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«Nashörner brauchen rund um die Uhr Schutz»

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INTERVIEW

MARTIN BUCHER EHEMALIGER WILDTIERPFLEGER UND AFRIKALIEBHABER

«Nashörner brauchen rund um die Uhr Schutz» DAS GESPRÄCH FÜHRTE KARIN JAKOB

BILDER: MARTIN BUCHER

Er kennt wilde Tiere, seit er denken kann: Martin Bucher hat über drei Jahrzehnte als Wildtierpfleger im Zoo Zürich gearbeitet. Auf mehr als 30 Afrikareisen vertiefte der 59-Jährige seine Kontakte zu den Revolutionären des Nashornschutzes. Heute unterstützt der Zoo dank Martins Engagement ein riesiges Reservat in Kenia und hilft so, den Lebensraum von Tausenden von Tieren zu erhalten. Das koste viel Geld, sagt der Zürcher. Es zahle sich aber mehr als aus.

Martin, welches ist dein Lieblingstier? mit ihnen. Beim Unterhalt der Anlagen sind die Tiere nicht anwesend. In der Ich mag jene Tiere, die nicht zu den Favoriten der Zoobesucher gehören. Dazu täglichen Pflege ist immer ein stabiles zähle ich zum Beispiel die Hyänen und Gitter dazwischen. die Nashörner. Fasziniert haben mich Erzähle bitte aus dem Berufsalltag. Wildtierpfleger ist ein handwerklicher während meiner Arbeit im Zoo die Faultiere, die ihren Namen übrigens zu UnBeruf, der viel breites technisches und praktisches Wissen erfordert. Du misrecht bekommen haben. test nicht nur die Anlage aus, sondern Du warst mehr als 30 Jahre Wildtierüberlegst auch, wo du das Futter verstepfleger im Zoo. Hast du dir einen cken kannst, wie sich die Tiere beschäfKindheitstraum erfüllt? tigen können, und reparierst und pflegst Ja. Mein Vater hat seit 1947 im Zoo gedie Anlagen drinnen wie draussen. arbeitet, und ich kenne die wilden Tiere, Wenn du im Winter für die Seehunde seit ich denken kann, habe viel Freizeit zuständig bist, bist du viel draussen, und auf dem Zoogelände verbracht. Aber bees wird richtig kalt. Ein Arbeitstag kann vor ich dort arbeiten konnte, musste ich sehr früh beginnen und lange dauern, zuerst einen Beruf erlernen. Feiertage und Wochenenden sind norDas sagte dein Vater? male Arbeitstage. Nein. Es gab damals ganz einfach diese Ausbildung in den Schweizer Zoos noch Kennt man trotz der Distanz seine Weit gereist. Der ehemalige Wildtierpfleger Martin Bucher ist nicht. Um als Wildtierpfleger arbeiten Schützlinge noch persönlich? heute als Besucherführer für den Zoo Zürich tätig. Er nimmt sich zu können, musste man entweder einen Man ist um die Tiere herum und lernt aber auch genügend Zeit, immer wieder nach Afrika zu reisen. Berufsabschluss oder die Matura vorsie dadurch kennen, auch wenn man sie weisen. Ich habe eine Lehre als Koch abnicht streichelt. Bei acht Elefanten zum Beispiel ist es ganz einfach, jeden einzelnen an seinen charakteristischen solviert und danach in den USA gelebt und auf dem Beruf gearbeitet. Merkmalen zu erkennen, was bei 24 Pinguinen schon schwieriger wird. 1983, nach drei Jahren, kam ich in die Schweiz zurück und nahm dann Mit welchen Tierarten hast du in all den Jahren gearbeitet? eine Stelle als Wildtierpfleger im Zoo Zürich an. Und blieb fast 35 Jahre Mit Reptilien, Fischen, Amphibien, Eisbären, Pinguinen, anderen Vödort. geln, Elefanten, Nashörnern und weiteren Säugern. Eigentlich mit allen, Das klingt nach einem Traumberuf. ausser mit Grosskatzen und Menschenaffen. Ich habe meine Arbeit geliebt, ja. Aber der Alltag des Tierpflegers ist anstrengend, und der Beruf hat sich in der ganzen Zeitspanne sehr verän- Wie ist deine Liebe zu Afrika entflammt? dert. Die Beschäftigung der Tiere steht heute im Mittelpunkt der Zoo- Während meiner Lehre wollte mein Vater mit mir und meinem Bruder den Kilimanjaro besteigen. Wir starteten gemeinsam, ich war 17 und tierhaltung. Durch die angepasste Haltung unter lebensnahen, natürlihabe leider den Gipfel damals nicht erreicht. Unterdessen war ich jedoch chen Bedingungen ist der Tierpfleger weniger in direktem Kontakt mit noch zweimal erfolgreich am Berg. Durch meinen Vater durfte ich daden Tieren tätig. Bei den Elefanten ist das besonders deutlich sichtbar. mals in Afrika einige interessante Menschen kennenlernen. Zum Die Pfleger arbeiten heute ausschliesslich in einem indirekten Kontakt 52

GLOBETROTTER-MAGAZIN

FRÜHLING 2019


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