Vorwort schreibt. è robertboesch.ch
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INTERVIEW Hast du deine Kamera stets dabei?
Früher praktisch immer. Ich hatte lange das Gefühl, ich könnte etwas Entscheidendes verpassen. Ich dachte oft: «Jetzt passiert die Situation, jetzt ist das Licht genau richtig – und ich habe die Kamera nicht dabei.» Diese Angst war ständig da. Und heute?
Heute habe ich diese Angst nicht mehr, und auch die Kamera ist nicht mehr immer dabei. Wenn ich ein Bild verpasse, dann ist es halt so. Das klingt banal, aber die Einstellung verän dert viel: Ich bin heute weniger getrieben und kann dadurch offener schauen. Ich suche nicht mehr zwanghaft nach dem nächsten Bild. Wenn ich ein konkretes Projekt verfolge, bin ich motiviert, mit der Kamera unterwegs zu sein.
Früher brauchtest du klarere Pläne. Du warst 30 Jahre lang als Actionfotograf in den Bergen unterwegs und bist einer der Besten überhaupt in dieser Disziplin. Es gibt eine Geschichte mit dem verstorbenen Schweizer Extremsportler Ueli Kestenholz, die deine Arbeitsweise gut beschreibt.
Das ist wohl so, ja. Wir hatten eine grosse Geschichte für die «Schweizer Illustrierte» über Speedriding produziert. Sehr aufwendig, mit Helikopterflug und allem Drum und Dran. Ueli flog an der Jungfrau einer Eiswand entlang in die Tiefe. Leider schien in jenem Moment die Sonne auf das Eis. Ich war mir ziemlich sicher, für das perfekte Bild wäre Schatten besser gewesen. Nachdem die Reportage publiziert war, fragte ich Ueli, ob er nochmals mitkommen würde, auf meine Kosten. Er kam, das Bild gelang, aber finan ziell war das unsinnig. Die Helikosten waren am Schluss höher als das Honorar, das ich für die Reportage erhalten hatte. Warum hast du das getan?
Weil mir dieses nicht realisierte Bild keine Ruhe liess. Ich habe über viele Jahre so gear beitet. Wenn ich überzeugt war, dass etwas möglich ist, dann habe ich es versucht – unabhängig vom Aufwand. Bilder kann man nachträglich bearbeiten. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten merkt niemand, ob eine Eiswand sonnenbeschienen war, als das Bild entstanden ist.
Das stimmt natürlich. Für mich muss ein Bild aber im Moment der Aufnahme entstehen. Das ist meine persönliche Leitplanke, die ich mir selbst gegeben habe. Ein Bild lebt doch davon, dass genau das passiert ist, was darauf zu sehen ist. Wenn ich weiss, dass etwas nach träglich gebaut wurde, verliert es für mich an Spannung. Kannst du ein Beispiel geben?
Ich machte mit dem begnadeten Adelbodner Gleitschirmpiloten Chrigel Maurer im Lauter brunnental Werbebilder für einen Kamera hersteller. Er flog x-mal über diesen Bergsee und touchierte jedes Mal mit der Flügelspitze die Wasseroberfläche. Chrigel ist ein Künstler
in der Luft. Ich nahm ihn immer in der Bild mitte auf. Es ging auch um die Autofokus funktion der Kamera, und die Platzierung in der Bildmitte war für mich die Variante mit der grössten Trefferwahrscheinlichkeit. Dann entschied ich eine andere Variante zu versu chen: Die Action links im Bild, sodass das Bergpanorama perfekt in den Bildausschnitt passt. Ich besprach es mit Chrigel. Die Chance, dass es so klappt, war allerdings sehr klein. Doch es klappte. Und wie: Einfach alles an diesem Bild ist perfekt. Wir hätten es noch x-mal wiederholen können, besser ging nicht. Wäre dieses Bild am Computer nach träglich so perfektioniert worden, hätte es den Reiz als Fotografie total verloren! Du hast als Bergsteiger und als Fotograf Extremsituationen durchlebt, bist selbst dem Tod knapp entkommen und hast mehrere Kollegen verloren, die am Berg gestorben sind. Wie viel Risiko bist du in deinem Leben eingegangen?
Wenn man in die Berge geht, hat man keine Garantie, gesund zurückzukommen. Als Bergsteiger muss man ein Risiko eingehen, sonst erreicht man nichts. Ich habe aber immer darauf geschaut, alle Risiken so weit wie möglich zu minimieren. Meine Devise war: Handle so, dass du kein Glück brauchst. Aber wenn du Glück hast, sei dankbar. Jeder braucht manchmal Glück. Wie siehst du die Berge heute?
Nicht romantisch. Nicht esoterisch. Sie sind für mich ein intensiver Lebensraum – mit Schönheit. Und mit Risiko.
Du bezeichnest dein monumentales Buch «Mountains» von 2018 als Schlussstrich unter deine Actionfotografie-Karriere. Wieso dieser Schnitt?
Was daraus entstanden ist, zeigst du unter anderem in deinem Buch «Bilder, die ich gesehen habe». Viele Bilder darin sind an ziemlich gewöhnlichen Orten entstanden.
Das stimmt. Weil es nie der Ort ist, der das Bild macht. Der entscheidende Faktor ist der Blick und der Moment. Was macht für dich denn ein gutes Bild aus?
Manchmal Reduktion. Manchmal das Gegen teil. Ich habe gelernt – und akzeptiert, dass ich keine allgemeingültige Regel kenne. Ein gutes Bild ist ein gutes Bild. Was lässt du in deinem neuesten Buch, das dieses Jahr erscheint, weg?
Nichts, ich dichte dazu. Das Buch «Nil» ist eine Fortsetzung meiner experimentellen Bücher «Not Seen» und «Birds». «Nil» ist ein hybrides Projekt: Reale Fotografien mischen sich mit abstrakten Bildkreationen. Der Nil ist sozusagen die thematische Klammer einer fantastischen Bilderreise durch Afrika. Abstrakt oder in Action, auf dem Berg gipfel oder am Ägerisee: Was soll ein Bild von dir bei Betrachtenden auslösen?
Vielleicht, dass sie am Bild hängen bleiben. Sie sollen spüren, dass das Bild in sich stimmig ist. Und merken: Da ist etwas. Ein Bild eben, kein beliebiges Foto. Und welches Bild würdest du machen, wenn du wüsstest, dass es dein letztes sein würde?
Keine Ahnung. Es gibt kein bewusstes letztes Bild. Und es gibt auch keinen bewussten letzten Berg. Man kann das Leben nicht am Schluss nachholen. info@robertboesch.ch
An Attraktivität hat die Arbeit an extremen Orten mit Topsportlern für mich bis heute nichts verloren. Als ich nach fünf Jahren Arbeit mit «Mountains» fertig war, merkte ich aber, dass ich in diesem Bereich nicht mehr besser werden kann. Und wenn ich bei einer Sache nicht mehr das Gefühl habe, mich weiterentwickeln zu können, verändert sich die Motivation. Ich habe über Jahrzehnte versucht, mich zu steigern. Nun realisierte ich, dass die Arbeit in diesem Bereich für mich ausgereizt war. Ich hatte diese Tätigkeit geliebt. Aber ich wollte mich nicht wieder holen. Ich merkte: Wenn ich weitermache, wird genau das passieren. Was kam danach?
Ich wollte Neues versuchen. Ich wollte nicht im gleichen Muster weitermachen. Ich zwang mich, ohne klare Vorstellung loszugehen. Ohne Plan. Das war für mich neu. Ich nahm ein Landschaftsfotografieprojekt in Angriff und versuchte bewusst, meine automatisierte Herangehensweise zu hinterfragen. Ich liess mich auf etwas komplett anderes ein. Ich habe praktisch neu gelernt, zu schauen, nicht ein bestimmtes Bild erzwingen zu wollen. Sondern die Dinge passieren zu lassen.
Buch zum Vorzugspreis Globetrotter-Magazin-Leserinnen und -Leser können Robert Böschs Buch «Bilder, die ich gesehen habe» exklusiv zum Vorzugspreis von 100 statt 130 Franken (exklusive Versandkosten) bestellen, jedes Exemplar ist signiert. Bestellungen direkt beim Fotografen per E-Mail: info@robertboesch.ch Betreff: «Globetrotter» HERBST 2026 GLOBETROTTER-MAGAZIN
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Im Kajak um Islands Westfjorde
Paddelwohl am Polarkreis TEXT UND BILDER: JÖRG KNORR
Knapp 30 Kilometer Luftlinie trennen den Fjord Breiðafjörður von Hólmavík. Statt den direkten Weg über Land zu wählen, umrunden Jörg Knorr und Bernhard Nast Islands Westfjorde im Kajak. Mehr als 500 Kilometer paddeln sie entlang der einsamen Küste und werden reich für ihre Anstrengungen belohnt.
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in Zwischending aus Schrott platz und verlassenem Hafen hat uns als Zeltplatz gedient. Vor uns liegt der Fjord Breiðaf jörður mit seinen etwa 3000 In seln. Er trennt die Region Vestfirðir von der Halbinsel Snæfellsnes. Unsere Kajaks sind mit Ausrüs tung und Verpflegung für zwei Wochen bela den, erst nach knapp 300 Kilometern können wir wieder einkaufen. Wir spannen die Spritz decken über den Cockpitrand und suchen zwi schen den Inseln einen ufernahen, schiffbaren Weg in Richtung Westen. Es ist 9.30 Uhr, das Thermometer zeigt drei Grad Celsius. Normal für Island, selbst jetzt im Sommer. Mit einer Lage Wolle unter dem Trockenanzug und in Bewegung ist die Kälte gut auszuhalten. Das Ufer bietet Schutz vor dem nördlichen Wind. Schnell wird uns klar, dass geeignete Plätze zum Übernachten nicht einfach zu finden sind. Scharfkantige Felsen wirken wenig einladend für einen Landgang. Robben und Papagei taucher begleiten uns. Langsam lockert sich die Wolkendecke, am Nachmittag blinzelt die Sonne hervor. Unser Blick reicht über 50 Kilometer bis nach Snæ fellsnes. Der Breiðafjörður meint es gut mit uns. Unser dritter Paddeltag beginnt auf einer klei nen Insel. Mangels Wasser, es ist gerade Ebbe,
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kommen wir erst am Nachmittag weiter. Der Wind bläst mit sieben Windstärken und in kräftigen Böen über den Fjord. Zum Glück von hinten. Ich halte mein Paddel als Segel über Wasser und werde mit fast acht Kilometern pro Stunde nach Westen getrieben. Bei den ersten Surfversuchen reite ich mit einer Spitzenge schwindigkeit von 16,7 Kilometern pro Stunde über die Wellen. Um kein Risiko einzugehen, entscheiden wir uns, die Zelte sturmsicher am Strand Rauðasandur aufzuschlagen. Fische und Vögel. «Wo, wenn nicht hier», ant worte ich knapp auf Bernhards Vorschlag, uns an diesem rötlich schimmernden, 13 Kilometer langen Strand eine zweite Nacht zu gönnen. Zerriebene Muschelschalen sind der Grund für die rötliche Farbe, in der der Sand bei Sonne zu leuchten scheint. «Gigantisch», urteilt Bern hard, als wir die Szene von einer leichten Anhöhe aus geniessen. Wäre es wärmer, käme Südseefeeling auf. Einsam stehen unsere Zelte im Sand und geben ein perfektes Motiv für eine Aktivurlaubsbroschüre ab. Uns fällt die Ent scheidung leicht, hier einen ersten Ruhetag einzulegen. Mit kurzen Wanderungen entlang der hinter uns aufsteigenden Bergwand und der vom Strand eingeschlossenen Lagune kommt auch ohne Paddeln keine Langeweile auf. Für die bevorstehende Umrundung des
Spielplatz. Senkrechte Klippen, Höhlen und Felsdurchfahrten machen die Westfjorde Islands zu einem faszinierenden Revier für erfahrene Kajakfahrerinnen und Kajakfahrer.
Der Breiðafjörður meint es gut mit uns.
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Alles über Island Hinweise über die beste Reisezeit, Einreisebestimmungen und viele weitere Infos über Island findest Du online beim Globetrotter Travel Service. è globetrotter.ch/info-island
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Tausende Vögel, und langsam werden die blauen Löcher in der vor einer Stunde noch völlig geschlossenen Wolkendecke immer grös ser. Kurz vor dem Leuchtturm Hornbjargsviti entdecken wir einen Wasserfall. Als wir näher kommen, rufe ich spontan: «Der ist perfekt!», schicke Bernhard voraus und folge ihm. Die vielleicht fünf Sekunden anhaltende Open-AirDusche ist kalt, laut und windig. Wacher kann man kaum sein. Frisch motiviert versuchen wir, unterhalb des Leuchtturmfelsens an Land zu kommen. Eine schmale Passage zwischen Felsbrocken gestattet eine Anlandung. Eine lange Treppe führt vom Ufer nach oben. Ich steige die 103 Stufen hinauf und treffe Joni, der vier Wo chen lang als eine Art Herbergsvater Gäste, vor allem Wanderer, aber manchmal auch Seeka jaker, empfängt und bei Bedarf in einem Haus mit 40 Betten beherbergt. Wir dürfen hier cam pen und die Gemütlichkeit einer warmen Kü che und des Aufenthaltsraums geniessen. Über einen motorbetriebenen Aufzug ist unser Ge päck schnell vor Ort. Ein erfreuliches Service angebot. In der Herberge treffen wir Wanderer aus den USA, Island und Deutschland. Sie alle müssen einen Tag länger bleiben als geplant, der Abholservice per Boot wird morgen nicht kommen. Zu viel Wind ist angesagt. «Besser bleibt ihr zwei Nächte, morgen wird es stür misch», warnt uns Joni vor. In Anbetracht des Komforts fällt es uns leicht, der Warnung zu folgen und uns einzunisten. Erst Eis, dann heiss. Der Drangajökull, Islands nördlichster grosser Gletscher, ist vom Ufer aus zu sehen. Gestern konnten wir Delfine beob achten. Vor einigen Tagen hat uns ein Buckel wal beim Abtauchen seine Fluke präsentiert. Bernhard senkt mal wieder seinen Köder ab und kommt etwas später mit vier mittelgrossen Dorschen zum Strand. Es liegt reichlich Schwemmholz herum, perfekt für ein Lager feuer. Bernhard präsentiert das Abendmenü: «Erster Gang: Dorschsuppe, zweiter Gang: Dorsch gebraten, frisch aus der Pfanne, dritter Gang: Flammdorsch.» Der dritte Gang braucht am längsten und wartet zwei Stunden später aufgespiesst am Feuer. Aus meiner Mehlreserve knete ich mit Backpulver, Salz und etwas Öl einen Teig, aus dem als Beilage kleine Fladen brote entstehen. Die Kommunikation beim Essen beschränkt sich auf «Hmmmmm» und «Ahhhhh». Flammdorsch und Fladenbrot werden neue kulinarische Höhepunkte auf unserem Speisezettel. Trotzdem muss ich mei nem angelbegeisterten Mitpaddler gestehen, dass ich mich einige Tage aus der Dorschdiät zurückziehen werde. Für jeden Fang ritzt Bern hard eine Kerbe in seinen Totschläger. 15 wer den es am Ende unserer Tour sein. Wasser weg, windig, kalt, trüb – es sieht nicht nach einem frühen Start aus. Wir früh stücken im Zelt und sehen das Positive: Es regnet nicht. Kurz vor Mittag starten wir schliesslich, umpaddeln das Kap Drangaskörð
und folgen der Küste nach Süden. Die letzte Körperhygiene liegt bereits einige Zeit zurück. Bei Krossnes soll es einen heissen Pool geben. Wenn wir Glück haben, finden wir in der Nähe einen Übernachtungsplatz. Hinter einem kleinen Holzgebäude direkt am Strand erken nen wir eine Dampfwolke. Am Poolrand einige Typen, die leicht die Hälse strecken, um uns zu mustern. Ich bekomme fast einen Stotteranfall beim Anblick dieser heiss ersehnten Wär meoase: «Hot, hot, hot», rufe ich aufgeregt Bernhard zu. Nur 45 Minuten nach erfolgrei cher Landnahme schweben wir im 32 Grad heissen Wasser und kriegen uns kaum noch ein vor Wohlbefinden. Nach einer Stunde droht sich die Haut unserer Handflächen aufzulösen. «Wir müssen raus.» Tiefenentspannt kriechen wir etwas später in unsere Schlafsäcke. Schlussspurt. Bei absoluter Windstille verlas
sen wir unseren letzten Lagerplatz, paddeln am Leuchtturm Drangsnes vorbei und peilen Hól mavík an, den Endpunkt unserer Reise. Auf den letzten zehn Kilometern frischt der Wind nochmals auf, als wollte er uns einen freundli chen Abschiedsgruss senden. Neben dem Rückenwind versüssen uns surffreundliche Wellen die finale Etappe. Wir wollen uns nicht zu früh verausgaben, lauern aber trotzdem auf die erste passende Welle. Noch sechs Kilome ter. Der Bug taucht in die unter mir durchlau fende Welle. Ich beschleunige und sorge mit seitlich ausgelegtem Paddel für Stabilität und Spurtreue. Bernhard düst auf der nächsten Welle hinter mir her. Ein High-Speed-Erlebnis erster Klasse. Wir fühlen uns wie Marathon läufer, die, durchflutet von Endorphinen, dem Ziel entgegensehen. Durchgeschwitzt, zufrieden und über glücklich legen wir nach über 500 Paddel kilometern am nördlichen Ortsrand von Hólmavík die Paddel aus der Hand, ziehen die Kajaks auf den Sand und schauen zurück aufs Meer. Bernhard hält mir seine rechte Handflä che entgegen. Ich schlage ein. Worte braucht es keine. Die Augen glänzen, der Endorphin schub hält an. Ein letzter Rest Rum ist noch übrig. «Mir ging es schon deutlich schlechter», versuche ich, Bernhard zu einem Fazit zu verleiten. Er stösst sein Glas an meins und grinst. «Prost, Jörg!» info@kajaktraum.de
Jörg Knorr (64) arbeitet als freier Reisejournalist. Seit über 25 Jahren ist der Flensburger im Seekajak an den Küsten der Erde unterwegs und schreibt darüber für verschiedene Magazine. Jörg ist ein Horizontesucher, wie er selbst sagt. Und was gibt es Schöneres, als seine Leidenschaft im Beruf auszuleben? Neben seiner Autorentätigkeit präsentiert der gebürtige Rostocker Multivisionen und hat 2018 sein erstes Buch veröffent licht: «Du bist das Abenteuer – mit dem Kajak in ein neues Leben», erschienen im Thomas Kettler Verlag.
Eine einzigartige Freundschaft in der Wüste Kalahari
Mein Leben mit Sirga TEXT: VALENTIN GRÜNER / FABIAN GIESKE BILDER: FABIAN GIESKE / MODISA WILDLIFE PROJECT
Valentin Grüner ist der König der Löwin: Er zieht in Botswana ein verwaistes Löwenjunges mit der Flasche gross. Fortan bestimmt die kleine Sirga seinen Alltag. Er geht mit ihr auf die Jagd, sie teilen die Beute und trotzen allen Widrigkeiten. Schliesslich baut Valentin für seine Freundin auf vier Pfoten ein Reservat auf, aus dem ein Naturschutzprojekt entsteht. Heute schützt er damit Wildtiere und belebt die Kalahari-Wildnis neu.
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Partner. Valentin Grüner mit Sirga in der Kalahari. Er fand die verwaiste Löwin vor 13 Jahren.
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eit drei Stunden liege ich im roten Kalahari-Sand. Sirga bewegt sich nicht. Und doch vibriert jede Faser ihres Körpers in tödlicher Absicht. Ihr Blick ist wie ein unsichtbares Seil an die Eland-Antilopen gebunden, die 200 Meter entfernt im flirrenden Horizont grasen. Ein Bulle allein wiegt bis zu 900 Kilo. Friedlich und ahnungslos. Sirga weiss genau, was sie tut. Sie ist 14 Jahre alt, mittlerweile eine erfahrene Jägerin. Von ihrer Geduld durfte ich in all den Jahren am meisten lernen. Ich versuche, mit meinem unbeholfenen Menschsein nicht zu stören. Ich atme leise und flach. Ein Käfer krabbelt über mein Bein. Es kitzelt, aber ich rühre mich nicht. Jede Bewegung könnte Sirga ablenken oder unsere Position an die Antilopen verraten. Sirga dreht den Kopf. Schaut mich an. Dann wieder zur Beute. Sie wartet noch auf den perfekten Zeitpunkt. Und ich warte mit ihr.
Antilopen und Gnus. Wir sind in Sirgas Reservat. 2000 Hektar Kalahari-Buschland im Südwesten Botswanas – ungefähr sechsmal so gross wie der Central Park in New York. Hier leben neben den Eland-Antilopen Oryx mit langen, speerartigen Hörnern, Springböcke, Gnus und viele andere Tiere der Kalahari, perfekt angepasst an das Leben in dieser Halbwüste. Und Sirga, die hier seit Jahren selbstständig lebt und jagt. An manchen Tagen passiert nach Stunden des Anschleichens und des Wartens nichts. Die Antilope zieht weiter. Der Moment war nicht perfekt. Sirga steht auf, schüttelt sich, geht nach Hause, Richtung Camp. Ich folge. Morgen ist ein neuer Tag. Doch manchmal gelingt ihr die Jagd, wenn ich dabei bin. Dann explodiert sie aus der Reglosigkeit. 10, 20 Sekunden Sprint. Sirga reisst die Antilope zu Boden. Ein kurzer Kampf ums Überleben, dann Stille. Der Kreislauf des Lebens in der Kalahari. Dass ich hier liegen würde, im Staub der Kalahari, neben einer Löwin, die ich mit der Flasche aufgezogen habe, das hätte ich mir nie träumen lassen. Und es war nie der Plan. Wenn ich stundenlang reglos im Sand liege, wandern die Gedanken unweigerlich zurück an den Anfang eines ziemlich absurden Weges. Mein eigentlicher Plan sah völlig anders aus. Nach dem Abitur wollte ich Tierarzt werden, das Studium selbst finanzieren und irgendwann nach Afrika auswandern. Da die Noten für einen Studienplatz in Deutschland nicht reichten und Alternativen teuer waren, tauschte ich den Hörsaal gegen die Kälte: Ich ging nach Kanada. Bei minus 40 Grad schuftete ich als Mechaniker in einer Ölsandmine im Norden Albertas und sparte jeden verdienten Dollar meines Work-and-Travel-Visums. Danach sollte es nach Namibia gehen. Ich dachte, es könne nicht schaden, mir das südliche Afrika mal anzuschauen, bevor ich endgültig auswandern würde.
SÜDLICHES AFRIKA Ich landete in einer Organisation, die blauäugigen Touristen wie mir versprach, verwaiste Löwen, Geparden und Paviane grosszuziehen. Mit Tieren hatte ich schliesslich Erfahrung. Schon als Kind war ich in meiner alten Heimat die Anlaufstelle am Bodensee für verwaiste Krähen, Frettchen und Waschbären, übernahm Reptilien aus schlechter Haltung. Aber in Namibia wurde mir schnell klar: Hier stand nicht das Tierwohl im Vordergrund. Löwenbabys wurden gehalten, damit zahlende Touristen sie streicheln konnten – jederzeit verfügbar. Und die ausgewachsenen Raubtiere, die für den Streicheltourismus zu gefährlich waren? Die wurden weitergegeben an Unternehmen, die Jagdsafaris auf eingezäunten Weiden anboten, sogenanntes «Canned Hunting», bei dem gezüchtete Löwen zum Abschuss freigegeben werden. Ein harter Realitätscheck in einer moralisch verwerflichen Industrie, die den Schutz der Natur versprach, aber mit ihrer Ausbeutung Geld scheffelte. Nichtsdestotrotz hatte Afrika mich gepackt. Zurück nach Europa? Undenkbar. Also zog ich weiter nach Botswana und liess die fragwürdige Aufzuchtstation und den Wunsch, Tierarzt zu werden, hinter mir. Ich hielt mich mit Gelegenheitsjobs in Maun, einer Stadt am Rande des Okavango-Deltas, über Wasser und suchte nach einer Möglichkeit, irgendwie in diesem fremden Land Fuss zu fassen. Ein eigenes Naturschutzprojekt, ganz anders als der Streichelzoo in Namibia – das war meine halbgare Idee mit Anfang 20. So entstand in seinen Grundzügen das Modisa Wildlife Project: ein privat finanziertes Schutzgebiet für Wildtiere in der Kalahari, ohne staatliche Unterstützung, aufgebaut mit lokalen Mitarbeitenden und der Gemeinschaft vor Ort. Doch bis mein Projekt das wurde, was es heute ist, sollte es noch viele Jahre dauern. Über Umwege geriet ich an Willie, einen alteingesessenen Rinderfarmer im Westen des Landes. Auf seinem Land gab es Löwen – eingefangen auf umliegenden Farmen, wo sie als Bedrohung für das Vieh galten, eingesperrt in grosse Gehege mit dem vagen Ziel, sie irgendwann wieder auszuwildern. Keine idealen Bedingungen. Aber für mich eine Chance, mich zu beweisen. Willie sah mich mit zerrissenen Hosen, barfuss laufend, durch Maun tigern und hatte wohl Mitleid mit mir. Er bot mir an, seine Raubtierstation zu leiten. Fell und Knochen. In den Gehegen auf Willies Farm lebten mehrere Löwenrudel. Ich war gerade in Ghanzi, der nächstgrösseren Stadt, als Willie mich in einem der wenigen Läden aufsuchte: «Valentin, was machst du hier? Die Löwen hatten einen Wurf und eines der Jungtiere sieht ziemlich schlecht aus!» Ich sprang in meinen alten Toyota Landcruiser und drückte das Gaspedal. In Gehegen passiert das manchmal. Löwinnen sind nur etwa vier Monate schwanger, damit sie schnell wieder jagen können. Die
Zuhause. Valentin lebt seit fast 17 Jahren in der Kalahari. In Winternächten wird es hier bis zu minus 12 Grad kalt, im Sommer bis zu 45 Grad heiss. Dieses Jahr baute Valentin in seinen Wohnwagen eine Klimaanlage ein, die er über Solarpanels betreibt. «Der einzige Luxus, den ich mir gönne», sagt er. Abenteuer. Valentin mit Sirga auf der Jagd. Die Antilopen überraschen sie, deshalb hat die Löwin keine Chance mehr, sie zu reissen. Symbiose. Die Löwin und ihr Ziehvater sind beste Freunde. Wenn er erschöpft sei, lege er sich neben Sirga hin, sagt Valentin.
Schweiz wird Löwenland Valentin Grüner geht mit seiner faszinierenden Geschichte auf eine grosse Tour. Er zeigt seine Multimedia-Livereportage «Löwenland» Anfang 2027 in vielen Schweizer Städten. Die Daten: 15. Januar 17. Januar 18. Januar 19. Januar 20. Januar 21. Januar 22. Januar 23. Januar 24. Januar 25. Januar 26. Januar 27. Januar 28. Januar 30. Januar 31. Januar 31. Januar 3. Februar 4. Februar 5. Februar 6. Februar 7. Februar
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Infos und Tickets gibt es online. è explora.ch
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American Dark Sky Sanctuary
DIE DUNKLE SEITE AMERIKAS BILDER UND TEXT: CHRISTIAN HEEB
Im Westen der USA gibt es noch Orte, die wirklich dunkel sind. Fotograf Christian Heeb reist durch Nevada und Oregon und stösst dabei auf Lost Places, filmreife Szenerien und Relikte eines anderen Amerikas. Eine Welt zwischen Dunkelheit, Magie und Faszination.
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HERBST 2026
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Shining Auf der dunklen Seite Amerikas entdeckt man wahre Glanzstücke, so wie hier in der Sierra Nevada. Eine verlassene Goldgräberhütte steht im kalten Licht der Nacht, umgeben von Dunkelheit und einem Himmel voller Sterne. So viele Sterne sieht man nicht mehr überall. Nicht, weil sie fehlen, sondern weil das künstliche Licht sie andernorts überstrahlt. 71
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anchmal sieht Amerika aus wie aus einem Stephen-King-Roman: Die Asphaltschlange des Highways flimmert im Licht meines Ford Thunderbird Baujahr 1965, und ich bilde mir ein, die Rücklichter des Cadillacs am Horizont gehörten Hunter S. Thompson und seinem Anwalt, die mit einer Tasche voller Drogen nach Las Vegas donnern. Stephen Kings «The Stand» war mein Einstieg in seine Pulp-Mythologie Amerikas. Ich denke an den Teufel in engen Levi’s 501, der als Anhalter über genau diesen Highway zieht, an die Aliens aus «Desperation», das hier irgendwo spielt, und dann… Shit! Fast hätte ich einen Feldhasen überfahren. Ich bremse noch rechtzeitig, sehe nur ein Aufblitzen grosser Ohren, die im nahen Gestrüpp verschwinden. Ich nehme den Fuss vom Gas. Der Mond schimmert durch feine Schleierwolken, und am Horizont liegt das Licht von Tonopah: ein gelbes Glühen im dunkelblauen Nachthimmel, als hätte hinter der Wüstenkuppe jemand ein riesiges Lagerfeuer entzündet oder als stünde der Ort in Flammen. Meine Partnerin Regula und ich fahren an einer verlassenen Tankstelle aus den 1950erJahren vorbei, an einem Autofriedhof am Ortsrand, und halten schliesslich am Clown Motel – dem wohl trippigsten Hotel Nevadas. Eigentlich wollten wir im Outback von Nevada den Nachthimmel erleben und die Milchstrasse fotografieren. Doch die Suche danach entwickelt sich zu einer Entdeckungsfahrt in die Abgründe der amerikanischen Psyche. In der Lobby des Clown Motel starren uns Hunderte, ach was, Tausende Clownfiguren an: in allen Formen, Grössen und Farben. Die Frau, die uns den Zimmerschlüssel gibt, wirkt harmlos, und ich rede mir ein, dass hier alles in Ordnung ist, obwohl im Zimmer ein seltsam muffiger Geruch hängt. Es ist Neumond, beste Zeit für die Milchstrasse. Besonders gut sieht man sie von Mai bis Oktober, wenn das galaktische Zentrum sichtbar wird. Also gehen wir hinaus in die Wüste. Ein alter Goldgräberfriedhof liegt dort, und die von Minen zerfurchte Landschaft rund um den Ort eignet sich perfekt für schräge Fotos. Eine halbe Stunde südlich liegt die Geisterstadt Goldfield mit ihrer bizarren Sammlung von Autoskulpturen, weiter westlich Gold Point, noch eine Geisterstadt. Besser geht es kaum, wenn man Sterne fotografieren und dabei Lost Places mit der Taschenlampe ausleuchten will – genau das, was wir vorhaben. Da stehe ich also vor einem alten Bus, auf dem eine Limousine aus den 1980er-Jahren thront, beide mit Graffiti beschmiert. «‹Ghostbusters› meet David Lynch», denke ich, während ich mit der Taschenlampe alles von der Seite ausmale. Im Inneren der Fahrerkabine habe ich einen Nikon-Blitz mit roter
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Folie platziert, den ich mit Fernauslöser betätigen kann. «Schon clever», sage ich laut, aber Regula hat dafür nur ein müdes Lächeln übrig. Die Milchstrasse liegt gegenüber am sich verdunkelnden Horizont. Ich fotografiere jetzt mit 25 Sekunden, Blende 2.4 bei ISO 3200. «Sieht gut aus», denke ich, als plötzlich hinter uns Gekläffe erschallt. «Kojoten», flüstert mir Regula zu. Ich friere, und das nicht nur, weil in der Nacht die Wüstenluft abkühlt. Wir gehen zurück ins Clown Motel, wo ich träume, dass jemand im Zimmer ist. Beim Frühstück unter alten, bärtigen Wüstenratten und Hobbygoldgräbern fragt Regula: «Hattest du auch das Gefühl, dass letzte Nacht jemand in unserem Zimmer war?» Ich nehme einen Schluck wässerigen Kaffee mit Milchpulver und Zucker, für den Amerika berühmt ist, und sage: «Lass uns weiterfahren, Honey, und den Ort vergessen.» Der Highway ruft. Das Dark Sky Outback, Teil des Oregon Outback International Dark Sky Sanctuary, ist gewaltig: Es erstreckt sich von Boise, Idaho, im Norden bis nach Las Vegas im Süden, von Bend, Oregon, im Westen bis nach Salt Lake City im Osten. Es liegt im rund 190 000 Quadratkilometer grossen Gebiet des Great Basin, einer kargen Wüstenlandschaft, deren Flüsse keinen Weg ins Meer finden, sondern im Becken versickern und Salzseen und Sümpfe hinterlassen. Jahrtausendelang war diese Region nur dünn besiedelt, vor allem von den nomadisierenden Paiute, die heute in kleinen Reservaten leben. Viele von ihnen bestreiten ihren Lebensunterhalt inzwischen durch staatliche Unterstützung, Viehwirtschaft, etwas Landwirtschaft und die Verpachtung von Land. In der kleinen Oasenstadt Beatty in Nevada fotografiere ich beim Eingang zum Angel’s- Ladies-Bordell ein altes Flugzeug samt Milchstrasse und wundere mich, was dort wohl so geboten wird bei den angekündigten Massagen. Ein anderer Puff bietet Gratisduschen an, was sicher von den Damen der Nacht lanciert wurde. Nevada ist ein skurriler Staat. Hier findet man Bordelle, Casinos, Militärbasen mit nuklearen Sprengkörpern und die berühmte Area 51, wo Raumschiffe von Aliens abgestellt sein sollen. Mittendrin begegnet man Cowboys und Rinderherden und Ravern, die sich in der Black-Rock-Wüste austoben. Wieder kriecht Stephen King aus meinem Hinterkopf hervor, und ich denke an «Friedhof der Kuscheltiere», an den Gunslinger, der in einer dystopischen Welt vor dem Bösen flieht. Tourismusbehörden und Influencer preisen das Dark Sky Outback als die grösste Erfindung seit Coca-Cola. Dabei war das hier schon immer so. Es war leer, dunkel und still, als ich vor 30 Jahren zum ersten Mal nach Oregon kam. Und es war genauso dunkel und einsam, als die Paiute hier die Schätze der Natur nutzten. Nur eines war es damals nicht: Es erinnerte noch an kein Stephen-King-Buch. welcome@heebphoto.com
Star Wars Im Südosten Oregons entfaltet die Dunkelheit ihre ganze Magie. Fernab grosser Städte und künstlicher Licht quellen liegt das Oregon Outback International Dark Sky Sanctuary, eine der dunkelsten Regionen Nordamerikas. Hier wird sichtbar, was andernorts längst verschwunden ist: ein Nachthimmel voller Sterne. Die Langzeitbelichtung macht die stille Rotation der Erde erfahrbar, eingefangen in kreisenden Sternenspuren.
Ghostbusters In der alten Goldgräberstadt Goldfield am U.S. Highway 95 in Nevada hat der Künstler Chad Sorg den «International Car Forest of the Last Church» erschaffen, ein Kunstprojekt aus rund 40 Autos und Bussen, die teilweise im Boden vergraben und mit Graffiti verziert sind. «‹Ghostbusters› meet David Lynch», denkt der Fotograf, der im Inneren der Fahrerkabine einen Blitz mit roter Folie platziert hat, den er mit Fernauslöser betätigen kann.
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Top Gun In der Oasenstadt Beatty in Nevada steht am Eingang zum Angel’s-Ladies-Bordell ein zweimotoriges Flugzeug, das 1977 bei einem Promotionsflug auf dem Gelände abgestürzt ist. Seither macht es neben dem Eingangsschild zum Bordell eine gute Figur, und das, obwohl das Bordell seit 2014 geschlossen ist.
Once upon a time in America Wind, Weite und verlassene Tankstellen: In Geisterstädten wie Fort Rock bleiben nur staubige Holzhütten und Erinnerungen zurück. Einst von Pionieren belebt, erzählen die Gebäude heute vom langsamen Verschwinden ganzer Gemeinschaften. Mitten in der weiten Landschaft Oregons wirken diese Orte wie eingefrorene Momentaufnahmen des amerikanischen Westens.
Interstellar Bei Neumond erkennt man die Milchstrasse von Mai bis Oktober besonders gut, so wie hier am Sparks Lake in Central Oregon. Ein schimmerndes Band aus Milliarden Sternen spannt sich über den Nachthimmel. In grossen Teilen der Welt ist dieser Anblick aufgrund der starken Lichtverschmutzung kaum mehr möglich.
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Abenteuer im Jemen
Drei Sterne und ein Krieg TEXT UND BILDER: THERESE MUSLEH
Jemen, 2003. Eine nächtliche Flucht über den Golf von Aden und ein unvergessliches Versteck: Diese Geschichte nimmt ein gutes und ein schlechtes Ende.
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emen, dieses geheimnisvolle «Arabia felix», das glückliche Arabien: ein Land wie aus 1001 Nacht. Es übt eine grosse Faszination auf mich aus. Da möchte ich hin! Getrieben von Abenteuerlust buche ich meine erste Reise. Ich schliesse mich einer Gruppe an, denn als allein reisende Frau habe ich Respekt vor diesem wenig bekannten Land. Es ist grossartig. Mich beeindrucken die Landschaften, die jahrhundertealte Architektur, die Traditionen und die Gastfreundschaft der Menschen. Und eine Begegnung sollte alles verändern. Ich verliebe mich in Khaled. Mit vielen Emotionen sitze ich im Flugzeug nach Hause. Ein innerer Konflikt tobt: Gefühl gegen Vernunft. Der Kopf sagt: Vergiss Khaled, zu kompliziert, zu viele Stolpersteine, keine Zukunft. Doch da ist die Herzseite, die widerspricht. Zurück in der Schweiz bleibt die Sehnsucht. Die Verbindung zu Khaled ist fragil: Jeden Abend schaue ich auf dem Balkon zum Himmel und suche unsere drei Sterne, ich in Steffisburg und Khaled auf dem Dach in Jemen. Ein Smartphone gibt es noch nicht, stattdessen seltene, teure Telefongespräche, Briefpost, E-Mails. Eine weitere Reise drängt sich auf, diesmal allein. Gleichzeitig spitzt sich die politische Lage in der Region zu, der drohende Irakkrieg überschattet die Reisevorbereitungen. Meine Anspannung ist gross. Ist es unvernünftig hinzureisen? Ich ringe mit mir und mache meine Entscheidung von Khaleds Antwort abhängig. Sie kommt per E-Mail: Aiwa – ja, komm. Während andere Ausländer das Land verlassen, sitze ich im Flugzeug nach Sanaa. Zunächst scheint alles normal, glücklich reisen wir zu einem Strand, der nur mit Boot zu erreichen ist. Während wir aufs Meer schauen, meint Khaled: «Es ist anders als sonst, etwas liegt in der Luft.» Er zeigt aufs Meer: «Die Fischerboote sind nicht da.» Die Stimmung kippt, als plötzlich aus der Dunkelheit ein Fischer herbeieilt: «Ihr müsst weg, der Irakkrieg ist ausgebrochen!» Mit einer 80
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nächtlichen Flucht über den Golf von Aden und einer langen Autofahrt durch den Jemen versuchen wir, uns bei Khaled zu Hause in Sicherheit zu bringen. Vermummt mit Mantel und Kopftuch spiele ich bei jedem Checkpoint die schlafende Jemenitin. Wie in einem James-Bond-Film! Wir schaffen es, doch nichts ist mehr unbeschwert. Ich bin in einem Land, das mehr Kalaschnikows als Einwohner hat. Die Stimmung ist aufgeheizt. Khaled sorgt sich und bringt mich zu seiner Familie, wo ich im Kreis der Frauen und Kinder unvergessliche Tage verbringe. Auch wenn es ein Leben im Versteck ist: Eingebettet im Schoss der Familie lerne ich viel über den jemenitischen Alltag und das Leben. Als sich die Gelegenheit bietet, bringt mich Khaled zurück zum Flughafen, ich kehre in die Schweiz zurück. Heute weiss ich: Die Herzseite hat gewonnen! Wir geben uns später in Sanaa beim Imam das Eheversprechen. Mittlerweile sind wir seit über 20 Jahren verheiratet und haben eine wunderbare Tochter. Im einstigen «Arabia felix» herrschen dagegen der vergessene Krieg und eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt. Jemen, ein so wunderbares Land mit so lieben Menschen, es macht mich traurig und weckt bis heute meine Sehnsucht – und die Hoffnung, dass das glückliche Arabien eines Tages zurückkehrt. Therese Musleh (61) arbeitet beim Globetrotter Travel Service in Bern in der Zentralen Administration und fühlt sich dank des Reisens wie 41.
Wir verlosen Gefühlsachterbahnen
Geheimnisvoll und faszinierend. Therese Musleh (oben in der Mitte und ganz unten rechts) verliebt sich Anfang der Nullerjahre in den Jemen – und in Khaled (unten links).
2026 feiert der Globetrotter Travel Service sein 50-jähriges Bestehen. Zentraler Bestandteil der Feierlichkeiten sind persönliche Reisegeschichten, wie die hier abgedruckte von Therese Musleh. Zum Thema gab es einen Jubiläumswettbewerb, bei dem ebensolche Gefühlsachterbahngeschichten gesucht wurden. Weit über 100 Texte gingen ein, sie sind online nachzulesen, ein grosser Teil davon ist auch als Video verfügbar. Eine Auswahl der faszinierenden Storys ist zudem im September als streng limitiertes «Gefühlsachterbahn»-Buch (Bild) erschienen. Wir verlosen 5 Exemplare des exklusiven Werks. Schreibe eine E-Mail mit dem Betreff «50 Jahre» und Namen und Adresse an wettbewerb.magazin@globetrotter.ch. Einsendeschluss ist Montag, 23. November 2026. Gewinnerinnen und Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. è 50jahre.globetrotter.ch
Lorena Peter
Filialleiterin in Zug
Erlebe den Moment, der mich bis heute bewegt. Und entdecke weitere Geschichten aus 50 Jahren Globetrotter: » globetrotter.ch/lorenas-moment
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TRENČÍN
Die Kunst des Treibenlassens TEXT UND BILDER: NINA KOBELT
Neben Oulu in Finnland ist das slowakische Trenčín Europäische Kulturhauptstadt 2026. Dort folgt unsere Autorin dem Wasser: beim Spaziergang am Fluss, in der Badi, bei Thermalquellen. Auf dem Schloss lernt sie eine Gans kennen und kurz darauf eine Zimtschnecke, die sie nie mehr vergessen wird.
Das Schloss ist von Weitem zu sehen, und für diesen Orientierungspunkt bin ich dankbar. Selbst wenn Trenčín, das mit Zug oder Auto etwas über zwei Stunden von Wien oder eine Stunde von Bratislava entfernt liegt, nur klein ist. Ein Burghügel, eine autofreie Hauptstrasse, die von Cafés und Restaurants gesäumt ist, ein Fluss und mehrere Brücken, hier kann man sich theoretisch nicht verlaufen (praktisch natürlich schon). Mein Hotel liegt etwas ausserhalb, gegenüber dem Hockeystadion. Ich komme spätabends an und atme auf, im wahrsten Sinne des Wortes: Es ist kühl im Zimmer. Bei einer Aussentemperatur von 39 Grad ist das viel wert. Das HOTEL MAGNUS Trenčín stellt sich dann als ganz okay heraus. Abgesehen von den Croissants am Morgenbuffet, die so trocken sind wie die Wiesen auf den Hügeln, in die die Stadt gebettet ist. An diesem ersten Abend setze ich mich in die Bar, die an diesem grotesk grossen Gebäude zu kleben scheint, so, wie es manchmal Strandbars tun, nur dass keine Wellen plätschern unter mir, sondern Autos auf einem Parkplatz stehen.
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è hotelmagnus.sk
Zwei Dinge fallen mir auf in dieser slowakischen Stadt, von der ich nur weiss, dass im Juli jeweils ein Musik- und Kunstfestival stattfindet – «Pohoda» heisst es, man kann den Namen übersetzen mit «Wohlbefinden». Erstens gibt es alle paar Meter eine Hochzeitsboutique oder einen Hochzeitsfotografen. Offensichtlich wird hier öfter geheiratet als anderswo. Zweitens säumen fast alle Strassen in Trenčín Bäume, wie ich sie noch nie gesehen habe. Sie sind unanständig grün (während alles in der Umgebung hitzebedingt einen Gelbton angenommen hat) und schauen deshalb seltsam unpassend aus. Sie heissen laut meiner Pflanzen-App Zürgelbäume, und weil ich meine Haare ständig lufttrocknen lasse, gleicht meine Frisur stetig ihren Baumkronen. Zurück in die Stadt. Ich erklimme den Burghügel. Der Weg ist steil und anstrengend, es ist heiss, doch je höher man kommt, desto ergreifender wird die Aussicht. Irgendwann habe ich den letzten Höhenmeter geschafft (diesem Irrglauben erliege ich zumindest kurzzeitig) und bin auf dem Gelände des SCHLOSSES Trenčín. Es ist Mittelaltermarkt! Ich liebe Mittelaltermärkte! Es gibt ein Karussell mit hölzernen Pferden, Pfeil und Bogen und aus Gras geflochtene Zielscheiben, einen Mann, der Kerzen zieht. Lustig
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v erkleidete Menschen, die Brotteige herstellen, unter einem Dach, an dessen Pfosten Rüebli- und Kräutersträusse hängen. Es sieht alles sehr romantisch aus, weniger so, wie ich mir das Mittelalter vorstelle. Eher wie in einem dieser tschechischen Märchenfilme, die ich als Kind im Fernsehen gesehen habe. Natürlich gibt es auch Tiere, weisse Kaninchen, Hühner und Ziegen ‒ und Gänse. Ich rufe «hello, hello», und bekomme Antwort. «Quäk, quäk», sagt eine Gans. Wie bei «3 Nüsse für Aschenbrödel», denke ich, nur dass es dort die Tauben sind, die kommunizieren, unter anderen. Ich steige dann den Schloss turm hoch, das ist wieder sehr streng, und auch eng, und die Aussicht ist einfach noch ein bisschen besser. Später ruhe ich mich in der Ausstellung «Römer und die Slowakei» aus, die in einem anderen Gebäude untergebracht ist. Dort kann man Brettspiele spielen oder auf einem Sitzsack liegen. è trencianskyhrad.sk
Ich gebe mich Letzterem hin. Wie der Mann neben mir, ein Wiener Journalist, wie sich herausstellt. Er wischt etwas ungestüm auf seinem Handy herum, er will mir etwas zeigen: ein Foto der besten Zimtschnecke, die er je gegessen hat! Wirklich! Er habe sie in einer Bäckerei gefunden, unten an der Stadtmauer. So etwas lässt mich natürlich nicht kalt, ich spaziere also wieder Richtung Stadt, lasse die versteckte, romantisch aussehende Terrasse des «Coffee Sheep» links liegen, suche besagte Bäckerei, kann sie nicht finden ‒ und lande deshalb an der Bar des HOTEL ELIZABETH. Es ist erst Mittag, und es findet irgendein Buffet statt, aber man lässt mich in Ruhe diesen riesigen Raum betrachten. Schwere Leuchten, Fin-de-SiècleScheiben hinter der Theke und goldene Lämpchen auf den Tischen. Alles ist in Eierschalenweiss, Beige und Braun gehalten, Vorhänge, Wände, das Buffet. Seltsamerweise versetzt mich das nicht in schwermütige Stimmung, im Gegenteil, ich habe Freude, weil wieder mal alles stimmig ist. Wie mein neon-oranges Rucksäckli mit Pferdezeichnungen, das mich an ein Buch von Karen Duve erinnert, das ich kürzlich gelesen habe, es geht darin um «Sisi» und ihre Leidenschaft fürs Reiten. Die österreichische Kaiserin ist logischerweise Namensgeberin dieses Hotels, ein Kellner soll es ihr zu Ehren Elisabeth genannt haben.
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è hotelelizabeth.sk
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Die KONDITOREI mit der sagenhaften Zimtschnecke finde ich dann nur ein paar Meter weiter. In der Auslage sind Schnittchen zu sehen in Form von Himbeeren und Erdnüssen, von Pistazien und Heidelbeeren. Ich aber bestelle die Zimtschnecke, die fast unanständig gross ist, und zupfe mir eine äusserste Schicht ab. Sie schmeckt grossartig. Ist es die beste? Vielleicht. Mit Sicherheit die luftigste, die ich je gekostet habe, sie schmilzt auf der Zunge.
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Einmal reise ich nach Trenčianske Teplice, das ungefähr 20 Busminuten entfernt liegt. Es ist ein träger, heisser Samstagmittag, und es sieht aus, als ob jemand einen dieser Retrofilter über die Bäderstadt gelegt hätte. Der Ruhm des Kurortes beruht auf fünf Quellen mit sulfathaltigem Heilwasser. Erst aber will ich in der BASKE VILLA zu Mittag essen. Das ist Hotel und Restaurant zugleich, es gibt slowakische Weine und Häppchen, regionale Kunst an den Wänden und tolle Leuchten. Und wirklich guten Kaffee. Vom «Coffee Sheep» sei der, sagt man mir, der Shop befinde sich mitten in Trenčín. Ich weiss.
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20 Minuten darf man im Wasser verweilen; und ich tagträume ausführlich, man muss sich ja stillhalten, alles andere wäre zu anstrengend.
è baskevilla.sk
Aber ich bin ja wegen der Quellen hier und des HAMMAMS. Das ist im Orient-Stil Ende des 19. Jahrhunderts gestaltet, wie eine Lady mit Hut neben mir auf Englisch flüstert, sie sieht aus, als ob sie es wüsste (oder eben im Reiseführer gelesen hat), es sind Kuppeln zu sehen, eine weisse Decke, Fliesen an den Wänden, ein Teppich am Boden und Ornamente allenthalben. Ich glaube, weil alles in Blau gehalten ist, werde ich sofort ruhig, was sich auf meine Bewegungen auswirkt, jedenfalls latsche ich in meinen Überschuhen aus Plastik mehr als dass ich gehe. Jede und jeder darf sich in einer Art Zelle umziehen. Dann geht es ins Wasser, das 36 bis 40 Grad warm ist, was derzeit ungefähr der Temperatur draussen entspricht. Aber das ist etwas ganz anderes. 20 Minuten darf man im Wasser verweilen; und ich tagträume ausführlich, man muss sich ja stillhalten, alles andere wäre zu anstrengend. Dann werde ich mit den anderen Badegästen zurückgescheucht, um noch mehr zu ruhen. Ich schlafe kurz ein und träume schon wieder, und als eine Mitarbeiterin mich wecken kommt, bin ich ganz benommen. Und gesund. Nach mehreren Gläsern Heilwasser noch mehr. Ich studiere am Begriff Spa herum, den man mit «sanum per aquam» übersetzen könnte. Gesundheit durch Wasser.
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è kupele-teplice.sk
Die Idee tönt erst mal nicht so gut, stellt sich dann aber als exzellent heraus: Vom mich plemplem (und gesund!) machenden Badeplausch steuere ich direkt in die BRENNEREI. Im Lokal, das sich im Zentrum dieses wundersamen Dorfes befindet, wird unter anderem ein Gin namens Toison hergestellt. Erst denke ich, Whisky wäre passender, weil das doch übersetzt «Wasser des Lebens» heisst, und auch, dass Toison wie Poison klingt, und dann verflüch tigen sich meine Gedanken endlich, sie fliegen davon, in die Berge dieser Gegend, es wird still in meinem Kopf, und ich setze mich hin. Vor mir die beerige Version des Gins, sie schmeckt so lala, pur wäre wohl besser gewesen. Dazu knabbere ich Waffeln. Man kauft sie hier in Form von runden Platten, und sie schmecken wie die Vanille- oder Schokoladewaffeln, die es in den hiesigen Grossverteilern gibt, nur
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viel leichter. Mein Blick ruht auf einem Brunnen, der Wasserstrahl schiesst aus dem Mund eines übergrossen Froschkönigs. Schon will ich wieder ins Träumen verfallen ‒ aber vielleicht sind es gar keine Träume, sondern veritable Pläne: An diesem Ort will ich irgendwann länger verweilen. è toisongin.sk
Zurück in Trenčín, spaziere ich an einem anderen BRUNNEN vorbei: Auf dem Platz, an dem die neu renovierte Synagoge liegt, sprudelt Wasser aus dem Mund eines Mannes. Es soll sich bei der Figur um Valentin handeln, der einst der Lebkuchen bäckerin Anička nachgestellt haben soll. Nur ein paar Schritte weiter gibt es eine Sandwichbar, sie heisst Vevey Coffee. Ich bewundere zwar die grosse Auswahl, kann mich aber nicht entscheiden und lasse mich weiter treiben durch dieses Städtchen.
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Dafür, dass Trenčín Kulturhauptstadt ist, laufe ich an ziemlich vielen Baustellen vorbei. Die eine ganz eigene Ästhetik ausstrahlen, zum Beispiel jene bei der grossen Bibliothek oder der Siesta-Brücke. Diese alte Eisenbahnbrücke soll in eine Kunstplattform umgewandelt werden, dazu gehören auch eine schwimmende Bühne und die umliegenden Flussufer. Davon ist im Moment noch nichts zu sehen. Dafür ist im Landhaus, dort, wo die autofreie Allee mit den lustig ausgefransten Bäumen ihren Anfang nimmt, Vernissage der AUSSTELLUNG «Glokale Gleichheit und Gastfreundschaft (ungültige Ideen?)». Glokal, übrigens, ist ein Kunstwort, ich muss es googeln, ein Mix aus lokal und global. Die Ausstellung präsentiert sich ähnlich wirr wie der Titel, etwas willkürlich, scheint es, wurden Kunstwerke aller Art aneinandergereiht, die irgendwas mit dem Klima zu tun haben. In einem Raum plärrt Michael Jacksons «Earth Song» aus einem Lautsprecher, dazu kreist eine
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Das Feuer der Seidenstrasse TEXT: EVA FUCHS
BILDER: EVELYN HEBEISEN
Die ältesten bekannten Nudeln der Welt stammen aus dem Nordwesten Chinas. Rund 4000 Jahre später lebt die Tradition weiter: nicht nur entlang der alten Seidenstrasse, sondern auch mitten in Bern bei Wen Qin Tanner.
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s brutzelt, zischt, dann schiesst eine Stichflamme aus dem Wok. Wen Qin Tanner bleibt ruhig. Geschickt schwenkt sie die handgezogenen Nudeln mit Rindfleisch, Zwiebeln, Peperoni und Chilischoten und gibt einen Schuss ihrer Sauce nach Familienrezept dazu. Draussen flimmert der Berner Asphalt in der Sommerhitze, wegen der Trockenheit herrscht Feuerverbot. In der Küche des QinRestaurants lodern die Flammen trotzdem, gefühlt ist es noch zehn Grad heisser. Für die 39-Jährige ist das Alltag. Fast: «Normalerweise trage ich eine Maske, um mich gegen Ölspritzer und Rauch zu schützen.» Für den Fototermin verzichtet sie darauf. Auf der anderen Seite im Raum, hinter der Glaswand der Showküche, schwingt, faltet und zieht der «Noodle Master» den Teig zu langen, dicken Fäden. Die Nudeln heissen Lamian: «lā» bedeutet ziehen, «miàn» Nudel. Was leicht aussieht, ist authentische Handwerkskunst. «Der Teig ist noch etwas zu kalt», entschuldigt sich Wen. Er hätte früher aus dem Kühlschrank gemusst. So reisst er leichter, und die Nudeln werden weniger gleichmässig. Wen kocht für uns einen Gurkensalat an Knoblauch und Chili-Sauce («V4») und «H8», ihr Lieblings-Nudelgericht. Die Nummern auf dem Menu sind für die Schweizer Klientel einfacher zu merken als «Liang ban huang gua» (der Salat), oder «Urumqi gan bian chao mian» (die Nudeln). Wurzeln und Flügel. Aus Ürümqi, am Knoten-
punkt der antiken Seidenstrasse in China, stammt nicht nur das Nudelrezept, sondern 86
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auch Wen selbst. Vor 18 Jahren ist sie zum ersten Mal in die Schweiz gereist, wegen Michu, den sie zuvor in China getroffen hatte. Aareschwimmen, Aareböötlen, Einkaufen in der Altstadt: «Bern macht mich glücklich», sagt sie. Wen entschied sich zu bleiben und heiratete mit 21 Jahren ihren Michu. Obwohl Wen aus einer Gastrofamilie stammt – seit 1986 betreibt die Familie Qin in Nordwestchina mehrere Qin-Restaurants, zeitweise waren es über 30 –, war ihr Weg in die Branche nicht vorgespurt. «Ich erinnere mich an meine Kindheit im Restaurant meines Grossvaters und meiner Mutter, aber ich habe dort nie gearbeitet. Ich hatte eine Kleider boutique.» Mandarin war in der Schweiz gefragt. Zehn Jahre lang begleitete Wen chinesische Reisegruppen und Geschäftsleute durch die Schweiz. «Darum kenne ich die Schweiz heute besser als Michu», sagt sie lachend. «Du solltest in Bern ein Qin-Restaurant eröffnen», schlug Michu 2010 beim Nudel essen im Familienrestaurant während ihrer Hochzeitsreise vor. Aus der eher als Scherz gemeinten Bemerkung wurde mit der Zeit ein Traum und zehn Jahre später Realität. Bis allerdings ein passendes Lokal gefunden war, brauchte es viel Geduld, doch jenes an der Speichergasse erwies sich als ideal. Die vier Räume sind den drei Städten der Seidenstrasse Xi’an, Lanzhou und Ürümqi gewidmet, und Peking – damit auch die chinesische Hauptstadt in derjenigen der Schweiz vertreten ist. Vor der Eröffnung reiste Wen für zwei Wochen nach China, wo ihr Onkel sie in die Familiengeheimnisse einführte. Kurz vor der Eröffnung kamen der Onkel und ihre Mutter nach Bern, um sie zu unterstützen.
Liang ban huang gua («V4») Für 2 Personen 1 Gurke 2-3 Knoblauchzehen, gehackt ½ Chilischote (Peperoncini) Koriander 1 EL Sojasauce 2 EL Schwarzer Reisessig (z. B. Chinkiang/Qin Pagoda Essig) 1 EL Zucker ½ EL Sesamöl Zubereitung – Die Gurke schälen und flachklopfen (in einer Plastiktüte, damit es nicht spritzt), anschliessend in Stücke schneiden. – Den Knoblauch und die Chili fein hacken. – Für die Sauce: Sojasauce, schwarzen Reisessig, Zucker und Sesamöl mit dem fein gehackten Knoblauch und der Chili gut vermischen. – Die Gurkenstücke auf einem Teller anrichten und mit etwas Salz bestreuen. Anschliessend die Sauce über die Gurken geben und mit Koriander garnieren. Die Mengen von Knoblauch, Chili, Zucker und Essig können je nach persönlichem Geschmack verändert werden. Dies ist die vegane Variante von «V4». Im Originalrezept wird statt Sojasauce die Haussauce verwendet, die unter anderem Fischöl enthält.
Feuertaufe. Am 24. Februar 2020 öffneten die Türen des ersten Qin-Restaurants in dritter Generation mit Drachentanz, Trommeln und Gongs. Nur zweieinhalb Wochen später zwang der Lockdown zur Schliessung. Es war eine schwierige Zeit, dennoch schafft es Wen, das Positive daran zu sehen: «Covid gab uns Zeit zu lernen.» Wen lieferte aus, Michu nahm die Bestellungen auf. Für die staatliche Hilfe ist Wen sehr dankbar, genauso für die Unterstützung aus dem Freundeskreis. «Ein Freund druckte ohne unser Wissen 3000 Flyer und verteilte sie mit seinen Töchtern im kalten Winter von Haus zu Haus.»
Partnerhinweis
Die Welt auf dem Teller Wie schmeckt Madagaskar? Welche Gerichte kommen in Nepal, Äthiopien oder Bolivien auf den Tisch? Das kostenlose Rezeptbüchlein von Helvetas vereint neun traditionelle Rezepte aus verschiedenen Helvetas-Partnerländern. Die Gerichte geben Einblicke in lokale Esskulturen und laden dazu ein, neue Geschmäcker und Traditionen kennenzulernen. So wird jedes Rezept zu einer kleinen kulinarischen Reise um die Welt. èhelvetas.org/rezeptbuch
Auch nach der Pandemie gibt es Herausforderungen: Mitarbeitende zu finden, die die Kunst der gezogenen Nudeln beherrschen, ist schwierig. Fachleute aus China in die Schweiz zu holen, ist zwar möglich, doch der Bewilligungsprozess ist aufwendig und teuer. An unserem Tisch gibt es keine Sorgen. Der Gurkensalat schmeckt herrlich erfrischend, mit einer angenehmen Schärfe und einer kräftigen Portion Knoblauch. «Den können wir gut zu Hause nachmachen», meinen wir. Das Ziehen der Nudeln und die Feuershow überlassen wir hingegen lieber den P rofis. Die Nudeln überzeugen mit kräftigem Biss und würzigem Geschmack – weit entfernt vom süss-sauren China-Klischee. Kein Wunder: Nordwestchina liegt näher an Zentralasien als an den Metropolen im Süden und Osten des Landes. Entlang der Seidenstrasse entwickelte sich eine eigene Küche, die sich deutlich von jener unterscheidet, die vom Süden aus als «typisch chinesisches Essen» in die Welt exportiert wurde. «Eine Frühlingsrolle habe ich zum ersten Mal in der Schweiz gegessen», sagt Wen. Während wir die letzten Nudeln geniessen, füllt sich das Restaurant langsam. Aus den Lautsprechern tönt chinesischer Pop. » von Musikapp erkennt « Die . Kitschig, schnulzig, Herzschmerz. Irgendwie passt das, denn «H8» ist wirklich zum Verlieben. Beim Verlassen des Restaurants fällt der Blick auf eine Figur der Terrakotta-Armee am Eingang. In Xi’an bewachen die Krieger das Mausoleum von Kaiser Qin. In Bern das gut gehütete Familienrezept, das dank Wen den Weg von der Seidenstrasse an die Aare gefunden hat.
Hitze. In der Küche wird es tropisch. Chefin Wen bleibt cool am Wok. Handwerk. Der «Noodle Master» zeigt hinter dem Glas der Showküche sein Können – live vor den Augen der Gäste. Hingucker. Der Gurkensalat «V4» sieht nicht nur gut aus, sondern schmeckt auch gut.
Das Qin Restaurant an der Speichergasse 29 in Bern ist von Montag bis Mittwoch von 11.30 bis 13.30 Uhr und 18 bis 20.30 Uhr geöffnet. Am Donnerstag- und Freitag ebenfalls von 11.30 bis 13.30 Uhr, am Abend dann bis 21.30 Uhr. Am Samstag von 17 bis 21.30 Uhr. è qin-restaurant.ch
In der Serie «Weltküche» blicken wir Köchinnen und Köchen aus aller Welt, die in der Schweiz Spezialitäten aus ihrer Heimat kochen, bei der Arbeit über die Schulter.
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Die Wände von Wynwood VON Georg Huber [atelier.haus21@yahoo.de] AN Globetrotter-Magazin [redaktion@globetrotter.ch] BETREFF USA
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erne Länder und fremde Orte sind für mich als Künstler ungemein aufregend. Gerne suche ich Plätze auf, an denen ich noch nie zuvor gewesen bin. Ohne grosse Erwartungen, jedoch mit offenen Augen und offenem Geist, lasse ich mich treiben und inspirieren. Überall gibt es für mich etwas zu entdecken, wobei ich meinen Fokus stets auf das künstlerisch Kreative und die positiven Dinge lege. Dieses Mal führt mich meine Studienreise einmal mehr in die Vereinigten Staaten von Amerika. Doch ausnahmsweise habe ich mein Ziel vorher bereits genau festgelegt.
Kurze Reisegeschichten Es macht Freude, seine Erlebnisse mit anderen Reisefans zu teilen. Die Rubrik «E-Mails aus aller Welt» bietet eine Plattform, um gemischte, kurze Episoden von spannenden Reiseabenteuern, persönlichen Höhepunkten und unvergesslichen Erlebnissen von unterwegs zu publizieren. Bitte sendet Eure kurzen Reiseberichte mit Fotos an redaktion@globetrotter.ch. 88
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Ich gehe nach Miami, ganz im Süden des US-Bundesstaates Florida. Mit etwa 450 000 Einwohnern ist die Stadt idyllisch am Atlantischen Ozean gelegen und wird auch «Magic City» genannt. Der Ort steht für gutes Wetter, lange Strände, Art-décoArchitektur und für sein Nachtleben. Die sonnenverwöhnte Metropole ist vielen auch aus TV-Serien wie «Miami Vice», «Burn Notice», «Dexter» oder «CSI Miami» ein Begriff. Seit einigen Jahren wartet dieser Schmelztiegel der Kulturen auch mit einer Besonderheit auf, die eine andere Seite dieser Stadt vermittelt, eine Seite mit farbenfrohen Wandbemalungen. Massenhaft und dichtgedrängt findet sich diese Art der Kunst vor allem rund um den Bezirk Wynwood. Der Übergang vom gewöhnlich geprägten Strassenbild hin zu diesem mitten im Herzen der Stadt gelegenen Art District ist fliessend. Die farbigen Eindrücke werden von Block zu Block immer mehr, und plötzlich bin ich mittendrin. Bunte Bilder rechts und links, auch über und unter mir, Farbe überall. Ich beginne bei den ersten Sonnenstrahlen meinen Rundgang durch die Strassen. Im Gegensatz zum Rest dieser Metropole, in dem ich ohne Fahrzeug vermutlich verloren wäre, ist Wynwood überschaubar und fussgängerfreundlich. Schritt für Schritt taste ich mich in die vor mir liegende Bilderwelt hinein. Bereits nach wenigen Metern bin ich fasziniert von der Kreativität, von der Power und von der Ausdruckskraft um mich herum. Die Kunst findet sich nicht nur als Graffiti oder
Gemälde an den Wänden, auch Strassenschilder oder Sitzbänke werden bemalt oder gleich mit Spachtelmasse oder sonstigen Materialien bearbeitet und verfremdet. Bereits von Weitem fällt mir eine am Strassenrand sitzende, aus Holz gefertigte Figur auf, die den Überblick zu haben scheint. Während sie durch einen Originalautoreifen in der einen Hand auf die Wände blickt, stützt sie sich mit der anderen lässig auf einen echten, umgekippten Minibus. Ein Blickfang, der mir auch als Orientierungshilfe dient. So gut wie jede Wand ist hier in irgendeiner Weise mit Farbe bearbeitet, originell besprüht und nicht selten kreativ bemalt, hier scheint jedes Haus, jeder Ziegelstein jede noch so kleine Fläche zumindest gekonnt bekritzelt oder mit einem Aufkleber verziert worden zu sein. Während an einer Stelle irgendwo im Viertel Mauern neu bemalt werden, versuchen gleichzeitig um die Ecke Arbeiter mit grossen Dampfstrahlgeräten, die Farben anderer Bilder wieder zu entfernen. Ein stetes Werden und Vergehen an vielen Wänden. Dieses Viertel ist unaufhörlich in Bewegung. Von irgendwoher mischt sich immer wieder der Geruch von Spraydosen und Farbe in die frische Morgenluft. Gefühlt kommt es mir jedoch auch so vor, als wäre ich nicht nur von Wandbildern, sondern auch von ebenso vielen Baukränen umgeben. Überall im Quartier wird ein altes Gemäuer abgerissen oder etwas Neues gebaut. Die neuen, sich im Bau befindlichen, meist mehr stöckigen Gebäude verdrängen jedoch nicht unbedingt die
Strassenkunst, auch das Gegenteil ist der Fall. Viele der Architekten planen Wandbilder als festen Bestandteil und originelles Gebäudemerkmal in das Erscheinungsbild ein. Mir wird schnell bewusst: Was ich hier zu sehen bekomme, ist nur ein Augenblick, eine Moment aufnahme eines überbordenden kreativen Geschehens. Bei vielen Häusern, Geschäften, Cafés oder FastFood-Läden sind nicht nur die Fronten bemalt, die Motive reichen oft ringsherum und hüllen die Gebäude noch bis in die Innenhöfe mit Bildern und Symbolen ein. Es ist manchmal gar nicht so einfach, beim Umrunden der Wände nicht die Orientierung zu verlieren. Einige Künstler machen bei ihrer Arbeit auch vor Gehwegen nicht Halt und beziehen diese grosszügig in ihre Bilder mit ein, ich muss deshalb unfreiwillig die eine oder andere Bemalung mit Füssen treten. Viele Werke sind enorm aufwendig in der Ausführung und in ihrer Bildaussage, deshalb kann ich nicht ohne Weiteres von Station zu Station wandern oder ein Motiv nach dem anderen konsumieren. Ich brauche Pausen, um die Eindrücke wirken zu lassen. Zum Glück ist meist eine originelle Bakery in der Nähe. Was will uns der Künstler sagen, diese Frage stellt sich mir hier immer wieder, jedoch nicht auf eine kopfschüttelnde Art. Im Gegenteil, hier werden meine Sinne durch imponierende Kunstwerke auf vielerlei Arten angesprochen. Während mir einige Bilder sofort ins Auge springen und direkt von den Wänden schreien, flüstern andere nur mit
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Zwischen Magie und Massentourismus VON Martina Kraus [martinakraus@web.de] AN Globetrotter-Magazin [redaktion@globetrotter.ch] BETREFF Türkei
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it dem Van reise ich den Balkan hinunter bis ins kappadokische Uçhisar. Hier will ich mir einen langersehnten Traum erfüllen und mit einem Heissluftballon fahren. Dafür muss ich früh aufstehen. Um den Sonnenaufgang in der Luft zu erleben – und weil es um diese Uhrzeit noch kaum Wind hat. Mein Hirn ist noch im Standby-Modus, als ich kurz nach 4 Uhr abgeholt werde. Glücklicherweise muss nicht ich mit dem Minibus durch die engen Gassen Uçhisars und Göremes fahren, um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Tour einzusammeln. Ich staune, was hier um diese Uhrzeit los ist: Hunderte weisse Minibusse klappern die Hotels ab, dazwischen rasen Jeeps mit Anhängern, auf denen die Ballonkörbe verstaut sind – und überall Roller. Das alles im Dunkeln und in Staubwolken, weil die Strassen komplett aufgerissen und in miserablem Zustand sind. Endlich ist der Bus voll, und wir verlassen Göreme. Über endlos scheinende, rumpelige und staubige Feldwege holpern wir hinaus zum Startplatz. Dort angekommen, bin ich erst einmal baff: So ein Heissluftballon ist viel grösser, als ich ihn mir vorgestellt habe. Als ich den Korb sehe, wird auch sofort klar, warum. Statt vier bis sechs Personen, wie ich vermutet hatte, finden darin 32 Passagiere Platz – plus Pilot und Co-Pilot. Schlagartig ergibt auch die Flut an Touristen Sinn, die weiterhin aus den weissen Kleinbussen gespuckt wird.
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Als das erste Morgenrot erscheint, verstummen die Luftgebläse, und die Gasbrenner lassen die Ballons dramatisch von innen leuchten. Noch bevor wir überhaupt abheben, bin ich überwältigt von diesem Anblick. Dann geht alles schnell: Die Ballons richten sich auf, wir klettern in die engen Körbe, und kurz darauf
Mit dem Sonnenaufgang taucht goldenes Licht die Landschaft in immer neue Farben. Zwischen trockenen Plateaus ziehen sich grüne Täler wie Lebensadern durch das vulkanische Gestein. Unser Kapitän steuert den Ballon spektakulär tief durchs «Love Valley», vorbei an Feenkaminen und überfüllten
schweben wir bereits in die Luft. Ringsum erklingt begeistertes Aaaahhhh, während der Kapitän stoisch Höhe gewinnt. Ich muss mich regelrecht zwingen zu fotografieren, so faszinieren mich die Landschaft und die unzähligen Ballons am Himmel – inzwischen sollen es rund 200 sein. Was einst mit einem kleinen Heissluftballon-Unternehmen eines englisch-schwedischen Paares begann, hat sich in wenigen Jahren zu einer Instagramgetriebenen Massenindustrie entwickelt und die Ballons zum Wahrzeichen Kappadokiens gemacht.
Wenn der Himmel erwacht. Der Van von Martina vor dem Meer aus Heissluftballons. Die Magie dieses Moments hat auch Schattenseiten – der Massentourismus hinterlässt Spuren in der Region.
Fotospots mit Teppichen, Cadillacs und «Marry Me»-Kulissen. Immer wieder rauschen wir knapp über Baumwipfel hinweg, begleitet von begeisterten und leicht panischen Schreien aus dem Korb. Von oben erkennt man besonders gut, wie Erosion diese einzigartige Landschaft mit Tälern, Felswänden und den bizarren Feenkaminen über Jahrtausende geformt hat. Nach einer Stunde landet der Kapitän punktgenau auf dem Anhänger des Pick-ups – Applaus brandet auf. Während wir mit alkoholfreiem Sekt anstossen, wird der Ballon bereits zusammengefaltet und verstaut. Kurz darauf sitzen wir in den bereitstehenden Bussen, und um sieben Uhr morgens stehe ich schon wieder vor meinem Van. Effizienter geht es kaum. So beeindruckend ich die Heissluftballonfahrt fand, so sehr macht mir der Hype um Kappa dokien Sorgen. Die Auswirkungen auf Göreme, auf die umliegenden Dörfer und auf die Natur sind enorm. Einheimische erzählen, dass sich der Tourismus in den letzten Jahren stark verändert hat: Statt Kultur- und Wandertouristen, die länger bleiben, kommen heute vor allem Busladungen voller Pauschaltouristen für gerade mal 24 Stunden. Ballonflug, Foto shooting auf den Klippen, Quadtour – und wieder zurück in den Bus, inklusive Instagram-Upload für die Follower. Schöne neue Reisewelt. Ich mache mir nichts vor: Auch ich bin Teil dieses Problems. Selbst wenn ich lange hierbleibe und Müll sammle – doch indem ich von diesem Ort schwärme, trage ich dazu bei, noch mehr Menschen anzuziehen und genau das zu gefährden, was mich hier so fasziniert.
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Eine Annonce kann für private Anliegen im Zusammenhang mit Reisen aufgegeben werden. Webadressen mit nicht ausschliesslich privatem Inhalt werden nicht publiziert. Keine anonymen Annoncen. Das GlobetrotterMagazin übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt. Veröffentlichung von E-MailAdressen und Telefonnummern geschieht in Eigenverantwortung.
Costa Rica (Regenwald), ein Wüstentrip oder eine Nordlicht-Reise. Ebenfalls gesucht: neue Kolleginnen aus der Region und näheren Umgebung zum Wandern oder für Ausflüge und kulturelle Events. Ich freue mich, dich kennenzulernen. Therese, E-Mail: theri@bluemail.ch.
REISEPARTNER
Ich bin 20 Jahre alt, fröhlich, Pfadfinderin, naturbegeistert und habe meine Ausbildung als Fachfrau Betreuung Kind abgeschlossen. Nun möchte ich etwas mehr von der Welt sehen und ab Januar 2027 bis ca. April 2027 Neuseeland bereisen. Hast du Tipps und Tricks, was das Reisen dort anbelangt, seien es günstige Unterkünfte, Ausflugstipps etc. oder möchtest du mich auf einem Teil begleiten, evtl. mit Stopovers, dann freue ich mich auf deine Nachricht. Indira, E-Mail: reisen.2027@gmx.ch.
Gemeinsam verreisen, etwas unternehmen. Ich (w/53/NR/vom Zürichsee) suche eine Reisebegleiterin für einen Städteflug: Valencia, Bad Blumau/ Wellnessen oder Edinburgh. Die Azoren und eine Rumänien-Rundreise mit Donaudelta und die Kanalinseln stehen auch noch auf meiner Liste. Im Winter zudem eine Asienreise (Kultur in Bhutan),
Die erlebnisreiche Reise geht weiter mit Dir: humorvolle Begleitung (w/m), ev. auch mit GA. Freue mich (m/69) sehr auf Dich. Beat, Tel. 079 416 04 53, E-Mail: beatwidmer@yahoo.com.
Ich (60) liebe das Meer und die Berge. Wer hat Lust und Zeit, einen Monat oder weniger im Januar/ Februar 2027 nach Melbourne zu fliegen? Zwei Wochen Tasmanien, eine Woche Great Ocean Road und in der letzten Woche Kangaroo Island zu entdecken. Wandern und Baden stehen im Vordergrund. Dazu das Land und Leute kennenlernen. Bist du unkompliziert und liebst ferne Länder? Zu zweit ist es einfach schöner. Melde dich, wenn dich mein Inserat anspricht. Jeannette, E-Mail: belger@bluewin.ch.
RENDEZ-VOUS Frau (69/176cm/NR) vielseitig interessiert und engagiert, sehnt sich nach Geborgenheit. Du hast einen wachen Geist, siehst mit dem Herzen, bist dankbar und wertschätzend. Ein von Hand geschriebener Brief mit Telefonnummer und Foto würde mich sehr freuen. Irène Meyer, Postfach 9438, 3001 Bern.
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SAUBER AUF REISEN
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Laufend neue Annoncen unter www.globetrottermagazin.ch/annoncen Gesucht: Gelegenheitsübernachtung in Luzern. Ärztin (39) am Kantonsspital LUKS, pendelnd aus Zürich, sucht 2–4 × pro Monat unter der Woche nach langen Arbeitstagen eine Übernachtungsmöglichkeit in Luzern. Susle, E-Mail: m2flo1w@gmail.com.
AUSLANDSJOBS Arbeiten im Norden von British Columbia, Kanada: Wir sind zwei Schweiz-Kanadier, die vor über 40 Jahren ausgewandert sind. Wir führen unsere Northern Rockies Lodge im Norden von B.C. inmitten vom Muncho Lake Provincial Park, Mile 462 am Alaska Hwy. Wir operieren mit Wasserflugzeugen vom blaugrünen Muncho Lake aus. Wir suchen Berufsleute in allen Bereichen der Hotelbranche, Köche, Bäcker, Rezeption, Zimmerpersonal, Allrounder (Mechaniker/Zimmermann), Dockhand etc. Visa Guidelines: Altersbegrenzung unter 35 Jahre. Für uns: min. 6 bis max. 18 Monate. Marianne Schildknecht, E-Mail: info@nrlodge.com. Tenerife Animal Sanctuary. Freiwillige Helfer gesucht auf der Sonneninsel Teneriffa, gegen Kost und einfache Logis. Tierliebhaber und/oder handwerklich begabte Volontäre finden alle Infos unter: www.tenerifeanimalsanctuary.org. Anfragen direkt via Website. Katharina, E-Mail: katharina.kirk@gmail.com. 3- bis 5-monatiges Praktikum mit Tauchkurs in der Karibik. Komm zu unserer Tauchschule mit familiärer Atmosphäre in der Dominikanischen Republik und erlebe einzigartiges Abenteuer! Von November
bis April suchen wir Unterstützung in Bayahibe. Als Praktikant/in wirkst du in unserem Tauchzentrum mit, sammelst wertvolle Erfahrung und hast die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Divemaster oder Tauchlehrer zu absolvieren. Unterkunft während des Praktikums inklusive. Stürz dich in dieses Abenteuer! Kontaktiere uns und wir besprechen die Möglichkeiten. Julien, E-Mail: info@godivebayahibe.com. International Farm Youth Exchange – Wer hat Lust, zwischen 6 Wochen und 6 Monaten aktiv am Alltagsleben mehrerer Gastfamilien (meist land wirtschaftliche Betriebe) teilzunehmen? Länder wie Norwegen, Finnland, Nordirland, Südkorea, Taiwan und Australien stehen zur Auswahl. www.ifye.ch. Genaue Infos erhältlich bei Vanessa. E-Mail: secretary@ifye.ch. Hilfswerk Indian Hope Schweiz sucht Kindergärtnerinnen für 6 Monate dauernden Einsatz im Punjab. Dasselbe Hilfswerk sucht auch Sozialarbeiterinnen. In der Schweiz wären wir dankbar, noch zusätzliche Helferinnen und Helfer für Schreib arbeiten am Computer zu finden (mithilfe von Any Desk). Weitere Auskunft bei Irène, Tel. 031 722 19 81, E-Mail: info@indianhope.ch. Nicht zu alt für Neues – Wintersaisonjob gesucht. Nach vielen Jahren am anderen Ende der Welt möchte ich (w, fitte 59) noch mehr von der Welt sehen. Bin gelernte Hotelfachfrau, habe langjährige Erfahrung in der Pferdezucht, war u. a. als Helferin in der (Bio-) Landwirtschaft und im GaLaBau tätig und plane einen Basiskurs als Reise-/Wanderführerin. Liebe
die Natur, Tiere und das Draussensein. Suche einen Wintersaisonjob im Tourismus, abseits der Touristenströme, bin aber für alles offen. Spreche fliessend Englisch, etwas Italienisch und bin sprachinteressiert. Ute, E-Mail: lemonmyrtle67@gmail.com. Abenteuer Karibik. Wir bieten dir Gelegenheit, in unserer internationalen Tauchschule (unter deutscher Leitung) in der Dominikanischen Republik mitzuarbeiten und Dich praxisnah zum Dive-Master ausbilden zu lassen. Interessierte, mehrsprachige Wasserratten dürfen sich gerne bei mir melden. Jens Rehfeld, Tel. +1 809 833 00 83, E-Mail: casa-daniel@gmx.net. Volontärinnen und Volontäre gesucht. Wir suchen engagierte Freiwillige für ein Kinderhilfswerk in Lateinamerika. Anforderungen: 12-13 Monate Einsatz, Start im Januar oder Juli, Spanisch & Englisch, Mindestalter 21+. Das bieten wir: Kost & Logis, $100 Taschengeld monatlich, Beteiligung an Flug- und Versicherungskosten. Infos bei Guido, E-Mail: volunteers@nph-switzerland.org.
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VORSCHAU
WINTER 2027
TSCHAD
Im Reich der Toubou Im Nordosten des Tschad erhebt sich das Ennedi-Massiv mit gewaltigen Felsbögen, bizarren Sandsteintürmen und bis zu 8000 Jahre alten Felszeichnungen aus der Sahara. Sylvia Furrer und Holger Hoffmann durchqueren diese spektakuläre Landschaft und begegnen dabei auch den Toubou, nomadischen Hirten und Kamelzüchtern, deren Heimat sich über weite Teile der zentralen Sahara erstreckt. Die Wüstenwelt, die unser Autorenduo in Zentralafrika erkundet, ist weit weniger leer, als sie zuerst scheint.
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Land der Gegensätze
Fahrt mit Hindernissen
Steinaxt und Smartphone, Sing-Sing und Stammeskrieg: Papua-Neuguinea steckt voller Gegensätze. Romy Müller besucht Menschen, deren Lebenswelt zwischen Tradition, Moderne und Gewalt schwankt.
Sechs Wochen, 2000 Kilometer und ganze 12 000 Höhenmeter: André Chatelain fährt auf dem Radfernweg EuroVelo 9 bis ans Mittelmeer. Ein Trip, der an den Kräften zehrt – und ein verloren geglaubtes Gefühl zurückbringt: Freiheit.
SÜDAFRIKA
MIKRONESIEN
Kampf der Wilderei
Trauriges Paradies
Carel Jansen van Vuuren und seine Ranger schützen Nashörner im südafrikanischen Busch vor schwer bewaffneten Wilderern. Carola Leitner berichtet von der Front eines erbarmungslosen Kriegs ums begehrte Horn.
Guam sieht aus wie das perfekte Südseeparadies – doch das US-Aussengebiet in Mikronesien ist geprägt von Militärpräsenz, sozialen Problemen und Isolation. Anna-Pia Kerber reist an einen Ort voller Schönheit und Widersprüche.
Das Globetrotter-Magazin Nr. 160/Winter 2027 erscheint Ende Dezember 2026 98
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HERBST 2026
Expeditionskreuzfahrt Madagaskar – ein Naturerlebnis der besonderen Art 03. bis 17. November 2027
DEU SPR TSCH A REI CH IGE SE TU N LEIG
Erlebnisse – Komfortables Expeditionsschiff mit maximal 100 Gästen – Masoala-Nationalpark mit seiner Artenvielfalt – Die Allee der Affenbrotbäume – Kirindy-Nationalpark mit verschiedenen Lemurenarten – Die Bergregenwälder im Nationalpark Montagne d'Ambre – Besuch des ehemaligen Piratennests Nosy Mangabe – Vulkanzauber auf La Réunion – Der Botanische Garten von Pamplemousses auf Mauritius – Verlängerungsmöglichkeit in Mauritius
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