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"Herztöne - Das kleine Buch" von Martin Schleske - 978-3-86334-214-2

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Martin Schleske : Geigenbauer

Herztöne Das kleine Buch


Vorwort

Ein uraltes, liebevoll restauriertes Haus an der Stadtmauer von Landsberg am Lech. Martin Schleskes Geigenbau-Atelier auf mehreren Etagen. Unten freundlich einladende Geschäftsräume, darüber die Werkstatt und noch weiter oben das Akustiklabor, Klangraum zum Spielen und Hören der hier gebauten oder reparierten Geigen. Und dann im offenen Dachstuhl unter den schönen alten Holzbalken auf einer kleinen Plattform, die nur mit einer steilen Leiter zu erklimmen ist, etwas ganz Besonderes: das verborgene Herz dieses Hauses, ein Kraft-, Rückzugs- und Ruheort. So etwas wie Abrahams Zelt in der Wüste. Ein Begegnungsraum mit Gott – der Klangraum für Herztöne.

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Nach hier ganz oben zieht Martin Schleske sich immer wieder zurück. Liest in einer der Bibeln, die auf einem kleinen Regal stehen, hört hin, schreibt seine Gedanken in eines der unzähligen Notizbücher, die er schon gefüllt hat. Ein Geigenbauer und Schöpfender, der zutiefst ein Empfangender ist. Mit wachem Geist gegenüber dem Schöpfer dieser Welt, dem er mit seiner Kunst, mit Händen, Sinnen und Verstand dienen will. Ein Alltag zwischen handwerk­ lichen Details, zwischen Holz, Lack, Trocknung, Laptop, akustischen Berechnungen, Verkaufsgesprächen, Vorspielen, Arbeitsteam – und im stillen Dialog mit Gott. Dieses Haus ist der Ort, an dem nicht nur meisterliche Instrumente entstehen, sondern auch immer wieder neu das reift, was Martin Schleske empfängt an Gedanken, Analogien

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und geöffneten Türen hinein in die nicht sichtbare Dimension unseres Lebens. Seit rund 25 Jahren begleite ich nun schon den ganz eigen-artigen Weg dieses besonderen Mannes. Seine Texte in diesem Buch sind genauso wie seine Geigen Einzelstücke und Meisterwerke, die man mit Bedacht genießen muss. Kleine Kostbarkeiten, die nicht in einem Zug gelesen sein wollen wie ein Roman, sondern Früchte aus der Begegnung mit Gott, deren Geschmack man mit wachen Sinnen kauen, nachspüren und in sich zergehen lassen kann. Ich freue mich sehr über dieses Buch!

Ulrich Eggers Geschäftsführer und Verleger SCM Verlagsgruppe, Herausgeber des Magazins »AUFATMEN«

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Das Hören und Schreiben ist für mich eine Form des Betens. Als Geigenbauer kämpfe ich mit dem Holz und seinen Begrenzungen, kämpfe mit meinen handwerklichen Mängeln, meinen eigenen Begrenzungen, kämpfe mit dem Klang und all den Überraschungen. Aber Worte sind anders. Ich kämpfe mit der Wahrheit; ihr Worte zu schenken, geht über das hinaus, was man sich ausdenken kann. Worte sind reine Freiheit, sie sind Träger gei­ stiger Schönheit und Manifestationen dessen, was sich in uns bildet, weil Inspiration und Intuition ihr selbstverständliches Mitspracherecht haben. Und doch sind es zugleich Erfahrungen, die durch die eigene Seele gegangen sind, Gedanken, die durchlebt sind. Hier geht es um beides: Zulassen und Gestalten. Meine Texte sind Übungen des hörenden Herzens. [ 10 ] 8


Der Hรถrende 11,6 x 12,7 cm, 2010


Ich schaffe als Geigenbauer keinen Klang, sondern eine Klangmöglichkeit. Die Geige muss gespielt werden. Sie schaltet sich nicht ohne den Musiker an. Vielleicht muss auch Gott durch den Glauben gespielt werden, und es ist seine atemberaubende Demut, das zu erlauben – denn er fragt: Was bist du bereit zu glauben? Vielleicht schaltet sich die Herrlichkeit Gottes in unserer Welt nicht einfach an, sondern hält Ausschau nach denen, die bereit sind, Gottes­ ermöglicher zu sein. [ 290 ]

: Das Charisma der Musik: Sie führt unsere Seele an ihre innere Quelle. Es ist der Ort, an dem man nichts verstehen, nichts leugnen und nichts fragen muss, denn man ist verstanden. Wenn das geschieht, weiss man, was Musik bedeutet. 11


Es gibt einen Klang, der heilsam ist – einen Klang, der die Kraft und das Recht hat, Dinge in uns zu trösten, zu beleben und zu verändern. Ich glaube, Musik ist uns vom Himmel gegeben, damit wir diese Welt, die uns in vielen Dingen so zusetzt, ertragen können. Ich bin überzeugt: Musik ist letztlich in Klang gegossenes Gebet. [ 43 ]

: »Zeig mir, was ich erkennen soll, ich will es hören. Denn ich weiß, dass nicht der Wissende, sondern nur der Hörende deiner Stimme folgt und dass nur der Suchende sich finden lässt. Ich weiß, dass nur der Liebende deine Liebe begreift. Wenn dich etwas bedrängen darf, mein Gott, dann soll es meine Stille sein.« [ 35 ] 12


Der menschliche Wille ist ein wunderbares Werkzeug, wenn es um das geht, was wir tun – wie das Judentum sagt: »Der Ort des Menschen ist die Tat.« Aber der Wille ist ein ganz und gar unbrauchbares Werkzeug, wenn es darum geht, die eigene Seele zu verändern – als sei unser Wille ein Zauberstab, mit dem wir uns zu dem Menschen machen könnten, der wir gern wären. Unsere maßlosen Forderungen haben keine schöpferische Kraft. [ 30 ]

: Gott hat beschlossen, in unserer Welt der Geglaubte zu sein. Es ist der Glaube, der dem Himmel als eine Erlaubnis gilt. Es ist »natürlich«, dass Wunder geschehen können, sie sind eine Option, die Gott mit der 13


Erschaffung der Welt geschaffen hat. Doch sie bedürfen der Ermöglichung. Das Menschenherz ist ein Empfangsorgan dessen, was der Himmel sendet, und sein Zustand bestimmt, ob es empfangen werden kann. [ 291 ]

: »Gott kann alles tun« ist ein kalt abgebrühter Satz, wenn ihm die Glut des erwartungsvollen Glaubens fehlt. Warum konnte dann der Sohn Gottes nicht alles tun? Warum heißt es von ihm über den Orten: »Um ihres Unglaubens willen konnte er dort nicht viele Dinge tun«?1 Offenbar hat Gott beschlossen, dass sein Wirken – wie es das Wesen der Liebe ist – ein wahres Gegenüber sucht, und dies Gegenüber ist der liebende Glaube, der erwartungsvolle Glaube, der vertrauende Glaube. [ 292 ] 14


Das Leben wird nicht schön, wenn wir glauben, das Außergewöhnliche sei der Normalfall, aber es verliert all seinen Glanz und sein Leuchten, wenn wir das Außergewöhnliche nicht mehr für möglich halten. Wunder sind nicht normal, sondern möglich. Der Glaube ist ein heilsamer Trotz angesichts all der lähmenden Offensichtlichkeiten: Ich will dem Geschehen noch eine weitere Möglichkeit zugestehen. [ 290 · 288 ]

: Ich wage nur, an Wunder zu glauben, weil ich in der gleichen Intensität darunter leide, dass sie so häufig nicht geschehen. Ohne daran zu leiden, habe ich auch nicht das moralische Recht, an sie zu glauben. Denn ohne die Bereitschaft, am Unverständlichen zu leiden, wäre 15


der Glaube nur ein bornierter Triumphalismus, der all das ausblendet, was ihm nicht entspricht. Ein Glaube, der nicht fähig ist zu leiden, wäre unerträglich. Aber ein Leiden, das nicht fähig ist zu glauben, wäre es ebenso. Darum will ich das Unerträgliche nicht durch Erwartungslosigkeit erträglich machen. Die schmerzfreie Glaubens­losigkeit wäre ein Selbstverrat. [ 282 ]

: Christus ist nicht der Erhabene, sondern der Heruntergekommene. Je erhabener Gott ist, desto weniger habe ich mit ihm zu tun. Je größer der Abstand zum Licht, desto unbehelligter kann ich leben. Es ist die Befreiung von Gott durch Religion. Doch Gott ist viel mehr in unserer Welt gegenwärtig, als es uns recht ist. [ 312 ] 16


Das Glück des Leibes ist Wohlbefinden; darum sollst du darauf achten, wie es dir geht. Das Glück der Seele ist Freude; darum sollst du um die Quellen deiner Freude wissen. Das Glück des Geistes aber ist Sinn. Wenn du den Sinn deines Daseins nicht zu spüren bekommst, wenn du also ohne das Glück des Geistes lebst, dann kann auch das größte Glück der Seele und das größte Glück des Leibes diese Leere nicht ausfüllen. Mit anderen Worten: Du kannst kein erfülltes Leben haben, wenn du nicht fragst, was sich durch dich erfüllen soll. [ 198 ]

: Wahrheit und Weisheit sind zwei mächtige Schwestern. Wehe, wenn die Wahrheit die Beziehung zur Weisheit aufkündigt und sich 17


eigenmächtig macht. Sie wird dann eine Lüge gegen Gott selber sein. Gott ist die Wahrheit, aber die Wahrheit ist nicht Gott. [ 265 ]

: Schöpferisch zu sein bedeutet, auf eine Art vermessen zu sein, denn man muss über das hinausgehen, was man schon weiß und kann. Das Nichtwissen ist Voraussetzung für jeden schöpferischen Prozess, denn wenn wir immer nur tun, worin wir uns sicher sind, ist alles, was wir tun, bestenfalls feige, schlimmstenfalls belanglos. Vielleicht ist der Glaube an Gott vor allem ein Protest gegen die Belanglosigkeit, denn es bedeutet, mit mehr zu rechnen als mit sich selbst. [ 90 ] 18


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