VOICE
Die Zeitschrift der GfbV | März 2023 | Nummer 1
Wirtschaft und Indigenenrechte in Russland
Der Widerstand wird immer gefährlicher Indigene Gemeinschaften in Russland stehen unter hohem Druck. Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist die staatliche Repression ins Unermessliche gestiegen und macht es für indigene Menschenrechtsverteidiger:innen noch gefährlicher, sich für ihre Rechte und Territorien einzusetzen. Die Situation ist noch komplizierter, seit zum Beispiel der Konzern Nornickel Konsultationen mit indigenen Gemeinschaften durchführt – vor allem aber für das eigene Image. Verhaftung, Bedrohung, erfundene Delikte: Der Umweltschützer, Menschenrechtsverteidiger und indigene Schamane Sergej Kechimov (siehe Titelbild) wurde Mitte Dezember auf dem Heimweg von der Verkehrspolizei angehalten und beschuldigt, betrunken zu sein. Diese Beschuldigungen sind falsch, stellt seine Frau
klar, denn Kechimov trinkt überhaupt keinen Alkohol. Es kam zu einer Auseinandersetzung und schliesslich zu einer gewaltsamen vorübergehenden Festnahme. Es ist nicht das erste Mal, dass Sergej Kechimov mit den russischen Behörden in den Konflikt kommt. Der russische Staat hat bereits mehrere Gerichtsverfahren gegen ihn angeordnet, basierend auf erfundenen Delikten: Im jüngsten Fall droht ihm eine mehrmonatige Gefängnisstrafe. Denn Kechimov protestiert seit Jahren gegen die zerstörerische Ölförderung in der Nähe des westsibirischen Imlor-Sees und widersetzt sich gewaltsamen Umsiedlungsversuchen, als letzter der Gemeinschaft der Chanten. Im Zusammenhang mit seinem Protest kommt es auch mit Mitarbeitenden des Konzerns Surgutneftegas immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen.