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think about: Next Level Supply Chain

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think about

Next Level Supply Chain

Strategien für stabile, digitale und nachhaltige Lieferketten

Automatisierung

Effizienz durch intelligente Prozesse

Resiliente Lieferketten

Widerstandsfähigkeit als Erfolgsfaktor

Green Logistics

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil

Intralogistik

Effizienz vom Lager bis zur Linie

Riskmanagement & Compliance

Stabilität in unsicheren Zeiten

Intralogistik und KI –von Stiefgeschwistern zum Erfolgsfaktor für Europa

Intralogistik, die Bewegung von Gütern in Fabriken, Lagern, Umschlags- und Distributionszentren, ist eine spannende Branche, denn Intralogistik ist das Rückgrat der Wirtschaft. Nach Wasser und Strom ist die Intralogistik zusammen mit der Transportlogistik entscheidend für das Funktionieren einer Gesellschaft, um uns mit allem zu versorgen, was wir für das tägliche und nicht alltägliche Leben benötigen.

Haben Sie sich schon mal gefragt, wie auf diesem personalintensiven Gebiet der demographische Wandel bewältigt werden wird, der nicht nur in Deutschland, sondern in zahlreichen anderen Regionen ein dominierendes Thema ist?

Bei der automatisierten Intralogistik haben Unternehmen aus Europa und insbesondere aus dem deutschsprachigen Raum eine weltweit hervorragende Stellung. Wir sehen jedoch, dass weltweit die Intralogistik bei Startups und anderen Unternehmen aus

der Robotik plötzlich auf großes Interesse stößt. Getrieben durch die Fortschritte in der KI ist es möglich, mehr Prozesse zu automatisieren und von Menschen unabhängiger zu werden. Deshalb ist es wichtig, dass sich die bisher schon erfolgreichen Automatisierungsspezialisten aus Europa zu Robotikern weiterentwickeln, und dabei KI nutzen. Auch wenn Europa im Rennen um LLM (wie ChatGPT) abgeschlagen ist, sind wir in der Lage, mit Hilfe von spezialisierter KI bessere Intralogistiksysteme zu bauen, die mit weniger Personen betrieben werden. Hierzu müssen wir intensiver und schneller Produkte und Prozesse weiterentwickeln und die Zusammenarbeit und den Einstieg, insbesondere auch von kleinen und mittleren Unternehmen, in die KI-Entwicklung und Nutzung vorantreiben. Gleichzeitig sollten sich die privaten und institutionellen Investitions- und Produktentwicklungstätigkeiten nicht länger der Verteidigung des Bestehenden, sondern der Gestaltung der Zukunft widmen, so

dass wir unsere herausragende Stellung in der Intralogistik halten und ausbauen können.

Impressum

Redaktion (verantwortlich): Rüdiger Schmidt-Sodingen

Layout (verantwortlich): Andrea Caduff

Coverfoto: Orbon Alija/iStockphoto

Distribution & Druck: Die Welt, Axel Springer SE

Inhalt:

Prof. Dr.-Ing. Kai Furmans, Institutsleiter, Karlsruher Institut für Technologie

zVg

Die Inhalte mit dem Label »Genius Partner« in dieser Veröffentlichung wurden in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden entwickelt und sind Anzeigen.

Herausgegeben von: Genius Thinkers GmbH Egzona Muhagjeri

Grienbachstrasse 36 6300 Zug, Schweiz

Tel.: +41 58 510 99 39

E-Mail: info@genius-thinkers.com

Web: www.genius-thinkers.com

SpasS beim Lesen! – Egzona Muhagjeri

Genius Partner • Solvares Logistics think about: Digitales Transportmanagement

»Wir brauchen eine neue Ethik in der Logistik«

Schwankende Märkte, politische Unruhen und wechselnde Zollbedingungen beeinflussen die Supply Chains. Alexander Sollmann, Managing Director von Solvares Logistics, erläutert, wie Best-in-ClassSoftware und kompetente Beratung den Weg für die Transportlogistik der Gegenwart und Zukunft bauen.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Herr Sollmann, viele Unternehmen erleben gerade: Planbarkeit ist vorbei. Wie kann die Transportlogistik trotz Krisen lieferfähig bleiben?

Wenn es Firmen schlecht geht, schauen sie, was sie optimieren können. Das ist ein normaler Mechanismus. Wir helfen unseren Kunden, indem wir ihre Transportprozesse mit unseren Systemen beschleunigen und Fehler reduzieren. Sie können vor allem kurzfristig umsteuern, wenn sich Lieferketten oder Transportwege ändern. Hinsichtlich plötzlicher Zollerhöhungen ist besonders die produzierende Industrie darauf angewiesen, schnell neue Absatzmärkte bedienen zu können. Angesichts der demografischen Entwicklung hilft der technische Fortschritt auch dabei, mit weniger Personal stabil und profitabel zu bleiben. Ob KI, Optimierung oder Automatisierung: Entscheidend ist, was messbar Zeit spart, Fehler reduziert und Kapazität freisetzt.

Disposition, Abrechnungen, Track & Trace – selbst kleinste Sendungen werden heute wie Goldtransporte überwacht. Was bedeutet das für die tägliche Logistik? Nicht immer etwas Gutes. Wenn Transporte für ein Lager bestimmt sind, wo die Ware dann wochenlang liegt, macht Track & Trace keinen Sinn. Im Lebensmittelbereich und in der Fertigung, wo ohne bestimmte Teile nicht weitergearbeitet werden kann, dagegen schon – und darf auch entsprechend kosten. Das Problem beginnt, wenn der Empfänger Kosten- und Qualitätsführerschaft gleichzeitig möchte. Das ist ein Zielkonflikt: Wer maximale Servicequalität will, braucht ein anderes Setup als bei maximalem Kostendruck. Will ich den billigsten Transport, dann darf ich mir keine Leistung erwarten. Möchte ich etwas auf die Minute pünktlich auf ein Band bei BMW haben? Gut, dann muss ich halt ein bisschen mehr zahlen.

Reporting-Pflichten steigen – für Kosten, Service und CO₂. Was verändert das im Frachtcontrolling ganz konkret? Ein Kernbereich von uns ist die Frachtenrevision, bei der wir Frachtrechnungen für Großkonzerne kontrollieren. Bei den Millionen von Belegen, die wir mittlerweile verarbeiten, stellen wir fest: Jede fünfte Rechnung ist falsch. Bei jeder dritten Rechnung, die eine Reklamation hat, braucht die Reklamation mehr als vier Monate. Diese Zahlen sind erschreckend. Wir haben das Glück, viele große Konzerne als

Kunden zu haben. Die Frachtrechnungen der Spediteure kommen also direkt zu uns. Wir prüfen und kontieren im Auftrag unserer Kunden mit klaren Berechtigungen, Freigaben und vollständiger Nachvollziehbarkeit. Das alles erledigen wir mit ausgebildeten Fachkräften, die sich auskennen.

Wo gibt es am meisten Optimierungsbedarf?

Was auf die Umwelt am meisten Einfluss hat, sind die Leerkilometer. Leider denkt jedes Unternehmen Logistik für sich allein. Das Problem liegt vor allem im Nahverkehr und bei den Touren-LKW, die hintereinander von Kunde zu Kunde fahren und immer leerer werden. Wir brauchen eine neue Ethik in der Logistik, also weniger Silos und mehr gemeinsame Auslastung. Leerkilometer kosten Geld und Resilienz. Ich glaube, in diesem Bereich sind noch sehr viele Dinge möglich.

www.solvares-logistics.com

Resilienz wird zur Führungsaufgabe:

Warum Lieferketten neu gedacht werden müssen

Globale Lieferketten sind angespannt, manchmal bis zum Zerreißen. Die Abhängigkeiten lassen sich nicht einfach auflösen, doch Unternehmen können resilienter gegenüber Unwägbarkeiten werden. Wie das gelingt, darüber sprechen wir mit Dr. Florian Harzenetter, Global Advisor Industrials beim globalen Softwareunternehmen PTC.

Herr Dr. Harzenetter, warum ist Lieferketten-Resilienz für Unternehmen heute eine strategische Priorität? Weil Störungen heute eher die Regel als die Ausnahme sind. Und weil praktisch jedes Unternehmen in eine globale Lieferkette eingebunden ist. Ein einziges instabiles Glied kann sich durch die gesamte Lieferkette auswirken auf die Verfügbarkeit, Kosten, Qualität und Time-to-Market des Endproduktes. Gleichzeitig verschärft sich die Situation, da in vielen Branchen die Produktkomplexität zugenommen hat und die Zeitfenster, in denen Neuheiten auf den Markt kommen müssen, werden immer enger werden. Viele Unternehmen können auf Probleme lediglich reagieren.

Resilienz hingegen bedeutet, die eigene Organisation so aufzustellen, dass sie auf plötzliche Änderungen in der Lieferkette vorbereitet ist und handlungsfähig bleibt.

Was sind aus Ihrer Erfahrung die Gründe, dass Unternehmen diese Resilienz fehlt? Das hat strukturelle Ursachen. Die Prozesse in Unternehmen sind klassischerweise reaktiv und linear geprägt, das heißt: Probleme werden gelöst, wenn sie da sind. Der Einkauf beginnt mit der Beschaffung erst, nachdem der Designprozess abgeschlossen ist. Engpässe, hohe Teilekosten oder abgekündigte Komponenten kommen dann überraschend und lassen sich nur noch schwer ändern.

So erreicht nur etwas mehr als die Hälfte der Markteinführungen ihre Zeit-, Margen- und Qualitätsziele. Nur mit vorausschauenden, effizienten Prozessen, die Raum für Flexibilität eröffnen, können Unternehmen Resilienz entwickeln, und zwar nicht nur gegenüber den Herausforderungen ihrer Lieferkette.

Was braucht es für derartige Prozesse?

Schlüssel hierfür ist eine Parallelisierung der Prozesse: Der Einkauf berät die Entwicklung in Bezug auf die verwendeten Teile und baut bereits früh alternative Sourcing-Szenarien auf. Auch andere Abteilungen, wie z. B. die Fertigung, Qualität und Sustainability, helfen die Designentscheidungen früh zu bewerten und Alternativen zu erarbeiten, mit denen auf solche Störungen schnell reagiert werden kann.

Voraussetzung hierfür ist eine entsprechende Datenbasis. Denn jeder Prozess kann nur so effektiv sein wie die Daten, die ihm zugrunde liegen. Was wir in Unternehmen

aller Art sehen, sind hochgradig fragmentierte Systemlandschaften. In der Folge sind Daten mehrfach vorhanden, Änderungen werden oft nicht durchgängig eingepflegt und es ist nicht immer klar, welche Daten korrekt und aktuell sind. Kurz: Es gibt keinen unternehmensweiten Zugriff auf Echtzeitinformationen und damit fehlt die Transparenz. Das erschwert die Zusammenarbeit zwischen Entwicklungs-, Produktions- und Beschaffungsteams und behindert effiziente Abläufe.

Um zu verhindern, dass das eigene Unternehmen zum schwächsten Glied der Lieferkette wird, muss Datentransparenz über alle Disziplinen des Produktlebenszyklus hinweg die oberste Priorität sein.

Jeder Prozess kann nur so effektiv sein wie die Daten, die ihm zugrunde liegen. » «

Was bedeutet das konkret?

Der erste und wichtigste Schritt besteht darin, eine einzelne Quelle für aktuelle und zuverlässige Produktdaten zu schaffen. Hierfür müssen Datensilos durch integrierte Unternehmenssoftwarelösungen ersetzt werden. Dem Product Lifecycle Management (PLM) System kommt dabei eine entscheidende Rolle zu, weil es den gesamten Produktlebenszyklus von den Anforderungen über das Design und die Produktionsplanung umfasst. Es ist das Bindeglied zwischen Engineering, Fertigung und Lieferkettenteams und unterstützt parallele Workflows: Teams können funktionsübergreifend zusammenarbeiten, Risiken und Alternativen bewerten und Designs von Anfang an auf Kosten und Verfügbarkeit optimieren.

Resilienz geht jedoch darüber hinaus. Hierfür sind Abhängigkeiten, Regulierungen und Marktdynamiken abzuwägen. Lieferkettendaten sind heute in großem Umfang von diversen Anbietern verfügbar. Aber erst wenn diese im Zusammenhang mit Designalternativen, Qualitätsanforderungen und Produktionsprozessen betrachtet werden, ist es möglich, Beschaffungsoptionen zu erarbeiten und Engpässe sowie Risiken vorherzusehen. Alternativen können bewertet werden und fundierte Entscheidungen, die mit den operativen und strategischen Zielen in Einklang stehen, getroffen werden.

Voraussetzung hierfür ist, dass Unternehmen Produkte für den globalen Markt entwickeln und Designvarianten mit den unterschiedlichen Zulieferern qualifizieren. So entsteht Flexibilität in der Lieferkette, gleichzeitig können optimale Kosten realisiert werden. Späte Designänderungen, Verzögerungen und Engpässe lassen sich so im Vorfeld schon vermeiden.

Auch Konzepte wie die Asset Administration Shell und digitale Produktpässe gewinnen in diesem Rahmen an Bedeutung.

Welche Rolle spielen die Asset Adminstration Shell und Digitale Produktpässe (DPP) für die Lieferkette?

Die Asset Adminstration Shell wurde entwickelt, um den Datenaustausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verbessern. Indem jedes Produkt strukturierte, interoperable Daten trägt, können Hersteller, Lieferanten und Regulierungsbehörden konsistente und zuverlässige Informationen zur Produktzusammensetzung und Herkunft sowie zum Lebenszyklusstatus abrufen. So hilft die Asset Administration Shell, die für Designentscheidungen notwendigen Daten direkt beim Hersteller abzufragen und in der Produktentwicklung verfügbar zu machen. Zum einen wird dadurch die Bewertung von Alternativen vereinfacht. Zum anderen können die Daten dann auch verwendet werden, um neue Anforderungen wie den Digitalen Produktpass zu realisieren.

Sicher kann auch Künstliche Intelligenz helfen, Unternehmen resilienter zu machen.

Ja, KI spielt eine ganz entscheidende Rolle: Sie hilft, in den großen Datenmengen Zusammenhänge zu erkennen und ermöglicht intelligentere, schnellere Entscheidungen. Aufgrund ihrer Fähigkeit zur Echtzeitanalyse enormer Datenmengen kann sie entstehende Risiken bereits im Vorfeld identifizieren und mögliche Alternativen definieren. Ebenso lassen sich Bedarfe und Nachfrageverhalten prognostizieren, sodass die Produktion intelligent angepasst werden kann.

Viele manuelle Prozesse können mithilfe der KI automatisiert und damit effizienter gestaltet werden. Wir haben erst kürzlich ein neues Feature vorgestellt, das automatisch regelmäßige Aktualisierungsprüfungen für elektronische Komponenten durchführt, um die Einhaltung internationaler Vorschriften sicherzustellen. Die Erkenntnisse fließen direkt in die Produktentwicklungs-Workflows und unterstützt so das KI-gestützte Echtzeit-Monitoring von Komponenten und die Risikominimierung.

Damit verfügen Unternehmen über die Basis für verschiedene Strategien zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.

Was für Strategien sind das?

Die verteilte Fertigung, bzw. der »Design Anywhere, Build Anywhere«-Ansatz, wird von immer mehr Unternehmen verfolgt, um sich vor geopolitischen Risiken und Unterbrechungen der Lieferkette zu schützen. Die Produktionsstätten werden nahe an die Absatzmärkte verlegt. Dort werden die Produkte möglichst mit Vorprodukten lokaler Zulieferer produziert. So sinken Risiken wie Zölle oder Unterbrechungen der Transportwege in der Versorgung. Nachdem alle Standorte mit gleichen Designs arbeiten, lassen sich mit lokal hergestellten Vor- und Endprodukten auch Engpässe anderer Standorte ausgleichen. Auf der Basis von Echtzeitdaten können Unternehmen je nach Situation relativ flexibel reagieren.

Was sehen Sie abschließend als wichtigsten Erfolgsfaktor auf dem Weg zum resilienten Unternehmen? Neben der Datenbasis ist es das richtige Mindset. Das besteht darin, Resilienz nicht als Notfallmaßnahme zu betrachten, sondern als langfristige Fähigkeit. Denn wir können immer wieder beobachten: Erfolgreiche Unternehmen investieren nicht in Transparenz, Zusammenarbeit und digitale Prozesse, weil sie durch eine Krise dazu gezwungen werden, sondern weil sie erkannt haben, dass sie damit strategische Wettbewerbsvorteile erzielen können.

Mehr Einblicke von Dr. Harzenetter: QR-Code scannen

www.ptc.com

Automatisch wettbewerbsfähig

Automatisierung als strategischer Imperativ: Echtzeitdaten und integrierte Systeme sichern Liefernetzwerke nicht nur gegen Krisen ab, sondern tragen auch zu einer neuen Dynamik und Wettbewerbsfähigkeit bei. Wie weit sind die Unternehmen?

Text Rüdiger Schmidt-Sodingen

Die gemeinsam vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und Ginkgo Management Consulting erarbeite Studie »SCM 2040 – Wie verändert sich die Logistik in der Zukunft?« koppelte die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen bereits 2020 an deren konkrete Leistungen in den Bereichen Logistik und Supply Chain. Die Serienproduktion von Individualprodukten, eine digitale, vernetzte Welt, der demographische Wandel sowie neue Mobilitätsformen und Dienstleistungen, die an Produktverkäufe anschließen oder diese gar ersetzen, erforderten nicht nur neue Fertigungsverfahren, sondern auch klare Strategien in den Bereichen »Value Adding«, »Control Tower« und Nachhaltigkeit. »Trotz vieler Leitanbieter«, so das Ergebnis der Befragung unterschiedlicher Manager und Bereichsleiter in der ganzen Welt, »scheuen gerade klein- und mittelständische Unternehmen Investitionen in neue Technologien zur Erhöhung ihres Automatisierungsgrades«.

Ein Großteil der Befragten prophezeite einen starken Einfluss von »länderbezogenen Regulierungen auf die globale Supply Chain«. Entsprechend formulierte die Studie als wichtigste Ziele einer ganzheitlich optimierten Supply Chain »die finanziellen und physischen Risiken für alle Beteiligten zu minimieren, die Genauigkeit der Vorhersagen (Predictions) zu steigern und automatische und sich selbstoptimierende Handlungsempfehlungen (Prescriptions) zu platzieren«. Die von Kunden geforderten »kürzeren Durchlaufzeiten« sowie wechselnde politische und

Genius Partner • Kion Group AG

umwelttechnische Rahmenbedingungen erforderten zudem eine neue Planungsgenauigkeit, samt mehr Transparenz und der Möglichkeit, im Bedarfsfall schnell zu reagieren. Produkt verloren, heißt: Kunde verloren.

Zwischen Regelbetrieb und Testphase

Die BME-Logistikstudie »Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in Supply Chains« vom Oktober 2025 untermauert, wie sehr »Digitalisierung und KI im SCM gemeinsam gedacht werden müssen«. »Neben den technologischen Möglichkeiten«, so der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik, »spielen dabei auch Fragen der Regulierung und Ethik eine zunehmend wichtige Rolle«. Als bekannteste Digitalisierungstechnologien nannten die über 200 befragten Unternehmen verschiedener Branchen »KI als Megatrend sowie als weitere Technologien Robotik und Automatisierung sowie autonome Fahrzeuge«. Ein interessantes Ergebnis: Teilnehmende, die bei großen Unternehmen arbeiten, kennen »durchschnittlich eine Technologie mehr als die Teilnehmenden von kleinen Unternehmen«. »Der Wissensstand bezüglich dieser Technologien mit dem Fokus, über ihren Einsatz entscheiden zu können, scheint also bei großen Unternehmen höher zu sein als bei kleinen Unternehmen«, so die Studie.

Hinsichtlich des Einsatzes der Digitalisierungstechniken steht KI noch an dritter Stelle in den deutschen Unternehmen. 61 Prozent der befragten Unternehmen setzen Cloud Computing und API bereits im Regelbetrieb ein. Fast genauso hoch wird der Einsatz von Robotik und Automatisierung beziffert. KI wird erst 46 Prozent von Befragten genutzt – hat dafür aber mit 31 Prozent den höchsten Wert im Bereich »Testen wir derzeit«.

Bei der Frage nach dem »zukünftigen Einsatz von Digitalisierungstechnologien« planen »weit mehr als 80 Prozent der Unternehmen, KI innerhalb der kommenden zwei Jahre umzusetzen. Danach folgt, immerhin mit einer Zustimmung

»Automatisierung ist ein entscheidender Hebel, um Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen«

Die Industrie steht an einem Wendepunkt. Prozesse und Systeme müssen höchst zuverlässig arbeiten –und im Krisenfall schnell angepasst werden können. Andreas Krinninger, Executive Board Member der KION GROUP AG, erläutert, wie Daten nicht nur Waren, sondern auch Unternehmen bewegen sollten.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Herr Krinninger, wer automatisieren will, braucht eine Strategie. Wie findet man die?

Automatisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein entscheidender Hebel, um Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Globale Lieferketten sind volatiler geworden, Anforderungen an Geschwindigkeit, Nachhaltigkeit und Verfügbarkeit steigen kontinuierlich. Wer automatisieren will, sollte deshalb nicht bei einzelnen Technologien beginnen, sondern bei den eigenen Geschäfts- und Wertschöpfungszielen: Welche Leistungsversprechen wollen wir künftig erfüllen? Wo könnten Engpässe entstehen? Wo braucht es mehr Transparenz, Geschwindigkeit oder Stabilität? Eine tragfähige Automatisierungsstrategie betrachtet Unternehmen, Prozesse, Organisationen und Daten als Einheit. In unserer täglichen Arbeit

bei KION sehen wir, dass Unternehmen besonders dann erfolgreich sind, wenn sie Automatisierung als integrierten Bestandteil ihrer Gesamtstrategie verstehen – und nicht als isoliertes Projekt. Die Supply Chain der Zukunft funktioniert außerdem nicht mehr in Silos. Sie braucht vernetzte, skalierbare und vorausschauende Lösungen, die Technik, Daten und Prozesse ganzheitlich orchestrieren – über Standorte, Regionen und Wertschöpfungsstufen hinweg.

Das heißt, diese Systeme sind auch dazu da, vorausschauend zu funktionieren und Risiko Management betreiben zu können. Was braucht es dazu? Vorausschauende Supply Chains basieren auf Transparenz und Datenlogik. Unternehmen müssen jederzeit wissen, wo Material, Ressourcen und Risiken liegen. Dazu braucht es verlässliche Datenquellen, intelligente Analytik sowie Simulation und klare Entscheidungslogiken. KI spielt hierbei eine zunehmend wichtige Rolle, um Abweichungen vom Normalzustand zu erkennen, Szenarien in Echtzeit zu simulieren und potenzielle Engpässe und Störungen frühzeitig erkennbar zu machen – bevor sie operativ sichtbar werden. Gleichzeitig bleibt der Mensch zentral: Technologie unterstützt Entscheidungen, in dem

von beinahe drei Viertel der Unternehmen, Advanced Analytics.« Mit Risikofrüherkennungen, einer besseren Produktionsplanung und Qualitätskontrolle sowie Optimierungen beim Energieverbrauch werden die Anwendungsbereiche von KI immer breiter. Tatsächlich, so die BME-Studie, nutzen oder testen bereits »jeweils drei von zehn Unternehmen KI für Predictive Maintenance, Qualitätskontrollen sowie Produktionsplanung«. Der Einsatz von KI für die Energieverbrauchsoptimierung sei »dagegen auf einem niedrigeren Niveau«.

Fazit: »Der Einsatz von Digitalisierungstechnologien ist mit konkretem Nutzen verbunden: Vor allem die drei klassischen Ziele im SCM – geringere Kosten, höhere Qualität, kürzere Zeitdauern – können damit erreicht werden.« Dazu zeige sich, »dass die ausgewählten Digitalisierungstechnologien einen teilweise hohen Beitrag zu aktuellen Herausforderungen im SCM leisten können«, da sie die »Identifikation von Risiken« erleichtern und »unmittelbar Resilienz erzeugen« könnten.

Genius Facts

Roboter und Daten

69 % der Unternehmen nutzen oder testen aktuell Robotik und Automatisierung

55 % nutzen oder testen aktuell Big Data Analytics

43 % nutzen oder testen aktuell Digitale Zwillinge

(Quelle: BME-Logistikstudie 2025)

think about: Transparente Supply Chains

diese zunehmend Entscheidungsoptionen simuliert und bewertet, ersetzt sie aber nicht.

Sie sind mit KION in der ganzen Welt aktiv. Was kann Deutschland von anderen Ländern bei der Automatisierung lernen? Wo liegen die Herausforderungen der nächsten Jahre?

Wir sehen sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten und Herangehensweisen. In vielen asiatischen Märkten wird mutiger, dynamischer und gesamthafter automatisiert, oft mit pragmatischen technologischen Lösungen und kürzeren Entscheidungswegen. Europa, und insbesondere Deutschland, punktet dagegen mit hoher Prozessqualität und hohen Sicherheitsstandards. Die Herausforderung der nächsten Jahre wird sein, diese Stärken zu verbinden: Geschwindigkeit und Innovationskraft mit Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit und Sicherheit. Unternehmen müssen wieder mutiger werden und lernen, fle xibler zu gestalten, stärker Sze narien zu simulieren und ihre Lieferketten ganzheitlich zu orchestrieren.

Andreas Krinninger, Executive Board Member der KION GROUP AG

»Transparenz ist keine Option, sondern Voraussetzung für Handlungsfähigkeit«

Ein effizienter Warenstrom braucht einen lückenlosen Informationsfluss. Die KION Group ist einer der weltweit führenden Anbieter für Gabelstapler, Lagertechnikgeräte und Supply-ChainLösungen. Christine Mezger-Behan, Senior Vice President Supply Chain Operations der KION Group, über starke Lieferketten und entsprechend starke Unternehmen.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Frau Mezger-Behan, welche Bedeutung hat die viel beschworene Transparenz für die Lieferketten?

Transparenz ist heute der wichtigste Hebel für resiliente und nachhaltige Lieferketten. In einer Krise entscheidet Geschwindigkeit – und Geschwindigkeit entsteht nur, wenn ich sofort verstehe, was passiert und was das für unsere Supply Chain bedeutet. Jede Minute, die wir brauchen, um Auswirkungen zu analysieren, bringt uns ins Hintertreffen gegenüber anderen, die um dieselben Ressourcen konkurrieren. Lieferketten sind heute komplexer, fragiler und stärker geopolitisch beeinflusst als je zuvor. Es ist schlicht unmöglich, alle Eventualitäten im Voraus zu planen. Umso wichtiger ist es, jederzeit volle Sicht auf Materialien, Bestände, Lieferantenleistung, Transportwege und Risiken zu haben – und die finanziellen und operativen Konsequenzen unmittelbar bewerten zu können. Transparenz ist damit keine Option mehr, sondern Voraussetzung für Handlungsfähigkeit.

Sie haben mit KION dafür Standards, Prozesse und datenbasierte Systeme aufgebaut. Was bewirken die? Standards, klare Prozesse und klare Rollen mit entsprechender Kompetenz schaffen Klarheit von der ersten Minute – besonders in Ausnahmesituationen. In den vergangenen Jahren haben wir systematisch Transparenz in unseren Materialstücklisten, Materialflüssen und Lieferketten aufgebaut, unsere Lieferantenbasis, wo sinnvoll, gedoppelt und diversifiziert und regionale Abhängigkeiten reduziert. Heute wissen wir auf Knopfdruck, wie lange wir mit kritischen

Materialien abgesichert sind, wo Risiken entstehen könnten und wer im Ernstfall welche Entscheidung treffen muss – bis hin zu konkreten Eskalationspfaden. Diese Klarheit erlaubt es uns, nicht zu reagieren, sondern aktiv zu steuern. Sie ist das Fundament für schnelle, faktenbasierte Entscheidungen und für eine enge Zusammenarbeit über Funktionen hinweg – von Einkauf über Produktion bis Logistik und natürlich für unserer Lieferanten.

Die Krisen der letzten Zeit haben Prozesse gestört oder verändert – und wer nicht schnell neue Lösungen oder Abläufe fand, hatte das Nachsehen. Was sollten Unternehmen daraus lernen?

Die wichtigste Erkenntnis ist: Resilienz entsteht nicht ad hoc, sondern durch Standardprozesse, Supply Chain Design und eine konsequente, kontinuierliche Planung über Unternehmensgrenzen hinweg. Unternehmen müssen ihre Lieferketten als ganzheitliches System verstehen – organisatorisch, technologisch und kulturell. Das bedeutet klare Verantwortlichkeiten, standardisierte Abläufe, aber auch gezielte Investitionen in Fähigkeiten und Tools. Wer erst in der Krise anfängt, Transparenz zu schaffen, Prozesse zu definieren oder Rollen zu verteilen, verliert wertvolle Zeit. Resiliente Organisationen haben ihre Hausaufgaben gemacht – und können auch unter Druck souverän handeln.

Lassen sich physische und virtuelle Prozesse überhaupt noch unterschiedlich gewichten?

Nein – diese Trennung ist überholt. Physische Materialflüsse und virtuelle Datenflüsse gehören untrennbar zusammen. Automatisierung im Lager oder Transport entfaltet ihren vollen Nutzen erst dann, wenn sie durch digitale Prozesse, verlässliche Daten und integrierte Systeme ergänzt wird. Wir sehen heute sehr klar: Automatisierung sorgt für Effizienz, Geschwindigkeit, und Genauigkeit, datengetriebene Systeme und KI schaffen Vorausschau. Erst das Zusammenspiel beider Ebenen macht Lieferketten wirklich intelligent – und damit anpassungsfähig in einem volatilen Umfeld.

Wie wichtig ist es, innerhalb der Supply Chain Risiken oder Muster zu erkennen – auch solche, die von Menschen nicht vorhergesehen werden können? Extrem wichtig. Die Komplexität moderner Lieferketten übersteigt längst das, was Menschen allein überblicken können. Tausende Teile, Lieferanten, Transportwege, Zielorte und Abhängigkeiten lassen sich nicht mehr manuell steuern. Genau hier entfalten datenbasierte Analysen und KI ihren Mehrwert. KI hilft uns, Muster, Abweichungen und Risiken frühzeitig zu erkennen – etwa bei Lieferantenperformance, Nachfrageschwankungen oder Bestandsentwicklungen. Sie macht Zusammenhänge sichtbar, bevor sie operativ spürbar werden. Das verschafft Zeit: Zeit, um Alternativen zu prüfen, Kapazitäten umzusteuern oder gezielt gegenzusteuern. Sie ermöglicht den Grundsatz, sich ausschließlich auf Abweichungen zu konzentrieren. Ein konkretes Beispiel: Wenn Planungsparameter nicht mehr auf Annahmen oder historischen Durchschnittswerten basieren, sondern auf realer Lieferantenleistung, lassen sich Bestände gezielt reduzieren oder erhöhen, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden bzw. unnötige Bestände zu finanzieren. Der entscheidende Punkt ist: Daten ersetzen Bauchgefühl durch belastbare Entscheidungsgrundlagen – sie erhöhen die Anpassungsgeschwindigkeit enorm.

Wie können moderne Lieferketten sicherer gemacht werden? Welche Rolle spielt eine systematische Szenario-Planung?

Sicherheit entsteht durch Vorbereitung, Transparenz und Entscheidungsfähigkeit. Szenario-Planung ist dabei ein zentrales Instrument. Wir simulieren unterschiedliche Entwicklungen – von Nachfrageschwankungen über Lieferantenausfälle bis hin zu Kosten-, Risiko- und Nachhaltigkeitsauswirkungen. Der Mehrwert entsteht aber erst, wenn diese Szenarien

konsequent in operative Entscheidungen übersetzt werden. Das betrifft Make-or-Buy-Überlegungen, Standortstrategien, Lieferantenbewertungen oder die Standarddefinitionen von Sicherheitsbeständen. Szenarien sind kein theoretisches Planspiel, sondern ein Werkzeug, um Handlungsoptionen vorzubereiten, bevor sie gebraucht werden.

So schaffen wir Entscheidungssicherheit auch unter Unsicherheit. Teams wissen, welche Stellhebel sie haben, welche Auswirkungen Entscheidungen haben und wie sie priorisieren müssen. Das erhöht nicht nur die Resilienz, sondern auch die Geschwindigkeit und Qualität von Entscheidungen. Sie unterstützen eine nachhaltige Transformation –und gehen mit gutem Beispiel voran. Wie gehen Sie dabei vor?

Nachhaltigkeit darf kein paralleles Ziel sein, sondern muss integraler Bestandteil operativer Entscheidungen werden. Deshalb verankern wir Nachhaltigkeitskriterien systematisch in unseren Steuerungs- und Entscheidungsmodellen. Heute fließen CO₂-Emissionen, SBTi-Ziele, Sicherheitsaspekte sowie Bewertungen wie EcoVadis in Beschaffungs-, Transportund Produktionsentscheidungen ein – genauso wie Kosten, Qualität und Verfügbarkeit. Das macht Entscheidungen komplexer, aber auch robuster. Der entscheidende Punkt ist: Nachhaltige Entscheidungen sind langfristig wirtschaftlich sinnvoll. Sie reduzieren Risiken, erhöhen Transparenz und stärken die Resilienz der gesamten Lieferkette. Nachhaltigkeit ist damit kein Widerspruch zur Effizienz, sondern ein wesentlicher Bestandteil zukunftsfähiger Supply Chains.

Es gibt den Spruch: Zeig mir deine Lieferhalle und ich weiß, ob dein Unternehmen funktioniert. Stimmt das so? Woran merken Sie, dass eine Supply Chain in einem Unternehmen funktioniert?

In gewisser Weise ja. Eine gut funktionierende Supply Chain erkennt man an klaren Abläufen, hoher Transparenz und einem reibungslosen Zusammenspiel von Menschen, Prozessen und Technologie. Wenn Verantwortlichkeiten klar sind, Daten verfügbar und Entscheidungen schnell getroffen werden können, spiegelt sich das unmittelbar im operativen Betrieb wider. Wir liefern eine konstante Leistung, gemessen an Sicherheit, Lieferzuverlässigkeit, Qualität, Kosten und Beständen – und ohne Hektik in der Lieferhalle! Am Ende ist eine leistungsfähige Lieferkette immer Ausdruck einer leistungsfähigen Organisation. Sie zeigt, wie gut ein Unternehmen in der Lage ist, Komplexität zu beherrschen – und Wandel aktiv zu gestalten.

Weitere Informationen: www.kiongroup.com

Genius Tip

»Transparenz ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für Geschwindigkeit und Handlungsoptionen. Nur wer seine Lieferkette in Echtzeit versteht, kann Risiken beherrschen, Chancen nutzen und nachhaltig entscheiden. Resilienz entsteht dort, wo Daten, Prozesse und Menschen konsequent, über Funktionen hinweg, zusammenspielen.«

»Terminals werden von reaktiven Umschlagsbetrieben

zu

proaktiv gesteuerten, datenbasierten Systemen«

Das internationale Joint Venture BOXBAY der SMS group und DP World krempelt mit seinen High Bay Storage (HBS)-Systemen die Containerlogistik in den Häfen der Welt um. Christoph Roth, CEO von BOXBAY, und Volker Brück, Director Business Development Port Logistics von BOXBAY, sprechen im Interview über die kluge »Hochstapelei« der Zukunft.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Herr Roth, Herr Brück, als Sie 2020 in Dubai Ihr erstes HBS-System installierten, ahnten Sie da schon, wie sehr dieses System den Containerumschlag in Häfen revolutionieren und gleichzeitig geänderten Lieferketten Rechnung tragen würde?

Den ersten Teil der Frage müssen wir klar mit »Ja« beantworten, da es bereits Zielsetzung der Produktentwicklung war, eine disruptive Lösung für die Logistik in Containerhäfen zu schaffen. Disruptiv ist die Eigenschaft des HBS, Container einzelplatzbezogen mit direktem Zugriff zu lagern. Dies ist grundsätzlich anders als die heute übliche Praxis, Container aufeinander zu stapeln, wodurch in der Regel unproduktive Umstapelvorgänge resultieren. Außerdem war das System schon bei seiner Einführung auf die Anforderungen aus geänderte Lieferketten ausgerichtet. Besonders hervorzuheben sind hier die extrem hohe Lagerkapazität und Umschlagsleistung pro Fläche, die das Auftreten von Peakvolumina bei der Abfertigung ultragroßer Containerschiffe (ULCS) ideal unterstützen. Containerterminals mit konventionellen Lagersystemen kommen häufig in dieser Betriebssituation mit kurzzeitigen, sehr großen Containermengen an ihre Leistungsgrenzen.

Wie lang war die Vorarbeit für Ihr HBS-System – und wie lange dauert die Realisierung an neuen Standorten?

Das BOXBAY HBS wurde aus der Schwerlast-Hochregallagertechnik innerhalb der SMS group (AMOVA) entwickelt, die seit einigen Jahrzenten erfolgreich im Bereich der Stahl- und Aluminiumindustrie eingesetzt wird. Der Entwicklungsprozess begann 2014 und wird seit 2016 in enger Zusammenarbeit mit DP World mit deutlichem Fokus auf Marktanforderungen der Terminalindustrie durchgeführt. In der Regel kann für die Realisierungsdauer ein Zeitraum von 18 bis 36 Monaten angesetzt werden.

Jeder kennt eigentlich Häfen und Container. Die Einsparpotentiale, die Sie mit Ihrem neuen System erreichen sind jedoch enorm. Wie sehen diese Einsparpotenziale aus?

BOXBAY erschließt eine Reihe von wesentlichen Einsparpotentialen: Das HBS bietet durch die Verdichtung von Lagerkapazität und Umschlagsleistung eine signifikante Platzersparnis gegenüber heute üblichen Containerlagern. Die Lagerfläche sinkt, abhängig vom jeweiligen Vergleichssystem, um 33 bis 66 Prozent, wodurch der Flächenbedarf des gesamten Terminals ebenfalls deutlich reduziert wird. Viele Seehäfen sehen sich heute vor dem Hintergrund fehlender Erweiterungsflächen und langwierigen Genehmigungsverfahren in einer angespannten Wachstumssituation.

Im operativen Betrieb entfallen durch den direkten Containerzugriff alle unproduktiven Umstapelbewegungen, die bis zu 65 Prozent aller Containerbewegungen in einem konventionellen Terminal ausmachen können. Hieraus resultieren deutlich weniger Handling-Systeme, z.B. weniger Lagerkräne

Christoph Roth, CEO Volker Brück, Director Business Development Port Logistics BOXBAY

und geringere Betriebs- und Wartungskosten. Die HBSDachfläche eignet sich hervorragend für die Installation einer industriellen PV-Anlage. Diese kann die rein elektrisch angetriebenen HBS Regalbediengeräte kostengünstig und nachhaltig mitversorgen.

Wie beeinflusst Ihre neue vertikale Lagertechnologie den Containerumschlag und die globalen Supply Chains? Wir sehen tatsächlich sowohl direkte als auch mittelbare Beziehungen zwischen unseren vertikalen Lagertechnologien für den Containerumschlag und den Entwicklungen in den globalen Supply Chains. Gerade die Entwicklungen, beginnend mit der COVID19 Pandemie und den folgenden geopolitischen Änderungen, haben zu Störungen und Volatilität in den Warenströmen geführt. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, Strategien zur Erhöhung der Resilienz globaler Lieferketten zu implementieren. Komponenten solcher Strategien sind u.a. Flexibilität, Redundanz und (Puffer-)Bestände. Bezogen auf den Containerumschlag in Seehäfen und Intermodalterminals kann ein BOXBAY HBS durch die Bereitstellung von zusätzlichen Lagerplätzen, ausreichenden Leistungsreserven und einer hohen operativen Zuverlässigkeit einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. Das HBS ist besonders gut für das häufig auftretende Szenario unregelmäßiger Schiffsanläufe mit größeren Peak-Volumina und kürzeren Abfertigungsfenstern geeignet.

Müssen wir Lager- oder Umschlaglösungen allgemein mehr »in die Höhe« denken? Was bedeutet das für das eingesetzte Material und Handling der Container? Automatisierte, hochverdichtete Hochregallager sind in vielen Bereichen der Logistik seit Jahrzehnten etablierte Technologien. Wir antizipieren wegen der zahlreichen Vorteile auch für den Containerumschlag zukünftig eine breitere Nutzung dieser Technologie. Konkret hängt die Einsatzmöglichkeit aber von verschiedenen Faktoren ab, die für einen Anwendungsfall standortspezifisch geprüft werden müssen. Zu den Faktoren zählen das Geschäftsmodell, wirtschaftliche Kenngrößen, klimatische und geographische Standortbedingungen und genehmigungstechnische Auflagen und Vorschriften.

Diese neue Art des Stapelns ist ohne digitale Planung und Steuerung gar nicht denkbar – kann man das so sagen? Diese Aussage ist korrekt. Bei dem HBS handelt es sich um eine komplett automatisierte Anlage, die über ein hochzuverlässiges und flexibles Gesamtautomatisierungssystem verfügt. Das System wird vollständig aus einer Hand geliefert und umfasst die Bereiche Energieverteilung und –management, hocheffiziente Antriebssysteme, Steuerung und Visualisierung, Lagerverwaltungssystem (HBS TOS) und Business-Intelligence-Modul (BI). Mit Hilfe einer standardisierten TOS-Kommunikationsschnittstelle kann das HBS nahtlos in alle Abläufe des Terminals integriert werden.

Wie wird sich die Hafenlogistik in den nächsten Jahren entwickeln und welche Rolle werden neue platzsparende und zugleich innovative Lösungen dabei spielen? Wie bereits dargestellt, werden innovative Lösungen für die Hafenlogistik wichtige Bausteine zur Erhöhung der Resilienz globaler Lieferketten. Containerterminals erfahren zunehmenden Druck sich als leistungsfähiger, resilienter Hub im Netzwerk der Reedereien zu positionieren. Durch den vermehrten Einsatz von KI und Blockchain verändern sich Terminals von reaktiven Umschlagsbetrieben zu proaktiv gesteuerten, datenbasierten Systemen innerhalb globaler Lieferketten. BOXBAY unterstützt in diesem Kontext durch fortlaufende Entwicklung und Erweiterung des HBS-Produktportfolios. Die jüngste Entwicklung ist das EmptySuperstack HBS, das speziell für die durchsatzstarke und flächeneffiziente Lagerung großer Mengen von Leercontainern ausgelegt ist. Nach Engpässen in der Coronazeit tragen Containerpools maßgeblich zur Steigerung der operativen Flexibilität und Resilienz eines Terminals bei. Am Standort London Gateway realisiert DP World ein innovatives BOXBAY Empty-Superstack HBS, das Kapazität für 27.000 TEU- Leercontainer bietet. Das HBS ermöglicht mehr als 200 Containerbewegungen pro Stunde auf der Wasserseite. Die horizontale Transferkapazität umfasst 40 Schnittstellen: 20 landseitige Transferpunkte für Lkw und 20 wasserseitige Transferpunkte für Shuttle-Carrier.

Genius Tip

»Quasi frei nach Shakespeares ›Was ihr wollt‹: BOXBAY ist vollständig modular und skalierbar und bietet damit für viele Anwendungsfälle das perfekte Logistikkonzept. Es setzt in der Containerlogistik mit 11 Ebenen im direkten Zugriff und 17 Ebenen bei Leercontainerstapelung branchenweite Maßstäbe.«

Automatisierung in der Supply Chain

Die Anforderungen an Lieferketten steigen stetig. Wir haben mit Kawasaki Robotics EMEA Product Manager EMEA Timo Ehlers über die Rolle von Automatisierung und Robotik in der Intralogistik gesprochen.

Herr Ehlers, warum gewinnt Automatisierung in der Supply Chain aktuell so stark an Bedeutung?

Lieferketten sind heute deutlich komplexer und dynamischer als noch vor wenigen Jahren. E-Commerce, steigende Kundenerwartungen und der anhaltende Fachkräftemangel erhöhen den Druck auf Unternehmen zunehmend – das erfahren wir immer wieder von unseren Kunden. Automatisierung ist daher in vielen Branchen nicht länger nur optional, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Der gezielte Einsatz von Robotern schafft stabile, skalierbare Prozesse, die auch bei schwankendem Produktionsvolumen zuverlässig funktionieren.

Wo sehen Sie die wichtigsten Einsatzbereiche für Roboter in der Logistik?

Besonders in der Handhabung von Material: Dazu gehören Pick-and-Place-Anwendungen, Palettieren, Depalettieren, Bin Picking sowie das Be- und Entladen von Fördertechnik oder Lkw.

Timo Ehlers, Head of Product Management & Marketing bei Kawasaki Robotics EMEA

Unsere Industrieroboter arbeiten nicht nur schnell, sondern mit hoher Präzision und Wiederholgenauigkeit. Das reduziert Fehlerquoten deutlich und erhöht gleichzeitig den Durchsatz. Moderne Vision- und Kamerasysteme wie unser K-Vision bringen zudem eine hohe Flexibilität in die automatisierte Verarbeitung – etwa bei verschiedenen Werk- und Packstücken.

Viele Unternehmen fürchten hohe Investitionskosten. Wie begegnen Sie diesen Bedenken?

Keine Frage: Automatisierung ist immer eine deutliche Investition. Doch die Kosten sind häufig deutlich geringer als unsere Kunden ursprünglich annehmen. Zudem blicken wir mit unseren Kunden und Partnern stets auf den gesamten Lebenszyklus. Roboter arbeiten rund um die Uhr, liefern konstante Qualität und erhöhen den Output. Gleichzeitig sinken langfristig die Betriebskosten. In vielen Projekten sehen wir bereits innerhalb von einem Jahr einen klaren Return on Investment – insbesondere dort, wo Prozesse bislang stark manuell geprägt waren.

Welche Rolle spielen kollaborative Roboter?

Eine sehr wichtige. Cobots wie unsere CL Serie ermöglichen eine enge Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschine. Sie unterstützen Personal bei monotonen oder ergonomisch belastenden Tätigkeiten und erfordern im Vergleich zu Industrierobotern deutlich einfacher umzusetzende Schutz- und Sicherheitskonzepte. Zudem sind sie sehr einfach und intuitiv zu bedienen und zu programmieren. Das erhöht die Flexibilität im Layout von Logistikzentren und verbessert zugleich die Arbeitsbedingungen.

Wie steigern Roboter die Resilienz von Supply Chains? Automatisierte Systeme sind skalierbar und planbar. Wenn Auftragsspitzen auftreten, können Prozesse deutlich schneller angepasst werden als mit rein personellen Maßnahmen.

Zudem ermöglichen digitale Schnittstellen eine bessere Transparenz entlang der Wertschöpfungskette. Das macht Unternehmen widerstandsfähiger gegenüber Marktschwankungen oder kurzfristigen Veränderungen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Automatisierung in Supply Chains?

Wir stehen erst am Anfang einer tiefgreifenden Transformation. Die Kombination aus Robotik, Datenanalyse, Visionsystemen und AI-gestützten intelligenten Steuerungssystemen wird Logistiknetzwerke noch effizienter und autonomer machen. Unser Ziel bei Kawasaki Robotics EMEA ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Lieferketten nicht nur schneller und kosteneffizienter, sondern vor allem nachhaltiger und zukunftssicher zu gestalten.

think about: Assistive Logistik

Exoskelette machen die Logistik zukunftsfähig

Dr. Ghesal Fahimi-Steingraeber, Geschäftsführerin Sales & Marketing von exoIQ, über die intelligente Symbiose von Mensch und Technologie.

Frau Dr. Fahimi-Steingraeber, warum beschäftigen Sie sich mit Exoskeletten?

Krankenstände, Fluktuation und reduzierte Leistungsfähigkeit kosten Unternehmen jährlich Millionen. Mir ist wichtig, Arbeitsplätze so zu gestalten, dass Menschen gesund, sicher und gern arbeiten können. Exoskelette sind für mich ein entscheidender Baustein, um Entlastung direkt dort zu ermöglichen, wo wir in der Arbeitswelt einen echten »Pain« haben.

Welche Herausforderungen sehen Sie derzeit in der Branche?

Der demografische Wandel sorgt dafür, dass weniger Menschen in körperlich belastenden Berufen arbeiten können oder wollen. Viele dieser Stellen sind schwer zu besetzen, während gleichzeitig die Krankentage hoch bleiben. Unternehmen müssen daher produktiv bleiben, obwohl ihnen Fachkräfte fehlen und Ausfälle zunehmen. Solange körperlich belastende Tätigkeiten in der Logistik nicht technologisch unterstützt werden, bleibt der Fachkräftemangel strukturell ungelöst.

Dr. Ghesal FahimiSteingraeber, Geschäftsführerin Sales & Marketing von exoIQ

Welche Rolle spielt Prävention dabei?

Eine sehr große Rolle. Arbeitsunfähigkeit kostet der deutschen Wirtschaft jedes Jahr immense Summen. MuskelSkelett-Erkrankungen verursachen besonders hohe Wertschöpfungsverluste. Prävention ist deshalb nicht nur eine Frage der Fürsorge, sondern auch ein betriebswirtschaftlicher Faktor. Exoskelette können genau dort ansetzen.

Warum sind Exoskelette trotz Automatisierung so relevant?

Automatisierung ist wichtig, aber längst nicht überall sinnvoll oder möglich. Besonders in variantenreichen Prozessen, wie der Kommissionierung oder im Umschlag, bleibt der Mensch zentral. Exoskelette schließen hier eine Lücke: Sie stärken den Menschen, anstatt ihn zu ersetzen. Studien zeigen, dass Exoskelette spürbare Entlastung schaffen.

Was zeichnet das Rücken-Exoskelett B900 von exoIQ aus Ihrer Sicht besonders aus?

Das B900 unterstützt dynamische Rückenarbeit wie Heben, Halten und Vorbeugen – und das mit einer Kraft, die in dieser Form ein echter Game Changer ist. Dank leistungsstarker Elektromotoren kann das System eine Unterstützung von bis zu 30 kg liefern, ohne die natürliche Bewegungsfreiheit einzuschränken. Für mich ist entscheidend, dass der Mensch im Mittelpunkt bleibt: Das B900 reagiert intuitiv auf die Bewegung, unterstützt nur dann, wenn es sinnvoll ist, und lässt sich harmonisch in reale Arbeitsprozesse integrieren.

Wie hilft ein Exoskelett gegen Fachkräftemangel?

Es hilft dreifach: Erstens reduziert es Ausfalltage und verlängert die Einsatzfähigkeit erfahrener Mitarbeitender durch Schutz und präventive Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit. Zweitens erhöht es die Attraktivität von Jobs, die bisher als körperlich »zu schwer« oder belastend galten. Und drittens stabilisiert es die Produktivität, was gerade bei dünnen Personaldecken enorm

wichtig ist. Moderne Ergonomie wird zunehmend zum Wettbewerbsvorteil – auch im Recruiting.

Was empfehlen Sie Unternehmen, die Exoskelette testen wollen?

Beginnen Sie mit einer klaren Analyse der belastendsten Tätigkeiten. Testen Sie Exoskelette anschließend mit realen Nutzergruppen über komplette Schichten. Achten Sie auf Bewegungsfreiheit, Komfort und einfache Handhabung – das sind die Schlüsselfaktoren für Akzeptanz. Und betrachten Sie den Return on Investment immer im Kontext der tatsächlichen Ausfallkosten. Dann zeigt sich schnell, wie groß das Potenzial ist.

Ihr Blick in die Zukunft?

Exoskelette werden in ein paar Jahren so selbstverständlich sein wie heute Handscanner. Unterstützende Technologien, kombiniert mit ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung und guter Qualifizierung, werden dafür sorgen, dass körperliche Arbeit wieder nachhaltiger, gesünder und attraktiver wird. Unser Ziel ist, mit Lösungen wie dem B900 einen spürbaren Beitrag dazu zu leisten.

Weitere Informationen via QR-Code sowie auf www.exoiq.com

Rückenentlastung durch das aktive Exoskelett B900 von exoIQ.

exoIQ • Genius Partner

Digitalisierung als Hebel für ein erfolgreiches Risikomanagement

Wachsende Unsicherheiten in Märkten und Lieferketten stellen Unternehmen vor die Herausforderung, Versorgungssicherheit, Kosten und Nachhaltigkeit gleichzeitig zu gewährleisten. In Einkauf und Supply Chain Management wird wirksames Risikomanagement damit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor, um Stabilität und strategische Handlungsfähigkeit zu sichern. Richtig verankert und unterstützt durch digitale und KI-gestützte Lösungen, wird es vom reaktiven Schutzmechanismus zum aktiven Treiber von Resilienz und Wertschöpfung.

Text Dr. Lars Kleeberg

Globale Unsicherheiten, hohe Energiekosten und regulatorische Anforderungen sind Gründe dafür, dass viele Unternehmen in der DACH-Region ihre wirtschaftliche Lage derzeit als sehr angespannt beurteilen und teilweise um ihre Existenz fürchten. Eine Umfrage von BME und ERA Group hat allerdings auch ergeben, dass der Einkauf durch Maßnahmen wie konsequentes Lieferantenmanagement, Risikomanagement und Digitalisierung einen entscheidenden Beitrag zur Wertschöpfung der Unternehmen und damit zu deren Stabilität leisten kann. Denn die Unternehmen setzen vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Herausforderungen auf stabile Partnerschaften zur Absicherung der Lieferketten, Kostenoptimierung durch Verhandlungen mit Bestandslieferanten und Diversifizierung der Lieferantenbasis.

Auch die Digitalisierung könnte durch die wirtschaftlichen Herausforderungen einen Schub erhalten: Gut 80 Prozent der an der Studie beteiligten Unternehmen erwarten Effizienzsteigerungen durch Prozessoptimierung und Digitalisierung. Dieses Ergebnis bestätigen auch Umfragen unter KMU: Das aktuelle Einkaufsbarometer Mittelstand von BME und Onventis zeigt z.B., dass Betriebe, die auf digitale Plattformlösungen und datenbasierte Lieferantenbeziehungen setzen, sich entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern.

Risikomanagement als Schlüsselfaktor für den Unternehmenserfolg

Wirksames Risikomanagement im Einkauf und Supply Chain Management ist mehr als die Vermeidung von Schäden: Es schafft darüber hinaus die Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum, wirtschaftliche Stabilität und

langfristigen Unternehmenserfolg, indem es Unsicherheit reduziert und strategische Handlungsfähigkeit sichert.

Ein erfolgreiches Risikomanagement setzt voraus, dass das Thema strategisch im Unternehmen verankert ist und von der Geschäftsleitung aktiv unterstützt wird. Gerade im Mittelstand, in dem Entscheidungsstrukturen häufig zentralisiert sind und finanzielle sowie personelle Ressourcen begrenzt zur Verfügung stehen, ist dieses ManagementCommitment entscheidend, um Zielkonflikte zwischen Kostenoptimierung und Versorgungssicherheit bewusst steuern zu können. Risikomanagement darf dabei nicht als isolierte Zusatzaufgabe verstanden werden, sondern muss integraler Bestandteil der Einkaufs- und SCM-Strategie und damit »Chefsache« sein.

KI schafft Transparenz und unterstützt das Monitoring Die Herausforderungen der Unternehmen sind vielfältig: Sie müssen Kosten optimieren, gleichzeitig aber CO₂Emissionen senken, sozial gerecht agieren und Liefersicherheit gewährleisten. Eine zentrale Voraussetzung dafür ist die Schaffung von Transparenz entlang der Lieferkette. Die Firmen müssen ihre Lieferantenstruktur, kritische Materialien, Abhängigkeiten sowie geografische, strukturelle und umweltbezogene Risiken kennen. Für mittelständische Unternehmen ist dies besonders relevant, da sie häufig stark von einzelnen Lieferanten oder Regionen abhängig sind. Transparenz bildet die Grundlage, um Risiken systematisch erkennen und bewerten zu können.

Daten- und KI-gestützte Auswahlverfahren ermöglichen es, diese Zielkonflikte in Echtzeit auszubalancieren und fundierte Entscheidungen zu treffen. Ihr Vorteil gegenüber traditionellen Methoden - die stark auf Erfahrungswerten, Referenzen und Preisvergleichen basieren - besteht darin, dass KI große Datenmengen analysieren und Muster erkennen kann, die menschlichen Entscheidungsträgern verborgen bleiben.

Im Risikomanagement unterstützt KI zum Beispiel das Monitoring von Lieferantenrisiken im Hinblick auf Zuverläs sigkeit, Finanzlage, Compliance und ESG durch frühzeitige Warnungen bei Störungen oder Lieferausfällen. Dadurch lassen sich Risiken nahezu in Echtzeit identifizieren, Engpässe vermeiden und Kostenstrukturen optimieren. Unternehmen profitieren von höherer Resilienz, präziseren Prognosen und einer messbar besseren Servicequalität.

Genius Partner • First-Class-Ratioconsult GmbH

Zudem steigert der Einsatz von KI die Objektivität und Transparenz in der Zusammenarbeit von Einkauf und Logistik. KI-gestützte Verfahren bewerten zum Beispiel Pünktlichkeitsquoten, Ausfallraten, Schadensstatistiken oder Emissionswerte objektiver und kontinuierlicher als klassische Methoden. Auch Faktoren wie Auslastung, Routenflexibilität oder Nachhaltigkeitskennzahlen können datenbasiert deutlich exakter erfasst werden.

Gute Absicht, aber (noch) mangelnde Umsetzung Dass Digitalisierung und KI maßgeblich zur Lösung der aktuellen Herausforderungen beitragen können, scheint unstrittig zu sein. Allerdings haben gerade KMU noch mit Defiziten beim Einsatz digitaler Technologien zu kämpfen. Vor allem KI-Lösungen werden von der Mehrheit zwar als erfolgskritisch angesehen, zur Optimierung ihrer Beschaffungsprozesse aber nur zögerlich eingesetzt. Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen und fragiler werdender Lieferketten sollten diese Instrumente jedoch intensiver genutzt werden, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Gerade KI-basierte Analysen sind, wie bereits erwähnt, der Schlüssel, um Risiken in der Lieferkette frühzeitig zu erkennen, Beschaffungsprozesse zu automatisieren, Compliance-Vorgaben in Echtzeit umzusetzen und fundierte Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Leider wird KI zurzeit aber eher noch »von unten« ausprobiert, anstatt von oben, den Chefetagen, ganzheitlich strategisch gesteuert. Hier ist es Aufgabe der Führungskräfte, mit gutem Beispiel voranzuggehen, in Weiterbildung und Professionalisierung zu investieren und »Mut zum Risiko« zu zeigen. Das schließt einen positiven Umgang mit Fehlern ein.

Dr. Lars Kleeberg, Hauptgeschäftsführer BME e.V.

So verlieren Unternehmen Geld im Zoll – oft unbemerkt

Viele Firmen zahlen unnötige Zollabgaben – ohne es zu merken. Die Gründe sind häufig banal: falsche oder lückenhafte Stammdaten, eine falsche Warentarifnummer, eine wackelige Ursprungsangabe oder fehlende Papiere – und schon wird’s teuer! Klar ist auch, dass es dadurch zu Verzögerungen bei der Zollabfertigung kommt und dringend benötigte Waren verspätet zur Verfügung stehen – ärgerlich für Hersteller und Händler! Thomas Stiegler, Geschäftsführer und Zolltrainer von First-Class-Ratioconsult GmbH, erläutert, worauf Unternehmen achten müssen.

Herr Stiegler, was läuft bei Firmen zollseitig am häufigsten schief?

Kurz gesagt: die Basics! Daten sind falsch erfasst oder werden nicht gepflegt. In der Folge kommt es zu Rückfragen und dadurch bedingten Verzögerungen. Unentdeckt stellen diese Daten ein enormes Risiko in Form von Bußgeldern und weiteren Sanktionen für das Unternehmen dar. Fazit: Wer die Basics im Griff hat, Stichwort »Data Quality Management«, erspart sich Ärger – und vermeidet Bußgelder!

Wen betrifft das besonders?

Vor allem international tätige Unternehmen und hier insbesondere KMUs. Sobald mehr Lieferländer, Lieferanten

und Artikel dazukommen, steigt die Komplexität – und damit die Risiken.

Sie bieten Zollschulungen an. Was bringen diese konkret? Wie heißt es so schön: Wissen ist Macht! Aber: Schulungen müssen praxisnah und verständlich sein. Wir arbeiten modular: von Grundlagenschulungen über Warenursprung und Präferenzen bis zu Zolltarifnummern und aktuellen Änderungen. Entscheidend ist, dass Teilnehmende danach sicher wissen: Welche Unterlagen brauche ich? Was sind die Risiken? Wie ist der nächste richtige Schritt?

Warum sind diese Themen so wichtig?

Weil sich Anforderungen und Regeln laufend ändern. Das Problem sind nicht nur die Änderungen – sondern, dass Firmen diese nicht sauber auf ihre Prozesse und Daten anpassen. Genau dann wird es teuer.

Woran merken Unternehmen: Wir müssen handeln?

Wenn ständig nachjustiert werden muss: Rückfragen vom Zoll, Verzögerungen,

think about: Zoll-Compliance

fehlende Dokumente, falsche Warentarifnummern. Das sind typische Warnsignale.

Ihr Erfolgsmaßstab?

Transparenz und Sicherheit: klare Zuständigkeiten, saubere Daten, dokumentierte Abläufe. Dann sinken die Risiken –und meist auch die Kosten.

Mehr Informationen: www.zoll123.de

Genius Tip

»Fehlerhafte Stammdaten sind einer der größten Kostentreiber im Zoll.«

Thomas Stiegler, Geschäftsführer und Zolltrainer von First-Class-Ratioconsult GmbH

© Yvonne Most
»Alles, was Angreifer sehen, kann man selbst sehen –ohne Systemeingriff oder Einverständnis«

Mit mehr als 15 Jahren Expertise in digitaler Transformation begleitet Hannah Victoria Groß Banken und Versicherer auf dem Weg zu digitalen, resilienten, datengetriebenen Geschäftsmodellen. Bei cysmo® verantwortet sie die internationale Skalierung der Plattform, die Unternehmen in Echtzeit Transparenz über externe Risiken und digitale Abhängigkeiten – bis tief in die digitale Lieferkette – gibt und damit eine resilientere Steuerung ermöglicht.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Frau Groß, welche Bedeutung hat Supply Chain Scanning für Unternehmen – und welche sollte es haben?

Wenn wir von »Lieferketten« sprechen, denken viele nur an Waren oder direkte Partner. Doch in der digitalisierten Welt besteht eine Lieferkette aus jedem System, jedem Dienstleister, jedem unsichtbaren Baustein, der am Geschäft beteiligt ist. Ein Ausfall von Cloudflare oder AWS – und plötzlich stehen Webshops, Logistiksysteme und Banking-Portale europaweit still. Nicht das eigene Unternehmen ist der größte Risikofaktor – sondern das Netzwerk, das man täglich nutzt. Dazu steigt der regulatorische Druck: NIS2, DORA, TISAX u. a. verlangen deutlich mehr Transparenz über digitale Abhängigkeiten in Lieferketten – je nach Branche und Kritikalität. Lieferketten verändern sich jeden Tag, Risiken jede Stunde, Angriffe passieren in Sekunden. Darum braucht Supply-Chain-Scanning denselben Stellenwert wie Finanzcontrolling: kontinuierlich, automatisiert, vorausschauend.

Welche Risiken treten in Lieferketten besonders häufig auf?

Der größte Irrtum ist: »Das betrifft nur die Großen.« In Wahrheit betrifft es alle – weil alle digital miteinander verbunden

think about: Operative Daten-Exzellenz

sind. Und Angreifer gehen immer über das schwächste Glied rein: über ein kleines Tool, einen externen Dienstleister, ein KMU mit schlechter Absicherung. Es sind aber nicht nur Cyber-Angriffe, die gefährlich sind. Manchmal reicht ein fehlerhaftes Update bei einem Dienstleister – oder ein Ausfall eines Cloud-Providers oder Dienstleisters – und plötzlich steht die ganze Liefer- und Servicekette still. Dazu kommen alltägliche Schwachstellen: schlecht konfigurierte Mail-Server, veraltete Systeme, unbekannte Unterlieferanten. Das Überraschende: Alle Risiken kann man von außen sehr einfach erkennen – wenn man kontinuierlich hinschaut.

Wie kann ein kontinuierliches Monitoring von Lieferanten, Partnern und Systemen denn gelingen?

Lieferketten-Transparenz klingt zunächst nach einem Mammutprojekt: IT-Zugriffe, Abstimmungen, Freigaben von Lieferanten. Es genügt jedoch der Blick von außen. Alles, was Angreifer sehen, kann man selbst sehen – ohne jeden Systemeingriff. Dafür braucht es nur eine Domain. In unter einer Minute erkennt man, welche Risiken von außen sichtbar sind: veraltete oder falsch konfigurierte Dienste, ab laufende Zertifikate, CVE-Risiken, offene Ports oder sogar geleakte Zugangs daten – und das in Echtzeit, basierend auf Open Source Intelligence statt alten Datenbanken. Man entdeckt dabei oft digitale Abhängigkeiten, die man selbst nie eingeplant hat: Termin-Widgets, SaaS-Tools, Sub-Lieferanten – Bausteine, die längst kritisch für das Geschäft sind. Outside-InScanning ersetzt nicht die IT

oder den CISO. Es sorgt dafür, dass Cyber-Teams nicht mehr die Nadel im Heuhaufen suchen müssen. Sie sehen zuerst, wo sie genauer hinschauen sollten. Die Voraussetzung ist deshalb keine Technik, sondern ein Perspektivwechsel: weg vom punktuellen Prüfen – hin zu einer permanenten Früherkennung, die im Hintergrund mitläuft und nur dann aufpoppt, wenn sich wirklich etwas verändert. So entsteht Sicherheit ohne Komplexität: einloggen – Überblick – handeln.

Wie sehr lässt sich Resilienz durch ein Monitoring in Echtzeit erreichen?

Resilienz heißt heute: nicht warten, bis etwas passiert –sondern merken, dass sich etwas verändert. Wenn sich die Angriffsfläche eines Lieferanten verschlechtert oder ein Dienst ausfällt, kann man sofort gegensteuern – statt erst bei der Störung zu reagieren. Deshalb setzen Versicherer bereits seit fast einem Jahrzehnt auf Outside-In-Scanning von cysmo®. Resilienz entsteht durch Realtime, Relevanz und Verständlichkeit.

Weitere Informationen via QR-Code.

»Von Daten überflutet, von Entscheidungen getrennt: Wie Logistikunternehmen jetzt mit KI & Echtzeit-Signalen wirklich beweglich werden«

Die Transport- und Logistikbranche kämpft mit globalen Krisen und volatilen Lieferketten. Gilles Tranchant, Senior Manager Transport & Logistics bei Eraneos, über starke Strategien, die Unternehmen flexibler machen.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Herr Tranchant, wie sehr beeinflussen Daten mittlerweile die täglichen Transporte und Logistikvorgänge? Was sollten Unternehmen daraus lernen? Daten durchdringen heute nahezu jede Entscheidung im Transport und in der Logistik – von der langfristigen Netzplanung bis zum nächsten Stopp eines Fahrers. Der größte Wandel besteht im Übergang von rückblickender Berichterstattung zu modellgestützten Echtzeitabläufen: Systeme erfassen, was auf der Straße geschieht, prognostizieren, was als Nächstes passieren wird, und lösen Maßnahmen in Minuten statt in Tagen aus. Doch Daten beeinflussen nicht nur den operativen Betrieb, sondern auch das Backoffice. Die zentrale Herausforderung der Logistikbranche liegt im richtigen Umgang mit Daten, insbesondere in der Stammdaten-Governance und in der Interoperabilität der stark fragmentierten IT-Systeme entlang der gesamten Lieferkette.

Früher hieß es: Wenn Daten keine Veränderungen bewirken, sind sie nutzlos. Wie gehen Unternehmen denn mit der Datenlage um, z.B. mit Echtzeit-Daten oder KI-gestützten Analysen?

Eine der grundlegendsten Herausforderungen in der Logistikbranche ist, dass die meisten Unternehmen nicht über die richtigen Stammdaten verfügen! Die meisten Unternehmen

bewegen sich zwischen »instrumentiert, aber nicht ausreichend automatisiert« und tatsächlich »Sense-and-Respond«-fähigen Abläufen. Vorreiter verwandeln Live-Signale innerhalb von Minuten in Entscheidungen, die in bestehende Workflows einfließen; Nachzügler sammeln Datenströme und Dashboards, die jedoch selten etwas am Verhalten von Planern, Fahrern oder Systemen ändern. Fragen Sie nicht: »Welche Daten haben wir?« Fragen Sie: »Welche Entscheidungen müssen schneller oder besser werden?« Erfassen Sie dann nur die Signale, die diese Entscheidungen vorantreiben, und koppeln Sie die Aktionen direkt in Ihr TMS/WMS, aber auch in andere Systeme sowie Pricing Tools, CRM, Forecasting Tools und ERPs zurück. Erkenntnisse sind nur dann wertvoll, wenn sie umgesetzt werden. Die gute Nachricht: Bestehende Systeme lassen sich oft weiter nutzen – sofern sie die richtigen Funktionen haben und integrierbar sind. Darauf setzen wir eine intelligente digitale Ebene, die Automatisierung, Prognosefähigkeit, Signalnutzung und Prioritätensteuerung ermöglicht.

Sie werben dafür, Technik und KI so einzusetzen, dass sie im Alltag direkt angewendet werden können. Findet das zu wenig statt?

Ja, es gibt zu viele Pilotprojekte und zu wenige Veränderungen im Tagesgeschäft. Die meisten Unternehmen verfügen über Transparenz und KI-PoCs, aber nur eine Minderheit bindet sie in die Benutzeroberflächen, Regeln und Anreizsysteme ein, die Disponenten, Fahrer und Lagerteams stündlich nutzen. Wenn eine KI-Erkenntnis weder eine Oberfläche, eine Regel noch die Vergütung verändert, ändert sie auch das Verhalten nicht. Definieren Sie zuerst das Ziel und entwickeln Sie anschließend das Modell.

Genius Tip

»Eine digitale Lieferkette ist keine IT-Frage, sondern Vorstandspflicht.Wer sie in Echtzeit scannt und kennt, führt das Unternehmen Wer es nicht tut, wird geführt.«

Hannah Victoria Groß, Chief Digital Officer (CDO) bei cysmo Cyber Risk

Eraneos • Genius Partner

Wie lassen sich Mitarbeitende in allen Bereichen, von der Disposition bis zum Fahrer, für innovative Prozesse begeistern?

Menschen müssen im Zentrum jeder Veränderung stehen –erst recht, wenn es um Technologie geht. Die Akzeptanz steigt, wenn Menschen klare persönliche Vorteile sehen, einfach handeln können und sich im Veränderungsprozess respektiert fühlen. Wenn ein neuer Prozess diese Woche keine Zeit spart, wird er nächste Woche nicht benutzt werden. Gestalten Sie zuerst den »nächsten Klick« und den persönlichen Gewinn – erst dann die Technologie.

Sie entwickeln für Unternehmen auch Markt- und Portfoliostrategien. Könnten Unternehmen sich abseits ihres Kerngeschäfts etwas mutiger nach links oder rechts bewegen oder mehr Kooperationen wagen? Unternehmen können durchaus mutiger agieren, aber diszipliniert und in Phasen. Erfolgreiche Unternehmen wagen den Schritt in angrenzende Geschäftsfelder, setzen dabei auf ihre bestehenden Stärken wie Netzwerk, Daten oder Infrastruktur und mindern Risiken durch Partnerschaften statt durch hohe Investitionen.

Weitere Informationen via QR-Code oder auf: www.eraneos.com

»Lieferketten sind ein integraler Bestandteil der Rechenzentren-Infrastruktur«

Peter Lößer, Executive Vice President Growth Enablement bei Arvato, arbeitet seit zwei Jahrzehnten an der Optimierung von Lieferketten und modernem Logistikmanagement. Im Interview erläutert er die Herausforderungen, denen sich Lieferketten für Rechenzentren stellen müssen.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Herr Lößer, die Anzahl der Rechenzentren wächst. Was bedeutet das für deren Wartung und Lieferketten?

Die rasant expandierende digitale Infrastruktur erhöht den Druck auf die Logistik, die mittlerweile als kritische Infrastruktur mit minimaler Ausfalltoleranz gilt. Immer komplexere Hardware, KI getriebene Roll-Out-Zyklen und der Trend zu hochverdichteten, flüssigkeitsgekühlten Umgebungen erfordern eine schnelle, transparente und absolut zuverlässige Auftragsabwicklung. Lieferketten müssen sich daher von effizienzorientierten »Just-in-Time«-Modellen zu resilienten »Just-in-Case«-Architekturen weiterentwickeln – mit strategisch geplanten Lagerbeständen und spezialisierten Transport- und Vor-Ort-Kapazitäten. Arvato unterstützt diese Entwicklung durch das Management des gesamten Rechenzentrum-Lebenszyklus – mit zentralen und dezentralen

Genius Partner • Ebeling Logistik

Lagern für Ersatzteile und Racks, sicherem Transport inklusive Premium-Lieferung, Installation und vorschriftsmäßiger Stilllegung in laufenden Rechenzentrumsumgebungen.

Die EU will ihre Datenkapazität in den kommenden Jahren verdreifachen – und gleichzeitig die Datensicherheit erhöhen. Viele Rechenzentren werden zudem außerhalb der Großstädte errichtet. Ist das eine strategische Herausforderung?

Ja. Da Rechenzentren aufgrund von Platzmangel zunehmend außerhalb der Großstädte angesiedelt werden, müssen auch die Lieferketten dezentraler werden. Dies erfordert ein Hybridmodell mit zentralen Logistikzentren und lokalen Lagern in der Nähe neuer Rechenzentrumscluster, kombiniert mit sicheren Transportwegen und strengen Compliance-Standards. Mit seiner Präsenz in der EU entwickelt und betreibt Arvato solche hybriden Logistikmodelle und gewährleistet so eine regelkonforme, sichere und resiliente Lieferkettenabwicklung – sowohl an zentralen als auch an neuen, dezentralen Standorten.

Was ist für den kontinuierlichen Betrieb von Rechenzentren und deren Infrastrukturen besonders wichtig? Kontinuität hängt von Nähe, Geschwindigkeit und spezialisiertem Fachwissen ab. Betreiber benötigen schnellen Zugriff auf kritische Ersatzteile – darunter oft große, mit langen Lieferzeiten versehene Anlagen –, die in der Nähe des Rechenzentrums gelagert werden. Da Racks immer schwerer und Kühltechnologien immer fortschrittlicher werden, erfordert die Handhabung Spezialausrüstung, aktualisierte Sicherheitsverfahren und Expertenteams. Die Kontinuität wird zunehmend im Rechenzentrum selbst sichergestellt: durch professionelle Rack-Installation, fachgerechte Verkabelung und andere technische Services, die sicher im laufenden

Verlässlichkeit und Flexibilität bei Ebeling: Wie Logistikpartnerschaft Krisen meistert

Acht Hallen mit 60.000 qm Lagerfläche, 450 Mitarbeiter aus 42 Nationen, 180 Lkw und das auf einem 130.000 qm großen Firmengelände: Ebeling Logistik in der Wedemark bei Hannover ist seit 1927 als inhabergeführte Unternehmen in der vierten Generation in ganz Europa unterwegs und bietet umfangreiche Logistikleistungen an. Im Interview erläutert Geschäftsführer Hendrik Ebeling, wie partnerschaftliches Zuhören und maßgeschneiderter Service die Supply Chain stärken und wie mit Erfahrung und Innovationskraft Lieferketten krisenfester werden.

Herr Ebeling, die Logistikbranche steht aktuell unter enormem Druck – steigende Kosten, volatile Märkte, Material- oder Fachkräftemangel. Wie lässt sich in solchen Zeiten die Stabilität von Lieferketten gewährleisten? Resilienz entsteht durch vorausschauende Partnerschaft. Unsere Erfahrung zeigt: Je enger sich ein Logistikpartner in die individuellen Abläufe der Kund:innen eindenkt, desto besser gelingt das gemeinsame Krisenmanagement. Ebeling begleitet Unternehmen nicht nur beim Transport, sondern bereits in der Prozessanalyse – von der Bedarfsplanung bis zur Warenauslieferung. Wir setzen auf lückenlose Kommunikation und transparente, digitale Schnittstellen. Gerade während plötzlicher Engpässe oder Nachfragespitzen stimmen wir Bestände, Buchungen und Transportvolumen tagesaktuell aufeinander ab. Moderne Lagerkapazitäten, die flexibel mitwachsen, sind dafür essenziell. Nicht zuletzt investieren wir kontinuierlich in Technik und Qualifikation unserer Mitarbeitenden, um als solider Ansprechpartner auch in fordernden Situationen an der Seite unserer Kunden zu stehen. Allerdings zählt das partnerschaftliche Miteinander oft mehr als jede Technik.

Viele Unternehmen suchen derzeit nicht nur einen Transporteur, sondern einen echten Lösungspartner entlang der Supply Chain. Was macht den Unterschied? Das Ziel liegt in passgenauen Serviceangeboten, die sich am Alltag der Kund:innen orientieren. Wir entwickeln Lösungen nach Maß, etwa durch zusätzliche Dienstleistungen wie ein eigenes Fotostudio im Lager, in dem angelieferte Produkte sofort katalogisiert und digitalisiert werden. In der Snackindustrie übernimmt Ebeling Pufferfunktionen und Kommissionierung für Aktionsware, die just-in-time an Märkte ausgeliefert werden muss. Es steht die Erleichterung des operativen Geschäfts im Vordergrund, nicht die bloße Abarbeitung. Direkter Draht, Prozessverständnis und die Bereitschaft, auch Sonderwünsche umzusetzen, sind dabei entscheidend. Uns vertrauen Konzerne ebenso wie Mittelständler. Zudem haben wir ein Herz für Startups, die wir von Beginn an begleiten. Wenn sie wachsen, wachsen wir mit.

Wie geht man bei Ebeling mit unvorhersehbaren Störungen um – etwa plötzlichen Ausfällen, neuen Marktbedingungen oder regulatori schen Hürden?

Flexibilität ist das Zauberwort – sowohl in Technik wie im Denken. Die moderne IT-An bindung und der Einsatz von Big Data helfen dabei, Engpässe frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Das beginnt beim tagesaktuellen Bestandsmanagement und reicht bis zum Kriseneinsatzteam, das bei unerwartetem Fahrzeugausfall sofort Ersatz beschafft oder Reparaturen in

Betrieb durchgeführt werden. Die Kontrolle der Umgebungsbedingungen ist nicht nur im Rechenzentrum, sondern auch beim Transport wichtig.

Wie sollte die langfristige Planung aussehen? Da die Nachfrage – beispielsweise bei GPUs – häufig das Angebot übersteigt, bleiben verlässliche Prognosen schwierig. Effektive Planung verlagert sich somit auf bedarfsorientierte Modelle: Verkürzung der Bereitstellungszeiten, Verbesserung des Informationsflusses, mehr Lagerbestände in der Nähe der Rechenzentren und Vorbereitung der Infrastruktur vor dem Einsatz. Die Balance zwischen ausreichendem Vorratsbestand und dem Risiko der Überalterung ist entscheidend. Professionelle Deinstallation, sicherer Rückbau und Ressourcenoptimierung, z.B. durch Wiederverwendung von Komponenten tragen dazu bei, Engpässe zu minimieren und gleichzeitig Nachhaltigkeits- und Compliance-Anforderungen zu erfüllen.

Wie sollte sich das Lieferkettenmanagement auf immer mehr Rechenzentren vorbereiten?

Lieferketten müssen als integraler Bestandteil der Rechenzentren-Infrastruktur betrachtet werden. Die Betreiber und ihre Partner müssen Geschwindigkeit und Sicherheit durch eine hochgradig koordinierte Orchestrierung von Logistik, Lagerhaltung und Vor-Ort-Services in Einklang bringen. Dies umfasst die technische Umsetzung in Rechenzentren, schnell einsatzbereite Teams, standardisierte Sicherheitskonzepte und einen starken Fokus auf Compliance und Nachhaltigkeit für den gesamten Lebenszyklus eines Rechenzentrums. Arvato bietet diese Leistungen als integrierter Lieferketten- und Servicepartner an.

www.arvato.com

think about: Resiliente Full-Service-Logistik

der eigenen Werkstatt steuert. Unsere Lagerfläche wächst kontinuierlich und bleibt dennoch modular, um schnell auf neue Rahmenbedingungen reagieren zu können. Die größte Sicherheit für die Kundschaft entsteht jedoch durch die Offenheit im Dialog. Wer zu- und hinhört, kann gemeinsam Lösungen entwickeln, die nicht im StandardNavigator stehen.

Weitere Informationen zum Unternehmen: www.ebeling-logistik.de

Genius Tip

»Wer zukunftssichere Logistik sucht, sollte auf einen Partner mit Innovationsgeist und individuellem Service setzen. Ebeling verbindet Kundenfokus mit Flexibilität – für eine resiliente Supply Chain, die auch turbulente Zeiten meistert.«

Hendrik Ebeling, Geschäftsführer, Ebeling Logistik

»Was zählt, sind Anpassungsfähigkeit,

Nachhaltigkeit und intelligentes Decision Making«

Produktionsrisiken aktiv steuern, Resilienz aufbauen, Ressourcen effizient und nachhaltig planen – das sind nur drei Aspekte, wie KI-gestützte Entscheidungsfindung in der Logistik eingesetzt wird. Für den 1969 gegründeten Aachener Softwareanbieter INFORM reflektieren Ulf König, SVP Manufacturing Logistics & Healthcare, und Erk Ewringmann-Dörr, Experte für Customer Centricity, über Paradigmenwechsel im Supply Chain Management, richtige Liefermengen zur richtigen Zeit am richtigen Ort, den Zusammenhang zwischen präziser Logistik und Nachhaltigkeit – und dazulernende Systeme und Unternehmen.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Herr König, es heißt so schön: Nur wer seine Abhängigkeiten kennt, kann Resilienz aufbauen. Können KI-Lösungen auch mit den derzeitigen Krisen oder kurzfristigen Veränderungen in der Lieferkette besser umgehen? Dafür sind sie wie geschaffen! Weil weitreichende Umbrüche in den globalen Lieferketten das »Neue Normal« geworden sind, denken Unternehmen ihre global angelegten Ökosysteme grundlegend neu. Anpassungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und intelligentes Decision Making sind dabei kritische Erfolgsfaktoren. Entsprechend sind COOs und Supply Chain-Verantwortliche stark gefordert, bestehende Konzepte und IT-Landschaften zu transformieren: Lauter werdende Rufe nach stärkerer Integration von KI in systemkritischen Prozessen sind die logische Folge. »Denkende« Systeme, die sich eigenständig weiterentwickeln und die Qualität getroffener Management-Entscheidungen signifikant erhöhen, sind der Schlüssel.

Herr Ewringmann-Dörr, wie verbessert KI die Entscheidungsfindung?

In der Logistik von Fertigungsunternehmen treffen viele systemkritische Faktoren gleichzeitig aufeinander: Kapazitäten, Termine, Kosten, Emissionen. Ähnliches gilt für

Ulf König, SVP Manufacturing Logistics & Healthcare bei INFORM.

Erk Ewringmann-Dörr, Experte für Customer Centricity bei INFORM.

Patienten- und Warenströme in Krankenhäusern oder für Behälterkreisläufe großer Handelsunternehmen. Ein Mensch kann nur wenige dieser Faktoren gleichzeitig überblicken und alternative Kombinationen durchdenken. Eine optimierende Software hingegen berechnet in Sekunden Tausende von Szenarien und identifiziert die Lösung, die unter allen Nebenbedingungen aktuell am besten passt. Sie kann zudem Prognosen erstellen und daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten. Das sind adaptive KISystemen, die Prozesse digital abbilden und optimieren, kontinuierlich lernen und Mitarbeitende gezielt entlasten. Bei INFORM sprechen wir von entscheidungs-intelligenter Process AI. Dabei spielen Machine Learning, Large Language Models und Process Mining mit unserem seit Jahrzehnten erfolgreichen Decision Intelligence-Verfahren aus der Operations Research zusammen.

Nachhaltigkeit entsteht als mathematisch berechnetes Ergebnis optimierter Entscheidungen.

Geht es - neben der sicheren, schnellen Versorgungauch um Nachhaltigkeit?

UK: Absolut. Nachhaltigkeit ist für uns kein Nebenthema, sondern ein struktureller Effekt intelligenter Steuerung. In allen eben genannten Bereichen steht zunächst die sichere und schnelle Versorgung im Vordergrund: Materialien müssen rechtzeitig an die Produktionslinien, Behälter im Umlauf bleiben und Patienten zuverlässig versorgt werden. Und genau hier entsteht ein großer Nachhaltigkeitshebel.

Wie denn das?

UK: Weil leistungsfähige Logistik und Nachhaltigkeit nur oberflächlich betrachtet einen Widerspruch darstellen. Denn der Einsatz moderner Steuerungsalgorithmen erlaubt beides: Sichere Produktionsversorgung bei minimalem Ressourceneinsatz. Heißt konkret: Nachhaltigkeit entsteht als mathematisch berechnetes Ergebnis optimierter Entscheidungen. Performante Steuerungen integrieren neben Kosten und Servicelevel auch Emissions- oder Auslastungskennzahlen in die Optimierungslogik. Damit wird Nachhaltigkeit nicht nur mess- und ausweisbar, sondern auch aktiv steuerbar. Eine effiziente Logistik reduziert beispielsweise Überbestände, Leer- und Eiltransporte, optimiert Routen und ermöglicht Behälterkreisläufe. All das spart Energie und wirkt gleichzeitig ökologisch, ökonomisch und sozial.

In Ihrem Trendreport zum Einsatz von KI in der Logistik hat die Mehrzahl der Unternehmen offensichtlich die Potenziale erkannt. Wie stark ist heute schon die Lust an der Umsetzung?

EED: Das Interesse ist sehr groß. 90 % der befragten Manager stehen dem Thema KI positiv gegenüber, zwei Drittel sind von den neuen Möglichkeiten sogar begeistert oder sehr interessiert. Die Gretchenfrage lautet meist weniger »Wollen wir KI einsetzen?«, sondern »Sind wir organisatorisch und technologisch bereit dafür?«. Strukturelle Themen wie fehlende strategische Verankerung, die Datenqualität oder fehlende Zeit für Implementierungsprojekte wirken oft noch als Bremse für die konkrete Umsetzung.

Wie lassen sich diese Bremsen aus Ihrer Sicht lösen? EED: Wir versuchen dies, indem wir je nach Komplexität bei unseren Kunden unterschiedliche bedürfnisnahe

Lösungsansätze anbieten. Wenn wir z.B. den Materialfluss bei Konzern-Kunden wie Audi, Coca-Cola oder Miele unterstützen oder Patienten- und Warenströme im Universitätsklinikum Düsseldorf oder Universitätsklinikum Aachen optimieren, finden wir komplexeste Prozessketten vor, die oft maßgeschneiderte Einzelentwicklungen unserer Software inklusive klassischer Implementierungsprojekte verlangen. Für unsere mittelständischen Kunden setzen wir bewusst auf Lösungen, die auf standardisierten Prozessen basieren, im Ergebnis aber keineswegs weniger performant sind. Moderne KI bei System-Setup, Konfiguration und Onboarding macht diese Standards sehr anpassungsfähig. So können wir Software-Implementierung schnell und kostengünstig ohne klassische Projektierung gewährleisten. Wir reduzieren die Komplexität bei der Inbetriebnahme und senken Einstiegshürden auf User-Seite durch automatisierte Assistenz: KI schlägt Parameter vor, erkennt Muster, vereinfacht und beschleunigt die Implementierung.

Wie sehr müssen Unternehmen aktiv mitarbeiten, damit KI-Systeme klüger werden?

UK: Naja, KI wird nicht durch das Einschalten intelligent, sondern durch Kontext. Dieser Kontext kommt aus der Praxis. Traditionell ist das Prozesswissen in der Logistik auf wenige Mitarbeitende konzentriert. Unsere fachliche Expertise gepaart mit der unternehmensspezifischen Domain-Expertise unserer Kunden ist der zentrale Erfolgsfaktor. KI ist hier ein potenter Verstärker, da mit ihrer Hilfe Prozesse, Entscheidungsfaktoren und Zielgrößen schneller und treffsicherer aufgenommen werden können. Die technische Installation ist somit heute deutlich einfacher als noch vor einigen Jahren, vor allem durch Cloud-Technologien und standardisierte Schnittstellen. Und sobald die Systeme laufen, erzeugt die Nutzung kontinuierlich neue Daten, die wiederum zur weiteren Schärfung und Verbesserung der Optimierungsentscheidung eingesetzt werden können. Das System kann somit mit jeder Entscheidung besser werden. Sie veranstalten am 22. April einen Praxistag bei Siemens Energy in Berlin. Was zeigen Sie dort? EED: Wir zeigen dort live und in Farbe, wie KI und Optimierung im industriellen Alltag tatsächlich wirken. Die Teilnehmenden erleben optimierte Werkslogistik in der Anwendung, im praktisch gelebten Prozess. Auf dem Werksgelände machen wir erlebbar, wie unser Transportleitsystem SYNCROTESS den innerbetrieblichen Materialfluss plant, priorisiert und in Echtzeit optimiert. Unser Kunde Siemens Energy wird dabei sehr offen über Erfahrungen aus dem laufenden Betrieb berichten – von Herausforderungen bis zu messbaren Effekten. Interessenten sind herzlich eingeladen!

www.inform-software.com

Genius Tip

»Resilienz, Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz wirken in globalen Lieferketten wie Zielkonflikte Führende Unternehmen lösen sie mit KI-gestützter Optimierung Moderne Logistiksoftware berechnet täglich tausende optimal abgestimmte Entscheidungen für sichere Produktionsversorgung, maximale Effizienz und minimalen Ressourceneinsatz.«

»Eine erfolgreiche Supply Chain ist eine kundenzentrierte Supply Chain«

Seit 25 Jahren berät Xvise Unternehmen bei der strategischen Entwicklung, Planung und Umsetzung von Logistik-Projekten. Managing Director Gerald Wolf verrät, warum eine anbieterunabhängige Beratung immer noch die besten Supply-Chain-Lösungen findet.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Herr Wolf, sind Sie überrascht, wie spielentscheidend die Supply Chain in den letzten Jahren geworden ist? Nein, gar nicht. Das Supply Chain Management war aus meiner Sicht schon immer relevant für Unternehmen, die erfolgreich sein wollen. Was mich eher überrascht, ist, dass viele Unternehmen den Stellenwert des Supply Chain Managements und der Logistik weiterhin nicht erkennen. Die Logistik hat innerhalb eines Unternehmens eine wichtige Querschnittsfunktion. Das SCM muss über die gesamten Lieferketten mit ihren vielen verschiedenen Stakeholdern hinaus funktionieren und braucht eine gute Kooperation und vor allem eine gute Kommunikation, sprich Transparenz. Allerdings ist gerade diese Transparenz in vielen Unternehmen (noch) nicht vorhanden.

Wie lässt sich die Leistungsfähigkeit der Supply Chain denn feststellen und im nächsten Schritt dann steigern? Es gibt verschiedenste Methoden, wie man die Leistungsfähigkeit prüfen kann. Sie können beispielsweise Risiko- oder Prozessanalysen durchführen. Letztlich geht es darum, Engpässe zu erkennen und regelmäßige Stresstests zu machen. Allein wenn ich mir kontinuierlich Feedbacks von Lieferanten und Kunden einhole, erhalte ich wichtige Informationen über die Performance. Schon sind wir wieder beim Thema Transparenz. Wenn ich als Unternehmen meine Daten und Zahlen nicht zusammenhabe, kann ich keine relevanten Kennzahlen

Genius Partner • EMO-LOG GmbH

»Fehlerhafte

evaluieren und meine Leistungsfähigkeit auch nicht bewerten. Um die Leistungsfähigkeit zu steigern, brauchen Sie aber die entsprechenden Daten und standardisierte, automatisierte Prozesse. Nur so lassen sich Bestände optimieren, Kosten überprüfen oder Prognosen erstellen. Doch viele Unternehmen, die ihre Lieferperformance steigern wollen, hängen im täglichen Troubleshooting fest. So gesehen ist die Optimierung der Supply Chain auch eine Frage des Mindsets.

Wo hakt oder ruckelt es denn hierzulande in der Planung und Umsetzung der Supply Chain am meisten? Das größte Problem ist der fehlende Informationsaustausch oder die fehlende Verfügbarkeit der richtigen Daten. Oft herrscht zwischen Unternehmen auch noch ein Silo-Denken. Selbst innerhalb der Unternehmen werden Informationen zu wenig ausgetauscht. Dazu kommt die geopolitische Unsicherheit, die auf die Lieferketten drückt. Auf der einen Seite sind die Amerikaner, die sich derzeit nur bedingt partnerschaftlich verhalten. Auf der anderen Seite haben wir den asiatischen Beschaffungsraum, von dem man sich grundsätzlich wieder ein bisschen unabhängiger machen möchte bzw. sollte. Außerdem droht ein Fachkräftemangel, der eine Automatisierung der Logistik zwingend macht. Viele Kunden automatisieren nicht nur aus der langfristi gen Kostenperspektive, sondern weil ihnen schlichtweg das Personal ausgeht.

Wie wichtig ist die Orientierung an den individuellen Prozessen und Zielen der Kunden? Im Endeffekt ist eine erfolgreiche Supply Chain eine kundenzentrierte Supply

Chain. Die zentrale Frage muss sein: Was braucht der einzelne Kunde wirklich, um seinen Nutzen zu maximieren? Und wenn ich kundenorientiert bin, muss ich auch lieferantenorientiert sein. Die letzten Jahre zeigten wiederholt, wie fragil das ganze System ist. Da braucht nur einmal ein Containerschiff querstehen und schon spüren das ganze Märkte.

Sie setzen dezidiert auf den Faktor Mensch und führen auch Trainings durch.

Wir haben bei uns mittlerweile Workshops etabliert, wo wir mit Mitarbeitenden unserer Kunden verschiedene Themen durchzuspielen. Was braucht der, den ich beliefere – und was braucht der, der mich beliefert? Weil: Steigere ich die Qualität vor mir, ist es auch leichter, die Qualität bei mir selbst und nach mir zu steigern. Eine technische Optimierung muss die Prozesse nicht nur schneller, sondern vor allem richtiger machen.

Weitere Informationen: www.xvise.com

Genius Tip

»Transparenz und durchgängiger Informationsaustausch sind der stärkste Hebel für eine belastbare Supply Chain Standardisierte Daten und automatisierte Prozesse machen Leistung messbar und Engpässe früh sichtbar. Wer die gesamte Kette konsequent am Kunden ausrichtet, schafft echten Mehrwert.«

Gerald Wolf, Managing Director von Xvise.

think about: Zoll-Regelungen

Zollanmeldungen sind ein großes Risiko«

EMO-LOG ist Anbieter eines vollumfänglichen Zollmanagements, das Unternehmen Kosten einspart und rechtliche Risiken minimiert. Denn das Potenzial für Unternehmen bei der Zollabwicklung steckt darin, zu wissen, wo Risiken liegen und wie sie vermieden werden. Zollexpertin Jessica Müller über die ausgelagerte Zollabwicklung der Zukunft.

Frau Müller, warum sollten Unternehmen ihre Zollabwicklung auslagern?

Vereinfacht gesagt, mangelt es den meisten Unternehmen an der notwendigen Zollexpertise und es werden für die Zollabwicklung vergleichsweise viele personelle und finanzielle Ressourcen gebunden. Auf Zoll spezialisierte Unternehmen wie EMO-LOG verfügen über das Knowhow und die technischen Voraussetzungen für ein effizientes und sicheres Zollmanagement. Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, welche immensen Kosten sie durch die Wahl des korrekten Zollanmeldeverfahrens einsparen können. Wenn beispielsweise Waren in die EU eingeführt werden, die für den Verkauf in Drittländern bestimmt sind, kann man durch ein Zolllager die regulären Einfuhrzollabgaben umgehen. Die Bestände dieser Verwahrlager (bis 90 Tage) und Zolllager (unbegrenzt) unterliegen unserem Monitoring und können in Echtzeit vom Unternehmen nach vollzogen werden. Ein weiterer Service bei einer ausgelager ten Zollabwicklung ist die

Jessica Müller, Leitung Zollwesen & geprüfte Zollexpertin bei EMO-LOG GmbH

Kommunikation mit den Zollbehörden sowie die Unterstützung bei der Erstellung und Beantragung von Nachweisen, z.B. Warenverkehrsbescheinigung (ATR), Präferenznachweise (EUR1) oder Ursprungszeugnisse. Durch die flexible Wahl der Frachtführer beim Import der Waren sparen Unternehmen viel Geld. Doch das führt häufig zu einem hohen Aufwand durch viele, häufig wechselnde Zollvollmachten. Wenn das Unternehmen aber alle Zolldienstleistungen exklusiv bei einem Zollagenten in Anspruch nimmt, ist fortan nur noch eine einzige Zollvollmacht notwendig. Der Zollagent ist dann bei Fragen durch den Zoll jederzeit über Zollanmeldungen auskunftsfähig und kann über den Anmelder Statistiken vorlegen.

Was ist der häufigste Grund für eine falsche Zollanmeldung?

Die größte Fehlerquelle ist der Umgang mit den Stammdaten der Waren. Irreführende Abkürzungen, eine nicht-konsistente oder uneindeutige Benennung von Waren sowie lückenund fehlerhafte Angaben führen unter anderem zu falschen Warentarifnummern. Es ist unumgänglich, dass Produktdeklarationen des Herstellers überprüft werden und sämtliche Angaben zu Produkten stets aktuell, vollständig und präzise sind. Falsche Warentarifnummern, die falsche Zollsätze nach sich ziehen, sowie falsche Präferenzangaben haben oft schwerwiegende rechtliche Konsequenzen. Häufig sind zudem je nach Lieferbedingungen die Hinzurechnungen oder Abzüge für eine korrekte Zollwertermittlung nicht bekannt und führen zusätzlich zu einer falschen Zollwertermittlung und zu falschen Einfuhrabgaben.

Welche konkreten Risiken ergeben sich aus einer falschen Zollanmeldung? Wenn der Zoll bei einer Betriebsprüfung feststellt, dass es eine Differenz zwischen den Angaben in der Anmeldung und dem Ist-Wert gibt, schaut er genau

hin. Falsche Warentarifnummern oder eine Präferenzbescheinigung trotz nicht präferenziellen Ursprungs der Waren stellen einen Verstoß gegen die Zollbestimmungen dar. Das kann zu hohen Nachzahlungen, Strafzöllen und im schlimmsten Fall zu einem strafrechtlichen Verfahren wegen Steuerhinterziehung gegen den Geschäftsführer des Unternehmens führen. Auch wenn es nicht so weit kommt: Wenn dem Zoll Unstimmigkeiten auffallen, führt das zu Verzögerungen und einem großen bürokratischen Aufwand. Der potenzielle Imageschaden, die Nach- und Strafzahlungen sowie die anschließenden »Aufräumarbeiten« werden oft teuer. Ein zuverlässiger Partner für die Zollabwicklung ist mit den Risiken vertraut und kann dem Unternehmen ein sicheres Zollmanagement bieten.

Kann Künstliche Intelligenz den Zollagenten ersetzen? KI kann auf der Grundlage bestimmter Muster in Daten sowie nach Eingabe von Stammdaten Zolltarifnummern generieren. Sie kann auch Rechnungen lesen und Daten in elektronische Zollanmeldungen übertragen. Jedoch hinterfragt oder bemerkt sie Unstimmigkeiten nicht unbedingt. Bis sie Neuerungen und Änderungen von Tarifnummern gelernt hat, kann sie schon gravierende Fehler gemacht haben. Die KI kann den Menschen im Zollwesen zwar unterstützen, aber nicht ersetzen. Die Expertise von Zollspezialisten bedeutet auch, Zusammenhänge zu verstehen und tagesaktuell die richtigen Schlüsse zu ziehen, vernünftige Entscheidungen zu treffen sowie mit Behörden, Dienstleistern und Kunden sachgerecht zu kommunizieren.

Weitere Informationen: www.emolog.de

Qualität und Stabilität als Basis für Innovation und Zukunft

Kann ausgerechnet die Logistikbranche, die jeden Tag Millionen von Güter bewegt, zum Trendsetter in Sachen Nachhaltigkeit werden? Ja, sagt Markus Schmitz, Managing Director der Raben Group Germany – und erklärt die Transportlogistik und -logik der Zukunft.

Herr Schmitz, trotz mannigfaltiger Krisen steuern Sie mit Ihren Logistiklösungen mehr Nachhaltigkeit an. Wie kann das gelingen?

Nachhaltigkeit beginnt für uns mit Effizienz – im Transport wie in der Infrastruktur. Als europaweit agierende Logistikgruppe optimieren wir Auslastung, vermeiden Leerfahrten und investieren kontinuierlich in moderne Flotten sowie in alternative Antriebe. Gleichzeitig statten wir unsere Standorte nach modernsten Umweltstandards aus und entwickeln neue Logistikimmobilien konsequent als energieeffiziente Gebäude. »Zero-Emission« ist für uns kein Schlagwort, sondern ein klares Zielbild, das wir mit Photovoltaik, Ladeinfrastruktur und intelligenter Gebäudetechnik Schritt für Schritt in den Betrieb überführen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus klaren Prozessen, moderner Technik und engagierten Mitarbeitenden – nur so wird Nachhaltigkeit im Alltag wirksam und messbar.

Globale Unsicherheiten und steigende Anforderungen –wie reagieren Sie darauf? Mit Stabilität durch Qualität und Investitionen. Die Raben Group investiert kontinuierlich in Infrastruktur, in leistungsfähige Umschlagterminals sowie in höchste IT- und Sicherheitsstandards zum Schutz sensibler Daten. Einheitliche Qualitätsvorgaben im gesamten europäischen Netzwerk sichern Verlässlichkeit und ein konsistentes Servicelevel über Ländergrenzen hinweg. Gleichzeitig investieren wir in den Ausbau unseres Netzwerks und in die Weiterentwicklung unserer

think about: Cyber-Resilienz

operativen Standards, um auch bei steigenden Volumina stabil zu bleiben. Unser Customer-Care-Ansatz »One Face to the Customer« sorgt dafür, dass Kunden einen festen Ansprechpartner haben, der Prozesse koordiniert, Schnittstellen bündelt und Lösungen schnell und transparent ermöglicht. Gerade in volatilen Zeiten schafft diese Klarheit Vertrauen und Planbarkeit in der Zusammenarbeit.

Inwiefern helfen Digitalisierung und Datenanalyse konkret?

Digitalisierung und KI sind zentrale Steuerungsinstrumente in unserem Netzwerk. Mit KI-gestützten Analysen prognostizieren wir Sendungsmengen, erkennen Risiken frühzeitig und optimieren Kapazitäten vorausschauend. Echtzeit-Daten schaffen Transparenz über Laufzeiten, Qualität und Abweichungen entlang der gesamten Transportkette. Das versetzt unsere Mitarbeitenden in die Lage, fundierte und schnelle Entscheidungen zu treffen – im operativen Tagesgeschäft ebenso wie in der strategischen Weiterentwicklung des Netzwerks. So steigern wir Effizienz, Servicelevel und Prozessqualität gleichermaßen.

Was bedeutet für Sie Resilienz? Resilienz heißt für uns: auch unter Druck leistungsfähig bleiben. Das erreichen wir durch standardisierte Prozesse, ein stark integriertes europäisches Netzwerk und Mitarbeitende, die Verantwortung übernehmen. Unsere Strukturen sind darauf ausgelegt, Schwankungen abzufedern und auch in Ausnahmesituationen

handlungsfähig zu bleiben. Technologie unterstützt uns – aber Menschen machen den Unterschied. Sie sorgen dafür, dass Qualität nicht nur definiert, sondern im Alltag gelebt wird.

Wie schätzen Sie die Logistikfähigkeiten Europas ein? Europa verfügt über eine starke Infrastruktur und hohe Professionalität. Mit standardisierten Qualitätsprozessen, kontinuierlichen Investitionen in Infrastruktur, Nachhaltigkeit und Digitalisierung sowie einem klaren Serviceversprechen lässt sich dieses Potenzial optimal nutzen. Entscheidend ist, diese Stärken im europäischen Netzwerk konsequent zu verbinden und weiterzuentwickeln. Effizienz, Transparenz und Kundennähe sind die zentralen Erfolgsfaktoren – gerade in einem zunehmend komplexen Marktumfeld. www.deutschland.raben-group.com

Genius Tip

»Nachhaltigkeit und Resilienz entstehen nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch ein sauber verzahntes Gesamtsystem aus Prozessen, Daten, Infrastruktur und Menschen. Wer hier konsequent investiert, schafft Stabilität im Tagesgeschäft und Handlungsspielraum für die Zukunft.«

Markus Schmitz, Managing Director der Raben Group Germany.

Enginsight • Genius Partner

»Wir sprechen über die Betriebsfähigkeit unseres Landes«

Die in Deutschland entwickelte Cyber-Security-Plattform Enginsight ist die Antwort für digitale Souveränität in IT-Sicherheit. Michael Rainer, Business Development Manager Public bei Enginsight, über störungsfreie Supply Chains, die der ganzen Gesellschaft zugutekommen.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Herr Rainer, immer öfter legen Hacker IT-Systeme lahm. Die Folgen sind auch psychisch zu spüren. Bürger und Mitarbeitende fühlen sich verunsichert. Wie sehr kann oder muss Cyber Security hier helfen? Das ist ein sehr spannendes Thema und zeigt einmal mehr, dass der Mensch im Fokus steht! Denn die KI ist auch nicht zwischen den Erdbeeren gewachsen, sondern von Menschen gemacht. So wie auf der Gegenseite Menschen agieren, hat es auch Folgen für Menschen. Es ist zum einen die Einrichtung oder das Unternehmen, was dadurch massive finanzielle Schäden erleidet, viel mehr aber wiegen die nur schwer messbaren Reputationsschäden, etwa das Vertrauen, welche nicht so leicht wieder herzustellen sind. Auch besteht eine soziale Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber, diese als Person, aber auch deren Arbeitsplatz und somit den Fortbestand der Unternehmung zu sichern. Und wie die Frage schon andeutet, fühlen sich die Menschen verunsichert, wir reden also von Gefühl. Eine adäquate Absicherung schafft also nicht nur technische Sicherheit, sondern auch das Gefühl von Sicherheit. Genau jenes Gefühl schafft eine passende Lösung, welche die Menschen mit ruhigen Gewissen in den Feierabend, ins Wochenende oder gar in den Urlaub gehen lässt.

NIS2 verschärft die Sicherheitsanforderungen in den Lieferketten noch einmal deutlich. Was sollten Unternehmen tun?

Unternehmen und Einrichtungen sollten sich umgehend bedarfsgerecht absichern. Natürlich nicht als Schnellschuss, denn diese sind meist unnötig teuer und können unter Umständen nicht genau passend sein. Hier sollte aus meiner Sicht und entsprechend der aktuellen Lage auf digitale Souveränität geachtet werden. Neben der Datensicherheit spielt vor allem die Investitionssicherheit eine große Rolle. Zölle, Sanktionen und weitere politische Maßnahmen können hier kurzfristig zum bösen Erwachen führen.

Sichere Lieferketten gehen über NIS2 hinaus?

Neulich sprach ich mit einem Kunden, der mir sagte: »Wir sind zwar nicht NIS2, müssen die Absicherung über verschiedene Maßnahmen gegenüber unseren Lieferanten aber dennoch nachweisen.« Es scheint also in den Köpfen anzukommen, dass es hier nicht um die blanke Erfüllung eines aufgezwungenen Gesetzes geht, sondern um die Geschäftsfähigkeit, ganz gleich ob im öffentlichen Sektor oder in der Wirtschaft, NIS2 oder Erkenntnis. »Aufgezwungenes Gesetz« klingt vielleicht hart, ist aber so, da gerade so einige der wichtigen und besonders wichtigen Einrichtungen, wenn auch aus ganz verschiedenen Gründen, der Zeit in diesem Thema hinterher sind. Im Kern sprechen wir doch über die Betriebsfähigkeit unseres Landes, der Versorgung, Erhaltung sowie Schaffung von Arbeitsplätzen und nicht zuletzt dem alltäglichen Leben. Es ist kein Science Fiction, sondern knallharte Realität!

Ein transparenter Ansatz können zudem Nachweise und Siegel wie ISO27001, Cyber Trust Europe als europäisches Label oder eine auch eine VdS10100 für KMU in Deutschland, welche für die Prüfung der NIS2 geeignet sind.

Was ist zu tun?

Die Lösung liegt darin, alle Interessensvertreter ins selbe Boot zu bringen, gegenseitiges Verständnis und Transparenz zu schaffen. Mit einer Lösung, welche den Tool-Zoo reduziert und anwendbar ist zahlt man auch auf das Thema der Haftung ein. Weiter müssen die vorhandenen Ressourcen geschont und bei Bedarf extern unterstützt werden können. Einen Schritt weitergedacht, macht es Sinn, neben der Prävention auch auf die Resilienz und somit nachgelagerte Sicherheitsinstanz zu setzen. Denn eines steht fest: Die Schwachstelle Mensch bekommt man vielleicht sensibilisiert, aber nicht gepatcht. Sie muss stets als Risikofaktor betrachtet werden!

Weitere Informationen zu NIS2 finden Sie in unserer Webcastreihe über den QR Code oder unter www.enginsight.com

Genius Tip

»Bei der Lieferkettenabsicherung geht es nicht nur um Gesetze Sie ist vor allem ein klarer Wettbewerbsvorteil!«

Michael Rainer, Business Development Manager Public bei Enginsight

Green Logistics 5.0

Bessere Routen, weniger Müll, intelligentere Lager. Die Logistik hat das Zeug zum Nachhaltigkeits-Champion, weil sie mindestens so komplex ist wie echter, umfassender Umweltund Ressourcenschutz. Sie könnte in den kommenden Jahren auch in Europa für kontinuierliche Wachstumsraten sorgen.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

In ihrem Forschungsartikel »Green Logistics 5.0: a review of sustainability-oriented innovation with foundation models in logistics«, erschienen am 16.12.2024 im European Journal of Innovation Management, widmen sich Bernardo Nicoletti und Andrea Appolloni einem »mehrschichtigen Innovationsansatz, der Unternehmensphilosophie, Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle« untersucht. Mithilfe datenreicher Basismodelle oder Foundation Models soll eine »Grüne Logistic 5.0« definiert werden, die, ganz im Sinne von Halit Cozas »Architectural Approaches in the Production Process of Logistics Spaces« (IGI Global Scientific Publishing, 2024), »Routen optimiert, Verpackungsabfälle reduziert, Lagerlayouts und diverse weitere Aspekte verbessert«. Gleichzeitig könne KI auch soziale, wirtschaftliche und Governance-Ziele berücksichtigen, sprich »Produktrückläufe vorhersagen, nachhaltige Recyclingpraktiken vorschlagen und den Energieverbrauch optimieren«.

Wo grüne Aspekte des Wirtschaftens früher weder systematisch noch technologisch angegangen wurden, sei es nun an der Zeit, umwelt- und energiebewusstes Verhalten

Genius Partner • TRAPO GmbH

in technische Prozesse, die nach grundlegenden Sprach-, Bild- und multimodalen Modellen arbeiten, zu überführen. »Die Vorteile dieser speziellen Foundation Models«, so Nicoletti und Appolloni, »gehen über die ökologische Nachhaltigkeit hinaus, da sie auch die Effizienz und Effektivität der Logistikabläufe verbessern können, was zu Kosteneinsparungen und deutlich erhöhter Kundenzufriedenheit führt«. Mithilfe von IoT, KI, Robotik und digitalen Zwillinge könnten selbst komplexe Vorgänge optimiert werden, die dann »Logistikmanagern helfen, fundiertere Entscheidungen über Investitionen, grüne Initiativen und andere strategische Prioritäten zu treffen«. So könne KI im operativen Bereich »prädiktive Analysen für das Bestandsmanagement und die Nachfrageprognose nutzen, Aufgabenzuweisungen und Terminplanung für Logistikarbeiter automatisieren und Echtzeitüberwachung sowie Berichterstattung für eine verbesserte Sichtbarkeit der Lieferkette bereitstellen«.

Der Einsatz autonomer mobiler Roboter und Führungsfahrzeuge (AGV) könne zudem für einen »effizienten Transport, Verstauen und Abholen, FM-gesteuerte Sortierund Verpackungssysteme« sorgen und gleichzeitig eine »größere Genauigkeit sowie Echtzeit-Artikelerkennung« in der Bestandsverwaltung bewirken. »Durch die Ausrichtung der Logistikabläufe an Nachhaltigkeitskriterien«, so Nicoletti und Appolloni, »können Logistikorganisationen erhebliche Umweltvorteile erzielen und gleichzeitig die operative Effizienz steigern. Die Synergie zwischen diesen beiden Paradigmen verspricht, die Logistikbranche in eine nachhaltigere und wohlhabendere Zukunft zu führen«.

Die Zukunft ist autonom, smart und vernetzt

Durchgängige Automatisierung und zuverlässige Robotik sind der Schlüssel zu moderner Intralogistik. Wie Unternehmen eine zukunftsfähige Prozessstruktur aufbauen und zugleich Kapazitätsengpässe, Fachkräftemangel und Prozessschwankungen abfedern können, erklärt Sebastian Lüke, Teamleiter F&E und Experte für autonome und mobile Robotik mit Fokus auf intelligente Lokalisierung und Navigation.

Herr Lüke, die Be- und Entladung ist offenbar noch immer der größte Bottleneck der Intralogistik … Aber auch ein zentraler Effizienzhebel! Vollständig automatisiert ist die Ladezone kein Risiko- oder Wartepunkt, sondern stabiler Teil eines schnelleren, reproduzierbaren und skalierbaren Gesamtflusses. Manuelle Eingriffe, Fehler, Unfälle und Verzögerungen werden minimiert, Mitarbeitende spürbar entlastet, die Sicherheit erhöht. Wer die Verladung automatisiert, schafft die Voraussetzung für eine echte End to End Automatisierung –und schließt die letzte große Lücke in der Supply Chain.

Ist es so einfach, wie es klingt?

Leider nicht. Wenn z.B. unser Transport Loading System an der Rampe effizient arbeiten soll, müssen die Paletten im Vorfeld sauber aufgebaut und ausgerichtet bereitstehen. Ein durchgängiger Prozess erfordert die perfekte Abstimmung aller Einzelschritte.

Sie sprechen von Ihrem in Funktion und Aufbau bislang einmaligen TLS 3600?

Ja. Unser kompaktes, aus Fahrzeug und Dock bestehendes System be- und entlädt LKW und Container autonom, wobei in einem Arbeitsgang bis zu drei Paletten mit bis zu 3.600 kg Nutzlast bewegt werden können. Im Unterschied zu einem One-Shot-Vergleichsprodukt, das auf einer Länge von ca. 20 m vor einer Laderampe fest installiert ist und bei denen der LKW präzise ausgerichtet werden muss, beansprucht unser lediglich 10 m langes TLS nur die Hälfte des Raumbedarfs, versperrt dank des schmalen Aufbaus nebenliegende Ladetore nicht, gleicht an der Rampe Höhenunterschiede und ggfls. Schrägstellungen der LKWs selbsttätig aus und bedient in Kombination mit dem wahlweise auf Schienen oder Rädern agierendem Dock Rail bzw. Dock Wheel mehrere Ladeplätze. Integrierte

Unterstützt wird diese Einschätzung vom indischen Marktforschungsinstitut Mordor Intelligence, das dem globalen Markt für Lager- und Vertriebslogistik ein riesiges Wachstumspotenzial bescheinigt, da »die Nachfrage nach einer effizienten, kostengünstigen Lieferkette mit kürzeren Durchlaufzeiten steigt«. Wachstumstreiber seien »verstärkte Corporate Social Responsibility (CSR)-Aktivitäten von Logistikunternehmen, die zunehmende Einführung von Elektrofahrzeugen im Transportsektor, die schärfere Umweltgesetzgebung und der zunehmenden Einsatz von KI in der globalen Lieferkette«. Von 2024 bis mindestens 2029 werde der Markt für grüne Logistik um jährlich 8,29 Prozent wachsen. Die Region Asien-Pazifik (APAC) werde den Markt voraussichtlich dominieren, da sie massiv in den »grünen Versorgungsmarkt« investiere und »Schwellenländer wie Indien sich an die Industrie 4.0 anpassen«.

Genius Facts

Grüne Logistik 2024 weltweit:

Marktvolumen: 1,28 Billionen USD Anteil Europa am weltweiten Logistikmarkt: 28,5 %

(Quelle: Mordor Intelligence Industry Reports, Spherical Insights, Grand View Research)

think about: Autonome Verladelogistik

Tracking Funktionen erfassen dabei jede Palette und stellen sicher, dass das Verladeschema exakt eingehalten wird.

Auf der LogiMAT ist das TLS live zu sehen?

Ja, in einem synchronisierten Gesamtsystem mit Fördertechnik, mobiler Robotik (AMR) und Roboterzelle – End to End Automation also nicht als Vision, sondern als erprobte Praxis. Digitales Rückgrat ist das TRAPO Intelligent Management (TIM). Die vernetzte anlagenweite Datenerfassung, ausgefeilte Sensorik und intelligente Steuerungslogik sind dabei Basis und zugleich Garant für präzise, planbare, ressourceneffiziente Abläufe. Mit TIM werden Kennzahlen zur Anlagenverfügbarkeit (OEE) sichtbar, Prozesszustände transparent und Optimierungspotenziale systematisch erschließbar. Gerade die Verknüpfung von leistungsstarker Hardware mit digitaler Intelligenz macht den Unterschied. Unser Credo: Flexibilität entsteht durch mobile Robotik, Stabilität durch intelligente Integration.

Herr Lüke, die Zukunft der Intralogistik ist …? Autonom, datengesteuert, hochgradig vernetzt, zunehmend selbstoptimierend und KI-prozessoptimiert. Und der Mensch steht für anspruchsvollere Aufgaben zur Verfügung.

Weitere Informationen: www.trapo.de

»Unsere

Innovationschwerpunkte: E-Trucks, CO²-freies Stückgut und digitale Buchungsplattform«

Mit seinen orangefarbenen LKW hat die Hohenloher Spedition Rüdinger Geschichte geschrieben. Als erstes Unternehmen in Deutschland bietet sie nun CO 2 -freies Stückgut an. Geschäftsführer und Inhaber Roland Rüdinger erklärt, wie ökologisches Handeln, digitalisierte Transportsteuerung und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen – auch für Klein- und Einmalkunden.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Herr Rüdinger, Sie führen Ihre Spedition in dritter Generation. Glauben Sie, dass es zuvor schon einmal so viele innovative Logistiklösungen gab wie heute? Ja, denn wir hatten immer wieder Phasen mit hoher Veränderungsrate. Früher fanden die Innovationen sehr stark bei Fahrzeugaufbauten und Fahrzeugkonzepten wie Tiefbett-LKW, Planentiefladern, 15-Meter-Sattelaufliegern oder Lang-LKW Typ 2, 3 und 5 statt. Danach gab es Innovationen in der Digitalisierung und bei unserem Web-Auskunfts-, Buchungs- und Infoportal, dann in der Sammelgutoptimierung durch Mitgliedschaften in neun Stückgut-Kooperationen. Nun haben wir die neuen Innovationsschwerpunkte, sprich die Antriebswende zu E-Trucks, CO²-freies Stückgut und die Digitalspedition als Buchungsplattform für Einzel-, Neu- und Privatkunden.

Sie bieten als erstes deutsches Unternehmen CO2freies Stückgut an. Wie kam es dazu?

Unsere Kunden tun sich schwer damit, bei der CO -Bilanzierung im Scope 3 eine Verbesserung zu erreichen. Dafür bieten wir die Lösung. Durch unsere hochintegrierte

think about: Zirkuläre Ladungsträgerlogistik

Arbeitsweise fällt es uns leichter, dieses Produkt darzustellen, als unseren Konzern-Marktbegleitern. Wir versprechen uns von diesem derzeit konkurrenzlosen Produkt Neugeschäft. Es passt in die Zeit und wir bieten dies ohne Aufpreis an. E-Mobilität ist ja kein Selbstzweck, sondern braucht diesen von uns nun klar dargestellten Nutzen! Die Dokumentation über alle Sendungen können unsere Kunden in unserem Web-Portal einsehen und herunterladen.

Welche Chancen bietet der Einsatz von Lang-Lkw für Wirtschaft und Umwelt – und welche Effizienzsteigerungen lassen sich erzielen?

Lang-LKW haben den Vorteil, dass sie bei sperriger Ware mehr Ladung aufnehmen können, bei fast gleichen variablen Kosten. Nur der Anschaffungspreis ist etwas höher. Das zusätzliche Ladevolumen beträgt beim 15-Meter-Sattel 10 Prozent, beim Lang-LKW Typ 3, also Motorwagen plus Dolly plus Sattelauflieger, 50 Prozent, und beim Lang-LKW Typ 5, dem 24-Meter-Hängerzug, 30 Prozent. Damit lassen sich Effizienzsteigerungen zwischen 10 und 50 Prozent erreichen. Falls unsere Volkswirtschaft in Konkurrenz zu anderen Volkwirtschaften treten sollte, wäre es fahrlässig, diese Effizienzvorteile aus politischer Angst vor der Schiene zu verschenken! Die gleiche Argumentation gilt Richtung CO²: Wenn CO² wichtig wäre, wäre es (grüne) Dummheit, das zu verschenken. Leider leisten wir uns genau diese Dummheit. Einfach ignorant!

Wie unterstützt Ihre neue digitale Buchungsplattform kleine Unternehmen und Privatkunden dabei, Transporte europaweit einfach und günstig zu organisieren? Mit simple-transport.de können Sie und jeder zu jeder Zeit und ohne Vorab-Registrierung einen Transport buchen.

Dazu geben Sie nur Transportstrecke und Packstückdaten ein. Sie erhalten dann ein Preisangebot und einen BezahlLink. Sobald bezahlt ist, wird der Transportauftrag ausgelöst und der LKW kommt. Der Transportverlauf kann im Web-Portal verfolgt und die Empfangsquittung eingesehen werden. Das ist komplett digitale Transportsteuerung.

Was muss passieren, damit die Logistik europaweit noch nachhaltiger und besser funktioniert?

Zur Verdeutlichung: Sammelgut-Speditionen arbeiten normal ausschließlich für Firmen. Neukunden werden erst auf Sendungsstruktur und Kreditfähigkeit geprüft, um dann ein Preisangebot zu erhalten. Erst mit einer Kundennummer kann es dann losgehen. Das ist für Klein- und Einmalkunden aufwendig und nervig. Wir lösen dieses Problem mit simple-transport.de. Was können Unternehmen tun, damit es nachhaltiger und schneller geht? Am besten, Sie buchen bei uns.

Roland Rüdinger, Geschäftsführer und Inhaber der Rüdinger Spedition GmbH.

bekuplast • Genius Partner

Mehrweg ist ein strategischer Erfolgsfaktor moderner Supply Chains

Die Anforderungen an moderne Supply Chains steigen rasant – Effizienz, Automatisierung und Nachhaltigkeit müssen heute Hand in Hand gehen. Gleichzeitig rückt die Bedeutung von Kreislaufwirtschaft und wiederverwendbaren Ladungsträgern stärker in den Fokus. Als erfahrener Lösungsanbieter im Bereich Mehrwegtransportverpackungen zeigt bekuplast, welche strategische Rolle intelligente Mehrwegkonzepte in der Logistik der Zukunft spielen. Ein Interview mit Geschäftsführer Jörg Deglmann. Herr Deglmann, welche Rolle spielen Ladungsträger in modernen Logistikkonzepten? Ladungsträger sind die Grundlage für reibungslose Warenflüsse – unabhängig davon, ob ein Prozess manuell oder automatisiert abläuft. Damit Logistik zuverlässig funktioniert, müssen sie sicher transportieren, störungsfrei durch Systeme laufen, in ausreichender Menge verfügbar sein und eine hohe Lebensdauer besitzen. Deshalb ist es so wichtig, sie frühzeitig in die Planung einzubeziehen und optimal auf die gesamte Systemlandschaft abzustimmen.

Die Themen Kreislaufwirtschaft und Wiederverwendbarkeit rücken immer stärker in den Fokus. Welche Bedeu tung haben sie für die Logistik? Kreislaufwirtschaft ist längst kein Trend mehr, sondern ein wesentlicher Leistungsfaktor. Wiederverwendbare Ladungsträger wie unsere Mehr wegbehälter ermöglichen

Jörg

stabile, transparente und ressourceneffiziente Materialflüsse. Jeder zusätzliche Umlauf schont Materialien, reduziert Abfall und senkt CO₂ Emissionen. Für uns ist klar: Ohne durchdachte Mehrwegkonzepte wird die Supply Chain der Zukunft weder wirtschaftlich noch nachhaltig funktionieren. Der Markt diskutiert intensiv über die PPWR. Welche Bedeutung hat die Verordnung für Mehrwegsysteme? Die PPWR – die »EU Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle« – schafft einen verbindlichen Rahmen, um Abfallmengen zu reduzieren, Recyclingquoten zu erhöhen und den Einsatz wiederverwendbarer Verpackungen zu stärken. Unternehmen müssen ihre Verpackungsstrategien stärker auf Kreislauffähigkeit ausrichten. Unsere Mehrwegtransportlösungen bieten dafür ideale Voraussetzungen: Sie sind langlebig, robust und lassen sich in geschlossenen Kreisläufen effizient einsetzen. Für viele Unternehmen wird das künftig ein entscheidender Baustein sein, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und ihre Logistik nachhaltiger zu gestalten.

Welche strategischen Vorteile bieten individuelle Mehrwegtransportverpackungen hinsichtlich Effizienz und Nachhaltigkeit? Individuelle Mehrweglösungen sind ein klarer strategischer Hebel. Sie steigern die Effizienz, weil sie exakt auf Produkte, Prozesse und technische Systeme abgestimmt sind und dadurch besonders stabile und reibungslose Materialflüsse ermöglichen. Gleichzeitig reduzieren sie CO₂ Emissionen, da langlebige Behälter viele Umläufe leisten und am Ende ihres Lebenszyklus recycelt werden können. Kurz gesagt: Durchdachte Mehrwegkonzepte machen Logistik messbar effizienter und deutlich klimafreundlicher.

Wohin entwickelt sich die Supply Chain – und wo setzt bekuplast an?

Logistik wird zunehmend durch Automatisierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeitsziele geprägt. Unsere Aufgabe ist es, Ladungsträger zu entwickeln, die exakt in dieses Umfeld passen. Dazu investieren wir kontinuierlich in Materialinnovationen, Recyclingprozesse und geschlossene Wertstoffkreisläufe. Unser Ziel ist es, Lösungen zu schaffen, die zukünftige Anforderungen erfüllen – und Unternehmen helfen, ihre Supply Chain schon heute auf das nächste Level zu heben.

Weitere Informationen via QR-Code oder auf www.bekuplast.com

Genius Tip

»Mehrweg ist kein Zusatznutzen, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor moderner Logistik. Wer auf intelligente, kreislauffähige Ladungsträger setzt, macht seine Supply Chain effizienter und klimafreundlicher. Die Zukunft gehört Systemen, die ökonomische und ökologische Leistungsfähigkeit verbinden.«

Zwischen Effizienz, Transparenz und Resilienz

Globale Lieferketten verändern sich rasant. Steigende Unsicherheiten, neue regulatorische Vorgaben und technologische Innovationen verlangen ein Umdenken in Strategie und Steuerung. Welche Weichen müssen Unternehmen jetzt stellen? Vier führende Experten geben ihre zentrale Handlungsempfehlung

Was ist aus Ihrer Sicht der entscheidende Erfolgsfaktor , damit eine Supply Chain heute wirklich resilient und zukunftssicher ist?

Katrin Hölter

CEO, DHL Supply Chain Germany & Alps

»Zukunftssichere Lieferketten sind diversifiziert, transparent und digital vernetzt. Wer Bestände flexibel bezieht, lagert und verteilt, kann geopolitische, ökologische und digitale Störungen souverän meistern. KI-gestützte Transparenz und engagierte Mitarbeitende sind dabei der Schlüssel – entscheidend ist und bleibt der Faktor Mensch. Resilienz entsteht durch das Zusammenspiel von Menschen, Technologie und Innovation – das zeigt sich täglich in der Arbeit mit unseren Kunden weltweit.«

Dominik Metzger

President & Chief Product Officer SAP Supply Chain Management, SAP SE

»KI-Agenten stärken Lieferketten durch autonome Orchestrierung: Operative Unternehmensdaten und Risikosignale werden in Echtzeit verknüpft, Arbeitsabläufe von Beschaffung bis Produktion über Firmengrenzen hinweg integriert, Disruptionen priorisiert und Lösungsszenarien unmittelbar simuliert. So entstehen aus fragmentierten Prozessen nahtlose, selbstoptimierende Netzwerke.«

Genius Partner • Mitsubishi Electric

Klaus Staubitzer CPO & Head of Supply Chain, Siemens AG

»Ein Erfolgsfaktor für resiliente Supply Chains ist für mich u.a. ein digital vernetztes und innovatives Partner-Ökosystem. Wenn Unerwartetes normal ist, entsteht Resilienz vor allem durch Zusammenarbeit und gemeinsame Verantwortung.

Transparenz, zum Beispiel durch Digital (Green) Twins, digitale Plattformen und wohlplatzierte KI-Anwendungen helfen, Engpässe früher zu erkennen. So trägt auch Nachhaltigkeit zu Produktivität und Versorgungssicherheit bei.«

»So steigt die Widerstandsfähigkeit der gesamten Supply Chain«

Lieferketten können aus Krisen lernen – und sich Schritt für Schritt verbessern und resilienter werden. Stefan Knauf, Division Manager von Mitsubishi Electric, erklärt, wie das Digitalisierungskonzept »SMKL« Supply Chains wandelt und zukunftssicher macht. SMKL steht für Smart Manufacturing Kaizen Level. Das japanische Kaizen beschreibt den Ansatz der kontinuierlichen Verbesserung in kleinen, klaren Schritten. SMKL bildet daraus eine Methode, die Digitalisierung beherrschbar macht und entlang der gesamten Wertschöpfung wirkt.

Herr Knauf, wieso ist jetzt die richtige Zeit, um die Supply Chain widerstandsfähiger zu machen? Lieferketten stehen seit Jahren unter Druck. Krisen, politische Spannungen und steigende Anforderungen, etwa im Bereich Cyber Security, wirken sich direkt auf Produktion und Logistik aus. Angriffe auf vernetzte IT- und OT-Systeme können heute genauso kritisch sein wie fehlendes Material. Unternehmen erkennen, wie wichtig stabile und transparente Strukturen sind. Durch die gezielte Nutzung vorhandener Daten werden Risiken früher sichtbar, sowohl operative

Abweichungen als auch sicherheitsrelevante Auffälligkeiten. Die Investitionsbereitschaft ist gestiegen, weil Störungen unmittelbare Auswirkungen auf Produktion und Lieferfähigkeit haben. Wer jetzt handelt, schafft Transparenz, verkürzt Reaktionszeiten und reduziert das Risiko von Ausfällen – inklusive Cybervorfällen.

Wie funktioniert Ihr Erfolgsprinzip SMKL? SMKL setzt auf einfache, klar strukturierte Schritte. Unternehmen starten mit bestehenden Daten und erhalten ein realistisches Bild ihrer Abläufe, einschließlich möglicher Schwachstellen in der IT- und OT-Vernetzung. Danach folgen Verbesserungen, die wenig Risiko erzeugen und schnell Wirkung zeigen. Dieser Ansatz schafft Orientierung: Prozesse werden verständlicher, Datenflüsse transparenter und potenzielle Sicherheitslücken früher erkennbar. SMKL ist skalierbar von der einzelnen Maschine bis zur gesamten Supply Chain. Jede Stufe erhöht nicht nur die Effizienz, sondern auch die Sicherheit.

Wie wichtig ist die Einbindung der Mitarbeitenden? Der Einstieg gelingt am besten an einer Maschine. Die Mitarbeitenden sehen unmittelbar, wie SMKL funktioniert und

Christoph Kilger CEO & Co-Founder aioneers

»Zukunftssichere resiliente Supply Chains basieren auf integrierten, in Realzeit aktualisierten End-to-End-Modellen. KI-gestützte Analysen und Simulationen machen Risiken früh sichtbar und unterstützen schnelle, konsistente cross-funktionale Entscheidungen vom Kundenauftrag bis zum Lieferanten. Diese werden zunehmend automatisiert getroffen und umgesetzt und führen zu autonomous Supply Chains.«

think about: Methodische Resilienz

warum Daten auch für die Sicherheit so relevant sind. Abläufe werden nachvollziehbarer, der Nutzen digitaler Unterstützung wird sichtbar. Da SMKL klare Schritte vorgibt, finden auch weniger qualifizierte Mitarbeitende schnell in die Bedienung. Das stärkt das Vertrauen in den digitalen Wandel.

Sie plädieren für kontinuierliche, kleine Schritte, statt sich Großprojekte überzustülpen, die nicht zum Unternehmen passen. Wie fördert dieses Vorgehen die Krisenfestigkeit?

Kleine Schritte reduzieren Komplexität und Risiko. Jede Verbesserung vertieft das Verständnis für Abläufe, Daten und Abhängigkeiten. Dadurch lassen sich Anomalien früher erkennen, sei es ein Prozessfehler oder ein potenzieller Cyberangriff. Mit der Zeit entsteht eine robuste Routine: Daten stehen schneller bereit, Entscheidungen werden klarer, und die Lieferkette reagiert flexibler.

Neue Ideen für beste Lager

Krisen zerren an den Lieferketten – und werden gleichzeitig zum Verbesserungsmotor für Bestandsanlagen. Element Logic® hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1985 auf intelligente Lagerautomatisierung spezialisiert. Inzwischen arbeiten fast 1000 Menschen in 30 Ländern für das Unternehmen, das sich als erster und weltweit führender AutoStore™-Partner etabliert hat und anlässlich der LogiMAT mit vier neuen Ideen aufwartet.

Die geopolitische Lage reißt Löcher in Lieferketten und löst massive Unsicherheiten aus. Komponenten sind plötzlich nicht verfügbar, Kosten und Preise schwanken, IT- und Cyberangriffe blockieren Systeme. Die Folge? »Projekte werden häufiger in Etappen geplant und noch stärker über einen belastbaren ROI gesteuert«, so Rémy El Abd, Vice President Germany & Middle East von Element Logic. Dies seien »insgesamt zwiespältige, aber letztlich hoffungsvolle Ausblicke für die System- und Anlagenbauer, welche immer flexibler und schneller werden müssen«.

In den kommenden Monaten werde die Nachfrage nach Automatisierung folglich steigen, jedoch werde das Geld vor allem auch in Bestandsanlagen fließen, um die se zu modernisieren und zu optimieren. Gleichzeitig gewinne Software weiter an Bedeutung – als zentrales Element für eine »kontinuierliche Orchestrierung,

Projekte werden häufiger in Etappen geplant und noch stärker über einen belastbaren ROI gesteuert.

Transparenz und Verbesserung im Betrieb«. Modulare, schnell skalierbare Anlagen können nicht nur mit kurzfristigen Planänderungen umgehen, sondern mittelfristig auch mit dem Fachkräftemangel und den steigenden Service-Level-Anforderungen im stationären Handel oder E-Commerce.

think about: Kompetenzbasierte Logistik

Automatisierung als Wettbewerbsvorteil –

Element Logic ist bekannt für sein Engagement für Innovation und seinen menschenorientierten Ansatz. Das Unternehmen verbessert die Lagerleistung durch eine einzigartige Kombination aus modernster Technologie, KI-gestützter Software und maßgeschneiderten Lösungen. Dies ermöglicht Unternehmen aller Branchen, die Effizienz, Genauigkeit und Skalierbarkeit ihrer Logistikabläufe zu verbessern.

Element Logic hat sein Angebot um ein Mietmodell für automatisierte Intralogistik, »Automation-as-a-Service«, kurz »AaaS« erweitert. Kunden erhalten damit einen

»kostengünstigen, vollständigen Zugang zur AutoStore-Technologie und der Element Logic Software-Suite – mit allen buchhalterischen Vorteilen«. Das neue Automatisierungsangebot vereint AutoStore-Hardware und Software mit After-Sales-Services und Support zu einem flexiblen Leistungspaket, samt Bedarfsanalyse und Anlagendesign, Installation und Integration der AutoStore-Lösung in die vorhandenen Prozesse, Echtzeit-Monitoring und proaktivem Support.

Auch ein neues, KI-basiertes Warehouse Control System (WCS), das hohe Prozessvolumina steuert, Leistungen in Echtzeit misst und den Materialflussrechner eController sowie die Insights-Plattform eLogiq integriert, wird vorgestellt. Mit der neuen Software wird das Bestandsmanagement verbessert, die Workflows werden flexibler, Mitarbeiter und automatisierte Lösungen lassen sich nachhaltig und intelligent steuern. Mit der innovativen Neuentwicklung »FlexBins«, einer Lösung für unterschiedliche Behältergrößen in AutoStore-Anlagen, will Element Logic zudem einen bedeutenden Fortschritt in der Cube-Storage-Automatisierung machen. Dies gilt ebenso für »AutoCase«, eine vierte Innovation für die effiziente, automatisierte Handhabung von Kartons in Inbound- und Outbound-Prozessen.

Wir sind Aussteller auf der LogiMAT Hall1H21. www.elementlogic.net/de

Logistic Training Center GmbH • Genius Partner

»Logistik braucht Anpacker – heute wie morgen. Stabile Lieferketten entstehen dort, wo Personalentwicklung strategisch verankert ist.«

Ohne qualifizierte Mitarbeitende läuft selbst die bestgeplante Lieferkette nicht. Das Logistic Training Center unterstützt Unternehmen und ihre Teams dabei, Kompetenz systematisch aufzubauen. Geschäftsführerin Elke Wasser über echte Manpower – und wie diese ihre »Power« kontinuierlich erneuert.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Frau Wasser, Daten, Wege und Lagerplätze zu optimieren, ist das eine. Doch welche Rolle spielt das Personal in der Logistik?

Das Personal ist der entscheidende wirtschaftliche Erfolgsfaktor. Technologie schafft Effizienz – doch gesteuert, bewertet und verantwortet werden Prozesse von Menschen. Sie koordinieren komplexe Lieferketten, erkennen Risiken frühzeitig und treffen fundierte Entscheidungen. In einer global vernetzten Wirtschaft entschei den Zuverlässigkeit, Tempo und Kostenkontrolle über den Markterfolg. Gut ausgebildete Mit arbeitende stabilisieren Abläufe und sichern so nachhaltige

Elke Wasser,

Logistic Training Center

Leistungsfähigkeit. Kurz gesagt: Systeme sind Werkzeuge – Menschen sichern den Erfolg.

Welches Ziel haben Ihre Aus- und Weiterbildungen? Unser Ziel ist es, Fachkräfte auszubilden, die Logistik ganzheitlich verstehen und Verantwortung übernehmen können. Wir verbinden Praxisnähe mit wirtschaftlichem Denken und digitalem Prozessverständnis. Teilnehmende sollen nicht nur Abläufe kennen, sondern Zusammenhänge erkennen, strukturiert handeln und auch in dynamischen Situationen souverän bleiben.

Welche Bedeutung hat Weiterbildung im Kontext von Fachkräftemangel und Automatisierung? Weiterbildung ist der zentrale Hebel, um Fachkräfte zu sichern und technologische Entwicklungen produktiv zu nutzen. Automatisierung verändert Aufgabenprofile – sie erhöht die Anforderungen an Kompetenz. Gut qualifizierte Mitarbeitende verbessern Prozesse, vermeiden kostspielige Fehler und sorgen für reibungslose Schnittstellen zwischen Mensch und System. So entsteht messbarer wirtschaftlicher Mehrwert.

Welche Kompetenzen sind künftig notwendig, um Logistikprozesse verlässlich am Laufen zu halten? Entscheidend sind digitale Souveränität, strukturiertes Prozessdenken und fundiertes Wissen über internationale Vorschriften. Logistik wird datenbasierter und global anspruchsvoller. Wer Lieferketten

steuert, muss Informationen sicher einordnen, klare Maßnahmen ableiten und auch unter Druck handlungsfähig bleiben. Kommunikation und Verantwortungsbewusstsein gewinnen dabei weiter an Bedeutung.

Werden Mitarbeitende in Luft- und Seefracht weiterhin mit kurzfristig veränderten Zoll- oder Sicherheitsanforderungen konfrontiert sein? Davon ist auszugehen. Zoll- und Sicherheitsvorgaben reagieren sensibel auf geopolitische Entwicklungen und internationale Handelsbeziehungen. Änderungen erfolgen häufig kurzfristig und wirken sich direkt auf operative Abläufe aus.

Unternehmen benötigen daher flexible Prozesse und Mitarbeitende, die regulatorische Anpassungen schnell erfassen und rechtssicher umsetzen können. Diese Kompetenz bleibt ein zentraler Stabilitätsfaktor der internationalen Logistik.

Weitere Informationen via QR-Code oder auf: logistic-training-center.com

Genius Tip

»Wer in Personalentwicklung investiert, stärkt stabile Lieferketten Fachkräftemangel muss kein Schicksal sein – mit gezielter Entwicklung, Offenheit für Quereinsteiger und dem Mut zu neuen Wegen lässt sich die Zukunft der Logistik aktiv gestalten.«

Intralogistik als strategisches Bindeglied der Supply Chain

Wie sich interne Logistikprozesse zur Wettbewerbsstärke entwickeln

Die Effizienz der Intralogistik ist ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Welche Innovationen zukunftsfähige Investitionen ermöglichen, zeigt die LogiMAT 2026, die Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen und Prozessmanagement.

Zölle, geopolitische Konflikte und Angriffe auf Containerschiffe verdeutlichen, wie volatil vormals stabile Supply Chains geworden sind. Unternehmen müssen alternative Lieferketten vorhalten und gleichzeitig ihre Strategien für Lagerhaltung und Bevorratung neu ausrichten. Konzepte mit minimalen Beständen greifen heute zu kurz. Stattdessen rückt die Leistungsfähigkeit der Lagerstandorte in den Fokus: Zentrale Logistikzentren können dezentrale Verteilpunkte effizient versorgen – vorausgesetzt, Lagerung, Kommissionierung und innerbetriebliche Transporte funktionieren reibungslos. Die Intralogistik wird so zum strategischen Bindeglied der Supply Chain.

Industrie, Handel und Dienstleister stehen dabei vor grossen Herausforderungen: Digitalisierung erfordert transparente Daten und durchgängige Prozesse, KI eröffnet neue Optimierungspotenziale, Nachhaltigkeit prägt die Erwartungen, und der Fachkräftemangel verstärkt den Druck zur Automatisierung. Gleichzeitig herrscht

Genius Partner • CIM GmbH

Unsicherheit gegenüber neuen Technologien und langfristigen Investitionsentscheidungen.

Oft werden Automatisierungs- und Digitalisierungsprojekte zu groß geplant, obwohl die geschäftliche Entwicklung über Jahre kaum präzise prognostizierbar ist. Sinnvoller ist ein kleinschrittiges Vorgehen mit skalierbaren Systemen und Best-of-Breed-Ansätzen. So lässt sich die Intralogistik flexibel an Geschäfts- und Technologieentwicklungen anpassen.

Moderne Lösungen unterstützen dies: Shuttle-Läger können modular erweitert werden, AMR und FTF ersetzen starre Fördertechnik und bewegen Waren autonom durch das Lager. Roboter mit Sensorik und Bilderfassung übernehmen Greif- und Kommissionierungsaufgaben. Leistungsstarke Software koordiniert Abläufe, beschleunigt Prozesse und erzeugt wertvolle Daten. Diese können als Avis- oder Stammdaten entlang der Supply Chain genutzt sowie für Prognosen und KI-basierte Analysen eingesetzt werden. Effiziente interne Logistikprozesse steigern damit unmittelbar die Wettbewerbsfähigkeit.

Welche Instrumente und Innovationen für eine zukunftsorientierte Intralogistik verfügbar sind, zeigen über 1.600 internationale Aussteller vom 24. bis 26. März 2026 auf der LogiMAT in Stuttgart – dem zentralen europäischen Trendbarometer für langfristige Investitionen.

Über die LogiMAT

Die LogiMAT findet vom 24. bis 26. März 2026 auf dem Messegelände Stuttgart statt und gilt als weltweit größte Fachmesse für Intralogistik-Lösungen. Sie bietet einen umfassenden Marktüberblick über Technologien, Produkte und Systeme zur Prozessoptimierung und Kostensenkung der innerbetrieblichen Logistik – ergänzt durch täglich wechselnde Vorträge und Live-Events.

Internationale Termine: LogiMAT India, 5.–7. Februar 2026, Mumbai

LogiMAT China, 22.–24. April 2026, Shenzhen

think about: Softwarelösungen

Intelligente Lagerlogistik – von komplexen Großlagern bis zum schnellen Go-Live

Friederike Kammann und Hannelore Mayr, Geschäftsführerinnen der CIM GmbH, über die Macht integrierter Softwarelösungen.

Frau Kammann, Frau Mayr, CIM entwickelt seit 40 Jahren Warehouse Management Systeme. Wo stehen Sie heute im Markt?

Friederike Kammann: Unsere Softwarelösungen PROLAG World und PROLAG One decken das gesamte Spektrum moderner Lagerlogistik ab – vom hochautomatisierten Großlager bis zum wachsenden E-Commerce-Standort.

PROLAG World unterstützt seit vielen Jahren komplexe, internationale Logistikumgebungen, zum Beispiel am Flughafen München. Durch PROLAG World können erstmals sämtliche Warenströme in einem zentralen Logistikzentrum durchgängig digital gesteuert werden. Gleichzeitig sehen wir, wie wichtig schnelle, standardisierte Lösungen werden. Deshalb haben wir PROLAG One entwickelt: ein vorkonfiguriertes WMS mit klaren Prozessen und einem Go-Live in wenigen Tagen.

PROLAG One ist neu auf dem Markt. Was unterscheidet das System von anderen Standard-WMS? Hannelore Mayr: Viele Unternehmen stehen unter Druck: steigende Auftragsvolumina, Fachkräftemangel, wachsende Anforderungen an Transparenz. PROLAG One adressiert genau diese Realität. Das System bringt fertige Module für Wareneingang, Kommissionierung, Inventur, Packplatz oder Versand direkt mit. Unternehmen erhalten eine robuste Prozesslandschaft, die sofort produktiv nutzbar ist. Gleichzeitig profitieren sie von unserer jahrzehntelangen WMS-Erfahrung und einer Technologie, die OnPremises oder als SaaS einsetzbar ist. Entscheidend ist: PROLAG One ermöglicht einen schnellen Start und bleibt skalierbar, wenn die Anforderungen wachsen.

CIM ist auch in der KI-Forschung aktiv.

HM: KI soll für unsere Kunden echten Mehrwert schaffen. Wir entwickeln Anwendungen wie Prognosen zur Auftragslast, Wegeoptimierung oder Unterstützung bei der Ressourcenplanung. Gemeinsam mit Forschungspartnern arbeiten wir an Modellen, die Prozesse vorausschauend steuern und Engpässe frühzeitig erkennen. Neue KI-Funktionen fließen kontinuierlich in PROLAG World ein – und perspektivisch auch in PROLAG One.

Was möchten Sie Unternehmen mitgeben, die 2026 ihre Logistik modernisieren wollen?

FK: Wer sein Lager zukunftsfähig aufstellen möchte, braucht präzise Prozesse und eine Software, die diese zuverlässig abbildet. PROLAG World bietet maximale Tiefe für anspruchsvolle Logistikumgebungen. PROLAG One bietet Geschwindigkeit und Effizienz für Unternehmen, die schnell starten wollen.

Friederike Kammann (links) und Hannelore Mayr
»Jetzt

ist der richtige Zeitpunkt, um alte Intralogistiksysteme zu erneuern«

Die Automatisierung schreitet stetig voran –doch viele Unternehmen kämpfen in der Intralogistik mit alternder Technik. Jürgen Kohl, Prokurist der HEITEC-Tochter Artschwager + Kohl Software GmbH, und Oliver Matipa, Key Account Manager der HEITEC AG, erklären, warum jetzt Modernisierung gefragt ist, welche Risiken der Generationenwechsel mit sich bringt und wie Retrofit-Projekte ohne lange Stillstände gelingen.

Herr Kohl, Herr Matipa, wie stark beeinträchtigen veraltete Intralogistiksysteme die Leistungsfähigkeit von Unternehmen?

Jürgen Kohl: Das hängt sehr von der vorhandenen Fachkompetenz ab. In Betrieben mit erfahrenem Personal lassen sich Störungen häufig intern beheben. Wo dieses Know-how fehlt, ist man im Störungsfall auf externe Hilfe angewiesen – mitunter steht dann die gesamte Anlage. Ein konkretes Beispiel: In einem Produktionslager läuft noch ein System aus dem Jahr 1994 auf einem Compaq DEC AlphaServer Cluster. Ersatzteile sind längst nicht mehr verfügbar, die Hardware ist nicht mehr wartungsfähig. Fällt dort ein Server aus, ist das Lager stillgelegt – und der einzige Spezialist, der das System noch kennt, geht bald in Rente. Auch bei der Steuerungstechnik zeigt sich die Problematik: Manche Anlagen arbeiten noch mit Siemens-S5-Steuerungen aus den 1980er Jahren und einem H1-Bus. Oft gibt es nur noch einen Mitarbeiter, der damit umgehen kann – und auch der verabschiedet sich bald in den Ruhestand.

Oliver Matipa: Neben der Ersatzteilfrage spielen heute auch andere Faktoren eine Rolle: der steigende Energieverbrauch alter Anlagen, neue Anforderungen an Maschinensicherheit (MRL) und immer strengere Vorgaben zur Cyber Security im OT- und IT-Bereich. Diese Themen erhöhen den Handlungsdruck zusätzlich.

Was bedeutet der Generationenwechsel für Logistikprozesse und Anlagen?

JK: Wir beobachten seit Jahren, dass die junge Generation mit der Technik von vor 30 Jahren kaum noch umgehen kann. Wer mit Tablets und Touchscreens aufgewachsen ist, steht vor Problemen, wenn Eingaben auf einem Terminal mit Tasten und Disketten erfolgen müssen. Es ist daher keine Option, junge Mitarbeitende auf alte Technik zu schulen –man muss die Technik an die neue Generation anpassen. Das sichert Know-how-Transfer und Zukunftsfähigkeit.

OM: Gerade in dieser Übergangsphase spielt professionelles Change-Management eine zentrale Rolle. Schulung und externe Beratung helfen, Ängste abzubauen und die Modernisierung organisatorisch sauber zu begleiten.

Warum haben viele Unternehmen ihre Systeme bislang nicht modernisiert?

JK: Das liegt an der Historie der Automatisierung. In den 1980er Jahren begann mit der Siemens-S5-Reihe die Automatisierungsära – robust, langlebig, zuverlässig. Viele Steuerungen liefen 30 bis 40 Jahre stabil. Es gab schlicht keinen Anlass, etwas zu ändern. Ersatzteile waren lange verfügbar, und die sogenannten Babyboomer, die diese Systeme aufgebaut haben, konnten sie warten. Doch diese Generation geht jetzt in Rente – und mit ihr verschwindet das Wissen über die alte

Technik. Ersatzteile kann man notfalls noch beschaffen, Fachkräfte nicht.

OM: Oft gehen Firmen davon aus, dass durch eine Modernisierung / Retrofit das CE einer Anlage verloren gehen kann. Das ist aber nicht der Fall, da durch die richtige Bewertung und Auslegung von Komponenten das CE einer Anlage in den meisten Fällen beibehalten werden kann und dadurch der teure und zeitaufwendige Prozess zur Erstellung des CE nicht angestoßen werden muss.

Weiterhin galt auch im IT-Bereich lange Stabilität. Systeme auf IBM AS/400 oder Windows-Servern wurden kontinuierlich gepflegt und funktionierten problemlos. Doch spätestens, wenn ein Unternehmen einheitliche Systeme wie SAP oder Microsoft D365 fordert, wird eine Modernisierung unausweichlich.

Kann moderne Software mit alter Steuerungstechnik überhaupt funktionieren?

JK: Ja – das funktioniert erstaunlich gut. Moderne Logistiksoftware ist modular aufgebaut, nutzt Datenbanken wie MS SQL Server und bietet webbasierte Benutzeroberflächen. Diese können mit älteren Steuerungen kommunizieren, wenn die Schnittstellen analysiert und angepasst werden. Wir nutzen dafür Tools wie Wireshark und ein eigenes Analyse-Add-on, das Kommunikations-Telegramme automatisch auswertet und für die Integration aufbereitet. So lassen sich Altanlagen mit aktueller Software verbinden, ohne sie komplett zu ersetzen.

Wie lässt sich eine Modernisierung umsetzen, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden?

OM: Jede Anlage ist individuell. Zunächst werden die vorhandenen Komponenten begutachtet, danach entsteht ein abgestimmter Modernisierungsplan. Abhängig von Betriebszeiten und Umfang gibt es verschiedene Vorgehensmodelle. Alle Modernisierungen werden bei uns mithilfe von digitalen Modellen vorbereitet und getestet. Dies reduziert nicht nur die Stillstandszeiten, sondern auch die Risken.

Beispiel 1 – Wochenendumstellung:

Ein automatisiertes Hochregallager mit fünf Regalbediengeräten und zwei Fördertechnik-Steuerungen wurde an drei Wochenenden auf S7-Steuerungen und SAP EWM umgestellt. Die neue Software wurde vorab im Büro getestet, nach dem dritten Wochenende lief die Anlage regulär weiter.

Beispiel 2 – Modernisierung während des Betriebs: Ein Lager mit umfangreicher Fördertechnik und vier S5-Steuerungen wurde vollständig modernisiert. Neue Schaltschränke, Profinet-Verkabelung, Scanner und Steuerungen auf S7 1500 wurden hochmigriert und installiert. Mithilfe eines digitalen Zwillings konnte die Steuerungssoftware vorab realitätsnah getestet werden. Nach nur drei Wochen war die Anlage produktiv.

JK: Der Einsatz digitaler Zwillinge, virtueller Modelle und Emulatoren reduziert Stillstandzeiten erheblich. So lassen sich selbst komplexe Umstellungen im laufenden Betrieb realisieren.

Wie profitieren Unternehmen lang fristig von einer Modernisierung?

JK: Modernisierung ist nicht nur ein technisches, sondern ein wirtschaftli ches Thema. Drei Punkte sind dabei entscheidend:

Ausfallsicherheit: Aktuelle Systeme laufen stabiler, Support und Ersatzteile sind verfügbar. Die Zeiten täglicher Sorgen um Systemabstürze gehören der Vergangenheit an.

Effizienz: Durch weniger Ausfälle, optimierte Prozesse und automatisierte Buchungen wird die Produktivität deutlich gesteigert – und der ROI verbessert sich messbar.

Zukunftsfähigkeit: Moderne Steuerungen und webbasierte Systeme sind langfristig wartbar. Vor allem aber: Die junge Generation kann damit sofort arbeiten.

OM: Wer heute modernisiert, investiert in Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit. Das ist kein Kostenfaktor, sondern eine Zukunftssicherung.

Welche Technologie setzt aktuell neue Maßstäbe?

OM: Ganz klar die Web-Technologie. Sie ermöglicht, dass alle Mitarbeitenden – ob im Büro, im Lager oder im Versand – in Echtzeit auf dieselben Informationen zugreifen können. Früher musste man zu einem festen PC gehen, heute hat jeder über Browser oder Tablet Zugriff. Das schafft Transparenz und Geschwindigkeit.

Genius Tip

»Modernisierung ist kein Risiko, sondern die Versicherung gegen Stillstand. Wer rechtzeitig handelt, sichert seine Lieferfähigkeit für die nächsten Jahrzehnte.«

Jürgen Kohl, Prokurist Artschwager + Kohl Software GmbH

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»Moderne,

ergonomische und digital integrierte Arbeitsplätze

sind mehr als ein Wettbewerbsvorteil«

Passgenaue Arbeitsplatz und Transportsysteme machen in der Intralogistik den Unterschied.

Björn Riechers, Geschäftsführer der 1972 gegründeten RK Rose + Krieger GmbH, erläutert, wie modulare Systeme Projektzeiten und Lebenszykluskosten positiv beeinflussen – und die Stabilität der Supply Chain erhöhen.

Herr Riechers, warum sollten Unternehmen ihre innerbetrieblichen Prozesse gerade jetzt unter die Lupe nehmen?

Weil Intralogistik heute der Taktgeber für Liefertreue, Qualität und Kosten ist – und weil die Rahmenbedingungen sich schneller ändern als jemals zuvor: volatile Nachfrage, kurze Lieferzyklen, steigende Variantenvielfalt und demografischer Wandel. Wer Materialflüsse vom Wareneingang über Montage und Kommissionierung bis zum Versand durchgängig prozesskonform auslegt, reduziert Durchlaufzeiten, Fehlerraten und Suchaufwände – und macht die Organisation robuster gegenüber Schwankungen. Bei Rose + Krieger sehen wir täglich, dass modulare, passgenaue Arbeitsplatz und Transportsysteme unmittelbar Durchsatz und Stabilität erhöhen. Genau dafür bieten wir einen Baukasten mit über 14.000 kompatiblen Komponenten von Profil , Verbindungs und Lineartechnik bis zur Modultechnik, aus dem wir unsere modular aufgebauten Kundenlösungen entwickeln.

Von der Warenanlieferung über die Montage an Fertigungsstationen und den Weitertransport bis zum Versand gibt es viele komplexe Punkte. Klopfen Unternehmen diese einzelnen Stellen genügend auf Verbesserungsmöglichkeiten ab? Häufig nicht konsequent genug. Typische »Reibstellen« sind nicht standardisierte Bereitstellung, manuelle Höhen oder Greifwege ohne Ergonomie, unpassende Standardwagen, Medienbrüche zwischen analoger und digitaler Auftragsführung sowie fehlende Skalierbarkeit bei saisonalen Peaks. Unser Ansatz: Wir denken End to End – Materialbereitstellung, ergonomisch einstellbare Arbeitsplätze, interne Transporte und Puffer – und konfigurieren aus Standardkomponenten individuell Transport/ Ausrüstungswagen, mobile Materiallager, Kanban-fähige Regale, arbeitsplatznahe Puffer sowie höhenverstellbare Arbeitstische mit Hubsäulen. Durch die interne Kompatibilität unseres Baukastensystems bleibt alles veränderbar, erweiterbar und damit lebenszyklusfest.

Wie lässt sich die Effizienz steigern, etwa durch modulare Systeme?

Modularität verkürzt die Projektzeiten und senkt Lebenszykluskosten. Beispiel: Unser BLOCAN® Profilsystem erlaubt hochfeste Verbindungen ohne mechanische Nachbearbeitung – ideal, wenn Layouts iterativ angepasst werden. Ergänzt um Lineareinheiten, Elektrozylinder und Hubsäulen entstehen rasch teil oder vollautomatisierte

Zellen bis hin zu COBOT-integrierbaren Lösungen. Das funktioniert, weil unsere Komponenten und Modulbausätze systemkompatibel sind – »verbinden, positionieren, automatisieren« aus einer Hand.

Schnelligkeit spielt bei der Lieferung von Waren eine immer größere Rolle. Was bedeutet das für die Intralogistik und die Stabilität der Supply Chain? »Schnell« ist nur nachhaltig, wenn die Prozesse reproduzierbar sind. Stabilität erreichen wir durch standardisierte, aber flexible und modulare Bausteine: ergonomische Montagestationen (mobil oder stationär) mit definierten Greifräumen, mobile, Task spezifische Wagen statt »One Size Fits All«, klare Materialflüsse und – wo sinnvoll – Robotik-unterstützte Modulzellen.

Welche Rolle spielen ergonomisch optimierte Arbeitsplätze für Produktivität, Fehlerraten und Mitarbeitergesundheit?

Höhen und neigungsverstellbare Arbeitsplätze mit Hubsäulen reduzieren Belastungen, geben den Mitarbeitern Freiheiten im Arbeitsraum, verbessern die Qualität und beschleunigen Anlernphasen. Unsere RK Easywork Lösungen, Monitor und Bediengerätehalter (VESA kompatibel, bis ca. 25 kg) sowie Beleuchtung und Assistenzsysteme helfen, standardisierte Arbeitsschritte sicher und wiederholgenau auszuführen – auch bei Schichtwechseln. Das reduziert Fehlerraten und steigert die Nettoarbeitszeit am Produkt.

Das Thema Fachkräftemangel betrifft auch die Intralogistik. Das heißt: Gut ausgestattete, moderne Arbeitsplätze in der Montage oder beim Versand machen Unternehmen auch attraktiver?

Absolut. Moderne, ergonomische und digital integrierte Arbeitsplätze sind mehr als ein Wettbewerbsvorteil im Recruiting. Sie ermöglichen schnelleres Onboarding, mehr Diversität in Teams und längere Beschäftigungsfähigkeit. Für uns heißt das: Assistenzsysteme (z. B. visuelle Schrittfolgen), feine Höhenanpassung, einfache Monitor /HMI Integration und skalierbare Wagen /Regallösungen – alles modular erweiterbar, auf individuelle Prozesse anpassbar und ohne teure Neuanfänge.

Welche Möglichkeiten gibt es, bestehende Anlagen schrittweise zu modernisieren, um einzelne Bereiche zu optimieren?

Brownfield statt Greenfield: Wir starten bewusst inkrementell – etwa mit arbeitsplatznahen Puffern oder Kanban fähigen Materialwagen, die Engpässe entschärfen. Danach folgen ergonomische Upgrades (Hubsäulen, Monitorhalter), Standard Linearmodule für einfache Automatisierungsschritte und – wenn die Stückzahlen/Varianz es tragen –vorkonfigurierte Robotik Modulzellen. Weil unsere Profile, Verbinder und Linearachsen untereinander kompatibel sind, bleibt jedes Zwischen Upgrade verwertbar.

Welche Ihrer Lösungen oder Komponenten finden Sie derzeit am spannendsten? Es gibt für mich zwei Highlights:

1. Ergonomische Montagearbeitsplätze aus dem RK Modulbaukasten – inkl. Hubsäulen, Beleuchtung, E Paper/ Monitor Guidance und Task spezifischen Greif /Ablagekonzepten. Die modulare Bauweise ermöglicht schnelle Iterationen bei Layout oder Produktwechseln.

2. Individuelle Transport /Ausrüstungswagen und mobile Lagersysteme – sie sind exakt auf Bauteile und Prozesse

abgestimmt, jederzeit anpassbar und nachhaltig umbaubar statt »Wegwerf Sonderwagen«.

Noch ein paar Worte zu Ihrem Werdegang und zum Kurs von RK Rose+Krieger. Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen (Maschinenbau) an der TU Berlin studiert und war u. a. Mitglied der Gruppengeschäftsleitung bei Hoppecke sowie im internationalen Management Team bei Linde Material Handling. Von 2014 bis 2022 habe ich als CEO die LKE Gruppe geführt. Seit 1. Mai 2023 verantworte ich die globalen Geschäftstätigkeiten der RK Rose+Krieger. Den eingeschlagenen Weg – ein stärkeres System und Lösungsgeschäft, aufbauend auf unserer Komponenten DNA und Fokusbranchen, u. a. Intralogistik – setzen wir konsequent fort. RK steht seit 1972 für Linear , Profil , Verbindungs und Modultechnik und ist seit 1987 Teil der Phoenix Mecano Gruppe. Unser Alleinstellungsmerkmal ist die Kompatibilität der Serien in einem großen, weltweit verfügbaren Baukasten – das macht uns schnell, flexibel und zukunftssicher, gerade bei Brownfield Modernisierungen.

Genius Tip

»Standardisiere, wo möglich –modularisiere, wo nötig. Starten Sie mit den größten Schmerzpunkten (Greifwege, Bereitstellung, Höhenanpassung), lösen Sie sie mit kompatiblen Standardbausteinen, und skalieren Sie erst dann in Robotik/ Automatisierung – so bleibt jede Investition verwertbar. Genau dafür ist der RK Modulbaukasten aus Profil, Verbindungs , Linear und Modultechnik ausgelegt.«

»Die

optimale Medikamentenversorgung entsteht durch kontrollierte Geschwindigkeit«

Effiziente Warenlogistik braucht Tempo und Verlässlichkeit – speziell auch im Medikamentenbereich. Ingo Brauckmann, CEO von LOXXESS, berichtet, warum LOXXESS mit seiner Sparte pharma & healthcare seit über 25 Jahren als verantwortungsbewusster, vorausschauender Pharma-Logistiker gilt.

Herr Brauckmann, warum ist ein ganzheitlicher Blick auf die Logistik im Gesundheitswesen besonders wichtig? Die Logisik kümmert sich immer um die Verfügbarkeit von Waren. Im Gesundheitswesen geht es aber nicht nur um die Befriedigung von Bedürfnissen, sondern um mehr: unser Wohlbefinden. Verzögerungen, Temperaturschwankungen oder fehlende/falsche Dokumentation können gravierende Folgen für die Empfänger – in diesem Falle die Patienten –haben. Hier greift unsere Expertise in Regulatorik, Qualität, IT und operativen Prozessen ineinander und garantiert so stabile und zuverlässige Lieferketten. Das unterscheidet Pharmalogistik von klassischer Kontraktlogistik.

Spezialisierte Pharma-Logistiker sparen Pharmaunternehmen also Zeit und Geld – und garantieren eine optimale Medikamentenversorgung? Ja – aber nur, wenn sie echte Spezialisierung mitbringen. Die Unternehmen sparen Zeit, weil sie regulatorische Kompetenz, GDP-Konformität und Qualitätsprozesse nicht selbst aufbauen müssen. Sie sparen Geld und andere Ressourcen, weil Fehler, Reklamationen, Rückrufe oder Verzögerungen vermieden werden. Die optimale Medikamentenversorgung entsteht durch standardisierte, validierte Prozesse, hohe Prozesssicherheit und eine lückenlose Rückverfolgbarkeit –nicht durch Geschwindigkeit allein, sondern durch kontrollierte Geschwindigkeit.

think about: Datengetriebene Logistik

Als Pharma-Logistiker sind Sie Teil der kritischen Infrastruktur. Was bedeutet das für Ihre tägliche Arbeit? Das bedeutet Verantwortung – jeden Tag, ohne Ausnahme.Wir arbeiten in einem Umfeld, in dem Fehler keine Option sind. Resiliente Prozesse, redundante Systeme, geschultes Personal und klare Eskalationsmechanismen sind Selbstverständlichkeiten für unsere Teams, kein Extra. Dazu trägt auch unsere Firmenkultur bei: Unsere Mitarbeitenden bringen unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und persönliche Hintergründe ein – verbunden durch klare Verantwortlichkeiten und ein gemeinsames Qualitätsverständnis. Kritische Infrastruktur heißt auch: Stabilität und Unaufgeregtheit, verlässliche Planung, regelmäßige Audits und ein Qualitätsdenken, das tief in der Organisation verankert ist.

Sie sind als Pharma-Logistiker auch »Enabler« für neue Unternehmen oder Entrepreneure. Wie schnell müssen neue Anbieter auf dem EU-Markt denn wortwörtlich liefern können?

Sehr schnell – und gleichzeitig regelkonform. Viele Entrepreneure stehen unter massi vem Zeitdruck, weil Markt- und Zulas sungsfenster eng sind. Erwartet wird oft eine Go-Live-Fähigkeit innerhalb weniger Wochen, nicht innerhalb von Monaten oder Jahren. Unsere besteht darin, regulatorische Sicherheit, skalierbare Prozesse und operative Geschwindigkeit zu kombinieren. Wer hier zu langsam ist, blockiert Innovation. Wer zu schnell ohne Struktur ist, riskiert die Qualität.

Aufgrund nationaler Bestimmungen und der mitunter besonderen Lagerungsmodalitäten bleibt die Versorgung mit Medikamenten anspruchsvoll. Wie wird sich die Pharmalogistik in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Aus unserer Sicht gibt es drei Entwicklungen:

1. Mehr Komplexität: Kleinere Chargen, personalisierte Therapien, neue, anspruchsvolle Temperaturbereiche wie Lagerung und Transport bei -70°C.

2. Mehr Transparenz: Echtzeit-Monitoring, datengetriebene Steuerung, lückenlose Dokumentation.

3. Mehr Resilienz: Multi-Standort-Strategien, Risikodiversifikation, höhere Anforderungen an BusinessContinuity-Konzepte.

Pharmalogistik wird damit strategischer. Sie ist kein reiner Erfüllungsgehilfe, sondern ein integraler Bestandteil der Wertschöpfung und Marktfähigkeit von Pharma- und Healthcare-Unternehmen.

Genius Tip

»Als Teil der kritischen Infrastrukstellen wir bei LOXXESS pharma & healthcare Stabilität in den Mittelpunkt. Resiliente Lieferketten, klare Prozesse und Unaufgeregtheit sind für uns keine Kür, sondern Voraussetzung für die Versorgungssicherheit.«

Ingo Brauckmann, CEO LOXXESS AG

metrilus • Genius Partner

»Logistik ohne Daten ist Blindflug. Wer Fracht nicht versteht, kann sie nicht managen«

Die richtigen Maße und datengestützte Optimierungen werden die Logistik der Zukunft bestimmen. Wie Unternehmen ihre Warenflüsse entsprechend anpassen sollten, erläutert Dr.-Ing. Christian Schaller, CEO des Erlanger Technologieunternehmens metrilus.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Herr Schaller, wie wichtig sind belastbare Daten für eine moderne Supply Chain?

Belastbare Daten sind heute kein Nice-to-have mehr, sie sind die Grundvoraussetzung für eine funktionierende Supply Chain. Ohne verlässliche Daten lassen sich weder Prozesse sauber steuern noch Kapazitäten sinnvoll planen oder Kosten transparent kalkulieren. Gerade in Zeiten volatiler Märkte entscheiden Daten darüber, ob Unternehmen agieren oder nur reagieren müssen. Wer seine Ware und Fracht wirklich »versteht«, also Maße, Gewicht, relevante Merkmale und somit den digitalen Zwilling kennt, schafft die Basis für Effizienz, Transpa renz und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Tun Unternehmen denn genug, um sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen?

Ja und nein. Es gibt Unternehmen, die Digitalisierung als strategische Chance verstanden haben. Gleichzeitig ist die Mehrheit noch stark in

Dr.-Ing.

alten Denkmustern verhaftet. Das deutsche Unternehmertum war früher geprägt von Pionieren – heute liegen die Fakten längst auf dem Tisch. Entscheidend ist, ob Unternehmen bereit sind, diese belegten Fakten konsequent zu nutzen. Oft liegt die größte Hürde im Mindset. Wer in einer kritischen Haltung verharrt, blockiert sich selbst. Die Entscheidung für die Zukunft beginnt mit dem Generieren belastbarer Daten an den entscheidenden Knotenpunkten, also vom Wareneingang über den Warenausgang bis zum Umschlag. Ist diese Basis geschaffen, eröffnen sich enorme Potenziale für Effizienz und neue Geschäftsmodelle, von denen wir heute vermutlich erst einen Teil absehen können.

Welche Rolle spielt ein »intelligentes Vermessen« der zu bewegenden Waren?

Eine sehr zentrale. Es geht darum, wie einfach, schnell und zuverlässig Daten erhoben werden. Mit unserer Plattform MetriXFreight werden Messfehler vermieden, die beim manuellen Messen ganz natürlich entstehen. Die Vermessung erfolgt in Millisekunden, vollautomatisch und eichfähig, sodass die Daten als »Single Source of Truth« direkt abrechnungsrelevant genutzt werden können. Über Schnittstellen fließen die Informationen ohne Übertragungsfehler in bestehende Systeme. Darüber hinaus erfasst intelligentes Vermessen weit mehr als nur Länge, Breite und Höhe. Es erkennt Labels, versteht die Beschaffenheit der Ware und macht aus einer einfachen Messung echtes Prozessverständnis.

Diese integrierte Datenerhebung von Maßen und Merkmalen verringert Kosten auf mehreren Ebenen? Kosten lassen sich definitiv reduzieren. Das größere Potenzial liegt meiner Ansicht nach jedoch in der Erlösmaximierung (Revenue Recovery): Wie viel mehr

Wertschöpfung kann ich mit dem gleichen Ressourceneinsatz erzielen? Wer seine Fracht exakt kennt, kann Lagerflächen effizienter nutzen, Transporte besser auslasten und deckt Abweichungen zur angegebenen Deklaration auf. Gleichzeitig schaffen korrekte, zertifizierte Daten Vertrauen gegenüber Partnern. Nachzahlungen oder Diskussionen entfallen. Unser ROI-Rechner zeigt, dass sich mit identischem Aufwand messbar mehr Umsatz und Produktivität erzielen lassen.

Wie sehr hilft diese Datentransparenz bei der Anpassung von Prozessen und der mittelfristigen Resilienz der Supply Chain?

Datentransparenz ist ein zentraler Hebel. Wer jederzeit weiß, welche Eigenschaften seine Ware hat, kann Prozesse schneller anpassen und fundierte Entscheidungen treffen. Das wirkt sich ökonomisch aus, aber auch ökologisch, weil Ressourcen effizienter genutzt werden. Gleichzeitig unterstützt Transparenz die soziale Nachhaltigkeit: Automatisierte Vermessung ist ergonomischer und reduziert Stress sowie Fehlerquellen für die Mitarbeitenden. Resilienz entsteht dort, wo Daten Sicherheit geben. Sie schaffen Planbarkeit und machen Lieferketten widerstandsfähiger gegenüber Störungen.

Weitere Informationen: www.metrilus.com

Genius Tip

»Daten sind das Schmiermittel der Logistik 4.0. Wer heute noch manuell misst, plant im Blindflug. Ein präziser digitaler Zwilling jeder Sendung ist die Eintrittskarte für automatisierte und rentable Prozesse.«

»Stabilität entsteht nicht durch maximale Lagerbestände, sondern durch klare Rollen, Prozesse und Verantwortlichkeiten«

Damit Sortiment, Logistik und Service verlässlich zusammenspielen, braucht es starke, gut gesteuerte Lieferketten. Johanna Gärtner, Geschäftsführerin von wenco, erklärt, wie Digitalisierung aber auch Menschen vor Ort im Non-Food-Bereich den Unterschied machen.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Frau Gärtner, reichen gute Zahlen oder Daten aus, um gute Logistiklösungen zu erbringen?

Gute Daten sind eine notwendige Grundlage, aber sie reichen allein nicht aus. Entscheidend ist, was man aus diesen Daten ableitet und wie konsequent man sie in operative Prozesse übersetzt. Gerade im Non-Food-Bereich sehen wir, dass Nachfrage nicht verschwindet, sondern selektiver, anlassbezogener und stärker kanalgetrieben wird. Das erfordert nicht nur Transparenz über Absatz- und Bewegungsdaten, sondern auch Erfahrung darin, diese Informationen in konkrete Sortiments-, Dispositions- und Serviceentscheidungen zu überführen. Eine leistungsfähige Supply Chain entsteht dort, wo Daten, Prozesskompetenz und operative Umsetzung eng verzahnt sind – und nicht dort, wo Zahlen isoliert betrachtet werden.

Welche besonderen Anforderungen stellen

Non-Food Supply Chains an Planung, Verfügbarkeit und Geschwindigkeit?

Non-Food-Supply-Chains unterscheiden sich fundamental von klassischen FMCG-Strukturen. Sie sind stärker von Saisonalität, Aktionen und Eventlogiken geprägt, bei gleichzeitig deutlich geringerer Planbarkeit im Tagesgeschäft. Die Herausforderung liegt darin, Verfügbarkeit sicherzustellen, ohne unnötige Kapitalbindung oder Überbestände aufzubauen. Gleichzeitig müssen Prozesse flexibel genug

sein, um kurzfristige Peaks abzufangen. Geschwindigkeit ist wichtig, aber nicht im Sinne permanenter Nachschublogik – sondern als Fähigkeit, Sortimente punktgenau zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort verfügbar zu machen. Dazu braucht es fein austarierte Planungsmodelle, kleinteilige Logistikkompetenz und eine enge Verzahnung mit der operativen Umsetzung im Markt.

Werden Lieferketten stabiler, wenn Sortiment, Logistik und Service gebündelt werden? Ja, deutlich. Die Erfahrung zeigt, dass Brüche zwischen Sortimentsentscheidung, Warenfluss und Umsetzung am Point of Sale eine der Hauptursachen für Ineffizienzen und Verfügbarkeitsprobleme sind. Wenn diese Bereiche integriert gesteuert werden, lassen sich Komplexität reduzieren, Reibungsverluste vermeiden und Prozesse insgesamt stabiler aufsetzen. Gerade im Non-Food-Bereich, wo Personalknappheit und Kostendruck hoch sind, gewinnt ein ganzheitlicher Ansatz an Bedeutung. Stabilität entsteht nicht durch maximale Lagerbestände, sondern durch klare Rollen, abgestimmte Prozesse und Verantwortlichkeiten entlang der gesamten Kette.

Welche Faktoren sind für eine verlässliche Warenverfügbarkeit derzeit besonders wichtig?

Ein zentraler Faktor ist die Fokus sierung. Breite, dauerhaft belegte Sortimente verlieren an Bedeu tung – stattdessen gewinnen drehstarke, klar definierte

Genius Partner • Transitic Systems GmbH

Non-Food-Konzepte an Relevanz. Verlässliche Warenverfügbarkeit entsteht dort, wo Sortimentslogik, Marktgröße und Frequenzprofil zusammenpassen. Hinzu kommt die Fähigkeit, operative Komplexität zu reduzieren: standardisierte Prozesse, klare Dispositionslogiken und eine Logistik, die auf Kleinteiligkeit und Aktionsgeschäft ausgelegt ist. Nicht zuletzt spielt die Nähe zum Markt eine große Rolle – also das Verständnis dafür, wie Non-Food tatsächlich gekauft und wahrgenommen wird.

Wie wichtig sind Ihre Außendienst-Teams?

Sie sind ein zentraler Erfolgsfaktor. Gerade im Non-FoodBereich entscheidet sich der Erfolg nicht allein im Lager oder in der Planung, sondern im Markt selbst. Außendienstund Serviceteams sorgen dafür, dass Konzepte korrekt umgesetzt werden, Ware sichtbar und verfügbar ist und Sortimente so wirken, wie sie geplant sind. In Zeiten von Personalmangel im Handel übernehmen diese Teams eine immer wichtigere Rolle, weil sie operative Aufgaben absichern und gleichzeitig als Bindeglied zwischen Planung, Logistik und Markt fungieren. Verlässliche Supply Chains enden nicht am Warenausgang – sie bewähren sich am Regal.

www.wenco.de

Genius Tip

»Teams sind ein zentraler Erfolgsfaktor. Gerade im Non-Food-Bereich entscheidet sich der Erfolg nicht allein im Lager oder in der Planung, sondern im Markt selbst «

Flexible Intralogistik, logische Entscheidungsprozesse und

mittelstandsgerechte

Interview mit Markus Gorlt, Geschäftsführer der Transitic Systems GmbH.

Viele Unternehmen investieren massiv in Automatisierung. Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung? Die größte Gefahr besteht darin, neue Abhängigkeiten zu schaffen. Der Mittelstand darf nicht in technologische Strukturen geraten, die ihn langfristig an einzelne Anbieter oder starre Systeme binden. Automatisierung ist notwendig – aber sie muss unternehmerische Freiheit erhalten. Wer heute investiert, muss morgen noch handlungsfähig sein.

Was bedeutet das konkret für die Intralogistik? Intralogistik ist das operative Rückgrat vieler Unternehmen. Wenn hier Strukturen zu komplex oder zu stark integriert sind, werden Anpassungen teuer und langsam. Märkte verändern sich jedoch schneller denn je: Nachfrage schwankt, Produktzyklen verkürzen sich, Absatzkanäle verschieben sich. Flexible Intralogistik bedeutet deshalb, Prozesse logisch aufzubauen, modular zu

Markus

Automatisierung

denken und Systeme so zu gestalten, dass sie erweiterbar bleiben – ohne jedes Mal bei null zu beginnen.

Thema »logische Struktur«. Warum ist das so entscheidend?

Weil Technologie nur so gut ist wie die Entscheidungslogik dahinter. Unternehmen sollten jederzeit nachvollziehen können, warum ein Auftrag priorisiert wird, warum Kapazitäten umverteilt werden oder wo Engpässe entstehen. Wenn Entscheidungsprozesse transparent und regelbasiert sind, lassen sie sich systematisch verbessern. Fehlt diese Logik, entsteht Abhängigkeit – nicht nur von Technik, sondern von Intransparenz, von Einzelwissen oder historisch gewachsenen Automatismen.

Viele Anbieter werben mit KI und vollautomatischen Lösungen. Wie bewerten Sie diesen Trend? KI kann enorme Mehrwerte liefern – etwa bei Prognosen oder dynamischer Steuerung. Aber sie darf nicht zur Blackbox werden. Mittelständische Unternehmen brauchen Kontrolle über ihre Prozesse. Automatisierung sollte unterstützen, nicht entmündigen. Entscheidend ist, dass Unternehmen die Entscheidungslogik verstehen und bei Bedarf anpassen können. Nur dann bleibt Technologie ein Werkzeug und wird nicht zum Risiko.

Welche Rolle spielt hier Transparenz? Transparenz ist die Grundlage wirtschaftlicher Resilienz. Wer Echtzeitdaten über Durchlaufzeiten, Auslastung oder Bestände hat, trifft bessere Entscheidungen. Vor allem aber werden Entscheidungswege nachvollziehbar. Das schafft Vertrauen intern und reduziert Fehlsteuerungen. Transparenz macht aus Bauchgefühl belastbare Steuerung.

think about: Modulare Intralogistik

Wie können KMUs Abhängigkeiten konkret vermeiden? Durch entkoppelte Software- und Hardwarearchitekturen. Wenn Steuerungslogik nicht untrennbar mit einzelnen Maschinen oder Herstellern verbunden ist, bleibt das Unternehmen flexibel. Hardware kann modernisiert, erweitert oder ausgetauscht werden, ohne die gesamte Systemlandschaft neu aufzubauen. Das erhöht Investitionssicherheit, senkt Risiken und schafft Skalierbarkeit. Gerade im Mittelstand ist diese Unabhängigkeit ein strategischer Vorteil.

Fazit:

Automatisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss wirtschaftlich sinnvoll, nachvollziehbar und anpassungsfähig sein. Der Mittelstand braucht keine maximal komplexen Systeme, sondern klare Strukturen und technologische Souveränität. Wer Prozesse logisch aufbaut und Architektur offen gestaltet, bleibt unabhängig – und genau das entscheidet in volatilen Zeiten über Wettbewerbsfähigkeit. Als Integrator verfolgen wir deshalb einen klaren, pragmatischen Ansatz: Am Anfang steht immer die Zieldefinition. Erst danach wählen wir die passende technologische Lösung. Nicht umgekehrt. Unsere Aufgabe ist es, Systeme so zu orchestrieren, dass sie zur Strategie des Unternehmens passen – nicht zur Roadmap eines Herstellers.

Weitere Informationen: www.transitic.com

»Ohne

effiziente Lagerflächen lassen sich Lieferketten nicht optimieren«

Eine automatisierte Lagerverwaltung braucht optimal geplante Lagerflächen, die entsprechend angepasst werden können. Elmar Schwarz, Head of Sales der Berger Group, über kluge Lagerverdichtung und individuell geplante Automatisierung.

Interview Rüdiger Schmidt-Sodingen

Herr Schwarz, der Computer plant und optimiert – aber die real vorhandenen Flächen müssen die Probleme dann lösen. Welche Bedeutung haben Lagerflächen heute? Sie sind einer der zentralen Bestandteil resilienter Lieferketten. Sie sichern die Lieferfähigkeit in volatilen Zeiten, stabilisieren Produktionsprozesse und helfen, kurze Lieferzeiten einzuhalten – das hat sich besonders zu Beginn der Ukrainekrise deutlich gezeigt. Digitale Planung und Simulation sind heute unverzichtbar. Gleichzeitig ist es entscheidend, die realen Bedingungen vor Ort einzubeziehen. Deshalb sprechen wir intensiv mit Mitarbeitenden und Experten im Lager, um praktische Abläufe, Erfahrungswerte und bauliche Gegebenheiten in die Planung einfließen zu lassen. Erst die Verbindung aus digitaler Analyse und Praxiswissen führt zu nachhaltigen Lösungen. Was ist mit einer klugen Lagerverdichtung möglich? Wir können mit intelligenter Lagerverdichtung Kapazitäten bei unseren Kunden deutlich steigern – in manchen Fällen bis sogar mehr als verdoppeln. Dabei geht es nicht nur darum, mehr Ware auf gleicher Fläche unterzubringen, sondern Materialflüsse und Zugriffe effizienter zu gestalten. Je nach Anforderungen kommen unterschiedliche Lösungen zum Einsatz: Mehrgeschossanlagen, Hochregallager, Durchlauf- und Einfahrregale, Automatiklager oder Verschiebeanlagen. Durch diese Kombination aus Verdichtung und moderner Technik können Unternehmen Lager-, Personal- und Energiekosten nachhaltig reduzieren und gleichzeitig die Prozesseffizienz erhöhen.

Die Anforderungen an die Lieferverfügbarkeit steigen. Gleichzeitig wollen Unternehmen ihre Lagerflächen verkleinern. Wie passt das zusammen? Im ersten Moment gar nicht. Hohe Lieferverfügbarkeit und kurze Reaktionszeiten sind heute Marktstandard. Gleichzeitig sind Lagerflächen – besonders an logistisch günstigen Standorten nahe Autobahnen oder Ballungsräumen – teuer. Hinzu kommen steigende Energie- und Betriebskosten. Die Lösung liegt daher nicht in »mehr Fläche«, sondern in der besseren Nutzung vorhandener Flächen. Durch optimierte Lagerkonzepte können Unternehmen ihre Kapazität erhöhen oder gleichbleibende Leistung auf weniger Raum abbilden. Effizienz entsteht vor allem durch intelligente Planung und die konsequente Nutzung der Höhe und Tiefe des vorhandenen Raums.

Eine verblüffend einfache Lösung sind Verschieberegale. Wo lassen sich diese einsetzen?

Beinahe überall. Verschiebeanlagen bestehen aus Regalsystemen, die auf Schienen laufen und automatisch dicht zusammenfahren können. Dadurch werden feste Gänge auf ein Minimum reduziert, was die Lagerkapazität je nach Anwendung um bis zu 80 Prozent erhöhen kann. Sie eignen sich für nahezu jeden Einsatzzweck und können sowohl im Neubau als auch in bestehenden Lagerhallen integriert werden. Je nach Bedarf kommen Paletten- oder Kragarmregale zum Einsatz. Besonders wirtschaftlich sind Verschiebeanlagen in Kühl- und Tiefkühllagern, da das zu klimatisierende Volumen deutlich reduziert wird. Entscheidend ist eine präzise Planung – unsere Experten bei Berger Dynamics berücksichtigen dafür die baulichen Voraussetzungen und die spezifischen Anforderungen des Kunden. Welche weiteren Lösungen gibt es, um Lagerflächen zu maximieren?

Lagerbühnen sind zum Beispiel eine weitere einfach umsetzbare Maßnahme. Sie schaffen zusätzliche Nutzflächen in der Höhe und lassen sich flexibel in bestehende Hallen integrieren. Aber auch klassische stationäre Regallager bieten oft überraschend großes Optimierungspotenzial – etwa durch bessere Artikelstrukturierung, angepasste Regalhöhen oder optimierte Zugriffswege. Deshalb analysieren wir gemeinsam mit unseren Kunden die Warenstruktur, Umschlagshäufigkeiten und Prozesse, bevor wir ein passendes Konzept entwickeln.

Welche Rolle spielt bei der Lagerplanung die Automatisierung?

Automatisierung steigert Effizienz, Prozesssicherheit und Transparenz im Lager erheblich. Entscheidend ist allerdings, dass Regaltechnik und Automatisierungslösung von Anfang an zusammen gedacht werden. Nur wenn Mechanik, Software und Materialfluss optimal aufeinander abgestimmt sind, entstehen wirklich leistungsfähige Systeme. Deshalb arbeiten wir eng mit erfahre- nen Systemintegratoren und Technologie partnern zusammen. Moderne Lager automatisierung ist immer das Ergebnis einer abgestimmten Gesamtplanung.

Kann man sagen: Jede Fläche und jedes Regal sollten das Ergebnis einer ganzheitlichen Planung sein? Ja, denn nur eine ganzheitliche Planung schafft effiziente Abläufe und langfristige Wirtschaftlichkeit. Auch bei kleineren Anlagen lohnt sich eine fachliche Beratung.

Gleichzeitig wissen wir aus der Praxis, dass nicht alles im Voraus planbar ist. Unternehmen wachsen, Sortimente verändern sich oder Prozesse entwickeln sich schneller als erwartet. Deshalb berücksichtigen wir bereits in der Planung mögliche Erweiterungen und Anpassungen, damit Lager mit den Anforderungen mitwachsen können.

Speziell junge Unternehmen wissen oft nicht, wie viel Regalfläche sie benötigen oder welche Möglichkeiten es gibt. Was raten Sie?

Der wichtigste Schritt ist, frühzeitig mit Fachleuten über die eigene Entwicklung zu sprechen. Eine professionelle Lagerplanung beginnt mit den richtigen Fragen: Wie entwickeln sich Sortiment und Umschlag? Welche Prozesse sollen künftig automatisiert werden? Ziel ist es, eine Lösung zu schaffen, die nicht nur den aktuellen Bedarf abdeckt, sondern auch zukünftiges Wachstum ermöglicht. So lassen sich spätere Umbauten oder unnötige Investitionen vermeiden.

Wie leicht oder schwer können Lager mitwachsen, wenn Unternehmen erfolgreicher sind als gedacht?

In den meisten Fällen lassen sich zusätzliche Kapazitäten realisieren – entscheidend ist die passende Lösung. Eine fundierte Analyse vor Ort, die genaue Aufnahme der betrieblichen Anforderungen und eine flexible Planung bilden dafür die Grundlage. Natürlich hat jedes Lager physische Grenzen. Umso wichtiger ist es, diese früh zu kennen und durch intelligente Planung möglichst weit nach hinten zu verschieben.

Weitere Informationen: www.berger-group.de

Genius Tip

»Entscheidend ist, dass Regaltechnik und Automatisierungslösung von Anfang an zusammen gedacht werden. Nur wenn Mechanik, Software und Materialfluss optimal aufeinander abgestimmt sind, entstehen wirklich leistungsfähige Systeme.«

Elmar Schwarz, Head of Sales der Berger Group

Lifecycle-Management stabilisiert Technologie in Supply Chains

Technologie ist längst verfügbar – das eigentliche Problem liegt nicht in den Systemen selbst, sondern darin, wie man sie einsetzt. Dirk Matura, Managing Director Industrial Solutions bei CHG-MERIDIAN, erläutert, wie Unternehmen durch gezieltes Management von Technologie Assets Investitionen planbarer machen und ihre Supply Chain stabil halten. Flexible Nutzungsmodelle, Automatisierung und Daten eröffnen Handlungsspielräume, die Unternehmen vorher oft nicht hatten.

Herr Matura, warum gewinnt das Lifecycle-Management von Technologie Assets in der Supply Chain zunehmend an strategischer Bedeutung?

Die Technik selbst ist heute oft gar nicht das Problem. Fahrerlose Transportsysteme, intelligente Lagertechnik, Automatisierungslösungen – technisch ist vieles schon marktreif. Was häufig fehlt, ist der Blick auf den gesamten Lifecycle. Wer nur kauft und hofft, dass es schon läuft, bindet Kapital, schafft Risiken und macht seine Supply Chain starrer, als sie sein müsste. Kurz gesagt: Gute Technologie ohne gutes Management bringt kaum Vorteile.

Wie verändern nutzungsbasierte Modelle wie Miete die Investitionslogik und welchen konkreten Nutzen können Unternehmen daraus ziehen? Hier liegt ein echter Hebel. Nutzungsbasierte Modelle verschieben Investitionen von der Bilanz in die Betriebsrechnung. Das klingt trocken, hat aber handfeste Effekte: Unternehmen bleiben beweglich, müssen nicht ihr gesamtes Kapital blockieren und können Technologien Schritt für Schritt einführen. Gerade in unsicheren Zeiten eröffnen solche Modelle Entscheidungsspielräume. Außerdem erlaubt ein erfahrener Partner, die Risiken klar zu steuern – vom optimalen Austausch der Geräte bis zur langfristigen Planung.

Gibt es dazu konkrete Zahlen?

Ja, die TU München hat 2024 in ihrer Studie »TCO Study – Leasing Concepts in Intralogistics« untersucht, wie sich Full-Service-Leasing auf Flurförderzeuge auswirkt. Beispiel Elektro-Gabelstapler: Über einen achtjährigen Nutzungszyklus spart man pro Gerät gut 9 000 Euro. Das sind rund

sechs Prozent gegenüber klassischem Kauf. Die Einsparungen kommen durch geringeren Verschleiß, weniger Service- und Reparaturaufwand und den gezielten Austausch der Fahrzeuge nach der optimalen Nutzungsdauer. Auf Jahresbasis wirkt sich das direkt auf Kostenstabilität und Planbarkeit aus – also handfeste Vorteile, keine theoretischen Zahlen.

Automatisierung gilt als zentraler Effizienztreiber. Wie lassen sich entsprechende Technologien wirtschaftlich in bestehende Abläufe integrieren? Am besten funktioniert Automatisierung schrittweise. AGVs reduzieren Personalkosten, beschleunigen Prozesse und sorgen für gleichmäßigere Auslastung, besonders in Mehrschichtbetrieben oder stark genutzten Bereichen. Die höheren Investitions- und Instandhaltungskosten werden dabei durch die Einsparungen mehr als ausgeglichen. Wichtig ist, die Technik modular aufzubauen, damit sie mit dem Unternehmen wächst. Wer alles auf einmal implementiert, riskiert Insellösungen, die im Alltag kaum funktionieren. Ein gut geplanter Rollout hingegen schafft Flexibilität und echte Wirkung.

Wie wichtig ist es, die Nutzung und den Zustand der Assets über den gesamten Lifecycle transparent zu verfolgen?

Ohne Daten geht nichts. Wer nicht weiß, wie lange ein Gerät wirtschaftlich nutzbar ist, trifft Entscheidungen nach Bauchgefühl – das endet meist teuer. Telemetrie, Restlaufzeiten, Nutzungsdaten: Damit können Unternehmen sehen, wann Ersatzgeräte nötig sind, welche Assets sich noch lohnen und wann ein Austausch sinnvoll ist. So stabilisieren sie ihre Supply Chains und treffen Entscheidungen auf Basis realer Daten, nicht nur auf Vermutungen.

Welche ökologischen Effekte lassen sich durch ein konsequentes LifecycleManagement erzielen?

Lifecycle-Management wirkt auch ökologisch. Wenn Technik nur genutzt wird und nicht dauerhaft gekauft, verteilt sich durch Wiedervermarktung der CO₂-Footprint auf mehrere Nutzer.

Auch unnötige Neuanschaffungen werden vermieden. Technologie wird so effizienter genutzt und ökologisch verantwortungsvoller – ein Effekt, der für ESG-Strategien zunehmend entscheidend ist.

Können Sie ein konkretes Praxisbeispiel nennen, das zeigt, wie Unternehmen durch gezieltes LifecycleManagement wirtschaftlich stabil bleiben? Nehmen wir ein Fulfillment-Center, dass Full-ServiceLeasing für AGVs einsetzt. Am Anfang übernehmen die Fahrzeuge die Palettentransporte zwischen Wareneingang, Lager und Kommissionierung. Wichtig ist: die Geräte werden über den gesamten Lifecycle gesteuert – sie werden optimal genutzt, Verschleiß wird reduziert und man behält die Kosten im Blick. Gleichzeitig laufen die Abläufe deutlich flüssiger, Personalkosten sinken und die Fehlerquote geht zurück. Und das Schöne an diesem Ansatz: Wenn später weiterer Automatisierungsbedarf entsteht, lassen sich modulare Lösungen wie Pick-by-Light-Systeme oder teilautonome Kommissionierroboter einfach ergänzen. Schritt für Schritt entsteht so eine Infrastruktur, die flexibel, wirtschaftlich tragfähig und langfristig nutzbar ist.

Weitere Informationen via QR-Code oder auf: www.chg-meridian.com

Genius Tip

Wer Technologie effizient und wirtschaftlich einsetzen möchte, sollte sich professionelle Unterstützung sichern und Lifecycle-Management fest in der Supply-Chain-Strategie verankern.

Dirk Matura rät:

• Kosten und Restlaufzeiten über den gesamten Lifecycle erfassen

• Nutzungsmodelle prüfen, um Investitionen planbar zu gestalten

• Automatisierung schrittweise einführen und auf Skalierbarkeit achten

• Outsourcing gezielt einsetzen, um operative Flexibilität zu erhöhen

• Daten nutzen, um fundierte Entscheidungen zu treffen

• Investitionen nach tatsächlicher Nutzung und Mehrwert bewerten

»Wer diese Schritte konsequent verfolgt und auf einen erfahrenen Partner setzt, kann Technologie effizient einsetzen, die Supply Chain stabilisieren und gleichzeitig wirtschaftlicher sowie nachhaltiger gestalten.«

Dirk

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