BASSENGE

MODERNE UND ZEITGENÖSSISCHE KUNST

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5. Juni 2026
Galerie Bassenge . Erdener Straße 5a . 14193 Berlin
Telefon: 030-893 80 29-0 . E-Mail: modernart@bassenge.com . www.bassenge.com



David Bassenge
Telefon: +49 30 - 893 80 29 17 david@bassenge.com

Sonja von Oertzen
Telefon: +49 (0)30-88 91 07 91
E-Mail: s.v.oertzen@bassenge.com

Simone Herrmann
Telefon: +49 (0)30-88 91 07 93
E-Mail: s.herrmann@bassenge.com
Laetitia Weisser
Telefon: +49 (0)30-88 91 07 94
E-Mail: l.weisser@bassenge.com

Tom Reinhardt (Volontär)
Friederike Valentien
Telefon: +49 (0)30-88 91 07 92
E-Mail: f.valentien@bassenge.com
Telefon: +49 (0)30-88 91 07 90
E-Mail: modernart@bassenge.com
Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den gewünschten Losnummern zu erfragen, da Angaben zum Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog notiert sind. Die Galerie Bassenge ist Mitglied bei Eindeutig identifizierbare Werke mit einem Schätzpreis von mindestens 4.000 Euro werden vor der Auktion mit dem Art Loss Register abgeglichen.
MITTWOCH, 3. Juni 2026
Vormittag 10.00 Uhr
Nachmittag 15.00 Uhr
DONNERSTAG, 4. Juni 2026
Vormittag 11.00 Uhr
Nachmittag 15.00 Uhr
FREITAG, 5. Juni 2026
Vormittag 11.00 Uhr
Nachmittag 15.00 Uhr
Druckgraphik des 15. bis 17. Jahrhunderts Nr. 5000-5248
Druckgraphik des 18. Jahrhunderts Nr. 5249-5328
Druckgraphik des 19. Jahrhunderts und des Fin de Siècle Nr. 5329-5428
Miscellaneen und Trouvaillen der Druckgraphik des 15. bis 18. Jahrhunderts Nr. 5429-5672
Gemälde Alter und Neuerer Meister Nr. 6000-6191 Rahmen Nr. 6192-6213
Horizonte – Zauber ferner Welten Nr. 6300-6482
Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts Nr. 6500-6755
Arnulf Rainer – Gerettete Werke aus der Haasgasse 10 Nr. 6900-6948 16.00 Uhr
SONNABEND, 6. Juni 2026
Vormittag 11.00 Uhr
Nachmittag 16.00 Uhr
Moderne Kunst I Nr. 7000-7283
Moderne Kunst II (Katalog nur online) Nr. 8000-8145
Post War und Zeitgenössische Kunst II (Katalog nur online) Nr. 8150-8322
Fotografie des 19. Jahrhunderts (Katalog nur online) Nr. 4001-4123
Fotografie des 20. und 21. Jahrhunderts (Katalog nur online) Nr. 4124-4321
VORBESICHTIGUNGEN
Druckgraphik, Gemälde, Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts und Sonderkatalog „Horizonte“ Erdener Straße 5A, 14193 Berlin Donnerstag, 28. Mai bis Montag, 1. Juni, 10.00–18.00 Uhr, Dienstag, 2. Juni 10.00–17.00 Uhr
Moderne und Zeitgenössische Kunst I und II und Sonderkatalog Arnulf Rainer
Rankestraße 24, 10789 Berlin Donnerstag, 28. Mai bis Donnerstag, 4. Juni, 10.00–18.00 Uhr
Fotografie und Fotokunst des 19. bis 21. Jahrhunderts
Rankestraße 24, 10789 Berlin
Donnerstag, 28. Mai und Freitag, 29. Mai, 10.00–18.00 Uhr, Samstag 30. Mai, 10.00–16.00 Uhr, Sonntag geschlossen, Montag, 1. Juni bis Donnerstag 4. Juni, 10.00–18.00 Uhr, Freitag, 5. Juni 10.00–15.00 Uhr
Schutzgebühr Katalog: 20 €
Umschlag: Los 7234, Hans Ticha © VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Innenseite links: Los 7084, Walter Dexel © VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Innenseite rechts: 7201, Heinz Mack. Seite 6 und 7: Los 7051, Hermann Max Pechstein
Geschäftsführung | Management
Graphik, Zeichnungen und Gemälde des 15.–19. Jahrhunderts
David Bassenge
Dr. Ruth Baljöhr – Leitung
+49 (0)30-893 80 29-17 david@bassenge.com
+49 (0)30-893 80 29-22 15th to 19th Century Prints, Drawings and Paintings r.baljoehr@bassenge.com
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Moderne und Zeitgenössische Kunst
Photographie
+49 (0)30-893 80 29-80 e.dalvai@bassenge.com
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Harald Weinhold +49 (0)30-893 80 29-13 h.weinhold@bassenge.com
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Barbara Bögner (in Elternzeit) +49 (0)30-88 62 43 13 b.boegner@bassenge.com
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Laetitia Weisser +49 (0)30-88 91 07 94 l.weisser@bassenge.com
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Wertvolle Bücher und Handschriften
Dr. Markus Brandis – Leitung
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Rare Books and Manuscripts m.brandis@bassenge.com
Harald Damaschke +49 (0)30-893 80 29-24
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Selma Elsayed +49 (0)30-893 80 29-24
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Josephine Faroqhi +49 (0)30-893 80 29-48
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Stephan Schurr +49 (0)30-893 80 29-15
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Naomi Schneider +49 (0)30-893 80 29-48 n.schneider@bassenge.com
Autographen | Autograph Letters
Verwaltung | Office
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München
Rheinland
Dr. Rainer Theobald +49 (0)30-4 06 17 42 r.theobald@bassenge.com
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Dr. Mayme Francis Neher +49 (0)175-204 63 23 info@mayme-neher.de
Erdener Straße 5a, 14193 Berlin
Vorbesichtigung Rankestraße 24, 10789 Berlin
Donnerstag, 28. Mai bis Donnerstag, 4. Juni 2026
Vorbesichtigung ausgewählter Werke in München
Donnerstag, 21. Mai, 16 bis 19 Uhr
Freitag, 22. Mai, 11 bis 18 Uhr
Galeriestraße 2B (2. Etage), 80539 München
Die Kataloge Moderne Kunst II und Post War & Zeitgenössische Kunst II erscheinen nur online, die Auktion findet als Präsenzveranstaltung statt.




lyonel feininger (1871–1956, New York)
7000 Light-Study Dining Room 35 Potsdamer Strasse Zimmermannsbleistift, weiß gehöht, auf grünlichem „Turnbull‘s Crayon“-Karton. 1892. 26,7 x 17,8 cm.
Unten links mit Zimmermannsbleistift datiert und bezeichnet „light-study Dining-room 35 Potsdamer Str. Sept. 19th 1892“.
7.000 €
1887 erreichte Lyonel Feininger von New York aus Hamburg. Der in Manhattan aufgewachsene Sohn eines deutschen Konzertgeigers und einer amerikanischen Sängerin und Pianistin sollte eigentlich am Leipziger Konservatorium Violine studieren. Stattdessen aber schrieb sich Feininger mit Erlaubnis der Eltern an der Kunstgewerbeschule in Hamburg ein und wechselte 1888 nach Berlin, um an der Königlichen Akademie der Künste zu studieren. Nach der Scheidung seiner Eltern lebte er mit seiner Mutter Elizabeth und seinen Schwestern zusammen in einer Wohnung in der Potsdamer Straße
35. Immer mit Bleistift und Papier ausgestattet, fertigte Feininger bereits in diesen frühen Jahren unzählige Zeichnungen alltäglicher Situationen, meist waren es bestimmte Details und gegebene Polaritäten, die ihn interessierten, wie in der hier vorliegenden Zeichnung der Raum, das Licht und dessen Spiegelung, die er meisterhaft mit Weißhöhung auf dem leicht getönten Papier wiederzugeben vermag. Achim Moeller, Direktor des Lyonel Feininger Project, New York - Berlin, hat die Echtheit dieses Werkes, das im Archiv des Lyonel Feininger Project unter der Nummer 2051-03-23-26 registriert ist, bestätigt. Ein Zertifikat liegt der Arbeit bei.
Provenienz: Alois J. Schardt, Halle, Berlin, Los Angeles (Geschenk des Künstlers) Privatbesitz (durch Erbschaft) Privatbesitz, New York
Ausstellung: Lyonel Feininger: The Early Years, 1890 - 1906, Moeller Fine Art, New York 2015 (Ausst.-Kat. Nr. 8, S. 30 f., mit Farbabb.)
lyonel feininger

7001 Church Windows Machnow Bleistift auf Skizzenpapier. 1894. 11,3 x 8,6 cm.
Unten mittig mit Bleistift datiert und bezeichnet „28 März 1894 church Windows Machnow - „ sowie mittig rechts mit Feder in Schwarz „‘Spiegelnde Fenster‘ Schon damals“.
3.500 €
Lyonel Feininger ist bekannt für seine Naturskizzen, die er später sogar auch mit der Kamera ausführte. Dabei ging es ihm nicht um Plein-air-Malerei, sondern um das Studieren von Formen und um die Rolle von Hell und Dunkel beziehungsweise Lichtspiegelungen, etwa auf regennassem Kopfsteinpflaster. Anfänge hierin finden sich sicher in seinen frühen Zeichnungen, wie in der hier ausgeführten Skizze von Fenstern der Dorfkirche in Machnow bei Berlin, bei der er die schmalen, in tiefen Laibungen sitzenden Fenster mit
ihren mosaikartig angeordneten kleinen Scheiben aus unterschiedlichen Blickwinkeln beobachtet und deren Lichtspiegelung mit feinen Schraffuren und deutlichen Kontrasten festhält. Achim Moeller, Direktor des Lyonel Feininger Project, New York - Berlin, hat die Echtheit dieses Werkes, das im Archiv des Lyonel Feininger Project unter der Nummer 2052-03-23-26 registriert ist, bestätigt. Ein Zertifikat liegt der Arbeit bei.
Provenienz:
Alois J. Schardt, Halle, Berlin, Los Angeles (Geschenk des Künstlers)
Privatbesitz (durch Erbschaft)
Privatbesitz, New York
Ausstellung:
Lyonel Feininger (1871-1956) in Berlin mit einem Exkurs zu Heinrich Zille (1858-1929), Galerie Parterre Berlin, Berlin 2021 (Ausst.-Kat. S. 88, mit Farbabb.)

lyonel feininger
7002 Old Door at Machnow, Ancient Cross Let in Brick-Wall Bleistift auf glattem Velin. 1894. 16 x 10,5 cm.
Unten links mit Bleistift datiert und bezeichnet „ancient cross let in brick-wall d. 28 März, 1894“ sowie mittig „old door at Machnow“.
3.500 €
Neben seinen Marinebildern nimmt die Architektur von Anfang an einen herausragenden Platz im Œuvre von Lyonel Feininger ein. Besonders die Darstellung kleiner Dörfer, meist in Thüringen, und deren mittelalterliche Kirchen haben ihn beschäftigt. Wie auch die Faszination für Schiffe rührte das Interesse an Kirchen wohl aus Kindheitserinnerungen in New York, wie er später in einem Brief an Alfred H. Barr schrieb: „When I was six or seven years old I was taken to the Metropolitan Museum, and of all the paintings I saw the only ones to make a deep impression on me were from a very
Privatbesitz New York 7002
early period; the represented gothic architecture (…).“ (zit. n. Alfred H. Barr, Lyonel Feininger - American Artist, in: Lyonel Feininger. Marsden Hartley, Ausst.-Kat. The Museum of Modern Art, New York 1944, S. 8). Diese Erinnerung war in seinen jungen Jahren, in denen diese Zeichnung entstand, sicherlich besonders präsent. Mit akribischer Detailgenauigkeit und einer fast romantisierenden Sicht auf die alte Tür und das Kirchenkreuz legt er auch hier den Fokus auf die Lichtreflexe der angestrahlten, groben Holzbalken und die Form des Kreuzes. Und wie so oft versieht er seine Skizzen mit schriftlichen Vermerken, hier noch in seiner englischen Muttersprache. Achim Moeller, Direktor des Lyonel Feininger Project, New York - Berlin, hat die Echtheit dieses Werkes, das im Archiv des Lyonel Feininger Project unter der Nummer 2053-03-23-26 registriert ist, bestätigt. Ein Zertifikat liegt der Arbeit bei.
Provenienz:
Alois J. Schardt, Halle, Berlin, Los Angeles (Geschenk des Künstlers)
Privatbesitz (durch Erbschaft)



max liebermann (1847–1935, Berlin)
7003 Mann und Frau in den Dünen Kohlestift auf Velin. Um 1895. 12,2 x 16,7 cm.
Unten links mit Kohlestift signiert „MLiebermann“.
1.200 €
Wohl in Zandvoort entstand die Zeichnung Liebermanns, die ein mit Kiepen schwer beladenes Paar inmitten der Dünenlandschaft zeigt. Mit lockeren, sparsamen Strichen und pointierten Kontrasten erfasst der Künstler die beiden Figuren in der Helligkeit der holländischen Küste. Zum Motiv des schreitenden Bauern in den Dünen vgl. die Ölstudien Eberle 195/5 ff.
Provenienz: Privatbesitz Belgien
7004 Martha Liebermann, schlafend Bleistift auf rückseitig bedruckter Todesanzeige. Ca. 1899. 11,7 x 15,3 cm.
1.200 €
Eine von Liebermanns typischen privaten Figurenstudien, die er als stiller Beobachter schuf. Den flüchtigen Augenblick festzuhalten, scheint ihn derart gereizt zu haben, dass er schnell zu einer Todesanzeige von 1899 griff und auf deren Rückseite seine schlafende Frau Martha skizzierte. Wir danken Dr. Margreet Nouwen, Berlin, für freundliche Auskünfte und die mündliche Bestätigung der Zeichnung vom 22.01.2026.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
7005 Allee mit Spaziergängern Kohle auf festem Velin. Ca. 11,7 x 16,9 cm. Unten links mit Kohle signiert „MLiebermann“.
2.000 €
Mit flüchtigem, teils kräftigem und mitunter zackigem Strich skizziert Liebermann ein Paar beim abendlichen Spaziergang. Von Stille umgeben, die Dame untergehakt, schlendern sie einen Waldweg entlang, während der Vollmond mittig zwischen den Bäumen hindurchscheint. In dieser kleinen, berzeugenden Zeichnung arbeitet Liebermann vor allem mit Kontrasten und sein Augenmerk liegt auf der Lichtstimmung im Mondschein vor dunkler Baumkulisse, die Figuren aber bleiben weitestgehend unklar und nur silhouettenhaft angedeutet.
Provenienz: Arnold, Frankfurt a.M., Auktion 28.11.2020, Lot 123 Privatsammlung Rheinland



7008
max liebermann
7006 Lesendes Mädchen
Farblithographie auf Velinkarton. 1896. 30,3 x 23,8 cm (46 x 37,2 cm).
Signiert „MLiebermann“.
Schiefler 41 b.
1.800 €
Ganz in ihre Lektüre vertieft, bemerkt das junge Mädchen weder das ihr mittlerweile von der Schulter gerutschte Hemd noch den Blick des Betrachters. Das Motiv übt sich in Kontrasten; die strenge Profilkomposition setzt sich gegen die lockere Haltung des Mädchens, ihre helle Farbigkeit gegen das undefinierte Dunkel des Hintergrunds. Neben dem hier vorliegenden farbigen Abdruck von vier Steinen existieren auch einfarbige Drucke. Prachtvoller, stimmiger Druck mit breitem Rand.
7007 Selbstbildnis im Freien zeichnend Lithographie auf Japanbütten. 1910. 25,8 x 32 cm (42 x 47,7 cm).
Signiert „MLiebermann“. Auflage 50 Ex. Schiefler 110 III.
1.200 €
Im Jahr 1911 im „Holländischen Skizzenbuch“ im Verlag von Julius Bard erschienen, die Gesamtauflage betrug 150 Exemplare. Im März 1912 in Paul Cassirers Prospekt und Dezember 1917 im Katalog „Deutsche Graphik“ abgebildet. Prachtvoller Druck mit dem vollen, sehr breiten Rand.
7008 Pferderennen
Lithographie auf hauchfeinem Japanbütten. 1909. 22 x 34 cm (27 x 41,3 cm).
Signiert „MLiebermann“. Schiefler 87.
900 €
Schiefler notiert keine Auflagenhöhe. Prachtvoller, wunderbar kreidiger und klarer Druck mit dem wohl vollen Rand, links und rechts mit dem Schöpfrand.

7009
paul baum
(1859 Meissen – 1932 San Gimignano)
7009 Zwei ankernde Segelschiffe im Mittelmeer Aquarell, Bleistift und Kohlestift auf Velin. 1899. 33 x 42,2 cm.
Unten links mit Kohlestift monogrammiert „P.B.“ und datiert.
Nicht bei Hitzeroth.
900 €
In ihrem filigranen Lineament und der kleinteiligen Gestaltung ist Baums maritime Szenerie bei Capri charakteristisch für seine Schaffensperiode um 1900 (vgl. Hitzeroth F 155-157). Zu dieser Zeit bereist der Künstler in den Wintermonaten den Mittelmeerraum,
unter anderem Neapel, Capri und Sizilien und zeigt sich als reiner Landschaftsmaler früh vom französischen Impressionismus inspiriert. Angeregt durch die Begegnung mit Théo van Rysselberghe, entwickelt Paul Baum um 1900 seine ganz eigene Variante des Neoimpressionismus und prägt diese Stilrichtung in Deutschland entscheidend mit. Große Erfolge feiert er mit Ausstellungen bei Paul Cassirer in Hamburg und Berlin, gemeinsam mit französischen Neoimpressionisten, und bei Harry Graf Kessler im Großherzoglichen Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Dass Baum dem Medium Zeichnung große Bedeutung beimaß, zeigt ihre Anzahl innerhalb seines Œuvres - nach den Ölgemälden die größte Werkgruppe.
Provenienz: Privatbesitz Norddeutschland

paul baum
7010 Ankernde Segelschiffe und Fischerboote im Mittelmeer
Aquarell, Bleistift und Kohlestift auf Velin. 1900. 41 x 55 cm.
Unten rechts mit Kohlestift monogrammiert „P.B.“ und datiert. Nicht bei Hitzeroth.
1.200 €
Mit den vibrierenden Linien, einer meisterlich sorgsamen Ausführung und dem zarten Gesamtton lässt die Zeichnung eine überzeugende Impression der südlichen Landschaft, des ruhigen Meeres mit seinen flirrenden Wellenbewegungen und der Helligkeit des 7010
Lichts entstehen. Ebenso sorgfältig wie den feinen Wellenstrukturen widmet sich der Künstler den Schiffsmasten und filigranen Wanten und setzt die tiefe Dunkelheit der Schiffskörper in prägnanten Kontrast zur Helligkeit der Wasserfläche. Während Baums Aufenthalt in Italien entstanden bei Capri um 1900 einige vergleichbare Blätter in den Buchten von Taormina und von Baiae bei Capri (vgl. Hitzeroth F 155-157).
Provenienz: Fritz Flender (mit dessen wohl eigenhändiger Annotation verso auf dem Karton, dort bezeichnet Ehemals Walther Flender, Stolberg/Harz (mit dessen Klebeetikett auf beiliegendem Karton)
Privatbesitz Norddeutschland

ernst seger (1868 Neurode – 1939 Berlin)
7011 Stehender Akt (Jugend) Holz, dunkelbraun gefasst, auf Holzplinthe, auf Holzsockel montiert. Um 1920.
28,5 x 7 x 6,5 cm. Seitlich rechts auf dem Sockel signiert „E. SEGER“.
1.200 €
Bekanntheit erlangte Seger, ausgebildet an der Königlichen Kunstund Gewerbeschule Breslau, insbesondere für seine weiblichen Akte, die er ganz im Sinne des Jugendstils gestaltete. Unikat
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

lesser ury
(1861 Birnbaum – 1931 Berlin)
7013 Spaziergänger im Regen
Radierung auf feinem Japan. Um 1920.
24,5 x 14,7 cm (38,8 x 25,7 cm).
Signiert „L. Ury“. Auflage 10 röm. num. Ex. Rosenbach 57.
1.500 €
Stimmungsvolle Berliner Straßenszene mit Passantin. Rosenbach war nur die Normalausgabe von 100 numerierten Exemplaren auf Bütten bekannt. Ganz prachtvoller, tiefdunkler und samtiger Druck mit dem vollen Rand, links und unten mit dem Schöpfrand.
lesser ury
7014 Dame im Kaffee mit aufgestütztem Arm vor leerem Glas
Radierung auf Japan. 1919.
20,7 x 14,8 cm (34 x 21,5/22,5 cm).
Signiert „L. Ury“ und bezeichnet „II 3“. Rosenbach 87.
900 €
Wohl Zustandsdruck vor der Auflage von 100 Exemplaren, erschienen im Verlag Franz Hanfstaengl, München. Prachtvoller, sehr schön gratiger und klarer Druck mit zartem Plattenton, ausdrucksvollem Plattenschmutz, noch ungereinigter, dunkel mitdruckender Facette und breitem Rand.

7014

ernst eitner
(1867–1955, Hamburg)
7015 „Tief verschneit“ (Hummelsbüttel)
Öl auf Leinwand.
61 x 73 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „E Eitner“, verso nochmals signiert sowie auf dem Keilrahmen betitelt und zweifach bezeichnet „39784“.
2.800 €
Der Blick des Künstlers aus seinem Atelierfenster in Hummelsbüttel fällt in einen tief verschneiten Garten, dessen winterliche Stille er mit lockerem Duktus und naturnaher Farbgebung erfasst. Stimmungsvolle Landschaft des Hamburger Impressionisten, ausgebildet ab 1886 an der Akademie in Karlsruhe bei Gustav Schönleber. Eitner gehörte zu den von Alfred Lichtwark geförderten Künstlern, mit denen der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle nach dem Vorbild der französischen Impressionisten auch in Hamburg eine Freilichtmalerei-Schule schaffen wollte.
Provenienz: Privatbesitz Niedersachsen

ernst eitner
7016 „Birkenweg“ Öl auf Leinwand.
61 x 80 cm.
Unten links mit Pinsel in Graugrün signiert „E Eitner“, verso nochmals zweifach signiert sowie auf dem Keilrahmen mit Bleistift (teils schwer lesbar, teils gestrichen, von fremder Hand?) betitelt bzw. bezeichnet.
1.500 €
Schnee bedeckt die flache norddeutsche Landschaft unter grau verhangenem Himmel. Der pastose Farbauftrag lässt die tupfenden Bewegungen des Pinsels wunderbar erkennbar werden und modelliert plastisch die Strukturen der Bäume und Sträucher wie auch der verschneiten Furchen im brachliegenden Feld. Mit impressionistischer Lockerheit führt Eitner den Pinsel, ein feinsinniges Kolorit und wohlkomponierte Kontraste bestimmen die verschneite, sich weit in die Tiefe erstreckende Szenerie.
Provenienz: Privatbesitz Niedersachsen
hugo mühlig
(1854 Dresden – 1929 Düsseldorf)
7017 Schneespaziergang
Gouache auf Karton.
Ca. 17 x 26,5 cm (Rahmenausschnitt).
Unten rechts mit Pinsel in Grau signiert „H. Mühlig“.
2.400 €
Detailtreu und zugleich impressionistisch locker im Duktus erfasst Mühlig die im Schnee hell schimmernde Landschaft. Mit spannungsreichen Diagonalen komponiert der Sohn des Dresdner Malers Meno Mühlig die weit offene Szenerie und zeichnet die kleine Spazier- und Jagdgesellschaft im Mittelgrund der kleinformatigen Winterlandschaft in lebendiger Bewegtheit. Ausgebildet an der Dresdner Kunstakademie, stand er stilistisch zunächst unter dem Einfluss der Schule Ludwig Richters, entwickelte jedoch bald seinen eigenen, dem Impressionismus nahestehenden Stil.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

hugo mühlig
7018 Pflügender Bauer Öl auf Holz.
21 x 27 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „H. Mühlig“.
1.500 €
Munter weht der Rauch des Feuers nach vorne links aus dem Bild, während sich der Bauer mit seinem Pflug und dem Ackergaul nach rechts bewegt. Dieser gekonnte Einsatz von diagonalen Kompositionslinien, ebenso wie der gelöste Pinselschwung und die Detailfreude, zeichnet das Schaffen Mühligs aus. Nach seiner Übersiedlung nach Düsseldorf verbrachte er die Sommer häufig in der Willingshausener Künstlerkolonie, in deren Umgebung er Anregungen für seine Gemälde fand. In Düsseldorf war er seit 1887 Mitglied des Künstlervereins Malkasten.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen


otto altenkirch
(1875 Ziesar – 1945 Siebenlehn)
7019 Kahn am Lutziensee Öl auf Hartfaser. 1901.
47 x 66 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Otto Altenkirch.“ und datiert.
Petrasch 1901-94-FB.
3.500 €
Mit pastosem Farbauftrag modelliert Altenkirch die Bildgegenstände im Vordergrund: Steine und Wasser, Boot und Uferböschung treten in kräftiger Plastizität hervor, während die Bildfläche im Mittel- und Hintergrund in herbstlichem Kolorit von Braunrot und Grünblau harmonisch und locker fein gestaltet ist. Seine Ausbildung erfuhr Altenkirch an der Berliner Hochschule für Bildende Künste und an der Kunstakademie in Dresden, u.a. bei Paul Vorgang und Eugen Bracht; am Ende dieser Zeit entstand das vorliegende Gemälde. „Im unscheinbaren Motiv den Zauber und die Kraft der Natur zu veranschaulichen, war ihm künstlerisches Credo.“ (Maria Petrasch, Otto Altenkirch, Ausst.-Kat. Schloss Nossen 2005, S. 19f.).
Provenienz: Privatbesitz Hannover

otto altenkirch
7020 „Schafbrücke (Freiberger Mulde bei Hochwasser)“ Öl auf Leinwand. 1928.
65 x 96 cm.
Unten links signiert (in die feuchte Farbe geritzt) „Otto Altenkirch.“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen mit Pinsel in Schwarz nochmals signiert, betitelt und bezeichnet „Dresden“.
Petrasch 1928-5-S.
6.000 €
Hochbewegte frühlingshafte Landschaft, in der die Schneeschmelze den Fluss Mulde ein turbulent vorwärtsströmendes Hochwasser führen lässt. Expressiv und mit großer Spontaneität gestaltet Altenkirch die Landschaft mit pastosem Farbauftrag plastisch durch, während das Kolorit abgetönt und wie von einem hellen Schimmer überzogen scheint. Zudem verleiht er den mit weichem Pinsel flächig gestalteten Partien durch plastische, pastos aufgebrachte Tupfen und Linien Struktur. Seine Heimatlandschaft hielt der Dresdner Künstler immer wieder zu verschiedenen Jahreszeiten fest.
Provenienz: Privatbesitz Hannover

hermann otto haase-ilsenburg (1879 Ilsenburg – 1960 Berlin)
7021 Stehender Frauenakt mit Kessel und Tuch Bronze mit goldbrauner Patina auf Bronzeplinthe, auf grauen Diabassockel montiert.
39 x 12 x 9,3 cm. Verso auf der Plinthe signiert „Haase-Ilsbg.“.
1.200 €
Der künstlerische Stil Haase-Ilsenburgs zeigt sich vor allem von neoklassizistischen und naturalistischen Tendenzen beeinflusst. Der Bildhauer beweist ein bemerkenswertes Talent, mit großer Präzision die anmutig-vitale menschliche Form zu schildern, dabei aber die Oberfläche sanft zu stilisieren und seidig glatt zu polieren.
Seit 1903 stellte Haase-Ilsenburg bei der jährlichen Großen Berliner Kunstausstellung aus. Prachtvoller Guss mit ebenmäßiger Patina. Gesamthöhe mit Sockel: 44 cm.
Provenienz: Privatbesitz Berlin

dora koch-stetter
(1881 Bayreuth – 1968 Ahrenshoop)
7022 Norddeutsche Landschaft mit Schafen und Feldarbeiterin Öl auf Leinwand.
52 x 78 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Rot signiert „D STETTER“.
3.000 €
Dicht drängen sich die Schafe im Bildvordergrund und sind mit ebenso lockerem Duktus erfasst wie die arbeitende Frau, die weiter hinten auf der Weide kniet. Eine harmonische, abgetönte Farbigkeit zeichnet das stimmungsvolle Gemälde aus der frühen Schaffenszeit der Künstlerin aus, das wohl vor ihrer Heirat mit dem Zeichner Fritz Koch-Gotha 1917 entstand. In den Jahren 1903/04 war Koch-Stetter Schülerin im Berliner Atelier von Lovis Corinth. Ab 1910 arbeitete sie mit dem rumänischen impressionistischen Maler Arthur Segal zusammen und war von 1911 bis 1943 Mitglied im Verein Berliner Künstlerinnen. Nach zahlreichen Studienreisen kam sie 1911 zum ersten Mal nach Ahrenshoop und blieb der norddeutschen Landschaft fortan eng verbunden.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland

wilhelm lehmbruck (1891 Duisburg-Meiderich – 1919 Berlin)
7023 Susanna Kaltnadel auf Japan. 1913. 20 x 15 cm (37,3 x 27,5 cm).
Signiert „W. Lehmbruck“. Auflage 20 Ex. Petermann 62 II.
1.800 €
Exemplar des endgültigen Zustands mit den Schattierungen und den Veränderungen in den Köpfen, mit der eigenhändigen Signatur Wilhelm Lehmbrucks. Herausgegeben von Paul Cassirer, Berlin Prachtvoller, differenzierter und fein nuancierter Druck mit ausdrucksvollem Plattenton, schön sichtbarer Plattenkante und kräftig mitdruckender Facette, mit breitem Rand. Selten
7024 „Ruhende“ (vom Rücken)
Kaltnadel auf Bütten. 1913. 9,8 x 19,7 cm (23 x 30,5 cm).
Signiert „W. Lehmbruck“, betitelt und bezeichnet „II. Zustand“.
Petermann 58 II.
1.500 €
Exemplar des zweiten und endgültigen Zustandes mit der zarten Binnenmodellierung und den horizontalen Strichlagen im Hinterund Untergrund, mit der eigenhändigen Signatur Wilhelm Lehmbrucks. Ausgezeichneter Druck mit feinschimmerndem Plattenton und mitdruckender Facette, mit Rand. Selten, eine Auflage führt Petermann nicht an, er erwähnt lediglich drei ihm bekannte Exemplare.

wilhelm lehmbruck
7025 „Weiblicher Rückenakt, ausschauend“ Kaltnadel auf festem Japan. 1911.
31,4 x 22,9 cm (50 x 32 cm).
Signiert „W. Lehmbruck“ und betitelt. Auflage 20 Ex. Petermann 20 II.
2.000 €
Exemplar des endgültigen Zustands mit zarten Modellierungen durch feine Schraffuren, mit der eigenhändigen Signatur Wilhelm Lehmbrucks. Die kleine Auflage erschien bei Paul Cassirer, Berlin. Ganz prachtvoller, gratiger und klarer Druck mit ganz feinem Plattenton, ausdrucksvollem Plattenschmutz, tiefschwarz eingefärbter Facette und mit breitem Rand.


wilhelm lehmbruck
7026 Drei Frauen, zwei stehend, eine kniend Kaltnadel auf Kupferdruckpapier. 1914.
20,7 x 15 cm (42 x 27,5 cm).
Signiert „W. Lehmbruck“. Petermann 89.
2.400 €
Mit der eigenhändigen Signatur Wilhelm Lehmbrucks. Petermann ist keine Auflage bekannt; er nennt lediglich drei von Lehmbruck selber signierte Exemplare dieses Zustandes. Herausgegeben von Paul Cassirer, Berlin, gedruckt bei der Pan-Presse, Berlin. Ganz prachtvoller, wunderbar kräftiger, nuancierter Druck mit herrlich differenziertem Plattenton, tief eingeprägter Plattenkante und ungereinigter Facette, mit breitem Rand. Äußerst selten

franz marc
(1880 München – 1916 bei Verdun)
7027* Zwei Akte
Farblithographie, mit dem Schabeisen überarbeitet, auf Bütten. 1907.
19 x 21,1 cm (30,8 x 39,9 cm).
Signiert „Frz. Marc“. Lankheit 810, Hoberg/Jansen 2.
10.000 €
Die erste graphische Arbeit Franz Marcs, von der Drucke erhalten sind. Den Aufzeichnungen des Künstlers zufolge entstanden diese zwischen Oktober und Dezember des Jahres 1907 in München. „Franz Marc‘s Suche nach der ‚Wesensform‘, wie Klaus Lankheit die Phase von 1907 bis Ende 1909 so treffend bezeichnet, setzt ein. Durch die neue Einsicht und Auffassung seines Auftrags als Künstler, die sich von jetzt an radikal gegen die traditionelle Vorstellung von Kunst richten, gehört Franz Marc zu denjenigen Künstlern, die zu Beginn unseres Jahrhunderts tiefgreifende Veränderungen im bildnerischen Denken und Schaffen hervorgerufen haben.“ (Magdalena Möller, in: Franz Marc. Zeichnungen und Aquarelle, Ausst.-Kat. Stuttgart 1989, S. 22). Ausgezeichneter, sehr schön nuancierter Druck von zwei Steinen mit breitem Rand. Extrem selten, eines von nur sechs bekannten Exemplaren
Provenienz: Ehemals M. Kirdorf (1878-1923), Aachen (verso mit dem Sammlerstempel, Lugt 4656)
ernst oppler (1867 Hannover – 1929 Berlin)
7028 Altfrauenhaus in Amsterdam Öl auf Leinwand. Wohl 1908.
81 x 65 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „E. Oppler.“. Nicht bei Bruns.
5.000 €
Reizvoll spielt das Sonnenlicht im Grün der Bäume und lässt helle Flecken auf dem verschatteten Weg, den Figuren und den Fensterscheiben tanzen. Vor dem Portal und dem hohen Mezzaninfenster des ehrwürdigen Gebäudes flanieren einzeln und paarweise die alten Frauen mit Schürzen und weißen Hauben unter dem Dach des Laubwerks der Allee. Ihre Physiognomien erscheinen kaum individualisiert, so dass, auch durch die einheitlichen Gewänder, ihre Gemeinschaft im Einklang mit Architektur, Natur und Religion betont wird. Reliefhaft modelliert Oppler mit der pastosen Farbe die Strukturen von Laubwerk und Ästen. Oppler ließ sich 1901 im niederländischen Sluis nieder und schuf in den kommenden Jahren zahlreiche Genrebilder. Sicherlich regten Oppler hier Max Liebermanns zahlreiche Arbeiten zu ähnlichen Motiven an, der sich vor allem in den 1880er Jahren in seinen Gemälden den holländischen Stiftshöfen und Waisenhäusern widmete. Im Jahr 1908 entstanden zwei weitere, motivisch ganz ähnliche Gemälde Opplers zu demselben Motiv, vgl. Bruns G-068/069: „Wie diese Vorbilder, so zeigt auch Opplers Bild die Einheit von menschlicher Gemeinschaft, Natur und Architektur; stärker als bei Liebermann ist hier jedoch die Architektur von der Natur vereinnahmt. (...).“ (Jochen Bruns, Ernst Oppler, Köln 1993, zu G-068).
Provenienz:
Saint Paul Auction, La Colle-sur-Loup, 08.12.2024, Lot 293 (dort betitelt „Rue animée“)
Privatbesitz Niedersachsen

lovis corinth (1858 Tapiau – 1925 Zandvoort)
7029 Herr und Frau Erich Göritz
Kreide in Schwarz auf leichtem Karton. 1922. 51,5 x 36,3 cm.
Unten links mit Bleistift signiert „Lovis Corinth“, datiert und gewidmet „für Erich Göritz“.
15.000 €
Wach und interessiert blickt das Sammlerpaar zum Künstler. Corinth zeichnete und malte um 1922 mehrere Portraits von und für Erich Göritz (vgl. Berend-Corinth/Hernad 841, 858). Der jüdische Fabrikant (1889-1955), Mitinhaber des Familienunternehmens Strumpfwarenfabrik G. & S. Goeritz, besaß mehrere Werke Corinths und war mit dem Künstler eng befreundet. Diese Zuneigung spiegelt sich in der intimen Zeichnung mit wunderbarer Stofflichkeit der Lithokreide: Sie rückt nahe an das generöse Sammlerpaar heran und zeigt beide annähernd lebensgroß, einträchtig dicht beieinander und damit noch deutlich freundschaftlicher aufgefasst als in dem vergleichbaren, im selben Jahr in der Klopstockstraße in Berlin entstandenen Ölgemälde „Portrait Erich Göritz und seine Frau“ (Berend-Corinth/Hernad 858).
Provenienz:
Privatsammlung Chicago (Geschenk des Künstlers)
Privatbesitz (in den 1990er Jahren erworben)
Sotheby‘s, London, Auktion 08.02.2006, Lot 201 Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Ausstellung:
The Art Institute of Chicago, Chicago Collects, 1988


lovis corinth
7030 Bühnenentwürfe für Eugene O‘Neills Kaiser Jones 5 Gouachen über Bleistift auf Velin, gemeinsam auf Untersatzkarton montiert. 1923. Eine 5,8 x 6,8, sowie vier je ca. 6 x 8,5 cm (der Untersatz 26,5 x 23,3 cm).
Auf dem Untersatzkarton mit Pinsel in Rotbraun signiert „Lovis Corinth“ und datiert sowie unten von fremder Hand mit Feder in Schwarz bezeichnet „Bühnenskizzen zu O‘Neill, Kaiser Jones“ und oben erneut datiert und mit Ortsbezeichnung „Nov. 1923 / Berlin“.
3.500 €
Die Bühnenentwürfe belegen die frühe Beschäftigung Corinths mit der Inszenierung der deutschen Uraufführung von Eugene O‘Neills Theaterstück Emperor Jones im Lustspielhaus Berlin mit Oscar Homolka in der Hauptrolle. Möglicherweise hatte Berthold Viertel, der Regisseur des Stückes, zunächst Lovis Corinth mit der Gestaltung des Bühnenbilds des Stückes beauftragt, sich aber später für Friedrich Kiesler als Bühnenbildner entschieden, weil ihm Corinths Entwürfe zu konventionell erschienen. Kiesler schuf schließlich ein völlig neuartiges und für die Geschichte der Bühnengestaltung bahnbrechendes konstruktivistisches Konzept. Die vorliegenden Skizzen präsentieren dagegen Corinths frühes expressivmalerisches Konzept des Bühnenbildes. Corinth, der schon mehr-
fach für das Theater Entwürfe gestaltet hatte, stellt hier verschiedene waldige Umgebungen, sowie den Thronsaal als zentrale Handlungsorte des Stücks dar. Die Provenienz des Blattes lässt vermuten, dass der in der Kulturszene stark vernetzte Kunstsammler und Arzt Dr. Martin Flaum, der von 1923-1933 unter anderem an der Charité und dem Jüdischen Krankenhaus in Berlin beschäftigt war, die Zeichnungen möglicherweise entweder direkt von Corinth oder aus dessen Nachlaß erwarb und in einem Album sammelte. Flaum konnte aufgrund seiner jüdischen Herkunft ab 1933 nicht mehr offiziell praktizieren, behandelte privat aber viele seiner Patienten weiter. 1936 wurde er deshalb verhaftet und musste Berlin schließlich 1937 verlassen und mit der Familie in die Niederlande emigrieren. Während eine seiner Töchter in Auschwitz ermordet wurde, konnte der Rest der Familie 1941 nach Palästina fliehen und Flaum kehrte später als britischer Truppenarzt im Krieg mehrere Jahre nach Deutschland zurück, während seine Familie in Haifa verblieb. Seine Tochter Ursula siedelte später zum Studium wieder in die Niederlande über, heiratete dort und blieb Zeit ihres Lebens in Amsterdam.
Provenienz:
Sammlung Dr. Martin Flaum, Berlin/Haifa Cornelis Jacob Sint und Ursula Chaja Sint, geb. Flaum, Amsterdam (durch Erbschaft)
Privatbesitz Niederlande
lovis corinth
7031 Radierplatten
9 Kupferplatten. 1914-20. Bis ca. 25 x 19 cm. Schwarz 167, 193, 198, 299 D und E, 332, 336, 342 und 413.
2.500 €
Druckplatten aus dem Verlag Fritz Gurlitt, jeweils eingeschlagen in die entsprechenden Probedrucke. Enthalten sind: „Leda mit dem Schwan“ (1914, Schwarz 167), „Pferdestall“ (1914, Schwarz 193), „Pflegerin“ (1914, Schwarz 198), „Verschiedene Tierstudien“ (zwei Platten, 1917, Schwarz 299 D und E), „Familie am Tisch“ (1918, Schwarz 332), „Schularbeiten“ (1918, Schwarz 336), „Hausecke“ (1918, Schwarz 342) und „Im Tiergarten“ (1920, Schwarz 413).
Provenienz: Ehemals Nachlass Wolfgang Gurlitt, München
7032 Radierplatten
4 Kupferplatten. 1914-20. Bis ca. 20 x 25 cm.
Schwarz 152, 210, 432 III und VII. 1.800 €
Druckplatten aus dem Verlag Fritz Gurlitt, jeweils eingeschlagen in die entsprechenden Probedrucke. Enthalten sind: „Weissagung“ (1914, Schwarz 152), „Paradies“ (1915, Schwarz 210), „Dorf Urfeld“ und „Der Ziegenbock“ (1920, Schwarz 432 III und VII). Beigegeben: Sieben Radierplatten weiterer Künstler, dabei u.a. Max Pechstein, „Ein Friese“ (1923, Krüger R 133).
Provenienz: Ehemals Nachlass Wolfgang Gurlitt, München



7033
lovis corinth
7033 Selbstbildnis
Radierung und Kaltnadel auf Bütten. 1920.
24,6 x 18,7 cm (37,7 x 29,2 cm).
Signiert „Lovis Corinth“. Auflage 120 Ex. Schwarz 414.
1.200 €
Eines von 120 Exemplaren auf Bütten für die Luxusausgabe von Corinths Gesammelten Schriften, erschienen im Verlag Fritz Gurlitt, Berlin 1920. Prachtvoller Druck mit breitem Rand, an drei Seiten mit Schöpfrand.
7034 Walchensee im Nebel Lithographie auf Velin. 1920. 32 x 37 cm (40,2 x 50,2 cm).
Signiert „Lovis Corinth“. Schwarz L 441.
1.200 €
Schwarz erwähnt eine Gesamtauflage von 115 Exemplaren auf Japan oder Bütten, verlegt von Fritz Gurlitt, Berlin 1920. Unser Exemplar wohl neben der Auflage auf Velin gedruckt. Prachtvoller, kreidiger Druck mit deutlich zeichnender Steinkante und mit breitem Rand.
7035* Haus am Walchensee Kaltnadel auf Bütten. 1920.
24,4 x 32,2 cm (31,1 x 35,7 cm).
Signiert „Lovis Corinth“. Auflage 75 Ex. Schwarz 449.
1.000 €
Aus der Auflage von 75 Exemplaren auf Bütten, neben 40 Exemplaren auf Japan, erschienen bei Fritz Gurlitt, Berlin. Ganz prachtvoller, gratiger und kontrastreicher Druck mit Rand.



emil orlik
(1870 Prag – 1932 Berlin)
7036 Steuermann auf der Brücke bei Nacht Öl auf Malpappe.
33,5 x 24,5 cm.
1.500 €
Stimmungsvolle, dunkeltonige Komposition. Mit weichen Konturen und sparsamer Beleuchtung schildert Orlik die einsame nächtliche Arbeit des Schiffsführers am Ruder. Die effektvolle Lichtführung akzentuiert die Hände des Steuermanns und das glänzende Messing der Gerätschaften auf der Kommandobrücke.
Provenienz:
Ehemals Sammlung Gabor Breg, Frankfurt/Main Jeschke-Hauff-Van Vliet, Berlin, Auktion 21.05.2005, Lot 409 Privatbesitz Süddeutschland
Ausstellung:
Industrie und Technik in der deutschen Malerei von der Romantik bis zur Gegenwart, Muzeum Slaska Wroclaw 1970, Kat.-Nr. 39a (entsprechend deren Klebeetikett auf beiliegender ehem. Rahmenrückseite, dort betitelt „Sternik“)
7037 Bildnis eines Mädchens (Susi Demoll) Bleistift und farbige Kreiden auf Velin. 1931. 38,5 x 29 cm.
Seitlich rechts mit Bleistift signiert „Emil Orlik“ und datiert, verso (von fremder Hand?) bezeichnet „Frl. Susi Demoll“.
1.000 €
Der gesuchte Portraitist Orlik zeichnet hier wohl ein Portrait von Susi Demoll, die als Eiskunstläuferin ab Mitte der 1930er Jahre Bekanntheit erlangte. In der Ausarbeitung des Profilbildnisses, insbesondere in der sensiblen Wiedergabe des gerüschten Kleides und der schimmernden Zopffrisur, offenbart sich Orliks außerordentliche Begabung als feinfühliger Zeichner.


emil orlik
7038 Am alten Burgwall Farblithographie auf Similijapan. 1900.
24 x 38 cm (30,3 x 44 cm).
Signiert „Orlik“ und mit dem Stempel der Druckerei Koshiba, Tokio, sowie mit dem ovalen Nachlaßstempel. Voss-Andreae L 79.
1.200 €
Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand. Sehr selten
ludwig meidner
(1884 Bernstadt – 1966 Darmstadt)
7039 Männerbildnis
Rohrfeder in Schwarz über Bleistift auf SchoellershammerVelin. 1919.
63,3 x 47 cm.
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „LM“ und datiert.
2.500 €
In Überlebensgröße rückt Meidner das expressiv gestaltete Männerportrait dicht an den Betrachter heran. So vehement fährt er in großzügigen Schwüngen mit der Rohrfeder über das Zeichenpapier, dass sich vielfach die Federspitzen auch ohne Farbe in die Oberfläche eindrücken und dort ihre Kratzer hinterlassen. An anderen Stellen reißt der Künstler mit kurzen, heftigen Hieben das Papier derart auf, dass die Farbe tief eindringt und matt-schwarze Akzente bildet.
Provenienz:
Grisebach, Berlin, Auktion 158, 31.05.2008, Lot 711
Privatbesitz Rheinland

7039


heinrich zille (1858 Radeburg bei Dresden – 1929 Berlin)
7040 Paar auf der Bank Feder und Pinsel in Schwarz und Gouache auf Karton. 1904. 20 x 24 cm.
Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „H. Zille“ und datiert.
2.000 €
Weil es auf der Parkbank immer noch besser ist als zu Hause, rückt das Paar in der Kälte eng zusammen und hilft sich mit wärmendem Schnaps. Das innige Miteinander täuscht nicht über die harte Realität des Lebens für die sozial Benachteiligten und Abgehängten im Berlin des beginnenden 20. Jahrhunderts hinweg. Realistisch und liebevoll, mit lebendig pointierten Federstrichen und effektvollen weißen Höhungen widmet sich Zille den Details der verlebten, von der Härte des Daseins gezeichneten Gesichtern und der Kleidung, während die Umgebung summarisch erfasst bleibt.
Provenienz:
Ehemals Sammlung Werner Eberhard Müller, Leipzig (mit dessen Sammlerstempel verso, Lugt 5075)
Ehemals Privatbesitz Norddeutschland

7042
heinrich zille
7041 16 Figurenstudien
16 Bl. Verschiedene Techniken auf unterschiedlichen Papieren, zusammen in 1 Passepartout montiert.
Bis 20,8 x 14,5 cm.
11 Bl. recto bzw. verso mit Nachlaßstempeln (teils Fragmente, teils verblasst) „Heinrich Zille“ bzw. „Nachlaß Prof. Heinrich Zille“ (Rosenbach 1 und 4, Lugt 2676b).
1.500 €
Mädchen mit großem Hut, pummelige Kleinkinder, freche Straßengören, Flaneure - ein Panoptikum verschiedenster Berliner Gestalten versammelt sich auf Makulaturpapier, Zettelchen oder Fragmenten von Briefumschlägen. Manchmal ausschnitthaft und vielfach ohne weiteren Zusammenhang skizziert Zille die für ihn so typischen Figuren des Berliner Alltagslebens, mit seinem ganz eigenen, freundlichen Blick für das Wesentliche und mit sicherem Strich Verso teils mit Fragmenten weiterer Zeichnungen des Künstlers.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
7042 Drei Gören
Kohlestift und Aquarell auf festem Japan. 1923. 14,5 x 21,3 cm.
Unten rechts mit Kohlestift signiert „H. Zille“ und datiert, im Unterrand gewidmet und dort nochmals signiert. 18.000 €
Wippende Zöpfchen, leuchend bunte Kleider, drei Mädchen miteinander unterwegs: ein Bild unbeschwerter Freundschaft. Farbfrisch erhaltene Variante eines der besonders beliebten Sujets des großen Berliner Chronisten Heinrich Zille. Eine frühe, linear gezeichnete Variante des Motivs entstand bereits 1912 (vgl. Zille‘s Hausschatz, Hrsg. Hans Ostwald unter Mitarbeit von Hans Zille, Berlin 1937, S. 72). Die „Drei Gören“, umarmt spazierende Berliner Mädchen, von hinten gesehen, zeichnete Zille mehrfach, mit nur geringen Abweichungen. Unser sorgfältig und in leuchtender Farbigkeit aquarelliertes Blatt entstand vermutlich als Geschenk.
Provenienz: Privatbesitz Dresden (seit 2002)

käthe kollwitz (1867 Königsberg – 1945 Moritzburg)
7043 Selbstbildnis
Strichätzung, Kaltnadel sowie Vernis mou mit Durchdruck von Bütten und Zieglerschem Umdruckpapier auf Japan. 1912.
14 x 9,9 cm (32,5 x 24,3 cm).
Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 126 VII a (von d).
1.800 €
Eines der intimsten Selbstbildnisse der Künstlerin auf der Höhe ihres reifen Schaffens. Endgültige Fassung, mit der unterhalb des linken Nasenlochs hinzugefügten, aus unregelmäßigen kurzen Strichen bestehenden Horizontallage. Druck vor den Auflagen für Sievers Katalog. Ganz prachtvoller, stellenweise gratiger und wunderbar kontrastreicher Druck in Braun mit klar eingeprägter Plattenkante und Rand, unten mit dem Schöpfrand.
käthe kollwitz
7044 Zwei schwatzende Frauen mit zwei Kindern Lithographie auf festem Velin. 1930.
29,8 x 26 cm (43,4 x 34 cm).
Signiert „Käthe Kollwitz“. Knesebeck 250 c.
2.500 €
Exemplar der endgültigen Fassung, aus der Auflage von ca. 150 unnumerierten Drucken, erschienen als Jahresgabe des Deutschen Kunstvereins, Berlin 1930. Die „Schwatzenden Frauen“ tragen genrehafte Züge, die sich häufiger im Spätwerk der Künstlerin finden. Mit Werken wie diesem knüpfte sie an ihre frühen Arbeiten aus der Münchner Studienzeit und den folgenden Jahren an, in denen Max Liebermann zu ihren großen Vorbildern zählte.
Ganz prachtvoller, kräftiger und toniger Druck mit Rand.

7044

robert hermann sterl
(1867 Großdoberitz – 1932 Naundorf)
7045 Ruderboot am Anleger Öl auf Holz.
23 x 30,3 cm.
Seitlich rechts mit Pinsel in Braun monogrammiert „R. St.“, verso (von fremder Hand?) mit Kreide in Blau bezeichnet „A 193“ und „11“. Nicht bei Zimmermann/Popova.
2.000 €
Ein warmer, brauner Grundton dominiert das stimmungsvolle Gemälde, aufgelockert von hellen Akzenten sowie Nuancen von Rot und Blau. Mit lockerem Duktus trägt Sterl die pastosen Farben auf, lässt dabei aber vielfach die hellbraune Grundierung durchscheinen. „Er hat in der Dresdner Galerie gelernt, daß Kunst von Können kommt und daß nicht der Intellekt, sondern der sinnliche Eindruck den Maler macht.“ (Max Liebermann über Robert Sterl, 1928, zit. nach robert-sterl-haus.de, Zugriff 02.02.2026).
Provenienz: Privatbesitz Berlin
christian rohlfs
(1849 Niendorf/Holstein – 1938 Hagen/Westfalen)
7046 Aufgereihte Herren im Frack empfangen eine junge Dame
Aquarell und Gouache auf Velin. 1908.
18,5 x 18 cm.
Unten rechts mit Kreide in Schwarz monogrammiert „CR“ und datiert „8“.
12.000 €
Eigenwillige, humorvoll aufgefasste Komposition aus Rohlfs‘ experimenteller Schaffensphase. Kräftige Pinselstriche in tiefem Schwarz schildern stilisiert die Figuren, ein Hauch von aquarelliertem Chromoxidgrün, einem der Haupttöne Rohlfs‘, liegt darunter und kontrastiert lebhaft mit den roten Akzenten in den Gesichtern Die klaren, großen Gesten der vereinfachten Gestalten sprechen eine deutliche Sprache, wobei die Antlitze lediglich angedeutet bleiben. In der weiblichen Figur wird die elegante Linie zum Ausdrucksmittel einer fließenden Bewegung und ornamentaler Schwingung, die mit den vegetabilen Formen des Jugendstils zu spielen scheint. Das Flächengefüge der Zeichnung hingegen zeigt sich in seinem Kontrastreichtum von einer expressiven, fast holzschnittartigen Klarheit. Nicht zufällig entstanden ab demselben Jahr Rohlfs‘ allererste Holzschnitte.
Provenienz:
Galerie Rieder, München (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite)
Lempertz, Köln, Auktion 05.06.2004, Lot 971
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

christian rohlfs
7047 Alter Mann

Pinsel in Schwarz über Tempera auf festem, genarbtem Velin. 1918.
37,5 x 26,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „CR“ und datiert.
Nicht bei Vogt.
5.000 €
Nahezu formatfüllend umreißt Rohlfs mit lockerem Pinselstrich die Konturen eines alten Mannes in langem Gewand. Man möchte an einen Mönch oder Propheten denken, eine biblisch-religiöse Figur zumindest, wie sie in Rohlfs Werk mit Beginn des Ersten Weltkrieges öfter vorkommen. Formvereinfacht steht der gebeugte
Mann unter einem Torbogen, der als einziger Hinweis auf den Umraum gilt. Die Stirn in Falten, aber die Augen weit aufgerissen, wirkt die Figur wie abgeschnitten von der Außenwelt. Lebendigkeit bekommt die Arbeit durch das Flächengefüge unter dem Einsatz unterschiedlichster Techniken. Pinsellinien werden mit Tupfen, kurzen Strichen und gemusterten Abdrücken in der Art einer Frottage verknüpft. Der Farbton changiert zwischen dunklem Schwarz und durchscheinenden hellen Partien, wie ein Aufleuchten zwischen Schwermut und Hoffnung im letzten Kriegsjahr, und mit farbigen Akzenten in Blau und Rotbraun. Mit einer Echtheitsbestätigung des Christian Rohlfs Archivs, Osthaus Museum Hagen, vom 22.04.2024. Die Arbeit ist in dem Archiv unter der Nummer CRA 266/24 verzeichnet.
Provenienz: Privatbesitz Niedersachsen

Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen 7048
christian rohlfs
7048 Kopf
Rötel (Reiberdruck von einem Holzstock) auf Velin. 1935.
32,2 x 20,3 cm.
Unten rechts mit Rötel (verblasst) monogrammiert „CR“ und datiert.
1.200 €
Zeichnerisch überarbeiteter Reiberdruck von der linken Hälfte des deutlich früher, 1912, entstandenen Holzschnitts „Drei Köpfe“ (Vogt 45; vgl. Utermann 52), der in seiner Transparenz den Charakter einer Frottage erlangt, konturiert von anmutig geschwungenen Kreidelinien.

karl schmidt-rottluff (1884 Rottluff bei Chemnitz – 1976 Berlin)
7049 Straße in Rottluff Kaltnadel und Stich auf festem Kupferdruckkarton. 1921. 17,3 x 11,2 cm (39,3 x 26,3 cm).
Signiert „S. Rottluff“ sowie mit seiner Werknummer „211 St.“. Schapire R 47.
2.800 €
Auf das Wesentliche reduziert Schmidt-Rottluff die dörfliche Szenerie mit Figur. Rundungen und kantige Formen fügen sich zu einem harmonischen, dicht komponierten Ganzen, die breitgratigen, tiefschwarzen Linien mit dem feinen weißen Mittelstrich zeigen, wie Schmidt-Rottluff hier mit dem Stichel direkt in die Zinkplatte hineingearbeitet hat. Prachtvoller Druck mit schön changierendem Plattenton und ungereinigter Facette, mit breitem Rand.

karl schmidt-rottluff
7050 Am Gebüsch
Pinsel- und Kreidelithographie auf genarbtem SLG-Bütten. 1914.
27,8 x 20,3 cm (50,8 x 33,7 cm).
Signiert „S. Rottluff“ und datiert sowie mit der Werknummer „1418“.
Schapire L 92.
4.000 €
Eine gewisse Monumentalität, die von Schmidt-Rottluffs tiefer Verinnerlichung der Holzschnittkunst herrührt, zeigt sich auch bei der vorliegenden Lithographie in der Einfachheit ihrer Formen, der souveränen Stilisierung und dem Kontrastreichtum. Prachtvoller, feiner, differenzierter Druck mit dem vollen Rand, an drei Seiten mit dem Schöpfrand.
hermann max pechstein (1881 Zwickau – 1955 Berlin)
7051 Abend in Leba („Abend am Lebaausfluss“) Öl auf Leinwand. 1933.
60 x 91 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Blau monogrammiert (ligiert) und datiert „HMP 1933“, verso mit Pinsel in Schwarz eigenhändig bezeichnet „Abend am Lebaausfluss / HMPechstein / Berlin W. 62. / Kurfürstenstr. 126“.
Soika 1933/9.
80.000 €
Im spätsommerlichen Licht der frühen Abendstunden dominiert von verschiedenen Blau- und Grüntönen, lenkt Pechstein den Blick vom Hafen aus über den Fluss Leba in Pommern bis zu dessen Mündung in die Ostsee. Vorbei an aufgebockten Fischkuttern links und entlang kleiner Fischerhütten am rechten Rand des Ufers, dazwischen einzelne Boote, die nach dem Fang leise tuckernd zum Hafen zurückkehren. Vereinzelt kreisen Möwen über der Szenerie, am tiefen Horizont türmen sich voluminöse Wolkenformationen hoch in den Himmel, die den horizontalen Bildaufbau maßgeblich durchbrechen. Die scheinbare Idylle der sonst ausgewogenen Komposition mag trügen, angesichts der historischen Entstehungszeit dieses Gemäldes kurz nach Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933. Wie schon in den Sommermonaten zuvor reiste Pechstein Mitte Mai dieses Jahres mit seiner Familie zu den Schwiegereltern nach Leba in Pommern (heute £eba, Polen), wo diese eine kleine Pension betrieben. Die Familie blieb dort fünf Monate bis Anfang Oktober. Wie für viele Künstler und Literaten markierte das Jahr 1933 auch für Pechstein eine einschneidende Zäsur: Zunehmende Anfein-
dungen und Vorhaltungen prägten das Umfeld, und es boten sich nur wenige Möglichkeiten für den Verkauf seiner Bilder. So waren die Sommermonate in Pommern mit Unterstützung der Schwiegereltern auch eine Notwendigkeit, um Geld für den Lebensunterhalt der Familie zu sparen und an neuen Gemälden zu arbeiten. Ein Eintrag in seinem Werkstattbuch lässt vermuten, dass Pechstein das Gemälde direkt im Oktober von Leba mit nach Berlin brachte, um es zusammen mit zwei weiteren Arbeiten dieses Sommers, ab dem 1. November in der Berliner Künstlerkneipe „Die Insel“ auszustellen. Sein Eintrag vom 1. November 1933 nennt den Titel ‚Abend am Lebaausfluss‘ an erster Stelle.
Über die Jahre wurden der Kutterhafen von Leba und seine Umgebung ein beliebtes und wichtiges Motiv im Œuvre des Künstlers. Die Ostsee blieb für Pechstein ein Zufluchtsort und es existieren ab den 1920er Jahren bis Anfang der 1940er Jahre zahlreiche Darstellungen des Ortes, sowohl in Öl auf Leinwand als auch Aquarelle und Zeichnungen. Das einfache Leben der Küstenbewohner, die Landschaft, das Licht und die unberührte Natur waren für ihn schon früh eine fruchtbare Inspiration für seine Kunst und bildeten ein Gegengewicht zum großstädtischen Leben. Wir danken Julia Pechstein, Hamburg, und Prof. Dr. Aya Soika, Berlin, für wertvolle Hinweise und die Unterstützung bei der Katalogisierung der Arbeit. Ein Gutachten mit Echtheitsbestätigung als Ergänzung zum Werkverzeichniseintrag vom 19.03.2026 liegt vor.
Provenienz:
Atelier des Künstlers (dort erworben 1943)
Seitdem in Erbfolge Privatbesitz Berlin
Große Abbildung siehe Seite 4 bis 5


hermann max pechstein
7052 „Bildnißköpfe I“ (Porträt Dr. Freundlich) Fettkreide in Schwarz und Aquarell auf festem Velin, mit eingeprägtem Papiersignet „TAUEN“. 1918. 50 x 37,8 cm.
Unten rechts mit Zimmermannsbleistift monogrammiert „HMP“ (ligiert) und datiert, verso mit Kreide in Schwarz betitelt und unleserlich bezeichnet.
20.000 €
Das Portrait seines engen Freundes, des berühmten Astrophysikers und Cellisten Prof. Dr. Erwin Finlay Freundlich zeichnete Pechstein nach seiner Versetzung ein Jahr vor Kriegsende zurück nach Berlin, im Zusammenhang einer Reihe psychologisch aufgeladener Portraits, die sein feines Gespür für die Persönlichkeit, den Blick und die Miene des Dargestellten widerspiegeln und zu einem bedeutenden Teil seines Œuvres wurden.
Das Antlitz Freundlichs (1885-1964) diente Pechstein als Vorlage für zahlreiche Portraits sowohl in Öl, wie auch als Zeichnung und Druckgraphik. Unsere Arbeit entstand noch vor dem ersten Gemälde
„Cellospieler: Bildnis Dr. Freundlich“ (Soika 1919/116) von 1919 und steht dem Holzschnitt „Bildnis Dr. Freundlich“ (Krüger H 206) desselben Jahres sehr nahe. Freundlich war Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums am Albert-Einstein-Institut in Potsdam. In Zusammenarbeit mit dem Architekten Erich Mendelsohn (18871953) entwickelte er zwischen 1919 und 1924 ein Sonnenobservatorium für seinen Freund Albert Einstein, den sog. Einsteinturm, der heute als Hauptwerk expressionistischer Architektur gilt. Verso mit einer verworfenen Tuschpinselzeichnung desselben Motivs. Die Arbeit ist der Max Pechstein Urheberrechtsgemeinschaft, Hamburg, bekannt. Wir danken Julia Pechstein, Hamburg, für wertvolle Hinweise vom 13.03.2024.
Provenienz: Nachlass Galerie Otto Stangl, München (rückseitig mit dem blauen Galeriestempel)
Literatur: Carla Schulz-Hoffmann (Hrsg.), Sammlung Otto Stangl. Von Klee bis Poliakoff, Ostfildern-Ruit 1993, S. 231, Nr. 157 (Farbabb.)

hermann max pechstein
7053 Beim Schnaps
Kaltnadel mit Riffelfeile und Pinselätzung auf Kupferdruckpapier. 1920.
20,8 x 23,5 cm (31,5 x 36,3 cm).
Signiert „HMPechstein“ und datiert sowie bezeichnet „35“. Krüger R 117.
1.200 €
Straffe, geometrisierte Formen und klare Kontraste kennzeichnen seit ca. 1919 Pechsteins graphischen Stil und erscheinen auch im vorliegenden Blatt dominant. Mit den Schwüngen der Riffelfeile erzeugt der Künstler in seiner rhythmisch und spannungsreich durchkomponierten Kaltnadelarbeit zudem fein differenzierte Grautöne. Krüger waren nur drei Exemplare bekannt geworden, er erwähnt keine Auflagenhöhe, sondern nur wenige Exemplare für Gurlitt. Ganz prachtvoller, kontrastreicher, in den Schwärzen samtiger Druck mit breitem Rand. Äußerst selten, im internationalen Auktionshandel nur ein weiteres Exemplar nachweisbar.


edvard munch
(1863 Loiten – 1944 Oslo)
7054 Christian Sinding Kreidelithographie auf Velin. 1912.
27,5 x 22 cm (55,5 x 42,3 cm).
Signiert „Edv Munch“. Woll 396, Schiefler 359.
5.000 €
Beinahe maskenhaft schwebt der Kopf mit frontal ausgerichtetem Antlitz in der Leere des Bildraums. Ikonisches Portrait des norwegischen Komponisten, erschienen in einer kleinen Auflage von ca. 20 Exemplaren auf Velin; dem Munch Museum, Oslo, sind insgesamt 45 Exemplare bekannt. Munchs Landsmann Sinding gehört neben Edvard Grieg zu den großen norwegischen Romantikern; bekannt sind heute vor allem noch seine Lieder sowie seine zahlreichen Klaviersonaten. Gedruckt von Anton Peder Nielsen, Kristiania (heute Oslo). Woll kennt einen Druck, der signiert, datiert „1913“ und bezeichnet ist „Kleine Vorzugsauflage“. Ganz prachtvoller, wunderbar kreidiger Druck mit sehr breitem Rand.
emil nolde
(1867 Nolde/Schleswig – 1956 Seebüll)
7055* Großbauern
Radierung und Aquatinta auf festem Van Gelder ZonenVelinkarton. 1918.
22,5 x 30,4 cm (56,6 x 45,2 cm).
Signiert „Emil Nolde.“, im Unterrand von Ada Nolde betitelt und bezeichnet „II.2.“.
Schiefler/Mosel R 193 II (von IV).
3.500 €
Eines von lediglich acht Exemplaren des zweiten Zustandes mit der differenzierten, wolkig-hellen Tonätzung, vor der dunkel-fleckigen und der gleichmäßig dunklen Tonätzung. Daneben führen Schiefler/Mosel nur fünf Exemplare im Zustand I und weitere 22 Abzüge in den letzten beiden Zuständen III und IV auf. Noldes Radierung schildert in ausdrucksvoller Direktheit die Züge der wohlhabenden Bauern der Marschlandschaft in seiner nordfriesischen Heimat, hier in einem fein differenzierten Druck mit wunderbar nuancierten Grautönen und mit sehr breitem Rand, rechts und unten mit dem Schöpfrand.

dorothea maetzel-johannsen (1886 Lehnsahn – 1930 Hamburg)
7056 „Zärtlichkeit“
Kaltnadel in Schwarzbraun auf festem Kupferdruckpapier. 1919.
20 x 15,2 cm (30,3 x 24,9 cm).
Signiert „D. Maetzel-Johannsen“, datiert, betitelt und bezeichnet „Nº 10“. Nicht bei Hans.
800 €
Dorothea Maetzel-Johannsen war zusammen mit ihrem Mann Emil Maetzel Mitbegründerin der Hamburgischen Sezession und entwickelte zwischen 1919 und 1921 eine eigene expressive Bildsprache. Inspiration zog sie dabei unter anderem aus dem Kubismus, der Künstlergemeinschaft Brücke und der afrikanischen Skulptur. Prachtvoller, sanft toniger Druck mit facettierter Plattenkante und mit Rand.
dorothea maetzel-johannsen
7057 „Mutter und Kind“
Kaltnadel in Schwarzbraun auf festem Kupferdruckpapier. 1919.
18,8 x 12,1 cm (30,2 x 24,8 cm).
Signiert „D. Maetzel-Johannsen“, datiert und betitelt. Nicht bei Hans.
900 €
Typische Graphik aus der expressiven Schaffensphase der Künstlerin in einem prachtvollen, leicht verwischten und bewusst tonigen Druck, mit tief eingeprägter Plattenkante und mit Rand.


dorothea maetzel-johannsen
7058 Akt mit Handspiegel Kaltnadel auf Velin. 1920. 21,1 x 15,9 cm (38,8 x 26 cm).
Signiert „D. Maetzel-Johannsen“ und datiert. Hans S. 77.
800 €
Der stark vom Kubismus geprägte Frauenakt in unbestimmter Landschaft in einem kräftigen, gratigen Abzug mit differenziertem Plattenton und tief eingeprägter Plattenkante, verso mit feinem Relief, mit Rand.
dorothea maetzel-johannsen
7059 Frauenakt mit Blumenstrauß Kaltnadel auf festem Kupferdruckpapier. 1921. 27,7 x 17,9 cm (49,8 x 34,8 cm).
Signiert „D. Maetzel-Johannsen“ und datiert. Nicht bei Hans.
900 €
Prachtvoller Druck mit teils kräftigem expressiv-malerischen Plattenton und tief eingeprägter Plattenkante, mit breitem Rand.


erich heckel (1883 Döbeln – 1970 Radolfzell)
7060 „Hockende“
Holzschnitt auf dickem Hadern-Bütten. 1913/14. 41,7 x 31 cm (70,3 x 55,8 cm).
Signiert „Erich Heckel“, datiert und betitelt. Ebner/Gabelmann 578 H A (von B), Dube 263 I (von II B). 12.000 €
In das eigenwillige Trapezformat des Druckstocks setzt Heckel in monumentaler Nahsicht und komplexer Räumlichkeit den weiblichen Halbakt. Kantige Linien, breite Konturen und kräftige Helldunkelkontraste abstrahieren Physiognomie und Körper der weiblichen Figur und gestalten sie zugleich fast skulptural durch. Die Grundform des nach rechts ausgerichteten Trapezes findet sich im Jahr 1913 mehrfach in Erich Heckels Holzschnitten wieder; sie unterstreicht die spannungsreich konstruierte Tiefe des Bildraumes. In dem Blatt, nach der Auflösung der Künstlergemeinschaft Brücke
entstanden, manifestiert die Darstellung Heckels Auseinandersetzung mit der außereuropäischen Kunst aus Afrika und Ozeanien und seine Suche nach anti-artifiziellen, archaisch-ursprünglichen Ausdrucksmitteln. Wie sein Künstlerkollege Ernst Ludwig Kirchner fertigte er auch eigene Holzskulpturen nach afrikanischem Vorbild, so zum Beispiel die Hockende Figur (heute im Folkwang Museum, Essen). Zugleich ist der Holzschnitt „Hockende“ ein Bild der inneren Versenkung, dessen Tiefe und Komplexität der Komposition einhergeht mit einer Erweiterung der inneren Dimensionen des Menschen in Heckels Druckgraphik. Frühdruck mit den für einen Hand-Reiberdruck typischen Abweichungen im Druckbild, hier mit einem ausdrucksvollen Streifen unterhalb der Brust. Es entstanden 50 Drucke für Heckel selbst, zudem die Auflage von 50 Exemplaren, gedruckt für die Mappe „Elf Holzschnitte“ 1912-1919, Erich Heckel“, erschienen bei I.B. Neumann, Berlin 1921. Prachtvoller, wunderbar kräftiger und prägnanter Druck mit reicher Binnenzeichnung und dem vollen Rand, unten und oben mit dem Schöpfrand.
erich heckel

7061 Liegendes Mädchen (Müde)
Lithographie auf Bütten. 1913. 26,8 x 21,2 cm (67,7 x 51,2 cm).
Signiert „Erich Heckel“ und datiert.
Ebner/Gabelmann 603 L a II, Dube L 197.
7.500 €
Eines der wenigen Exemplare des endgültigen Zustandes mit der Signatur Heckels oben rechts im Stein. Das Blatt war vorgesehen für die geplante Chronik der Brücke 1913, die aufgrund von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Künstlergruppe nicht erschien.
Erst kurz zuvor, im Jahr 1911, war Erich Heckel, ebenso wie die anderen „Brücke“-Mitglieder, nach Berlin gezogen, reagierte jedoch melancholisch auf die Eindrücke der Großstadt. Nach gemeinsa-
men Ausstellungen, u. a. beim Ersten Deutschen Herbstsalon 1913 sowie gemeinschaftlichen sommerlichen Ostsee-Aufenthalten, löste sich die Künstlergemeinschaft „Brücke“ im Jahr 1913 auf. In Heckels Motivkreis erscheinen in diesem Jahr häufiger melancholische, sinnende, nachdenkliche oder im Bett liegende Figuren. Die vorliegende Komposition ist in ihrer Kompaktheit und Dichte des gestaffelten Bildraumes von besonderem Reiz. Ganz prachtvoller, tiefdunkler, kontrastreicher und wunderbar kreidiger Druck mit äußerst breitem Schöpfrand. Sehr selten, es sind insgesamt nur elf Exemplare bekannt.
Provenienz: Ehemals Sammlung H. Gerlinger, Würzburg (mit dessen Stempel verso, Lugt 6032)

7062
erich heckel
7062 Reckakt
Kaltnadel auf hellgrauem Velinkarton. 1919. 22 x 24 cm (33,8 x 41,8 cm).
Signiert „Erich Heckel“ und datiert sowie unten links von Siddi Heckel betitelt. Auflage 30 Ex. Ebner/Gabelmann 756 R, Dube R 140.
3.000 €
Die Artisten von Zirkus und Varieté, ihre Akrobatik und die Kostüme, das Publikum und die Atmosphäre sind bevorzugte Themen im Frühwerk aller Brücke-Künstler. Heckel ist wohl der Einzige, der im Laufe seines Lebens immer wieder darauf zurückkommt. In seinem „Reckakt“ erfasst er im Zentrum seiner Darstellung den Artisten im kurzen, heiklen Moment des Wechsels zwischen fester Stange und fliegendem Trapez. Er hält die Trapezstange schon in den Händen und ist dabei, sein Gewicht im Schwung nach vorne zu verlagern. Die Reckstangen und ihre Halteseile legen zusammen mit den locker angedeuteten Streben des Zirkuszeltes ein Geflecht von spannungsreichen Diagonalen über die gesamte Darstellung. Prachtvoller Druck mit herrlich nuanciertem Plattenschmutz, deutlich zeichnender Plattenkante und mit breitem Rand.

ernst ludwig kirchner
(1880 Aschaffenburg – 1938 Frauenkirch bei Davos) 7063 Kohlenhandlung
Lithographie auf dünnem Velin, alt auf Karton kaschiert. 1907.
39,5 x 33 cm (41,8 x 34,3 cm).
Verso auf dem Karton mit Bestätigungsstempel von Walter Kirchner, Bruder des Künstlers, dort von diesem signiert, datiert „30.9.50“ und bezeichnet „Katalog K 80“. Gercken 197, Dube L 43.
1.800 €
Eine der frühesten Lithographien Kirchners aus den Anfangsjahren der Brücke. Meist arbeitete der Künstler damals mit Feder, Pinsel oder Kreide direkt auf den Stein und experimentierte auch mit weiteren Techniken; seine Graphiken druckte er selber, mit der Hand
oder auf seiner eigenen Presse, so dass die Exemplare sich fast immer unikatär voneinander unterschieden. Im Jahr 1907 entwikkelte Kirchner die sogenannte „Terpentinätzung“ als ganz eigene lithographische Technik, die es ihm erlaubte, Blätter mit der Hand, ganz ohne Presse, direkt vom Stein abzuziehen. „So sind Kirchners Lithographien sehr charakteristisch und leicht zu erkennen an den oft hauchzarten Tonflächen, die nur auf diese neue Art der Technik erzielt werden konnten.“ (Gustav Schiefler, Die Graphik Ernst Ludwig Kirchners, Berlin 1931, S. 34). Ganz prachtvoller, mit seinen tiefen Schwärzen und den zartgrauen Partien wunderbar differenzierter Druck, teils mit kleinem Rändchen. Gercken sind außer dem vorliegenden lediglich vier weitere Exemplare des Blattes bekannt. Rarissimum
Provenienz: Galerie Matthias Hans, Hamburg

ernst ludwig kirchner
7064 Gewecke und Erna Kaltnadel auf Velinkarton. 1913.
25,5 x 20,7 cm (39,2 x 34,4 cm). Gercken 603 B, Dube R 169.
1.500 €
Hans Gewecke war einer der beiden Schüler Kirchners an seiner 1911 gegründeten Zeichenschule, dem MUIM-Institut in Berlin, und begleitete den Künstler 1913 zusammen mit Erna Schilling auf seine Reise nach Fehmarn. Die Berliner Tänzerin hatte Kirchner erst im Jahr zuvor, 1912, kennengelernt. Sowohl in Fehmarn als auch in Kirchners Berliner Atelier entstanden mehrere Zeichnungen von Gewecke und Erna. Aus der unsignierten Auflage von maximal 50 Exemplaren, erschienen im Verlag Graphisches Kabinett I. B. Neumann, Berlin 1913. Ganz prachtvoller, tiefdunkler und gratiger Druck mit breitem Rand.
ernst ludwig kirchner
7065 Tanz in der Alp – Bauerntanz mit Handorgler (im Haus „In den Lärchen“)
Lithographie auf gelbem Papier. 1920. 59,5 x 50,5 cm (68,5 x 54,3 cm).
Rückseitig mit dem Basler Nachlaßstempel „L 415 IV“ und mit Kreide in Blau betitelt. Gercken 1134, Dube L 396 (I).
35.000 €
Keine mondäne Berliner Tanzbar, sondern einen ländlichen Bauerntanz auf Holzdielen zeigt uns Kirchner. Es ist aber eine den Großstadtszenen ganz ebenbürtige Lebensenergie, die die Szene erfüllt. Kirchners besonderes Interesse am Tanz nahm auch nach seinem Umzug in die Schweiz nicht im geringsten ab. Die dichtgedrängte Szene spielt, ebenso wie auch seine darauffolgende Lithographie „Alptanz mit zwei Handorglern“ (Gercken 1135), wohl in dem Haus „In den Lärchen“, das der Künstler seit Oktober 1918 in DavosFrauenkirch gemietet hatte. Am 12. Januar 1920 schreibt Kirchner an Helene Spengler, die Frau seines behandelnden Lungenarztes: „In den letzten Tagen haben wir durch das Grammophon viel Be-
such gehabt. Es wurde getanzt. Diese Naturkinder sind berauscht von der Musik, ich werde interessante Sachen zeichnen können.“ (Ernst Ludwig Kirchner, Der gesamte Briefwechsel, Bd. I, Briefe von 1901-1923, hrsg. von Hans Delfs, Zürich 2010, S. 431).
Entgegen den Angaben bei Dube gibt es nach neuerer Erkenntnis nur einen einzigen Druckzustand mit verschiedenen helleren und dunkleren Varianten. Diese gestaltete Kirchner mit Hilfe der von ihm selbst 1907 in vielen Experimenten erfundenen Technik der Terpentinätzung, alle in leicht unterschiedlichen Bearbeitungsstufen, und zog die Blätter selber einzeln vom Stein ab. Jedes Exemplar dieser minimalen Auflage behandelte er demnach wie ein Unikat.
Das vorliegende Exemplar entstand auf Kirchners bevorzugtem zitronengelben Papier. Es zeigt sich mit seinen zum Teil hauchzarten, halbtransparenten Grauflächen und der reichen Skala an Schwarztönen nahe dem von Dube angenommenen ersten Zustand, in dem der Berg und die Türöffnung hinter dem Kopf des Musikers hell sind. Prachtvoller, kräftiger Druck mit herrlich differenzierter Tonalität, der gelbe Papierton einheitlich frisch. Sehr selten, Gercken führt lediglich sieben bekannte Abzüge auf


max beckmann (1884 Leipzig – 1950 New York)
7066* „Der Hunger“ Lithographie auf Similijapan. 1919. 63 x 49,4 cm (71 x 55,2 cm).
Signiert „Beckmann“ und betitelt. Auflage 75 num. Ex. Hofmaier 143 B. 10.000 €
Blatt 5 der Folge „Die Hölle / Großes Spektakel / in 10 Blättern“, erschienen 1919 bei I.B. Neumann, Berlin. Not, Kargheit und Armut zeigen sich als ein in der Kälte sich sammelndes Schweigen unter fahl verdämmerndem Licht. Dargestellt ist das Bild einer Familie am spärlich gedeckten Tisch, der Sohn glotzt mit leeren Augen, Mutter und Vater haben den Blick gesenkt, eine Hausangestellte hat ihre Hände zum Gebet gefaltet. Es ist die wahrscheinlich bewegendste Darstellung von Not und Existenzangst der ambitionierten graphischen Folge „Die Hölle“, in der Max Beckmann das Kaleidoskop eines gesellschaftlichen Untergangs entfaltete. Die Szenen von Betroffenheit, Morden, Armut und Not wechseln zwischen Straßen und Räumen der Großstadt, meist zur Nachtzeit. Scharfkantig ist alles angeschnitten, trifft spitz aufeinander, jeden Moment bereit zur Explosion. Bedrängende Enge lädt die Spannungen auf. Beckmanns Protest war kein politischer, sondern entsprang der Fähigkeit mitzuleiden. Brillanter, großformatiger Druck mit Rand.
max beckmann
7067* Landschaft mit Ballon Kaltnadel auf kräftigem Bütten. 1918. 23,3 x 29,5 cm (29,7 x 36,8 cm).
Signiert „Beckmann“. Auflage 60 Ex. Hofmaier 134 II A b (von B b).
6.000 €
Exemplar des endgültigen Zustandes nach Verstählung der Platte, hier eines der bei Hofmaier erwähnten Blätter. Eines von 60 Exemplaren auf kräftigem Bütten, neben 40 Drucken auf Japan (diese vor Verstählung der Platte). Entstanden nach dem Gemälde „Landschaft mit Luftballon“ von 1917 (Göpel 195), das in der Radierung seitenverkehrt und mit einigen Abweichungen wiedergegeben ist. Abgebildet ist vermutlich die Darmstadtstraße im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen, dem Viertel, in dem Beckmann lebte. Erschienen als Blatt 14 der Folge „Gesichter“, im Verlag der Marées-Gesellschaft, R. Piper & Co., München 1919, mit deren Blindstempel unten rechts. Ausgezeichneter, kräftiger Druck mit dem vollen Rand, rechts und oben mit dem Schöpfrand.
Provenienz: Ehemals Nachlass Günther Franke (1900-1976), München

max beckmann
7068 Stadtnacht
7 Bl. Lithographien auf hauchdünnem Japan. Einzeln in Orig.-Passepartouts montiert, lose in Orig.-Halbleinenmappe mit Titelvignette. 1920.
36,5 x 27 cm (Mappengröße).
Sämtlich signiert „Beckmann“. Auflage 100 num. Ex. Hofmaier 164-170.
7.000 €
Die komplette Folge aller sieben Lithographien (inklusive Titelblatt) der Deluxe-Ausgabe auf Japan, neben der gebundenen Buchauflage zu „Stadtnacht“ mit zwanzig Gedichten von Lili Braunbehrens. Die Mappe mit den signierten Sonderabzügen wurde den 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe des Buches beigegeben. Gedruckt von Dr. C. Wolf Sohn, München und erschienen im Verlag R. Piper & Co., München 1921. Max Beckmann und Lili von Braunbehrens lernten sich 1915 über das befreundete Ehepaar Battenberg in Frankfurt kennen und ihre Gedichte reizten den Künstler von Anfang an. So war es seine Idee, die bildstarken Verse zu „Stadtnacht“, die sie nach einem nächtlichen Ausflug mit ihrem Vater durch die verruchte Frankfurter Innenstadt verfasste, zu illustrieren. Beiden lag daran, die sozialen Gegensätze der Großstadt sichtbar zu machen: zum einen die dekadenten Ausschweifungen des neureichen Bürgertums (vgl. Trinklied; Stadtnacht), zum anderen die Kehrseite der Gesellschaft mit tiefer Not und Einsamkeit (vgl. Verbitterung; Die Kranke). Diese Kontraste zeigen sich, wie typisch für Beckmann, auch in der Vielfigurigkeit der dekadenten Szenen, während die Not und Hoffnungslosigkeit der Menschen in seinen isoliert betrachteten Protagonisten zum Ausdruck kommt (vgl. Verena Faber, Jede Woche ein Ei, Mentorship für die Dichterin Lili von Braunbehrens, in: Max Beckmann. Gute Freunde, Freiburg 2019, S. 89 ff.). In dieser kompletten Form selten




max beckmann
7069* Nackttanz
Lithographie auf Velin. 1922. 47,2 x 37 cm (62,8 x 49 cm).
Signiert „Beckmann“. Auflage 100 num. Ex. Hofmaier 216 B.
12.000 €
Erschienen als Blatt 4 der „Berliner Reise“ 1922, einer Folge von zehn Lithographien, verlegt bei I. B. Neumann, Berlin, Druck C. Naumann, Berlin. In „Nackttanz“ zeichnet Beckmann die Figuren der expressiv bewegten Nackttänzerinnen auf der Bühne in derselben skurrilausdrucksvollen, verdrehten Beinhaltung wie bei der zentralen Figur im direkt darauf folgenden Blatt 5 der Mappe „Berliner Reise“, „Der Schlittschuhläufer“ (Hofmaier 217). Innerhalb des Zyklus sind diese beiden Lithographien von Beckmann als zusammengehöriges Paar gesetzt, bei dem er mit den Kontrasten männlich/weiblich und bekleidet/nackt spielt. Prachtvoller, kräftiger Druck mit sehr breitem Rand.


max beckmann
7070* Frauenbad Kaltnadel auf Velin. 1922. 44 x 29 cm (52,5 x 38 cm).
Signiert „Beckmann“. Auflage 100 Ex. Hofmaier 234 II B c (von d).
7.500 €
Aus der Auflage von 100 Exemplaren wurden 40 von Günther Franke auf x/40 numeriert, daneben erschienen weitere 50 Drucke auf Japan, zudem sind insgesamt elf Probedrucke im ersten und 7070
zweiten Zustand bekannt. Erschienen im Verlag R. Piper & Co., München 1922. Die Radierung ist eine Variation des gleichnamigen Gemäldes von 1919 (Göpel 202, Nationalgalerie, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin), welches dasselbe Thema behandelt, wobei sich Graphik und Gemälde jedoch in der Komposition unterscheiden. Die Radierung verzichtet auf die beklemmende Raumsituation und verwandelt das Geschehen in eine eher groteskwidersprüchliche Szenerie, die an Beckmanns frühere Varieté- und Kabarettdarstellungen erinnert. Prachtvoller, kontrastreicher und kräftiger Druck mit dem vollen Rand, an drei Seiten mit dem Schöpfrand.
max beckmann
7071 Selbstbildnis

Lithographie auf Velin. 1946. 31,5 x 26,3 cm (40 x 30 cm).
Signiert „Beckmann“ sowie bezeichnet „I.“. Auflage 10 Ex. Hofmaier 357 B a (von B b).
6.000 €
Blatt I aus der Mappe „Tag und Traum“, erschienen in einer Gesamtauflage von ca. 110 Exemplaren bei Curt Valentin, New York; hier
eines von 10 unnumerierten Exemplaren für den Künstler, neben ca. 10 weiteren unnumerierten Drucken. 1946 stellte Max Beckmann im Auftrag von Curt Valentin dieses Mappenwerk speziell für den amerikanischen Markt zusammen. Ab 1937 im holländischen Exil lebend, bekam er von dem in New York ansässigen Verleger und Kunsthändler, den er noch aus Berliner Tagen kannte, das Angebot, eine Graphikmappe zu schaffen. So komponiert er als letzte große Rückschau auf sein Schaffen diese Folge seiner wichtigsten Themen, darunter als Eröffnungsblatt das vorliegende Selbstbildnis. Prachtvoller Druck mit kleinem Rand.
george grosz (1892–1959, Berlin)
7072* Zu vorgerückter Stunde Feder in Schwarz auf festem Velin. 1924. 49,5 x 36,8 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „GROSZ“, verso mit dem Nachlaßstempel, darin mit Feder in Schwarz numeriert „3-75-5“.
18.000 €
Gierig greifen die Männer nach der entblößten Frau. Sie aber wirft, anstatt die Hände der Alten abzuwehren, exaltiert ihren Arm in die Luft. Mit lebendig und kraftvoll geführter Rohrfeder, in seinem typischen Zeichenstil mit vereinfachten Formen und scharf gezogenen Konturen erfasst Grosz die erotisch aufgeladene Szene und setzt durch den verschachtelten Bildaufbau die Figuren eng zueinander in Beziehung. Die Neue Sachlichkeit prägt Grosz‘ Stil im Jahr 1924, und insbesondere die Schonungslosigkeit des veristischen Flügels dieser Kunstströmung findet ihren Widerhall in der vorliegenden Zeichnung.
Eine schriftliche Bestätigung der Echtheit von Ralph Jentsch, Berlin, vom 29.06.2025 liegt vor. Die Arbeit wird von ihm in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier aufgenommen.
Provenienz:
Nachlass des Künstlers Privatsammlung
William Louis-Dreyfus, Mount Kisco, New York (erworben 1993) Ehemals Privatbesitz (2016 vom oben genannten als Geschenk erhalten)
Ausstellung:
George Grosz, Marlborough Fine Art Ltd., London 1968, Nr. 33 (mit Abb.)
George Grosz in Germany: Works on Paper, 1913-1925, New York Studio School, New York 2013/14, Tafel 7 (Farbabb., dort betitelt „Untitled“)
Literatur:
Robert Cicetti, The Shock and Awe of George Grosz, in: Hyperallergic (online), 12.12.2013, mit Abb. (Detail)

george grosz
7073 Der Kapitalist (Illustration zu Brechts ‚Die drei Soldaten‘)
Rohrfeder und Bleistift auf dünnem Velin. Ca. 1930-32. Ca. 60 x 45,5 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „GROSZ“ und gewidmet.
12.000 €
Ein korpulenter Kapitalist überragt beinahe gottgleich das Geschehen, während er sich am Leid der Armen ergötzt. Mit beißendem Zynismus schildert Grosz in dieser imposanten Zeichnung einen Industriellen, zu dessen Füßen unten links vier ärmliche Personen um Almosen bitten. Die Zeichnung ist die Variante einer Illustration, die George Grosz für das antimilitaristische Kinderbuch „Die drei Soldaten“ von Bertolt Brecht schuf, das 1932 im Kiepenheuer-Verlag erschien. Grosz, der zu dieser Zeit selbst junger Familienvater war, steuerte insgesamt 25 Illustrationen zu Brechts Gedichten bei, in denen er dem Text folgend und in gewohnt pointierter Weise die soziale Ungleichheit anprangert. Der hier formulierte Typus des
reichen, machtbewussten Kapitalisten taucht in Grosz‘ Œuvre auch in einer weiteren Variante auf. Unter dem Titel „Der unvermeidliche Kreislauf der Krise“ erschien im Sammelwerk Interregnum (Dückers SII, 53) eine Darstellung, in welcher der rauchende Industrielle entrückt auf einer Wolke steht, während links im Bild – wohl ein Familienvater – als Anhänger der Roten Armee gewaltsam vor die Tür gesetzt wird. In der im Buch veröffentlichten Variante wiederum zeigt Grosz dieselbe Figur mit einem Hakenkreuz am Revers ; zu seinen Füßen zieht ein Demonstrationszug hindurch, dessen Teilnehmer Plakate mit dem Aufruf „Deutschland Erwache!“ in die Höhe halten.
Eine schriftliche Bestätigung der Echtheit von Ralph Jentsch, Berlin, vom 27.05.2019 liegt in Kopie vor. Die Arbeit wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier aufgenommen.
Provenienz:
Privatbesitz Berlin (1958, Geschenk des Künstlers siehe Widmung) Privatbesitz Süddeutschland (durch Erbschaft vom Vorgänger)


george grosz
7074 „HAREM“
Feder in Braun auf dünnem, leicht transparenten Velin. Um 1914.
19,6 x 23,2 cm.
Unten rechts mit Stempelsignatur „GROSZ“, unten links mit Feder in Braun betitelt und verso mit Feder in Schwarz von fremder Hand wohl mit der Nachlassnummer „3 35 10“.
3.000 €
Nach einem Jahr Zeichenunterricht an der Königlich Sächsischen Kunstgewerbeschule in Dresden zog es George Grosz mit neunzehn Jahren nach Berlin, wo ihn das vibrierende Leben der Metropole rasch in den Bann zog. Mit spitzer Feder hielt Grosz alles fest, was das urbane Leben für ihn als Beobachter zu bieten hatte: Theater- und Varietébesuche, Zirkusveranstaltungen und die erotische Halbwelt. Huren, Bordelle und Lustbarkeiten faszinierten
den jungen Künstler. Für erotische Zeichnungen dieser frühen Jahre wählte Grosz oft die feine Feder, deren Striche und Schraffuren sich wie ein Netz auf dem Papier ausbreiten. Der kompositorische Aufbau der vorliegenden Arbeit erinnert an Edouard Manets „Olympia“, doch Grosz überzeichnet seine Figuren in seiner typischen Manier: Nicht schön, sondern mit herben, verbraucht wirkenden, nahezu grotesken Gesichtszügen räkelt sich eine halbentkleidete, shisharauchende Frau lasziv auf einem Divan. Die verschattete Figur im Hintergrund bleibt nur vage angedeutet, während Grosz den Raum mit einer Umrandung abschließt und dem Interieur mit diversen Requisiten einen typisch orientalischen Charakter verleiht.
Provenienz:
Kunsthandel Wolfgang Werner, Bremen (verso auf Passepartout mit dessen Klebeetikett)
Privatbesitz Berlin
otto dix
(1891 Untermhaus bei Gera – 1969 Singen)
7075 Die Irrsinnige von St. Marie-à-Py Radierung und Kaltnadel auf BSB-Bütten. 1924. 28,9 x 19,7 cm (48 x 35,8 cm). Signiert „DIX“ und bezeichnet „IV 5“. Karsch 104/II a (von b).
2.000 €
Blatt 9 aus der Mappe IV „Der Krieg“, in einer Gesamtauflage von 70 Exemplaren erschienen bei Karl Nierendorf, Berlin 1924, erschienen und gedruckt bei Otto Felsing. Unser Blatt außerhalb der Auflage ohne die Numerierung unten mittig und links. Das 50 Blätter umfassende letzte Radierwerk von Otto Dix ist unzweifelhaft der graphische Höhepunkt im vielfältigen Œuvre des Künstlers und entstand erst mit zeitlichem Abstand von sechs Jahren zum Kriegsgeschehen im Ersten Weltkrieg. In der hier vorliegenden Darstellung rückt weniger die unmittelbare Kriegshandlung in den Fokus, als vielmehr eine der vielen Folgen des Krieges, die Dix schonungslos wiedergibt. Kräftiger Druck mit dem vollen Rand, als Einzelblatt selten vorkommend.

otto dix
7076 Gefunden beim Grabendurchstich (Auberive) Radierung mit Aquatinta auf Bütten. 1924. 19,5 x 29 cm (32 x 36,8 cm).
Signiert „Dix“ und bezeichnet „IX“. Auflage 70 num. Ex. Karsch 98 a (von b).
2.500 €
Dix, der selber als Artillerieschütze in den Gräben an der Somme und an der Ostfront gelegen hatte, konzentriert sich auf die Folgen der Schlacht: tote, sterbende und verwundete Soldaten, ausgebombte Landschaften und Gräber. Die Radierungen „breiten wie in 50 Momentaufnahmen die ganze Hölle des Ersten Weltkrieges aus, weniger die Kämpfe sondern mehr das Elend der Soldaten, (...) das hinter der Maske jener Dynamik liegende wahre Gesicht: die Folgen für die Menschen, das Verrecken, den Tod, das Verfaulen, die Gerippe.“ (Dietrich Schubert, Otto Dix, Die Radierungen ‚Der Krieg‘ von 1924, in: Kunsthistorische Arbeitsblätter 2002, Heft 9, S. 40). Blatt 9 aus der Mappe III „Der Krieg“, erschienen bei Karl Nierendorf, Berlin 1924, gedruckt bei Otto Felsing. Die Sammlung bestand aus 50 Graphiken, verteilt auf fünf Mappen mit je zehn Blättern. Prachtvoller, differenzierter Druck mit breitem Rand.

7076

oskar kokoschka (1886 Pöchlarn – 1980 Montreux)
7077 Max Reinhardt (Kopf)
Lithographie auf Japan. 1919.
38,6 x 30,3 cm (60 x 42 cm).
Signiert „OKokoschka“ sowie (von fremder Hand?) betitelt, bezeichnet „I. Probe“ und „Litho.“.
Wingler-Welz 135.
1.200 €
Probedruck , bereits mit dem Monogramm unten rechts, doch im Papierformat größer als bei Wingler-Welz notiert. Vor der Auflage von 125 numerierten Exemplaren, erschienen bei Paul Cassirer, Berlin, Druck Pan-Presse, Berlin. Ganz prachtvoller, wunderbar kreidiger Druck mit dem wohl vollen Rand, rechts mit dem Schöpfrand.
walter gramatté (1897–1929, Berlin)
7078 Selbstbildnis
Lithographie auf Bütten. 1919/20.
49,6 x 30,4 cm (51,2 x 40 cm).
Signiert „Walter Gramatté“ und datiert. Eckhardt 73.
900 €
Direkt über dem Kopf des Künstlers strahlt die Sonne und erfüllt das Selbstbildnis mit kristalliner Transparenz. „Es ist immer wieder, Zeit seines Lebens, das eigene Ich, das er darstellt. Daher die vielen Selbstporträts. Sie zeigen, weit über das Formale und Technische hinaus, die außerordentliche Entwicklung seines Inneren, die Entwicklung einer Seele, die vom Chaos zum Kosmos, die vom zerrissenen zum geläuterten Selbst führt (...)“ (Hermann Kasack, zit. nach: Walter Gramatté, Ausst.-Kat. Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf 2005, S. 20). Ganz prachtvoller Druck mit kleinem Rand. Äußerst selten

renée sintenis
(1888 Glatz – 1965 Berlin)
7079 Jagendes Shetlandpony
Bronze mit goldbrauner Patina und Bronzeplinthe, montiert auf Marmorsockel. 1937.
9,4 x 13,7 x 3 cm.
Am linken Hinterlauf hinten monogrammiert „RS“, auf der Plinthe seitlich links mit dem Gießerstempel „H.NOACK BERLIN“.
Berger/Ladwig/Wenzel-Lent 159.
7.000 €

Diese Darstellung eines galoppierenden Ponys ist eine von Sintenis’ charakteristischen kleinformatigen Tierplastiken. Dafür wählt sie meist Jungtiere, deren verspielte, dynamische Bewegungen sie meisterhaft einfängt. Die Arbeiten zeichnen sich zudem durch eine nahezu impressionistische Oberflächenstruktur aus. Neben den vielen Fohlenplastiken, die ihr als Pferdeliebhaberin besonders am Herzen lagen, zählt der Berliner Bär zu ihren bekanntesten Werken. Prachtvoller Guss mit schönem Relief und fein changierender Patina. Gesamthöhe mit Sockel: 11 cm.
Provenienz:
Quentin, Berlin, Auktion 21.10.2023, Los 2017 Privatsammlung Berlin

curt echtermeyer (1896 Valparaiso – 1971 San Vincente de Calders/Spanien)
7080 Tanzender Tod Öl und Bleistift auf Holz. 61,3 x 41,1 cm.
4.000 €
Eine innere Vision lässt uns tief in die Nachtgesichte des Künstlers blicken, in das Reich seiner Kreativität und damit auch in den Ursprung seines Schaffensprozesses. Die Malweise ist pastos, mit feinem Pinsel sorgfältig ausgeführt und leicht stilisiert, zu den Rändern hin stellenweise auslassend, so dass die Konstruktionslinien sichtbar bleiben und dort eine Transparenz entsteht. „(...) der Maler Curt Echtermeyer malt Bilder, die ihn als einen der wenigen legitimen Surrealisten Berlins ausweisen (...) Das Zwischenreich bricht auf, Nachtgespenster, Spuk und Schimären geistern in die Bildfläche herein und manchmal ist es, als stocke dem Maler der Pinsel vor den Visionen, die ihn bedrängen. Laut seinem Geburtsschein ist der Maler ein Enkel des seinerzeit bekannten Bildhauers Carl Echtermeyer, in seinen surrealistischen Phantasien ist er jedoch ein Enkel Munchs und James Ensors.“ (Hellmut Kotschenreuther, in: Der Kurier, 08.12.1955, S. 3). Der Umfang von Curt Echtermeyers surrealem Frühwerk ist klein. Erst 2014 wurden die noch vorhandenen Arbeiten aus den 1920er Jahren mit einer Ausstellung in der Galerie Bassenge gewürdigt. Es war die erste Einzelausstellung mit Werken dieses Künstlers seit dem Zweiten Weltkrieg.
Provenienz:
Nachlass Curt Echtermeyer Privatbesitz Berlin
Ausstellung:
Curt Echtermeyer, Ölbilder und Pastelle, Galerie Bassenge/Archiv Klaus Spermann, Berlin 2014 (Nr. 24, Abb. S. 29)
johannes meltzer-karlsfeld (1. Hälfte 20. Jahrhundert, tätig im Raum München)
7081 Grotesken & Symbole
12 Bl. Radierung mit Aquatinta auf chine-collé auf festem Kupferdruckpapier. Lose in Orig.-Kartonmappe mit Titelvignette. Um 1914. 40,2 x 29,8 (Blattgröße).
Je signiert „Meltzer-Karlsfeld“ und betitelt.
900 €
Die vollständige Mappe ohne den auf der Titelvignette erwähnten Text, gedruckt bei Heinrich Wetteroth, München, die Radierungen mit dessen Blindstempel links. Mit großartigem handwerklichen Können und phantastischer Kreativität schafft Meltzer-Karlsfeld zwölf gesellschaftskritische Graphiken. Die satirischen Darstellungen mit Titeln wie „Eitelkeit“, „Dauerredner“, „Speichellecker“, „Streber“ u.a. zeigen vor allem vermenschlichte Tiere in Form von phantastisch-realistischen Fabelwesen. Stilistisch erinnert vieles an die grotesken Graphiken von Paul Klee, der zu dieser Zeit in München wirkte, vor allem aber auch an das Münchner Frühwerk Alfred Kubins, dessen mit Lavierung und Spritztechnik sorgsam ausgeführten Tuschfederzeichnungen Meltzer-Karlsfeld gekannt haben müsste. Über den Künstler selbst ist leider wenig bekannt. Lediglich ein weiteres Exemplar der Mappe befindet sich im Mead Art Museum, Amherst in Massachusetts aus einer Schenkung der französisch-amerikanischen Biochemikerin Claude Klee. Brillante, wunderbar atmosphärische, teils kräftige Abzüge mit facettierter Plattenkante über dem chine-collé. Rarissimum.


paul klee
(1879 Münchenbuchsee bei Bern – 1940 Muralto bei Locarno)
7082* Blick auf einen Fluss
Lithographie auf festem Similijapan. 1912. 19,8 x 28,5 cm (40 x 45 cm).
Signiert „Klee“. Auflage 200 Ex. Kornfeld 42 B b.
3.000 €
Erschienen als eine von 15 Steinzeichnungen in der SEMA-Mappe, Delphin-Verlag, München 1912, mit deren Stempel unten links sowie mit der Signatur, der Datierung und dem Titel im Stein. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.

7083, Originalgröße
paul klee
7083 Die erhabene Seite. Postkarte zur BauhausAusstellung Weimar 1923 Farblithographie auf Postkartenkarton. 14,4 x 7,4 cm (15,2 x 10,5 cm).
Verso mit dem Postkartenaufdruck. Kornfeld 88 III b. 8.000 €
Von drei Farbsteinen in Blau, Rot und Gelb gedrucktes Motiv Klees, oben im Stein bezeichnet „Weimar Bauhaus Ausstellung 1923“, unten mit dem Schriftzug „Staatliches Bauhaus Weimar Ausstellung“. Bauhaus-Karte Nr. 4, das erste von zwei Motiven von Paul
Klee (Karte Nr. 5 wurde ebenfalls von ihm gestaltet) für die Folge von insgesamt 20 realisierten Werbepostkarten, entstanden anlässlich der Ausstellung verschiedener Bauhauskünstler wie Bayer, Feininger, Kandinsky, Marcks, Moholy-Nagy, Schlemmer u a. In der Ausstellung unter dem Motto „Kunst und Technik. Eine neue Einheit“ wurden erstmals die Arbeiten der 1919 gegründeten Hochschule gezeigt. Paul Klee unterrichtete dort, von Gropius an das Bauhaus berufen, seit 1920 seine Formlehre in verschiedenen Werkstätten. Die als Werbematerial verbreitete Postkartenserie wurde bei Reineck & Klein in Weimar gedruckt. Prachtvoller Druck, unbeschrieben und ungelaufen.
walter dexel (1890 München – 1973 Braunschweig)
7084 „Wasserfall I“
Öl auf Karton. 1913. 39,5 x 29,7 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „W DEXEL“ und datiert, verso mit Bleistift nochmals signiert, datiert und betitelt.
Wöbkemeier 24. 18.000 €
Kristalline Strukturen beherrschen die schroffe Landschaftsformation, changieren zwischen Raum und Fläche und lassen den flächenhaft stilisierten, von vertikalen Linien strukturierten Wasserfall wie eine kulissenartige, schimmernd-erstarrte Abstraktion erscheinen. Dexel spielt mit einer Palette von Blau- und Gelbtönen, deren pastose Massen er in streng vertikaler und horizontaler Richtung aufträgt. So verwandelt er das Naturbild in ein künstliches „(...) so als ob hinter ihm bzw. vor ihm eine andere Geschichte spielt und es als Zeichen oder Statthalter für ein anderes Thema funktioniert.“ (Wöbkemeier S. 28). In einer mystischen Klarheit strahlt die expressive Komposition, charakteristisch für Dexels frühe Schaffensphase, in der er sich mit Cézanne, dem Kubismus und den Expressionisten auseinandersetzte, bevor er sich dem Konstruktivismus zuwandte.
Provenienz:
Beurret & Bailly Auktionen / Galerie Widmer, Basel, Auktion 23.09.2020, Lot 39
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Ausstellung:
Walter Dexel, Kestner-Gesellschaft, Hannover 1974, Kat.-Nr. 9 (mit deren Klebeetikett verso)
Literatur:
Ernst-Gerhard Güse, Bemerkung zum Werk Walter Dexels, in: Walter Dexel. Bilder, Aquarelle, Collagen, Leuchtreklame, Typografie, Westfälisches Landesmuseum, Münster/Ulmer Museum, 1979, S. 9 (Abb. S. 10, dort nur als Foto dokumentiert)


johan thorn prikker
7086 Geometrische Komposition (Glasfenster)
Bleiglasfenster. Farbiges Mosaik mit Bleiruten im Orig.Holzrahmen. Um 1928. 92 x 64 cm (mit Rahmen).
2.000 €
Geometrisch-abstrakte Fensterkomposition, symmetrisch angelegt und überzeugend mit einer ausgewogenen Harmonie von dunklen und hellen Elementen, von warmen und kühlen Farbwerten, von kleinen und großen Glaselementen. Das hier verwendete durchgefärbte Glas besitzt bei Lichteinfall eine besonders farbintensive Leuchtkraft. Der Künstler wurde 1926 auf Einladung Richard Riemerschmidts Leiter der Abteilung Mosaik, Glasmalerei und Wandschmuck an der Kölner Werkschule. Bald darauf, um 1928, entwarf er als Auftragsarbeit für die Romanische Basilika St. Georg in Köln einen Zyklus von insgesamt 40 Bleiglasfenstern. Seine „Fenster zeugen von einem tiefen Verständnis sowohl für die mittelalterliche Lichtmystik als auch für die moderne christozentrische Liturgie seiner Zeit und dies lässt sich besonders in der prächtigen Farbgebung sowie der reduzierten Symbol- und abstraktfigürlichen Bildsprache nachvollziehen.“ (rheinische-geschichte. lvr.de, Zugriff 18.03.2026).
Provenienz: Sammlung Derix, Kevelaer
johan thorn prikker (1868–1932, Köln)
7085 Abstrakte Komposition (Heilige Drei Könige, Neuss)
Bleiglasfenster. Farbiges Mosaik mit Bleiruten in Holzrahmen. Um 1912.
72 x 52 cm.
2.400 €
Feinteilig und mit zart abgestimmter Farbigkeit strukturieren abstrahierte Elemente den Fensterentwurf für die Dreikönigskirche der gleichnamigen römisch-katholischen Pfarrgemeinde in Neuss. Der niederländische Künstler Johan Thorn Prikker wurde im Jahr 1911 damit beauftragt, alle sechs Chorfenster sowie die vier Fenster des Querschiffs der dreischiffigen Basilika zu gestalten. Bereits im ersten Halbjahr 1912 stellte er seine Auftragsarbeit fertig, der Einbau wurde jedoch vom Kölner Generalvikariat vorerst untersagt. Eine überwältigende Zustimmung der Kunstwelt erfuhren die Fensterentwürfe trotzdem, da sie 1913 auf der Kölner Ausstellung des Deutschen Werkbundes gezeigt wurden. Erst 1919 wurde der Einbau von der erzbischöflichen Behörde doch genehmigt. In den Jahren 1928-1929 folgten von Prikker neu geschaffene Fenster für das Langhaus, die 1945 durch eine Luftmine zerstört wurden. Die älteren Kirchenfenster waren 1940 vorsorglich ausgebaut worden.
Provenienz: Sammlung Derix, Kevelaer

johan thorn prikker
7087 Abstrakte Komposition (Glasfenster) Bleiglasfenster. Farbiges Mosaik mit Bleiruten. Um 1928. 106 x 41,4 cm.
2.400 €
In hellem Blau und Grün schimmern die farbigen Glasfelder aus der dunkeltonigen abstrakten Komposition hervor. Die Bleiruten besitzen darin eine sowohl tragende als auch zugleich strukturierende Funktion. Das Spannungsverhältnis zwischen dem fragilen, transparenten Material Glas, den schimmernden metallischen Elementen und dem ständig wechselnden, die Farben zum Leben erweckenden Licht ist charakteristisch für die Glasmalereien und Mosaike des niederländischen Künstlers Johan Thorn Prikker. Während er in seinem Frühwerk mit expressionistischen und neoimpressionistischen Techniken experimentierte, nähert er sich schließlich künstlerisch dem späten Jugendstil an. So fand er zu seinem ganz eigenen Stil, der sich von den anfänglich intensiv genutzten figurativen Elementen zu einer streng geometrischen Formsprache hin entwickelte. Im Zentrum seiner Kunst stehen der Mensch und eine tiefe Religiosität. 1926 ließ sich Thorn Prikker, nach sechs Jahren Lehre für Glasmalerei an der Königlichen Kunstgewerbeschule in München und an der Kunstakademie Düsseldorf, in Köln als Professor nieder. In dieser Zeit fertigte er die vorliegende Arbeit an.
Provenienz: Sammlung Derix, Kevelaer


hans haffenrichter (1897 Würzburg – 1981 Prien)
7088 Cherubinischer Wandersmann
16 Zeichnungen. Kreide in Schwarz, teils mit Kreide in Weiß oder über Farbstift in Blau, auf Velin bzw. unterschiedlichen Papieren. 1924. Bis 37,8 x 25 cm (Blattgröße).
10 Bl. mit Bleistift signiert „Hans Haffenrichter“ und in der Darstellung mit Kreide in Schwarz monogrammiert „h“, 3 Bl. monogrammiert und 1 Bl. signiert, teils betitelt oder mit Angaben zum Buch bezeichnet, unten rechts teils unterschiedlich numeriert.
3.800 €
Allesamt graphische Interpretationen zum Buch „Cherubinischer Wandersmann“ von Angelus Silesius (d.i. Johannes Scheffler), erschienen im Falken-Verlag Dresden/Leipzig 1924, mit einem Nachwort vom Verleger Dr. Walter Ehrenstein. Drei Zeichnungen weichen von den Darstellungen im Buch etwas ab und scheinen Versionen der später verwendeten Vorlagen zu sein: Abgeschiedenheit, Erlösung und Passion. Die restlichen Zeichnungen sind jeweils identisch mit den Abbildungen im Buch. Da auch einige Kapitel im Buch ohne Illustration sind, gab es offensichtlich über die 16 Zeichnungen hinaus auch noch weitere Interpretationsentwürfe. Das Gedichtwerk von 1657 mit dem Untertitel „Geistreiche Sinn- und Schlussreime“ besteht aus christlich-pathosreichen Hymnen in neunundvierzig kurzen Gedichten, die als Liebeslieder
zu Gott formuliert sind und den mystischen Weg zu ihm beschreiben. Die graphische Interpretation von Haffenrichter, werden vom Verleger im Nachwort mit den folgenden Worten kommentiert: In der Ausgabe mit Bildern „hat Hans Haffenrichter (von der expressionistischen Gruppe „Der Sturm“) den Versuch unternommen, die Gedanken des „Cherubinischen Wandersmann“ in graphischer Darstellung dem Auge sichtbar werden zu lassen. Daß für diese Aufgabe nur ein Expressionist berufen sein konnte, bedarf keiner Rechtfertigung. Die Bildbeigaben, welche den Ausdruck auch von solchen Lebensbewegungen der Seele noch anstreben, für welche die Sprache nicht mehr ausreicht, beweisen, daß es einem kongenialen Künstler möglich war, auch die Gedankenwelt eines Mystikers im Bilde darzustellen.“
Hans Haffenrichter studierte Anfang der 1920er Jahre am Bauhaus in Weimar bei Oskar Schlemmer und Lothar Schreyer, war Mitglied im Deutschen Werkbund und wurde von Herwarth Walden 1923 im Sturm ausgestellt. Die hier vorliegenden bildgewaltigen, kontrastreichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen stehen ganz in der Tradition der avantgardistischen Strömungen der 1920er Jahre, mal lieblich, mal bedrohlich, die Figuren stilisiert, mit kubistischer Aufsplitterung oder geometrisierenden Formen und durch die reiche Tonwertskala mit äußerst malerischer Wirkung. Rarissimum Beigegeben: Das dazugehörige Buch: Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1. Auflage, Falken-Verlag, Dresden/Leipzig 1924.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland





eugen hoffmann (1892–1955, Dresden)
7089 Abstrakte Komposition
Aquarell auf bräunlichem Velin. 1919. 64 x 47,5 cm.
Unten links mit Bleistift signiert „Eugen Hoffmann“ und datiert.
1.500 €
Expressive, abstrakte Komposition in intensiver Farbigkeit. Ab 1906 absolvierte Hoffmann eine Ausbildung zum Musterzeichner für Tapeten in Dresden, nebenbei nahm er Abendkurse an der
Kunstgewerbeschule. Nach seiner Kriegsgefangenschaft in der Ukraine studierte er ab 1918 an der Dresdner Akademie und wurde 1920 Mitglied der Dresdner Sezession. 1924 nahm der kommunistische Künstler an der Ersten Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung in Moskau teil. Während der Zeit des Nationalsozialismus erhielt er Arbeitsverbot, seine Kunst galt als „entartet“. Seit 1947 lehrte er Bildhauerei an der Akademie in Dresden.
Provenienz: Irene Lehr, Berlin, Auktion 45, 29.10.2016, Lot 254
Privatbesitz Berlin

ludwig hirschfeld-mack (1893 Frankfurt a. M. – 1965 Sidney)
7090 Stadt
Wohl Monotypie, aquarelliert, auf dünnem bräunlichen Velin. 1922.
Ca. 8,8 x 17 cm (11,4 x 19,4 cm).
Signiert „Ludwig Hirschfeld“.
900 €
Zart aquarellierter Druck des wunderbar abstrahierten Motivs. Entstanden während Hirschfeld-Macks früher Zeit am Bauhaus in Weimar, zeigt das Blatt sich in der kristallinen Formensprache inspiriert von Lyonel Feininger. Prachtvoller, klarer Druck mit kleinem Rand.
Provenienz:
Alma Siedhoff-Buscher, Frankfurt/Main
Joost Siedhoff, Potsdam
Privatbesitz Berlin
7091 Reiter auf Stier; Reiter auf Pferd
2 Bl. Lithographien auf Bütten bzw. Velin. 1922. 24,3 x 20 bzw. 23,1 x 17,4 cm (33 x 25,2 bzw. 29,5 x 23 cm).
1 Bl. signiert „Ludwig Hirschfeld“ und datiert, 1 Bl. bezeichnet „Mißlungener Versuch“.
900 €
Zwei ähnlich komponierte Reitermotive aus der frühen BauhausZeit des Künstlers. Geschwungene Konturlinien und ornamentale Details gehen eine harmonische Verbindung ein. Ausgezeichnete, differenzierte Drucke mit Rand. Äußerst selten, im internationalen Auktionshandel nicht nachweisbar.
Provenienz:
Alma Siedhoff-Buscher, Frankfurt/Main
Joost Siedhoff, Potsdam
Privatbesitz Berlin


ludwig hirschfeld-mack
7092 Segler
Monotypie auf Bütten. 1922.
Ca. 17 x 19,5 cm (24 x 32,5 cm).
Signiert „Ludwig Hirschfeld“ und datiert.
900 €
Äußerst seltenes Blatt aus Hirschfeld-Macks früher Zeit am Bauhaus in Weimar, dem er bereits 1919 beigetreten war. In der dortigen Druckerei arbeitete er seit 1921 mit Johannes Itten, Paul Klee, Oskar Schlemmer und anderen zusammen. Prachtvoller, differenzierter Druck mit breitem Rand.
Provenienz:
Alma Siedhoff-Buscher, Frankfurt/Main
Joost Siedhoff, Potsdam
Privatbesitz Berlin

ludwig hirschfeld-mack
7093 Arche Noah
Lithographie auf strukturiertem Velin. 1922.
Ca. 23,6 x 29,4 cm (24,5 x 29,8 cm).
Signiert „Ludwig Hirschfeld“ sowie monogrammiert und datiert.
900 €
Reizvolles Blatt aus der frühen Bauhaus-Zeit des Künstlers. Die filigran-verschachtelten Formen wie auch die schemenhafte, reduzierte Darstellung von Tieren und Menschen lassen an Einflüsse des Bauhauskünstlers Lyonel Feininger denken. Prachtvoller, differenzierter Druck mit breitem Rand. Rarissimum
Provenienz:
Alma Siedhoff-Buscher, Frankfurt/Main
Joost Siedhoff, Potsdam
Privatbesitz Berlin

franz maria jansen (1885 München – 1958 Felderhoferbrücke im Bröhltal)
7094 Zu: Zwei Menschen-Bilder
Druckstock für 2 Holzschnitte, recto/verso. Holzplatte, schwarz eingefärbt. 1922.
24,5 x 31,8 cm.
Zu Merholz 176 und 182.
1.800 €
Originaler Holzstock Jansens zu Richard Dehmels Epos „Zwei Menschen“, dessen Ausgabe mit insgesamt 72 Holzschnitten des Künstlers nicht, wie angekündigt, im Verlag E.A. Seemann erschien, sondern es wurde nur von einem Teil des Zyklus eine Auflage in unbekannter Höhe gedruckt. Die Klarheit von Jansens expressionistischer Holzschnittkunst wird auch im Druckstock wunderbar deutlich.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

lászló moholy-nagy
(1895 Bácsborsód/Ungarn – 1946 Chicago)
7095 Stehender Akt Bleistift auf bräunlichem Velin. 1920. 43,5 x 29,5 cm.
Unten rechts mit dem Signaturstempel, dort mit Bleistift datiert bzw. bezeichnet „I/920“.
9.000 €
Nur wenige figurative Zeichnungen existieren von der Hand des Künstlers. Eine nervöse Intensität der Linienführung ist insbesondere den frühen Blättern, meist Portraits und Figurenstudien, gemeinsam. Diese Überbetonung der Linie findet sich auch im vorliegenden „Stehenden Akt“, wo der Künstler die dichten Bleistiftkonturen zusätzlich mit rhythmisch schwingenden Kringel- und
Wellenlinien verstärkt, so dass sie in fettem Schwarz glänzen und der Figur einen beinahe monumentalen Charakter verleihen. Einerseits erhält so der Akt eine räumliche Qualität, andererseits erscheint er wie eine Gestalt von kristalliner Transparenz im undefinierten Bildraum. Moholy-Nagy sagte später dazu: „Die Zeichnungen wurden zu rhythmisch gegliederten Liniennetzen, die nicht sosehr den Gegenstand zeigten als vielmehr die durch diesen in mir hervorgerufene Erregung.“ (zit. nach Krisztina Passuth, MoholyNagy, Dresden 1982, S. 19). Die Zeichnung ist Levente Nagy, Budapest, bekannt. Ihm zufolge entstand sie höchstwahrscheinlich 1919 in Ungarn (Email vom 14.8.2013).
Provenienz:
Privatbesitz Paris Bonham‘s, London, Auktion 24.06.2015, Lot 51 Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

rudolf bauer
(1889 Lindenwald/Schlesien – 1953 Deal/New Jersey)
7096 Abstrakte Komposition
Feder in Schwarz und Bleistift auf Velin. Wohl um 1920. 32,5 x 20,5 cm.
Unten links mit Feder in Schwarz signiert „RudolfBauer“. 1.800 €
Hochdynamische abstrakte Komposition Bauers mit prominenter Provenienz. Mit Bleistift fügt der Künstler Farbangaben für die Umsetzung im Druck hinzu, die er verso genauer ausführt: „Strichätzung, Originalgröße, bis zur Bleistiftumrandung (die nicht mit klischiert werden darf) Chamois-Ton Unterdruck, die mit W bezeichneten Formen bleiben Papierton, also Weiß.“ 1912 lernte er Herwarth Walden kennen und war in den folgenden Jahren in 80 Ausstellungen des „Sturm“ u.a. mit Wassily Kandinsky, Marc Chagall, Paul Klee, Otto Nebel und Franz Marc vertreten. 1917 hatte er seine erste große Einzelausstellung in der Galerie „Der Sturm“ (57. Ausstellung), und er war 1918 Gründungsmitglied der Novembergruppe in
Berlin. Durch seine langjährige Freundin Hilla von Rebay kam Bauer in Kontakt mit Solomon Guggenheim, der den Künstler förderte; diese Verbindung sollte jedoch später zum Zerwürfnis führen.
Provenienz:
Solomon R. Guggenheim Museum, New York (Geschenk von Mildred P. Ferris) (mit dessen Klebeetikett auf der Rahmenabdeckung verso)
Fiorella Urbinati Gallery, Los Angeles (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenabdeckung verso)
Portico Inc., New York (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenabdeckung verso)
Zudem mit einem Stempel der Kerr Gallery, New York, auf der Rahmenabdeckung verso
Christie‘s, New York, Auktion 13.11.1990, Lot 288
Ausstellung:
Fiorella Urbinati Gallery, Los Angeles, Köln, Chicago, Philadelphia, 1989/90


erich mendelsohn
(1887 Allenstein – 1953 San Francisco)
7097 Architekturentwürfe für verschiedene Projekte 3 Blatt mit Feder in Schwarz auf semitransparentem chamoisfarbenem Velin. Um 1922/23. Je ca. 37,5 x 27 cm. Nicht bei Zevi.
40.000 €
Die vorliegenden Blätter stammen aus dem Nachlassarchiv des französischen Verlegers Jean Badovici, der mit L‘Architecture Vivante in den 1920er Jahren eine der maßgeblichen internationalen Zeitschriften für modernes Bauen veröffentlichte. Badovici pflegte engen Kontakt zu vielen zeitgenössischen Architekten und Ihren Büros und erhielt von diesen eine Vielzahl von Zeichnungen, Entwürfen, Plänen und Fotografien, von denen ein kleiner Teil später Eingang in den illustrierten Teil der Zeitschrift fand. Als großer Bewunderer Mendelsohns publizierte Badovici mehrfach auch Arbeiten und Projekte des Architekten, den er als einen der „Propheten der modernen Architektur“ beschrieb. Unter anderem
erschien 1925 ein Artikel über den Einsteinturm in Potsdam, sowie 1926 eine längere Strecke über die Hutfabrik in Luckenwalde (L‘Architecture Vivante 1925 (I), S. 16, 23-25 und 1926 (I), S. 15, 17, 1920, 22-25). Im Jahre 1932 widmete Badovici Mendelsohn ein eigenes Essay und schrieb dort u.a. „Mit ungewöhnlicher geistiger Kraft und Klarheit gehört er zu denen, die die Probleme unserer Zeit am besten analysiert und verstanden haben. [...] Sein Zeugnis ist nicht nur das eines Künstlers und eines der besten Gestalter unserer Zeit; sondern eines Mannes, dessen gesamtes Werk - bis ins kleinste Detail - auf einer tiefen Kenntnis der allgemeinen Bedingungen der Epoche beruht, gestützt auf eine umfassende und tiefe philosophische Konzeption, sowie auf eine erstklassige technische Wissenschaft.“ (übersetzt aus dem Französischen, zitiert aus L‘Architecture Vivante 1932 (II), S. 33f). Die Zeichnungen widmen sich verschiedenen Details prominenter Projekte Mendelsohns expressivdynamischer Phase der frühen 1920er Jahre. Darunter zwei Blatt zur berühmten Hutfabrik Steinberg, Hermann und Co. in Luckenwalde, einem Schlüsselwerk des „dynamischen Funktionalismus“

(1921-23, hier die Färberei, Halle und der Lageplan der Fabrik). Und auf einem weiteren Blatt sind verschiedene Details unterschiedlicher Projekte versammelt, darunter der Einstein-Turm in Potsdam, sowie vermutlich die Garden City bei Mount Carmel in Israel und verschiedene imaginäre Projekte in Deutschland (vgl. Bruno Zevi, Erich Mendelsohn. The Complete Works, Basel 1999, S. 74ff, Nrn. 54ff; sowie S. 60ff. und S.96ff). So vermitteln die Blätter nicht nur einen seltenen Einblick in das Schaffen Mendelsohns und seines Studios vom konzeptionellen Entwurf über Baupläne und Präsen-
tationsskizzen bis zur bautechnischen Ausführung, sondern sind auch ein anschaulicher Beleg für die internationale Vernetzung der architektonischen Moderne in den 1920er Jahren.
Provenienz:
Nachlass Jean Badovici / Archiv L‘Architecture Vivante Galerie Gilles Peyroulet, Paris 2007 Galerie Ulrich Fiedler, Köln Privatsammlung Berlin

oskar nerlinger (1893 Schwann – 1969 Berlin) 7098 Industriearchitektur Feder in Schwarz auf braunem Velin. 1927. 17,2 x 10,8 cm.
Unten links mit Feder in Schwarz signiert „NERLINGER“, unten rechts datiert.
1.200 €
Frühe, souverän konstruierte Zeichnung aus Nerlingers konstruktivistischer Schaffensphase. Nerlinger war einer der bedeutendsten Künstler der politisch engagierten Kunstszene der Weimarer Republik. Nach seinem Studium bei Emil Orlik an der Berliner Kunstgewerbeschule entstanden seit 1919 seine konstruktivistischen Collagen. 1921 schloss er sich Herwarth Waldens SturmGalerie an und wurde 1928 Mitglied des Vereins für proletarischrevolutionäre Kunst (kurz ASSO), welcher der KPD angehörte.
Provenienz: Privatbesitz Berlin

gerd arntz
(1900 Remscheid – 1988 Den Haag)
7099 Zwölf Häuser der Zeit
12 Holzschnitte auf Bütten sowie 1 Doppelbl. Titel und Text. Lose in iIlustr. Orig.-Kartonmappe. 1927/73. 43,5 x 32,3 cm.
Die Holzschnitte jeweils signiert „G. Arntz“ und fortlaufend numeriert. Auflage 100 num. Ex. Glöckner 52.
1.500 €
Mit einer Einführung von Hans Schmitt-Rost. Herausgegeben in einer Gesamtauflage von 120 Exemplaren von Werner Kunze, Berlin 1973. Die 1927 entstandenen Holzschnitte zeigen Gebäude wie Hotel, Industriearchitektur, Modehaus, Gefängnis oder Militärschule. Gerd Arntz gilt als Erfinder des Piktogramms und war Mitglied der „Gruppe progressiver Künstler“. „Gerd Arntz lehrt uns, daß man der Realität dieser, unserer Menschenwelt, nur mit unrealistischen Mitteln habhaft wird. Seine so bewundernswerten Serien könnte man darum auch nennen: Wider den schönen Schein.“ (Hans Schmitt-Rost, Mappenvorwort). Prachtvolle Drucke mit dem vollen Rand.
johannes itten
(1888 Schwarzenegg, Kt. Thun – 1967 Zürich)
7100 Haus des weißen Mannes
Lithographie auf glattem Velin. 1922. 25,2 x 24 cm (35 x 28,1 cm).
Signiert „Itten“. Auflage 100 Ex. Wingler I/3, Itten 222, Söhn HdO 101-4. 1.500 €
Blatt 3 der Ersten Bauhausmappe: Bauhaus Drucke. Neue europäische Graphik. Erste Mappe. Meister des Staatlichen Bauhauses in Weimar, Verlag Müller & Co., Potsdam 1922. Die Gesamtauflage betrug 110 Exemplare. Architektonische Studie Ittens, basierend auf der Grundform des Würfels, die in ausdrucksvollem Hell-DunkelKontrast variantenreiche Ausgestaltung findet. Prachtvoller, kontrastreicher Druck mit dem vollen Rand.

lyonel feininger (1871–1956, New York)
7101 „Rennschooner am Winde“ Feder in Schwarz und Aquarell über Bleistift auf Bütten. 1931.
30,4 x 23,5 cm.
Unten links mit Feder in Schwarz signiert „Feininger“, mittig betitelt und rechts datiert.
22.000 €
Schwerelos gleitet ein einsames Segelboot in Nahaufnahme leicht schräg über das Wasser und zeigt ein typisches Motiv von Lyonel Feininger. In seiner unverwechselbaren, kristallinen Formensprache entwickelt der Künstler den Schiffskörper aus kürzelhaft aneinander gesetzten, geometrischen Formen, welche abwechselnd weißbleibend oder eng schraffiert sind. Zackig-kantige Federstriche fügen das Schiff eng verwoben zwischen Himmel und Wasser, die unterschiedlich starken Akzente in Blau unterstreichen das Tosen auf rauer See und geben der linearen Zeichnung eine atmosphärische Stimmung. Schon in den frühen New Yorker Jahren übte das Meer und seine Schifffahrt große Faszination auf den jungen
Künstler aus, wenngleich Feininger selbst nie segelte. So wurden maritime Sujets neben Architektur zum bevorzugten Motiv in seinem Œuvre, denn beides war wie gemacht für Feiningers aus prismatischen und kubischen Form- und Farbplänen entwickelte Bildgestaltung. Achim Moeller, Direktor des Lyonel Feininger Project, New York - Berlin, hat die Echtheit dieses Werkes, das im Archiv des Lyonel Feininger Project unter der Nummer 2044-02-19-26 registriert ist, bestätigt. Ein Zertifikat vom 19.02.2026 liegt der Arbeit bei.
Provenienz:
Laurence Feininger, Heidelberg / Trient (Geschenk des Künstlers) Galleria d‘arte L‘Argentario, Trient Privatsammlung Italien
Ausstellung:
Lyonel Feininger, Opere dalle collezioni private italiane, Rovereto, Museo di Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto, 19.05.29.07.2007, Kat.-Nr. 3.8, Farbabb. S. 117 (mit deren Klebeetikett)

lyonel feininger
7102 Ohne Titel (Meereslandschaft mit gelbem Segelboot und Insel)
Feder in Schwarz und Aquarell auf Bütten. 1936. 23,9 x 31,4 cm.
Unten links mit Feder in Schwarz signiert „Feininger“ und unten rechts datiert „23.X.36“. Am unteren Blattrand mit dem Künstlersignet, einer Widmung „s.[seinem] Laurence, from Papileo“ und nochmals datiert „24.12.36“.
24.000 €
Feininger hat sich Zeit seines Lebens mit den Themen Meer und Schiff befasst. Dabei bevorzugte er meist menschenleere Buchten und Strände an der ruhigen Ostsee sowie kleine Segelboote. Mit zartgliedrig feinen Linien und einem subtilen Farbklang aus Gelb, Braun und Blau, gliedert er den horizontalen Bildraum in vier übereinander gesetzte Zonen ohne räumliche Staffelung.Lediglich die horizontal aufstrebenden Schiffe und die zart angedeutete Insel am Horizont durchbrechen dieses Gefüge. Feininger, der nach der
Geburt seines ersten Sohnes in Familie und Freundeskreis den Spitznamen „Papileo“ erhielt, schenkte diese Zeichnung an Weihnachten 1936 seinem Sohn Laurence, vermutlich auch als Erinnerung an die vielen gemeinsamen Familienaufenthalte an der See. Achim Moeller, Direktor des Lyonel Feininger Project, New York - Berlin, hat die Echtheit dieses Werkes, das im Archiv des Lyonel Feininger Project unter der Nummer 2045-02-19-26 registriert ist, bestätigt. Ein Zertifikat vom 19. Februar 2026, liegt der Arbeit bei.
Provenienz:
Laurence Feininger, Heidelberg/Trient (Geschenk des Künstlers) Galleria d‘arte L‘Argentario, Trient Privatsammlung Italien
Ausstellung:
Lyonel Feininger, Opere dalle collezioni private italiane, Rovereto, Museo di Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto, 19.05.-29.07.2007, Kat.-Nr. 3.11, Farbabb. S. 120


lyonel feininger
7103 Angler und Kanalboot Holzschnitt auf bräunlichem Durchschlagpapier. 1920. 11,2 x 13,8 cm (22,2 x 28,2 cm).
Signiert „Lyonel Feininger“, mit der Werknummer „2014“ und bezeichnet „x“. Prasse W 206.
3.500 €
Der kleine Holzschnitt ist ein wunderbares Zeugnis von Feiningers meisterhaftem Umgang mit dieser Technik aus seiner Zeit am Bauhaus. Das typisch maritime Sujet mit den stilisierten Figuren und dem unverwechselbaren Formenvokabular der kubistischen Zersplitterung lebt von dem Kontrast aus kräftig schwarzen Flächen zu den rhythmisierten Weißflächen. Das von Feininger bevorzugte Durchschlagpapier mit der rauen Oberseite hielt er für seine differenzierten Drucke für besonders geeignet. Prachtvoller Abzug mit seidig schimmerndem Schwarzton, der Holzstock in den Weißflächen belebend mitdruckend, mit Rand. Selten

lyonel feininger
7104 Zug auf der Brücke
Holzschnitt auf hauchdünnem Japanbütten. 1918. 9,3 cm x 11,4 cm (15,7 x 20,7 cm).
Signiert „Lyonel Feininger“. Prasse W 81 II.
3.000 €
Der Holzschnitt wurde sowohl 1921 als auch 1941 in den Mappen „Zwölf Holzschnitte von Lyonel Feininger“ bzw. „10 Holzschnitte von Lyonel Feininger“ veröffentlicht. Unser Exemplar entstammt wohl der späteren Auflage von 1941. Gelegentlich hat Feininger das Motiv auch als „Lokomotive“ oder „Eisenbahnbrücke“ betitelt. Prachtvoller Abzug mit Rand. Beigegeben: Ein weiterer Holzschnitt des Künstlers „Auf der Kaimauer“, 1921, (Prasse W 243), in einem posthumen Abzug, Auflage 100 Exemplare, verso mit dem Editionsstempel.

gottfried brockmann (1903 Köln – 1983 Kiel)
7105 Mann in Halbfigur nach rechts
Bleistift auf Pergamin, auf Karton kaschiert. 1924/25. 27,7 x 16,5 cm.
Unten mittig mit Bleistift monogrammiert „B“, verso mit Kugelschreiber in Blau später signiert „Gottfried brockmann“ und datiert.
4.000 €
Starr wie eine Gliederpuppe sitzt die schematisierte Figur, aus stereometrischen Grundformen zusammengesetzt. Feinsinnig schattiert der Künstler die einzelnen Elemente und arbeitet die Plastizität der Gestalt im eng umgrenzten Interieur sorgsam aus. „Brockmanns anonymisierte Gliederpuppe verweist zudem auf einen polemischen Aspekt, der in der Gruppe Progressiver Künstler dominierte: er umfasst die Vorstellung einer auf den Menschen übergreifenden Mechanisierung.“ (Joachim Heusinger von Waldegg, in: Gottfried Brockmann 1903-1983, Ausst.-Kat. Remmert und Barth, Düsseldorf 2006, S. 23).
Provenienz:
Ketterer, München, Auktion 364, 23.04.2010, Lot 350 Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
7106 „Schreitender (Schlemihl)“
Pinsel und Feder in Schwarz, Farb- und Bleistift auf Millimeterpapier, auf Karton kaschiert. 1926.
29 x 20 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „B“ und nachträglich datiert, verso mit Kugelschreiber in Blau nachträglich signiert „Gottfried brockmann“ und datiert sowie betitelt.
4.000 €
Mit tänzerischer Grazie bewegt sich die schreitende Figur durch den abstrakt-verschachtelten Raum des Millimeterpapiers, verfolgt von einem dunklen, schattenhaften Doppelgänger, der auf eine rechteckige Fläche projiziert erscheint. Eine stilistische Verwandtschaft zu Oskar Schlemmers Bildideen lässt sich nicht von der Hand weisen. Formal-ästhetisch wird Brockmanns Schaffen vielfach einem rheinischen Magischen Realismus zugeordnet, während er zugleich aufgrund seiner Nähe zu der Gruppe der Kölner Progressiven als politisch engagierter Künstler gilt.
Provenienz: Ehemals Galerie Stolz, Köln Grisebach, Berlin, Auktion Sammlung Sander, 10.06.2021, Lot 636 Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
Ausstellung:
Gottfried Brockmann, Kölnischer Kunstverein, Köln 1963 (mit dessen Klebeetikett verso)


gottfried brockmann
7107 Zitherspieler
Bleistift auf festem, leicht strukturiertem Velin. Wohl 1923/24.
22,4 x 16,8 cm.
Unten links mit Bleistift signiert „brockmann“, verso auf dem Passepartout mit handschriftlicher Bestätigung von Jan Brockmann, dem Sohn des Künstlers, vom 13.04.1984. 4.000 €
In konstruktivistisch reduzierter Formgebung und mit kraftvollen Schwarzweißkontrasten zeichnet Brockmann den Zitherspieler, wobei er die Binnenstrukturen und Rundungen mit ornamentalen
Mustern und parallel laufenden Linienbändern ausgestaltet und spielerisch schwebende Noten in den Gesichtsbereich der Figur setzt. Zur Entstehungszeit der Zeichnung, von 1923 bis 1925, hielt Gottfried Brockmann engen Kontakt zu der „Rheinischen Gruppe progressiver Künstler“, besonders zu den Malern Franz Seiwert, Heinrich Hoerle und dem Fotografen August Sander, und seine Kunst gewann eine zunehmend politisch-soziale Ausrichtung.
Provenienz:
Galerie Valentien, Stuttgart (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite)
Lempertz, Köln, Auktion 877, 11.06.2005, Lot 680 Lempertz, Köln, Auktion 943, 28.95.2009, Lot 19
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

conrad felixmüller (1897 Dresden – 1977 Berlin)
7108 Herr Deutsch
Feder in Schwarz auf Skizzenblockpapier. 1922. 34,8 x 25 cm.
Unten links mit Bleistift signiert „C. Felixmüller“ und bezeichnet „Frkft“.
2.400 €
Pointiert, mit kantig-expressiver Linienführung schildert Felixmüller die Individualität des Dargestellten, der ganz gerade aus dem Bild blickt. Die Plastizität des ausdrucksvollen Antlitzes arbeitet der
Künstler mit Feldern kurzer Parallelschraffuren heraus. In demselben Jahr, 1922, entstand Felixmüllers Radierung „Bildnis Deutsch, Frankfurt“ (Söhn 305), das den Dargestellten im Halbprofil nach rechts zeigt, in Ausschnitt und Ausdruck jedoch, insbesondere in der zeichnerischen Konzentration auf die Gesichtsmitte, der vorliegenden Federzeichnung sehr nahe ist.
Provenienz: Grisebach, Berlin, Auktion 31.05.2003, Lot 548 Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

conrad felixmüller
7109 Duschen
Radierung auf Velin. 1922.
29,8 x 19,1 cm (50 x 32,3 cm).
Signiert „CFelixmüller“, datiert und bezeichnet „2. Druck“. Söhn 336.
2.400 €
Äußerst seltenes, expressives Blatt, erschienen als Blatt 3 der Mappe „Frau“ im Selbstverlag des Künstlers, in Anzeigen angekündigt als „21 Radierungen großer und kleiner Ereignisse aus
dem Leben der Frau“. Nominell sollte die Auflage 50 Exemplare betragen, ausgedruckt wurden Söhn zufolge jedoch nur ca. 12 Exemplare, von denen ihm wiederum nur dieses eine hier vorliegende, von Felixmüller als „2. Druck“ bezeichnete, bekannt war. Die Radierungen der Mappe entstanden in den Jahren 1921 und 1922. Ganz prachtvoller, ausgewogener und tiefdunkler Druck mit ausdrucksvoll changierendem Plattenton und dem vollen Rand. Rarissimum
georg kolbe (1877 Waldheim/Sachsen – 1947 Berlin)
7110 Kleine Hockende Bronze mit dunkelbrauner Patina auf Bronzeplinthe. 1923/Nachguss.
Ca. 18,5 x 11,5 x 12,5 cm. Verso an der Plinthe monogrammiert „GK“ (ligiert) und mit dem Gießerstempel „H.NOACK BERLIN“. W 23.010 (online).
15.000 €
Wohl einer von drei posthumen, vom Kolbe-Museum autorisierten Nachgüssen vom originalen Gipsmodell, daneben sind dem KolbeMuseum 27 frühere Güsse bekannt. Gelegentlich wird die Plastik

auch als „Trauernde“ bzw. „Kleine Sitzende“ bezeichnet. Dargestellt ist eine sitzende, in sich gekehrte junge Frau mit angewinkelten Beinen, eines davon aufgestellt. Ihr Oberkörper ist leicht nach vorne geneigt, nachdenklich oder vielmehr mit trauernder Geste stützt sie den gesenkten Kopf mit einer Hand, während sie mit der anderen ihre Ferse hält. Mit seiner reduzierten Formgebung schafft Kolbe eine kompakte, allansichtige und zeitlos nüchterne Plastik einer Frau in hockender Pose, die einerseits sinnlich, verletzlich wirkt und andererseits innere Stärke und Willenskraft ausstrahlt. Prachtvoller Guss mit ausgezeichneter Reliefwirkung und harmonischer Patina. Das Werkverzeichnis wurde online eingesehen am 19.03.2026.
Provenienz: Privatsammlung Berlin
georg kolbe

7111 Sitzender weiblicher Akt
Bleistift und Aquarell auf festem Velin. Um 1925. 44 x 33,8 cm.
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „GK“.
1.500 €
Die menschliche Figur in ihren variierenden Bewegungs- und Ausdrucksformen ist das zentrale Thema in Kolbes Werk. Mit wenigen zarten Strichen von virtuoser Sicherheit und den sensibel eingesetzten farbigen Schattierungen gelingt ihm die Wiedergabe des
dreidimensional-plastischen Körpers. So vergegenwärtigt der Künstler auch in seinen zahlreichen Zeichnungen dem Betrachter stets das Skulpturale. Zur Provenienz bzw. Datierung liegt ein Brief des damaligen preußischen Innenministers Carl Severing vom 06.02.1926 in Kopie bei.
Provenienz: Galerie Rudolf Wiltschek, Berlin Carl Severing, Berlin / Bielefeld (seit 1926) Privatbesitz Berlin

peter august böckstiegel (1889–1951, Arrode-Werther i.W.)
7112 „Meine Eltern“ Kaltnadel auf leichtem Kupferdruckkarton. 1923. 49,5 x 49,8 cm (61,8 x 56,8 cm).
Signiert „P. A. Böckstiegel“, datiert, betitelt und bezeichnet „Org. Radierung K. N.“. Matuszak 148 II (von III).
900 €
Markantes Doppelportrait von Böckstiegels Eltern. Exzellenter, tiefschwarzer und gratiger Druck mit Rand.
fritz klimsch
(1870 Frankfurt/Main – 1960 Freiburg i.Br.)
7113 Tänzerinnen
Bronze mit dunkelbrauner Patina auf Bronzeplinthe, auf Marmorsockel montiert. 1923.
29 x 11 x 6,5 cm.
Auf der Bronzeplinthe oben rechts monogrammiert „FK“ (ligiert), seitlich an der Plinthe mit dem Gießerstempel „H. NOACK BERLIN“.
Braun 115.
7.500 €

Die beiden Tänzerinnen stehen Rücken an Rücken, lediglich ihre Standbeine, das Gesäß sowie jeweils die rechte Körperseite berühren sich. Dennoch wirken die ineinander verschlungenen Körper aus der Betrachtung heraus fast wie eine Einheit. Ihre Arme sind im Tanz nach oben zum Kopf geführt und formen gemeinsam eine geschlossene, fließende Linie. So entsteht eine besonders harmonische und reizvolle Komposition. Fritz Klimsch thematisierte, wie viele seiner Bildhauerkollegen, speziell Georg Kolbe und Edgar Degas, den tanzenden Menschen häufig in seinem Werk. Prachtvoller, sorgfältiger Guss mit schöner Patina. Gesamthöhe mit Sockel: 30 cm.
Provenienz: Privatbesitz Norddeutschland

sulamith wülfing
(1901 Elberfeld – 1989 Wuppertal)
7114 „Zigeunerlied“
Aquarell, Deckweiß und Bleistift auf Velin, auf Unterlagepapier kaschiert. 1923.
22,8/18,6 x 14,3 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „Sulamith Wülfing“ und datiert, unten links auf dem Unterlagepapier betitelt.
1.200 €
Barfuß und in dünnem, zerrissenem Kleid spielt die junge Frau ihre Geige, hinter ihr lassen drei transparent gezeichnete Geistwesen silbrigweiß schimmernden Feenstaub in die Luft schweben. Mit großer Feinheit erfasst und aquarelliert, zeigt das Blatt ein über
die materielle Erscheinung hinausgehendes geistiges Bild der Musizierenden in einer kargen Hügellandschaft. Die bezaubernde Zeichnung ist ein charakteristisches Beispiel für das Schaffen Sulamith Wülfings. Ihre ausgeprägte Intuition und Sensibilität ließen sie immer wieder feinsinnige Ausdrucksformen für Spirituelles, für die feinstofflichen, geistigen Welten in ihren Bildern finden. Sie illustrierte Gedichte von Christian Morgenstern und Rainer Maria Rilke und war mit den Familien Fidus und Vogeler befreundet. Die persönliche Begegnung mit Jiddu Krishnamurti hat ihr künstlerisches Gespür für das Übersinnliche sicherlich gestärkt.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

7115 „Legende“
Bleistift und Aquarell, mit Weiß gehöht, auf Velin, in Orig.-Passepartout montiert.
15 x 15 cm.
Auf dem Passepartout unten rechts mit Bleistift signiert „Sulamith Wülfing“ und unten links betitelt.
1.200 €
Reinheit und Schutz symbolisiert die Silberdistel, die Wülfing ins Zentrum ihrer Zeichnung setzt. Irdisches und Himmlisches scheint sich in allen drei Figuren zu vereinen, dem Mönch oder Eremiten, dem unbekleideten kleinen Knaben und der mit prunkvoller Krone als Himmelskönigin erscheinenden Mutter. Die mit höchster Feinheit und Detailfreude ausgeführte, anmutige Zeichnung verdeutlicht beispielhaft die spirituelle Dimension der Bildideen Wülfings. Verso Fragment einer weiteren Zeichnung der Künstlerin, das Passepartout von ihr angefertigt und auf der früheren Rückseite Fragment eines Adressaufklebers Wülfings.
Provenienz: Privatbesitz Hessen

robert genin
(1884 Wysokoje b. Smolensk – 1943 Moskau)
7116 „Obsternte“ Tempera auf Malpappe. Wohl 1912. 62 x 81,8 cm.
Unten links und oben mittig mit Graphitstift signiert „RGenin“, verso nochmals mit Graphitstift signiert und mit der Künstleradresse „Ruffinstraße 2b/IV“sowie mit einem typographisch numerierten Papieretikett vom Kunstsalon Emil Richter, Berlin, und diversen handschriftlichen Numerierungen.
2.500 €
Die vorliegende Arbeit gehört zu einer Gruppe von Werken, die Robert Genin im neoklassizistischen Stil zwischen 1911 und 1914 schuf. Wie auf einer Theaterbühne öffnet sich der Blick auf eine idealisierte Landschaft und den weiten Hintergrund. Zeitlos nüchtern und von klassischer Schönheit, ganz nach dem Vorbild Puvis de Chavannes‘, schildert Genin seine meist nackten Figuren: Männer bei der Obsternte sowie Frauen und Kinder, die in einer beinahe poetischen Idylle die Eintracht zwischen Mensch und Natur symbolisieren.
Provenienz: Kunsthandel Wiesbaden (dort 2014 erworben)
Privatbesitz Berlin

franz markau
(1881 Berlin – 1968 Weimar)
7117 Ruhe auf der Flucht
Öl auf grober Leinwand. 1924.
75,2 x 75,2 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Franz Markau“.
2.400 €
Die moderne Übersetzung des biblischen Themas „Ruhe auf der Flucht“ mündet in dieser Version von Franz Markau in der Darstellung eines jungen Elternpaares mit Neugeborenem, unbekleidet,
vor bühnenartig inszenierter, karger Landschaftskulisse. Markau, der von 1926 bis 1945 die Fachabteilung für Dekorationsmalerei an der Kunstgewerbeschule Erfurt leitete, lebte in den frühen 1920er Jahren in Berlin, wo er stark vom Expressionismus und der anthroposophischen Bewegung um Rudolf Steiner beeinflusst war; dies zeigt sich hier in der Vereinfachung der Formen und den klaren Komplementärkontrasten, losgelöst von der Lokalfarbe. Arbeiten von Franz Markau sind auf dem Kunstmarkt sehr selten
Provenienz: Kunsthandel Wiesbaden (dort erworben 2014)
Privatbesitz Berlin

karl hofer
(1878 Karlsruhe – 1955 Berlin)
7118 Lot und seine Töchter Öl auf Eternit, auf Holz aufgeblockt. 1912. 40,5 x 40,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Braun monogrammiert „CH.“ (ligiert).
Wohlert 232.
9.000 €
Sinnlich, in lockerer, unbefangener Natürlichkeit bewegen sich Lot und seine Töchter. Ein großes, zwischen Bäumen aufgespanntes Tuch schirmt die Szene im Vordergrund von der umgebenden Landschaft ab. Ohne jede Schwülstigkeit und frei von aller Wertung stellt Hofer das Miteinander seiner biblischen Figuren dar. Die Arbeit entstand vermutlich in Paris, wo Hofer auf Anregung von Julius Meier-Graefe von 1908 bis 1913 lebte und wo seine malerische Frühphase endete. Das Gemälde zeigt in seiner geschlossenen Komposition die Auseinandersetzung mit dem Vorbild Hans von Marées und mit dem Spätimpressionismus Paul Cézannes, ohne bereits die überlängte Schlankheit der Figuren späterer Jahre aufzuweisen. Es ist formal etwas aufgelöst und vereinfacht; in einem flüssigen Malstil mit locker gesetzten, kurzen Pinselstrichen gestaltet, behält die Szene ihre Erkennbarkeit. Die Palette von zarter, gedämpfter Farbigkeit unterstreicht die Sinnlichkeit der Szene.
Mehrfach beschäftigte sich Hofer mit dem Motiv: Eine Vorstudie in Kohle befindet sich in der Graphischen Sammlung der Albertina, Wien, und eine große Fassung im Kunstmuseum Hannover. „Alfred Flechtheim und Karl Hofer hatten sich in Paris kennengelernt und waren sich im legendären Café du Dôme begegnet. Es entwickelte sich eine viele Jahre währende Freundschaft zwischen dem damaligen Sammler Flechtheim und dem jungen Künstler Hofer. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges - Hofer war mehrere Jahre in Frankreich in Kriegsgefangenschaft - waren seine Werke ein fester Bestandteil des Galerieprogramms. Flechtheim vertrat den Künstler exklusiv und stellte dessen Werke zwischen 1919 und 1933 regelmäßig und mehrfach pro Jahr aus. Zudem präsentierte er Hofer in den Jahren 1928 und 1931 in Einzelausstellungen.“ (alfredflechtheim. com, Zugriff 20.08.2024). Ausgezeichnete Arbeit mit herausragender Provenienz.
Provenienz:
Privatbesitz Wien
Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf (dort 1933 erworben)
Privatbesitz Solingen
Galerie Bassenge, Berlin, Auktion 64, 1994, Lot 6351
Privatsammlung Berlin
Ausstellung:
Karl Hofer, Schloss Cappenberg, 1991, S. 71 (mit Abb.)

karl hofer
7119 Halbfigur eines sitzenden Mädchens Feder in Schwarz, laviert, auf glattem Velin. Um 1920. 40 x 30,5 cm (Passepartoutausschnitt). Unten rechts mit Feder in Schwarz monogrammiert „CH“.
1.500 €
Das Gesicht leicht zur Seite geneigt und in die Handfläche gestützt, sitzt das Mädchen mit sanftem, ruhigem und nachdenklichem Blick am Tisch. Karl Hofer konnte seine ersten Erfolge in den 1920er Jahren mit Ausstellungen bei Paul Cassirer und Alfred Flechtheim in Berlin verzeichnen. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten aus seinem Professorenamt an der Hochschule der Künste entlassen. Nach dem Krieg wurde er ihr Direktor.
Provenienz: Privatbesitz Baden-Württemberg

rené halkett
(1900 Weimar – 1983 Camelford)
7120 Ohne Titel (Tanzende auf Dächern) Öl auf Leinwand. Um 1926.
46,2 x 50 cm.
3.500 €
Verschobene Proportionen, weich-verschwommene Konturen und eine lebendige Farbigkeit kennzeichnen Halketts Gemälde, entstanden kurz nach seiner Zeit am Bauhaus in Weimar, wo er den Vorkurs bei Moholy-Nagy sowie Kurse bei Klee und Kandinsky besuchte. „Mindscapes“ malt Halkett: Visionen, Träume, Szenerien seines Inneren. Der Künstler verzichtet explizit darauf, seinen Ge-
mälden Titel zu geben: „Das jeweilige Bild soll für sich selbst sprechen und unverstellt an den betrachtenden Einzelnen wenden, der durch das Kunstwerk eine Begegnung mit einem Du erfahren kann; ganz im Sinne Martin Bubers folgt er dem Dialogischen Prinzip.“ (Ursula C. Klimmer, in: René Halkett, 1900-1983, Ausst.-Kat. Galerie Bassenge, Berlin 2015, S. 5). Halketts Gemälde blieben zumeist unsigniert.
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers
Ausstellung: René Halkett, Galerie Bassenge/Archiv Klaus Spermann, Berlin 2015 (Kat.-Nr. 2, Abb. S. 9)
karl hubbuch (1891–1979, Karlsruhe)
7121 Tanzende Paare
Kreide in Schwarz auf Skizzenblockpapier. 1928. 22,9 x 31,6 cm.
Unten rechts mit dem Nachlaßstempel, dort von Ellen Hubbuch signiert.
900 €
Engtanz. Dicht beieinander bewegen sich die beiden Paare, karikaturhaft verzerrt ihre Gesichter und die Gestalten. Der vehement bewegte zeichnerische Stil wird dem Sujet wunderbar gerecht, und sogar die vielfach gezogenen Konturen scheinen im Takt der Tanzmusik zu schwingen.
Provenienz: Privatbesitz Rheinland
7122 Rue Rochechouart
Öl auf Malpappe. Um 1957. 67 x 94 cm.
Unten rechts mit dem Signatur-/Nachlaßstempel.
4.000 €
Von Paris ist Hubbuch fasziniert. Er registriert, analysiert und dokumentiert auf seinen Reisen dort malerisch und in zahlreichen Zeichnungen das Alltagsleben auf der Straße. Im Verlaufe der 1950er/1960er Jahre schließt er hier wieder an seine sozialphysiognomischen Darstellungen von 1933 an. In der Metropole entstehen Arbeiten mit hektischem Verkehr, Passanten und Bewohnern, die das Gesicht der französischen Hauptstadt, „den Habitus und die Mentalität der sie bevölkernden Menschen zu einem lebendi-

gen, kulturhistorischen Milieu verdichten“ (vgl. Wolfgang Hartmann, Karl Hubbuch. Der Zeichner, Wilhelm-Busch-Museum Hannover, 1991, S. 27). In der vorliegenden Darstellung scheinen die geschäftig-gehetzten Frauen mit den städtischen Fassaden zu verschmelzen. Die Darstellung wertet nicht, sie zeichnet eher aus Solidarität ein Bild der Stadtbewohner und Zeitgenossen. Zum Motiv der Hausfrauen in der Rue Rochechouart entstehen 1957 mehrere Kompositionen Hubbuchs.
Provenienz:
Nachlass des Künstlers / Ellen Hubbuch (dort 1992 erworben) Privatbesitz Hessen


jeanne mammen (1890–1976, Berlin)
7123 „Turcy“ Aquarell und Bleistift auf Velin. Um 1925. 18 x 12,5 cm.
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „JM“, oben rechts betitelt.
3.000 €
Subtil und treffsicher zeichnet Jeanne Mammen die Chansonette Andrée Turcy. Der sensible und behutsame Umgang mit ihrer Figur prägt das kleine, locker und mit schwingenden Bleistiftlinien konturierte Aquarell. Die Künstlerin zeichnete keine Karikaturen, anders als George Grosz, und sie war auch nie von jenem Wahrhaftigkeitsdrang getrieben, der Otto Dix die unvorteilhaften Züge seiner Zeitgenossen hervorheben ließ. Mammen besaß
auch ohne deren Aggressivität und extreme Unbedingtheit eine ebenso genaue und scharfe Beobachtungsgabe wie ihre Kollegen. „Die zarten, duftigen Aquarelle, die Sie in Magazinen und Witzblättern veröffentlichen, überragen das undisziplinierte Geschmier der meisten Ihrer Zunftkollegen derart, daß man Ihnen eine kleine Liebeserklärung schuldig ist (...)“ (Kurt Tucholsky, Antwort an Jeanne Mammen, in „Die Weltbühne“, 25. Jg., 06.08.1929, Heft 32, S. 225).
Provenienz: Ehemals Galerie Valentien, Stuttgart (mit deren Klebeetikett verso auf das Passepartout montiert, dort typographisch bezeichnet)
Grisebach, Berlin, Auktion 01.12.2001, Lot 684 Privatbesitz USA

jeanne mammen
7124 Frau mit Kappe und Krawatte
Bleistift auf Velin. Um 1935/40.
49 x 38 cm (Passepartoutausschnitt).
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „JM“. Döpping/Klünner Z 646.
1.800 €
Mutig und selbstbewusst treten beide auf, Modell und Künstlerin: Das charaktervolle Portrait zeigt die Dame mit markanter Physiognomie, kantigem Kinn und geschlossenen Augen. Ihr Gesicht unter
der kecken Kappe und die traditionell männlichen Accessoires schildert Mammen mit leichter, sicherer Hand, schnellem Strich und flächigen Bündeln kurzer Schraffuren. Zugleich spürt man ihren feinsinnigen Umgang mit der Erscheinung der Dargestellten, der eine genaue und scharfe Beobachtungsgabe mit großer Menschenfreundlichkeit in Einklang bringt. Seit den frühen 1930er Jahren entstanden in ihrem Werk zahlreiche Blätter, Bleistift- und Federzeichnungen auf einfachem Zeichenpapier.
Provenienz: Grisebach, Berlin, Auktion 27.11.2004, Lot 715 Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

georg tappert
7126 Stehende mit geschlitztem Rock Aquarell, Bleistift und farbige Kreiden auf Skizzenblockpapier. Wohl 1930. 38 x 27,5 cm.
Verso von Annalise Tappert mit Bleistift signiert und bezeichnet „Aquarell von Georg Tappert“ sowie „10“. 900 €
Offenherzig präsentiert die stehende Frau, wohl aus dem Berliner Bordell- und Cabaret-Milieu, ihren üppigen Körper. Georg Tappert wählte bereits früh die großstädtische Halbwelt zum Thema seiner Kunst: Chansonetten, Nackttänzerinnen, exotische Artistinnen, Bardamen und Straßendirnen dienten ihm als Modelle. Mit großem Einfühlungsvermögen widmete er sich den Menschen in all ihren Facetten, ohne dabei der kühlen Distanz der Neuen Sachlichkeit oder dem sozialkritischen Verismus der Zeit zu verfallen. Sein lebendiger, spontaner Duktus spiegelt die Impulsivität, mit der sich der Künstler seinem Motiv nähert, und die Zartheit und Sensibilität der Aquarellierung verleiht der Frau bei aller üppigen Körperlichkeit etwas Durchscheinendes, Verletzliches. Vorstudie zu Tapperts 1930 entstandenem Gemälde (vgl. Ketterer, München, Auktion 386, 10.12.2011, Lot 85).
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
georg tappert (1880–1957, Berlin)
7125 „Vagabundin“ (Alte Frau unterm Baum)
2 Bl. Holzschnitt und Farbholzschnitt auf feinem Velin bzw. dünnem, silbrig beschichtetem Japan. 1908/09. 17 x 12 bzw. 17,2 x 12,3 cm (36,4 x 25,1 bzw. 17,5 x 12,7 cm).
1 Bl. signiert „G. Tappert“ und betitelt.
Wietek 28, Karsch H 7.
1.500 €
Zwei Druckvarianten desselben, sehr raren Motivs, eine in Schwarz und eine zudem mit Ocker und Blau gedruckt. Die silbrige Beschichtung auf dem feinen Japanpapier der farbigen Variante verstärkt die Kontraste und ruft den Eindruck einer verschneiten Landschaft hervor. Ganz ausgezeichnete Drucke mit breitem bzw. kleinem Rand. Äußerst selten
Provenienz:
Sammlung Gerhard Wietek, beide verso mit dessen violettem Sammlerstempel (nicht bei Lugt)


gerta overbeck (1898 Dortmund – 1977 Lünen)
7127 Kartenspieler
Aquarell, Deckweiß und Pinsel in Schwarz auf Skizzenpapier. 1927.
27 x 23,6 cm.
Unten links mit Bleistift signiert „G. OVERBECK“ und datiert.
3.800 €
Ein Trio beim Kartenspiel in einer schummrigen Kneipe. Die in dichter Räumlichkeit komponierte Szene ist dominiert von den sorgfältig gezeichneten Figuren im Vordergrund, die im Beieinander einen Moment der sorgenfreien Entspannung finden. Im Mittelpunkt von Gerta Overbecks unbestechlichem Blicks steht der Mensch. Die Malerin der Neuen Sachlichkeit suchte sich, wie
ihre Künstlerfreundin Grethe Jürgens, ihre Sujets im proletarischen Milieu, im Alltagsleben der kleinen Leute mit ihren Sorgen, Freuden und Nöten, bedroht von Armut und Arbeitslosigkeit. Auch die Künstlerin selber lebte unter ärmlichen Bedingungen und trat später der Kommunistischen Partei bei.
Provenienz: Galerie Krokodil, Hamburg Privatbesitz Schleswig-Holstein Privatbesitz Rheinland
Literatur: Doris Müller, Gerta Overbeck. Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik der 1920er Jahre, Münster 2002 (Kat.-Nr. 19, mit Abb.)
ernst barlach (1870 Wedel – 1938 Rostock)
7128 Der Buchleser (Lesender Mann im Wind) Gips, mit Schellack gefasst. 1936.
46,3 x 20 x 34 cm. Laur 599, Schult 472.
18.000 €
Eine Personifizierung von kontemplativer Ruhe und Besonnenheit: Der Mann scheint zu lesen und doch gleichzeitig den Blick in die Ferne zu richten. Vornübergebeugt sitzt er, in seine Lektüre vertieft, auf einem kleinen Hügel, die Ellenbogen auf den Knien aufgestützt.
Sein Körper bildet, im Profil betrachtet, vom Boden über den Rücken bis zum Kopf eine geschlossene Halbkreisform, die auf der Vorderseite der Figur strahlenförmig aufgebrochen wird. Das schwere bodenlange Gewand des Buchlesers, das seitlich und über Armen und Schienbeinen große Falten bildet, unterstreicht seine geerdete, fast meditative Ausstrahlung: Wie ein Fels in der Brandung wirkt die monumentale, bodenständige Erscheinung. Diese Monumentalität ist zahlreichen Skulpturen Barlachs zu Eigen, die er nach prägenden Eindrücken vom bäuerlichen Leben auf seiner Russlandreise 1906 schuf. Das Motiv des Lesens stand an zentraler Stelle in seinem zeichnerischen und bildhauerischen Werk. Besonders im Hinblick auf die infamen Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten 1933 prangert er mit seinem „Buchleser“ mutig die Beschneidung der Freiheitsrechte bezüglich einer selbstgewählten Lektüre an. Barlach selbst litt unter Verfemung im Dritten Reich: Zahlreiche seiner Werke wurden 1937 aus Museen, Kirchen und von öffentlichen Plätzen entfernt. Es handelt sich wohl um ein Werkmodell Barlachs für den entsprechenden, 1937 entstandenen Bronzeguss (Laur 600). Laur sind drei weitere Stuccogüsse bekannt, alle heute in Museumsbesitz.
Provenienz: Privatbesitz Norddeutschland


gustav wunderwald (1882 Köln – 1945 Berlin)
7129 Märkisches Dorf Öl auf Holz. Um 1930.
50 x 70 cm.
Unten rechts signiert (in die feuchte Farbe geritzt) „G. Wunderwald“, verso (wohl von fremder Hand) mit Bleistift betitelt und zweifach mit dem Nachlaßstempel. Reinhardt 167.
7.500 €
Ein anonymes und zugleich vollkommen charakteristisches märkisches Dorf unter grau verhangenem Himmel, der dennoch die Häuser und kahlen Bäume in hellem, klarem Licht erscheinen lässt. Ganz ohne figürliche Staffage erstreckt sich die sandige, ungepflasterte Dorfstraße zentral und bestimmend von vorne nach hinten durch die Komposition. Mit akribischer Gründlichkeit des feinen Pinsels, pastosem Farbauftrag und zurückhaltendem Kolorit widmet sich der Künstler der unterschiedlichen Beschaffen-
heit der schlichten Wohnhäuser, ihrer Fassaden, Fenster und Zäune ebenso wie der Natur. „Die Redlichkeit und Akribie der Schilderung des Vorgefundenen, die Wunderwalds Berlin-Berichte auszeichnen, findet man auch in den Sommer- und Winterlandschaften Ostpreußens und der Mark.“ (Hildegard Reinhardt, Gustav Wunderwald (1882-1945), Hildesheim 1988, S. 29).
Provenienz:
Nachlass Gustav Wunderwald Ehemals Galerie Gunzenhauser, München Privatsammlung Berlin
Ausstellung:
Neue Sachlichkeit - 12 Maler zwischen den Kriegen, Galerie Gunzenhauser, Köln 1975, Kat.-Nr. 35 (Abb. S. 21)
Gustav Wunderwald. Gemälde, Handzeichnungen, Bühnenbilder, Berlinische Galerie, Berlin, und Städtische Galerie Albstadt 1982/83, Kat.-Nr. 86

ernst fritsch (1892–1965, Berlin)
7130 Sanssouci Öl auf Leinwand. 1927. 60 x 73 cm.
Unten links mit Pinsel in Rot signiert „E. Fritsch“ und datiert, verso mit Kreide in Rot bezeichnet „50“.
3.500 €
Eine völlig undramatische Szene: Vorbei am Bahnhof Sanssouci mit seinem alten Bretterzaun und wehenden Fahnen spaziert die junge Frau und ist in der Rückenansicht mit deutlicher Distanz zum Betrachter in einer unprätentiösen, kühlen und herben For-
mensprache gezeichnet. Schattenlos, in leuchtend heller Farbigkeit und ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit erfasst Fritsch, dessen frühes Schaffen noch von einem kubistisch-expressionistischen Stil dominiert war, die sommerliche Szenerie. Der Berliner Maler war seit 1919 Mitglied der damals von Lovis Corinth geleiteten Berliner Sezession und der Novembergruppe. Seit 1925 war er bei Ausstellungen der Neuen Sezession in München vertreten, 1946 wurde er Professor an der Berliner Hochschule für Bildende Künste. Heute wird er der „Verlorenen Generation“ zugerechnet.
Provenienz: Grisebach, Berlin, Auktion 41, 26.11.1994, Lot 215 Privatsammlung Berlin

franz radziwill
(1895 Strohausen – 1983 Wilhelmshaven)
7131 Zehn Radierungen
10 Bl. Radierungen auf festem Velin. 1922. Ca. 19,5 x 24 cm (34 x 49 cm).
Alle signiert „Fr. Radziwill“. Presler 13-22.
8.000 €
Die komplette Folge von Radierungen. Von der geplanten Auflage von 60 Exemplaren, herausgegeben von der Werkstatt Lerchenfeld, Hamburg, wurden wohl laut Presler lediglich maximal 35 gedruckt. Zwanzig Mappen wurden von den Nationalsozialisten in Hamburg beschlagnahmt und zerstört. Motivisch beziehen sich die Radierungen teilweise auf Kompositionen in Radziwills Aquarellen und Gemälden. Enthalten sind: „Stilleben“, „Mädchen am Tisch“, „Ostfriesisches Haus“, „Frauen am Strand“, „Frauen am Tisch“, „Frauen sich kämmend“, „Landschaft mit Fabrik“, „Landschaft“, „Zwei Akte“ sowie „Haus und Boot“. Ganz prachtvolle, kräftige Drucke mit ausdrucksvollem Plattenton und tief eingeprägter Plattenkante. Sehr selten
heribert fischer-geising
(1896 Teplitz-Schönau – 1984 Freiburg)
7132 Frau in Grün mit grünem Buch Öl auf Leinwand. 1930. 114 x 62 cm.
Oben rechts mit Pinsel in Orange signiert „Fischer-Geising“ und datiert.
3.000 €
Geschult am Stil der Neuen Sachlichkeit, erfasst der Künstler die ruhig sitzende Frauenfigur in leicht stilisierten, klaren Formen und einem kunstvoll übersteigerten Schwerpunkt in der Farbgebung: Grün dominiert nicht nur die Gegenstände und den Hintergrund, sondern bestimmt auch die Schattierungen des subtil gestrichelten Inkarnats. Allein die geometrischen Muster des Schals leuchten kontrastierend blau-rot-orange und verstärken die farbliche Intensität der Komposition. Ausgebildet wurde Fischer-Geising ab 1914 bei Oskar Zwintscher und anschließend bei Robert Sterl an der Königlichen Kunstakademie in Dresden; den Doppelnamen nahm er erst nach dem Ersten Weltkrieg nach seinem Wohnort im Erzgebirge an.
Provenienz: Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam


arthur degner (1887 Gumbinnen – 1972 Berlin)
7133 Drei Frauen Öl auf Hartfaser.
85 x 65 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Degner“, verso nochmals mit Pinsel in Schwarz signiert „Degner.“ sowie mit Bleistift bezeichnet „28“ und mit Adressangaben.
1.500 €
Plakativ und als kompakte Gruppe inszeniert, zeigt Arthur Degner drei von locker drapierten Tüchern umhüllte Frauen mit symbolischen Früchten – in Anlehnung an die Drei Grazien, Sinnbilder von
Anmut, Schönheit und Freude. Ihre Körper formuliert er mit einem lockeren, großzügigen Duktus, die pastos aufgetragenen, kontrastierenden Farben sowie dunkle Konturen und vereinfachte Formen entsprechen ganz Degners spätexpressionistischer Bildsprache. Wie auch sein Freund Lovis Corinth, der einen großen Einfluss auf ihn ausübte, war Degner einer der wenigen bekannteren Künstler aus den ehemaligen deutschen Ostprovinzen. Beinahe sein gesamtes Frühwerk wurde im Krieg bei einem Bombenangriff zerstört.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
Ausstellung: Juryfreie Kunstausstellung, Berlin, 23.04.-15.05.1968, Kat.-Nr. 3 (mit Abb.)

curt ehrhardt (1895 Jerichow – 1972 Schwarz/Hessen) 7134 „Unmut“ Öl auf Malpappe. 1953. 40,5 x 33,5 cm (Passepartoutausschnitt). Unten rechts mit Pinsel in Blauschwarz signiert „C. Ehrhardt“, verso datiert und betitelt.
1.800 €
Ein Gemütszustand, umgesetzt als expressiv abstrahierte Komposition. In kleine Farbflächen segmentiert ist das vielfigurige, komplexe Gemälde „Unmut“. „Jede wirkende Macht ist real. Ungeheures aber schafft die Transzendenz“, notierte sich Ehrhardt bereits 1918 (zit. nach: P. Arlt, Der Maler Curt Ehrhardt, Weimar 2002, S. 82)
Ehrhardt kam nach dem Besuch einer Ausstellung des „Sturm“ zu der Überzeugung, sich statt den Rechtswissenschaften ganz der modernen Malerei widmen zu müssen. 1918 trat er der neu gegründeten „Novembergruppe“ bei. Neben der künstlerischen Avantgarde des „Sturm“ und des Blauen Reiters beeinflussten den Künstler der Futurismus und der Orphismus Robert Delaunays. Unter den Nazis verfemt und in der DDR vom offiziellen Kunstbetrieb ausgeschlossen, blieb Ehrhardt auch nach seiner Übersiedlung nach Westdeutschland öffentliche Anerkennung verwehrt, und erst in den letzten Jahren wurde sein Werk wiederentdeckt.
Provenienz:
Ehemals Galerie Tableau, Berlin (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite)
Privatbesitz Hessen

josef hegenbarth
(1884 Böhmisch-Kamnitz – 1962 Dresden) 7135 Uhu
Leimfarbe auf Velin. 1936. 44,8 x 39,3 cm.
Oben rechts mit Feder in Schwarz signiert „Jos. Hegenbarth“.
Zesch B V 595.
2.500 €
Aus gelben Augen blickt der sitzende Raubvogel gerade aus dem Bild. Die krümelige Wirkung der Leimfarben und die weißen kreidigen Punkte unterstreichen in ihrem lebendigen Wechselspiel die Lockerheit der Gestaltung von Gefieder und Tierkörper, der Hintergrund in einem abgetönten hellen Kolorit bleibt lediglich angedeutet. Viele von Hegenbarths Tierstudien entstanden im Dresdner Zoo. „Im Bild des Tiermalers agieren die vierbeinigen und gefiederten Modelle allein, ganz auf sich selbst oder ihre unmittelbare Umgebung konzentriert, arttypisches Verhalten, beobachtet am
einzelnen Exemplar oder der Gruppe.“ (Renate Barth, in: Josef Hegenbarth, Werke aus dem Nachlass, Ausst.-Kat. Weimar 1980, S. 13). Verso eine weitere Zeichnung des Künstlers, „Kaffeehaus“, Aquarell und Leimfarbe, gekratzt, um 1925. Das Werkverzeichnis der Handzeichnungen Josef Hegenbarths von Ulrich Zesch wurde online eingesehen am 11.03.2026.
Provenienz: Walter Protze (um 1938) Nachlassbesitz Hamburg (um 1950) Hauswedell, Hamburg, Auktion 168, 1969 Galerie Pels-Leusden, Berlin 1972, Nr. 5 Privatbesitz
Ausstellung:
Das Tier in der Kunst des XX. Jahrhunderts (1880-1969), Galerie Pels-Leusden Berlin 1969, Nr. 54 Josef Hegenbarth. Aquarelle, Gouachen, Handzeichnungen und Grafiken, Galerie Pels-Leusden, Berlin 1972, Nr. 5

7136
willy jaeckel (1888 Breslau – 1944 Berlin)
7136 Liegender Frauenakt Pastell auf braunem Canson-Velin. Um 1930.
50 x 65 cm.
1.800 €
Wärme und Weichheit dominieren Duktus und Tonalität der Zeichnung. „Demonstriert Jaeckel in der Figurendarstellung einerseits die Beherrschung der unzähligen, klassischen akademischen Posen, so wählt er andererseits auch immer wieder die zwanglose natürliche Haltung des Modells (...). Der Maler fordert den Betrachter geradezu heraus, den an- und abschwellenden Linien der ins
Monumentale gesteigerten Plastizität der weiblichen Körperformen zu folgen und den privaten Blick auf das Modell zu wagen. Dabei geht es Jaeckel nicht um die Position des heimlichen Voyeurs, sondern darum, die Situation in ihrer Natürlichkeit als selbstverständlich zu erfahren. Jaeckels Figurenauffassung demonstriert in stilistischer wie soziologischer Hinsicht ein modernes Bild der Frau.“ (Dagmar Klein-Elsässer, Willy Jaeckel- So war mein Denken, Ausst.-Kat. Miesbach 2000, S. 70).
Provenienz: Nachlass des Künstlers Privatbesitz Berlin
hanns ludwig katz (1892 Karlsruhe – 1940 Johannesburg)
7137 Nordafrikanische Landschaft („Bahira“) Öl auf Holz. 1927/28.
86,6 x 92,2 cm.
Verso mit Kreide in Blau bezeichnet und zweifach betitelt „H.L.KATZ / Frankfurt a/M / Am Kirchberg 27 / ‚Bahira‘“, sowie mit altem Sammlungsetikett. Hofmann/Krohn 12.
7.000 €
Der Blick schweift von einer Anhöhe in den Sonnenuntergang über die weite, hügelige Küstenlandschaft Nordafrikas, in der Umgebung von Tunis. Nur ein kurzes Stück Bahngleis zeugt von menschlichem Einfluss und führt um die Kurve in einen Tunnel. Hanns Ludwig Katz, der in den späten 1920er Jahren ausgedehnte Reisen unternahm, zählt zu den Künstlern der Verschollenen Generation und emigrierte 1936 nach Südafrika, wo er 1940 verstarb. Vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten arbeitete er zunächst in Karlsruhe und später in Frankfurt am Main; 1919 wurde er im Kunstsalon Cassirer ausgestellt. In den 1920er Jahren entwickelte sich seine expressive Malweise hin zur Neuen Sachlichkeit. Lange Zeit blieb sein Werk nahezu unbeachtet, bis es 1984 von Henri Nannen - dem Stifter der Kunsthalle in Emden - wiederentdeckt wurde. Nannen erwarb einen ersten Grundstock für das Museum, das heute mit elf Arbeiten die größte institutionelle Sammlung
seiner Werke beherbergt. Insgesamt sind lediglich 76 Arbeiten von Katz erhalten und bekannt. Selten
Provenienz:
Nachlass des Künstlers
Privatsammlung Südafrika/Thailand
Grisebach, Berlin, Auktion 320, 10.07.2020, Lot 206 Privatsammlung Rheinland
Ausstellung:
The Hanns L. Katz (1896 [!]-1940) Memorial Exhibition, Johannesburg 1941 (Umschlagabb.)
Memorial Exhibition. Hanns L. Katz, Lawrence Adler Galleries, Johannesburg 1961, Nr. 18 („Bahira, North Africa“)
Hanns L. Katz, Alexis Preller, Irma Stern, Frans Oerder, Cassirer Fine Art, Johannesburg 1984, Liste Nr. 6 („Bahira“)
Hanns Ludwig Katz, 1892 - 1940, Jüdisches Museum Frankfurt a.M., Kunsthalle Emden (Stiftung Henri und Eske Nannen), 1992, Abb. S. 151 (verso mit deren Ausstellungsetikett)
Hanns Ludwig Katz, South African National Gallery, Cape Town 1993/94
Literatur:
E(rnest) U(llmann): Hanns L. Katz Exhibition, in: Jewish Affairs, 16. Jg., April 1961, S. 46



rudolf jacobi (1889 Mühlhausen – 1972 München)
7138 Brustbild eines Knaben in roter Weste Öl auf Leinwand.
51 x 41 cm.
Verso auf dem Keilrahmen mit dem blauen Nachlaßstempel sowie mit den Maßangaben und (von fremder Hand?) bezeichnet „147“.
2.000 €
Frische, leuchtende Farben bestimmen das sensibel gestaltete Portrait und betonen die strahlend blauen Augen. Wie häufig bei Jacobis späteren Bildnissen erscheinen die Konturen weich, ein wenig unbestimmt und von einer beinahe irritierenden Unschärfe. Rudolf und Annot Jacobis „Malschule Annot“ am Berliner Lützowplatz wurde 1933 geschlossen, da beide sich weigerten, jüdische Schülerinnen zu entlassen. Nach ihrer Emigration in die USA gründeten sie im New Yorker Rockefeller Center die „Annot Art School“. Rudolf Jacobi war einer der wenigen Künstler, die auch in der Emigration berufliche Erfolge mit mehreren Einzelausstellungen feiern konnten.
Provenienz: Nachlass des Künstlers Privatbesitz Süddeutschland
7139 Waldlandschaft
Öl auf Leinwand.
118 x 91 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Rudolf Jacobi“, verso auf dem Spannrahmen mit den Maßangaben sowie bezeichnet „39“.
1.200 €
Mit kurzen horizontalen Pinselhieben schildert Jacobi das Laubwerk der sommerlich grünen Bäume am Waldrand, den Himmel in sanft rosa abgetöntem Blau gestaltet er hingegen mit schrägvertikal geführtem, lockerem Duktus. Im Zusammenwirken beider Bildzonen entsteht eine duftige, heitere Atmosphäre. Jacobi, einer der bedeutenden Vertreter der sogenannten verschollenen Generation, lebte ab 1926 für zwei Jahre in Paris, wo ihn Maurice de Vlaminck stilistisch beeinflusste. Im Anschluss gründete er in Berlin die Malschule „Annot“ und trat der Berliner Sezession bei. Bald nach seinen ersten Ausstellungserfolgen emigrierte Jacobi 1933 und kehrte erst 1967 nach Deutschland zurück.
Provenienz: Privatbesitz Rheinland

moriz melzer
(1877 Albendorf, Riesengebirge – 1966 Berlin)
7140 Segelnder Fischer Öl auf Leinwand, auf Hartfaser kaschiert.
60 x 40 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Dunkelbraun signiert „M. Melzer“.
6.000 €
Die rhythmische Bewegtheit der See durchdringt die gesamte Komposition. Die Figur des Seglers, sein Boot und die Motive im Hintergrund, Wasser, Wolken und andere Segelboote, verschränken sich miteinander durch ihre Zerklüftung und Aufsplitterung in
wuchtige, scharfkantige Formen, so dass sie sich gegenseitig in der Kraft ihres Ausdrucks verstärken. Durch die Varianten der Formgebung und die Farbverteilung entsteht eine ruhige Zone in der unteren Bildhälfte des Vordergrundes und eine vehement bewegte Partie oben im Hintergrund. Melzer „knetet die Welt des Sichtbaren gewaltig um und formt sie nach seinen Gesetzen.“ (Gerhard Leistner, Streben nach reiner Kunst, in: Moriz Melzer. Werke von 1907 bis 1927, Ausst.-Kat. Ostdeutsche Galerie Regensburg 2007, S. 95). Nach seiner Teilnahme an der Berliner Sezession gründete der aus Böhmen stammende Melzer zusammen mit Pechstein, Tappert und anderen die revolutionäre Novembergruppe.
Provenienz: Privatsammlung Berlin

ludwig meidner (1884 Bernstadt – 1966 Darmstadt)
7141 Selbstportrait mit Haube Öl auf strukturierter Malpappe.1959. 77,5 x 58 cm (Passepartoutausschnitt). Oben links mit Pinsel in Rotbraun monogrammiert „LM“ und datiert.
6.000 €
Mit freundlicher Ruhe blickt Meidner direkt zum Betrachter, den Kopf und Oberkörper nach rechts gewandt. Ein warmes Leuchten überstrahlt das Selbstbildnis des Künstlers, dessen lockerer, lebhafter und zügiger Pinselduktus in seiner Lebendigkeit die Farbwirkung unterstreicht. Mit tupfend aufgesetztem Pinsel modelliert 7141
Meidner Höhen, Falten und Strukturen des von großer Lebenserfahrung sprechenden Gesichts. Als Malgrund verwendet er zu dieser Zeit vielfach derartige Malpappen mit geprägter Leinwandstruktur. „Aus den Selbstbildnissen der letzten Jahre sieht uns ein Überlegener an, einer, der überwunden, ein Weiser, der alle Stürme überstanden hat. Einigemal ist in seinem Gesicht gar ein Anflug von Humor wahrzunehmen.“ (Thomas Grochowiak, Ludwig Meidner, Recklinghausen 1966, S. 217). Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.
Provenienz:
Privatbesitz New York William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 643 Privatbesitz Österreich

ludwig meidner
7142 Selbstportrait Öl auf Hartfaser.
50 x 43 cm.
Oben links mit Pinsel in Dunkelbraun monogrammiert „LM“.
5.000 €
Von Müdigkeit keine Spur. Ebenso wach wie seine Umwelt betrachtet der Künstler die eigene gealterte und immer noch pfiffige Physiognomie. Liebevoll und leichthändig modelliert er die wohlvertrauten Züge durch, lässt von oben links ein strahlendes Licht helle Reflexe auf den kahlen Schädel, auf Wange und Nasenrücken
werfen und verleiht dem Gesicht eine gesunde, lebendig frische Farbe. Der auf den ersten Blick zurückhaltende, grünbräunliche Hintergrund offenbart bei näherer Betrachtung der dynamischen Pinselzüge eine Vielzahl differenzierter Farbnuancen, die die Konturen des Brustbildes umspielen und oben links, im Bereich des Monogramms, ein wie Abendrot schimmerndes Leuchten erzeugen. Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.
Provenienz:
Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 644
Privatbesitz Österreich

ludwig meidner
7144 Weiß gedeckter Tisch mit Blumen Öl auf Malpappe. 1961.
56 x 50 cm.
Oben rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „LM“ und datiert.
2.200 €
Wie nach einer Feier quillt der Tisch über vor lauter Blumensträußen und Gefäßen, die sich unordentlich auf der schimmernden weißen Damasttischdecke drängen. Der bequeme Lehnstuhl mit dickem Kissen direkt daneben fordert zum Verweilen auf, und so erscheint die Szenerie wie eine ins Bild gesetzte Einladung, voller Farbe und Lebensfreude. Mit sicherer Hand und ausgewogener Komposition organisiert Meidner die Bildfläche, pastos modelliert sein Pinsel vor dem monochromen, lasierend aufgetragenen Hintergrund dieses sehr lebendige Stilleben. Mit der Familie Kisch, aus deren Besitz das Gemälde stammt, war Meidner bekannt; Bruno Kisch emigrierte nach New York. Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.
Provenienz:
Ehemals Guido Kisch, Basel (mit dessen Stempel verso)
Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 642
Privatbesitz Österreich
ludwig meidner
7143 Stilleben mit Heringen, Flasche und Zwiebeln Öl auf Malpappe. 1963.
59,5 x 49,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Rot monogrammiert „LM“ und datiert.
3.500 €
Ein einfaches Mahl. Zuvor aber dient der Küchentisch Meidner noch als Modellvorlage. „Das Malen muss schnell vonstatten gehen, damit danach der Schmaus noch einigermaßen frisch zubereitet werden kann.“ (Thomas Grochowiak, Ludwig Meidner, Recklinghausen 1966, S. 211). Zügig, mit weichem und lockerem Duktus erfasst der Künstler die ausgenommenen, silbrig schimmernden Fische und die Zwiebeln vor einem warmen, orangetonigen Hintergrund, den die helle Schüssel und die dunkle Flasche um einem effektvollen Kontrast bereichern. Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.
Provenienz:
Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 646
Privatbesitz Österreich

ludwig meidner

7145 Portrait eines Jungen mit Hut und rotem Tuch Öl auf strukturierter Malpappe. 1963.
59 x 48,5 cm.
Unten links mit Pinsel in Rot monogrammiert „LM“ und datiert.
3.000 €
Ein markantes und eigenwilliges Gesicht leuchtet in vielfältig variierten Tonwerten unter dem Schatten der breiten Hutkrempe hervor, darunter blüht ein intensives Rot im Halstuch des Jungen, während die Darstellung in ihrer Gesamtheit der großen Flächen von Hut, Körper und Hintergrund von dunkeltonigen Valeurs dominiert wird. Vehemente Pinselstriche strukturieren diese an
sich gedämpften, beinahe stumpfen Farbflächen und verleihen ihnen Lebendigkeit. „Konzentrieren wir unsere Blicke jedoch auf die Gesichter, dann wird unser Erstaunen nicht gering sein über den Reichtum der Palette und über die lebendige und nuancenreiche farbige Instrumentierung von Inkarnat und Haar.“ (Thomas Grochowiak, Ludwig Meidner, Recklinghausen 1966, S. 212). Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.
Provenienz:
Ehemals Guido Kisch, Basel (mit dessen Besitzvermerk verso)
Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 645
Privatbesitz Österreich
albert gleizes (1881 Paris – 1953 Avignon)
7146 Deux bouteilles, un bocal et un pichet Bleistift auf gewalztem Velin. 1942.
27 x 21,2 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „AGleizes“ und datiert, verso auf dem Karton mit dem Stempel „ALBERT GLEIZES“. Varichon 2019.
2.400 €
Gleizes‘ Verbindung zum synthetischen Kubismus ist auch in der späteren, harmonischen Zeichnung noch spürbar. Während die Gegenstände des Arrangements von Gefäßen im Zentrum der Komposition mit dichten Schraffuren sorgsam ausgearbeitet sind, bleibt das Interieur weitgehend angedeutet und dennoch von überzeugender Räumlichkeit.
Provenienz:
Rémy le Fur Associes, Paris (mit dessen Klebetikett verso auf dem Karton)
Marco Angelini and Co. Ltd. at St. James´s Art books Privatsammlung Deutschland Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

hans thiemann (1910–1977, Berlin)
7147 „Stilleben hinter Blau“ Öl auf Leinwand. 1934-37. 134 x 83 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „hans thiemann“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen mit Pinsel in Schwarz nochmals datiert und betitelt. Essen 15.
8.000 €
Das vielschichtige Vexierspiel zwischen verschiedenen Realitätsebenen und den gestaffelten, in subtil abgestuften Farbwerten gestalteten Raumelementen beherrscht bereits die bedeutende frühe Komposition Thiemanns. Erst kurz zuvor, um 1933, wandte sich der Künstler „jener metaphorisch abstrakten Formensprache zu, die fortan seine Bildwelt bestimmt. Sie führt ihn zurück zu den
Grundelementen der abstrakten Malerei, zu Punkt, Linie und Fläche im Sinne seines Lehrers Kandinsky.“ Mit dieser elementaren Formensprache baut er jedoch eine ganz eigene, metaphernreiche und geradezu dichterische Bildwelt auf. „Hier wird die Nähe zu seinem zweiten großen Lehrer am Bauhaus, zu Klee, spürbar.“ (GerdWolfgang Essen, Hans Thiemann. Das malerische Werk, Hamburg 1977, S. 15). Es findet sich hier zum ersten Mal ein bevorzugtes Element seiner Bilder: die aufrecht stehende Sprossenleiter, deren zeichenhaften, mehrdeutigen Charakter Thiemann bewusst unbestimmt belässt.
Provenienz: Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam
Literatur:
Hans Thiemann und die Berliner Fantasten, Ausst.-Kat. bauhausarchiv Berlin 2000, Abb. S. 28


werner heldt
(1904 Berlin – 1954 San Angelo/Ischia)
7148 Straße mit Menschenmenge
Pinsel in Schwarz auf dünnem Velin. 1946.

20,8 x 29,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „WH.“ und datiert.
Seel 370.
3.500 €
Einer Flutwelle ähnlich strömt die Menschenmenge in den Vordergrund und verwandelt die Straße in einen reißenden Fluss. Die Antlitze zeichnet Heldt mit merkwürdig derben, maskenhaft vereinfachten Grimassen, und er sperrt die demonstrierende Menge in die geometrische Form der stilisierten Fassaden ein. Starke SchwarzWeiß-Kontraste dominieren das Blatt. Bereits um 1935 entstanden Zeichnungen Heldts zum Motiv der Menschenmenge (vgl. z.B. Seel 315), in denen er sich u.a. mit den Thema der Revolution von 1848 auseinandersetzte, und er verfasste zudem 1935 unter dem Titel „Einige Beobachtungen über die Masse“ einen Text dazu.
Provenienz:
Bassenge, Berlin, Auktion 20, November 1972, Lot 1199
Privatbesitz Berlin

werner heldt
7149 Berliner Häuser
Pinsel in Schwarz auf Velin. Um 1947.
21,2 x 24,2 cm.
Verso mit Kugelschreiber in Blau von Eberhard Seel signiert sowie mit dem Nachlaßstempel, dort mit Bleistift bezeichnet „98“. Seel 477.
1.500 €
Wie fragile Kartenhäuser erscheinen die Gebäude in Werner Heldts „Häuserstilleben“. Die Fassaden ruhen schwebend auf einer geschwungenen Linie, fast wie auf einem Boot. Heldt schuf zahlreiche Zeichnungen und Lithographien zum Thema „Berlin am Meer“, in denen er die unsichere Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg symbolisiert. „Werner Heldt ist der Maler Berlins in einem besonderen Sinn. Er gibt uns das Bild einer von allem Lokalkolorit entschlackten Stadt. Durch diese Stadt ist der Abgrund der Zeiten gegangen. (...) Ein kalter Wind hat ihre Straßen leergeweht, reingefegt.“ (Wieland Schmied, Das Werk Werner Heldts, in: Eberhard Seel, Werner Heldt, Köln 1976, S. 8).
Provenienz:
Ehemals Dr. Marianne Richter, Berlin
Privatbesitz Berlin
7150 Stilleben vor Häuserfront
Aquarell und Pinsel in Schwarz auf Bütten. 1954. 21,3 x 48 cm.
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert „WH.“ und datiert.
Seel 803.
7.000 €
Konzentriertes und koloristisch wirkungsvolles Stadtstilleben, eines der Hauptmotive Heldts der Nachkriegszeit. Das Arrangement im Vordergrund erscheint monumentalisiert. Mit vereinfachten, geometrisierten Formen und harten Schwarz-Weiß-Kontrasten zeichnet Werner Heldt seine teils klaren, teils ambivalenten und schwer deutbaren Bildgegenstände. Er beschränkt sich auf wenige, klare Farben und versetzt mit einer bogenförmigen Konturlinie zwischen Vorder- und Hintergrund die Komposition in Schwingung. Die kurzen Vertikalen der Fenster in der langen Fassadenfront nehmen mit ihrer rhythmischen Wellenbewegung diesen Schwung auf. Ein kühles, helles Licht erfüllt die Komposition mit jener kristallinen Klarheit, die so charakteristisch für Heldts späte Stadtstilleben ist.
Provenienz:
Grisebach, Berlin, Auktion 251, 27.11.2015, Lot 612
Privatbesitz Berlin
serge poliakoff (1906 Moskau – 1969 Paris)
7151 Composition abstraite Fettkreiden, Rötel und Gouache, teilweise laviert und gespritzt, auf Montgolfier-Velin. 1946-48. 64 x 49,2 cm.
Unten links mit Kohle signiert „SERGE POLiAKOFF“, verso mit Graphitstift numeriert „P-380-“. Poliakoff I/48-16.
15.000 €
Die abstrakte Zeichnung entstand um das für Poliakoff wichtige Jahr 1946, als er am Salon des Réalités Nouvelles in Paris teilnahm, sich seine reiche Farbpalette auf wenige sanfte Töne reduzierte und er seine erste Lithographie schuf. In einem zeichnerischen Liniengerüst durchdringen und verschachteln sich verschiedene geometrische Formen und schweben im undefinierten Bildraum. Sanfte, flächige Farbakzente erreicht Poliakoff durch das Aufspritzen von Rot und Blau, teils mit schablonenartigen Aussparungen. Figurative Anklänge sind vollständig aufgelöst; stattdessen entfaltet die Linie aus der Mitte heraus ein rhythmisches Muster, das später in seinen farbintensiven, organisch anmutenden Farbflächen der Malerei fortwirkt. Dieser Übergang zur Abstraktion zeigt sich wunderbar an einer weiteren, blattgroßen Zeichnung verso
„Liegender Akt“ (Liegender Akt, Kohle und Gouache). Mit einer Fotoexpertise von Alexis Poliakoff, Archives Serge Poliakoff, Paris, vom 12.07.2000 (in Kopie). Das Werk ist dort unter der Nummer „846012“ registriert.
Provenienz:
Sotheby‘s London, Auktion 30.03.2000, Lot 101 Privatsammlung Rheinland
Ketterer, München, Auktion 277, 06.12.2002, Lot 153 Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
Van Ham, Köln, Auktion 06.06.2024, Lot 521
Privatsammlung Rheinland
Ausstellung: Serge Poliakoff, Galerie Creuzevault, Paris 1957 (Ausst. Kat Nr. 2, mit Abb.)
Literatur:
Dora Vallier, Serge Poliakoff, Les Cahiers d‘Arts, Paris 1959, S. 43 (mit Abb.)
Jean Cassou, Serge Poliakoff, Amriswil 1963, Nr. 3 (mit Abb.)
Gérard Durozoi, Serge Poliakoff, Expressions contemporaines, Angers 2001, S. 131



serge poliakoff
7152 Composition grise, verte et bleue Farblithographie auf Velin. 1966.
48 x 63 cm (63,3 x 80 cm).
Signiert „Serge Poliakoff“. Auflage 150 num. Ex. Rivière 54.
1.800 €
Herausgegeben von der Erker Presse, St. Gallen, mit deren Blindstempel unten links. Rivière notiert eine Auflage von 200 signierten Exemplaren. Eine unsignierte Auflage erschien als Ausstellungsplakat des Kunstmuseums St. Gallen von 1966. Ausgezeichneter Druck mit Rand.
7153 Composition orange et verte Farblithographie auf Velinkarton. 1964.
61 x 45,1 cm (70 x 49,2 cm).
Signiert „Serge Poliakoff“. Auflage 300 num. Ex. Poliakoff/Schneider 43.
2.000 €
Gedruckt bei H.P. Alvermann, Düsseldorf, herausgegeben von den Städtischen Kunstsammlungen, Bonn, mit deren Blindstempel unten links. Prachtvoller Druck mit Rand.
moissey kogan
(1879 Orgjejeff – 1942/43 in einem KZ)
7154 Freundinnen II
Bronze mit schwarzbrauner Patina, auf grauen Marmorsockel montiert. Um 1933.
16,7 x 7,8 x 7,5 cm.
Verso unten (teils undeutlich) signiert „M. KOG(AN)“.
Henkel 165 (in den Maßen minimal abweichend).
3.800 €

Eines der Lieblingsthemen Kogans war der weibliche Akt, in dessen Darstellungen er sich von Renoir wie auch von Rodin und Maillol beeinflusst zeigt. Die Bronze mit offener Rückseite, im Grunde ein Hochrelief, zeigt sich in locker schwingender Bewegtheit und lebendiger, etwas rauer Oberfläche. Die Auflage der um 1933 gegossenen Bronzen betrug wohl 6 Exemplare; zudem wurde um 1960 mindestens ein späterer Guss angefertigt (vgl. moisseykogancr. org). Prachtvoller Guss mit schöner Patina.
Gesamthöhe mit Sockel: 21,3 cm.
Provenienz:
Privatsammlung Amsterdam Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

willi baumeister (1889–1955, Stuttgart)
7155 Salome IV (Variante): Der Prophet schmäht Herodias
Kreide, Feder in Schwarz und Kohle auf halbtransparentem Velin. 1946.
20 x 30,8 cm.
Baumeister 1372.
1.500 €
Zeichnung zur Lithographie gleichen Titels, ebenfalls 1946 entstanden als Blatt 6 der Mappe „Salome und der Prophet“ (Spielmann/ Baumeister 59). Das Spätwerk Baumeisters beherrscht „ein Vokabular von amorph-figürlichen, zeichenhaft überlieferten archaischen Reliefstrukturen, dialogisch, landschaftlich, schwebend, in Bewegung“ (Dietmar J. Ponert, Willi Baumeister, Stuttgart 1988, S. 28). Sowohl die Abstraktion in den typischen weichen, vereinfachten Formen als auch die Verrätselung erkennbarer Bildinhalte zeigt sich in unserer Arbeit. Die kräftigen Konturen der Figuren stehen in einem schönen Gegensatz zu den in Frottagetechnik gestalteten, wabenförmigen Untergrundmustern. Beigegeben: Eine signierte Farblithographie von Willi Baumeister, „Komposition“, 1947 (Spielmann 144 b).
Provenienz: Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion 259, 07.06.1985, Lot 94 Privatbesitz Hessen

willi baumeister
7156 Montaru Farbserigraphie auf festem Velin. 1953/54. 54,5 x 65 cm (63 x 75 cm).
Signiert „Baumeister“ und datiert. Auflage 90 num. Ex. Spielmann 38, Spielmann/Baumeister 196.
2.500 €
Prominentes, großformatiges Motiv aus der wohl bekanntesten Serie Baumeisters, entstanden zwischen 1953 und 1955 in der Technik des Seidensiebdrucks bei Poldi Domberger in Stuttgart, dessen Druckerei sich im gleichen Gebäude befand wie Baumeisters Atelier. Prachtvoller Druck mit kleinem Rand.

gustav seitz (1906 Neckarau bei Mannheim – 1969 Hamburg)
7157 Brecht mit Zigarre (Statuette I)
Bronze mit schwarzer Patina auf Bronzeplinthe. 1957/58. 49,5 x 16,5 x 14,5 cm.
Verso hinter dem rechten Bein auf der Plinthe signiert „Seitz“.
Grohn 121.
7.500 €
Der runde Kopf, die etwas schiefe Nase und die eng zusammenstehenden Augen machen die charakteristische Gestalt Bertolt Brechts auf den ersten Blick erkennbar. Mit leichter Stilisierung und Reduktion der Formen verleiht Seitz der Figur eine fast monumentale Einfachheit. Nachdem er 1949, in der Zeit des Kalten Krieges, den Nationalpreis der DDR entgegengenommen hatte und Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin (Ost) wurde, suspendierte man Seitz von seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule für bildende Künste und erteilte ihm mit sofortiger Wirkung Hausverbot. Er zog in den Ostteil der Stadt um, 1958 weiter nach Hamburg. In dieser Zeit der Umbrüche entstand die Figur des stehenden Dichters. „Den Bildhauer verband mit dem Dichter eine lange vertrauensvolle Freundschaft und der gemeinsame Kampf gegen die Gängelung durch die Obrigkeit der DDR, die die Lehrtätigkeit an der Akademie argwöhnisch überwachte. Dennoch begann er die Arbeit an seinem Porträt erst nach dem Tod Brechts im Jahr 1956. Über 11 Jahre hinweg beschäftigte ihn das Bildnis. Die zahlreichen Zeichnungen, die Statuetten, Masken und Köpfe, die alle aus dem Gedächtnis entstanden, sind Zeugnis seines intensiven geistigen Dialogs mit dem Dichter und dem privaten Brecht (...) Die Statuetten von 1957/8 scheinen die Wiedergabe eines alltäglichen Erlebnisses einer Theaterprobe zu sein, die Brecht leitete und der Seitz häufig zusah. Die starke Reduzierung aber aller narrativen Details zeigt, dass Seitz hier keinen vorübergehenden Moment festhalten wollte, sondern das Typische, das Gültige in der Haltung des verehrten Freundes.“ (Brigitte Heise, in: Gustav Seitz. 50 Köpfe, Hamburg 2013, S. 18). Grohn sind elf Güsse bekannt. Prachtvoller Guss mit homogener Patina.
Provenienz: Privatsammlung Berlin

7158
inos corradin
(1929 Vogogna – 2025 Jundiaí, Brasilien)
7158 „Al Bar: Bevitore“ Öl auf strukturierter Malpappe. 39 x 29 cm (Passepartoutausschnitt).
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Inos“, verso betitelt und mit den Maßangaben.
1.200 €
Die tiefe Dunkelheit der Augen lässt das Gesicht des Trinkers in der Bar maskenhaft leer erscheinen. Charakteristisch leuchtende Farben verwendet der Künstler für die stilisierte sitzende Figur vor dunklem Hintergrund. Der Maler, Bühnenbildner, Graphiker und Zeichner Inos Corradin, ausgebildet an der Accademia di Belle Arti di Venezia, lebt seit 1950 in Brasilien. Seine farbintensiven, humorvollen Landschaften, Figuren und Stilleben stellte er in zahlreichen Einzelausstellungen, u.a. in Italien, Israel, Deutschland, der Schweiz, den Vereinigten Staaten, Argentinien und Kanada, aus.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland

theo hölscher (1895–1966, Münster)
7159 Östliche Segler
Öl auf Malpappe. 1948.
40 x 74 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Theo Hölscher“ und datiert, verso wohl nochmals signiert, datiert und betitelt.
1.500 €
Kristalline geometrische Formen und eine harmonische, gedeckte Tonalität in ausgewogenem Hell-Dunkel bestimmen die Küstenszenerie mit Segelschiffen. Hölscher, ausgebildet 1919-22 an der Akademie in Kassel, war 1927 Mitbegründer der Gruppen „Junges Westfalen“ in Hamm und „Schanze“ in Münster. Nach dem Krieg und kurz vor Entstehen des vorliegenden Gemäldes gehörte er zu den Gründern des Westdeutschen Künstlerbundes in Hagen. Dass er sich bald darauf der gegenstandlosen Malerei zuwandte, deutet sich in der Abstraktion des Gemäldes „Östliche Segler“ bereits an.
Provenienz:
Venator & Hanstein, Köln, Auktion 01.10.2022, Lot 822
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

carl-heinz kliemann (1924–2016, Berlin)
7160 Zwischen den Mauern Öltempera auf grober Leinwand, in Atelierleiste. 1954. 77 x 118 cm.
Unten links mit Pinsel in Braun signiert „Kliemann“ und datiert.
Kliemann B 54,6.
4.000 €
Eine dystopische Szenerie: Mauern durchziehen kantig die gesamte Breite der menschenleeren Landschaft mit den finster-kahlen Bäumen. Tiefschwarze Schatten und scharfe, zackige Konturen sowie die dunkeltonige Palette verleihen der spannungsreichen Komposition einen düsteren Zauber. Seinen zentralen Darstellungsmotiven treu bleibend, schuf Kliemann in den 1950er Jahren eine überschaubare Anzahl an Ölgemälden und diverse, in der Komposition ähnliche Farbholzschnitte.
Provenienz: Privatsammlung Berlin


carl buchheister (1890–1964, Hannover)
7161 „Komposition Furi“
Mischtechnik mit Aquarell, Schnüren, Draht und Collage unterschiedlicher Materialien auf dicker Pappe, auf weiß bemalten Keilrahmen montiert. 1963.
42 x 29,9 cm.
Verso mit Kugelschreiber signiert und bezeichnet „Carl Buchheister Hannover“, datiert, betitelt und mit Größenangaben.
Buchheister/Kemp 1963/11.
1.200 €
In dieser ungewöhnlichen Collage experimentiert Buchheister ein Jahr vor seinem Tod mit einem ideenreichen Materialmix und schafft haptische Akzente durch das Aufkleben von ovalen Objetekn, teils als Fragmente, mit rauer Oberfläche in der Anmutung von Kartoffelchips.
Provenienz:
Galleria Milano, Mailand (rückseitig mit Galerieetikett)
Andreas Sturies, Düsseldorf, Auktion 16.11.2002, Lot 34
Privatsammlung Rheinland
Ausstellung:
Galleria L‘Attico, Rom, 13.03.1965, Kat.-Nr. 26, S. 30 (mit Abb.)
Galleria Senior, Rom 1968, Kat.-Nr. 13
hannah höch
(1889 Gotha – 1978 Berlin)
7162 Weiblicher Kopf und Katze
Pinsel und Feder in Schwarz auf Velin.
29,4 x 20,8 cm.
900 €
In spinnenwebfeinen Verästelungen verläuft die Tusche auf dem angefeuchteten Papier, so dass die sparsamen, elegant geschwungenen Federlinien sich in phantastischen Formationen ausbreiten und verwandeln. Der Schönheit und Eleganz der Frauengestalt mit der zarten Katze unten links tut dieses Spiel der Künstlerin mit den Zufälligkeiten der Farbverläufe jedoch keinen Abbruch.
Provenienz: Grisebach, Berlin, Auktion 192, 26.11.2011, Lot 783
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

7163 Abstrakte Komposition
Aquarell, Deckweiß und Pinsel in Schwarz auf Japan. 50,5 x 74,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Grau monogrammiert „H.H.“. 2.000 €
Dynamische Komposition in leuchtend-transparenter Farbigkeit und mit lebendiger Kontrastwirkung. Geradezu explosiv streben die geometrischen Farbflächen auseinander, konturiert von spitzwinklig aufeinandertreffenden Geraden. Die Orlik-Schülerin Hannah Höch wusste sich im „Männerclub“ der Berliner Dadaisten zu behaupten. Sie war nicht nur Muse und kooperative Freundin von Arp, Schwitters und van Doesburg, sondern vor allem höchst produktiv in ihrem eigenen vielseitigen Schaffen. Höch blieb zwar in bestimmten Farben und Mustern auch später ihren Lösungen der 1920er Jahre treu, entwickelte sie aber mannigfaltig weiter.
Provenienz:
Irene Lehr, Berlin, Auktion 25.10.2014, Lot 176 Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

herbert behrens-hangeler
(1898 Berlin – 1981 Fredersdorf bei Berlin)
7164 Ohne Titel
Collage. Offset und farbige Tonpapiere auf Velin. 1950er Jahre.
60 x 42 cm.
Unten links monogrammiert (collagiert) „h“.
900 €
Die detailreiche abstrakte Komposition führt Behrens-Hangeler in seiner bevorzugten Technik der Collage aus. Sie zeugt von seinen künstlerischen Wurzeln im Berlin der 1910er Jahre. Der Collagetechnik blieb er treu und verband mit ihr später sein Interesse für experimentelle Fotografie. Von 1949 bis 1963 war er als Lehrer für Farblehre und Maltechnik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee tätig, zu seinen berühmtesten Schülern gehört Georg Baselitz.
Provenienz:
Nachlass des Künstlers
Provenienz: Privatsammlung Rheinland 7164
arthur aeschbacher
(1923 Genf – 2020 Paris)
7165 Ohne Titel
4 Décollagen, je auf festem, mit Packpapier überzogenem Unterlagekarton. 1963.
Je 28,5 x 19,5 cm.
Alle mit Bleistift signiert „aeschbacher“ und datiert.
2.500 €
Nach seiner Ausbildung an der École des Beaux-Arts in Genf schloss sich der Schweizer Künstler Arthur Aeschbacher ab 1959 den Affichisten des Nouveau Réalisme an, die Abrisse von Plakaten in sogenannten Décollagen neu kombinierten und zusammenklebten.
Grisebach, Berlin, Auktion 31.05.2014, Lot 1031
Privatbesitz Rheinland


arnold fiedler (1900–1985, Hamburg)
7166 Abstrakte Komposition (Schiffe und Brücke) Tempera auf dicker Malpappe. 1950. 26 x 42 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Hellgrau signiert „Arnold Fiedler“ und datiert. Nicht bei Schoop.
1.200 €
Mit spielerischer Leichtigkeit und harmonierender Farbigkeit bewegt sich Fiedler in dieser Arbeit zwischen einer noch gegenständlich lesbaren Bildsprache und zunehmender Abstraktion, zu der er sich nach dem Zweiten Weltkrieg früh bekennt. Die Arbeit gehört
als weitere Variante in eine Werkgruppe, die er zwischen 1950 und 1951 schuf und die im Werkverzeichnis von Uta Schoop mit den Titeln „Hafen mit Brücke“ bzw. „Schiff mit Brücke“ gelistet werden (vgl. Schoop G 79, 80, 86). Fiedler, der vor dem Krieg in München von Hans Hofmann ausgebildet wurde und später der Hamburgischen Sezession angehörte, emigrierte 1938 nach Paris, bevor er in den Volkssturm einberufen wurde. Zurück in Hamburg nach dem Krieg, blieben seine Nähe zur französischen Avantgarde und seine intensive Auseinandersetzung mit dem französischen Surrealismus, während er sich parallel dem Informel und Tachismus zuwandte. Verso mit einer weiteren abstrakten Komposition, einer Variante von „Blaues Zimmer“ (vgl. Schoop G 81 und 82).
Provenienz: Privatbesitz Berlin

václav kiml
(1928 Mochnov – 2001 Blanicka)
7167 Pìsinky (Fußwege)
Enkaustik auf Hartfaser.
20 x 23 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Weiß signiert „V. Kiml“, verso auf Klebeetikett typographisch mit der Künstleradresse, betitelt, mit den Maßangaben und bezeichnet „vosk.tech.“ sowie handschriftlich „79028“ und „13“ (gestrichen).
3.000 €
Die poetische Komposition in harmonischer, warmer Farbgebung scheint in einer Grenzwelt zwischen Traum und Realität angesiedelt zu sein. Kiml beendete seine Ausbildung in Prag an der Akademie der Bildenden Künste bei Emil Filla 1952. 1960 schloss er sich der Künstlergruppe „Etapa“ an. Spielerisch integriert er Elemente des Surrealismus und Stilmittel Paul Klees in seine Gemälde.
Provenienz: Privatbesitz Brandenburg

georges braque (1882 Argenteuil – 1963 Paris)
7168 Vol de nuit (Oiseau XII)
Farblithographie auf Arches-Velin. 1957.
38,5 x 68,5 cm (54 x 76 cm).
Signiert „G Braque“. Auflage 75 num. Ex. Vallier 111.
7.500 €
Erschienen bei Maeght, Paris, in einer Gesamtauflage von 75 Exemplaren, zudem einige Künstlerexemplare; Druck Mourlot, Paris. Ganz prachtvoller, farbintensiver Druck des charakteristischen Motivs, mit dem vollen Rand, unten mit dem Schöpfrand.

georges braque
7169 Equinoxe (Tagundnachtgleiche)
Farblithographie auf Velin. 1962.
35 x 52,8 cm (54 x 77 cm).
Signiert „G Braque“. Auflage 75 num. Ex. Vallier 177.
2.500 €
Erschienen und gedruckt bei Adrien Maeght, Paris. Prachtvoller, farbiger Druck mit dem vollen, breiten Rand, rechts und links mit dem Schöpfrand.

georges braque
7170 Le ciel bleu Farblithographie auf Japan. 1962. 17 x 24,5 cm (36,7 x 44,4 cm).
Signiert „G Braque“. Auflage 75 num. Ex. Vallier 175.
1.200 €
Erschienen und gedruckt bei Adrien Maeght, Paris. Prachtvoller, klarer Druck mit dem vollen, sehr breiten Rand.

georges braque
7171 Fenêtre I: Poissons bleus, aus: Si je mourais là-bas
Farbholzschnitt auf Velin. 1962.
32 x 57 cm (47 x 74 cm).
Signiert „G Braque“. Auflage 70 num. Ex. Vallier 181.
3.000 €
Entstanden als Illustration zu Guillaume Apollinaires Werk „Wenn ich dort stürbe“, erschienen in einer Gesamtauflage von 180 Exemplaren bei Louis Broder, Paris, Druck Féquet et Baudier, Paris. Die doppelblattgroßen Farbholzschnitte dienten als Schutzblätter zu Anfang und Ende des Buches. Prachtvoller Druck mit breitem Rand

eduard bargheer (1901–1979, Hamburg)
7172 Abend in Forio, Ischia Aquarell und Deckweiß über Bleistift auf dünnem Velin. 1950.
21,5 x 28 cm.
Unten links mit Bleistift signiert „Bargheer.“ und datiert.
1.800 €
Die kastenförmig geometrisierten Formen von Häusern und Vegetation fügt Bargheer zu einem dicht gefügten, kontrastreichen Mosaik zusammen, das die charakteristische kristalline Wirkung entfaltet. Hell leuchtet der Ort unter einem abendlich dunklen, intensiv kontrastierenden Himmel. Ansichten des Örtchens Forio malt und zeichnet Bargheer zeitlebens in immer neuen Variationen Mit diesen Darstellungen bewegt sich der Künstler souverän in einem Zwischenreich zwischen gesehener Wirklichkeit und abstrahierter, ungegenständlicher Malweise.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

julius bissier
(1893 Freiburg i. Br. – 1965 Ascona/Tessin)
7173 „22. Okt. 57“
Eiöltempera auf unregelmäßig geschnittener Leinwand. 1957.
Ca. 14,6 x 19 cm
Unten mittig rechts mit Pinsel in Rot signiert „Jules Bissier“ und datiert.
5.000 €
Poetisch reduzierte Formen und skripturale Zeichen in dezenten Farben, teils mit Goldelementen, dominieren diese kleinformatige Arbeit. Sie ist ein besonders schönes Beispiel aus einer Reihe ähnlicher Werke, die Bissier ab Mitte der 1950er Jahre mit Eiöltempera 7173
auf unregelmäßig geschnittenen oder gerissenen Leinen- oder Baumwollstücken fertigte. Die Arbeit ist im Archivio Bissier, Ascona, unter der Nummer „22.Okt.57_Diap.16 XXII/8XXIV“, registriert.
Provenienz: Sotheby‘s Paris, Auktion Alias Daniel Cordier, 27.09.2018, Lot 7 Privatsammlung Rheinland
Ausstellung: Julius Bissier, Galerie Daniel Cordier, Paris, 1960, Kat.-Nr. 77 (mit Abb.)

pablo picasso (1881 Málaga – 1973 Mougins)
7174 Picador
Keramikschale (Aschenbecher). Weißer Scherben mit oxidiertem Paraffindekor, glasiert. 1952.
Durchmesser 15 cm.
Verso bezeichnet „Edition Picasso“, dort mit den beiden Prägestempeln „Edition Picasso“ sowie „Madoura Plein Feu“ (unleserlich). Auflage 500 Ex. A. Ramié 176.
1.800 €
Neben dem Picador gibt es fünf weitere Motive aus der Serie von Aschenbechern, meist mit Vögeln, je in einer Auflage von 500 Exemplaren.
Provenienz:
Anfang der 1960er Jahre bei Madoura, Vallauris, erworben Privatbesitz
Irene Lehr, Berlin, Auktion 28.10.2023, Lot 305 Privatsammlung Berlin

pablo picasso
7175 Visage No. 130
Keramikteller. Weißer Scherben mit Engobefarben in Schwarz, Grün, Blau und Gelb sowie Glasur. 1963.
Durchmesser 25,5 cm.
Unter dem Stand bezeichnet „N°130/EDITION PICASSO/ 22/500/MADOURA“. Auflage 500 num. Ex. A. Ramié 479.
5.000 €
Ab 1947 arbeitete Picasso in der Keramikwerkstatt Madoura im südfranzösischen Vallauris an der Côte d’Azur, nachdem er deren Besitzer Georges und Suzanne Ramié kennengelernt hatte. Über mehr als zwanzig Jahre hinweg schuf er dort in Zusammenarbeit mit den lokalen Töpfern zahlreiche Editionen sowie Unikate und experimentierte intensiv mit unterschiedlichen Formen, Dekoren und Brenntechniken.
Provenienz: Privatbesitz Berlin

7176
jean cocteau
(1892 Maison-Laffitte – 1963 Paris)
7176 Homme-oiseau (Thomas l‘Imposteur)
Farbstifte auf Titelblatt. 1954.
21,4 x 16 cm.
Unten rechts mit Farbstift in Orange signiert „Jean“, mit Farbstift in Blau datiert sowie in Schwarz gewidmet.
1.500 €
Der Universalkünstler Cocteau, Dichter, Schriftsteller, Filmregisseur und Maler, zeichnet das charakteristische Mischwesen in der Profildarstellung mit sicher fließenden, farbig changierenden Konturlinien. Zu seinem Freundeskreis zählten Igor Strawinsky, Edith Piaf, André Gide, Marcel Proust und Edmond Rostand, er stand in Kontakt mit berühmten Künstlern wie Pablo Picasso und Charlie Chaplin. Das Blatt ist Annie Guedras, Périgeux, bekannt.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
7177 Le Baiser
Zimmermannsbleistift auf Skizzenblockpapier. Um 1955. 27 x 37 cm.
Unten links mit dem roten Monogrammstempel „JC“.
2.000 €
Mit einfachsten Mitteln, in wenigen fließenden Konturlinien und ganz ohne Binnenstrukturen erfasst Cocteau das küssende Liebespaar im Profil, mit leichter Hand und in geradezu schlafwandlerischer Sicherheit hingeworfen.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
7178 Les amoureux
Zimmermannsbleistift auf Skizzenblockpapier. Um 1955. 36,9 x 27 cm.
Unten links mit dem roten Monogrammstempel „JC“. 1.500 €
Kurvige Formen und Geraden spiegeln sich im Zusammenspiel der beiden sich küssenden Figuren und stehen in spannungsvollem Kontrast zueinander. Zum Motiv der zwei Liebenden entstanden zahlreiche Zeichnungen und Lithographien des Künstlers.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen



dorothea tanning
(1910 Galesburg/Illinois – 2012 New York)
7179 Untitled (Figurinen)
Aquarell und Pinsel in Schwarz auf Annonay-Skizzenblockpapier.
35,5 x 48,5 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „Dorothea Tanning“, verso (von fremder Hand?) bezeichnet „9“.
3.500 €
Amorph-nebulöse, in ihrem hohen Abstraktionsgrad schwer greifbare Figurenkomposition. Nachdem die junge Künstlerin Tanning 1936 durch die die New Yorker Ausstellung „Fantastic Art, Dada and Surrealism“ mit dadaistischen und surrealistischen Werken in Berührung gekommen war, zeigte sie sich davon so immens in ihrer Entwicklung beeinflusst, dass sie mit ihrem bahnbrechenden Selbstportrait „Birthday“ (1942) in Peggy Guggenheims Galerie Art of This Century 1943 in der legendären Gemeinschaftsausstellung „Exhibition by 31 Women“ vertreten war, zwei Einzelausstellungen schlossen sich an. Später heiratete sie Max Ernst, den damaligen Ehemann Guggenheims.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
le corbusier
(d.i. Charles-Edouard Jeanneret-Gris, 1887 La Chaux-de-Fonds – 1965 Roque Brune)
7180 Nature morte
Grattage und Kasein auf gestrichenem Velin. Um 1960. 34,4 x 25 cm.
Unten rechts monogrammiert (geritzt) „L-C“, unten links bezeichnet „10“ (im Kreis, geritzt).
4.000 €
In seinem Spätwerk der 1950er und 1960er Jahre nutzte Le Corbusier häufiger die Technik der Grattage auf Kasein- oder auch Bitumenfarbe. Die plastische Wirkung der ins Schwarz eingegrabenen Linien verleiht der abstrahierten Komposition Tiefe, während in der weichen Farboberfläche die Struktur der Pinselstriche deutlich sichtbar bleibt. Die Haptik dieser Technik entspricht der Bedeutung der Materialästhetik im Schaffen des Künstlers. Zum Motiv vgl. zum Beispiel die rechte Bildhälfte der Collage „Nature morte avec bouteilles, verre et gant“ aus dem Jahr 1959 (Fondation Le Corbusier, FLC 37).
Provenienz: Privatbesitz Sachsen


marc chagall (1887 Witebsk – 1985 St. Paul-de-Vence)
7181 Les Amoureux au Soleil Rouge Farblithographie auf Arches-Velin. 1960. 37,4 x 27 cm (47 x 33 cm).
Signiert „Marc Chagall“. Auflage 40 num. Ex. Mourlot 285.
3.000 €
Aus: Chagall Lithographe, Tome I, erschienen bei André Sauret, Paris, Druck Mourlot et Draeger, Paris 1960, in einer Auflage von 100 sowie zusätzlichen 40 Exemplaren. Das Liebespaar schwebt in einer phantasievollen Komposition mit Blumen, einer roten Sonne und der für Chagall typischen Ziege. Prachtvoller Druck mit Rand.
7182 Bonheur
Farblithographie auf Arches-Velin. 1969. 56 x 38 cm (76 x 54 cm).
Signiert „Marc Chagall“. Auflage 75 num. Ex. Mourlot 570.
6.000 €
Herausgegeben von Maeght, Paris. Ganz prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, rechts mit dem Schöpfrand.


claudio bravo (1936 Valparaíso – 2011 Taroudannt/Marokko)
7183 Bildnis eines jungen Mannes Kohle und Bleistift auf bräunlichem C.M. FabrianoBütten. 1957.
48 x 31 cm. Unten rechts mit Kohle signiert „Claudio Bravo.“ und datiert, verso (schwer lesbar, eigenhändig?) mit Bleistift bezeichnet.
2.400 €
Der chilenische Maler Claudio Bravo zählt zu den Vertretern des Hyperrealismus und gestaltete seine Bilder, Zeichnungen und Graphiken mit fotorealistischer Exaktheit. Während seiner Jahre in Concepción schuf Bravo vor allem sensibel gezeichnete Portraits. In diese Werkgruppe ist auch die vorliegende Zeichnung zu rechnen
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

márton váró
(1943 Székelyudvarhely, lebt Kalifornien und Carrara)
7184 Torso
Weißer Marmor. 1952.
26,5 x 13 x 8,8 cm.
Seitlich rechts unten mit dem Künstlersignet „MV“, an der Unterseite auf Klebeetiketten (eigenhändig?) bezeichnet „VÁRÓ MÁRTON, TORZÓ, carrara márvány, 26 cm (...)“ sowie mit ungarischem Ausfuhrstempel, verso Fragment eines Klebeetiketts „R.M.A.K.“.
1.200 €
Radikal widmet sich Váró dem Fragmentarischen, so dass Körperkontur und Draperie eine abstrakte, auf mysteriöse Weise ausschnitthafte Wirkung erhalten. Seine Skulpturen, meist aus seinem bevorzugten Material, dem Carrara-Marmor gehauen, zeigen bevorzugt Draperien und weibliche Figuren, deren Formen sich aus der Grundform des jeweils zugrundeliegenden Steinblocks ergeben. In ganz klassischer Manier haut und schneidet der Künstler direkt in den Marmor oder Stein, beeinflusst ebenso von der Skulptur der Antike wie von Constantin Brancusi, Henry Moore, Louise Nevelson und Isamu Noguchi.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

joseph beuys
(1921 Kleve – 1986 Düsseldorf)
7185 Esse (Aus: Holzschnitte)
Holzschnitt auf BFK Rives-Velin. Lose in Orig.-Halbleinenmappe. 1951/1973-74.
27 x 25,5 cm (50,3 x 65,5 cm).
Signiert „Joseph Beuys“ und datiert. Auflage 50 num. Ex. Schellmann 94.
900 €
Die Folge „Holzschnitte“, allesamt frühe Motive entstanden zwischen 1948 und 1961, wurde herausgegeben vom Propyläen Verlag, Berlin 1973/74, gedruckt bei Franz Joseph van der Grinten, Gaesdonck. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, links mit dem Schöpfrand.
herbert zangs (1924–2003, Krefeld)
7186 Ohne Titel
Acryl und schwarze Pigmente auf Leinwand. 1961.
128 x 109 cm.
Unten rechts signiert (in die feuchte Farbe geritzt) „Zangs“ und datiert.
5.000 €
Charakteristische Arbeit in der Technik der strukturierten Stabmalerei, aus der Serie „Schwarze Reliefgemälde“, die Zangs 1958 beginnt und in den 1980er Jahren fortsetzt. „Um die pastos aufgetragene Farbmasse rasterartig zu strukturieren, benutzte er, was gerade zur Hand war: die Kanten von Spateln und Pappe, Finger und Daumen, den Pinselstiel, ein Gitter. Anschließend überzog er sie mit Schwarzpigment, das je nach Feuchtigkeit und Dicke der Farbmasse dunkler oder heller auftrocknete. Jede Art von Ordnung, die der Künstler einbrachte, respektierte nicht nur die Eigenwilligkeit und Autonomie des Materials und der ausführenden Hand, sondern feierte geradezu den Macher und sein Material.“ (Susannah Cremer-Bermbach, Parallelismus - verzangst, in: Herbert Zangs. Von Willkür und Ordnung, Ausst.-Kat. Galerie Rottloff, Karlsruhe 15.01. bis 30.02.2020, S. 60 f.). Das Werk ist Emmy de Martelaere, Paris, bekannt.
Provenienz: Ehemals Dr. Ludwig Poullain, Hannover Privatsammlung Rheinland
Literatur:
Herbert Zangs. Arbeiten 1952-1962, Ausst.-Kat. Sprengel Museum Hannover, bearb. von Dietmar Elger, Hannover 1985, Kat.-Nr. 30, Abb. S. 31

edgar jené

(1904 Saarbrücken – 1984 La Chapelle St. André)
7187 „Chevaux d‘Hélios“ Öl bzw. Tempera auf Leinwand. 1960. 92 x 73 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Jené“ und datiert, verso auf dem Spannrahmen mit Kugelschreiber in Schwarz nochmals datiert und betitelt.
1.200 €
In einer schimmernd-unwirklichen, phantastischen Welt bewegen sich die mächtigen Pferde des Sonnengottes. In braun-grauweißer Tonalität gehaltene Farbspuren liegen teilweise durchscheinend übereinander und erfassen die Tiere andeutungshaft. Es scheint sich bei den fragmentierten, breit gespachtelten Tiergestalten mehr um eine transzendente Vorstellung der göttlichen Helfer zu handeln als um ein Bild ihrer konkreten Erscheinung. Edgar Jené stu-
dierte an der Akademie der Bildenden Künste München (1922-24), anschließend an der École nationale des beaux-arts, der Académie Julian und der Académie de la Grande Chaumière in Paris. Hier kam er in Kontakt mit dem Surrealismus und organisierte ab 1948 die ersten Surrealisten-Ausstellungen in Wien. André Breton, Paul Celan, Max Ernst und andere Vertreter der surrealistischen Bewegung gehören zu Jenés geistigen Weggefährten in Wien und Paris.
Provenienz:
Ehemals Sammlung Hans Schröder, Garmisch-Partenkirchen (mit dessen Stempel und Klebeetikett verso auf dem Spannrahmen, dort handschriftlich bezeichnet und mit der Inv.-Nr. 41) Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Ausstellung:
Sammlung Schröder, Saarland-Museum, Saarbrücken 1964 (mit dessen Klebeetikett verso auf dem Spannrahmen, dort typographisch bezeichnet)

volkmar haase (1930–2012, Berlin)
7188 Schwingende Form Stahl auf Holzsockel.
Ca. 61,5 x 54 x 44 cm. 2.400 €
Nach dem Studium bei Hans Uhlmann und Max Kaus war Volkmar Haase seit 1958 freischaffend als Maler, Graphiker und Bildhauer tätig. Seine abstrakten Skulpturen sind deutschlandweit, besonders in Berlin, auf vielen öffentlichen Plätzen zu finden. Sein bildhauerisches Werk widmet sich ausschließlich der abstrakten Skulptur, die überwiegend aus Edelstahl hergestellt wird und meist von kantigen, geometrischen Formen, aber auch von geschwungenen Elementen geprägt ist. Gesamthöhe mit Sockel: 67,5 cm.
Provenienz: Privatbesitz Berlin (direkt beim Künstler erworben)

volkmar haase
7189 Geschwungene Form
Stahl auf Holzsockel.
Ca. 43,5 x 48 x 49 cm.
3.500 €
Weichere Akzente, Kurven und Schwingungen ergänzen seit den 1980er Jahren den bis dahin von geometrischen, kantigen Elementen bestimmten Formenkanon von Volkmar Haase und treten auch in dieser Skulptur prägnant hervor. Die fließenden Übergänge der Formen erzeugen eine lebendige Dynamik, die im Zusammenspiel mit der klaren Materialität des Edelstahls eine besondere Spannung entfaltet. Die vorliegende Skulptur aus Edelstahl verdeutlicht eine Weiterentwicklung seines künstlerischen Schaffens, das seit den späten 1950er Jahren den öffentlichen Raum prägt. Gesamthöhe mit Sockel: ca. 52,5 cm.
Provenienz: Privatbesitz Berlin (direkt beim Künstler erworben)
karl fred dahmen

(1917 Stolberg – 1981 Preinersdorf)
7190 Ohne Titel
Öl und Sand auf Leinwand. 1962. 49 x 36 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „Dahmen“, verso nochmals signiert „K.F. Dahmen“ und datiert sowie mit Richtungspfeil.
Weber 043.62 - B 0207i.
3.000 €
Charakteristische Arbeit von dreidimensionaler Gestaltung. Dahmen ist einer der frühesten und bedeutendsten Vertreter des Informel in Deutschland. „Als wäre der Künstler Archäologe, werden Schichten freigelegt und von der Materie wieder verschüttet, insulare Setzungen schaffend und die Farbe den Bildkörper als atmende Haut überziehend. Kruste und scheinbar erstarrte Farblava ver-
weisen in den informellen Kompositionen auf ihren Anlaß zurück. Das Bild ist künstlerische und künstliche Landschaft zugleich. In tonalen oder monochromen Differenzierungen verweigert der Maler dem Bild jede Heftigkeit der Farbe, um Struktur und sie gliedernde Ordnungen als kompositorische Setzungen stärker zu betonen. (...) Bis 1964 entwickelte Dahmen diese oberflächenbetonte, strukturreiche, formassoziative Malerei, um ihr dann mehr und mehr Objektcharakter zu verleihen und das Bild schließlich ganz zu verdinglichen.“ (Rolf-Gunter Dienst, in: Kunst des Informel Malerei und Skulptur nach 1952, Ausst.-Kat. Museum am Ostwall Dortmund u. a., 1997, S. 92-93.).
Provenienz: Privatsammlung Bayern Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
emil schumacher (1912 Hagen – 1999 San José/Ibiza)
7191 „El-Adem“ Öl auf Leinwand. 1962.
68 x 45 cm.
Unten rechts (in die feuchte Farbe geritzt) signiert „Schumacher“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen mit Pinsel in Blau (auf dem Kopf stehend) betitelt. 18.000 €
In kraftvoll-dicken Schichten bringt Schumacher die Farbe auf die Leinwand, zieht mit dem Pinselstiel in der typischen Handschrift des Informel fließende Liniengerüste wie Gräben oder Furchen hinein, die wie wilde Bäche das Bild durchströmen, die Kruste der Farboberfläche aufreißen und die eruptive Kraft der Komposition unterstreichen. Die Farbmaterie in ihrer reliefhaften Form bildet eine expressive Bildlandschaft von archaischer Wirkung. Emil Schumacher hielt sich im Jahr 1962 in Libyen auf, unter anderem auch im Ort El-Adem, der diesem Werk seinen Titel gab. Eine ganze Reihe an Bildern entstand im Zusammenhang mit dieser Reise. Das Werk ist mit der Inventarnummer 0/4.601 in dem von Dr. Ulrich Schumacher angelegten Verzeichnis der Emil Schumacher Stiftung in Hagen aufgeführt und ist Rouven Lotz, Direktor des Emil Schumacher Museums, Hagen, bekannt.
Provenienz:
Galleria La Medusa, Rom Ehemals Privatsammlung Nordrhein-Westfalen


emil schumacher
7192 Ohne Titel („G-1/1981“)
Gouache auf Velin. 1981.
Ca. 78 x 53/58 cm (unregelmäßig geschnitten).
Oben links mit Kreide in Blau signiert „Schumacher“ und datiert.
3.500 €
Schumachers gestischer, dichter Farbauftrag lässt zusammen mit dem knittrigen, ungleich beschnittenen und zum Teil eingerissenen Untergrund eine haptische Materialwirkung entstehen und verdeutlicht die Dynamik des Entstehungsprozesses. Um 1980 gehörte Emil Schumacher zu den wichtigsten Vertretern der abstrakten Kunst in Deutschland. Beeinflusst vom amerikanischen Action Painting und vom französischen Tachismus, spielt er mit rhythmischen Bewegungen und der Balance zwischen Farbe, Linie und Material. Das vorliegende Werk ist ein charakteristisches Beispiel dieser Schaffenszeit, das wunderbar die Bedeutung des Bildmaterials für Schumachers Arbeit verdeutlicht.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
karl heinz bohrmann
(1928 Mannheim – 1998 Köln)
7193 Gelbes Zentrum in Weiß Kugelschreiber in Schwarz, Farbstifte, Bleistift und Aquarell auf genarbtem Aquarellpapier. 1963.
29,7 x 32,3 cm.
Unten links mit Kugelschreiber in Schwarz signiert „Bohrmann“ und datiert.
1.000 €
Frühe, abstrakte Zeichnung, wohl noch unter dem nachwirkenden Eindruck einer mehrmonatigen Griechenlandreise von 1962 entstanden. Die dortigen Lichtverhältnisse inspirierten Bohrmann zu luftig-leichten, dem Informel verhafteten Zeichnungen, sanft farbig und mit einem feinen, mitunter gestischen Liniengespinst. Als Schüler von Boris Kleint und Willi Baumeister schuf Bohrmann in den 1950er Jahren vor allem Radierungen, bevor er ab 1961 vermehrt Zeichnungen fertigte, die seinen Graphiken ebenbürtig und durch die Arbeit mit der Radiernadel maßgeblich beeinflusst waren.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland


francis bott (1904 Frankfurt/Main – 1998 Lugano)
7194 Informelle Komposition
Ölkreiden auf dunkelgrauem beflockten Velin. 1960. 50 x 66 cm.
Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert „Francis Bott“ und datiert.
1.500 €
Intensiv leuchten die Farben auf der samtigen Papieroberfläche. Die komplexe informelle Komposition aus Botts abstrakter Periode lässt um das tiefschwarze Zentrum herum kristalline Formen sich artikulieren, deren rote, weiße und blaue Strahlen dynamisch aus dem fein differenzierten rottonigen Untergrund hervorleuchten. Ausgehend von der Neuen Sachlichkeit in den 1930er Jahren, findet Bott über Max Ernst und Salvador Dalí zum Surrealismus und schließlich ab etwa 1948 zur Abstraktion. Wesentlich für seinen künstlerischen Erfolg ist seine Begegnung mit Alix de Rothschild, die Bott 1952 kennenlernt; sie erwirbt von ihm ein erstes Bild und gewährte ihm ein Stipendium für ein Jahr.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

georges spiro (1909 Warschau – 1994 Nizza)
7195 Phantastische Landschaft Öl auf Leinwand. Um 1965.
50 x 65 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Weiß signiert „Spiro“, verso auf dem Spannrahmen (von fremder Hand) betitelt und bezeichnet „Nr. 295“.
800 €
Die Natur scheint auf phantastische Weise belebt, doch aufgrund der Abwesenheit menschlicher Figuren strahlen Spiros fein und akkurat gezeichnete Werke vielfach eine tiefe Einsamkeit aus. Mit subtilen Farbabstufungen, plastischer Delikatesse und akribischer Feinheit gestaltet, entfaltet die Szenerie einen charakteristischen surrealen Reiz.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

7196 „La ville sur l‘arbre“ Öl auf Leinwand.
73 x 60 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert „Spiro“, verso auf dem Keilrahmen mit Kugelschreiber in Schwarz betitelt und bezeichnet „Nr. 9“ sowie (von fremder Hand?) in Rot „515“.
900 €
Zentral in der menschenleeren surrealistischen Landschaft erhebt sich der mächtige Baum: Der Stamm beherbergt ein Treppenhaus, die Krone eine ganze Stadt. Der an der Wiener Kunstgewerbeschule ausgebildete Künstler war zunächst Journalist, Autor und Spielzeughersteller, widmete sich jedoch nach seiner Flucht aus dem besetzten Österreich nach Frankreich zunehmend der Malerei. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg verkaufte Spiro auf seiner ersten, äußerst erfolgreichen Ausstellung in der L’Arcade Gallery, London, fast alle Werke und lebte nun ausschließlich von seiner Malerei. Georges Spiro verband eine langjährige Freundschaft mit Jean Cocteau.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
giorgio de chirico (1888 Volo – 1978 Rom)
7197 I Nobili ed I Borghesi
Lithographie auf weichem Velin. 1969. 78,5 x 61 cm (106,3 x 77,8 cm).
Signiert „de Chirico“. Auflage 80 num. Ex. Ciranna 155, Vastano/Bonfiglioli 165.
1.500 €
Mit Mobiliar und architektonischen Elementen füllt de Chirico die hüllenartigen Körper der gesichtslosen Figuren. Großformatige surrealistische Komposition in einem prachtvollen Druck mit dem wohl vollen, sehr breiten Rand.
karl heidelbach (1923 Hanau – 1993 Köln)
7198 Ohne Titel (Mademoiselle Rivière. Kopf nach Ingres über weiblichem Torso) Öl auf Leinwand, im Künstlerrahmen. Um 1964. 100 x 80 cm.
Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert „Heidelbach“, verso auf dem Keilrahmen mit Kugelschreiber in Schwarz nochmals signiert.
1.200 €
Verstörend fragmentiert und doch lebendig erscheint die weibliche Figur mit dem Antlitz von Ingres‘ Mademoiselle Caroline Rivière (1806). Ein mechanisches Gerät mit hoch aufragender Stange fixiert den Kopf über einem zierlichen halbnackten Torso vor dem monochromen blauen Hintergrund. Sorgsam und doch leicht abstrahiert schildert der Künstler das Motiv. „Im Sinne postmoderner Reflektionen stellt er die junge Frau als ein formal zweigeteiltes Wesen dar.“ (Melancholie und Eros in der Kunst der Gegenwart, Ausst.-Kat. Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen u.a. 1997, S. 44). Karl Heidelbach studierte 1944 an der Frankfurter Städelschule, 1946-1948 bei Karl Caspar in München und nahm 1954-1956 an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg bei Oskar Kokoschka teil. Sein Werk ist geprägt durch seine Bekanntschaft mit Otto Dix 1945 und die Neue Sachlichkeit, doch ist sein künstlerischer Stil eher dem Realismus zuzuordnen.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Ausstellung:
Melancholie und Eros in der Kunst der Gegenwart, Hrsg. Axel und Christa Murken, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen u.a. 1997, Abb. S. 43



rudolf kämmer
(1935 Rudolstadt – 2019 Münsing)
7199 Weiße Kugelstruktur („Nr. 9“)
Reliefbild auf Hartfaser, fest in weißem Künstlerrahmen montiert. 1962.
51,2 x 51,2 cm.
Verso auf dem Spannrahmen mit Bleistift signiert „Rudolf Kämmer“, bezeichnet „Nr. 9“ und datiert sowie ein aufgeklebtes Papierfragment mit Strukturanalyse des Künstlers in Bleistift.
3.000 €
Ganz in der Tradition Konkreter Kunst basiert das Interesse Rudolf Kämmers in der vorliegenden Arbeit auf der visuellen Wahrnehmung, dem Rhythmus und der Struktur. In einem streng geordneten Raster verteilt Kämmer zahlreiche halbkugelartige Erhebungen
gleichmäßig über die weiße Fläche. Durch minimale Unterschiede in Höhe und Durchmesser entstehen beim Betrachten optische Effekte in Form einer quadratischen Rasterung, und die serielle Wiederholung der Punkte wirkt außerdem wie ein algorithmisches Muster. Kämmer, der nach Stationen in Dresden und Leipzig an der Akademie der Bildenden Künste in München studierte, schloss sich noch während seines Studiums der internationalen Gruppe Nove Tendencije (Neue Tendenzen) an, die als Sammelbewegung in den 1960er und 1970er Jahren hunderte Künstler aus dem Umkreis der Op Art, der Kinetischen Kunst und der Lichtkunst umfasste In ihren Arbeiten spiegelt sich der Zeitgeist von moderner Technik und wissenschaftlicher Erkenntnis wider.
Provenienz: Grisebach, Berlin, Auktion 04.12.2020, Lot 646 Privatsammlung Rheinland
heinz mack

(1931 Lollar, lebt in Mönchengladbach und auf Ibiza)
7200 Ohne Titel (Frottage) Wachskreiden auf Velin, auf schwarzen Karton montiert. 1959.
13,5 x 10,5 cm.
Auf dem Unterlagekarton mit Bleistift signiert „mack“ und datiert.
4.000 €
Die Frottage-Technik überträgt die Struktur des Rasters unter dem Bildgrund durch Abreiben mit leuchtend blauer und schwar-
zer Kreide auf das Papier. Gerade ihre Einfachheit, sowohl hinsichtlich der Struktur als auch des Herstellungsprozesses, der ein spielerisches Erproben noch spüren lässt, macht den besonderen Reiz dieser frühen Arbeit aus. „Struktur“ ist hier Inhalt und Form zugleich. Dieser Begriff erfasst sowohl die Gestaltungsweise des Künstlers, als auch seine Intention: die Idee einer Komposition durch ein gleichmäßig, flächendeckendes System homogener Strukturelemente.
Provenienz: Firmensammlung Süddeutschland
heinz mack
7201 Klassische Chromatik: „die Reinheit des Lichts“ Farbige Kreiden und Aquarell auf Velin. 1966. 106 x 78 cm.
Unten mittig mit Bleistift signiert „mack“, unten links datiert und betitelt.
20.000 €
Hier spricht vor allem die Farbe. In Macks charakteristischer Farbchromatik strukturiert die Rasterung die nuancierten Farbverläufe und betont ihre Lebendigkeit. Der Künstler versetzt mit den Gitterstrukturen die eingefärbte Fläche in Vibration und Oszillation. Minimale Verschiebungen lassen diese Strukturen nie ganz regelmäßig erscheinen, wodurch die Hand des Künstlers stets spürbar bleibt. Als Mitbegründer der Künstlergemeinschaft „ZERO“ ist Mack ab 1958 führendes Mitglied einer Avantgarde, die sich europaweit mit neuen künstlerischen Prinzipien wie Monochromie, Serialität oder Struktur gegen die Kunstrichtung des Informel und des Tachismus richtete. Als Mitbegründer der Gruppe gaben er und Nagelkünstler Günther Uecker sowie Lichtkünstler Otto Piene der Nachkriegskunst eine völlig neue Richtung.
Provenienz: Firmensammlung Süddeutschland


yves klein (1928 Nizza – 1962 Paris)
7202 nach. Portrait Arman. Expo 65, Galerie Alexandre Iolas Plakat. Farbserigraphie, collagiert, auf Velin. 1965.
80 x 42,3 cm.
1.500 €
Collagierter Farbsiebdruck in Gold und dem charakteristischen Yves-Klein-Blau, entstanden als Ausstellungsplakat für die Galerie Alexandre Iolas zur Expo 1965. Druck Delpire, Paris. Prachtvoller Druck der formatfüllenden Komposition.

zdenek sykora (1920–2011, Louny)
7203 Red-blue structure
Farbserigraphie auf Velin. 1967. 60 x 60 cm.
Verso auf Klebeetikett signiert „Sykora“ und datiert. Auflage 100 num. Ex. 1.800 €
Warm und Kalt, Rot und Blau: Die gegensätzlichen Farbklänge bewegen sich umeinander herum und scheinen die Bildfläche zu sprengen. In ihrer geometrischen Ausgewogenheit charakteristische, frühe Arbeit des tschechischen Konstruktivisten. Als einer
der weltweit ersten Künstler bezog Sykora bereits zu Beginn der 1960er Jahre den Computer als Hilfsmittel in die Vorbereitungen seiner Entwürfe ein. Gemeinsam mit einem Physiker der Universität Prag erarbeitete er im Jahr 1964 am Computer die Grundlagen für seine konkret-konstruktiven Strukturbilder. Zunächst arbeitete er mit mathematisch strukturierten Zufallsverteilungen von Kreisen, Quadraten und Dreiecken, später bezog er aus Zufallszahlen die Parameter für Farbe, Breite und Radienentwicklung von Linienclustern. Zdenìk Sykora nahm im Jahr 1968 an der 4. documenta in Kassel teil. Herausgegeben von H. Haseke, Hannover, hier ohne dessen Stempel verso. Prachtvoller Druck der formatfüllenden Komposition in intensiver Farbigkeit.

arnulf rainer
(1929 Baden bei Wien – 2025 Wien)
7204 Wasser, Wasser
Farbradierung über rosa Farbtonplatte auf BFK RivesVelin. 1967.
41,7 x 30 cm (65,5 x 50 cm).
Signiert „Rainer“. Auflage 99 num. Ex. Breicha R 67.
1.200 €
Herausgegeben von der Galerie Ariadne, Wien 1967. Ganz prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, oben und unten mit dem Schöpfrand.

7205
margarete kubicka (1891–1984, Berlin)
7205 „DIE SAGE VON KRANÄE“ [Kranaë] Öl auf Leinwand. 1962.
99,7 x 90,5 cm.
Verso mittig mit Pinsel in Braun signiert „KUBIKA“, datiert und betitelt, oben rechts mit Pinsel in Blau monogrammiert „MK“, datiert und bezeichnet „AUCH EIN KRANÄE“.
3.500 €
Margarete Kubicka wird meist zusammen mit ihrem Ehemann, dem im Widerstand kämpfenden und von den Nazis ermordeten Künstler Stanislaw Kubicki genannt. Ausgebildet als Zeichenlehrerin, war Kubicka Mitglied der Künstlergruppe „BUNT“ und gründete 1920 in Köln zusammen mit namhaften Künstlerkollegen wie Franz W. Seiwert, Heinrich Hoerle, Jankel Adler und Otto Freundlich die Gruppe „Kommune“. Ihre Bilder im Stile des expressionistischen Kubismus wurden 1926 in Moskau und 1930 in Chicago gezeigt.
Anders als ihr Mann, von dem sie sich 1937 zum Schutz der Familie scheiden ließ, emigrierte Kubicka nicht ins Ausland, sondern begab sich in Berlin in die innere Emigration. Nach dem Krieg wirkte sie dort weiter als Lehrerin und Künstlerin. Anders als ihr Spätwerk, bestehend aus labyrinthisch filigranen Tuschezeichnungen, sind die Arbeiten der Nachkriegsjahre von allegorisch mythologischen Reminiszenzen bestimmt: Auf einer kargen, kristallin zerklüfteten Insel im Meer liegt auf einer leicht begrünten Hochebene ein unbekleidetes Liebespaar, Paris und Helena, die der Sage nach auf Kranaë¸ (heute Marathonisi) ihre erste Liebesnacht verbrachten. Vereinzelte kubistische Elemente weisen noch auf Kubickas Prägung vor dem Krieg, ihre kühle, teils grelle Farbwahl richtet sich aber bereits ganz nach dem Zeitgeist Anfang der 1960er Jahre. Ihre Gemälde sind auf dem Kunstmarkt sehr selten
Provenienz: Privatbesitz München
franz radziwill (1895 Strohausen – 1983 Wilhelmshaven) 7206 Allein vorn Öl auf Leinwand, auf Holz kaschiert. 1969. 49 x 61 cm.
Unten links mit Pinsel in Beige signiert „Franz Radziwill“, verso mit Pinsel in Grün mit der Werknummer „611“. Firmenich/Schulze 815. 18.000 €
Wie ein Zuschauer am Rand der Rennstrecke blickt man auf den Radsportler: Grell ausgeleuchtet von einem kalten, surreal wirkenden Sonnenschein wird der Rennradler auf der Landstraße gleich vorbeizischen, geradewegs nach vorne, verfolgt von einem tieffliegenden Hubschrauber. Der spitze Winkel der scharf angeschnittenen Straße zieht mit seinen weiß leuchtenden Markierungen den Blick des Betrachters schnell ins Bild hinein und könnte ihn mit derselben Dynamik zügig wieder entlassen, doch der bühnenhaft inszenierte, trotz der Landschaftsszenerie geschlossene Bildaufbau mit der niedrigen Horizontlinie hält den Blick in der fein austarierten Komposition fest. Den phantastischen Charakter der Szenerie unterstreichen die überspitzt geformten Landschaftselemente. In
differenzierter Palette und mit pastosem Farbauftrag gestaltet Radziwill die dynamische Szene. Bekannt wurde der Künstler mit seinen sachlichen Industrielandschaften und Endzeitszenarien des Magischen Realismus, einer Form der Neuen Sachlichkeit mit surrealistischen Anklängen, inspiriert durch Giorgio de Chirico und die Pittura Metafisica.
Provenienz:
Ehemals R. Buchrucker, München (so verso auf Fragment eines Ausstellungsetiketts)
Schloss Ahlden, Auktion 80/81, 1993, Abb. 124 Privatsammlung Berlin
Ausstellung:
Franz Radziwill. Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen, Kunsthalle Bremen 1970, Nr. 66
Franz Radziwill, Kunstverein Hannover 1971, Nr. 66
Franz Radziwill, Staatliche Kunsthalle NGBK, Berlin 1981, Nr. 180 Inszenierte Bildräume, Franz Radziwill Haus, Dangast 2020, Kat.Nr. 23 (Abb. S. 84)

tomi ungerer (1931 Straßburg – 2019 Cork)
7207 „This world is my world“ Feder und Pinsel in Schwarz auf Transparentpapier. 1967.
42,7 x 35,2 cm.
Unten mittig mit Bleistift signiert „T. Ungerer“.
900 €
Eine fratzenhaft deformierte Cowboygestalt versucht sich die Weltkugel anzueignen; eine Version mit dem Titel „Son of the Great Society“ entstand ebenfalls 1967 (Jack Rennert (Hrsg.), The poster art of Tomi Ungerer, Zürich 1971, Abb. S. 33, Nr. 41). Eine Variante der Zeichnung wurde zudem veröffentlicht in „Politrics“, S. 15. Der 1979 erschienene Band versammelte politische, pazifistische Zeichnungen Ungerers aus den Jahren 1960-1979, satirische und schonungslose Kommentare des Künstlers zu Rassismus, Faschismus und dem Vietnamkrieg.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland

7207

7208
tomi ungerer
7208 Ohne Titel, für: Symptomatics Aquarell und Feder in Schwarz auf Transparentpapier. Um 1980/82.
19,5 x 15,3 cm.
Unten links mit Bleistift signiert „T. Ungerer“, verso auf dem Unterlagekarton von fremder Hand bezeichnet.
900 €
Abgebildet in „Symptomatics“, S. 53, 1982 im Diogenes-Verlag erschienen - wie alle Bücher Ungerers. Humor, Erotik und Verzweiflung liegen dicht beieinander in seinen Zeichnungen, die geprägt sind von einem entlarvenden, durchdringenden und häufig überspitzten Blick auf die Gesellschaft.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland
roland topor
(1938–1997, Paris)
7209 „Soirée à la Coupole“
Feder in Schwarz und farbige Kreiden auf festem Velin, auf Karton kaschiert. Vor 1970.
18,5 x 17,8 cm.
Unten rechts in der Darstellung mit Feder in Schwarz signiert „Topor“, auf dem Unterlagekarton unten rechts mit Bleistift betitelt sowie bezeichnet „115“.
1.200 €
Ganz im Sinn des Surrealismus erdachtes und in Topors typischer Akribie gestaltetes Motiv. Die in Topors Sammelband „Toxicologie“, Nr. 118, bei Diogenes in Zürich 1970 veröffentlichte, dort noch unkolorierte Zeichnung trägt dort den Titel „Et qui est le chef?“. Jacques Prévert schrieb dort im Nachwort, „c‘est sans nul doute l‘humour de Dieu qui l‘inspire.“ (a.a.O., o. S.).
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland
Literatur: Vgl. Topor, Toxicologie, Nr. 118 (unkoloriert)


roland topor
7210 „UBU“, cuirasse
Feder in Schwarz, aquarelliert, auf Velin. Um 1991. 25,8 x 17,3 cm.
Unten mittig mit Bleistift signiert „Topor“ und betitelt, verso bezeichnet „130“.
900 €
Ubu in skurriler Rüstung. Topor lieferte ein ganzes Ausstattungsuniversum in Form zahlreicher Dekorations-, Bühnenbild- und Kostümentwürfe für die Opera buffa „Ubu Rex“ mit Musik von Krzysztof Penderecki und einem Libretto von Jerzy Jarocki, nach Alfred Jarrys Stück Ubu Roi (1896), uraufgeführt an der Münchner Oper am 06.07.1991 (vgl. Topor. Dessins paniques, Ausst.-Kat. Les Musées de Strasbourg 2004, S. 201 ff.).
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland

karl lagerfeld
7212 Modezeichnung (Mantel & Kapitänsmütze)
Faserschreiber in Schwarz, Bleistift und Faserstift, verso mit Stecknadel beimontiertes Stoffmuster, auf leichtem Velinkarton. Um 1965.
49,8 x 21,5 cm.
Oben links (von fremder Hand?) mit Blei- und Farbstiftstift bezeichnet „782/A“, unten „Gabriella“ und oben rechts „Daniela“, unten rechts mit angeheftetem Etikett „Tessuti Moda“, dort bezeichnet „793 camello viola“, verso „Antonietta“, „Giammona“ (...).
900 €
In zeichenhafter Reduktion auf wenige schwingende Linien erfasst Lagerfeld das Modell, unten die Rückenansicht dazu. Zu den Lieblingskünstlern des Modezaren zählten deutsche Expressionisten ebenso wie russische Konstruktivisten. Die Klarheit der Zeichnung vermittelt das Gefühl, dem Künstler beim raschen Aufsetzen seiner Linie über die Schulter schauen zu können.
Provenienz:
Archiv Tiziani, Rom
Nachlass Raf Ravaioli
Privatsammlung Palm Beach, Florida
Palm Beach Fine Art Auctions, Palm Beach, Auktion 18.04.2019, Lot 8
Sammlung Henning Lohner, Berlin
karl lagerfeld (1933 Hamburg – 2019 Neuilly-sur-Seine)
7211 „Shantung dress, wool jacket“ Faserschreiber in Schwarz und Rot auf Skizzenblockpapier. Um 1965.
48,5 x 36 cm.
Oben rechts mit Faserscheiber in Schwarz bezeichnet „ZR.“ sowie „Shantung dress“ und mittig „wool jacket“. 1.200 €
Früher Modeentwurf des Designers aus den 1960er Jahren, entstanden für Tiziani, Rom. Strenge und Eleganz in feiner Balance kennzeichnen die Modellzeichnungen Lagerfelds.
Provenienz:
Archiv Tiziani, Rom Nachlass Raf Ravaioli
Privatsammlung Palm Beach, Florida Palm Beach Fine Art Auctions, Palm Beach, Auktion 18.04.2019, wohl Lot 105
Sammlung Henning Lohner, Berlin

karl lagerfeld

7213 Entwurf langes Kleid (ceinture écharpe) Feder in Schwarz, Faserstift und Pastellkreiden auf Velin. Wohl um 1980.
29,7 x 21 cm.
Unten rechts mit Feder in Schwarz bezeichnet „ceinture écharpe“.
900 €
Opulente Falten charakterisieren den schwungvoll und in eleganter Lineatur gezeichneten Designentwurf mit attraktiven farbigen Akzenten.
Provenienz:
Sammlung Healy Murray
100 Dessins de Karl Lagerfeld. Collection de Madame Murray, Pierre Bergé et Associés, Auktion Paris, 28.10.-04.11.2020, Lot 32
Privatbesitz
Christie‘s, Paris, Auktion 21261, 26.04.-03.05.2022, Lot 84
Sammlung Henning Lohner, Berlin

karl horst hödicke (1938 Nürnberg – 2024 Berlin)
7214 1,- DM Öl auf Tuch. 1966.
60 x 70 cm.
Verso mit Farbstift in Blau signiert „Hödicke“.
6.000 €
In breiten, zügigen Bahnen und mit gestischer Bewegung rollt Hödicke die teils wässrige, kräftiggrüne Farbe auf den unbehandelten Malgrund, auf dem stellenweise Orange und Gelb durchschimmern. Souverän bewegt er sich mit seiner Darstellung sowohl kompositorisch als auch technisch im Bereich der Abstraktion, setzt darüber jedoch die leuchtend helle Schrift wie eine Preisauszeichnung, eine in diesem Zusammenhang rätselhafte Chiffre. Hödicke gilt als einer der Wegbereiter des deutschen Neoexpres-
sionismus und als engagierter Professor an der Berliner Hochschule der Künste; er war zudem einer der wichtigsten Anreger der sogenannten Neuen Wilden. „Die ruppig-schnell gemalten Bilder sind kühl konstruiert - das ist kaum zu merken, erst der zweite und dritte Blick erkennen das; darum ermatten Hödicke-Bilder nicht, fallen nach der Überraschung des ersten Augenblicks nicht in flaue Langeweile, Spontaneität aus dem Kopf des Malers.“ (Hermann Wiesler, in: Hödicke Stadtbilder, Ausst.-Kat. München 1994, o. S.). Hödicke hielt sich von 1966 bis 1967 in Amerika auf, wo er experimentelle Kurzfilme produzierte, die zumeist seinen New-YorkAufenthalt reflektieren.
Provenienz: Grisebach, Berlin, Auktion 41, 26.11.1994, Lot 334 Privatsammlung Berlin

karl horst hödicke
7215 Ohne Titel
Gouache auf Velin.
100 x 69,5 cm.
Unten links mit Bleistift signiert „Hödicke“.
1.500 €
Gigantische Unterschenkel und Füße baumeln scheinbar aus dem blauen Himmel, grob und gestisch gemalt, ganz im Stil der 1980er Jahre. Hödicke gilt als einer der Wegbereiter des deutschen Neoexpressionismus und als engagierter Professor an der Berliner Hochschule der Künste. Er war außerdem einer der wichtigsten Anreger der sogenannten Neuen Wilden.
Provenienz:
Galerie Gmyrek, Düsseldorf
Privatbesitz Rheinland

klaus vogelsang (1945 Radebeul, lebt in Berlin) 7216 „Gezielter Sound“
Graphit und Farbstift auf Schoeller-Durex-Velin. 1972. 72,5 x 51 cm.
Unten mittig mit Bleistift signiert „Klaus Vogelsang“ und datiert, verso nochmals signiert, datiert, betitelt, mit den Maßangaben sowie bezeichnet „Nr. 327“.
1.200 €
Überlebensgroß, in dicht komponierter Nahsicht und einer geradezu sinnlichen Stofflichkeit zeichnet Vogelsang den Gitarristen.
Frühe Zeichnung des Künstlers, eines bedeutenden Berliner Vertreters des Kritischen Realismus. Die sorgsamen Schattierungen sind für seine frühen Arbeiten charakteristisch; „dieser realismus ist ein wesentlicher teil meiner geschichte als bildermacher, mit dem ich seiner zeit einen gewissen bekanntheitsgrad erlangte“ (klausvogelsang.de, Zugriff 09.02.2026).
Provenienz: Sammlung Karl Horst Hartmann, Berlin Privatbesitz Rheinland

maina-miriam munsky
(1943 Wolfenbüttel – 1999 Berlin)
7217 „Daniel, als er noch ganz klein war“
Graphit und Farbstifte auf festem braunen Velin. 1975.
70 x 95,2 cm.
Unten mittig mit Bleistift signiert „MAINA-M. MUNSKY“ und datiert, verso nochmals signiert, datiert und betitelt.
2.000 €
Unemotional, in perfektionistischer Detailliebe, so objektiv und realistisch wie möglich und zugleich konzentriert auf das Wesentliche, zeichnet Munsky ihren 1972 geborenen Sohn als Neugeborenen. Eine eigene Fotografie diente ihr, wie häufig und insbesondere auch bei den Operationsbildern, als Vorlage. Immer wieder setzte sich Munsky mit der Rolle der Frau auseinander: „Ich male Eingriffe in das Leben der Frau, des Kindes. Ich male Operationen, Geburt und den Tod, Grenzsituationen des Menschen, seiner Hilflosigkeit, seines Ausgeliefertseins. Ich male meine Bilder so objektiv, so wahrheitsgemäß, wie es mir möglich ist.“ (Maina-Miriam Munsky, zit. n. poll-berlin.de/Galerie/die-angst-wegmalen-2, 09.03.2020). Ihre politische Kunst stellte neben Operationen und
Geburten auch Abtreibungen dar, die zu ihrer künstlerisch aktiven Zeit in den 1970er Jahren durch die geforderte Streichung des Paragraphen 218 heftig debattiert wurden. Die Künstlerin zählte mit ihrem Ehemann Peter Sorge, Klaus Vogelsang, Wolfgang Petrick und Ulrich Baehr zu den Künstlern des Kritischen Realismus. Sie gehörten zu den Gründungsmitgliedern der „Gruppe Aspekt“, die von 1972 bis 1978 die Berliner Kunstszene mit prägte. Munskys Werke beschreiben ein konkretes Zeitgefühl der Bundesrepublik in den 1970er Jahren. Neben dem MoMA in New York finden sie sich in vielen weiteren internationalen Sammlungen.
Provenienz: Privatbesitz Rheinland
Literatur:
Maina-Miriam Munsky. Bilder und Zeichnungen, NBK (Neuer Berliner Kunstverein), Heft 47, Berlin 1981, o.S.
Maina-Miriam Munsky. Die Angst wegmalen. Bestandsverzeichnis der Gemälde und Zeichnungen 1964-1998, Bönen 2013, S. 101, 168, 171 (Z1975/09)

antoni tàpies (1923–2012, Barcelona)
7218 T inclinada Farbiges Carborundum auf Velin. 1972.
58,5 x 78 cm.
Signiert „tàpies“. Auflage 75 num. Ex. Galfetti 293.
1.200 €
Großformatiger Druck, herausgegeben und gedruckt bei La Polígrafa, Barcelona, hier in den Maßen minimal von Galfettis Angaben abweichend. Ganz prachtvoller Druck der formatfüllenden Komposition mit wunderbarerer Reliefwirkung und dem vollen Rand.

conrad marca-relli
(1913 Boston – 2000 Parma)
7219 „H/S 6“
Collage. Leinwand auf schwarzem Karton. Um 1972. 50 x 65 cm.
Unten rechts mit Faserschreiber in Schwarz signiert „MARCA-RELLI“ und (schwer lesbar) datiert, unten links bezeichnet „H/S 6“.
3.000 €
Die ausdrucksstarke Dynamik der kraftvollen Collagen MarcaRellis zeigt seinen künstlerischen Bezug zum Abstrakten Expressionismus. Sein bevorzugtes Medium handhabte er mit souverä-
ner Vereinfachung der Formsprache und zurückgenommener Farbigkeit. 1956 nahm Marca-Relli an der XXVIII. Biennale von Venedig teil, und 1959 wurden seine Werke auf der documenta 2 in Kassel ausgestellt. 1967 veranstaltete das Whitney Museum of American Art eine große Retrospektive seiner Kunst. Die Collage wurde vom Archivio Marca-Relli, Parma, per Email am 16.01.2026 bestätigt.
Provenienz: Privatsammlung Paris Privatbesitz Brandenburg

jürgen brodwolf (1932 Dübendorf, lebt in Kandern)
7220 Kleines Figurentuch
Zinnfigur, Wachs, Kunststoffschnur, Leinwand, Reißnägel und Öl auf Holz, in Objektkasten. 1974.
65 x 50 cm (Kasten).
Oben mittig in der Darstellung mit Bleistift signiert „Brodwolf“ und datiert.
1.800 €
Brodwolfs skulpturale Figurenkompositionen besitzen einen tief berührenden, oft narrativen Charakter. Die in Kästen und Objektbildern eingesetzten menschenähnlichen Figuren von archetypischem, idolhaftem Charakter rufen häufig Situationen von Gefangenschaft wach, gemahnen an äußere und innere Zwänge, erinnern an elementare, existentielle Fragen. Die Tubenfigur, erstes Urbild seiner eigenen „inneren Figur“, verwendet er seit den 1970er Jahren in seinen Objektbildern.
Provenienz:
Gimpel & Hanover Galerie, Zürich (mit deren Klebeetikett verso auf dem Kasten, dort typographisch bezeichnet, dort 1976 erworben)
Privatsammlung Frankfurt
Grisebach, Berlin, Auktion 214, 01.06.2013, Lot 1202
Privatbesitz Rheinland
markus prachensky (1932 Innsbruck – 2011 Wien)
7221 Ohne Titel
Mischtechnik auf festem Velin. 1970.
106,5 x 76,5 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „PRACHENSKY“ und datiert, verso bezeichnet „2“.
5.000 €
Blatt 2 aus der „Hannover“-Serie. Ein vehementer gestischer Farbauftrag bestimmt die expressive Zeichnung in Hellrot und PinkViolett. „Rot lenkt den Blick auf die schnellen, heftigen Bewegungen des Malers und macht das Ziel Prachenskys, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, deutlich.“ (Ingrid Mössinger, in: Markus Prachensky, Ausst.-Kat. Kunstsammlungen Chemnitz 2004, S. 6). Prachensky gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Informel in Österreich. Er studierte Architektur und parallel dazu ab 1953 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. 1956 gründete er gemeinsam mit Wolfgang Hollegha, Josef Mikl und Arnulf Rainer die Künstlergruppe um die Galerie nächst St. Stephan, geleitet von Otto Mauer. Seit seiner Anfang der 1960er Jahre entstandenen Serie „Rot und Rot - Berlin“ entwickelte sich seine typische tachistische, expressive Malweise, und auch fortan benannte er seine Werkgruppen nach seinen jeweiligen Aufenthaltsorten. 1970 arbeitete Prachensky an seiner „Hanover-Series“, deren charakteristischen Gestus unsere Zeichnung zeigt.
Provenienz: Privatbesitz Niedersachsen




7224
alena kucerová (1935–2026, Prag)
7222 Ohne Titel (Kleine Barrieren)
Radierung mit Aquatinta auf Velin. 1978.
53 x 76,2 cm (62,5 x 88,8 cm).
Signiert „Alena Kucerová“ und datiert. Auflage 60 num. Ex. 1.200 €
Ab 1950 ausgebildet an der Prager Hochschule für Graphik und der dortigen Akademie für angewandte Kunst, stellte die Künstlerin seit den 1960er Jahren ihre experimentellen Druckgraphiken her. Um 1965 begann sie, das Metall der Druckplatten mit einer Schuhmacherahle zu perforieren und nach dem Druck die perforierten Blechmatrizen auch als eigenständige Kunst auszustellen; damit wurde sie zu einer der markantesten Künstlerinnen der tschechischen Szene. Ganz prachtvoller, großformatiger Lochplattendruck mit klar zeichnenden Perforationen, fein differenziertem Aquatintaton und kleinem Rand.
7223 Ohne Titel (Waldwiese)
Radierung mit Aquatinta auf Velin. 1992. 53 x 76,2 cm (62,5 x 88,8 cm).
Signiert „Alena Kucerová“ und datiert. Auflage 60 num. Ex. 1.200 €
Flirrende, großformatige Komposition in Kuèerovás charakteristischer, experimenteller Perforationstechnik, die im Druck einen nahezu plastischen, reliefhaften Effekt erzielt. Ganz prachtvoller Lochplattendruck mit unzähligen winzigen Perforationen, intensivem Aquatintaton und kleinem Rand.
günther uecker
(1930 Wendorf/Mecklenburg – 2025 Düsseldorf)
7224 Ohne Titel
Prägedruck auf Velin. 1971. 40 x 40 cm (45 x 44,5 cm).
Signiert „Uecker“ und datiert. Auflage 250 num. Ex. 2.500 €
Prachtvoller, prägnanter Druck der rhythmisch bewegten und nahezu blattfüllenden Nagelanordnung, mit dem vollen, kleinen Rand.


günther uecker
7225 Duo
Prägedruck auf festem Velin. 2020.
69,5 x 50 cm.
Signiert „Uecker“ und datiert. Auflage 100 num. Ex.
9.000 €
Erschienen anlässlich des 300jährigen Jubiläums des Kupferstichkabinetts Dresden, herausgegeben von dessen Freundeskreis, 2020. Dynamisches Muster, bestehend aus zwei interagierenden Spiralwirbeln, die in entgegengesetzte Richtungen angeordnet sind und im mittleren Teil der Komposition ineinander laufen. Charakteristische, komplexe Komposition von wunderbar reliefhafter Wirkung. Ganz prachtvoller, klarer Prägedruck mit dem vollen Rand.
josef albers
(1888 Bottrop – 1976 New Haven)
7226 EA (1973) Farbserigraphie auf Velinkarton. 1973. 26,2 x 35,3 cm (38 x 56 cm).
Mit dem Künstlersignet „A.“ und datiert sowie bezeichnet „EA“. Auflage 100 num. Ex. Danilowitz 222.
1.200 €
Nach dem Glasbild „Lauben“ (Bowers) von 1929. Josef Albers wirkte zunächst am Bauhaus, bevor er 1933 nach Machtergreifung der Nationalsozialisten in die USA floh, wo er am Black Mountain College in North Carolina tätig war. Beeinflusst von De Stijl und dem amerikanischen Abstract Painting experimentierte er in unterschiedlichen Medien mit Farben, Formen, Linien und Flächen und ihren Wechselwirkungen auf die kognitive wie subjektive Wahrnehmung. Exemplarisch dafür begann er ab 1950 mit seiner Serie „Homage to the Square“. Sein Wirken als abstrakter und konkreter Künstler hatte großen Einfluss auf die amerikanische Farbfeldmalerei und die Op Art. In den frühen 1970er Jahren griff Albers einige seiner frühen Werke aus der Bauhauszeit wieder auf und druckte die Motive als Serigraphien in kleineren Auflagen. Prachtvoller, farbintensiver Druck in Gelb und Schwarz mit dem vollen Rand.
horst janssen (1929–1995, Hamburg)
7227 Stehende junge Frau (Morgen Gesche)
Zimmermannsbleistift und Farbstift in Braun auf Bütten. 1971.
34,6 x 22,5 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „Janssen“ und datiert, mittig rechts mit einer Widmung von Gesche Tietjens. 1.200 €
Horst Janssen beherrschte das Zeichnen wie kaum ein anderer. In sanftem Farbton portraitiert er seine damalige Partnerin Gesche Tietjens und spannt die Figur in den oberen und unteren Rand eines schmalen Hochformats nach japanischem Vorbild. Ihr noch verschlafenes Gesicht kurz nach dem Aufwachen wird von kinnlangen, leicht verstrubbelten Haaren fast ganz verdeckt. Strichelung und Farbigkeit der Haare gehen über in ein gleich gestaltetes, langes, geöffnetes Nachtgewand, das den ansonsten nackten Körper überdeckt. Die leise Erotik des Aktes zeigt Janssens ganze Vielseitigkeit und verleiht dem Blatt eine große Intimität. Motivgleich, aber spiegelverkehrt, existiert eine Druckgraphik mit dem Titel „Morgen Gesche“ aus demselben Jahr (Frielinghaus 1971/12).
Provenienz: Privatbesitz Berlin (Geschenk von Gesche Tietjens)


horst janssen
7228 Flötenspielerin („Roswitha“)
Bleistift, teils gewischt, farbige Kreiden und Deckweiß auf Velin. 1972.
29,5 x 17,8 cm.
Unten rechts mit Bleistift zweifach datiert, unten links (schwer lesbar) bezeichnet „Roswitha (...)“.
1.200 €
Die markante Gestalt der stehenden Flötistin erfasst der Künstler aus der Untersicht im schmalen Hochformat, mit charakteristisch stilisierten Schattierungen und Schraffuren. Die Vorzeichnung für Janssens ebenfalls im November 1972 entstandene Radierung „Roswitha“ (Frielinghaus 1972/119) entstand während der kurzen Liebesbeziehung des Künstlers mit Roswitha Harting, die er auf der zweiten Tessin-Reise 1972 kennenlernte.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
horst janssen
7229 Wanderer („Vielen Dank für den Kaffee“)
Zimmermannsbleistift und farbige Kreiden auf festem bräunlichen Karton. 1972.
18,6 x 21 cm.
Oben rechts mit Bleistift signiert „Janssen“ und datiert, oben mittig gewidmet.
1.200 €
Einsam durchzieht der Wanderer die Landschaft in Richtung der fast überirdisch hell beleuchteten Kirchenruine. Mit lockeren Schraffuren und effektvollen farbigen Akzenten erfasst Janssen die kompositorisch an altmeisterliche Landschaftsdarstellungen erinnernde Szenerie.
Provenienz: Privatbesitz Berlin (Geschenk des Künstlers)

werner tübke
(1929 Schönebeck a. d. Elbe – 2004 Leipzig)
7230 Frauenstudie (Palermo)
Bleistift auf Velin. 1974.
16,3 x 12 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „Tübke“, datiert und bezeichnet „Palermo“.
1.500 €
Charmante, mit äußerster Feinheit plastisch durchmodellierte Bildnisstudie einer sitzenden jungen Frau. Im rechten Rand des Studienblattes notiert Tübke die Skala der Farbwerte für eine künftige Umsetzung des Motivs in Malerei. 1974 unternahm Tübke seine dritte Reise nach Italien, die sein Werk deutlich beeinflusste, sowohl motivisch, als auch mit einer der Renaissance nahen Bildsprache. Immer wieder vermischt der Künstler Epochen: „Tübke kann in Einzelfiguren oder Gruppen von stabilen, fast akademischen Renaissanceformen ausgehen, die sich unter der Hand in ein morbides oder sprühendes Rokoko mit zerbröselnden, verwehenden Formen verwandeln. Sein analytisches Zeichnen verfolgt die Gegenwart in die Vergangenheit, entrückt Zeitgenössisches in historische Ferne (...).“ (Eduard Beaucamp, in: Ausst.-Kat. Kunsthandlung Fichter, Frankfurt/Main 2004, S. 10). Vermutlich entstand die Zeichnung im Zusammenhang mit Tübkes Gemälde „Erinnerung an Sizilien“, 1974 (Museum der Bildenden Künste Leipzig).
Provenienz:
Ehemals Ladengalerie Berlin (lt. Annotation verso) Privatbesitz Nordrhein-Westfalen


salvador dalí (1904–1989, Figueras)
7231 Venus à la Girafe Bronze mit silberner Patina, auf Bronzeplinthe montiert. 1973.
56,8 x 27,5 x 9 cm.
Auf der Plinthe signiert „Dalí“ sowie seitlich mit dem Stempel „Fuso alla Venturi Arte Bologna Italia“ und dem Editionsvermerk „euro art“. Auflage 1000 num. Ex. Descharnes 69.
2.400 €
Bereits seit dem Jahr 1963 finden sich in Dalís Schaffen die Elemente Venus und Giraffe, ebenso wie die Schubladen und Krücken, als wiederkehrende gestalterische Ausdrucksmittel. Die vorliegende Bronze ist eine Variation und Kombination dieser Motive. Herausgegeben von Venturi Arte, Bologna. Prachtvoller Guss mit der silberfarbenen Patina.
horst antes
(1936 Heppenheim, lebt in Berlin, Karlsruhe und Florenz)
7232 Weiblicher Akt nach links
Bleistift auf glattem Maschinenpapier. 1972.
35 x 25 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „Antes“.
900 €
Die charakteristische Figur des Künstlers erinnert mit ihrem gedrungenen Körperbau an Antes‘ Kopffüßler. Linear erfasst er den stehenden weiblichen Akt, dessen Kopf er, wie immer, im Profil zeigt, so dass die Unnahbarkeit der Gestalt gewahrt bleibt. Auf der Linie, die den Raum andeuten könnte, scheint die Figur zugleich wie auf einem Seil zu balancieren.
Provenienz:
Galerie Beyeler, Basel (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite, dort typographisch bezeichnet und mit der Nummer 7573)
Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion 292, 25.06.1992, Lot 10 Privatbesitz Hessen


7233
max ernst
(1891 Brühl bei Bonn – 1976 Paris)
7233 La Saint-Charlemagne
3 Farblithographien und 1 Bl. Titel mit Impressum auf Arches-Velin. Die Lithographien lose mit Metallklammern unter Plexiglas-Platten fixiert, in Orig. Halbleinen-Faltmappe sowie ein broschiertes Buch in magnetisiertem Kartonschuber. 1976.
51 x 34 x 5 cm (Faltmappe und Kartonschuber).
Die Lithographien je signiert „Max Ernst“, im Impressum zudem von Robert Lebel und François Di Dio signiert. Auflage 100 num. Ex. Nicht mehr bei Spies/Leppien.
1.800 €
Die komplette Vorzugsausgabe des Buches „La Saint-Charlemagne“ von Robert Lebel, mit schwarzer Faltmappe und drei signierten Farblithographien von Max Ernst in verschiedenen Farbvarianten. Herausgegeben von Le Soleil Noir, Paris 1976. Die Graphiken wurden gedruckt von Pierre Chave, Vence, die magnetisierte Faltmappe mit dem Buchobjekt wurde vom Atelier Duval gefertigt. Prachtvolle, farbfrische Drucke mit dem vollen Rand.
hans ticha
(1940 Bodenbach (Decin), lebt in Maintal)
7234 Clown M R
Öl auf Hartfaser. 1985.
59 x 47 cm.
Seitlich rechts in der Darstellung mit Pinsel in Graubraun signiert „TICHA“ und datiert, verso mit Faserstift in Schwarz nochmals signiert und bezeichnet „85/25“. Ticha 85/25.
6.000 €
„Agitpop statt Popart in der DDR“ (Antje Schunke, Deutschlandfunk Kultur, 13.12.2025): Mit feinsinnigem Humor, geometrisierten Formen und klaren Farben setzt Ticha den stilisierten Clown in akkurater Malweise kontrastreich ins Bild. Die Einflüsse der russischen Konstruktivisten und von Agitprop sind darin deutlich spürbar. Von 1965 bis 1970 studierte er zunächst Malerei und dann Gebrauchsgraphik an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee, u.a. bei Werner Klemke, Arno Mohr und Klaus Wittkugel. Im Prenzlauer Berg gehörte Ticha später zur subversiven Künstlerszene. Er schuf nicht nur Gemälde, Zeichnungen, Plakate und Druckgraphik, sondern illustrierte auch zahlreiche Bücher, Umschläge und Einbände. Im Winter 2025/26 zeigte die Kunsthalle Rostock eine umfassende Retrospektive seines Werkes.
Provenienz: Privatbesitz Berlin


gerhard marcks (1889 Berlin – 1981 Burgbrohl/Eifel)
7235 Jäterin
Bronze mit goldbrauner Patina. 1978/79. 15,2 x 7 x 16,5 cm.
Unter dem linken Schienbein mit dem Künstlersignet sowie mit dem Gießerstempel „GUSS BARTH RINTELN“. Auflage 10 num. Ex. Fritschen/Hartog 1122. 2.800 €
Tradition und Moderne vereinigen sich in den figürlichen Plastiken des Künstlers. Ein kraftvolles, vereinfachtes und knappes Formenvokabular, ohne Tendenz zum Ornamentalen und Dekorativen, ist typisch für seine Darstellungsweise. Marcks wandelte sich im plastischen Werk seiner späteren Jahre stilistisch zunehmend hin zu eher naturalistischen, aber dennoch strengen und auf das Wesentliche reduzierten Figuren. Prachtvoller, schön ziselierter Guss mit lebendig schimmernder Patina.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

erró
(d.i. Gudmundur Gudmundsson, 1932 Ólafsvík, Island, lebt in Paris)
7236 Hommage à Picasso Acryl auf Leinwand.
55 x 38 cm.
3.000 €
In seinem charakteristischen, zwischen Surrealismus und Pop Art angesiedelten Stil setzt Erró das ikonische Picasso-Gemälde comicartig vereinfacht um, mit plakativen Farben und harten schwarzen Konturlinien. Picassos Bildnis „Jacqueline mit Blumen“ entstanden 1954, kurz nachdem dieser bei Madoura in Vallauris seine zweite Ehefrau Jacqueline Roque kennengelernt hatte, zitiert der isländische Künstler ironisch und stellt es in einen verstörenden neuen
Zusammenhang mit dem flüchtenden kleinen Mädchen. Der Künstler gehört der 1960 in Paris gegründeten Gruppe der „Narrative Figuration“ an. „Gleichermaßen pop und barock, plakativ und erzählerisch, gesellschaftskritisch und humorvoll, moralisch und abgründig schuf er innerhalb der letzten 50 Jahre ein opulentes, unverwechselbares Werk, das sich jeder Kategorisierung widersetzt.“ (schirn.de, Zugriff 04.03.2026).
Provenienz: Galerie MC, Paris (mit deren Klebeetikett/Fragment auf der Rahmenrückseite)
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

brett bigbee (1954 Jacksonville, lebt in Maine)
7237 Sitzender Frauenakt (Ann Binder, die Frau des Künstlers)
Öl auf Leinwand.
58 x 47 cm.
Verso mit Pinsel in Schwarz signiert „Brett Bigbee“.
2.400 €
Die Frau des Künstlers, geschildert in aufrechter, aufmerksamer Haltung, sorgfältig und detailliert, mit einem nahezu fotorealistischen Maß an Präzision. Das von einem hellen Gelbton erfüllte
Interieur vermittelt ein Gefühl stiller Intimität, das eindringlich
und genau beobachtete Gesicht und der blasse Schimmer des Inkarnats lassen die innige Vertrautheit des Künstlers mit seinem Modell erkennen. Zugleich erscheint sie einsam und isoliert in dem begrenzten, hell ausgeleuchteten Raum. Wichtige Motive seines an der Formensprache der Renaissance und an den Werken Balthus‘ orientierten Schaffens lieferte für Bigbee immer seine Familie: in den frühen Jahren seine Frau Ann Binder und später sein Sohn Joe. Ausgebildet wurde der Künstler an der Pennsylvania Academy of Fine Arts.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

otto beckmann (1908 Wladiwostok – 1997 Wien)
7238 „Johanna 2“
Skulptur aus Fundstücken. Verschiedene Metalle und Knochen auf Holzsockel unter Glassturz. 1981.
21 x 22 x 13 cm.
An der Unterseite mit Faserstift in Schwarz signiert bzw. mit dem Künstlersignet „Otto B“, datiert und betitelt. 1.200 €
„Ab 1978 verwendete Otto Beckmann auch Knochen als Fundobjekte. Bemerkenswert ist, dass das Material Knochen von Künstlern eher selten verwendet wurde, wohl aber von Schamanen zur Herstellung ihrer Kultobjekte. Er selbst dokumentierte diese neuerliche Hinwendung zur Magie 1979 mit der Kunstfigur des Duralei D. Dopotopoff und nannte die entstehenden Arbeiten: Neumagische Objekte des Kultismus.“ (archiv-otto-beckmann.com, Zugriff 02.03.2026).
Provenienz: Privatbesitz Österreich

otto beckmann
7239 Ohne Titel
Skulptur aus Fundstücken. Verschiedene Metalle und Knochen auf Holzsockel unter Glassturz. Um 1981.
21 x 22 x 13 cm.
An der Metallbasis unten rechts mit dem Künstlersignet.
1.200 €
„Es sind Idole und fiktive Kultobjekte der Magie, die oft zu rätselhaften Szenen gruppiert, künstlerisch verdichtet wurden. Neben Knochen fanden auch technische Versatzstücke Anwendung.“
(archiv-otto-beckmann.com, Zugriff 02.03.2026).
Provenienz: Privatbesitz Österreich

heinz zander (1939 Wolfen – 2024 Leipzig)
7240 Liegende mit schwebenden Gebeinen Öl auf Hartfaser. 1987.
70 x 100 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „HZ“ und datiert.
10.000 €
Verführung und Morbides, Reiz und Bedrohung liegen hier dicht nebeneinander. Die Schönheit und die Abgründigkeit der Welt zeigt Zander mit seinem charakteristischen, altmeisterlich wirkenden Malstil. Unterschiedliche Bilderzählungen deuten sich in der Darstellung synchron an, vor allem aber scheint sich Zander auf das Motiv von Venus und Amor am Band zu beziehen. Das sinnlich durchmodellierte Gesicht und der reizvoll drapierte Kör-
per der Frau wirken zunächst anziehend, das marmorbleich-steingraue Inkarnat erschreckt jedoch in seiner Kälte und Perfektion, während das pralle Kissen unter ihrem Oberkörper vergleichsweise lebensvoll erscheint. Erschreckend sind auch die Attribute der liegenden Schönheit: Neben der am roten Bändchen schwebenden Knochenassemblage mit angedeuteten Flügeln liegen unter ihren Beinen unbestimmbare, an die Haut eines Tieres oder einen Vogelbalg erinnernde, schlaff-gewundene Objekte. Besonders effektvoll wirkt die virtuos in detailreicher Manier umgesetzte Szenerie durch den Kontrast mit der Leere des tiefschwarzen Hintergrundes.
Provenienz: Erhard Kaps, Leipzig (Geschenk des Künstlers)
Privatbesitz Leipzig

jirí anderle
(1936 Pavlikov, Böhmen, lebt in Prag)
7241 „Frühlings Erwachen, d‘après George Grosz“ Feder in Schwarz und Collage auf Velinkarton. 1982. 50 x 65 cm.
Unten links mit Feder in Schwarz signiert „Anderle“, datiert und betitelt sowie mit der Werknummer „36/1982“.
1.200 €
Grosz Motiv „Frühlingserwachen“ von 1922/23 (Dückers S, I 26) montiert Anderle unten rechts in die Ecke und zeichnet seine ganz eigene, noch erheblich skurrilere Variante des ungleichen Paares. Jirí Anderle lebte unter dem kommunistischen Regime in Tschechien, hatte jedoch aufgrund seiner Tätigkeit für das Schwarze Theater in Prag die Möglichkeit, das Land zu verlassen und die Welt zu bereisen. So kam er in Kontakt mit der internationalen Kunstszene und rezipierte die Meister der Kunstgeschichte vielfach in seinem Werk. Ungewöhnlich ist hier die relativ moderne Vorlage, die in Anderles raffinierter Schraffurtechnik ihre Verwandlung erfährt.
Provenienz: Privatbesitz Berlin (Geschenk des Künstlers)

jirí anderle
7242 Carpe diem, carpe noctem I Farbige Radierung und Vernis mou auf Van Gelder ZonenVelin. 1984.
64 x 95,7 cm.
Signiert „Anderle“ und mit der Werknummer „281“. Auflage 70 num. Ex. Spangenberg 84, WV 281. 1.500 €
Großformatiges Blatt, entstanden als Hommage à Milos Forman, aus dem Zyklus „Carpe diem, carpe noctem I“. Ganz prachtvoller Druck der formatfüllenden Komposition, oben mit dem Schöpfrand.

7243
gerhard altenbourg (1926 Rödichen-Schnepfenthal – 1989 Meissen)
7243 Kopf
Aquarell, Feder in Schwarz, Bleistift und Lithokreide auf handgeschöpftem Velin. 1987. 59,5 x 41,5 cm.
Verso (eigenhändig?) datiert. Janda 87/37.
2.500 €
Tausende von Strichlein, Häkchen, Kringel und Pünktchen fügen sich zu der poetischen, detailreich-skurrilen Darstellung eines abstrahierten Kopfes, welche die unregelmäßige Oberfläche des
handgeschöpften Papiers wunderbar mit einbezieht. Aus scheinbar vergnüglichem Spiel mit dem Dinglichen oder mit GedanklichAssoziativem wird plötzlich Ernst, tiefes Ergreifen.“ (Ludwig Last, Ironie bei Altenbourg, in: Gerhard Altenbourg, Werk verzeichnis 1947-1969, Ausst.-Kat. Haus am Waldsee, Berlin 1969, S. 15).
Provenienz: Galerie Meyer-Ellinger, Köln Privatsammlung Hessen Privatbesitz Rheinland
7244 Begegnung zweier Spitzhüte
Graphit, Aquarell, Gouache und Pinsel in Schwarz auf Velin. Wohl 1980er Jahre.
61 x 26,5 cm.
Unten links mit dem runden Blindstempel des Künstlers, verso handschriftlich mit der Nachlassnummer „WV 90/N 307“.
Janda 90/N 307.
1.500 €
Mit feinen Maserungen wie von einem Holzstock zeichnet Altenbourg die beiden Figuren, die sich in ihrer ganz zart aquarellierten Umgebung aufzulösen scheinen. In ihrer poetischen Begegnung schimmert die freundliche Erfindungskraft des Künstlers hervor. Nach Malunterricht bei Erich Dietz war Altenbourg zunächst als Schriftsteller und Journalist tätig und studierte dann von 1948 bis 1950 an der Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst in Weimar. Danach lebte er freischaffend in Altenburg und nahm Mitte der 1950er Jahre den Künstlernamen Altenbourg an. 1951 zeigte er in Begleitung von Erich Dietz seine Arbeiten dem Westberliner Galeristen Rudolf Springer, der sein erster Kunsthändler wurde. Da sich Altenbourg konsequent der offiziellen Kunstpolitik der DDR verweigerte, wurde er bis in die 1980er Jahre in seinem Wirken durch Verbot und Schließung von Ausstellungen behindert.
Provenienz: Privatbesitz Rheinland

jean charles blais
(1956 Nantes, lebt in Paris)

7245 Ohne Titel (Gelbe Füße)
Acryl auf Plakatabriss, in Objektkasten montiert. 1985. Bis ca. 61 x 123 cm.
Verso wohl signiert „Blais“ und datiert.
12.000 €
Zwei große Füße laufen durch den gelben Sand, von oben ragt eine ebenso mächtige Hand ins Bild. Diese angeschnittenen Körperteile müssen zu einer riesigen, märchenhaften Gestalt mit überlangen Armen gehören, die der Ausschnitt vorstellbar macht. Blais‘ Kunstwerke zeichnen sich durch eine einzigartige Kombination von figurativen und abstrakten Elementen aus. Dabei bestimmt der zufällige Plakatabriss mit seinen unregelmäßigen Kanten das Format und damit auch das Motiv. Mit dicken, pastosen Farbschichten und expressiven Pinselstrichen unterstreicht er die Rauheit, die grobe

Struktur der Plakatrückseiten. „Die Plakatabrisse waren zunächst ein zufällig entdeckter Bildträger, dessen Wert ich weder höher noch tiefer einschätzte als jenen der Leinentücher oder der Kartons, auf die ich malte. (…) Ich habe dann begonnen regelmäßig auf die von den Mauern abgerissenen Plakate zu malen, denn sie besaßen den Vorteil, die Eigenschaften aller anderen von mir benutzten Materialien zu vereinigen. Auf Grund ihres Volumens, ihres Zuschnitts, waren sie bereits Gegenstände. Alles, was mich interessierte, war in diesem einzigartigen Material schon enthalten.“
(Jean-Charles Blais, im Gespräch mit Sylvie Couderc, in: Jean-Charles Blais, Hrsg. Carl Haenlein, Ausst.-Kat. Kestner-Gesellschaft, Hannover 1986, S. 29).
Provenienz: Galerie Gastaud, Clermont-Ferrand 2005 (mit deren Klebeetikett verso auf dem Rahmen) Privatbesitz Frankreich

johannes grützke (1937–2017, Berlin)
7246 Travestiekünstler („Gigi de Castro“) Pastellkreiden auf braunem Packpapier. 1980.
Ca. 155 x 100 cm.
Oben links mit Kreide in Rot signiert „Johannes Grützke“ sowie mit Kreide in Schwarz datiert und betitelt. 3.000 €
„Die Herren Damen lassen bitten“ lautete ein Motto des berühmten Cabaret Chez Nous, gegründet 1958 in Berlin-Charlottenburg, in der Marburger Straße. Diese Westberliner Institution gilt als das älteste Travestietheater Deutschlands. Sowohl Grützke als auch der Vorbesitzer, in dessen Auftrag die großformatige Zeichnung entstand, waren mit dem dargestellten Gigi de Castro befreundet. Das virtuos gezeichnete Pastell zeigt den Travestiekünstler im orientalisierenden Kostüm mit langen künstlichen Wimpern und gekonnt aufgetragenem Lidschatten. Die für Grützkes Kompositionen charakteristische leichte Untersicht rückt nicht nur das abgewandte Gesicht, sondern auch den runden, prallen Bauch ins Blickfeld. Um das Jahr 1980 herum zeichnete Grützke eine Reihe der bekanntesten Stars der Berliner Transvestiten-Szene; in diesem Zusammenhang entstand wohl auch das vorliegende Freundschaftsbild.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
johannes grützke
7247 Selbstbildnis
Öl auf Leinwand. 2009.
35 x 25 cm.
Oben links mit Pinsel in Schwarz monogrammiert „J.G.“ und datiert, verso mit Pinsel in Braun signiert „Johannes Grützke“ und nochmals datiert.
3.000 €
In hellem Grün und Orange-Rosa strahlt das Gesicht des Künstlers. Weiche Pinselschwünge und ein großzügiger, pastoser Farbauftrag modellieren die Physiognomie in der extremen Nahsicht. Grützkes lupenhafter, schonungsloser Blick findet im Weichen, Gealterten des Gesichts die Schönheit von Werden und Vergehen. Vielfach war er sein eigenes Studienobjekt und Modell und meinte das programmatisch: „Indem ich mich spiegele, spiegelt sich die ganze Welt in meinem Spiegel. Das male ich dann ab.“ (Johannes Grützke, 1970, zit. nach B. Holeczek, Johannes Grützke. Werkverzeichnis der Gemälde 1964-1977, Frankfurt/Main 1977, S. 24).
Provenienz: Privatbesitz Berlin


harald metzkes
(1929 Berlin, lebt in Wegendorf bei Berlin)
7248 „Abdrift“ Öl auf Leinwand. 2011.
24 x 30 cm.
Oben links mit Pinsel in Orangebraun signiert „Metzkes“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen mit Bleistift betitelt.
WVZ harald-metzkes.de, Bild 227.
1.200 €
Abdriftende Gestalten, lebendig bewegt. Mit kraftvollem Duktus und pastosem Farbauftrag in harmonischer, heller Tonalität formuliert der Künstler die drei Figuren in der Wiesenlandschaft. Harald Metzkes studierte an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Wilhelm Lachnit und Rudolf Bergander und war 195558 Meisterschüler von Otto Nagel in Berlin. Er war u.a. mit Manfred Böttcher, Lothar Böhme, Konrad Knebel Gründungsmitglied der sogenannten „Berliner Schule“ und hat sich niemals vom Sozialistischen Realismus der DDR-Kunstpolitik vereinnahmen lassen. Das Verzeichnis der Gemälde wurde online eingesehen am 28.01.2026.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
nikifor

(d.i. Epifaniusz Drowniak, 1895 Krynica-Zdrój – 1968 Folusz)
7249 Krakau Altstadt Gouache auf grauem Karton. 20 x 23,2 cm.
Im Unterrand mit Pinsel in Schwarz (teils schwer lesbar) betitelt „KRAKOWSE WSIMIASTOW (...)“, verso dreifach mit dem Rundstempel in Rot „NIKIFOR MATEJKO ARTYSTA MALARZ KRYNICA WIES“.
1.800 €
Der Künstler Nikifor, Sohn einer taubstummen Bettlerin und selber schwerhörig und sprachgestört, zog als obdachloser Maler und
Autodidakt durch die russisch-orthodoxen Dörfer Polens. In jungen Jahren begann er mit dem Zeichnen und Malen. Er nutzte Materialien wie Packpapier, Notizzettel oder Zigarettenschachteln, aufgrund des Papiermangels waren seine Arbeiten anfangs oft kleinformatig. Als Vorlage dienten ihm oft Ansichtskarten oder Ikonenbilder, wobei er in der Umsetzung Realität und Phantasie vermischte. Nachdem er seine Bilder häufig an Gäste verkaufte, die den Kurort Krynica besuchten, wurde er in den 1930er Jahren von der Kunstwelt entdeckt. Nikifor gehört heute zu den bedeutendsten Autodidakten in der naiven Malerei Polens.
Provenienz: Privatbesitz Niedersachsen

milan kunc (1944 Prag)
7250 „Die fruchte des neuen Denken“ Öl auf Leinwand. 1981.
50 x 55 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Hellblau signiert „M. Kunc“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen mit Faserstift in Braun nochmals signiert sowie betitelt.
2.500 €
Surreal-naive Komposition, die mit Erdbeeren und einem bloßliegenden Gehirn in violetter Kraterlandschaft unwahrscheinliche Elemente miteinander kombiniert. Milan Kunc, ausgebildet an der
Prager Akademie, emigrierte 1969 in die Bundesrepublik Deutschland, nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an und studierte anschließend an der Kunstakademie Düsseldorf bei Joseph Beuys und Gerhard Richter. Als Vertreter der Postmoderne schreibt er sich die Erfindung der Stilrichtungen „Peinlicher Realismus“, „OstPop“ und „Popsurrealismus“ zu und zählte um 1980 zu den Neuen Wilden. Bereits etwas früher, im Jahr 1977, entstand eine größere Version desselben Motivs, das er dem „Peinlichen Realismus“ zuordnet (milan-kunc.com/paintings/embarrassing-realism.html, Zugriff 03.03.2026).
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

gerda lepke (1939 Jena, lebt in Freital)
7251* „Acker“ Öl auf Leinwand. 1994.
100 x 14 cm.
Verso mit Pinsel in Schwarz zweifach signiert „Gerda Lepke“, datiert und betitelt sowie bezeichnet „Dresden“.
3.500 €
Die Beweglichkeit und Veränderlichkeit der Natur, den Wind in den Gräsern, das Wachsen und Vergehen der Pflanzen, all das verwandelt Gerda Lepke mit ihrem schnellen, kleinteiligen Pinselduktus in Malerei. Der Acker setzt sich aus dynamisch und rhythmisch auf-
getragenen Tupfen, Pünktchen, Spritzern und Zeichen zusammen, die einander überlagern und zugleich in unterschiedliche diagonale Richtungen weisen. Ein helles Graubraun überlagert diese Strukturen, entsprechend dem Gewirr loser Grannen und Halme nach der Ernte. „Gerda Lepkes Landschaften vermitteln Strukturen und Formationen, die die reale Landschaft nicht besitzt, d.h. dass einerseits Annäherung an die Realität besteht, andererseits aber Entfernung von dem Vergleichbaren stattfindet. Die von der Künstlerin geschaffene Bildwirklichkeit erweitert jedoch unsere Erfahrung gegenüber der realen Wirklichkeit.“ (Sibylle BadstübnerGröger, in: Gerda Lepke, Ausst.-Kat. Galerie des Ernst-RietschelKulturringes, Pulsnitz 1996, o. S.).

gerda lepke
7252* „Getreidefläche mit Mohnblüten“ Öl auf Leinwand. 2010.
80 x 80 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „Lepke“ und datiert, verso mit Pinsel in Schwarz nochmals signiert „Gerda Lepke“, datiert, betitelt und bezeichnet „in Erinnerung an die Juli Tage in Neuhardenberg“.
3.000 €
So vehement ist Lepkes kleinteiliger Pinselduktus, dass der von ihr gestaltete Rahmen ebenfalls vielfältige Spritzer und Tupfen abbekommt, er das Motiv der sommerlichen Fläche also in den Raum hinein fortführt. Die Künstlerin gestaltet hier nicht nur das Stück Natur vor ihren Füßen, sondern auch den gesamten atmosphärischen Abstand - Luft, sommerliche Wärme, Wind, Feuchtigkeitzwischen ihrem Auge und der Getreidefläche. Dem Motiv der Landschaft räumt Gerda Lepke schon so lange einen bedeutenden Platz im ihrem Schaffen ein, und auch ihrer ganz eigenen Handschrift bleibt die Künstlerin treu, dass Früh- und Spätwerk auf den ersten Blick kaum unterscheidbar scheinen.

sam francis
(1923 San Mateo –1994 Santa Monica)
7253 Untitled (SF-263)
Farblithographie auf BFK Rives-Velin. 1981.
106,5 x 75,8 cm.
Signiert „Sam Francis“ und bezeichnet „CTP“. Lembark L 244.
1.500 €
Herausgegeben und gedruckt von fünf Aluminiumplatten von George Page im Litho Shop, Inc., Santa Monica, mit deren Blindstempel unten rechts. Einer von nur vier CTP-Drucken, vor der Auflage von 24 Exemplaren. Prachtvoller und farbintensiver Druck der formatfüllenden Darstellung, unten und oben mit dem Schöpfrand.
franz hitzler
(1946 Thalmassing, lebt in München)
7254 Ohne Titel
Öl auf Hartfaser, montiert auf Acryl auf Leinwand.
180 x 144 cm.
1.200 €
Vielfach arbeitet der Künstler mit collagierten oder aufgeschlitzten Gemälden, wie auch in vorliegendem Werk, das die zentrale Figur auf einer Platte mitten in die Leinwand setzt. Spontane und impulsive Malprozesse weitet Hitzler mittels dieser Technik auf dreidimensionale Ebenen aus. Hitzler studierte zunächst an der Kunstschule Augsburg, ab 1967 an der Akademie der bildenden Künste in München, wo er Meisterschüler bei Fritz Nagel war. Hitzlers Arbeiten sind in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.
Provenienz:
Fischer, Luzern, Auktion 16.06.2011, Lot 188 Privatbesitz Süddeutschland

sati zech
(1958 Karlsruhe, lebt in Berlin)
7255 Ohne Titel
Mischtechnik, collagiert, auf verschiedenen Papieren, in Orig.-Objektkasten montiert. 1992.
230 x 78 x 5 cm (Kasten).
Unten rechts mit Bleistift signiert „Sati Zech“ und datiert, verso auf dem Objektkasten mit der Berliner Künstleradresse.
900 €
Ganz unterschiedliche Papiere setzt Zech neben- und übereinander, lässt sie sich wellen und biegen, knittern und falten, um die Materialität der verschieden dick daraufliegenden Farben zu unterstreichen. Ausgebildet in den 1980er Jahren bei Lothar Fischer an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin, gründete Zech in den 1990er Jahren die Künstlergruppen „m.a.x“ sowie „Berlin en bloc“. Immer wieder zeigt sich in ihrem Schaffen ein experimenteller Zugang zu Materialien.
Provenienz: Cordonhaus Cham
Privatbesitz Süddeutschland 7255


martin und brigitte matschinsky-denninghoff (1921 Grötzigen/Baden – 2020 Berlin bzw. 1923–2011, Berlin)
7256 Figurine I Messing und Zinn, auf grauen Marmorsockel montiert. 1994.
Ca. 44 x 14 x 12 cm.
Unter dem Sockel monogrammiert „M-D“ und datiert sowie auf Klebeetikett (eigenhändig?) betitelt. Nicht mehr bei Költzsch.
1.500 €
Seit den 1980er Jahren zeigen sich die Metallskulpturen des Künstlerehepaars filigraner und kleinteiliger und erinnern in ihrer Zeichenhaftigeit an einen informellen Gestus oder Kalligraphie. Das Spiel mit Kontur und Volumen, gebildet von zarten Linienstrukturen, die wie schwerelos erscheinen, bewirkt den besonderen Reiz der Figurine I. Gesamthöhe mit Sockel: 45 cm.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
Ausstellung:
Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff. Skulpturen 19652004, Galerie Mönch, Berlin 2011, Abb. S. 45
bernard schultze
(1915 Schneidemühl/Westpreußen – 2005 Köln)
7257 „labyrinthisch-wuchernd“ Aquarell, farbige Kreiden, Farbstifte und Deckweiß auf Velin.
43 x 61 cm.
Unten mittig rechts mit Farbstift in Violett signiert „Bernard Schultze“ und betitelt, unten links gewidmet.
1.500 €
Wunderbar differenziert in Farbigkeit und Linienführung wächst Schultzes labyrinthisch wucherndes Gebilde gleichmäßig über die Bildfläche. Seit den 1950er Jahren entstanden Schultzes erste informelle Arbeiten, die bedeutend die internationale Nachkriegskunst mitprägten. Sein Stil, bei dem lyrische Abstraktion auf lebendiges Kolorit und eine kleinteilige filigrane Formensprache trifft, bestimmt auch die vorliegende Arbeit. Schultze erschafft einen Bildraum, dessen Interpretation aufgrund der Gegenstandslosigkeit rein auf persönlichen Assoziationen und Emotionen basiert.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
7258 „submarin, kreuz + quer“
Aquarell, Blei- und Farbstifte auf Velin, auf Karton kaschiert. 1992.
49 x 69 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „Bernard Schultze“, datiert und betitelt.
1.200 €
Die zarte, verwobene Komposition aus Schultzes spätem Werk weckt mit ihrem Detailreichtum vielfältige Assoziationen. Schultzes Zeichnungen lassen das Unbewusste mit einfließen und sind voller Elemente, Anspielungen und Zitate aus der Natur, erinnern an Algen oder Wurzeln, Pflanzen und andere phantastische Organismen. Mit diesem „lyrisch abstrakten“ und unverkennbaren Stil behauptet er eine eigenständige Position in der Kunstgeschichte und unter den Künstlern seiner Zeit.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen


7259 „es blutet das Herz“ Aquarell auf Schoellershammer-Velinkarton. 1993.
51 x 73 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „Bernard Schultze“, datiert und betitelt.
1.200 €
Eine vibrierende Komposition, die das Pochen eines verletzten Herzens fast erlebbar macht. Bernard Schultze erfasst mit seiner differenzierten, ausgefeilten Aquarelltechnik diese feine Bewegung raffiniert bildnerisch und gibt mit seinem poetischen Titel die klare Interpretationsrichtung vor.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

heinz willig
(1933 Gelsenkirchen, lebt in Berlin)
7260 Annika 5
Bronze mit goldbrauner Patina. 2016.
35 x 30 x 28 cm.
Unter dem rechten Unterschenkel signiert „H. WILLIG“ und (schwer lesbar) datiert sowie am Gesäß rechts mit dem Gießerstempel „GUSS STREHLE“. Auflage 12 num. Ex. Willig 237.
3.000 €
Die Skulptur mit ihrer ausgeprägten Allansichtigkeit und der etwas rauen, lebendig durchgestalteten Oberfläche schimmert sanft im einfallenden Licht. In raumgreifender Bewegung führt die kniende weibliche Gestalt ihren rechten Arm am gesenkten Kopf vorbei nach links, um die Hand auf der hohen Stele abzulegen. Mit der

linken Faust stützt sie sich so entschlossen am Boden ab, als ob sie im Begriff sei, sich zu erheben. Die Haltung des Modells strahlt gleichzeitig eine konzentrierte Ruhe aus. Das Innehalten in der Bewegung bannt Willig in seiner Bronze und verleiht dem Augenblick Dauer. Souverän vereint er die Gegensätze von Ruhe und Bewegung, Spannung und Harmonie miteinander. Das komplexe Gefüge der Kompositionslinien ist ebenso ausbalanciert wie der Kontrast zwischen der kantigen Stele und den Rundungen der weiblichen Körperformen. Heinz Willig schuf bereits 1949 erste plastische Arbeiten. 1951 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, überwiegend in der Klasse für Bildhauerei bei Ludwig Gabriel Schrieber. Ganz prachtvoller, hochkomplexer Guss, hergestellt bei Otto Strehle, Winhöring.
Literatur:
Heinz Willig. Skulpturen und Zeichnungen 2008-2018, Berlin 2019, Abb. S. 54/55

matthias koeppel
(1937 Hamburg – 2026 Berlin)
7261 „Rapsfeld vor dem Gewitter“ Öl auf Leinwand. 1995.
50 x 70 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Rot monogrammiert „M.K“ und datiert, verso auf dem Rahmen mit Bleistift signiert „M. Koeppel“, datiert und betitelt sowie bezeichnet „Öl/ Lwd.“ und mit den Maßangaben.
1.200 €
Koeppel entwickelte seit den 1970er Jahren seinen hyperrealistischen, scheinromantischen Stil mit den Prinzipien der Verklärung und Überhöhung von Realität in der Malerei.
Provenienz: Privatbesitz Mecklenburg-Vorpommern
evelyn kuwertz
(1945 Bad Aussee, lebt in Berlin)
7262 Baustelle Potsdamer Platz mit dem Weinhaus Huth
Acryl auf Leinwand, auf Hartfaser aufgespannt. 1997. 100 x 100 cm.
Unten rechts mit Kreide in Blau signiert „Evelyn Kuwertz“ und datiert.
1.800 €
Das wohl prominenteste Motiv der Künstlerin: Die geflutete Großbaustelle am Potsdamer Platz, kurz zuvor noch ein Brachland inmitten der zusammenwachsenden Stadt, scheint sich trotz der Abwesenheit von Menschen vor den Augen des Betrachters zu verändern, die Lücke sich zu schließen. Genau beobachtet Kuwertz
das Geschehen von einem erhöhten Standpunkt, dokumentiert Spundwände und Kräne, die voll Wasser stehende Baugrube und prominent rechts im Bild, noch freistehend, das historische Weinhaus Huth.
Provenienz: Privatbesitz Berlin (direkt bei der Künstlerin in Auftrag gegeben)


wanda pratschke
(1939 Berlin, lebt in Frankfurt am Main) 7263 Liegender weiblicher Akt
Bronze mit dunkelbrauner Patina. Um 1999. 17 x 39 x 19 cm.
Verso unter der Hüfte monogrammiert „WP“ und bezeichnet „e(preuve d‘)a(rtiste)“.
1.500 €
Weibliche Figuren dominieren die Motivwelt der Bildhauerin. Die Liegende zeigt sich mit ihrer zerklüfteten, rauen Oberfläche lebendig durchgestaltet und von überzeugender Allansichtigkeit. Ausgebildet als Theatermalerin und Bühnenbildnerin, setzte Pratschke ihre Studien später an der Städelschule und bei Markus Lüpertz und Wolf Vostell fort. Prachtvoller Guss mit dunkel schimmernder Patina.


klaus süss
(1951 Crottendorf, lebt in Chemnitz)
7264 Der alte Mann, das Meer, der Berg 6 Farbholzschnitte auf festem Velin und 1 Holzdruckstock, eingefärbt. Lose in Orig.-Kartonmappe mit Holzschnitttitel. 1999.
49,5 x 35,5 cm (Blattgröße).
Die Holzschnitte jeweils signiert „K Süß“ und datiert, verso nochmals signiert, datiert und betitelt, zudem auf dem Mappendeckel und auf der Druckplatte signiert und datiert. Auflage 8 num. Ex.
1.200 €
Süß beschäftigt sich vielfach mit archaischen Themen und verbindet in seiner Kunst die expressionistische Tradition mit der Figuration der Jungen Wilden. Für seine Farbholz- und Linolschnitte verwendet er häufig die seltene Technik des verlorenen Schnittes. Oft bestäubt der Künstler die vom Druck noch feuchte Farbe mit Mehl. So werden die Farben samtig, rissig, platzen auf und geben den Blick auf die darunter liegende Schicht frei. Süß arbeitete zunächst als Heizungsmonteur und schloss sich nach seinem Ingenieurstudium ab 1978 der Gruppe und Produzentengalerie Clara Mosch in Chemnitz an. Die Druckplatte zum Holzschnitt „Der Schwimmer“. Ganz prachtvolle Drucke der formatfüllenden Kompositionen. Rarissimum
richard long (1945 Bristol)
7265 Shenandoah Drinking Water Line
Unikatärer Farbsiebdruck, wohl auf Velin. Im originalen Künstlerrahmen. 1993.
155 x 104 cm.
12.000 €
96 Meilen wandert Richard Long in sieben Tagen, eine Route entlang der Shenandoah Mountains, auf der er genau jeden Ort markiert, an dem er auf Trinkwasser stieß und es trank. Der lange, schmale Shenandoah-Nationalpark führt entlang des Flusses durch die Blue Ridge Mountains von Virginia. Mit dem Aufzeichnen dieser Strecke erweitert Long seine bahnbrechenden Land-ArtKompositionen und lässt den zweidimensionalen Plan einer Landschaftsskulptur entstehen. Das Gehen wird damit zur Kunstform, zum Mittel der Erforschung und Kartierung einer Wechselwirkung von Körper, Raum, Zeit und Natur. Der Künstler markiert hier entlang der gewundenen Route lediglich seine Trinkstellen und die
Übernachtungsplätze, ohne jedoch jemals genaue Ortsnamen oder kartographische Hintergründe anzugeben. Den direkten Kontakt mit der Natur und die Bedeutung des lebensspendenden Trinkwassers verwandelt Long mit dem konzeptionellen Werk in eine zugleich radikal einfache und hochkomplexe graphische Linie.
Großformatiges Unikat
Provenienz:
Ehemals Anthony d‘Offay, London (mit dessen Klebetikett auf der Rahmenrückseite)
Haunch of Venison, London (mit deren Klebetikett auf der Rahmenrückseite)
Galleria Màrio Sequeira, Parada de Tibães (mit deren Klebetikett auf der Rahmenrückseite)
Blain/Southern, Berlin (mit deren Klebetikett auf der Rahmenrückseite)
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

jenny holzer (1950 Gallipolis/Ohio, lebt in New York)
7266 „I AM AWAKE IN THE PLACE WHERE WOMEN DIE“ Pergament, geprägt und auf Hartfaser kaschiert. 1993. 25,5 x 40,8 cm.
9.000 €
Jenny Holzers Satz „Da wo Frauen sterben, bin ich hellwach“, im Jahr 1993 in verschiedenen Varianten künstlerisch umgesetzt, ist hier wie ein Brandmal in die glatte Haut des Pergaments eingestanzt, ritzt sie auf und verletzt sie. Dies macht einen entscheidenden Teil des Projektes „Lustmord“ aus, ausgehend von der „Edition 46“ des SZ-Magazins. Holzer bezieht sich mit diesen Arbeiten auf die Verbrechen an Frauen im Krieg in Bosnien und Herzegowina. Das Projekt wurde durch eine großzügige Spende von Wolfgang Joop ermöglicht - Mäzenatentum im besten Sinne. „ln dem Interview, das sie in der Edition 46 gibt, fordert sie, angesprochen auf den Sponsoren, dazu auf: ‚Deutsche, kauft Joop!‘ Durch dieses platte ‚Produktplacement‘ weist sie darauf hin, daß Kunst käuflich ist und Künstlerinnen auf Sponsoren angewiesen sind. Anstatt darauf zu beharren, daß Kunst sich außerhalb des wirtschaftlichen Wettbewerbs lokalisiert, zeigt sie, wie sehr Kunst mit den finanziellen Interessen der Wirtschaft verstrickt ist.“ (Iris Dressler, Kunst als Medienspektakel, in: fkw-jounal.de, Heft 18, 1994, S. 29, Zugriff 02.03.2026). Unikat
Provenienz:
Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam (Geschenk der Künstlerin)


klaus fussmann
(1938 Velbert, lebt in Berlin und Gelting)
7267 Bootsanleger Öl auf Leinwand. 2012.
50 x 60 cm.
Unten rechts mit Pinsel in die feuchte Farbe geritzt (schwer lesbar) signiert „Fußmann“ und datiert.
4.000 €
Bleigrau liegt die Ostsee unter verhangenem Himmel. Die Bewegtheit von Wasser, Himmel und Segelschiff findet einen kongenialen Ausdruck in Fußmanns dynamischem Pinselduktus und der Vehemenz, mit der er die Farbmassen plastisch auf der Leinwand durchmodelliert. Diese skulpturale Malerei Fußmanns widmet sich häufig der norddeutschen Landschaft rund um Gelting und der Ostseeküste. Präsentationen seines Werkes fanden u.a. 1972 in der Neuen Nationalgalerie Berlin, 1982 auf der Mathildenhöhe in Darmstadt, 1988 in der Kunsthalle Emden, 1992 in der Kunsthalle Bremen und 2003 im Museum am Ostwall in Dortmund statt.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
7268 Vergissmeinnicht, Kaiserkrone, Narzissen und Stiefmütterchen
Aquarell und Deckweiß auf genarbtem Velin. 2016. 78 x 58 cm.
Unten links mit Pinsel in Graugrün signiert „Fußmann“ und datiert.
5.000 €
Das sommerlich strahlende Blütenmeer beobachtet der Künstler im Garten: Ein intensives Grün umgibt die verschiedenen Bauernblumen, ein heller Himmel und das direkt beobachtete Tageslicht lassen die Farben strahlen. Locker aquarelliert Fußmann die Naturformen, abstrahiert sie zu lebendig flirrenden Farbfeldern und getüpfelten Strukturen und schafft eine komplex gestaffelte, großformatige Komposition.
Provenienz: Privatbesitz Berlin




klaus fussmann
7269 Astern
Aquarell und Gouache auf Bütten. 2014.
21,5 x 30 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Orange signiert „Fußmann“ und datiert.
2.200 €
Das Blumenstilleben besticht durch seine elegante Farbwahl: Die tiefvioletten Astern harmonieren mit den intensiv grünen Blättern, ein gelber Akzent vetieft das Strahlen. Mit beeindruckender Spontaneität und Verve erschafft Fußmann ein üppiges Blütenmeer.
Das charakteristische Blumenaquarell zeigt die Blüten in der Nahsicht, in der beliebten abstrakten Lebendigkeit und intensiven Farbkontrasten.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
7270 Abend an der Ostsee
Aquarell und Deckweiß auf genarbtem Velinkarton. 2013. 21,3 x 30,3 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Grau signiert „Fußmann“ und datiert.
1.800 €
Direkt nach Sonnenuntergang. Ein roter Streifen schimmert noch am Horizont, die Landschaft ist aber bereits fast völlig in Grau getaucht. Feinste Farbreflexe schimmern aber doch da und dort in den blockartig übereinandersitzenden Streifen von Hell- und Dunkelgrau. Das Farbspiel am Meer, in seiner norddeutschen Wahlheimat, inspiriert den Künstler zu immer neuen, intensiv leuchtenden Motivvarianten.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
siegward sprotte (1913 Potsdam – 2004 Kampen/Sylt)
7271 Küstenlandschaft mit Fischerbooten Aquarell auf feinem Velin. 1973.
26,3 x 36,7 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarzblau signiert „S. Sprotte“ und datiert.
1.200 €
Ein leuchtender roter Akzent bildet als kleiner waagerechter Nukleus das Zentrum der Komposition, die Sprotte in reduzierter Palette erfasst. Mit sparsamem, sicherem Duktus fängt der Künstler die Atmosphäre an der Küste unmittelbar ein. Markant und dunkel liegen die kalligraphisch gesetzten Formen der Boote silhouettenhaft vor dem hellen Grün und Blau; deren nahezu horizontal geführte Pinselzüge versetzen mit ihren leichten Abweichungen und Schwüngen die Küstenlandschaft in eine sanfte Bewegung.
Provenienz: Privatbesitz Baden-Württemberg
christopher lehmpfuhl (1972 Berlin)
7272 Parklandschaft im Sommer Öl auf Leinwand. 2013.
80 x 80 cm.
Unten mittig monogrammiert (in die feuchte Farbe gekratzt) „CL“ und datiert, verso mit Faserstift in Schwarz nochmals monogrammiert „CL/M“ und mit der Werknummer „6484“.
6.000 €
Im Freien bringt Lehmpfuhl mit den Händen die Farbmassen aus dem Kübel alla prima direkt auf die Leinwand, mischt und modelliert sie dort mit seinen nur durch Latexhandschuhe geschützten Fingern. Diese reliefhaften, üppig aufgetragenen Farbschichten orientieren sich an der Lokalfarbe und fangen doch im Schaffensprozess stündlich, minütlich neue Lichtverhältnisse ein. Es ergibt sich ein ganz eigenes, bildimmanentes Spiel von Licht und Schatten. Die Natur und auch meteorologische Einflüsse hinterlassen zudem ihre Spuren im Bild: Hier sind es Überreste trockener Blätter, die der Wind unten rechts auf die nasse Farbe geweht hat. „Lehmpfuhls Ölgemälde sind hoch dynamisch und temporeich; damit verbildlichen sie die Konflikte und Geschwindigkeiten unseres Lebens zu Beginn des 21. Jahrhunderts.“ (Lena Naumann, Über Liebermann hinaus, in: Mundus 2/2023, S. 14, zit. nach christopherlehmpfuhl.de, Zugriff 11.12.2025).
Provenienz: Privatbesitz Berlin


friedrich eigner
(1948 Salzburg, lebt in Salzburg und Venedig)
7273 „Rom“
Öl auf Leinwand, auf Hartfaser kaschiert. 2002.
35 x 27 cm.
Verso auf der Platte mit Faserstift in Schwarz signiert „Eigner“, datiert, betitelt, mit den Maßangaben und bezeichnet „Öl-Leinwand“.
1.500 €
Streifen und Reflexe eines warmen orangegelben Lichts durchziehen den Blick vom Forum Romanum auf das Kolosseum und verorten die Szenerie in der Gegenwart. Sparsam liegen die Farben auf der Leinwand und lassen deren Farbe und Textur als effektvolles Gestaltungselement durchscheinen.
Provenienz: Privatbesitz Thüringen
friedrich eigner
7274 „Paris“
Öl auf Leinwand, auf Hartfaser kaschiert. 2002.
35 x 27 cm.
Verso auf der Platte mit Faserstift in Schwarz signiert „Eigner“, datiert, betitelt, mit den Maßangaben und bezeichnet „Öl-Leinwand“.
1.500 €
Über die Wasserspiele in den Jardins du Trocadéro fällt der Blick auf den Eiffelturm. Die abendliche Stimmung fängt Eigner mit farbig funkelnden Lichtakzenten ein. „Friedrich Eigner hat dem ‚Zwischen‘ ein künstlerisches Denkmal gesetzt. Nicht nur dem ‚Zwischen‘ an sich, sondern auch der umfassenden Frage: ‚Was ist das pure Leben?‘ Er gibt in seinen Monumenten eine Antwort: Es ist das Zwischen zwischen den Mustern, das nur derjenige entdecken kann, der frei genug ist, an dem Offensichtlichen und Gewohnheitsmäßigen vorbeizublicken!“ (Stefan Lindl, zit. nach friedrich-eigner.at, Zugriff 09.02.2026).
Provenienz: Privatbesitz Thüringen


friedrich eigner
7275 „Im Vorraum der schlafenden Vernunft II“ (?) (Venedig)
Öl auf Leinwand, auf Hartfaser kaschiert. 2013.
48 x 70 cm.
Oben rechts mit Bleistift (schwer lesbar) signiert „Eigner“ und wohl datiert, verso auf der Platte mit Faserstift in Schwarz signiert „Eigner“, datiert, (teils schwer lesbar) betitelt, mit den Maßangaben und bezeichnet „Öl-Leinwand“.
3.000 €
In geheimnisvoll nebligem Licht liegt Venedig, irrlichternde Reflexe schweben über dem Wasser des Markusbeckens (Bacino di San Marco). Nur schwach ist die aufstrebende Form des Campanile im Hintergrund zu erahnen, ein sublimes Chiaroscuro dominiert das Gemälde. „Eigner setzt in seiner Kunst Schichten übereinander. Dadurch entsteht etwas dreidimensionales, es entstehen Räume, Räume unserer Erinnerung, die wir als Betrachter füllen können und müssen.“ (Claus Friede, kultur-port.de, Zugriff 09.02.2026).
Provenienz: Privatbesitz Thüringen
jörg lozek
(1971 Chemnitz, lebt in Leipzig)
7276 „Die Lesende“ Öl auf Hartfaser. 2004.
100 x 75 cm.
Verso mit Pinsel in Schwarz signiert „Jörg Lozek“, datiert und betitelt.
1.800 €
Eine Frauengestalt der Fifties, deren Adrettheit und Fassade sich in Lozeks hintergründig-realistischer Malerei auflöst. Wie Gewürm kringeln sich die Blumenstiele, etwas Schlangenartiges kriecht aus dem Buch, unten läuft lila Farbe über den wie ein Trompe l‘Oeil gemalten Rahmen, und im Bild löst sich die gelbe Tapete in Wellen von der Wand. Nach seinem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig, bei Sighard Gille war Lozek 2000-2002 dessen Meisterschüler. Er wird der Neuen Leipziger Schule zugerechnet. Im Jahr 2002 gehörte er mit den Leipziger Künstlern und Künstlerinnen Tilo Baumgärtel, Peter Busch, Tim Eitel, Tom Fabritius, Martin Kobe, Oliver Kossack, Jörg Lozek, Bea Meyer, Christoph Ruckhäberle, Julia Schmidt, David Schnell und Matthias Weischer zu den Gründern der Produzentengalerie LIGA in Berlin. Während ihres zweijährigen Bestehens entstand die vorliegende Arbeit.
Provenienz: Privatbesitz Großbritannien

7276

7277
liu ye (1964 Beijing)
7277 Für Mondrian Radierung mit Mezzotinto auf Velin. 1993. 17 x 16,5 cm (40 x 30,5 cm).
Signiert „LiuYe“ und datiert. Auflage 50 num. Ex. 900 €
In seinem Werk verbindet Liu Ye die Kunstgeschichte mit fiktiven und realen Figuren. Die Bezugnahme auf Piet Mondrian lässt sich auch in weiteren Arbeiten des Künstlers feststellen, in denen vielfach formale Prinzipien und konzeptionelle Ideen aus asiatischen und westlichen Kulturen miteinander verschmelzen. Prachtvoller, tiefdunkler und differenzierter Druck mit dem vollen Rand, rechts mit dem Schöpfrand.
gerhard kehl
(1964 Wissen/Westerwald – 2024 Berlin)
7278 „A night at the opera“ - Drei stehende Walküren Holz, farbig lackiert. 2001/02.
35,5 x 32,5 x 32 cm.
1.500 €
Schrille Holzskulptur mit buntem Hochglanzlack, deren comicartigüberdrehte Ausstrahlung die glitzernde Welt der Dragqueens zu zitieren scheint. Bereits während seines Studiums beschäftigte sich Kehl mit Zeichentrick und Comic. „Die mit feiner Ironie und philosophischer Reflexion auf gesellschaftliche Normen und Zwänge aufgeladenen Werke des Künstlers begründeten Anfang der 1990er Jahre Gerhard Kehls Ruf als ‚Shootingstar der Berliner Kunstszene‘.“ (villa-koeppe.de, Zugriff 25.03.2026). „Bei ‚A Night at the Opera‘ zeigt sich deutlich an dem Trio der prallrunden Opernsängerinnen die serienmäßig und doch handgedrechselte Grundform des Körpers. Zu den weiteren Gliedmaßen wurde auch Kehls Ellbogenknubbel angeleimt. Der ‚Knubbel‘, ein durchgehendes Markenzeichen in Kehls Gemälden, gibt der traditionellen Formensprache einen grotesken Kick. Zusammen mit den Händen, die Kehl ganz erzgebirgisch zu Fäusten reduziert hat, der massiven Gestalt und den hochaufgetürmten Frisuren wirken die singenden Matronen wie die dekadenten Auswürfe einer überzüchteten Hochkultur. (...) In Kehls ‚Happy-Go-Luckyland“ betritt die Irritation durch das Hintertürchen der naiven Erzählform das Bewusstsein des Rezipienten.“ (Patricia Caspari, in: kehl-art.de, Zugriff 26.03.2026).
Provenienz:
Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam

7278

gerhard kehl
7279 „Bust-Kit (choice of hair and mouths)“ - Büsten (Bausatz)
8 Holzteile, farbig lackiert, auf Pannesamtpolster in hellblau lackiertem Holzkasten. 2001/02.
18,5 x 45,5 x 32 cm (Kasten).
1.500 €
Skulptur im Baukastenprinzip. Der handwerkliche Aspekt, orientiert an der traditionellen Schnitzerei des Erzgebirges, bezieht im vorliegenden Bausatz auch den Betrachter mit ein, der den Kopf nach Belieben zusammensetzen und im Ausdruck verändern kann. „Gerhard Kehl ist ein Grenzgänger zwischen ‚scheinbar‘ trivialer Kunst und High Class Art. Mit trivial meine ich, dass er auf Volkskunst und Comic reagiert und daraus etwas Neues in Bezug zur zeitgenössischen Skulptur entwickelt.“ (Wolfgang Köppe, Interview in: artberlin.de, Zugriff 25.03.2026). Das Bust-Kit ist Teil der ersten Reihe von Skulpturen, die nach Kehls Entwürfen im Erzgebirge aus Holz geschnitzt oder gedrechselt und anschließend von ihm von Hand lackiert wurden.
Provenienz:
Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam

frank nitsche
(1964 Görlitz, lebt in Berlin) 7280 „TIF-23-2004“ Mischtechnik auf Leinwand. 2004. 37 x 54 cm.
Verso mit Faserstift in Schwarz signiert „Nitsche“ und datiert bzw. betitelt.
2.400 €
Abstrakte Konstruktion dynamisch im Bildraum verspannter geometrischer Flächen, Formen und Linien, die einander überlagern und durchqueren. Sie evozieren Assoziationen an Computerdesign oder technische Baupläne, lassen aber andererseits immer wieder den rauen Pinselstrich lebendig erkennbar werden. Ihre kühle
Formensprache wird auch durch den numerisch abgekürzten Titel betont. Nitsches Arbeiten sind unter anderem im Centre Pompidou in Paris und in der Tate Britain in London ausgestellt. „Nitsches Bilder sind Experimentalanordnungen der Bildkonstruktion. Sie zählen zum Genre der künstlerischen Grundlagenforschung, in der die Malerei zum optischen Versuchsaufbau wird.” (Gerrit Gohlke, in: Frank Nitsche, Köln, 2007, zit. n. mudam.com, Zugriff 24.03.2026).
Provenienz: Ehemals Galerie Nathalie Obadia, Paris (mit deren Klebeetikett verso auf dem Keilrahmen)
Privatbesitz Tschechien

troels wörsel
(1950 Aarhus – 2018 Köln )
7281 „Flag“
Acryl auf Leinwand. 1991.
50 x 65 cm.
Verso mit Faserstift in Schwarz signiert „T. Worsel“, datiert und betitelt.
1.200 €
Im Motiv einer Piratenflagge ballt sich das Weiß wie flauschige Wolkenformationen vor tiefem Schwarz. Chaotische Pinselwirbel durchziehen die Bildoberfläche. Wörsel gehörte zu den prägenden Vertretern der skandinavischen Kunstszene. „Wörsel was thoughtful and in his own way fastidious artist. (...) In his art, Wörsel never revealed himself in that respect he was ‘cool’; but he shared what preoccupies every original artistic talent: a world on a surface.“ (Louisiana.dk, Zugriff 24.03.2026). Wörsel vertrat Dänemark 2007 auf der Biennale in Venedig, seine Arbeiten sind vertreten u.a. im Kunstmuseum Bonn, dem Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk, dem Moderna Museet Stockholm, dem Centre Pompidou, Paris und im MoMA New York.
Provenienz: Van Ham, Köln, Auktion 300, 31.05.2011, Lot 958 Privatbesitz Tschechien


gert & uwe tobias (1973 Brasov, leben in Köln)
7282* Ohne Titel (Kleine Münchner Vedute II) Farbholzschnitt auf festem Montval Canson-Velin, von den Künstlern auf Unterlagekarton montiert. 2016. 107 x 73 (109 x 75 cm).
Auf dem Unterlagekarton verso monogrammiert „GUT“ und datiert. Auflage 7 num. Ex.
5.000 €
Großformatige Komposition der Zwillingsbrüder Tobias. „Überbordende Fantasie, subtile Leichtigkeit und humorvolle Gedankentiefe zeichnen die großformatigen Holzschnitte von Gert & Uwe Tobias aus. Das Künstlerduo zählt seit mehr als einer Dekade international zu den bekanntesten deutschen Druckgrafikern, die mit ihren Bildwelten in der Gegenwartskunst beständig für Aufsehen sorgen. Bis heute hat ihre unnachahmliche Handschrift, die in bisher nie dagewesener Form die Grenzen zwischen »high and low« in der zeitgenössischen Kunst verwischt, an Radikalität und Konsequenz nichts eingebüßt.“ (sgsm.eu, Zugriff 01.04.2026).
Prachtvoller Druck mit kleinem Rändchen.
manfred bockelmann
(1943 Klagenfurt, lebt in Kärnten, München und Wien) 7283 „Das Blau der Erde“ Öl auf Leinwand. 2002.
70 x 160 cm.
Verso mit Faserschreiber in Schwarz monogrammiert „MB“, datiert, betitelt und bezeichnet „Öl“.
2.400 €
Im großen Format abstrahiert Bockelmann die stille Stimmung einer ganz in Blau gefärbten Welt. Ein Studium in Graz hatte ihn 1963-66 in den Techniken Fresco, Fotografie und Graphik ausgebildet. Nach einer dreimonatigen Safari durch Ostafrika im Jahr 1975 wurde das Motiv Landschaft zum zentralen Thema seiner künstlerischen Arbeit, einer „Malerei der Stille“, die vielfach in einer Synthese von gemalten und fotografierten Landschaften bestand. Sein Bruder Udo Jürgens textete zu Bockelmanns Kunst im Lied „Mein Bruder ist ein Maler“: „Die Erde ist ihm untertan / Er herrscht mit seinen Farben / Über Meer und Länder, über Glück und Träumerei (...)“.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
Die Lose 8000 bis 8315 finden Sie online
A
Aeschbacher, Arthur 7165
Agam, Yaacov 8150
Albers, Josef 7226
Altenbourg, Gerhard 7243-7244
Altenkirch, Otto 7019-7020
Anderle, Jirí 7241-7242, 8151-8158
Antes, Horst 7232
Antoine, Otto 8000-8001
Arakawa, Shusaku 8159
Arnold, Christian 8005
Arnold, Karl 8002-8004
Arntz, Gerd 7099, 8006
Arp, Hans 8160
Artschwager, Richard 8161
Augustin, Edgar 8162
B
Bargheer, Eduard 7172
Barlach, Ernst 7128, 8007
Baschant, Rudolf 8008
Bauer, Rudolf 7096
Baum, Paul 7009-7010
Baumeister, Willi 7155-7156, 8163-8166
Beckmann, Max 7066-7071, 8009-8011
Beckmann, Otto 7238-7239, 8167-8168
Behrens-Hangeler, Herbert 7164
Benito, Eduardo García 8012
Bertoia, Harry 8169-8170
Beuys, Joseph 7185, 8171-8173
Bigbee, Brett 7237
Bissier, Julius 7173
Blais, Jean Charles 7245
Bluth, Manfred 8174-8176
Bockelmann, Manfred 7283
Böckstiegel, Peter A. 7112, 8013
Bohrmann, Karl Heinz 7193
Bott, Francis 7194
Braque, Georges 7168-7171, 8177
Brauer, Arik 8178
Bravo, Claudio 7183
Bravo, Justo González 8179
Breitling, Gisela 8180
Breusing, Ima 8181
Brockmann, Gottfried 7105-7107, 8014-8016
Brodwolf, Jürgen 7220
Bruni, Bruno 8182
Buchheister, Carl 7161, 8183
Burchartz, Max 8017
Buthe, Michael 8184
C
Calder, Alexander 8185
Chagall, Marc 7181-7182
Chirico, Giorgio de 7197
Claus, Carlfriedrich 8186
Cocteau, Jean 7176-7178, 8187
Corinth, Lovis 7029-7035, 8018-8023
Corradin, Inos 7158, 8188
Croissant, Michael 8189
D
Dahmen, Karl Fred 7190
Dahn, Walter 8190-8191
Dalí, Salvador 7231
Degner, Arthur 7133
Dexel, Walter 7084, 8024
Dion, Mark 8192
Dischinger, Rudolf 8193-8194
Dix, Otto 7075-7076
Dufy, Raoul 8025
E
Ebert, Albert 8195-8199
Echtermeyer, Curt 7080
Eglau, Otto 8200
Ehrhardt, Curt 7134
Eigner, Friedrich 7273-7275
Eitner, Ernst 7015-7016
Ernst, Max 7233, 8201
Erró 7236
Esser, Max 8026-8027
F
Feininger, Lyonel 7000-7002, 7101-7104
Felixmüller, Conrad 7108-7109
Fiedler, Arnold 7166, 8202
Fischer-Geising, Heribert 7132
Förg, Günther 8203-8204
Foth, Detlev 8205-8206
Francis, Sam 7253
Friedrichs-Friedlaender, Michael 8207
Fritsch, Ernst 7130
Fußmann, Klaus 7267-7270, 8208
G
Gaul, August 8028
Geccelli, Johannes 8209
Geiger, Rupprecht 8210
Genin, Robert 7116
Gering, Andreas 8029-8031
Gietz, Martin 8211-8212
Girke, Raimund 8213
Gleizes, Albert 7146
Gramatté, Walter 7078
Graphik & Handzeichnungen 8214-8220
Großmann, Rudolf 8032
Grosz, George 7072-7074, 80338035
Grützke, Johannes 7246-7247
H
Haase, Volkmar 7188-7189
Haase-Ilsenburg, Hermann Otto 7021
Haffenrichter, Hans 7088
Halkett, René 7120
Hartung, Hans 8221-8222
Heckel, Erich 7060-7062, 8036
Heerich, Erwin 8223
Hegenbarth, Josef 7135, 8037-8038
Heidelbach, Karl 7198, 8224-8225
Heldt, Werner 7148-7150, 8226-8229
Hirschfeld-Mack, Ludwig 7090-7093
Hitzler, Franz 7254
Hoboken, G.B. Rudolf van 8039
Höch, Hannah 7162-7163
Hödicke, Karl Horst 7214-7215
Hölscher, Theo 7159
Höpker, Thomas 8261-8262
Hofer, Karl 7118-7119, 8040
Hoffmann, Eugen 7089
Hoffmeister, Adolf 8230
Hofschen, Edgar 8231
Holmead 8232
Holzer, Jenny 7266
Hubbuch, Karl 7121-7122, 8041-8043
Hüppi, Alfonso 8233
Hundertwasser, Friedensreich 8234-8236
I J
Illies, Arthur 8044
Itten, Johannes 7100
Jacobi, Rudolf 7138-7139
Jaeckel, Willy 7136
Jansen, Franz Maria 7094
Janssen, Horst 7227-7229, 8237
Jarke, Hedwig 8045
Jené, Edgar 7187
Johansson, Eric 8046
Jones, Allen 8238-8239
K
Kämmer, Rudolf 7199
Katz, Hanns Ludwig 7137
Kaufmann, Herbert 8240
Kehl, Gerhard 7278-7279, 8241
Keil, Herman 8047
Kentridge, William 8242
Kiml, Václav 7167
Kirchner, Ernst Ludwig 7063-7065
Klee, Paul 7082-7083
Klein, Yves 7202
Kleinschmidt, Paul 8048
Kliemann, Carl-Heinz 7160
Klimsch, Fritz 7113, 8049-8050
Koch-Stetter, Dora 7022
Kock, Mac 8051
Kögler, Harry 8243
Koeppel, Matthias 7261
Köthe, Fritz 8244
Kogan, Moissey 7154
Kohlhoff, Walter 8245
Kokoschka, Oskar 7077, 8052-8053
Kolár, Jirí 8246-8248
Kolbe, Georg 7110-7111
Kollwitz, Käthe 7043-7044, 8054
Kretzschmar, Bernhard 8055
Kronenberg, Fritz 8056
Krystufek, Elke 8249
Kubicka, Margarete 7205
Kubin, Alfred 8057
Kucerová, Alena 7222-7223
Kuhfuss, Paul 8058-8060
Kulhánek, Oldrich 8250-8251
Kunc, Milan 7250
Kuwertz, Evelyn 7262
Kyncl, Frantisek 8252
L
Laabs, Hans 8253-8254
Ladwig, Roland 8255-8256
Lagerfeld, Karl 7211-7213
Lange, Otto 8061
Lange, Thomas 8257
Le Corbusier 7180
Lehmbruck, Wilhelm 7023-7026, 8062
Lehmpfuhl, Christopher 7272
Lepke, Gerda 7251-7252
Levasti, Fillide Giorgi 8063
Liebermann, Max 7003-7008, 8064-8073
Liu Ye 7277
Long, Richard 7265
Lozek, Jörg 7276
Lüpertz, Markus 8258-8259
M
Mack, Heinz 7200-7201, 8260-8262
Maetzel-Johannsen, Dorothea 7056-7059
Maillol, Aristide 8074
Mammen, Jeanne 7123-7124
Marc, Franz 7027
Marca-Relli, Conrad 7219
Marcks, Gerhard 7235, 8075
Markau, Franz 7117
Marquardt, Hedwig 8076
Mataré, Ewald 8077
Matschinsky, Martin 8263
Matschinsky-Denninghoff, Brigitte 8264
Matschinsky-Denninghoff, Martin und Brigitte 7256
Matta, Roberto 8265
Mecys, Aliute 8266
Meidner, Ludwig 7039, 71417145, 8078
Meltzer-Karlsfeld, Johannes 7081
Melzer, Moriz 7140
Mendelsohn, Erich 7097
Metzkes, Harald 7248
Meunier, Constantin 8079
Meyer, Jobst 8267
Modersohn, Otto 8080
Moholy-Nagy, László 7095
Morgner, Michael 8268
Mühlig, Hugo 7017-7018, 8081
Müller, Richard 8082-8086
Munch, Edvard 7054
Munsky, Maina-Miriam 7217
N
Nay, Ernst Wilhelm 8269
Nerlinger, Oskar 7098
Nesch, Rolf 8270
Neuhaus, Hugo 8271
Nikifor 7249
Nitsche, Frank 7280
Nolde, Emil 7055
O
Olderock, Max 8087
Oppler, Ernst 7028
Orlik, Emil 7036-7038, 8088-8097
Overbeck, Gerta 7127
P
Pankok, Bernhard 8098
Pechstein, Hermann Max 7051-7053, 8099-8101
Penck, A. R. 8272
Picasso, Pablo 7174-7175
Piene, Otto 8273-8276
Poelzig, Hans 8102-8104
Poliakoff, Serge 7151-7153
Prachensky, Markus 7221
Pratschke, Wanda 7263
R
Radziwill, Franz 7131, 7206
Rainer, Arnulf 6900-6948, 7204
Rassenfosse, Armand 8105
Redon, Odilon 8106
Rettig, Richard 8107
Rohlfs, Christian 7046-7048
Rose, Rolf 8277
Rosenbach, Ulrike 8278
Roth, Dieter 8279
Roth, Dieter und Björn Roth 8280
Rückriem, Ulrich 8281
S
Schärer, Hans 8282-8283
Schiele, Egon 8108
Schleusner, Thea 8109-8110
Schlichter, Rudolf 8111-8112
Schlief, Heinrich 8113
Schmidt-Rottluff, Karl 7049-7050
Schultze, Bernard 7257-7259, 8284-8285
Schumacher, Emil 7191-7192, 8286-8287
Seger, Ernst 7011
Seitz, Gustav 7157
Serna, Ismael González de la 8288
Siewert, Gerdt Marian 8289
Sintenis, Renée 7079
Spiro, Georges 7195-7196
Sprotte, Siegward 7271, 8290
Stärz, Ernst 8114
Steinitz, Käte 8115
Sterl, Robert Hermann 7045, 8116
Struck, Hermann 8117
Sugai, Kumi 8291
Süss, Klaus 7264
Sykora, Zdenek 7203
Szym, Hans 8118
Szymanski, Rolf 8292 T
Tanning, Dorothea 7179
Tàpies, Antoni 7218, 8293-8295
Tappert, Georg 7125-7126, 8119-8120
Tesdorpf-Edens, Ilse 8121
Thiemann, Hans 7147
Thomsen, Cornelia 8296
Thorn Prikker, Johan 7085-7087
Ticha, Hans 7234
Tilson, Joe 8297
Tobias, Gert & Uwe 7282
Topor, Roland 7209-7210, 82988299
Tschinkel, Augustin 8122
Tübke, Werner 7230
U
Uecker, Günther 7224-7225, 8300-8302
Ulrichs, Timm 8303
Ungerer, Tomi 7207-7208, 8304-8306
Ury, Lesser 7013-7014, 8123-8128
V
Valtat, Louis 8129
Váró, Márton 7184
Vasarely, Victor 8307-8309
Vieira da Silva, Maria Helena 8310
Vogelsang, Klaus 7216, 8311
Voigt, Bruno 8130
W
Wachsmuth, Fritz 8131
Waldenburg, Hermann 8312-8313
Wauer, William 8132
Wilding, Ludwig 8314
Willig, Heinz 7260
Winter, Fritz 8315-8316
Wittlich, Josef 8317
Wörsel, Troels 7281
Wolff, Gustav Heinrich 8133
Wülfing, Sulamith 7114-7115
Wunderwald, Gustav 7129
Z
Zander, Heinz 7240, 8318-8322
Zangs, Herbert 7186
Zech, Sati 7255
Zille, Heinrich 7040-7042, 8134-8145

auf
Horizonte – Zauber ferner Welten Auktion 4. Juni 2026
GALERIE BASSENGE · ERDENER STRASSE 5A · 14193 BERLIN
Telefon: (030) 893 80 29-0 · Fax: (030) 891 80 25 · E-Mail: art@bassenge.com Kataloge online: www.bassenge.com

Rainer „Mein Atelier ist verwaist“ – Gerettete Werke aus der Haasgasse 10 Auktion 5. Juni 2026
GALERIE BASSENGE · ERDENER STRASSE 5A · 14193 BERLIN
Telefon: (030) 893 80 29-0 Fax: (030) 891 80 25 E-Mail: art@bassenge.com Kataloge online: www.bassenge.com
1. Die Galerie Gerda Bassenge KG, nachfolgend Versteigerer genannt, versteigert als Kommissionärin im eigenen Namen und für Rechnung ihrer Auftraggeber (Kommittenten), die unbenannt bleiben. Die Versteigerung ist freiwillig und öffentlich im Sinne des § 383 III BGB.
2. Der Versteigerer behält sich das Recht vor, Nummern des Kataloges zu vereinen, zu trennen, außerhalb der Reihenfolge anzubieten oder zurückzuziehen.
3. Sämtliche zur Versteigerung kommenden Gegenstände können vor der Versteigerung besichtigt und geprüft werden. Die Sachen sind gebraucht. Erhaltungszustände der einzelnen angebotenen Arbeiten bleiben im Katalog in der Regel unerwähnt. Die Katalogbeschreibungen sind keine Garantien im Rechtssinne und keine vertraglich vereinbarten Beschaffenheitsangaben. Gleiches gilt für individuell angeforderte Zustandsberichte. Sie bringen nur die subjektive Einschätzung des Versteigerers zum Ausdruck und dienen lediglich der unverbindlichen Orientierung. Alle Gegenstände werden in dem Erhaltungszustand veräußert, in dem sie sich bei Erteilung des Zuschlages befinden. Soweit nicht in der Katalogbeschreibung explizit erwähnt, sind Rahmungen nicht bindender Bestandteil des Angebots. Der Käufer kann den Versteigerer nicht wegen Sachmängeln in Anspruch nehmen, wenn dieser seine Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Der Versteigerer verpflichtet sich jedoch, wegen rechtzeitig vorgetragener, begründeter Mängelrügen innerhalb der Verjährungsfrist von 12 Monaten ab dem Zeitpunkt des Zuschlags seine Ansprüche gegenüber dem Einlieferer (Auftraggeber) geltend zu machen. Im Falle erfolgreicher Inanspruchnahme des Einlieferers erstattet der Versteigerer dem Erwerber den Kaufpreis samt Aufgeld. Die Haftung des Versteigerers auf Schadensersatz für Vermögensschäden – gleich aus welchem Grund – ist ausgeschlossen, es sei denn, dem Versteigerer fiele Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zur Last. Die Haftung bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit bleibt unberührt.
4. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchstbietenden. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vorbehalt erteilen. Wenn mehrere Personen dasselbe Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut ausbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchstbietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel über den Zuschlag bestehen.
5. Im Falle eines schriftlichen Gebotes beauftragt der Interessent den Versteigerer für ihn während der Versteigerung Gebote abzugeben. In schriftlichen Aufträgen ist bei Differenzen zwischen Nummer und Kennwort das Kennwort maßgebend.
6. Telefonische Gebote und Online-Direkt-Gebote über das Internet bedürfen der vorherigen Anmeldung beim Versteigerer und dessen Zustimmung. Für die Bearbeitung übernimmt der
Versteigerer jedoch keine Gewähr. Telefonische und OnlineGebote werden nur akzeptiert, wenn der Bieter bereit ist, den ihm zuvor mitgeteilten Mindestpreis des jeweiligen Loses zu bieten. Auch bei Nichtzustandekommen einer Verbindung gilt, dass für den Auktionator dieses Gebot in Höhe des Mindestpreises verbindlich ist. Für das Zustandekommen einer entsprechenden Telefon- oder Onlineverbindung übernimmt der Versteigerer keine Gewähr. Das Widerrufs- und Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen findet auf solche Gebote keine Anwendung (§ 312g Abs. 2 Nr. 10 BGB).
7. Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigung auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen geht erst mit vollständigem Zahlungseingang an den Erwerber über.
8. Auf den Zuschlagspreis ist ein Aufgeld von 30% zu entrichten, in dem die Umsatzsteuer ohne separaten Ausweis enthalten ist (Differenzbesteuerung) oder ein Aufgeld von 25% auf den Zuschlag zzgl. der Umsatzsteuer (Regelbesteuerung) von z.Zt. 7% (Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Graphiken, Bücher etc.) bzw. 19% (Handschriften, Autographen, Kunstgewerbliche Gegenstände, Siebdrucke, Offsets, Fotografien, etc.). Die im Katalog mit einem * gekennzeichneten Objekte unterliegen in jedem Fall der Regelbesteuerung (Aufgeld von 25% auf den Zuschlag zzgl. der Umsatzsteuer von z.Zt. 7% bzw. 19%). Bei den im Katalog mit einem ^ gekennzeichneten Objekten ist Einfuhrumsatzsteuer angefallen.
In diesen Fällen wird zusätzlich zu einem Aufgeld von 27% (Differenzbesteuerung) die verauslagte Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von z.Zt. 7% auf den Zuschlag erhoben.
Für bundesdeutsche Kunsthändler und Antiquare, die zum Vor steuer abzug berechtigt sind, kann die Gesamt rech nung auf Wunsch, wie bisher nach der Regelbesteuerung ausgestellt werden. Von der Umsatzsteuer befreit sind Ausfuhrlieferungen in Drittländer (außerhalb der EU) und – bei Angabe ihrer USt.-Identifikations-Nr. bei Auftragserteilung als Nachweis der Berechtigung zum Bezug steuerfreier innergemeinschaftlicher Lieferungen –auch an Unternehmen in anderen EU-Mitgliedsstaaten, unter der Voraussetzung, dass sie für gewerblichen Gebrauch einkaufen. Eine Korrektur nach Rechnungsstellung ist nicht möglich. Alle anderen Käufe aus EU-Ländern unterliegen der Umsatzsteuer. Ausländischen Käufern außerhalb der Europäischen Union wird die Umsatzsteuer erstattet, wenn binnen 4 Wochen nach der Auktion der deutsche zollamtliche Ausfuhrnachweis und der zollamtliche Einfuhrnachweis des entsprechenden Importlandes erbracht werden. Bei Versand durch uns gilt der Ausfuhrnachweis als gegeben. Bei Online-Live-Geboten über Internetplattformen erhöht sich das Aufgeld um die dort anfallende Transaktionsgebühr (i. d. R. 3-5%). Während oder unmittelbar nach der Auktion ausgestellte Rechnungen bedür fen einer besonderen Nachprüfung und eventueller Berichtigung; Irrtum vorbehalten. Katalog- und Zusatzabbildungen dürfen nicht ohne Genehmigung verwendet werden. Reproduktionsrechte und digitale Dateien der Abbildungen können gegen Gebühr erworben werden. Gegebenen-
falls noch bestehende Urheberrechte Dritter bleiben davon unberührt und müssen u.U. gesondert eingeholt werden.
9. Die Auslieferung der ersteigerten Stücke erfolgt in unseren Geschäftsräumen gegen Bezahlung. Kreditkarten (Mastercard, VISA, American Express), Schecks sowie andere unbare Zahlungen werden nur erfüllungshalber angenommen. Bankspesen/ Transaktionsgebühren bzw. Kursverluste können zu Lasten des Käufers gehen. Die Auf bewahrung erfolgt auf Rechnung und Gefahr des Käufers. Der Versand wird gegen Vorabrechnung des Rechnungsbetrages ausgeführt. Die Versandspesen sowie die Kosten für Versicherung gegen Verlust und Beschädigung gehen zu Lasten des Käufers. Übersteigen die tatsäch lichen Versandkosten die vorab berechnete Pauschale, so wird die Differenz dem Käufer nachträglich in Rechnung gestellt.
10. Bei der Ausfuhr von Kulturgütern ist gem. der EG-Verordnung Nr. 116/2009 bzw. § 24 KGSG abhängig von Kategorie und Wert des Objekts ggf. eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Aus Gründen des Artenschutzes können Objekte aus bestimmten, geschützten Materialien (u.a. Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt und einige Korallenarten) besonderen Im- und Exportbeschränkungen unterliegen. Zum Zwecke des Exports (insbesondere außerhalb der Europäischen Union) kann hierfür eine spezielle Ausfuhrgenehmigung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erforderlich sein. Entsprechende Ausfuhrgenehmigungen können nur unter strengen Bedingungen erteilt und ggf. auch gar nicht erlangt werden, auch kann der Import dieser Gegenstände in manche Staaten eingeschränkt oder untersagt sein. Der Käufer ist selbst dafür verantwortlich, sich über etwaige Im- und Exportbeschränkungen zu informieren. Export und Import entsprechender Objekte erfolgen allein auf Rechnung und Gefahr des Käufers.
11. Der Zuschlag verpflichtet zur Abnahme. Der Kaufpreis ist mit dem Zuschlag fällig. Der Versteigerer ist berechtigt, falls nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Versteigerung Zahlung geleistet ist, den durch den Zuschlag zustande gekommenen Kaufvertrag ohne weitere Fristsetzung zu annullieren, Verzugszinsen in
banküblicher Höhe – mindestens jedoch 1 % auf den Bruttopreis je angebrochenen Monat – zu berechnen und von dem Ersteigerer wegen Nichterfüllung Schadenersatz zu verlangen. Der Schadenersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, dass die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Mindererlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. Zu einem Gebot wird er nicht zugelassen, auf einen etwaigen Mehrerlös hat er keinen Anspruch.
12. Erfüllungsort und Gerichtsstand im vollkaufmännischen Verkehr ist Berlin. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UNAbkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung.
13. Die im Katalog aufgeführten Preise sind Schätzpreise, keine Limite.
14. Der Nachverkauf ist Teil der Versteigerung, bei der der Interessent entweder telefonisch oder schriftlich (im Sinne der Ziffern 5 und 6) den Auftrag zur Gebotsabgabe mit einem bestimmten Betrag erteilt. Entsprechende Gebote behalten ihre Gültigkeit für 4 Wochen nach Abgabe.
15. Die Abgabe eines Gebotes in jeglicher Form bedeutet die Anerkennung dieser Versteigerungsbedingungen. Der Versteigerer nimmt Gebote nur aufgrund der vorstehenden Versteigerungsbedingungen entgegen und erteilt dementsprechend Zuschläge. Kommissionäre haften für die Käufe ihrer Auftraggeber.
16. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt.
David Bassenge, Geschäftsführer und Auktionator
Dr. Markus Brandis, öffentlich bestellter u. vereidigter Auktionator
Stand: Mai 2026

1. The Galerie Gerda Bassenge KG, subsequently called “the auc tioneer” carries on business as commission-agent in its own name on behalf of its voluntary consignors. This auction sale is a public one in the sense of § 383 III BGB.
2. The auctioneer reserves the right to combine, to split, to change or to withdraw lots before the actual final sale.
3. All objects put up for auction can be viewed and examined prior to the sale at the times made known in the catalogue. The items are used and sold as is. As long as not explicitly mentioned in the catalogue description, framing is not an inherent part of the offer. As a rule, the condition of the individual work is not given in the catalogue. Catalogue descriptions are made with as much care as possible, but the descriptions do not fall under the statutory paragraph for guaranteed legal characteristics. The same applies for individually requested condition reports. These also offer no legal guarantee and only represent the subjective assessment of the auctioneer while serv ing as a non-binding orientation. The liability for damage to life, body or health shall remain unaffected. In case of a justified claim, however, he will accept the responsibility to make a claim for restitution on behalf of the buyer against the consignor within a period of 12 months, running from the fall of the hammer. In the event of a successful claim the auctioneer will refund the hammerprice plus premium.
4. The highest bidder acknowledged by the auctioneer shall be deemed the buyer. In case of identical bids the buyer will be determined by drawing lots. In the event of a dispute the auctioneer has the absolute discretion to reoffer and resell the lot in dispute. He may also knock down lots conditionally.
5. In the case of a written bid the bidder commissions the auctioneer to place bids on his behalf during the auction. In cases where there is a discrepancy between number and title in a written bid the title shall prevail.
6. Telephone and direct online bidding via the internet must be approved in advance by the auctioneer. The auctioneer cannot be held liable for faulty connections or transmission failure. In such a case the bidder agrees to bid the reserve price of the corresponding lot. For such bidding the regulations of long distance contracts do not apply (Fernabsatzverträge) [cf § 312g II,10 BGB].
7. On the fall of the auctioneer’s hammer title to the offered lot will pass to the acknowledged bidder. The successful buyer is obliged to accept and pay for the lot. Ownership only passes to the buyer when full payment has been received. The buyer, however, immediately assumes all risks when the goods are knocked down to him.
8. A premium of 30% of the hammer price will be levied in which the VAT is included (marginal tax scheme) or a premium of 25% of the hammer price plus the VAT of 7% (paintings, drawings, sculptures, prints, books, etc.) or 19% (manuscripts, autographs letters, applied arts, screen prints, offset prints, photographs, etc.) of the invoice sum will be levied (regular tax scheme). Buyers from countries of the European Union are subject to German VAT. Items marked with an * are subject to the regular tax scheme (premium of 25% of the hammer price plus the current VAT of 19%). Items marked with an ^ are subject to import duty. In these cases in addition to a premium of 27% (marginal tax scheme), the charged import tax of currently 7% will be added to the hammer price.
Exempted from these rules are only dealers from EU-countries, who are entitled, under their notification of their VAT ID-Number, to buy on the basis of VAT-free delivery within the European Union. Notification of VAT ID-Numbers must be given to the auctioneer before the sale.
For buyers from non EU-countries a premium of 25% will be levied. VAT will be exempted or refunded on production of evidence of exportation within 4 weeks of the auction, or, if appropriate, importation to another country. This is taken as given when the dispatch is effected by us.
Live bidding through online platforms entails a transaction fee stipulated by the platform and will be added to the premium (usually 3-5% of the hammer price).
Due to the work overload of the accounting department during auctions, invoices generated during or directly after an auction require careful revision and possible correction; errors excepted. Catalogue images may not be used without permission. Reproduction rights and digital files can be acquired for a fee. Any copyrights of third parties that may still exist remain unaffected by this and may have to be obtained separately.
9. Auction lots will, without exception, only be handed over after pay ment has been made. Credit cards (VISA, Mastercard, American Express), checks and any other form of non-cash payment are accepted only on account of performance. Exchange rate risk and bank charges may be applicable. Storage and dispatch are at the expense and risk of the buyer. If the shipping costs exceed the lump sum on the invoice the outstanding amount will be billed separately.
10. According to regulation (EC) No. 116/2009 resp. § 24 KGSG, export license may be necessary when exporting cultural goods depending on the type or value of the object in question. For the purposes of wildlife conservation, it is necessary to obtain an export license according to regulation (EC) No. 338/97 when exporting objects made from certain protected materials (incl. ivory, tortoiseshell, mother-of-pearl and certain corals) out of the territory of the European Community. Export licenses for objects made of protec -
ted materials are only granted under strict conditions or may not be granted at all. The import of such objects may be restricted or prohibited by certain countries. It is the buyer’s responsibility to inform himself, whether an object is subject to such restrictions. Export and import of such objects are at the expense and risk of the buyer.
11. The buyer is liable for acceptance of the goods and for payment. The purchase price shall be due for payment upon the lot being knocked down to the buyer. In case of a delayed payment (two weeks after the sale) the purchaser will be held responsible for all resultant damages, in particular interest and exchange losses. In case of payment default the auctioneer will charge interest on the outstanding amount at a rate of 1% to the gross price per month or part of month. In such an event the auctioneer reserves the right to annul the purchase contract without further notice, and to claim damages from the buyer for non-fulfilment, accordingly he can reauction the goods at the buyer’s expense. In this case the buyer is liable for any loss incurred, the buyer shall have no claim if a higher price has been achieved. He will not be permitted to bid.
12. The place of fulfillment and jurisdiction is Berlin. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded.
13. The prices quoted after each lot are estimates, not reserves.
14. The after-sales is part of the auction in which the bidder places either by telephone or in written form (as stated in number 5 and 6) the order to bid a set amount. Corresponding bids are binding for 4 weeks after submission.
15. By making a bid, either verbally in the auction, by telephone, written by letter, by fax, or through the internet the bidder confirms that he has taken notice of these terms of sale by auction and accepts them. Agents who act on behalf of a third party are jointly and separately liable for the fulfillment of contract on behalf of their principals.
16. Should one or the other of the above terms of sale become wholly or partly ineffective, the validity of the remainder is not affected. In the event of a dispute the German version of the above conditions of sale is valid.
David
Bassenge, auctioneer Dr. Markus Brandis, attested public auctioneer

As of May 2026

Moderne und Postwar & Zeitgenössische Kunst II online unter www.bassenge.com
Vorbesichtigung und Auktion finden wie gewohnt als Präsenzveranstaltungen statt
Catalogue Modern and Post War & Contemporary Art II online at www.bassenge.com
The preview and auction will take place as usual

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