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Meine Seele ist wie ein Ozean – 9783935368100

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Walter Nitsche

Meine Seele ist wie ein Ozean – warum versteht mich denn keiner?!

edition φ philemon friends-media e.K Birkenfeld

AsB-Verlag Teufen AR Schweiz

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ISBN-Nr. 978-3-9524135-2-4 AsB-Fachbuch Nr. 10  2017 by AsB-Verlag, W. Nitsche, Teufen AR/Schweiz www.asb-verlag.ch E-Mail: info@asb-verlag.ch in Koproduktion mit edition φ philemon / friends-media e.K. Birkenfeld ISBN-Nr. 3-93536810-0 Buch-Nr. 310 Umschlag: DC-Agentur, Merenberg Herstellung: media-aktuell, Birkenfeld Vervielfältigungen, Kopien u.ä. – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung des Verlags Benutzte Bibelübersetzungen: LUT = Luther (2017) ELB = Elberfelder (1985) SLT = Schlachter (2000) NGÜ = Neue Genfer Übersetzung (2012) 4


Inhalt Danksagung ……………………………………….. 8 Vorwort………………….……………………..….. 9 Einführung…………………………………….…. 13 Kapitel 1 Die verschiedenen Grundtypen…………………. 19 Kapitel 2 Die Bergsee- und Ozean-Seelen…………………. 22 Kapitel 3 Die Bergsee-Seele…………………………………. 24 Kapitel 4 Die Ozean-Seele…………………………………… 31 Verlangen nach Tiefe (31) Intuitive Antennen (34) Kreativ und musisch begabt (40) Monsterwellen, Vulkanausbrüche und giftige Quallen (44) Facettenreichtum (51) Kapitel 5 Die verschiedenen Ozeane……………………… 55 Der Indische Ozean (Indik) (55) Der Atlantische Ozean (Atlantik) (59) Die Polarmeere (Arktis und Antarktis) (62) Der Pazifische Ozean (Pazifik) (66) Facettenreichtum des Schöpfers (73) 5


Kapitel 6 Problem-Konstellationen………………………… 74 Zerbrochene Freundschaften (74) Fehlgeleitete Selbstreflexionen (82) Selbstzweifel und Selbstablehnung (84) Selbstliebe und Selbstverleugnung (89) Verletzungen und Urwunden – Ursache für „Vulkanausbrüche“ (97) Schattenseiten („sarx“) – Ursache für „giftige Quallen“ (100) Falscher Umgang mit dem „sarx“ (102) Die „vereiste“ Ozean-Seele (112) Kapitel 7 Lösungswege …………………………..........…… 116 Grundsätzliches zum Umgang mit der eigenen Ozean-Seele (117) Richtiger Umgang mit „Quallen“ (120) Richtiger Umgang mit „Vulkanausbrüchen“ (131) Die Dynamik der ganzheitlichen Vergebung (138) Umgang mit „Monsterwellen“ (146) 10 Punkte zum Umgang mit den Wellen (156) Wege der Enteisung bei einer „vereisten“ OzeanSeele (161) Kapitel 8 Fehlprägungen und Aufgabenstellungen ……… 168 Vater-, Gottes- und Selbstbilder (170) 1. Lob der Leistung statt der Person (171) Der leistungsorientierte Vater – der schenkende Gott (173)

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2. Überwachend und gesetzlich (180) Der überwachende, gesetzliche Vater – der gute Hirte (182) 3. Willkürlich oder passiv (188) Der passive, willkürliche Vater – der beständig aktiv liebende Gott (190) 4. Kindheit mit Verlusterlebnissen (192) Der verlassende Vater – der treue Gott (194) 5. Unbarmherzig und strafend (199) Der strafende Richter-Vater – der gnädige und barmherzige Gott (199) Heilende Reifung (201) Kapitel 9 Einzigartig und facettenreich! ............................. 202 Kapitel 10 Weitere Statements……….…………….……….. 204 Kapitel 11 Fragen, die immer wieder gestellt werden……... 220 Ehe und Partnerschaft (220) Hochsensibilität (221) Freundschaft und Persönlichkeitsreifung (223) Woher stammt dieses Konzept? (227) Entstehung der AsB (230) Der AsB-Seelsorge-Fernkurs …….…………….. 233 Anmerkungen ……….…………….…………….. 234 Der Autor ……….…………….…………………. 236

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Danksagung Besonderen Dank all jenen Freunden, die zur Entstehung dieses Buches beigetragen und allen „OzeanSeelen“, die mir vertrauensvoll einen sehr tiefen und offenen Einblick in ihr Seelenleben ermöglicht haben. Besonderen Dank allen, die bereit waren, ein persönliches Statement zu publizieren. Besten Dank auch meiner wertvollen Ehefrau Iris, die sämtliche „Geburtswehen“ zur Entstehung dieses Buches mitgetragen, redigiert, korrigiert und mich stets gefördert und ermutigt hat. Für die wertvollen inhaltlichen Anregungen und das Redigieren danke ich Yvonne Wieland, Königswalde/Erzgebirge; meinem Sohn Benjamin Nitsche, Gießen, Renette Hofmann, Karlsbad und Äni Rastberger, Basel. Herzlichen Dank für das Korrekturlesen des Manuskripts durch Monika Schmikl, Graz. René Adam, Merenberg, sowie der gesamten DC-Agentur danke für die grafischen Tipps und Arbeiten. Vor allem danke ich meinem Schöpfer, dass er seine typologischen Kreationen auch mir selbst in so hilfreicher Weise nahegebracht hat. Dadurch kann und darf ich sie jetzt auch anderen Menschen weitergeben.

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Vorwort In meinen zahlreichen Seminaren, nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sondern auch in Italien, Bulgarien, Ungarn und Israel begegneten mir zahlreiche wundervolle, liebenswerte Menschen, die allerdings ein sehr negatives Selbstbild hatten. Selbstverständlich sind die Gründe dafür mannigfaltig. Doch eine Ursache bestand darin, dass diese facettenreichen Personen oftmals durch ihre eigene Persönlichkeit irritiert wurden, weil sie diese weder richtig verstanden noch einordnen konnten. Nachdem diese kostbaren Leute über die vorliegende Typologie aufgeklärt wurden, änderte sich das Selbstbild sehr oft innerhalb kurzer Zeit zum Positiven. Vor Jahren hatte ich mich entschlossen, das Wesentliche über die „Empfindungs-Grund-Typen“ der menschlichen Persönlichkeit zusammenzufassen und in einem Buch darzulegen. Motivation gaben mir verschiedene Statements von Leuten jeden Alters, aus allen Gesellschaftsschichten und den verschiedensten religiösen Hintergründen – aber auch Menschen ohne einen religiösen Hintergrund. Nachfolgend ein paar Beispiele berührender Zitate. Ich hoffe, dass Sie, liebe Leserin, lieber Leser, durch diese Ausführungen ebenfalls persönlich profitieren können. Walter Nitsche, Februar 2017 9


„Zu wissen, dass ich eine Ozean-Seele bin, hat mir so viel gebracht, dass ich andere Menschen auch in diese Kategorien einordnen und sie so besser verstehen und ihr Handeln besser nachvollziehen kann. Des Weiteren kann ich auch mein eigenes Handeln erklären und darauf besser reagieren. Allerdings ist es schwierig, dies vor Menschen zu rechtfertigen, die diese Seelen-Typologie nicht kennen. Was mich früher von anderen Menschen unterschieden hat und ich nicht logisch erklären konnte, kann ich nun durch meine Ozean-Seele erklären, allerdings eben nicht für jeden nachzuvollziehen. Ich lerne nun, auf meinem „Ozean“ zu surfen, bzw. das Beste daraus zu machen und die Menschen in meinem Umfeld in ihrem Seelenleben zu unterstützen.“ Dorea Baumann, BWL-Marketingmanagement-Studentin „Von den Ozeantypen hörte ich das erste Mal in einem Basiskurs der Arbeitsgemeinschaft seelsorglicher Berater (AsB). Sofort erkannte ich mich selbst als OzeanSeele wieder, was praktisch sehr hilfreich für mich war. Ich lernte mich dadurch endlich besser verstehen, mich anzunehmen und mir zunehmend eine gesunde, gottgewollte Selbstliebe zukommen zu lassen. Die "Wellen" meiner Ozean-Seele wurden zwar nicht weniger, doch ich habe inzwischen gelernt, damit umzugehen; gelernt mich in einem Sturm zu bewegen, ohne unterzugehen. Nun bin ich mutig und zuversichtlich mit einem "Surfbrett" unterwegs und lerne immer besser auf den hohen Wellen zu "surfen". Dabei kann ich meinen innerseelischen Ozean sogar immer mehr lieben. Das Schöne 10


dabei ist zudem, dass ich die Ozeantiefen meiner Mitmenschen besser verstehen und annehmen kann.“ Rahel Benker, Kindergärtnerin, Bern „Die Erkenntnisse über die Ozean-Seele waren für mich absolut wertvoll! Vorher verstand ich mich oft selbst nicht. Ich war oft hin- und hergeworfen und konnte das "bunte Treiben" in mir gar nicht recht einordnen. ... Jetzt kann ich mich viel besser erkennen und durch eine "Partnerschaft" mit meiner Ozean-Seele zusammen das Leben meistern. Ja, ich freue mich heute daran, wie Gott mich erschaffen hat. Viele Selbstzweifel sind weg. Gemeinsam bauen wir nun an dem Plan, den Gott für mein Leben – mit meiner Ozean-Seele – hat.“ Michael Rauschenberger, Wachdienstmann und ganzheitlich-seelsorglicher Begleiter (AsB), Lübeck „Aus ganzem Herzen kann ich nur sagen, dass mir die Erkenntnisse über die Ozean-Seele sehr geholfen haben. Zuerst einmal war es sehr befreiend zu erfahren, dass ich mit meiner Ozean-Seele wirklich okay bin. Und vor allem: genauso von Gott erschaffen, gewollt und geliebt! Tatsächlich kann ich mich selbst besser annehmen und auch andere viel besser verstehen – und annehmend akzeptieren. Vorher litt ich sehr beim Auf- und Ab meiner Gefühlsschwankungen; mal war ich gut, mal schlecht drauf („Indischer Ozean“). Jetzt bin ich nicht mehr so abhängig von meinen Gefühlen – und vor allem nicht mehr so abhängig von der Meinung anderer. Ich weiß und ich 11


fühle mich geliebt und geborgen in Jesus. Und ich fühle mich völlig angenommen.“ Regina Kugler, Hausfrau und ganzheitlichseelsorgliche Begleiterin (AsB,) Schopfloch/Schwarzwald „Die Erkenntnis, eine Ozean-Seele zu sein, hat mir geholfen, mit meiner Zerrissenheit und mit meinen emotionalen Hochs und Tiefs besser umzugehen. Es ist gut zu wissen, dass all das, was oberflächlich gesehen kompliziert aussieht, nicht "falsch" ist, sondern dass Gott mich genauso geplant hat - facettenreich. Dieses Wissen ermöglicht mir, mich selbst besser annehmen zu können und ist auch sehr hilfreich im Umgang mit anderen. Ich kann Menschen aus einem anderen Blickwinkel sehen und vieles besser verstehen und nachvollziehen - auch im Familienleben.“ Annette Laborenz, Hausfrau, Mutter von sechs Kindern und ganzheitlich-seelsorgliche Begleiterin (AsB), Willstätt „Die Einsicht, dass es viele "Ozean-Seelen" gibt, und damit viele Menschen, die sich „normal“ mit emotionalen Hoch- und Tiefphasen durch das Leben kämpfen müssen, hilft weiter. Aber um in Bildern zu bleiben: Das Wissen über die "normalen Wellenberge" eines Ozeans lässt auch die Gelassenheit zu, dass das Meer sich nach der aufgewühlten Phase wieder beruhigt…“ Katja Kreeb, Sozialdezernentin, Engelsbrand Weitere Statements unter den verschiedenen Kapiteln und im Anhang. 12


Einführung Irritationen belasten jegliche Art von Beziehungen – Beziehungen untereinander und zu sich selbst. „Ich verstehe mich nicht“ ist genauso die Folge einer Irritation wie „ich kann das überhaupt nicht nachempfinden, was du mir da erzählst.“ Kennen Sie solche Irritationen in Ihrem Leben? Ich schon. In meinen Seminaren begegnete ich in den letzten Jahren Hunderten von Menschen, denen es ähnlich ging. Die Irritationen können Folgen haben: Wenn wir etwas nicht verstehen, neigen wir dazu, es abzulehnen oder zumindest negativ zu betrachten. Wenn man sich selbst nicht tiefgehend versteht, besteht die Gefahr, die eigene Persönlichkeit „nicht zu mögen“ oder eine Abneigung gegen Teile davon zu entwickeln. Bei anderen Menschen ergeht es uns ähnlich. Es baut sich sogar ein „Erklärungsdruck“ auf, wenn wir einen anderen nicht verstehen können. Auch wenn die Erklärung, die ich mir gebe, falsch ist: Hauptsache, man hat eine Erklärung. Dazu später mehr. Vorurteile, Fehlurteile und tiefgehende zerstörerische Missverständnisse können Auswirkungen davon sein. Das geschieht auch beim Erklärungsdruck sich selbst gegenüber. Man fällt eine (falsche) Selbstdiagnose wie „ich bin gestört“ oder „bin sicherlich seelisch krank“, jedenfalls „nicht normal“ oder „komisch“.

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Wenn man im „Gästehaus Credo“ in Wilderswil (einem unserer AsB-Seminar-Standorte) im Speisesaal aus dem Fenster schaut, sieht man das gewaltige Bergmassiv von Eiger, Mönch und Jungfrau – überwältigende Diamanten in der herrlichen Schweizer Alpenwelt. Beeindruckende Naturwunder, die in verschiedensten Größen und Formen überall in den Alpen vorkommen. Dass die Schöpfung um uns herum einen einzigartigen Facettenreichtum aufweist, der sich in einer üppigen Farbenpracht und Formenvielfalt auszeichnet, wird mir auch beim AsB-Standort „Haus Saron“ in Wildberg – einer Oase der Ruhe mitten im Nordschwarzwald – immer wieder deutlich. Genauso wie beim Ausbildungszentrum der AsB im „Haus Bethanien“ in Karlsbad-Langensteinbach. Dieses Haus liegt am Fuße des Nordschwarzwaldes direkt am Waldrand, inmitten einer gepflegten Garten- und Parkanlage mit vielförmigen Blumen und Sträuchern. Besonders die wunderschönen Rosen erfüllen die Luft mit ihrem zarten Duft. Das Wesen der Schöpfung weist auf das Wesen des Schöpfers hin. So ist folgerichtig anzunehmen, dass wir Menschen ähnlich vielfältig und mannigfaltig geschaffen sind. Nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Doch die Vielfalt menschlicher Grundtypen wird sehr oft vernachlässigt. Gerade das Entdecken unseres seelischen Facettenreichtums erweitert unseren Beziehungs-Horizont, so dass wir fähiger werden, uns selbst und auch andere 14


besser zu verstehen und dadurch auch liebevoller mit uns selbst und anderen umgehen zu können. Je besser wir uns selbst und andere in ihrem eigentlichen Wesen verstehen, desto weniger sind wir irritiert und desto besser können wir durch Annahme, Verständnis und „aktives lieben“ (diesen Begriff werden wir später noch klären!) darauf eingehen. Typologische Konzepte führen häufig dazu, sich und andere in eine Schublade stecken zu wollen – zum „besseren Erfassen“… Doch in ein Schema eingezwängt zu werden, geht am Wesentlichen völlig vorbei. Kein Mensch kann einen anderen Menschen hundertprozentig ganzheitlich erfassen. Unsere Persönlichkeit wurde von einem allmächtigen multidimensionalen Gott kreiert und genau so wenig, wie wir das Wesen Gottes zutiefst und ganzheitlich erfassen können, genau so wenig können wir das Sein des Menschen in seiner Persönlichkeit zutiefst und ganzheitlich erfassen. Wir können uns nur in Demut und Ehrfurcht diesen Geheimnissen nähern. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie persönlich an einen Gott glauben oder nicht. Oder ob Sie – wie ich selbst – den Zugang zu Gott durch eine persönliche Liebesbeziehung mit Jesus Christus gefunden haben. Lassen Sie diese existenziellen Fragen hier völlig beiseite – oder denken Sie erst später darüber nach. Jetzt gilt es zu erkennen, dass die Vielgestaltigkeit der menschlichen Seele mit ihrer Tiefe und Komplexität einfach ein „Naturwunder“ ist, dem wir uns nur forschend und respekt15


voll nähern können, damit wir auch die verborgenen Schönheiten entdecken können. Ole Hallesby schreibt: „Konzepte verhelfen zu einem umfassenden Blick auf die Dinge und – mit Hilfe der Einordnung aufgrund eines Konzeptes – zum Verständnis der Beziehungen zwischen den unendlich mannigfaltigen Eindrücken des täglichen Lebens.“1 Andererseits ist das bloße Schubladisieren einer Persönlichkeit stets ein Missbrauch eines typologischen Konzepts. Wir sollten uns selbst und unser Gegenüber aus verschiedenen Perspektiven betrachten, um zu einem besseren Verständnis der „Persona“ (lateinisch: Maske) und zu vermehrter Beziehungs- und Liebesfähigkeit zu kommen. Bedenken wir: ein Mensch ist ein Typus (griechisch: Urbild) und ein Original (lateinisch: Ursprung) zugleich! „Ein Typ ist kein Original“, schreibt Dr. Uwe Böschemeyer, ev. Theologe, der bei Viktor Frankl Logotherapie und Existenzanalyse studierte, „ein Typ ist eine Struktur, die nicht nur einmal, sondern viele Male in Erscheinung tritt. Menschen sind Originale, weil in der Tat keiner dem anderen gleicht. Doch Menschen sind auch Typen. Sie haben Eigenschaften und Verhaltensweisen, die auch an anderen zum Vorschein kommen.

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Was einen Menschen jedoch zum Leben befreit, ist nicht das Typische an ihm, sondern seine Originalität. Das Typische beschwert und erleichtert sein Dasein, das Originäre begründet seine Liebe zum Leben. Deshalb ist es wichtig, dass er das Typische, das ihn einengt, überwindet, - und das, was ihn fördert, aus sich herauslebt. Diese beiden Aufgaben gelingen ihm allerdings nur in dem Maße, in dem er sich ausstreckt nach seiner Originalität. Was ist die menschliche Originalität? Das Eigene in ihm, sein unverwechselbarer Personenkern, sein ihm eigenes Wesen.“2 Eine weitere positive Auswirkung unserer Forschungsreise wird sein, dass wir bestimmte Verhaltensweisen nicht mehr pathologisieren (als krank erklären), nur weil wir sie nicht richtig einordnen können oder sie uns völlig fremd erscheinen. Diese Unart ist weit verbreitet: das Fremde, das Unerklärliche, das Besondere, das nicht in unsere Vorstellungen oder in unsere Normen passt, wird als falsch, als „krank“, als „gestört“ bezeichnet. Dabei stellt sich oft die Frage, was nun abnormal oder unnormal ist. Könnte es sich dabei nicht einfach nur um eine Andersartigkeit handeln?! Dazu nochmals Uwe Böschemeyer, der zu seinem beschriebenen typologischen Konzept anmerkt: „Das Programm meines Buches ist der Versuch, besonders den Gegenpol einer pathologisch- bzw. konfliktorientierten Psychotherapie und Beratung herauszustel17


len. Die Begründung für diesen Versuch liegt in meiner Auffassung, dass – ich formuliere vorsichtig – viele Formen wenig gelingenden Lebens, seelisch und körperlich, Ausdruck des Leidens der inneren Welt sind, zu der Menschen nur ungenügend Zugang gefunden haben. Daher sind viele Störungen primär Herausforderungen zur Suche nach einem seins- und sinnorientierten Leben. Ein solches Leben aber ist ein originäres.“3 Die in diesem Buch benutzte Typologie soll nur in aller Schlichtheit dem Geheimnis unserer eigenen Persönlichkeit näherkommen und somit für die Praxis unseres Lebens brauchbar gemacht werden.

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Kapitel 1

Die verschiedenen Grundtypen „Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper; aber anders ist der Glanz der Himmelskörper, anders der der irdischen; einen anderen Glanz hat die Sonne und einen anderen Glanz der Mond, und einen andern Glanz haben die Sterne…“ (1 Kor 15,40+41 SLT)

Stellen wir uns vor, wir vergleichen das Empfinden eines Menschen mit einer Ellipse. Dann ließe sich beim „horizontalen (waagrechten) Grundtypus“ dies bildlich als „ebenmäßig“ und „ausgewogen“ wie folgt darstellen:

Der „horizontale Grundtypus“ verlangt nach Beständigkeit und Ebenmäßigkeit. Er ist mehr auf die praktische Lebensebene ausgerichtet und mag klare Strukturen, Ordnung, Routine und Gewohnheiten.

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Der „horizontale Grundtypus“ ist mehr „nach vorne“ orientiert. Realistisch, zukunftsorientiert, praktisch, nüchtern, objektiv, zielstrebig und mit folgerichtiger Logik geht er seinen täglichen Aufgaben nach, wobei er nicht viel Verständnis oder Interesse für tiefer gehende seelische Konstellationen, für Persönlichkeitsanalysen oder individuelle Beziehungsgeheimnisse aufbringt. Er neigt eher dazu, pragmatisch (griech.: sachlich) zu sein und wirkt daher seelisch eher distanziert. Sein „Empfindungsvolumen“, das genauso groß ist wie das des „vertikalen Grundtypus“, ist einfach anders gelagert und vor allem auf eine praktische Lebensweise ausgerichtet. Der „vertikale (senkrechte) Grundtypus“ dagegen ist stark „gegenpolig“ oder „bipolar“ geschaffen. Sein „innerer Typus“ ließe sich etwa so darstellen:

Das Verlangen des „vertikalen Grundtypus“ richtet sich auf Tiefe, Abenteuer und das Geheimnisvolle aus. Er mag Abwechslung, tiefgehende Impulse und Intuition.

Der „vertikale Grundtypus“ weist sich durch ein sehr tiefgehendes Gefühls-, Empfindungs- und intuitives Leben aus. Seine feinen „intuitiven Antennen“ empfan20


gen oft die verschiedensten Signale, ohne diese jedoch immer richtig verarbeiten oder einordnen zu können. Er ist mehr auf Impulse und Intuition ausgerichtet. Tiefgehender Gedankenaustausch, das Eindringen in Empfindungswelten, das Hinterfragen und Ringen um das Verständnis pocht in seinen Adern genauso wie der Hang zur Romantik, zu Abenteuern und zum Erforschen von Geheimnissen, was jedoch gleichzeitig auch zu gewaltigen seelischen Spannungen führt. In der Wirklichkeit kommen aber eher multiaxial „geneigte“ Typen vor, also quasi „diagonale Grundtypen“:

Es gibt „diagonale Grundtypen“, die mehr zur Horizontalität neigen und solche, die mehr zur Vertikalität neigen.

Da die theoretischen Begriffe zu Verwirrung führen, verwende ich Bilder um diese Grundtypen anschaulicher zu benennen. Bilder erzeugen ein sogenanntes 21


„Kopfkino“. Dadurch können wir diese Thematik ganzheitlich besser erfassen. Kapitel 2

Die Bergsee- und OzeanSeelen Zur Verdeutlichung nehme ich Bilder aus der Schöpfungswelt: die Seen und Meere. Von den Gewässern auf unserem Planeten gibt es Tausende von Variationen – gleich den einzigartigen menschlichen Persönlichkeits-Originalen. Die „horizontalen Grundtypen“ wollen wir im Folgenden „Bergsee-Seelen“ nennen. Die „vertikalen“ oder „gegenpoligen Grundtypen“ dagegen „Ozean-Seelen“. Darüber hinaus gibt es zahlreiche „Mischformen“ in allen Variationen: „Bodensee-Seele“, „BaikalseeSeele“, „Mittelmeer-Seele“, „Nordsee-Seele“ – bis hin zum „kleinen Teich“ inmitten von Wald oder Feld... Wenn ich jetzt die Bergsee- und Ozean-Seele skizziere, dann verwende ich bewusst eine „schwarz-weißMalerei“ – einfach, um die Unterschiedlichkeit klarer herauszustellen. In Wirklichkeit gibt es vor allem „Grautöne“ (oder wenn Sie sich als Ozean-Seele entdecken, eröffnet sich Ihnen eine kunterbunte Welt in Tausenden von Farbtönen). So werden Sie sich bei so manchen Merkmalen

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bei dem zu Ihnen passenden Typus wiederfinden, andere Aussagen treffen jedoch weniger auf Sie zu. Klar: Sie sind ein Original, wunderbar von unserem Schöpfer gestaltet (und gehören nur zu Ihrem eigenem „Typus“). Wenn ich zum besseren Verständnis erläuternde Bilder zeichne, dann beschreibe ich die Extreme von OzeanSeelen. Lassen wir hier einmal die Mischformen, wie das Mittelmeer oder das Schwarze Meer etc. beiseite. Wir wollen zuerst einfach unseren Horizont erweitern für etwas, was uns nicht so vertraut ist. Auch beschreibe ich in diesem Buch in erster Linie die Ozean-Seelen. Wenn die Bergsee-Seelen also „zu kurz“ kommen, dann nicht, weil sie weniger wertvoll wären. Ganz und gar nicht; sondern weil die Ozean-Seelen viel öfter verkannt, missverstanden oder sogar als „Psycho“ pathologisiert (als seelisch krank bezeichnet) statt echt verstanden, erfasst und wertgeschätzt werden. Würde ich ein Buch über die Schweiz schreiben und dabei manchen Vergleich zu Österreich oder Deutschland ziehen, um die Unterschiede deutlicher zu machen, dann würde das auch nicht bedeuten, dass in meinen Augen die Schweizer wertvoller sind als die Österreicher oder Deutschen. Es geht lediglich darum, welches Thema man behandeln will… So auch in diesem Buch!

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Meine Seele ist wie ein Ozean – 9783935368100 by SCM Verlagsgruppe - Issuu