Nr. 155 Herbst 2025 CHF 11.–
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AUSZUG
INDIEN
Zwischen Mut und Mythos JAPAN
EUROPA
NORDAMERIKA
SÜDAMERIKA
WELT
Leben in der Zu Fuss von Roadtrip zwischen Auf zwei Rädern Zu Gast bei Blauen Zone Appenzell bis Wien USA und Kanada durch Kolumbien Auslandschweizern
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EDITORIAL
«Globetrotter – Das Reisemagazin für Weltentdecker» erscheint vierteljährlich, Auflage: 31 000 Gegründet 1982 von Globetrotter Walo Kamm Abo-Service/ Card-Anmeldung Magazin abonnieren Æ www.globetrottermagazin.ch, club@globetrotter.ch +41 (0)31 313 07 77 Zu jedem Abo gibts die Globetrotter-Card mit attraktiven Vergünstigungen aus der Welt des Reisens. Abo inkl. Card: CHF 40.– pro Kalenderjahr, Ausland: Euro 40.– Redaktionsadresse Globetrotter-Magazin Neuengasse 20 3001 Bern +41 (0)31 313 07 77 redaktion@globetrotter.ch Redaktion Fabian Sommer (Chefredaktor), Jeannine Keller, Karin Jakob, Sabine Zaugg, Michèle Suter, Raphael Hadorn, Sarah Grünig, Evelyn Hebeisen (Fotografin) Inserate und Vertrieb Globetrotter Club; Evelyn Hebeisen, Sabine Zaugg, Jeannine Keller, Karin Jakob, Michèle Suter Postfach 7764, 3001 Bern club@globetrotter.ch Gestaltung Theo Gamper, Oberdorf SO Druck und Korrektorat Stämpfli Kommunikation, Bern Redaktionssystem Stämpfli Redaktionssystem Bezugsquellen der Zeitschrift GLOBETROTTER-Filialen Aarau Graben 4, 062 834 07 07 Baden Badstrasse 8, 056 200 21 00 Basel Falknerstrasse 4, 061 269 86 86 Bern Neuengasse 23, 031 326 60 60 Bern – Barrierefrei Reisen Waldeggstrasse 42B, Liebefeld, 031 326 60 68 Biel Bahnhofstrasse 49, 032 328 32 32 Chur Gäuggelistrasse 20, 081 382 02 02 Fribourg Rue de Lausanne 28, 026 347 48 00 Luzern Hirschmattstrasse 40, 041 248 00 00 Rapperswil Seestrasse 3, 055 220 55 88 St. Gallen Merkurstrasse 4, 071 227 40 90 Thun Bälliz 61, 033 227 37 37 Winterthur Untertor 21, 052 269 07 07 Zug Alpenstrasse 14, 041 728 64 64 Zürich Rennweg 35, 044 213 80 80 Zürich Theaterstrasse 8, 044 377 77 44
Heimatgefühle Liebe Weltentdeckerinnen und Weltentdecker ennt Ihr das? Ihr kommt an einem Ort auf der Welt an, an dem Ihr nie zuvor gewesen seid, und fühlt Euch: zu Hause. So paradox es klingen mag: Das Gefühl von Heimat kann einen genau dann überkommen, wenn man sich gerade von ihr entfernt. Mir passiert das oft, zuletzt in Griechenland. Als ich zum ersten Mal durch die Gassen von Gennadi im Süden von Rhodos schlendere, bin ich sicher, dass ich in diesem Moment genau hierhin gehöre, an keinen anderen Ort im Universum. Ich kann mir sofort sehr gut vorstellen, für immer hierzubleiben. Und wenn ich dann von einem solchen Ort abreise, habe ich manchmal Tränen in den Augen, weil es sich anfühlt, als würde ich aus meiner Heimat gerissen. Manche Menschen verbinden Heimat mit einem festen Ort: dem Elternhaus, dem Geburtsort, dem Dialekt vielleicht. Mit dem Gestank aus dem Schweinestall des Bauern im Dorf. Mit dem Rauschen der Kehrichtverbrennungsanlage am Ortsrand. Oder dem Klang der Kirchenglocken am Sonntagmorgen. Für viele Reisefans ist das anders: Der Begriff Heimat ist für sie stärker mit Emotionen verbunden als mit Geografie. Ich habe Walo Kamm, den legendären Gründer von Globetrotter und den am weitesten gereisten Menschen, den ich kenne, einmal gefragt, wie er denn den Begriff interpretiere. «Heimat», sagte er, «ist für mich dort, wo Menschen wohnen, bei denen ich mich gut aufgehoben und wirklich verstanden fühle – und vielleicht als Bonus auch noch geliebt werde.» Seine Definition an einen geografischen Punkt zu knüpfen, kam Walo erst gar nicht in den Sinn. Heimatgefühle an fernen Orten könnt Ihr auch in dieser 155. Ausgabe des GlobetrotterMagazins erleben. Zum Beispiel mit Autor Julian Perrenoud, der 26 Schweizerinnen und Schweizer besucht, die sich in 26 Ländern niedergelassen haben. Mit Eve Grünert, die das Dorf Ogimi auf den japanischen Okinawa-Inseln für einen Monat zu ihrem Zuhause macht, herausfinden will, weshalb dort überdurchschnittlich viele Menschen über 100 Jahre alt werden, und dabei noch ganz andere Lektionen fürs Leben lernt. Oder mit unserem Titelbildfotografen Thorge Berger, der das Hola-Mohalla-Festival in Indien erkundet und sich im farbenfrohen und chaotischen Spektakel richtig daheim fühlt. Auf Reisen hinterfragen wir unsere Heimat nicht nur, wir erweitern sie. Manchmal reicht eine Begegnung auf einer japanischen Insel oder ein Spaziergang durch ein griechisches Dorf, um sich selbst ein Stück näher zu sein. Und das ist womöglich das schönste Heimatgefühl überhaupt.
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© 2025 Globetrotter Club, Bern Nachdruck oder Reproduktion in irgendeiner Form, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder kann keine Haftung übernommen werden.
Herzlich
Fabian Sommer fabian.sommer@globetrotter.ch
Drucksache
PS. Wie immer im Herbst liegt dieser Ausgabe der QR-Zahlschein für die Abogebühr des nächsten Jahres bei. Im Namen der gesamten Redaktion bedanke ich mich herzlich für Eure Treue.
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INHALT
Von null auf Ozean 8 60 000 Seemeilen, zehn Jahre, sechs Ozeane – und das nach einem lediglich einwöchigen Segelkurs und einer Blitzhochzeit in Las Vegas: Claudia und Jürgen Kirchberger segeln bis ans Ende der Welt. Das Abenteuer ihres Lebens führt sie unter anderem entlang tropischer Inseln, durch den Panamakanal und die Nordwestpassage und nach Grönland zum Überwintern im Eis. Die Reise ist geprägt von neuen Erfahrungen und faszinierenden Begegnungen, wie hier in der Antarktis, wo sich beim Ankerplatz Pinguine tummeln. Bild: Claudia Kirchberger
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ASIEN Japan: vom Leben auf der Insel Okinawa Bildreportage: am Hola-Mohalla-Festival in Indien
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AFRIKA Ein Nepalese baut Brücken in Äthiopien
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AMERIKAS Unterwegs in North Dakota und Manitoba Mit dem Fahrrad durch Kolumbien
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EUROPA Entdeckungen im verwunschenen Albanien Familienwanderung von Appenzell bis Wien Statt Sightseeing: Orte in Margate
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WELT Mit dem Segelboot bis ans Ende der Welt Zu Besuch bei 26 Schweizern im Ausland E-Mails aus …
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FORUM Editorial Leserbriefe/Mailbox REISENRING: Kolumne von Yvonne Eisenring Reisepionierinnen Mein Globetrottermoment
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IM GESPRÄCH Peppino Martegani, CEO Nayak Reisen Sara Zünd, Schreinerin auf der Walz Check-in mit Moderatorin Andrea Jansen
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LITERATUR Buchtipps von Walo Kamm
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ESSEN Weltküche: So schmeckt Finnland
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SERVICE Reisenews Dr. Travel Globetrotter-Card/Abo Magazin Tipps: Verantwortungsbewusst reisen Blackboard Vorschau auf die nächste Ausgabe
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Titelbild Am Hola-Mohalla-Festival im indischen Bundesstaat Punjab feiern die Anhänger des Sikhismus das Leben. Eine halsbrecherische Show mit Pferden ist nur eines von unzähligen Highlights in einem schier unwirklichen Spektakel. Die packenden Impressionen des renommierten Reisefotografen Thorge Berger entdeckt Ihr ab Seite 70. Bild: Thorge Berger
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MAILBOX
Reise mit Sinn Betrifft: Tierschutz in Thailand
Meine Reise nach Thailand führte mich nicht nur in ein wunderschönes Land, sondern auch zu einer Herzensangelegenheit: dem Tierschutz. Bei «Caros World» in Hua Hin hatte ich die Möglichkeit, mit Hunden zu arbeiten, die eine zweite Chance im Leben verdienten. Mein Tag begann früh am Morgen mit der Pflege und dem Spazierenführen der Hunde. Es war beeindruckend, zu sehen, wie
«Caros World» (Bild) bietet nicht nur ein Zuhause für gerettete Tiere, sondern setzt sich auch für Aufklärung und Prävention ein. Ich hatte die Gelegenheit, an Kastrationsanlässen teilzunehmen, die ein- bis zweimal pro Woche in der Umgebung stattfinden. Nur so können das Leid und die sinnlose Vermehrung der streunenden Hunde vermindert werden. Mein Aufenthalt war eine bereichernde Erfahrung. Die Liebe und Hingabe, die das Team den Tieren entgegenbringt, ist inspirierend. Ich kehrte nicht nur mit vielen schönen Erinnerungen nach Hause zurück, sondern auch mit dem Wunsch, weiterhin für den Tierschutz aktiv zu sein. Ich kann jedem nur empfehlen, sich für eine solche Erfahrung zu entscheiden – es verändert nicht nur das Leben der Tiere, sondern auch das eigene! Übrigens: Freiwillige und Spenden sind bei Caro sehr gefragt. Alle Infos online unter carosworld.org.
Fels mit Herz Betrifft: Titelbild, Ausgabe 154
Schön, «mein» Foto auf der Titelseite zu finden! Letztes Jahr aufgenommen. Wenn man in die Tiefe schaut, entdeckt man ein Herz. Ljiljana von Ziegler, Beinwil am See
Elke Favre, Lüsslingen (SO)
Häuschen mit Bedeutung Betrifft: Titelbild, Ausgabe 153
viele Tiere hier ein vorübergehendes Zuhause gefunden haben. Ich half bei der Reinigung der Gehege, beim Spielen mit den Hunden und bei der Durchführung von Trainingseinheiten. Jeder Hund hatte seine eigene Persönlichkeit, und es war eine Freude, die Fortschritte zu beobachten. Zwischendurch bekamen auch die Katzen immer wieder ein paar Streicheleinheiten. Eine der berührendsten Erfahrungen war die Rettung von zehn Welpen, die in einem schlechten Zustand gefunden wurden. Ich konnte miterleben, wie sie sich mit Geduld und Liebe erholten und Vertrauen zu den Menschen aufbauten. Solche Momente machten die harte Arbeit mehr als wertvoll. Während meines Aufenthalts wurde mir klar, wie wichtig Tierschutzarbeit ist.
Das Strandhaus Nr. 100 in Miami hat für uns eine ganz besondere Bedeutung: Nach unserer Hochzeit am 21. März 2024 in Key Biscayne genossen wir einen Spaziergang
Jetzt mitreden! Wie gefällt Dir die aktuelle Ausgabe? Sag es uns jetzt gleich online! Zugang via Link oder QR-Code. Vielen Dank für Deine wertvolle Rückmeldung.
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am schönen Miami Beach – und genau dort, beim Strandhaus Nr. 100, entstanden einige unserer liebsten Erinnerungen bei einem spontanen Fotoshooting – so cool, so einzigartig, so wie wir! Manuela Caprani, Aarau Martin Vogt, Niederlenz
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Ein Schiff, das keine Grenzen setzt. In Tausenden Stunden Eigenleistung haben Claudia und Jürgen ein altes rostiges Boot in eine Expeditionsjacht umgebaut – stark genug, um Sturm und Eis zu trotzen.
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Mit dem Segelboot bis ans Ende der Welt
Kurs auf Freiheit TEXT: JÜRGEN KIRCHBERGER BILDER: CLAUDIA UND JÜRGEN KIRCHBERGER
Eine Woche Segelkurs in Los Angeles – mehr brauchen Claudia und Jürgen Kirchberger nicht, um in ein komplett neues Leben aufzubrechen. Auf ihrer zehnjährigen Segelreise erliegt das Paar der magischen Anziehungskraft des vermeintlich Unerreichbaren.
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tockdunkel ist es. Der Wind hat endlich nachgelassen, etwas unbeholfen schlägt der Zweimaster in der zurückgebliebenen Dünung hin und her. Ich arbeite am Vordeck und wechsle das Starkwindsegel gegen ein grösseres und leichteres Segel aus. Die Batterien meiner Stirnlampe sind fast leer, ich kann kaum noch sehen, was ich hier draussen mache. Aber das macht nichts, die Handgriffe sitzen im Schlaf. Wir sind mitten in der Einsamkeit unterwegs. 2000 Seemeilen hinter uns liegt der letzte Hafen, 1500 Seemeilen voraus sollte in etwa zwei Wochen die tropische Insel St. Helena am Horizont auftauchen. Mit Ausnahme einiger fliegenden Fische und der einen oder anderen segelnden Qualle scheint das Meer seit Tagen wie eine leblose Wüste. Aber der Schein kann trügen. Staunen. Plötzlich ein schallendes Hissen di-
rekt neben mir. Mein Herz macht einen Sprung, bevor mein Verstand einen klaren Gedanken fassen kann. Einen Augenblick hüllt mich eine feuchte, nach salzigem Tang riechende Wolke ein. Etwas erschrocken, aber fasziniert starre ich über das schwarze Wasser. Wünsche mir, ich hätte die Batterie meiner Lampe ausgetauscht. Doch der anmutige Körper, der mir soeben seine Atemluft entgegengeblasen hat, 10
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bleibt ein Schatten. Ich kann nicht erkennen, ob es sich um einen Buckelwal, einen Grindwal oder einen anderen Verwandten der beiden handelt, obwohl das Tier keinen Meter neben mir aufgetaucht ist. Lange Augenblicke verharrt der Wal beinahe bewegungslos neben dem Bug, dann erzählt eine winzige Welle von seiner Bewegung. Ich halte mich an der Reling fest, erwarte jeden Moment den Aufschlag. Doch es geschieht nichts. Kein Aufschlag, keine Erschütterung – nur das sanfte Abgleiten des Wals. Er schwimmt direkt unter dem Bootsrumpf durch und beäugt mich nun steuerbordseitig, bevor ich erneut eine Wolke feuchter Atemluft abkriege. Dann gleitet der Schatten langsam davon und die Begegnung ist vorüber. Ich bin wieder allein, und unser Segelboot rauscht unter vollen Segeln weiter dahin. Wir sind zu zweit an Bord, ein eingespieltes Team, das seit Jahren gemeinsam unterwegs ist. Wir, das sind meine Frau Claudia, die jetzt in der Kajüte schläft, und ich, Jürgen. Und das ist unser Leben.
Lange Augenblicke verharrt der Wal beinahe bewegungslos neben dem Bug.
Leinenlösen. Seit unserer ersten gemeinsamen Reise, auf der alles seinen Anfang nahm, sind mehr als 20 Jahre vergangen. Dazumal hatten wir keinen Plan, aber eine Idee: langsam die Welt zu entdecken. Wir kannten uns ein Jahr, als wir in ein Flugzeug stiegen, um in Kalifornien in einen alten Camper zu ziehen. Ein
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halbes Jahr lang reisten wir quer durch Nordamerika, besuchten Mexiko und fuhren bis Alaska und quer durch Kanada. Wir lebten auf wilden Campingplätzen in den Rocky Mountains und stoppten immer wieder an der Küste des Pazifiks. Dort sahen wir den Booten nach, die über das Meer dem Horizont entgegensegelten. Sie wurden nicht von der Küste aufgehalten. Sie konnten aus eigener Kraft Ozeane überwinden. Das wollten wir auch. Aber wie soll das gehen? Ohne Boot und ohne jegliche Segelerfahrung? Learning by doing – das ist nicht immer leicht, aber machbar. In Kalifornien leisteten wir uns eine Woche Segelkurs. Verbrachten die Abende in der Bibliothek und verschlangen alle Bücher rund ums Segeln. Wir verkauften den zerschundenen Camper und zogen auf unser frisch erworbenes kleines Segelboot. Doppelt so alt wie wir, war es nicht unbedingt perfekt, es leckte und hatte einen Motorschaden. Aber es schwamm und konnte über Weltmeere segeln. Wir lösten unsere Leinen. Mehr als drei Jahre war das alte Segelboot unser Zuhause. Wir segelten nach Mexiko, Costa Ricas Küste entlang und durchquerten den Panamakanal. Mittlerweile waren wir zu Vollblutseeleuten geworden und segelten, als wären wir auf Booten aufgewachsen. Aber eine harte Lektion hielt der Nordatlantik dann doch für uns bereit. Wir sollten lernen, mehr Respekt vor den Naturgewalten zu haben.
Auf dem Weg von den USA nach Europa gerieten wir in einen Orkan. Der MemorialDay-Storm zwang uns mit elf Meter hohen Wellen und 120 Stundenkilometern Wind in die Knie, das Boot kenterte – es schlug endgültig leck. Nach acht Stunden Überlebenskampf fischte uns ein Rettungstaucher aus dem Inferno. Per Helikopter ging es zurück in die USA. Ohne Boot und ohne unsere Siebensachen. Wir hatten alles verloren. Im salzwassergetränkten Ölzeug, pleite und obdachlos, standen wir an der Küste von North Carolina und schmiedeten neue Pläne.
Selbstbewusst. Claudia auf Kurs, trotz frostiger Bedingungen, vor der winterlichen Küste Norwegens. Sorgfältig. Jürgen manövriert das Boot präzise durch die Eisschollen vor Grönland. Spannend. Begegnung mit Delfinen bei der Atlantiküberfahrt. Spektakulär. Buckelwale kreuzen den Weg der Segler vor Tonga in der Südsee. Stimmungsvoll. Wildnis, Sonne und tierisches Leben im Einklang an der Küste von Alaska. Surreal. Auf Tuchfühlung mit unzähligen Königspinguinen in der Sankt-Andreas-Bucht auf Südgeorgien.
Aufbrechen. Acht Jahre später räumen wir un-
sere Habseligkeiten in die Kajüte unseres neuen, schwimmenden Daheims. Das Boot ist in nichts vergleichbar mit unserem Ersten. Dieses Mal wussten wir genau, was wir benötigten: ein Boot, das keine Grenzen setzt. Ein kleines Schiff aus Stahl, stark genug, um Sturm und Eis zu trotzen. Wir haben die letzten Jahre damit verbracht, ein altes, rostiges Boot in Tausenden Stunden Eigenleistung zu einer hochseetüchtigen Expeditionsjacht umzubauen – neben Vollzeitjobs und dem Aufbau eines kleinen, aber stetigen Einkommens für die kommenden Jahre. Noch wissen wir nicht genau, welche Route vor uns liegt. Noch ist uns nicht bewusst, dass wir in wenigen Jahren zu den abenteuerlichsten Seglern zählen werden. Noch gibt es nur 11
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WELT Friedlich. Die Ruhe kann täuschen. Das Meer zeigt sich in Patagonien oft auch stürmisch. Speziell. Bewusst lassen Claudia und Jürgen ihr Boot im Eis vor der Küste Grönlands einfrieren und überwintern dort. Streng. Aus einem alten rostigen Boot entsteht mit viel Frauen- und Manneskraft eine hochseetaugliche Expeditionsjacht. Anders. Nach Monaten im hohen Norden und einer langen Überfahrt erreichen die Segler das Südseeparadies Französisch-Polynesien. Intensiv. Einen Sommer lang segelt das Paar durch die raue Nordwestpassage, wo es mit Eisbärenbegegnugen belohnt wird.
SEGELREISE UM DEN AMERIKANISCHEN DOPPELKONTINENT
Nordwestpassage
GRÖNLAND
FRANZÖSISCH POLYNESIEN
NEUSEELAND
Segelroute
Patagonien Antarktische Halbinsel
Claudia und Jürgen segeln in die Schweiz Diesen Spätherbst erzählen Claudia und Jürgen in ihrem Vortrag «Bis ans Ende der Welt» in sechs Schweizer Städten davon, wie aus zwei Landratten waghalsige Hochseesegler wurden. Infos und Tickets online. Die Daten: 23. Oktober 24. Oktober 25. Oktober 26. Oktober 1. November 2. November Î explora.ch
Bern Luzern Winterthur Rorschach Aarau Zürich
Reisewünsche, keine Reisepläne. Wir brechen von zu Hause aus auf. Verlassen Österreich über den Wasserweg. Die Masten auf Deck verzurrt, starten wir die Reise auf der Donau. Über Flüsse und Kanäle erreichen wir die Nordsee, stellen die Masten, segeln in die Ostsee und dann hinaus in den Atlantik. Ziehen nach Norwegen und bleiben dort ein ganzes Jahr. Die Reise wird erneut zu unserem Leben. Wir verbringen die Dunkelzeit im hohen Norden und verlieben uns in den Winter. Wir haben die Arktis kennengelernt und wollen mehr. Unsere Reiselust führt uns über einen stürmischen Nordatlantik nach Island und weiter nach Grönland. Das weisse Land der grenzenlosen Freiheit. Wir leben von selbst gefangenem Dorsch und loten unentdeckte Ankerbuchten aus. Irgendwann schliesst sich die winterliche Eisdecke rund um den Bootsrumpf und legt eine Stille über die Bucht, wie wir sie noch nie erlebt haben. Nicht einmal das leichte Plätschern am Rumpf ist noch vorhanden. Wir erleben einen sehr einsamen Winter, eingefroren im Eis. Kämpfen. Ein harter Weg folgt. Einen Sommer lang segeln wir durch die Nordwestpassage. Wir pflügen uns durchs Eis der kanadischen Arktis bis nach Alaska, wo wir im herbstlichen Beringmeer eine Abreibung bekommen und abgekämpft den Pazifik erreichen. Es sind Monate der Anstrengung, der Schlaflosigkeit und der ständigen Gefahr, von Eis und Sturm in die Enge getrieben zu werden. Aber es sind auch
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die intensivsten und beeindruckendsten Monate unseres Lebens. Inklusive EisbärBegegnungen, Schneeblindheit und Gletscherbegehungen. Wir ziehen weiter in den Süden, besuchen die Orte unserer ersten gemeinsamen Reise, segeln unter der Golden Gate Bridge durch und weiter nach Mexiko. Dann legen wir Kurs in den Westen. Einen knappen Monat segeln wir über die unendliche Weite des Pazifiks. Es gibt keine Pause mehr, keinen Stopp. Tag und Nacht ziehen wir über das ewige Blau des Pazifiks, wechseln uns alle sechs Stunden am Ausguck ab und schwitzen in der tropischen Hitze am Äquator. Irgendwann taucht im Morgenrot Land am Horizont auf. Hiva Oa, eine Insel im Südseeparadies Französisch-Polynesien. Nach 27 Tagen auf See betreten wir unbeholfen festen Boden. Unsere Füsse fühlen sich an wie aus Gummi, unsere Bewegungen sind tollpatschig. Das Land scheint uns zu unbeweglich, der Seegang des Meers ist uns ins Blut übergegangen. Wir segeln durch Atolle, besuchen Inseln, die wie auf Perlenketten aufgereiht vor uns liegen. Tauchen durch Riffe und Wracks einstiger Segelschiffe und ernten gemeinsam mit Einheimischen Muscheln. Verlieben. In Neuseeland erreichen wir nach Monaten wieder mal eine Küste in den gemässigten Breiten. Wir nützen die Möglichkeiten des kleinen Landes und verbringen Monate in der Werft, wo wir unser Boot einmal mehr in Schuss bringen.
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WELT Doch das ist nur ein Name. Denn wo endet die Welt wirklich? Wie weit kann man fahren, wenn der Bug in den Süden zeigt? Die Fahrt in die Antarktis will gut geplant sein. Normalerweise segeln hier nur grosse Schiffe oder Expeditionsjachten mit vielköpfiger Crew. Nicht abenteuerliche Paare, die auf ihrem Boot leben. Doch wir wagen es, segeln über die raue Drakestrasse, bis wir uns einen Weg zwischen den Eisbergen suchen müssen. Wir haben die antarktische Halbinsel aus eigener Kraft erreicht und wandeln drei Monate lang durch eine wundersame Eiswelt. Ab sofort muss ich Claudias Herz mit unzähligen Geschöpfen teilen – sie hat sich unheilbar in die Eselspinguine verknallt. Aber mit ihnen teile ich sie natürlich gern. Ankommen. Bevor der antarktische Winter
Das gefällt. Nach der Überfahrt durch den sturmgeplagten Süden des Pazifiks erreicht das Boot die Küste von Patagonien. Das passt. Das Abenteurerpaar lebt seit Jahren mehrheitlich auf der Expeditionsjacht. Hier lässt es sich bei einem Halt auf Französisch-Polynesien postkartentauglich ablichten.
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In den Tropen ist unsere Sehnsucht nach den Extremen noch stärker gewachsen. Wir wagen uns auf eine aussergewöhnliche Route: durch die «Brüllenden Vierziger» entlang der antarktischen Eisberggrenze Richtung Südamerika. Der äusserste Süden des Pazifiks trägt seinen Namen zu Recht: Das Seegebiet ist derart sturmgeplagt, dass das Meer nahezu ununterbrochen tost. 46 Tage und 14 Stürme später erreichen wir Chile. Während der eineinhalb Monate auf See erlebten wir lediglich fünf Sonnentage, und trotzdem wären wir am liebsten sofort wieder aufgebrochen, in diesen unfassbaren und fordernden Ozean. Doch wir bleiben an der Küste von Chile, segeln acht Monate durch die Kanäle von Patagonien. Immer weiter in den Süden führt unsere Reise durch Schneestürme und Fallwinde zu den einsamsten Winkeln einer Gebirgswelt, die vom Meer durchflutet ist. Bis plötzlich kein Land mehr vor uns liegt. Wir haben Kap Hoorn erreicht, den äussersten Süden von Feuerland, das «Ende der Welt».
über uns hereinfällt, müssen wir von hier verschwinden. Wir setzen die Segel und drehen den Bug in den Norden. Nach vielen Jahren auf den Weltmeeren wollen wir erneut Europa erreichen. So brechen wir auf, um den Atlantik in seiner gesamten Grösse kennenzulernen – vom äussersten Süden der Welt bis nach Europa. Nur dreimal stoppen wir, bevor wir die Azoren erreichen: auf den britischen Falklandinseln vor der Küste Argentiniens, auf St. Helena und auf der Insel Ascension im tropischen Südatlantik. Ein Jahr und viele Nationen später schliesst sich der Kreis an der norwegischen Küste: Hier waren wir schon einmal. Über viele Umwege hat uns unser Kurs rund um den amerikanischen Doppelkontinent geführt. Zehn Jahre sind vergangen seit unserem Aufbruch auf der Donau. Das Leben zu zweit an Bord ist zu unserem Alltag geworden. Wir haben gelernt, dass wir viele Teile dieser Welt aus eigener Kraft erreichen und unsere eigenen Grenzen immer weiter stecken können und wollen. Wir haben nie vermutet, dass wir uns jemals auf den Spuren der grossen Abenteurer und Weltentdecker wie Roald Amundsen und James Cook bewegen könnten, und doch haben wir ihre historischen Kurse immer wieder gekreuzt. Und so sind wir zurück nach Europa gekommen, den Kopf voller Eindrücke, mit der Freiheit in der Seele und dem Wind in den Haaren. Hier werden wir erneut an unserem Boot arbeiten und uns für kommende Abenteuer in den Weltmeeren vorbereiten. unterwegs@fortgeblasen.at
Claudia (48) und Jürgen Kirchberger (52) aus Oberösterreich sind direkt nach der Ausbildung zu ihrer ersten Reise aufgebrochen, die ihr Leben für immer verändern sollte. Heute berichten sie über ihre Weltreisen, schreiben Bücher und Ratgeber und arbeiten als professionelle Segelcrew, unter anderem für BBC. Die meiste Zeit aber verbringen sie zu zweit als Reisende auf ihrer Expeditionsjacht oder im selbst ausgebauten Camper. Î fortgeblasen.at Î blauwassersegeln.at
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ert i t n e s ä pr PROGRAMM HERBST / WINTER 2025
WILDES LAND
ALASKA DIE NEUE LIVE-SHOW von Star-Fotograf
FLORIAN SCHULZ Aarau Di 11.11. KUK, Saal 1 19.30 Uhr Nottwil So 16.11. Parapl. Zentr. 13.00 Uhr Chur Fr 21.11. Titthof 19.30 Uhr Wil Mi 12.11. Stadtsaal 19.30 Uhr Zürich Mo 17.11. Spirgarten 19.30 Uhr Thun Sa 22.11. Burgsaal 19.30 Uhr Luzern Do 13.11. Verkehrshaus 19.30 Uhr Winterthur Di 18.11. gate27 19.30 Uhr Basel Fr 28.11. KUSPO 19.30 Uhr Wetzikon Fr 14.11. Aula ZO 19.30 Uhr Cham Mi 19.11. Lorzensaal 19.30 Uhr Rorschach So 30.11. Würth Haus 15.00 Uhr Bern Sa 15.11. Aula Fr. Gym. 19.30 Uhr Bern Do 20.11. Aula Fr. Gym. 19.30 Uhr
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REISENEWS
VERLOSUNG
Das Matterhorn als Tischlampe Die neue Marke Holzgestein verbindet Design und Natur. Das Herzstück der Kollektion: die «BergLampe» – ein echtes Schmuckstück! Die dimmbare Tischlampe verbindet ikonische Bergsilhouetten mit handwerklicher Perfektion. Die erste Produktion wurde über ein Crowdfunding finanziert, es kamen über 34 000 Euro zusammen. Jede Lampe besteht aus einem 3D-gedruckten Bergmodell, eingefasst in geöltes, FSC-zertifiziertes Eichenholz. Hergestellt wird komplett in einer Werkstatt in Deutschland, mit viel Handarbeit und ohne Überproduktion. Neben zehn berühmten Gipfeln wie Mont Blanc, Zugspitze und Matterhorn wird es künftig möglich sein, seinen persönlichen Berg auszuwählen und anfertigen zu lassen. Wir verlosen eine Matterhorn-«BergLampe» im Wert von 79 Euro. Sende uns eine E-Mail mit dem Betreff «Matterhorn» sowie Name und Adresse an wettbewerb.magazin@globetrotter.ch. Einsendeschluss ist der 17. November 2025. Das Glück entscheidet, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird per E-Mail kontaktiert. Î holzgestein.com
Easyjet bedient neue Ziele ab der Schweiz Ab 26. Oktober fliegt die britische Fluggesellschaft Easyjet täglich nach Pristina – und setzt damit die Konkurrenz auf der sogenannten BalkanRennstrecke unter Druck, wie travelnews.ch berichtet. Unter anderem sind Chair und Edelweiss auf dieser Strecke unterwegs. Auch auf anderen Strecken expandiert Easyjet: Ab dem 11. November nimmt die Airline Tanger in Marokko ins Programm. Die nordafrikanische Hafenstadt wird ab Basel zwei Mal pro Woche bedient. Ab Genf ergänzt Rennes in der Bretagne ab Ende Oktober das Flugangebot. Î easyjet.com 18
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16-jährige Davoserin durchquert Grönland zu Fuss
Die Davoserin Amira Blum (Bild) durchquerte im Mai und Juni 2025 in 26 Tagen das Inlandeis von Grönland – 558 Kilometer zu Fuss, auf Skiern, mit Zelt und Schlitten im Schlepptau. Die 16-Jährige tat dies mit ihrem Vater, dem Abenteurer Markus Blum. Mit der Durchwanderung der Eiswüste bei Temperaturen bis zu minus 35 Grad erfüllte sich Amira einen Traum. Die Teenagerin ist damit die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jüngste Europäerin, die Grönland je zu Fuss durchquert hat, und die jüngste Person weltweit, die das im Zweierteam als vollwertiges Expeditionsmitglied ohne grössere Entourage gemacht hat, heisst es in einer Pressemitteilung. Amira und Markus starteten am Point 660 nahe Kangerlussuaq an der Westküste, zogen über das endlose Eisplateau im Inland bis nach Isortoq an der Ostküste, ausgerüstet mit nur drei Schlitten, auf denen sie insgesamt 180 Kilogramm Material mitführten. «Ich habe immer daran geglaubt, dass wir es schaffen. Aber als wir nach mehreren Wochen endloser Weite, Monotonie und Anstrengung in Eiseskälte am Ziel ankamen, war das schon ein besonderer Moment», erzählt Amira Blum. Jeden Tag marschierten die beiden acht bis zehn Stunden, mit stündlichen kurzen Pausen zur Nahrungsaufnahme. «Gemeinsam so etwas Intensives zu erleben, verbindet enorm», sagt Vater Markus Blum, der auch als Vortragsreferent, TV-Doku-Star («Auf und davon») und Eisbadepionier bekannt ist. «Wer unter solch extremen Bedingungen klarkommt, wird auch im Leben klarkommen.»
Orientierungstafeln werden digital Wer kennt das nicht? Man steht auf einem Aussichtspunkt, geniesst das Panorama und fragt sich: «Was sehe ich da eigentlich alles?» Genau da setzt MapShot an. Die kostenlose App zeigt digitale Orientierungstafeln direkt auf dem Smartphone – standortgenau, europaweit und von Nutzerinnen und Nutzern erstellt. Wer selbst eine Tafel erstellen und teilen möchte, braucht nur einen markanten Punkt in der Landschaft zu kennen – der Rest wird automatisch berechnet. So entsteht eine stetig wachsende Sammlung von mittlerweile über 700 digitalen Orientierungstafeln, die das Wissen der Community überall zugänglich mapshot.io macht – ob am Aussichtsturm oder auf dem Hausberg. Î
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REISENEWS
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Eine Sauna im Berg Wer ein rotes Haus sieht, denkt sofort an Schweden. Der genaue Farbton für ein Schwedenhaus heisst Falunrot. Die Farbe war ein Abfallprodukt der damaligen Kupferförderung im Ort Falun. Ab dem 16. Jahrhundert wurde es als Anstrichfarbe verwertet, die zudem einen konservierenden Effekt auf die Holzhäuser hat. Heute zählt die seit 1992 stillgelegte Kupfermine von Falun zum UNESCO-Weltkulturerbe, und die Farbe wird industriell hergestellt. Es gibt im Land viele ausgediente Minen und Bergwerke. In Tuna-Hästberg, südwestlich von Falun, haben drei innovative Leute in einer alten Mine ein Erlebnisparadies geschaffen, adventuremine.se inklusive Sauna im Berg (Bild). Î
Edelweiss fliegt neu nach Namibia
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Edelweiss erweitert ihr Langstreckennetz und fliegt ab 2026 von Anfang Juni bis Ende Oktober nach Windhoek. Die Flüge in die Hauptstadt Namibias finden jeweils montags und freitags nonstop ab Zürich statt. Bedient wird die Strecke mit dem Airbus A350 (Bild). Î flyedelweiss.com
Teenie gibt Airbus Starterlaubnis Ein 18-Jähriger ohne jegliche fliegerische Ausbildung hat im vergangenen Sommer im Kontrollturm des Flughafens Bogotá mit bis zu 20 Flugzeugen gefunkt und dabei sogar einem Airbus A330 die Startfreigabe erteilt. Der Teenager ist der Sohn eines aktiven Fluglotsen. Er prahlte auf Social Media mit seinem «Abenteuer» – und sorgte so für einen kleinen Skandal in Kolumbien. Die Luftfahrtbehörde sprach von einem schwerwiegenden Verstoss gegen die Luftfahrtsicherheit, wie «El Tiempo» berichtet. Zwei Lotsen wurden entlassen und gegen fünf weitere Mitarbeiter laufen Ermittlungen. Neue Vorschriften sollen ähnliche Vorfälle jetzt verhindern.
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Ikigai, Gerstentee und eine Sonnenbrille in Herzform
Leben lernen auf Okinawa TEXT UND BILDER: EVE GRÜNERT
Es gibt Orte auf der Welt, an denen Menschen besonders alt werden – einer davon ist die Insel Okinawa. Fasziniert von diesem Phänomen, reist Eve Grünert nach Japan. Die junge Frau verbringt viel Zeit mit den alten Menschen, teilt ihren Alltag, lauscht ihren Geschichten – und sie lernt, worauf es im Leben wirklich ankommt.
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u hast aber grosse Pläne» sagt der Passant, dem ich gerade mein Feuerzeug geliehen habe, damit er sich eine Zigarette anzünden kann. Mein dicker Weltreiseführer liegt auf meinen Oberschenkeln, und neben mir plätschert das seichte Wasser des sommerlichen Zürichsees. «Da haben Sie recht», antworte ich auftragssicher, und lächle ihn an. Acht Jahre ist das her. Ich war 19 Jahre alt und rauchte noch Zigaretten. Jetzt bin ich 27. Eben noch begleiteten mich Schmetterlinge mit riesigen schwarzen Flügeln, als ich auf dem üblichen Urwaldweg nach Hause schlenderte. Vor ein paar Stunden habe ich mit Yutaka, dem inoffiziellen Wächter eines kleinen Dorfes im nördlichsten und abgelegensten Teil Okinawas, pāku gorufu – eine japanische Art Golf – gespielt. Danach haben wir bei Kaffee und Kuchen via Google Übersetzer geplaudert. Und ich rauche schon lange nicht mehr. Verrückt, wo einen das Leben so hinführt. Blauzone. Ogimi, das Dorf, in dem ich mich
gerade befinde, liegt in einer sogenannten Blauen Zone. Das sind die Regionen der Welt, in denen die meisten über Hundertjährigen leben. Vor allem in den letzten Jahren sind diese Zonen durch Bücher und Netflix-Serien ins Rampenlicht gerückt. Oft wurde das Leben der alten Menschen in Interviews bis ins 24
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kleinste Detail erforscht, um der Zauberformel für Glück und langes Leben auf die Spur zu kommen. Dabei wurden gemeinsame Nenner gefunden, die sich durch alle Blauen Zonen der Welt ziehen. Dazu gehören Zugehörigkeit, eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung, die Überwindung eines Traumas, zum Beispiel des Zweiten Weltkriegs, regelmässige Bewegung und viel Lachen. Inspiriert und neugierig, mehr über dieses Phänomen herauszufinden, kam ich nach Ogimi und buchte einen Monat in der einzigen Unterkunft, die ich mir leisten konnte. Seit drei Wochen lebe ich nun hier, bei meiner Gastmutter Nami, helfe ihr morgens im Garten, fahre mit meinem quietschroten Fahrrad zum nächsten – und einzigen – kleinen Supermarkt und unterhalte mich mit jedem Bewohner, der mir über den Weg läuft. Was ich vorfinde, ist so gar nicht, was ich erwartet habe. Menschen, die viel schlafen, viel schwitzen und viel lachen.
Witzbold. Der 72-jährige Yutaka macht gerne Scherze und begegnet dem Leben mit Humor. Beschaulich. Ein Strand nahe dem Dorf Ogimi im Norden der Inselgruppe Okinawa. Daheim. Im Guesthouse von Nami findet die Autorin ein Zuhause auf Zeit. Subtropisch. Die Küstenstrasse windet sich durch das üppige Grün, das einen Grossteil von Okinawa bedeckt. Verlassen. Die Bushaltestelle ist oft menschenleer. Es fehlt an Nachwuchs im «Dorf der Langlebigkeit». Lebensschule. Von ihrer Gastmutter Nami lernt Eve Grünert Lektionen fürs Leben.
«Welcher ist eigentlich dein Lieblingstag im Jahr?», frage ich die 62-jährige, neben mir im Sand sitzende Nami. Sie antwortet in ihrer charakteristisch kurzen und knappen Art: «Jeder Tag.» Dann lacht sie laut und blickt entschlossen auf die flimmernde Sonne am Horizont. Lebensmotivation. Erst vor ein paar Tagen ist mir aufgefallen, dass der Ort etwas müde vom «Glückstourismus» wirkt. Die meisten
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Alles über Japan Hinweise über die beste Reisezeit, Einreisebestimmungen und viele weitere Infos über Japan findest Du online beim Globetrotter Travel Service. Î globetrotter.ch/info-japan
Besucherinnen, die es so weit in den Norden der Insel schaffen, buchen bei einem internationalen Unternehmen eine dreitägige IkigaiErlebnisreise. Ikigai ist ein japanisches Wort mit einer Vielzahl möglicher Bedeutungen. Einige meiner Freunde vor Ort beschreiben es als eine Art Lebensmotivation, die sich je nach Lebensziel und Lebensphase ändern kann. Die erwähnten Touren beinhalten ein Mittagessen mit einer offenherzigen, japanischen Grossmutter aus der Region. Dabei hat man die Möglichkeit, all seine Fragen zum langen Leben zu stellen. Ich bin mir sicher, dass die Gäste mit den besten Absichten buchen, aber diese Art von Schnelltourismus hinterlässt einen etwas faden Nachgeschmack – als wäre die Region ihrer Weisheit beraubt und als Hülle ihrer selbst zurückgelassen worden. Ich lerne schnell, den etwas schüchternen Einheimischen gleich zu Beginn der ersten Gespräche zu erklären, dass ich nicht auf einer «Ikigai-Tour» bin. Damit sie nicht denken, ich wolle in kurzer Zeit ihre Weisheiten sammeln, ohne wirklich an ihrem Leben teilzuhaben. Schlaf. Inzwischen ist der Ikigai-Tourismus
hier abgeebbt, und die Gegend wirkt etwas verlassen, aber auch angenehm verschlafen. Ein bisschen so, als wäre jeder Tag ein Sonntagmorgen. Andererseits kämpft Ogimi, wie viele andere Orte in Japan, mit der Überalterung. Mit bereits drei geschlossenen Schulen und nur einer registrierten Geburt im letzten Jahr ist die Zukunft dieses langsam verschwindenden Dorfes ungewiss. «Me – 27», sagt Yutaka, der 72-jährige inoffizielle Dorfwächter, und lacht sein Herzenslachen, das die Falten um seine Augen sympathisch betont. Er gestikuliert mit den Händen, um zu zeigen, dass er die Zahlen absichtlich vertauscht hat und in Wirklichkeit – natürlich völlig überraschend – gar nicht 27 Jahre alt ist. Ich muss schmunzeln. PARTNERHINWEIS
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Doch die Menschen hier leben weiter. Vormittags wird im Garten gearbeitet und gepflanzt, davon ernähren sich die meisten. Nur Reis und Eier werden eingekauft. Dies, um Geld zu sparen, denn Okinawa ist die ärmste Präfektur Japans. Diejenigen, die noch gut gehen können, treffen sich donnerstags und samstags um 15 Uhr zum Gate-Golf-Spielen auf dem Dorfplatz, der durch hohe Bäume vor der sengenden Sonne geschützt ist. Yutaka erklärt mir den Sport, der mich sehr an Krocket erinnert. Mit langen Holzstöcken wird ein kleiner Ball durch Metallbögen geschlagen, die im Gras stecken. Während der Mittagshitze vor dem Spiel schlafen die Dorfbewohner, und nach der Aktivität gönnen sie sich erneut ein wohlverdientes Nickerchen. Die meisten leben hier ohne Klimaanlage, trotz regelmässig 35 Grad. Nicht, weil sie sich keine leisten könnten, sondern weil sie sie – so wurde mir erklärt – für ungesund halten.
«Der Schlüssel zu einem langen Leben? Das ist uns egal. Wir wollen ein gesundes Leben, darauf kommt es an», sagt ein guter Freund meiner Gastmutter Nami, als sie ihn auf die Ikigai-Touren anspricht. Humor. Über viele Nachmittage hinweg öffnet mir der 72-jährige Yutaka die Tür zu seiner Welt. Und diese Welt ist reich an Schenkelklopfern, die irgendwie ganz schlecht und doch wahnsinnig lustig sind. An Streichen, die er seinen Freunden spielt. An fleissiger Gartenarbeit, und an unverbindlichem Tun für andere. Einfach so. Mein quietschrotes Fahrrad zum Beispiel. Das hat Yutaka gekauft, damit es jeder benutzen kann, der es braucht. Ganz gleich, ob Dorfbewohner oder Besucherin. Obwohl er viel im Garten arbeitet, schaut er auch zum kleinen Dorfplatz und kümmert sich um seine 92-jährige Mutter. Sie kann nicht mehr gehen, darum kocht er täglich für sie und wohnt mit ihr im Haus. Er hat ein altes Klapphandy und notiert sich wichtige Informationen auf der Rückseite von Kassenzetteln. Ich glaube nicht, dass er weiss, was TikTok oder Instagram ist. Und während unserer gemeinsamen Zeit erzählt er mir immer wieder, dass er oft Dinge vergisst. Als wir einmal zusammensitzen und kalten Gerstentee trinken – der übrigens etwas bitter ist, aber an dem man mit der Zeit Gefallen findet, zieht er plötzlich eine Brille mit herzförmigen Gläsern hervor und trägt sie für den Rest des Gesprächs mit grösster Selbstverständlichkeit. Als ich ihn mithilfe des Google-Übersetzers nach seiner Lieblingsbeschäftigung frage, antwortet er: «Ich arbeite gerne, weil ich dann an nichts denke und die Zeit so schnell vergeht.» Und als ich mich daraufhin erkunde, was er denn macht, wenn er traurig ist, antwortet er mit einem Lächeln: «Arbeiten, denn dann denke ich an nichts.» Momentbewusstsein. Von Yutaka und diesem kleinen Dorf lerne ich, wie wichtig es ist, weniger im Kopf und mehr im Moment zu leben. Klar, manchmal muss man Dinge durchdenken. Aber ich merke, dass ich das zu oft und zu lange tue. Vielleicht geht es manchmal einfach nur darum, mit der Achtsamkeit eines Piloten bei der Landung, eine kleine Pflanze in die Erde zu setzen – und genau darin voll und ganz aufzugehen. Es mag sein, dass mein Leben dadurch nicht länger wird. Aber ganz bestimmt erfüllter. eve.gruenert@ehl.ch
Eve Grünert (28) wuchs in einem Schweizer Dorf auf. Seit eineinhalb Jahren reist sie langsam um die Welt und dokumentiert ihre Erlebnisse online. Eve arbeitete in der Kommunikation und im Projektmanagement. Heute widmet sie sich dem Journalismus. Sie meditierte unter anderem mit Mönchen in Japan, pflegte Tapire in Ecuador und lernte polynesischen Tanz in Samoa. eviegrue
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Flossabenteuer
Inspirationen
Zugerlebnisse
Es lohnt sich, wieder mal zu diesem Klassiker der dramatischen Weltentdecker-Reportagen zu greifen. Der norwegische Ethnologe und Forscher Thor Heyerdahl wurde 1947 weltberühmt, als er mit fünf wagemutigen Abenteuergefährten auf einem primitiven Floss aus Balsaschilf vom Titicacasee von Peru aus über den Pazifik zu den Marquesas-Inseln segelte. Ohne Absicherung, damals gab es weder Satellitenfunk noch GPS. Zurück kam er mit einer umstrittenen Theorie darüber, wie Menschen in vorgeschichtlicher Zeit diese Inseln erreicht hatten. Allen Voraussagen von Wissenschaftlern und Seefahrern zum Trotz bewies er, dass eine Fahrt über den Pazifischen Ozean schon vor tausend Jahren möglich war.
Dieses Buch möchte vor allem eine Einladung sein, die Welt besser kennenzulernen, ihre grandiosen Natur- und Kulturschätze. «Traumziele» präsentiert eine geografisch nach Ländern gegliederte Auswahl der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, von denen viele als Weltkulturoder -naturerbe geschützt sind. Illustriert mit 400 Farbfotos, ergibt sich daraus eine «Weltreise» zu den bedeutendsten Plätzen der Erde – von den Feuer speienden Bergen Islands zu den blauen Lagunen der Karibik, von den glitzernden Skylines Asiens zu den mittelalterlichen Städten der Toskana, von den Steppen Afrikas zu den Regenwäldern am Amazonas, vom einstigen Reich der Pharaonen zu den geheimnisvollen Ruinenstätten der Maya.
Willkommen und Abschied, Losfahren und Wiederkehren, Heimweh und Fernweh – die Eisenbahn erzählt viele Geschichten. Und auch viel Geschichte. Der leidenschaftliche Bahnfahrer Jaroslav Rudis hat die aussergewöhnlichsten, lustigsten und berührendsten Zugreiseerlebnisse von 24 Autorinnen und Autoren zusammengestellt. Gemeinsam mit ihnen reisen wir mit dem «Express»Bummler von Saigon nach Hanoi, mit dem Interrailticket durch Südeuropa oder auf malerischen Strecken in die schottischen Highlands, ab Riad durch Saudi-Arabien, im Nachtzug bis nach Peking oder mit der Transsibirischen Eisenbahn durch Russland. Dabei sehen wir scheinbar unscheinbare Dinge mit völlig neuen Augen und stillen unsere Neugier.
Thor Heyerdahl Kon-Tiki Ein Floss treibt über den Pazifik
Traumziele Ideen für ein ganzes Leben
Jaroslav Rudis (Hg.) Gleise, die die Welt bedeuten Die schönsten Zugabenteuer nah und fern
253 Seiten, viele S/W-Fotos, Ullstein-Paperback, CHF 18.50, ISBN 978-3-548-06166-5
416 Seiten, 400 Farbfotos, Kunth Verlag, CHF 40.–, ISBN 978-3-96965-208-4
252 Seiten, 38 Farbfotos, Malik Verlag, CHF 25.50, ISBN 978-3-89029-596-1
Weitwanderung
Weltumsegelung
Wanderalmanach
Um aus der Krise zu finden, bricht Globetrotter-Magazin-Autor Martin Zinggl ins Unbekannte auf: zu Fuss entlang des Sultans Trails. Wien–Istanbul, acht Länder, 2400 Kilometer, unzählige Grenzen, sichtbare und unsichtbare. Mit Zeit und Neugier im Gepäck erlebt er auf alten Pfaden neue Geschichten. Der Balkan empfängt ihn mit Gastfreundschaft und Misstrauen. Dorfbewohner beherbergen ihn, Strassenhunde jagen ihn. Jeder Tag ein Kampf: mit der Natur, den Beinen, den Gedanken. Jede Grenze eine Prüfung, jede Begegnung eine Lektion. Und irgendwann, zwischen Schmerzen und Erkenntnissen, ist er weiter, als er je dachte. Mit Tempo und Tiefgang erzählt Martin Zinggl vom Gehen, Staunen und von der Fremde.
Nach der Schule brechen Vincent und Tim mit ein paar Freunden zu einer Weltreise auf – mit dem Segelboot, obwohl sie weder einen Segelschein noch einschlägige Erfahrung haben. Doch es ist nachhaltiger als Fliegen und langsam genug, damit die Seele Schritt halten kann. Auf der «Barfussroute» entlang des Äquators führt ihr Weg sie bis in die Karibik, vom Golf von Kalifornien bis in die Südsee, nach Indonesien, auf die Malediven und über das Rote Meer zurück nach Europa. In dieser Zeit werden sie zu richtigen Segelprofis. Doch die Elemente fordern sie bis an ihre körperlichen und mentalen Grenzen heraus. So sehr, dass die «Eira», ihr erstes Boot, von der «Arrya» abgelöst wird und die Jungs nur noch zu zweit weitersegeln.
Dieses Buch nimmt Leserinnen und Leser mit auf 500 spannende Touren durch berühmte Nationalparks auf allen Kontinenten. Zu den heissen Quellen auf dem Mammoth Hot Springs Trail im Yellowstone-Nationalpark, auf eine Wanderung durch den Serengeti-NP in Tansania oder durch den NP Gobi Gurwan Saichan in der Mongolei und zu den Original-Drehorten des «Herrn der Ringe» im Tongariro-NP in Neuseeland. Ob entspannter Spaziergang oder anspruchsvolle Trekkingtour – das Buch bietet mit inspirierenden Farbfotos und Beschreibungen für jeden Geschmack das Passende. Praktische Tipps zu Navigation, Tourenplanung und Begegnungen mit der Tierwelt bereiten vor, Wanderträume zu verwirklichen.
Martin Zinggl Das ist kein Spaziergang Zu Fuss von Wien nach Istanbul
Vincent Goymann Segeljungs Zwei Freunde, drei Ozeane und null Ahnung
Mary Caperton Morton 500 Walks – Nationalparks Erlebnis-Wanderungen durch die beeindruckendsten Landschaften der Welt
288 Seiten, 40 Farbfotos, Knesebeck Verlag, CHF 34.90, ISBN 978-3-95728-857-8
315 Seiten, 56 Farbfotos, Malik Verlag, CHF 28.90, ISBN 978-3-89029-598-5
400 Seiten, 330 Farbfotos, Knesebeck Verlag, CHF 48.90, ISBN 978-3-95728-941-4
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MIT BÜCHERN DIE WELT ENTDECKEN
Radtour bis in den Iran
Tipps und Coaching
Matthias Schwarz will die Welt hinter den Schlagzeilen kennenlernen. Deshalb startet er auf eine Radtour, die ihn über 20 000 Kilometer bis in den Iran, zur Hochzeit seines besten Freundes, und wieder zurück führen wird. Es ist die Erfüllung eines Lebenstraums. Weltgeschehnisse, die Matthias sonst nur aus den Nachrichten kennt, präsentieren sich ihm auf seiner Reise in der Realität. In vielen Ländern begegnet er Menschen aus der Ukraine, die vor dem Krieg geflohen sind. Im Iran erlebt er die Proteste nach dem Tod von Jina Mahsa Amini hautnah mit. Die wahre Würze dieser Reise sind für Matthias jedoch die Begegnungen mit den Menschen in 18 Ländern, ihre Erzählungen und ihre Gastfreundschaft.
Was passiert, wenn eine erfahrene ReisejournaAls eine verrückte Idee den jungen Studenten listin nach Tipps gefragt wird? Sie legt den nach Bali katapultiert, beginnt ein unglaublicher Finger auf den Globus und teilt alles, was sie an Ritt durch die Welt – Afrika, Asien, Südamerika. Ideen und praktischen Kniffen Sogar in der Schweiz trifft er auf parat hat. Und da sie sich als Verrückte. In einem Slum im Coach auch mit den inneren Senegal wird seine Hütte von Orten beschäftigt, die wir bei lachenden Kindern gestürmt jeder Reise unwillkürlich mitbeund in der Steppe Afrikas steht er plötzlich vor einem Nashornsuchen, bietet sie für die Jaaber-Fragen und die Ich-kannbullen. Das Beste scheint immer das-doch-nicht-Sorgen ebendann zu passieren, wenn er sich falls freundliche und unkomplizierte Lösungen verläuft, alles nach Lebensgefahr riecht, das an. Nach den erfolgreichen «Ostwärts»-Büchern Flugzeug dem Absturz geweiht ist oder ein tat Julia Finkernagel es wieder: Sie schrieb ein nackter Inder ihn zum Striptease auffordert. fröhliches, kluges und vor allem hilfreiches Buch, In diesen Momenten erkennt er den Charme das mit Humor und Leichtigkeit zum Reisen der Intuition, die Bedeutung von Vertrauen, die anregt. Dabei ermutigt sie, den inneren Kraft des Humors und eine Magie in den Schweinehund zu überwinden. Gefühlen. Ein Tanz zwischen Abenteuer und Erkenntnis.
Magie der Gefühle
Matthias Schwarz Persischer Wein Wie ich im Bike-Rausch bis in den Iran radelte
Julia Finkernagel Reisefieber Finger auf den Globus legen, dann die Welt entdecken und sich selbst gleich mit
Andreas Brendt Wild Ride Was ich in der Welt über Gangster, Schamanen und das Glück lernte
268 Seiten, 130 Farbfotos, Raetia Verlag, CHF 37.90, ISBN 978-88-7283-976-8
280 Seiten, 66 Farbfotos, Knesebeck Verlag, CHF 27.90, ISBN 978-3-95728-926-1
218 Seiten, 32 Farbfotos, National Geographic, CHF 23.90, ISBN 978-3-98701-116-0
Humor für Vielgereiste
Mosaiksteinchen
Familienreiseplanung
Endlich ist er wieder on the road: Bestsellerautor Dietmar Bittrich schreibt mit unvergleichlich trockenem Humor und scharfer Beobachtungsgabe über Sinn und Unsinn des Reisens. Er kennt alle Höhen und Tiefen des Unterwegsseins, kämpft mit den Tücken unbekannter Fahrkartenautomaten, strandet auf Airports, von denen er nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt, verläuft sich im Labyrinth von Venedigs Gassen und stellt erschrocken auf dem grossen Platz der neu erkundeten Stadt fest: Waren wir nicht schon mal hier?
Sanftes Meeresrauschen, warmer Sand, der Duft von Sonnenmilch und Salzwasser – der Strand ist immer der Ort, an dem wir gerade lieber wären. Stefan Maiwald nimmt Leserinnen und Leser mit an die Adria und lässt sie in diesen besonderen Mikrokosmos eintauchen. Gemeinsam beobachten wir das Treiben am Meeresufer mit seinen grossen und kleinen Geheimnissen, Ritualen und Regeln und erfahren fast nebenbei, wie man die Leichtigkeit des Südens in den eigenen Alltag bringt. 63 sonnenbeschienene Texte wie leichte Mosaiksteinchen als Lernhilfe auf dem Weg zur Entspannung.
Wo solls mit den Kids als Nächstes hingehen? Dieses Buch bietet 300 Reiseziele und Erlebnisse, bei denen Kinder und Jugendliche voll auf ihre Kosten kommen – und das zu jeder Jahreszeit. Ob Faultiersafari in Costa Ricas Regenwäldern im Januar, Streifzüge durch Floridas Vergnügungsparks im Mai oder Surfenlernen an Portugals Algarve im August – das Buch steckt voller Ideen für den perfekten Familientrip. Infografiken und Expertentipps helfen bei der Planung. Viele tolle Fotos und Hunderte von Illustrationen liefern Inspirationen. Ob die Reisezeit-Einteilung nach Monaten – von vielen geschätzt, von anderen geschmäht – eine Hilfe ist bei der Qual der Wahl, bleibt offen…
Dietmar Bittrich Waren wir nicht schon mal hier? Kurze Geschichten vom Reisen
Stefan Maiwald Mein Leben am Strand Warum zwischen Sonne und Meer die Leichtigkeit liegt
Lonely Planet Wann am besten wohin — mit Kids Monat für Monat
237 Seiten, dtv-Taschenbuch, CHF 18.50, ISBN 978-3-423-22118-4
303 Seiten, Mosaik Verlag, CHF 34.90, ISBN 978-3-442-39441-8
Grossformat, 255 Seiten, 150 Farbfotos, 400 Illustrationen, MairDumont Verlag, CHF 48.90, ISBN 978-3-575-01225-8
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Einmal um den Globus
Auf der Suche nach den Ausgewanderten TEXT UND BILDER: JULIAN PERRENOUD
Julian Perrenoud legt 120 000 Kilometer zurück, um 26 Schweizerinnen und Schweizer im Ausland zu besuchen. Die Reise ist körperlich anstrengend. Doch die getroffenen Menschen inspirieren.
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in Fussgängerstreifen in Usaquén, einem gehobeneren Stadtteil von Bogotá. Autos und Motorräder brausen vorbei. Zum ersten Mal auf meiner Reise wünsche ich mir, alles hinzuschmeissen und nach Hause zu gehen. Soeben ist mir passiert, was mir in Kolumbien nicht hätte passieren dürfen: Ich wartete an einer Ampel auf das grüne Licht und schrieb einem Freund in der Schweiz eine Nachricht. Aus dem Nichts kurvte ein schwarz gekleideter Motorradfahrer aus dem Verkehr, zog mir mit rechts mein neues Handy aus der Hand und brauste um die stehenden Autos in die Nacht davon. Willkommen in Kolumbien – oder besser gesagt: was für ein Abschiedsgeschenk. Denn der Diebstahl geschieht an meinem letzten Abend. Er ist in der Hauptstadt kein Einzelfall, wie ich von Adriana Koller erfahre. Sie ist die Tochter von Hans Koller, einem 83-jährigen
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ausgewanderten Appenzeller, den ich hier besucht habe. Trübsal blasen liegt aber nicht drin, ich muss weiter nach Panama und von dort zu meiner nächsten Destination. Im Februar 2023 habe ich mich aufgemacht, um auf der ganzen Welt Schweizerinnen und Schweizer zu besuchen. Für mein allererstes Buch möchte ich 26 ausgewanderte Menschen porträtieren – stellvertretend aus jedem Kanton eine Person in einem anderen Land. Die Idee geisterte über Jahre in meinem Kopf herum, seit ich selbst einmal im Ausland – im kanadischen Toronto – gelebt habe. Ich begann, mir Namen von Menschen zu notieren, über die ich zufällig gelesen oder die ich auf Facebook und der Auslandschweizer-Plattform Swiss Community gefunden hatte. Ich recherchierte in meinem privaten Umfeld und bei der Arbeit. Ich googelte nach interessanten Personen, kontaktierte Kantonsangestellte oder Anzeiger-Redaktionen. Als ich meine neunmonatige Reise
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England Jasmine Imboden (32)
Schweden Max Hensler (54)
Marokko Christine Ferrari (62)
Mauretanien Sara Dettwiler (34)
Südafrika Davina Mortlock (43)
Namibia Franzpeter Ackermann (78)
Kirgistan Olivier Bangerter (52)
Mauritius Sandra Stallaert (53)
Seychellen Corina Fässler (36)
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Indonesien Jonas Müller (33)
Australien Urs Wälterlin (62)
Indien Sujatha Henry (44)
Singapur Nadine Wächter-Moreno (45)
Japan Bruno Humbel (67)
Neuseeland Franziska Schmidlin (59)
Kanada Johann Roduit (41)
Mikronesien Fredy Gull (78)
USA Mariko Bürgin (40)
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Die Schönheit meiner Reise liegt in ihrer Vergänglichkeit. Die Erlebnisse sind prägend, aber auch flüchtig. antrat, hatte ich meine Liste beisammen: 26 Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Berufen, aus St. Gallen und aus Genf, aus dem Tessin und aus Obwalden. Nur zwölf Kilo. Wie packe ich für eine Reise,
die mich an den schwedischen Polarkreis und in die mauretanische Sahara, in die weite Bergwelt Perus und ins tropische Meeresparadies West-Papuas führt? Ich entscheide mich für einen 40-Liter- und einen 16-Liter-Rucksack, beide Handgepäckstücke, total nicht mehr als 12 Kilo. Ich werde viel fliegen, in Zügen und Bussen sitzen und über lottrige Strassen laufen. Da möchte ich nur das Nötigste dabeihaben. Einen zusätzlichen kleinen Koffer mit dicker Winterkleidung ziehe ich nur die erste Woche mit mir herum, ehe ein Freund diesen nach einem Kurzbesuch wieder mit heimnimmt. Mein Abenteuer startet mit dem Zug nach Berlin und von dort mit dem Flugzeug weiter via Helsinki nach Tornio an der finnischschwedischen Grenze. Es ist meine erste Reise nach Lappland. Ich erfülle mir einen Jugendtraum, im tiefsten Winter auf die Suche nach den Nordlichtern zu gehen. Dabei behilflich ist mir Max Hensler, der wohl «gmögigste» Schwyzer, der nach Övertorneå ausgewandert ist. Hier führt er eine Lodge und begrüsst vor allem Gäste aus der Schweiz und Deutschland. Ich wohne in einem kleinen Häuschen mit Blick auf die verschneite Landschaft. Ich begleite Mäx, wie er sich selbst nennt, bei Ausflügen mit dem Schneemobil, am Kochherd oder abends bei Livemusik im Chalet. Ich gehe Eisbaden und sehe Elche – und natürlich die Polarlichter, wie sie nachts geheimnisvoll am Himmel tanzen. Die Schönheit meiner Reise liegt in ihrer Vergänglichkeit. Die Erlebnisse sind prägend, aber auch flüchtig. Ich arbeite weiterhin Teilzeit für meinen Arbeitgeber, plane nebenbei meine nächsten Destinationen und muss immer weiterziehen. Ich treffe in London die junge Nidwaldner Schauspielerin Jasmine Imboden und wechsle danach den Kontinent nach Marokko. Hier besuche ich Christine Ferrari. Die Baslerin lebt allein in einer kleinen Berberstadt nahe Marrakesch und hat eine Safranfarm sowie einen Garten mit Früchten, Gemüse, Eseln und Pfauen aufgebaut, in dem sie Gäste aus aller Welt begrüsst.
Nur ein Land weiter südlich könnte der Kontrast nicht grösser sein: In Mauretanien wohne ich bei der Thurgauerin Sara Dettwiler, die es schafft, sich in einer von Männern und Religion dominierten Gesellschaft zu behaupten. Mauretanien kann anstrengend sein, zumindest Nouakchott. Verlässt man aber die Hauptstadt in Richtung Wüste, zeigt sich das Land von einer anderen Seite. Für einen dreitägigen Kamelritt durch die Sahara mit Besuch von Nomadenfamilien und Oasen lohnen sich die Stunden eingepfercht in einem viel zu kleinen Minibus. Mehr Komfort erfahre ich bei Franzpeter Ackermann: Der Zuger Reiseunternehmer nimmt mich mit auf eine einwöchige Privatrundreise durch Namibia. Ich sehe wilde Zebras, Giraffen, Strausse, Pelikane und Seehunde. Ich sehe aber auch ein Land, das die einstige deutsche Kolonialzeit und Apartheit noch immer nicht gänzlich überwunden hat. Ein Land, in dem weisse, schwarze und braune Menschen oft getrennt leben und die Vermögen ganz unterschiedlich verteilt sind. Dasselbe gilt für die Gegend um Kapstadt. Vom Frühling gelange ich in den südafrikanischen Herbst. Im kleinen Küstenort Noordhoek lebt die Jurassierin Davina Mortlock mit ihrem Mann und drei Söhnen in einem Einfamilienhaus mit Pool und Blick aufs Meer. Ihr Alltag scheint nur auf den ersten Blick sorglos – das Leben am Kap ist hart, die Löhne sind tief, die Kosten hoch.
eine Liegenschaft gekauft. Praslin ist die zweitgrösste Insel der Seychellen. Das Leben im Indischen Ozean steckt voller Herausforderungen: Produkte sind teuer und schwierig zu bekommen, Verwaltungsgebäude und Spital befinden sich eine Fährfahrt oder ein Flug entfernt in der Hauptstadt Mahé. Auch der Umgang mit den stolzen Einheimischen ist anstrengend: Es herrscht eine Zweiklassengesellschaft gegenüber Ausländern. Doch die Bündnerin ist trotz allem geblieben. Ein Zuhause auf Zeit ist Bischkek für Olivier Bangerter. Er ist Botschafter in Kirgistan und kümmert sich nicht in erster Linie um die ausgewanderten Schweizerinnen und Schweizer, denn davon gibt es hier viel zu wenige. Vielmehr geht es bei seiner täglichen Arbeit darum, die europäischen Interessen in Zentralasien zu vertreten. Die Schweiz hat viel Geld in die Entwicklung und Stabilität des Landes und der gesamten Region investiert. Wie genau, das zeigt mir der Waadtländer beim Besuch der Provinzstadt Naryn in den Bergen. Die Fahrt im Dienstauto führt durch menschenleere Steppen und Hügelzüge, auf denen Pferde und Yaks grasen. Wo einst die Seidenstrasse durchgeführt hatte, liegt im April vielerorts noch Schnee. Die Luft ist trocken und kalt. Wir besuchen ein Treffen der lokalen Regierung, die Eröffnung eines ausgebauten Damms mit Festessen in einer Jurte. Beim Reitervolk landet das Nationaltier oft auch auf dem Teller.
Schritt aus der Komfortzone. Es sind unter-
schiedliche Gründe, die meine ausgewählten Schweizerinnen und Schweizer dazu bewogen, ihre Heimat zu verlassen. Bei einigen war es die Reiselust, bei anderen die Liebe oder der Job. Einige machte der Arbeitsdruck in der Schweiz krank, und andere suchten nach dem Sinn des Lebens in der Ferne. Was alle gemein haben: Sie bereuen ihren Schritt aus der Komfortzone bis heute nicht. Das trifft auch auf Sandra Stallaert zu. Die Freiburgerin führt auf Mauritius eine Praxis für homöopathische Medizin und liebt das entschleunigende Inselleben. Sie und ihr Mann haben sich hier für ein Mietshaus entschieden. Denn es ist gut möglich, dass es die beiden irgendwann woanders hinzieht. Sesshafter ist da schon Corina Fässler. Sie hat für sich und ihre beiden Kinder auf Praslin
Entwicklungshilfe leisten. Das karge und ruhige Leben Kirgistans liegt hinter mir, über Dubai erreiche ich Bangalore. Doch ich begebe mich nicht mitten in die indische Grossstadt im Süden des Subkontinents, sondern in das etwas nördlich liegende, schwer aussprechbare Doddaballapura. Lastwagen donnern, Autos dröhnen, Motorräder rattern und Tuk-Tuks hupen, Hunde überqueren die Strasse, Kühe ebenso. Es ist laut. Es ist heiss. Und es ist schmutzig. «Indien hat von allem zu viel», sagte mir Sujatha Henry bereits vor meiner Ankunft. Einst kam sie als Adoptivkind in die Schweiz, lebte und arbeitete im Neuenburger Jura, ehe sie in ihr Heimatland zurückkehrte, um den Ärmsten zu helfen. Heute bietet sie im Dienste einer NGO Menschen mit einer Beeinträchtigung kostenlose Yogalektionen an. Indien ist
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Vor Reiseantritt habe ich mich oft gefragt: Will ich überhaupt so lange allein auf Achse sein? anstrengend, aber auch faszinierend. Es gibt viel zu sehen, zu hinterfragen und noch mehr darüber zu schreiben. Gleiches gilt für Indonesien. Doch ich bin nicht in der muslimischen Region Java unterwegs, sondern auf den christlich geprägten Inseln West-Papuas. Die Anreise ist abenteuerlich: Über Singapur und Jakarta geht es ins fünf Flugstunden entfernte Sorong auf Papua und von dort mit der Fähre weiter nach Waisai, mitten in den marinen Zauber der Region Raja Ampat. Hier vollbringt Jonas Müller kleine Wunder. Der junge Glarner Aussteiger hatte einst auf einer nahen Insel begonnen, Dorfkinder in Englisch zu unterrichten. Mittlerweile hat er mit Schweizer Spenden eine zweisprachige Schule aufgebaut, die von der Regierung anerkannte Abschlüsse anbietet. Er und die meist indonesischen Lehrpersonen zeigen den Kindern nebst dem Regelunterricht auch, wie künstliche Intelligenz funktioniert oder wie sie das fragile Ökosystem vor Abfall schützen und fördern können. So züchtet Jonas mit seinem Team etwa Korallen, die sie am stark abfallenden Riff befestigen. In der südlichen Hemisphäre bereise ich Australien, wo Urs Wälterlin zwischen Sydney und der Hauptstadt Canberra mitten im Busch lebt. Der SRF-Korrespondent kommt ursprünglich aus dem Baselland, lebt aber schon lange in Down Under. Mit seiner Frau hat er Waldflächen gekauft, um diese vor dem Abholzen zu schützen. Auf seinem Grundstück unterhält er eine Wombat-Auffangstation. Er ist Giftschlangenfänger. Lizenzierter Gewehrbesitzer, Tier-Euthanasist. Und akkreditierter Wildfeuer-Journalist. In einen aufgeschütteten Hügel hat er einen Bunker eingelassen und besitzt ein feuerfestes Fahrzeug, in dem er flüchten und darin wohnen kann – für alle Fälle. Solche Sorgen braucht sich Franziska Schmidlin nicht zu machen, sie lebt auf der südlichen Insel Neuseelands bei Christchurch. Wovor sie sich fürchtet, sind Erdbeben. Ein verheerendes Beben hat vor einigen Jahren grosse Teile der Stadt beschädigt und bei der Bevölkerung und auch bei der Ausserrhoderin ein tiefes Trauma hinterlassen. Bis heute ist in der Stadt viel neue Architektur entstanden, die Gegend lebt wieder. Es geht weiter. Der Reichtum Singapurs lässt sich am besten mit dem Porträt einer Schweizer Köchin 36
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illustrieren, die ein Heer an Küchenangestellten in einem Luxushotel führt. Die Luzernerin ist mit ihrer Familie schon seit vielen Jahren unterwegs. Sie hat auf Bali, in Australien und Japan gekocht. Doch sie vermisst immer stärker die Schweiz und ihre Familie. Deshalb hat sie sich entschieden, in ihr Heimatland zurückzukehren. Als ich Nadine Wächter-Moreno im Stadtstaat besuche, ist sie kurz davor, ihre Zelte am Äquator abzubrechen. Vor Reiseantritt habe ich mich oft gefragt: Will ich überhaupt so lange allein auf Achse sein? Kann ich von unterwegs arbeiten? Bekommen mir die ständigen Wechsel von Zeitzone und Klima? Obwohl es anspruchsvoll ist, vom Frühling in den Herbst zu wechseln oder vom Sommer direkt in den Winter, klappt das Vorhaben erstaunlich gut. Selbst als sich in Marokko mein Laptop nicht mehr aufladen lässt, ist Hilfe nah: In einem Elektronikshop auf dem Basar. Zwar verbringe ich nach der Übergabe zwei Stunden in Sorge, den Laptop nie mehr wiederzusehen. Doch seit der Reparatur funktioniert er bis heute einwandfrei. Und auch sonst gewöhne ich mich an das digitale Nomadenleben. Ich ziehe von Land zu Land, lerne neue Kulturen, Küchen und Menschen kennen. Am Ende meiner Reise werde ich über 40 Länder besucht haben. Vom Samurai bis zum Bierbrauer. Auf der
japanischen Insel Okinawa erwartet mich ein waschechter Samurai im Kimono und mit Schwert: Bruno Humbel ist Professor für Mikroskopie und arbeitet an einer renommierten Universität im Labor. Sein Alltag dreht sich nicht bloss um Forschung, der Aargauer ist ein Praktiker. Am liebsten übt er sich im Kampfsport: Judo, Aikido und die Schwertkunst sind seine grosse Leidenschaft. Als ich ihn besuche, führt er sein Können bei einem Auftritt in der Aula seiner Uni vor. Er liebt es, die Insel zu erkunden, aufs weite Meer hinauszublicken und mit den Einheimischen zu plaudern. Zwar sei sein Japanisch schlecht, wie er bescheiden betont. Doch es reicht für ausgedehnte Konversationen. Vielleicht, so überlegt sich Bruno Humbel, eröffnet er hier nach seiner Pensionierung eine eigene Kampfkunstschule. Etwas komplizierter ist Fredy Gull zu erreichen. Der Zürcher lebt auf Yap, einem von vier
Kleinstaaten der Föderierten Staaten von Mikronesien. Flüge sind rar, vom amerikanischen Überseegebiet Guam fliegt gerade mal eine Maschine pro Woche die Insel an. Ich habe Glück: Noch vor wenigen Tagen wirbelte ein Taifun durch den Pazifik und verwüstete Guam. Als ich dort ankomme, zeigt sich ein apokalyptisches Bild. Ganze Strände sind abgetragen, Häuserfassaden zerfetzt, Palmen kahlrasiert. Doch immerhin ist der Flughafen wieder offen, und ich kann meine Reise wie geplant fortsetzen. Auf Yap bin ich in einem der wenigen Hotels einquartiert. Hier arbeitet auch Fredy. Er will partout nicht gesiezt werden, das überlasse er den Bünzli in der Schweiz, lässt er mich wissen. Fredy war früher Tauchlehrer, heute braut er Bier für die Hotelgäste. Seine Heimat und die Stadt Zürich vermisst er nicht. Seit seiner Abreise im Jahr 2001 ist er nie mehr zurückgekehrt. Direkt mit der Schweiz hat er nur noch zu tun, wenn er seinen Pass erneuern muss, so wie kürzlich. Weil sich das nächste Konsulat im philippinischen Manila befindet, ist Fredy dafür eine Woche unterwegs. Doch wozu auch weit reisen? Seine Wahlheimat besticht durch tropische Schönheit. Nur wenige Autos tuckern über die holprigen Strassen, die mit zerkleinerten Korallen ausgebessert sind. Die Einheimischen lieben Betelnüsse, sie sind regelrecht süchtig danach. Um an die begehrte Frucht zu gelangen, steigen sie ungesichert in schwindelerregende Palmenhöhen. Dass das stete Kauen ihr Zahnfleisch und auch ihre Zähne zerstört, nehmen sie mit einem Zahnstummel behafteten Lächeln in Kauf. Über Hawaii gelange ich an Nordamerikas Westküste, wo ich im kanadischen Abbotsford den digitalen Nomaden Johann Roduit kennenlerne. Er arbeitet als Innovationsstratege für eine Firma in Sion, die er mitgegründet hat, und befasst sich täglich mit künstlicher Intelligenz. In seiner Freizeit trainiert der Unterwalliser für Triathlon-Wettkämpfe. Mit Bus, Zug und Auto fahre ich anschliessend die Küste abwärts bis nach Los Angeles. Am Rande der Stadt der Sterne erhalte ich die Gelegenheit, den NASA-Campus zu besuchen. Ermöglicht hat mir das Mariko Bürgin, die als Wissenschaftlerin bei der Weltraumbehörde angestellt ist. Die Urnerin stammt von einer japanischen Mutter und einem Schweizer Vater
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Peru Bertrand Würsch (52)
Costa Rica Daniel Küng (56)
Kolumbien Hans Koller (83)
Argentinien Egon Tschol (54)
Brasilien Arnold Heuberger (73)
Surinam Alessandro Huber (38)
Jetzt das Buch zum Spezialpreis sichern! Leserinnen und Leser des Globetrotter-Magazins können das Buch «Ausgewandert» jetzt mit dem Codewort Globetrotter20 mit 20 Prozent Rabatt für CHF 31.20 statt 39.– (inkl. Porto und Verpackung) bestellen. Entweder direkt online via weberverlag.ch, über den QR-Code, per Mail an mail@weberverlag.ch oder telefonisch: 033 336 55 55. Bitte Codewort nicht vergessen! Vatikan Robin Schmid (21) Türkei Miriam Stebler (45)
Julian Perrenoud Ausgewandert aus der Schweiz 252 Seiten, inkl. zahlreicher Abbildungen, Hardcover, 160 × 230 mm, Weber Verlag, ISBN 978-3-03818-784-4
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Ich habe völlig unterschiedliche Menschen kennengelernt und Länder gesehen, die ich sonst nie bereist hätte. ab. Sie lebt nun mit ihrem indischen Mann in der Metropole, in der viel Reichtum, aber auch viel Armut zu sehen ist. Glück im Unglück. Kurzer Schreck: Zwischen-
zeitlich ist mir mein nächster Schweizer aus familiären Gründen abgesprungen. Der Flug nach Costa Rica ist bereits gebucht. Was tun? Gut, ist sein Chef ebenfalls Schweizer. Und aus Bern. Daniel Küng baute einst mit seinem besten Freund in Zentralamerika eine Reiseagentur auf, mittlerweile haben sie diese verkauft. Der Ruhestand wartet, doch langweilig wird es dem früheren Musiker nicht. Noch hat er zu Hause nahe der Hauptstadt San José seinen Musikraum und in der Landesmitte ein Chalet unterhalb eines aktiven Vulkans. Daniel Küng lädt mich gleich auf ein Wochenende in eine Gegend ein, die stark ans Berner Oberland erinnert. Es scheint eben doch etwas dran zu sein: Costa Rica ist die Schweiz Mittelamerikas. Als letzter Kontinent steht Südamerika auf dem Programm. Hoch oben in den Anden lerne ich die Lebensfreude des Genfers Bertrand Würsch kennen. Und ich sehe, dass eine Pandemie auch eine Chance sein kann: Obwohl sein Trekking-Unternehmen während Corona stillsteht, ist der Westschweizer aktiv. Er arbeitet für einen amerikanischen App-Anbieter, verfeinert digitale Wanderkarten und unterrichtet online Schüler an der Universität in Yverdon. Mit seiner Frau besitzt er ein Stück Land, auf dem sie heute Glamping anbieten, Zelten in glamouröser Atmosphäre. Im grössten vor Ort hergestellten Zelt bewirtet er abends seine Trekking-Gäste mit peruanischem Raclettekäse. Draussen dösen die Alpaka-Eltern und ihr zweiwöchiges Jungtier. Nach dem kolumbianischen Tiefschlag und dem gestohlenen Handy bessert sich meine Stimmung. Immerhin konnte ich rechtzeitig alle Fotos aus der Appenzeller Fleischfabrik in Bogotá in die Cloud hochladen. Mit einem neu gekauften Handy aus Panama-City reise ich in das am dichtesten bewaldete Land der Welt: Surinam. Die frühere niederländische Kolonie ist eine Anomalie auf dem Kontinent: Die Menschen sprechen vorwiegend holländisch oder Sranan Tongo, eine Kreolsprache aus der Sklavenzeit. Die Bevölkerung ist weniger europäisch geprägt, sondern vorwiegend indisch, indonesisch oder chinesisch. Auch leben viele 38
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Venezolaner und Kubaner in Paramaribo, der grössten und eigentlich einzigen Stadt im kleinsten Land Südamerikas. Zumindest tun sie das auf Zeit. Denn nicht alle haben es legal ins Land geschafft. Einige werden sich auf die gefährliche Reise begeben, um den Darien-Gap zu durchqueren, einen schwer passierbaren Dschungelabschnitt zwischen Kolumbien und Panama. Mit dem Ziel, irgendwann die USA zu erreichen. Doch in Surinam dominiert nicht nur der Wald, sondern auch das Goldgräbergeschäft. In der Hauptstadt ist ein Goldrausch ausgebrochen, das meiste Edelmetall wandert über die grüne Grenze nach Brasilien. In diesem wilden Land ist Alessandro Huber in luftiger Höhe unterwegs. Der Tessiner ist Buschpilot. Früher flog er Arbeiter und Material zu den Minen – und manchmal Tote in Särgen zurück, heute transportiert er vorwiegend Waren für die Eingeborenen, die abgeschnitten von der Zivilisation tief im Wald leben. Es ist heiss in Surinam, bis 40 Grad mit hoher Luftfeuchtigkeit. Die Mücken erfreuen sich meines frischen Touristenbluts. Schweizer Tradition in der Ferne. Zehn Grad. In Uruguay ist noch tiefer Winter, als ich von Montevideo mit der Fähre nach Buenos Aires übersetze. Mit einem Mietauto fahre ich in die hügelige Sierra de la Ventana. Der frühere Finanzanalyst, Makler und Vermögensverwalter Egon Tschol führte zuletzt mit seiner Familie einen Bauernhof im Kanton Schaffhausen, nun tut er dasselbe in Argentinien. Auch seine Urfreiberger-Pferde hat er im Cargo-Flugzeug mitgebracht. Mit ihnen möchte er hier eine Zucht beginnen. Einen Hof führt Arnold Heuberger zwar nicht, dafür den Jodlerklub in Helvetia, einer ehemaligen Siedlung ausgewanderter Obwaldner nahe São Paulo, Brasilien. Er ist Dirigent, Präsident und Geldbeschaffer. Das Schweizer Brauchtum wird in Indaiatuba spürbarer als mancherorts in der Heimat gelebt. Und das, obwohl «Noldi» im Verein mittlerweile noch der Einzige ist, der Schweizerdeutsch spricht. Die Abreise aus Amerika führt über den Atlantik nach Rom. In der ewigen Stadt bin ich einen Tag lang im kleinsten Land der Welt unterwegs: in der Vatikanstadt. Etwa 140 Soldaten zählt die Schweizer Garde, und einer davon ist
Robin Schmid. Der Solothurner ist seit einem Jahr Mitglied der päpstlichen Leibwache. Zwar schützt er das Oberhaupt der katholischen Kirche noch nicht direkt, aber er ist an vorderster Front im Einsatz, mal im Anzug, mal in Uniform. Ich begleite ihn einen Tag lang auf Schritt und Tritt, bekomme sogar den Papst in seinem Mobil auf dem Petersplatz und den für einmal menschenleeren Petersdom zu sehen. Ein Besuch in Israel hätte meine Recherchereise vollenden sollen. Doch kurz vor der Anreise fliegen im Nahen Osten die Raketen, und die Gewaltspirale dreht sich immer brutaler. Ich breche ab, kehre in die Schweiz zurück und warte ein halbes Jahr. Letztlich entscheide ich mich gegen eine Reise nach Israel. Stattdessen mache ich mich auf in den Nordosten der Türkei. Am Schwarzen Meer empfängt mich Miriam Stebler, eine St. Gallerin, die als Kind wider Willen von ihrer Mutter in die Türkei entführt wurde, wie sie sagt. Noch heute lebt sie hier und bildet an der Universität von Giresun angehende Lehrerinnen und Lehrer aus. Trotz schwierigster Umstände hat sie nie ihre positive Einstellung zum Leben verloren. Zurück in der Schweiz dauert es, bis ich alle Eindrücke verarbeiten kann. Ich habe fast 120 000 Kilometer zurückgelegt, 26 völlig unterschiedliche Menschen kennengelernt und Länder gesehen, die ich sonst nie bereist hätte. Mein nächstes Abenteuer meistere ich ebenfalls: Für mein Buch finde ich rasch einen passenden Verlag. Ob es erfolgreich sein wird oder nicht; was ich erlebt habe, kann mir niemand mehr nehmen. Auch kein dreister Motorradfahrer in Kolumbien. mail@julianperrenoud.ch
Julian Perrenoud (38) ist Journalist und seit 2017 bei Tamedia tätig; zuerst als Redaktor der «Berner Zeitung» und seit diesem Jahr im AI Lab in Zürich, das sich mit allen Fragen rund um das Thema künstliche Intelligenz beschäftigt. Seine Leidenschaft ist das Reisen. Für sein neues Buch «Ausgewandert», das im Oktober erscheint, reiste er in neun Monaten durch 40 Länder, um 26 Schweizerinnen und Schweizer zu besuchen.
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Ein Nepali findet seine äthiopische Zweitfamilie
Brückenbauer zwischen Welten TEXT: MADLAINA LIPPUNER
BILDER: SIMON B. OPLADEN/HELVETAS
Pasang Sherpa baute einst Hängebrücken in Nepal. Heute tut er dies in Äthiopien – und überwindet so geografische und kulturelle Grenzen. Die Geschichte seiner Brücken ist auch eine von einem Bubentraum, süssem Honig und von Freundschaft.
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Verbindung. Das Hochland von Äthiopien ist wie Nepal von Schluchten durchzogen, die ohne Brücken kaum zu passieren sind.
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OSTAFRIKA Erfahrung. Pasang Sherpa aus Nepal ist mehrere Monate im Jahr in Äthiopien, um den Bau diverser Brücken zu begleiten und zu unterstützen. Freundschaft. Der Äthiopier Sewnet Assegu und der Nepali Pasang Sherpa sind inzwischen nicht nur Arbeitskollegen, sondern auch Freunde. Erfüllung. Wenn Pasang sieht, wie glücklich und zufrieden die Menschen über die Brücken sind, macht ihn das sentimental.
Für faire Chancen weltweit Helvetas ist eine unabhängige Schweizer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe, die sich seit 1995 für benachteiligte Menschen einsetzt. Sie ist in über 30 der ärmsten Länder Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas aktiv, in Äthiopien seit 2002, unter anderem mit Infrastrukturprojekten. Î helvetas.org
O
b über Schluchten, zwischen Menschen oder über Landes- und Kulturgrenzen hinweg: Pasang Sherpa und Sewnet Assegu leben für das, was verbindet. Die zwei Ingenieure, der eine aus Nepal, der andere aus Äthiopien, sprühen vor Begeisterung, wenn sie erzählen – durcheinander, einander ergänzend, mal vergnügt, mal ernst –, wie es gekommen ist, dass Pasang als Nepali mit Sewnet Hängebrücken für Fussgänger baut, hier, in der äthiopischen Hochebene der Region Amhara. Jetzt sind sie unterwegs zu einem Dorf, zur Baustelle einer neuen Fussgängerbrücke.
Kindheitserfahrung. Die Fahrt zur Baustelle führt durch eine trockene, weite Landschaft. Im Auto erzählt Pasang, er sei in Solukhumbu im Osten Nepals aufgewachsen, einer ähnlich abgelegenen Gegend wie die hier. Jeden Morgen, noch in der Dunkelheit, sei sein Vater aufgebrochen, um in der Stadt als Koch zu arbeiten. Dafür habe er den Fluss Solu Khola über eine schmale Brücke überqueren müssen: eine wacklige Konstruktion aus Holz, ohne Geländer. Jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit warteten Pasang und seine sieben Geschwister bange und mit Taschenlampen in den kleinen Händen auf die Rückkehr ihres Vaters. «Wir hatten grosse Angst um ihn wegen der instabilen Brücke. Ich habe mir als kleiner Junge geschworen, sie eines Tages mit einer sicheren Brücke zu ersetzen.» Pasang liess sich in Bhutan zum Ingenieur ausbilden und stiess 1996, 30-jährig, zum Hilfswerk Helvetas in Nepal und baute Fussgängerhängebrücken aus Stahl. Heute verbindet eine solche die beiden Ufer des Solu Khola, wo einst sein Vater den Fluss querte – gebaut von Pasang: «Damit ist einer meiner grössten Träume in Erfüllung gegangen.» Chancen. Heute ermöglichen 10 000 Fussgän-
Alles über Äthiopien Hinweise über die beste Reisezeit, Einreisebestimmungen und viele weitere Infos über Äthiopien findest Du online beim Globetrotter Travel Service. Î globetrotter.ch/info-athiopien
gerhängebrücken in Nepal sichere Fluss- und Schluchtenüberquerungen, gebaut von Helvetas und mitfinanziert von der nepalesischen Regierung und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Für rund 19 Millionen Frauen, Männer und Kinder in ländlichen Gegenden bedeutet dies, schneller und sicherer im Gesundheitszentrum, auf dem Markt, in der Schule, bei kulturellen Anlässen oder bei Verwandten zu sein, bessere Chancen auf Bildung, Einkommen und Begegnung zu haben. Für Pasang eine grosse Genugtuung: «Wenn ich eine fertige Brücke sehe, realisiere ich auch: Ich habe eine Gemeinschaft unterstützt, die zuvor isoliert war.» Mittlerweile hat die nepalesische Regierung die volle Verantwortung für den Bau der Hängebrücken übernommen. Für Pasang begann damit ein neues Kapitel, denn auch andere Länder zeigten Interesse am Hängebrückenbau von Helvetas. Im Rahmen eines
Austausches, der South-South-CooperationUnit, die Helvetas Nepal 2008 ins Leben gerufen hat, gibt Pasang sein Wissen nun weiter in Ländern, die topografisch vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie seine zerklüftete und gebirgige Heimat. So hat ihn die Arbeit nach Laos, Indonesien und Burundi geführt. Und seit 2009 auch immer wieder nach Äthiopien, wo Sewnet Assegu das Projekt als äthiopischer Ingenieur in Amhara betreut. Zwei weitere Kollegen aus Nepal decken andere Regionen ab. Pasang Sherpa lebt mittlerweile drei bis sechs Monate im Jahr im ostafrikanischen Land und unterstützt Ingenieure, Beraterinnen, lokale Auftragnehmer und die lokale Regierung bei allen Aspekten, die es beim Brückenbau zu berücksichtigen gilt: Planung, Einbezug der Bevölkerung, Finanzierung, Wartung und so weiter. 148 Brücken sind es schon, die nach nepalesischem Vorbild in Äthiopien gebaut wurden – 148 sichere Wegstrecken für Tausende von Menschen. Die Hängebrücke, die Pasang und Sewnet heute besuchen, ist eine von 68 weiteren Brücken, die im Land noch im Bau begriffen sind. Honig. Sobald die beiden auf der Baustelle an-
gekommen sind, rennen Dorfkinder schon von Weitem auf sie zu und schreien «Ato Maru!». Pasang schmunzelt. «Hier nennen mich alle nur Herr Maru. Maru heisst ‹süsser Honig› auf Amharisch», erzählt er. Die Sprache spreche er mittlerweile fliessend. «Pasang ist einer von uns», sagt Sewnet denn auch. Er hat Ato Maru quasi in der Familie aufgenommen, nimmt ihn mit auf Hochzeiten und an Familienfeste. «Er ist einer meiner besten Freunde.» Der Tag wird kommen, an dem Pasangs Einsatz auch in Äthiopien zu Ende geht. «Wir schauen, dass wir über das nötige Know-how verfügen, bevor er wieder abreist», so Sewnet. Sie seien auf gutem Weg. Im Rahmen des SüdSüd-Austauschprojektes ist auch Sewnet nach Nepal gereist, um unterschiedliche Hängebrückentypen zu besichtigen. «Ich sah, was alles möglich sein kann – auch bei uns in Äthiopien», sagt er. Dass er selbst einmal, wie Pasang, sein Wissen in einem anderen Land weitergebe, könne er sich vorstellen. Wie es auch kommt: Die zwei HelvetasIngenieure, der eine aus Nepal, der andere aus Äthiopien, sind Brückenbauer in jedem erdenklichen Sinne. Das Band ihrer Freundschaft wird halten, wie die Brücken, die sie gemeinsam bauen. madlaina.lippuner@helvetas.org
Madlaina Lippuner (43) ist Redaktorin bei Helvetas. Sie schreibt unter anderem fürs Magazin «Partnerschaft», für den entwicklungspolitischen Newsletter und betreut Videoproduktionen. 2024 besuchte sie zwei Projekte in Äthiopien.
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Mit dem Rad durch Kolumbien
Bis in die Wolken TEXT: JANNIK JÜRGENS
BILDER: REMY VROONEN
Zwischen Nebel und Andengipfeln: Auf kurvigen Strassen und steilen Pässen entdeckt Jannik Jürgens Kolumbien von seiner authentischsten Seite. Eine Radreise, die nicht nur körperlich herausfordert, sondern unseren Autoren auch tief in Geschichte und Geheimnisse des kolumbianischen Radsports eintauchen lässt.
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uf einmal ist es still in diesem Land, in dem immer und überall Liebeslieder aus Lautsprechern plärren, Strassenhändler Avocados anpreisen und Motorradfahrer auf der Hupe improvisieren. Auf dem Anstieg zum Alto de Letras, einem Pass auf 3680 Metern Höhe, gibt es nur noch Nebel und Stille. Ich schliesse kurz die Augen, atme tief ein und denke, dass ich so ewig weiterradeln könnte. Drei Tage zuvor war ich mit meinem Freund Remy in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá zu einer Radreise gestartet, die uns bis nach Cartagena, also durch etwa die Hälfte des Landes, führen soll. 1200 Kilometer und 15 000 Höhenmeter haben wir vor uns. Mit dabei: ein Zelt, Schlafsäcke, eine Kamera und ein Notizblock. Auf unserem Weg wollen wir herausfinden, warum dieses Land immer wieder so herausragende Radprofis hervorbringt. Idole wie Rigoberto Urán, der die Tour de France 2017 als Gesamtzweiter beendete, oder wie Egan Bernal. Der 27-jährige wurde 2019 der erste Tour-de-France-Sieger aus Südamerika und gewann 2021 den Giro d´Italia. Was ist das Geheimnis dieses Erfolges? Die ersten Zweifel. Der Alto de Letras ist der längste asphaltierte Pass der Welt. Von der Kleinstadt Mariquita aus schraubt er sich 80 Kilometer lang die Zentralkordillere der Anden hinauf. Zwischendurch fällt die Strasse
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immer wieder ab, um dann weiter anzusteigen, wie eine endlose Treppe bis in die Wolken. Als wir einen Tag zuvor am Fuss der Berge starten, zeigt der Radcomputer 37 Grad Celsius an. Wir radeln vorbei an haushohen Palmen und an Feldern, auf denen Mais und Yukka angebaut wird. Später prägen Kaffee-, Avocado- und Bananenfelder das Landschaftsbild. Ganz oben am Pass dominieren Farne, Gräser, Moose und Frailejones. Die mannshohe Pflanze gehört zur Gattung der Korbblütler, findet als Heilpflanze Verwendung und wird von den Indigenen «Grosser Mönch» genannt. Ihre Statur wurde im Nebel leicht mit der von Missionaren aus der Kolonialzeit verwechselt. Zwei Tage brauchen wir, um den Alto de Letras zu bezwingen. Am ersten Tag hatten wir gleich einen Fehler gemacht. Wir waren so motiviert in dieses Abenteuer gestartet, dass wir schlicht vergessen hatten, für Proviant zu sorgen. Als es uns auffiel, hatten wir Honda schon hinter uns gelassen, die Stadt am Rio Magdalena, in der die Spanier einst Schiffe mit Gold, Kaffee und anderen Schätzen beladen und nach Barranquilla an die Karibikküste geschickt hatten. Der 1600 Kilometer lange Rio Magdalena ist auch der Fluss, auf dem Alexander von Humboldt durch die Anden gereist war. Im Anstieg geht dann nichts mehr. Der Hungerast schlägt erbarmungslos zu. Die Beine leer, der Kopf müde, jeder Tritt verzweifelter. Die Versuchung ist gross, sich an einen
Schöne Aussichten. Dunkle Wolken vor grünen Gipfeln – hier auf der Abfahrt vom Alto de Letras zu den heissen Quellen bei Manizales. Verdiente Pause. Der Aufstieg zum Alto de Letras ist die längste asphaltierte Passstrasse der Welt. Da tut eine Erfrischung gut.
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der Laster zu hängen, die sich vollgeladen mit Kartoffeln, Ananas oder Avocados den Berg hochquälen. Aber nein, das wäre Betrug. Wir suchen ein Restaurant, doch entweder ist die Küche geschlossen oder noch unendliche Kilometer entfernt. Das erste Mal kommen Zweifel auf: Würden wir es vielleicht gar nicht schaffen, Kolumbien mit dem Rad zu durchqueren? Waren die drei Kordilleren zu hart für uns? Der unbezwingbare Pionier. Ich muss an Efraín Forero denken. Der Radsportler aus Zipaquirá hatte sich schon im Jahr 1950 in den Kopf gesetzt, den Alto de Letras mit dem Fahrrad zu erklimmen. Die Strassen bestanden damals aus Steinen, Schlamm und Schlaglöchern, und niemand traute Forero die Auffahrt zu. Er hatte erst ein Jahr zuvor mit dem Radfahren angefangen. Auf der Hälfte der Strecke machte sein Begleitauto kehrt, der Fahrer fand den Weg zu gefährlich. Forero fuhr weiter und weiter, er führte Selbstgespräche, als er in die nebligen Höhen gelangte. Er schaffte es bis auf den Gipfel und dann weiter nach Manizales. Wir hingegen sind noch längst nicht oben. Nach einer Kurve sehen wir ein Haus. Grünes Dach, gelbe Wände. Auf der Veranda steht ein Tisch, darauf ein Haufen Orangen und Bananen sowie eine Saftpresse. Wir kaufen der Besitzerin des Hauses zehn Bananen ab und kippen fünf Gläser Saft hinunter. Gestärkt geht es dann weiter bis Fresno, wo wir zwei Grillhähnchen und einen Berg Kartoffeln verspeisen. Nachdem Forero den Alto de Letras überquert hatte, überzeugte er die Tageszeitung «El Tiempo», die erste Kolumbien-Rundfahrt zu organisieren. Drei Dutzend Fahrer starteten im Jahr 1951 – und Forero gewann. Fortan wurde er «El Indomable Zipa» genannt, der Unbezwingbare aus Zipaquirá. Niemand hatte 54
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geahnt, wie viel Begeisterung das Radrennen auslösen würde. Überall standen jubelnde Menschen am Strassenrand. Doch die Rundfahrt zeigte noch etwas darüber hinaus. In den 1950er-Jahren hatte die Gewalt das Land zerrissen. Innerhalb von zehn Jahren starben je nach Schätzungen zwischen 180 000 und 300 000 Kolumbianerinnen und Kolumbianer in einem Bürgerkrieg. Die erste Kolumbien-Rundfahrt demonstrierte den Menschen, dass die Strassen dieses Land verbinden, dass die Berge, Dschungel und Küsten zu einem Gebilde gehören, zu einem Land. Sie zeigte, dass diese Nation existierte. «El Zipa» arbeitete auch nach seinem Sieg in einer Limonadenfabrik. Er musste sich von seinem Chef die Erlaubnis holen, um an Rennen teilzunehmen. Seine Mutter begleitete ihn bei jedem dieser Rennen. Nach einem Sturz fand sie ihn, halb bewusstlos im Strassengraben liegend, aber anstatt sich um ihn zu sorgen, setzte sie ihn aufs Fahrrad, und flüsterte ihm ins Ohr: «Das nächste Mal bremst du gefälligst vor der Kurve!» Ich hätte «El Zipa» gern gefragt, wie er sich gefühlt hat auf diesen elendslangen Etappen, auf den Strassen, die aus faustgrossen, losen Steinen bestanden. Doch das geht nicht mehr. Er starb im September 2022. Als wir am nächsten Morgen weiterfahren, hängt Nebel in den Bergen. Seit jeher ziehen die Gipfel die Menschen in ihren Bann. Sie sind der Grund, warum Kolumbien seit mehr als 70 Jahren eine Form von Radsportlern hervorbringt: Kletterspezialisten. Ihre Landsleute nennen sie liebevoll Escarabajos, Käfer, denn nur Käfer können Wände und Mauern erklimmen, dank der klebrigen Haare an den Beinen. Käfer bewegen sich leichtfüssig in jenen Höhen, in denen normalen Menschen längst die Puste ausgegangen ist.
Je höher wir fahren, desto kälter wird es. Die Strasse schlängelt sich um Felsblöcke, erklimmt Bergrücken und überwindet Schluchten auf Brücken. Die Lastwagen, die uns entgegenkommen, riechen nach verbrannten Bremsbelägen. Unser Atem steigt in Wolken vor unseren Gesichtern auf, als ein Schild anzeigt, dass wir «nur» noch acht Kilometer treten müssen, bis wir den Pass erreicht haben. Der unbekannte Bruder. Nächster Stopp ist das Dorf Letras. Es besteht aus einem Polizeiposten, einer hölzernen Kirche, einem Restaurant und zwei Krimskrams-Läden. Vor einem der Läden verstaut ein Mann Milchkannen in seinem Geländewagen. Es ist kalt, und die umliegenden Berge verschwinden in einer Suppe aus Nebel und Wolken. Plötzlich höre ich hinter mir eine Stimme: «Warte, wir haben Kaffee und Kuchen für dich!» Die Stimme gehört zu Brayan Chaves. Er ist der sieben Jahre jüngere Bruder von Radsportprofi Esteban Chaves. 2016 hatte er als erster Nicht-Europäer die Lombardei-Rundfahrt, ein Monument des Radsports, für sich entschieden. Brayan hat eine Gruppe von Radtouristen auf den Alto de Letras geführt. «Wir haben deinen Kumpel weiter unten getroffen und ihn mit Müsliriegeln versorgt», berichtet er. Er überreicht mir Kuchen, zwei Bananen und eine Tasse Kaffee. Während ich auf Remy warte, erzählt mir Brayan von der Stiftung seines Bruders, die Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zum Radprofi unterstützt. «Viele junge Kolumbianer träumen von einer Karriere in Europa», sagt er. Bevor es für uns weitergeht, ziehen wir alles an, was in den Packtaschen ist: Pullover und Daunenjacke, Regenjacke, Regenhose, Überschuhe, Handschuhe und die Kapuze über den
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Helm. Nach einer rasanten Abfahrt von knapp einer Stunde treffen wir in Manizales ein, der Hauptstadt des Departemento Caldas. Die Stadt liegt im Hauptanbaugebiet für Kaffee in Kolumbien – und in Sichtweite des Vulkans Nevado del Ruiz. Der härteste Brocken der Tour liegt hinter uns. Am nächsten Tag ist Remy erkältet. Wir legen deshalb einen Ruhetag in Manizales ein. Unser Zelt hatten wir etwas ausserhalb der Stadt vor der Kaffee-Hacienda Venecia aufgebaut. Der Ort versprüht Magie. Wir beobachten, wie Hochlandkolibris sich am Nektar der Blüten laben und Blauscheitelmotmots und Rotstirnsittiche durch die Bananenstauden schwirren. Auch Tukane sehen wir. Als Remys Husten abklingt, setzen wir unsere Reise fort. In Medellín, der zweitgrössten Stadt Kolumbiens, treffen wir Carolina, eine Freundin, die ebenfalls Journalistin ist. Sie zeigt uns den Kulturpalast, führt uns durch das lebhafte Zentrum der Stadt und nimmt uns mit in eine Tango-Bar. Als wir von unserer Route erzählen, warnt sie uns vor den Orten Tarazá und Cáceres im Norden Antioquias. Sie hat dort gerade zwei Workshops gegeben für die Wahrheitskommission, und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben von den Massakern zwischen Guerilla und Paramilitärs berichtet. «Für die Leute dort ist der Konflikt längst nicht vorbei. Die bewaffneten Gruppen sind nach wie vor aktiv», sagt Carolina. «Meidet die Häuser, auf denen die Schriftzüge sind.» Die einzige Werkstatt. Medellín liegt in einem Talkessel. Da wir die Stadt in Richtung Norden verlassen, müssen wir über einen weiteren Pass, den Alto de la China. Zwölf Kilometer lang ist die Steigung, die steilste Stelle hat 18 Prozent.
Im kleinsten Gang wuchten wir uns hinauf. Hinter uns verschwindet Medellín im Dunst. An einem Hang patrouillieren Soldaten. Nachdem wir den Pass überquert haben, radeln wir weiter durch die ländliche Region des Departamento de Antioquia, eine Region im Nordwesten Kolumbiens. Die Strasse schlängelt sich über Hügel und durch Wiesen, auf denen Rinder grasen. Am Abend erreichen wir Santa Rosa de los Osos, wo erstmal eine Reparatur ansteht. Remys Vorderrad dreht sich nicht mehr richtig. Der Nabendynamo muss wohl einen Schlag abbekommen haben. Oder es ist ein Materialfehler, denn Remy hatte den Dynamo erst vor der Reise einbauen lassen. Am nächsten Morgen suchen wir den einzigen Radladen des Ortes auf. El Gato heisst er, die Katze. Es ist der Spitzname des Eigentümers. Während er den Dynamo repariert, unterhalten wir uns über Radsport. Wer sein Lieblingsfahrer ist, will ich von El Gato wissen. «Rigo, natürlich», sagt er – und meint Rigoberto Urán, der im Vorjahr vom aktiven Radsport zurückgetreten ist und einer der erfolgreichsten Sportler ist, die das südamerikanische Land je hervorgebracht hat. Doch El Gato mag Rigo aus einem anderen Grund. Rigo ist wie er als armer Junge auf dem Land aufgewachsen. Er half seinem Vater auf dem Acker. Die Region, in der Rigo mit seiner Familie lebte, war ein Zentrum der FARC-Guerilla. Sein Vater gelangte zwischen die Fronten. Als Rigo 14 Jahre alt war, wurde er getötet, mutmasslich von Paramilitärs. Er fing an, Lose zu verkaufen, und verdiente damit schnell so viel Geld, dass er die Familie ernähren konnte. Manchmal legte er etwas zurück. Davon kaufte er sich ein gebrauchtes Fahrrad und gewann sein erstes Rennen.
In der Provinz. Zwei Jungs beim Fussballspielen in einer ländlichen Region Antioquias. Beim Velomechaniker. El Gato hat das Vorderrad von Remy eingespannt. Auf der Passhöhe. Autor Jannik (rechts) und Fotograf Remy auf dem Alto de Letras. Über Schotterstrassen. Unterwegs in der Nähe von Manizales. Beim Coiffeur. Haare schneiden in Medellín. Im Zelt. Übernachten in der Kaffeeregion, auf einer Finca bei Manizales.
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SÜDAMERIKA Am nächsten Tag fahren wir weiter. Kurz vor Tarazá und Cáceres entdecken wir Schriftzüge der Paramilitärs und der Guerilla auf den Häusern: AUC und ELN. Und wir schaudern bei dem Gedanken, dass auf den Strassen, auf denen wir jetzt fahren, in der Vergangenheit Tausende Menschen überfallen und entführt wurden. Pakete angeln, so nannten die Guerilleros das. Sowohl Guerilleros als auch Paramilitärs hielten ihre Geiseln im Regenwald gefangen und erpressten Lösegeld, das sie in Waffen investierten, um Krieg gegen die Regierung zu führen. Eine grüne Hölle, das war der Regenwald für die Opfer. Für mich symbolisiert er heute das Grün der Hoffnung. Der seit sieben Jahren herrschende Friede ist zwar nicht perfekt, aber er hat dazu geführt, dass wir durch dieses wunderschöne Land reisen können, ohne Angst zu haben, entführt zu werden.
Auf dem Marktplatz. Reges Treiben in der kolumbianischen Kleinstadt Yarumal.
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El Gato bewundert Rigoberto Urán, weil er trotz der schwierigen Lebensumstände ein herausragender Radprofi wurde. Ich glaube, gerade deshalb. Die Schicksalsschläge, die Armut, die schlechten Strassen, die Widerstände, all das macht die kolumbianischen Radsportler zu dem, was sie sind. Es macht sie stark und erfolgreich. El Gato zeigt mir ein paar Videos auf Instagram. Rigo tanzt in einem weissen Anzug Salsa. Rigo fliegt mit Tadej Pogacar, dem Tourde-France-Sieger, in einem Helikopter über eine Seenlandschaft. Rigo springt in einen Fluss. Rigo macht eine Durchsage in einem Linienflieger. Die Leute lachen. El Gato sagt: «Rigo flucht, er ist ordinär, unanständig, vulgär. Er redet wie die Leute auf der Strasse.» Auch bei offiziellen Anlässen sind seine Sätze voller Schimpfwörter. Keiner nimmt es ihm übel. Es ist ein Beweis für seine Authentizität. El Gato erzählt, wie Rigo nach einer Kopfsteinpflaster-Etappe die zerfurchten Hände in die Kamera hielt. «Es hätten die Hände eines Bauers gewesen sein können.» Der Unterschied zwischen einem Bauern und Rigoberto Urán ist, dass der Radprofi seine Popularität nutzt, um Fahrräder und Kleidung zu verkaufen. Er ist ein Geschäftsmann. Aktuell expandiert seine Marke nach Mexiko, Costa Rica und Panama. Wir verbringen den ganzen Tag in El Gatos Werkstatt. Er schickt uns zweimal ans andere Ende der Stadt zu einem Dreher, der Metallsplitter aus dem Dynamo schabt, doch es nützt nichts. Als El Gato den Dynamo am Abend zusammenbaut, dreht er sich genauso unwillig wie am Morgen. Der Fahrradmechaniker geht zu einem Regal, holt einen Schnellspanner hervor und steckt ihn in die Achse. Er passt.
Der wichtigste Grund. Der letzte Tag unserer Radreise hat es nochmal in sich. Wir fahren 205 Kilometer durch das Departamento Bolivar und sitzen gut neun Stunden im Sattel. Morgens sticht die Sonne wie eine glühende Kugel durch den Nebel und taucht die Wiesen, Bäume und Palmen in ein sanftes Rosa. Am Abend erreichen wir, eskortiert von ungezählten Motorrädern, die Innenstadt von Cartagena, die als eine der schönsten Kolonialstädte Südamerikas gilt. Cartagena liegt an der Karibikküste, und so lassen wir die Eindrücke dieser Reise am nächsten Tag am Strand Revue passieren. Warum sind die Kolumbianer nun so gute Radprofis? Es gibt mehrere Faktoren. In Jugendprogrammen werden die besten Talente ausgewählt und gezielt gefördert. Der Radsport hat eine lange Tradition im Land, wie die Geschichte von El Zipa, dem ersten Sieger der Kolumbien-Rundfahrt, zeigt. Fahrer wie Rigoberto Urán sind Sympathieträger und bleiben über ihren Rücktritt hinaus Idole in der Bevölkerung. Die Berge und die Hochebenen bieten ideales Trainingsgelände, die Körper haben sich an den knappen Sauerstoffgehalt in der Luft gewöhnt. Doch der wichtigste Grund ist, dass der Radsport vielen Jugendlichen eine Perspektive eröffnet. Wenn sie gut genug sind, verdienen sie Geld und können die Welt bereisen. post@jannik-juergens.de
Jannik Jürgens (35) arbeitet als freier Journalist im deutschen Freiburg und fährt für sein Leben gern Rad. Sei es auf Schotterstrassen des Schwarzwaldes, Trails in den Alpen oder Pässen in den Anden. Sein Traum: von Puerto Montt in Chile bis runter nach Feuerland zu fahren.
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Unterwegs in den albanischen Alpen
Verwunschenes Land TEXT UND BILDER: MARTIN ZINGGL
Wo einst Illyrer, Römer und Partisanen marschierten, kämpft Martin Zinggl in Wanderschuhen gegen die Hitze, die Höhenmeter und die Nachwirkungen von Mirabellen-Raki. Albaniens Alpen und ihre Menschen sind unnahbar und unwiderstehlich.
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ie Illyrer überquerten einst die karstigen Berge am Balkan. Danach Römer und Byzantiner. Ihnen folgten Barbaren, Slawen und schliesslich Osmanen. Hinterher Kommunisten, Abenteurer, Bergsteiger, Landvermesser und Kartografen. Nach Faschisten und Nazis nochmals Kommunisten samt diktatorischer Schergen. Danach Paramilitärs und Flüchtlinge. Irgendwann ein paar Touristen. Und nun ich. Beim Blick auf das Thermometer wirkt das Vorhaben, einen Abschnitt der albanischen Alpen zu durchwandern, absurd: knapp 40 Grad. Dazu nicht ein Wölkchen am Himmel. Der Pfad, der niemals einer war, führt steil bergauf durch ein Feld kinnhoher Weidenröschen. Umarmt von wild blühender Natur suche ich vergebens nach Wegweisern oder Markierungen. Vielleicht, denke ich, wäre es besser gewesen, diese Wanderreise nicht mitten im Sommer anzutreten. Zumindest hätte ich mir die drei randvollen Gläser Mirabellen-Raki gestern Nachmittag sparen können. Beides obsolet. «Nur wer zögert, bereut», meinte derselbe Gastgeber, der gern mit Sprichwörtern um sich warf und stetig seinen Selbstgebrannten nachschenkte. Ein albanischer Bergbauer mit breitem Grinsen und einer gesunden Kehle, die ein Schnäpschen nach dem anderen exte. Natürlich bereut, wer zögert. Doch was ist mit dem, der bereut, weil er nicht zögert? Dafür gibt es im Albanischen keine Redewendung. Doch der Reihe nach.
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Unzugänglichkeit. Warum die bizarre Mondland-
schaft Bjeshkët e Nâmuna im Norden des Landes übersetzt «verwunschene Berge» heisst, ist, wie so vieles am Balkan, mit Legenden erklärbar. Einst, so will es die Saga, flüchtete eine Mutter mit ihren beiden Kindern vor den Osmanen in die Berge. Aus Sorge, den Besatzern in die Hände zu fallen, stiegen die drei immer weiter empor, durchdrangen Buchenwälder, schlitterten über Geröll und erklommen messerscharfe Felsen, bis sie irgendwann die Gipfel erreichten. Auf der Suche nach Schatten und Wasser fand die Mutter jedoch nichts als Sonne und Steine, und ihre Kinder verdursteten. Die gebrochene Frau klagte und tobte, richtete einen Fluch gegen das unwegsame Gebiet und verwünschte die Berge bis in alle Ewigkeit. Ob verdammt oder verzaubert, gnadenlos wirken Albaniens Berge allemal, wie sie majestätisch dastehen, durchzogen von Gletschern, Karst und Karlingen. Ebendiese Unzugänglichkeit macht ihren Reiz aus – wie bei einer verbotenen Liebe. Wäre Albanien der Titel einer Romanze, hiessen die kantigen Berge wohl Julia. Und Romeo wären jene wagemutigen Bewohner, die Hitze und Gestein, Braunbären und Wölfen, Wildflüssen und Thymianwäldern, zerklüfteten Canyons und Felsmassiven trotzen, um zu den Gipfeln und Pässen ihrer Angebeteten zu gelangen. Der Antiheld in diesem Drama heisst Enver Hoxha, ein paranoider Diktator, der Julia vom Rest der Welt abschottete. Zu ihrem Glück dürfen nun auch Besucherinnen und Besucher diese verborgene Schönheit bewundern, nachdem sie jahrzehntelang nur aus der Ferne zuschauen
Bilderbuchlandschaft. Blick auf die Kirche von Theth im gleichnamigen Tal.
Verdammt oder verzaubert, gnadenlos wirken Albaniens Berge allemal.
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durften. Darum bin ich hier, darum sind andere Neugierige aus aller Welt hier, mitsamt ihren Rucksäcken, Sonnenbrillen, Stöcken und Wanderschuhen. Wassermelonenmeilen. Hinter meiner kleinen Reisegruppe liegt das moderne Leben in der Hauptstadt Tirana, die sonnengetränkten Badebuchten entlang der Riviera, wo die Fernsehantennen Richtung Italien zeigen, und Shkodra, die Metropole im Norden und Eingang in das albanische Bergland. Hinter uns liegen auch Maisfelder und Wassermelonenmeilen, eine Taverne, an der die Buchstaben des Schriftzuges abbröckeln, Strassen, die diese Bezeichnung nicht verdienen. Und hinter uns liegt ein düsterer, einspuriger, aber in beide Richtungen befahrener Tunnel, dessen Ende der Anfang einer Szenerie aus Karl Mays Buch «Durch das Land der Skipetaren» sein könnte, genauso fabelartig sieht der Schauplatz aus – und doch existiert er: der Koman-Stausee. 100 Meter tief, nirgendwo breiter als 400 Meter, aber über 30 Kilometer lang. Wie ein Schlauch schlängelt sich der flaschengrüne See durch eine fjordähnliche Passage aus schroffen Felswänden, die zu den Dinariden gehören und sich über 600 Kilometer von Italien über Slowenien bis Albanien erstrecken. Entlang des Sees verbindet eine Fähre Dörfer, zwischen denen früher ein tagelanger Fussmarsch lag. Für die Menschen in dieser Gegend ist die Fähre zum Tor zur Aussenwelt geworden. Zwischen Tunnelende und Stausee dient eine tennisplatzgrosse Plattform aus Beton als Parkplatz und Hafen. Sammeltaxis, Privatautos, Motorräder und Fahrräder, Wanderer, Bergführer und fliegende Händler tummeln sich
hier. Auf einem mobilen Grill brutzeln einige Lagen Qebape. Selbst um 9 Uhr morgens lassen sich Wartende von dem rauchigen Fleischgeruch bezirzen und greifen zu. Dem Grillmeister gefällts, auch wenn er sich alsbald Beschwerden über den erhöhten Preis seiner Ćevapčići anhören muss. Gekonnt lächelt er, als wolle er sagen: «Geniesst lieber die Aussicht und den Trubel hier.» Währenddessen werden die beiden Fähren beladen, um nach Fierza zu überbrücken, der letzten Bastion vor Albaniens Ausgangspunkt für Wandertouren: dem Valbona-Tal. In Millimeterarbeit belegt die Crew Platz um Platz, spielt Tetris mit den Autos, parkt sie je nach Breite und Länge, wenn es sein muss auch quer. Kaum ist das metallene Ungetüm bis auf den letzten Winkel ausgefüllt, Menschen und Maschinen verstaut, starten die Motoren. Drei Stunden lang treibt das Schiff nun entlang dicht bewaldeter Kalksteinfelsen, die links und rechts von der gefluteten Schlucht Hunderte Meter in den Himmel ragen wie Zitadellen. Ein Adler umkreist die knarrende Fähre. Von den Hängen, an die sich die Bäume klammern, duftet es nach Salbei und Rosmarin. Doch hat sich ein Schönheitsfehler in die malerische Landschaft eingeschlichen: die Zuflüsse Drin, Valbona und Shala, die den See speisen, spülen Müll aus den Städten, und so kämpft sich die Fähre teilweise durch ein Meer aus Flaschen, Kanister, Styropor und anderer Plastikverpackungen. An der Staumauer warten Fangnetze auf die Beute. Abfallentsorgung auf Albanisch. Lebenselixier. Wer denkt, das Müllproblem sei
dramatisch, verdrängt diese Sorge auf einer Fahrt von Fierza durch Albaniens Bergwelt
Dichtestress. Am Koman-Stausee steigen die Touristenzahlen wie vielerorts in Albanien rasant an. Zur Jahrtausendwende reisten gerade einmal 300 000 Menschen in das Land am Balkan, 2024 bereits über 11 Millionen. Naturdusche. Der Wasserfall von Grunas, kurz vor Theth, bietet Abkühlung. Landidylle. Nordalbanien ist reich an Natur, aber arm an Seelen, die Bergweiden und Felder bewirtschaften und Hügel und Seen beleben. Gipfelsturm. Albaniens Berge sind überall durchzogen von Karst und Karlingen wie hier am Taljanka-Rücken an der Grenze zu Montenegro.
Die Abgründe neben den Serpentinen sind dramatisch tief und voll von verrosteten Karosserien.
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umgehend. Die Abgründe neben den Serpentinen sind dramatisch. Dramatisch tief und voll von verrosteten Karosserien, aus denen Unkraut wächst. Die Leitplanken nicht vorhanden und die niedrigen Steinmauern, die vor einem Absturz schützen könnten, spärlich. Entgegenkommende Lastwagen, Baufahrzeuge und Transporter dagegen häufig. Die Hände des Fahrers? Nicht am Steuer. In der Linken das Handy, durch das er einen Landsmann lautstark massregelt, ob seiner Schande, die er über Albanien bringt. In der Rechten die Zigarette, deren Rauch er in den Sprechpausen zügig inhaliert, als wäre er sein Lebenselixier. Das Gefährt steuern seine Ellbogen. Dann hustet er den Rauch aus seinen Lungen und lächelt zufrieden. Will heissen: Keine Angst, ich kenne die Strecke. Die Reise durch das verwunschene Land wirft etliche Fragen auf. Etwa: Wo sind seine Menschen? Nordalbanien ist reich an Natur, aber arm an Seelen, die Täler und Almen behausen, Weiden und Felder bewirtschaften, Hügel und Seen beleben. Während mehrerer grosser Migrationswellen im 20. Jahrhundert verliessen Hunderttausende ihre Heimat und siedelten sich in Griechenland, in Italien und in der Türkei an. Auch in der Schweiz, in Deutschland und in den USA gibt es eine grosse albanische Diaspora. Zurück blieb ein vereinsamtes, verarmtes und vor allem verjüngtes Land – ein Drittel der Bevölkerung war in den 1990er-Jahren unter 15 Jahre alt. In der Folge zog es viele Einheimische aus der Bergwelt in die Ebenen und Städte. Aufgrund instabiler Politik, Armut, Korruption, organisiertem Verbrechen und anderen medialen Negativnachrichten galt Albanien
lange Zeit als weisser Fleck auf der Landkarte. Doch jenseits der düsteren Vergangenheit steigen die Touristenzahlen rasant an: zur Jahrtausendwende reisten gerade einmal 300 000 Menschen hierhin, 2024 waren es bereits 11 Millionen. Und hätte Corona ihnen keinen Strich durch die Rechnung gemacht, «wären jetzt viele Albaner reich», behauptet zumindest der ellbogensteuernde Fahrer. Darauf hätten wohl nur die wenigsten gehofft, nachdem Albanien zunächst an den Folgen der 41 Jahre andauernden Selbstisolation durch den stalinistischen Despoten Enver Hoxha litt und schliesslich in den 1990er-Jahren in einen Bürgerkrieg schlitterte. Kaum jemand durfte rein, alle wollten raus. Nun ist alles anders. Nun ist Albanien eine Demokratie, nun herrscht Frieden. Nun gibt die Jugend Grund zur Hoffnung für eine stabile Zukunft. Nun machen Menschen in ebendiesen Bergen Urlaub. Darum herrscht im tief eingeschnittenen Valbona-Tal Hochbetrieb. Stündlich trudeln Minibusse und Jeeps ein, die mehr und mehr Wanderbegeisterte ausspucken. So wie sie wandern auch wir in den kommenden Tagen im und um das Tal herum, machen einen Kurzabstecher über die grüne Grenze in das benachbarte Montenegro, erklimmen die Zweitausender, die das Tal umgeben. Seitdem der beliebte Fernwanderweg «Peaks of the Balkans» im Dreiländereck Kosovo, Montenegro und Albanien durch Valbona führt, verändert sich die Ortschaft rasant. Fördergelder haben geholfen, dass mittlerweile eine asphaltierte Strasse das Tal auskleidet, Minimärkte, Restaurants und Touranbieter eröffnet haben. Beinahe jedes Haus bietet
Zimmer und Verköstigung an, und einige verspürten den Drang, als Beweis ihres neu erworbenen Reichtums Protzbauten zu errichten. Fingernägel. Blickt man in die Nachbardörfer und -täler, sieht die Welt anders aus: kein Strom, kein Wasser, kein Telefon – und kein Tourismus. Bilder eines Albanien wie zu Zeiten des britischen Dichters Lord Byron, der Anfang des 19. Jahrhunderts das Land bereiste und mit seinen Schilderungen eine Sehnsucht unter anderen Abenteurern auslöste. «So viel ich mit meinen Augen gesehen habe, kann ich nur Gutes über die Albaner reden.» Dass er fernab vom Schuss lebt, weiss auch Ajet Malaj, aber das ist dem Bergbauern auch recht so. Auf seiner Sommeralp an den Hängen ausserhalb des Valbona-Tals, wandert sein staunender Blick auf die grazilen Finger seiner Enkelin Arsa. Unterschiedlicher könnten die Hände der beiden kaum sein. Während seine 73 Jahre alten Kuppen verhornt und schwarz, die Finger schwielig und gestählt von jahrzehntelanger Arbeit auf der Alm sind, spielt die Achtjährige mit ihren aufgeklebten, rot lackierten Fingernägeln aus Kunststoff. Der ergraute Mann runzelt die Stirn und wiegt den Kopf, bevor er gebückt in seine Holzhütte wankt. Mit einer Flasche Selbstgebranntem kehrt er zurück und begrüsst seine Gäste. Ajet Malajs Blockhaus gehört Gott und dem Gast – so besagt es der Kanun, das uralte Gewohnheitsrecht des albanischen Berglandes. Dasselbe Rechtssystem, das Familie, Erbschaft, Jagd und Handel regelt, sowie Mord, Ehre und Blutrache – bis zum heutigen Tag. Immer noch verstecken sich Hunderte Männer aus Angst vor Vergeltung einer Bluttat, mit der sie meist
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nichts zu tun hatten und die Jahrzehnte zurück liegt, die aber immer noch gesühnt werden muss. Gegen die archaische Vorstellung, dass erst dann Ehre und Gleichgewicht wiederhergestellt sind, ist selbst der Staat hier oben machtlos. Sippen und starke Stammestraditionen haben sogar den Kommunismus überlebt und bieten in Nordalbanien mehr Rückhalt und Schutz als Richter und Gesetzbücher. Während Malajs Frau Hajrie türkischen Kaffee in Porzellantassen serviert, steckt sich der Hausherr eine Zigarette an und erzählt. «In der Früh führe ich meine Schafe hinauf, am Nachmittag hole ich sie wieder runter, um sie vor Wölfen zu schützen. Jeden Tag!» Die Monotonie in seinem Leben findet er jedoch so schön wie seine Alm, die Zići heisst und die nur selten Besuch bekommt, es sei denn, jemand beauftragt den alten Malaj, Milch oder Käse für die Wirtschaften im Valbona-Tal zu produzieren. «Alle hier leben vom Tourismus», sagt er. Die Bewohner Valbonas haben erkannt, dass mit den Touristen Geld in ihr Tal kommt, und sich darum dem Lauf der Neuerung ergeben. Wellnesshotels, Fastfoodketten und Seilbahnen bleiben bisher aus. Noch spaziert man in der Früh im ausgetrockneten Flussbett und wähnt sich in jener Zeit, als hier ein tosender Fluss durch das Tal führte, und nicht ein armseliges Rinnsal wie heute. Die ausgewaschenen und ausgebleichten Steine zeugen davon. Noch weckt das Konzert der Natur das Tal auf altmodische Art: Vögel zwitschern, Krähen krähen, Hunde bellen, Hummeln brummen, Bienen summen, ein Specht klopft an seinem Fichtenstamm herum, ein Hahn kräht und irgendwo wiehert ein Pferd. Weit weg plätschert ein Bach ins Tal. Dazwischen säuselt der Wind, trägt den Geruch von Kuhfladen und Pferdemist von den Weiden und den Duft frisch gebackenen Brotes aus den Küchen. Kühl ist es an diesem Morgen, und auch ich warte sehnsüchtig darauf, dass die Sonne über die Kämme tritt, das Tal und meine müden Knochen wärmt. Sie lässt sich bitten, erst um 6.30 Uhr blinzeln die ersten 62
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Strahlen über die zerklüfteten Bergspitzen. So wild und rau die Natur, so warm und lebensfreundlich das Licht, denke ich. Zeit, aufzubrechen. Knochenwärmer. Seit mindestens einem Jahr-
zehnt kennt der 16-jährige Gaul das Prozedere, das er in voller Lethargie über sich ergehen lässt: Gepäck aufladen und festzurren. Stück für Stück, Kilo für Kilo, Tag für Tag. Während sich an Doris Hintern Bremsen zu schaffen machen, brennt die Sonne bereits auf das ValbonaTal herunter, hat sich innerhalb einer Stunde von einem Knochenwärmer in einen Kochtopf verwandelt. Über dem linken Ohr des Packpferdes qualmt die Zigarette von Tomim Jaboni, den hier alle Toni nennen, darum will auch ich das tun. Wie ein Pferdeführer sieht der 50-Jährige nicht aus: Jeans, kariertes Hemd und Sneakers. Eigentlich unterrichtet Toni Hauptschüler in Shkodra, doch während der Sommerferien kehrt der schlaksige Mann in sein Heimatdorf zurück, um mit seiner Dori Gepäckstücke für Touristen zu transportieren, die den Peja-Pass überqueren wollen – ohne Zusatzgewicht am Buckel. «Als Lehrer verdiene ich keine 500 Euro im Monat», sagt Toni, «mit Dori schaffe ich dreimal so viel.» Vor ihm und seinem Pferd wartet ein Marsch von sieben Stunden. Knapp 1000 Höhenmeter hinauf bis zum Karstplateau Runica, dann wieder knapp 1000 Meter abwärts bis ins Theth-Tal. Die wunderschöne Landschaft aus Kalkstein, Kiefern, Tannen und Moos entschädigt für Hitze, Staub und die vielen Bremsen, die zwischen Pferden und Menschen hin- und herfliegen. Unterwegs erzählt Toni von seinem kleinen Stück Land in Shkodra, von albanischen Literaten, die er den Schulkindern schmackhaft zu machen versucht, vom köstlichen Olivenöl Albaniens und davon, dass die Schneefelder unterhalb der Gipfel immer weniger werden. Auf halber Strecke gönnen sich die Pferdeführer ein Frühstück: pechschwarzer Kaffee, selbstgedrehte Zigaretten, Bier und Raki. «Die Knie», sagt Toni in bescheidenem
Ton und streicht darüber, «sie schmerzen.» Aber sie halten, das müssen sie auch. Heute, morgen und bis zum Saisonende. Zumindest bis Theth. «Kein anderer Ort, an dem Menschen leben, vermittelt solch einen Eindruck majestätischer Abgeschiedenheit vom Rest der Welt», schreibt die britische Ethnologin und Balkanreisende Edith Durham Anfang des 20. Jahrhunderts über Theth. Eine Aussage, die heute noch gilt und die verschlafene Idylle kaum besser beschreibt. Über den Peja-Pass bedeutet «hinter dem Mond»: kaum Anzeichen menschlicher Zivilisation. Am Ende der Talflucht, entlang einer Felsenschlucht, durch die der wilde Shala fliesst, versteckt sich das Dorf Nderlysaj. Darin ein 500 Jahre alter Hof aus Stein, der vermutlich niemals einen Preis in Gemütlichkeit gewinnen wird, dafür punktet er mit Charme – und mit dem Stück Land, das ihn umgibt. Ein Erbstück. Dreimal ausgebrannt, dreimal wieder aufgebaut. Unbeugsam wie seine Bewohner: Familie Nika, mittlerweile in dritter Generation. Und dort, in einem der hintersten Winkel des Landes, warten Albaniens gesamte Weisheiten, verkörpert durch Ded Nika, einen gedrungenen, aber bärenstarken Mann mit geröteten Wangen. Unter der Laube in seinem Garten philosophiert der 53-Jährige und klopft Sprüche. «Die Sonne daheim wärmt mich besser als die Sonne anderswo», sagt er. Oder: «Ein Adler verlässt sein Nest nicht gern.» Darum verlässt er es nur, wenn es wirklich sein muss. Etwa wenn Temperaturen unter 0 Grad und meterhoher Schnee im Winter ein Überleben beinahe unmöglich machen. Dann übersiedeln der Bergbauer, seine Mutter, seine Frau, die vier Kinder und die 64 Schafe ins Winterquartier in die Metropole Shkodra. Zwei Tage lang dauert die Wanderung über die Berge mit der Viehherde. Spätestens im April besiedelt er wieder den Hof in Nderlysaj, bestellt die Felder, füttert und melkt sein Vieh, produziert Schafskäse, Honig und Raki, wirft seine Netze aus, um Wildforellen im eiskalten Fluss zu fangen.
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SÜDOSTEUROPA Vor einigen Jahren legte eine Reiseagentur Nika nahe, ein bisschen mehr Komfort für seine Gäste bereitzustellen, da sonst sogar die ohnehin wenigen Touristen ausbleiben würden. Widerwillig liess sich der Landwirt zur Installation einer Solaranlage erweichen, seitdem gibt es Warmwasser auf seinem Hof, aber Klobrillen gibt es immer noch keine. «Wer es bis zu mir schafft, bekommt ein Stück Ursprung zu spüren», sagt Nika. Zwillinge. Ihm, für den Nichtstun eine Belas-
Handarbeit. Im Ropojana-Tal beladen Arbeiter Pferde, um das Gepäck über den Peja-Pass ins Theth-Tal zu tragen. Heimatgefühl. Am Ende der malerischen Theth-Talflucht, entlang einer Felsenschlucht, versteckt sich das Dorf Nderlysaj. Dort steht ein 500 Jahre alter Hof aus Stein, in dem Ded Nika lebt. «Die Sonne daheim wärmt mich besser als die Sonne anderswo», sagt er.
tung und Warten eine Qual bedeutet, ist dieses Stück Land heiliger als die Jungfrau Maria, zu der er täglich betet. Die Erde in seinem Garten birgt Schätze, die für den Selbstversorger lebensnotwendig sind. Alles, was der Boden gibt, wird verarbeitet und hilft beim Überwintern. Darauf ist Nika stolz. Und ausser Stolz besitzt er nicht viel, davon allerdings reichlich. Denn Reichtum und Armut sind in Albanien bekanntlich Zwillinge. «Wir arbeiten wie Sklaven und essen wie Könige», sagt Nika und zeigt auf seinen Garten, in dem alles wuchert, was wachsen kann. Die Lebensmittel, die mit Liebe zu Speisen bereitet werden, schmecken so, wie sie angepflanzt und geerntet wurden: bio und natürlich. Pestizide sind ein Fremdwort im ThethTal, und das Ergebnis lässt sich, je nach Saison, sehen: Salat, Zwiebeln, Auberginen, Kohl, Mais, Peperoni, Karotten, Knoblauch, Kartoffeln,
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Lauch, Tomaten, Bohnen, Zwetschgen, Äpfel, Kirschen – und Mirabellen. Aus letzteren zaubert der Landwirt, Hirte, Imker, Fischer und Winzer einen Schnaps, zu dem er Schafskäsewürfel und frisch geerntete Gurken serviert. «Nicht der Magen trinkt, sondern der Verstand», sagt Ded Nika beim Heben des ersten Glases Raki, der ab dem zweiten Schluck deutlich besser schmeckt. «Die Schultern der Berge und die Schultern der Albaner sind nie gebeugt», prostet er zur zweiten Runde, die sogar zum Genuss wird. «Ich hoffe, du lebst so lange wie der Berg», ruft er schliesslich beim dritten Glas, bevor er es auf einem Untersetzer aus weisser Spitze auf einer Tischdecke aus Plastik absetzt. «Spätestens morgen bereue ich die drei Gläser», denke ich. Aber in Albanien bereut bekanntlich nur, wer zögert. martin.zinggl@gmail.com
Martin Zinggl (42) reist als Reporter, Autor, Fotograf und Filmemacher durch die Welt. Die Reportagen des Wieners erscheinen unter anderem in «GEO», «Spiegel Online» und «Al Jazeera». Aktuell von ihm erschienen ist das Buch «Das ist kein Spaziergang», über den Sultans Trail, einen Weitwanderweg, der von Wien nach Istanbul führt. Die Reise nach Albanien wurde von Weltweitwandern unterstützt.
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Halsbrecherisch Staunend schaut die Menge zu, wie ein Sikh freihändig und ohne etwas zu sehen auf seinem fahrenden Motorrad aufsteht. Für einen Moment scheint es, als trage ihn nicht die Maschine, sondern sein unerschütterlicher Glaube.
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Hola Mohalla in Nordindien
DAS FEST DER FURCHTLOSEN BILDER UND TEXT: THORGE BERGER
Am Sikh-Festival Hola Mohalla in der indischen Stadt Anandpur Sahib verschmelzen Spiritualität, Gemeinschaft und martialische Traditionen zu einem mitreissenden Spektakel im Staub der Geschichte.
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ie Stadt steht Kopf. In Anandpur Sahib ist Hola Mohalla, das dreitägige Festival der Sikh, der viertgrössten Religionsgemeinschaft Indiens. Und ich? Stehe mitten im CharanGanga-Stadion. Dass der Höhepunkt der Festivitäten naht, spüre ich überdeutlich. Immer mehr Menschen ziehen in die Arena ein: zu Fuss, mit Traktoren, zu Pferd. Sie sehen stolz aus in ihren traditionellen Gewändern und den zum Teil schier riesigen Turbanen. Fast alle tragen traditionelle Waffen. Die Stimmung ist ausgelassen, voller Energie. Ich sehe Sikhs, die ihren Mut und ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen, indem sie Kunststücke präsentieren und improvisierte Scheingefechte führen. Viele Menschen sprechen mich an und erklären mir, was hier vor sich geht. Sie wollen, dass ich verstehe, dass Hola Mohalla für sie etwas ganz Besonderes ist. Es ist nicht nur ein Fest, es schafft Jahr für Jahr eine tiefe Verbindung zwischen den Menschen, die von überall herkommen. Alle Unterschiede verschwinden. Es zählt nur die Gemeinschaft. Sie beten, essen und feiern zusammen, fühlen sich miteinander verbunden. Und, wie immer bei den Sikhs, sind alle Menschen willkommen. Ungeachtet ihrer Kaste, ihres Glaubens oder ihres Standes im Leben. Die Gastfreundschaft und Zugewandtheit, die ich überall erlebe, berührt mich. Hola Mohalla wird jeden Frühling am Schrein von Keshgarh Sahib gefeiert – dem Ort, an dem Guru Gobind Singh 1699 die Bruderschaft der Khalsa gründete, die den Sikhismus so gestaltete, wie er bis heute gelebt wird. Der Sikhismus ist eine der jüngsten anerkannten Religionen der Welt. Für die Anhänger gelten Grundsätze wie Gleichheit aller Menschen, Altruismus und Ehrlichkeit. Mit etwa 30 Millionen Gläubigen weltweit ist der Sikhismus die fünftgrösste Religion überhaupt – nach Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus. Viele Sikh leben in Nordamerika und Grossbritannien, die meisten allerdings immer noch in Indien. Es gibt fünf äussere Zeichen der Sikh-Identität: Kesh (ungeschnittenes Haar), Kangha (ein Holzkamm), Kara (ein Eisenarmband), Kachera (eine spezielle Unterwäsche) und Kirpan (ein kleines Schwert). Diese Symbole sollen die Sikh daran erinnern, ihre religiösen Pflichten zu erfüllen und ein moralisches Leben zu führen. Und im Stadion? Bebt plötzlich der Boden. Die Menge weicht zurück. Reiter preschen in waghalsiger Geschwindigkeit durch die Arena – barfuss, auf zwei Pferden gleichzeitig, ohne Sattel. Erde wirbelt herum, Jubel brandet auf. Ich fotografiere wie in Trance. Und spüre: Dieser Moment bleibt für immer. thorge.berger@reisefotografie.de
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Prunkvoll Æ Mit farbenfrohem Turban und in traditioneller Kleidung posiert dieser Sikh vor seinem prächtig geschmückten Lastwagen, mit dem er auf dem Weg ans Festival ist. Das rollende Kunstwerk ist ein Symbol seiner Identität.
Thorge Berger bringt Indien in die Schweiz Fotograf und Autor Thorge Berger ist auch erfolgreicher Referent. Mit seiner Live-Reportage «Magisches Indien» ist er im November und Dezember in acht Schweizer Städten unterwegs: 30. November 1. Dezember 2. Dezember 3. Dezember 4. Dezember 5. Dezember 6. Dezember 7. Dezember
Rorschach Basel Luzern Zürich Winterthur Bern Thun Aarau
Thorge bietet zudem Reisefotografie-Seminare an, online und auch live. Am 14. März 2026 (Bern) und am 15. März 2026 (Zürich) gibt es zwei Termine in der Schweiz. Tickets und weitere Infos online. Î explora.ch
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Gespannt Å Ein Nihang-Sikh spannt konzentriert seinen Bogen. Die Nihangs sind traditionelle Krieger und gelten als Hüter der Sikh-Identität. Während Hola Mohalla demonstrieren sie ihre Kampfkunst vor Tausenden Zuschauern.
Farbenprächtig Ê Bunte Turbane, ausgelassene Stimmung: Sikh feiern beim Hola Mohalla mit Musik, Tanz und viel Gemeinschaftsgefühl eines der wichtigsten Feste ihrer Religion.
Donnernd Æ Staub wirbelt auf, Handys werden gezückt. Und die Menge hält den Atem an, wenn Sikh-Reiter in leuchtend bunten Kostümen an ihr vorbei donnern.
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Still Ç Die letzten Sonnenstrahlen tauchen die Gleise von Anandpur Sahib in goldenes Licht. Gläubige machen sich nach einem Tag voller Gebete, Mutproben und Ausgelassenheit auf den Heimweg. Das Fest klingt in sanfter Stille aus.
Anandpur Sahib Neu-Delhi
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Thorge Berger (59) ist Reisefotograf, Autor, Workshopleiter, Vortragsreferent und Veranstalter von Fotoreisen. Er bereiste mehr als 50 Länder auf fünf Kontinenten. Erschienen sind von ihm bisher «Reisefotografie – Wie Ihnen faszinierende Bilder gelingen – von der Planung bis zur Nachbearbeitung» (dpunkt) und «Bilder aus dem Iran» (Edition Bildperlen). Thorge lebt mit seiner Frau in Bergisch Gladbach im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Î reisefotografie.de 76
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