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Europas Sammlermagazin
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Emil Holz Kreative hauer 68er 05/2017
Emil Holzhauer
Die kreativen 68er Bettina Krogemann
Die Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts veränderten die Welt. In kürzester Zeit stellten sie die geltende Ästhetik auf den Kopf wie keine andere Zeit es zuvor getan hatte. Den Höhepunkt dieser Umwälzungen auf gesellschaftlichem und kulturellem Parkett markieren die späten 1960er-Jahre, vor allem das Jahr 1968.
Die 1960er: Junge Menschen lehnten sich vehement gegen tradierte Lebensformen auf, die noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammten. Die Bewegung hatte ein politisches Fundament und 1968 ist das Jahr, in dem linksgerichtete Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen bereits eine weltweite Verbreitung gefunden hatte. Zentren des neuen Zeitstils lagen in Europa und in den USA, dort vor allem an der kalifornischen Westküste. In den USA richtete er sich, getragen von Studenten und Hippies, mit Protestaktionen gegen den aktuellen Vietnamkrieg und, im Fahrwasser von Martin Luther King, für eine Gleichberechtigung von Schwarz und Weiß, zudem natürlich auch von Mann und Frau. Vergleichbare Ziele verfolgten die Politaktivisten und Studenten in Europa, vor allem in Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland, aber auch in Ungarn und der CSSR. Eine gesellschaftspolitische Aufbruchsstimmung mit teils utopischem, experimentellem Gedankengut prägte das Klima. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurden zentrale Begriffe einer Idee des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Zwar waren diese Schlagwörter schon seit der Französischen Revolution bekannt, in dem weltbe-
Anja Iwa
Ohne Geld und Englischkenntnisse verließ Emil Holzhauer 1906 seine schwäbische Heimat und ging nach New York. In den USA konnte der Maler seinen Traum von einem erfolgreichen Künstlerleben verwirklichen. Nun sind seine Werke erstmals außerhalb der Vereinigten Staaten in Schwäbisch Gmünd zu sehen.
Birgitta Bjerkes „Woman’s hand dress“ ist aus gehäkelter Wolle. Ihre Werke sind rar und nicht in Online-Auktionen zu finden (Foto: The Summer of Love) Betsey Johnsons wollenes Strickkleid mit abstraktem Landschaftsmotiv von 1970/72 ist in der Sammlung des Fine Arts Museum San Francisco. Von Johnson, die bis heute als Modedesignerin tätig ist, können viele Vintage-Objekte in Online-Auktionen erworben werden. Die Preise beginnen schon bei 50 USDollar und können bis in den vierstelligen US-Dollar-Bereich reichen (Foto: The Summer of Love)
Druck grafik Französische Druckgrafik Heidrun Th. Grigoleit
Die Ausstellung „Im Zeichen der Lilie. Französische Druckgraphik zur Zeit Ludwigs XIV.“ präsentiert in der Kunsthalle Bremen noch bis zum 28. Mai herausragende französische Druckgrafik aus den Jahren 1650 bis 1715.
Gérard Edelinck. Die Anghiari-Schlacht, 1657-66, nach einer Zeichnung von Peter Paul Rubens, nach dem verlorenen Fresko von Leonardo da Vinci, Kupferstich, 50 x 64 cm
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AUF NACH AMERIKA „Ich bin glücklich einen Beruf zu haben, der es mir ermöglicht, unabhängig und ohne Kompromisse der Kunst zu leben.“ Das konnte Emil Holzhauer (1887-1986) Mitte der 1920er-Jahre wirklich mit Stolz vermerken. Ohne Englischkenntnisse und ohne Geld verließ er mit neunzehn Jahren seine Heimat Schwäbisch Gmünd und ging nach New York, um sein Glück in der Kunst zu suchen – und er fand es tatsächlich. Als der Maler 1986 im Alter von fast 100 Jahren im amerikanischen Niceville in Florida starb, endete ein reiches und von beachtlichen Erfolgen gekröntes künstlerisches Leben.
BIOGRAFIE Emil Holzhauer wurde am 21. Januar 1887 in Schwäbisch Gmünd geboren. Von 1901 bis 1906 machte er eine Ausbildung als Stahlgraveur und Zeichner bei der Silberwarenfabrik Erhard & Söhne, übte sich jedoch schon zu dieser Zeit in jeder freien Minute leidenschaftlich im Zeichnen und Malen. Sonntags erhielt er zudem Malunterricht an der Fachschule für Edelmetallindustrie. Mit neunzehn machte er sich auf nach New York, wo er am 15. Juli 1906 ankam und direkt in der Schmuckmanufaktur George Keppler eine Stelle als Zeichner und Graveur erhielt. Die Beweggründe für die Auswanderung schilderte er in einem späteren Aufsatz: „Die Firma Julius Feuerle am Markt, wo mein Vater dreißig Jahre als Kabinettmeister gewirkt hatte, schloss ihre Tore für immer, und dem damals 68-jährigen war es unmöglich, wieder eine passende Stellung zu finden. Mein Bruder war in dieser Zeit beim Militär, und so lag die ganze Sorge um den Lebensunterhalt der Familie auf meinen jungen Schultern. […] Alfred Sponey, der Bruder meiner beiden Freunde Emil und Fritz, kam auf einige Tage zu Besuch nach Gmünd. Er war
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Zwischen 1650 und 1715 entfaltete sich während der Regierungszeit von König Ludwig XIV. in Frankreich der Absolutismus in seiner ganzen Pracht. Der historischen Figur Alexanders des Großen kam am Hof Ludwigs XIV. eine ähnliche Bedeutung zu wie dem Sonnengott Apoll: Der König setzte sich als „nouvel Alexandre“ (neuer Alexander) und als „roi soleil“ (Sonnenkönig) mit beiden gleich. Mit „L’état, c’est moi“ („Der Staat bin ich“) beschrieb er treffend den Absolutismus als Staatsform. Ludwig XIV. war sich der Kraft von Bildern und deren Macht sehr bewusst und beobachtete daher die
Entwicklung der Druckgrafik genau, um sie ganz in seinem Sinne zur Verbreitung der königlichen Autorität zu nutzen. Auch die Aufgabe der
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DIE KREATIVEN 68ER veränderten die Welt Gemälde Emil Holzhauer Französische Druckgrafik
Im Zeichen der Lilie
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INHALT 5
TRÖDLER
ISSN 1863-0340
VERLAG
GEMI Verlags GmbH Pfaffenhofener Straße 3 85293 Reichertshausen Tel. 08441 / 4022-0 Fax 08441 / 71846 Internet: http://www.gemiverlag.de eMail: info@gemiverlag.de
GESCHÄFTSFÜHRER
Gerd Reddersen Rudolf Neumeier
CHEFREDAKTEUR
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REDAKTION
Nicola Fritzsch, Joscha Eberhardt, Karin Probst, Helene Stümpfle-Wolf
AUTOREN DIESER AUSGABE
Reinhard Bogena, Heidrun Th. Grigoleit, Sibylle Maxheimer, Ludger Spielberg
REDAKTIONSASSISTENZ
Heike Genz
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LITHOS, SATZ, HERSTELLUNG
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LESERFORUM ■ Expertenauskünfte
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MAGAZIN ■ Ausstellungen – Messen – Märkte
DESIGN & TECHNIK
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■ Fernseher
AUKTIONEN
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■ Berichte – Preise – Termine
SCHUHE
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ONLINETIPP ■ Websites für Sammler
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■ Flohmarktpreise
TERMINE UND ANZEIGEN ERSCHEINUNGSWEISE
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TITELFOTOS
INTEF-Archiv Museum im Kleihues-Bau, Kornwestheim
■ SAMMLERBÖRSENTERMINE ■ AUSLANDSTERMINE ■ REGELMÄSSIGE TERMINE
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■ FLOH- UND TRÖDELMARKTTERMINE ■ KLEINANZEIGEN IN DER SAMMLERBÖRSE
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FERNSEHER SIBYLLE MAXHEIMER
Flimmerkiste, Glotze, Mattscheibe, Röhre. Es sind oft große, klobige, richtig schwergewichtige Kisten: beeindruckende Industrieprodukte allemal. Diese meist dunklen, schwarzen oder anthrazitfarbenen Fernsehapparate wirken geheimnisvoll. Allein schon die dicke Glasscheibe ist faszinierend, hinter der sich ein kompliziertes technisches Innenleben verbirgt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts schaffen die Entwicklungen von elektronischen Ton- und Bildübertragungssystemen die Voraussetzung für die sich weltweit verbreitenden Massenmedien des Kommunikationszeitalters. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird es zunehmend ein Thema, der neuen Bildübertragungstechnik auch eine zeitgemäße äußere Gestaltung zu verleihen. Sind es anfangs noch Materialien wie Bakelit und Holz für die Gehäuse, werden die modernen Kunststoffe mit ihrem Farbrepertoire und ihrer fast unerschöpflichen Formensprache immer wichtiger. Mit der Entwicklung der Transistorentechnik kommen kleine und leichtere, tragbare Fernsehgeräte auf den Markt, die auch den veränderten Wohnformen entsprechen. Allerdings bleibt bis zur Jahrtausendwende der Einsatz von Bildröhren bestimmend für die bauliche Tiefe der Fernseher. Erst mit Einführung der Liquid Crystal Displays (LCD) verändern sich die Proportionen der Geräte entscheidend. Die geringe Bautiefe von zwei bis fünf Zentimetern schränkt die Gestaltungsmöglichkeiten ein – bis hin zum zweidimensionalen Einbau der Flachbildschirme in die Wand. Die Weiterentwicklung der Computertechnik, die das Fernsehen via Internet mit Tablets und Smartphones ermöglicht, könnte den Fernseher bald überflüssig machen.
Mit dem so genannnten Starenkasten von Philips begann 1952 das Fernsehen, zunächst in den Wirtshäusern
Starenkasten Einer der ersten Nachkriegsfernseher in der Bundesrepublik Deutschland und sicher einer der populärsten war der TD 1410U der Firma Philips. Dieser Schwarzweiß-Fernseher von 1952 erhielt wegen seiner speziellen Form schon bald den Spitznamen „Starenkasten". Er zählt noch nicht zur klassischen Designära, obschon seine Form mitsamt der symmetrischen Anordnung der Bedienelemente wie auch Lüftungsschlitze aufgeräumt wirkt. Doch das dunkle Holz mit den nach hinten abgerundeten Kanten sowie die textile Lautsprecherabdeckung lassen ihn im Stil der damaligen Möbel erscheinen. So ließ sich das Gerät unauffällig ins Wohnzimmer integrieren. Rechtzeitig vor Beginn des geregelten Sendebetriebs in Deutschland am 26. Dezember 1952 kam dieser Fernseher auf den Markt und kostete 1.500 Mark – was heute etwa 4.000 Euro entspricht. Rund fünf Jahre nach der Währungsreform 1948 konnten sich nur wenige Menschen einen solchen Apparat leisten, und so stand gerade der TD1410U häufig in Gaststätten, um gemeinsames Fernsehen zu ermöglichen. 20 bis 30 Personen schauten damals gleichzeitig auf den kleinen, keine 30 Zentimeter messenden Bildschirm. Große Medienereignisse auf dem Starenkasten waren etwa die Krönung von Elisabeth II. Anfang Juni 1953 oder die Fußballweltmeisterschaft 1954 in Bern. Grundlage für das Fernsehen war die Idee, analog zum Telefon, das Sprache elektrisch überträgt, auch Bilder über größere Entfernungen verschicken zu können. 1843 meldete der schottische Uhrmacher Alexander Bain den Kopiertelegraphen, im Grunde das erste Faxgerät, zum Patent an. Auf seiner Theorie der elektronischen Bildzerlegung durch zeilenweise Abtastung basieren auch die späteren Blickfang mit runden Formen: Luigi Colani lässt grüßen. Diesem Gerät von 1995, TV72-4000H genannt, sieht man an, dass Colani von der Bildhauerei kommt und sich von Anfang an mit der dritten Dimension beschäftigt hat
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DESIGN & TECHNIK 15 Entwicklungen, die letztendlich zu dem führten, was wir heute Fernsehen, im englischsprachigen Raum Television, kurz TV, nennen. Television ist eine Lehnübersetzung aus „tele" und „videre", altgriechisch für „fern" und lateinisch für „sehen". 1880 beschrieb der Franzose Constantin Senlecq in seiner Schrift „Le Télectroscope" die Theorie der seriellen Übertragung durch zeilenweise Abtastung für bewegte Bilder mit Hilfe einer rotierenden Lochscheibe. Paul Nipkow erfand drei Jahre später sein elektrisches Teleskop. Er verbesserte die rotierende Lochscheibe, indem er 24 Löcher spiralförmig anordnete. Die Trägheit des Auges ausnutzend, verhindert eine hohe Drehgeschwindigkeit, dass Zeilen- und Bildwechsel wahrgenommen werden. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit kann der Mensch aufeinanderfolgende Bilder nicht mehr als einzeln wahrnehmen, weil die Sehnerven die Information von der Retina nicht schnell genug ins Gehirn transportieren können. Mit dieser nach ihm benannten NipkowScheibe gelang es, Bilder in Hell-DunkelSignale zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen. Dieses Übertragungsverfahren wird „mechanisches Fernsehen" genannt, weil die Bildabtastung, im Gegensatz zum elektronischen Fernsehen mit Kamera- und Bildröhren, mechanisch mit Hilfe der Lochscheibe erfolgt.
bruar 1928 gelang ihm die transatlantische Übertragung eines Fernsehbildes von London nach New York. Das Bild lief über Telefonleitungen zu einem Kurzwellensender in Coulsdon, von wo aus es über den Atlantik gestrahlt wurde. Im selben Jahr entwickelte er den ersten Farb-Fernseher durch synchron rotierende Farbfilter vor Kamera und Empfänger. Die Entwicklung setzt sich freilich fort: Der amerikanischer Erfinder Philo Taylor Farnsworth (1906-1971) war der erste, dem eine elektronische Übertragung von
che Fernsehstellen" ein, die 70 Personen Platz boten. Das Programm wurde dreimal wöchentlich für zwei Stunden ausgestrahlt, es bestand aus Wochenschauen sowie Kurz- und Spielfilmen und die deutschen Rundfunkfirmen wurden dazu verpflichtet, ein Einheits-Fernsehgerät zu produzieren. 1939 kam der von der deutschen Industrie gemeinschaftlich entwickelte Einheitsempfänger E1 auf den Markt. Kriegsbedingt wurde die Ausstrahlung von Fernsehprogrammen 1941 eingestellt. Erst 1950 sendete der Nordwest-
Bildern mit einer Elektronenstrahlröhre auf Sender und Empfangsseite gelang. 1926 überzeugte der damals 19-jährige Geldgeber von seiner Erfindung. Farnsworth sicherte innerhalb eines Jahres Ergebnisse zu und ließ 1927 seine Fernseh-Idee patentieren. Leider explodierte die erste von ihm gebaute elektronische Kamera beim Test und der Amerikaner musste noch einmal von vorn beginnen. Es gelang ihm am 7. September 1927 die weltweit erste Übertragung eines Bildes auf rein elektronischem Weg zu realisieren. Farnsworth kommentierte lapidar: „Bitte sehr: elektronisches Fernsehen!" 1930 entwickelte dann Manfred von Ardennen mit einer Kathodenstrahlröhre die ersten vollelektronischen, von Radiowellen übertragenen Fernsehbilder. Zur Funkausstellung in Berlin stellte er 1931 das erste elektronische Fernsehen der Öffentlichkeit vor.
deutsche Rundfunk aus Hamburg wieder Fernsehbilder. Am 21. Dezember 1952 wurde in der DDR wieder ein Fernsehprogramm ausgestrahlt. Vier Tage später startete die 1950 gegründete Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschland (ARD) ihren Betrieb. 1951 stellte Telefunken auf der Berliner Industrie-Ausstellung zum ersten Mal nach dem Krieg einen Fernseher aus. Ende 1952 gab es etwa 300 Fernsehapparate in Westdeutschland. Bereits 1954 setzte man in den USA das NTSC-FarbfernsehVerfahren ein, bei dem die Zuschauer jedoch die Farbtöne am Gerät noch manuell einstellen mussten. NTSC ist die Abkürzung für das National Television Systems Committee, das die Standards des Farbübertragungssystems entwickelte, von den die von den auffallenden Farbfehlern Genervten es als „Never The Same Color" (nie die gleiche Farbe) interpretierten. Die in den 60er-Jahren in Europa entwickelten Farbsysteme Pal und Secam hatten eine bessere Qualität: Um 10.57
Braun’sche Röhre 1897 entwickelten der deutsche Physiker und Nobelpreisträger Karl Ferdinand Braun (1850-1918) und Jonathan Zenneck (1871-1959) die Kathodenstrahlröhre, auch „Braun’sche Röhre" genannt. Diese, zu einem Bildschirm geformte Röhre, ermöglichte mit magnetischen Ablenkplatten eine genaue Fokussierung des Elektronenstrahls. Auf der Innenseite der Röhre war Phosphor aufgebracht, der, durch den Elektronenstrahl angeregt, Lichtpunkte erzeugte. Durch die hohe Geschwindigkeit, mit der sich der Elektronenstrahl bewegte, nahm man keine einzelnen Punkte, sondern ganze Bilder wahr. Dadurch konnte man im Empfänger auf die Nipkowscheibe verzichten. Die Braun’ sche Röhre erlaubte den Bau von Röhrenbildschirmen, wie wir sie noch heute kennen. John Logie Baird arbeitete während des Ersten Weltkriegs als Angestellter eines Elektrizitätswerks, um Experimente zur technischen Entwicklung des Fernsehens auf Grundlage der Nipkow-Scheibe zu betreiben. Im Frühjahr 1925 wurde es ihm ermöglicht, seine Apparatur einige Wochen lang in Selfridges Warenhaus in London öffentlich vorzuführen. Es gelang ihm, die Apparatur so weit zu verbessern, dass sie eine konturierte Wiedergabe ermöglichte. Nach einer geglückten Vorführung dieses mechanischen Fernsehers vor Mitgliedern der Royal Institution am 26. Januar 1926 gründete er die Baird Television Development Company. Am 8. Fe-
Willy Brandt drückt den Knopf Das erste öffentliche, regelmäßige Fernsehprogramm der Welt startete einige Jahre später am 22. März 1935 in Berlin. Die Deutsche Reichspost richtete 15 „Öffentli-
Klare Front: Links die Löcher vom Lautsprecher, rechts Schieber, Knöpfe, Regler. Der Wega Color 3020 von Hartmut Esslinger kam 1969 auf den Markt 05 / 17
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DESIGN & TECHNIK 16 Uhr drückte – am 25. August 1967 – Vizekanzler Willy Brandt auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin den symbolischen roten Knopf, womit er das deutsche Farbfernsehen startete. Es kam dabei zu einer kleinen Panne, denn die Techniker schalteten schon einige Sekunden zu früh das Signal auf Farbe um, bevor Brandt überhaupt den Knopf gedrückt hatte. Die erste in Farbe ausgestrahlte Sendung war die Show „Der goldene Schuss" am Abend des selben Tages.
Fernsehgerät auf Rollen Mit dem FS-G Fernseher von 1955 läutet Hans Gugelot (1920-1965) auf diesem Sektor die Design-Ära in Deutschland ein. Der Architekt war Mitarbeiter von Max Bill und seit 1954 bis zu seinem frühen Tod mit 45 Jahren Dozent an der Hochschule für Gestaltung Ulm. Zudem war er ein wichtiger Partner für Erwin Braun. Er erarbeitete Gestaltungsrichtlinien für dessen Unternehmen und ab 1956 entwickelte er zusammen mit dem 1932 in Wiesbaden geborenen Dieter Rams die ersten neuartigen Phonogeräte im Systemverbund. Alle Geräte der G-Serie (G steht für Gugelot) wie Radios, Plattenspieler, Fernseher hat-
ten die gleichen Grundrissmaße und waren daher stapelbar. Hans Gugelot führte damit seine Idee des Möbelsystems „M 125" weiter, einem Möbel-Element-System, bei dem durch den Zusammenbau von vorgefertigten Seitenteilen wie Böden, Rückwände und Türen beliebig viele Schranktypen zusammengesetzt werden können. Die neue Produktlinie stellte Braun 1955 auf der „Deutschen Rundfunk-, Fernseh- und Phonoausstellung" in Düsseldorf vor. Die Ausstattung des ungewohnt neuartigen Messestandes erfolgte mit Möbeln der ebenfalls stark designorientierten Firma Knoll, darunter etwa war die Bank 400 von Harry Bertoia zu sehen. Zusammen mit Helmut Müller-Kühn ersann Formgestalter Gugelot für Telefunken 1956 sogar schon ein Fernsehgerät auf Rollen – doch dieses schwere, bauchige Gerät blieb ein Prototyp. Als innovativer Formgeber beeinflusste Gugelot sehr stark sowohl das deutsche wie auch das internationale Design. 1964 wurden Arbeiten von ihm sogar auf der documenta III in Kassel gezeigt: in der erstmals eingerichteten Abteilung „Industrial Design". Hans Gugelot ist eine der Schlüsselfiguren der „Zweiten Moderne" im deutschen Produktdesign, bei der die rationalen Prinzipien, wie sie in den 20er-Jahren am Bauhaus definiert wurden, auf die neue Produktwelt übertragen und weiterentwickelt wurden.
Mario Bellini hat den Monitor 15 für die italienische Firma Brionvega 1975 entworfen. Er sagte zum Thema Gestaltung: „Ich glaube fest, dass die Neugier unser Streben antreibt, unsere Welt zu verstehen und unsere Ideen zu ändern. Ohne Neugier kann man nicht Dinge schaffen." Doch, wie es Dieter Rams immer betont, kann man eine solche Zusammenarbeit als „großes Glück" bezeichnen: Mit Otl Aicher prägte Gugelot das Gesamterscheinungsbild von Braun, eines der frühen konsequenten Beispiele eines einheitlichen visuellen Firmenauftritts, der vom damaligen Werbechef Wolfgang Schmittel bis in die 80er-Jahre kongenial umgesetzt wurde. Hans Gugelot entwickelte für das Unternehmen eine völlig neuartige, wegweisende Gestaltungskultur, aus der Radios, Rasierer, Blitz- und Küchengeräte hervorgingen und die auf das Design zuerst in Deutschland, dann weltweit eine nachhaltige Wirkung hatten: Systematik, Funktion und technische Neuerung standen bei seinen Entwicklungen im Vordergrund. Gugelots Gedanken zum Fernsehgerät auf Rollen sind nach wie vor hochaktuell: „Wir hatten von Telefunken den Auftrag, zu erforschen, wie die Entwicklung des Fernsehens sich innerhalb der Wohnungen vollziehen könnte. Nun gibt es Möglichkeiten, Fernseher in Schrankwände und Möbel einzubauen. Die fernsehenden Bewohner müssen sich aber in einem solchen Fall wie in einem Kino um das Gerät gruppieren, was die vorgesehene Möblierung vollständig durcheinander bringt. Dieses Hin- und Herrücken mit Sitzmöbeln ist gut denkbar, wenn die Möbel dafür eingerichtet sind, also zum Beispiel mit Rollen versehen sind. Liegt es aber nicht mehr auf der Hand, statt der Sitzmöbel lieber das Fernsehgerät mit Rollen zu versehen? Im Übrigen zeigt es sich, dass die nach vorn geneigte Kopfhaltung weniger ermüdend ist, also eine physiologisch günstigere Körperhaltung darstellt als diejenige, die man im Kino auf den vordersten Reihen einnimmt, wenn man gezwungen ist, immer zum Bild hinaufzuschauen. Bei einer günstigen Sehdistanz von etwa drei Metern muss sich also die Bildröhrenachse, leicht geneigt, in einer Höhe von etwa 60 Zentimetern über dem Boden befinden. Diese Erkenntnisse führen zu einem vollständigen Neu-Entwurf, der als Gipsmodell in unserer Schulgipswerkstatt erstellt wurde."
Selbstverständlich und schön Schlicht, elegant, funktional – kein Zuviel oder Zuwenig – so, wie der Apparat HF1 von Gestalter Herbert Hirche (1910 bis 2002) seit 1958 daherkommt, hat ein Fernseher auszusehen: Der HF1 zählt zu den geschlossensten Entwürfen und ist ein Juwel unter den Fernsehgeräten, für Sammler ein absolut begehrtes Stück. „Wenn et-
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Dieter Rams
In Kugelform gebracht: Robert Ian Blaich entwarf den Apparat Discoverer für das niederländische Unternehmen Philips 1980. Wie bei einem Helm lässt sich das „Visier" öffnen und schließen. An den Antennenspitzen stecken lustige rote Kugeln was selbstverständlich und schön ist", sagte Hirche zur guten Form, „dann ist es ein gutes Design." An dem würfelförmigen Apparat, den man als echte Kiste, aber als absolut ästhetische, bezeichnen kann, ist nichts überflüssig: Mittig unter der Mattscheibe zwischen den Lautsprecherschlitzen sitzt der einfache weiße Ein- und Ausschaltknopf. Pfiffig hat Hirche die anderen Schalter, die Regler und Knöpfe unter einer Leiste oben am Gerät versteckt, die sich durch sanftes Drücken einfach kippen und damit öffnen lässt. Der hellgraue Fernsehapparat macht deutlich, dass er ein technisches Gerät ist, worüber das Publikum seinerzeit im deutschen Pavillon der Weltausstellung in Brüssel nicht schlecht staunte, vor allem auch wegen des filigranen, schwarz eloxierten Untergestells, auf dem der Korpus ruht und womit der HF1 mit einer gewissen visuellen Leichtigkeit im Raum steht. Der Betrachter hat bei diesem Entwurf das Gefühl, dass an diesem Produkt alles stimmt: So und nicht anders hat ein rechter Fernseher auszusehen. Die ausgeschnittenen Lautsprecherschlitze betonen das Grafische des Entwurfs: Der HF1, die Modellbezeichnung bedeutet „Hirche Fernseher 1", machte das neue zukunftsweisende Image der Firma Braun deutlich. 1958 wurde er auf der Weltausstellung in Brüssel gewürdigt: Mit der monochromen Farbgebung unterstrich Hirche die formale Geschlossenheit des klaren Entwurfs. Nach wie vor wirkt der HF1 modern und steht stellvertretend für eine gesamte Gattung. Die Farb- und Formstrenge erleichterte zudem die Konzentration aufs Fernsehbild. Neben dieser Designikone entwarf Herbert Hirche 1964, zusammen mit Dieter Rams, den FS60, der mit einer weißen Front, größerer Bildfläche, mehreren Knöpfen und einer Skala, die rechts am Gerät sitzen, zur nächsten Gerätegeneration überleitete.
1956 wurde Dieter Rams von Erwin Braun mit der Entwicklung von Phonogeräten betraut, nachdem er 1955 eigentlich als Architekt eingestellt worden war. Mit dem SK 4, dem legendär gewordenen „Schneewittchensarg" gelang ihm zusammen mit Hans Gugelot die Ikone des Designs. Darauf aufbauend wurden in den folgenden Jahren hochwertige – auch technisch wesentlich weiterentwickelte – Audiogeräte realisiert. 1961 gelang es Rams, bei Braun eine eigenständige Designabteilung unter seiner Leitung zu etablieren. 1964 war der elegante Fernseher FS 80, vom ästhetischen Standpunkt betrachtet, fast ohne Konkurrenz. Das Gerät ist auf einem einbeinigen Fußgestell drehbar und daher ist auch die Rückseite gleichwertig wie die Vorder- und Oberseite durchgestaltet. 20 Jahre später machte die Atelieranlage TV 3 von Dieter Rams und Peter Hartwein, ein Entwurf für Braun von 1986, von sich reden. Dieter Rams sagte zur „atelier Hi-FiAnlage": „Die einzelnen Geräte sind konsequent als Bausteine gestaltet. Sie haben alle dieselben Abmessungen. Man kann sie neben- oder übereinander anordnen. Die Gerätekörper sind rundum geschlossen und an den Fronten angeschrägt, was sie schlanker wirken lässt. Die Gestaltung und Plazierung aller Elemente folgt einer deutlichen Ordnung. Selten gebrauchte Bedienungselemente verschwinden hinter Klappen. Die Rückseiten sind glattflächig, denn auch die Ausgänge sind von Klappen verdeckt. Mit einem speziell für diese Anlage entwickelten Fuß kann ‘atelier’ deshalb frei im Raum aufgestellt werden." Das Fernsehgerät TV 3 entstand als Ergänzung der Anlage „atelier", wobei eine Innovation auffällt: Der Neigungswinkel des Bildschirms lässt sich verändern. Man könnte das Gerät deshalb ganz leger direkt auf den Boden stellen. Bei diesem Apparat
wurde zudem der Bildschirm aus dem bis dahin üblichen Kasten freigestellt. 1990 verabschiedete sich die Marke Braun nach rund sechs Jahrzehnten mit einer limitierten „Last Edition" von „atelier" aus der Welt der Musikwiedergabegeräte. Dieter Rams Thesen wie „Gutes Design ist langlebig" oder „Gutes Design ist ehrlich, umweltfreundlich und innovativ" sowie seine Forderung „zurück zum Puren, zum Einfachen!" gilt heute mehr denn je.
„Heiß wie die Rolling Stones” Den Bundespreis „Gute Form" 1969 erhielt die Wega-Radio GmbH in Fellbach bei Stuttgart mit dem halbtragbaren Fernsehgerät der Gruppe Interform. Das Gerät hatte einen Bildschirm mittlerer Größe und einen „auf neuartige und originelle Weise versenkbaren Griff", wie die damalige Jury urteilte. Der tragbare Rahmen des Apparats war aus lackiertem Bugholz, Vorderund Rückseite „in sinnvoller und zweckmäßiger Gestaltung". Hartmut Esslinger, der noch als Student den Auftrag erhielt, für die Wega-Radio GmbH eine neue Linie zu entwerfen, sagt zur Formgebung: „Der gute Designer kann sichtbar machen, was Technik im Hier und Jetzt vermag." Denn er schäle heraus, „was wirklich möglich ist". Das sei wie bei guter Musik, so der überzeugte Teamplayer und spätere Gründer von frogdesign: „Ein genialer Musiker kann Dinge hören, die kein anderer hören kann, aber mit dem, was er tut, inspiriert er andere, die weniger kreativ sind." Rückblickend zu seinem Entwurf Hartmut Esslinger entwarf den Wega Color 3040 im Jahr 1977: Wie eine Skulptur mutet dieser Apparat an. Er sagt, dass ein guter Designer sichtbar machen kann, was Technik im Hier und Jetzt vermag: „Er schält heraus, was wirklich möglich ist."
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DESIGN & TECHNIK 18 stand. Doch „was diesen Gesichtspunkt angeht, war die Sache ein totaler Misserfolg". Denn Algol wurde ein großer kommerzieller Erfolg, „aber ein absoluter Reinfall", so Sapper, „was die Verwirklichung meiner Absichten betraf, weil niemand den Apparat je in den Schrank stellte". Er erzählte, dass Algol in jedem Haus mitten im Wohnzimmer stand, „weil allen Leuten die Form so gut gefiel". Ein Prototyp allerdings blieb sein Entwurf TV-Set 16, ebenso für Brionvega 1964, der sich an einer Metallstange nach oben und unten schieben ließ.
Geschlossener Acrylglaswürfel Lustig und vergnügt kommt dieser Fernseher mit dem Namen Zéo TV daher: Philippe Starck überrascht immer wieder mit neuen Einfällen. Farbe, Form und Details dieses Thomson-Geräts von 1994 dürften vor allem Jugendliche ansprechen. Dieser Apparat kann wippen 3020 Color von 1969 sagt er: „Dieser TV ist vielleicht das tatsächlich einzige Gerät, was ich selbst, allein, entworfen habe." Ein wagemutiges Experiment, das international Schlagzeilen schrieb, denn es war der erste große Farbfernseher in Vollkunststofftechnik. Der Designer verwendet im Gegensatz zum streng funktionalistischen Designkodex der Ulmer Hochschule für Gestaltung Motive der Op-art und wurde dafür weltweit vielfach ausgezeichnet. Zitat Hartmut Esslinger: „Die Entwürfe von Dieter Rams sind cool wie das Modern Jazz Quartet, unsere sind heiß wie die Rolling Stones." Für Wega entwickelte er in den 70er-Jahren weitere Fernseher: Wie eine Skulptur mutet der Entwurf „Color 3040" von 1977 an, der allerdings schwergewichtig daherkommt, wie es zu dieser Zeit alle Fernseher, bis auf die Zweitgeräte für Gästezimmer, taten. 1984 für Dual, Frankreich, entwarf er den „PT 1410 VT", der sich im silbernen Kunststoffgehäuse behauptete. Nicht fehlen darf in diesem Zusammenhang das Duo Marco Zanuso und Richard Sapper, die unter anderen 1964 auch „Algol 11" für Brionvega entwarfen. Sapper sagte seinerzeit einmal, dass er glaube, „dass die Menschen Stunde um Stunde vor dem Fernsehgerät verbringen, weil der Apparat nun mal mitten in ihrem Wohnzimmer steht". Als er zusammen mit Zanuso für Brionvega tätig wurde, „haben wir deshalb gesagt, es ist sehr wichtig, ein Fernsehgerät zu entwerfen, das man in den Schrank stellen kann." Wer fernsehen möchte, holt den Apparat heraus, wenn er nicht mehr will, wird er wieder zurückgeschoben. „Aus diesem Grund haben wir ein Gerät mit Griff entworfen." Für heutige Verhältnisse scheint daran nichts großartig Besonderes zu sein, doch 1964 gab es freilich nichts dergleichen auf dem Markt. Die beiden Formgeber wollten einen Fernseher entwerfen, der unsichtbar war, wenn man ihn nicht benutzte, weil er im Schrank 05 / 17
Etwas ganz Besonderes war vor allem auch „Black 201": 1969 reduzieren Zanuso und Sapper die räumlichen Ausmaße eines Fernsehgerätes und entwerfen einen allseitig geschlossenen Acrylglaswürfel für Brionvega. „Seine äußere Erscheinung erzeugt eine gewisse Irritation, da einerseits die auf der Oberseite des rätselhaften Quaders liegenden Bedienungselemente auf technische Funktionen des Objektes hindeuten, die gewohnte Produktassoziation sich andererseits nicht einstellt, da der Bildschirm hinter einer der schwarzen Würfelseiten verborgen liegt" (Stephan Diederich). Marco Zanuso: „Die Funktion als Fernsehgerät beginnt erst dann, wenn sie benötigt wird." Zu Algol sagt er: „Als ich Anfang der 60er-Jahre für Brionvega arbeitete, enthob ich den Fernseher seiner Funktion als repräsentativer Der Fernseher an sich: alles drin, alles dran. Herbert Hirche erschuf mit dem HF1 für Braun 1958 eine Design-Ikone, wie sie interessanter und besser nicht gestaltet werden kann. Der Entwurf wirkt selbstverständlich, schön und einfach und ist deshalb „ein gutes Design"
Gegenstand, indem ich unter Rückgriff auf elektronische Neuheiten seine kommunikative Funktion stärker herausstellte. Dies war vor allem bei Algol der Fall, der eine organische Form hat und den man auf den Boden oder auf einen kleinen Tisch stellt, von wo aus er nach oben blickt, wie ein Hund: Er gefiel vor allem Jugendlichen." Black 201 dagegen verkörpert ein Höchstmaß an Abstraktion, „ein fast surrealistischer Gegenstand", so Zanuso, „der erscheint und wieder verschwindet, und der besonders von Intellektuellen gekauft wurde".
Wo ist vorne, wo ist hinten? Vom eigenwilligen Entwurf des Black ließ sich Mario Bellini animieren, der es dann mit seinem Entwurf auf die Spitze trieb, indem er einen Fernseher aus verspiegeltem Glas realisierte. Der „Cuboglass TV" von Bellini, 1992 für Brionvega ersonnen, war ein Re-Design auf Basis des Black aus dem Jahr 1969, der aus halbtransparentem schwarzen Acryl und Metall bestand. Bis heute erhältlich, wurde er technisch mehrfach überarbeitet. Im ausgeschalteten Zustand ist er ein dunkel schimmernder Quader, ein minimalistisches Kunstwerk, in dem sich die Umgebung spiegelt. Erst beim Einschalten zeigt „Cuboglass" sein wahres Gesicht: Wie Magie erscheint auf der Frontseite das Fernsehbild. Der hochwertige Facettenschliff der einzelnen Gläser, abgetrennt durch schmale Lochblechprofile, verleiht dem gläsernen Würfel eine außergewöhnliche Eleganz. Der 1935 geborene Bellini ist davon überzeugt, dass „die Neugier unser Streben antreibt, unsere Welt zu verstehen und unsere Ideen zu ändern." Er meint, dass man ohne Neugier auch keine neuen Dinge erschaffen könne. Er wollte Kunst mit Technik und Maschinenbau kombinieren und
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Colani mit Metallic-Effekt
Jim Nature ist ein Entwurf vom Franzosen Philippe Starck, der ihn 1993 für Saba ersann: ein Mix aus Sperrholz, Kunststoff und Gurt fand heraus, dass die „Architektur alle diese Elemente kombiniert". Schließlich bekam Phoenix Design den Auftrag für ein Fernsehgerät, das dank seiner allseitigen ästhetischen Qualität gleich einer modernen Plastik frei im Raum aufgestellt werden kann. Dreißig Vorentwürfe, zehn Styropormodelle in Originalgröße und drei präzise ausgearbeitete Designmodelle mit zehn Detailvarianten wurden erarbeitet – nach dem Credo: „so schön wie die Italiener, so erfolgreich wie die Japaner und vor allem so langlebig wie Bauhaus." Der Verzicht auf modische Details führt zu einer klassischen Klarheit, auf das Wesentliche reduziert. Concept von Loewe wird 1990 ein großer Erfolg und erhält etliche Designpreise. Der 1946 geborene Industrie- und Produktdesigner Andreas Haug der 1987 zusammen mit Tom Schönherr Phoenix gründete, sagt, dass es „vielleicht eine deutsche Eigenschaft ist, nach Dingen zu streben, die besser und dauerhaft sind und die das Herz berühren". Er meint, wenn „diese drei Eigenschaften zusammenkommen, entstehen Produkte, die weltweit geschätzt und geachtet werden". In anderen Ländern würden die Schwerpunkte vielleicht „ein bisschen einseitiger gesetzt als bei uns" – weswegen deutsche Produkte international akzeptiert und begehrt wären.
Plötzlich Sperrholz Unkonventionell ist auch „Jim Nature" von Philippe Starck: Das Material, Sperrholz mit Verbindungen aus Kunststoff, ist erfrischend anders und weit weg von den monströsen schwarzen Fernsehkisten. Philippe Starck ist mit seiner Experimen-
tierfreude ein Coup gelungen, denn Jim Nature für Saba von 1993 bleibt nach wie vor auffällig, einzigartig. Schon vor über zwanzig Jahren tat Starck kund, dass „Design verschwinden" wird. Er behauptete dies „aus zwei Gründen", wie er sagt: „Design wird so verschmelzen mit jedem nur denkbaren Prozess oder Projekt, dass das Wort Design obsolet wird. Die Trennung von Entwurf und Produktion löst sich auf. Alles wird Design sein, mehr noch als es heute schon der Fall ist." Er meinte aber, dass es noch aus einem anderen Grund verschwinden wird: „Die Geschichte unserer Zivilisation zeigt, dass wir immer mächtigere Technologien erfinden, gleichzeitig ihre Materialität aber auflösen. Der erste Computer war so groß wie ein Haus, heute sind Computer so klein wie ein Briefumschlag. In sechs Jahren werden Computer in unserem Körper sein. Alles wird kleiner, verlegt sich ins Internet, löst sich auf. Was sollen die Designer dann noch designen?" Philippe Starck ist verspielt in seinen Entwürfen und hat, wie auch Luigi Colani, das Design populär gemacht. Gerne umgibt man sich mit den lustigen Erfindungen, und so wurde Jim Nature zu einem begehrten Sammlerstück. Anstelle von Kunststoff ließ er Pressspanteile in die gewünschte Form bringen, die mit sichtbaren Schrauben zusammengehalten werden. Der Franzose möchte damit zeigen, dass ein so banales Material, das normalerweise unter einer Beschichtung verborgen ist, auch eine ansprechende ästhetische Wirkung haben kann, verbunden mit dem Vorteil, ein günstiges Produkt zu erschaffen. Einer seiner Grundsätze: Die Kreation, in welcher Form auch immer, muss das Leben von so vielen Menschen wie möglich verbessern. Jim Nature war allerdings kein billiges Gerät. Schön an dem Saba-Apparat ist aber, dass man ihn zum Recyclen von den Kunststoffbändern leicht trennen kann. Auch der Griff aus Gurtband macht ihn sympathisch, lässt ihn jugendlich-modern rüberkommen.
Wuchtig und unübersehbar, rund und organisch – ein richtiger Hingucker. Hinten hat der von Luigi Colani entworfene TV 724000 H einen ziemlich großen Griff, aber damit lässt sich das Gerät von 1995 für RFT Stassfurt nicht unbedingt einfach wegtragen. Es ist ein schweres Gerät, das der Karlsruher seinerzeit entwarf. Er kam bekanntlich von der Bildhauerei, erst später kam das Studium der Aerodynamik und des Ultraleichtbaus hinzu. Damals kostete dieser auffällige Fernsehapparat 3.399 Mark. Luigi Colani hatte das stattliche Gerät nach der Wiedervereinigung für den ehemaligen Volkseigenen Betrieb RFT Stassfurt entworfen. Colani, bekannt für seine bewusst gegen den Strich gebürsteten Entwürfe verschiedenster Alltagsgegenstände, gibt auch diesem Fernseher jene organischen Formen, die sein Werk kennzeichnen. Von vorne bemerkt man zunächst nur die Kurven des den Bildschirm umrahmenden Gehäuses und des Fußes. Erst von der Seite und von hinten entfaltet der Apparat seine skulpturalen Eigenschaften: Die Rückseite wird von einem elegant geschwungenen Element beherrscht, das wie ein Griff gestaltet ist. Das 25 Kilogramm schwere Gerät an diesem Griff hochzuheben, schafft aber höchstwahrscheinlich nur ein Gewichtheber. Das dunkelblaue oder grüne GehäuBerühmt und berüchtigt ist der Algol 11 vom Designer-Duo Richard Sapper und Marco Zanuso, das ihn für Brionvega im Jahr 1964 erdachte. Der Algol war ein großer kommerzieller Erfolg. Für die beiden Formgeber aber irgendwo ein Misserfolg, denn ihre Absicht war, dass man den Apparat in den Schrank stellen sollte, wenn man nicht fern sah. Den Menschen gefiel aber das Gerät so gut, dass sie es mitten ins Wohnzimmer stellten, um sich an seiner Form zu freuen
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DESIGN & TECHNIK 20 Übersichtlich, schlicht, einfach formschön, eben Braun: die Fernseher des Bauhäuslers Herbert Hirche se mit Metallic-Effekt ist ebenfalls untypisch für Unterhaltungselektronik in den 90er-Jahren, die meist farblich sehr zurückhaltend in Anthrazit und Schwarz gehalten war. Die Formensprache von den Fernsehern Colanis zeichnen sich durch organische, von rechten Winkeln freien Entwürfen im so genannten „Biodesign" aus, die die Natur nachahmen und von Colani mit einer besseren Ergonomie begründet werden. 1994 gestaltete der weltbekannte Designer für den RFT-Betrieb in Stassfurt mehrere Fernseher. Diese zählten seinerzeit gestalterisch und technisch zu den Spitzengeräten.
Darmstadt: Sitz der Fernseh GmbH Ende der 20er-Jahre wurde die Fernseh AG gegründet, deren Zweck „die Herstellung und der Vertrieb von Fernsehgeräten aller Art" war. Das Bosch-Kürzel der Gesellschaft hieß Fese, die aus mehreren Partnern bestand, darunter die Baird Television Ltd. aus London, Zeiss Ikon, Dresden, D.S. Loewe, Berlin und die Robert Bosch AG aus Stuttgart. In den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts übernahm Bosch dann alle Anteile, benannte das Unternehmen in „Fernseh GmbH" um. 1930 wurde zur Funkausstellung ein Film-Abtaster vorgestellt, 1931 dann ein Funkempfänger mit neun mal zwölf Zentimeter großem Bildschirm. 1934 wurde der weltweit erste Fernsehübertragungswagen gebaut, der 1936 zur Berliner Olympiade zum Einsatz kam. Der größte Teil des Betriebs wurde 1943 nach Obertannwald verlagert, zur Tarnung der Firmenname in „Farvis" geändert. In einer ehemaligen Spinnerei arbeiteten bereits rund 800 Mitarbeiter, die vor allem in der neuen Hochvakuum-Abteilung beschäftigt waren. Etwa 1000 Superikonoskopen wurden seinerzeit schon pro Jahr hergestellt. Ikono-
skopen, griechisch „Bildseher", sind Aufnahmegeräte für das Fernsehen. Doch die Fernseh GmbH war während des Zweiten Weltkriegs dem Luftfahrtministerium unterstellt, weshalb man jetzt an Waffensteuerungen arbeitete. Gegenüber England, Frankreich und den USA – wo die Entwicklung des Fernsehens nach 1945 ungebrochen weiterging – gab es in Deutschland gewaltigen Aufholbedarf. Weil die Beschäftigung mit der Fernsehtechnik durch den Kontrollrat untersagt war, die Rundfunktechnik aber unterstützt wurde, reparierte die Fernseh GmbH nun Radios, prüfte Rundfunkgeräte, entwickelte Messgeräte. Eine kleine Außenstelle der Firma Blaupunkt befand sich seinerzeit in Taufkirchen/Vils, die nach Kriegsende für einige Jahre Sitz der Fernseh GmbH wurde. Nach Übersiedlung aus Obertannwald begann in Niederbayern ein Neuanfang mit vierzehn Mitarbeitern, 1948 waren es bereits 150. Als das Verbot zur Betätigung auf dem Fernsehgebiet 1949 wieder aufgehoben wurde, zog die Fernseh GmbH nach Darmstadt um, weil sich dort das Fernmeldetechnische Zentralamt der Bundespost und die Technische Hochschule befanden. Mit 50 Mitarbeitern wurde der Betrieb 1949 aufgenommen. Weihnachten 1952 wurde der reguläre Fernsehbetrieb in der Bundesrepublik mit Billigung der Alliierten wieder aufgenommen. In Darmstadt hatte sich die Fese völlig auf die Entwicklung und Herstellung von Aufnahmeund Studiogeräten spezialisiert und den Fernsehempfängerbau der Bosch-Tochter, Blaupunkt, überlassen. Die Fernseh GmbH lieferte alles, was zur Ausstattung eines Studios erforderlich war. Grundlagenforschung zum Farbfernsehen, Entwicklung entsprechender Geräte Natürlich dürfen Dieter Rams und Peter Hartwein nicht fehlen, wenn es um formschöne Fernseher geht. Der TV3 stammt von der Firma Braun und aus dem Jahr 1986
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und die Miniaturisierung von Kameras und Aufzeichnungsgeräten zur tragbaren Reportageeinheit führten das Unternehmen zu internationaler Bedeutung. 1964 erfolgte der Umzug in die Weststadt am Darmstädter Hauptbahnhof. Vor 1968 gab es einen starken Wettbewerb zwischen den Farbfernsehsystemen Pal und Secam: Die Technik im Pal-Standard für Fernsehstudios und Übertragungswagen wurde in Deutschland hauptsächlich von der Fernseh GmbH entwickelt. Das Darmstädter Unternehmen war in den ersten Jahren des Farbfernsehens in Deutschland voll ausgelastet, um die notwendigen Geräte für den Pal-Standard zu fertigen. Von der Fernseh GmbH wurden Transkodiereinrichtungen entwickelt, die zur Umwandlung von Secam nach Pal und umgekehrt dienten. 1972 wurde die Fernseh GmbH in „Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH" umbenannt, mittlerweile beschäftigte sie 2000 Mitarbeiter. Davon waren nahezu 500 in Forschung und Entwicklung tätig. Zunehmende Konkurrenz aus dem Ausland führte 1986 zur Einbringung des Unternehmens in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Philips, die Broadcast Television Systems (bts). 1993 zog sich Bosch aus dem defizitären Projekt zurück, Philips war alleiniger Eigentümer. Schließlich wurde ein Produktionszweig nach dem anderen abgezogen; 2001 wurde die Firma an den französischen Thomson-Multimediakonzern verkauft. Ich danke dem 1952 in Darmstadt gegründeten, ersten Design-Institut Deutschlands, dem Institut für Neue Technische Form (INTEF), für alle Informationen, die vielen Unterlagen, seine umfangreichen Sammlungen und Archive, in die ich Einblick bekam und ohne die ich diesen Text nicht hätte verfassen können. Mein Dank gilt vor allem den immer greifbaren und sachkundigen Mitarbeitern: Michael Schneider, Ute Schauer und Klaus Crößmann. Alle Fotos: INTEF-Archiv
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SCHUHMODE IM WANDEL DER ZEIT HEIDRUN TH. GRIGOLEIT
Anfang des Jahres zeigte das Museum der Stadt Kornwestheim unter dem Titel „Noblesse und Raffinement“ an die 50 höfische Schuhe aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die gezeigten Schuhe entstammen der bedeutenden Schuhsammlung des Museums Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Zur Kooperation der beiden Museen in den Partnerstädten kam es, da die Entwicklung von Kornwestheim eng mit der Schuhproduktion verknüpft ist und auch die Stadt Weißenfels schon seit dem 15. Jahrhundert eine wichtige Beziehung zum Schuhhandwerk hatte. Dort entstand 1871 auch die erste maschinelle Schuhanfertigung, die am Ende des Jahrhunderts bereits über 3000 Arbeiter beschäftigte. Das Museum Weißenfels zeigt daher ständig zwei Dauerausstellungen unter der Überschrift „Entwicklungsgeschichte der Schuhe“ und „Völkerkundliches Schuhwerk“.
Kornwestheim und Weißenfels Eine gemeinsame Ausstellung der beiden „Schuhstädte“ Kornwestheim und Weißenfels wurde schon im Jahr 1999 Realität. Unter dem Motto „Auf Schritt und Tritt“ fand damals von Juni bis September zuerst eine Ausstellung in der Galerie der Stadt Kornwestheim statt, die anschließend von Oktober bis Januar 2000 im Schloss Neuaugustusburg in Weißenfels gezeigt wurde. Dazu war – wie zur diesjährigen Ausstellung „Noblesse und Raffinement“ – ein reich bebilderter Ausstellungskatalog unter dem Motto „Auf Schritt und Tritt-Schuhe“ erschienen. Der neue Katalog mit vielen farbigen Bildern wird von Dr. Irmgard Sedler, Leiterin des Museums der Stadt Kornwestheim, und Angela Sengewald bearbeitet und von beiden Städten herausgegeben.
Noblesse und Raffinement Bei der Präsentation der Ausstellung „Noblesse und Raffinement“ lag diesmal das Hauptaugenmerk auf Schuhen aus der Zeit des Barock und Rokoko und deren Vielfalt an Materialien, Schnitten und Verzierungen, die gerade diese Schuhe zu Damenpantoffel, rote Ripsseide mit Silber-Bouillonstickerei, Rankenornament, Rüschenbordüre aus grüner Ripsseide, Decksohle aus grüner Ripsseide, brauner Glattleder-Absatz, um 1720 05 / 17
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SCHUHE 85 gesteckte Haare mit Fontange und das Damenkostüm „Ridikül“. Zu dieser barocken Kostümsilhouette gehörten bei Frauen wie bei Männern jeweils die passenden Stöckelschuhe. Anhand von Schuhwerk lässt sich auch der modische Wandel vom statuarischen Männerschuh mit hochgezogener Ristlasche des 17. Jahrhunderts über den graziösen Damenpantoffel aus der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum zierlichen Escarpin der napoleonischen Zeit gut dokumentieren.
Mode damals und heute Mode hatte und hat damals wie heute einen weltlichen und gesellschaftlichen Auftrag und verkörpert kollektives Bewusstsein, das vom jeweiligen Zeitgeist diktiert wird. Alle modischen Tendenzen – ob es dabei um Macht und Geld oder Hierarchiedenken und Gesinnung geht – haben somit auch Einfluss auf die Schuhmode. Sie ersetzen dabei die ursprüngliche Funktion, nämlich die Füße beim Laufen vor Kälte oder Verletzungen zu schützen: Die Mode greift ganz bewusst in die Schuhgestaltung ein und staffiert Schuhe aus verschiedensten Materialien mit Absätzen und Sohlen, unterschiedlichen Far-
Ausdrucksträgern von Repräsentation und elitärem Geschmack werden ließen. Denn Lebensfreude und Überschwang, Sinnlichkeit und Genuss, Übertreibung, Gefühlsübersteigerung und Galanterie, die das höfische Leben im Barock und Rokoko prägten, fanden nicht nur Ausdruck in prächtigen Kleidern und edlen Gewändern, sondern auch in zeittypischer, aufwändiger Schuhmode. Zwar waren Modeströmungen schon damals einem stetigen Wandel unterworfen. Trotzdem lässt sich das Kostümbild der zwei Jahrhunderte im Barock und Rokoko doch festmachen an einigen typischen Merkmalen: Das waren Allongeperücken, Rüschenhemden, dem Justacorps über Weste und Kniehose bei Männern und kuppelförmigen oder elliptischen Reifröcken mit Miedern bei den Damen – mit oder ohne Schneppentaille. Typisch war auch ein großzügiges Dekolleté bei Jupe und Manteau, gepuderte hochPaar Damenschuhe mit gewölbter Laufsohle, braunes Schafleder/Rauhleder, Nadelmalerei, Absatz Glattleder, 1700-1720 Paar Damenschnallenschuhe mit gewölbter Laufsohle, rotes Kalbsleder, grünseidener Kantenbesatz, 1700-1720 05 / 17
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SCHUHE 86 ben, Schnitten, Verschlüssen und Verzierungen aus, so dass diese nun zu Symbolträgern von Zeittendenzen werden. Die modische Ästhetik muss sich dabei jedoch immer wieder neu erfinden, um die stets gleichen Elemente eines Schuhs – nämlich Schaft, Sohle, Kappe, Ristspange, Spitze und Absatz – mit neuen Bedeutungswerten aufzuladen. Nur so wird der Gebrauchsgegenstand Schuh zum Symbolträger gesellschaftlicher Bedingungen und dem individuellen Rollenverständnis des Trägers oder der Trägerin.
Trippeln, stelzen, stöckeln Wenn es um Modeschuhe geht, um damit durch die Jahrhunderte zu wandeln, so gestaltet sich das mal als trippeln oder stelzen, mal als stöckeln oder tanzen und in neuerer Zeit auch als bequemes ausschreiten und spazierengehen. Gerade heutzutage steht neben der Optik auch Bequemlichkeit im Vordergrund von Bekleidung, in der man sich „wohl fühlen“ möchte. Aber der Reihe nach:
Der Schnabelschuh Der Schnabelschuh war der bedeutendste Repräsentant spätmittelalterlicher Schuhkultur. Dieser weiche, um den Knöchel ausgeschnittene Schlupfschuh ähnelt in Form und Kontur dem Körperideal der Gotik – nämlich einer S-förmigen Bewegung der Gestalt. Ihr Umriss wurde von der Mode konsequent bis zu den Füßen durchgehalten. Das Tragen des Schnabelschuhs in Kombination mit einer hölzernen oder ledernen Trippe – einem schnabelstützenden Unterschuh, verlangte von den Trägern beim Laufen ein Trippeln – die damals modisch vorschriftsmäßige Gangart. Ende des 15. Jahrhunderts kam sogar eine Regelung auf, die die Länge der Spitze der Schuhe je nach Standeszugehörigkeit festlegte.
Der Bundschuh Über die Jahrhunderte behauptete sich dann der Bundschuh als praktische Schuhform des einfachen Mannes. Der Damenschuh, Leder, gewölbte Laufsohle, Metallschnalle, um 1720 Paar Damenschuhe, englischrotes Schafleder/ Rauhleder, Bouillonstickerei (Kupferlahn), 17001715 05 / 17
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SCHUHE 87 wertigen mit Edelsteinen und Email besetzten Zoccolo für vornehme Venezianerinnen bis ins 17. Jahrhundert. In Deutschland hingegen wurde der Pantoffel als „unvollständiger Schuh“ in der Nürnberger Kleiderordnung aus dem Jahre 1562 einfach verbannt.
Storchenschnabel Schuhe des 16. Jahrhunderts lebten dann von der neuen Linienführung „Kranich“ oder „Storchenschnabel“, die sich um 1505 bis 1510 zu abgerundeten „Kuhmäulern“ und „Bärentatzen“ weiter entwickelten. Damit wurde auch ein neues Körperverständnis propagiert, das im Gegensatz zu den überschlanken gebogenen Körpern der Gotik auf eine natürliche Haltung des Menschen setzte.
Schuh und Strumpf
Bundschuh war aus grobem Stoff, Leder oder Fell gefertigt, das man ohne Sohle um den Fuß legte, an den Rändern einschnitt und mit Lederriemen am Fuß fixierte. Da kein Modeeingriff das einfache und nützliche Modell erfasste, überlebte der Bundschuh bis ins 17. Jahrhundert die Zeiten – auch als Symbol bäuerlichen Aufbegehrens.
Der Schlupfschuh
Stelzpantoffel Stelzpantoffeln, die nur den Frauen der Oberschicht vorbehalten waren, erlangten im 16. Jahrhundert ihre Blütezeit. In Italien bezeichnete man diese Stelzpantoffeln, die in ganz Europa Modeobjekte waren, als „Zoccolo“ oder „Calcagnini“, in Frankreich als „Chopine“ und in Spanien als „Chapine“. In Italien überlebten die hoch-
Das drückte sich auch im Gewandstück „Schaube“ aus. Mit Pluderhosen und kostbaren Strümpfen vervollständigte der „Hornschuh“ das Bild von plattfüßiger Standfestigkeit, das die neue Silhouette prägte. Das weite Dekolleté des Halbschuhs unterstrich auch die Wirkung der dazu passenden, farbigen Strümpfe, die gestrickt oder bestickt vom neuen Berufsstand der „Seidensticker“ oder „Strumpfwirker“ hergestellt wurden. Das Jahrhundert endete mit einer bunten Schuhvielfalt, denn modisch repräsentatives Schuhwerk
Die feine Gesellschaft ließ sich hingegen seit dem 12. Jahrhundert mit feinen, weichen, knöchelhohen Schlupfschuhen beliefern. Dafür ließen sich die Handwerker zahlreiche unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten einfallen, die vom individuellen, elitären Geschmack der betuchten Träger zeugte. Ob aus feinem Leder oder teuren Stoffen, bestickt oder mit Spangen oder Schnüren garniert – der modische Schlupfschuh war eine Ergänzung zur edlen Gesellschaftsbekleidung und passte sich im späten 14. und 15. Jahrhundert auch der farblich geteilten Gewandmode „Mi-parti“ an. Paar Damenschuhe, englischrotes Schafleder/ Rauhleder, dunkelroter Seidenlitzendekor, Absatz Glattleder, 1700-1715 Damenschuh, Einzelschuh, getragen. Herkunft: England. Seidengewebe, smaragdgrün (Obermaterial Schaft und Absatzbespannung); Ziegenleder, weiß (Futter Vorderkappe); Posamenten, grün (Kanten- und Saumbesatz); Glattleder, braun (Zehenkappe und Decksohle); Leder, braun (Laufsohle); Kork (Absatzkern); gewendet genäht; 1735/45 05 / 17
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SCHUHE 88 war nun äußerst gefragt. Aus Samt und Seide, bestickt mit Gold oder Gold-Lederdekor dokumentieren die zumeist flachen Schuhe mit hochgeschlossenem Vorderblatt dieser Zeit die Beliebtheit von Schuhen als Statussymbol und Luxusobjekt der vornehmen Gesellschaft.
Französische Eleganz Frankreich war dann auch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bestimmend in der Mode. Eine perfekte Entfaltung fand das detaillierte inszenierte Zusammenspiel von Kleidung und Eleganz vor allem bei Hofe und beim Hochadel, dem niederen Adel aber auch im Bürgertum – was politischen Diskussionen, Geschäftsverhandlungen oder Heiratsanträgen einen standesgemäßen optischen Ausdruck und Rahmen verlieh. Und auch die Schuhe jener Zeit waren höchst verfeinert und in Material und Dekor detailliert auf die vornehme Gesamtgarderobe abgestimmt.
Stiefel Von 1618 prägte der Dreißigjährige Krieg (bis 1648) auch die Gestaltung der Schuhe. Gerade im vom Krieg gebeutelten Deutschland lehnte man damals die als „Alamode“ bezeichnete Salonkultur der Franzosen mit hohen Stöckelschuhen ab, die gleichermaßen von Männern wie Frauen getragen wurden. Man empfand diese französische Mode als „Sittenverfall“. Ein hoher, steifschächtiger Stiefel bewährte sich viel besser als wärmender Fußschutz für Reiter und Soldaten im Krieg. Später wandelte sich der Stiefel zum schicken Stulpenstiefel und dann zum modischen Becherstiefel der besseren Gesellschaft. Als Ausdruck höchster handwerklicher Meisterschaft und modischer Ansprüche galten besonders die aus einem Stück gefertigten, nahtlosen Becherstiefel mit ihrem weichen Schaft.
Stöckelschuhe Im 17. Jahrhundert setzte der „Stöckelschuh“ seine Entwicklung fort. War der Absatz zu Beginn des Jahrhunderts eine keilförmige, keineswegs hohe Unterlage
Kleidung und Kunstwerk
im Fersenbereich, so findet man den hölzernen oder ledernen Absatz von bis zu sieben Zentimetern bald als das dominante Element in der Schuhmode, das diese über Jahre und Grenzen hinweg prägen sollte. Schuhe mit weiß unterlegtem Leder, Brockat und Damast und rot bemalten, extrem spitz zulaufenden Stöckeln, die mit Spangen am Rist verziert wurden, waren Inbegriff französischer Schuheleganz. In vielen phantasievollen Variationen konnte man sich an diesen hohen Schuhen wohl nie satt sehen, so dass der Stöckelschuh auch im 18. Jahrhundert seinen Siegeszug selbstbewusst fortsetzen konnte.
So bildeten Kleidung und Schuhe ein herrliches Gesamtkunstwerk von höchster Vollendung, das nur hochspezialisierte Handwerker hervorbringen konnten: Die edlen, spitzen Schuhe mit Überzug aus Seidendamast und silber- oder goldgewirkten Schleifen und Nadelmalereien erzeugten Vollkommenheit und Raffinesse pur. Eine feine Polsterung der Sohle ergänzte die beeindruckende optische Wirkung der hohen Schuhgebilde, deren Nahtstellen gekonnt mit Flechtspitzen im passenden Farbkontrast überspielt wurden. In den höfischen Salons wurde aber auch die Pantoffelform sehr geschätzt, nachdem sie sich ebenfalls hoher Stöckel bemächtigt hatte. Und während die Damenwelt besonders eine kunstfertige Blatt- und Kappenverzierung an ihren Schuhen liebte, setzten die Männer auf die maskuline Wirkung kostbarer Schnallen. Waren diese anfangs noch oval und klein, so wurden sie bis Mitte des 18. Jahrhunderts zunehmend größer und eckiger in oft wertvoller Ausfertigung. Als Attribut der besseren Klasse in der Gesellschaft bestimmten so Stöckel- und Spangenschuhe bei einem sich wandelnden Äußeren bis in die siebziger Jahre des 18. Jahrhunderts das modische Bild auf dem europäischen Festland.
Carpe diem am Hofe Vor dem Hintergrund endzeitlicher Lebenserfahrungen, wie sie auch der DreiPaar Damenschuhe, Obermaterial Wildleder, Futter und Decksohle Schafleder, Absatzbespannung Glattleder, Baumwollgarn, Posamentenborte, 1745/60 Paar Damenschnallenschuhe, Seidengewebe, Lampas liseré und Taftfutter, florales Design, Silberschnalle mit Glassteinen, 1700/1720 05 / 17
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SCHUHE 89 „Sturm- und Drang“-Wanderstiefeln bewegte sich das europäische Bürgertum auf das 19. Jahrhundert zu.
Die neue Zeit
ßigjährige Krieg und die folgende Pestepidemie den Menschen deutlich vor Augen geführt hatte, dominierte damals ein Lebensgefühl von hemmungsloser Lebenslust die Haltung der adligen Gesellschaft, das ganz auf den gegenwärtigen Genuss nach dem Motto „Carpe diem“ ausgerichtet war. Das unbändige Feiern des Augenblicks am Hofe stand jedoch im spannungsgeladenen Gegensatz zur bürgerlich protestantischen Frömmigkeit. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts nimmt der Satiriker Michael Mocherosch die adlige Männerwelt an den Fürstenhöfen dann auch ins Visier seines beißenden Spotts, die er als „an Leib und Seele behencket, beschlencket, beknöpft und beladen“ darstellt. Damit beschreibt er mit wenigen Worten sehr treffend ein zeitmodisches Erscheinungsbild adliger Bekleidungskultur, das in ganz Europa bis Ende des 18. Jahrhunderts Gültigkeit behielt.
Mit der Aufklärung bahnte sich die schlichte und natürliche englische Mode ihren Weg auf das europäische Festland. Zu farbig unauffälligen Stoffen der bürgerlichen Gesellschaft kamen um 1760 niedrigere Pumps mit dicken englischen Sohlen daher sowie flache schwarze Herrenschuhe mit Schnallen über einem weiten Dekolleté. Auch der Stiefel fand in dieser Zeit wieder Gefallen, da er eine optische Abkehr von den alten, übertriebenen höfischen Sitten versinnbildlichte. Die Gesellschaft befand sich jedenfalls im Wandel in dieser Umbruchszeit mit einem neu aufkommenden Freizeitempfinden. Mit Jockey-Stiefeln in England und einfachen
Viele unterschiedliche Impulse hatten die höfischen Schuhe aus Barock und Rokoko endgültig abgelöst und prägten nun die neue Zeit. Wegen der Verflechtung von wirtschaftlichen und kulturellen Interessen ganz unterschiedlicher sozialer Gruppen lässt sich im 19. Jahrhundert jedoch kaum ein einheitliches Modebild mit prägender Macht ausmachen. Verschiedene Modeströmungen wirkten gleichzeitig oder im Zeitablauf – etwa die englische Mode mit ihrer schnörkellosen Kleidung assoziiert mit der Antike bei der „Empiremode“, die zwei Jahrzehnte lang Vorbild wurde und das Aussehen prägte: Hoch gegürtete Frauen in durchscheinenden Hemden trugen dazu flache, leichte Schuhe aus heller Seide oder weichem Leder, vergleichbar dem männlichen Escarpin, eine Schuhmode, die sich drei Jahrzehnte behaupten konnte. Als reiner Tanz- und Galaschuh mit Schleifen verziert und niedrigem Absatz zog sich diese Mode dann um 1820 in die Tanzsäle zurück, wo der Escarpin das männliche Gegenstück zum weiblichen Kreuzbandschuh der Ballgarderobe abgab. Modische Impulse und Anregungen gingen auch von den sich verändernden Arbeitsbedingungen in den 1830er-Jahren aus: Mit Fabriken und festen Arbeitszeiten spielte nun die Freizeit eine größere Rolle und es entstanden öffentliche Promenaden und Volksgärten, die für Spaziergänge und Zusammenkünf-
Revolutiuon und Aufklärung Erst mit dem Wanken der französischen Monarchie fiel auch der Stöckelschuh in Ungnade. Denn als höfischer Schnallenschuh mit rotem Absatz symbolisierte er während der französischen Revolution die verhasste Monarchie und das adlige Schmarotzertum. Paar Damenpantoffeln, graublauer Seidendamast, Flechtspitze aus Silberlahn, Bouillonstickerei (Silberlahn), Nadelmalerei, 1720/30 Damenpantoffel, graublauer Seidendamast, Goldbrokat, grüner Rüschenbesatz aus Ripsseide, Silber-Bouillonstickerei, Flechtspitze aus Silber, „venez-y-voir“-Stickerei am Absatz, Glacéleder, 1720/30 05 / 17
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SCHUHE 90 te genutzt wurden. Dort war die passende Bekleidung von großer Bedeutung, denn man spazierte weniger aus gesundheitlichen Gründen, sondern um zu sehen und gesehen zu werden.
Kleidung nach Anlass Auch der „Dandy“ avancierte zum Ideal dieser Zeit, der sich je nach Anlass täglich mehrmals immer wieder neu einkleidete: Zum Frühstück erschien er mit indischen Pantoffeln im chinesischen Morgenrock, danach im Frack mit Stiefeln und Sporen, zum Abendessen tauschte er diese gegen Halbschuhe und in der Ballnacht glänzte er mit feinen Pumps, die täglich frisch lackiert wurden. Die Romantik des Biedermeier bescherten der Damenwelt zierliches Schuhwerk und schmale knöchelhohe Stiefelletten aus feinem Leder mit dunklem oft schwarzem Stoffbezug. Klar definierte Rollenbilder von Mann und Frau prägten auch die entsprechenden Modetendenzen – in zwei entgegengesetzte Richtungen: einerseits die funktionalsachliche Kleidung für den Herrn, andererseits die Künstlichkeit der Krinoline (1848-1868), für die schöne Welt der inszenierten Nutzlosigkeit der Dame, die nur eine gesellschaftliche Rolle wahrnehmen sollte. Die Stiefelform hingegen bediente beide Geschlechter. Dabei waren die wadenhohen Damenstiefel in feiner Stoffqualität und raffiniert gedeckten Farben bis in die 1870er-Jahre zumeist noch handgefertigt, während die Herrenbotinne schon mal aus der Serienanfertigung kam.
Modeströmungen Das neue Jahrhundert mit seiner Vielfalt an Lebensentwürfen bot bald ein weites Feld für unterschiedlichste Schuhmodelle zwischen der vorherrschenden Alltagsmode und -kultur und elitärer Haute Couture. Diesen Spagat musste die Schuhmode auch im 20. Jahrhundert vollbringen – in Friedenszeiten während der Goldenen Zwanziger mit neuen Strömungen wie Jugendstil und Art déco und kostbar wirken-
den Materialien wie in den folgenden Kriegsjahren mit „vernünftigem“ Schuhwerk in strapazierfähiger Qualität. In der Nachkriegszeit wurde Europa dann in den 1950er-Jahren auch schuhmodisch mit femininer Eleganz während der Wirtschaftswunderjahre für die Kriegsentbehrungen im Zweiten Weltkrieg entschädigt – mit hohen Pfennigabsätzen oder flachen Ballerinas, die sich in den Sechzigern zu schlanken spitzen Schuhformen weiter entwickelten. Die Siebziger lebten von den Vorbildern der Flower-PowerMode: Zu wadenlangen Hippigewändern gehörten phantasievolle bunte Stiefel – von Lila bis Orange mit Glitzerplateausohle und Lederblumen. In den 1990er-Jahren wurde dann der Sport zum Kult erhoben, was eine ganze „Turnschuhgeneration“ als Lifestyle mit höchst bequemen und lässigen Nike-, Puma- oder Reebook-Tretern dokumentierte, mit denen man weltweit kollektiv ins neue Jahrtausend marschiert.
Schuhe machen Die Schuhmacherei ist übrigens fast so alt wie die menschliche Fußgängerei. Ab dem Mittelalter oblag sie dem privilegierten Paar Damenschuhe, getragen, Wildleder / Velour, braun (Obermaterial Schaft und Absatzbespannung); Lammleder, weiß (Futter Schaft, Decksohle und Umbugpaspel); Baumwollgarn, bunt (Schnalle); Gaze, weiß (Kantenbesatz, Restaurierungsergänzung); Leder, braun (Laufsohle); Baumwollzwirn, weiß (Steppnähte), 1735/45 Paar Damenpantoffeln, weißes Wild- und Ziegenleder, glattlederner braunroter Absatz, Bouillostickerei (Kupfer), 1720/30 05 / 17
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SCHUHE 91 Auskommen finden. Und während sich im Mittelalter die Schuhmachergesellen auf der Wanderschaft mit Arbeitsmethoden anderer Meister vertraut gemacht hatten, reisten viele Gründer deutscher Schuhfabriken in der Mitte des 19. Jahrhunderts in die USA, um die dortige Industrie kennenzulernen und modernste Maschinentechnik in ihren Firmen einzuführen. Heutzutage werden die allermeisten Schuhe in unterschiedlichsten Moderichtungen, Materialien, Formen, Farben, Ausführungen und Preiskategorien und für alle Lebensbereiche fast ausschließlich maschinell hergestellt – sieht man von wenigen, extrem teuren von Hand gefertigten Einzelpaaren ab, die sich Normalbürger kaum leisten können. Die Faszination und ein Faible für Schuhmode ist jedoch über die Jahrhunderte bis heute gleich geblieben – jedenfalls was die holde Weiblichkeit betrifft.
Literatur
Zunfthandwerk. Das „Meisterstück“ ist bei Schuhmachern seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar. Durch eine Lehrzeit und die von Gesellen verlangte Wanderzeit sollten die Schuhmacher genügend Kenntnisse erlangen, bevor sie mit ihrem besagten Meisterstück die Beherrschung ihres Handwerks beweisen mussten. Es war diese Kunst der handwerklichen Schuhmacher, „die bei ihrem Leisten blieben“, um ihren Kunden die bestmöglichen Schuhe genau nach Maß anzufertigen. In Kornwestheim gibt es mittelalterliche Quellen, die das ansässige Schuhhandwerk dort schon seit dem Jahr 1356 beweisen. Fünf Schuhmacher waren in der Stadt im Jahr 1717 verzeichnet, 1787 waren es bereits zwölf. Erst 1862 wurde im Königreich Württemberg das Zunfthandwerk in die Gewerbefreiheit entlassen.
werden konnten. Das Schusterhandwerk wehrte sich zwar anfangs gegen diese Entwicklung und propagierte, dass Maschinen keine guten Schuhe machen könnten. Der Siegeszug des konfektionierten und industriell gefertigten Schuhwerks ließ sich freilich nicht aufhalten. So mussten sich viele Schuhmacher den neuen Verhältnissen anpassen und in der Marktnische des Reparaturgeschäfts ein
Begleitkataloge: „Auf Schritt und Tritt – Schuhe“, Konzept Verlag Stuttgart, und „Noblesse und Raffinement“, Wasmuth Verlag Tübingen, Dr. Irmgard Sedler und Angela Sengewald, Herausgeber Stadt Kornwestheim, Stadt Weißenfels. www.kornwestheim.de, museen@kornwestheim.de Fotos: Museum im Kleihues-Bau, Kornwestheim
Maschinelle Herstellung Große Aufträge des Militärs für Soldatenstiefel, in Amerika neu erfundene Maschinen und die von W. Mckay gebaute Sohlennähmaschine im Jahr 1858 ermöglichten konzentrierte Produktionsstätten für Schuhe und in Tuttlingen etablierte sich 1863 in Deutschland erstmals eine moderne Schuhindustrie. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Technik dann soweit fortgeschritten, dass Schuhe von Anfang bis Ende durch Maschinen hergestellt Salamander Schnürstifelette, Chevreauleder, um 1900 Salamander Spangenschuh, Chevreauleder, vor 1930 05 / 17
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ONLINETIPP 93
■ Der Reiz und die Notwendigkeit, winzige Objekte vergrößert zu betrachten, führte im Laufe von Jahrhunderten zur Entwicklung einer Vielzahl optischer Instrumente. Lupen und Brillen können für den täglichen Gebrauch hilfreich sein, aber erst mit Mikroskopen lassen sich für das menschliche Auge nicht erkennbare Dinge und Strukturen erschließen. Es entstand eine Vielzahl solcher Geräte, in einfachen Ausführungen z. B. für Schüler und Hobbybiologen, hauptsächlich jedoch für wissenschaftliche Zwecke. Die ganze, in vielen Jahrzehnten entstandene, Vielfalt technischer Meisterwerke kann in mehreren herausragenden Sammlungen mit sehr gutem Bildmaterial und kompetenten Informationen bewundert werden.
MIKROSKOPE
mehrerer Sammler zum Thema Leitz-Mikroskope von ca. 1930 bis 1980. www.leitz-ortholux.de
■ Mikroskop-Museum Das virtuelle Museum bietet hinsichtlich der umfassenden Informationen und des ausgezeichneten Bildmaterials absolute Fachbuchqualität. Die Entwicklung der Mikroskope von den Anfängen bis zum Ende des 20. Jahrhundert wird ausführlich beschrieben und eine hochklassige Sammlung, nach über 60 Herstellern sortiert, mit außergewöhnlich detaillierten Hinweisen zu den Geräten und Produzenten mit vielen Bildern präsentiert. Wer noch nie durch ein Mikroskop geschaut hat, kann sich in der Galerie „einblicke" von der Leistungsfähigkeit weit über 100 Jahre alter Geräte überzeugen. In der Literaturliste sind einige wichtige Werke zum Thema Mikroskope zu finden. www.mikroskop-museum.de
■ Museum optischer Instrumente
■ History of the Microscope Diese englischprachige Präsentation bietet in mehreren Katagorien ausgezeichnetes Bildmaterial mit z.T. reichhaltigen Informationen über historische Mikroskope aus drei Jahrhunderten. Dazu kommen noch einige Abbildungen aus alten Katalogen, als mehrseitige pdf-Dateien bebilderte Fachaufsätze von Sammlern und reichlich Literaturhinweise.
gen sein, ebenso wie die Tabelle mit den Seriennummern.
www.microscopehistory.com www.ernst-leitz-wetzlar.de
■ Leitz Mit ein paar wichtigen Eckdaten werden hier kurz die ersten 40 Jahre der Firma Leitz vorgestellt und mit einigen Bildern, allerdings ohne weitere Informationen, auch einige Mikroskope präsentiert. Interessant für Sammler dürften die umfassend abgebildeten alten Kataloge und Anleitun-
■ Haus der Mikroskopie Mit umfangreichen pdf-Dateien werden Fachtexte, reichlich Bilder sowie ein Führer durch die Sammlung historischer Mikroskope von Ernst Leitz präsentiert. www.amuseum.de/mikroskopie.htm
Eine umfangreiche Sammlung deutscher und französischer Mikroskope aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert für wissenschaftliche Zwecke wird hier präsentiert. Die Objekte können als Gesamtansicht oder nach Herstellerorten in einer Vorschau mit guten Bildern und Kurzinformationen betrachtet werden. Der Klick auf eines der rund 130 Vorschaubilder öffnet für jedes Objekt eine neue Seite mit fabelhaftem Bildmaterial samt vieler Detailfotos und Informationen, wie sie präziser und umfassender nicht sein können. Auch die Seiten über Lupen und Nebenapparate sind ähnlich hochklassig und absolut sehenswert. www.musoptin.com
■ Leitz Ortholux Auf dieser Sammlerseite wird sehr ausführlich und kompetent das Forschungsmikroskop Ortholux von Leitz mit reichhaltigem Bildmaterial und umfassenden Informationen präsentiert. Im Downloadbereich sind etliche Prospekte und Anleitungen zu finden und der Menüpunkt Magazin enthält Beiträge samt Bildmaterial 05 / 17
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.. SCHWARZES GOLD FUR SCHALLPLATTEN-SAMMLER
€ 50-100 Aphrodites Child „666 LP”, 1972 in der BRD auf Vertigo Swirl, Nr. „6673 001”. Klappcover. Letzes der drei Alben der „Progrock”-Band um die Griechen Demis Roussos und Vangelis. Die Rockhymne „The Four Horseman” beeinflusste u. a. Becks „Chemtrails” und The Verves „The Rolling People”. Das englische Original kostet circa 1.000-1.500 Euro
€ 150-250 Current 93 „Thunder Perfect Mind DoLP”, 1992 auf Durtro UK, No. „011”, Textbeilage. „Experimentelles Apocalyptic Folk”-Album von Mastermind David Tibet, der hier mit 16 namhaften Musikern der Szene kolaborierte u. a. Shirley Collins, Edward Ka-Spel, Rose McDowall und Douglas P. (Death In June), Steven Stapleton (NWW), John Balance (Coil)
€ 50-60 German Bonds „Skinny Eleonore 7 Inch”, veröffentlicht 1966 in der BRD auf Fontana, Nr. „269 403 TF”, Mono-Pressung. Obwohl die Hamburger „Beat”-Band live sehr erfolgreich war, konnten sie auf Platte ihre Energie nie so richtig umsetzen
€ 50-100 Dizzy Gillespie „Duets LP”, erschienen 1958 in den USA auf Verve Records, No. „MGV-8260”. Aufgenommen wurde das „Jazz”-Album in den Nola Studios New York mit Sonny Rollins und Sonny Stitt, beide am Tenor Saxophon € 50-100 The Beach Boys „When I Grow Up/Little Honda 7 Inch”, veröffentlicht 1964 in der BRD auf Capitol, Nr. „K 22817”. Das „Car”-Cover der „Surf-Rocker” ist äußerst selten und in 2 Versionen mit jeweils vertauschten Titeln zu finden
€ 40-60 Dead Kennedys „Give Me Convenience Or Give Me Death LP + 7 Inch/Flexi”, US-Erstpressung von 1987 erschienen auf Alternative Tentacles, No. „Virus 57”, „Cut & Paste”-Style Booklet. Compilation-LP mit Hit-Songs aus ihren ersten 4 Alben. Die Band um Bandleader und Sänger Jello Biafra wurde 1978 in San Francisco gegründet und zählt heute zu den politischsten US-Punk-Bands € 50-100 Embryo feat. Charlie Mariano „We Keep On LP”, erschienen 1973 auf BASF, Nr. „20 21865-1”. Das fünfte Album der deutschen „Jazz-Rock” & „Weltmusik”Band wurde in den Dierks Studios in Stommeln aufgenommen. Die Münchener um Christian Burchard arbeiteten hier u. a. mit dem US-Jazz-Saxophonisten Mariano zusammen. 1981 verließen Uve Müllrich und Michael Wehmeier die Band und gründeten Embryos „Dissidenten”. Das Musikkollektiv Embryo ist seit 1969 bis heute aktiv und spielte schon mit über 400 Musikern
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€ 40-60 Harald Grosskopf „Synthesist LP”, veröffentlicht 1980 in der BRD auf Sky Records, Nr. „043”. „Krautrock”Album „Berliner Schule”, das tlw. an Tangerine Dream erinnert. Grosskopf spielte u. a. bei Ashra Tempel und Wallenstein
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€ 300-500 I Drive „Same LP”, erschienen 1972 bei Metronome Deutschland, Nr. „MLP 15.420”, unlaminiertes Klappcover. Einziges Album der britischen „Rock”Band. Sie lebten zeitweise in der BRD
€ 250-400 Jethro Tull „Benefit LP”, veröffentlicht 1970 auf „pink” Island Records BRD, Nr. „6339 009”, Poster (Wert: 200,-). Das dritte Album der britischen Band war vom „Folk” und „Progrock” beeinflusst
€ 70-100 Plaza Hotel „Bewegliche Ziele 12 Inch”, erschienen 1983 in Deutschland auf Delphin, Nr. „001”. „New Wave/Synthiepop”-Projekt um Wolfgang Spelmanns (Ex-DAF), seiner Frau Claudia Sennlaub „Tabu” und des legendären Drummers Jaki Liebezeit (1938-2017, Ex-Can). Die Songs wurden schon 1981 aufgenommen, jedoch erst 1983 als Privatpressung (circa 1.000 Exemplare) veröffentlicht
€ 300-600 Neil Young & Crazy Horse „Greendale 3LP Box”, erschienen 2003 in Deutschland auf Vapor Records, Nr. „48699-2”, incl. 7 Inch im grünen Vinyl sowie Aufkleber und 28-seitigem Booklet
€ 40-60
Zenamon (Jaime Mirtenbaum Zenamon, geb. 1953) „Same LP”, veröf-
€ 100-150
Tony Sheridan (1940-2013) With The Beatles „My Bonnie EP, erschienen
fentlicht 1984 auf Polydor BRD, Nr. „821309-1”. Bolivianischer, klassischer Gitarrist und Komponist, der von 1980 bis 1992 an der Berliner Hochschulde der Künste (HdK) unterrichtete
1963 auf Polydor Deutschland, Nr. „EPH 21610”, Monopressung, 4-Track 7 Inch. Der Titel war Ende 1961 bis auf Platz 32 der deutschen Hitparade gekommen und begründete so den Erfolg der „Pilzköpfe” mit
€ 200-300 Motörhead „Snake Bite Love LP”, 1998 in Deutschland auf Steamhammer, Nr. „SPV 008-18891”, bedruckte Innenhülle. Seit 1977 brachte die „HeavyRock”-Band mindestens ein Album raus. Die Band um Lemmy Kilmister (1945-2015) zählte über Jahrzehnte hinweg zu den tragenden Säulen der „Heavy Metal”-Szene
€ 400-450 Spinning Motion „Confidence In The Future LP”, 1980 auf Music Lab Berlin Nr. „ML 002”, Einziges Studioalbum der Session-Band um die Berliner Schulfreunde Achim Hirsch (Vocals, Percussion) und Manfred Tappert (Bass, Gitarre, Vocals, Piano). Unterstützt wurden sie von Stephan Thimm (Drums), Joe Kucera (Sax) und Eddie Hayes (Flügelhorn). Damals wurden wohl nur 100 Copies gepresst
Alle angegebenen Schallplattenpreise verstehen sich als ungefähre Richtpreise, die bei Internet-Auktionen, Schallplattenbörsen, Sammler-Foren, Festpreislisten, Privatverkäufen etc. erzielt oder angeboten wurden. Die Preise gelten in der Regel für Mint/Mint- Exemplare (neuwertig bzw. minimale Gebrauchsspuren).
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FUNDSTÜCKE 114
FLOHMARKTPREISE
■ Design Tischuhr, Entwurf Heinrich Johannes Möller (1905 Wiesbaden - 1983 VillingenSchwenningen), Ausführung Kienzle (gegründet 1822), Schwenningen, 1930erJahre, Maße circa 25,5 x 22 x 4 cm. Als gelernter Schreiner begann Heinrich Möller 1927 bei der Dufa (Deutsche Uhrenfabriken) im Thüringischen Mülhausen, Uhren zu entwerfen, und kam 1931 als deren Chef-Entwerfer mit der von Kienzle übernommenen insolventen Firma nach Schwenningen. Schon 1932 heimste Kienzle dank Möller die Hälfte aller Preise beim Designwettbewerb der deutschen Uhrenindustrie ein. Möller entwarf auch die berühmte „Weltzeituhr“ 1939 (hergestellt bis 1996) und gewann bei der Triennale in Mailand 1940 die Goldmedaille. Verchromtes Metall, gewölbte/runde Glasscheibe, schwarze Zeiger und arabische Ziffern, weiß-beiges Ziffernblatt, Acht-Tage-Uhrwerk, gerundeter Standfuß, Gewicht circa 2 kg. Diese verchromte Ausführung im klassischen Art déco-Design dürfte die gesuchteste Kienzle-Tischuhr dieser Epoche sein. Im Top-Zustand kann sie sicherlich einen vierstelligen Betrag in einer Design-Auktion erzielen. Flohmarktpreis: 300 Euro
Berlin Bildhauerei, war ab 1900 Schüler von Auguste Rodin, ab 1901 Dozent an der Kunstgewerbeschule Elberfeld. Ab 1903 lieferte er eine Vielzahl bedeutender Entwürfe für die Jugendstilära der Westerwälder Steinzeugproduktion, zunächst vor allem für Gerz, später auch für Reinhold Merkelbach und andere Firmen. Diese bedeutende Jugendstil-Kanne wurde auch von der Firma Goebel zur Austellung in Nürnberg/Köln in einer limitierten Stückzahl von 500 Exemplaren 1983 wieder neu aufgelegt. Originale werden oftmals zwischen 150 bis 200 Euro im Handel angeboten.
seine dekorative Formgebung aus und dürfte bei Radio-Sammlern unbeschädigt und funktionstüchtig circa 150 bis 200 Euro erzielen. Flohmarktpreis: 60 Euro
Flohmarktpreis: 70 Euro
■ Technik
■ Keramik Kanne mit Zinndeckel, Entwurf Paul Wynand, Ausführung Reinhold Merkelbach, Höhr-Grenzhausen, ab 1908, Boden mit Firmenmarke (ab 1909 – Nassauischer Stempel), Höhe mit Deckel 26,5 cm. Braungeflammtes, salzglasiertes Steinzeug; Bandhenkel, kugelige Form mit Weithals, umlaufende Zierbänder aus Kettenfries und Kugeln, zwischen Spiralranken schwarzer Reliefdekor, Zinndeckel, Boden mit Modell-Nr. „2094“. Wynand studierte an der Kunst- & Baugewerbeschule 05 / 17
Lautsprecher, Modell „Secundus 1253“, im Fuß innen gemarkt „Tefag HRS 7205/2“ und gestempelt mit „10001“, Hersteller Telephon Aktiengesellschaft (stellten von 1923 bis 1944 Radiogeräte und Lautsprecher her) vormals J. Berliner, Berlin-Tempelhof, um 1928-1930, 41 x 45 x 12 cm, ehemaliger Verkaufspreis 29 Reichsmark. Geschlossener Konus-Lautsprecher, Bakelit, mahagonifarben, mit originalem Firmen-Aufkleber „Rhein-Radio Köln Hohenzollernring 96, Fernspr. A7323“ außen auf dem Fuß bezeichnet. Die Tefag brachte 1927 mit dem „Supertefag“ wohl auch den ersten netzbetriebenen Superhet in Deutschland auf den Markt. Das von Professor Bruno Paul entworfene Gerät fand jedoch bei einem Verkaufspreis von 1.084 RM nur unbefriedigenden Absatz. Der Secundus-Lautsprecher zeichnet sich durch
Erscheinungstermin Juni-Ausgabe: Abo-Versand 23.05.2017 Erstverkaufstag Handel 26.05.2017
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www.melan.de
www.online.melan.de
buchung.hoefges.com
buchung.hoefges.com
Termine im Mai 01 Mo Köln-Godorf
IKEA, Godorfer Hauptstraße
Kopp
03 Mi Köln-Porz-Eil
Autokino Porz, Rudolf-Diesel-Straße
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04 Do Essen-Bergeborbeck Autokino Essen, Sulterkamp
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07 So Köln-Marsdorf
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17 Mi Köln-Porz-Eil
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20 Sa Köln-Porz-Eil
Autokino Porz, Rudolf-Diesel-Straße
Anton
21 So Köln-Ossendorf
IKEA, Am Butzweilerhof
Kopp
24 Mi Köln-Porz-Eil
Autokino Porz, Rudolf-Diesel-Straße
Anton
25 Do Essen-Bergeborbeck Autokino Essen, Sulterkamp (Feiertagsmarkt) Anton 25 Do Köln-Poll
Handelshof, Rolshover Straße, überdacht
Anton
27 Sa Köln-Porz-Eil
Autokino Porz, Rudolf-Diesel-Straße
Anton
28 So Köln-Godorf
IKEA, Godorfer Hauptstraße
Kopp
31 Mi Köln-Porz-Eil
Autokino Porz, Rudolf-Diesel-Straße
Anton
Anton, günstige Kopp Kopp (0221) 28 39 100 Anton,derder günstige Pauschale nach Fahrzeug
bis 4 m bis 8 m bis 8 m bis 12 m bis 12 m
40 € 60 € 60 € 80 € 80 €
40 € 80 € 80 € 100 € 100 €
Kopp-Märkte Preise pro Termin Grundgebühr pro Stand 5€ Trödel, je Meter 10 € Neuware, je Meter 20 € Mindeststandgröße 2 Meter. Fahrzeug am Stand Pkw ab 4 m Stand Pkw mit Hänger ab 6 m Stand Bus/Transporter ab 6 m Stand Bus mit Hänger ab 8 m Stand Lkw ab 8 m Stand
Platzreservierung Montag bis Donnerstag im Büro Globus IKEA
10-16 Uhr 10-16 Uhr
Samstag vor Ort Globus IKEA
17 Uhr 17 Uhr
Sonn- und Feiertag vor Ort Globus IKEA
ab 6 Uhr ab 6 Uhr
Telefon: (0221) 28 39 100
Stand- Stand-AutokinoAutokino Porz Köln-Porz Autokino EssenAutokino Autokino Essen Köln-PorzAutokino VerkehrsübungsKöln-Porz Breite breite Dienstag/Donnerstag Mittwoch Donnerstag Donnerstag Freitag platz Samstag Samstag
mit/ohne Pkw Pkw mit Hänger Bus/Transporter mit Hänger Lkw
Kopp Veranstaltungs – GmbH & Co. KG Homburger Straße 22 50969 Köln-Zollstock Telefon: (0221) 36 47 03 Telefax: (0221) 360 56 67 www.kopp-maerkte.de
40 € 60 € 60 € 80 € 80 €
Autokino Köln-Porz Sonntag
Handelshof Köln-Poll Sonn-/Feiertag
40 € 60 € 60 € 80 € 80 €
40 € 60 € 60 € 80 € 80 €
Keine Platzreservierung erforderlich, einfach ab 6 Uhr kommen und mitmachen. Trödel und Neuware zahlen den gleichen Preis.
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