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Troedler 0916

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Europas Sammlermagazin

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INHALT 3

TRÖDLER

ISSN 1863-0340

VERLAG

GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 / 4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: http://www.gemiverlag.de eMail: info@gemiverlag.de

4

LESERFORUM ■ Expertenauskünfte

■ Websites für Sammler

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MAGAZIN

GESCHÄFTSFÜHRER

Gerd Reddersen Rudolf Neumeier

CHEFREDAKTEUR

Karl Ruisinger eMail: karl.ruisinger@gemiverlag.de

REDAKTION

Nicola Fritzsch, Joscha Eberhardt Karin Probst, Helene Stümpfle-Wolf

■ Der Gartenzwerg

AUTOREN DIESER AUSGABE

Dr. Graham Dry, Heidrun Th. Grigoleit, Reinhard Wylegalla, Reinhard Bogena, Susanne Buck

AUKTIONEN

REDAKTIONSASSISTENZ

Heike Genz

SCHALLPLATTEN

TERMINE

Anette Wagner, Tel. 08441/4022-35 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34 eMail: termine@gemiverlag.de

■ Schwarzes Gold für Sammler

LITHOS, SATZ, HERSTELLUNG

Westner Medien GmbH (Anschrift siehe Verlag)

■ Ausstellungen – Messen – Märkte

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KULTURGESCHICHTE

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■ Berichte – Preise – Termine

SPIELZEUG

88 90

■ Teddybären im Märchenland

ANZEIGEN

Markus Westner, Tel. 08441/4022-13 Hans Neumeier, Tel. 08441/4022-34

KLEINANZEIGEN

Heike Genz, Tel. 08441/4022-18 Marlene Westner, Tel. 08441/4022-12

■ Kleinsuper Rundfunkgeräte

VERTRIEB

Gerd Reddersen

BLICKPUNKT

ZEITSCHRIFTENHANDEL

VU Verlagsunion KG

■ Schmuck: David Webb

MARKTVERTRIEB

Jörg Kirschbaum Mobil 0172/4436638

ABOVERWALTUNG

Gemi Verlags GmbH Postfach 85291 Reichertshausen Tel: 08441/4022-0 Fax: 08441/71846 eMail: info@gemiverlag.de

DRUCK

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ONLINETIPP

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TECHNIK

DESIGN / PORZELLAN

97 98

■ Drei Kannen – drei Könner

BÜCHER

104

■ Die Autojagd / Roald Dahl

westermann druck Gmbh

FUNDSTÜCKE

114

■ Flohmarktpreise

TERMINE UND ANZEIGEN ERSCHEINUNGSWEISE

monatlich

■ ANTIKMARKTTERMINE

TITELFOTOS

Andreas Ulrich / © Sven Berrar Reinard Bogena

■ SAMMLERBÖRSENTERMINE ■ AUSLANDSTERMINE ■ REGELMÄSSIGE TERMINE

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses Verbot fallen die gewerbliche Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM.

■ FLOH- UND TRÖDELMARKTTERMINE ■ KLEINANZEIGEN IN DER SAMMLERBÖRSE

Es gilt die Anzeigenpreisliste 1/11 (Preise gültig seit 01.08.2006)

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LESERFORUM 4

EXPERTISEN

■ Mokkalöffel

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Können Sie mir vielleicht anhand der Marke Aufschluss geben über dieses kleine Löffelchen mit den Maiglöckchen am Griff ? Andreas Lehr, o.O.

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Der silberne Mokkalöffel wurde um 1900 von der Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld in Bremen nach einem hausinternen Entwurf hergestellt. Unter den Silberpunzen auf der Rückseite der Laffe ist ihre Fabrikmarke, eine Fußschale, gut zu erkennen. Der Löffel hatte die Seriennummer 34217: Eine Abbildung des Löffels findet man im Buch „Silber aus Bremen – 150 Jahre Tafelbesteck von Koch & Bergfeld zu Bremen“, hrsg. Carl-Wolfgang Schümann, 2. Aufl., Köln, 1990, auf S. 77. Der Wert des Löffels betragt etwa 30 Euro. Dr. Graham Dry, München

■ Hängelampe

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Da wir langjährige Bezieher des Trödlers sind, wenden wir uns heute mit der Bitte um eine Bewertung an Sie: Wir haben auf dem Trödelmarkt eine Hängelampe für 15 Euro gekauft und würden gerne wissen, wer diese hergestellt hat. Auch der Wert der Lampe interessiert uns. Die Lampe besteht aus Aluminium und der oberste Ring ist nur aufgelegt. Sie hat einen Durchmesser von 40 cm. Wolfgang Fröhlich, Rhede

!

Der Doppelschirm erinnert zwar an Lampenentwürfe des dänischen Designers Louis Poulsen, aber das Etikett weist in die richtige Richtung. Es handelt sich um einen nicht näher identifizierbaren holländischen Entwurf aus dem Jahre 1976, der auf jeden Fall mit 25 Euro zu bewerten ist. Die Inschrift „S. V. P. NIE AFHALEN“ bezieht sich nicht auf den Namen des Herstellers, sonders bedeutet auf Holländisch „Bitte nie entfernen“, also bitte nie auseinanderschrauben oder sonst damit experimentieren. Dr. Graham Dry, München

■ Holzfigur

?

Dieser, wie ich ihn gerne nenne, „Arme alte Poet“, ist ein echtes Leichtgewicht und eignet sich von daher als Buchstütze eigentlich nicht wirklich. In der Höhe misst er 29 cm. Können Sie mir sagen, ob er einen Wert hat, bzw. welchen, woher er wohl kommt und wie alt er ist? Gabi Bauer, o.O.

■ In dieser Rubrik beantworten unsere Experten Ihre Fragen zu dem einen oder anderen guten Stück. Doch leider sehen wir uns außerstande, ganze Nachlässe oder sämtliche sich in Ihrem Haushalt befindlichen Trouvaillen bewerten und schätzen zu lassen. Auch bitten wir um Verständnis, wenn es mit der Bearbeitung länger dauert. Senden Sie uns also Ihre Anfrage nur zu einem zu bestimmenden Objekt – mit detaillierter Beschreibung und gutem Foto, auf dem das Objekt ganz abgebildet ist. Noch ein Hinweis zu den Preisen, die von Fall zu Fall von unseren Experten genannt werden: Hierbei handelt es sich um Richtwerte, die anhand von Fotos allein getroffen werden und je nach Zustand des Objekts nach oben oder nach unten korrigiert werden können. Ihre Anfrage schicken Sie bitte an: Gemi Verlags GmbH Redaktion Leserforum Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen

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LESERFORUM 5

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Dargestellt ist „Der Bücherwurm“ nach einem Gemälde von Carl Spitzweg, um 1850, Öl auf Leinwand, 49,5 cm x 26,8 cm. Spitzweg hat das Motiv dreimal gemalt: Die Version, die wir hier abbilden, befindet sich in der Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt, eine weitere, ein Jahr später gemalte Version befindet sich in der Milwaukee Public Library. Spitzwegs Bild zeigt einen versonnenen Bibliothekar, in einem Buch vertieft, auf einer hohen Leiter stehend, der den Rest der Welt und damit auch seine sehr prekäre Haltung vergessen hat. Es ist, wie so oft bei Spitzweg, eine fast hoffnungslose Situation – ein unbedachter Schritt zur Seite oder zurück und die Katastrophe ist da, dem Schicksal des Handybenutzers als konzentrierter, aber unbedachter Fußgänger im Straßenverkehr von heute nicht unähnlich. Der Betrachter wittert die Gefahr im Anzug, die Wahrnehmung des Betroffenen gilt jedoch allein dem gedruckten Wort. Es ist ein brillantes Bild, bei dem die von oben einfallende Lichtführung viel zur Spannung beiträgt. Die Holzfigur muss aus techni-

gen uns nicht vor – heute befindet sich eine große Abfüllanlage unter dem Namen „Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG“ in Fürstenfeldbruck bei München – , aber sicher ist, dass sie z.T. als unabhängig agierendes Unternehmen einen solch schönen Teller als Auszeichnung für gute Mitarbeit in München und Süddeutschland oder als Geschenk an gute Kunden herausgebracht hat. In der Mitte links ist das Wappen des Freistaats Bayern in der nach 1945 verwendeter Version nach dem Entwurf des Grafikers Eduard Ege zu erkennen, rechts sieht man das Münchner Stadtwappen mit dem bekannten Motiv „Münchner Kindl“. Die beiden Wappen sind nicht mit der Hand gemalt, sondern in Farbe gedruckt worden. Die Firmenmarke, die auf der Rückseite erscheint, ist insofern irreführend. Auch die blaue Darstellung des Rathauses ist vermutlich nicht handgemalt, sondern ebenfalls mittels eines Umdruckverfahrens angebracht wor-

schen Gründen auf die Leiter verzichten und weil sie durch einen relativ niedrigen Bücherstapel ersetzt wurde und außerdem der Hintergrund fehlt, geht natürlich einiges von der Spannung der ursprünglichen Darstellung verloren. Die Holzfigur ist aber trotzdem von guter Qualität, stammt aus relativ neuer Produktion und hat einen Wert von etwa 50 Euro. Dr. Graham Dry, München

■ Coca Cola-Teller

?

Diesen schönen Coca-Cola-Wandteller, Durchmesser 34,5 cm, kaufte ich vor vielen Jahren im Kunsthandel für DM 100. Er müsste eine Rarität sein und nun möchte ich mehr über ihn wissen – können Sie bitte helfen? Konstantin Schütz, Berlin

!

Die Kombination von Coca-Cola und München müsste die lokalpatriotischen Herzen etwas schneller schlagen lassen, zumal das zentrale Bild das Herz der Stadt München in konzentrierter Form mit dem Rathaus, den Türmen der Frauenkirche und der Mariensäule, Maria als „Patrona Bavariae“ wiedergibt. Auch ein historisch interessantes Detail ist zu erkennen, nämlich die Gleise der Straßenbahn, die damals von oben aus der Neuhauser Straße oder von unten aus dem Tal kommend, direkt vor dem Rathauseingang hielt, wie schon im 19. Jahrhundert, als der Wagen noch von einem Pferd gezogen wurde. „Damals“ ist in unserem Fall die Zeit um die Mitte der Fünfzigerjahre. Genaue Daten zu Coca-Colas Dependance in München lie-

den, lediglich das teilweise in Relief angebrachte Rokoko- und Netzwerkmuster wurde mit der Hand ausgeführt. Die Handund Druckarbeit wurde von der „Rosenthal Handmalerei München“ in Moosach bei München vorgenommen, die 1921 als „Münchner Porzellanwerkstätten“ von Ru09 / 16


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LESERFORUM 6 dolf Zöllner in Nymphenburg gegründet wurde. Die Produktion des Betriebs, nun als Porzellan-Manufaktur München firmierend, wurde 1963 eingestellt. Die vorliegende Marke ist eine Variation der Marke, die Bernd Fritz in seinem Buch „Die Porzellangeschirre des Rosenthal Konzerns“, Stuttgart 1989, auf S. 41 abbildet, mit der Bezeichnung „Handmalerei ABTEILUNG MÜNCHEN“. Unsere Marke kommt u.a. bei einem schönen Coca-Cola-Teller aus dem Jahre 1954 vor, der ein Andenken an den von Coca-Cola gesponserten „Staffellauf Grünwald-München“ ist: Die Inschrift am unteren Rand lautet „Gegeben von Coca-Cola München“. Dieser handbemalte und tadellos erhaltene Teller, Durchmesser circa 34 cm, wurde neulich auf eBay für vernünftige 111 Euro angeboten, aber nicht verkauft. Der Wert dieses Rathaustellers liegt ebenfalls in diesem Bereich. Dr. Graham Dry, München

■ Aschenbecher

?

Beim Aufräumen meines Schrankes habe ich diese Schale entdeckt, die ich vor vielen Jahren aus England als Geschenk erhielt. Sie hat die Maße 11,5 cm x 14 cm und ist aus Porzellan, leider hat sie keine Marke auf dem Boden. Können Sie mir bitte etwas zur Herkunft und Wert dieses Objektes mitteilen? W. Renk, Crailsheim

!

Alte keramische Werbeobjekte dieser Art sind ein lohnendes Sammelgebiet, denn sie liegen außerhalb der normalen Fabrikproduktion, geben sehr gute Einblicke in den Alltagsgeschmack und Gewohnheiten ihrer Zeit und da sie damals nicht an den Privatabnehmer verkauft, sondern an Geschäfte, Restaurants und andere passende Örtlichkeiten als Gebrauchsobjekte übergeben wurden, sind sie, vor allem in den besten künstlerischen Beispielen, nicht so häufig zu finden. Diese Schale 09 / 16

helm II. und des Zaren Nikolaus II. Hergestellt wurde der Aschenbecher vermutlich nicht in England, sondern in einer thüringischen oder sächsischen Porzellanfabrik, die auch auf die billige Herstellung solcher Werbeobjekte spezialisiert war. Der Wert des seltenen Aschenbechers in Bestzustand liegt zwischen den 15 Euro, die unter den für den Käufer günstigsten Umständen auf dem Flohmarkt zu zahlen wären und den 100 Euro, die ein Sammler, wenn man ihn nur ausfindig machen könnte, gern für das historische Werbe-Objekt zahlen würde. Dr. Graham Dry, München

■ Mikromosaik-Broschen vom weltbekannten Getränkehersteller Schweppes (1790 in Genf gegründet, seit 1792 in London ansässig) ist ein Aschenbecher mit vier Einbuchtungen an den Ecken. Der Aschenbecher fand ursprünglich möglicherweise Verwendung in einem gediegenen Londoner Club, wo er dann entweder ziemlich pfleglich behandelt wurde oder aber schnell in der Jackentasche eines Clubmitglieds verschwunden ist, denn der Zustand ist außergewöhnlich gut für sein Alter und den Verwendungszweck. Die aufgedruckten Farbinschriften und auch das zentrale Motiv der Kreuz-Spielkarten sind so gut wie neu. Die Karten weisen nicht nur auf die Verwendung des Aschenbechers beim Bridgespiel, sondern sind auch eine humorvolle Anspielung auf die rote Inschrift „Supplied to all the leading Clubs“, denn das englische Wort „Club“ ist die Übersetzung von „Kreuz“ beim Kartenspiel. Datieren lässt sich der Aschenbecher um 1905 anhand der Inschrift „To H.M. the King and H.R.H. The Prince of Wales“. Hier handelt es sich um König Edward VII., Sohn der Königin Victoria, der von 1901 bis 1910 regierte, und seinen Sohn, den späteren George V. (1910-36), Vetter von Kaiser Wil-

?

In meinem Fundus befinden sich zwei Mikromosaik-Broschen, über die ich gerne Näheres wüsste. Vor allem wäre natürlich interessant zu erfahren, wer der Hersteller war, wann sie hergestellt wurden und welchen Wert sie aktuell wohl haben mögen. Die beiden sind mehr oder weniger fein gearbeitet. Die große misst ca. 4,5 cm im Durchmesser. Können Sie mir hier weiter helfen? S. Weber, o.O.

!

Die beiden Mikromosaik-Broschen wurden im mittleren 20. Jahrhundert in einer römischen Mosaikschmuckwerkstätte als Andenken für Touristen hergestellt. Häufig anzutreffende Motive sind Stadtansichten von Rom wie das Kolosseum, der Petersplatz usw., alles in feiner Mosaikarbeit – je feiner ausgeführt, desto kostbarer. Die Preise für diese Arbeiten – wenn sie aus relativ neuer Herstellung stammen – scheinen nicht besonders festgelegt zu sein. Zu Preisen ab 50 Euro kann man solche Blumenbroschen erwerben, aber sie können je nach Händler oder Anbieter weit nach oben ausschlagen. Ein lohnendes Sammelgebiet sind sie allemal, aber natürlich sind sie umso kostbarer und begehrenswerter je älter und feiner sie sind. Dr. Graham Dry, München


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ONLINETIPP 7

■ Den Kampf gegen lästigen Staub führen in immer mehr Wohnungen moderne Absaugvorrichtungen und unermüdlich arbeitende Saugroboter, aber seit über 100 Jahren und wahrscheinlich noch für lange Zeit sind auch fleißige Hände mit Staubsaugern verschiedenster Art in fast jedem Haushalt zu finden. Fast vorbei ist allerdings die Zeit schwergewichtiger und dröhnender Ungetüme, von denen viele nach und nach ihren Platz in privaten Sammlungen und Museen finden.

STAUBSAUGER

teressenten können über die Homepage Kontakt aufnehmen. www.staubsaugermuseum.de

■ Staubsaugermuseum Bruchmühlbach Das Museum kann nach Absprache besichtigt werden und auch Führungen sind möglich. Einzelheiten dazu bietet die Homepage, auch Informationen zur Geschichte des Staubsaugers und etwas Bildmaterial. www.staubsauger-museum.de Auch in einem kleinen Film wird das Museum präsentiert: www.youtube.com/watch?v=s2ZLdI0ajgs

■ Progress Staubsauger Die Marke Progress bildet den Schwerpunkt dieser umfangreichen Präsentation. Neben einer Firmengeschichte werden mit reichlich Bildmaterial verschiedenste Staubsaugertypen aus der Zeit von circa 1926 bis 1980 vorgestellt; jedes Stück mit mehreren Fotos, häufig auch umfangreichen Beschreibungen, Datierungen, technischen Angaben, Bedienungsanleitungen, Verpackungen u.a.m. Auch Zweitmarken sind Teil der beachtlichen Sammlung.

■ Die Geschichte des Staubsaugers Eine kurze Einführung in die frühe Geschichte der Staubsaugerentwicklung wird hier zusammen mit ein paar Bildern geboten. www.historischer-elektromaschinenbau.de/ downloads/die-geschichte-des-staubsaugers.pdf

■ Lux Staubsauger Die Firma Lux zählt zu den Pionieren der Staubsaugerentwicklung und ist seit über 100 Jahren mit innovativen Saugern erfolgreich. Die Homepage bietet eine Zeitreise durch die Staubsaugergeschichte mit vielen Bildern und umfassenden Informationen. www.lux-deutschland.de/ueber_uns/geschichte

■ Technomuseum Mannheim Das Museum stellte 2014 innerhalb der Ausstellung „Der elektrische Haushalt"

auch Staubsauger und Zubehör aus. Online werden davon noch 220 Exemplare präsentiert, viele davon gut bebildert und alle ausführlich beschrieben mit Hinweisen auf die Größe, den Produzenten, den Herstellungszeitraum u.a.m. Nach der Eingabe des Suchbegriffes „Staubsauger" kann bei der Betrachtung zwischen verschiedenen Ansichten gewählt werden. www technoseum.faust-iserver.de/rech.FAU?sid =29C42D132&dm=1&auft=0

www.staubsauger-progress.de

■ Virtuelles Staubsaugermuseum Das virtuelle Museum präsentiert eine Sammlung mit über 70 Staubsaugern verschiedenster Bauart. In den nach Herstellern bzw. Handelsmarken geordneten Kategorien werden alle Exemplare mit mehreren Detailfotos und umfassenden Beschreibungen vorgestellt. Auch mehrere Bedienungsanleitungen, Verpackungen und Prospekte sind zu sehen. www.staubsaugermuseum.net

■ Staubsaugermuseum Düsseldorf Zum Jahresende ist die Eröffnung eines Staubsaugermuseums in Düsseldorf geplant. Auf der Homepage wird, noch ohne Bildmaterial, über die vorhandenen Exponate und das Konzept informiert. Gesucht werden noch Dokumente und Unterstützer für den Aufbau eines Online-Archivs. In09 / 16


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KULTURGESCHICHTE 14

DER GARTENZWERG HEIDRUN TH. GRIGOLEIT

„Der Gartenzwerg“ steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Die Geschichte eines kleinen Volkes“, die noch bis zum 3. Oktober im Museum in Zons gezeigt wird: Wohl kein anderes Gartenaccessoire scheidet die Geister so wie der Gartenzwerg – die einen lieben den lustigen Gesellen, während andere für ihn nur Hohn, Verachtung oder gar Hass empfinden. Jedenfalls reicht die Darstellung und das Spektrum der kleinen, meist bärtigen Männer mit Zipfelmütze von niedlich über kitschig bis künstlerisch, von lustig bis makaber oder gar anzüglich…

Bunte Phantasiewelt Dabei sind Zwerge beileibe nicht nur in Vor- oder Schrebergärten zu finden, sondern sie bevölkern auch Wohnungen, Büros und Gartenhäuschen, Wohnwägen Geschäfte, Restaurants oder Schaufenster. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dieser männlichen Mini-Spezies, die schon seit vielen Jahren hier oder dort ganz plötzlich auftaucht? Auch dieser Frage geht die Ausstellung nach, in der rund 100 Gartenzwerg-Exponate aus der großen Sammlung von Sven Berrat gezeigt werden – übrigens zum ersten Mal in Nordrhein-Westfalen. Die großen und kleinen Ausstellungsbesucher werden jedenfalls zum Schauen, Staunen und Schmunzeln eingeladen, wenn sie die bunte und lustige Phantasiewelt der Zwerge im Kreismuseum in Zons besichtigen. Zur Ausstellung ist ein kleiner Kata-

log erschienen, der auf knapp 50 Seiten vom Rhein-Kreis-Neuss herausgeben wurde und mit vielen bunten Bildern die Zwergen-Welt analysiert und dokumentiert.

Zwerge aus Deutschland Die dort ausgestellten Wichte stammen hauptsächlich aus Deutschland, wobei die ältesten Gesellen bereits über hundert Jahre auf dem Buckel haben und so manche interessante Geschichte erzählen könnten – könnten sie nur sprechen. Jedenfalls sprechen auch alte oder neuere Fotografien Bände, die die emsigen Zwerge zusammen mit ihren stolzen Besitzern zeigen: Ein kleines Mädchen, kaum größer als sein Zwergen-Freund beobachtet diesen mit gehörigem Respekt, denn der kräftige, muskulöse Bursche mit Zipfelmütze

und Vollbart reicht dem Kind bis über die Taille und hält eine scharfe Sense in der Hand. Hingegen nehmen drei zugeknöpfte Damen der besseren Gesellschaft, deren Garderobe auf vergangene Zeiten schließen lässt, kaum Notiz von einem frechen Zwerg, der unter ihrem Kaffeetisch Position bezogen hat und die Damen zu bewachen scheint. Die Exponate in Zons erzählen aber nicht nur vom bewegten, abwechslungsreichen Alltag der kleinen Abenteurer, sondern berichten auch über den Weg deren Entstehung – von der handgefertigten, liebevoll ausgearbeiteZwerg mit Spaten, Hermann Romeiss, Gräfenroda, um 1950 Historisches Privatfoto aus der Sammlung Sven Berrar 09 / 16


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KULTURGESCHICHTE 15

ten Tonfigur mit vielen Details bis hin zur stereotypen Massenware. Das gestalterische Spektrum der Figuren ist jedenfalls immens: In den Anfangsjahren gingen die Zwerglein einem sehr breiten Berufsspektrum nach, welches vom Bergmann bis zum Kellermeister reichen konnte, doch spielten auch „pausierende“ Zwerge eine wichtige Rolle. Auch modernere Zwerge faulenzen gerne, spielen aber auch mal Karten, fahren Motorrad, Ski oder Motorboot oder zeigen sich gar ganz frech als Exibitionist.

fig als eine märchenhafte, meist glückliche, sonst aber verborgene Welt, die nun für die Betrachter sichtbar wird. Die Fröhlichkeit dieser Welt wird auch durch bunte, leuchtende Farben der Zwergenbeklei-

dung betont – besonders aber durch die leuchtend roten Mützen. Dadurch sind Zwerge auch in der grünen Umgebung der Gärten besonders auffällig und stechen sofort ins Auge.

Bart und Zipfelmütze Allen Zwergen gemein war und ist jedoch das eine markante Erkennungszeichen – die Zipfelmütze, die der Zwerg nur ganz selten abnimmt. Und auch ein richtiger Vollbart gehört dazu, will man im Zwergenreich ernst genommen werden. Das Zwergenuniversum mit den Hausgeistern und Kobolden präsentiert sich zudem häuZwerg am Fenster als Wandrelief, Bernhard Bloch, Eichwald, Böhmen um 1890, gefertigt als Raumschmuck Zwerg als Winzer mit Fass, Johann Maresch, Aussig, Böhmen, um 1890, Zimmerzwerg als Raumschmuck Zwerg als Metzger mit Wurst, Johann Maresch, Aussig, Böhmen, Zimmerzwerg als Raumschmuck, um 1890 Zwerg als Angler auf Baumstumpf, Heissner, Gräfenroda, um 1920 09 / 16


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KULTURGESCHICHTE 16

Was Zwerge so tun Abwechslungsreich und vielfältig sind übrigens bis heute auch die zahlreichen Tätigkeiten und unterschiedlichsten Beschäftigungen, denen Zwerge eifrig, mit Fleiß und großer Begeisterung nachgehen: Da wird nicht nur heftig im Garten gewerkelt, gepflanzt, gegossen, gegraben, geschaufelt, gehackt oder geerntet. Nein – der Gartenzwerg liebt es auch zu jagen, zu fischen und zu wandern. Und wenn es

regnet oder schneit, schützt er sich mit einem bunten Schirm. Als Winzer schuftet er im Weinberg, schleppt ein Weinfässchen, mit der Schubkarre befördert er das eine oder andere Gut und bringt Wasser in kleinen Eimern zu den Pflanzen.

Ordnung im Zwergenreich Auch dem leiblichen Wohl sind Zwerge nicht abgeneigt: Da werden Suppentöpfe

und überdimensionale Weinflaschen oder riesige Würste herangeschleppt und die Löffel geschwungen. Zudem werden gerne Kräuter oder Pilze gesammelt und des Nachts wacht ein „Nachtwächter-Zwerg“ mit Laterne und Lanze bewaffnet über die Ordnung im Zwergenreich. Daneben liegt den Zwergen auch das Wohlergehen von kleinen oder größeren Tieren sehr am Herzen, wenn Eichhörnchen und Vögel gefüttert oder Rehlein, Hund oder Katze liebevoll gestreichelt werden.

Allein und in der Gruppe Ihre Freizeit aber verbringen die kleinen Männer – wie ihre großen Vorbilder – dann häufig beim Kartenspiel in geselliger Runde – ein Fliegenpilz dient hier als Tischchen. Gemeinsam wird auch gerne mal Zwerg mit Harke, Heissner Gräfenroda um 1920, Bart gezupft durch Auftragen von Tonschlicker mit dem Pinsel Zwerg mit Schürze und Gießkanne, Heissner, Lauterbach, Hessen, um 1950 Schneewittchen, Heissner, Lauterbach, Hessen um 1950 Rotkäppchen und der Wolf, Heissner Lauterbach, Hessen, um 1950 09 / 16


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KULTURGESCHICHTE 17

Vorstellungen Zwerg, Querg, Wicht, Wichtel-, Heinzel-, Erd- und Bergmännchen, Venediger, Gnom oder Unterirdischer – so unterschiedlich wie ihre Bezeichnung, so verschieden waren auch die Vorstellungen, welche sich die Menschen einst von den kleinen Wesen machten, die sie vermeintlich umgaben. Ihre Existenz wurde früher aber durchaus als real angesehen und findet sich auch bei zahlreichen antiken und mittelalterlichen Autoren, die die Zwerge oft an den Rändern der bekannten Welt ansiedelten. Vermeintliche Knochenfunde, etwa in Wunderkammern ausgestellt, wurden als Belege ihres Daseins angesehen. Jedenfalls glaubte man, dass viele dieser kleinen, scheuen Völker abgeschieden in Wäldern, Feldern, in Bergen und Hügeln unterirdisch in Löchern, alten Bäumen oder Höhlen lebten. Andere hausten hin-

Fußball gespielt oder im fünfköpfigen Zwergen-Orchester musiziert – mit seriösem Dirigenten im Frack, der den Stab schwingt: Nach seinen Anweisungen wird getrommelt, gegeigt, gezupft und geblasen. Ein Einzelgänger übt sein Flötensolo hingegen lieber ganz allein im Abseits nur im Beisein eines kleinen Vögleins, das zutraulich auf seiner Schulter sitzt. Und der Philosoph unter den Wichten bildet sich beim Lesen eines guten Buches. Wie gesagt – pausiert wird im Zwergenreich häufig auch – auf dem Rücken liegend bewundert der eine oder andere Faulenzer

die vorbeigleitenden Wolken mit einem Grashalm im Mund.

Märchen und Sagen Historisches Privatfoto aus der Sammlung Sven Berrar Zwerg auf Baumstamm als Tabaksdose, Bernhard Bloch, Eichwald, Böhmen um 1890 Minizwerge im Geschenkkarton, Heissner, Gräfenroda um 1920 Zwerg mit Blecheimern, Modell von Bernhard Strobel, aktuelle Reproduktion aus Gräfenroda, hergestellt aus Originalform von 1920

Daneben gibt es natürlich auch noch die vielen märchenhaften Bezüge – angefangen von Schneewittchen mit ihren sieben berühmten Hausgenossen, von deren Tellerchen die schöne Schwarzhaarige mit dem roten Mund gegessen, aus deren Becherchen sie getrunken und in deren Bettchen sie dann auch noch geschlafen haben. Und dann gibt es natürliche noch Zwergnase, Rumpelstilzchen und viele andere, berühmt berüchtigte Zwerge, die in Märchen, Fabeln und Erzählungen tragende Rollen übernommen haben. 09 / 16


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gegen in direkter Nachbarschaft oder gar in einer Art „Wohngemeinschaft“ mit den Menschen in deren Häusern, in Kellern oder Ställen – beispielsweise die Kobolde. Die Größe und das Aussehen der durch magische Kräfte übermenschlichen Wesen wurde jedoch unterschiedlich beschrieben: Von Daumen lang bis zur Größe eines Kleinkindes, von niedlich bis unförmig und dick, alt und faltig mit grauer, fahler Gesichtsfarbe reichen die Beschreibungen. Manche seien gar splitternackt, andere trügen nur Lumpen, wieder andere seien „ordentlich“ gekleidet mit Bergmanns- oder Bauerntracht. Farblich

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dominierten wohl Grau und Grün, die beliebteste Zwergenfarbe war jedoch leuchtendes Rot für die spitze Kopfbedeckung – also für die typische Zipfelmütze. Mit dieser Kopfbedeckung verband man dann oft auch magische Kräfte, die den Träger beispielsweise „unsichtbar“ machten. Gerade für diese Zauberfähigkeiten waren Zwerge geliebt aber auch gefürchtet. Hier reichte die Bandbreite der Vorstellungen vom dämonischen, bösen und Unheil bringenden Wicht, etwa dem bitterbösen Unhold „Rumpelstilzchen“, über einen harmlose Streiche spielenden Gnom bis hin zum hilfreichen, selbstlosen und freundli-

Musikkapelle Zwerge, Modelle der Firma Heissner, aktuelle Reproduktion aus Gräfenroda Zwerg als Jäger, Hermann Romeiss, Gräfenroda, um 1950 Zwerg füttert ein Eichhörnchen Modell „Freundschaft“, Heissner, Lauterbach, Hessen, um 1950 Zwerg mit Frosch Modell „der Doktor“, Heissner, Lauterbach, Hessen, um 1950, nach Abbildungen des Künstlers Paul Lothar Müller gefertigt


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KULTURGESCHICHTE 19 zahlreiche Merkmale seiner realen und fiktiven Vorfahren und war doch zugleich ein völlig neues Mitglied im Stammbaum der großen Zwergenfamilie. Die aus Ton gebrannten und kalt bemalten Figuren wurden anfangs gemeinsam mit lebensgroßen Tier- und Märchenfiguren in Landschaftsgärten heimisch. Damals noch unter der Bezeichnung „Gnom“ bekannt und vertrieben, tummelten sie sich in künstlichen Grotten oder bildeten an besonderen Punkten der Parks, wie Blickschneisen, zusätzliche Highlights. Ihre Hauptfunktion war es, die Parkbesucher plötzlich zu überraschen, die im ersten Augenblick glauben sollten, tatsächlich lebende Wesen vor sich zu haben. Deshalb wurde von den Parkbesitzern auch viel Wert darauf gelegt, dass die Gesellen aus Ton so wirklichkeitsgetreu und individuell wie möglich gestaltet waren. Häufig wirken diese frühen Exemplaren auch ein bisschen barsch und herb, aber dennoch sympathisch, ehrlich und auch welterfahren. Den Dimensionen der riesigen Gärten und Parks angepasst waren diese Gnome manchmal über einen Meter groß. Nicht nur mit dieser stattlichen Größe bilden sie ein deutliches Kontrastprogramm zu den meist niedlich-nett-naiven Nachfolgern der späteren Jahre.

...in den Schrebergarten

chen Zwerg – wie die berühmten sieben Zwerge bei Schneewittchen. Typisch positive Charaktereigenschaften bei den hilfreichen Zwergen waren ihr unermüdlicher Fleiß und ihre erstaunlich gut ausgebildeten Fähigkeiten auf zahlreichen handwerklichen Gebieten – etwa als Schmied, Schneider, Schuster, Bauer, Gärtner und natürlich als Bergmann.

geschieden in den Wäldern und prägten dadurch zusätzlich den Zwergenmythos.

Vom Landschaftspark... Der im 19. Jahrhundert entstandene Typ von Gartenzwerg hatte deshalb wirklich

Von den Landschaftsgärten ausgehend nahmen die Tonfiguren um 1900 ihren Weg von den Gärten des Bürgertums bis schließlich in die Klein- und Schrebergärten. Denn das Bedürfnis nach Schmuck und einem kleinen Stück Glück und Harmonie im eigenen Garten zog sich durch alle Gesellschaftsschichten. Die Manufakturen, die sich hauptsächlich in Thüringen und Böhmen befanden, produzierten nicht nur für den deutschen, sondern auch für

Kleinwüchsige Ausgangspunkt für die Vorstellung von Zwergenvölkern waren wohl reale, sehr kleine Menschen, Kleinwüchsige oder Kinder. Denn diese arbeiteten auf Grund ihrer Größe tatsächlich besonders häufig unter Tage in Bergwerken. Wahrscheinlich hat hier auch die hohe Mütze ihren Ursprung, denn diese wurde mit Stroh gefüllt getragen, um rechtzeitig zu merken, wenn die Decke im Bergwerk niedriger wurde, um sich nicht den Kopf zu verletzen. Häufig lebten kleinwüchsige Bergleute auch abAquarien-Zwerge für das Goldfischglas, Heissner, Gräfenroda, um 1920 Kartenspielgruppe mit Fliegenpilz-Tisch, Modell der Firma Heissner, Gräfenroda, um 1920, aktuelle Reproduktion aus Gräfenroda 09 / 16


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KULTURGESCHICHTE 20 von „störenden Elementen“ sein – und damit waren nicht nur Zwerge, sondern auch ausländische Pflanzen gemeint! Auf Abneigung stieß der Gartenzwerg dann später auch bei der Obrigkeit in der DDR. Für diese galt er als „Ergebnis bürgerlichkapitalistischer Kulturentwicklung“ und „ästhetische Entgleisung“. Dennoch wurde im Arbeiter- und Bauernstaat die Produktion der kleinen, bunten Gartenbewohner weitergeführt und gefördert, denn sie waren ein wichtiger Exportartikel und brachten der DDR die so nötig gebrauchten Devisen.

Massenproduktion Mitte des 20. Jahrhunderts fanden die Gartenzwerge allmählich ihren Weg in die Dörfer und Bauerngärten, die bis dahin fast ausschließlich für die Selbstversorgung verwendet wurden. Der neue Wohlden internationalen Markt. So galt etwa bei deutschen Auswanderern in die USA der Gartenzwerg neben der Kuckucksuhr als beliebtes Statussymbol aus der Heimat. Und so wurden bis zum Ersten Weltkrieg Figuren in hoher Qualität und größter Vielfalt hergestellt, denn eine große Nachfrage bestand auch bei den Arbeitern in den Städten. Um die Gartenzwerge auch für weniger betuchte Bevölkerungsgruppen erschwinglich zu machen, musste nun vor allem billiger und damit seriell produziert werden. Deshalb wurden die Zwerge zunehmend einfacher gestaltet und passten sich nun auch in ihrer Größe den entsprechend kleineren Gärten der Privathaushalte an. So wurden Zwerge zum Produkt für den „kleinen Mann“ und waren um 1930 für jedermann erschwinglich. Auch bei ihren Tätigkeiten ließen sie das Spektrum ihrer hochherrschaftlichen Vorgänger hinter sich und beschränkten sich fortan eher auf die Gartenarbeit oder das Pausieren. So setzte sich allmählich nach Mitte der Zwanzigerjahre die Bezeichnung „Gartenzwerg“ durch, wenn auch mancherorts die Bezeichnung Gnom bis in die Vierzigerjahre erhalten blieb. Anders als die eher als Denkmal zu betrachtenden ersten Zwerge der Parks und Landschaftsgärten leisteten die kleinen Tonmänner in den Schrebergärten nun ihren Besitzern gleichsam Gesellschaft bei der Gartenarbeit. Während der beiden Weltkriege ging die Nachfrage nach Gartenzwergen dann natürlich zurück und viele Betriebe produzierten während dieser Jahre andere, dringend benötigte Gebrauchsgüter.

Ästhetische Entgleisung Nach der Machtergreifung durch die Nazis wurden die kleinen Männlein, die so gar nicht dem arischen Ideal entsprachen, nicht mehr sonderlich geschätzt. Der deutsche Garten sollte bodenständig und frei 09 / 16

fangs noch mit Liebe zum Detail mit Ölfarben, später werden verschiedene Kunstharzfarben verwendet, die man bei großen Flächen einfach aufsprühte. Die so mit Farbe besprühten Zwerge wirken mit ihren einfachen Formen jedoch oft sehr flach, starr und ähneln sich stereotyp sogar in Ausstrahlung und Stimmung: untersetzt und dickbäuchig waren diese Gesellen zwar fleißig, aber stressen sich nicht. Alle sind zufrieden und sogar ein bisschen selbstgefällig. Die Ängste, Nöte und Sorgen des wirklichen Lebens scheinen ihnen fremd.

Spießbürgertum So konnte es nicht ausbleiben, dass – ob gerechtfertigt oder nicht – Parallelen zwischen den Vorgartenbewohnern, ihren menschlichen Besitzern und deren Kunstsinn gezogen werden: Der Zwerg wird zum Symbol für Spießbürgertum und stößt vor allem Ende der Sechzigerjahre vielfach auf Ablehnung. Vollkommen vertreiben lassen sich die kleinen Tonmänner aber trotzdem nicht, wenngleich sie heutzutage häufig aus Kunststoffen, wie PVC, hergestellt und aus dem Ausland kommen, wo die Lohnkosten deutlich niedriger sind.

Provokationen Ende des 20. Jahrhunderts kommen dann ganz neue Gruppen von Zwergen hinzu: Zwerg mit Schaufel, Modell von Bernhard Strobel, Reproduktion aktuell Gräfenroda, hergestellt aus Originalform Zwerg mit Buch Modell „Bücherwurm“, Heissner, Lauterbach, Hessen, um 1990 stand dieser Jahre erlaubte es, auch größere Flächen für die Erholung zu gestalten oder ganz auf Nutzgärten zu verzichten. Die Gestaltung der Zwerge hatte sich in dieser Zeit durch Mechanisierungsprozesse in der Produktion und die bereits Jahrzehnte andauernden Einsparmaßnahmen in der Produktentwicklung noch weiter vereinfacht. Die Massenproduktion zeigte sich sowohl bei der plastischen Ausführung wie bei der Bemalung: Fanden sich bei den ersten Zwergen noch detailliert ausgestaltete Gliedmaßen, eine ausgeprägte Mimik und fast einzeln gezupfte Barthaare, verlieren sich solche Details bei späteren Kollegen. Auch die Füße werden unförmig und blockartig und die Gliedmaßen befinden sich nahe am Körper, weil dadurch nur eine einzige Gussform und nicht mehrere benötigt wurde. Und die häufig faltenlosen Gesichter bilden nun einen seltsamen Kontrast zum greisen Bart. Die Bemalung erfolgte an-

Zwerg mit Holzschubkarren, Heissner, Lauterbach, Hessen, um 1950


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Teils sollen diese bewusst provozieren – etwa Zwerge als Exhibitionisten. Teils übernehmen sie nun moderne Aufgaben, fahren Motorrad, spielen Gitarre, ergreifen Partei für diverse Fußballvereine oder verkleiden sich als Superhelden. Daneben erscheint nun auch der gänzlich unifarbene Zwerg, der meistens in leuchtenden Farben mitunter auch in dezenten Pastelltönen gehalten ist. Dieser Zwergentyp lenkt den Fokus auf die Form, ohne aber besondere Innovationen aufweisen zu können. So erreicht die Stereotypie der Figuren einen Höhepunkt, um zugleich mit diesem zu spielen. Dies gilt auch für viele künstlerische Installationen mit den kleinen Männern: Hier steht nicht der Gartenzwerg an sich, sondern der Stereotyp in seiner Stellvertreterfunktion als Sinnbild für Spießbürgertum im Blickpunkt.

Zigarre war zwar früher ein beliebtes harmloses und männliches Zwergen-Ritual, ist aber heute längst in vielen Bereichen zum Tabu geworden. Ein kleiner Tabak süchtiger Wicht kann’s dennoch nicht lassen und sitzt demonstrativ und trotzig auf einer Tabaksdose. Aber gerade neuere und jüngere Zwerge werden nicht mehr so häufig rauchend dargestellt. Ja, Zwerge sind halt auch nur Menschen wie du und ich und müssen mit der Zeit und Mode gehen... so wird auch die Schubkarre neuerdings mit dem Smartphone vertauscht und schicke Rollerskates dienen dem hippen Zwerg als Fortbewegungsmittel. Und auch beim Thema Gewalt kann der moderne Gartenzwerg leider schon aus eigener Erfahrung mitreden. Das Modell „Nachbars Opfer“ stammt aus dem Zwergenkaufhaus in Rot am See aus dem Jahre 1990: Mit einem riesigen Küchenmesser im Rücken

liegt ein ermordeter Zwerg vom bösen Nachbarn brutal gemeuchelt auf dem grünen Rasen.

Informationen Kreismuseum Zons, Ausstellung: „Die Geschichte eines kleinen Volkes – Der Gartenzwerg“, noch bis zum 3. Oktober, Schloßstraße 1, 41541 Dormagen. Gleichnamiger Ausstellungskatalog, circa 50 Seiten mit zahlreichen bunten Bildern, Herausgeber Rhein-Kreis-Neuss, www. kreismuseumzons.de. Fotos: Andreas Ulrich © Sven Berrar

Nachbars Opfer Übrigens – mit einem kleinen Laster hat auch der eine oder andere Zwerg zu kämpfen – das Rauchen von Pfeife oder Zwerg mit Regenschirm, Gurris, Westerwald, um 1970 Zwerg als Kräutersammler mit Kiepe, Modell von Hermann Romeiss, Gräfenroda, aktuelle Reproduktion aus Gräfenroda Zwerg als Jäger, Hermann Romeiss, Gräfenroda, um 1950 Zwerg liegend mit Pfeife, Balzer und Bock, Gräfenroda, um 1920, Bart von Hand gezupft durch Auftragen von Tonschlicker mit dem Pinsel 09 / 16


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TEDDYBÄREN IM MÄRCHENLAND REINHARD WYLEGALLA

Bis zum 30. Oktober wird im Stadt- und Waagenmuseum Oschatz eine Sonderausstellung mit Teddybären als Märchengestalten aus der Sammlung Brigitte Zimmermann gezeigt. Der Struwwelpeter (August Heinrich Hoffmann). – Die Schöne und das Biest (französisches Volksmärchen). – Rotkäppchen und der Wolf (Brüder Grimm) Die Teddy-Freundin ließ sogar die FußballElf ihrer Heimatstadt Modell stehen, um die Sportler als knuddelige „Bären" darzustellen. Die allermeisten ihrer Kreationen leben jedoch im Märchenland. Das ehemalige Kinderzimmer ihrer Wohnung hat Brigitte Zimmermann als „Atelier" eingerichtet. Hier entstanden innerhalb von zehn Jahren rund tausend Teddyfiguren, die 59 Themen von Grimms Märchen über Pippi Langstrumpf und den Struwwelpeter bis hin zu Wilhelm Buschs „Max und Moritz" darstellen. Solange sie sich erinnern kann, hat Brigitte Zimmermann gern Figuren für Kinder gebastelt und gehäkelt. Nach der Wende entdeckte sie zufällig in einer Zeitung ein Schnittmuster für Teddybären. Nach dem ersten erfolgreichen Versuch erwachte ihre Leidenschaft für die Knuddeltiere, deren Name – so will es zumindest die Überlieferung wissen – auf „Ted", den US-amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt (1858-1919), zurückgehen soll. Es

Knuddelige Bärenwelt Teddys sind die Welt von Brigitte Zimmermann. Zum 106. Geburtstag von Johannes Heesters am 5. Dezember 2009 fertigte die Rentnerin aus dem mittelsächsischen Döbeln einen Teddy mit Frack, Zylinder und weißem Seidenschal. Filme mit Sherlock Holmes inspirierten sie, den Meisterdetektiv in ein Teddy-Kostüm zu stecken. 08 / 16


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SPIELZEUG 91 Max und Moritz (Wilhelm Busch). – Pippi Langstrumpf und ihr Affe, Herr Nilsson (Astrid Lindgren). – Aladin und die Wunderlampe (1001 Nacht) die kleinste aber nur 4,5 Zentimeter misst. Nach der Premiere entwickelte sich eine Eigendynamik, insbesondere zur Weihnachtszeit ist die Teddy-Freundin als Ausstellerin gefragt. Mittlerweile ist der Bestand groß genug, um auch auf Sonderwünsche eingehen zu können oder spezielle Themen mit Liebe zum Detail in Szene zu setzen. Zwei Mal hat Brigitte Zimmermann schon für Paare, die sich trauen, Teddys im Hochzeitslook genäht. Und natürlich schenkt sie auch zu Weihnachten guten Freunden Knuddelbärchen aus ihrer Nähstube. Für die eigene Familie stellt sie jedes Jahr eine Weihnachtskrippe auf: Die Heilige Familie und die Heiligen Drei Könige bis hin zu den Hirten und dem Engel, der die Frohe Botschaft verkündet, sind – wie könnte es anders sein – kuschelige Teddybären. Fotos: Reinhard Wylegalla

verging allerdings eine ganze Weile, bis die Märchenliebhaberin ihren ersten Teddy in ein Kostüm kleidete, obwohl die Tiere doch eigentlich schon „solch ein schönes knuddeliges Fell besitzen". Eben deshalb fertigte sie als erste Märchenwesen die „Bremer Stadtmusikanten", die ja ohne jede Bekleidung auskommen.

dy-Gemeinde auszustellen. Vor rund zehn Jahren zeigte sie im mittelsächsischen Rosswein erstmals öffentlich ihre Kreationen, von denen die größte 75 Zentimeter,

Grimmige Kumpanen Es folgten „Rotkäppchen und der Wolf". Nun war für die Teddy-Freundin aber nicht nur das Entwerfen von Kostümen eine neue Herausforderung. Das Knuddeltier im Wolfspelz musste auch ein grimmiges Gesicht und eine große Zunge bekommen – Erkennungsmerkmale, die ja eigentlich dem Wesen eines gutmütigen und geduldigen Spielgefährten widersprechen. Brigitte Zimmermann gelang es indessen, einen im Bett liegenden „Wolf-Teddy" zu kreieren, der bereits die arme kranke Großmutter verschlungen hat und nun gierig auf das junge Rotkäppchen ist. Auch andere nicht so liebenswürdige Figuren hat die Rentnerin aus Plüsch genäht. So zum Beispiel eine böse Hexe, das abscheuliche „Biest", das schließlich durch die Schöne erlöst wird, und Max und Moritz mit spitzbübischen Teddy-Gesichtern.

Hochzeit und Weihnachten Kein Wunder, dass Brigitte Zimmermann immer wieder eingeladen wird, ihre Ted08 / 16


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BLICKPUNKT 97

SCHMUCK

■ David Webb Kann ein Juwelier, dessen Markenzeichen knallig emaillierte und mit Diamanten besetzte Frösche sind, wirklich zu den High Society-Lieferanten gehören? Im Falle des New Yorker David Webb (1925-1975) gibt es keine Zweifel. Er war in den 60er- und 70er-Jahren Wunderkind und Liebling der amerikanischen Haute Joaillerie: talentiert, stilsicher, originell und charmant. Als Jackie Kennedy 1967 zu einer HollywoodPremiere ging, trug sie grüne Ohrclips von David Webb. Als Barbra Streisand im Höhenflug ihrer Karriere Ende der 1960er auf den Titeln von Magazinen wie Time und Life posiert, erschien sie mit einem Juwelenkollier aus dem Atelier des Selfmademans. Der New Yorker Schmuckdesigner und Juwelier, der mit 20 seinen ersten Laden öffnete und mit knapp 30 den Sprung in die Oberliga seines Metiers geschafft hatte, schlug moderne Töne an in der elitären, hochkarätigen Schmuckszene. Hat er anfangs noch den führenden Juwelenschmieden wie Tiffany oder Van Cleef & Arpels nachgeeifert, so fand er um 1960 ganz schnell zu einem eigenen Stil. Er hämmerte schwere Goldkolliers, die dem Schatz der Azteken entnommen schienen. Seine Broschen ähnelten Fantasieorden und seine legendären Tierkreationen hatDavid Webbs Antwort auf die um 1960 aufgekommene Schwärmerei für die Kultur Indiens – farbenprächtige, mit Amethysten, Smaragden und Brillanten besetzte Ohrgehänge, wohl um 1970 entstanden. Ihr Preis bei Koller in Zürich: etwa 13.500 Schweizer Franken (inkl. Aufgeld) (Foto: Koller Auktionen)

ten nie etwas Possierliches. Groß, üppig, exaltiert und vor allem farbstark kamen seine Entwürfe daher. Dabei war Webb alles andere als ein avantgardistischer Schmuckkünstler und schon gar kein Traditionszertrümmerer. Im Gegenteil. Doch wie kein anderer vor ihm hat er den Juwelenschmuck von der klassischen Gediegenheit befreit. Er sah bei ihm nicht mehr europäisch aus, er besaß US-amerikanischen Esprit. David Webb hatte nicht zuletzt ein sicheres Gespür für die Strömungen seiner Zeit: für die Lust auf spielerische Unkonventionalität der neuen und alten Reichen, für die elegante Umsetzung des alles durchwebenden Flower-PowerHippie-Feelings und für die Trends der Modeindustrie. Eine teure Edelversion weiß emaillierten Kreolen-Ohrschmucks, gemacht für die pastellfarbenen Etuikleider der 60er – das traute sich in diesen Zeiten nicht jeder Nobel-Juwelier. David Webbs Kreativität und seine Lust am Erfinden hat ein breites, facettenreiches Oeuvre hinterlassen. Doch fast zu einem Synonym für den bereits mit 50 Jahren an Krebs verstorbenen Juwelier sind heute seine Tierstücke geworden. Ohne die Erfolgsgeschichte des Panthers von Cartier, den Jeanne Toussaint 1914 entworfen hat, hätte die Schar diverser Vögel, Insekten und exotischer Vierbeiner in der Haute Joaillerie wahrscheinlich andere Dimensionen. Und dass Webb von ihnen inspiriert wurde, steht außer Frage. Doch seine Schmuckstücke sind anders als die über und über mit Juwelen besetzten, üblichen Broschen. Ihnen fehlt jeder Habitus von Niedlichkeit. Webbs Mischung aus Naturalismus und Abstraktion und seine Freiheit, Tiere nicht ausschließlich abzubilden, sondern als animalisches Dekorelement zu benutzen, schufen einen neuen Look in diesem Genre. Das hier abgebildete goldene Leopardenarmband ist ein Musterbeispiel dafür. Zwischen Kopf und Schwanz, der zugleich als Schließöse im offenen Maul der Wildkatze steckt, krümmt sich ein Reif, der mit seinen schwarz emaillierten Flecken an Leopardenfell erinnert. Hauptstück ist unverkennbar der Kopf, der mit einem diamantbesetzten Halsband und glitzerndem Nasenrücken veredelt wurde. Webb hat zahlreiche Varianten dieses Armbandtyps gefertigt, dessen Vorläufer in der Antike zu finden sind. Er kreierte Armspangen mit gegenständlichen Tigerköpfen, die sich in einem brillantbesetzten Reifen verbeißen, Stücke mit rubinbesetzten Elefantenköpfen und mit schwarzen, aber goldbemähnten Löwenhäuptern. Je nach Auftraggeber waren sie mehr oder weniger mit Edelsteinen besetzt – wobei Webb einen oft fantasievollen Umgang mit Edelsteinen zeigte, indem er sie einzeln bzw. rhythmisch verteilte, um dem Objekt Struktur und Textur zu verleihen. Bei Schlangenarmbändern suggerierte er mit hochstehenden, bunt emaillierten Plättchen eine schuppige Haut. Und auf dem Rücken mancher Frösche etwa verteilen sich kleine Brillanten oder Goldkügelchen wie Warzen einer Kröte. Kühn hingegen war

Die Pantherbrosche, die Webb erstmals 1964 entwarf, ist eines seiner populärsten Schmuckstücke. Er hat sie nicht nur in der Größe variiert, sondern auch oft kleine Details verändert wie die Farbe der Augen und die Form des Halsbandes (Foto: Antique & Art Sabine Füchter)

es, den Kreis der mythenbeladenen Tiere zu durchbrechen. Die Zeit war reif für ein bisschen Pop im elitären Business der Edeljuweliere. 1963 und 1964 entwarf Webb seine Giraffen- und Zebra-Armreifen, deren Reiz in der subtilen Gestaltung der Tierköpfe, aber auch in der Fellimitation des Reifens lag. Diese Schmuckstücke mit ihren schwarzen, goldgerahmten Emailflecken auf weißem Grund respektive schwarze und weiße, jeweils mit Gold abgesetzte Streifen, die sich über das gesamte Schmuckstück zogen, waren die Antwort auf eine immer lässiger gewordene Mode der Luxusklasse. In gleicher Weise wie die Armreifen sind auch zahlreiche Ringe entstanden. Webbs oft fantasievolle Gestaltungsweise von Tierschmuck hat ihn nicht davon abgehalten, auch Stücke zu fertigen, die ganz und gar aus Edelsteinen komponiert waren. Auch dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Typisch für Webbs Tierwelt aber ist ein Faible für wilde, exotische Tiere. Hunde und Hauskatzen und auch Vögel – bis auf eine Eulenbrosche – kommen bei ihm nicht vor. Den ausführlichen Artikel „David Webb – Juwelier der High Society” (neun Seiten, 26 Abbildungen) von Sabine Spindler finden Sie in der aktuellen September-Ausgabe der Zeitschrift „Sammler Journal” (ab 31. August im Handel erhältlich)

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FUNDSTÜCKE 114

FLOHMARKTPREISE

■ Reklame Blechdose „Damenfreund 100 Cigaretten“, Hersteller Cigarettenfabrik Lesmona GmbH (die Fabrik befand sich im Bremer Stadtteil Lesum, lat. Lesmona, am Panzenberg 7 und wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört), Bremen, wohl 20erJahre. In unterschiedlichen Rottönen lithografiertes Blech, weißer Firmenschriftzug und Markenbezeichnung, im Oval abgebildet „Rauchender Herr mit Frack und Zylinder“, seitlich Mengenangabe „100 Cigaretten“ sowie Firmenschriftzug, Länge circa 14 cm. Die Bremer Zigarettenfabrik war in dieser Epoche für ihre modernen und innovativen Markenbezeichnungen bekannt. Erhältlich waren unter anderem die Marken „Zaubermittel”, „Freundesstolz”, „Clubfreude”, Damenfreund“. Für Frauen, die sich in den 20er-Jahren emanzipierten, galt die Zigarette als Symbol der neuen Erotik. Sie schmeckte für viele Damen nach Freiheit und Unabhängigkeit, etwa so, als ob die moderne Dame mit der Zigarette auf Häuslichkeit und Tradition aschen würde. Ausgefallene Blechdose, die im fast neuwertigen Zustand die 100Euro-Marke überspringen könnte Flohmarktpreis: 40 Euro

Bassbox „QL T 60“, den Center „QL T 15“ für ein komplettes 5.1.Surround-System. In Deutschland werden die Boxen „QL T 50“ im Paar zwischen 200 bis 350 angeboten. In Japan und auf dem asiatischen Markt besitzen sie Kultstatus, was sich dort auf den Preis auswirkt (400 bis 700 Euro) Flohmarktpreis: 100 Euro

■ Literatur „Unabhängige illustrierte Wochenschrift für den gesamten Motorsport, Motor und Sport“, Vogel-Verlag, Pößneck in Thüringen, 2. Jahrgang, Heft 15, Einzelnummern pro Stück -,50 MK, Sondernummern 1,MK. Der Vogel-Fachverlag wurde 1891 von Carl Gustav Vogel (1868-1945) in Pößneck gegründet. Nach dem Zweiten Welt-

krieg übersiedelte der Firmen-Hauptsitz nach Coburg und später dann nach Würzburg. Zu den erfolgreichen Publikationen zählten in der Anfangszeit der 1894 gegründete und heute noch verlegte „Maschinenmarkt“, der „Agrar Markt“ (1919), der „Export Markt“ (1921), das „Lastauto“ (1924), „Motor und Sport" (1924, später: „Auto Motor und Sport“) und der „Radio Markt“ (1927). Auf circa 90 Seiten werden dem Leser Neuheiten und Informationen der Automobil-/Motorrad/-Flugzeug-Industrie vorgestellt, u. a. Firmenporträts, Wettrennen, Luftpolitik, Motortechnik, Störungen an Kraftfahrzeugen, Fachmessen etc. Zahlreiche informative Firmen-Anzeigen fast vergessener Marken runden das Heft ab. Früher Jahrgang, gesucht. Im neuwertigen Zustand sind 100 Euro möglich. Flohmarktpreis: 25 Euro

■ Design Hifi-Boxenpaar „MB Quart QL T50 System Terra Magic Wood“, Belastbarkeit 50/80 Watt, Gewicht 2 kg, 145 x 152 x 285 mm. Die Firma MB Quart wurde 1963 in Obrigheim am Neckar gegründet und stellte damals Mikronfontechnik her, die sie ausschließlich in Deutschland produzierte. Nach diversen Intermezzos mit amerikanischen Investoren und darauf folgender Insolvenz liegen die aktuellen Markenrechte für MB Quart bei dem US-amerikanischen Unternehmen Maxxsonics. Diese sehr ausgefallenen und hochwertigen „Design2-Wege-Lautsprecher“ wurden 1995 in einem farbigen Keramikgehäuse (Magic Wood, Algerique, Delhi Weiß, Schwarz glänzend, wohl jeweils nur 300 Exemplare) produziert und kosteten damals 499 bis 599 DM. Passend dazu gab es noch die

Erscheinungstermin Oktober-Ausgabe: Abo-Versand 19.9.2016 Erstverkaufstag Handel 23.9.2016


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Termine im September 01 Do Essen-Bergeborbeck

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07 Mi Köln-Porz-Eil

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10 Sa Köln-Porz-Eil

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Handelshof, Rolshover Straße, überdacht

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14 Mi Köln-Porz-Eil

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15 Do Essen-Bergeborbeck

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18 So Köln-Ossendorf

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21 Mi Köln-Porz-Eil

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22 Do Essen-Bergeborbeck

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Samstag vor Ort

25 So Köln-Godorf

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28 Mi Köln-Porz-Eil

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29 Do Essen-Bergeborbeck

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Sonn- und Feiertag vor Ort Globus IKEA

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