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Bassenge Kunstauktion 127: Arnulf Rainer – Gerettete Werke aus der Haasgasse 10

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AR N ULF RAINER

ist

verwaist“

Gerettete Werke aus der Haasgasse 10 „Mein Atelier

BASSENGE

AUKTION 127

ARNULF RAINER

„Mein Atelier ist verwaist“ – Gerettete Werke aus der Haasgasse 10

Freitag, 5. Juni 2026

Galerie Bassenge . Erdener Straße 5a . 14193 Berlin

Telefon: 030-893 80 29-0 . E-Mail: art@bassenge.com . www.bassenge.com

IHRE ANSPRECHPARTNERINNEN FÜR DIESEN KATALOG EXPERTS FOR THIS CATALOGUE

David Bassenge

Telefon: +49 30 - 893 80 29 17

david@bassenge.com

Simone Herrmann

Telefon: +49 (0)30-88 91 07 93

E-Mail: s.herrmann@bassenge.com

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den gewünschten Losnummern zu erfragen, da Angaben zum Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog notiert sind.

Die Galerie Bassenge ist Mitglied bei Eindeutig identifizierbare Werke mit einem Schätzpreis von mindestens 4.000 Euro werden vor der Auktion mit dem Art Loss Register abgeglichen.

MITTWOCH, 3. Juni 2026

Vormittag 10.00 Uhr

Nachmittag 15.00 Uhr

DONNERSTAG, 4. Juni 2026

Vormittag 11.00 Uhr

Nachmittag 15.00 Uhr

FREITAG, 5. Juni 2026

Vormittag 11.00 Uhr

Nachmittag 15.00 Uhr

Druckgraphik des 15. bis 17. Jahrhunderts Nr. 5000-5248

Druckgraphik des 18. Jahrhunderts Nr. 5249-5328

Druckgraphik des 19. Jahrhunderts und des Fin de Siècle Nr. 5329-5428

Miscellaneen und Trouvaillen der Druckgraphik des 15. bis 18. Jahrhunderts Nr. 5429-5672

Gemälde Alter und Neuerer Meister Nr. 6000-6191 Rahmen Nr. 6192-6213

Horizonte – Zauber ferner Welten Nr. 6300-6482

Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts Nr. 6500-6755

Arnulf Rainer – Gerettete Werke aus der Haasgasse 10 Nr. 6900-6948 16.00 Uhr

SONNABEND, 6. Juni 2026

Vormittag 11.00 Uhr

Nachmittag 16.00 Uhr

Moderne Kunst I Nr. 7000-7283

Moderne Kunst II (Katalog nur online) Nr. 8000-8145

Post War und Zeitgenössische Kunst II (Katalog nur online) Nr. 8150-8322

Fotografie des 19. Jahrhunderts (Katalog nur online) Nr. 4001-4123

Fotografie des 20. und 21. Jahrhunderts (Katalog nur online) Nr. 4124-4321

VORBESICHTIGUNGEN

Druckgraphik, Gemälde, Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts und Sonderkatalog „Horizonte“ Erdener Straße 5A, 14193 Berlin

Donnerstag, 28. Mai bis Montag, 1. Juni, 10.00–18.00 Uhr, Dienstag, 2. Juni 10.00–17.00 Uhr

Moderne und Zeitgenössische Kunst I und II und Sonderkatalog Arnulf Rainer

Rankestraße 24, 10789 Berlin

Donnerstag, 28. Mai bis Donnerstag, 4. Juni, 10.00–18.00 Uhr

Fotografie und Fotokunst des 19. bis 21. Jahrhunderts

Rankestraße 24, 10789 Berlin Donnerstag, 28. Mai und Freitag, 29. Mai, 10.00–18.00 Uhr, Samstag 30. Mai, 10.00–16.00 Uhr, Sonntag geschlossen, Montag, 1. Juni bis Donnerstag 4. Juni, 10.00–18.00 Uhr, Freitag, 5. Juni 10.00–15.00 Uhr

Schutzgebühr Katalog: 15 €

Umschlag: „Die Pest“, Los 6906. Innenseite links: Abstraktion, Los 6904. Innenseite rechts: Rückenfigur auf Anhöhe, Los 6932.

Vorwort

Wien in den frühen Nachkriegsjahren – zwei Filmklassiker bringen die Stadt uns so nahe wie kaum eine andere in dieser Zeit: Orson Welles alias Harry Lime führt uns in „Der dritte Mann“ von 1949 sogar bis in ihren Untergrund, und Leopold Lindtbergs 1951 in den Kinos gezeigter Film „Die Vier im Jeep“ kreist um vier Militärpolizisten, die in der von den Alliierten seit 1945 verwalteten Stadt auf Patrouille sind. Wien ist eine Metropole nach der Katastrophe, in der sich die Lebensgeister allmählich wieder regen. Der Kampf gegen die Tuberkulose zeigt Erfolge, die Versorgung mit Lebensmitteln stabilisiert sich. Und das Herz der Stadt, ihre Kultur, beginnt wieder regelmäßiger zu schlagen. Symbolisch: Der Wiederaufbau der Staatsoper. Ein kommunistischer Stadtrat für Kultur und Volksbildung, Viktor Matejka, – er amtierte bis 1949 –, wird als Erneuerer des Wiener Kulturlebens zur Legende. Eine Stadt im

Aufbruch also, in der nun vieles möglich ist, was kurz zuvor noch undenkbar schien. Auch die dediziert zur Schau gestellte Libertinage einer Künstlerexistenz.

Beispielhaft hierfür ist der seiner Zeit weit vorauseilende zwanzigjährige Arnulf Rainer, der schon damals eine „eigene Temperatur“ hatte, so die Headline der ZEIT im Dezember 2025, kurz nach dem Tod des „Übermalers“. Denn 1949 war Rainer der erste Hippie in Österreich, erinnert sich Maria Lassnig, seine damalige Liebschaft und „wohlmeinende Nurse“, Jahrzehnte später in New York. „Es imponierte mir“, schreibt sie, „daß er sich nie wusch und die Haare zu einem weiten Gestrüpp wachsen ließ, das so gut in seine Zeichnungen paßte. Dann schor er sich wieder einen Sträflingsglatzkopf zurecht, auf dem kleine Haarinseln bewußt verteilt waren, welche auch sehr gut zu seinen Zeichnungen paßten, und

Arnulf Rainer (Los 6900)

ging mit Spazierstock und Männerhut … spazieren. Er zeichnete tagelang im deformierten Untermietzimmer ohne aus dem Bett aufzustehen, dabei atonale Töne von sich gebend, während die Zeichnungen schwärzer und schwärzer wurden.“

Bald nach dieser Oblomow­Phase stand Rainers Bett in einem Atelier in der Haasgasse Nr. 10, das ihm der fünf Jahre jüngere, an der Akademie der bildenden Künste studierende Ernst Fuchs überlassen hatte. Maria Lassnig zog mit ein. Nur wenige Wochen später, an einem Wintertag 1949, waren beide mit Ziel Paris schon auf und davon. Der Vermieter öffnete die Tür und erinnerte sich später an das, was er vorfand: „Der Speck ist aufgegessen. Das Atelier verwüstet. An einem Nagel neben der Tür hängt eine geselchte Schwarte … Mein Atelier ist verwaist. Viele Papiere bedecken den Boden, meist sind es Zeichnungen Rainers, die vor den Augen ihres Schöpfers keine Gnade mehr fanden. Sie sollen verheizt werden.“ Doch dies unterblieb zum Glück, denn „Rainers Zeichnungen“, so Ernst Fuchs später, „haben mir immer sehr gefallen. Ihre Faszination wird im Fett ihrer Graphitschwärze ausgebrütet.“ So nahm er die Zeichnungen an sich und verwahrte sie.

In einem Text mit der Überschrift „Warum ich bis 1953 sehr viele meiner Arbeiten zerriss, verheizte oder in den Papierkorb stopfte“ schildert Rainer den Schaffensprozess seiner frühen Jahre und äußert sich damit auch zu den Blättern, die auf dem Boden und im Papierkorb lagen: „Seit ich zeichne plagt mich ein Ungenügen über alles was ich produziere. Ich wünsche Dinge ohne Schwächen, ohne fortwährende Aufforderung einzelner Details sie zu korrigieren. 1949 entdeckte ich für mich die Anfüllung, 1950 die Überfüllung, 1951 die Zerkleinerung und permanente Überarbeitung. 1954 die Übermalung. … Die … Arbeiten aus den Jahren 1946–48, die Ernst Fuchs aus dem Papierkorb stahl (es ist nur ein kleiner Bruchteil, der so erhalten blieb), entstanden in einer Zeit, wo ich diese Wege zur Verbesserung noch nicht kannte. Materielle Vernichtung war meine einzige Möglichkeit zu verstecken und mich zu verbessern.“

Eine dankenswerte Rettung eines Freundes – der wohl mit der Zange auch den Nagel mit dem alten Speck aus der Wand zog –, wäre als Ergänzung

hier angebracht. Die Begleitumstände einer Wiener Künstleranekdote sind hiermit umrissen.

Zu den Zeichnungen selbst hören wir Simone Herrmann, die Bearbeiterin unseres Kataloges: „Bereits zu Beginn von Rainers langer Künstlerkarriere zeigt sich in seinen zeichnerischen Experimenten und Erkundungen aus den frühen Nachkriegsjahren das existenziell Suchende und fundamental Zweifelnde, das seinem Schaffen zu eigen ist. Die bedeutende, kleine Sammlung von Arbeiten bezeugt in seinem Œuvre eine erste in sich geschlossene Werkphase, geprägt vom Surrealismus und ihn doch immer wieder verlassend, figürlich und assoziationsreich, spielerisch, verblüffend und schockierend. Diese Auseinandersetzung mit den Stilmitteln der Surrealisten nutzt der hochsensible Rainer nicht nur, um seine ganz eigenen Traumata und Ängste zu formulieren, sondern auch, um in seinen Zeichnungen immer wieder die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit aufzulösen. Er provozierte damals nicht nur mit seinen Bilderfindungen, sondern auch mit seinem rebellischen Verhalten und seiner äußeren Erscheinung

In diesen frühen Zeichnungen experimentiert er immer wieder mit drastischen Verkürzungen in einer kippenden, seltsam verschobenen Räumlichkeit, mit charakteristischen, verfilzten Knäueln struppiger Schwärze, speckig glänzendem Bleistift und kompakt schattierten oder flirrenden Konturen, mit schwebenden Flugkörperchen und amöbenhaften Formen. Oft kreist er um eine weibliche Gestalt, die mit größter Sicherheit von Maria Lassnigs Erscheinung inspiriert ist, und auch in seinen Portraits der Geliebten spiegelt sich die Intensität ihres Austauschs. Nach seinem Bruch mit allen akademischen Offerten ist Rainer auf dem Weg zu einer neuen Kunst. Der Nukleus einer vehementen künstlerischen Entwicklung schlummert in jeder dieser frühen Zeichnungen Arnulf Rainers.

Dass diese einzigartige, komplexe Gruppe von Blättern, die Arnulf Rainer einst verworfen hatte, nicht verheizt oder auf der Mülldeponie entsorgt wurde, ist dem Gespür seines Freundes und Künstlerkollegen Ernst Fuchs zu verdanken, der ihre Bedeutung bereits damals erkannte.“

Stephan Schurr

Ernst Fuchs: Arnulf Rainer, Erinnerungen. Undatiertes Typoskript, Ernst Fuchs Museum, Wien.

6900 Vermächtnis über meinen Nachlass 4 montierte Fotografien von Arnulf Rainer, 29 Bl. Orig.­Broschur. 1972. 25 x 25 cm.

Auflage 100 num. Ex. 600€

Arnulf Rainer wie man ihn kennt: Verzerrte fotografische Selbstportraits, dazu der originale Text des im Juni 1972 beim Gericht in Wien hinterlegten Testaments von Arnulf

Rainer, erschienen im Wolfgang Hake Verlag, Köln 1972. Hier jedoch ohne die Farbradierung und mit vom Vorbesitzer teils komplettiertem und genutztem Formularteil. Rainers Sammler, hier „Vermächtnisnehmer“, konnten sich mit den Formularen aus diesem Letzten­Willen­Buch beim Künstler melden und sich dadurch Anteile an seinem künftigen Nachlass sichern.

Eine andere, kaum bekannte Seite Arnuf Rainers offenbart die folgende, bedeutende und in dieser Qualität und Fülle einmalige Sammlung seiner frühen Zeichnungen.

6901 „Beitrag zur Psychologie des Genies“ Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

45 x 32 cm.

Unten rechts mit Bleistift betitelt, verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

8.000€

Kunstrebell und einer der ersten Hippies Österreichs: Rainer provozierte, mit seinem sozialen Verhalten, seiner äußeren Erscheinung und seiner Ablehnung jeder akademischen Regelhaftigkeit. So verbrachte er, auch weil 1949 seine Werke vom Rektor der Kunstakademie als „entartet“ bezeichnet worden waren, insgesamt nur vier Tage im Unterricht der Wiener Kunsthochschulen. Zwar war er

Autodidakt ohne seriöse akademische Ausbildung, doch mit einem bedeutenden Vorteil: „jenem des nicht durch Institutionen korrumpierten, aus sich heraus schöpfenden Malers.“ (Klemens Leitner, Arnulf Rainer in Konkurrenz. Das Frühwerk Rainers und der Kampf um Anerkennung. Salzburg 2025, S. 68f.). Das Genie sitzt in wild gemustertem Anzug, fernab bürgerlicher Normen, im Schneidersitz auf dem Karoplaid wie auf einem fliegenden Teppich. Linien und Ornamente scheinen sich zu verselbständigen, ebenso wie die aufgeweichten, deformierten Körperproportionen. Verso eine weitere Bleistiftskizze des Künstlers.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 04, Abb. S. 24

6902

6902 Rauchender Jüngling, Topfpflanzen, Bachlandschaft, Zeppelin Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

36,5 x 23 cm.

Verso im Oberrand mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer, Besitz E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.500€

Traumhaftes, Absurdes und Unbewusstes kombiniert Rainer spielerisch in einer vergleichsweise heiteren Komposition. Neben dem Zeppelin, einer breiten Rauchsäule und dem auffliegenden Vogelschwarm beleben den Himmel die für Rainers frühe Zeichnungen charakteristischen, kompakt­

körperhaften Wolken, die mit einer unheimlichen Präsenz über der Landschaft schweben. In rätselhafter Beziehung stehen die Bildgegenstände zueinander, eine Deutung bleibt offen. Der phantastische, metaphorische Charakter der sorgsam ausgeführten und entlang der Konturen fein abschattierten Zeichnung könnte die Distanzierung Rainers von der Geschäftigkeit der frühen Nachkriegsjahre illustrieren. Verso eine weitere Zeichnung des Künstlers, Stehende Figur am Tisch.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 53, Abb. S. 39

6903 Harmonikaspiel im Hühnerhof

Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

27 x 34,5 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer, Besitz E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.000€

Skurrile Mischung von ländlicher Szenerie und irritierend grundverschiedenen Elementen aus einer ganz anderen

Welt, wie dem hochgerüsteten dreifachen Stacheldrahtzaun, dem Sonnenschirm am Schornstein oder dem Kostüm der Harmonikaspielerin mit merkwürdig verzerrter Anatomie. Dicke, glänzende Bleistiftkonturen schildern die erkennbaren ebenso wie die uneindeutigen Motive und formen ein kräftiges Relief auf der Rückseite.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 08, Abb. S. 14

6903

6904 Abstraktion

Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

37­39,6 x 26,5 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer, Besitz E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

8.000€

Eine explosive Kraft sprengt die abstrakte Konstruktion, versetzt sie in eine dynamische Bewegung zu den Bildrändern hin, die zugleich aber erstarrt erscheint. Da und dort verlebendigen Anklänge an Gesichter oder Gestalten die Formen. In der Gestaltung zeigen sich deutliche Einflüsse der Abstraktionen Wassily Kandinskys, und zudem eine Verdichtung von Energie in der Bildmitte, die bald auch Rainers Zentralisationen der frühen 1950er Jahre prägen sollte. „Das Bild entführt in eine Art kosmische Vision, zurück in die Anfangsgeschichte der Materie, in einen bildgewordenen Urknall. (...) Schon hier zeigt sich, was das spätere Werk prägen wird: die physische Handschrift, die Wiederholung des Strichs und der Druck, der sich ins Papier eingräbt.. Der Stift ist kein Werkzeug der Distanz, sondern der Berührung (...)“ (Thomas D. Trummer, in: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Wien 2025, S. 22). Die Formensprache findet ihre Fortsetzung z. B. in der Lithographie „Wasserwelt II“ (Los 6947). Verso eine weitere Zeichnung, Frauenbüste (gestrichen).

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 30, Abb. S. 23

6905 Ohne Titel

Bleistift auf bräunlichem Bütten. Ende 1940er Jahre.

34,6 x 21,5 cm.

Verso oben mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer, Besitz E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

12.000€

Sinnlich, üppig und verführerisch ruht die kurvige Frau fast unbekleidet auf dem orientalisch wirkenden, ornamentierten Schemel, dessen gedrechselte Beine sich nach unten prekär verjüngen. Zwei bilden eine Art Schlinge mit Haken, ein anderes endet spitz wie eine Nadel. Zugleich weiche und kräftige, dunkel schattierte Konturen umreißen den weiblichen Körper, das Gesicht ist puppenhaft vereinfacht. Auf dem stummelhaft endenden Arm balanciert eine Tanne. Die Zeichnung, ein Bild märchenhaften Genusses, verweist zugleich auf den existenziellen Zustand mensch­

lichen In­die­Welt­Geworfenseins: „(...) auch in diesem Motiv, das das Begehren erfüllt, schimmert die Absurdität durch. Es ist kein Tagbild, sondern ein Wunschtraum, eine voyeuristische Verlockung, ein künstlerisches Begehren, das Prekäres vermittelt, weil es die Illusion verfolgt, das Objekt seiner Lust selbst herzustellen.“ (Thomas D. Trummer, in: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Wien 2025, S. 18).

Die Zeichnung gehörte zu den fünf Blättern, mit denen 1969 die Texte von Arnulf Rainer und Ernst Fuchs in dem Katalog der damals noch jungen Galerie Ariadne in Wien zu den frühen Zeichnungen Rainers illustriert wurden (vgl. Losnrn. 6908, 6911, 6924).

Ausstellung:

Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947­51, Ausst.­Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, mit Abb. (o.S.)

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 27, Abb. S. 19

6906 „, Die Pest“ (Entwurf für einen Buchumschlag)

Bleistift auf Velin. Ende 1940er Jahre. 22,6 x 34 cm.

Mittig oben und unten mit Bleistift betitelt, verso oben mittig mit Bleistift signiert „Arnulf Rainer“ sowie seitlich links mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „Arnulf Rainer im Besitz Ernst Fuchs“ sowie unten links mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

6.000€

Viren oder Moleküle, Narben, Elementarteilchen oder gar kosmische Erscheinungen geistern über die Flächen des Umschlagentwurfes zu „Die Pest“. Jede der verschieden großen, in tiefdunklen Kurven schattierten Kreisformen trägt einen hellen Nukleus in ihrem Zentrum, der unruhig zu vibrieren scheint. Die Vehemenz und aggressive Kraft von Rainers Kreisbewegungen, in denen der Bleistift die hellen Punkte umfährt, hinterlässt reliefhafte Vertiefungen und Wellen im Papier. Erst kurz zuvor, 1947, war ‘ Roman Die Pest auf Französisch und bereits ein Jahr später in deutscher Übersetzung erschienen. Die Motive Tod, Trauma und Gewalt, ebenso wie die Erfahrung einer existenziellen Verunsicherung, teilte Rainer mit dem Autor.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 39, Abb. S. 29

6907 Der Schriftsteller

Bleistift bzw. Zimmermannsbleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

37,1 x 23,5­24,4 cm.

Verso Bleistiftannotationen (Fragmente, schwer lesbar), Lineatur und Aquarellierung sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

9.000€

Dr. Rieux, die Hauptfigur in ‘ Roman „Die Pest“, zeigt hier mit seinem schmalen Kopf, dem nach hinten frisierten Haar und der Zigarette im rechten Mundwinkel eine deutliche Ähnlichkeit mit selber. Sein Brustbild schwebt, wie auch die beiden Tische rechts und links im Hintergrund, schwerelos im Raum. Die tiefschwarzen, mächtigen Bleistiftlinien hingegen erscheinen „wie ein persöniches Symptom aus Angst vor der Seinsvergessenheit. Trotz der deutlichen Identifikation mit , trotz der Darstellung des eigenen Ich als ein Anderer, wird dieses Blatt auch als Künstlerbild ausgewiesen.“ (Thomas D. Trummer, in: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Wien 2025, S. 30).

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 40, Abb. S. 31

6906

6908 Stuhl – Nachthimmel

Bleistift und Kohle auf Velin. Ende 1940er Jahre. 32,9 x 26,7 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer, Besitz / E Fuchs“ sowie mit dem (blassen) Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

9.000€

Wie auf einem fremden Planeten, in einer fast spirituell wirkenden Schwärze: Ein blasser Mond oder Stern sitzt am tiefdunklen Himmel, darunter erstreckt sich, magisch beleuchtet, ein weites helles Terrain voll kuppelförmiger Erhebungen, aus denen organische Wucherungen emporwachsen. Inmitten dieser wogend bewegten Kulisse steht, zentral und starr, das ikonographisch unbestimmbare, klinisch wirkende Stuhlgebilde. „Die Kraterlandschaft vergegenwärtigt das Nachkriegsparadox: Schock, Schuld, den Verlust von Sinn und Transzendenz bei gleichzeitiger Sehnsucht danach. (...) Und doch bleibt mit dem Lichtkreis am Himmel

ein Punkt, der bündelt, den Walter Benjamin den ‚messianischen Rest‘ nannte, eine minimale Spur von Hoffnung, ein Zeichen, das auf einen Ausweg verweist.“ (Thomas D. Trummer, in: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Wien 2025, S. 8). Unter den vehementen, fettig glänzenden Bleistiftschraffuren knittert und wellt sich das Papier, Textur und Materialität der Zeichnung gewinnen an Präsenz. Die Zeichnung gehörte zu den fünf Blättern, mit denen 1969 die Texte von Arnulf Rainer und Ernst Fuchs in dem Katalog der damals noch jungen Galerie Ariadne in Wien zu den frühen Zeichnungen Rainers illustriert wurden (vgl. Losnrn. 6905, 6911, 6924).

Ausstellung:

Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947­51, Ausst.­Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, mit Abb. (o.S.) Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 02, Abb. S. 9

6909 Liegende, Pferdegespann – Reise zu den Pyramiden (Maria Lassnig?)

Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

Ca. 40­44 x 31,6 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer, / Besitz E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.500€

Ein extraterrestrisch wirkender Schauplatz. Das Fuhrwerk hält Kurs direkt auf die Öffnung in der flachen Pyramide, das Taschentuch der Liegenden flattert zum Abschied. In rabiater Verkürzung zeichnet Rainer die zentralperspektivisch angelegte Szenerie, über der ein kaltes, helles und doch von Dunkelheit umgebenes Gestirn am Himmel steht. Auffällig kontrastieren die klaren Geraden von Karren und Pyramide mit dem Eigenleben, das die verzerrt­aufgeblähten Arme der Frau mit ihren kompakt schattierten, weichen Konturen entwickeln. Bei der Dargestellten handelt es sich möglicherweise um Maria Lassnig. Verso eine verworfene Bleistiftzeichnung Arnulf Rainers, „Tier und Fabelwesen“.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 06, Abb. S. 13

6910 Liegender Frauenakt, Betrachterblick vom Kopf in die Tiefe (Maria Lassnig?) Bleistift, partiell leicht gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

Ca. 21 x 31,3 cm. Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.000€

In fast meditativer Versenkung widmet sich Rainer mit zahllosen Schwüngen und Kritzeln seines Bleistifts dem wirren, verfilzten Haarschopf der Frau, der in seiner tiefen Schwärze ein Eigenleben zu entwickeln scheint. Eine abgründige Dunkelheit zeigt sich auch im Schoß der Frau. Tief in die Kissen eingesunken, vom Betrachter abgewandt und dazu noch in drastischer Verkürzung ist der Frauenkörper nur in Kürzeln gezeigt, die Anatomie weich verzerrt und dennoch vollkommen lesbar. Die suchenden, kräftigen Konturlinien des Künstlers laufen zu den Bildrändern hin aus und werden hauchzart, der Akt nach dem Vorbild Maria Lassnigs scheint im Raum zu schweben.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 29, ohne Abb.

6910

6911 Liegender Akt (Maria Lassnig?)

Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Bütten. Ende 1940er Jahre.

28 x 30,6 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „Rainer Besitz E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

9.000€

Dicke Ruhekissen umgeben als amorphe, haarige Formen die Liegende. Oben lauert eines von Rainers Knäueln struppiger Dunkelheit, korrespondierend mit der Schwärze der Hand und dem wirren Haarschopf. Der weibliche Körper führt bei maximaler Verkürzung in die Raumtiefe und blockiert sie zugleich mit den hoch abgewinkelten Beinen, während im selben Moment die Räumlichkeit nach vorne zu kippen scheint. Bei der Dargestellten handelt es sich möglicherweise um Maria Lassnig. Die Zeichnung gehörte zu den fünf Blättern, mit denen 1969 die Texte von Arnulf Rainer und Ernst Fuchs in dem Katalog der damals noch jungen Galerie Ariadne in Wien zu den frühen Zeichnungen Rainers illustriert wurden (vgl. Losnrn. 6905, 6908, 6924).

Ausstellung:

Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947­51, Ausst.­Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, mit Abb. (o.S.)

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 05, Abb. S. 12

6912 Bildnis Maria Lassnig

Bleistift, teils gewischt, auf dünnem bräunlichen, strukturierten Velin. Ende 1940er Jahre. 39,8 x 29,5 cm.

Verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

16.000€

Ernsthaft blickt die Künstlerin. Sie sitzt frontal ausgerichtet, in verschachtelter Pose, präzise gezeichnet mit klaren Konturen und einer plastisch durchgestalteten, makellosen Körperlichkeit. Wie in einem Spielzimmer finden sich am Boden hinter ihr ein Ball, ein verlorenes Rad und ein miniaturhaft kleiner Tisch. Diese Zeichnung Rainers entstand höchstwahrscheinlich in Lassnigs Atelier in Klagenfurt. Im Hintergrund ist Gemälde Lassnigs zu sehen, das als verschollen gilt und von dem nur eine SchwarzweißAufnahme existiert (s. Abb. in: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus

der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, S. 32). Maria Lassnig, bereits fertig mit ihrer akademischen Ausbildung, und der zehn Jahre jüngere Arnulf Rainer begegneten sich 1948 in Klagenfurt. Ihre Liebesbeziehung wurde auch künstlerisch und intellektuell zu einem intensiven Austausch, ihre Werke dieser Zeit ähneln einander oft. Beide gründeten mit Ernst Fuchs, Arik Brauer und anderen die Künstlervereinigung Hundsgruppe und lebten wenige Jahre in Wien, bevor sie 1951 gemeinsam nach Paris zu André Breton reisten und sich ihre Wege wieder trennten. Dort inspirierte sie, anders als erwartet, vor allem Informel, Tachismus und Action Painting. Rainer lernte Jackson Pollock, Jean Paul Riopelle und Wols kennen, seine surrealistische Phase endete damit.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 41, Abb. S. 33

6913 „Laune der Verliebten“ Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

44,5 x 28 cm.

Unten rechts mit Bleistift (schwer lesbar) betitelt, verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.500€

Eine Spur der Verwüstung zieht sich durch die Landschaft bis zu dem in einer Pfütze liegenden Mädchen, dessen Körperformen sich aufblähen und verzerren. Spielerisch, mit schlafwandlerischer Sicherheit und kontemplativer Ruhe in der Strichführung kombiniert Arnulf Rainer im Zentrum der Bildfläche kumulierte, kryptische Bildelemente, kleinere organische Strukturen und amöbenhafte Formen,

eröffnet Assoziationsmöglichkeiten und verweigert auch mit dem Titel eine klare Deutbarkeit. In den schwebenden Körperchen deutet sich möglicherweise bereits eine Idee des bald folgenden Infusorengewimmels an (vgl. Los 6946f.). „Zwischen 1947 und 1951 entstanden surrealistische Zeichnungen, welche die erste abgeschlossene Werkphase in Rainers Oeuvre bilden. Die Aufhebung kausaler Verknüpfungen und der Griff nach verblüffenden und schockierenden Sprachbildern charakterisieren seine frühen surrealistischen Arbeiten.“ (Christa Armann, Arnulf Rainer - Das Frühwerk, Wien 2010, S. 8). Die Fettspur im Unterrand zeugt vom wilden Künstlerleben im Fuchs‘schen Atelier: „Der Speck ist aufgegessen. Das Atelier verwüstet. An einem Nagel neben der Tür hängt eine geselchte Schwarte, Spuren des säuberlich abgesägten Speckes haften als weißer Pilz stufenförmig daran. Arnulf Rainer und Maria Lassnig sind wieder ausgezogen, nach Paris gefahren,“

(Ernst Fuchs, Erinnerungen, zit. nach: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ausst.­Kat. Wien 2025, S. 40).

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 7, ohne Abb.

6914 Frau mit leichtem Sommerkleid, auf Polsterstuhl ruhend

Bleistift auf rauem bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

24,8 x 38,6 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer, Besitz E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.000€

Eigentümlich verschoben zeichnet Rainer die Proportionen und bringt seine ganz eigene Imagination der Figur aufs Papier: Wie hingegossen ruht der schmale, überlängte Frauenkörper auf den Polstern, die Hände und Füße scheinen fast kindlich verkleinert an den extrem sich verjüngenden Armen und Beinen. Das Kleid wirkt weniger gemustert als vielmehr belebt von Mikrostrukturen, von denen zwei weitere auf dem Oberarm der Frau sitzen. „Die Naturform ist nicht viel mehr als ein Zitat, ein Vorwand, um sich ‚von dieser Art Welt‘ abzuheben, um ihre Schnoddrigkeit gründlich zu blamieren.“ (Otto Breicha, in: Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947­51, Ausst.­Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, o.S.).

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 58, ohne Abb.

6914

6915

6915 Studie einer liegenden Frau mit angewinkelten Beinen

Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

27 x 43 cm.

Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

3.000€

In kantige Fragmente zerlegt Rainer die Figur der liegenden, bekleideten Frauengestalt, die er auf der Rückseite des Blattes ein weiteres Mal skizziert. Beide Zeichnungen verdeutlichen mit der Heftigkeit der eckigen, vielfach verstärkten Linienführung, wie sehr der Akt des Zeichnens für Rainer eine aktiv bewegte, intensiv physische Tätigkeit war. Der unmittelbare, intime Charakter der Bleistiftzeichnung prädestiniert diese Technik zum Nukleus künftiger Entwicklungen, dem ebenso spontanen wie reflektierten Ausdruck eines künstlerischen Urgedankens. Verso eine weitere Studie, „Liegende Frau“.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 65, ohne Abb.

6916 Gesicht, darüber junge Frau stehend Bleistift, Gouache und Collage auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre. 30,1 x 20,5­22,9 cm. Verso oben mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „Arnulf Rainer im Besitz Ernst Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

5.000€

Dem blutenden Kopf scheint oben am Scheitel ein Frauenakt zu entsteigen. Irritierend treffen die verschiedenen collagierten Motive aufeinander, verschachtelt und einander ergänzend. Die Gouachefarben kontrastieren weich und satt mit dem silberschimmernden Glanz der dichten Bleistiftlineaturen. „Für Otto Breicha waren die surrealistischen Arbeiten Rainers wesentlich radikaler, robuster und deftiger im Vergleich zu den immer sehr ‚kultivierten‘ Provokationen Ernst Fuchs’. Rainer zeichnete stark empfundene Innenwelten und keinen gegenständlich inszenierten Surrealismus.“ Christa Armann, Arnulf Rainer ­ Das Frühwerk, Wien 2010, S. 15). Verso eine weitere Bleistiftzeichnung des Künstlers, „Stehende Frau“.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 01, Abb. S. 7

6917 Weibliches Aktmodell, Tisch, Staffelei

Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

40,5 x 31­32,4 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer / Besitz / E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.500€

Ein Loch klafft im entblößten Rücken der Frau, die kräftige Kontur der Wirbelsäule platzt auf wie eine versehrte Naht Auf einem einfachen, stabilen Tisch sitzt das Modell, neben sich einen liegenden Hocker, hat uns den Rücken zugedreht und blickt in Richtung des angedeuteten Wäldchens im Hintergrund, dessen gerade junge Baumstämme regelmäßig und undurchdringlich wie Gitterstäbe senkrecht emporstreben. Kleine Formen, möglicherweise Utensilien oder Kleidungsstücke, teils organisch wirkende Strukturen oder Körperchen, liegen verstreut auf der Wiese, in ihrer schwebenden Zufälligkeit nutzlos angesichts der Verletzlichkeit der menschlichen Existenz.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 31 (ohne Abb.)

6918 Stehender männlicher Akt - Studie

Bleistift auf dünnem bräunlichen Velin. Ende 1940er Jahre.

36,8 x 21,5 cm.

Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

3.000€

Provokant setzt Rainer das exponierte Geschlecht des stehenden Mannes ohne Kopf, Hände und Füße exakt ins Bildzentrum. Er umfährt den schlanken Körper mit zahlreichen dunkel nebeneinanderliegenden, sich überkreuzenden und mit vehementem Schwung sich bündelnden Linien verschiedener Stärke, so dass eine stachelige, unbestimmte Konturierung entsteht. Unter weitgehendem Verzicht auf Schattierungen verflacht Rainer seinen Bildgegenstand, zwingt ihn in eine ungewisse Zweidimensionalität und verspannt die nackte menschliche Existenz vertikal im leeren Raum.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 64, ohne Abb.

6919 „Frohe Weihnachten“ (Maria Lassnig?) Bleistift auf Velin. Ende 1940er Jahre.

52,8 x 36,5 cm.

Verso unten rechts mit Bleistift betitelt sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

6.000€

Traumartiges Sujet, der Realität entrückt: Kegelförmig und armlos der Korpus, durchscheinend und mit verschobenen Proportionen. Darauf sitzt der weinende Frauenkopf fast mittig in dem zentralperspektivisch konstruierten Interieur, eng wie eine Gefängniszelle. Die Strenge dieser Kammer kontrastiert mit den flirrenden, vibrierenden, vielfach nebeneinanderliegenden und einander überkreuzenden Lineaturen der Konturen, die in ihrer Bewegtheit noch auf der Suche nach einer endgültigen Form zu sein scheinen. Der Titel wirkt wie eine Ergänzung oder Erweiterung des Motivs: „Meist sind es Assoziationen, die ihm bei der Arbeit einfallen, oft wechselt er sie im Nachhinein, für den Betrachter sind sie wichtig, da sie ihn auf die Spur bringen, ihn aktivieren und sensibilisieren für das Dargestellte.“ (Christa Armann, Arnulf Rainer – Das Frühwerk, Wien 2010, S. 16). Bei der Dargestellten handelt es sich möglicherweise um Maria Lassnig.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 20, Abb. S. 15

6920

6920 Drei Studien einer linken Hand

Kugelschreiber in Schwarz auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

23 x 40,5 cm.

Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

2.500€

Eine noch junge Künstlerhand, locker geschlossen, mit einem ausgeprägten Daumenballen. Um eine plastischräumliche Wirkung geht es dem Künstler hier kaum, vielmehr füllen die Hände flächig das Papier. Rainer zeichnet die eigene Linke mit den charakteristischen Linienbündeln, aus denen sich kräftige, fast stachelig­starre Konturen ergeben. „Für Rainer bietet das Äußere, das Ich, den Weg in die innere Welt. Und das Innere, das ist für ihn die echte Realität.“ (Diane Waldman, in: R.H. Fuchs, Arnulf Rainer, Ausst.­Kat. Historisches Museum der Stadt Wien 1990, S. 17). Verso eine Bleistiftstudie des Künstlers, „Drei Köpfe im Profil“.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 66 (ohne Abb.)

6921 Monostatos

Bleistift, Gouache und Collage mit Offset auf Velin. Ende 1940er Jahre.

Ca. 38,2 x 27,1 cm.

Verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.500€

Eine irritierende Verwandlung: Mit tiefdunkel schattiertem Antlitz und Akzenten in intensiver Farbigkeit verzerrt Rainer die Figur des Monostatos aus Mozarts Zauberflöte. Der collagierte, übermalte Kopf sitzt auf spindeldürrem Stachelhals über dem massig­breiten Brustkorb einer transformierten menschlichen Gestalt, gelöst von gängigen Körpervorstellungen. Über ihrer linken Schulter schweben zwei amöbenhafte schwarze Formen, die ebenso Löcher in einer farbigen Bildwelt sein könnten und damit einen punktuellen Blick in die Schwärze des Nichts freigäben.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 50 (ohne Abb.)

6922 Zeppelin Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

35,5 x 31­31,6 cm.

Mittig links in der Darstellung mit Bleistift monogrammiert „A.R.“ sowie verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs. 6.000€

Vielfach verspannt in der Bildebene schwebt der Zeppelin. Die Gondel arrettiert Rainer zu allen Seiten: mit stacheligem Draht, Linien mit kugeligen Auswüchsen und schräg

laufenden Geraden, die sich zu unfertigem Fluggerät materialisieren. Ein haarig­verfilztes, kugeliges Knäuel hängt am Luftschiff wie ein irritierender, fremdartiger Organismus. Die netzartige Gesamtkonstruktion ist vom Blattrand angeschnitten, der Eindruck fragmentarisch, ein Ausloten von Möglichkeiten, eine Einladung zum Weiterspinnen, so z. B. in der dicht verwobenen Lithographie „Wasserwelt I“ (Los 6946).

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 45, Abb. S. 36

6922

6923

6923 Surrealistische weibliche Halbfigur vor minimalistischer Landschaft

Bleistift, partiell leicht gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

62,8 x 40 cm.

Verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.500€

Wie in Trance richtet die Frau ihren starren Blick ins Leere. Aus der kugelförmigen Basis wächst ihr armloser Torso empor, der ausgeprägte, detailliert ausgearbeitete Kopf trägt die Züge Maria Lassnigs, die damals zusammen mit

Rainer im Atelier von Ernst Fuchs lebte. Hinter der Figur erscheinen am Himmel und in der weiten Ebene verschlüsselte, reduzierte Wesenheiten oder Formen. Es entsteht die Impression einer öden, ortlosen Welt, deren Räumlichkeit lediglich angedeutet ist. Schatten fehlen vollständig, ein omnipräsentes Licht erfüllt die Szenerie, in der die Wesen schwerelos zu schweben scheinen, wie an einem außerirdischen Traumort. Verso Fragment einer weiteren Komposition, wohl Akt.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 44, (ohne Abb.)

6924 Getier

Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

44,7 x 63,4 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer / Besitz / E Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

9.000€

Es spukt über der Ebene, makabres Getier kreucht und fleucht im Bildraum. Spielerisch spinnt Rainer seine übergroßen Phantasiewesen detailreich aus und erzeugt mit feinen Schraffuren Plastizität. Über kahlen Bäumen schweben in der Leere des Himmelsraumes zeichenhafte Körperchen, darunter die schattenlose Fläche mit wellenartigen Strukturen und tiefsitzendem Horizont. Diese Auseinandersetzung mit den Stilmitteln der Surrealisten nutzt der hochsensible Rainer nicht nur, um persönliche Ängste zu formulieren, sondern auch, um die Grenzen zwischen

Traum und Wirklichkeit verschwimmen zu lassen. Später, 1970, sagte er selbst dazu: „...meine ganze künstlerische Arbeit ist vom Surrealismus ausgegangen. Seine anarchischen und negativen Gestaltungsmomente haben mich besonders fasziniert... Ich war besessen vom Drang zu zerstören.“ (zit. nach Christa Armann, Arnulf Rainer ­ Das Frühwerk, Wien 2010, S. 9). Die Zeichnung gehörte zu den wenigen Blättern, mit denen 1969 die Texte von Arnulf Rainer und Ernst Fuchs in dem Katalog der damals noch jungen Galerie Ariadne in Wien zu den frühen Zeichnungen Rainers illustriert wurden (vgl. Losnrn. 6905, 6908, 6911).

Ausstellung:

Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947­51, Ausst.­Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, mit Abb. (o.S.) Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 49, Abb. S. 35 und Einbandabb.

6925 „Dekadentes Zuckerbuberl“ Bleistift, collagiert und stellenweise leicht gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

43 x 31,2 cm.

Unten rechts mit Bleistift betitelt, verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer / Besitz / E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.000€

Das Zuckerbuberl wirkt wie ein Gegenbild zu Rainer, der sich schon früh als enfant terrible der österreichischen Kunstszene profilierte. Dicht und vielfach einander ver­

stärkend liegen die Konturlinien neben­ und übereinander, werden immer weiter überarbeitet und verwandeln sich schließlich in tiefe, speckig glänzende Schwärze. Das stilisierte Brustbild mit den übergroßen Augen in der für Rainers frühe figurative Darstellungen charakteristischen dreieckigen Gesichtsform erscheint nicht als die individuelle Darstellung einer Physiognomie, sondern als ein exemplarisches Menschengesicht oder inneres Bild mit pointiertem Titel.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 48, Abb. S. 37

6925

6926 „Büste des Herakles“

Feder und Pinsel in Schwarz und Aquarell auf Velin. Ende 1940er Jahre.

43,1 x 30,6 cm.

Unten rechts mit Feder in Schwarz betitelt, verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

7.500€

Noch ist es nicht die Übermalung, mit der Arnulf Rainer die Idee des griechischen Helden auslöscht, überdeckt oder verwandelt, sondern eine aggressive Fragmentierung: Er zerstückelt Herakles‘ Gestalt, setzt sie in absurd verzerrter Konstruktion zu einer phantastischen Figur neu

zusammen und beraubt sie ihres Heroismus. Aus einem Netz feinster Federlinien entwickelt er sein Motiv, betont und verstärkt mit dem Pinsel die tiefen Schwärzen und setzt dezente farbige Akzente, die jedoch von sekundärer Bedeutung gegenüber der Linie und ihrer Dunkelheit erscheinen. „Diese dunkle, mit Angst, Aggression und Gewalt verbundene Seite des Surrealismus, ist in den Zeichnungen (und es sind immer Zeichnungen!) bedrohlich spürbar.“ (Christa Armann, Arnulf Rainer ­ Das Frühwerk, Wien 2010, S. 9).

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 3, Abb. S. 11

6926

6927 Damenbildnis, Brustbild mit Halskette und Kreuz

Bleistift, teils gewischt, auf Velin. Ende 1940er Jahre.

13,8­16,6 x 11,5­12,5 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „Arnulf Rainer / im Besitz Ernst / Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

5.000€

Expressive, dicht komponierte Auseinandersetzung mit der mimischen Erscheinung. Vermutlich inspirierte Rainer seine Gefährtin Maria Lassnig zu dem Damenbildnis mit intensiver Ausstrahlung und rätselhafter Symbolik. Die stilisierten Gesichtszüge der leicht nach links gewandten Frau modelliert Rainer mit dichten Schraffuren und Wischungen plastisch durch, um das helle Antlitz herum ballen sich Dunkelheiten. Aus deren kurvendem, kreisend sich verdichtendem Liniengewirr blitzen symbolhafte Kürzel und wolkige ornamentale Formen hervor, die ein breites Feld für Deutung und Assoziationen öffnen.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 51, Abb. S. 17

6927, Originalgröße

6928 „Sommerfreuden“ (Am Badesteg)

Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

29,2 x 36,5­38,6 cm.

Unten rechts mit Bleistift betitelt sowie verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs. 3.500€

Sommerfreuden – der Titel öffnet ein breites Assoziationsfeld des lebendigen Treibens, die Szene am Badesteg (mit Maria Lassnig?) hingegen erscheint still, erstarrt, eingefroren. Titel und Darstellung entsprechen einander kaum, sondern stehen vielmehr wie im Vexierspiegel verzerrt nebeneinander. Verdickte Konturen, verdichtete und kurvig nebeneinanderliegende Bleistiftstriche treffen in der Binnengestaltung auf kleinteilige ornamentale Formen. Rainer konzentriert die zentralperspektivisch angelegte Komposition in der Bildmitte, lässt dort die Energie sich verdichten und seinen Strich zu den Rändern hin sich auflösen, so dass die Szene einen losgelösten Charakter erhält und den Hauch einer Idee von seiner bald folgenden Werkgruppe der Zentralisationen transportiert.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 28, Abb. S. 20 6928

6929 Liegende Frau, lesend (Maria Lassnig?)

Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

37,8 x 28 cm. Verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.000€

Schuhsohlen springen ins Auge, entblößte Schenkel und erhobene nackte Frauenarme. Dazwischen liegt der in drastischer Verkürzung zusammengedrängte, rabiat gestauchte Körper der Lesenden. Präzise, mit zarten Wischungen durchgestaltet und in gewagter perspektivischer Verkürzung zeichnet Rainer die liegende Frau, während die wohl landschaftliche Umgebung, mit nur wenigen vagen Linien und Kritzeln angedeutet, im Ungewissen bleibt. In der schwebenden Anmut, mit der sie räumliche Bezüge auflöst, geht die Zeichnung deutlich über eine reine Proportions­ oder Perspektivstudie hinaus.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 35, Abb. S. 26

6930 Dorfansicht, Straßenflucht

Bleistift, partiell leicht gewischt, auf dünnem bräunlichen Velin. Ende 1940er Jahre.

21,3 x 28 cm.

Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

2.500€

Ausgestorben steht das Dorf, die Häuser intakt, aber unzugänglich, die Bäume amputiert und vollständig ihrer Kronen beraubt. Erratisch verteilt liegen Brocken am Straßenrand, wohl Steine wie kleine Findlinge von abgerundeter, fast elliptischer Form. Das Alltägliche erscheint verändert, in seiner Präsenz verschoben und relativiert. Auch in dieser kleinen, frühen Zeichnung Arnulf Rainers steckt „der Ursatz seines Lebens: dem Vorgefundenen nicht gehorchen.“ (Christian Rainer, Er hatte seine eigene Temperatur, in: Die Zeit. Nr. 01/2026, zeit.de, Zugriff 23.12.2025).

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 33 (ohne Abb.)

6931 „Ich warte auf Dich (...)“ (Stehendes Mädchen mit Zöpfen) Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

44,6 x 23­27 cm.

Unten rechts mit Bleistift (teils schwer lesbar) betitelt sowie verso unten rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.500€

Hat sie Boden unter den Füßen? Steht, liegt oder schwebt das Mädchen? Einen Halt bietet nur die krumm­gebogene Diagonale, die sich schwer und dunkel durchs Bild zieht, deren Schattierung eine Räumlichkeit andeutet und doch nicht einlöst. Provozierend stellt Rainer unsere Sehgewohnheiten auf die Probe mit dem experimentellen Blickwinkel, lotet die bildnerischen Möglichkeiten von Perspektive, Fläche und Raum aus und lässt eine relativierte, surreale Bildwelt entstehen, die vor allem einem Bewußtseinszustand zu entsprechen scheint. Er „entdeckt bei einer Ausstellung des British Council in Klagenfurt 1947 die internationale zeitgenössische Kunst (Paul Nash, Francis Bacon, Stanley Spencer, Henry Moore). Rainer beschäftigt sich daraufhin auch mit den surrealistischen Revolutionstheorien und wird davon stark in seiner Arbeit beeinflusst. Insbesondere das Moment der freien Phantasie faszinierte ihn besonders nach den diktatorischen Erfahrungen der nationalsozialistischen Erziehungsanstalt.“ (arnulf­rainer­museum.at, Zugriff 10.02.2026). Verso eine Bleistiftskizze Rainers, „Mann im Profil“.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 37 (ohne Abb.)

6930

6932 Rückenfigur auf Anhöhe Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

45 x 31,2 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer / Besitz / E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

6.000€

Auf dem höchsten Punkt der Anhöhe, einem breiten Baumstumpf, sitzt die Rückenfigur im schlichten Künstlerkittel, den Kopf gesenkt, vollkommen vertieft ins Zeichnen, in fast statuarischer Ruhe. Durch die Raffung des Kittels in der Taille setzt sich die Kurve der Anhöhe derart fort, dass trotz der deutlichen Abgrenzung durch Hell und Dunkel die Trennung zwischen Figur und Natur unklar ist. Struppige Schwärzen gestaltet Rainer in dynamischer, fast eruptiver Heftigkeit, die sich in den durchgedrückten Stiftspuren auf der Rückseite zeigt. „Rainers Zeichnungen haben mir immer sehr gefallen. Ihre Faszination wird im Fett ihrer Graphitschwärze ausgebrütet.“ (Ernst Fuchs, zit. nach: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ausst.Kat. Wien 2025, S. 4).

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 57, Abb. S. 16

6933 Rückenfigur auf Anhöhe, zeichnend Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

45 x 31 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer / Besitz / E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

7.500€

Ikonisch und von monumentaler Statur zeigt Rainer den Künstler ­ oder die Künstlerin: Aus der extremen Untersicht

gesehen, sitzt die Figur zeichnend auf einem Felsbrocken oder Baumstumpf und ist bekleidet mit einem schlichten Künstlerkittel, der die bloßen, mit feinen Wischungen plastisch durchmodellierten Waden freilässt. In den tiefdunklen, heftig­kritzelnd gestalteten Partien, die mit ihrem silbrigem Schimmer einen deutlichen Kontrast zu den großen, transparent­hellen Flächen bilden, deuten sich bereits Ideen seiner künftigen Zeichensprache an.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 56, Abb. S. 21

6933

6934 Der Versuch, zu fliegen/flüchten –Schwebender über Kirchturm

Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

30,5 x 22,5 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer, Besitz E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

6.000€

Die Kette ist gesprengt, ein Rest hängt noch am befreiten Fuß, während der andere Fuß abwehrend dem Betrachter engegengestreckt ist. Die an einem Schirm in den Himmel emporschwebende Figur erscheint in ihrer verzerrten Körperlichkeit kaum unterscheidbar von den charakteristischen, kompakt­massigen Wolken, die sie umgeben. In krasser perspektivischer Verkürzung und kräftigen Kontu­

ren, jeweils mit daranhängenden Schattenlinien, entwickelt Rainer die surreale Szenerie. Der Prozess des Zeichnens dient dem Künstler als Mittel und Weg des Bewusstwerdens, es mischen sich Sinnliches und Unbewusstes in dieser halluzinativen Vision. Im Jahr 1948 fand Rainer in Bretons Zweitem Surrealistischen Manifest von 1930 seine eigenen Absichten und Nöte bestätigt in der Aussage, dass der Surrealismus „nichts so sehr anstrebe, als vom Intellektuellen und Moralischen her eine Krise des Bewusstseins allgemeinster Art hervorzurufen“ (vgl. Wielend Schmied, Hundertwasser und Rainer, in: Arnulf Rainer. Retrospektive 1950­1977, Ausst.­Kat. Kestner­Gesellschaft, Hannover 1977, S. 39).

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 54, Abb. S. 34

6934

6935 „Fröhliche Kindheit“ (Mädchen mit Leiterwagen)

Bleistift auf dünnem bräunlichen Japan. Ende 1940er Jahre.

32,8 x 21 cm.

Unten rechts mit Bleistift betitelt, verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer / Besitz / E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.500€

Eine rätselhafte Mädchenfigur: Perspektivische und anatomische Verzerrungen lösen ebenso wie das Motiv und der Titel Irritation und Verwunderung aus, zugleich bezaubert

die fragile Anmut der Gestalt. Experimentierend führt Rainer den Bleistift in suchenden Linien über das Papier und erfasst den Mädchenkörper sensibel, auf eine existenziell berührende Weise. Er lässt transparente Pfützenformen, die leere Flasche und einen verlorenen Ball neben den Füßen und dem schwingenden Rock des Mädchens schweben, während kompakte Flugkörperchen wie Schmetterlinge vor ihrem Gesicht im leeren Raum flattern. Verso gestrichene Fragmente weiterer Bleistiftzeichnungen Rainers.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 10 (ohne Abb.)

6935, verso

6936 Strichfigur mit Zöpfen

Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

42,5 x 24,5 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer / Besitz E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.000€

Mit frappierender Präzision begibt sich Rainer ins Feld der Kinderzeichnung. Die energischen, kantig geführten Linien schildern eine flache, durchsichtige Strichfigur mit übergroßem Kopf, die auf einer Bodenlinie steht, daneben die Ur­Wirbelknäuel, die sich auch bereits bei Kleinkindern aus den Bewegungen des impulsiv auf der Stelle kreisen­

den Stiftes bilden. Stellenweise formt Rainers ungestümer Duktus dynamische Strichbündel, gewissermaßen UrKreuze. Gleichzeitig steht am Himmel eine StrahlenkeisSonne, Merkmal der nächsten Etappe kindlichen Zeichnens, weiter unten dann Leitermotive und zentral die kantige Figur, umrahmt von Bäumen und Pflanzen als Elementen der Welt. So unternimmt Rainer eine Reise durch die kindliche Enwicklung von Zeichenfähigkeiten, die eher innere Vorstellungen und Ideen anstatt einer Realität zum Ausdruck bringen.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 43 (ohne Abb.)

6937

6937 Dorfansicht mit Eisenbahn Bleistift auf dünnem bräunlichen Velin. Ende 1940er Jahre.

22 x 31,7 cm.

Unten rechts mit Bleistift (schwer lesbar, gestrichen) betitelt, verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

3.500€

Die Reise ist hier zu Ende. Der Lokführer sitzt auf der Wiese, eine Weiterfahrt ist unmöglich, denn die Schienen enden, ein Prellbock und zudem noch ein Bretterzaun blockieren

den Weg der spielzeughaft wirkenden kleinen Eisenbahn. Vielfach umfährt Rainer die Konturen, verdichtet sie zu einem tiefen Schwarz und erhöht damit die Kontrastwirkung. Charakteristische Strichbündel, Zonen wirrer Verknotungen und Verdickungen formen sich zu kaum deutbaren Gegenständen und durchbrechen mit ihrer impulsiven Vehemenz und Undurchschaubarkeit die nur auf den ersten Blick naiv­kindliche Erscheinung der Zeichnung.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 10 (ohne Abb.)

6938 Zirkus

Bleistift, partiell leicht gewischt, auf dünnem bräunlichen Velin, auf blauen Karton montiert. Ende 1940er Jahre. 17 x 25 cm.

Verso auf dem Karton mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

3.500€

Zu einem dichten Zirkuskonglomerat zusammengeschoben sind Zelte, Wohnwagen, ein Karussell und einige menschliche Gestalten. Mit ihren mumienhaft abgekapselten, runden Körperkonturen korrespondieren diese Figuren mit den ganz ähnlich geformten, am Himmel flottierenden Wolken­

gebilden. Mehrfach neben­ und übereinanderliegende Linien des dicken Bleistifts konturieren die Bildgegenstände, verweigern dabei aber jede Dreidimensionalität. So bleiben die Gegenstände leere Hüllen, irreal und zeichenhaft. Das Gestaltungsprinzip der Zentralisation, angeregt von den Automatismen der surrealistischen Zeichnung und in den frühen 1950er Jahren in Rainers Schaffen zu beobachten, findet hier gewissermaßen ein frühes, gegenständliches Äquivalent.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 32 (ohne Abb.)

6939 Dandy im Salon

Bleistift, aquarelliert und teils leicht gewischt, auf dünnem bräunlichen Velin. Ende 1940er Jahre.

42,5 x 28,5 cm.

Unten rechts mit Bleistift (schwer lesbar) signiert „Rainer (...)“, verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.000€

Ein nebelhafter Schatten umgibt die schlanke, puppenhafte Figur des elegant gekleideten Dandys. Mit dem übergroßen Hut auf dem schmalen Kopf erscheint er wie ein

Gegenbild zum rebellischen Rainer. Zeichenhaft und fast schwebend verteilt der Künstler die flach, beinahe ohne Räumlichkeit umrissenen Gegenstände im spärlich eingerichteten Salon. Sowohl die mit kontemplativer Ruhe geführte Linien als auch die reduzierten, spitzen Formen unterstreichen das Versponnene und SpielzeughaftIrreale der Szenerie. Verso gestrichenes Fragment einer Zeichnung des Künstlers.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 24

6939

6940

6940 Vom Winde verweht – Mädchen horizontal sich an Baum klammernd Bleistift und Farbstift in Blau auf dünnem bräunlichen Velin. Ende 1940er Jahre.

Ca. 35,5 x 22­25 cm.

Verso unten rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer, Besitz / E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

4.500€

Ein Flugobjekt durchquert den Himmel, ellipsoid und doch unbestimmt in den Konturen, von tiefer Dunkelheit wie alle Bildgegenstände. Da wehen zwei Figuren an den kümmerlichen Stachelbäumen, merkwürdigerweise in entgegengesetzten Richtungen, und eine Amphore sendet Lavabrocken oder Ähnliches in die Luft. Die rätselhaftphantastische Komposition Rainers lässt mit ihrem breiten

Assoziationsfeld und den über die Komposition verteilten symbolischen Bildelementen eine endgültige Deutung offen. Die Geschichte der Zeichnung, ihr Überdauern zwischen Zeichentisch, Atelierboden, Papierkorb und Schublade, ist in den Flecken und Knickfalten, der fehlenden Ecke und den Knitterspuren sichtbar und fühlbar. Darin spiegelt sich zudem das immerwährende Ungenügen Rainers, seine verzweifelte Unzufriedenheit mit seinen bildnerischen Schöpfungen, denn da er die Übermalung noch nicht für sich entdeckt hatte, blieb ihm im Fall der Gruppe surrealistischer Zeichnungen nur das Entsorgen als Methode der Auslöschung. Verso eine Bleistiftstudie des Künstlers, „Sitzende Frau“.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 47, Abb. S. 25

6941 Landschaft mit Schornsteinen / Wolken über Anhöhe 2 Zeichnungen, recto/verso. Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre. 31,9 x 45,4 cm.

Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

3.500€

Zwei Kompositionen, Landschaften mit verzerrten Bäumen und bedrohlich dichten, kompakten Wolkenbrocken über der zu Hügeln aufgewölbten Erde. Die menschenleeren Szenerien spiegeln eher innere als äußere Welten, sind von durchscheinender Helle und fast ohne substantielle Bildtiefe. „Ideengeschichtlich sind die Arbeiten vom Existenzialismus geprägt, der Stimmung der Nachkriegszeit im Westen, die in Österreich über Kafka, Trakl und Kubin, nur beiläufig aber über Sartre, rezipiert wurde. Ästhetisch kommen diese unglaublich starken Bilder von jener Verbin­

dung surrealistischer und fantastischer Ansätze, die sich in breiten Teilen der österreichischen Kunst der ‚Stunde null‘ wiederfindet. (…) Ein erstes Paradox dieses frühen, postsurrealistischen Werks von Arnulf Rainer (und Maria Lassnig) besteht darin, dass es, von heute aus betrachtet, fast nur museumsreife Arbeiten aufweist. Rainers Teil dieses parallelen Schaffens, das er ab 1972 in der Gemeinschaftsproduktion mit Dieter Roth wiederholte, wurde erst spät ausgestellt, da der Künstler die meisten Arbeiten verbrannt, zerrissen und in den Papierkorb gesteckt hatte. Zum Glück lebte er bei seinem Wien­Aufenthalt ab 1948/49 in Untermiete bei Ernst Fuchs, der sie aus dem Papierkorb holte und sammelte.“ (Robert Fleck, Arnulf Rainer und seine Dynamik 1945 bis 1960, in: Maria Lassnig – Arnulf Rainer. Das Frühwerk, Ausst.­Kat. Lentos Kunstmuseum, Linz 2019, S. 70).

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 46 (ohne Abb.)

6942 Liegender Halbakt, Tisch, Industrielandschaft (Hommage an Mantegna?)

Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

34,3 x 24,4 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer, Besitz / Ernst Fuchs“.

5.000€

Rabiat legt Rainer den Akt auf eine blanke Tischplatte inmitten der gespenstisch kargen Industrielandschaft, dazu rätselhaftes Beiwerk wie Schrank, Blatt und eine Art Szepter. Die außergewöhnliche perspektivische Verkürzung des liegenden Aktes erinnert an Andrea del Castagnos Trinitätsfresko bzw. Mantegnas Beweinung Christi, auch wenn der Blick bei Rainer auf den Kopf statt auf die Füße

gerichtet ist und er die Proportionen irritierend verzerrt. In speckig glänzender Schwärze liegen die dicken, vehement geführten Bleistiftkonturen auf dem Papier und hinterlassen auf der Rückseite Druckspuren. „Obsessiv und nahezu autistisch zeichnend ­ das Fett des Bleistifts bestimmt die Papierarbeiten des Frühwerks ­, fand er gleichwohl Anschluss an den kleinen Kreis von Literaten und bildenden Künstlern, die ebenso tastend nach der neuen Kunst für eine neue Zeit suchten.“ (Robert Fleck, in: Maria Lassnig ­ Arnulf Rainer. Das Frühwerk, Ausst.­Kat. Lentos Kunstmuseum, Linz 2019, S. 69).

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 36, Abb. S. 27

6943 Sitzende Frau in Rückenansicht, Thonetstuhl

Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

38 x 29­31 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer / Besitz / E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

3.500€

Genial stellt Rainer einen Einklang zwischen dem Schwung der gebogenen Stuhllehne und dem in die Breite verzerrten Rücken der sitzenden Frau her. Die reduzierte Ästhetik des ikonischen Bistrostuhls, Modell Nr. 18 der Gebrüder

Thonet, scheint mit der doppelten Kurve aus Bugholz einerseits das Rückgrat zu ersetzen. Andererseits entsteht im Zentrum dieser Kurve, in der Rückenmitte also, eine beunruhigend transparente Leere. Darüber aber ballt sich eine Rainer‘sche Wirrnis. Pelzkragen und Haarschopf der Frau verweisen in der Dunkelheit des verknoteten Liniengeflechts auf die Bedeutung der tiefen, abgründigen Schwärzen im zeichnerischen Werk des Künstlers, in denen die Linie ein Eigenleben entwickelt und sich beinahe verselbständigt.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 42 (ohne Abb.)

6943

6944 Gefällte Bäume

Bleistift, partiell leicht gewischt, auf dünnem bräunlichen Velin. Ende 1940er Jahre. 25,7 x 23,5 cm. Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

3.000€

Ein verlassenes Trümmerfeld. Die Spuren menschlichen Wirkens zeigen sich in diesem Bild der Verwüstung, nicht jedoch menschliche Präsenz. Mit beinahe grober Gewalt,

jede Linie noch mehrfach verstärkend und verdichtend, bringt Rainer die kantigen, tiefdunklen Konturen aufs Papier, verzichtet dabei aber völlig auf Binnenstrukturen und abstrahiert die Gegenstände. Große, grobe, leere Formen füllen das Bild wie Bauklötze, die hingeworfenen Spielzeuge eines Riesenkindes.

Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 59 (ohne Abb.)

6944

6945 Kahlschlag

Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.

39,5 x 26,5 cm.

Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt „A. Rainer / Besitz E. Fuchs“ sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.

3.500€

Menschenleer ist die Landschaft, nicht sichtbar der Verursacher des Kahlschlags. Massiv und dunkel hängen Wolken, Vögel oder andere Rainer‘sche Schwebekörper und Himmelserscheinungen statisch in der Luft, von gleicher Kompaktheit und dichten Materialität wie das Bergmassiv

und die toten Bäume. In den Binnenstrukturen finden sich hingegen variierte spielerisch­ornamentale Ausgestaltungen. Zwar verankern kurze Schatten die liegenden Stämme am Untergrund, doch scheint die im Bildzentrum zusammengedrängte Landschaft als Ganzes haltlos in der hellen Bildfläche zu schweben. Darin verteilen sich kleinere organische Strukturen und Wesenheiten, insektenoder amöbenhafte Formen, und lassen an die bald darauf in Rainers Zeichnungen zu findenden Infusorien denken. Verso eine Landschaftsskizze des Künstlers.

Ausstellung:

Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. „Mein Atelier ist verwaist“. Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.­Nr. 13 (ohne Abb.)

6945

6946 Wasserwelt I (Die Gestürzten stehen auf)

Lithographie auf Maschinenpapier. 1950/51. 42,4 x 65 cm (ca. 46,5 x 68 cm).

Signiert „Arnulf Rainer“ und datiert.

Breicha L 3.

800€

Engmaschig miteinander verwobene Partikel, kleine Lebewesen und Feinstrukturen bilden eine Mikro­Unterwasserwelt. Wohl eines der 20 Künstlerexemplare, neben der Auflage von 50 Exemplaren der Mappe „Cave Canem“, erschienen anlässlich der Ausstellung der Hundsgruppe, Wien 1951, bei deren Eröffnung es zu Rainers berühmter, skandalträchtiger Publikumsbeschimpfung kam. „Diese Aktion wurde als ‚das erste dokumentierte Happening in Wien‘ eingestuft.“ (Maria Lassnig ­ Arnulf Rainer. Das Frühwerk, Ausst.­Kat. Lentos Kunstmuseum, Linz 2019, S. 35).

Als mögliche Vorstudie vgl. Los 6922. Prachtvoller Druck mit Randfragmenten.

Ausstellung:

Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947­51, Ausst.­Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, Abb. 46

6947 Wasserwelt II

Farbstifte über Lithographie in Braun auf Maschinenpapier. 1951. 42,4 x 65 cm (ca. 46,5 x 68 cm). Nicht bei Breicha.

1.200€

Zustandsdruck des Breicha unbekannt gebliebenen Blattes „Wasserwelten II“, hier mit farbigen Stiften überarbeitet und noch etwas klarer in der Komposition als das endgültige Motiv. Zur Entwicklung dieser Formensprache vgl. Los 6904. Prachtvoller Druck mit Rand. Rarissimum

Ausstellung:

Vgl. Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947–51, Ausst.­Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, Abb. 47

6947

6948 Arnulf Rainer. TRRR. Zeichnungen 1947–51 Mit 51 Abb. und 1 Farbradierung mit Vernis mou 1969.

22 x 32,5 cm.

Die Radierung signiert „A Rainer“, im Impressum nochmals signiert. Auflage 96 num. Ex. 600€

Die römisch numerierte Luxusausgabe des Ausstellungskatalogs der Galerie Ariadne, Wien 1969, mit einer signierten Farbradierung, „Mann und Frau“ (Breicha R 91 V) von Arnulf Rainer. Mit einer Einführung von Otto Breicha. Zum ersten Mal überhaupt dokumentiert dieser maßgebliche Katalog die frühen Zeichnungen des Künstlers und behandelt sie als bedeutende eigenständige Werkgruppe.

6948

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BASSENGE

Horizonte – Zauber ferner Welten Auktion 4. Juni 2026

GALERIE BASSENGE · ERDENER STRASSE 5A · 14193 BERLIN

Telefon: (030) 893 80 29-0 Fax: (030) 891 80 25 E-Mail: art@bassenge.com Kataloge online: www.bassenge.com

Helmut Ditsch. „Time XIX“. Acryl und Öl auf Leinwand. 87 x 100 cm. 2005.

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4. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchstbietenden. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vorbehalt erteilen. Wenn mehrere Personen dasselbe Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut ausbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchstbietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel über den Zuschlag bestehen.

5. Im Falle eines schriftlichen Gebotes beauftragt der Interessent den Versteigerer für ihn während der Versteigerung Gebote abzugeben. In schriftlichen Aufträgen ist bei Differenzen zwischen Nummer und Kennwort das Kennwort maßgebend.

6. Telefonische Gebote und Online-Direkt-Gebote über das Internet bedürfen der vorherigen Anmeldung beim Versteigerer und dessen Zustimmung. Für die Bearbeitung übernimmt der

Versteigerer jedoch keine Gewähr. Telefonische und OnlineGebote werden nur akzeptiert, wenn der Bieter bereit ist, den ihm zuvor mitgeteilten Mindestpreis des jeweiligen Loses zu bieten. Auch bei Nichtzustandekommen einer Verbindung gilt, dass für den Auktionator dieses Gebot in Höhe des Mindestpreises verbindlich ist. Für das Zustandekommen einer entsprechenden Telefon- oder Onlineverbindung übernimmt der Versteigerer keine Gewähr. Das Widerrufs- und Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen findet auf solche Gebote keine Anwendung (§ 312g Abs. 2 Nr. 10 BGB).

7. Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigung auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen geht erst mit vollständigem Zahlungseingang an den Erwerber über.

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In diesen Fällen wird zusätzlich zu einem Aufgeld von 27% (Differenzbesteuerung) die verauslagte Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von z.Zt. 7% auf den Zuschlag erhoben.

Für bundesdeutsche Kunsthändler und Antiquare, die zum Vor steuer abzug berechtigt sind, kann die Gesamt rech nung auf Wunsch, wie bisher nach der Regelbesteuerung ausgestellt werden. Von der Umsatzsteuer befreit sind Ausfuhrlieferungen in Drittländer (außerhalb der EU) und – bei Angabe ihrer USt.-Identifikations-Nr. bei Auftragserteilung als Nachweis der Berechtigung zum Bezug steuerfreier innergemeinschaftlicher Lieferungen –auch an Unternehmen in anderen EU-Mitgliedsstaaten, unter der Voraussetzung, dass sie für gewerblichen Gebrauch einkaufen. Eine Korrektur nach Rechnungsstellung ist nicht möglich. Alle anderen Käufe aus EU-Ländern unterliegen der Umsatzsteuer. Ausländischen Käufern außerhalb der Europäischen Union wird die Umsatzsteuer erstattet, wenn binnen 4 Wochen nach der Auktion der deutsche zollamtliche Ausfuhrnachweis und der zollamtliche Einfuhrnachweis des entsprechenden Importlandes erbracht werden. Bei Versand durch uns gilt der Ausfuhrnachweis als gegeben. Bei Online-Live-Geboten über Internetplattformen erhöht sich das Aufgeld um die dort anfallende Transaktionsgebühr (i. d. R. 3-5%). Während oder unmittelbar nach der Auktion ausgestellte Rechnungen bedür fen einer besonderen Nachprüfung und eventueller Berichtigung; Irrtum vorbehalten. Katalog- und Zusatzabbildungen dürfen nicht ohne Genehmigung verwendet werden. Reproduktionsrechte und digitale Dateien der Abbildungen können gegen Gebühr erworben werden. Gegebenen-

falls noch bestehende Urheberrechte Dritter bleiben davon unberührt und müssen u.U. gesondert eingeholt werden.

9. Die Auslieferung der ersteigerten Stücke erfolgt in unseren Geschäftsräumen gegen Bezahlung. Kreditkarten (Mastercard, VISA, American Express), Schecks sowie andere unbare Zahlungen werden nur erfüllungshalber angenommen. Bankspesen/ Transaktionsgebühren bzw. Kursverluste können zu Lasten des Käufers gehen. Die Auf bewahrung erfolgt auf Rechnung und Gefahr des Käufers. Der Versand wird gegen Vorabrechnung des Rechnungsbetrages ausgeführt. Die Versandspesen sowie die Kosten für Versicherung gegen Verlust und Beschädigung gehen zu Lasten des Käufers. Übersteigen die tatsäch lichen Versandkosten die vorab berechnete Pauschale, so wird die Differenz dem Käufer nachträglich in Rechnung gestellt.

10. Bei der Ausfuhr von Kulturgütern ist gem. der EG-Verordnung Nr. 116/2009 bzw. § 24 KGSG abhängig von Kategorie und Wert des Objekts ggf. eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Aus Gründen des Artenschutzes können Objekte aus bestimmten, geschützten Materialien (u.a. Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt und einige Korallenarten) besonderen Im- und Exportbeschränkungen unterliegen. Zum Zwecke des Exports (insbesondere außerhalb der Europäischen Union) kann hierfür eine spezielle Ausfuhrgenehmigung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erforderlich sein. Entsprechende Ausfuhrgenehmigungen können nur unter strengen Bedingungen erteilt und ggf. auch gar nicht erlangt werden, auch kann der Import dieser Gegenstände in manche Staaten eingeschränkt oder untersagt sein. Der Käufer ist selbst dafür verantwortlich, sich über etwaige Im- und Exportbeschränkungen zu informieren. Export und Import entsprechender Objekte erfolgen allein auf Rechnung und Gefahr des Käufers.

11. Der Zuschlag verpflichtet zur Abnahme. Der Kaufpreis ist mit dem Zuschlag fällig. Der Versteigerer ist berechtigt, falls nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Versteigerung Zahlung geleistet ist, den durch den Zuschlag zustande gekommenen Kaufvertrag ohne weitere Fristsetzung zu annullieren, Verzugszinsen in

banküblicher Höhe – mindestens jedoch 1 % auf den Bruttopreis je angebrochenen Monat – zu berechnen und von dem Ersteigerer wegen Nichterfüllung Schadenersatz zu verlangen. Der Schadenersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, dass die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Mindererlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. Zu einem Gebot wird er nicht zugelassen, auf einen etwaigen Mehrerlös hat er keinen Anspruch.

12. Erfüllungsort und Gerichtsstand im vollkaufmännischen Verkehr ist Berlin. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UNAbkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung.

13. Die im Katalog aufgeführten Preise sind Schätzpreise, keine Limite.

14. Der Nachverkauf ist Teil der Versteigerung, bei der der Interessent entweder telefonisch oder schriftlich (im Sinne der Ziffern 5 und 6) den Auftrag zur Gebotsabgabe mit einem bestimmten Betrag erteilt. Entsprechende Gebote behalten ihre Gültigkeit für 4 Wochen nach Abgabe.

15. Die Abgabe eines Gebotes in jeglicher Form bedeutet die Anerkennung dieser Versteigerungsbedingungen. Der Versteigerer nimmt Gebote nur aufgrund der vorstehenden Versteigerungsbedingungen entgegen und erteilt dementsprechend Zuschläge. Kommissionäre haften für die Käufe ihrer Auftraggeber.

16. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt.

David Bassenge, Geschäftsführer und Auktionator

Dr. Markus Brandis, öffentlich bestellter u. vereidigter Auktionator

Stand: Mai 2026

CONDITIONS OF SALE

1. The Galerie Gerda Bassenge KG, subsequently called “the auctioneer” carries on business as commission-agent in its own name on behalf of its voluntary consignors. This auction sale is a public one in the sense of § 383 III BGB.

2. The auctioneer reserves the right to combine, to split, to change or to withdraw lots before the actual final sale.

3. All objects put up for auction can be viewed and examined prior to the sale at the times made known in the catalogue. The items are used and sold as is. As long as not explicitly mentioned in the catalogue description, framing is not an inherent part of the offer. As a rule, the condition of the individual work is not given in the catalogue. Catalogue descriptions are made with as much care as possible, but the descriptions do not fall under the statutory paragraph for guaranteed legal characteristics. The same applies for individually requested condition reports. These also offer no legal guarantee and only represent the subjective assessment of the auctioneer while serv ing as a non-binding orientation. The liability for damage to life, body or health shall remain unaffected. In case of a justified claim, however, he will accept the responsibility to make a claim for restitution on behalf of the buyer against the consignor within a period of 12 months, running from the fall of the hammer. In the event of a successful claim the auctioneer will refund the hammerprice plus premium.

4. The highest bidder acknowledged by the auctioneer shall be deemed the buyer. In case of identical bids the buyer will be determined by drawing lots. In the event of a dispute the auctioneer has the absolute discretion to reoffer and resell the lot in dispute. He may also knock down lots conditionally.

5. In the case of a written bid the bidder commissions the auctioneer to place bids on his behalf during the auction. In cases where there is a discrepancy between number and title in a written bid the title shall prevail.

6. Telephone and direct online bidding via the internet must be approved in advance by the auctioneer. The auctioneer cannot be held liable for faulty connections or transmission failure. In such a case the bidder agrees to bid the reserve price of the corresponding lot. For such bidding the regulations of long distance contracts do not apply (Fernabsatzverträge) [cf § 312g II,10 BGB].

7. On the fall of the auctioneer’s hammer title to the offered lot will pass to the acknowledged bidder. The successful buyer is obliged to accept and pay for the lot. Ownership only passes to the buyer when full payment has been received. The buyer, however, immediately assumes all risks when the goods are knocked down to him.

8. A premium of 30% of the hammer price will be levied in which the VAT is included (marginal tax scheme) or a premium of 25% of the hammer price plus the VAT of 7% (paintings, drawings, sculptures, prints, books, etc.) or 19% (manuscripts, autographs letters, applied arts, screen prints, offset prints, photographs, etc.) of the invoice sum will be levied (regular tax scheme). Buyers from countries of the European Union are subject to German VAT. Items marked with an * are subject to the regular tax scheme (premium of 25% of the hammer price plus the current VAT of 19%). Items marked with an ^ are subject to import duty. In these cases in addition to a premium of 27% (marginal tax scheme), the charged import tax of currently 7% will be added to the hammer price.

Exempted from these rules are only dealers from EU-countries, who are entitled, under their notification of their VAT ID-Number, to buy on the basis of VAT-free delivery within the European Union. Notification of VAT ID-Numbers must be given to the auctioneer before the sale.

For buyers from non EU-countries a premium of 25% will be levied. VAT will be exempted or refunded on production of evidence of exportation within 4 weeks of the auction, or, if appropriate, importation to another country. This is taken as given when the dispatch is effected by us.

Live bidding through online platforms entails a transaction fee stipulated by the platform and will be added to the premium (usually 3-5% of the hammer price).

Due to the work overload of the accounting department during auctions, invoices generated during or directly after an auction require careful revision and possible correction; errors excepted. Catalogue images may not be used without permission. Reproduction rights and digital files can be acquired for a fee. Any copyrights of third parties that may still exist remain unaffected by this and may have to be obtained separately.

9. Auction lots will, without exception, only be handed over after pay ment has been made. Credit cards (VISA, Mastercard, American Express), checks and any other form of non-cash payment are accepted only on account of performance. Exchange rate risk and bank charges may be applicable. Storage and dispatch are at the expense and risk of the buyer. If the shipping costs exceed the lump sum on the invoice the outstanding amount will be billed separately.

10. According to regulation (EC) No. 116/2009 resp. § 24 KGSG, export license may be necessary when exporting cultural goods depending on the type or value of the object in question. For the purposes of wildlife conservation, it is necessary to obtain an export license according to regulation (EC) No. 338/97 when exporting objects made from certain protected materials (incl. ivory, tortoiseshell, mother-of-pearl and certain corals) out of the territory of the European Community. Export licenses for objects made of protec -

ted materials are only granted under strict conditions or may not be granted at all. The import of such objects may be restricted or prohibited by certain countries. It is the buyer’s responsibility to inform himself, whether an object is subject to such restrictions. Export and import of such objects are at the expense and risk of the buyer.

11. The buyer is liable for acceptance of the goods and for payment. The purchase price shall be due for payment upon the lot being knocked down to the buyer. In case of a delayed payment (two weeks after the sale) the purchaser will be held responsible for all resultant damages, in particular interest and exchange losses. In case of payment default the auctioneer will charge interest on the outstanding amount at a rate of 1% to the gross price per month or part of month. In such an event the auctioneer reserves the right to annul the purchase contract without further notice, and to claim damages from the buyer for non-fulfilment, accordingly he can reauction the goods at the buyer’s expense. In this case the buyer is liable for any loss incurred, the buyer shall have no claim if a higher price has been achieved. He will not be permitted to bid.

12. The place of fulfillment and jurisdiction is Berlin. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded.

13. The prices quoted after each lot are estimates, not reserves.

14. The after-sales is part of the auction in which the bidder places either by telephone or in written form (as stated in number 5 and 6) the order to bid a set amount. Corresponding bids are binding for 4 weeks after submission.

15. By making a bid, either verbally in the auction, by telephone, written by letter, by fax, or through the internet the bidder confirms that he has taken notice of these terms of sale by auction and accepts them. Agents who act on behalf of a third party are jointly and separately liable for the fulfillment of contract on behalf of their principals.

16. Should one or the other of the above terms of sale become wholly or partly ineffective, the validity of the remainder is not affected. In the event of a dispute the German version of the above conditions of sale is valid.

Bassenge, auctioneer Dr. Markus Brandis, attested public auctioneer

As of May 2026

Katalogbearbeitung

Simone Herrmann

Reproduktionen

Ana Briceño

Philipp Dörrie

Clara Schmiedek

Gestaltung & Satz

Stefanie Löhr

BASSENGE AUKTIONEN BERLIN

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Bassenge Kunstauktion 127: Arnulf Rainer – Gerettete Werke aus der Haasgasse 10 by Bassenge Auktionen - Issuu