Sicher feierins ohne Naz Was tun bei rassistischer und extrem rechter Security?
s ta n d : d e z e m b e r 2 02 1
Inhalt Wo liegt das Problem?
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An wen richtet sich die Handreichung?
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»Sicherheit« als Diskurs- und Aktionsfeld von RassistInnen und Neonazis – (Artikel aus: Antifaschistisches Infoblatt)
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Chronik von Vorfällen in Thüringen
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Berichte von Betroffenen
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Best Practice im Sicherheitsgewerbe – Ein Interview
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Was tun? Handlungsoptionen und Forderungen
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Checkliste
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Anhang
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vorwort
wo liegt da s problem?
Wo liegt das Problem?
Für die Absicherung nahezu aller öffentlichen und kommunalen Veranstaltungen und Feierlichkeiten wird zur Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufes häufig eine Sicherheitsfirma benötigt. Auch der Schutz von Gedenkstätten, Stadien oder Geflüchtetenunterkünften durch Sicherheitsfirmen gehört heute zum Standard, den ein Teil der Sicherheitsfirmen professionell erfüllen. Für alle Organisator*innen von Stadt- und Feuerwehrfesten, Kirmesveranstaltungen und Festivals oder Weihnachtsmärkten sowie Sportevents stellt sich ein und dieselbe Frage: Welche Maßnahmen sollten für die Veranstaltung getroffen werden, damit sich die Besucher*innen oder Bewohner*innen sicher fühlen können und potenziellen Störungen präventiv und im Ernstfall auch intervenierend begegnet werden kann?
Auf diese Schutzbedürfnisse haben sich Sicherheitsdienste spezialisiert. Im Rahmen von Veranstaltungen kommen hier Aufgabenbereiche zum Tragen wie beispielsweise Einlasskontrollen und die Gewährleistung von Zugangsberechtigungen, die Durchsetzung eines Alkoholverbotes, die Einhaltung von Infektionsschutzgesetzen, die Schlichtung einer Auseinandersetzung oder der Geländeverweis von Personen, die das Sicherheitsbedürfnis anderer Teilnehmer*innen verletzen. Was aber, wenn die in den SecurityUnternehmen tätigen Mitarbeiter* innen oder gesamte Firmen selbst Teil des Problems sind? In den letzten Jahren wurde durch journalistisches, zivilgesellschaftliches und antifaschistisches Engagement immer wieder darauf hingewiesen, dass bei diversen SecurityKräften mit Blick auf ihr Handeln
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wo liegt da s problem?
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eine rassistische Einstellung angenommen werden muss. Von nega tiven Erlebnissen berichten u. a. Menschen, die als »nicht-deutsch« oder »migrantisch« gelesen werden, eine sexuelle Orientierung oder Identität abweichend von der gesellschaftlichen Norm haben sowie demokratieorientierte und links eingestellte Menschen. Den Erfahrungsberichten zufolge wurden Besucher*innen nicht etwa vor Übergriffen und Angriffen auf der Veranstaltung geschützt, sondern sie erhielten in einigen Fällen erst gar keinen Zutritt oder sie sind auf dem Event selbst zur Zielscheibe des Security-Personals geworden und wurden schikaniert, beleidigt und bedroht. Dabei findet häufig eine Täter-Opfer-Umkehr statt. Selbst Stimmen aus der Sicherheitsbranche deuten darauf hin, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. So berichtet beispielsweise ein Insider, der jahrelang als Security auf Festivals in Deutschland tätig war, von seinen einschlägigen Erfahrungen. Zutrittsverweigerungen, Bedrohungen und Beleidigungen durch rassistisch eingestellte Security mitarbeiter*innen träten bei einer Vielzahl von Veranstaltungen bundesweit auf.
Auch von Sicherheitspersonal mit einschlägig neonazistischen Botschaften auf Kleidung und Körpern, häufig Vertreter*innen der extrem rechten Szene, ist die Rede. Abschließend wird berichtet, Anzeigen über solche Vorfälle würden verharmlost, stillschweigend geduldet und zu guter Letzt gelte man als »Nest beschmutzer*in«1. Einen Hinweis darauf, dass das in Thüringen ebenfalls kein neues Phänomen ist, geben nebst Berichten von Beratungsnehmer*innen und Augenzeug*innen unter anderem die jüngsten Veröffentlichungen des MDR. So sollen Mitglieder der Neonazi-Hooligan-Gruppe »Jungsturm« als Sicherheitsmitarbeiter auf einem Elektro- und Metalfestival, aber auch für Stadt- und Feuerwehrfeste sowie Kampfsportveranstaltungen eingesetzt worden sein.2 Akteur*innen der Zivilgesellschaft und antifaschistische Initiativen formulieren den Eindruck, es mangele häufig an Sensibilität und manchmal auch an Handlungs bereitschaft aufseiten von Veranstalter*innen. Nicht selten folgen auf engagierte Hinweise zu rassistisch agierendem und rechtem Sicherheitspersonal keine nennenswerten Reaktionen. Oft würde weder in der akuten Situation gehandelt noch würden solche Hinweise Konsequen-
1 https://www.vice.com/de/article/evyyqk/unter-neonazi-securitys-auf-festivals-wer-sich-beschwert-gilt-alsnestbeschmutzer 2 https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/jungsturm-neonazis-sicherheitsdienst-100.html
An wen richtet sich die Handreichung? Diese Handreichung möchte nicht nur eine breite Öffentlichkeit, sondern im Besonderen Veranstalter*innen und Organisator*innen diverser Events für dieses Themenfeld sensibilisieren. Für viele Menschen stellt eine rassistisch agie rende Security eine nicht zu unterschätzende Bedrohung und eine enorme Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit dar. Mit der Frage, warum gerade das Berufsfeld der Sicherheitsbranche für Vertreter* innen der extremen Rechten anknüpfungsfähig ist, beschäftigt sich einleitend ein Artikel, der ursprünglich im Antifaschistischen Infoblatt (AIB, Ausgabe 4/2018) erschienen ist und der hier dankenswerterweise verwendet werden darf. Nach einem kurzen Überblick zu bekannt gewordenen Vorfällen in Thüringen, soll anhand zweier Erfahrungsberichte auf die Perspektiven von Betroffenen aufmerksam gemacht werden. Gleichzeitig spricht sich die Handreichung auch für jene, bisher noch seltenen, Security-Firmen und -Kollektive aus, die sich bereits in ihrem Werteverständnis für eine emanzipatorische Event-Kultur einsetzen. Da dies im Moment eher Einzelfälle zu sein scheinen, möchten wir mit
einem Interview bewusst ein Positiv-Beispiel zur Nachahmung setzen. Schließlich finden sich in dieser Handreichung Informationen und Handlungsempfehlungen, die die Organisator*innen in ihrem Ziel unterstützen, allen Besucher*innen ein sicheres und unbeschwertes Veranstaltungsvergnügen zu gewährleisten.
wo liegt da s problem?
zen hinsichtlich der künftigen Security-Personalauswahl nach sich ziehen.
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aus »AIB«, Nr. 121, 2019
Das Selbstbewusstsein (extrem) rechter Akteure ist in den letzten Jahren massiv gewachsen. Dies zeigt sich in entsprechenden Mobilisierungs zahlen rassistischer Agitationen sowie den Fallzahlen der Opferberatungsstellen. Auch die Qualität ändert sich: Gefährliche Körper verletzungen und Brandstiftungen haben wieder Konjunktur. Grundlage dessen ist nicht zuletzt der rechte Bedrohungsdiskurs. (Extrem) rechte Akteure hegen eine dauerhafte »Defend«-Attitüde (Defend Cottbus, Defend Europe usw.) und agitieren gegen eine vermeintliche Umvolkung. Parolen, Einstellungen und Weltbilder propagieren Abwehr, Kampf und Widerstand. Dass dies den autoritären Charakteren und völki schen Fans der Abschottung notwendig erscheint, hängt nur bedingt mit dem zusammen, was in der Öffentlichkeit als »Flüchtlingskrise« benannt wird. Neo nazis leben nicht erst seit dem Jahr 2015 in permanenter Angst, Abwehr und Unsi cherheit. Die stete Bedrohung durch den imaginierten Volkstod, die Denunziation
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» Sicherheit« als Diskurs- und Aktionsfeld von Rassist*innen und Neonazis
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durch vermeintlich kontrollierte Medien, die allgegenwärtige Repression eines »linksgrün versifften Staates«, der die Antifa subventio niert und im Gegenzug alles Erdenkliche in die Waagschale gegen nationale Aktivisten — wie sie sich selber gerne nennen — wirft, gehören seit eh und je zum extrem rechten Repertoire. Dennoch haben entsprechende Narrative derzeit Hoch konjunktur und finden durch eine inzwischen hochprofessionelle rechte Medienlandschaft und sogenannte Fake News eine weite Verbreitung. In vielen Bildern und Begriffen verbirgt sich eine anti-moderne Sehnsucht nach Einheitlich keit und Eindeutigkeit, die in den verschiedenen Bereichen, in denen Rassist*innen und Neonazis Phantasmen der nationalen Sicherheit leben, ihre Entsprechungen finden. Neonazis und Rassist*innen in der Security-Branche Einige Netzwerke im Sicherheits- bzw. Security-Bereich sind einige der wahr nehmbaren Dreh- und Angelpunkte einer sogenannten Mischszene aus organisierter Kriminalität, Rocker- und Kampfsport strukturen. Anders als bei Kampfsport events oder Tattoomessen, bei denen sich Neonazis und ihr Umfeld punktuell und eventbezogen treffen, gestalten sich einige Bereiche des Security-Business als alltäglicher Begegnungs-, Austauschund Wirkungsort. Hier überschneiden sich private und gewerbliche Sphären. Das Knüpfen von Kontakten und Vernetzung sind so einfacher möglich. Neonazis können im Sicherheitsgewerbe vielfältig Einfluss nehmen, dabei Geld verdienen, Fähigkei ten erlernen und sich in sicherheitstechnischer Hinsicht professionalisieren. Als Wachpersonal
Rassistische Annahmen und Bilder in der Security-Ausbildung Die Relevanz rassistischer Bilder in der Sicherheitsbranche lässt sich auch durch einen Blick in die Literatur zur Sach
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in Unterkünften für Geflüchtete, als Fahrkarten kontrolleure oder an Clubtüren können sie rassis tisch agieren und die von Rassismus Betroffenen drangsalieren und schikanieren. Das Sicherheits gewerbe ist jedoch auch an sich ein interessantes Betätigungsfeld für Neonazis, Macht und Gewalt können in Übereinstimmung mit ihrer Ideologie, aber nicht notwendiger Weise abhängig davon aus geübt werden. Die Professionalisierung ermög licht zudem eine Organisierung von gewalttätigen Strukturen. Mit einer auch im medialen Diskurs stattfindenden Ethnisierung von Kriminalität können Neonazis aus einer — vermeintlich profes sionellen — »Security-Perspektive« die Debatte entsprechend mitprägen. Auch die Sicherheitsbranche ist von der zuneh menden Privatisierung aller gesellschaftlichen Bereiche nicht ausgenommen. Der Rückzug staat licher Autorität zugunsten privater Anbieter wird zudem durch den Stellenabbau bei der Poli zei insbesondere in den neuen Bundesländern bzw. in dünn besiedelten Gebieten begünstigt. Dass eine linke Kritik hieran nicht der Ruf nach einem starken Staat sein kann, liegt genauso auf der Hand wie offensichtlich ist, dass private Sicher heitsunternehmen oder auch Bürgerwehren genau in diese Kerbe schlagen. Nach Informationen des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft stieg die Zahl der Zusammenschlüsse in Form von Bürgerwehren seit 2015, insbesondere im Januar 2016, sprunghaft an. Anlass hierfür war die Debatte um die sexualisierten Übergriffe in der Silvesternacht 2015 in Köln (siehe AIB, Nr. 110).
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kundeprüfung im Bewachungsgewerbe verdeutli chen. Hier sind weit verbreitete rassistische und kulturalisierende Zuschreibungen gegenüber »Ausländern« zu finden. Der Umgang mit Menschen nimmt nicht nur formal eine zentrale Rolle in der Ausbildung ein. Ein IHK-Ausbilder (und Youtuber mit zum Teil mehreren hunderttausend Klicks) bezeichnet es als »das gewichtigste Thema im Rahmen der IHK-Sachkunde prüfung«. In diesem Kontext attestiert er »vielen Völkern des Südens und des Ostens [eine] starke Autoritätsgläubigkeit«. Solche Zuschreibungen zeichnen und verfestigen das rassistische Bild des »archaischen fremden Mannes« und seines imaginierten Herkunftsmilieus in »primitiven Bedingungen«, wie es weiter heißt. Dort herrsche ein »absolutes Patriarchat«, in dem »unsere Auf fassung der Gleichberechtigung der Geschlechter (...) fremd« sei. Ganz andere rassistische Zuschreibungen lassen sich in einem beliebten und viel fach verkauften Buch zur Thematik finden. Unter dem Punkt »Umgang mit Menschen« bezüglich der »Spezifika ausgewählter sozialer Gruppen« heißt es dort, dass »Ausländer (...) oft über ein großes Maß an Freiheitsliebe« verfügen und ihnen »die Übernahme unseres Verständnisses von Disziplin (...) nicht leicht« fallen würde. Das Buch ist von Autoren und Aus bildern der Industrie- und Handelskammer (IHK) verfasst. Diese nimmt die Sach kundeprüfungen zur Bewachungserlaubnis ab, bekannt als »§ 34 a-Schein«. Wenn dieses Menschenbild Teil der Ausbildung für Securitykräfte ist, verwundert es wenig, wenn wir regelmäßig von Gewalt und Machtmissbrauch in Unterkünften für Geflüchtete oder öffentlichen Verkehrs mitteln lesen. Denn die Selbstwahrneh mung als fortschrittlich und zivilisiert
gehört ebenso zur rassistischen Weltsicht wie einfache Projektionen gegenüber »den Anderen«.
Im Kontext deutschland- und europaweiter ras sistischer Mobilisierungen befassen sich viele Debatten der letzten Jahre regelmäßig implizit oder explizit mit dem Thema Sicherheit — gerade jene, die sich um die Schlagwörter Migration, Asyl, Integration oder einer ethnisierten und ethnisierenden Lesart von Kriminalität bewegen. Das Thema Sicherheit ist allgegenwärtig, denn alle wollen in Sicherheit leben — was auch immer das genau bedeuten soll. So passt es ins Bild, dass u. a. Kampfsportvereine wie »K4 Alliance« in Brandenburg Sicherheitsausbildungen und -kurse anbieten und gleichzeitig in einem Werbe video über ihr beworbenes Verteidigungssystem »Slow Motion« angeben, um »ihre Familien schüt zen zu können«. In den Kreisen der »K4 Alliance« bewegte sich zeitweilig auch der Neonazi-Kampf sportler Martin M.1 Weiterhin wird durch die breite Verfügbarkeit von Pfefferspray in Drogerien oder die regel mäßige Berichterstattung über Geflüchtete und Migration im Kontext von Kriminalität deutlich: Die Facetten dieser Denkart werden medienver mittelt immer wieder mit den Begriffen der »Ängste und Sorgen« assoziiert und haben aus guten Gründen aber mit den falschen Konsequenzen in den letzten Jahren eine mediale und politi sche Aufmerksamkeit bekommen, die ihresgleichen sucht. 1
gl. u. a.: Facebook Posting von »Bernauer Fightnight« V am 16. Juni 2015: »Vielen Dank an das K4-Zentrum und Martin Muckwar für unseren diesjährigen Trailer.« und http://antifa-nordost.org; »Weißensee: Neonazi- Aktivist Martin Muckwar kämpfte beim MMA-Turnier ›Sprawl & Brawl‹ Nr. 2«, 6. April 2016.
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Bedarf nach Sicherheit
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So können sich RassistInnen und Neonazis über einen vermeintlich empathischen und die ent sprechenden Ängste und Sorgen ernst nehmenden Umgang öffentlich als MacherInnen und Beschüt zer*innen wahlweise der Nation, des Volkes oder der Frauen präsentieren. Sie vertrauen nicht auf den Staat, sondern nehmen das Recht — Stich wort Bürgerwehr oder Widerstand — in die eigenen Hände. Schauen wir uns die Folgen dieses Wirkens an, stellen wir fest, dass sich Neonazis und ihre Sympathisant*innen in der jüngeren Vergangen heit selten so erfolgreich in der Um- und Durch setzung ihrer gewalttätig artikulierten Vor stellung von Sicherheit erlebt haben wie in den letzten Monaten und Jahren der rassistischen Mobilisierungen in Freital, Heidenau, Köthen, Chemnitz und anderswo.
Original-Artikel abrufbar unter www.antifainfoblatt.de/artikel/%E2%80%9Esicher heit%E2%80%9C-als-diskurs-und-aktionsfeld-von-rassistinnen-und-neonazis
In den letzten Jahren sind einige Fälle bekannt geworden, in denen sich Mitarbeiter*innen von SecurityFirmen rassistisch verhalten haben. Demnach wurde Menschen kein Zutritt zu Veranstaltungen gewährt, sie wurden beleidigt oder angegriffen, weil sie offensichtlich nicht in das rassistische und/oder menschenverachtende Weltbild des Sicherheitspersonals passten. Ursächlich für das Agieren der Security scheinen existente extrem rechte Einstellungsmuster zu sein oder enge Verbindungen zur neonazistischen Szene. Folgende Situationen und Vorkommnisse sind nur beispielhaft ausgewählt, um aufzuzeigen, inwiefern dies auch in Thüringen ein wichtiges Thema ist. MOBIT und auch ezra, die Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, zählen u. a. in ihren Chroniken diese Fälle, um sie abzubilden. Mitgedacht werden sollte dabei die
hohe Dunkelziffer an nicht gemeldeten Fällen. Dies fußt unter anderem auf Schwierigkeiten beim Melden: Personen werden bedroht und angegriffen, Betroffene oder Beobachter* innen wollen anonym bleiben oder es folgen keine Konsequenzen für die Täter*innen. Bei Bedarf an Beratung sowie beim Melden von Vorfällen kann sich jederzeit an ezra und MOBIT gewendet werden. 20 10 –20 1 3
Gera: Rücktritt von Präsident des Fußballvereins Der Präsident des Fußballvereins BSG Wismut Gera, Sicherheitsunternehmer von Alpha Security und Kampfsportler, Lars Weber, tritt nach mehreren Vorwürfen und vielfacher öffentlicher Kritik bezüglich seiner Verbindung in neonazistische Kreise von seinem Amt zurück. Eine Schmer
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Chronik der Vorfälle in Thüringen
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zensgeldklage von Weber aufgrund der öffentlichen Bezeichnung seiner Person als Nazi wurde vom OLG Jena 2009 abgewiesen. Q u e l l e n: J ü d i s c h e A l l g e m e i n e , Z e i t o n l i n e , OT Z , TA Z
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Erfurt: Rassistischer Ausschluss in Erfurter Club Vor einem Erfurter Club kommt es zu einer rassistischen Einlasskon trolle durch das dort beschäftigte Sicherheitspersonal. Eine Person wurde aufgrund ihres nicht-deutschen Personalausweises der Eintritt zur Veranstaltung verwehrt. Q u e l l e : P e r s ö n l i c h e K o n tak ta u f n a h m e , s i e h e E r fa h r u n g s b e r i c h t
1 3. Ja n u a r 20 1 6
Pößneck: Übergriff auf Geflüchtete An einem Supermarkt im Stadtzentrum beleidigten zwei junge Männer einen Geflüchteten und eine weitere Begleitperson. Nach der verbalen Auseinandersetzung wurde die Begleitperson von einem der Angreifer zu Boden geschubst. Nachdem die im Supermarkt anwesenden Sicherheitsdienstmitarbeiter die Hilfe verweigerten, schritt eine Passantin ein. Der Vorfall wurde von der Polizei aufgenommen. Q u e l l e n: I n i t i at i v e f ü r F l ü c h t l i n g e i m SO K , e z r a , OT Z
1 8. S e p t e m b e r 20 1 6
Erfurt: Rassistischer Angriff In einem Club in Erfurt kam es zu einem rassistischen Angriff. Drei Freunde wurden auf der Tanzfläche von einer Gruppe rassistisch beleidigt und dann angegriffen. Einer der Betroffenen bekam einen Faustschlag ins Gesicht und wurde anschließend am Boden liegend getreten. Die Security des Clubs beförderte sowohl die Betroffenen wie auch die Angreifer aus dem Club. Die eintreffenden Polizeibeamt*innen verlangten von den Betroffenen Ausweise und Alkoholtests. Die Angreifer standen in unmittelbarer Nähe, doch die Beamt*innen reagierten trotz Hinweisen der Betroffenen nicht. Einer der Betroffenen musste im Krankenhaus stationär behandelt werden. Quelle: ezr a
20. Augu s t 20 17
Jena: Vier Männer aus Syrien werden vom Sicherheits personal einer Bar angegriffen In einer Lokalität in Jena kam es am 20. August 2017 zu einem Angriff vom Sicherheitsdienst des Lokals auf vier junge Männer aus Syrien. Den Betroffenen wurde der Zugang zur Lokalität durch das Sicherheitspersonal verwehrt. Die vier Männer beschwerten sich darüber und baten um Aufklärung. Daraufhin ging
Q u e l l e : J e n a e r Na c h r i c h t e n
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Thüringenweit: Neonazi-Hools als Security-Mitarbeiter bei zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen Der MDR deckte auf, dass Mitglieder der Neonazi-Hooligan-Gruppierung »Jungsturm« bei diversen Festivals und Veranstaltungen als Sicherheitsmitarbeiter tätig waren. Außer dem stellten sie zum Teil das Sicherheitspersonal auf Kampfsportevents in Erfurt und Umgebung. Mitglieder des »Jungsturm« wurden wegen »Bildung e iner kriminellen Ver einigun« angeklagt. Drei der vier Angeklagten wurden zu jeweils zwei Jahren und vier Monaten und zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der vierte Angeklagte wurde nach Jugendstrafrecht zu zwei Jahren verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Von allen vier Angeklagten wurde bis zum März
2021 Revision eingelegt, das Ver fahren läuft derzeit noch (Stand: 31.10.2021). Q u e l l e : MDR
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Suhl: Sicherheitsdienst greift geflüchtete Bewohner*innen an In einer Erstaufnahmeeinrichtung für geflüchtete Menschen kam es zu einem gewalttätigen Übergriff auf Bewohner*innen von drei Mitarbeitern des dort zuständigen Sicherheitsdienstes. Gegenüber einer Bewohnerin und einer weiteren Familie der Unterkunft wurde massive Gewalt angewendet. Eine Betroffene wurde im Beisein ihrer Kinder geschlagen, auf den Boden gedrückt und ist an den Haaren gezogen worden. Die Gewalteskala tion der Security zog einen Einsatz der Polizei und des Rettungsdienstes nach sich. Q u e l l e : F l ü c h t l i n g s r at T h ü r i n g e n
2 1 . M ä r z 20 2 1
Jena: Querdenken-Aktivist als Security-Unternehmer Ein Aktivist der verschwörungsmythischen und Pandemie-leugnenden Gruppierung Querdenken in Weimar arbeitete als Sicherheitspersonal in einer Firma, die von der Stadt Jena mehrfach für Veranstaltungen gebucht wurde. Quelle: Soziale Medien
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e iner der Sicherheitsangestellten auf einen der Männer aus Syrien los und stieß ihn gewaltvoll. Beim Fallen brach sich der Geschädigte zwei Finger. Weiteres Sicherheitspersonal kam hinzu und griff zwei weitere Personen aus der Gruppe an. Einer der Geschädigten erlitt eine Platzwunde über dem rechten Auge. Ein weiterer am Knie verletzt. Zwei der Betroffenen mussten in der Notaufnahme des Uniklinikums behandelt werden.
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Suhl: Sicherheitsdienst beleidigt und bedroht Bewohner*innen einer Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes am Eingang einer Erstaufnahme einrichtung für geflüchtete Menschen beleidigte Bewohner*innen der Unterkunft mehrfach und drohte diesen verbal und körperlich. Nach Aussagen der Betroffenen sei dieser Mann des Sicherheitsdienstes dafür bekannt. Q u e l l e : La g e r wat c h T h ü r i n g e n
ber ich t e von bet roffenen
Berichte von Betroffenen
Im Folgenden soll ein kurzer Einblick auf die Perspektiven von Betroffenen erfolgen. Hierfür lassen wir drei Personen mit unterschiedlichen Erfahrungskontexten zu Wort kommen. Der erste Textausschnitt behandelt die rassistische Einlasspolitik und wie es einem Menschen verwehrt wird, auf eine Party zu gehen, weil die Türsteher*innen aufgrund von rassistischen Motiven ausgrenzend handeln. Der zweite Teil beschreibt die Schwierigkeit, als linke Person eine Veranstaltung zu besuchen, welche von offensichtlich extrem rechts eingestelltem Securitypersonal begleitet wird. Im dritten Text geht es um das Auftreten von offensichtlich extrem rechtem Sicherheitspersonal in vermeintlich linken Lokalitäten. Eine Option des Umgangs kann die Inanspruchnahme der Beratung von ezra sein. Dort findet eine Beratung für Betroffene rechter, rassisti-
scher und antisemitischer Gewalt statt. Näheres dazu findet sich im Teil zu Handlungsoptionen, der Kontakt ist am Ende der Broschüre in der Linksammlung aufgelistet. E r fa h ru ng s b e r ic h t 1
Tamer Düzyol Einfach tanzen gehen … Einfach mal ausgehen, tanzen gehen, Spaß haben. Eine große Herausforderung? Eigentlich nicht. Sollte man glauben. Ich bin kein Party-Löwe. Meine Party-Gänge begrenzen sich im Jahr auf eine überschaubare Zahl, aber als ich von einer queeren Party in einer Location auf dem Erfurter Anger hörte, wollte ich einfach mal die Gelegenheit nutzen, eine queere Party zu besuchen. Schließlich sind queere diskriminierungsfreie Lebensräume auch in Erfurt begrenzt.
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Am 2. September 2012 ging ich zur Partylokalität und zeigte wie alle Partybesucher*innen meinen (nichtdeutschen) Personalausweis zur Altersfeststellung – so wurde das zumindest begründet. Der kahlköpfige und kräftig wahrgenommene Türsteher verwehrte mir den Eintritt. Als ich nach dem Grund fragte, zeigte er auf den Halbmond und Stern auf meinem Personalausweis. Der Vorfall verletzte mich nicht nur, sondern er gab mir das Gefühl, minderwertig und ein halbwertiger Mitmensch zu sein. Gleichzeitig kochte in mir die Wut. Am 4. September schrieb ich als Teil der Hochschulgruppe AntiRa Campus Erfurt den Party-Betreiber und die Party lokalität an. Während der Party betreiber sich in seiner E-Mail entschuldigte und sich gegen Diskriminierung positionierte, aber zukünftig auch weiterhin seine Partys in der jeweiligen Location veranstaltete, meldete sich der Club erst auf eine zweite Mail und gab an, dass der Vorfall »nichts mit einem rassisti sche[n] Handlungsmuster oder ähn lichem zu tun« habe. Ein persönliches Gespräch mit mir im Beisein der Opferberatungsstelle ezra wurde vom Club-Betreiber abgelehnt. Der Betreiber hat trotz Ignoranz auch das Security-Unternehmen, das den Einlass in die Location regelt, über den Vorfall in Kenntnis gesetzt. In der Korrespondenz konstruierte das Security-Unternehmen eine Lüge anhand von Vorurteilen über türkische und weitere nicht-deutsche
männliche Partygänger: »Die Person, die an diesem Abend keinen Einlass erhalten hat, war bekleidet mit einer Trainingshose und konnte außerdem auch keinen Ausweis zur Altersprü fung vorzeigen. Allein einer dieser beiden Gründe reicht aus, um den Zutritt zu verweigern.« Sowohl der Club als auch die dort veranstalteten Partys waren ab diesem Zeitpunkt No-go-Lokalitäten für mich. Dennoch verfolgte mich das Thema weiterhin, weil Freunde aufgrund ihres ausländischen Personalausweises, ihres Aussehens und insbesondere ihrer Hautfarbe nicht in die zentrale Partylokalität Erfurts eingelassen wurden, immer mit kreativen Begründungen wie z. B.: »Heute werden nur bekannte PartyBesucher eingelassen.« Tanzen gehen ist halt auch in Erfurt eine Frage der Privilegien. E r fa h ru ng s b e r ic h t 2
Anonym Ich hatte überlegt, ein Thüringer Festival zu besuchen, weshalb ich mir alte und aktuelle Beiträge dazu anschaute. Nach kurzem Klick auf die öffentlichen Profile des dort arbeitenden Securitypersonals wurde deutlich, dass diese offensichtlich mit extrem rechten Inhalten und Personen sympathisieren. Aus meiner Sicht passte dies einerseits nicht zu dem Anspruch des Festivals, nämlich Haltung zu zeigen, und andererseits nicht zu den Werten wie Welt
Worte und schrieb, dass ich bald Post bekommen würde – also vermutlich eine Anspielung auf eine Anzeige gegen mich. Diese Nachricht bedeutete für mich, dass die Veranstaltenden mindestens unachtsam mit meinen persönlichen Daten umgegangen sind und meine Mail anscheinend unbedarft an die Security-Firma weitergaben, die diese wiederum an die Mitarbeitenden weiterleitete. Die ganze Situation wurde aus verschiedenen Gründen für mich bedrohlich. Ich habe mich daraufhin an MOBIT und ezra gewandt, seitdem lief die Kommunikation mit der Festival leitung über diese beiden Stellen. Ziel war ein klärendes Gespräch, um zum einen darauf hinzuwirken, dass das Festival bei der Auswahl der Security auf bestimmte Aspekte achtet, aber auch zum anderen, dass die Veranstalter*innen verstehen, in welche unangenehme und gefährliche Lage sie mich gebracht haben. Ein Gespräch ist nie zustande gekommen, trotz mehrfachen Anrufens und Mailens. Die Festivalleitung zog sich offensichtlich aus der Verantwortung. Aussitzen als Taktik beschreibt das Verhalten für mich am besten. Ein Problembewusstsein für die zuvor beschriebene Situation scheint es nicht gegeben zu haben. Das ist frustrierend und macht mich wütend. Es stellt sich, wie so oft, die Frage: Muss immer erst was passieren, ehe (re-)agiert wird?
ber ich t e von bet roffenen
offenheit, Toleranz und Vielfältigkeit, welche von dem Veranstaltungsteam nach außen vertreten werden. Aufgrund dessen war meine Erwartungshaltung, dass es für die Problematik mit der Security eine gewisse Sensibilität gibt und es auch im Interesse des Festivals ist, keine Personen mit (extrem) rechtem Hintergrund als Security im Einsatz zu haben. Für mich sind das Gründe, warum ich mich nicht sicher auf dem Festival fühlen und entsprechend von einem Besuch absehen würde. Ich entschied mich, die Veranstaltenden per Mail darauf aufmerksam zu machen und fragte, wie im Vorfeld besser auf die Auswahl der Security geachtet werden kann. In der Antwort wurde ich dann lediglich gefragt, ob ich die Mitarbeitenden-Nummer kennen würde und wenn nicht, könne ich sie mir ja im nächsten Jahr (!) notieren. Die Antwort wirkte auf mich abwimmelnd und desinteressiert, dennoch blieb ich dran, um den Veranstaltenden nochmal bewusst zu machen, welche Ideologie hinter den Inhalten in den Profilen steht. Folglich schickte ich die Screenshots, die auf extrem rechte Inhalte hindeuteten und auf denen Profile mit teilweise zu erkennenden Klarnamen abgebildet waren, an die Veranstaltungsleitung, da die Mitarbeitenden-Nummer der Personen nicht ersichtlich war. Kurz darauf erhielt ich auf meinem privaten Facebook-Profil eine Nachricht von einem der Mitarbeiter auf den Fotos. Er bedankte sich für die »schönen«
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Anonym
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Es war wieder mal einer der Abende, an dem ich mich entschied, im Erfurter Norden auf eine Veranstaltung zu gehen. Mein Ziel war ein Laden, in dem es Konzerte, Abende zum Tanzen und Feiern gibt – subkulturell angehaucht und immer wieder für alternative Veranstaltungen genutzt. Also stehe ich an der Tür und sehe schon einen großen Typen, der sich vor mir aufbaut. Ein kurzer Blick auf ihn sagt mir, dass er uns nicht heute – und an anderen Tagen auch nicht – hier schützen wird. Abge sehen von seinem sehr männlichdominanten und einschüchternden Auftreten sagt mir seine Bauchtasche mit Thor-Steinar-Logo, dass mit ihm nicht gut Kirschen essen ist. Eine Neonazi-Klamottenmarke, die ich nicht an Türsteher*innen sehen will, die Locations »schützen« sollen, die ich aufsuche. Zuerst frage ich mich natürlich, was mit der Location los ist. Ob das den Betreiber*innen nicht wichtig ist oder ob sie einfach keine Ahnung haben. Und dann denke ich nicht weiter darüber nach, weil ich mich damit beschäftigen muss, was ich nun ganz akut in der Situation tun will oder muss. Schließlich entschied ich mich zu gehen, weil für mich in Bedrohungssituationen entspanntes Feiern nicht möglich ist. Wenn ein Türsteher eine Thor-Stei nar-Gürteltasche trägt, ist das ein
klares Zeichen. Nicht nur für ihn und seine Nazi-Kumpels, sondern eben auch für jene, die das als Gefahr erkennen und sehen und sich davon bedroht fühlen. So offensichtlich es auch ist, so klar bedeutet das auch für jene, die als potenzielle Feindbilder gelten und damit ein Problem haben, dass durch diese Person kein Schutz gewährleistet werden kann. Wer schützt mich, wenn ich ein Problem mit anderen Partygästen habe? Würde ich mich an den Neonazi-Türsteher wenden? Ganz sicher nicht. Lässt er im schlimmsten Fall noch seine Nazi-Kumpels rein, die sich dann auf der Party frei bewegen können? Mit entspanntem Feiern hat das rein gar nichts mehr zu tun. Eine sichere Party war das für mich nicht, auch aus dem Grund, dass dieser Türsteher durch seine Position über andere linke Locations in der Gegend erfuhr und nebenan zum Beispiel nach Kippen fragte. Türschutz für alle ist hier die Frage. Sicherlich nicht für diejenigen, die mit Neo nazis und anderen rassistischen, sexistischen Personen ein Problem haben. Erfurt machts möglich – Türschutz für Nazis und ihren Freund*innen.
Ein Interview
Im Folgenden möchten wir ein Sicherheitsunter nehmen aus Thüringen vorstellen, das sich selbst Leitlinien gesetzt hat, um zu einer offenen und diskriminierungsfreieren Event-Kultur beizu tragen. Wir haben einige Mitarbeiter*innen von Black Lynx interviewen dürfen. MOBIT: Könnt ihr euch kurz vorstellen? Als Black Lynx Sicherheitsunternehmen vertretet ihr eine bestimmte Policy. Welche ist das und wie kommuniziert ihr diese an Veranstaltende und Personen, die euch buchen? Black Lynx: Wir sind Black Lynx, eine in Jena ansässige professionelle Event- und Sicherheitsfirma mit dem Streben, die Welt menschlicher und sicherer zu machen. Unsere Leitlinien (Policy) sind Gleich berechtigung, Offenheit, Toleranz und Vielfalt. Das bedeutet auf der einen Seite, dass wir Menschen, die diskrimi nierende Einstellungen offen vertreten, konsequent von den von uns betreuten Veranstaltungen ausschließen. Auf der
best pr act ice im sicher hei t sgew er be
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best pr act ice im sicher hei t sgew er be
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anderen Seite bedeutet dies, dass wir den Anspruch haben, uns mit unseren eigenen diskri minierenden Einstellungen auseinanderzusetzen und uns in diesem Bereich weiterzubilden. Diese Werte kommunizieren wir stets den Veranstalten den und verdeutlichen so unseren Standpunkt. Meist ist dies aber bereits bekannt und der eigentliche Grund, weshalb wir gebucht wurden. Es erfolgt also immer ein Vorgespräch mit den Veranstaltenden. In diesem legen wir fest, welche Einstellungen und Merkmale auf der Veranstaltung unerwünscht sind und arbeiten dann gemäß diesen Entscheidungen. MOBIT: Wie kam es dazu, dass ihr euch so positioniert? Woher kommt dieses Konzept bzw. war das schon von Beginn an so? Black Lynx: Wir positionieren uns aktiv gegen Diskriminierung in jeglicher Form, weil es uns ein Anliegen ist, dass sich alle Menschen auf einer Veranstaltung wohlfühlen. Das kann aber nur passieren, wenn von Diskriminierung betroffene Menschen nicht ständig mit Übergriffen oder sonstigen Formen der Ausgrenzung rechnen müssen. Einen maßgeblichen Ein fluss darauf hat wiederum das Personal vorne an der Tür. Das Konzept dazu hat sich in gewisser Weise über einen Zeitraum entwickelt. Es fiel einerseits auf, dass in der SecurityBranche viel zu selten ein Fokus auf Arbeit gegen Diskriminierung gelegt wird. Andererseits erfuhren wir auch von Veranstaltenden, dass sie nicht wussten, wen sie als Security buchen sollten, wenn sie einen speziellen Bedarf an Bewusst sein bezüglich Diskriminierung hatten.
MOBIT: Welches Feedback bekommt ihr von Veranstalter*innen, wenn es darum geht, gegen Diskriminierung und Neonazis zu sein und dies auch praktisch in der Eventkultur umzusetzen? Black Lynx: Ja, unsere Einstellung gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und andere menschenverachtenden Haltungen ist oft der Grund, warum wir gebucht wer den. Wenn wir dann einmal mit der Arbeit begonnen haben, erhalten wir meistens das Feedback, sehr freundlich und achtsam sowie professionell und flexibel bezüg lich der Wünsche unserer Kund*innen zu arbeiten, so dass bei der nächsten Buchung in der Regel mehrere Gründe dafür s prechen, sich erneut an uns zu wenden.
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So hat sich diese Crew zusammengefunden mit dem Leitsatz, eben diesen Fokus zu bieten. Des Weiteren wollen wir nicht mit Kol leg*innen an der Tür stehen, die nicht unsere Werte teilen. Deshalb wählen wir unsere Mitstreiter*innen entsprechend sorgfältig aus. Mit der Zeit hat sich unser Konzept immer weiterentwickelt und wir haben diverse Workshops zu ver schiedenen Themen organisiert wie z.B. Sexismus. Parallel sind wir gerade dabei, einen Leitfaden für unsere neuen Kolleg* innen zu entwerfen, um unsere Ansprüche transparent und greifbar zu machen. Wenn wir mit anderen Security-Firmen zusammenarbeiten, dann achten wir natür lich darauf, dass diese ähnliche Werte vertreten. Wir kennen deutschlandweit einige Sicherheitsfirmen, die sich eben falls gegen Diskriminierung einsetzen und stehen zum Teil mit ihnen in Kontakt.
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An dem Punkt muss man jedoch klar sagen, dass auf Veranstaltungen jegliche Positionierungen nur mit den Veranstalter*innen zusammen gelin gen können. Das heißt, wenn wir eine Person nicht reinlassen, da diese durch z. B. rassistische Äußerungen aufgefallen ist, und die Veranstal tenden danach diese Person durch eine Hintertür reinlassen, funktioniert unser Konzept nicht. Deshalb arbeiten wir mit den Menschen vor Ort stets eng zusammen, und wenn eben diese Zusam menarbeit gelingt, können wir die festgelegten Ziele optimal umsetzen. Das bedeutet für uns, eine Veranstaltung zu begleiten, auf der alle Besucher*innen, Gäste und Teilnehmenden eine schöne Zeit haben. In diesem Zuge bekommen wir des Öfteren sowohl von den Veranstaltenden als auch von einzelnen Gästen für unsere Arbeit ein sehr positives Feedback. Zudem spricht es sich langsam herum, dass es uns gibt, und so bekommen wir aktuell immer mehr Anfragen. MOBIT: Wenn ihr nun gebucht wurdet, was heißt das konkret in der Praxis? Was macht ihr anders als andere Firmen? Black Lynx: Wenn wir an der Tür stehen, gibt es keine dummen Sprüche, Anmachen oder Ähnliches unseren Gästen gegenüber. Wir verhalten uns professionell und beurteilen Menschen z. B. nicht nach ihrem Hautton. Bei uns ist vor allem ein erstes Gespräch zum Abchecken ausschlaggebend für die Beurteilung. Prinzipiell geben wir jedem Menschen eine Chance, bei uns in die Location zu kommen. Ausgenommen hiervon sind Personen, die sich durch ihre Kleidung oder ihre Tattoos dis qualifizieren. Wer also einschlägige Kleidung von extrem rechten Marken trägt, bekommt keinen Zutritt bei uns. Außerdem arbeiten wir sehr eng mit den Veranstaltenden und im besten Fall auch mit Awareness-Strukturen zusammen. Das heißt,
MOBIT: Vielen Dank für das Interview und für eure Arbeit!
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wir versuchen, bei Vorfällen in Abstim mung mit allen Betroffenen eine für uns alle praktikable Lösung zu finden; wir spielen also nicht Sheriff, sondern handeln vor allem nach den Wünschen der betroffenen Personen. Aber bucht uns doch e infach, dann werdet ihr merken, wie wir arbeiten.
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Was tun? Handlungsoptionen und Forderungen
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Organisator*innen einer Veranstaltung engagieren eine Sicherheits firma, weil sie wünschen, dass sich alle Besucher*innen frei, sicher und unbeschwert auf dem Event bewegen können. Wenn Mitarbeiter*innen einer Securityfirma oder Teile davon rassistisches oder neonazistisches Gedankengut teilen, ist davon auszugehen, dass ihre Ideologie auch ihre konkrete Arbeit beeinflusst und dadurch bestimmte Personengruppen eher gefährdet als geschützt sind. Der Schutz von Betroffenen und potenziell Betroffenen sollte jedoch unbedingt Priorität haben. Deshalb: Welche Handlungsschritte und Maßnahmen können Veranstalter*innen im Vorfeld berücksichtigen, damit die engagierte Securityfirma nicht selbst zum Teil eines Sicherheits problems wird? Welche intervenierenden Maßnahmen bei Vorfällen während der Durchführung eines Events sind denkbar? Und wie kön-
nen Organisator*innen nachhaltig Stellung für Demokratie, Vielfalt und Solidarität beziehen? Aber auch: Was können Betroffene tun oder diejenigen, die beobachten oder verhindern wollen, dass problema tisches Sicherheitspersonal im Einsatz ist? Im Folgenden finden Sie allge meine und konkrete Empfehlungen, die anschließend anhand eines Fragenkataloges für die Veranstalter*innen im Vorfeld überprüft werden können. Die Homepage einer Sicherheitsfirma kann wertvolle Informationen liefern, um eine Einordnung derselben vorzunehmen. Neben der Beschreibung des jeweiligen Angebotes können sich hier (bisher noch in seltenen Fällen) Werteverständnisse und Positionierungen für eine vielfältige, offene und solidarische Gesellschaft
Möglicherweise sind ehemalige Auftraggeber*innen der Sicherheitsfirma auf der Homepage und in sozialen Medien verzeichnet. Ist der Zugang zu ehemaligen Auftraggeber*innen niedrigschwellig, können dort Erfahrungswerte eingeholt werden.
anderen menschenverachtenden Äußerungen und Handlungen der Securitymitarbeiter*innen festgeschrieben sein. Zeichen, Symbole und Codes der extrem rechten Szene können in eine vertragliche Untersagung mit einbezogen werden, auch wenn sie keine strafrechtlich relevanten Inhalte/Symbole aus drücken.
Zudem können Auftraggeber*innen, die eine Veranstaltung planen, ihre eigenen Mitarbeiter*innen in ihrer Haltung stärken, indem gemeinsam ein Leitbild, eine Philosophie oder ein Selbstverständnis (Policy) entAuch für politische Mandatsträger* wickelt wird, die ein Werteverständinnen und Verwaltungen gilt erhöh- nis im Sinne von Diversität, Antidiste Aufmerksamkeit, wenn auf Kom- kriminierung und Solidarität festmunal- oder Landesebene Aufträge hält. Diese Basis kann Handlungs an Sicherheitsfirmen vergeben wer- sicherheit für die Mitarbeiter*innen den – insbesondere bei der Absiche- im Umgang mit ihren Kolleg*innen rung von Geflüchtetenunterkünften, oder im Umgang mit entsprechenda diese als privater Schutzraum den Vorfällen auf der Veranstaltung fungieren. geben, wenn es um die Meldung von diskriminierenden oder übergriffigen Vorfällen geht. Scheint das offen Einsehbare im Netz (Homepage, Facebook, InstaVeranstalter*innen können für sich gram usw.) und die Erfahrungs ein konkretes Handlungskonzept berichte zu der Securityfirma in erarbeiten und sich dazu auch Ordnung, kann es dennoch zu pro beraten lassen. Dazu gehört auch, blematischen Zwischenfällen kommen. Um dagegen adäquat gewapp- in welcher Situation welche Handlungsschritte eingeleitet werden net zu sein, können bereits in den Vertragsregeln festgesetzte Konse sollten, wie die Kommunikationsstruktur der Veranstalter*innen mit quenzen im Fall von rassistischen, antisemitischen, nationalistischen, dem Ort und der Security aussieht, sexistischen, homofeindlichen und und es können auch Worst-Case-
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finden, die dem*der Auftraggeber*in wichtige Aspekte zur Haltung des Unternehmens preisgibt. Für Auftraggeber*innen sollte diese Praxis der Vorabinformation zu den Standards zählen.
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Szenarien durchgesprochen werden. Das dient dazu, mehr Sicherheit im Umgang mit verschiedenen Situationen zu erlangen.
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Das Erkennen von menschenver achtenden Botschaften erfordert ein Mindestmaß an Kenntnissen über die Codierung, Anspielungen und inhaltlichen Hintergründe zu den getragenen oder abgebildeten Symbolen. Hierfür bieten verschiedene Bildungsträger – z. B. MOBIT – Fort bildungen an, die kostenfrei für die Leitungsebene und die Mitarbeiter* innen der Veranstaltung organisiert werden können. Ebenso können sich Veranstalter* innen Unterstützung durch enga gierte Menschen vor Ort, die sich mit der lokalen Neonazi-Szene auskennen, einholen. Nicht alle müssen alles wissen und es kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass Veranstalter*innen und/oder Security-Mitarbeiter*innen jede rechts zu lesende Kleidungsmarke oder jede*n Neonazi (er-)kennen. Deshalb ist eine breit aufgestellte Unterstützung im Identifizieren von Personen und Symbolen auch eine gute Möglichkeit zu einem erleichterten Umgang mit schwierigen Situationen. Es können Unterstützungs- und Meldestrukturen für die Anzeige
von Beleidigungen, Bedrohungen oder Übergriffen geschaffen werden. An erster Stelle gilt, dass die Perspektive von Betroffenen ernst genommen und nicht relativiert werden sollte. Dies verringert die Hürde des Meldens. So können z. B. AwarenessTeams organisiert werden. Das ist eine Gruppe von Personen, die während der Veranstaltung ansprechbar ist und Betroffene und Beobachter* innen akut unterstützt. Optimal wäre eine enge Zusammenarbeit zwischen Securitymitarbeiter*innen und Awareness-Team. Wichtig hierbei sind auch sichtbar platzierte Hinweise, um aufzuzeigen, wer bei der Veranstaltung ansprechbar ist. Denkbar ist außerdem die Benennung einer konkreten Kontaktperson (die zum festen Veranstalter* innen-Kern/Team gehört) auf der Homepage und in den sozialen Medien, um im Nachgang der Ver anstaltung einen Vorfall zu melden. Sollten dann Hinweise über eine nicht diskriminierungsfrei agierende Securityfirma oder einzelne Mit arbeitende gemeldet werden, ist konsequentes Handeln seitens der Veranstalter*innen entsprechend den Vertragsregeln und der Policy erforderlich. Betroffene und/oder Beobachter* innen von Übergriffen können sich in bzw. auch nach dem Vorfall direkt Unterstützung in Form von Freund* innen, vertrauten Partygästen oder andere Personen, suchen. Falls es
Grundsätzlich möchten wir an dieser Stelle die dringende Empfehlung aussprechen, sich im Fall von Übergriffen und Bedrohungen an das Projekt ezra – Beratung für Betrof fene rechter, rassistischer und anti semitischer Gewalt in Thüringen zu wenden. Sie bietet Gespräche zur Aufarbeitung individueller Tatfolgen, umfangreiche Beratungen und Unterstützungen zu rechtlichen Fragen und bei juristischen Ausein andersetzungen (z. B. Prozessbegleitung) an. Daneben richtet sich das Beratungsangebot auch an Angehörige von Betroffenen als auch an Zeug*innen von rassistischen, antisemitischen und menschenverachtenden Übergriffen. Die Beratung ist kostenfrei, niedrigschwellig und kann in verschiedenen Sprachen erfolgen. In der Linksammlung am Ende finden sich konkrete Kontaktmöglichkeiten.
Wenn es trotz aller Vorbereitungen, Weiterbildungen, einem eingesetzten Awareness-Team und sensibler Security zu Vorfällen gekommen ist, denn diese können immer passieren, empfiehlt sich eine intensive Nachbereitung der Veranstaltung. Das Einräumen von eigenen Fehlern und das Besprechen in produktiver Weise kann zu einem Reflexions prozess gehören. Hierbei kann die Sichtweise von Betroffenen gute Hinweise liefern, künftig ähnliche Fehler zu vermeiden.
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ein Awareness-Team gibt (siehe oben) kann sich auch an dieses gewendet werden – diese Menschen sind genau für solche Fälle die richtigen Ansprechpartner*innen und handeln ausschließlich nach den Wünschen der Betroffenen. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich an die Veranstaltungsorganisation auch vor Ort zu wenden, um deren Handlungsspielraum in solchen Fällen zu nutzen und gegebenenfalls die übergriffige/n Person/en von der Ver anstaltung ausschließen zu lassen.
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ch eck 1
Entwicklung eines eigenen Leitbilds (unabhängig von der Überlegung zu einer sicheren Veranstaltung)
■ Wie stehe ich zu Diversität, Antidiskriminierung und Solidarität checkliste
mit Betroffenen von menschenverachtenden Ä ußerungen und Handlungen?
■ Inwieweit kenne ich mich aus mit Erkennungsmerkmalen
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■ Welches Werteverständnis habe ich als Veranstalter*in und wie
enschenverachtender Symbole und Codes und benötige ich m hierfür eine qualifizierende Fortbildung? kann ich eine gemeinsame Philosophie/ein gemeinsames Leitbild mit meinen Mitarbeiter*innen erarbeiten und etablieren?
■ Was bedeutet dies konkret für meine künftigen Veranstaltungen? ch eck 2
Einholen von Informationen über die Auswahl der Security ■ Wie stellt sich das Security-Unternehmen auf seiner Homepage dar?
■ Erfahre ich etwas über Werteverständnisse und Positionierungen? ■ Welche ehemaligen Auftraggeber*innen (eventuell Netzwerk partner*innen) werden benannt und besteht die Möglichkeit, sich dort Erfahrungswerte über die Security einzuholen?
■ Was ist über die Auftritte der Security in den sozialen Medien herauszufinden? Stößt man dort z. B. auf Rezensionen?
c h eck 3
Erarbeitung eines Handlungs konzeptes und V ertragsregeln ■ Wie genau lassen sich die Abläufe bei Vorfällen auf Veranstaltungen festlegen?
■ Wer ist auf Seiten des*der Veranstalter*in im Zweifelsfall verantwortliche*r Ansprechpartner*in?
■ Wer hat das Hausrecht/welche Person spricht Ausschluss aus? ■ Welche Konsequenzen folgen, wenn die Mitarbeiter*innen der Security die Vertragsregeln verletzen?
■ Wen habe ich wie deutlich sichtbar als Ansprechpartner*in
für potenziell Betroffene auf meiner Veranstaltung ausgewiesen?
■ Auf welche Weise kann die betroffene Person bei Bedarf nach einem Vorfall betreut und unterstützt werden?
c h eck 4
Reflexion im Nachgang der Veranstaltung ■ Welche Vorfälle gab es und wie ist damit umgegangen worden? ■ Haben gemeinsam mit Security erarbeitete Handlungsabfolgen/ Kommunikationsstruktur während Veranstaltung funktioniert?
■ Funktionierten Meldestrukturen während/nach Veranstaltung? ■ Welche Verbesserungen können vorgenommen werden?
checkliste
■ Wann genau soll die Security einschreiten, wo sind Grenzen?
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L i t er at u r , A ngeb o t e u n d Ber at u ngs s t el l en
a nh a ng
Anhang
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Quellen und weiterführende Links und Literatur
Gärtner, Birgit (2013): »Rechter Traumjob: Wachschutz« – www. heise.de/tp/features/RechterCoşkun, Olia (2020): »Das Geschäft Traumjob-Wachschutz-3397748. mit der Sicherheit. Extrem rechte html Kampfsportler und die SecuritySpiller, Jens (2019): »Unter Neonazibranche«; in: Claus, Robert (Hrsg.): Securitys auf Festivals: Wer sich »Ihr Kampf. Wie Europas extreme beschwert, gilt als NestbeschmutRechte für den Umsturz trainiert«, zer« – www.vice.com/de/article/ Verlag Die Werkstatt evyyqk/unter-neonazi-securitysAntifaschistisches Infoblatt (2018): auf-festivals-wer-sich-beschwert»›Sicherheit‹ als Diskurs- und gilt-als-nestbeschmutzer Aktionsfeld von RassistInnen Märkische Allgemeine Zeitung und Neonazis«, Nr. 121, 4/2018 – (2019): »Securityfirma eines Neowww.antifainfoblatt.de/artikel/ nazis bewacht KZ-Gedenkstätte« „sicherheit“-als-diskurs-und- – www.maz-online.de/Branden aktionsfeld-von-rassistinnenburg/Sicherheitsfirma-einesund-neonazis Cottbuser-Neonazis-bewacht-KZAntifaschistisches Infoblatt (2018): Gedenkstaette-Sachsenhausen »Rechte Security. Rassisten, MOBIT e.V. (2011): »Handbuch Hooliganns, Neonazis.«, Nr. 121, Versammlungsrecht. Eine praxis4/2018 – www.antifainfoblatt.de/ orientierte Betrachtung für ausgabe/aib-121 Veranstalter und Versammlungsleiter – www.mobit.org/Material/ Handbuch_Versammlungsrecht.pdf
Beratung und Unterstützung MOBIT – Mobile Beratung in Thü ringen. Für Demokratie- gegen Rechtsextremismus, Schiller straße 44, 99096 Erfurt, E-Mail: mail@mobit.org, Telefon: 0361 2192694 ezra – Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und anti semitischer Gewalt in Thüringen, Juri-Gagarin-Ring 96/98, 99084 Erfurt, Telefon: 0361 21865133, Fax: 0361 21863013, E-Mail: info@ezra.de, Jabber: ezra@ jabber.systemli.org Verband progressiver Sicherheits unternehmen – »Als Berufs verband für einen politisch progressiven und ganzheitlichen Ansatz innerhalb der Sicherheits-
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Agentur für soziale Perspektiven e.V.: »Versteckspiel – Lifestyle, Symbole und Codes von Neonazis und extrem Rechten«, Neuauflage 2017 – www.dasversteckspiel.de/ das-projekt/broschuere-8.html Kleffner, Heike, Meißner, Matthias (Hrsg., 2019): »Extreme Sicherheit – Rechtsradikale in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und Justiz«, Verlag Herder. Entnazifizierung JETZT – www.entnazifizierungjetzt.de Lokale antifaschistische Recherchegruppen
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wirtschaft ist unser Ziel die SchafDiskriminierung und Argumen fung möglichst sicherer, gewalttations- und Handlungstrainings und diskriminierungsfreier Räume gegen Rechts – www.netzwerkim Veranstaltungs- und Event courage.de bereich.« – www.security-bundes verband.de Meldestellen (neben MOBIT und ezra)
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Fortbildungsangebote
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RIAS Thüringen – Recherche- und MOBIT e.V. (siehe oben) – Vorträge Informationsstelle Antisemitismus und Fortbildungen zu extrem Thüringen, Dokumentation anti rechten Symbolen, Zeichen und semitischer Vorfälle in Thüringen Codes, zur extremen Rechten in – www.report-antisemitism.de/ Thüringen und zu verschiedenen rias-thueringen anderen Themen im Bereich Online-Wache der Thüringer extrem rechte Gruppierungen Polizei – Seit Juli 2021 können und Ideologien – www.mobit.org/ Strafanzeigen oder Hinweise an bildungsangebote die Polizei in einem Online-Portal DGB-Bildungswerk Thüringen e.V. getätigt werden. Ziel sei es, die (bwt) – Argumentationstrainings, Kontaktaufnahme zu erleichtern Rassismus, Nationalsozialismus, und existierende Hemmschwellen etc. – www.dgb-bwt.de/bildungs zur Anzeige von Straftaten zu angebote/alle-bildungsangebote senken. – www.verwaltung. Netzwerk für Demokratie und thueringen.de/onlinewache Courage (NDC) – Projekttage für Schüler*innen und Fortbildungen für Erwachsene im Bereich
Wir bedanken uns bei allen Menschen, die an dieser Handreichung mitgewirkt haben. Danke den drei Personen, die ihre Perspektiven von ihrer Betroffenheit geschildert haben. Danke an das Antifaschisti sche Infoblatt (AIB) für die Abdruckgenehmigung des Textes. Danke an ezra für die Verwendung ihrer Chronikeinträge. Danke an die Mitarbeiter*innen von Black Lynx für das aufschlussreiche und bestärkende Interview. W eiter so! Ein ganz besonderer Dank gilt einer unserer Beratungsnehmer*innen, die die Idee zur Handreichung hatte und an der Erarbeitung mitgewirkt hat.
danke
Danksagung
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not izen
Notizen
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Gefördert im Rahmen des Bundesprogramms »Demokratie leben« des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie im Rahmen des Landesprogramms denk bunt für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport
Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des TMBJS dar. Für inhaltliche Aussagen tragen die Autor*innen die Verantwortung. Alle Rechte bleiben bei den Autor*innen.
Impressum ▶ h er au s geber: MOBIT e.V., Schillerstraße 44, 99096 Erfurt, E-Mail: verein@mobit.org, Telefon: 0361 2192694 ▶ r eda k t ion: Das Team der Mobilen Beratung in Thüringen. Für Demokratie – Gegen Rechtsextremismus (MOBIT) ▶ f o t o s: mobit e.V., Stefan Heerdegen (S. 8), © Adobe Stock (Dr. Watson) ▶ l ek t or at: Katja Völkel, Dresden ▶ ge s ta lt u ng: © Uwe Adler, Weimar, www.facebook.com/gestaltunguweadler ▶ druck : Fehldruck GmbH, Erfurt
m o b i l e b e r at u n g i n t h ü r i n g e n . f ü r d e m o k r at i e – g e g e n r e c h t s e x t r e m i s m u s
Mobiles Beratungsteam Schillerstraße 44 99096 Erfurt 0361 2192694 mail@mobit.org www.mobit.org www.facebook.com/ mobileberatunginthueringen www.twitter.com/mobile_beratung www.instagram.com/mobit_thueringen
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