VOICE
Die Zeitschrift der GfbV | Juni 2023 | Nummer 2
Indigenenrechte in Brasilien
Zwischen Hoffnung und Realpolitik Die indigene Gemeinschaft der Tupinambá treibt die staatliche Anerkennung ihres Territoriums voran. Ende März hat sie ein entsprechendes Gesuch bei der Indigenenschutzbehörde FUNAI eingereicht. Die Hoffnung auf eine schnelle Anerkennung war gross. Doch die realpolitischen Verhältnisse dämpfen diese empfindlich, denn die Folgen der Politik des Ex-Präsidenten Bolsonaro sind überall spürbar. Kurz nachdem der neue Präsident Lula sein Amt angetreten hat, reiste eine Delegation der Tupinambá nach Brasília. Dort reichte sie bei der staatlichen Indigenenschutzbehörde FUNAI ihren Antrag auf die Anerkennung ihres Gebietes zusammen mit einem Bericht ein, der die geographischen Daten ihres Territoriums und ihre Geschichte auf dem Gebiet dokumentiert. Dies ist ein bedeutender Schritt im Kampf um die staatliche
Anerkennung ihres Territoriums als «Terra Indígena». Der Lebensraum ist für indigene Gemeinschaften im Amazonas Bestandteil ihrer Lebensweise und Identität und damit eine Voraussetzung für ihr physisches und kulturelles Überleben. Doch auch für den Rest der Welt ist der Schutz indigener Territorien überlebenswichtig: Der Regenwald ist in indigenen Territorien am besten geschützt und auch die Biodiversität bleibt mit der staatlichen Anerkennung solcher Gebiete bestehen. Diese ist daher auch eine wichtige Massnahme zur Bewältigung der Klimakrise. Langwieriger Demarkierungsprozess In Brasilien ist die Bedeutung des Territoriums für die indigenen Gemeinschaften im geltenden Recht verankert. Die brasilianische Verfassung sowie die ILO Konvention 169 über die Rechte der indigenen Völker,