

HORIZONTE Zauber fernerWelten

BASSENGE
Zauber ferner Welten
4. Juni 2026
Galerie Bassenge . Erdener Straße 5a . 14193 Berlin
Telefon: 030-893 80 29-0 . E-Mail: art@bassenge.com . www.bassenge.com
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Die Galerie Bassenge ist Mitglied bei Eindeutig identifizierbare Werke mit einem Schätzpreis von mindestens 4.000 Euro werden vor der Auktion mit dem Art Loss Register abgeglichen.
VORBESICHTIGUNG
HORIZONTE – ZAUBER FERNER WELTEN
Erdener Straße 5A 14193 Berlin
Donnerstag, 28. Mai bis Montag, 1. Juni
10 bis 18 Uhr
Dienstag, 2. Juni
10 bis 17 Uhr
Vorbesichtigung ausgewählter Werke in München
Donnerstag, 21. Mai, 16 bis 19 Uhr
Freitag, 22. Mai, 11 bis 18 Uhr Galeriestraße 2B (2. Etage), 80539 München

MITTWOCH, 3. Juni 2026
Vormittag 10.00 Uhr
Nachmittag 15.00 Uhr
DONNERSTAG, 4. Juni 2026
Vormittag 11.00 Uhr
Nachmittag 15.00 Uhr
FREITAG, 5. Juni 2026
Vormittag 11.00 Uhr
Nachmittag 15.00 Uhr
Druckgraphik des 15. bis 17. Jahrhunderts Nr. 5000-5248
Druckgraphik des 18. Jahrhunderts Nr. 5249-5328
Druckgraphik des 19. Jahrhunderts und des Fin de Siècle Nr. 5329-5428
Miscellaneen und Trouvaillen der Druckgraphik des 15. bis 18. Jahrhunderts Nr. 5429-5672
Gemälde Alter und Neuerer Meister Nr. 6000-6191 Rahmen Nr. 6192-6213
Horizonte – Zauber ferner Welten Nr. 6300-6482
Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts Nr. 6500-6755
Arnulf Rainer – Gerettete Werke aus der Haasgasse Nr. 6900-6948 16.00 Uhr
SONNABEND, 6. Juni 2026
Vormittag 11.00 Uhr
Nachmittag 16.00 Uhr
Moderne Kunst I Nr. 7000-7283
Moderne Kunst II (Katalog nur online) Nr. 8000-8145
Post War und Zeitgenössische Kunst II (Katalog nur online) Nr. 8150-8322
Fotografie des 19. Jahrhunderts (Katalog nur online) Nr. 4001-4123
Fotografie des 20. und 21. Jahrhunderts (Katalog nur online) Nr. 4124-4321
VORBESICHTIGUNGEN
Druckgraphik, Gemälde, Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts und Sonderkatalog „Horizonte“ Erdener Straße 5A, 14193 Berlin Donnerstag, 28. Mai bis Montag, 1. Juni, 10.00–18.00 Uhr, Dienstag, 2. Juni 10.00–17.00 Uhr
Moderne und Zeitgenössische Kunst I und II und Sonderkatalog Arnulf Rainer
Rankestraße 24, 10789 Berlin
Donnerstag, 28. Mai bis Donnerstag, 4. Juni, 10.00–18.00 Uhr
Fotografie und Fotokunst des 19. bis 21. Jahrhunderts
Rankestraße 24, 10789 Berlin
Donnerstag, 28. Mai und Freitag, 29. Mai, 10.00–18.00 Uhr, Samstag 30. Mai, 10.00–16.00 Uhr, Sonntag geschlossen, Montag, 1. Juni bis Donnerstag 4. Juni, 10.00–18.00 Uhr, Freitag, 5. Juni 10.00–15.00 Uhr
Schutzgebühr Katalog: 20 €
Abbildung Seite 4: Los 6316, Heinrich Breling. Seite 8 bis 9: Los 6468, Helmut Ditsch

Vorwort
Der Horizont ist immer dort, wo wir nicht sind und auch nie sein werden. Trotzdem – oder gerade deshalb – weckt diese im Idealfall schnurgerade Grenzlinie zwischen Himmel und Erde zuverlässig unsere Phantasie. Dort, in der am weitesten entfernten Zone unseres „Gesichtskreises“ (so Philipp von Zesens Bezeichnung im 17. Jahrhundert), wird jede Kulisse zu einem besonderen emotionalen Ereignis. Der „ideale Tag“ beginnt für den Schriftsteller Matthias Politycki mit einem „Segel fern am Horizont; der Rest ist riesengroß ein Himmel“. Der Blick zum Horizont am Morgen wird so im Gedicht zum Glücksakt. Der Horizont: Eine Randerscheinung mit großer Bedeutung nicht nur für Nautiker, Astronomen und andere mit Messgeräten Hantierende, sondern auch für uns, die wir mit Wünschen, Ahnungen und Sehnsüchten in die Ferne blicken. Und manchmal mischen sich Ängste darunter vor der nie ganz geheueren Unendlichkeit.
Unser Katalog „Horizonte“ nun versucht mit künstlerischen Mitteln, unserem alltäglichen Linksherum und Rechtsherum eine neue Richtung zu geben: Hinaus, wo unsere Augen frischen Eindrücken ausgesetzt sind. Schwierig ist es mit dieser „Frische“ allemal in einer Zeit, in der scheinbar nur Phänomene noch nie gesehen und dokumentiert wurden, die hinter dem Mond liegen. Da jedes zur Schau gestellte Material weitgehend historisch ist, kann es nicht ausbleiben, dass dem einst Unbekannten und Fernen in der Rückschau der Ruch der Fremdheit anhaftet. Diese Konstruktion des Anderen, deren Prinzipien inzwischen en détail wissenschaftlich herauspräpariert wurden, ist auch in diesem Katalog präsent: Der Orient erscheint uns in Interieurdarstellungen, Porträts und Landschaften, in Objekten und in seiner Fauna und Flora als die prächtige Weltgegend voller Düfte und Farben, die man sich begeistert zuhause imaginär herbeiwünschte.
Los 6388, A. Hauptstock
Eine Aneignung gewiss, die jedoch den Horizont beträchtlich erweiterte. Dem afrikanischen Kontinent und Ländern wie Indien, Ceylon und China galt dieselbe Aufmerksamkeit. Es ist das Wunderbare, das überliefert wurde und das uns wie in dem Arrangement von Hauptstock mit Gegenständen aus dem Nachlass eines Sammlers im 19. Jahrhunderts präsentiert wird. In einem Katalog voller Zeichen an den Rändern unserer Wahrnehmung sticht die Gottesanbeterin heraus, die der Maler Mark Fairnington in geradezu schmerzhaft peniblem Realismus auf die große Leinwand gebracht hat. Ein präpariertes Insekt aus einem musealen Schaukasten beweist, dass der Horizont – van Leeuwenhoek ahnte oder wusste es bereits – auch im Kleinsten unendlich ist.


Ein schlafender buddhistischer Mönch im Garten eines Klosters übernimmt in diesem Katalog die Rolle, den Wundern, die am Horizont der Träume erscheinen, Ausdruck zu geben. Sie sind unwiederbringlich verloren, sobald der Schlafende die Augen öffnet. Anders als die wahrgewordenen Träume der Menschheit, die als Visionen schon im 19. Jahrhundert wortund bildreich geäußert wurden: Hinaus ins All zu den Sternen. Der letzte Horizont verschwindet im allseitigen Dunkel der Unendlichkeit, in der Kälte, von der wir einen Hauch auf diesem Planeten am Nordpol abbekommen. Der Horizont am Lomonossow Rücken verwischt und das inzwischen nicht mehr ewige Eis geht gleitend über ins Firmament.
Ein Horizont und viele – riesengroß der Himmel und mit ihm die Kunst.
Stephan Schurr
Los 6391, Mark Fairnington
Los 6415, Nicolas Chevalier



Melchior Lorch
(um 1527 Flensburg – nach 1583 Kopenhagen)
6300 Ein Blutsverwandter des Propheten. Holzschnitt. 22,2 x 10,2 cm. (1582). B. aus 4, Hollstein aus 59.
450 €
Aus der Publikation von Eberhard Werner Happe „Thesaurus exoticorum“ (1688), verso mit dem Text und dem Holzschnitt „Ein persischer Priester“ (B. aus 4). Ausgezeichneter Druck mit Rändchen um die Einfassung. Beigegeben von Melchior Lorch zwei weitere Holzschnitte aus derselben Serie.

6301 Qadi, ein muslimischer Richter. Holzschnitt. 21,3 x 15,8 cm. (1581). B. aus 4, Hollstein aus 59.
450 €
Im Gefolge einer kaiserlichen Gesandtschaft reiste Melchior Lorch zwischen 1555 und 1559 nach Konstantinopel. Die unmittelbaren Eindrücke dieser Jahre bildeten die Grundlage für eine zwischen 1570 und 1583 entstandene Folge von insgesamt 127 Holzschnitten, die Militärangehörige, Würdenträger, Alltagsszenen und charakteristische Trachten des Osmanischen Reiches zeigen. Die Blätter waren vermutlich als Illustrationen für eine geplante antiquarischtopographische Publikation gedacht. Erst postum erschienen sie 1626 in Hamburg unter dem Titel „Des Weitberühmten, Kunstreichen … Melchior Lorichs … Wolgerissene Figuren“ und machten Lorchs detaillierte Beobachtungen einem breiteren europäischen Publikum zugänglich.
Mit großer Präzision und ethnographischem Interesse verbinden die Darstellungen künstlerischen Anspruch mit dokumentarischem Wert. Sie zählen zu den frühesten und differenziertesten Bildzeugnissen des osmanischen Lebensraums aus der Perspektive eines nordeuropäischen Künstlers. Die heute gebräuchlichen Titel der einzelnen Blätter gehen auf Hans Harbeck zurück (1911), der sie auf Grundlage von Inschriften auf Lorchs vorbereitenden Zeichnungen formulierte. Aus der Publikation von Eberhard Werner Happe „Thesaurus exoticorum“ (1688), verso mit dem Text. Ganz ausgezeichneter, kräftiger Abzug mit Rändchen um die Einfassung. Beigegeben von demselben zwei weitere Holzschnitte aus der Serie „Pferd, an einen Baum gebunden“ und „Türkischer Fußsoldat“.
6301

Albrecht Dürer (1471–1528, Nürnberg)
6302 Der Orientale und sein Weib (Die Türkenfamilie).
Kupferstich. 10,8 x 7,9 cm. Um 1496. B. 85, Meder 80 wohl b (von d).
6.000 €
Das unaufhaltsame Vordringen der osmanischen Heere schürte Ende des 15. Jahrhunderts nicht nur die Angst vor der sogenannten „Türkengefahr“, sondern steigerte auch das Interesse an den fernen Ländern. Traditionell als „Türkenfamilie“ betitelt, zweifelten bereits Lehrs und Panofsky an dieser Bezeichnung. Mag die männliche Figur an die Darstellung eines Türken gemahnen, so entspricht die Kleidung, samt entblößter Brust, sowie das Habit der weiblichen Figur nicht mohammedanischer Tradition. Vielmehr
handelt es sich wohl um die Darstellung einer Familie der Sinti und Roma. Dürer folgt hier einem Genre, das beispielhaft ein Kaltnadelblatt des Hausbuchmeisters illustriert, dessen Darstellung fälschlicherweise wiederum lange „Landstreicher“ hieß. Die Interpretation Dürers ist weniger ironisch und zeigt großen Ernst. Scheinbar war um 1500 ein Markt für derlei Darstellungen entstanden, wie auch weitere Motive beim Hausbuchmeister, dem Meister bxg und Wenzel Olmütz zeigen; Dürer wollte, wie so häufig, am florierenden Markt partizipieren (vgl. Schoch/Mende/ Scherbaum, S. 53).
Vor den Wischspuren auf der Mannesschulter und wohl auch an der Mitte des rechten Randes. Ganz ausgezeichneter, prägnanter Druck mit Spuren eines Rändchens um die Einfassungslinie, oben knapp innerhalb dieser geschnitten. .


Nordeuropäisch
6303 wohl 16. Jh. Studienblatt mit Meerkatze. Feder in Schwarz auf Bütten. 11,2 x 12,8 cm.
600 €
Im 16. Jahrhundert fand die Meerkatze Eingang in die Kunst vor allem in Reiseberichten und naturkundlichen Illustrationen. Als exotische Tiere, die aus Afrika, Asien und anderen Teilen der Welt stammten, spiegeln sie die Neugier auf ferne Länder wider. Neben naturgetreuen Darstellungen steht der Affe oft auch sinnbildlich für die Nachahmung, die Torheit oder die ungezügelten Triebe des Menschen.
Basilius Besler (1561–1629, Nürnberg)
6304 Corona Imperialis Polyanthos (Kaiserkrone). Kupferstich mit zeitgenössischem Kolorit
49,6 x 38,6 cm. Um 1613. Wz. Schlange am Stab. 3.000 €
Die „Kaiserkrone“, ursprünglich aus Vorderasien stammend und seit dem späten 16. Jahrhundert auch in Mitteleuropa beheimatet, ist ein Blatt aus dem berühmten „Hortus Eystettensis“, in dem Basilius Besler gewissermaßen die Schönheit der Schöpfung in Gestalt von Pflanzen feiert.
Ganz ausgezeichneter Druck mit reichem Kolorit, mit schmalem Rand um die Plattenkante.
6305 Barocker Kokosnussdeckelpokal. Kokosnuss, rauh belassen, gehalten von drei Spangen mit weiblichen Hermen, steiler hoher Lippenrand und Fuß mit einfachen gravierten Ornamenten, Schaft als hohe Vase mit drei Griffen und Maskaronverzierung, Kupfer, feuervergoldet. Höhe ca. 29,5 cm. Süddeutsch, 17. Jh.
6.000 €

Literatur: Vgl. Rolf Fritz: Die Gefässe aus Kokosnuss in Mitteleuropa 1250–1800, Mainz 1983, Kat. 165 mit Abb. Tafel 90.
Als seltene Naturalien fanden Kokosnüsse häufig Eingang in die Kunst und Wunderkammern der Renaissance und des Barock. Sie waren in erster Linie Schaustücke; aufgrund ihrer Exotik wurde ihnen außerdem, wie allen tropischen Nüssen, auch eine magische Wirkung nachgesagt. Die verarbeiteten Naturalien wurden vor allem im 17. Jahrhundert in Augsburg oder Nürnberg mit kostbaren Fassungen versehen und so zu Tafelaufsätzen und Stücken einer fürstlichen Kredenz.

Eugène Delacroix
(1798 CharentonSaintMaurice – 1863 Paris)
6306 Orientale mit Turban. Grauer Stift auf Velin. 5 x 4 cm.
1.500 €
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (mit dem roten Monogrammstempel Lugt 838a). Dessen Nachlassauktion im Hôtel Drouot, Paris, 17.–27. Februar 1864 Deutsche Privatsammlung. Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre im Kunsthandel erworben.
Seitdem in Familienbesitz.


Kontinentaleuropa
6307 Mitte 19. Jh. Portrait eines türkischen Offiziers mit Fes und rotem Umhang über der weißen Uniformjacke.
Aquarell auf Porzellan, die Ecken angeschrägt. 3,3 x 4,2 cm.
350 €
Wenzel Hollar (1607 Prag – 1677 London)
6308 Der Türke mit geblümter Weste. Radierung. 7,9 x 6,1 cm. 1645. Pennington 2010, Turner (New Hollstein) 817 IV.
400 €
Bildnis eines türkischen Mannes mit bestickter Weste und großem Turban, den Wenzel Hollar 1637 in London porträtierte und einige Jahre später in Kupfer stach. Ausgezeichneter, feinzeichnender Druck mit feinem Rändchen um die Facette.
6306
6307
6308

Deutsch
6309 um 1860. Salon im Stil eines osmanischen Zeltes.
Aquarell und Gouache, punktuell montiert. 21,8 x 22,8 cm (oben halbrund). Verso auf dem Untersatz ein Stempel „Kowy & Iwinger / HofTapezierer / Wien“.
1.500 €
6309

Gaspare Fossati (1809–1883, Morcote, Tessin)
6310 zugeschrieben. Ansicht des Mausoleums (Türbe) von Mahmud II. in Istanbul. Gouache auf Velin. 43,6 x 65 cm. Zwischen 1840–1860.
2.500 €
Das elegante Mausoleum Mahmuds II. (1785–1839) ist eines der wenigen Bauwerke Istanbuls des osmanischen Spätklassizismus. Die Architektur, die an dem breiten Boulevard Divanyolu im Stadtteil Fatih liegt, wurde 1840 von Mahmuds Nachfolger Abdulmejid I. eingeweiht. 1860/62 entstand an dieser Straße ein weiteres
Gebäude für die Presse, das auf dieser Darstellung noch nicht zu sehen ist, so dass die Gouache zwischen 1840 und etwa 1860 zu datieren ist. Gaspare Fossati kam gemeinsam mit seinem Bruder Giuseppe Anfang der 1840er Jahre nach Istanbul und baute als Architekt die dortige russische Botschaft. Von Sultan Abdulaziz erhielten die beiden Brüder den Auftrag die Hagia Sophia zu renovieren, ein Projekt, das 1848 beendet wurde. Gaspare hat zahlreiche Zeichnungen von der Hagia Sophia von Innen und Außen angefertigt, die er mit Staffagefiguren in osmanischer Tracht bereicherte Einige von diesen erscheinen als Lithographien und machten die bedeutenden Bauwerke Istanbuls auch im Rest Europas bekannt.
6310

Adrien Dauzats (1804 Bordeaux – 1868 Paris)
6311 Studien eines stehenden Arabers mit Burnus und Turban.
Bleistift, quadriert in Bleistift. 31,2 x 45,4 cm. 800 €
Provenienz: Nachlassauktion des Künstlers, Paris, vom 1.4. Februar 1869 (Lugt 653).
Ein weiteres Blatt mit Studien desselben Mannes verwahrt das Musée Magnin in Dijon (Inv. 1938 DF 226). In dem OnlineKatalog des Museums ist vermerkt, dass die Zeichnung im Zusammenhang mit einer Reise Dauzats‘ nach Jaffa 1830 entstanden sein könnte. Dauzats war damals mit Baron Taylor nach Ägypten aufgebrochen, um in Luxor einen Obelisken zu erwerben. Die Reise führte weiter nach Syrien und Palästina, wo sie sich im Juli und August desselben Jahres aufhielten. Ganz offensichtlich interessierte sich Dauzats bei dieser Studie vor allem für die Kleidung des Dargestellten, wobei er dem Faltenwurf des weiten Mantels und der kunstvollen Drapierung des Turbans besondere Aufmerksamkeit schenkte.

Deutsch
6312 um 1820. Die Kirazli Bent (Talsperre) im Belgrader Wald bei Istanbul. Aquarell auf Velin. 38,8 x 68,8 cm.
3.500 €
Die unter Sultan Mahmud II. im Jahr 1818 erbaute Kirazli Talsperre ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Sie war Teil der bedeutenden KirkcesmeLeitung, einer der drei großen Systeme, die Istanbul mit Wasser versorgten. Ihren Namen verdankte die Wasserleitung dem Stadtviertel Kirkcesme, das zwischen dem ValensAquädukt und dem Pantokrator Kloster lag. 12600 Kubikmeter Wasser flossen täglich in die niedriger gelegenen Stadtviertel am Goldenen Horn und an der MarmaraKüste.
6312

Deutsch
6313 Anfang 19. Jh. Die Platane des Hippokrates auf Kos.
Schwarze Feder, grau laviert, grün aquarelliert, auf Büttenpapier aufgelegt. 21 x 30 cm. Bezeichnet in Feder unter der Darstellung „Ahorn auf Kos“ sowie auf dem Untersatzpapier alt bezeichnet „Dieser Platanus auf der Insel Puthmos ist wegen seiner Größe berühmt, der Stamm hat 34 Fuß im Umfange, die Ausbreitung seiner Aeste 199 Fuß im Durchmesser. Sie beschattet das Grab eines türkischen Heiligen, einen Brunnen (?) und ein Kaffeehaus.“, verso in Bleistift „Platane des Hippokrates“.
400 €
Auf Kos soll der bekannte Arzt Hippokrates geboren sein, dessen Eid die Mediziner noch heute abgeben, bevor sie in ihren Berufsstand eintreten. Die Platane, unter der sich Hippokrates regelmäßig ausgeruht haben soll, befindet sich noch heute in der Stadt und zählt zu den besonderen Sehenswürdigkeiten. Ihre ausladenden Äste spenden einem osmanischen Brunnenhaus und einer Teestube Schatten, im Hintergrund erkennt man das Minarett einer Moschee und osmanische Holzhäuser. All dies spiegelt die Anwesenheit der Osmanen wieder, welche von 1523 bis 1911 auf der Insel residierten.
6313

Rudolf Paoletti (1866 Venedig – 1940 Mailand)
6314* Der Friedhof in Ejub bei Konstantinopel. Aquarell über Bleistift, aufgezogen und in ein Passepartout montiert. 19,8 x 27,8 cm. Unten rechts bezeichnet, datiert und signiert „Constantinopel / [1]910 / RPaoletti“. 750 €
Die vorliegende Ansicht zeigt den Friedhof von Ejub (heute Eyüp) am Goldenen Horn in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Der Ort zählt zu den bedeutendsten islamischen Begräbnisstätten der osmanischen Metropole. Um die EyüpSultanMoschee gelegen, entwickelte sich das Areal seit dem 15. Jahrhundert zu einem bevorzugten Bestattungsplatz für Würdenträger, Gelehrte und Angehörige der städtischen Elite.
Die Darstellung lenkt den Blick auf die charakteristischen osmanischen Grabsteine: hoch aufragende Stelen mit kalligrafischen Inschriften und symbolischen Kopfbedeckungen, die Rang, Beruf oder Geschlecht der Verstorbenen anzeigen. Turban oder Fesformen verweisen auf männliche Amtsträger, florale Ornamente auf weibliche Gräber. Die Grabmale stehen dicht zwischen Bäumen, eingebettet in eine parkähnliche Landschaft – ein Hinweis auf das osmanische Verständnis des Friedhofs als durchlässigen, lebendigen Erinnerungsraum. Die anwesenden, trauernden Frauen betonen die soziale Funktion des Ortes als Raum des Gedenkens, des Gebets und der Gemeinschaft.
Im Islam wird der Friedhof als „Maqbara“ bezeichnet. Er ist primär ein Ort der Besinnung auf die Vergänglichkeit des Lebens und der Erwartung der Auferstehung am Jüngsten Tag. Die Gräber sind traditionell schlicht angelegt; Prunk und figürliche Darstellungen sind im sunnitischen Kontext weitgehend vermieden. Stattdessen prägen Inschriften aus dem Koran, Segenswünsche und Angaben zur Person des Verstorbenen die Grabsteine.

6315 Orientalische Szene mit einem Oudspieler. Aquarell. 25 x 34 cm. Rechts unten signiert und datiert „E. Kilbourne Foote / 1904“. 2.800 €
6315
Edward Kilbourne Foote (1857 Cincinnati/Ohio – gest. 1908)
Heinrich Breling (1849 Burgdorf bei Hannover – 1914 Fischerhude)
6316 Innenansicht des Marokkanischen Hauses im Park von Schloss Linderhof. Aquarell und Gouache über Bleistift auf Velin. 35 x 40,2 cm. Unten links signiert „HBreling“.
18.000 €
Literatur: Vgl. Michael Petzet (Hrsg.): König Ludwig II. und die Kunst, Ausst.Kat. Residenz München, München 1968, S. 222–223, Nr. 877, Abb. S. 141.
Michael Petzet: Gebaute Träume. Die Schlösser Ludwigs II. von Bayern, München 1995, S. 165 mit Abb.
Matthias Staschull: „Marokkanisches Haus im Schloßpark Linderhof: Konzept für eine gesamtheitliche Restaurierung“, in: Restauro, 105 (1999), S. 510–516, hier S. 512, Abb. 5.
Provenienz: Aus der Sammlung König Ludwigs II. von Bayern. Stiftung Wolfgang Ratjen, Vaduz. Privatsammlung, Deutschland. Privatsammlung, Oberpfalz.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfasste ganz Europa eine ausgeprägte Orientbegeisterung. Zur Begegnung mit den fremden Kulturen trugen maßgeblich auch die Weltausstellungen bei. Diejenige in Wien 1873 mit seinem Orientalischen Viertel und den entsprechenden Bauten, regte u.a. auch den Maler Leopold Carl Müller an, mehrfach Ägypten zu bereisen und die Orientmalerei als Geldquelle zu entdecken. Beim bayerischen König Ludwig II. war diese Begeisterung besonders ausgeprägt. Spätestens nach den traumatischen Erfahrungen der zu erfüllenden bayerischen Bündnispflichten im PreußischÖsterreichischen Krieg 1866 zieht sich Ludwig zunehmend zurück. Er selbst spricht vom „geistigem Herausleben aus der unerträglichen Gegenwart“. Auf der Suche seine geträumten Sehnsuchtsorte Wirklichkeit werden zu lassen, lässt er u.a. in der Nähe und im Park von Schloss Linderhof im Graswangtal und im Wettersteingebirge drei Bauten im orientalischen Stil errichten. Zunächst entsteht seit 1869 im Werdenfelser Land am Schachen ein auf 1866 m Höhe gelegenes Berghaus. Äußerlich und im Erdgeschoss folgt es dem Typus eines „Schweizerhauses“ aus Holz, im Obergeschoss dagegen herrscht im ‚Türkischen Saal‘ orientalische Pracht: einem historischen Saal des 18. Jahrhunderts im Palast von Eyüp nachempfunden, mit plätscherndem Springbrunnen, reich ornamentierten vergoldeten Wänden, großen, bunten Glasfenstern, einem kostbaren Teppich und üppig verzierten Accessoires. Wasserpfeife rauchende und Tee trinkende Diener in orientalischer Kleidung vervollkommneten – wohl abgesehen vom bayerischen Dialekt – das „Lebende Bild“. 1876 erwirbt Ludwig aus der Konkursmasse eines böhmischen Eisenbahnbauunternehmers einen bereits auf der Pariser Weltausstellung von 1867 als offizieller Beitrag Preußens gezeigten Bau, den ‚Maurischen Kiosk‘. Der Kiosk wurde von dem Architekten Carl von Diebitsch entworfen, seine Eisenteile wurden in Lauchhammer gegossen. Aufstellen ließ der König den Kiosk mit seiner goldenen Mittelkuppel und den ebenfalls goldschimmernden kleinen Minarettürmen in der Nähe der zur gleichen Zeit gebauten Venusgrotte. Die Ausstattung war Ludwig allerdings zu schlicht und so bestellte er neue Beleuchtungskörper, einen Marmor
brunnen und einen luxuriösen, in Paris hergestellten Pfauenthron, welcher in einer Thronnische aufgestellt wurde. Ende 1877 waren Aufbau und Ausstattung abgeschlossen. Im folgenden Jahr 1878 dann beauftragte er seinen Architekten Georg von Dollmann, auf der Weltausstellung in Paris das „schönste orientalische Gebäude von den ausgestellten“ auszusuchen und zu erwerben. Das sogenannte ‚Marokkanische Haus‘ wurde im November desselben Jahres in Einzelteilen angeliefert und im Dezember in der Nähe der seine enge Freundschaft mit Richard Wagner ausdrückenden Hundinghütte, nicht weit von der österreichischen Grenze aufgestellt. Der Ausstellungspavillon, der als Verkaufsstand für marokkanisches Kunsthandwerk diente, ist in der Reihe der orientalischen Bauten Ludwig II. im übrigen das einzige, das tatsächlich im Orient erschaffen wurde, während die anderen Interpretationen der orientalischen Kunst durch europäische Architekten darstellen. Ausgestattet mit reichen Stoffen und prunkvollenTeppichen und zuvor in Paris erworbenen Einrichtungsgegenständen, arrangierte der König den Innenraum zu einem orientalischen Stilmix. Etwa zur selben Zeit muss Ludwig auf Ausstellungen an der Münchner Kunstakademie auf den bei Wilhelm Diez studierenden Heinrich Breling aufmerksam geworden sein. Dessen detailreicher Malstil, der dem König gefiel, brachte ihm ab 1878 erste kleinere Aufträge ein, die der junge Künstler offenbar zur vollen Zufriedenheit erfüllen konnte. Von da an war Heinrich Breling bis zum Tod des Monarchen 1886 mit der Anfertigung von fotorealistischen Aquarellansichten von Schlössern und Interieurs des Königs im Dauereinsatz beschäftigt. Besonders im Schlossareal Linderhof arbeitete Breling ab 1881 monatelang und lebte deshalb oft auch mit seiner Familie vor Ort. Für die sehr kalte Winterzeit stellte Ludwig dem Maler extra ein „kleines [fahrbares] Malhäuserl [mit] einem winzigen Ofen“ zur Verfügung. Die Ansichten von Schloss Linderhof und seinem Park fanden als Fotografien weite Verbreitung und verhalfen Breling zu großer Popularität. Von Ende September bis Ende Oktober 1881 arbeitete er mit Unterbrechungen an zwei Aquarellen vom Marokkanischen Haus – einer Außen und einer Innenansicht, die beide im Besitz Ludwigs verblieben (Petzet 1968, op. cit., Kat. Nr. 877, (Wittelsbacher Ausgleichsfonds, WAF Inv. Nr. 307). Das Aquarell mit der Innenansicht des ‚Marokkanischen Hauses‘ ist signiert und kann in das Jahr 1881 datiert werden, da Breling mit einer Summe von 2.230 Mark für eine Sammlung von Ansichten der ‚Rosa Grotte und das Marokkanische Haus‘ aus Linderhof bezahlt wurde.
Den Erfolg der Aquarelle spiegelt auch die Tatsache wider, dass Breling von der Innenansicht des Marokkanischen Hauses eine in allen Details entsprechende zweite, hier angebotene Fassung anfertigte. Wie zufrieden Ludwig II. mit seinem Maler war zeigt auch, dass er ihn im Jahr 1883 zum königlichen Professor und 1884 zum Hofmaler ernannt hat. Nach dem Tod des Königs 1886 sank langsam auch Brelings Stern. Im Frühjahr 1892 zog er mit der Familie zurück in den Norden. Das ‚Marokkanische Haus‘ wurde nach Oberammergau an den Privatmann Johannes Diemer verkauft, wo es, nach dessen Tod 1896, in einem Garten langsam verfiel. Im Jahr 1980 wurde das Haus von der Bayerischen Schlösser und Seenverwaltung zurückerworben und sorgfältig, unter Zuhilfenahme von Brelings Aquarellen, restauriert. Die Wiederaufstellung erfolgte 1998 an einem näher am Schloss gelegenen Standort.


Domenico Zenoi
(tätig in Venedig um 1560–1580)
6317 Bildnis Sultan Selim II. im manieristischen Beschlagwerkrahmen.
Kupferstich aus den Imagines quorundam principum et illustrium virorum. 17,6 x 13,3 cm. (1569). Le Blanc 8.
750 €
Selim II. (1524–1574) war Sultan des Osmanischen Reiches von 1566 bis zu seinem Tod. Als erster der osmanischen Sultane kümmerte er sich nicht aktiv um Politik und Kriegsführung, sondern schloss bereits zu Beginn seiner Regierungszeit Friedensverträge mit allen Nachbarstaaten ab. Er genoss vielmehr das Leben im TopkapiPalast, wo er rauschende Feste und Weingelage feierte, was ihm auch den Beinamen Sarhoº Selim, „Selim der Trunkenbold“ eintrug. Ganz ausgezeichneter, leicht toniger Druck mit feinem Rändchen um die Einfassungslinie.
Theodor de Bry (1528 Lüttich – 1598 Frankfurt)
6318 Türkische Sultane. 5 Kupferstiche. Je ca. 15,7 x 12,5–13,7 cm. (1596). Nagler, Monogrammisten III, aus 1, Hollstein, aus 207–254.
400 €
Aus der Folge „Vitae et Icones Sultanorum Turcicorum“. Ausgezeichnete Drucke mit der Einfassung, gelegentlich minimal knapp.

6317
6318


Französisch
6319 19. Jh. Sultan mit Fes und Feder geschmücktem Turban.
Gouache auf graublau gestrichenem Bütten, teils verso gouachiert, aufwendig und detailliert gestanzt. Ca. 50 x 50 cm (lichtes Maß).
2.500 €
Provenienz: Aus der Sammlung Graf von RechterenLimpurg, Schloss Sommerhausen bei Würzburg (laut Auskunft des Vorbesitzers).
Der Tarbusch, auch als Fes bekannt, ist eine traditionelle, meist rote Kopfbedeckung in Form eines Kegelstumpfes mit flachem Deckel, oft verziert mit einer schwarzen Quaste. Die Kopfbedekkung wurde nach der marokkanischen Stadt Fès benannt und war im Osmanischen Reich und dem Balkan weit verbreitet. Im 19. Jahrhundert galt der Fes als modisches und sogar intellektuelles Symbol.
6320 19. Jh. Sultanin mit Fes und Feder auf reich verziertem Turban.
Gouache auf graublau gestrichenem Bütten, teils verso nochmals gouachiert, aufwendig und detailliert gestanzt. Ca. 50 x 50 cm (lichtes Maß).
2.500 €
Provenienz: Aus der Sammlung Graf von RechterenLimpurg, Schloss Sommerhausen bei Würzburg (laut Auskunft des Vorbesitzers).
6319
6320

Marceli Maskowski (1837–1862, Lwow)
6321 „Mein Teppichhändler in Smyrna“. Bleistift auf mit Kreidegrund präpariertem Papier, teils geritzt. 18,2 x 17,7 cm. Verso in schwarzer Feder bez. „Teppichhändler in Smyrna Grtl. 1859 pag 745“. (1859).
1.200 €
Die Zeichnung bereitet die Illustration zu dem Artikel „In einem türkischen Laden“ in Die Gartenlaube (Heft 51, 1859, S. 744–747, Ill. auf S. 745) vor, in dem ein Reisender eindrücklich von seinem Besuch bei einem Teppichhändler in Smyrna berichtet: „Am besten
ist der türkische Kaufmann. ... Er sitzt in olympischer Ruhe auf seiner Matte beim Schibuk und spielt keinerlei Rolle, thut sich keine Gewalt an, trägt keine Maske, sondern gibt sich unverhüllt, wie er ist“ und noch genauer dann: „Der Türke saß oben auf seiner Matte, ich unten auf dem Stuhl, und kaum war ich seiner Einladung gefolgt, als er auch schon die Pfeife aus dem Munde nahm und mir darbot. Das ist die erste Höflichkeit, welche der gute Ton gegen einen geehrten Gast vorschreibt“. Der Verfasser des Artikels beschreibt ausführlich das umständliche Handelsgespräch, das seinen Abschluss naturgemäß im Kauf eines Teppichs findet. Das unvergleichliche Geschick der türkischen Teppichhändler ist auch heute noch legendär.
6321

Daniel Israel (1859–1901, Wien)
6322 Im Harem. Öl auf Holz. 16 x 25 cm. Links auf dem Teppich signiert „Israel München“.
7.500 €
Provenienz: Sammlung Dr. Sorge, Dresden (mit dessen Stempel verso).
Daniel Israel studierte von 1878–1882 zunächst Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien, bevor er seine Studien von 1882–1885 an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München bei Johann Caspar Herterich und Otto Seitz fortsetzte. Eine Orientreise im Jahr 1885 führte ihn über den Balkan und
die Türkei nach Palästina und Ägypten, wo er zahlreiche Studien vor Ort anfertigte, die ihm später in seinem Münchner Atelier als Repertoire für seine Bilder mit orientalischen Motiven dienten. Neben Straßenszenen im Orient, faszinierte Israel besonders das zurückgezogene Leben der Kurtisanen im Harem. Diese stellte er in prachtvolle farbige Gewänder gekleidet in den Palastinterieurs dar, die der Maler um zahlreiche Gegenstände bereichert detailreich und wirklichkeitsnah wiedergibt. Durch Künstler wie Daniel Israel, der seine Werke zwischen 1893 und 1900 auch in Wien und Budapest ausstellte, fand das Motiv der Harems und Orienterotik Eingang in die zeitgleiche österreichische Orientmalerei. Die letzten beiden Lebensjahre verbrachte der Künstler geisteskrank in einem Wiener Sanatorium.
6322

6323
Jacques Firmin Beauvarlet (1731 Abbeville – 1797 Paris)
6323 Die Sultanin.
Radierung und Kupferstich nach Carle van Loo
47,5 x 36,5 cm. IFF 79, Dairaine 42, Le Blanc 68 II. 1.200 €
Van Loo stellt einen zentralen Moment der osmanischen Kultur dar, der bis heute Wichtigkeit behält. Die Kaffeezeremonie wurde in speziellen Kaffeehäusern in Konstantinopel (heute: Istanbul) und im Palast der Sultane zelebriert. Häufig wurde dabei, wie im Bild gezeigt, der Genuss der Pfeife mit dem aromatischen Heißgetränk kombiniert. Prachtvoller, harmonischer Druck mit dem vollen Rand.
Dominicus Custos (1559/60 Antwerpen – 1615 Augsburg)
6324 Bildnis des Cigalazade Yusuf Sinan Pasha. Kupferstich. 20,2 x 15,7 cm. Diefenbacher (New Hollstein) 932 I (von II). Wz. Kreuz im Kreis.
1.800 €
Prachtvoller, gratiger Frühdruck mit gleichmäßigem Rand, vor der Verkleinerung der Platte. Das Porträt ist in diesem Druckzustand selten: Diefenbacher verzeichnet drei Exemplare in Coburg, Prag und Wolfegg.


Gabriel Dufaux (1879 Genf – 1938 Paris)
6325 Bildnis eines osmanischen Würdenträgers, wohl Salih Münir Pascha, türkischer Botschafter in Paris.
Email auf Metall. 13,5 x 10,5 cm. Verso signiert und bez. „Gabriel Dufaux / 10 Rue de la Paix 10 / Paris“.
2.800 €
Gabriel Dufaux entstammte einer berühmten Schweizer Familie von Emaillemalern. Er erlernte die Technik in Genf an der École des Arts Industrieles bei Henri Le GrandRoy, 1910 ließ er sich in Paris nieder, wo er sich mit Raoul Hideux in der eleganten Rue de la Paix ein Atelier teilte. 6324

Karl (Charles) Christian Nahl (1818 Kassel – 1878 San Francisco)
6326 TêteàTête im Serail. Öl auf Metall. 38 x 30,7 cm. Unten rechts signiert und datiert „Carl Nahl / 1843“.
12.000 €
Bekannt wurde Karl Nahl, der sich seit seinem Studium in Paris Charles nannte, als einer der erfolgreichsten Künstler Kaliforniens in den 1860er und 1870er Jahren. Er war 1849 auf der Suche nach neuen Möglichkeiten nach New York ausgewandert, wo er bald dem
Goldrausch erlag und gegen Westen zog. Mehr Glück als die Goldsuche brachte ihm die Eröffnung eines Ateliers in San Francisco, mit dem er in der Region zu einem gefragten Künstler avancierte. Vorliegendes Gemälde stammt noch aus der Frühzeit des Künstlers im heimatlichen Kassel. Die Faszination für die Fremde, die sich hier als imaginierte Orientvision äußert, tritt schon deutlich zutage. Dabei gelingt ihm durch die gekonnte Behandlung des diffusen, weichen Lichtes von Mond und indirektem Leuchtmittel eine besonders sinnliche, taktile Wiedergabe der glitzernden Edelsteine und golddurchwirkten Stoffe.
6326

Frederic Arthur Bridgman (1847 Tuskegee, Alabama – 1928 Rouen)
6327 Morgen auf dem Bosporus. Öl auf einer Malerpalette. 52 x ca. 34 cm. Unterhalb der Darstellung mit ligiertem Monogramm in Rot „FB“. 15.000 €
Das auf einer Malerpalette ausgeführte Gemälde zeigt eine Bootspartie auf dem Bosporus. Das Morgenlicht taucht den Himmel in ein zartes Rosa, vor dem sich die Silhouette einer Moschee mit ihren Minaretten am Ufer erhebt. In dem Boot befinden sich neben den Ruderern vier bunt gekleidete Haremsdamen, die sich den Klängen der Oud hingeben. Eine alte Amme und ein Knabe begleiten die Gesellschaft. Bei dem Werk handelt es sich um eine kleinere Version von Bridgmans Gemälde „Morgen auf dem Bosporus“ im Flagler College in St. Augustine in Florida. Dass Bridgman ein Faible für diese Bildidee hatte, belegt eine weitere ins Jahr 1892 datierte Fassung (Kunsthandel USA). Sie zeigt das Boot am Schilfufer des Bosporus mit nur einer Haremsdame, wie sie ihre Hand durchs Wasser gleiten lässt.
6327

6328
Joseph Warnia-Zarzecki
(1850 Nantes – nach 1926)
6328 Mädchen vom Bosporus. Öl auf Malkarton. 45,2 x 33 cm. Unten rechts signiert „Warnia“.
1.500 €
Joseph WarniaZarzecki wurde als Spross einer polnischen Familie in Frankreich geboren und absolvierte sein Studium an den Akademien in Warschau und München. Die große Wendung in WarniaZarzeckis Laufbahn erfolgte 1883 mit dem Umzug nach Istanbul. Er wurde Zeichenlehrer an der im Vorjahr gegründeten Sanayii Nefise Schule, der ersten Kunstakademie nach westlichem Vorbild im Osmanischen Reich. Seine „orientalischen“ Motive erfreuten sich in der gehobenen osmanischen Gesellschaft größter Nachfrage.
Claus Bergen
(1885 Stuttgart – 1964 Lenggries)
6329 Platz in Asyut, Mittelägypten, mit Araberschimmel: „Ja, das war ein echter vollblütiger Araber!“. Deckfarben in Weiß, Grau und Schwarz auf graubraunem Karton, original auf chamoisfarbenen Trägerkarton montiert. 20 x 30,7 cm. Am Unterrand signiert und datiert „Claus Bergen [19]09“.
750 €
Vorzeichnung zu der Illustration „Im Lande des Mahdi I“ (Karl Mays Gesammelte Werke, Bd. XIV, S. 197).
6330 Straßenszene in Kairo: „Feigen, Feigen, süßer als meine Augen!“.
Deckfarben in Weiß, Grau und Schwarz auf graubraunem Karton, original auf chamoisfarbenen Trägerkarton montiert. 20 x 30,7 cm. Am Unterrand signiert und datiert „Claus Bergen [19]09“.
750 €
Vorzeichnung zu der Illustration „Im Lande des Mahdi I“ (Karl Mays Gesammelte Werke, Bd. XIV, S. 41).


6329
6330

6331 Muskatreibe.
Bräunierter Stahl mit Silberfassung. Korpus: Manufaktur Matthew Boulton, Birmingham 1795; Silberfassung: Matthew Linwood & Son, Birmingham ab 1813 (Punze im Boden). Höhe 8,4 cm, Breite 4,2 cm, Tiefe 2,6 cm. Gesamtgewicht 59,7 g. England, um 1820. 900 €
Der Muskatnussbaum war ursprünglich nur auf den BandaInseln und den nördlichen Molukken in Indonesien beheimatet. Nachdem der portugiesische Seefahrer Afonso de Albuquerque den Weg zu den sogenannten Gewürzinseln gefunden hatte, begannen die Portugiesen ab 1512 damit, die Muskatnuss als Handelsware von den BandaInseln erstmals nach Europa einzuführen. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts entwickelte sich die Muskatnuss zum sprichwörtlichen Gold Ostindiens. Briten, Spanier, Portugiesen und Niederländer bekriegten sich wegen der Frucht des Muskatnussbaumes. Als die Muskatnuss in England in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als die einzig wirksame Medizin gegen die Pest gepriesen wurde, waren die Preiserhöhungen nicht mehr aufzuhalten. Der Verkaufspreis in Europa lag zeitweise mehr als 300mal höher als der Einkaufspreis auf den BandaInseln.

Ludwig Hans Fischer (1848 Salzburg – 1915 Wien)
6332 Im Souk von Tanger. Aquarell und Deckweiß, mit späteren Überarbeitungen in Aquarell auf J. WhatmanVelin. 23,8 x 35,7 cm. Unten links in brauner Feder signiert, datiert und eigenh. bez. „Ludwig Hans Fischer 1882“ und „Tanger“, ferner in schwarzer Feder bez. „Suk“.
2.400 €
Gabriel Bodenehr I. (1673–1765, Augsburg)
6333 Prospect der Stadt Caschan in Persien, fünff tag reisen von Isphahan. Radierung auf zwei zusammengefügten Bögen. 17,9 x 48,8 cm. (Augsburg, um 1720). Nicht bei Le Blanc. Wz. Doppelkreis mit angehängtem S.
300 €
Gesamtansicht der Seidenweberstadt Keshan im heutigen Iran basierend auf einer Darstellung von Olearius. Ausgezeichneter Druck unten mit dem Text, sonst bis an die Darstellung bzw. mit sehr feinem Rändchen.
Abbildung Seite 37
6332

Émile Regnault de Maulmain (1836 LonsleSaulnier – 1897 NevysurSeille)
6334 Die Heimführung der Braut: Eine kleine Karawane in der Wüste mit Kamel und Howdah. Öl auf Leinwand, doubliert. 33 x 46 cm. Unten links signiert und datiert „E. Regnault [18]82“.
12.000 €
Eine kleine Gruppe von Reitern auf Pferden und Kamelen sowie einigen Beduinen zu Fuß geleiten eine Braut zu ihrem zukünftigen Ehemann. Die Braut befindet sich im Howdah, einer auf dem Rücken des Kamels befestigten Sänfte. Kostbare Tücher verbergen die Frau vor den Augen ihrer Begleiter. Émile Regnault de Maulmain, Schüler von Louis Lamothe und Alberto Pasini, reüssierte vor allem mit seinen orientalistischen Gemälden und Veduten, die er zwischen 1863 und 1882 im Salon in Paris ausstellte.
Hubert Sattler (1817–1904, Wien)
6335* Lastenkamele in einem Beduinenlager. Bleistift auf Velin. 19,2 x 27,4 cm. Rechts signiert und datiert „Hubert Sattler 1846“.
750 €
Hubert Sattler bereiste in zwei Reisen ausgiebig den Orient. 1842 führte ihn seine Reiseroute in das Heilige Land von Syrien, Libanon bis Alexandria. Nur zwei Jahre später von 1844 bis 1845 erkundete er Ägypten, Sinai und Nubien bis Wadi Halfa. Anschließend präsentierte Sattler in mehr als 300 Kosmoramen das Gesehene dem mitteleuropäischen Publikum – pharaonische Altertümer, Landschaften, Szenen aus dem modernen Leben. Sattler gibt sogar hieroglyphische Inschriften exakt wieder, wobei er die umfassende Motivsammlung erst zu Hause in Öl umgesetzt hat. Seine Orientmalerei diente der Verbreitung von Wissen über die fernen Länder.
6334


Niederländisch

6336 um 1700. Studienblatt mit der afrikanischen Seidenpflanzenheuschrecke. Aquarell auf Bütten, aufgezogen. 44,3 x 28,1 cm. Wz. Bekröntes Straßburger Bandenwappen (s. Churchill Nr. 432: 1686).
1.500 €
Die Afrikanische Seidenpflanzenheuschrecke (Phymateus morbillosus) ist eine große Kegelkopfschrecke mit leuchtend rotem Kopf und Beinen, die vornehmlich in Südafrika vorkommt und für ihre Giftigkeit bekannt ist. Das Exemplar könnte durch die Niederländische OstindienKompanie, die seit 1652 in Südafrika die Kapkolonie unterhielt, nach Europa gekommen sein und dort von einem Zeichner detailgetreu festgehalten worden sein. Denkbar ist auch, dass ein Künstler auf einer der Reisen an das Kap dabei war, explizit um Studien nach der fremden Natur anzufertigen.
6336


Carl Friedrich Heinrich Werner (1808 Weimar – 1894 Leipzig)
6337 Die Sphinx und Pyramiden in Gizeh. Aquarell über Bleistift. 23,4 x 40,3 cm. Unten rechts signiert und datiert „C. Werner f. 1880.“.
900 €
Provenienz: Sammlung Kurt Klemperer, Brasilien (Lugt 5268). Galerie Bassenge, Berlin, Auktion 22 am 6. November 1973, Los 937. Carl Werner, Mitglied des Londoner Royal Institute of Painters in Watercolours, gründet in den 1850er Jahren ein Meisteratelier für Aquarellmalerei in Venedig. 1862 bricht er zu einer ersten Orientreise nach Jerusalem, Palästina und Ägypten auf, zwei Jahre später finden wir ihn erneut in Ägypten. Während seiner Reisen hielt er alltägliche Szenen und die Monumente, darunter die Pyramiden von Gizeh und das Grab des Schech Ababde, in etlichen Skizzen fest, aus denen er später Aquarelle fertigte.
6338 nach. „Grabmal des Schech Ababde in Minieh“ (AlMinya) in Mittelägypten. Aquarell über Bleistift, weiß gehöht. 26 x 38,7 cm. Bezeichnet und datiert unten rechts „K. Stöcker. / 187[?]“.
400 €
Als Frucht der zweiten Orientreise veröffentlichte Werner im Wandsbecker Gustav W. Seitz Verlag ab 1871 eine Folge von 24 seiner entstandenen Aquarelle in Form von Chromolithographien. Dieser folgte 1878 eine englische Ausgabe und 1881 im SeitzVerlag eine verkleinerte Edition. Das feinsinnig ausgeführte Aquarell wird in Nachfolge dieser Publikationen entstanden sein.
6337
6338

August Löffler (1822–1866, München)
6339 Sonnenuntergang über dem Nil, im Hintergrund die Pyramiden von Gizeh. Öl auf Leinwand. 36,7 x 61 cm. Unten links signiert, datiert und bezeichnet „Aug. Löffler 1853 München“.
1.800 €
Der Maler August Löffler reist 1849 nach Ägypten, Palästina, Syrien und Kleinasien. 1864 veröffentlicht er zusammen mit Moritz Busch die Publikation „Bilder aus dem Orient“, darin schildert er eindrücklich die Erfahrungen seiner Orientreise. Für ihn „bestand das Bild des Orients aus Namen, Stimmungen, vor allem aber aus dem Licht der ‚Sonne des Südens‘. Den Künstler begeisterte die orientalische ‚Lichtatmosphäre von zauberhaftem Reiz‘, das ‚falbe Zwielicht‘, der ‚tief orangegelbe Abendhimmel‘, das ‚brennende warme Violet von Gebirgen unter diesem Himmel‘ und ‚das flimmernde Goldgelb
von Wüsten und der Gluth des Mittags‘“ (Karin Rhein: Deutsche Orientmalerei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Bristol u.a. 2003, S. 141). Sicherlich inspiriert durch das geschichtsphilosophische Bewusstsein seines Lehrers Carl Rottmann, bricht auch Löffler mit dem idealisierten Landschaftsbild und stellt geschichtlich bedeutsame Orte in ihrem gegenwärtigen Zustand als Denkmäler der Menschheitsgeschichte dar. Das vorliegende Gemälde drückt ein Gefühl der Zeitlosigkeit und Unberührtheit aus, das vor allem durch die menschliche Abwesenheit und die distanzierte Sichtweise hervorgerufen wird. Erkennt der Betrachter im Vordergrund die Palmen und Sträucher des dicht bewachsenen Nilufers noch deutlich, so taucht die Farbenglut der untergehenden Sonne den Hintergrund in ein dramatisches, rotoranges Licht, in dem sich in der Ferne die Silhouetten der berühmten Pyramiden von Gizeh nur noch schwach abzeichnen.

Joseph-Paul Alizard (1867 Langres – 1948 Châteauvillain)
6340 Bildnis eines Mannes mit Fes im türkisen Gewand mit Goldstickerei. Öl auf Leinwand. 55 x 46 cm. Unten links signiert, datiert und bez. „Paul Alizard. 12 Juillet 1891 Rennes“.
4.500 €
Ein junger Mann mit Fes und golddurchwirktem Gewand blickt sehnsuchtsvoll in die Ferne, hinter ihm eine unbestimmte Landschaft, die im roten Abendlicht versinkt. Alizard zeigt das romantisch verklärte Bild eines Menschen, der der Kleidung nach zu urteilen, aus dem nördlichen Afrika stammt. Alizard studierte ab 1888 in Rennes und später in Paris, wobei sich in diesem Werk insbesondere die auch in Frankreich stark ausgeprägte Faszination der Künstler für den Vorderen Orient widerspiegelt.
6340

Bernhard Fiedler
(1816 Berlin – 1904 Triest)
6341 Dahabiah am Nilufer.
Aquarell über Bleistift auf dünnem Karton. 20,5 x 28,4 cm. Unten links signiert und datiert „B. Fiedler 1869“, unten rechts eigenh. bezeichnet „Dahabia am Nil.“, mit dem alten Etikett der Wiener Galerie Herrmann verso auf dem Rahmen.
1.800 €
6342 Im Souk in Kairo.
Aquarell über Bleistift auf dünnem Karton. 21,2 x 31,8 cm. Unten links signiert „Fiedler“, mit dem alten Etikett der Wiener Galerie Herrmann verso auf dem Rahmen.
1.500 €
Franz Xaver Kosler (1864 Wien – 1905 Syrakus)
6343 Grab mit Baldachin in der Nekropolis von Kairo.
Öl über Bleistift auf Spanplatte. 24,5 x 35,8 cm. Um 1903.
1.500 €
Bei der Ölstudie handelt es sich um eine Vorstudie für das muslimische Grabmal, das sich am linken Bildrand des großformatigen, 1903 datierten Gemäldes „Das Totenfest an den Gräbern bei Kairo“ befindet, das im Jahr 2007 bei Sotheby‘s, London (Auktion am 27. Juni, Los 129 als „Orientalischer Friedhof bei Kairo“) angeboten wurde. Kosler lernte an der Wiener Akademie der bildenden Künste in der Spezialschule für Historienmalerei bei dem Orientmaler Leopold Carl Müller, bevor er Studienreisen auf den Balkan und nach Ägypten unternahm. In Kairo hatte Kosler seine erste Ausstellung, die ihm verschiedene Aufträge einbrachte. Seine sorgfältig ausgeführten Gemälde, die deutlich den Einfluss seines Lehrers erkennen lassen, zeigen fast ausschließlich orientalische Sujets, wobei die meisten Motive aus Äypten stammen.
6343



Jacques-François Swebach (1769 Metz – 1823 Paris)
6344 Audienz beim Großwesir am Ufer des Nils. Aquarell und Deckfarben über Feder in Grau, alt aufgezogen und hinter ein Passepartout montiert. 24 x 38 cm. Signiert und datiert „Swebach 1811“.
4.500 €
Provenienz: Sammlung Marquis René d‘Andigné (1862–1929). Heymann Antiquités, Paris.
Das ursprünglich aus der Sammlung des Marquis René d‘Andigné stammende Aquarell ist eine Vorzeichnung für eine der Porzellanplatten aus dem sogenannten „Service Égyptien“ der Manufaktur Sèvres. Swebach entwarf für dieses Teeservice, das im Jahr 1810 von der Kaiserin Josephine in Auftrag gegeben wurde, etwa 40 bis 50 Kompositionen. Bereits in den Jahren 1811–1812 wurde das umfangreiche Service der Auftraggeberin in das Château de Malmaison bei Paris geliefert. Nach seiner Ausbildung bei dem Maler Michel H. Duplessis arbeitete Swebach in Paris, wo er sich eine Reputation als Pferde und Militärmaler erwarb. Von 1802 bis 1813 war er der Premier Peintre an der Porzellanmanufaktur in Sèvres, wo er für die Dekorationen verschiedener bedeutender Service verantwortlich war. In dieser Funktion entwickelte er auch diese vielfigurige Komposition für das Service im „Gout Egyptien“, ein Thema, das sich dieser Zeit größter Beliebtheit erfreute.
David Roberts (1796 Stockbridge – 1864 London)
6345* nach. Ansichten aus Ägypten und Jordanien: Pyramide of Geezeh; Entrance to the tombs of the kings of Thebes – BibanelMolook; Grand entrance to the Temple of Luxor; Site of Petra. 4 Farblithographien von Louis Haghe. Folio. London, F. G. Moon, 20 Threadneedle Street. 1842/1848.
1.200 €
Besonders infolge von Napoleons Ägyptischem Feldzug stieg in Europa die Faszination für die Kultur, Kunst und Architektur des alten Ägyptens und Vorderen Orients sprunghaft an. Expeditionen und wissenschaftliche Unternehmungen ließen ein neues Bild dieser Länder entstehen – verbreitet durch die noch junge Technik der Lithographie, die detailreiche Darstellungen in größerem Umfang zugänglich machte. Der schottische Künstler David Roberts bereiste zwischen 1838 und 1840 Ägypten, die SinaiHalbinsel, Palästina, Jordanien und die Küste des Libanon, und hielt seine Eindrücke in zahlreichen Zeichnungen fest. Die auf dieser Reise entstandenen Vorlagen bildeten die Grundlage für seine später publizierten Lithographien, die durch ihre Verbindung von architektonischer Genauigkeit und atmosphärischer Wirkung maßgeblich zur Orientbegeisterung des 19. Jahrhunderts beitrugen.




Antonio Basoli (1774 Castelguelfo – 1848 Bologna)
6346 „Il tempio d‘Osiri“: Bühnenbild für einen ägyptischen Tempel.
Feder in Grau, aquarelliert, mit einer Einfassung in Schwarz, auf Bütten. 28,6 x 37,9 cm.
1.500 €
Antonio Basoli zählt zu den genialsten und produktivsten italienischen Theatermalern und Bühnenarchitekten der ersten Hälfte des Ottocento. Nach einer Ausbildung an der Accademia Clementina in Bologna – zu seinen Lehrern zählten Gaetano und Mauro Gandolfi, Angelo Venturoli und Vincenzo Mazzi – erhielt Basoli 1793, noch vor dem Abschluss des Studiums, eine Anstellung als Szenograph am Teatro Taruffi in Bologna. Bereits in seinem Frühwerk vollzog sich der Bruch mit der barocken Tradition Bibienas und eine Hinwendung zum Neoklassizismus. Vorliegende Zeichnung ist wohl eine Vorzeichnung für Tafel 1 seiner Serie „Raccolta di Prospettive serie, Rustiche, e di Paesaggio...“ von 1810 (Berliner Ornamentstichkat. 4165).
Abbildung Seite 45
Martin Elias Ridinger (1730–1780, Augsburg)
6347 Camel mit einem Höcker; Ein Camel mit zwei Höckern; Kamele in ganzen u. halben Figuren; Kamele mit Becken und Paukenschlägern. 4 Radierungen nach Johann Elias Ridinger. Je ca. 32 x 21,5 cm. Um 1745. Thienemann 530, 531, 533, 534. 400 €
Aus einer, laut Inschrift nach dem Leben gezeichneten Serie mit sechs Blatt zu Kamelen und zwei Blatt mit Büffeln. Ganz ausgezeichnete Drucke mit Rand.
6347
6347

Englisch
6348 1. Hälfte 19. Jh. Ein Reiter auf seinem Kamel in der weiten Steppe. Öl auf Leinwand. 35,5 x 44,3 cm.
1.800 €
6349* 19. Jh. Felucken im Nildelta in Ägypten. Aquarell, aufgezogen. 31,3 x 41,5 cm. Monogrammiert „A.W.R.“.
800 €

6348
6349

Französisch oder Italienisch
6350 um 1900. Die Ruinen von Karnak bei Luxor in Theben.
Öl auf Papier, auf Leinwand kaschiert. 33,2 x 47 cm. Unten rechts von fremder Hand bez. „L. H. Fischer“.
2.400 €
Ägypten entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts zum beliebten Reiseziel für viele Künstler und avancierte ähnlich wie zuvor Italien zu einem Ort der Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung. Besonders die pharaonischen Denkmäler wurden zunehmend zum Fokuspunkt vieler Reisezeichnungen. Oft fertigten die Künstler vor
Ort nur Studien an, wie der Maler im linken Bildfeld, der seinen Blick zum Obelisken und der Säulenhalle des Tempel von Karnak richtet. Die zum Teil noch verschütteten Ruinen luden zur verweilenden Erkundung ein, die zahlreichen vornehm gekleideten europäischen Personen im Bild verdeutlichen dies. Eine ähnlich angelegte Szenerie, jedoch mit differierendem Monument, stellt Johann Victor Krämers (1861–1949) Der Felsentempel von Abu Simbel aus dem Jahr 1899 im Wien Museum dar (Inv. Nr. 75456). Die durch Leopold Carl Müller verbreitete Wiedergabe der Nilregion in atmosphärischen, sonnengetränkten Landschaften wird auch den Maler der größten Tempelanlage Ägyptens in Theben beeinflusst haben, die in der späten Abendsonne in hellem Beige und Rot erstrahlt.
6350

Eduard Hildebrandt (1818 Danzig – 1869 Berlin)
6351 Nillandschaft mit Pyramiden im Abendlicht. Öl auf Leinwand, auf Spanplatte kaschiert. 96 x 141 cm. Unten rechts signiert und datiert „E. Hildebrandt 1852“. 8.000 €
Provenienz: Privatsammlung Sachsen. Hildebrandts Landschaftsbilder zeugen von seinen umfassenden Reisen um den Globus, durch die er sich ein hohes Ansehen und 1855 eine Professur an der Akademie der Künste in Berlin verdiente Die Bekanntschaft mit Alexander von Humboldt und das durch ihn erwirkte Reisestipendium des Künstlers nach Nordamerika und
Brasilien (1844–1845), auf das die Anstellung als königlicher Hofmaler am preußischen Hof unter Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) folgte, war der Beginn seiner lebensumspannenden Reisetätigkeiten. Die vierte große Reise in königlichem Auftrag führte ihn 1851–1852 über Italien nach Ägypten, Syrien und Palästina, in die Türkei und nach Griechenland. Die Szene eines Viehtreibenden mit den berühmten Pyramiden von Gizeh im rechten Hintergrund wird wohl nach vor Ort entstandenen Skizzen erstellt worden sein. Ein fulminanter Sonnenuntergang über dem Nil zeichnet die Landschaft in Rot und Orange. Dramatisch senkt sich der leuchtende Feuerball unterhalb einer dunklen Wolke über dem Wasser hinab und taucht das antike Weltwunder in gleißendes Licht.
6351


6352
6353
Paul Neuenborn (1866 Stolberg – 1913 München)
6352 Ibisse im Schilf. Öl auf Leinwand. 104,5 x 137 cm. Unten links signiert und datiert „PNeuenborn 1899“.
1.500 €
Französisch
6353 um 1880. Palmenhain in einer Oase. Öl auf Holz. 22 x 32 cm.
1.500 €
Der Maler dieser Oasendarstellung legt ein besonderes Augenmerk auf die technisch raffinierten, auf der Arabischen Halbinsel Faladsch genannten Bewässerungssysteme, die in den Wüstenstaaten eine ganzjährige Wasserversorgung durch ein ausgeklügeltes Netz von Kanälen ermöglichen.

Hermann David Solomon Corrodi (1844 Frascati – 1905 Rom)
6354 Wasserträgerinnen am Nilufer bei den Pyramiden von Gizeh. Öl auf Holz. 36 x 18,7 cm. Unten links signiert und bezeichnet „H. Corrodi / Kairo“.
3.000 €
Der bei Rom geborene Corrodi spezialisierte sich zu Beginn seiner Laufbahn auf Ansichten seiner Heimatstadt, Landschaften aus der Campagna und Genrebilder, bis er durch wiederholte Reisen nach Ägypten, Syrien, Konstantinopel, Montenegro und Korsika eine Fülle frisch aufgefasster Studien heimbrachte. Von da an avancierte er zu einem der glänzendsten Schilderer einer freilich westlichen Vision des Orients.
6354

6355
Leopold Carl Müller (1834 Dresden – 1892 Weidlingau bei Wien)
6355 Profilbildnis eines Arabers. Kohle, teils gewischt, auf Bütten. 57,1 x 42,1 cm. Unten rechts signiert „Leopold Carl Müller“, verso zur Übertragung teils geschwärzt. Wz. „PL BAS“.
600 €
Deutsch
6356 um 1900. Stillleben mit Vase und Steinschlosspistole auf Leopardenfell. Aquarell und Gouache, auf festen Karton aufgezogen. 56,3 x 46,6 cm. Links unten bezeichnet „Jos. C. Schröder“, rechts unten bezeichnet und datiert „Brachmann / 25.6.03“.
750 €

6356
Pascal Adolph Dagnan-Bouveret (1852 Paris – 1929 Quincey)
6357 Studie eines arabischen Dolches in verzierter Lederscheide.
Aquarell über Spuren von schwarzer Kreide auf Velin. 26 x 16 cm. Rechts unterhalb der Darstellung signiert „Pas. DagnanB.“ sowie oben rechts und links eigenh datiert und bez. „3 mars 1874 à bord du Mendoza / Dakar“.
1.200 €
Die Studie des Dolches entstand nach Auskunft des Experten Brice Leibundgut (Paris) auf der Rückreise einer Expedition nach Brasilien, die DagnanBouveret 1874 gemeinsam mit seinem Bruder unternommen hatte. Das Schiff, die Mendoza, legte auf der Rückfahrt nach Europa einen Stop in Dakar ein.

6357
Wenzel Hollar (1607 Prag – 1677 London)

6358 Liegender Löwe. Radierung nach Albrecht Dürer. 9,4 x 12,6 cm. Pennington 2094, Turner (New Hollstein) 819.
250 €
Ganz ausgezeichneter Abzug mit Rändchen um die Plattenkante.
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (der „GoetheTischbein“, 1751 Haina – 1829 Eutin)
6359 Zwei Leoparden mit ihren Jungen vor einer Höhle.
Schwarze Kreide, Feder in Braun, Aquarell, weiß gehöht, in zeitgenössischer Montierung. 32,1 x 40,8 cm. Um 1810–20.
18.000 €
Provenienz: Bis 2003 in der Privatbibliothek der Großherzöge von Oldenburg.
Deren Auktion bei Christie‘s, New York: Drawings by J. H. W. Tischbein, Auktion am 22. Januar 2003, Los 131 (mit dem für die Werke aus dieser Auktion entworfenen Stempel, Lugt 5025). Privatsammlung Schweiz.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts konnte man in Kassel Wundersames bestaunen: ein gutes Dutzend Affen, allerlei exotische Vögel, darunter Papageien und Pelikane, ein weißes Kamel,
Mufflons aus der fernen Insel Korsika, und natürlich der größte Blickfang – ein indischer Elefant. Versammelt waren sie mit vielen anderen Tieren in der Menagerie der Grafen von HessenKassel. Dort wohnte seit 1771 auch ein Leopardenpaar, das sich – unüblich für die damalige Zeit in Europa – rasch vermehrte. Vielleicht waren es diese Raubkatzen, die Tischbein sah, als er in Kassel seinen älteren Bruder Johann Heinrich besuchte, der dort die Gemäldegalerie leitete. In Kassel sah Tischbein sicherlich auch die Leoparden auf Johann Heinrich Roos‘ monumentalem Tierstück, das viele Exemplare der gräflichen Menagerie abbildet. Und von seinem Bruder besaß Tischbein auch eine Radierung, die eine Leopardin mit ihren beiden Jungen zeigt. Es mögen diese unterschiedlichen Eindrücke gewesen sein, die Tischbein zu vorliegender Zeichnung inspirierten.
Die Tierwelt studierte Tischbein geradezu obsessiv, sie bildet einen der motivischen Schwerpunkte in seinem zeichnerischen Werk. Kennzeichnend ist dabei weniger der Naturalismus als vielmehr die ausgeprägte charakterliche Ausdruckskraft der Tiere. Tischbein war tief beeinflusst von der Physiognomielehre Johann Kaspar Lavaters und anderer Zeitgenossen. Er übertrug deren Prinzipien auf die Tierwelt in der Überzeugung, dass man Analogien zwischen tierischen und menschlichen Wesensarten sichtbar machen könne. Auch auf unserem Blatt zeigen die Gesichter der Raubkatzen fast menschlich anmutende Gemütsregungen. Wirkt die über ihren Jungen stehende Leopardin nicht etwa hilfesuchend, der liegende Leopard gar mürrisch? Tischbein vertrat die Auffassung, der Charakter eines Menschen lasse sich aus der Ähnlichkeit mit bestimmten Tieren erschließen – so sei ein schafähnlicher Mensch sanftmütig, ein löwenähnlicher stolz und wild. Hieraus erwuchs eine wunderbare Sammlung von rund 700 Tierzeichnungen, unter denen das vorliegendes Blatt eines der künstlerisch vollendetsten Beispiele darstellt.

6359
Peter Paul Rubens (1577 Siegen – 1640 Antwerpen)
6360 nach. Vier Kopfstudien eines schwarzen Mannes. Öl auf Leinwand, doubliert. 50,2 x 65,5 cm. Wohl 19. Jh. 12.000 €
Als Rubens‘ Kopfstudien eines unbekannten, schwarzen Mannes in vier verschiedenen Haltungen im Jahr 1883 auf einer Pariser Versteigerung auftauchte, nachdem das Werk lange Zeit in französischen Privatsammlungen verborgen war, sorgte die Tafel wegen ihres ungewöhnlichen, lebensnahen Motivs für allgemeine Bewunderung (heute Musée Royaux des BeauxArts de Belgique, Inv. 3176; Corpus Rubenianum, XX (2), Nr. 53). Vorliegende Leinwand gibt die bemerkenswerte Ölskizze wahrscheinlich aus direkter Anschauung wieder – die recht genaue Übernahme der Farbwerte spricht dafür. Derselbe Mann stand auch für Jacob Jordaens Modell und lebte vermutlich als Diener in Antwerpen. Das legt das angedeutete Gewand nahe, das dem von schwarzen Dienern auf Gemälden aus dieser Zeit entspricht. In Rubens Werkstattpraxis spielten solche lebhaften Tronies, also Kopfstudien verschiedener Gemütszustände bzw. Gesichtsausdrücke, die nach der Natur oder kraft eigener Erfindung entstanden, eine zentrale Rolle als Figurenfundus für Kompositionen. Zwei der hier dargestellten Köpfe nutzte Rubens erstmals 1515–1516 in Gemälden, später noch einmal unter anderem für das Konterfei von König Balthasar in 1518 bzw. 1520 entstandenen Anbetungsszenen (Corpus Rubenianum, V (1), Nr. 37 und 39).



Johann Elias Ridinger (1698 Ulm – 1767 Augsburg)
6361 Rhinoceros („Miss Clara“). Radierung und Kupferstich. 34,5 x 28 cm. (1768). Thienemann 295.
600 €
Zwischen dem 18. Mai und dem 16. Juni 1748 bot sich Ridinger in Augsburg die seltene Gelegenheit, ein aus Indien stammendes Rhinozeros aus nächster Nähe zu studieren. Das Tier, bekannt als „Miss Clara“ oder das „holländische Nashorn“, war 1741 in Holland eingetroffen und wurde von dem ehemaligen Kapitän H. David Douwe Mout van der Meer durch Europa geführt. Miss Clara erreichte am 3. Februar 1749 Paris, wo sie auch von dem Tiermaler JeanBaptiste Oudry mehrfach dargestellt wurde, bevor ihre Reise sie weiter nach Italien und England führte. Der Legende nach starb das berühmte Tier im April 1758 in London. Ridingers Darstellungen dieses außergewöhnlichen Geschöpfs verbinden dokumentarische Genauigkeit mit künstlerischer Sensibilität und zählen zu den faszinierendsten Zeugnissen der europäischen Begeisterung für außereuropäische Tiere im Zeitalter der Aufklärung. Ganz ausgezeichneter Druck mit breitem bzw. schmalem Rand.
David Shepherd (1931 Hendon – 2017 Sussex)
6362 The Land of the Massai. Öl auf Leinwand. 56 x 101,5 cm. Unten rechts signiert und datiert „David Shepherd [19]84“, verso auf dem Galerieetikett betitelt.
6.000 €
Provenienz: J. N. Bartfield Galleries, New York (Etikett verso auf der Rahmenabdeckung).
Privatsammlung Rheinland.
David Shepherd war ein britischer Künstler, der vor allem für seine Darstellungen der afrikanischen Fauna bekannt ist. Neben seiner Tätigkeit als Maler zählte er zu den weltweit engagiertesten und profiliertesten Naturschützern und gründete eine nach ihm benannte Stiftung, die sich dem Schutz der Tierwelt widmet. Selten sind seine Darstellungen der lokalen Bevölkerung.
6362
Gesichtsmaske

6363 Ovale Gesichtsmaske Tankagle mit schmalen Augenschlitzen.
Holz mit alter, braunschwarzer, glänzender Patina. Mit kleinen Metallhaken oben an der Stirn zur Befestigung der Haube. Höhe 27 cm. Westliche Dan, Elfenbeinküste. Circa 1920–40.
6.000 €
Provenienz: Ehemals Galerie Hélène und Philippe Leloup, Paris. Dort erworben um 2002.
Seitdem Privatsammlung Berlin.
Die ästhetisch sehr ansprechende Maske gehört zur Gruppe der Tankagle Tanzmasken, welche stilisierte Frauen und Männerantlitze darstellen. Der Begriff Tankagle steht für Tanzmaskerade. Die verkleideten Protagonisten werden von Musikern und einem Chor begleitet oder treten alleine auf. Sie sind Teil einer Zeremonie, bei der die Akteure die Dorfgemeinschaft mit unterschiedlichen Tänzen, satirischen Einlagen und Gesang unterhalten (vgl. Eberhard Fischer, Hans Himmelheber: The Arts of the Dan in West-Africa, Museum Rietberg Zürich, 1984, S. 23 ff, Abb. 22 ff.).
6363
Gesichtsmaske

6364 Gesichtsmaske kpeliye‘e Holz mit braunschwarzer Patina. Höhe 33,5 cm. Senufo, Elfenbeinküste.
4.000 €
Provenienz: Galerie Alain Lecomte, Paris. Dort erworben ca. 2004.
Seither Privatsammlung Berlin.
Sehr qualitätvolle Maske des poro-Männerbundes, einer nach Altersklassen strukturierten Verbindung, die traditionelles Wissen vermittelte und religiöse Funktionen ausübte. Die anthropomorphen kpeliye‘e Masken hatten die rituelle Funktion, während der Bestattungszeremonien den Geist des Verstorbenen aus dessen Haus zu vertreiben (vgl. Kat. Das zweite Gesicht. Masken aus der Sammlung Barbier-Mueller, Genf, MünchenNew York 1997, Nr. 15).
6364


Französisch
6365 20. Jh. Liegender weiblicher Akt auf einem Diwan.
Öl auf Leinwand, teils mit Resten von Karton verso.
74 x 96 cm. Unten rechts undeutlich signiert und bez. „J. ...elle / Maraskech“.
3.000 €
6366 1854. Palmenoase, im Mittelgrund eine Moschee.
Öl auf Holz. 17,6 x 24,8 cm. Unten links monogrammiert und datiert „J. D. / [18]54“, verso schwer leserlich bezeichnet „Jules Dupré“ (?).
400 €

Ferdinand Lindner (1842 Dresden – 1906 Berlin)
6367 Landschaft bei AgoméPalimé (Kpalimé) in Togo.
Öl auf Leinwand, auf Pappe aufgezogen. 31,5 x 58,6 cm. In der nassen Farbe bezeichnet, signiert und datiert „Agome Palime / F. Lindner / 15.4.[18]89“.
1.800 €
Der hauptsächlich als Marinemaler bekannte Ferdinand Lindner reiste Ende der 1880er Jahre in die Deutschen Kolonien nach Westafrika. AgoméPalimé liegt nahe der Grenze zu Ghana etwa 120 km nordwestlich von Lomé, der Hauptstadt Togos. Der in den Bergen gelegene Ort war eine der Hauptanbaustätten für Kaffee, Kakao und Zitrusfrüchte.
Alexander Kips (1858–1910, Berlin)
6368* Palmenhain.
Öl auf Leinwand. 36 x 22,2 cm. Zwischen 1883–1886.
450 €
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (verso mit dessen Nachlassstempel).
Die PleinairStudie, wohl zwischen 1883 und 1886 auf der Reise von Alexander Kips nach Griechenland und Kleinasien entstanden zeigt den Blick in einen dichten Palmenhain mit Fächer und Dattelpalmen und kräftigen Agaven. Möglicherweise entstand die Studie im Hinblick auf das große Pergamonpanorama, das Kips gemeinsam mit dem Maler Max Koch ausgeführt hat und 1886 auf der Jubiläumsausstellung der Berliner Kunstakademie präsentierte.

6367
6368

6369 Kleine Kokosnussdeckeldose.
Polierte Kokosnuss mit Silberstaffierung auf Klauenfüssen, der Lippenrand mit Blattfries, Löwenköpfen und Girlanden, flacher Fuß, Kuppa unten und Deckel mit Kranz aus Lanzettblättern, Deckel mit Schlangengriff. Höhe ca. 20,5 cm. Mit Beschauzeichen Savoyer Wappen (vgl. Rosenberg 7470) und Meistermarke „GV im ovalen Perlrandsaum“ (für Giuseppe Vernoni 1778–1824, Rosenberg 7481). Turin, um 1790.
1.500 €
Provenienz: Aus dem Besitz des Erbprinzen Leopold von AnhaltDessau (1855–1886).
Sodann dessen Frau Elisabeth (Tochter von FriedrichWilhelm von HessenKassel, 1861–1955, Dessau), mit deren geritzter Inventarnummer „E. 210“ auf der Unterseite des Fußes. Von dieser in den Kunsthandel Dessau. Privatbesitz SachsenAnhalt.

Alexius Geyer (1816–1883, Berlin)
6370 Abendstimmung an einer von Palmen gesäumten Küste Nordafrikas mit Rastenden. Öl auf Leinwand. 116 x 137 cm. Unten rechts signiert.
12.000 €
Zum Ausklang des Tages hat sich eine Gruppe arabischer Frauen und Männer am Fuß einer Dattelpalme direkt am türkisfarbenen Meer versammelt. Die Farbe des azurblauen Himmels geht am Horizont bereits in ein sanftes Rosa über, ein Schwarm Vögel zieht am Firmament heimwärts. Geyer gelingt es mit koloristisch meisterhaft nuancierter Farbsetzung die Himmelsatmosphäre des
Südens am Übergang zwischen Tag und einbrechender Dunkelheit im Bild einzufangen. Der an den Akademien in Berlin, München und Dresden ausgebildete Künstler war mehrere Jahre in Rom ansässig, bevor er sich im Auftrag des griechischen Königs 1847 nach Konstantinopel und in den Orient begab. Im Jahr 1850 unternahm Geyer zusammen mit dem Berner Architekten Theodor Zeerleder eine Reise auf dem Nil. Aus diesen Reiseerfahrungen schöpfte er Motive für seine gefragten Orientbilder, die ab 1856 regelmäßig in Berlin auf den großen Ausstellungen angeboten wurden.
6370

Johann Baptist Laule
(1817 Sargans – 1895 Schönenbach, Furtwangen im Schwarzwald)
6371 Ansicht von Bethlehem.
Öl auf Papier, auf Karton aufgezogen. 16,8 x 21,1 cm. Verso alt bezeichnet „Ansicht von Bethlehem / gemalt von / J. B. Laule in Furtwangen / 1880“.
400 €
Österreichisch
6372 Anfang 20. Jh. Jerusalem vom Ölberg aus gesehen.
Öl auf Malpappe. 24 x 30,8 cm. Unten links unleserlich signiert.
1.500 €
Giuseppe Miceu (1873–1909, Triest)
6373 Meeresbrandung am Strand von Jaffa. Öl auf Malpappe. 17,3 x 27,1 cm. Unten rechts signiert „ G. Miceu “, verso zweimal bezeichnet „Jaffa“.
450 €
Giuseppe Miceu wuchs in Ägypten auf. In Triest erhielt er eine Anstellung bei der Österreichischen LloydGesellschaft. Als Maler bezeichnete er sich als Autodidakt. 1908 wird er von der Reederei in die levantinischen Länder entsandt, um dort Motive für Postkarten und Werbeplakate zu sammeln. Die Luft, die Atmosphäre und die Farben dieser Länder verändern seine Malerei. Die Skizzen, die diese Reise zwischen Athen, Konstantinopel und Korfu dokumentieren, werden im Dezember desselben Jahres in der Dauerausstellung des Circolo Artistico in Triest der Öffentlichkeit präsentiert. Im November des folgenden Jahres stirbt Miceu 36jährig an einer unheilbaren Krankheit.
6371


6372
6373

Franz Roubaud (1856 Odessa – 1928 München)
6374 Reitender mit der grünen Flagge der Tscherkessen, im Hintergrund ein Bergdorf im Nordwestkaukasus.
Gouache auf Papier, auf Karton aufgezogen. 25,5 x 15 cm. Unten rechts signiert ”F. Roubaud”.
2.400 €
Bereits im Alter von sechs Jahren erhielt Roubaud erste Unterweisungen an der Zeichenschule in Odessa. Nach einem Studienaufenthalt im Kaukasus ging Roubaud nach München, wo er sich von 1877–78 bei Piloty, Seitz und von Diez sowie im Anschluss bei Joseph von Brandt schulte. Er war tätig in München, Paris und St. Petersburg. 1889 wurde er von Prinzregent Luitpold geadelt. Besondere Förderung erhielt er durch die Zaren Alexander III. und Nikolaus II. 1903–12 war er Professor an der Akademie St. Petersburg. Sein bekanntestes Werk ist das 100 Meter lange Panoramagemälde „Die Belagerung von Sewastopol“ (1904), für das in Sewastopol ein eigenes Museum errichtet wurde.
Arnold Lüschwitz-Koreffski (1869 Berlin – 1924 Bremen)
6375* Kamelmarkt in Buchara, Usbekistan. Aquarell, montiert in ein Passepartout. 23,5 x 38,2 cm. Unten links eigenhändig bezeichnet „Buchara Kamelmarkt“ und rechts undeutlich signiert „LüschwitzKoreffski“, sowie verso der Adressstempel des Künstlers.
750 €
Der Berliner Maler Arnold LüschwitzKoreffski war Zeichner, Aquarellist und Orientmaler mit ausgeprägter Reisetätigkeit. Umfangreiche Studienreisen führten ihn nach Galizien, in die Ukraine und in den Kaukasus. Dort entstanden Darstellungen aus dem Leben der Kaukasusvölker, in denen er Tracht, Architektur und Alltagsszenen mit genauer Beobachtung festhielt. Spätere Reisen nach Spanien, Marokko, Serbien, Bulgarien, Konstantinopel, Kleinasien sowie nach Bosnien, Herzegowina und Albanien erweiterten sein Motivspektrum. Die dabei entstandenen Werke lieferten die Vorlagen für Gemälde und Aquarelle, die regelmäßig auf Ausstellungen gezeigt wurden. Seine Arbeiten zeigen atmosphärische, lichtbetonte Momentaufnahmen. Als Resonanz seines Schaffens befanden sich seine Werke auch im Besitz des osmanischen Sultans sowie im Museum von Sofia.
Alfred Kunft (1892 Aussig – 1961 Nybro)
6376 Mann aus Astrachan. Gouache auf Velin. 12,8 x 12,9 cm. Signiert und bezeichnet „AKunft / Leutnant / Astrachan“, auf dem Untersatz eigenh. bez. „Tartar Astrachan August [19]16“.
600 €
Astrachan, an der Wolga gelegen, gab der sogenannten Astrachanoder Persianermütze ihren Namen. Die auch als Karakulmütze bekannte Kopfbedeckung wird aus dem Fell des Jungtiers des Karakulschafs gefertigt. Das charakteristisch dicht schimmernde Fell verleiht ihr eine markante, plastische Oberfläche.





John Gleich
(1879 Memel, Klaipeda – um 1927 Berlin)
6377 Marktstraße in Varanasi (Benares), Indien. Aquarell über Spuren von Bleistift auf Velin, aufgezogen. 15 x 18 cm. Unten rechts signiert „John Gleich“, verso von fremder Hand bezeichnet „Motiv Wohnhaus in Benares“.
600 €
1909/10 unternahm John Gleich eine erste Studienreise bis nach Indien und Ceylon. Besonders die Landschaft Indiens und deren Menschen standen seitdem im Zentrum seines künstlerischen Schaffens. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Orientmaler.
Deutsch
6378 um 1920. BengalTiger, liegend. Öl auf Holz. 6,8 x 14,6 cm. Unten links monogrammiert „CA“.
800 €
Augsburg / Frankreich
6379* 1860–80. Drei Guckkastenblätter: Vue de la Pondichery dans les Indes Orientales; Vue du Pallais du l‘Empereur de perse avec la Mosquée, ou Église a Ispahan; Vue d‘un Temple Chinois a Nankin. 3 Kupferstiche, alt koloriert. 4to. Dumont, Paris 1780; Habermann, Augsburg, 1750/1780.
450 €
Guckkastenblätter des 18. Jahrhunderts eröffneten ihrem Publikum den scheinbar dreidimensionalen Blick in ferne Welten. Durch spezielle Perspektivtechnik für den Guckkasten geschaffen, zeigten sie neben europäischen Städten auch außereuropäische Schauplätze wie hier Pondicherry, Isfahan oder Nanjing. Als Veduten beanspruchten diese Blätter Authentizität, doch verbanden sich in ihnen Reiseberichte, Handelsinteressen und Phantasie. Da das Medium einem breiten Publikum zugänglich war, prägte es das europäische Bild von „Indien“, „Persien“ oder „China“ nachhaltig. Ausgezeichnete Drucke bis an bzw. auf die Plattenkante geschnitten, teils mit Rand.
6379

6380 spätes 19./frühes 20. Jh. Der festliche Einzug eines Herrschers.
Deckfarben mit Goldhöhung auf Papier, auf Karton aufgezogen. 34 x 49,4 cm. Verso indische Glossen. 1.200 €
Nordindien (Rajputen Malerei)
6380
Indisch
6381 wohl 19. Jh. Todi Ragini in einer blühenden Landschaft mit Hirschen, Illustration zur Ragamala. Aquarell mit Goldhöhung und partiell Spuren von Weißhöhungen, auf Platte. 15 x 10 cm. Unter dem linken Fuß der Frau bezeichnet.
400 €


6382 Ein Paar flamboyante Tafelaufsätze. Balustervasen aus Holz, mit silberfarbenem Überzug über rostrotem Grund, darüber Kranz aus kleinen Turboschnecken, blaues Glas, präpariertes Schwert eines Schwertfisches in silberfarbener Fassung. Höhe ca. 100 cm, Breite 15 cm, Tiefe 15 cm.
2.200 €
6381

Hermann Freiherr von Königsbrunn (1823 Bad Radkersburg, Steiermark – 1907 Graz) 6383 nach. Urwald auf Ceylon. Radierung auf festem Velin von Wilhelm von Abbema. 53,3 x 45,9 cm. (1865).
400 €
Ende 1852 reiste Königsbrunn in Begleitung des Ritters von Friedau und des Zoologen L. K. Schmarda für zehn Monate nach Ceylon.
Während dieser Zeit sammelte Königsbrunn umfangreiches Skizzenmaterial mit naturwissenschaftlichen Motiven für das geplante, aber nie erschienene Reisewerk Friedaus. Stattdessen fertigte der Künstler große „Vegetationsbilder“ mit Motiven aus dem Regenwald. Die nach einer Federzeichnung Königbrunns radierte eindrucksvolle Komposition mit einem Motiv aus dem SinharajaRegenwald wurde 1865 für die Mitglieder des Steirischen Kunstvereins gefertigt. Ausgezeichneter Druck mit Rand um die Darstellung.
6383

6384 Fotografen: Skeen & Co. (aktiv ca. 1860–1890), Scowen & Co. (aktiv ca. 1870–1890) und unbekannt. Porträts aus Ceylon.
1880erJahre. 5 Albuminabzüge, teilweise auf Karton montiert. Zwischen 21 x 26 cm und 30,5 x 21,5 cm. Teilweise mit handschriftlichen Bildunterschriften in Bleistift, ein Abzug mit Atelierangabe des Fotografen im Negativ im unteren Rand.
400 €
Diese Gruppe umfasst fünf Porträts aus dem späten 19. Jahrhundert, entstanden im kolonialen Ceylon, die Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten zeigen. Dargestellt sind unter anderem tamilische Würdenträger in formeller Kleidung, eine Frau mit traditionellem Schmuck sowie ein singhalesischer Häuptling aus Kandy. Ergänzt wird die Gruppe durch ein Porträt von Einheimischen in schlichterer Kleidung, in einer informellen Außenaufnahme aufgenommen.
Ceylon
6384

6385 Tischzier mit großem Silberelefanten. Präsentationsobjekt mit Darstellung eines geschmückten indischen Elefanten mit Tragekorb, montiert auf gestuftem (späteren ?) Podest mit Einfassung.
Elefant: Silber (geprüft, ca. 895 g); Podest: Holz, Metall, Kunststoff und Textil. 38 x 30 x 23 cm. Indisch, 19. oder 20. Jh.
2.400 €

Exposition Universelle 1867
6386 Fotograf: Léon & Lévy (aktiv ca. 1864–1890). Ansichten von der Exposition Universelle, Paris, 1867.
77 Albuminabzüge auf CartedevisiteKarton. Jeweils ca. 10,2 x 6,2 cm oder umgekehrt. Jeder Abzug mit gedruckter Bildunterschrift auf der Vorderseite des Trägers sowie Atelierstempel „Léon & Lévy, Succrs de Ferrier père & fils & Soulier, 113, Boulevard de Sébastopol, Paris. Vues Stéréoscopiques sur Verre de l’Exposition et de tous pays“ auf der Rückseite.
450 €
Diese Gruppe von Cartesdevisite bildet ein umfangreiches visuelles Dokument der Exposition Universelle von 1867, der zweiten Weltausstellung, die unter Napoleon III. in Paris stattfand. Auf dem Champ de Mars organisiert, vereinte die Schau über 50.000 Aussteller aus aller Welt und präsentierte wegweisende Entwicklungen in Industrie, Landwirtschaft und den Künsten. Die Fotografien zeigen eine Vielzahl thematischer und nationaler Sektionen – darunter die BeauxArtsPavillons, kunstgewerbliche Galerien sowie koloniale Präsentationen wie die Galeries Algériennes – und bieten detaillierte Innenansichten einzelner Stände mit Skulpturen, Gemälden, Porzellan, ornamentalem Kunstguss, dekorativen Textilien sowie präparierten Straußen als Schaustücken. Aufgenommen und vertrieben von der Pariser Firma Léon & Lévy, entstanden die Bilder ursprünglich als stereoskopische Glasnegative und wurden später für eine weitere Verbreitung in das populäre CartedevisiteFormat übertragen.



6387 Ein Paar Tafelaufsätze.
Zwei farbig gefasste Balustervasen aus Holz in Porphyroptik, darüber Kranz aus kleinen Turboschnecken, rotes Glas, darüber gesägte und geschliffene Ammoniten. Höhe ca. 61,5 cm, Breite ca. 20 cm, Tiefe ca. 16,5 cm.
2.200 €

A. Hauptstock
(tätig in der 2. Hälfte des 19. Jh. in Berlin)
6388 Arrangement mit chinesischem Schirm, Lampion, Opiumpfeife, Vase, Elfenbeinskulptur und weiteren ElfenbeinDrechselarbeiten.
Bleistift und Aquarell, weiß gehöht, auf Velin. 21,4 x 24,2 cm. Verso alt bez. „Ausstellung chinesischer Gegenstände in Berlin /Zeichner Hauptstock“, sowie auf dem beiliegenden alten Untersatzkarton in Feder bez. „A. Hauptstock in Berlin / Ausstellung chinesischer Gegenstände in Berlin. Reiche Gruppe chinesischer Elfenbeinschnitzereien und anderer Kunstprodukte. Aquarell, Qu.fol. Aus J. G. Lumnitzers Nachlass in Brünn“.
1.200 €
Das Aquarell zeigt eine kunstvoll arrangierte Gruppe chinesischer Gegenstände aus dem Nachlass des Sammlers Johann Georg Lumnitzer aus Brünn (1783 Spišská Nová Ves/ZipserNeudorf, Slowakei – 1864 Brünn). Wahrscheinlich gibt das Werk die Aufstellung der Objekte in einer Ausstellung mit ostasiatischen Gegenständen wieder, die in Berlin ab den 1860er Jahren vermehrt stattfanden. Denkbar wäre eine Schau im neu gegründeten Kunstgewerbemuseum oder in einer der temporären Kunst und Industrieausstellungen.
6388


Benigno Bossi
(1727 Arcisate – 1793 Parma)
6389 Suite des Vases.
Radiertes Titelblatt, 2 Bl. Dedikation, radiertes Widmungsblatt an GuillaumeLeon du Tillot, 30 Radierungen nach Entwürfen von Ennemond-Alexandre
Petitot. Je ca. 22,8 x 16,7 cm. 1764. Le Blanc I, 145179; Berliner Ornamentstichkatalog 1081; Kat. Regency to Empire. French Printmaking 1715–1814, BaltimoreMinneapolis 1985, Nr. 58, S. 182–184; William Cole, „The States of Petitot and Bossi‘s Suite des Vases“, in: Print Quarterly, Bd. X, Nr. 2, Juni 1993, S. 156–160, I (von III).
12.000 €
Der Maler, Stuckateur und Kupferstecher Benigno Bossi wurde nach Lehrjahren in Nürnberg und Dresden 1760 von Herzog Ferdinand von Bourbon nach Parma berufen und dort 1766 zum AkademieProfessor ernannt. Die vorliegende Folge, die von einer
schier ungezügelten, eigenwilligen Phantastik und einer fast arcimboldesken Formenvielfalt geprägt ist, entstand nach Vorlagen des Architekten und Schülers Soufflots, Ennemond Alexandre Petitot (1727 Lyon – 1801 Parma), der seit 1753 in Diensten des Herzogs von Parma stand und zum Wegbereiter des Klassizismus in dieser Stadt wurde. Die ersten vier Blätter der Folge zeigen klassizistische Ziervasen, wie Petitot diese für die herzöglichen Gärten in Parma entworfen hatte. Bei den weiteren Blättern steigerte Petitot sich zu höchst originellen Bildschöpfungen, bei denen neben traditionellen Motiven wie Genien, Satyrn und Nymphen unterschiedlichste exotische Kreaturen aus fernen Ländern wie beispielsweise Elefanten, Löwen und Schildkröten mit dekorativen Zierformen gemischt wurden. So entstehen einprägsame, höchst suggestive Bilderfindungen. Die vollständige Folge ist in dem hier vorliegenden ersten Druckzustand von eminenter Seltenheit und nur wenige Exemplare sind erhalten geblieben. Prachtvolle, gleichmäßige und kontrastreiche Drucke von größter Schönheit, auf dem vollen Bogen gedruckt. Wohl in dem originellen, marmorierten Halbledereinband.
6389
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Mark Fairnington (geb. 1957, Gateshead, County Durham –lebt und arbeitet in London)
6390 Specimen 1 (Gottesanbeterin).
Öl auf Leinwand. 202 x 66 cm. Um 2000.
3.000 €
Provenienz: Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam.
Aus der Serie „Fabulous Beasts“. Mark Fairnington ist ein Maler, dessen Werke bereits in zahlreichen Museen und privaten Galerien in den USA und Europa ausgestellt wurden. In seiner Forschung nutzt er die Malerei, um verschiedene Museumssammlungen und geschichten visuell zu untersuchen. Ob großformatige Gemälde von präparierten Insekten, ausgestopfte Vögel, Porträts von preisgekrönten Zuchtbullen, die künstlerische und wissenschaftliche Sprache der Blumen oder gesammelte menschliche Überreste –sein Interesse gilt den Eigenheiten desjenigen, der für alle stehen muss: dem Exemplar (the specimen). Im Oxford Museum of Natural History arbeitete Fairnington mit Dr. George McGavin an Mantidae (Fangschrecken bzw. Gottesanbeterinnen) und Membracidae (Buckelzirpen oder Buckelzikaden).
6391 Specimen 3 (Gottesanbeterin frontal).
Öl auf Leinwand. 92,5 x 76 cm. Um 2000.
2.400 €
Provenienz: Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam.
Aus der Serie „Fabulous Beasts“.
Abbildung Seite 155





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Chinesisch
6392 19. Jh. (wohl Werkstatt oder Umkreis
Namcheong, tätig um 1840–70). Ansichten aus dem Perlflussdelta: Dschunke vor einer Festung; Dschunke vor einem Tempel.
2 Gemälde (Pendants), je Öl auf Leinwand. Je ca. 26 x 21 cm.
3.200 €
6393 19. Jh. (wohl Werkstatt oder Umkreis
Namcheong, tätig um 1840–70). Ansichten aus dem Perlflussdelta: Dorfszene mit Schmied; Eingang zu einem Schrein.
2 Gemälde (Pendants), je Öl auf Leinwand. Je ca. 26 x 21 cm.
3.200 €
Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726 Danzig – 1801 Berlin)
6394 Hochzeitsgebräuche bei verschiedenen Völkern.
12 Radierungen. Je ca. 8,8 x 4,8 cm. 1780. Engelmann 356 III. Wz. Fragment.
450 €
Diese charmanten Illustrationen zu den Hochzeitsriten verschiedener Kulturen entwarf Chodowiecki für den Gothaischen Hofkalender für das Jahr 1781. Die künstlerische Hinwendung zu fremden Kulturen verbindet sich hier mit einer durchaus bürgerlich westlichen Vorstellung des Eherituals. Die vollständige Folge in ausgezeichneten Drucken mit Rändchen um die Einfassungslinien. Beigegeben von Chodowiecki „Die sechs Türken zu Pferde“ (Engelmann 25) und die komplette 12teilige Folge „Heiratsanträge. Erste Folge“ (Engelmann 345).
6394
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Fächer
6395 Faltfächer mit höfischen Figuren in Palästen und Gärten (recto) und Blumen mit Schmetterlingen (verso).
Blatt aus Seide, beidseitig mit reicher Deckfarbenbemalung, die Kleidung der Figuren applizierte Seidenstücke, die Köpfe reliefierte Applikationen, das asymmetrische Gestell aus schwarz lackierten Holzstäben mit zweifarbigem, figuralem Goldlackdekor, Seidenquasten mit Zierknoten. Spannweite 30 x 51 cm. China (wohl Kanton), 19. Jh.
800 €
6396 Faltfächer mit Szenen einer Umwerbung (recto) und Blumen mit Schmetterlingen (verso).
Blatt aus Papier, beidseitig mit Farblithographien, recto teils handkoloriert und goldgehöht, das Gestell aus schwarz lackierten Holzstäben mit ChinoiserieDekor in Gold. Spannweite 28 x 51,5 cm. Kontinentaleuropa, um 1900.
450 €

Deutsch, wohl Sächsisch
6397 1. Hälfte 18. Jh. Figurine eines Chinesen mit Kegelhut und Laterne.
Holz, geschnitzt, farbig gefasst und mit Resten von Vergoldung auf dem Bolusgrund. Höhe 49,5 cm.
2.400 €
Provenienz: Berliner Privatsammlung.
Chinesisch

6398* wohl späte QingDynastie, 19. Jh.
Die Seidenraupenzucht.
Tusche und Aquarell. Ca. 26 x 38 cm (Passepartoutausschnitt).
800 €
Das Blatt zeigt eine ländliche Szene der Seidenraupenzucht unter einem Strohpavillon: Zwei junge Frauen bereiten Maulbeerblätter auf Sieben vor, während eine ältere Frau die Arbeit beaufsichtigt; im Hintergrund sind zwei weitere Frauen und ein Kleinkind bei der Ernte zu sehen. Beigegeben eine weitere chinesische Tuschemalerei mit mehrzeiliger Kalligraphie: Vornehmes Paar im Garten.
6399 Kopf eines Luohan (Arhat).
Terrakotta oder Stuck, der Kopf naturalistisch modelliert und teils polychrom gefasst, das Gesicht mit expressiv grimmigem Ausdruck, die Stirn mit tiefen Furchen, der Mund halb geöffnet, dabei die scharfen Zähne und Zunge zeigend. Auf Holzsockel. Transportbox vorhanden. Höhe (ohne Sockel) ca. 24 cm. China, Nördliche Song/Liao Dynastie, circa 11. Jh. 6.000 €
Provenienz: Dries Blitz Chinese Ceramics & Works of Art, Amsterdam (2012 TEFAF, Maastricht).
Privatsammlung Berlin.
Bei dem vorliegenden LuohanKopf handelt es sich um die Darstellung eines erleuchteten buddhistischen Schülers (Arhat). Der agitierte und höchst expressive Gesichtsausdruck ist selten und ungewöhnlich für diese Kategorie von Bildnissen.
6398



Chinesisch
6400 um 1900. Album mit 12 chinesischen Dschunken, Haus und Fischereibooten.
12 Aquarelle auf Reispapier, je montiert auf Einzelblätter eines Albums. Je ca. 16,7 x 28 cm. Broschur d. Z. mit Buntpapierbezug (stärker berieben, Ecken und Schließband lädiert). Quer4to.
750 €
Äußerst feine Aquarelle, die die raffinierten Texturen und farbliche Gestaltung der Schiffe kongenial zum Ausdruck bringen.
Johann Ernst Mansfeld (1739 Prag – 1796 Wien)
6401 „Athah, ein Bootsknecht aus Canton in China, tatarischer Abkunft, 22 Jahr alt.“; „Ajavv, ein Bootsknecht aus Canton in China gebürtig, 25 Jahr alt“. 2 Radierungen nach Johann Christian Brand. Je ca. 35,9 x 24,8 cm. 1780.
400 €
Literatur: Vgl. G. Düriegl, R. Witzmann: Der Verlag Artaria, Kat. Ausst. Wien 1981, Kat. 61, 62. Provenienz: C. G. Boerner, Düsseldorf. Galerie Bassenge, Berlin, Auktion 74, 26. November 1999, Los 5701. Österreichische Kaufleute und die Marine unternahmen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Expeditionen nach Südasien, nachdem Kaiser Joseph II. Wilhelm Bolts und dem Grafen Proli die Gründung der österreichischen Ostindischen Compagnie gestattet hatte. Die Compagnie schickte in den Jahren 1777/78 das Schiff Theresia und Joseph auf die Reise, zum Erwerb von Land und der Begründung von Handelsniederlassungen an den Küsten von Afrika und Asien. Die im ArtariaVerlag erschienenen zwei Blätter zeigen chinesische Bootsknechte, die laut der Bildunterschrift vom „... Grafen Proli dem allerhöchsten kaiserlichen Hofe den 17. Hornung 1780 als eine Seltenheit gezeigt“ wurden. Brillante, kräftige und frühe Drucke mit Rand, noch ohne das kaiserliche Privileg unten mittig.

6402

6401
François Boucher (1703–1770, Paris)
6402 Figures Chinoises: POÏ NOU ou Servante Chinoise; Femme de MATSMEY à la terr d‘Ieço. 2 Radierungen nach Antoine Watteau. Je ca. 21,3 x 15,5 cm. (1731). DacierVuaflart 235 und 237.
600 €
Die vorliegenden Radierungen, Blatt 2 und 4, gehören zu einer größeren, insgesamt 30 Blatt umfassenden Folge mit chinesischen Kostümstudien, die beide auch als Teil einer eigenständigen, zwölfteiligen Suite Diverses Figures Chinoises et Tartares publiziert wurden. Die Motive entstanden wohl im Zusammenhang mit den Dekorationen von Antoine Watteau im Château de la Muette. Watteaus Arbeiten gehen vermutlich auf Zeichnungen jesuitischer Missionare zurück, welche die Zeichnungen nach Frankreich brachten. Ausgezeichnete Drucke mit Rand.

6403 Chinese mit Schirm als Schmuckständer. Bronze, gegossen, ziseliert, geglättet, feuervergoldet (Vergoldung teilweise abgerieben) und poliert sowie verschraubt und genietet. Höhe 16 cm, Sockel Durchmesser 8 cm. Der klappbare Kopf mit Hals und Brustansatz durch ein Scharnier mit dem Rücken verbunden. Der Korpus der Figur als Hohlraum gearbeitet, baldachinartiger Sonnenschirm, an den Fransen fünf angenietete Haken, runder Erdsockel mit konkavem Sockelrand. Deutschland bzw. Österreich, um 1760/70.
4.500 €
Anne Allen (1749/50 London – nach 1808 wohl Lyon)
6404 Chinoiserie mit Boot und Fischer. Farbradierung à la poupée nach Jean-Baptiste Pillement. 19,6 x 14 cm. Um 1796/98, IFF aus 1. 750 €
In den phantasievollen Bildwelten des JeanBaptiste Pillement bilden exotisierende Figuren, Pflanzen und Architekturen schwebend wirkende Traumlandschaften. Seine Chinoiserien dienten in ganz Europa als Vorlagen bei der Dekoration von verschiedenstem Kunsthandwerk wie Textilien, Keramik oder Möbel. Die Radiererin Anne Allen trug dabei wesentlich zur Verbreitung der dekorativen Entwürfe bei. Die Zusammenarbeit zwischen Allen und Pillement begann wahrscheinlich in den 1770er Jahren, 1799 heirateten die beiden. Darüber hinaus ist über ihr Leben wenig bekannt. Aus der dreiteiligen Folge „Nouvelle Suite de Cahiers de dessins Chinois“. Ganz ausgezeichneter Druck mit schön ausdifferenziertem Kolorit und schmalem Rand.


6404 6405
Hede von Trapp (1877 Pula, Istrien – 1947 Korneuburg)
6405 Chinoiserie. Radierung in Grün auf gelber Platte, auf Similijapan. 20 x 15,3 cm. 1913. Signiert und bez. „Probedruck / zu Chinoiserie“.
200 €
Ganz ausgezeichneter Druck mit dem wohl vollen Rand.

Chinesisch

6406 19. Jh. (wohl Kanton). Chinesische Frau, Guqin spielend; Chinesische Frau, eine Blume betrachtend. 2 Gemälde, je Öl auf Leinwand, doubliert. Je ca. 28 x 21,5 cm.
1.800 €
Zwischen dem späten 18. Jahrhundert und dem Beginn des Ersten Opiumkrieges (1838–42) war die Hafenstadt Kanton, heute Guangzhou, das Nadelöhr allen Handels zwischen China und dem Westen. Der Austausch war auch in der Kunst nicht minder rege. Eine Besonderheit waren die sogenannten China Trade Paintings,
Gemälde, die speziell für ausländische Kaufleute und den Export für den europäischen Markt geschaffen wurden. Zwar existierten solche Werke bereits seit Jahrhunderten, doch erlebte ihre Produktion in dieser Zeit, begünstigt durch die Intensivierung der Handelsbeziehungen einen Höhepunkt. Der bedeutendste kantonesische Künstler auf diesem Gebiet war Lamqua (1801–1860), ein Protegé und Schüler von George Chinnery (1774–1852), dem ersten englischen Maler, der sich dauerhaft in China niederließ. Lamqua adaptierte den Malstil und die westlichen Bildkonventionen seines Lehreres, kombinierte sie mit asiatischen Sujets, und übte damit einen großen Einfluss auf die chinesische Exportmalerei des 19. Jahrhunderts aus.
Zhu Yiyong
(geb. 1957 in Chongqing, Provinz Sichuan)
6407 MidAutumn Festival. Triptychon. Öl auf Leinwand. Linke und rechte Tafel je 148 x 51 cm, Mitteltafel 148 x 106 cm. Auf jeder der drei Tafeln am Unterrand signiert und datiert. 2000.
25.000 €
Provenienz: Schoeni Art Galleries Ltd., Hongkong (mit deren Galerieetikett verso).
Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam. Die geheimnisvolle Atmosphäre und visuelle Poesie, die Zhu Yiyongs dreiteiliges Gemälde erfüllt, ist charakteristisch für die Laternengemälde des bedeutenden chinesischen Künstlers. Ein Kreis junger, traditionell gekleideter Frauen hält schlichte Handlaternen, mit deren warmem Strahlen das dunkle, fein ornamentierte Interieur zart beleuchtet wird. Begangen wird das Laternen oder YuanxiaoFest in der Vollmondnacht am 15. Tag des 8. Mondmonats (meist im September/Oktober) als Abschluss des mehrtägigen Neujahrsfestes; es steht als bedeutendes Element des kulturellen Gefüges Chinas für Hoffnung, Erneuerung und familiären Zusammenhalt. Das traditionelle Laternenfest und die individuellen Erscheinungen der jungen Frauen schildert Zhu Yiyong in ebenso sensibler wie detailgenauer, realistischer Manier, mit weichem Pinselstrich und einer warmtonigen, dunklen Palette. Ausgebildet wurde der Künstler am Sichuan Fine Arts Institute, wo er später eine Professur erhielt.

6407


China
6408* 19. Jh. Herrscherin mit junger Hofdame aus der QingDynastie. Gouache auf Reis oder Markpapier. 29 x 19 cm. Gerahmt.
450 €
Beigegeben zwei weitere chinesische Gouachen auf Reis oder Markpapier.
6408
Jin Wang (geb. 1962, Datong, China)
6409 Dream of China. Installation aus transparentem Polyvinyl, Stickerei aus Nylon Angelschnur, Bambus, Metall. 165 x 262 x 8,3 cm. 2005.
15.000 €
Provenienz: Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam.
Das skulpturale Werk des chinesischen Künstlers Jin Wang ist eine Nachbildung eines klassischen Drachengewandes. An einer Metallkette hängend, sind die Ärmel weit ausgebreitet, als würde ein unsichtbarer Körper sie tragen. Dadurch wird der Blick auf die detailreichen Stickereien des Gewandes mit chinesischen Drachen

motiven und fernöstlichen Ornamenten gelenkt. Die aus Kunststofffäden gewebte Robe erscheint in ihrer Farblosigkeit transparent und verleiht dem Werk eine fast immaterielle Wirkung. Seit den 1990er Jahren widmet sich Wang Jin in seiner Werkreihe „Dream of China“ der Beziehung zwischen Objekten und kultureller Authentizität. Ausgangspunkt hierfür sind seine persönlichen Erfahrungen in dem Spannungsfeld traditioneller und moderner Werte in China. Für die Herstellung der „Gewänder“ arbeitet der Künstler mit Näherinnen aus ländlichen Regionen zusammen, die Form und Gestaltung traditioneller Kostüme der PekingOper möglichst originalgetreu umsetzen. Während die klassischen Gewänder üblicherweise aus farbiger Seide gefertigt werden, verwendet Wang bewusst Kunststoff – ein schnelles Konsumprodukt, das er als allgegenwärtiges Material der globalisierten Welt versteht. Die Besichtigung des Werkes ist nach Terminabsprache im Kunstlager in BerlinCharlottenburg möglich.


Jean-Baptiste Pillement
(1728–1808, Lyon)
6410 nach. „Petits Parasols Chinois“. 4 Radierungen von Jean-Jacques Avril. Je ca. 23,7 x 16 cm. 1773–1774. Le Blanc, aus 86–103.
350 €
Der chinesische Sonnenschirm (Parasol Chinois) war als Element in den Landschaftsgärten des ausgehenden 18. Jahrhunderts sehr verbreitet und ist als Ausdruck der Sehnsucht nach fernen Kulturen zu verstehen. Pillements phantastische Erfindungen zeigen daher keine tragbaren Sonnenschirme, sondern kleine in Gartenarchitekturen (Follys), die dem Schutz vor dem Wetter dienten. Mit der französischen Revolution wurden auch die „Parasol Chinois“ als Wahrzeichen der untergehenden, aristokratischen Kultur angesehen und teils zerstört (Eremitage Arlesheim, Kanton Basel). –Aus einer 18teiligen Folge. Prachtvolle, kräftige Drucke mit breiten Rändern, teils mit den originalen Schöpfrändern.
6410
6410

6411 2 flamboyante Tafelaufsätze. Rot lackierter Dornbusch montiert auf Fuß mit Glaselementen und Messingappliken auf marmorierter Holzplinthe. Höhe je ca. 42 cm. 20. Jh.

Wilhelm Kuhnert
(1865 Oppeln – 1926 Flims, Graubünden)
6412* Pandabär im Bambuswald („Bambusbär“).
Schwarzer und grauer Stift, Pinsel in Grau, Deckweißhöhungen. 33,8 x 24 cm. Unten rechts signiert „W. Kuhnert“, oben links in Bleistift bez. „Bambusbär ailuropus melanoleucus“, sowie oben links „H. 300“ und Maßangabe in rotem Stift. Vor 1901.
800 €
Vorzeichnung zu der Illustration „Bambusbär“ auf S. 376 im 2. Band (Das Thierleben Asiens, Amerikas und Australiens) von Wilhelm Haacke und Wilhelm Kuhnert: Das Thierleben der Erde, Berlin 1901.

Chinesisch
6413* um 1800. Landschaft mit Tempel und Garten an einem Fluss.
Gouache auf Velin. 33,2 x 45,4 cm.
1.200 €
6414 19. Jh. (wohl Umkreis oder Schule Youqua, tätig um 1840–80). Nächtliche Schifffahrtsszenen auf dem Perlfluss.
2 Gemälde, je Öl auf Leinwand. Je ca. 22,8 x 30,3 cm. Auf einem Keilrahmen ein altes Etikett des Rahmenmachers F. C. Lankesheer, Colchester.
1.800 €
Europäische Kaufleute und Künstler brachten westliche Maltechniken nach China, die sich lokale Künstler geschickt aneigneten. Der Nachfrage nach Erinnerungsstücken vonseiten fremder Reisender nachkommend, gründeten sie in Kanton, Macau und Hongkong Ateliers, in denen sie Szenen aus dem chinesischen Alltag, Landschaften und Porträts produzierten. Auf einem der beiden Bilder hier ist ein Turm zu sehen, der an die neunstöckige WhampoaPagode auf einer Insel bei Kanton erinnert, einem damals sehr beliebten Motiv. Mit der zunehmenden Verbreitung und Popularität der Fotografie im späten 19. Jahrhundert ging die Blütezeit der China Trade Paintings zu Ende.
Abbildung Seite 102
6413

Nicolas Chevalier (1828–1902, London )
6415 Buddhistischer Mönch in einem Garten eines chinesischen Klosters, im Hintergrund eine Teezeremonie.
Aquarell, über Spuren von Bleistift. 54,4 x 77,5 cm (lichtes Maß). Unten links signiert und datiert „Nicolas Chevalier 1884“. Orig.-Rahmen von „Foord & Dickinson, London“, verso mit deren Etikett.
9.000 €
Ein buddhistischer Mönch in gelber Robe ist über dem Studium der gelehrten Schriften in dem üppigen tropischen Garten seines Klosters eingenickt. Hinter ihm führen steinernen Stufen in einen offenen Pavillon, in dem weitere Mönche gerade eine Teezeremonie
abhalten. Die Komposition verbindet Ruhe, Gelehrsamkeit und ein romantisiertes Bild des „Fernen Ostens“. Chevalier gelingt es dabei, sowohl den intimen Moment des schlafenden Mönchs als auch die lebendige Umgebung in ein ausgewogenes Verhältnis zu setzen. Nicholas Chevalier brach 1854 von London nach Australien auf, wo er zu den ersten akademisch ausgebildeten Künstlern, die in Australien wirkten. Er erlangte sowohl dort als auch international große Anerkennung. 1869 reiste er endgültig zurück nach England. In diesem Jahr schloss er sich als Künstler an Bord der HMS Galatea dem Gefolge von Alfred, Duke of Edinburgh an. Die einjährige Reise führte über den Pazifischen und Indischen Ozean mit Stationen in Tahiti, Hawaii, Japan, China, Sri Lanka und Indien. Die Begegnung mit einer Vielzahl neuer Landschaften erweiterte Chevaliers künstlerischen Horizont nachhaltig. Es ist gut möglich, dass auch die Vorlage für die vorliegende Zeichnung in dieser Zeit entstand, beispielsweise bei einem Landgang in einem buddhistischen Kloster in Ost oder Südasien.


6416
Adolph von Menzel (1815 Breslau – 1905 Berlin)
6416 nach. Japanischer Stickkünstler. Heliogravure. 23,9 x 33,2 cm. Unten rechts mit der eigenhändigen Signatur von Adolph Menzel „A v. Menzel. / 28ten Jan. [18]87“. Boetticher 102.
400 €
Auf ihrer europäischen Tournee machten im Jahr 1885 über hundert japanische Handwerker mit ihren Familien Halt in Berlin und München. War der Anblick japanischer Kunst und Objekte zu der Zeit vielen Menschen mittlerweile vertraut, hatte die Begegnung mit den Herstellern im späten 19. Jahrhundert noch das Zeug zur absoluten Sensation. Quartier bezogen die fernöstlichen Besucher in den „Japanischen Dörfern“, wo sie in nachgebauten Straßenzügen und Werkstätten ihre Fähigkeiten demonstrierten. Alle traditionellen Handwerkkünste waren vertreten, für die das kaiserliche Reich bekannt geworden war, darunter Seidensticker, Elfenbeinschnitzer und Porzellanmaler. Wie für tausende andere Besucher war die Vorführung künstlerischer und handwerklicher Fertigkeiten auch für Menzel von besonderem Interesse. Zeugnis davon legt eine Bleistiftzeichnung in der National Gallery in Washington (inv. 1971.61.2) ab, die einen Sticker bei der Arbeit in Begleitung seiner Familie zeigt. Die Zeichnung entstand für den Münchner Verlag F. Bruckmann, der die Heliogravüre verbreitete – hier vorliegend in einem vom Künstler eigenhändig signierten Exemplar.
Japan
6417 Fotografen: Adolfo Farsari (1841–1898) und weitere. Porträts und Landschaften aus Japan. 22 handkolorierte Albuminabzüge. Jeweils ca. 21 x 27 cm. Teilweise mit Titeln und Nummern im unteren Negativrand. 1890erJahre.
450 €
Diese gut erhaltene Gruppe handkolorierter Albuminabzüge vermittelt ein lebendiges Bild Japans der MeijiZeit. Zu den Höhepunkten zählen Außenszenen mit Geishas in traditioneller Kleidung, aufgenommen in Gartenanlagen oder Tempelhöfen, ebenso wie formalere Studioaufnahmen. Besonders hervorzuheben ist eine Darstellung von KabukiSchauspielern in einer theatralischen Nachstellung des historischen Rituals des Seppuku, ein Motiv, das auf die Bildwelten verweist, mit denen das vormoderne Japan für den westlichen Betrachter inszeniert wurde.
6418 Ein Paar Satsuma Vasen. Keramik, sechseckig mit gekanteter Schulter, kobaltblauer Fond mit feiner Goldmalerei, zwei Schaureserven mit vornehmen Damen beim Zeitvertreib sowie zwei Gruppen mit Samurai. Höhe je ca. 25 cm. Auf dem Boden Shimazu Mon und rechteckiger Kartuschenstempel. Japanisch, Ende 19. Jh. (MeijiZeit).
1.200 €



6417
6417
6418

Albert Berg (1825–1884, Berlin)
6419 Friedhof in Nagasaki auf Kyushu, Japan. Schwarze Kreide auf festem Velin. 27,9 x 37,8 cm. Unten links betitelt und datiert „Nagasaki [18]61“, unten rechts Annotationen in Rötel und Bleistift.
400 €
Bei dem Blatt handelt es sich um die vor Ort entstandene Vorzeichnung für die Tafel 8 in Bd. 2 von „Die Preußische Expedition nach OstAsien. Ansichten auf Japan, China und Siam, Berlin 1864“.
Japanisch
6420 1900. Zwei Ansichten des ToshoguSchreins in Nikko.
2 Zeichnungen, je Aquarell über schwarzer Kreide auf WhatmanVelin, hinter Passepartout montiert. Je ca. 34 x 51 cm. Ein Blatt unten rechts signiert „S. Suzuki / Nikko“, das andere unten links „Nikko / Y. Yoshisawa“, auf den Passepartouts vom ehem. Besitzer signiert und datiert „ARickmers 1 May 1900“ (wohl Andreas Rickmers) sowie bez. „Jyeyasu Tempel in Nikko / Japan“ bzw. „Tempel der heiligen Tänzerinnen / Jyeyasu Tempel / Nikko (Japan)“, verso dieselben Annotationen sowie auf Japanisch bezeichnet oder signiert.
4.500 €
Provenienz: Womöglich Sammlung Andreas Rickmers (1835–1924), Bremen.
Die Firmengeschichte der norddeutschen Schiffsbauer und Reederfamilie Rickmers ist eng mit Ostasien verbunden. Nachdem der Reishandel zwischen den Vereinigten Staaten und Europa infolge des amerikanischen Bürgerkrieges stark eingeschränkt war, begann die Familie Rickmers, mit eigenen Schiffen Reis aus Asien zu importieren. 1895 wurde ein regelmäßiger Liniendienst nach Ostasien aufgenommen, der Japan über Shanghai und Hong Kong ansteuerte. Für das Frühjahr 1900 – der auf unseren Zeichnungen annotierten Datierung – ist der Frachter Mabel Rickmers in Japan nachweisbar. Er löschte im April in Kobe eine Ladung Petroleum aus Amerika und setzte nach fünfwöchiger Ankerzeit wieder Segel. In dieser Zeit wurde in der Familie der Reishandel von Andreas Rickmers übernommen, dessen Beziehung zu Japan deshalb besonders eng gewesen sein dürfte. Ob er im Mai 1900 selbst geschäftlich in Japan war oder ihm die vorliegenden Aquarelle von der Besatzung der Mabel Rickmers zurückgebracht wurden, muss offen bleiben.
Die beiden Blätter zeigen je eine Ansicht des berühmten TempelSchrein Komplexes von Nikko aus dem 17. Jahrhundert rund um das Mausoleum des ersten Tokugawa Shoguns. Die erste Ansicht zeigt den Aufgang zur Schreinanlage, die man oben durch das YomeimonTor betritt. Ist dieses durchschritten, gelangt man in den Innenhof, der auf der zweiten Vedute zu sehen ist. Auf dieser ist links vorne das Gebäude festgehalten, in dem die rituellen Tänze (Kagura) stattfinden.


6420
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6421 Inrô mit Schirm und Fächerdekor. 6teiliges AufbewahrungsBehältnis. Holzgefäß mit Schwarzlackgrund (roiro) und Hiramakie in Gold, darstellend einen aufgespannten KasaSchirm mit Kranichmotiv sowie einen kleinen Handfächer mit Blütenzweigen, innen NashijiStreulack in Kupfer. 8,5 x 4,5 x 3 cm. Japan, MeijiZeit, 19. Jh.
2.400 €
Provenienz: Privatsammlung Berlin.
Das Inrô (wörtlich „Siegelbehältnis“) diente ursprünglich der praktischen Aufbewahrung kleinerer Gegenstände wie Münzen, Arzneien, Salben oder Siegel (hanko), Siegelfarbe und sonstiges Schreibzubehör der Gebildeten japanischen Oberschicht. Es zählt zu den sogenannten Sagemono („Hängeobjekten“), die – mangels Taschen in der traditionellen japanischen Kleidung – außen am Obi, dem Gürtel des Kimonos, getragen wurden. Die aus mehreren Segmenten (dan) bestehenden Gefäße sind passgenau aufeinander abgestimmt und durch einen durchlaufenden Faden oder eine Kordel miteinander verbunden, die durch seitliche Bohrungen (himotoshi) geführt wird. Am oberen Abschluss befindet sich der Deckel (ten), am unteren Ende der Boden (sokoita); innen sind die Teile oft mit glänzendem NashijiGoldlack versehen. Eine verschiebbare Perle (ojime) konnte zum Verschließen zwischen Inrô und dem Gegengewicht – einem Netsuke – sitzen, das den gesamten Komplex sicher am Obi fixierte. Während die ursprüngliche Funktionalität im Laufe der Edo und MeijiZeit zunehmend in den Hintergrund trat, entwickelte sich das Inrô zu einem Objekt höchster Kunstfertigkeit und zu einem begehrten Sammlerstück. Als Statussymbol und representatives
Schmuckaccessoire wohlhabender Kaufleute und des SamuraiStandes wurden diese Behältnisse zu aufwendig dekorierten kleinen Kunstwerken, veredelt mit Techniken wie Makie (Goldstaublack), Raden (Perlmutteinlage) oder filigranen Gravuren.
6422 Inrô mit Enten und KirschblütenzweigGolddekor.
5teiliges AufbewahrungsBehältnis. Holzgefäß mit KinjiGoldlackgrund über Entenmotiv in einer idealen Landschaft mit Kirschbäumen, innen NashijiStreulack in Kupfer. Mit sandfarbener Flechtkordel. 9,5 x 5 x 2,5 cm. Japan, MeijiZeit, spätes 18. Jh. 2.800 €
Provenienz: Kunsthandel Klefisch, Köln (1995). Privatsammlung Berlin.
6423 Inrô mit Schmetterlingsdekor.
5teiliges AufbewahrungsBehältnis. Holzgefäß mit KinjiGoldlackgrund, Hiramakie in Gold und Akzenten in Rot. Innen NashijiStreulack in Kupfer. 9,5 x 4 x 3 cm. Mit schwarzer FlechtKordel sowie einer beinernen OjimeSchmuckperle. Japan, MeijiZeit, 19. Jh. 1.200 €
Provenienz: Privatsammlung Berlin.
Inrô

Emil Orlik (1870 Prag – 1932 Berlin)
6424 Ein Schneider (Japanischer Schneider). Farbradierung mit Roulette auf Velin. 20,3 x 19,7 cm. Signiert „Emil Orlik“, datiert und bezeichnet „Probedruck“. 1902. VossAndreae R 106. 800 €
Erschienen als Blatt 15 der Mappe „Aus Japan“. Brillanter, differenzierter und wunderbar gratiger Probedruck mit dem vollen Rand. Selten
Katagami
6425 Chrysanthemenblüten und Ranken. Katagami (Färberschablone), Japanpapier, geschnitten. 25,3 x 40,8 cm. Japan, MeijiZeit, 19. Jh. 450 €
6424
Katagami


6426 Phantasie: Wolken und kleine Blätter
Katagami (Färberschablone), Japanpapier, geschnitten. 25,3 x 40,5 cm. Japan, MeijiZeit, 19. Jh.
450 €
6427 Rosenblüten, Knospen und Blätter.
Katagami (Färberschablone), Japanpapier, geschnitten, und Seidenfäden. 54 x 40,4 cm. Japan, MeijiZeit, 19. Jh.
600 €

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Spanisch
6428* um 1930. Chang and Fak Hong’s United Magicians presents a Night in Tokio. Farblithographie, kaschiert auf Karton, von Hija de E. Mirabet, Valencia. 76 x 110 cm.
450 €
Das OriginalVintagePoster „A Night in Tokio“ von Chang und Fak Hong bewirbt die spektakuläre Zauber und Illusionsshow der beiden Künstler aus den 1930erJahren. Es handelt sich um eine Lithographie, die in Spanien gedruckt wurde. Die Show wurde von den „United Magicians“ präsentiert und stellte die StarIllusionisten Chang und Fak Hong in den Mittelpunkt. Chang war der Künstlername von Juan Pablo Jesorum, einem gebürtigen Panamaer, der seine Karriere als Assistent und Dolmetscher des berühmten Magiers The Great Raymond begann. Fak Hong war ebenfalls ein westlicher Magier, der in den 1920er und 1930erJahren gemeinsam mit Chang in Europa auftrat und große Erfolge feierte. Beide Künstler waren tatsächlich nicht asiatischer Herkunft, inszenierten
sich jedoch im Stil einer fernöstlichen Revue. Dies entsprach der damaligen Faszination des westlichen Publikums für China und den „mystischen Osten“, der als geheimnisvoll und fremdartig wahrgenommen wurde.
Die originale Show umfasste zahlreiche aufsehenerregende Darbietungen, darunter das Zersägen einer Frau, das Schwebenlassen von Personen über Tischen, das Durchschießen einer Frau mit einer Kugel sowie weitere spektakuläre Illusionen. Das hier beworbene Programm trug den Titel „A Night in Tokio“ und wurde als orientalische Revue präsentiert.
Das eindrucksvolle SteinlithographiePoster unterstreicht die düstere, geheimnisvolle Atmosphäre der Show: Es zeigt Geister, Kobolde, Skelette, Einhörner und Schlangen und erzeugt so eine dunkle, beinahe unheimliche Stimmung. Chang und Fak Hong tourten nicht nur durch Europa, sondern auch durch die Vereinigten Staaten und galten in den 1920er und 1930erJahren als renommierte Vertreter der internationalen Zauberkunst. Ganz ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand. Gegilbt, Randeinrisse und kleine Papierverluste, Quetschfalten durch die Montierung.
6428

Deutsch
6429 19. Jh. und später. „Monsieur“: Portrait mit Zebrakopf.
Öl auf Leinwand. 15,4 x 13 cm.
450 €
Deutsch
6430 19. Jh. und später. „Madame“: Portrait mit Echsenkopf.
Öl auf Holz. 24 x 18 cm.
450 €

6429
6430


6431 Kunstkammerobjekt mit Pagode und Tiger. Bergkristall, Glaselemente, Messingappliken und Metallguss auf schwarzem Marmorsockel. Höhe ca. 34 cm.
500 €
6432 Kunstkammerobjekt mit Pagode und Rhinozeros. Bergkristall, Glaselemente, Jadescheibe, Messingappliken und Metallguss. Höhe ca. 28 cm.
500 €
6431
6432

Wilhelm Bülow (um 1811–1864, Berlin)
6433 Der Löwenangriff („In Afrika II“).
Lithographie. 40,5 x 53,4 cm. Nicht in Nagler, Winkler. 600 €
Die Darstellung eines verzweifelten, schon verlorenen Kampfes ist durchdrungen von dramatischer Dynamik. Sie ist angelehnt an Raden Salehs berühmter Komposition „In letzter Not“ von 1842. Doch kann sich hier der Reiter, anders als in Salehs Darstellung, nicht im letzten Augenblick an einen rettenden Ast klammern und muss mit seinem panischen Hengst und dem angreifenden Löwen, dem er noch eine tödliche Wunde versetzen konnte, in den Abgrund stürzen. Prachtvoller, gegensatzreicher Abzug mit feinem Rändchen und der Schrift unten. Selten 6433

Anton Ažbe
(1862 Dolenčice (Slowenien) – 1905 München)
6434 Portrait eines jungen Mannes, wohl aus Südostasien.
Öl auf Leinwand, doubliert. 50,8 x 44,4 cm.
3.000 €
Nach einem viersemestrigen Studium in Wien entschloss sich der in ÖsterreichUngarn geborene slowenische Maler Anton Ažbe 1884 an der Münchner Akademie weiter zu studieren. Von seinen Kollegen Ferdo Vesel (1861–1946) und Rihard Jakopiè (1869–1943) ermuntert, eröffnete Ažbe 1891 ein eigenes Atelier, wo er Unterricht erteilte und in dem man nach dem Modell zeichnen und malen konnte. Aufgrund seiner ausgezeichneten pädagogischen Fähigkeiten errang die AžbeSchule bald einen internationalen Ruf und die Zahl der Schüler an der privaten Akademie erreichte bald mehr als einhundert. Zu den später berühmtesten zählten von 1897 bis 1899 der gerade in München angekommene junge Wassily Kandinsky, der bei Ažbe auch zum erstenmal auf Alexej
von Jawlensky traf. Laut Jawlensky hatte ihr Lehrer einen vorzüglichen Sinn für Farben, das Aufflimmern des Lichtes und pflegte eine „virtuose Maltechnik“. In der National Gallery of Slovenia (Narodna galerija) in Ljubljana findet man heute ein unserem Gemälde vergleichbares, von Anton Ažbe 1889 datiertes Portrait einer unbekannten schwarzen Dame (Inv.Nr. NG S 1). Dieses frühe Portrait hing als Vorbild und zur Ermutigung der Schüler, unter dem Verzicht auf scharfe Umrisskonturen „mit Farbe zu zeichnen”, im Zeichensaal seiner Schule. Insbesonders die Darstellung dunkler Haut galt in Bezug auf Farben und Licht als anspruchsvolle Aufgabe. Im gleichen Museum findet man ein 1890 datiertes frühes Gemälde seines Kollegen Rihard Jakopiè, dem augenscheinlich derselbe Mann wie in unserem Bild Modell stand (Inv.Nr. NG S 1398, 60,5 x 48,5 cm). Ažbe litt in seinen beiden letzten Lebensjahren an Kehlkopfkrebs, dem er, erst 43 Jahre alt, erlag. Noch Jahre nach seinem Tod hatte seine Schule einen hervorragenden Ruf und wurde als „AžbeSchule“ für Malerei und Graphik bis 1913 von Paul Weinhold und Felix Eisengräber weitergeführt.


(geb. 1957, Lemery, Batangas (Philippinen))
6435 Philippinische Landschaft mit Hütte und Büffelreiter.
Öl auf Leinwand, wohl in der originalen Rahmung des Künstlers. 46 x 121,5 cm. Unten rechts signiert und datiert „ACASIO 1991“, verso auf der Rahmenabdeckung handschriftl. Werkangaben, u.a. auf Filipino betitelt „Tumana [Fruchtbares Land]“.
750 €
6436 WassermelonenErnte auf den Philippinen. Öl auf Leinwand, wohl in der originalen Rahmung des Künstlers. 91,5 x 122 cm. Unten rechts signiert und datiert „ACASIO 1991“, verso auf der Rahmenabdeckung handschriftl. Werkangaben, u.a. auf Filipino betitelt „NagAani Aig Pakwan“.
750 €
Lino Acasio
6435
6436
André Delacroix

(1878 Constantine, Algerien – 1924 Sidi Bou Saïd, Tunesien)
6437 Am Kanal von Song Tam Bac in Haiphong, Vietnam.
Öl auf Holz. 26,4 x 35 cm. Unten links signiert „A. DELACROIX“, verso eigenhändig bezeichnet und datiert „Son tam bac / Le coin de fluviales / Crépuscule gris / Mars 1911“.
1.200 €
Das Leben und die künstlerische Laufbahn des französischalgerischen Malers André Delacroix spielte sich fast ausschließlich in den Gebieten der ehemaligen französischen Kolonien und Protektorate ab. Wohin er auch reiste, begegnete Delacroix den Orten mit einer Sensibilität für die atmosphärischen und koloristischen Eigenarten der Landschaft. Nach dem Studium an der the École des BeauxArts in Algiers bereiste der rastlose Künstler Martinique, Somalien, Madagascar und la Réunion, lebte anschließend mehrere Jahre in Südostasien, ehe er sich 1920 dauerhaft in Tunesien niederließ.
Paul Wernecke (1852 Dessau – 1901)
6438 Tempelruine in Kambodscha. Feder und Pinsel in Grau auf Transparentpapier, aufgezogen. 21,4 x 31,8 cm. Unten links signiert und datiert „PWernecke 1881“, unten rechts bezeichnet „aus Cambodscha / Buch für Alle 1875“.
450 €
Magnus Bengtsson (1888–1956, Dänemark)
6439 Porträt eines Mädchens aus Java. Schwarze Kreide auf Japan. 43,2 c 37,6 cm. Unten rechts signiert und datiert „M. Bengtsson Java 1921“. 750 €
Magnus Bengtsson, ein dänischer Zeichner und Maler, begleitete Anfang der 1920erJahre die Reise des dänischen Arztes Johannes Wöller, dessen Eindrücke später in dem Reisebericht „Von Jütland bis Java. Reisetagebuch eines dänischen Arztes“ (1937) veröffentlicht wurden. Für dieses Werk schuf Bengtsson Illustrationen, die die Begegnungen, Landschaften und Alltagsszenen der Reise festhalten.
Das vorliegende Porträt zeigt den sensiblen Blick des Künstlers. Mit dem reduzierten zeichnerischen Mitteln fängt Bengtsson sowohl die Individualität der dargestellten Frau als auch die stille Würde der Pose ein. Die Zeichnung steht exemplarisch für seine während der Reise entstandenen Studien, in denen er Menschen Javas mit großer Aufmerksamkeit und Respekt porträtierte. Als selten erhaltenes Blatt aus von dieser Reise ist das Werk ein wertvolles, visuelles Dokument der dänischsüdostasiatischen Begegnungen der frühen 1920er Jahre.


6438
6439

Paul Jacoulet
(1896 Paris – 1960 Karuizawa, Präfektur Nagano)
6440 Chagrins d‘Amour „Kusaie, Est Carolines“. Farbholzschnitt auf japanischem Papier. 39,3 x 30 cm (Einfassungslinie), 44,6 x 34,4 cm (Blattgröße). Mit rotem Schmetterlingssiegel, rechts mit dem Siegel des Blockschneiders Maeda Kentaro. 1. Auflage 150 num Ex. Japan, um 1940.
400 €
Paul Jacoulet wurde in Paris geboren und wuchs überwiegend in Japan auf. Dort entwickelte er früh eine enge Bindung zur lokalen Kultur und erlernte die traditionellen Holzschnittverfahren bei japanischen Meistern. Seine Kunst verbindet klassische UkiyoeTechnik mit westlicher Porträtauffassung. Während des Zweiten Weltkriegs lebte er zurückgezogen in Karuizawa. Ganz ausgezeichneter, farbfrischer Druck mit Rand. Leicht stockfleckig, sonst schönes Exemplar.
6440

Aloys Zötl (1803 Freistadt – 1887 Eferding)
6441* „Vögel und Passionsblume – Die Lorbärblättrige Passionsblume und Tropische Bartvögel“. Bleistift und Aquarell auf Velin. 43,8 x 54,5 cm. Am Unterrand betitelt „Vögel und Pflanzen. Taf.“, sowie unten rechts signiert und datiert „Alois Zötl fecit am 15. Februar 1878“, ferner unten mittig eigenh. beschriftet: „Die Lorbeerblättrige Passions: Blume. Passifora laurifolia. Linn.) Ist ein Schlinggewächs das sich auf die höchsten Bäume aufwindet, in den tropischen Wäldern Westindiens und Südamerika. a die Frucht in wahrer Grösse gegeben nach Wilhelm. Pfanzenreich. Tom. 5. Taf. 34.“, verso seitenverkehrter Abklatsch einer großformatigen kalligraphischen Schrift: „XXVI. Gattung / Paradiesvogel / Paradisea.“
6.000 €
Literatur: Matthias Rataiczyk, Christin MüllerWenzel (Hrsg.): Mythos Tier, Das Tier in der Bildenden Kunst, Ausst. Kat. Kunstverein Talstrasse e.V., Kunsthalle, Halle/Saale 2014, S. 28 (Farbabb.). Ausst. Kat. Galerie Haas: Aloys Zötl. Bestiarien der eigenen Art, Zürich 2017, S. 31 (ganzs. Farbabb.).
Ausstellung: Mythos Tier, Das Tier in der Bildenden Kunst, Kunstverein Talstrasse e.V., Kunsthalle, Halle/Saale, 30. Oktober 2014 –18. Januar 2015.
Aloys Zötl. Bestiarien der eigenen Art, Galerie Haas, Zürich, 13. Januar – 18. Februar 2017.
Provenienz: Hôtel Drouot, Paris, Auktion am 19. Dezember 1955. Christie‘s, Paris, Sammlung Rothschild – Katalog „Le Haras d‘Estimauville – Oeuvres et Objets d‘art Provenant des Collections Rothschild“, Auktion am 27. Oktober 2010, Los 260 (mit Abb.). Privatsammlung Berlin. 6441
Tabaksdosen
6442 Tabatière.
Als Tabaksdose verarbeitete Turbanschnecke, Gehäuse geschnitzt und poliert mit freigelegtem Perlmutt, mit Silbermontierung und Scharnierdeckel, dieser mit gravierten Blumen und Muscheln, sowie mit dem Besitzermonogramm „GF“. Höhe 5 cm, Breite 4 cm, Tiefe 3,5 cm. Deutsch oder Englisch, 18. Jh.
900 €
6443 Tabatière.
Als Tabaksdose verarbeitete Zebra Turboschnecke (Cittarum Pica), Gehäuse poliert und mit teilweise freigelegtem Perlmutt, mit Silbermontierung und Scharnierdeckel, letzterer mit gravierter Blume. Höhe 4,5 cm, Breite 6 cm, Tiefe 5 cm. Deutsch oder Englisch, 18. Jh.
900 €

6444 Tabatière.
Als Tabaksdose geschnittene Cypraea Tigris, auch Tigermuschel, mit Silbermontierung und Scharnierdeckel, letzterer mit graviertem Monogramm. Höhe 4 cm, Breite 7 cm, Tiefe 4 cm. Deutsch, um 1700.
800 €
6445 Tabatière.
Als Tabaksdose verarbeitete Harfenschnecke (Harpa Davidis), Gehäuse poliert, mit Silbermontierung und Scharnierdeckel. Höhe 3,3 cm, Breite 7 cm, Tiefe 4,5 cm. Deutsch oder Englisch, um 1820.
450 €
6446 Tabatière.
Als Tabaksdose geschnittene Olivenschnecke (Olivia porphyria), Gehäuse poliert, mit Silbermontierung und Scharnierdeckel. Höhe 4 cm, Breite 8 cm, Tiefe 3,7 cm. Deutsch oder Englisch, 19. Jh.
600 €

Franz Anton von Scheidel (1731–1801, Wien)
6447 Der Schuppenpanzer einer Hawksbill‘schen MeeresSchildkröte.
Aquarell über Bleistift. 36,6 x 50,5 cm. Am oberen Bildrand eigenh. in brauner Feder betitelt: „Testudo Imbricata. Schuppenschild“. Wz. J. Honig & Zonen. 3.000 €
Als Naturalienmaler spezialisierte sich Franz Anton von Scheidel auf faszinierend getreue, meist großformatige Darstellungen aus der Tier und Pflanzenwelt. Er war einer der gefragtesten Illustratoren für die enzyklopädischen Werke der Naturwissenschaft, die bei dem gebildeten Publikum ihrer detailgetreuen Bildtafeln wegen sehr populär waren. Obwohl auch vorliegendes Blatt aus einem solchen Album entstammen dürfte, wie die alten Heftspuren am
Oberrand nahelegen, löst sich Scheidel bei diesem Aquarell doch von der Tradition der klassischen Naturaliendarstellung. Der vom Tier isoliert dargestellte Schuppenpanzer ist schräg von links oben gesehen, die bizarre Form mit den gezackten Kanten erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Der Bildgegenstand entfaltet als urzeitliches Relikt eine eigene Magie. In dieser Hinsicht entspricht das Werk den Zeichnungen des rund 70 Jahre nach ihm geborenen Aloys Zötl, dessen Aquarelle von den Surrealisten eben wegen dieser über den Gegenstand hinausgehenden eigenen Realität geschätzt wurden. Die Hawksbill‘sche MeeresSchildkröte, die meist in tropischen Meeren vorkommt und heute übrigens vom Aussterben bedroht ist, wurde erstmals 1766 von dem schwedischen Zoologen Carl Linnaeus (Carl von Linné) in der 12. Ausgabe seiner Nomenklatur Systema Naturae als „Testudo imbricata“ aufgeführt. Heute trägt sie den zoologischen Namen „Ertmochelys imbricata“.

Französisch
6448 spätes 17. Jh. Stehender Mann wohl aus dem Volk der Seminolen. Rötelzeichnung. 37 x 19 cm. Wz. IFQ.
2.400 €
Provenienz: Süddeutsche Privatsammlung.
Bei dem Dargestellten in traditioneller Tracht mit Federkopfschmuck handelt es sich wohl um ein Mitglied aus dem indigenen Volk der Seminolen (lt. Auskunft von Dr. Hans Ottomeyer, ehem. Deutsches Historisches Museum, Berlin), die im Gebiet des heutigen Florida lebten. Besonders die Mütze mit dem Federbesatz war ein typisches Requisit der Seminolen. Möglicherweise könnte die Zeichnung als Vorstudie für eine Darstellung der Allegorie des Kontinents Amerika gedient haben.
Amerikanisch
6449 Mitte 19. Jh. Schiffe auf dem Mississippi, im Vordergrund der Raddampfer Mary Jones. Aquarell, weiß gehöht, Feder und Pinsel auf Papier, auf festem Karton kaschiert. 41,5 x 64,8 cm.
800 €
Wenzel Hollar (1607 Prag – 1677 London)
6450 Americanus ex Virginia (Amerikaner aus Virginia im Alter von 23 Jahren).
Radierung. 10,3 x 7,7 cm. 1645. Pennington 2009, Turner (New Hollstein) 816 II.
600 €
Für die Zeit recht außergewöhnlich zeigt uns Wenzel Hollar einen dreiundzwanzigjährigen amerikanischen Indigenen mit tätowiertem Gesicht, teilweise rasiertem Kopf und nacktem Oberkörper, den Blick auf den Betrachter gerichtet; er trägt einen Kopfschmuck aus Tierzähnen und eine Perlen und Muschelkette. Laut George Hamell handelt es sich hierbei womöglich um einen Jacques genannten Mann aus dem Sprachgebiet der MunseeDelaware an der Ostküste Nordamerikas, der in der Kolonie Neu Niederlande gefangen und 1644 nach Amsterdam verschifft wurde, wo man ihn als menschliche „Kuriosität“ ausstellte. Ausgezeichneter, feinzeichnender Druck mit feinem Rändchen um die teils zart gratige Plattenkante. Selten
6448



Hans Paap (1894–1967, Hamburg)
6451 Bildnis einer indigenen Frau aus Taos, New Mexiko. Öl auf Leinwand. 76 x 61 cm. Unten rechts signiert und schwer leserlich bezeichnet „HANS PAAP / TAOS“.
1.200 €

6451
6452

6453
James Otto Lewis (1799 Philadelphia – 1858 New York )
6452 „WaaNaTaa or the Foremost in Battle / Chief of the Sioux tribe“. Lithographie, handkoloriert. 35,3 x 25,5 cm. (1835–1836).
600 €
Diese handkolorierte Lithographie stammt aus The Aboriginal Portfolio, einem der seltensten frühen Werke zur Darstellung indigener Persönlichkeiten Nordamerikas. Die Mappe wurde zwischen 1835 und 1836 in Philadelphia von George Lehman und Peter S. Duval veröffentlicht. Die Porträts basieren auf Zeichnungen und Gemälden des Künstlers James Otto Lewis. Der in Philadelphia geborene Künstler arbeitete als Graveur und Porträtmaler und hielt sich über viele Jahre im Gebiet der Großen Seen auf. Auf Einladung des Gouverneurs des MichiganTerritoriums, Lewis Cass, porträtierte er 1823 den ShawneePropheten Tenskwatawa. In den folgenden Jahren begleitete Lewis mehrere diplomatische Expeditionen und Vertragsverhandlungen mit indigenen Nationen der Region und fertigte dabei zahlreiche Porträts führender Persönlichkeiten an. Die Arbeiten gehören zugleich zu den frühesten größeren Lithographieprojekten der Vereinigten Staaten und dokumentieren Begegnungen zwischen der USRegierung und indigenen Gemeinschaften im Gebiet der Großen Seen. Viele der ursprünglichen Ge
mälde von Lewis gingen später verloren, etliche wurden bei dem Brand des Smithsonian Institution Building im Jahr 1865 zerstört. Die Lithographien aus The Aboriginal Portfolio sind daher heute oft die einzigen erhaltenen bildlichen Zeugnisse dieser Porträts. Ausgezeichneter Druck, links bis an die Darstellung geschnitten, oben und links knapp in diese, unten in den Text. Leicht stockfleckig und minimal gegilbt, etwas unregelmäßig beschnitten, unten links kleiner Randeinriss, sonst gut erhalten.
Max Rabes (1868 Samter, Posen – 1944 Wien)
6453 Wüstenlandschaft in Texas.
Aquarell und Gouache auf Papier, auf Karton aufgezogen. 31,7 x 39,8 cm. Unten links bezeichnet „Texas“, unten rechts signiert „MAX RABES“, verso (eigenh.?) bezeichnet „Professor Max Rabes / Wüste in Texas. (1929)“ sowie mit einem Klebezettel der Galerie Del Vecchio, Leipzig.
750 €

Paul (Pablo) Fischer (1864 Stuttgart – 1932 Torreón/Coahuila, Mexiko )
6454 Reiter bei einer Hacienda im Hochland von Mexiko.
Aquarell und Deckfarben über Bleistift auf Aquarellpapier. 19,7 x 32,4 cm. Unten rechts monogrammiert „PF[ligiert]“.
1.200 €
6454


Italienisch
6455 1. Hälfte 19. Jh. Blühende Königin der Nacht (Selenicereus grandiflorus).
Aquarell und Gouache, weiß gehöht. 41,6 x 28,4 cm. Wz. „V. Galvani“.
600 €
Ihren Namen erhielt die Königin der Nacht, die hauptsächlich in Mittelamerika, Mexiko und der Karibik beheimatet ist, aufgrund der Besonderheit, dass ihre Blüten immer nur für eine Nacht blühen, vom frühen Abend bis in die Morgenstunden. In vielen botanischen Gärten wird dies als spektakuläres Ereignis gefeiert. Beigegeben von derselben Hand ein weiteres Aquarell „Aufgehende FeuerballLilie (Scadoxus multiflorus)“.
6455
6455
Französisch
6456 19. Jh. Zwei Papageien mit grünblauem Gefieder.
Aquarell, teils mit Gummi arabicum gehöht, auf WhatmanVelin. 21,8 x 17,3 cm. Unten rechts signiert „B. de Boynes“, auf dem Rückendeckel mit dem Etikett des Künstlerbedarfs „F. Manceau, Paris“.
800 €

6457

6457 Kunstkammerobjekt mit Seeigel. Seeigelgehäuse, blaue Glaselemente, Messingappliken auf einem schwarzen Steinsockel. Höhe ca. 31 cm.
450 €
6458 Arrangement mit blauen Morphofaltern. 10 präparierte Morphofalter (Morpho menelaus alexandrovna) in einem Glassturz (Französisch, um 1850).
Ca. 40 x 30 x 30 cm.
1.200 €
Der Morphofalter, auch Himmelsfalter genannt, lebt an den lichten Rändern des tropischen Regenwaldes Mexikos, Mittelamerikas, des nördlichen Südamerikas sowie Trinidads. Aufgrund seiner intensiv blauen Flügeloberseiten, deren Farbe durch die Interferenz des Lichtes auf den Schuppen der Flügel entsteht, zählt der Schmetterling zu den schönsten Arten dieser Spezies.
6456


Charles-Othon-Frédéric Comte de Clarac (1777–1847, Paris)
6459 nach. „Forêt vierge du Brésil“ (Im brasilianischen Urwald bei Rio Bonito). Radierung und Grabstichel auf Bütten, von ClaudeFrançois Fortier, koloriert und weißgehöht. 67,2 x 82,3 cm. (1822). Nicht im IFF, P. Corrêa do Lago, L. Frank: Le comte de Clarac et la Forêt vierge du Brésil, Ausst.Kat. Paris 2005, S. 16.
1.800 €
Die Pracht der brasilianischen Tropenwälder war in Europa bis ins frühe 19. Jahrhundert weitgehend unbekannt. Dafür sorgten die portugiesischen Kolonialherren, die das Land jahrhundertelang fast hermetisch abriegelten. War noch Alexander von Humboldt die Einreise verwehrt worden, öffneten sich die Grenzen schließlich 1808 mit der Flucht des portugiesischen Hofes nach Rio de Janeiro. Erstmals konnten Naturforscher, Ethnographen und Künstler in das Dickicht der Selva eindringen. Eine der ersten Darstellungen d‘aprés la nature des Urwaldes stammt von Charles de Clarac. Der später vor allem als Archäologe bekannt gewordene Graf war ein begab
ter Zeichner, der sich 1816 im Gefolge einer diplomatischen Gesandtschaft für mehrere Monate in Brasilien aufhielt. Bei Rio Bonito begann Clarac mit der Anfertigung einer großformatigen Dschungelansicht. Obgleich die majestätische Naturauffassung zeittypisch romantisiert und die Komposition von Clarac aus beobachteten Elementen konstruiert ist, gilt seine Forêt vierge du Brésil aufgrund des Detailreichtums heute als erste „authentische“ Repräsentation des brasilianischen Tropenwaldes (Paris, Musée du Louvre, Inv. 53002). Das 1819 im Pariser Salon ausgestellte Aquarell geriet zur Sensation, sah ein breites Publikum doch zum ersten Mal ein Bild der üppig wuchernden, ursprünglichen Naturpracht.
Aufgrund des Erfolges war die Nachfrage für eine druckgraphische Übersetzung der Komposition gegeben. Die Wahl fiel auf den Stecher ClaudeFrançois Fortier, der seine großformatige Radierung 1822 ebenfalls auf dem Salon präsentierte.
Erstdruck mit dem Stempel Fortiers (Lugt 6223: „Le cachet avec un palmier dans un ovale se trouve sur des premiers tirages“). Ausgezeichneter Druck mit fein ausdifferenziertem Kolorit und schmalem Rand, unten mit feinem Rändchen. Außerordentlich selten, laut Corrêa do Lago und Frank existieren nur ca. 12 Drucke mit dem Stempel Fortiers.


Mark Fairnington (geb. 1957, Gateshead, County Durham – lebt und arbeitet in London)
6460 Rotohramadine (Stagonopleura oculata), Orchidee (Stanhopea tigrina) und Kannenpflanze (Nepenthes).
Öl auf Leinwand. 81,5 x 66,5 cm. Signiert und datiert auf dem Keilrahmen verso „Fairnington 2000“.
2.400 €
Provenienz: Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam.
Der Schriftsteller, Kritiker, Kurator und Collagenkünstler Andrew Lambirth: „Fairnington verzerrt Maßstäbe, ordnet Arten neu und schafft neue, zweifelhafte Zufallskombinationen. Er bringt das Geheimnisvolle zurück in die Wissenschaft und erinnert uns daran, dass wir nicht alles wissen, dass vieles noch immer nicht erklärbar ist. Die Spannung zwischen den Elementen in seinen Gemälden wird bildlich aufgelöst, hinterlässt jedoch eine subtile Spannung –
einen Funken Zweifel –, den der aufnahmebereite Betrachter aufnehmen kann.“ Dies zeigt auf beeindruckende Weise unser Gemälde: die Rotohramadine aus der Familie der Prachtfinken lebt ausschließlich in Australien, die Stanhopea tigrina kommt aus Mexiko, Bolivien und Brasilien, und das Verbreitungszentrum der fleischfressenden Kannenpflanze liegt in Indonesien, Malaysia und den Philippinen. Abbildung Seite 133
Österreichisch
6461 19. Jh. Amazonenpapagei mit einer Frucht. Öl auf Karton. 23,5 x 18,2 cm.
1.200 €
6461

Bernhard Wiegandt (1851 Köln – 1918 Bremen)
6462 Brasilianischer Urwald. Aquarell auf Velin. 34,9 x 24,8 cm. Unten rechts signiert „B. Wiegandt Rio [18]79“.
1.800 €
Zwischen 1875 und 1880 lebte Bernhard Wiegandt auf Einladung seines Bruders in Brasilien. In diesen Jahren widmete er sich intensiv der Darstellung tropischer Landschaften, urbaner Szenerien und alltäglicher Beobachtungen, die er vorwiegend in Aquarellen festhielt. Mit leichter, zugleich präziser Handschrift fangen die Blätter Atmosphäre, Licht und Vegetation der Region ein und zeugen von einem wachen, dokumentarischen Blick.
6462

Paul (Pavel Konstantinovich) Gagerin (1885 wohl Tiflis – 1980 wohl Rio de Janeiro)
6463 Rio de Janeiro.
Öl auf Leinwand. 48 x 38,3 cm. Unten rechts in der nasse Farbe signiert, datiert und bezeichnet „Principe P. Gagerin 1937. Rio.“.
1.200 €
Francisco Coculilo (1895–1978, Rio de Janeiro)
6464* Bucht von Rio mit Blick auf den Zuckerhut und den Moro da Urca. Öl auf Platte. 25 x 33,8 cm. Unten rechts signiert „F Cocolilo Rio“.
600 €
Rudolf Jacobi (1889 Mühlhausen – 1972 München)
6465 Yachthafen auf Puerto Rico. Öl auf Leinwand. 56,3 x 91,4 cm. Unten rechts signiert und datiert „Rudolf Jacobi 63.“ Keilrahmen der Firma Anco Bilt, Glendale (Queens), NY.
800 €
Jacobi studierte an der Kunstakademie Berlin und arbeitete danach als freischaffender Maler. 1923 heiratete er die Malerin Anna Ottilie KrigarMenzel, genannt Annot. Zusammen eröffneten sie 1928 in Berlin die Malschule „Annot“. Jacobi war Mitglied der Berliner Secession und stellte zusammen mit u.a. Lovis Corinth, Max Liebermann, Max Pechstein, Max Slevogt, Wilhelm Trübner und Fritz von Uhde aus. Als das Ehepaar sich 1933 weigerte, jüdische Schülerinnen von ihrer Malschule zu verweisen, veranlassten die Nazis die Schließung der Schule. Beide emigrierten in die USA und gründeten 1934 in New York im Rockefeller Center die „Annot Art School“. Jacobi war eng mit dem katalanischen Cellisten Pau Casals befreundet, den er mehrfach porträtierte. Casals seinerseits übersiedelte
6463


nach dem Sieg Francos 1939 nach Puerto Rico. Die Jacobis, die sich wie Casals für Friedens und Hilfsorganisationen engagierten, zogen 1956 zu dem engen Freund nach Puerto Rico, wo sie bis 1967 lebten. Anschließend kehrte das Ehepaar nach Deutschland zurück und arbeitete bis zu seinem Ableben als freischaffende
Künstler in München. Gemälde Jacobis findet man neben den Berliner auch in mehreren amerikanischen Museen, darunter dem Metropolitan Museum, sowie im Museum Kunst der Verlorenen Generation, Salzburg.
6464
6465

Franz Blaschek (1787–1868, Wien)
6466 Studienblatt der Aram Dracunculus (Gemeine Drachenwurz).
Aquarell und Deckfarben auf C & I HonigBütten.
58,5 x 44,3 cm. Unterhalb der Darstellung signiert „Fr. Blaschek“ und am Unterrand in Bleistift betitelt „Aram Dracunculus.“.
1.500 €
Provenienz: Privatsammlung Wien.
Die ursprünglich aus der Türkei stammende und bis in den östlichen Mittelmeerraum verbreitete Drachenwurz wurde bereits in der Antike wegen ihres schlangenartigen Blütenstandes mit mythischen Kreaturen und Lindwürmern in Verbindung gebracht. In vielen Kulturen diente die Pflanze als Schutzsymbol gegen böse Geister und negative Energien.

Robert Krause (1813 St. Petersburg – 1885 München)
6467 Der Vulkan Antuco in Chile. Öl auf Leinwand. 27 x 40,5 cm. Unten rechts monogrammiert und datiert „RK 1847“.
3.000 €
Literatur: Rechenschafts-Bericht des ... Kunst-Vereins in München für das Jahr 1847, München 1848, S. 56, Nr. 28. Provenienz: Ankauf durch den Münchner Kunstverein 1848, durch diesen verlost.
Süddeutsche Privatsammlung.
Bereits mit 21 Jahren erkundete Robert Krause Chile und Peru auf seinen kaufmännischen Reisen nach Südamerika. Seine in Chile
geknüpfte Bekanntschaft mit Charles Darwin und dem Maler Moritz Rugendas werden sein Interesse, die einzigartige und dramatische Landschaft der Andenregion festzuhalten, befeuert haben. Gemeinsam mit Rugendas bestieg Krause 1837/38 als einer der ersten Europäer den aktiven Vulkan Antuco und durchwanderte ganz offensichtlich das am Fuße liegende Seengebiet des Laguna de La Laja. Mit einer außergewöhnlichen Detailgenauigkeit und beflügelnder Lichtstimmung gibt Krause im Gemälde Flora und Fauna des ca. 1370 m über dem Meeresspiegel liegenden Vulkansees wieder, darunter Kakteen, Rosen und eine Herde Guanacos. Sein Werk, 1848 im Münchner Kunstverein ausgestellt, spiegelt das mit Alexander von Humboldts Reisen erneuerte Interesse an der Erforschung Lateinamerikas durch Künstler und Naturwissenschaftler.
6467
Helmut Ditsch
(geb. 1962 in Villa Ballester, Provinz Buenos Aires)
6468 „Time XIX“.
Acryl und Öl auf Leinwand. 87 x 100 cm. Verso in rotbraunem Stift eigenh. betitelt, datiert und signiert „TIME XIX / 87 x 100 / Acryl / Oil / Canvas / 2005 / Helmut / HELMUT DITSCH“.
15.000 €
Provenienz: Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam.
Die Erhabenheit der Bergwelt, ob in den argentinischen Anden oder in den österreichischen Alpen, beschäftigt Ditsch seit 1985. In fast altmeisterlich sorgfältiger Manier widmet er sich dem zerborstenen, in verschiedenen Blautönen schimmernden Gletscher, dem Glaciar Perito Moreno in Patagonien, und erzielt mit der feinsinnigen Gestaltung von Licht und Schatten einen nahezu hyperrealistischen Effekt. Die Elemente Wasser, Eis und Luft scheinen als Naturphänomene durch seine Malerei Gestalt anzunehmen und als Ausdruck von Unvergänglichkeit einen metaphysischen Aspekt zu offenbaren. Ab 1988 studierte Ditsch, der als Extrembergsteiger auch selber diesen Elementen immer wieder existenziell ausgesetzt war, Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien.



6470
Franz von Lenbach (1836 Schrobenhausen – 1904 München)
6469 Bildnis des Polarforschers Fridtjof Nansen. Öl auf Malkarton. 78,5 x 66,5 cm. Oben rechts signiert und datiert „F. Lenbach 1899“.
6.000 €
Provenienz: Lempertz, Köln, Auktion am 15. Mai 1999, Los 1436. Süddeutsche Privatsammlung.
Als einer der großen Polarforscher ist Fridtjof Nansen in die Geschichte eingegangen. Ende des 19. Jahrhunderts durchquert der Norweger als Erster das eisige Innere Grönlands auf Skiern und macht sich daneben als Pionier der damals noch jungen Neurologie einen Namen. Die Polarforschung hat den studierten Zoologen bereits fest in ihren Bann gezogen. Als Nansen 1896 von einer weiteren Expedition, diesmal zum Nordpol, mitsamt seinem Team unversehrt zurückkehrt, ist sein Ruhm endgültig zementiert. Eine etwas kleinere Ölstudie ebenfalls aus dem Jahr 1899 mit dem Bildnis Nansens bewahrt das Oslo Museum.
Roald Amundsen (1872 Borg – 1928 nahe der Bäreninsel)
6470 Roald Amundsen: MaudExpedition in die Arktis: Ehrenurkunde für Hakon H. Hammer. Feder in Schwarz, schwarze Kreide mit Goldhöhungen und Aquarell auf Velin von Yngvar Sonnichsen (1878 Oslo – 1938 Seattle). 38,5 x 28,9 cm. Unten rechts monogrammiert „YS“ (ligiert), mit der eigenhändigen Unterschrift von Roald Amundsen
750 €
Roald Amundsen lernte Hakon Hedemann Hammer 1921 in Seattle kennen. Der 1886 in Dänemark geborene Hammer fungierte fortan als Finanzier für Amundsens Durchfahrung der Nordostpassage mit dem Forschungsschiff Maud, das am unteren Bildrand gezeigt ist. Oben erscheint der von Amundsen und seiner Crew gezähmte Eisbär Marie.

6471
Alexander von Riesen (1892 Moskau – 1964 Berlin)
6471 Eiskathedrale.
Öl auf Faserplatte. 80 x 60 cm. Unten links signiert und datiert „A. von Riesen 1919/1924“.
2.400 €
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Unter blassblauem Himmel hat sich in einer von Menschen unbewohnten Gegend Eis zu einer grandiosen Formation aufgetürmt, die an eine Kathedrale der Gotik erinnert. Der aus Moskau stammende und in Berlin wirkende Künstler Alexander von Riesen war fasziniert von außergewöhnlichen Naturphänomenen, die er in seinen ungewöhnlichen Gemälden festhielt.

Hannes von der Fecht
(geb. 1980 in Bremen)
6472 LomonossowRücken im Arktischen Ozean. Fine Art Print auf Hahnemühle Photo Rag. 82 x 82 cm. 2004.
600 €
Im Spätsommer 2004 startete eine Forschungsexpedition vom norwegischen Tromsø in Richtung Nordpol. Die Arctic Coring Expedition (ACEX) war Teil eines internationalen Forschungsprogramms, an dem Europa, die USA, Kanada und Japan beteiligt waren. Über mehrere Wochen wurden Sedimentproben aus dem arktischen Ozeanboden am LomonossowRücken entnommen, die Einblicke in die Klima und Umweltgeschichte der Arktis lieferten – mit der überraschenden Erkenntnis, dass die Region vor über 50 Millionen Jahren tropisch war.
An Bord befand sich auch der Fotograf Hannes von der Fecht, der die Expedition aus künstlerischer Perspektive dokumentierte. Seine Aufnahme, die rund 200 Kilometer vom Nordpol entfernt entstand, vermittelt die existenzielle Einsamkeit des Menschen angesichts der Weite des Eises – ein Gefühl von Isolation, das sich trotz der Präsenz zahlreicher Expeditionsteilnehmer einstellte. Durch lange Belichtungszeiten unter diffusen Lichtverhältnissen entsteht eine Bildsprache zwischen Dokumentation und Abstraktion, ein „Kratzen am Sichtbaren zwischen Kunst und Wissenschaft“, so der Fotograf. Zugleich ist das Bild ein historisches Zeugnis einer Landschaft, die sich seither unwiederbringlich verändert hat. Seine Fotos von der Expedition wurden u.a. im National Geographic und der New York Times veröffentlicht.
6472

Italienisch
6473 17./18. Jh. Atlantis.
Pietra Paesina (Ruinenmarmor), aus zwei Platten zusammengesetzt, gefasst in hellem Marmor. 12,4 x 30,2 cm. Gerahmt.
1.800 €
Als Ruinenmarmor oder Florentiner Marmor werden Steine bezeichnet, die trotz ihres Namens kein echter Marmor sind. Bei Pietra Paesina handelt es sich um eine besondere Form von Sedimentgestein, das aus verdichtetem Kalkstein und Ton entstanden ist und in den nördlichen Apenninen vorkommt. Äußerlich wirken die Kalksteine zunächst eher unscheinbar, doch im Inneren zeigen sich beim Aufschneiden faszinierende, landschaftsähnliche Muster. Diese natürlichen Zeichnungen sind das Resultat geologischer Prozesse, die bereits vor rund 50 Millionen Jahren einsetzten. In ganz Europa fand Ruinenmarmor vielfältige Verwendung, etwa für Möbeleinlagen (Intarsien), für Mosaikarbeiten oder als dekorativer Hintergrund in bestimmten Ölgemälden.
6473

Eugène von Guérard (1811 Wien – 1901 London)
6474 Umkreis. Sonnenaufgang über den Sarah Anne Rocks an der Westküste Tasmaniens, Australien. Öl auf Leinwand. 37,7 x 55 cm.
4.500 €
Die Küstenfelsen Westtasmaniens zeigen eine außergewöhnliche Vielfalt, geprägt von einer komplexen geologischen Entwicklung. In der Region West Coast Tasmania treten sehr alte Gesteine wie widerstandsfähige Quarzite neben stärker verwitterungsanfälligen Sedimenten auf. Diese Unterschiede bestimmen die Formen der Küste: Massive, steil aufragende Klippen wechseln mit zerklüfteten Buchten, Höhlen und isolierten Felstürmen. Ein eindrucksvolles Beispiel sind die Sarah Anne Rocks – markante, aus dem Meer ragende Felsformationen, die durch selektive Erosion härterer Gesteinsschichten entstanden sind und wie Felsskulpturen in den Himmel ragen. Wind, Wellen und tektonische Hebungen formen diese
Küstenlandschaft bis heute und machen sie zu einem dynamischen Zeugnis erdgeschichtlicher Prozesse. Diese dramatische Vielfalt an Formen, Farben und Strukturen blieb lange Zeit nur wenigen Menschen außerhalb Australiens bekannt. Im 19. Jahrhundert war der Kontinent für europäische Reisende äußerst entlegen und nur sehr wenige Maler nahmen die beschwerliche Reise auf sich, um diese Landschaften mit eigenen Augen zu sehen und ihre Eindrücke festzuhalten. Zu ihnen gehörten etwa Eugène von Guérard und auch Nicholas Chevalier (1828–1902, siehe Los 6415). Mit ihren Gemälden brachten sie nicht nur die geologische Eigenart und monumentale Weite der australischen Küsten in die europäischen Salons, sondern auch Bilder einer bis dahin kaum bekannten Natur und Lebenswelt. Ihre Werke vermittelten Heimatländern eine Vorstellung der Erhabenheit und Tiefe dieses fernen Kontinents – und machten Landschaften wie jene Westtasmaniens zu einem Teil des kulturellen Gedächtnisses weit über die Grenzen Australien hinaus.
6474


Sowjetunion
6475 Kosmodrom Baikonur 1983.
30, auf dicken Kartonbögen festmontierte Farbphotos der Zeit (je ca. 18,5 x 13,6 cm), in rotem OriginalLeinen Album (20,8 x 26,5 cm) mit goldgeprägter DeckelVignette und DeckelTitel in Kyrillisch „Kosmodrom / Baikonur / 1983“. Sowjetunion, 1983.
800 €
Die Photos zeigen mehrere SojusRaketen, wichtige Gebäude und Denkmäler der Stadt Baikonur, die bis 1995 noch Leninsk hieß, im südlichen Kasachstan und des ca. 38 km entfernten gleichnamigen Kosmodroms. Die Stadt wird seit Ende 1994 bis 2050 von Russland gepachtet, steht unter russischer Verwaltung und bildet daher einen eigenständigen Distrikt. 11 Photos zeigen 14 sowjetische Kosmonauten, darunter Juri Gagarin, German Titov und Valentina Tereshkova, 1963 die erste Frau im Weltraum, sowie in chronologischer Reihenfolge die Startbesatzungen der SojusFlüge 30–31, 33, 36–40, darunter die jeweils ersten Kosmonauten der Länder Polen, Bulgarien, Ungarn, Deutschland (Sigmund Jähn), Vietnam, Kuba, der Mongolei und Rumänien.
6475

Sowjetunion
6476 1960er Jahre. Porträt des Weltraumpioniers und sowjetische Kosmonauten Yuri Gagarin. Öl auf Malkarton, auf Holzplatte aufgezogen. 56,5 x 41,8 cm. Verso mit Bleistift bezeichnet „Tschkalov“ und mit Filzstift bezeichnet „Yuri Gagarin“.
2.800 €
6476
NASA

(National Aeronautics and Space Administration)
6477 Neil Armstrong, Michael Collins und Buzz Aldrin – Die Astronauten der Apollo 11 Mission. Farbiger Portraitdruck mit eigenhändigen Signaturen in grünem, blauem und schwarzem Filzschreiber „Neil Armstrong“, „M Collins“ und „Buzz Aldrin“. Ca. 20,3 x 25,3 cm.
750 €
Provenienz: Aus der Sammlung Adolf Ezsöl (1942–2025, Schwechat bei Wien).
Die drei Astronauten Armstrong, Aldrin und Collins starteten am 16. Juli 1969 mit einer SaturnVRakete vom Kennedy Space Center in Florida und erreichten am 19. Juli die vorgesehene Mondumlaufbahn. Während Collins im Kommandomodul des Raumschiffs Columbia zurückblieb, setzten Armstrong und Aldrin am nächsten Tag mit der Mondlandefähre Eagle auf dem Erdtrabanten auf. Wenige Stunden später betrat Armstrong als erster Mensch den Mond, kurz danach auch Aldrin. Nach einem knapp 22stündigen Aufenthalt startete die Landefähre wieder von der Mondoberfläche und kehrte zum Kommandoschiff zurück. Das vor ihrer Mondlandung aufgenommene, dann im OffsetVerfahren gedruckte Farbfoto wurde offiziell von der NASA mit gedruckten Signaturen oder aber auch mit Hilfe von Schreibautomaten in Tinte herausgegeben,
und ist in diesen Versionen weit verbreitet. Unsere Unterschriften weisen weder die typischen Kennzeichen einer AutopenSignatur auf, noch sind sie in einer der Datenbanken zu finden, die diese automatisierten Unterschriften verzeichnen (z.B. http://astroautopens.com/index.shtml). Es wird kolportiert, dass der Sammler für sein 1969 in Schwechat gegründetes „Zeitgeschichtliches Archiv Adolf Ezsöl“ die NASA des öfteren unter wechselnden Namen aber stets mit derselben Adresse mit der Bitte um Originalsignaturen verschiedenster Astronauten kontaktierte.
Wilhelm Kranz (1853 Braunschweig –1930 Berlin)
6478 Ideale Mondlandschaft: Blick aus einem Mondkrater auf die Erde. Öl auf Leinwand. 80 x 119,8 cm.
4.500 €
Das 19. Jahrhundert war eine Zeit des rasanten Wandels in der Astronomie. Sie erlangte im Bewusstsein der Öffentlichkeit an immer größerer Bedeutung. Mag unser Gemälde für den heutigen Wissensstand wie eine überbordene Phantasie erscheinen, stellte es zu seiner Zeit jedoch den Anspruch, zwar visionär, aber auch

populärwissenschaftlich realitätsnah zu sein. Zeitlich zu verorten zwischen den Abenteuerromanen De la Terre à la Lune, trajet direct en 97 heures 20 minutes (1865) und seiner Fortsetzung Autour de la Lune (1870, dtsche. Ausgaben 1873), des französischen Autors Jules Verne, bei denen die Landung auf dem Mond noch scheitert, und dem aus umwerfender Naivität und beeindruckendem tricktechnischen Erfindungsreichtum bestehendem Meisterwerk des französischen Filmpioniers Georges Méliès Le voyage dans la lune (1902), bekannt für die Szene, in der eine Raumkapsel im Auge des Mondes landet, und in der die Raumfahrer letztendlich von den Mondbewohnern, den Seleniten, vertrieben werden, greift unsere Mondlandschaft eher der Ästhetik des 30 Jahre später entstandenen Meisterwerkes Fritz Langs, Die Frau im Mond, voraus. Für diesen Film stand Fritz Lang als wissenschaftlicher Berater Hermann Julius Oberth zur Seite, bekannt geworden mit seinem 1929 erschienenem, epochalen Werk Wege zur Raumschiffahrt , einer erweiterten Fassung seiner 1923 verfassten Diplomarbeit Die Rakete zu den Planetenräumen. Diese „Bibel der Raumfahrttechnik“ sollte schließlich auch Werner von Braun maßgeblich beeinflussen. Der in Braunschweig geborene Maler und Illustrator Wilhelm Kranz studierte in Genf und Berlin. Seit Gründung der Berliner Urania 1888, einer über Deutschland hinaus bekannten Kultur und Bildungseinrichtung mit öffentlicher Sternwarte, wissenschaftlichem Museum, experimentellem wissenschaftlichem Theater und physikalischem Kabinett, deren Ziel es war, wissenschaftliche Erkenntnisse auch
einem Laienpublikum zugänglich zu machen, war Kranz Vorstand der Abteilung „Wissenschaftliches Theater“. Er schuf u.a. zahlreiche Bühnenbilder für wissenschaftliche Vorträge und farbige Lichtbilder für die sogenannten Projektions und ExperimentalVorträge. Der erste Direktor der Urania, Max Wilhelm Meyer, ein Schulfreund von Kranz in Braunschweig, verzeichnete zudem in seinem 1892 erschienenem Führer durch die Sammlung in den Korridoren der Sternwarte zwei „auf den Schwingen der wissenschaftlich geleiteten Phantasie“ gezeichnete Bilder von Wilhelm Kranz, beide „ideale Mondlandschaften“ darstellend (Wilhelm M. Meyer: Illustrirter Leitfaden der Astronomie, Physik und Mikroskopie in Form eines Führers durch die Urania zu Berlin, Berlin 1892).
Ende 1889 besuchte Thomas Alva Edison in Begleitung von Werner von Siemens die Urania. Das Wissenschaftliche Theater wurde im Anschluss zu einer Tournee durch Städte an der Ostküste der USA eingeladen. Meyer und Kranz machten sich auf die Reise nach New York. Die Theaterstücke „Von der Erde bis zum Monde“ (als „A Trip to the Moon“ ins Englische übersetzt) und die „Geschichte der Urwelt“ wurden u.a. in New York in der damals neuen Carnegie Hall aufgeführt. Wilhelm Kranz war auch als Illustrator mehrerer populärastronomischer Werke tätig. Im Auftrag des 1906 gegründeten Deutschen Museums in München schuf Kranz 1919 das großformatige Gemälde mit der Aufschrift „W. Kranz / Landschaftsgemälde / Phantasiebild einer idealen Mondlandschaft / von der aus ein Beobachter unsere Erde erblickt“ (Inv.Nr. 47582).



Kranz
6479 Idealansicht des Jupiter mit seinen vier Galileischen Monden von der Oberfläche des Mondes Amalthea aus gesehen. Gouache auf dünnem, festem Zeichenkarton. 36 x 46,6 cm. Verso mit Bleistift nummeriert „1“.
1.500 €
Die vier größten Monde des Jupiter, Io, Europa, Ganymed und Kallisto, wurden im Januar 1610 von Galileo Galilei entdeckt. Damit wurde zum ersten Mal bewiesen, dass es Himmelskörper gibt, die sich nicht unmittelbar um die Erde drehen. Da dies ein Widerspruch zum offiziellen geozentrischen Weltbild der Kirche war, wurden seine Forschungen von einflussreichen Kreisen bekämpft oder nicht anerkannt. Professoren in Florenz weigerten sich sogar, durch sein Teleskop zu sehen. Der fünfte und letzte Mond Jupiters, der teleskopisch entdeckt wurde, war Amalthea. Edward Barnard fand ihn am 9. September 1892 mit dem 36 ZollRiesenteleskop des LickObservatoriums auf dem Mount Hamilton in Kalifornien.
6480 Idealansicht des Saturn mit seinen fünf Monden Titan, Iapetus, Rhea, Thetys und Dione sowie ein Komet.
Gouache und Spritztechnik. 36,6 x 46 cm. Verso mit Bleistift nummeriert „3“.
1.500 €
Den größten Saturnmond, Titan, fast doppelt so groß wie unser Erdmond, entdeckte Christiaan Huygens 1655 mit seinem selbstgebauten Teleskop. Zwischen 1671 bis 1684 erhöhte Giovanni Domenico Cassini, damals Direktor des Pariser Observatoriums, die Anzahl um vier weitere Monde. Die von ihm erstmals beobachtete größte Lücke im Saturnring wird nach ihm Cassinische Teilung genannt.
6481 Idealansicht des Mars mit seinen beiden Monden Phobos und Deimos.
Gouache und Spritztechnik, auf Karton aufgezogen. 36 x 47,6 cm.
1.500 €
Die frühe Annahme, dass der Mars zwei Monde hat, geht auf Johannes Kepler zurück, der sie im Jahr 1610 nach der Entdeckung der vier Galileischen Monde postulierte, weil er im Sonnensystem von harmonischen Verhältnissen überzeugt war. Die sehr kleinen Monde visuell zu entdecken war deutlich schwieriger, da sie ungewöhnlich nahe ihrem Planeten sind und deswegen von diesem stark überstrahlt werden. Die Sichtung beider gelang schließlich im August 1877 dem amerikanischen Astronomen Asaph Hall mit einem 24Zoll Refraktor am U.S. Naval Observatory (USNO) in Washington.
Wilhelm
6481

6482 Manuskript Himmelsglobus nach Vincenzo Coronelli.
Der Globus als Pappmachékugel mit Papiersegmenten bezogen und mit Ölfarben bemalt, in großer Kartusche bezeichnet „Orbis Coelestis Typus, Opus d. P. Coronelli Min Conventi. Serenissimaque Reipublia Venetae Cosmographo in coactum. Societatis Gallice Sumptibus Abiolatum Lutetiae Parisiorum Anno R.S. MDCXCIII. Delia annotatus Dea R.“. Montiert auf prunkvollem Bronzefuß über ebonisierter Holzbasis. Durchmesser Globus ca. 48 cm, Höhe mit Fuß ca. 95 cm. Italien 19./20. Jahrhundert.
4.500 €
Sehr schöne farbenprächtige und dekorative Kopie in Manuskript vom 1693 erstmals erschienenen Himmelsglobus Coronellis. Vincenzo Coronelli (1650–1718), Venedig, einer der bedeutendsten Kosmographen seiner Zeit, Berater des Kaisers und des Papstes, gründete 1684 eine der ersten wissenschaftlichen Vereinigungen, die „Accademia Cosmografica degli Argonauti“, deren Mitglieder vorwiegend zum Hochklerus und zur Hocharistokratie gehörten. 1686 begann Coronelli mit der Herstellung von Erd und Himmelsgloben mit den Durchmessern von 5 bis 110 cm. Vgl. AllmayerBeck: Modelle der Welt, Brandstätter 1997.
6482
Register
A
Acasio, Lino 6435 6436
Alizard, Joseph Paul 6340
Allen, Anne 6404
Amundsen, Roald 6470
Ažbe, Anton 6434
B
Basoli, Antonio 6346
Beauvarlet, Jacques Firmin 6323
Bengtsson, Magnus 6439
Berg, Albert 6419
Bergen, Claus 6329 6330
Besler, Basilius 6304
Blaschek, Franz 6466
Bodenehr I., Gabriel 6333
Bossi, Benigno 6389
Boucher, François 6402
Breling, Heinrich 6316
Bridgman, Frederic Arthur 6327
Bry, Theodor de 6318
Bülow, Wilhelm 6433
C
Chevalier, Nicolas 6415
Chodowiecki, Daniel
Nikolaus 6394
Clarac, Charles Othon
Frédéric Comte de 6459
Coculilo, Francisco 6464
Corrodi, Hermann David Solomon 6354
Custos, Dominicus 6324
D
Dagnan Bouveret, Pascal Adolph 6357
Dauzats, Adrien 6311
Delacroix, André 6437
Delacroix, Eugène 6306
Ditsch, Helmut 6468
Dufaux, Gabriel 6325
Dürer, Albrecht 6302
F
Fairnington, Mark 63906391, 6460
Fecht, Hannes von der 6472
Fiedler, Bernhard 6341 6342
Fischer, Ludwig Hans 6332
Fischer, Paul (Pablo) 6454
Foote, Edward K. 6315
Fossati, Gaspare 6310
G
Gagerin, Paul (Pavel
Konstantinovich) 6463
Geyer, Alexius 6370
Gleich, John 6377
Guérard, Eugène von 6474
H
Hauptstock, A. 6388
Hildebrandt, Eduard 6351
Hollar, Wenzel 6308, 6358, 6450
I J
Israel, Daniel 6322
Jacobi, Rudolf 6465
Jacoulet, Paul 6440
K
Kips, Alexander 6368
Königsbrunn, Hermann
Freiherr von 6383
Kosler, Franz Xaver 6343
Kranz, Wilhelm 6478 6481
Krause, Robert 6467
Kuhnert, Wilhelm 6412
Kunft, Alfred 6376
L
Laule, Johann Baptist 6371
Lenbach, Franz von 6469
Lewis, James Otto 6452
Lindner, Ferdinand 6367
Löffler, August 6339
Lorch, Melchior 6300 6301
Lüschwitz Koreffski, Arnold 6375
M
Mansfeld, Johann E. 6401
Maskowski, Marceli 6321
Menzel, Adolph von 6416
Miceu, Giuseppe 6373
Müller, Leopold Carl 6355
N
Nahl, Karl (Charles) Christian 6326
NASA 6477
Neuenborn, Paul 6352
O
Orlik, Emil 6424

P
Paap, Hans 6451
Paoletti, Rudolf 6314
Pillement, Jean Baptiste 6410
R
Rabes, Max 6453
Regnault de Maulmain, Émile 6334
Ridinger, Johann Elias 6361
Ridinger, Martin Elias 6347
Riesen, Alexander von 6471
Roberts, David 6345
Roubaud, Franz 6374
Rubens, Peter Paul 6360
S
Sattler, Hubert 6335
Scheidel, Franz Anton von 6447
Shepherd, David 6362
Sowjetunion 6475 6476
Swebach, Jacques François 6344
T
Tischbein, Johann Heinrich Wilhelm 6359
W
Wilhelm 6359
Trapp, Hede von 6405
Wang, Jin 6409
Warnia Zarzecki, Joseph 6328
Wernecke, Paul 6438
Werner, Carl Friedrich
Heinrich 6337 6338
Wiegandt, Bernhard 6462
Y Z
Yiyong, Zhu 6407
Zenoi, Domenico 6317
Zötl, Aloys 6441
VERSTEIGERUNGS-BEDINGUNGEN
1. Die Galerie Gerda Bassenge KG, nachfolgend Versteigerer genannt, versteigert als Kommissionärin im eigenen Namen und für Rechnung ihrer Auftraggeber (Kommittenten), die unbenannt bleiben. Die Versteigerung ist freiwillig und öffentlich im Sinne des § 383 III BGB.
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4. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchstbietenden. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vorbehalt erteilen. Wenn mehrere Personen dasselbe Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut ausbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchstbietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel über den Zuschlag bestehen.
5. Im Falle eines schriftlichen Gebotes beauftragt der Interessent den Versteigerer für ihn während der Versteigerung Gebote abzugeben. In schriftlichen Aufträgen ist bei Differenzen zwischen Nummer und Kennwort das Kennwort maßgebend.
6. Telefonische Gebote und Online-Direkt-Gebote über das Internet bedürfen der vorherigen Anmeldung beim Versteigerer und dessen Zustimmung. Für die Bearbeitung übernimmt der
Versteigerer jedoch keine Gewähr. Telefonische und OnlineGebote werden nur akzeptiert, wenn der Bieter bereit ist, den ihm zuvor mitgeteilten Mindestpreis des jeweiligen Loses zu bieten. Auch bei Nichtzustandekommen einer Verbindung gilt, dass für den Auktionator dieses Gebot in Höhe des Mindestpreises verbindlich ist. Für das Zustandekommen einer entsprechenden Telefon- oder Onlineverbindung übernimmt der Versteigerer keine Gewähr. Das Widerrufs- und Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen findet auf solche Gebote keine Anwendung (§ 312g Abs. 2 Nr. 10 BGB).
7. Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigung auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen geht erst mit vollständigem Zahlungseingang an den Erwerber über.
8. Auf den Zuschlagspreis ist ein Aufgeld von 30% zu entrichten, in dem die Umsatzsteuer ohne separaten Ausweis enthalten ist (Differenzbesteuerung) oder ein Aufgeld von 25% auf den Zuschlag zzgl. der Umsatzsteuer (Regelbesteuerung) von z.Zt. 7% (Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Graphiken, Bücher etc.) bzw. 19% (Handschriften, Autographen, Kunstgewerbliche Gegenstände, Siebdrucke, Offsets, Fotografien, etc.). Die im Katalog mit einem * gekennzeichneten Objekte unterliegen in jedem Fall der Regelbesteuerung (Aufgeld von 25% auf den Zuschlag zzgl. der Umsatzsteuer von z.Zt. 7% bzw. 19%). Bei den im Katalog mit einem ^ gekennzeichneten Objekten ist Einfuhrumsatz steuer angefallen. In diesen Fällen wird zusätzlich zu einem Aufgeld von 27% (Differenzbesteuerung) die verauslagte Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von z.Zt. 7% auf den Zuschlag erhoben. Für bundesdeutsche Kunsthändler und Antiquare, die zum Vor steuer abzug berechtigt sind, kann die Gesamt rech nung auf Wunsch, wie bisher nach der Regelbesteuerung ausgestellt werden. Von der Umsatzsteuer befreit sind Ausfuhrlieferungen in Drittländer (außerhalb der EU) und – bei Angabe ihrer USt.-Identifikations-Nr. bei Auftragserteilung als Nachweis der Berechtigung zum Bezug steuerfreier innergemeinschaftlicher Lieferungen –auch an Unternehmen in anderen EU-Mitgliedsstaaten, unter der Voraussetzung, dass sie für gewerblichen Gebrauch einkaufen. Eine Korrektur nach Rechnungsstellung ist nicht möglich. Alle anderen Käufe aus EU-Ländern unterliegen der Umsatzsteuer. Ausländischen Käufern außerhalb der Europäischen Union wird die Umsatzsteuer erstattet, wenn binnen 4 Wochen nach der Auktion der deutsche zollamtliche Ausfuhrnachweis und der zollamtliche Einfuhrnachweis des entsprechenden Importlandes erbracht werden. Bei Versand durch uns gilt der Ausfuhrnachweis als gegeben. Bei Online-Live-Geboten über Internetplattformen erhöht sich das Aufgeld um die dort anfallende Transaktionsgebühr (i. d. R. 3-5%). Während oder unmittelbar nach der Auktion ausgestellte Rechnungen bedür fen einer besonderen Nachprüfung und eventueller Berichtigung; Irrtum vorbehalten. Katalog- und Zusatzabbildungen dürfen nicht ohne Genehmigung verwendet werden. Reproduktionsrechte und digitale Dateien der Abbildungen können gegen Gebühr erworben werden. Gegebenen-
falls noch bestehende Urheberrechte Dritter bleiben davon unberührt und müssen u.U. gesondert eingeholt werden.
9. Die Auslieferung der ersteigerten Stücke erfolgt in unseren Geschäftsräumen gegen Bezahlung. Kreditkarten (Mastercard, VISA, American Express), Schecks sowie andere unbare Zahlungen werden nur erfüllungshalber angenommen. Bankspesen/ Transaktionsgebühren bzw. Kursverluste können zu Lasten des Käufers gehen. Die Auf bewahrung erfolgt auf Rechnung und Gefahr des Käufers. Der Versand wird gegen Vorabrechnung des Rechnungsbetrages ausgeführt. Die Versandspesen sowie die Kosten für Versicherung gegen Verlust und Beschädigung gehen zu Lasten des Käufers. Übersteigen die tatsäch lichen Versandkosten die vorab berechnete Pauschale, so wird die Differenz dem Käufer nachträglich in Rechnung gestellt.
10. Bei der Ausfuhr von Kulturgütern ist gem. der EG-Verordnung Nr. 116/2009 bzw. § 24 KGSG abhängig von Kategorie und Wert des Objekts ggf. eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Aus Gründen des Artenschutzes können Objekte aus bestimmten, geschützten Materialien (u.a. Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt und einige Korallenarten) besonderen Im- und Exportbeschränkungen unterliegen. Zum Zwecke des Exports (insbesondere außerhalb der Europäischen Union) kann hierfür eine spezielle Ausfuhrgenehmigung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erforderlich sein. Entsprechende Ausfuhrgenehmigungen können nur unter strengen Bedingungen erteilt und ggf. auch gar nicht erlangt werden, auch kann der Import dieser Gegenstände in manche Staaten eingeschränkt oder untersagt sein. Der Käufer ist selbst dafür verantwortlich, sich über etwaige Im- und Exportbeschränkungen zu informieren. Export und Import entsprechender Objekte erfolgen allein auf Rechnung und Gefahr des Käufers.
11. Der Zuschlag verpflichtet zur Abnahme. Der Kaufpreis ist mit dem Zuschlag fällig. Der Versteigerer ist berechtigt, falls nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Versteigerung Zahlung geleistet ist, den durch den Zuschlag zustande gekommenen Kaufvertrag ohne weitere Fristsetzung zu annullieren, Verzugszinsen in
banküblicher Höhe – mindestens jedoch 1 % auf den Bruttopreis je angebrochenen Monat – zu berechnen und von dem Ersteigerer wegen Nichterfüllung Schadenersatz zu verlangen. Der Schadenersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, dass die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Mindererlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. Zu einem Gebot wird er nicht zugelassen, auf einen etwaigen Mehrerlös hat er keinen Anspruch.
12. Erfüllungsort und Gerichtsstand im vollkaufmännischen Verkehr ist Berlin. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UNAbkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung.
13. Die im Katalog aufgeführten Preise sind Schätzpreise, keine Limite.
14. Der Nachverkauf ist Teil der Versteigerung, bei der der Interessent entweder telefonisch oder schriftlich (im Sinne der Ziffern 5 und 6) den Auftrag zur Gebotsabgabe mit einem bestimmten Betrag erteilt. Entsprechende Gebote behalten ihre Gültigkeit für 4 Wochen nach Abgabe.
15. Die Abgabe eines Gebotes in jeglicher Form bedeutet die Anerkennung dieser Versteigerungsbedingungen. Der Versteigerer nimmt Gebote nur aufgrund der vorstehenden Versteigerungsbedingungen entgegen und erteilt dementsprechend Zuschläge. Kommissionäre haften für die Käufe ihrer Auftraggeber.
16. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt.
David Bassenge, Geschäftsführer und Auktionator
Dr. Markus Brandis, öffentlich bestellter u. vereidigter Auktionator

Stand: Mai 2026
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9. Auction lots will, without exception, only be handed over after pay ment has been made. Credit cards (VISA, Mastercard, American Express), checks and any other form of non-cash payment are accepted only on account of performance. Exchange rate risk and bank charges may be applicable. Storage and dispatch are at the expense and risk of the buyer. If the shipping costs exceed the lump sum on the invoice the outstanding amount will be billed separately.
10. According to regulation (EC) No. 116/2009 resp. § 24 KGSG, export license may be necessary when exporting cultural goods depending on the type or value of the object in question. For the purposes of wildlife conservation, it is necessary to obtain an export license according to regulation (EC) No. 338/97 when exporting objects made from certain protected materials (incl. ivory, tortoiseshell, mother-of-pearl and certain corals) out of the territory of the European Community. Export licenses for objects made of protected
materials are only granted under strict conditions or may not be granted at all. The import of such objects may be restricted or prohibited by certain countries. It is the buyer’s responsibility to inform himself, whether an object is subject to such restrictions. Export and import of such objects are at the expense and risk of the buyer.
11. The buyer is liable for acceptance of the goods and for payment. The purchase price shall be due for payment upon the lot being knocked down to the buyer. In case of a delayed payment (two weeks after the sale) the purchaser will be held responsible for all resultant damages, in particular interest and exchange losses. In case of payment default the auctioneer will charge interest on the outstanding amount at a rate of 1% to the gross price per month or part of month. In such an event the auctioneer reserves the right to annul the purchase contract without further notice, and to claim damages from the buyer for non-fulfilment, accordingly he can reauction the goods at the buyer’s expense. In this case the buyer is liable for any loss incurred, the buyer shall have no claim if a higher price has been achieved. He will not be permitted to bid.
12. The place of fulfillment and jurisdiction is Berlin. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded.
13. The prices quoted after each lot are estimates, not reserves.
14. The after-sales is part of the auction in which the bidder places either by telephone or in written form (as stated in number 5 and 6) the order to bid a set amount. Corresponding bids are binding for 4 weeks after submission.
15. By making a bid, either verbally in the auction, by telephone, written by letter, by fax, or through the internet the bidder confirms that he has taken notice of these terms of sale by auction and accepts them. Agents who act on behalf of a third party are jointly and separately liable for the fulfillment of contract on behalf of their principals.
16. Should one or the other of the above terms of sale become wholly or partly ineffective, the validity of the remainder is not affected. In the event of a dispute the German version of the above conditions of sale is valid.
David
Bassenge, auctioneer Dr. Markus Brandis, attested public auctioneer

As of May 2026


