Sri Lanka: Die Menschenrechtslage verschlimmert sich wieder
Sri Lanka hat im Januar 2015 eine neue Regierung gewĂ€hlt. Diese versprach, mit guter RegierungsfĂŒhrung die Einhaltung der Menschenrechte zu gewĂ€hrleisten. WĂ€hrend es im letzten Jahr tatsĂ€chlich zu einigen Verbesserungen vor allem in der Versammlungsâ und Pressefreiheit gekommen ist, beobachtet die Gesellschaft fĂŒr bedrohte Völker (GfbV) in Sri Lanka in diesem Jahr wieder eine Verschlechterung. Allein im Monat Oktober kam es zu einigen besorgniserregenden VorfĂ€llen. Yves Bowie, Kampagnenleiter bei der GfbV, weilte im Oktober mehrere Wochen in Sri Lanka. Nach diesem Besuch vor Ort stellt die GfbV fest: Der Raum fĂŒr Menschenrechtsarbeit wird leider wieder zunehmend kleiner, wie die folgenden Beobachtungen zeigen. Versammlungsfreiheit Bei der Versammlungsfreiheit kam es tatsĂ€chlich zu punktuellen Verbesserungen. So war es beispielsweise möglich, in Jaffna eine Grossdemonstration fĂŒr die Rechte der Tamilen durchzufĂŒhren.1 Auch Gedenkveranstaltungen fĂŒr die tamilischen Opfer des BĂŒrgerkrieges wurden zugelassen, wenn auch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen sowie begleitet von EinschĂŒchterungen durch SicherheitskrĂ€fte.2 Unter dem RajapaksaâRegime wĂ€re dies undenkbar gewesen. Trotzdem ist es fĂŒr Tamilinnen und Tamilen weiterhin nicht möglich angemessen den Opfern des BĂŒrgerkrieges zu gedenken.3 Auch gibt es weiterhin starke EinschrĂ€nkungen in der Versammlungsfreiheit und Proteste stehen immer noch unter strenger Beobachtung des Geheimdienstes. Dessen Mitarbeitende fotografieren jeweils Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Protesten.4 Auch musste ein geplanter Protest von lokalen Fischern in Passikudah, im Osten des Landes, gegen die derzeitige Tourismusentwicklung nach massiven EinschĂŒchterungen durch SicherheitskrĂ€fte abgesagt werden.5 Weiter wurden nach einem friedlichen Protest gegen das âgewaltsame Verschwindenâ in Colombo mindestens fĂŒnf Aktivistinnen und Aktivisten zur Befragung auf einen Polizeiposten beordert. Auch der Protest selbst wurde von der Polizei gestört.6 Pressefreiheit Im Pressefreiheitsindex von âReporter ohne Grenzenâ figuriert Sri Lanka derzeit auf dem 141. Platz. Im Vergleich zu 2015 konnte das Land 24 PlĂ€tze gutmachen und zeigt damit Verbesserungen in diesem Bereich.7 Allerdings wurde kĂŒrzlich eine tamilische
1 Vgl. http://www.ceylonews.com/2016/09/thousandsâattendâezhukaâtamilâmassâcampaignâinâ
jaffnaâvideo/ (31.10.2016). 2 Besuch einer Gedenkveranstaltung des Verfassers am 18.5.2015. 3 Vgl. http://pearlaction.org/wpâcontent/uploads/2016/11/PEARLâErasingâtheâPastâNovâ1â2016â ReportâBâ1.pdf (03.11.2016). 4 Beobachtungen des Verfassers an Protesten in Kandy, Colombo und Jaffna in den Jahren 2015 und 2016. 5 Vgl. https://cpasl.atavist.com/troubleâinâparadise (31.10.2016). 6 Vgl. http://thewire.in/65729/unâsecretaryâgeneralsâvisitâandâtearsâofâsriâlankanâsurvivors/ (31.10.2016). 7 Vgl. https://rsf.org/en/sriâlanka#engage (31.10.2016).