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Die Kunst des Genusses
2. Juni 2022
Galerie Bassenge . Erdener Straße 5a . 14193 Berlin
Telefon: 030-893 80 29-0 . E-Mail: modernart@bassenge.com . www.bassenge.com
Geschäftsführung | Management
Graphik, Zeichnungen und Gemälde des 15.–19. Jahrhunderts
David Bassenge
Dr. Ruth Baljöhr – Leitung
+49 (0)30-893 80 29-17 david@bassenge.com
+49 (0)30-893 80 29-22 15th to 19th Century Prints, Drawings and Paintings r.baljoehr@bassenge.com
David Bassenge
Eva Dalvai
Lea Kellhuber
Nadine Keul
Harald Weinhold
Moderne und Zeitgenössische Kunst
Barbara Bögner – Leitung
+49 (0)30-893 80 29-17 david@bassenge.com
+49 (0)30-893 80 29-80 e.dalvai@bassenge.com
+49 (0)30-893 80 29-20 l.kellhuber@bassenge.com
+49 (0)30-893 80 29-21 n.keul@bassenge.com
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+49 (0)30-88 62 43 13 Modern and Contemporary Art b.boegner@bassenge.com
Katharina Fünfgeld
+49 (0)30-88 91 07 90 k.fuenfgeld@bassenge.com
Simone Herrmann +49 (0)30-88 91 07 93 s.herrmann@bassenge.com
Miriam Klug +49 (0)30-88 91 07 92 m.klug@bassenge.com
Sonja von Oertzen +49 (0)30-88 91 07 91 s.von.oertzen@bassenge.com
Laetitia Weisser +49 (0)30-88 91 07 94 l.weisser@bassenge.com
Photographie
Jennifer Augustyniak – Leitung +49 (0)30-21 99 72 77 Photography jennifer@bassenge.com
Elmar F. Heddergott +49 (0)30-21 99 72 77 e.heddergott@bassenge.com
Wertvolle Bücher und Handschriften
Dr. Markus Brandis – Leitung +49 (0)30-893 80 29-27
Rare Books and Manuscripts m.brandis@bassenge.com
Harald Damaschke +49 (0)30-893 80 29-24 h.damaschke@bassenge.com
Dr. Cosima Kristahn +49 (0)30-893 80 29-48 c.kristahn@bassenge.com
Stephan Schurr +49 (0)30-893 80 29-15 s.schurr@bassenge.com
Autographen | Autograph Letters
Logistik Management | Logistics
Verwaltung | Office
Repräsentanzen | Representatives
Rheinland
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Dr. Rainer Theobald +49 (0)30-4 06 17 42 r.theobald@bassenge.com
Ralph Schulz +49 (0)30-893 80 29-16 r.schulz@bassenge.com
Anja Breitenbach +49 (0)30-893 80 29-12 a.breitenbach@bassenge.com
Ellen Rusczyk +49 (0)30-893 80 29-33 e.rusczyk@bassenge.com
Dr. Mayme Francis Neher +49 (0)175 - 204 63 23 info@mayme-neher.de
Peter Titelbech + 45 (0)2383 - 2448 p.titelbech@bassenge.com
Dr. Chiara Erika Marzi + 39 333 9924 868 c.marzi@bassenge.com
MITTWOCH, 1. Juni 2022
Vormittag 10.00 Uhr
Low Countries – Niederländische Druckgraphik Nr. 5000-5049
Druckgraphik des 15. bis 17. Jahrhunderts Nr. 5050-5233
Druckgraphik des 18. Jahrhunderts und Papierantiquitäten Nr. 5234-5304
Nachmittag 15.00 Uhr
Druckgraphik des 19. Jahrhunderts und des Fin de Siècle Nr. 5305-5411
Miscellaneen und Trouvaillen der Druckgraphik Nr. 5412-5593 des 15. bis 18. Jahrhunderts
DONNERSTAG, 2. Juni 2022
Vormittag 11.00 Uhr
Nachmittag 16.00 Uhr
FREITAG, 3. Juni 2022
Vormittag 10.00 Uhr
Nachmittag 14.00 Uhr
Gemälde Alter und Neuerer Meister Nr. 6000-6220
Discoveries (Katalog nur online verfügbar) Nr. 6250-6278
Delikatessen – Die Kunst des Genusses Nr. 6300-6440
Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts Nr. 6500-6777
Alexander Rothaug – Mythos und Eros Nr. 6900-6993
Die Sammlung des Wiener Phantasten Ernst Fuchs 16.00 Uhr
Moderne Kunst Teil II (Katalog nur online verfügbar) Nr. 7000-7365
SONNABEND, 4. Juni 2022
Nachmittag 14.00 Uhr
Moderne Kunst Teil I Nr. 8000-8320
VORBESICHTIGUNGEN
Um einen reibungslosen Ablauf der Vorbesichtigung aufgrund der aktuellen Einschränkungen gewährleisten zu können, bitten wir Sie um eine vorherige Anmeldung per Telefon oder E-Mail.
Druckgraphik, Gemälde, Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts, Alexander Rothaug, Delikatessen Erdener Straße 5A, 14193 Berlin Montag, 23. Mai bis Montag, 30. Mai, 10.00–18.00 Uhr, Dienstag, 31. Mai 10.00–15.00 Uhr
Moderne Kunst Teil I und II
Rankestraße 24, 10789 Berlin Montag, 23. Mai bis Donnerstag, 2. Juni, 10.00–18.00 Uhr
Schutzgebühr Katalog: 20 €

Es giebt nichts in der Natur, was für alle Menschen unter allen Umständen wohlschmeckend wäre; daher es schwer zu bestimmen zu seyn scheint, was eigentlich Leckerbissen oder Leckereyen genannt werden müssen. Indessen kann man sagen, daß überhaupt für den Geschmack das Bittere, das Herbe, das Zusammenziehende, das Scharfe, das Ranzige, das Heiße und Brennende, das Faulichte und das Fade und Unschmackhafte, nicht angenehm ist. Dagegen kann man behaupten, daß die meisten Menschen darin übereinkommen, das Süße, das Säuerliche, das Salzige, das Fette und das Gewürzhafte, wohlschmeckend zu finden; vorzüglich aber pflegen solche Speisen für lecker gehalten zu werden, worin einige von diesen Arten des Geschmackes gemischt sind, so, daß das für sich Unangenehme durch die Mischung mit dem Wohlschmeckenden desto pikanter wird.
Unter Lecker=Bissen, Leckereyen, oder Delicatessen, verstehe ich jede Sache, die, von einem gesunden Menschen genossen, die Nerven= Wärzchen seiner Zunge und seines Gaumens auf eine angenehme Art reizt, und deren Annehmlichkeit dadurch sehr vermehrt wird, wenn zugleich ein Wohlgeruch dabey Statt findet. Ich fordere mit Fleiß, daß der Mensch gesund sey, der diese Speisen genießt, da kein Kranker einen reinen und zuverlässigen Geschmack hat, und also nicht richtig urtheilen kann. Unter der Krankheit begreife ich auch einen quälenden Hunger und Durst, und fordre also, daß niemand daran leiden muß, der über einen Lecker=Bissen urtheilen will.
Johann Georg Krünitz, Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, Band 67. Berlin 1795.

Andy Warhol

(1928 Pittsburgh/Pennsylvania – 1987 New York) 6300 Committee 2000. Siebdruck auf Lenox Museumskarton. 76,3 x 50,8 cm. Signiert „Andy Warhol“, verso mit dem Copyrightstempel des Künstlers. Auflage 2000 num. Ex. 1982. Feldman/ Schellmann II.289.
5.000 €
Die Graphik wurde herausgegeben vom Commitee 2000, welches sich auf kreative Weise der Planung und Durchführung der weltweiten Feierlichkeiten zur Jahrtausendwende widmete. Neben Andy Warhol unterstütze auch Joseph Beuys die Finanzierung mit einem Werk. Mit dem Trockenstempel des Druckers Rupert Jasen Smith, New York. Prachtvoller farbsatter Druck.
Paul Almasy
(1906 Budapest – 2003 Jouars-Pontchartrain) 6301* „Herzog von Windsor im Lido, Paris“. Silbergelatineabzug. 29 x 28,5 cm (30,4 x 38,4 cm). Verso Editionsetikett, darin mit Stempelsignatur und 2 von 10 nummeriert. 1960/Abzug 2001.
1.200 €

Niederländisch
6302 um 1800. Studienblatt mit bunten Kammmuscheln. Aquarell auf C & I Honig-Bütten. 37,8 x 24,4 cm.
2.800 €

Kate Jenkins (geb. 1971 Rhymney Valley, South Wales) 6303 Lox’n Cream Cheese Bagel. Gehäkelter Bagel mit Glasperlen, die Füllung gehäkelt und gestrickt. 19,6 x 23,2 x 8,3 cm (Objektkasten). Signiert.
750 €
Unter comfort food versteht man im Englischen Seelentröster-Essen wie Pizza, Chips, Sandwiches oder Süßgebäck – oder eben einen herzhaft gefüllten Bagel mit Lachs, roter Zwiebel, Frischkäse, einer Zitronenscheibe, Kapern und Dill. Das klassische New Yorker Gericht ist nicht unbedingt kalorienarm, dafür bereitet der Verzehr jedoch umso mehr Freude. Wärme, Heiterkeit und eine Prise Nostalgie möchte auch die britische Künstlerin Kate Jenkins mit ihren gehäkelten und gestrickten Nachbildungen unserer Lieblingsspeisen vermitteln. Seit 2007 widmet sich die gebürtige Waliserin ausschließlich dieser Ausdrucksform. Seither hat Jenkins ihre Wollobjekte weltweit ausgestellt, zuletzt etwa 2020 in Hongkong, wo sie Galerieräume in eine farbenfrohe Bäckerei verwandelte.

Niederländisch
6304 17. Jh. Stillleben mit Hummer, Geflügel, Fischen, Gemüse und Erdbeeren. Öl auf Leinwand, doubliert. 71,3 x 137 cm.
3.500 €
Großformatige Stillleben wie das Vorliegende hingen oft in den Speisesälen vornehmer Haushalte, wo sie den Appetit der anwesenden Tischgäste durch die naturnahe Wiedergabe köstlicher Speisezutaten anregten.

André Joseph Mécou (1774 Grenoble – 1825 Paris) 6305 Arlequin, Égoiste et Gourmand. Radierung in Punktmanier nach Louis Marie Sicard gen. Sicardi. 45,5 x 38,5 cm. Béraldi IX, 1, Nagler 8 (Mecou), Le Blanc 13 (Mecou). 800 €
Pierrot wird wohl leer und mit knurrendem Magen ausgehen. In dieser humoristischen Szene starrt er mit sichtlichem Neid auf Harlekin, der an einem fein gedeckten Tisch sitzt und sich mit sichtlichem Genuss an einem Brathendl gütlich tut. Ans Teilen scheint er nicht zu denken. Im Hintergrund schiebt sich Mezzetino listig einen Bissen in den Mund und hat für den armen Pierrot nur einen süffisanten Blick übrig. Prachtvoller, reich differenzierter Druck auf der Plattenkante geschnitten. Vor allem im weißen Rand etwas fleckig, leichte Gebrauchsspuren, sonst gut erhaltenes Exemplar.

Arianna Fioratti Loreto (geb. 1967 New York)
6306 Hummer, von hinten gesehen. Schwarzer Stift (Rapidograph) auf Papier. 75 x 75 cm. Verso signiert und datiert „Arianna Fioratti Loreto, 2022“.
2.800 €
Die in Manhattan geborene Künstlerin studiert zunächst Kunstgeschichte in Harvard. Ihre Doktorarbeit an der Princeton University über romanische Skulptur entlang der Pilgerroute Via Francigena wird 1992 ausgezeichnet. Von 1993 bis 1997 arbeitet Arianna Fioratti Loreto als Textildesignerin in New York. Dort hat sie 1999 auch ihre erste Einzelausstellung, es folgen weitere Einzelausstellungen 2011 und 2013 in New York, 2015 in Atlanta, Georgia und zuletzt 2017 im
Naturkundemuseum ‚La Specola‘ in Florenz. Als künstlerisches Schlüsselerlebnis schildert sie die ‚Entdeckung‘ des Dürer‘schen Nashorns: „It is this very image, the heavily armored, graphically powerful, if not quite anatomically accurate, rhinoceros that inspired my first animal drawings more than twenty years ago.“ In ihrem zeichnerischen Œuvre verbindet sich die Liebe zum Licht- und Schattenspiel, zu Mustern und Strukturen mit derjenigen sowohl zu den Bestiarien der romanischen Kunst als auch zu der realen Tierwelt: „I found that animals had the most interesting patterns in nature. An owl‘s feathers, a boar‘s fur or an insect‘s wing are all fascinating examples of patterns.“ Arianna Fioratti Loreto lebt und arbeitet heute auf dem Familiengut nahe Florenz.
Arianna Fioratti Loreto
6307 Hummer, von vorn gesehen.
Schwarzer Stift (Rapidograph) auf Papier. 75 x 75 cm.
Verso signiert und datiert „Arianna Fioratti Loreto, 2022“.
2.800 €


Renaissancebesteck
6308 Dreiteiliges Renaissancebesteck. Messer, dreizinkige Gabel und Essdorn bzw. Pfriem. Eisen, die Griffe gefeilt und vergoldet, Griffschalen aus Bein. Länge des Messers 29,2 cm, des Pfriems 25,1 cm und der Gabel 20 cm. Europäisch, um 1580/1600.
1.800 €
Die Klinge des Messers aufwändig geätzt mit auf beiden Seiten unterschiedlichem Wappen, Arabesken und Inschriften: auf einer Seite „W L S VIRGINIA [Herz] NOLTA P D [Herz] M.“ Die Herzen könnten auf eine Vermählung deuten. Die Inschrift der anderen Seite „SP GE V C V Iv SF PR IU VENIL“.
Saliera
6309 Drache als Salzgefäß.. Polychrome Majolika. 12,5 x 12 x 22 cm. Urbino/Deruta, wohl 16. Jh. oder später.
800 €


6310 17. Jh. Stillleben mit Seeigeln, Krabben, Seetang und Meeresfrüchten.
Öl auf Kupfer. 25,8 x 39 cm.
2.400 €
Leicht nussig, nicht süß, aber auch nicht salzig: Der zarte Geschmack des Seeigels ist unverwechselbar und gilt unter den Meeresfrüchten des Mittelmeers als Delikatesse ersten Ranges. Wie gerade aus dem Wasser geholt – die Tropfen auf dem Felsen verstärken diesen Eindruck – sind sie in vorliegendem Ensemble die Protagonisten. Besonders in Neapel spezialisierten sich Stilllebenmaler ab dem 17. Jahrhundert auf das Thema der Meeresfrüchte und schöpften in ihren Arrangements vom Reichtum der heimischen See.

Alfred Arthur Brunel de Neuville (1852–1941, Paris)
6311 Austern, Crevetten und Zitrone. Öl auf Leinwand. 43,5 x 61 cm. Unten rechts signiert „Brunel de Neuville“.
2.400 €
Die Kunst des Genusses liegt oft im Weglassen. So sah es wohl auch der aus Paris gebürtige Maler Alfred Brunel de Neuville, dessen hier dargestellte Mahlzeit sich auf einen Teller mit Austern und einer Handvoll Crevetten beschränkt, die klassisch nur mit Zitrone beträufelt werden. Ein guter Tropfen rundet das Mahl ab. Brunel de Neuville, der sich insbesondere auf Stillleben kaprizierte, war seit 1907 Mitglied der Societé des Artistes Français und war regelmäßig auf den Pariser Salons vertreten.

James Andanson (1946 Clermont–Ferrand – 2000 Nant bei Montpellier)
6312 Marlene Dietrich mit Jean Pierre Aumont beim Austernessen, Paris.
Vintage Silbergelatineabzug auf PE Papier. 13 x 19,5 cm (19,8 x 29,5 cm). Verso mit Sygma Agentur Aufdruck, von Marlene Dietrich in blauer Filzstift bez. „How ugly M“ sowie in Tinte beschriftet. 1979.
500 €
Provenienz: Von Marlene Dietrich an den jetzigen Besitzer. Nachdem Marlene Dietrich sich seit 1978 ein Jahr lang aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hatte, zeigte sie sich nur noch selten vor Publikum. Dem berüchtigten Paparazzi und Mitbegründer von Sygma James Andanson gelang es 1979, die Dietrich bei einem von diesen seltenen Ausflügen zu fotografieren, während eines Restaurantbesuchs mit ihrem Freund, dem französischen Schauspieler Jean Pierre Aumont.

6313 Kaviar: 10 große Kaviardosen „Malossol“. 10 Vintage Weißblechdosen, schwarz, blau und gold beschichtet (ohne Inhalt; mit leichten Gebrauchsspuren und Resten von Etiketten). H. 8,3 cm, D. 12,6 cm.
60 €
Kaviar gilt als die Delikatesse schlechthin. Fast ausnahmslos wird der Rogen des Störs mit Luxus und Exklusivität assoziiert. Diese höchst dekorativen Dosen enthielten den schwach gesalzenen Kaviar „Malossol“.

Max Ferguson (geb. 1959 New York)
6314 Fulton Street Fish Market. Öl auf Papier. 31,8 x 45 cm. Zwischen den Lastwagen vertikal signiert „Mx [ligiert] Ferguson“. (2008).
6.000 €
Der New Yorker Künstler Max Ferguson, der zunächst Filmanimation an der New York University studierte, setzte sich während eines Auslandsaufenthaltes in Amsterdam mit der holländischen Malerei des Goldenen Zeitalters auseinander. Mehr noch als die technische Virtuosität der Alten Meister bewunderte er deren Fähigkeit, mit den Mitteln der Malerei Alltägliches semantisch aufzuladen, dem Profanen gar „Sakramentales“ zu verleihen. Seine Herangehensweise wurzelt in traditionellen Techniken und seine Werke entstehen über Monate hinweg in einem geduldigen und sorgfältigen Prozess. Die Bezeichnung Fotorealismus mag, wenn man sie allein auf das Technische bezieht, zutreffend sein, greift aber für Fergusons künstleri-
schen Anspruch zu kurz. Denn neben der ästhetisch-visuellen Qualität seiner Werke ist die Empathie für das Dargestellte von zentraler Bedeutsamkeit.
Für sein in Grisaille gehaltenes Gemälde hat sich Ferguson den berühmten Fischmarkt an der Lower East Side auserkoren, den Fulton Fish Market, der 1822 gegründet nach Tokio der größte Fischmarkt der Welt ist. Für die Händler öffnet der Markt Montag bis Freitag von 2 bis 7 Uhr. Ferguson schildert in seinem Gemälde das geschäftige Treiben der Händler vor der Fischhalle. Die Nacht wird hier zum Tag. Die grellen Flutlichter erleuchten die Ladenzone des Fischmarktes und lassen die nasse Asphaltfläche wie spiegelndes Glatteis wirken. Die Männer, warm eingepackt, transportieren und verladen die gekühlte Ware. Beim Betrachten des Bildes kann man sich nur zu gut vorstellen, was für eine Geräuschkulisse hier herrscht, das Stimmengewirr der Halle, das Rumpeln der zu verladenen Kisten, die An- und Abfahrt der Fahrzeuge. Durch die reduzierte, sepiafarbene Palette, die an frühe Fotografien erinnert, verstärkt Ferguson den Eindruck der noch kühlen Morgenstunden und evoziert die lange Tradition des legendären Marktes.

Paul Almasy (1906 Budapest – 2003 Jouars–Pontchartrain)
6315* „Drink Coca Cola“, Okinawa. Silbergelatineabzug. 29 x 28,5 cm (30,4 x 40 cm). Verso Editionsetikett, darin mit Stempelsignatur und 1 von 10 nummeriert. 1970/Abzug 2001.
1.200 €
Seb Winter (geb. 1971 Rosenheim, lebt in Berlin) 6316 High tea. Giclee fine art print auf Hahnemühle-Papier. 60 x 67 cm (62 x 69 cm). Verso mit Bleistift signiert „Seb Winter“ und datiert. 2010/Abzug 2022.
600 €
Seb Winter fand, nach anfänglicher Ausbildung als Banker, in London seine Berufung zum Fotografen im Bereich Beauty und Fashion, in welchem sein Gespür für intensive leuchtende Farben besonders gut zur Geltung kommt. Seine Fotos haben das Image großer internationaler Firmen wie Clinique, Revlon, L’Oreal, Panten und Olay geprägt Unser Foto entstand 2010 bei einem Auftrag für Waitrose in London.


HA Schult
(geb. 1939 Parchim)
6317 „Konsum – Konsum“ Assemblage in Holzkasten. 52,5 x 42,8 x 10 cm. Signiert „HA.Schult“, datiert und betitelt. Auflage 100 num. Ex. 1974.
250 €
HA Schult ist ein gezielter Provokateur und wiederholter Mahner unserer Zeit, der stets die Aufmerksamkeit auf den übermäßigen
Konsum unserer Gesellschaft und die damit herbeigeführte Umweltzerstörung lenkt. Bekanntheit erlangte der Künstler unter anderem mit seinen Trash People, lebensgroße Figuren aus Müll, welche einen Ausstellungs-Zug um die Welt antraten. Mit der Edition KonsumKonsum richtet der Künstler den Blick auf den prototypischen Inhalt eines überquellenden deutschen Küchenschrankes der 1970er Jahre, mit Azora Orangenplätzchen von Bahlsen und Knorr Brühwürfel.

Paul McCarthy
(geb. 1945 Salt Lake City, Utah, lebt in Los Angeles) 6318 Pudding. Bierglas, gefüllt mit schwarzer Gummimasse. 14,3 x 12,3 x 7,9 cm. Auf der Unterseite mit silberfarbenem Edding monogrammiert „PM“. Auflage 100 num. Ex. 1999.
600 €
Herausgegeben vom Künstler.
Lisa Milroy
(geb. 1959 Vancouver, lebt in London)
6319 Fast Food.
6-teilige Arbeit. Öl auf MDF. Je 66 x 94 cm. Sämtlich verso mit Faserschreiber in Schwarz signiert „Lisa Milroy“, datiert, betitelt und mit Skizze zur Anordnung. 1999.
3.500 €
Ausstellung: Lisa Milroy, Ausst.-Kat. Tate, Liverpool 2001, S. 113, Nr. 118 (mit Farbabb.)
Provenienz: Galerie Jennifer Flay, Paris. Sotheby‘s, London, Auktion am 15. Oktober 2007, Los 339. „Fast Food“ - dafür stehen bei Lisa Milroy die Gerichte „Baked Potato“, „Hamburger“, „Spareribs“, „English Breakfast“, „Curry“ und „Hotdog“, denen sie jeweils einen Bildteil widmet. Die Künstlerin bezeichnet sich selbst als Stilllebenmalerin. Sie sieht im Begriff „Stillleben“ nicht nur die beiden gegensätzlichen Zeitmodi, definiert durch Stille und Bewegung, sondern auch die zwei grammatikalischen Funktionen des Wortes „Malerei“ widergespiegelt – als Substantiv
signalisiert Malerei Kontemplation und Stille, als Verb steht malen für im Leben angesiedelte Aktion.
Milroy begann in den 1990er Jahren, nach Fotografien zu malen. „Die Objekte, die ich zum Malen auswählte, waren normalerweise schön oder optisch ansprechend, und ich wollte diese Qualität in der Farbe zelebrieren. Solche Gegenstände haben auch meine Emotionen geweckt - wie Souvenirs haben sie beide ein Gefühl der Verbundenheit und des Verlustes ausgelöst. Der feierliche Aspekt des Visuellen in Kombination mit dieser doppelten emotionalen Komponente hat in mir ein intensives Gefühl des Lebendigseins aufgewühlt, das mich dann mit dem Drang erfüllte, es einzufangen oder in Farbe zu spiegeln. Beim Malen eines solchen Objekts konzentrierte ich mich darauf, an nichts anderes zu denken als an die reine Beschreibung und die Freude am Malen.“ (Lisa Milroy, im Interview mit Lewis Biggs, in: Painting Fast Painting Slow, Alan Cristea Gallery, London 2011, zit. und übs. nach lisamilroy.net, Zugriff 30.03.2021).







6320
Andy Warhol
(1928 Pittsburgh/Pennsylvania – 1987 New York)
6320* Campbell‘s Soup II: Old Fashioned Vegetable. Farbserigraphie auf glattem Velin. 81 x 48 cm (89 x 58,5 cm). Verso signiert „Andy Warhol“. Auflage 250 num. Ex. 1969. Feldman/Schellmann 54.
12.000 €
Die Serie Campbell‘s Soup Cans II von 1969 war eine Fortsetzung von Warhols erster Campbell‘s-Folge von 1968 und enthielt wiederum zehn Drucke, diesmal mit ungewöhnlicheren Geschmacksrichtungen. Diese zweite Serie verwendet das gleiche altbekannte Markendesign, jedoch mit neu gestalteten Etiketten. So werden auf der Vorderseite der Dose Entwürfe verwendet, die für jeden Geschmack
einzigartig sind und oft ein illustratives Flair hinzufügen. Auf diesem speziellen Druck lautet das Etikett „Old Fashioned Vegetable made with Beef Stock“. Warhols Portfolio entstand sieben Jahre nachdem seine ersten Campbell’s Soup-Gemälde 1962 in der Ferus Gallery debütierten. Es erhielt zunächst gemischte Kritiken von Künstlern und Kritikern. Mit diesen Serien eignete sich der Künstler bekannte Objekte und Bilder der Konsumkultur an, stellte sie in einen neuen Kontext und erhob sie effektiv zur bildenden Kunst. Warhols Suppendosen dienten ihm so nicht nur als Symbol für Konsum und Werbung, sondern auch als Kommentar zum Status quo der Kunst. Noch heute beherrschen Warhols ikonische Campbell‘s Soup-Drucke die Welt der Pop-Art. Verso mit der Gummistempel-Numerierung. Prachtvoller farbsatter Druck mit dem vollen Rand.

Klaus Enrique (geb. 1975 Mexiko–Stadt)
6321 „Der Gemüsegärtner“ nach Giuseppe Arcimboldo. Glossy Chromogenic print. 68,5 x 45,7 cm (96,5 x 74 cm).
Ed. 4/5. 2011/Abzug 2022.
2.500 €
Fasziniert fragt man sich bis heute, wie viel Reales hinter den bizarren Kompositbildern des Giuseppe Arcimboldo (1526-1593) steckt und was dagegen nur malerische Fiktion ist. Diese Frage trieb auch Klaus Enrique um, als er begann, die phantasievollen Arrangements des italienischen Meisters buchstäblich zum Leben zu erwecken. Mit Rüben, Salatköpfen, Blüten und allerlei Früchten schafft er Skulpturen von vergänglicher Opulenz, nur konserviert durch seine Fotografien.

Ivan Vasilievitch Kliun (1873 Bolschije Gorki – 1943 Moskau) 6322 Der Erbsenstrauch. Aquarell auf Papier. 42,7 x 30,6 cm. Um 1938. 2.400 €
Ivan Kliun wurde 1873 als Sohn eines Schreiners geboren und siedelte mit seiner Familie in den 1880er Jahren nach Kiev über. Ab 1896 besuchte er die Zeichenschule der Gesellschaft zur Förderung der Künste in Warschau, bevor er 1898 nach Moskau übersiedelte und dort in den Ateiliers von Fedor Rerberg und Ilya Mashkov arbeitete. Im Jahre 1907 lernte er Kasimir Malevich kennen mit dem ihn eine
lebenslange Freundschaft verband und machte durch diesen auch Bekanntschaft mit dem Kreis der russischen Avantgardisten. Stilistische wendete er sich in dieser Zeit vom Realismus und Impressionismus mehr und mehr dem Cubo-Futurismus und später dem Suprematismus zu. Über die Jahre gehörte er verschiedenen Künstlergruppen an und unterzeichnete auch Malevichs spurematistisches Manifest. Er bekleidete verschiedene Posten und Lehrstühle in der jungen Sovietunion, war aber zu Beginn der 1930er Jahre immer stärkeren Repressionen ausgesetzt, zunehmend isoliert und sein Werk wurde als „Formalismus“ politisch diskreditiert. Seinen Lebensunterhalt verdiente Kliun in dieser Zeit mit der Illustration von Büchern und wandte sich wieder einem realistisch geprägten Zeichenstil zu.

Stephen Shore
(geb. 1947 New York)
6323 „New York City, New York, September-October 1972“.
Chromogenic print auf Fujicolor Professional Papier. 10 x 15 cm (20 x 25,5 cm). Verso in Tinte vom Fotografen signiert und mit der Auflage 5/10 versehen. Gerahmt hinter Glas mit 303 Gallery New York Etikett auf dem Rahmen verso. 1972/ späterer Abzug.
€
Zu den Fotos, die er während seines ersten Roadtrips gemacht hat, erklärte Stephen Shore: „This series is called American Surfaces. It began as a road trip. My idea was to keep a visual diary of meals I ate, people I met, televisions I watched, motel rooms I slept in, toilets I used, as well as the towns I would drive through, and, through this visual diary and series of repeated subjects, build a kind of cultural picture of the country at the time. But, I had something else in mind at the same time, which was, I wanted to take pictures that felt natural I think everyone is familiar with the fact that they often write in a different way than they speak, and that their writing can sometimes seem more stilted, and even use a different vocabulary. And I wanted pictures that felt as natural as speaking.“

Paul Almasy
(1906 Budapest – 2003 Jouars–Pontchartrain)
6324* „Passanten vor der Auslage bei Fauchon, Paris“. Silbergelatineabzug. 28,8 x 28,5 cm (30,5 x 38 cm). Verso Editionsetikett, darin vom Fotografen mit Filzstift signiert und 1 von 10 nummeriert. 1975/Abzug ca 2001. 1.200 €
Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1886 steht die Delikatessenhandlung Fauchon für kulinarische Exzellenz. Der aus Calvados stammende August Félix Fauchon begann seine Karriere als Lehrling bei dem Magnaten Félix Potin bevor er seinen „Vier Jahreszeiten“-Wagen mit feinstem Obst und Gemüse auf dem Markt bei der Madeleine präsentierte. Nur ein Jahr später eröffnete Fauchon dann sein erstes Geschäft auf der Place de la Madeleine mit französischen Produkten erster Qualität.

Klaus Enrique (geb. 1975 Mexiko–Stadt)
6325 „Vertumnus“ nach Giuseppe Arcimboldo. Glossy Chromogenic print. 68,5 x 51,2 cm (96,5 x 80,7 cm). Ed. 5/5. 2010/Abzug 2022.
2.500 €

„Marcipan und anderes Zuckerwerck“
6326 Von candirten Zucker Sachen. Pomeranzen, Citronen, Lemonien einzumachen candirt und uncandirt.
Deutsche Handschrift auf Papier. 2 Teile in 1 Band von 2 verschiedenen Händen. 138 hs. num. Bl., 8 nn. Bl. Register, S. 139-188, 9 w. Bl., 5 Bl. Register. 18,8 x 15 cm. Hellgrün gefärbtes Pergament d. Z. (etwas beschabt und berieben, fleckig und kaum bestoßen; ohne die Bindebänder). Süddeutschland, um 1700–1750.
800 €
Ein umfangreiches, handgeschriebenes und gut leserliches Handbuch mit dem gesamten Wissen der Zeit über das Konservieren von Obst, das Einmachen, Entsaften, Trocknen, Dörren und Kandieren, das wohl aus dem Königreich Sachsen stammt, aus Dresden oder Umgebung. So befand sich das Buch im Besitz der bekannten Dresdner Kondi torenfamilie Beyer, Inhaber der Prinzl. Hofkonditorei und Café Beyer, die Filialen in der Wilsdruffer Straße 20 bwz. 38 in Dresden hatte. Beide Teile enthalten Hunderte von Rezepten zum Einmachen von Obst, von Äpfeln über Quitten bis hin zu allerhand Südfrüchten mit Zitronen, Orangen, Limonen, Pomeranzen etc., wobei die extrahier-
ten Säfte, Saucen und gestockten, gelierten Liquide phantasievoll gewürzt werden, u. a. mit Holunderblüten, Lavendel, Misteln, Muskatnüssen, Rosmarin, Rosenblättern, Ingwer, Hagebutten und vielem mehr. Ausführliche Anweisungen finden sich zur Herstellung von Marzipan mit der Verarbeitung von Mandelmassen, Nussteigen, Eisspezialitäten und Parfaits, es folgen Back- und Tortenrezepte, Anleitungen zum Backen von Zuckerbroten, von Nürnberger Pfefferkuchen. „Nürnberg Pfefferkuchen“, „Marcipan in Formen“, „Eiß auf die Marcipan zu machen“, „Aufgelauffenes Zuckerwerck von allerley Farben zu machen“, „Candirt Zuckerwerck“, „Citronat einzumachen“, „Weiße Quitten mit rotem Safft“, „Pfeffer Nüßgen“, „Wie man die gantz klar und helle Quitte Zesten Machet“, „Die Quitte Spalten“, „Wie der Quitten Schaum zu machen“, „Wie man das Moscowitter Brot backen soll“, „Vorstosser Apfelsaft“, „Muscateller-Birn einzumachen“, „Wie man gantze Johannes Beer, einmachen soll“, „Morellen ein zu Machen“, „Wie man Schlehen einmachen soll“, „Misteln einzumachen“, „Wie man den Himbeersaft machen soll“, „Wie man blauen Violen Safft machen soll“, „Gebackener Ingber“, „Melißen Blätter oder was man vor Blätter haben wie zum Confect zu Bewerfen“, „Wie man Citronen und Pommerantzen gantz einmachen soll“.

Florentinisch
6327 17. Jh. Kirschen, Zitronen und Birnen auf einer Marmorplatte.
Tempera auf Pergament, an den Rändern auf eine Holztafel fixiert. 19,2 x 24,3 cm.
12.000 €
Fürstliche Festmahle vergangener Epochen muss man sich als prunkvoll schillernde Bankette vorstellen, bei denen zur Belustigung der Sinne Tafelgeschirr und Tischdekor mit den kunstvoll präparierten Gerichten um die Wette strahlten. Der Sinnspruch „Das Auge isst mit“ leibhaftig gewordene Realität. Dabei brachten barocke Sinnfreudigkeit und Genusslust die Kunst form der Schaugerichte hervor. In Porzellan, meist aber Fayence, imitierten diese kuriosen Objekte Speisen von der Ente bis zum Kürbis und verbanden dabei das Nützliche mit dem Schönen.
Mit der Verfeinerung der Tischsitten ab dem 17. Jahrhundert, als Gerichte nicht mehr gleichzeitig sondern nacheinander serviert wurden, und Tischdecken, Besteck, Servietten sowie wechselndes Geschirr üblich wurden, war der Schritt vom genießbaren Schauessen zum dekorativen Schaugericht nur mehr ein kleiner. Man beeindruckte Tischgäste nicht mehr nur mit Fasanen und Pfauen in ihrem natürlichen Gefieder oder Pasteten, aus denen beim Aufschneiden kleine Vögel herausflogen, sondern auch mit Tellern, Terrinen, Pokalen und Aufsätzen, die in puncto Augentäuschung mit den Gerichten konkurrierten. Zunächst waren es noch Köche, die aus Zuckermasse Tiere, Früchte und allerlei Augentrug formten. Den Übergang zum Tafelschmuck aus Keramik diktierten später nicht ästhetische oder hygienische Gründe, sondern die zahlreichen Kriege, die selbst die prunkliebenden Herrscher Frankreichs dazu zwangen, auf teure und vergängliche Dekorationen aus Zucker und Ähnlichem zu verzichten – am Hofe Kaiserin Maria Theresias 1761 sogar per höchst offiziellem Dekret. Die Zeit der Fayence- und Porzellanaufsätze war angebrochen. Von
Delft, über Straßburg und Höchst eröffneten insbesondere im 18. Jahrhundert in ganz Europa Manufakturen, die neben der Produktion von Alltagsgeschirr auch den fürstlichen Brauch der Schaugerichte fortführten.
Die prominentesten Stücke waren oft große Terrinen, wobei der Fantasie keine Grenze gesetzt war. Zu den beliebten Formen gehörte Jagdwild, etwa Vögel wie Fasane oder die hier angebotene Ente (Los 6330). Terrinen konnten aber auch wie exotische Früchte oder heimisches Gemüse aussehen – besonders Kohlköpfe gab es in jeder Façon (Los 6331). Zum Abschluss des Mahls reichte man dann Süßes, beispielsweise in zu Melonen geformten Deckeldosen (Los 6329). Das Spiel mit dem Trompe-l’œil erstreckte sich aber nicht nur auf funktionales Geschirr. An den Tafeln konnte man sich an Oliven, Bohnen, aufgeschnittenen Eiern oder auch an Walnüssen aus Fayence, wie hier Los 6333, sattsehen, die auf Tellern als reine Schaugerichte präsentiert wurden. Im flackernden Schein der Kerzen ließen sich Essbares und Zierde nicht immer leicht unterscheiden.
Bis heute üben Schaugerichte zwischen Schaulust und Sinntäuschung ungebrochen ihre Faszination aus. Umso mehr als mit Revolutionen, der damit einhergehenden Verbürgerlichung und dem zum Schlichten neigenden Klassizismus der Sinn für das Amüsante und Spielerische am Tisch verloren ging. Erst in jüngster Zeit inspirieren sie als Kuriosum und Zeugen vergangener Prachtentfaltung auch zeitgenössische Künstler wie Gudrun Gaube, die in ihren kunstvollen Naturabgüssen aus Porzellan das Skulpturale am Essbaren aus dem Beet wiederentdeckt (Lose 6403, 6404 und 6406).
6328 Ein Paar Gewürzdosen (Gewürzsourtour) mit Zitronen.
Fayence mit Scharffeuerfarben. 23 x 20 cm. Schrezheim, um 1770.
2.800 €
Ein sehr ähnliches Schaugericht befand sich in der Sammlung SchmitzEichhof, siehe Erich Köllmann, Gisela Reineking von Bock und Marie-Theres Schmitz-Eichhof: Sammlung europäischer Fayencen des 17. – 19. Jh., Köln 1991, Nr. 178.
6329 Deckeldose in Form einer Melone mit Unterschale. Fayence, Aufglasurfarben in Gelb, Grün und Schwarz. 29,5 x 12 cm. Wohl Schrezheim, um 1770 oder später.
2.500 €
Provenienz: Kunsthandel Segal, Basel. Sammlung Gut Hohen Luckow, Mecklenburg (auf dem Boden und auf der Innenseite des Deckels mit Sammlungsetiketten).
Die melonenförmige Schale mit abnehmbarem Deckel ist auf der zwölfpassigen Blattschale fixiert. Bei der Farbauswahl harmoniert die naturalistische Bemalung der Melone, die den Eindruck einer reifen Frucht erweckt, mit dem Türkisgrün der drei geschwungenen, feingeäderten Blätter. Diese gehen von einem kleinen Stiel auf der Schalenseite aus und bilden den Deckelgriff. In einer solchen Dose wurden vermutlich Delikatessen wie Fruchtpürees oder aber vielleicht eingelegte bzw. kandierte Melonenstücke serviert. Vergleichbare Stücke finden sich u.a. im Hetjens Museum in Düsseldorf, im Schloss Ludwigsburg sowie im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe (vgl. Hans Erdner, Die Fayencefabrik zu Schrezheim 1752-1865, Ellwangen 1972, Nr. 323.). Wir bedanken uns bei Dr. Gun-Dagmar Helke, Dresden, für die wissenschaftliche Beratung.


6330 Deckelterrine in Form einer Ente. Fayence, Unterglasurfarben in Blauviolet und Gelb. L. 30,5 cm, H. 18,5 cm. Wohl Cerreto Sannita (Kampanien), letztes Viertes 18. Jh.
2.500 €
Provenienz: Kunsthandel Esch, Düsseldorf. Sammlung Gut Hohen Luckow, Mecklenburg (auf dem Boden und auf der Innenseite des Deckels mit Sammlungsetiketten).
Gemütlich hockt die Ente auf ihrem Bauch, die Beine vor sich ausgestreckt und schaut aufmerksam in die Umgebung. Das Gefieder ist bereits in der plastischen Gestaltung angelegt und wird durch die stilisierte Staffierung weiter präzisiert. Die vollständige Glasur im Inneren legt nahe, dass die Terrine für den Gebrauch konzipiert war. Man fand sie wohl auf der Tafel eines Jagdbanketts in einem Land- oder Jagdschloss, wo sie vermutlich zum Servieren von Entenragout oder Vergleichbarem Verwendung fand. Wir bedanken uns bei Dr. Gun-Dagmar Helke, Dresden, für die wissenschaftliche Beratung.

6331 Deckelterrine in Form eines Kohlkopfes. Fayence, hellrötlichbrauner Scherben, weiß glasiert und in polychromen Scharffeuerfarben staffiert. Plastischer Kohlkopf auf vier aus schmalen Blättern geformten Füßen. Der Deckel mit einem Knauf in Form einer Rübe, im oberen Blattrand eine Pflaume und eine Muskatnuss, an der Laibung ein Paar Kirschen. 24 x 22 x 22 cm. Holitsch (Holíc), um 1760.
1.500 €
Die im Jahre 1743 von Franz von Lothringen gegründete Fayence Manufaktur Holitsch im Nordwesten der Slowakei war das älteste Unternehmen seiner Art in der Habsburgermonarchie. Abnehmer waren vor allem der kaiserliche Hof und der Adel in Mitteleuropa, später verbreiteten sich die Produkte auch zunehmend in der ländlichen Bevölkerung. Die frühen Produktionen waren stark von italienischen Manufakturen beeinflusst, mit dem Zuzug von namhaften Malern und Modelleuren aus Durlach, Fulda und Höchst rückte die figürliche Produktion später immer mehr in den Fokus.



6332 Deckelterrine in Form einer Melone. Fayence, Aufglasurfarben in Gelb, Grün und Schwarz. 23 x 32 x 21 cm. Italien, wohl Nove, um 1770-1780.
3.000 €
Provenienz: Kunsthandel Esch, Düsseldorf. Sammlung Gut Hohen Luckow, Mecklenburg (auf dem Boden und auf der Innenseite des Deckels mit Sammlungsetiketten).
Die Melonenterrine überrascht durch ihre imposante Größe und Schwere. Die längsausgerichtete Godronierung und die kleinen, punktartigen Dellen in der Oberfläche strukturieren den Korpus lebhaft. Das Blattwerk und die aufgelegten Äste, die sich auf dem Deckel zu einem Henkel formen, umspielen die kompakte Frucht. Dabei verleihen gerade die kleinteilig gezackten Blattränder, die netzartigen schwarzen Blattadern und die geschwungene Form dem Laub eine
Leichtigkeit, die die Schwere des Materials nahezu aufhebt. Die starke Gefäßwand erklärt sich dadurch, dass das Material kein klassischer Fayencescherben ist, sondern bereits eine Art Steingut. Dieses Material löste die Fayence in vielen Manufakturen ab. Bei unserem Stück handelt es sich vermutlich um ein Werk aus einer frühen Erprobungsphase, bei der die Wandung noch recht stark ausgebildet ist. Wir be danken uns bei Dr. Gun-Dagmar Helke, Dresden, für die wissenschaftliche Beratung.
Abbildung Seite 35
6333 Trompe-l‘œil Teller mit Walnüssen. Fayence mit bunten Scharffeuerfarben. Bodenmarke (ungedeutet). D. 24 cm. Frankreich, um 1800.
3.500 €

Paul Almasy (1906 Budapest – 2003 Jouars–Pontchartrain) 6334* „Pyramiden aus Erdnußsäcken, Kano“. Silbergelatineabzug. 28,3 x 28 cm (30,3 x 40 cm). Verso Editionsetikett, darin mit Stempelsignatur und 1 von 10 nummeriert. 1964/Abzug 2001.
1.200 €

6335, im Rahmen
Giovanna Garzoni
(1600 Ascoli Piceno – 1670 Rom)
6335 Stillleben mit Birnenzweig, gedörrten Birnen, einer Mandel in Schale und einer Stubenfliege. Gouache und Aquarell auf Pergament. 14,2 x 19,3 cm.
60.000 €
Zu den zeitgenössischen Sammlern der gesuchten Werke von Giovanna Garzoni gehörten Mäzene wie die Medici oder Colonna. Zeitgenössischen Berichten ist zu entnehmen, dass sie für ihre Bilder jeden Preis fordern konnte. Garzoni verließ im 17. Jahrhundert den für Frauen vorgeschriebenen Lebenspfad und etablierte sich als eine der ersten erfolgreichen Künstlerinnen ihrer Zeit an den wichtigsten italienischen Höfen von Neapel bis Turin. Obwohl ihr Œuvre mit Portraits, Miniaturen, Historienbildern sowie kalligraphischen Arbeiten überaus facettenreich war, faszinieren heute insbesondere die botanischen Stillleben auf Pergament, die exakte Beobachtungsgabe mit einem höchst individuellen Stil verbinden. Diesen widmete sich
Garzoni intensiv ab den 1640er Jahren in Florenz am Hofe der Medici, wo für sie für Großherzog Ferdinand II. und seine Familie wirkte.
Charakteristisch für Garzonis Arbeiten ist das Miniaturhafte: Punkt für Punkt und Strich für Strich formte sie Pflanzen, Früchte und kleine Tiere mit sensibler Präzision. Auf ihren Blättern ist die Natur lebendig, sie reift und welkt. So auch auf Vorliegendem, auf dem der Verfall einer Birne von der prallen Frucht am Zweig bis hin zum völligen Verschrumpeln wiedergegeben ist. Eine offene Mandel und eine Stubenfliege runden die reduzierte Komposition ab. Durch das Isolieren der Bildelemente auf dem weißen Untergrund ist die Konzentration auf das Essentielle maximal. Der sinnlichen Unmittelbarkeit der Darstellung entnimmt man Garzonis Neugierde für die sie umgebende Natur und deren Transformationsprozesse, die sie in raffinierten Bildern von immensem Charme zu übersetzten wusste.


Petra Frieda Petitpierre (1905 Zürich – 1959 Murten)
6336 Fruits d‘automne.
Öl auf Leinwand. 41 x 56 cm. Unten links in der Darstellung mit Pinsel in Braun signiert „PETITPIERRE“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen nochmals datiert, betitelt „Fruits“ sowie schwer lesbar bezeichnet. 1942.
4.000 €
Ausstellung : Gesellschaft Schweizer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen (GSMBK), mit deren Klebeetikett verso (o.J.)
Provenienz: Aus dem Nachlass der Künstlerin (Nachlassstempel auf dem Keilrahmen „Nachlass Petra / S. Müller-Petitpierre / CH-Airolo“).
Äpfel und Birnen gruppiert die Schweizer Künstlerin zu einem herbstlichen Stillleben, wie sie zu Beginn der 1940er Jahre häufig Pflanzliches, Bäume oder Früchte thematisiert. In gedeckten Farben schweben sie im Bildraum und spiegeln möglicherweise Petitpierres Verarbeitung des Todes ihres Mentors Paul Klee wider. 1929 ging Petra Petitpierre ans Bauhaus Dessau und begann dort mit dem
obligatorischen Vorkurs bei Josef Albers und als Schülerin in der freien Malklasse von Wassily Kandinsky. 1930 wechselte sie dann in die Klasse von Paul Klee. Ein Jahr später folgte sie ihm an die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf, wo sie ihr Studium 1932 als Meisterschülerin von Klee abschloss. Während Ihres Aufenthaltes in Paris arbeitete Petitpierre bei Fernand Léger und André Lhote. 1945 brachte ihr eine Einzelausstellung in Bern die erste öffentliche Anerkennung. Am 6. Oktober 1930 notierte die junge Künstlerin in Dessau: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis. Plötzlich ist es hell geworden und ich sehe einen klaren Weg. Und plötzlich ist mir der Begriff ‚abstrakt‘ klar. … Und dass die Worte ‚Klangfarbenharmonien‘ und ‚Klangfarbenmelodien‘ nicht umsonst einen tiefen Eindruck machen, wusste ich. Plötzlich stand das mit einer Eindrücklichkeit da und ich tastete. Und heute bin ich der Sache sicher, ich weiß nun, was ich suche: Farben, Musik, Eindruck, feinste Empfindung des Erlebnisses. … Der farbige Klang ist das Primäre.“ (zit. nach: zellermayer.de, Zugriff 23. März 2022).

Pol Cassel
(d.i. Paul Ernst Karl Cassel, 1892 München – 1945 Kischinew)
6337 Stillleben mit Birnen, Hagebutten und Trauben auf blauem Teller.
Öl auf Sperrholz. 23,5 x 26,7 cm.
3.500 €
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (verso mit dessen Nachlassstempel).
Sächsische Privatsammlung.
Das tradierte Sujet des Früchtestilllebens wird in der Interpretation
Pol Cassels zu einem kraftvollen Nebeneinander intensiver Farben:
Auf einem leuchtend blauen Teller liegen satt gelbgrüne Birnen, karmesinrote Hagebutten und dunkle Trauben. Deren Leuchten scheint sich weniger von der Umgebung als vielmehr vom Inneren, von den
Farben selbst zu speisen. Bereits die zeitgenössische Kritik bescheinigte dem gebürtigen Münchner fasziniert das Können „Bilder von fesselnder Kraft der Gruppierung und der Kontraste“ zu schaffen ( Cicerone, Jg. 20 (1928), S. 177), sah in ihm gar die „große Hoffnung“ sächsischer Kunst (Will Grohmann, ebd., S. 666). Doch gehört Cassel jener „verschollenen“ Generation Künstler an, deren Verspre chen mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten unerfüllt blieben. Der Maler beendete seine in Erfurt begonnene Ausbildung ab 1909 an der Kunstgewerbeschule in Dresden, wo er Otto Dix, Otto Griebel und Bernhard Kretzschmar kennenlernte. Nach dem Krieg fand er ab 1921 in der Abgeschiedenheit der Sächsischen Schweiz bei Wehlen in einem stillgelegten Steinbruch jene Abgeschiedenheit und Nähe zur Natur, durch die seine facettenreiche Ausdrucksweise in den 1920ern schließlich reifen konnte.

Deutsch
6338 um 1840. Bildnis eines Kochs in weißer Kochjacke und mit weißer Kochmütze. Öl auf Malpappe. 26,9 x 21,5 cm.
1.200 €

„Zuckerbackerey und Gewürzgewölb“
6339 „Auf die Zuckerbackerey – Handausgaben“ –„Auf die Küche – Gewürzgewölb“.
Zwei Haushaltungsbücher des Wiener Hofes. Deutsche Handschrift in schwarzer Tinte von mindestens zwei Händen auf Papier. 44 nn. Bl. (davon 41 gefüllt); 28 nn. Bl. (davon 21 Bl. gefüllt). 20 x 25 cm. Zwei Originalbroschuren mit identischen Kleisterpapierumschlägen (leicht fleckig; teils mit kleineren Randläsuren) und mont. Deckelschild mit Wappen und handschr. gefüllter Rahmenkartusche. (Wien) 1776.
500 €
Diese beiden Haushaltungsbücher lassen uns unmittelbar miterleben, was in der wohl größten, betriebsamsten und feinsten Küche aller habsburgischen Länder während der Maria-Theresia-Zeit zubereitet, verarbeitet und schließlich aufgetischt wurde. Und das in großen Mengen. Hektoliterweise und in Fudern wurden die Waren in die mehrere Gewölbe umfassenden Kochstätten geschafft. Allein die Tatsache, dass es sich hier nur um zwei (mit Nr. 4 und Nr. 6 bezeichnete) Bände eines Jahrganges handelt, lässt die Ausmaße des „kulinarischen“ Hofstaates erahnen. Ein stattliches Heer von Bediensteten muss „auf der Küche“ und „auf der Zuckerbackerey“, in diesem dampfenden und köchelnden Universum, beschäftigt gewesen sein. Beide Journale sind von besonderem Interesse, da sie dem Titel
nach eher außergewöhnliche Bereiche des Genusses berühren: die Konfiserie, das Werk der Zuckerbäcker, und die Palette der Gewürze und Spezereien. Jede Seite des Journals hat elf Leerspalten, angefangen mit dem Datum, (Monat/Tag), dann dem Gegenstand, einer Spalte für den Betrag (Debit und „Hieran bezahlt“), einer SummaKolumne und einer abschließenden Spalte für interne Vermerke. Beide Bücher umfassen den gesamten Jahreszeitraum von Januar bis Dezember. Die Monatsabschlüsse sind jeweils von einem verantwortlichen Hofbeamten („Melchior Plätter [?]“) unterzeichnet.
Im Folgenden eine Stichprobe der genannten, oft mit Gewichts- oder Mengenangaben versehenen Viktualien (hier jeweils wörtlich zitiert, die Orthographie wechselt mit dem Schreiber): Zuckerbackerey –Caffee, Obers, Schoklath, Pommerantzschen, Obst, Trauben, Apffell, Bergemotten Birn, Saltz, Nuß, Limony, Karotten zu die Compott, Vanille, Köchell Pappire, Mehl zum Backen, Mändell Öhl zum Carmmell, Weiße Rennetten, Hollendisch Pappire, gute Milch auf die Nacht, große Tattellen, Florentiener, Liminathe, Amorellen, Kirschen auf die Nacht, Erdbeer, Melonen, Spanische Weichsell, Marmelade, Oblatten, ... zum Confeckt färben, Ceteraty u.v.m.
Gewürzgewölb – Maroni, Austern, Lemoni, Caffee, Margaranthen, Essig, Oliven, Carolin Reis, Vermisellee, 1 Fäßel Sennft, ParmasanKäß, Zucker, 1 Bout. Roten Essig, Citronat, Möhrchen Sallat, Mandel, Sardelle, Cocolato/Chokolade, Pomeranzen, Muscat Nuß, fein Zucker, Portogalli, Oblaten, Carollin, 3 Lot. Hauppenblaten, Weißer Pfeffer, Caperi, Granaten, Cederati, Feisteln u.v.m.

Francisco de Goya
(1746 Fuendetodos – 1828 Bordeaux)
6340 Estan calientes – Sie sind warm. Aquatintaradierung, Blatt 13 aus der Folge Los Caprichos 21,6 x 15,3 cm. (1799). Delteil 50, Harris 48 III, wohl 9. Ausgabe (von 12).
450 €
Auf Goyas Vorzeichnung zu dieser Graphik heißt es: „Traum von Männern, die uns auffraßen“. Heute würde man es vielleicht – sozu6340
sagen in modernerer Form – so formulieren: „Die fressen uns die Haare vom Kopf“. Goya bezieht sich hier mutmaßlich auf das maßlose Leben und Zechen der Mönche, die damals vor allem durch Spenden in Form von Naturalien unterhalten wurden. So nahmen und schmälerten sie vor allem der ländlichen Bevölkerung ihre Nahrungsgrundlage. Ganz ausgezeichneter Druck mit Rand. Dieser minimal schwach altersspurig, oben zwei winzige Bestoßungen, rechts unten minimal fleckig, sonst tadellos.

Daniel Spoerri (geb. 1930 Galati, lebt in Wien)
6341 Eaten by Marcel Duchamp (Le mégot de cigare de Marcel Duchamp).
Farbserigraphie auf Leinen, auf Hartfaserplatte kaschiert. 62 x 69 cm. Signiert „Daniel Spoerri“, datiert, betitelt und bezeichnet e.(preuve d`) a.(rtiste). 1964–1990.
500 €
Daniel Spoerris „Fallenbilder“ („tableaux pièges“) gelten als Markenzeichen des Künstlers und machen ihn zu dem bedeutendsten Vertreter der „Eat Art“. Das Hinterfragen der menschlichen Essgewohnheiten,
Traditionen und Sinneswahrnehmungen wird in seinen Reliefs aus Essensresten und Tischutensilien immer wieder zum Thema gemacht. Von 1964 bis 1965 lebte Spoerri im Chelsea Hotel in New York. Während dieser Zeit stellte er die Ausstellung „Eaten by… – 31 Variations on a Meal“ in der Allan Stone Gallery zusammen. Mit seinen Tischassemblagen ließ er das Publikum an 31 intimen Momenten verschiedener Personengruppen teilhaben, die sich den Tisch geteilt hatten. Unsere Farbserigraphie nimmt darauf Bezug und wurde 1990 von der Galerie Beaubourg herausgegeben. Exemplar außerhalb der Auflage von 100 numerierten Exemplaren. Prachtvoller Druck.


Barockbesteck
6342 Zweiteiliges Besteck. Klinge und Zinken aus Stahl, Manschetten und Abschluss aus Silber, ungemarkt, Griffe aus deutschem Achat. Länge Messer 28,7 cm, Länge Gabel 27,8 cm. Deutsch, um 1650.
2.500 €

Menage
6343 George III, Sterling Silber Menage Set mit drei Kristall-Flaschen von Thomas Daniell. Silber und Glas. H. 22, 8 cm, Silbergewicht: 557g. Meistermarke TD = Thomas Daniell, Londoner Punze (Jackson S. 312). Englisch, 1775.
2.500 €
Eine elegante, neoklassizistische Menage für Öl, Essig und Saucen, hergestellt 1775 in London von dem Silberschmied Thomas Daniell. Der schwere dreiteilige Menagenständer, mit einem Ringhenkel versehen, ist fein von Hand durchbohrt und steht auf drei gegossenen dekorativen Klauenfüßen. Die zeitgenössisch geschliffenen Glasflaschen werden von den originalen silbernen Deckeln mit kuppelartigen Aufsätzen überragt. Dreiteilige Menage Sets sind äußerst selten.
Kate Jenkins (geb. 1971 Rhymney Valley, South Wales)
6344 Sardinen auf Toast.
Fünf gestrickte Sardinen mit Pailetten auf einem gehäkelten Toast, montiert auf Giclée-Print eines Willow Tellers mit Besteck. 33,2 x 33,2 x 3,7 cm (Objektkasten). Signiert. 750 €

Johannes Grützke (1937–2017, Berlin)
6345 Ein Weißbrot.
Offset auf glattem Maschinenpapier. 61 x 50,8 cm. Signiert „Johannes Grützke“. Auflage 100 num. Ex. 1982. Ladengalerie 124.
200 €
Herausgegeben von der Galerie Werner Kunze, Berlin, Druck Hans Andersch, Berlin. Weitere 100 Exemplare wurden beschnitten als Plakat für die Galerie Werner Kunze gedruckt. Ausgezeichneter Druck der blattfüllenden Darstellung.
James Abbot McNeill Whistler (1834 Lowell, Massachusetts – 1903 London)
6346 La Marchande de Moutarde –Die Mostrichhändlerin.
Radierung auf Bütten. 15,7 x 8,8 cm. (1859). Kennedy 22 V.
400 €
Aus der Folge „Twelve Etchings from Nature“. Die Radierung zeigt den Blick in einen engen Verkaufsladen, in dem eine Frau mit weißer Haube Senf in kleine Steinguttöpfe abfüllt, während ihre junge Assistentin am Türrahmen lehnt. Die Zeichnung für diese Komposition entstand auf Whistlers Reise nach Köln im Jahr 1858. Köln hatte sich zu dieser Zeit als kleines Zentrum für feinen Senf etabliert. Und auch heute noch ist diese teils mit echtem Kölsch verfeinerte Delikatesse dort in den traditionellen Senffässchen zu haben. - Ganz ausgezeichneter, toniger Druck mit feinen Grauabstufungen mit breitem Rand. Etwas vergilbt, schwache diagonale Knickspur, kleinere Schäden im oberen weißen Rand, vertikaler Falz im weißen Rand ganz rechts, sonst gut erhalten.


Max Burchartz (1887 Elberfeld – 1961 Essen)
6347 Stillleben mit Brotzeit. Aquarell über Bleistift auf Skizzenblockpapier. 27 x 39 cm. Oben rechts mit Feder in Braun datiert, verso mit dem Nachlaßstempel sowie signiert „Lotte Burchartz“. 1946.
400 €
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers (Nachlassstempel verso).
Humorvolle kleine Zusammenstellung einer Mahlzeit: Brot, Ei, Messer, Brett und Wurst sind nahezu formatfüllend in warmer Farbpalette wiedergegeben.


Ernst Hesse (geb. 1949 Hilden) 6348 Brotlaib. Bronze, patiniert. 21,5 x 15 cm. 2000-2019.
300 €
Seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre widmet sich der Bildhauer, Zeichner, Maler und Foto- wie Videokünstler Hesse dem Sujet Brot. Auf seinen Reisen in die verschiedensten Länder der Welt sammelte Hesse auf Märkten, in privaten Küchen oder Traditionsbäckereien Brotlaibe in allen Formen. Er dokumentiert sie fotografisch und in Bronzeabgüssen. So kam im Laufe der Zeit eine beträchtliche Sammlung der unterschiedlichsten Formen dieser Backware in seinem Düsseldorfer Atelier zusammen. Das Brot ist essentieller Bestandteil der meisten Küchen, vielseitig in seiner Zutatenliste und Erscheinung und verkörpert das tagtägliche Produkt in vielen Kulturkreisen. Hesses Brotlaibe aus Bronze sind Teil der Serie „Fragments of Identiy“ (2000–2019). Mit dieser Reihe zeigt Hesse den Pluralismus des Alltäglichen und enthebt die Brote durch den Bronzeguss zugleich der alltäglichen Vergänglichkeit. Ein Grundgedanke Hesses ist es, ein sensibles Verständnis für Formen und Riten in ihrer Bedeutung und ihrem Eigenen zu entwickeln. Uns schult Hesse dadurch die alltäglichen Ressourcen wertzuschätzen, Ressourcen des Lebens und Überlebens (siehe Thomas Hirsch, Das Gesicht des Brotes/ Museum der Brotkultur, Ulm 2004).

Felix Droese (geb. 1950 Singen/Hohentwiel) 6349 Jodenkoeken.
Zylinderförmige, gefüllte Keksdose aus Metallblech der Marke „Davelaar“, Papierumwicklung, diese vom Künstler in Bleistift bezeichnet und mit Pflastern sowie Papierzet teln beklebt. Ortsbezeichnet „Amsterdam“, datiert „21/11/92“ und mit Widmung „für Louis / + Susanne“. 1992.
300 €
Paul Almasy (1906 Budapest – 2003 Jouars–Pontchartrain) 6350* „Schwarzmarkt in der Rue Lombard, Brüssel“. Silbergelatineabzug. 38 x 25,5 cm (40 x 30,5 cm). Verso Editionsetikett, darin mit Stempelsignatur und 1 von 10 nummeriert. 1942/Abzug ca. 2001.
1.200 €
Provenienz: Aus der Sammlung Louis Peters, Köln.


Wolf Vostell
(1932 Leverkusen – 1998 Berlin)
6352 Prager Brot. Weizenmischbrot, vergoldet, mit Badethermometer. 22 x 11 x 8 cm. Auf der Unterseite auf dem Etikett des VICEVersand, Remscheid, mit Kugelschreiber signiert „Vostell“ und typographisch betitelt. 1968.
500 €
Daniel Spoerri
(geb. 1930 Galati, lebt in Wien)
6353 „La Pharmacie Bretonne“ (Die bretonische Hausapotheke).
Dieses Objekt ist Teil der nicht limitierten Auflage des VICEVersand, Remscheid.
2-flügeliger Kasten mit je drei Türen aus Holz, darin 117 lose Glasfläschchen. 120 x 44 x 17 cm (geschlossen), 120 x 88 x 8,5 cm (offen). Bezeichnet auf der geschlossenen Vorderseite „Daniel Spoerri, La Pharmacie Bretonne“, verso eigenh. bez. „Fontaines sacrées / 1/5 épreuves d‘artiste / im ganzen 60 Exemplare / dieses Exemplar gehört Louis F. Peters + Susanne / 1970-82 / dies [?] in Köln 10. Mai [19]82“.
3.500 €
Provenienz: Aus der Sammlung Louis Peters, Köln.
Die kleinen Glasfläschchen sind gefüllt mit heiligem Wasser aus den Brunnen der Bretagne, die Spoerri zusammen mit Marie-Lousie Plessen 1977/78 besuchte. Das Apothekerschränkchen beinhaltet 117 Fläschchen, die befüllt und etikettiert sind. Begleitend zu dieser Arbeit entstand eine Publikation mit der Auflistung aller genannten Quellen sowie deren entsprechende Bräuche, von denen die Anwohner berichten.
Mit beiliegender Publikation Heilrituale an bretonischen Quellen (Oldenburg 1981, hrsg. Daniel Spoerri, Marie-Louise Plessen), diese vom Künstler und der Autorin signiert und nummeriert: Exemplar 2272 /3000

6354
Jean Honoré Fragonard
(1732 Grasse – 1806 Paris)
6355 nach. Les Baignets. Kupferstich von Nicolas de Launay. 29 x 32,6 cm. Portalis 19.
300 €
Bei den in Fett ausgebackenen Baignets handelt es sich um die französische Variante der deutschen Krapfen oder der amerikanischen Donuts. Wie Fragonard anschaulich zeigt, erfreuten sich die Teigwaren bereits im 18. Jahrhunderts großer Beliebtheit, insbesondere bei den Kindern, von denen eines die begehrte Mehlspeise aus der großen Schüssel stibizt. Prachtvoller Druck mit breitem Rand. Etwas stockfleckig und gebräunt, kleinere Randläsuren, Quetschfalte im linken weißen Rand, sonst gut erhalten. Beigegeben zwei weitere Kupferstiche von Nicolas de Launay nach Fragonard „L‘Éducatioin fait tout“ und „C‘est papa!“.
(1606 Leiden – 1669 Amsterdam)
6354 Die Pfannkuchenbäckerin.
Radierung. 10,9 x 7,8 cm. 1635. B. 124, White/Boon (Hollstein) 124 III, Nowell-Usticke 124 V (von VI), Hinterding/ Rutgers (New Hollstein) 144 VI (von VII).
1.800 €
Provenienz: Aus der Sammlung Albert van Loock (Lugt 3751).
Eier, Mehl, Milch und eine Prise Salz, mehr braucht es eigentlich nicht, um die perfekte Eierspeise herzustellen, gebacken in der Pfanne, die regional ganz unterschiedliche Bezeichnungen gefunden hat: Pfannkuchen, Eierkuchen, Eierpfannkuchen, Plinsen, Blini, Baignet oder Palatschinken. Unsere Bäckerin backt vermutlich Poffertjes, kleine Küchlein, die die niederländische Variante der beliebten Speise darstellen. Überhaupt haben die niederländischen Nachbarn ein Faible für fettgebackenes mit langer Tradition. So wundert es kaum, dass Rembrandt bereits im frühen 17. Jahrhundert diese lebensnahe, authentische und alltägliche Szene in einer Radierung rasch eingefangen hat. Noch vor den letzten Überarbeitungen. Ausgezeichneter Druck mit feinem Rändchen um die Plattenkante. Vereinzelt stockfleckig, winzige Läsuren in den oberen Ecken, ebenda geringe Montierungsreste verso, diese minimal durchschlagend, sonst tadellos.



Jean Baptiste de Pian (1813–1856, Wien)
6356 Herrschaftliche Küche mit großer Feuerstelle und Blick in eine Getreidemühle mit gemahlenem Mehl: Die Buchstaben F und H aus dem „Alphabet Pittoresque“. Zwei Farblithographien von Leopold Müller. Je ca. 28 x 21 cm (Darstellung), 46,4 x 36,5 cm (Blattgröße). Gedruckt von J. Loder bei M. R. Toma in Wien, 1842-1844. ÖBL 8, 47, Thieme-Becker 26, 562.
1.200 €
Das famose „Alphabet Pittoresque“ ist das Hauptwerk von Jean Baptiste de Pian, dessen Familie im späten 18. Jahrhundert von Venedig nach Wien übersiedelt war. In 26 fein und detailreich ausgeführten Vexierbildern, in denen sich die Buchstaben des Alphabets kongenial verbergen, stellt der Künstler Straßenszenen, Bauwerke und Interieurs dar. Prachtvolle, farbfrische Drucke mit dem vollen Rand. Der weiße Rand etwas stockfleckig und mit geringen Altersspuren, sonst sehr schöne Exemplare.




Wedgwood Black Basalt
6357 Wedgwood Teekanne.
Black Basalt. Zylindrische Wandung mit vertikalen „Satin“Streifen, sitzende Sibylle als Knauf. H. 14 cm. Auf dem Boden mit Pressmarke „Wedgwood“. Um 1800.
500 €
6358 Wedgewood Schale.
Black Basalt. An der Wandung mit Reliefauflagen in Form von antiken Figurengruppen und Ornamenten. H. 5,3 cm, D. 10 cm. Auf dem Boden mit Pressmarke „Wedgwood“ und der Nummer „42“. Um 1840.
150 €
6359 Wedgwood Koppchen und Unterteller.
Black Basalt. An der Wandung bzw. auf dem Spiegel mit Reliefauflagen in Form von antiken Figurengruppen, Bäumen und Ornamenten. H. 5,5 cm (Koppchen), D. 13,5 cm (Untersatz). Auf dem Boden des Koppchens Pressmarke „Wedgwood“ und „Made in England“, auf dem Boden des Untertellers Pressmarke „Wedgwood“. Um 1896 bzw. um 1840.
180 €
6360 Wedgwood Zuckerdose.
Black Basalt. Kleine gebauchte Deckeldose mit zwei seitlichen Henkeln, an der Wandung mit Reliefauflagen in Form von antiken Figurengruppen und Ornamenten (zwei Sprünge und kleine Restaurierung), innen glasiert. H. 10 cm. Auf dem Boden mit Pressmarke. Um 1820.
150 €

Philibert Louis Debucourt (1755–1832, Paris)
6361 Intérieur d‘une salle manger; Intérieur d‘une cuisine. 2 Aquatintaradierungen, mit wohl zeitgenössischem Kolorit, nach Martin Drölling. Je ca. 44 x 51,5 cm.
450 €
In diesem „Salle à manger“, hat sich der Hausherr – den Zylinder und Regenschirm in der Ecke abgelegt – am Esstisch niedergelassen. Im Nebenzimmer spielt seine Frau am Klavier. Das Gemälde von Drölling, das als Vorlage diente, befindet sich heute in Pariser Privatbesitz, zusammen mit Seinem Gemälde „Interieur d’une cuisine“ wurde es 1817 auf dem Pariser Salon gezeigt. Dröllings Realismus
und dokumentarische Aufmerksamkeit sind typisch für diese Zeit und findet sich auch in der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts wieder, wie beispielsweise in Werken von Honoré de Balzac, Emile Zola oder Gustave Falubert, in denen die Genauigkeit und die fast dokumentarische Wiedergabe des sozialen Umfelds im Vordergrund stehen. - Ganz ausgezeichnete Drucke mit schmalem Rand. Leicht lichtrandig und etwas angestaubt, der „Salle à manger“ mit kleinen Ausbesserungen links und oben im Rand, die „Cuisine“ mit winzigen ausgebesserten, dezent retuschierten Löchlein links in der Dar stellung, rechts im Rand kleines ausgebessertes Loch, sonst schön.

Max Ferguson (geb. 1959 New York)
6362 „Tiramisu in Chinatown“. Öl auf Holz. 30 x 30 cm. Signiert und datiert. 2022.
12.000 €
New York als Schmelztiegel der Kulturen bietet ein Feuerwerk an kulinarischen Genüssen aus aller Herren Länder. Wer Manhattan von Norden nach Süden durchstreift, trifft auf sämtliche Delikatessen, die die Präsenz der unterschiedlichen Ethnien in der Stadt widerspiegeln. Von Yorkville, dem alten Viertel der Deutschen rund um die 86. Straße (East) mit dem Heidelberg Restaurant und „Schaller‘s Stube“ Wurst Bar gelangt man nach Midtown, wo sich neben feinsten japanischen Restaurants auch die legendären amerikanischen Steakhäuser wie Smith & Wollensky oder das Palm Restaurant befinden. Weiter südlich an der Lower East Side findet man jüdische Spezialitäten, etwa die traditionellen „Knish“ bei Jonah Schimmels
Knish Bakery oder die gigantischen Pastrami Sandwiches bei Katz‘s Delicatessen, berühmt auch als Drehort von „When Harry met Sally“. Die 1920 gegründete „Vesuvio Bakery“ in Little Italy stammt noch aus der Zeit, in der sich die meisten der süditalienischen Einwanderer um die Mulberry Street im Süden Manhattans in kleinen Wohnungen drängten. Auch Robert de Niro und Martin Scorsese wuchsen dort auf. Heute besteht Little Italy nur mehr aus zwei Straßen, nachdem sich das angrenzende Chinatown, das wohl exotischste Viertel immer weiter ausgebreitet hat. Der Duft von Gewürzen liegt dort in der Luft; Dim Sum und Nudelsuppen sind an jeder Ecke zu haben. Max Fergusons „Tiramisu in Chinatown“ ist eine Momentaufnahme eines sich ständig wandelnden New Yorks und eine Liebeserklärung des Künstlers an seine Stadt. Max Fergusons Leibgericht ist übrigens Lox‘n Bagel - ein New Yorker Klassiker.

Ralph Fleck
(geb. 1951 Freiburg)
6363 „Tortenstück 8/IV (Schwarzwälder)“.
Öl auf Packpapier. 50 x 60 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Ralph Fleck“ und datiert sowie unten links betitelt. 1991.
1.500 €
Provenienz: Privatbesitz, Bayern.
Wie durch ein Kameraobjektiv fokussiert Ralph Fleck dieses prächtige Stück Schwarzwälder Kirschtorte, übergroß, vertikal und haptisch mit pastos-expressivem Pinselduktus. Als Bildträger wählt Fleck bewusst das dünne Papier und nimmt billigend in Kauf, dass sich die ölige Farbe ins Papier zieht und wie eine Art natürlich gewachsener Schatten um die Torte legt. Die wunderbare Arbeit gehört in eine Reihe von Tortenstücken und anderen Köstlichkeiten, die Fleck in den 1990er Jahren auf Packpapier malte, ohne ihnen eine bestimmte Bedeutung zukommen zu lassen.

Harold Edgerton (1903 Fremont, Nebraska – 1990 Cambridge, Massachusetts)
6364 „Cranberry Juice Drop into Milk“.
Dye Transfer Abzug. 40,3 x 35,5 cm (50 x 40,5 cm).
Verso mit Bleistift vom Fotografen signiert. 1960/Abzug 1980er Jahre.
1.200 €

Will McBride
(1931 St. Louis, Missouri – 2015 Berlin)
6365 „Mike trinkt Milch beim Essen mit mir und meinen Eltern, Schloß Schule Salem“.
Silbergelatineabzug. 53,5 x 36 cm (60,5 x 51 cm). Verso mit Bleistift vom Fotografen signiert, kommentiert und datiert. 1963/ späterer Abzug.
1.200 €
Provenienz: Direkt vom Fotografen an den jetzigen Besitzer.

6366 Österreichisch, 18. Jh.: Kleine Tischgesellschaft beim Schlemmen.
Feder in Schwarz über Bleistift auf Bütten. 25,5 x 38 cm. Am oberen Rand in grauem Stift bez. „Glückseligkeit“. Wz. Wappenkartusche (Fragment).
450 €
Provenienz: Aus einer unbekannten Sammlung „LST in Raute“ (nicht bei Lugt).
An einer Tafel hat sich eine kleine Gesellschaft von zwei Damen und zwei Herren versammelt, die sich ausgiebig dem Genuss von Braten und Wein hingeben. Wie ihr Blick verrät, hat eine der Damen dem geistigen Getränk wohl schon über Gebühr zugesprochen, während ihr Tischherr, ein Stück Braten auf die Gabel gespießt, etwas lauthals deklamiert. Davon unbeeindruckt schenkt die korpulente Frau mit dem überdimensionierten Perlencollier erst einmal Wein nach. Gekonnt nimmt der Zeichner dieses expressiven Blattes die Dekadenz der im Überfluss lebenden gehobenen Schichten ins Visier. 6366

Matthäus Seutter (1678–1757, Augsburg)
6367 Das Schlaraffenland: Accurata Utopiae Tabula. Das ist der Neu – entdeckten Schalck – Welt, oder des so offt benannten, und doch nie erkannten Schlaraffenlandes Kupferstich mit altem Grenzkolorit. 49,6 x 55,6 cm. Augsburg, um 1730. Hill, G.: Cartographic Curiosities, pp. 57–58.
900 €
Wer würde nicht einmal gern in das Städtchen Marzipan in der Provinz Leckeronia reisen und dort im Fluss Cocolate ein Bad nehmen? Der Phantasie der Gourmets und Gourmands sind auf dieser Karte keine Grenzen gesetzt. In Magni Stomachi Imperium beglücken der Flecken Sauohr und das Dorf Bratwurst am Senfsee die herzhaften
Genießer, während es die Zuckerzähne eher nach Naschmarkt oder Confect zieht. Die Raucher vergnügen sich auf der Insel Tobago im westlichen Meer und die der geistlichen Getränke Zugeneigten erfreuen sich am Weinstrom und Bierfluß. Die Karte erschien erstmals im Atlas novus terrarum von Johann Baptist Homann im Jahre 1716 und war dann verschiedenen Atlanten von Homann und Seutter beigebunden. Ausgangspunkt für diese Utopie war ein Buch des kaiserlichen Generals Johann Andreas Schnebelin: „Erklärung der Wunder-seltzamen Land-Charten Utopiae, so da ist, das neu-entdeckte Schlaraffenland“, der wiederum auf eine Buch gewordene Idee des englischen Bischofs Joseph Hall (Anfang 17. Jh.) zurückgriff. –Wie üblich mit Mittelfalz, zwei weitere schwache vertikal Faltspuren, leichte Altersspuren, sonst in sehr guter Erhaltung.


Émile Bernard (1826–1897, Dole)
6368 und Urbain Dubois (1818 Trets – 1901 Nizza). Souffles, Crevetten, Pasteten und andere Delikatessen. 6 Lithographien mit altem Kolorit, Gold und Silber gehöht, von Henri Muller, verso mit typogr. Text. Je ca. 29,5 x 22,5 cm. Aus: La Cuisine Classique, Etudes pratiques, raisonnées et démonstratives de l‘Ecole française appliquée au service à la Russe. Paris, o. J. Schraemli 89.
240 €
Sechs äußerst ansprechend kolorierte Tafeln mit essbaren Kreationen aus dem in mehreren Auflagen erschienenen berühmtesten Rezepteund Menü-Werk der Spitzenköche Émile Bernard und Urbain Dubois, dessen erste Ausgabe 1856 erschien. „Das bis dahin schönste und vollkommenste Werk über die Kochkunst, bis heute weder erreicht noch übertroffen“ (Schraemli). Mit über 3100 Rezepten, zu Beginn die Speisekarten des europäischen Hochadels mit Menus für 12 Personen bis zu Buffets mit 5000 Gedecken.
Pazelt

(Miniaturmaler, tätig um 1832)
6369 Im Kaffeehaus: Der Gastronom im grünen Rock vor seiner Auslage.
Aufglasurmalerei auf Porzellan. 13,2 x 10,5 cm. Unten rechts signiert und datiert „Pazelt 1832“, auf dem Schriftstück bez. und datiert „Buck(?) den 15ten März 1832“, verso mit kleiner Prägung „16“.
Mit sichtlichem Stolz präsentiert sich der junge Gastronom vor seiner mit Leckereien ausgestatteten Auslage: Im Regal reihen sich die buntgefüllten Glashäfen, auf der Theke türmen sich Backwaren auf Tellern, hinter seinem Arm warten auf einem Tablett Kännchen und Tasse nur darauf, serviert zu werden. Der Blick aus dem Fenster auf die elegante Häuserzeile unterstreicht, dass man hier in bester Lage genießen kann.

Seb Winter (geb. 1971 Rosenheim, lebt in Berlin) 6370 High noon chocolate.
Giclee fine art print auf Hahnemühle-Papier. 66,5 x 50 cm (68,5 x 52 cm). Verso mit Bleistift signiert „Seb Winter“ und datiert 2022. 2008/Abzug 2022.
500 €
Seb Winters Affinität zur klassischen Schönheit und den natürlichen Imperfektionen, die in seinen Arbeiten durch die leuchtenden Farben bis ins kleinste Detail hervorgehoben werden, geben seinen Fotos einen unverwechselbaren Charme. Seine Fotos sind u.a. in den Zeitschriften Myself, Elle, Glamour, The Sunday Times Style, Cosmopolitan und Marie Claire zu finden. 2017 wurde er u.a. mit dem AOP Award for Non-Commissiones Fashion & Beauty Series als „best in category“ ausgezeichnet.

Karl–Heinz Herrfurth
(1934–2015, Berlin)
6371 Törtchen.
Fotocollage auf bedrucktem Karton. 35 x 24 cm. Unten rechts mit Bleistift signiert „Herrfurth“ und datiert. 1973. 800 €
Herrfurth stieß rein zufällig, wie er in seinen Aufzeichnungen von 1973 festhielt, in schöpferischen Krisenzeiten auf das Medium der Collage. Einige seiner zahlreichen Collagen hat er fast detailgetreu in große fotorealistische Ölbilder umgesetzt. Seine Collagen sind meist Zusammenstellungen vor allem technischer Elemente wie u.a. Gläser, Gefäße, Werkzeugelemente. Für unsere Collage eines delikaten blauen Törtchens mit Schokoladensauce hat der Künstler Elemente aus einer Illustrierten ausgeschnitten und sorgfältig auf einen Karton von Nova montiert.
Karl–Heinz Herrfurth
6372 Cocktailglas.
Fotocollage auf bedrucktem Karton. 34 x 25 cm. Unten links mit Bleistift signiert „Herrfurth“ und datiert. 1973. 800 €
Phantasievolle Komposition eines umgedrehten Kopfes eines Weinglases, montiert auf das Bild eines gefüllten Cocktailglases mit Eiswürfeln.


(lebt und arbeitet in St. Petersburg)
6373 The Ice Cream Eaters. Öl auf Leinwand. 79,5 x 130 cm. Rechts oben monogrammiert und datiert, sowie verso auf der Leinwand mit Pinsel in Rot erneut (kyrillisch) signiert, betitelt und datiert und mit Ausfuhrstempel. (19)87/88.
5.000 €
Provenienz: Deutsche Privatsammlung (direkt beim Künstler erworben).
Auktion Fischer, Luzern, 13.11.2008, Los 208 (mit Abbildung).
Europäische Privatsammlung.

Tom Schmelzer
(geb. 1966 München, lebt und arbeitet in München und Berlin)
6374 Comment is free, but facts are sacred. Kunststoff und PVC mit Metallständer. Ca. 23 x 8 x 7 cm. Ex. 1 aus einer Edition von 9 zzgl. 3 a/p. 1.200 €
Das illusionistisch-absurde Objekt führt uns die Oberflächlichkeit und Ambivalenz unserer modernen Medien- und Kommunikationskultur vor Augen: Schmelzers bissig-ironischer Kommentar dazu lässt sich auch dem beiliegenden Zertifikat entnehmen: „der, der du den menschen honig um den bart schmierst, süßholz raspelst und zuckerl verteilst: möge es dir im halse stecken bleiben.“

6375
Josef Hoffmann (1870 Pirnitz – 1956 Wien)
6375 Mokkaservice „Melone“. Porzellan, gelb lasiert, bestehend aus: Mokkakanne, Milchkännchen, Zuckerdose, zwei Mokkatassen mit Untertassen; alle Teile auf den Unterseiten gemarkt: unterglasurblauer bekrönter Bindenschild mit dem Zusatz „Wien“ und achteckige rote Dekormarke „Augarten/Austria“. Augarten, Wien, Entwurf 1929.
500 €
Im Jahr 1929 entwarf Josef Hoffmann dieses weltberühmte Mokkaservice für die noch junge Wiener Porzellanmanufaktur Augarten.
Hoffmann, Gründer der legendären „Wiener Werkstätte“, war nicht nur ein herausragender Architekt, sondern auch einer der begnadetsten Gestalter des 20. Jahrhunderts. Der bauchigen Form in Verbindung mit der kannelierten Wandung verdankt das Service seinen eindrücklichen Namen „Melone“. Bis heute ist das Service ein Klassiker und in verschiedenen Farbvarianten erhältlich, wobei die goldgelbe, an Melonen erinnernde Glasur wohl der ursprünglichen Intention des Schöpfers am nächsten kam. Bei unserem als Tête-à-Tête konzipierten Service handelt es sich um ein Original aus der Zeit des Entwurfs, wie die rote achteckige Dekormarke erkennen läßt, die nur vom Gründungsjahr der Manufaktur 1923 bis 1938 verwendet wurde.

Yayoi Kusama (geb. 1929 Matsumoto, Präfektur Nagano, Japan) 6376 Soft Pumpkin (Large). Objekt aus Fallschirmnylon mit weicher Füllung. 34 x 54 x 54 cm. Hergestellt von Lammfromm, Tokyo.
300 €
Ein ständig wiederkehrendes Motiv in Yayoi Kusamas Werk sind Kürbisse, deren mannigfaltige Formen sie seit ihrer Kindheit faszinieren. Sie erinnert sich: „Das erste Mal, dass ich einen Kürbis sah, war in der Grundschule. Ich ging mit meinem Großvater auf ein großes Saatguterntegelände. Und da war er: ein Kürbis von der Größe eines Männerkopfes. Er fing sofort an, auf sehr lebhafte Weise mit mir zu sprechen.“ 1991 integrierte Kusama erstmals einen Kürbis in einem ihrer Mirror Rooms, variierte ihn aber auch als freistehendes Objekt, etwa 1994 als Plastik auf der japanischen Insel Naoshima oder wie hier polsterweich gefüllt. Immer, natürlich, überzogen von ihren charakteristischen Polka-Dots.

Ferenc Ujházy
(1827 Szolnok – 1921 Budapest)
6377 Melonen.
Öl auf Leinwand. 40 x 56,5 cm. Am Unterrand signiert „Ujhazy f“.
1.200 €
Die pannonische Ebene im ungarischen Tiefland eignet sich wegen ihres trockenen Klimas mit den warmen Sommern hervorragend für

die Aufzucht von Melonen. Auf riesigen Feldern reifen die kugeligen Früchte bis zu ihrer Ernte im Hochsommer, die mit den legendären Melonenfesten einhergeht. Es ist genau die Gegend aus der der Maler Ferenc Ujházy stammt, der die Melone in seinen Werken immer wieder als Sujet wählt.
P. Ipsen
(Manufaktur 1843 – 1955, Kopenhagen)
6378 Obstschale: Kohlblatt mit Schlange. Keramik, glasiert. 26 x 34 cm. Nummeriert und mit dem Stempel „2 / P. Ipsen / Kjøbenhavn“. 19. Jh.
1.200 €
Diese Blattschale mit einer kleinen, naturalistisch gestalteten Schlange folgt in der Idee der Irdenware des berühmten Töpfers Bernard Palissy (ca. 1510-1589/90), der einen originellen Typ von Tonplastik erfand, indem er neuartige Glasuren entwickelte und nach dem Leben abgeformte Tiere und Pflanzen einsetzte, um naturalistische Szenerien zu erschaffen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte sein Werk eine Renaissance.
Die hier vorliegende Schale stammt aus der Kopenhagener Keramikfabrik P. Ipsens Enke, die 1843 von Peter Ipsen, Absolvent der Royal Porcelain Manufactory, gegründet wurde.

H. Jentzen (tätig um 1869)
6379 Eine Kürbisranke.
Gouache auf festem Papier. 39,2 x 34,6 cm. Unten rechts signiert und datiert „H. Jentzen / Mai 1869“.
800 €

Octavianus Monfort
(tätig im Piemont 1646 – 1696)
6380 Stillleben mit Granatapfel, Esskastanie, Zwiebel und anderen Früchten in einer Schale; Stillleben mit Äpfeln, Birnen, Zitronen und Artischocke in einer Schale. 2 Blätter, je Aquarell und Gouachen über grauem Stift auf Pergament, auf Leinwand aufgezogen. Je ca. 37 x 47 cm. 12.000 €

Auf den vorliegenden Stillleben befinden sich neben Kernobst auch Esskastanien, eine Zwiebel, Artischocken und ein geöffneter Granatapfel, jeweils kunstvoll präsentiert in zwei dunklen Schalen. Die beiden Arrangements offenbaren eine große Nähe zu den Werken von Giovanna Garzoni, die von 1632 bis 1637 am Hof von Savoyen arbeitete (vgl. Los 6335). Insbesondere das in einer Turiner Privatsammlung befindliche Stillleben mit Obst und Gemüsse könnte als Inspiration für Monfort gedient haben (s. Paride Chiapatti und Marco Rosci: Octavianus Monfort, Turin 1985, Abb S. 11, Nr. 5).

Alexandre Bivort (1809–1872, Fleurus, Belgien)
6381 Album de pomologie. 4 Bände [und:] Annales de pomologie Belge et étrangère 1853-1858. 6 (statt 8) Bände. Mit zusammen 2 (wiederholten) kolorierten lithographischen Titeln in Tondruck und 480 kolorierten lithographischen Tafeln (1 doppelblattgroß, 4 nicht komplett koloriert). 23 x 30,5 bzw. 34,5 x 27 cm. Uniform gebundene dunkelgrüne Chagrinlederbände d. Z. (teils etwas stärker berieben, Kanten beschabt, Ecken etwas bestoßen, einige Deckel etwas gebräunt oder lichtrandig) mit RomantikerRVergoldung, goldgeprägtem Deckeltitel, mehrfachen Deckelfileten mit ornamentalen Zwickeln und Stehkantenvergoldung. Brüssel, Deprez-Parent, 1847–1858.
18.000 €
Literatur: De Belder 27 (nur Bände I-III). Nicht bei Nissen, BBI, Dunthorne, Staffleu-Cowan und Pritzel.
Erste Ausgabe vom systematischen Hauptwerk des bedeutenden belgischen Pomologen Alexandre Bivort. „According to E. A. Bunyard in his Guide to the Literature of Pomology, Alexandre Bivort‘s Album de Pomologie, published in monthly parts over four years, is of great value as it contains coloured plates and accurate descriptions of many of Van Mons‘ seedlings, and it forms a wonderful record of the great number of new fruits which were at this time being raised in Belgium ... Not many complete sets of the Album seem to have survived“ (Sandra Raphael in: Oak Spring Pomona S. 141–143). „The descriptions of many of the fruits are taken from an earlier work (Bivort, Album de pomologie), but the greater number are original... This work had a great success and remains the classical work of reference, with Bivort‘s Album for varieties of Belgian fruit“ (Bunyard, Lit. of Pomology, zitiert nach de Belder). Die pracht voll kolorierten Tafeln (Künstler und Lithograph sind unbekannt) zeigen zumeist Birnensorten, ferner Äpfel, Trauben, Kirschen, Zwetschgen etc.


Modellfrüchte
6382 Vier Äpfel verschiedener Sorten. Drei Äpfel aus Gips mit Wachsüberzug, farbig gefasst, ein Apfel aus grünem Wachs, Stiele aus gedrehtem und gewachstem Zwirn. H. 4,5 cm - 7 cm. Deutsch, um 1800. 750 €
Zu den beliebtesten Obstsorten gehört zweifelsohne der Apfel. Die gängige Auswahl auf den Supermarktregalen spiegelt jedoch in keiner Weise den Sortenreichtum vergangener Jahrhunderte wider. An die einstige Vielfalt erinnern heute noch Modellfrüchte, wie die vorliegenden Exemplare. Diese täuschend echten Nachbildungen waren Teil sogenannter pomologischer Kabinette, also Modellfruchtsammlungen, die seit dem Ende des 18. Jahrhunderts entstanden, als ganz im Geiste der Aufklärung die Forderung nach einer syste -

matischen Erfassung und Erforschung heimischer Obstsorten laut wurde. Bei deren Herstellung arbeiteten Obstkundler, nach der Göttin des Gartenbaus Pomologen genannt, mit geschickten Modelleuren und Malern Hand in Hand. Aus Wachs, Porzellan oder Pappmaché bildeten sie akribisch neben sortentypischen Merkmalen auch kleinste Defekte wie Unebenheiten, Wurmstiche und winzigste Fleckchen nach. Den verblüffenden Realismus veranschaulichen sinnfällig Bissspuren an einem Wachsapfel im Museum der Natur in Gotha (vgl. Klaus und Ute Schuh: „150 Jahre Arnoldisches Obstkabinett – eine Obstsortenausstellung der besonderen Art“, in: Abhandlungen und Berichte des Museums der Natur Gotha, 24 (2006) , S. 5). Regelrecht „zum Anbeißen“ sehen auch unsere vier Äpfel aus, die nicht nur Zeugen verlorener Sortenvielfalt, sondern auch kunsthandwerklich einzigartige Unikate sind.

Erich Lindenau
(1889 Bischofswerda – 1955 Dresden)
6383 Stillleben mit Quitten, Äpfeln, Birnen und einer Sonnenblume.
Öl auf Spanplatte. 56 x 70 cm. Oben links monogrammiert und datiert „EL 1947“.
3.500 €
Der 1889 im sächsischen Bischofswerda geborene Erich Lindenau zählt zu den Hauptvertretern der Neuen Sachlichkeit in Dresden. Von 1917 bis 1921 an der dortigen Kunstgewerbeschule ausgebildet,
stellt Lindenau ab 1933 regelmäßig auf den Dresdener Kunstausstellungen aus, wobei vor allem Landschaften und Stillleben dominieren. Die verwelkte Sonnenblume in einem Steinzeugtopf und die auf einem rosafarbenen Papier arrangierten Früchte sind ein wiederkehrendes Motiv im Werk Lindenaus. Großartig wiedergegeben ist die pelzige Haut der Quitten, ebenso wie die wächserne Oberfläche der prallen Knallerbsen im Krug rechts. Stilistisch zeichnen sich die Stillleben Lindenaus durch ihre gestochen scharfe Zeichnung, die teilweise fotorealistische Effekte hervorbringt, und die unwirkliche Stille aus. Der „neusachliche“ Alltagsbezug seiner Gemälde verbindet sich mit unterschwelliger Vergänglichkeitssymbolik zu einer geradezu metaphysischen Bildaussage.

Barbara Regina Dietzsch (1706–1783, Nürnberg)
6384 zugeschrieben. Stachelbeerranke mit Falter und Spinne.
Gouache. 29 x 21,4 cm.
4.500 €
Spätestens seit Maria Sibylla Merian umfasste die botanische Kunst weit mehr als nur das detailgetreue Reproduzieren der pflanzlichen
Welt. Durch kunstvolle Inszenierung der Blumen, Früchte, Zweige und Blätter brachte diese Gattung Bilder von faszinierender Zeitlosigkeit hervor. Einen Höhepunkt stellt im 18. Jahrhundert das Schaffen von Barbara Regina Dietzsch dar. Ihre Arbeiten vereinen präziseste Beobachtungsgabe mit unvergleichlich delikater Ausführung. Die durchscheinende Haut einer saftigen Beere wusste sie genauso überzeugend wiederzugeben wie die beinahe durchsichtigen Fäden einer Spinnwebe.

Barbara Regina Dietzsch
6385 zugeschrieben. Weiße Johannisbeeren mit Kohlweißling und Käfer. Gouache. 30 x 21,4 cm.
4.500 €

Silberpokal
6386 Buckelpokal.
Silber, teilweise vergoldet. Meistermarke von Thomas II Stör, Meister in Nürnberg 1629, gest. 1683. Der Schaft mit drei Volutenspangen sowie Silberspanmanschetten. Cuppa eingeschnürt mit zwei Reihen Buckeln auf punziertem Fond. H. 18 cm. Gewicht 138 g. Nürnberg, 17. Jh.
900 €
Silberpokal
6387 Buckelpokal.
Silber, teilweise vergoldet. Ungemarkt. Schaft mit drei Volutenspangen sowie Silberspanmanschetten. Cuppa eingeschnürt mit zwei Reihen Buckeln auf punziertem Fond. H. 22,5 cm. Gewicht 200 g. Wohl Nürnberg, 17. Jh.
900 €

Hans van Sant

(auch van Zant, tätig um 1630–1653 oder später in Haarlem)
6388 Stillleben mit gefülltem Römer, einer aufgeschnittenen Zitrone auf einem Zinnteller, Kirschen in einer Zinnschale, Pfirsichen, Pflaumen und Brot. Öl auf Holz, parkettiert. 48,1 x 32,2 cm. Um 1640. 15.000 €
Provenienz: Lepke, Berlin, Auktion am 2. Februar 1932, Los 289 (dort als Wilhelm Kalf und mit leicht abweichenden Maßen). Seitdem Privatbesitz Berlin.
Über das Leben des Haarlemer Malers Hans van Sant ist nur wenig bekannt. Der Forschung war er lange nur durch sein auf wenigen Gemälden erhaltenes Monogramm und seine Signatur bekannt. Heute ist er als Maler in Haarlem seit 1630 nachweisbar, wo er über zwanzig Jahre lang eine florierende Werkstatt führte, in der er vor allem aufwendig gestaltete Stillleben schuf. In Konzeption und Qualität waren
sie den Gemälden seiner Zeitgenossen Pieter Claesz. und Willem Heda so ähnlich, dass sie später meist diesen zugeschrieben wurden. Auch das vorliegende Gemälde wurde in der Vergangenheit von Experten zunächst dem Werk Wilhelm Kalfs zugerechnet und später dann dem von Pieter Claesz.‘. Nach einer handschriftlichen Notiz auf einem rückseitigen Etikett wurde diese Zuschreibung zuletzt im Jahre 1972 wohl bei einer Begutachtung in der Berliner Gemäldegalerie durch Dr. Rainald Grosshans mündlich bestätigt (dort fälschlich „Nordhans“). Der neueren Forschung gelang es zuletzt jedoch, das Gesamtwerk Hans van Sants‘ wieder näher einzugrenzen. Fred G. Meijer, Amsterdam, ordnete das vorliegende Gemälde aufgrund von Malweise, Stil und Motivauswahl als charakteristische Arbeit dem Künstler zu. Wir danken Herrn Dr. Fred G. Meijer für die Zuschreibung und Bestätigung der Eigenhändigkeit des Gemäldes anhand von Fotografien (E-Mail vom 18. Januar 2022).

Octavianus Monfort
(tätig im Piemont 1646–1696)
6389 Melone, Pfirsiche und Esskastanien auf einer Marmorplatte.
Tempera auf Pergament. 16,4 x 26,7 cm.
12.000 €
Lange Zeit konnte der Name von Octavianus Monfort nur mit wenigen signierten Miniaturen in Verbindung gebracht werden, doch mittlerweile lässt sich aufgrund eines Dokuments, das die jährlichen Zahlungen von Christina von Frankreich, Herzogin von Savoyen (1606–1683) an den Künstler belegt („vassallo Ottaviano Monforte fatto studio della miniatura e fatto profitto non mediocre in quella, riceverà per tale motivo una pensione annuale di 1200 lire d‘argento“), die langjährige Tätigkeit des Künstlers für den Turiner Hof nachweisen. Über etwa fünf Jahrzehnte hinweg schuf Monfort in Turin zahlreiche Blumen- und Früchtestillleben von eigentümlicher Präsenz. Die hohe Qualität der Ausführung, die ausgewogene Komposition und die blasse, fast monochromatische Farbpalette sind typisch für den Künstler, der auf eine sehr charakteristische Weise mit den weichen Nuancen der Früchte und Blüten spielt.

Monfort
6390 Stillleben mit Granatapfel, Zitrone, Birnen, Äpfel und Pflaumen.
Tempera auf Pergament. 20,9 x 23,9 cm.
9.000 €

Paul Almasy
(1906 Budapest – 2003 Jouars–Pontchartrain)
6391* „Baguettes bereit zum Transport, Paris“. Silbergelatineabzug. 28,7 x 29 cm (30,3 x 40 cm). Verso Editionsetikett, darin mit Stempelsignatur und 1 von 10 nummeriert. 1975/Abzug 2001.
1.200 €
Josep Santilari
(geb. 1959, lebt in Barcelona)
6392 Blauschimmelkäse, Auster, Kirschen und Champagner-Korken.
Bleistift und Graphit auf Zeichenkarton. 22 x 22 cm. Unten mittig signiert „Josep Santilari“. 2015.
8.000 €
In einem Atelier in Barcelona arbeiten zwei Brüder, eineiige Zwillinge, friedlich nebeneinander. Ihre Arbeitsweise ähnelt jener mittelalterli-
cher Mönche in ihren Skriptorien: bedächtig, präzise, aufwendig. Von Zeit zu Zeit unterbrechen sie die Stille und begutachten gegenseitig den Fortschritt. Sie besprechen Herausforderungen, notwendige Verbesserungen, bereits Funktionierendes. Es ist ein rhythmischer und disziplinierter Alltag. So bannen seit Jahrzehnten die katalanischen Zwillingsbrüder Pere und Josep Santilari das Reale in Kunstwerke von immenser Suggestivität. Auf faszinierend symbiontische Weise haben sie sich für die gleiche Arbeitsweise entschieden, sodass die Werke bis auf die Signaturen kaum voneinander zu unterscheiden sind (vgl. Los 6396).
Auszeichnendes Merkmal der reduzierten Kompositionen ist die virtuose Qualität, die dem Auge die unerwartete künstlerische Kraft und Attraktivität des scheinbar Alltäglichen eröffnet. Aber nicht nur das Sehen wird angeregt. Das Betrachten ihrer Arbeiten ist eine taktile, ja geradezu synästhetische Erfahrung: die Tongradationen im Käsestück so fein, dass man meint, die Farben des Schimmels zu erahnen, das Brot so frisch und luftig, dass man fast dessen Konsistenz auf der Zunge spürt, das durchsichtige Plastik so realistisch, dass man den knackenden Laut beim Öffnen im Ohr zu glauben hat. Realismus und Stilllebenmalerei haben eine gemeinsame Tradition,

6392
die so alt ist wie das Genre selbst, schildert doch schon Plinius kurz nach der Zeitenwende vom künstlerischen Wettstreit zwischen Zeuxis und Parrhasios um die wahrhaftigere Darstellung der Realität. Aus dem Ringen zwischen Fiktion und Wirklichkeit schöpfen auch Peres und Joseps Arbeiten ihre poetische Kraft. Bewusst verorten die Brüder dabei ihre Bilder im Hier und Jetzt – etwa durch die Wahl plastikverpackter Nahrungsmittel wie des Smoothies im to-go-Becher (Los 6396) oder des Käses in der Frischhaltefolie. Obwohl oft genug mit Fotografien verwechselt, tragen Santilaris Werke bei genauerem Hinsehen die unverkennbaren Spuren des künstlerischen Herstellungsprozesses. Beim Zeichnen drücken sie nämlich die Bleistiftspitzen in das Papier und hinterlassen ganz gezielt Vertiefungen. Die so entstehende ondulierte Oberfläche aus feinsten Punk-
ten, Linien und Strichen bringt den Glanz des Graphits zum Vibrieren. Am Anfang ihrer Arbeit stehen aber die leibhaftigen Gegenstände. Nichts in den Kompositionen ist dem Zufall überlassen. In einer dunkel gestrichenen Kiste werden nur wenige und ausgewählte Objekte sorgfältig arrangiert. Die Box wird dann neben ein Fenster gestellt, solange, bis die Schatten wie gewünscht fallen. Ein Foto dient als Grundlage für die eigentlichen Arbeiten. Zentimeter für Zentimeter füllen Pere und Josep ihre Papiere. Durch das Übereinanderlegen hauchfeiner Kreuzschraffuren, durch Drehen des Papiers, durch verschieden harte Bleistifte heben sie geduldig die Gegenstände aus dem Weiß des Papiers. In dutzenden von Tüten sammeln sie Bleistift stummel und stumpf gewordenen Spitzer. Als wären die Werke nicht Beweis genug für diesen so akkuraten wie langwierigen Prozess.

Barockbesteck
6393 Zweiteiliges Besteck.
Klinge aus Stahl, Manschetten aus Silber, gestempelt mit Meistermarke „CFB“ und Tremollierstrich, Abschlussrosetten aus Silber, Griffe aus Nusswurzelholz. L. je 29,4 cm. Um 1700.
1.500 €
Richard Müller (1874 Tschirnitz, Böhmen – 1954 Dresden) 6394 Melone.
Öl auf Leinwand. 32 x 43,5 cm. Unten mittig monogrammiert und datiert „RM / 1919“ und verso auf der Leinwand betitelt, signiert und datiert „Melone / Rich. Müller / 1919“, auf dem Keilrahmen bezeichnet „Dresden“ sowie auf dem Rahmen ein altes Etikett handschrift. bezeichnet „R.M. 407“. 18.000 €
Literatur: Corinna Wodarz, Richard Müllers (1874-1954) Leben und Werk mit dem Gesamtverzeichnis der Gemälde, Zeichnungen und der Druckgraphik, Göttingen 2002, Nr. M 1919.06, mit Abb.
Obwohl Müller seit 1900 als Lehrer der Radierklasse an der Dresdener Akademie tätig ist und ab 1903 dort als Professor lehrt, studiert er weiterhin unablässig die Malerei der Alten Meister wie Albrecht Dürer, Hans Holbein d.J. oder Matthias Grünewald, setzt sich mit zeitgenössischen Malweisen wie denen Max Liebermanns auseinander, übt sich im Aktzeichnen und ist stetig auf der Suche nach seinem eigenen Stil.
Im Jahr 1908 findet er schließlich malerisch mit seinem Gemälde „Zeus und Danae“ einen ersten Höhepunkt – dessen starke Buntfarbigkeit und Entfernung von der herkömmlichen Ikonographie der Szene Müller zwar gehörige Aufmerksamkeit verschafft, das Publikum jedoch so sehr irritiert, dass die Rezeption des Gemäldes wohl eher als Flopp anzusehen ist – wenngleich es als Schlüsselwerk in Müllers Malerei gilt mit dem er seiner Kunstauffassung eine neue Richtung vorgibt. „Zeus und Danae“ ist das Werk mit dem Müller sein koloristisches Talent beweist und dadurch zu seiner charak teristischen Palette und sensationellen Darstellung von Stofflichkeit findet (Op. cit. S. 189 ff.).
In der Folge entstehen einige kleine Kabinettstücke von intensiver Farbigkeit und stofflicher Brillanz. Diese Werke sind der Öffentlichkeit kaum bekannt, verschwanden sie doch zügig in privaten Sammlungen. Neben in dieser Zeit entstehenden Gemälden wie „Japanische Tanzmäuse“ (1910), „Mäuse im Maissack“ (1919) oder „Mäuse in

den Ähren“ (1920), malt Müller auch unser Werk (Op. cit. S. 190 ff.). Er setzt in diesen Bildern die Maus als Motiv in den Mittelpunkt – ein immer wiederkehrendes und charakteristisches Thema seiner Werke. Generell zeigt Müller ein starkes Interesse an Tierdarstellungen – vor allem ab 1919 - und damit seine künstlerische Fähigkeit Lebendigkeit im Bild einzufangen. Dies bewies er zuvor bereits im Medium der Radierung. Die kleinen Nagetiere erhalten seine besondere Aufmerksamkeit, so dass seine vielfachen Mäusedarstellungen ihm auch den Spitznamen „Mäusemüller“ einbrachten. Nach eigenen Angaben studierte er die Mäuse nach der Natur in aller Ruhe in seinem Haus in Loschwitz, in dem er wohl eine Menge zahmer Nager vorfand (Corinna Wodarz, Symbol und Eros. Die Bildwelten Richard Müllers (1874-1954), Göttingen 2002, S. 134).
Wie in dieser Schaffensphase üblich schwärzt Müller den Hintergrund, legt den Fokus ganz auf das Geschehen und lässt uns in die
große Welt der Mäuse eintauchen. Als stille Beobachter blicken wir hier auf einen Tisch mit Fayence Teller, Silbermesser und einer aufgeschnittenen Melone, der sich zwei Mäuse genüsslich nähern. Müllers Malweise ist so feinmalerisch, naturalistisch, dass wir beinahe die Nervosität der kleinen Körper mit ihren schnuppernd, zuckenden Nasen zu spüren vermögen. Die kleinen Nager, eigentlich Usurpatoren unserer Nahrungswelt, werden durch Müllers Ästhetisierung in ihrem Wesen als Schädlinge negiert (Op. cit. S. 303 ff.). Sie erscheinen hier als niedliche, harmlose Tierchen, die ihren ungestörten Auftritt in der Lebenswelt des Menschen bekommen. Lebensgroß hält Müller die Objekte und Tiere im Bild fest und verstärkt so die Intensivität des eigentlich banalen, alltäglichen Schauspiels. Faszinier t bleibt unser Blick hängen, beinahe meditativ beobachten wir die Mäuse, versuchen sie in ihrem Genuss nicht zu stören, als ob sie real wären.

Peter Ilsted (1861 Saxkobing – 1933 Kopenhagen)
6395 Weiße Champignons (Hvid Champignon). Schabkunstblatt auf Velin. 17,8 x 22,5 cm. Auflage 30 num. Ex. Signiert. (1913). Olufsen-Svensson 15.
800 €
Prachtvoller Druck mit breitem Rand. Im Passepartoutausschnitt leicht vergilbt, geringfügig fleckig und stockfleckig, kleine Knickspur im oberen weißen Rand, Sammlerbezeichnung in Bleistift am unteren weißen Rand, sonst gut erhalten. Sehr selten

Pere Santilari (geb. 1959, lebt in Barcelona)
6396 „Still life XLI“: Fruchtsalat, Granatapfel, Brot, Nüsse und Smoothie.
Bleistift und Graphit auf Zeichenkarton. 36,5 x 40 cm. Unten rechts signiert und datiert „P. SANTILARI [20]13“.
7.500 €

Französisch
6397 um 1800. „Après le petit dejeuner“: Salontisch mit Geschirr. Rötel auf Bütten. 13,9 x 13,9 cm. Verso mit Federannotationen in franz. Sprache (Makulaturpapier). Wz. Schrift.
400 €

Lucien Mathelin (1905 Binche – 1981 Paris )
6398 „La personne outils“. Öl auf Leinwand. 162 x 130 cm. Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert „MATHELIN“, verso auf dem Keilrahmen nochmals signiert, betitelt und bezeichnet „M 1254“ sowie „100F“ und „750“.
3.000 €
Provenienz: Robert & Baille, Paris, Auktion am 4. Oktober 2006, Los 196.
Ein Paar am Kaffeetisch im entspannten Miteinander – und doch besteht alles weitgehend aus Eisen: der Mann aus landwirtschaftlichem Werkzeug und Handwerkerutensilien, die Frau aus Küchengerät und Alltagsgegenständen. Die durchdachte, raffinierte Komposition ist in Motiv und Umsetzung charakteristisch für Mathelin, die Palette in frischen und harmonischen Farben, der Duktus sorgfältig und bedacht. Bereits 1924 stellte der Künstler im Salon d‘Automne aus; 1937 arbeitete Mathelin eine Weile für Raoul Dufy an dem gigantischen Gemälde von La Fée Électricité. Landwirtschaftliche Geräte und Eisengegenstände, die er sammelte, bedeckten in seiner Werkstatt eine ganze Wand. Stets ist in seiner Malerei ein feinsinniger Humor präsent, der sich auch in unserer Komposition zeigt.



Johann Wilhelm Weinmann (1683–1741, Regensburg)
6399 Verschiedenste Kürbisarten. 4 Farbradierungen mit zeitgenöss. Kolorit. 32,5 x 42,3 cm (Plattenrand); 41,5 x 48,5 cm (Blattgröße). (1737–1745). Wz. Buchstaben HPHP.
350 €
Aus Johann Wilhelm Weinmanns umfangreicher Publikation „Phytanthoza Iconographia“, hier die Tafeln N. 443 „Cucurbita lagenaria Americana / [...]“, N. 444 „Cucurbita lagenaria maxima / Haschenkürbis [...]“, N. 445 „Cucurbia fructu maximo albo / große Haschenkürbis [...]“ und N. 446 „Cucurbita angulosa amara [...]“. Ganz ausgezeichnete Drucke mit frischem Kolorit und breitem Rand bzw. mit dem Schöpfrand. Vertikale Faltspuren, leicht angestaubt und minimal fleckig, die äußeren Ränder schwach gebräunt, kleine Randläsuren, sonst einheitlich schön.
Jacob Samuel Beck (1715–1778, Erfurt)
6400 Stillleben mit Haselnüssen, Melone, Feigen, Äpfeln, Birnen und Pfirsichen. Öl auf Leinwand, doubliert. 57,2 x 76,2 cm. Unter der Melone signiert „Beck f.“.
7.500 €
Aus verschiedenen Samen- und Steinobstsorten sowie Nüssen komponiert der Thüringer Jacob Samuel Beck ein gelungenes Fruchtstück mit ausgesprochen harmonischer Farbwirkung. Wie bei diesem Maler üblich finden sich einzelne Bildelemente auch in anderen Werken wieder. So verwendete er das geflochtene Körbchen mit den Haselnüssen und den auf den Kopf stehenden Apfel unten links auch in einem Gemälde in Privatbesitz (abgebildet in Thomas von Taschitzki, Kai Uwe Schierz (Hrsg.): Jacob Samuel Beck (1715–1778). Zum 300. Geburtstag des Erfurter Malers, Ausst.Kat., Angermuseum Erfurt, Dresden 2016, Kat. 31).

Deutsch
6401 um 1840. Grünspan-Träuschling (Stropharia Aeruginosa).
Aquarell auf Velin. 30 x 22,7 cm. Am Unterrand mit latein Bezeichnungen „Stropharin aeruginos. Agaricus cyaneus. Cortinarius callochrous“ sowie unten rechts undeutlich signiert „Stan.(islaw) K... pinxit“.
600 €
Marmorfrüchte
6402 Drei Steinpilze.
Carrara-Marmor, farbig gefasst, Erde am Stielende. L. 9 cm; 9,5 cm; 12 cm. Toskana, 1980er-1990er Jahre.
150 €
Gudrun Gaube
(geb. 1961 Stendal)
6403 Kleiner Wirsing: Naturabformung eines Kohlkopfes. Porzellan, grüne Aufglasur. H. 7,3 cm. Signiert und datiert „Gaube 2020“.
180 €

Provenienz: Privatsammlung Berlin.
Das genuin menschliche Streben, durch Handgefertigtes in Konkurrenz zur Natur zu treten, findet in Naturabgüssen seinen wohl unmit telbarsten Ausdruck. Ein roter Faden spinnt sich von den oberitalienischen Bronze-Naturabgüssen der Frührenaissance über die Keramiken des Bernard Palissy weiter zu zeitgenössischen Interpretationen wie jenen von Gudrun Gaube. Mit flüssiger Porzellanmasse formt sie feinste Einzelheiten von Obst und Gemüse ab und rückt dabei deren skulpturale Eigenschaften in den Mittelpunkt. Gaube studierte an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle und war rund zwanzig Jahre als Designerin an der Meissener Porzellanmanufaktur tätig.
Gudrun Gaube
6404 Wirsingkohl in Form einer Schale. Porzellan, grüne und blaue Aufglasur. H. 11,5 x B. 22 cm.
240 €
Provenienz: Privatsammlung Berlin.


6405 19. Jh. Keimende Kartoffeln. Aquarell, partiell weiß gehöht. 29,6 x 21,5 cm.
450 €
Die Kartoffel, ursprünglich aus den Anden in Südamerika kommend und als „Gold der Inka“ bezeichnet, fand durch die spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert ihren Weg nach Europa. Hier wurde sie ihrer schönen Blüten wegen zunächst aber nur als Zierpflanze genutzt. Als sättigendes Nahrungsmittel kam sie erst später auf den Speiseplan der Europäer. Besonders in Deutschland war man gegenüber der fremden Knolle lange Zeit skeptisch und erst Friedrich der Große entdeckte ihren Nutzen und kultivierte sie in großem Stile –insbesondere um die Hunger leidende Bevölkerung zu ernähren. Die Kartoffel hat heute längst ihr Dasein als Bauernessen oder bloße Beilage überwunden und hielt als Delikatesse auch Einzug in die gehobene Spitzengastronomie. Der Name „Kartoffel“ leitet sich vom italienischen „tartufo“ ab - „Tartuffel“ -, da die Italiener die Knolle im 16. Jahrhundert im Aussehen mit dem wertvollen Trüffel verglichen.


Gudrun Gaube (geb. 1961 Stendal) 6406 Keimende Kartoffel. Porzellan, mit violetter und brauner Unterglasur sowie purpurner Aufglasur. H. 8 x B. 13 x T. 6,5 cm.
120 €

James Gillray (1756 Chelsea – 1815 London)
6407 „Germans eating Sour-Krout“. Radierung mit zeitgenöss. Kolorit auf Velin. 25,8 x 35,9 cm. 1803. Wright & Evans 518, British Museum Satires VIII.10170.
750 €
Fünf Deutsche haben sich um einen runden Tisch versammelt und vertilgen Berge von Sauerkraut und Würstchen. Im Hintergrund naht bereits der dralle Koch mit der nächsten Fuhre dampfenden Kohls. Die humoreske Szene findet in dem von einem gewissen Weyler geführten Eating-House in Castle Street am Leicester Square in London statt, wo es die Lieblingsspeise der „Krauts“ zu jeder Tageszeit in rauhen Mengen gab. Die Tischmanieren sind den hier versammelten Herrschaften gründlich abhanden gekommen. Achtlos liegen
Zylinder, Dreispitz, Schwert und Gehstock am Boden, die Bierkrüge sind umgefallen und die Katze macht sich über die bereits benutzten Teller her. Schlimmer wie Schweine führen sich die Herren auf, weshalb Gillray an der rückwärtigen Wand ein Gemälde mit fünf Borstenviechern zeigt, die manierlich aus einem Trog fressen. Unter Zuhilfenahme von Löffeln und Gabeln wird die Delikatesse hineingeschaufelt. Das auf dem Boden liegende Menu zeigt an, das vom 1. bis 3. Gang und selbst zum Dessert „Sour Krout“ gereicht wird, so dass die Herren hier in größter Ausgiebigkeit den Gelüsten auf heimisches Essen frönen können. - Ausgezeichneter Druck mit Rändchen um die Einfassungslinie, unten mit dem Text, teils mit Rändchen um die Plattenkante. Etwas gebräunt, sorgfältig geschlossene Randeinrisse unten links und unten mittig, weitere geringer Altersspuren, im Gesamteindruck jedoch gut.

Straßburg
6408 um 1780/90. Vier Mahlzeitenstillleben: Eier, Rettich und Brot; Kohl, Erdbeeren und Lauch; Melone, Erdbeeren und Wein; Pflaumen, Pfirsiche und Kornähren.
4 Blatt, je Aquarell und Deckfarben auf Bütten. Je ca. 32,7 x 40,5 cm. Wz. D & C Blauw.
7.500 €
Abbildung auch auf Seite 133



August Gaul
(1869 Großauheim bei Hanau – 1921 Berlin) 6409 Bär, eine Rübe fressend. Kohle auf dünnem Karton. 16,7 x 22,9 cm. Unten rechts bewidmet und signiert „S.[einem] l.[ieben] D.[oktor]. J.[ohannes] Guthmann / Aug. Gaul“.
900 €
Provenienz: Sammlung Wolf Stubbe, Hamburg. Privatsammlung, Hamburg.
Dem animalischen Appetit widmete sich August Gaul 1918 in dem Mappenwerk Vom Fressen der Tiere. In 24 Lithographien schilderte er darin umfassend die Fressgewohnheiten unterschiedlichster Arten, etwa die des Bären, dessen Vorzeichnung hier vorliegt: Gebeugt sitzt das Raubtier auf dem Boden und widmet sich mit beinahe grimmiger Inbrunst den um ihn verstreuten Rüben. Wie auch in seinen plastischen Werken stand für den Sezessions-Bildhauer auch hier die Natürlichkeit des kreatürlichen Verhaltens im Vordergrund. Diese Verhaltensweisen hatte Gaul in jungen Jahren ausgiebig studieren können, nachdem er 1890 eine Dauerfreikarte für den Berliner Zoo gewonnen hatte. Das Blatt ist dem Kunsthistoriker und Schriftsteller Johannes Guthmann (1876-1956) gewidmet, in dem Gaul einen langjährigen Vertrauten und Mäzen gefunden hatte. Guthmann hatte sein Gut in Neu-Cladow um 1910 zu einem modernen Musenhof umgestalten lassen, wo sich illustre Persönlichkeiten des Berliner Geistesund Kulturlebens zum intensiven Austausch einfanden. Ein Habitué dieses Kreises war auch Gaul, der die Sammlung seines Freundes mit zahlreichen Werken bestückte.
Johann Wilhelm Weinmann (1683–1741, Regensburg)
6410 Verschiedenste Kohl- und Salatköpfe.
4 Farbradierungen mit zeitgenössischem Kolorit. 32,4 x 21,3 cm (Plattenrand); 41,9 x 25,8 cm (Blattgröße). (1737–1745).
350 €
Die Illustrationen stammen - wie auch Los 6399 - aus Johann Wilhelm Weinmanns berühmter Publikation „Phytanthoza Iconographia“, eines der prächtigsten barocken Pflanzenbücher und zugleich das erste Werk, das im sogenannten Teyler‘schen Farbdruckverfahren hergestellt wurde, einer Verbindung aus Radierung und Schabkunst, unter Verwendung von Roulettes und Punzen, bei dem von einer einzigen, mit verschiedenen Farben eingeriebenen Platte gearbeitet wurde. Die Farbstiche des vier Bände umfassenden Werkes wurden von Johann Jakob Haid, Bartholomäus Seutter, Johann Elias Ridinger und G. D. Ehret ausgeführt und zusätzlich mit der Hand nachkoloriert und gehöht. Johann Wilhelm Weinmann war Apotheker und leidenschaftlicher Botaniker, der in seinem privaten Kräutergarten über 9000, teils exotische Pflanzen und Blumen züchtete, die er dann als Vorlagen für sein Monumentalwerk nutzte und beschrieb. Hier die Tafeln N. 256 „Brassica cauliflora / Chou fleur / Käsekohl“, N. 258 „Brassica capitata rubra / Chou cabu rouge/ Rother Kappis“, N. 261 „Brassica alba crispa / Sawischer Krautkohl“, N. 618 „Laburnum, seu Anagyris flore luteo [...] Krauser Salat“. Ganz ausgezeichnete Drucke mit immer noch frischem Kolorit und mit dem Schöpfrand an drei Seiten. Etwas angestaubt, die äußeren Ränder minimal gebräunt, kleine Erhaltungsmängel, sonst sehr schön. Beigegeben die Tafeln N. 859 „Rapa stavia oblonga / Rapa sativa rotunda naveau“, N. 114 „Ananas corona multiplici“ und N. 115 „Ananas brava / Zuckerhuth“.





6411
Josephine Brentano
(1804–1879, Frankfurt a. Main)
6411 „Lerchenpastete und Wiesbadner Theebrod“: Handschriftliches Kochbuch der Josephine Brentano. Circa 100 Blatt, davon 99 Seiten beschrieben und paginier t. 20,3 x 12,5 cm. Marmorierter Halblederband d. Z. (Rücken beschabt) mit handschriftl. Deckelschild „Kochbuch von Josephine Brentano“. O. O. (wohl um 1840).
600 €
Josephine Brentano, eine Nichte von Clemens Brentano und der Bettina von Arnim, wuchs in einem sehr kunstsinnigen Haus auf. Ihre Eltern, der Bankier Franz Brentano und seine Frau Antonia Josepha Edle von Birckenstock, besaßen eine der größten privaten Kunstsammlungen Frankfurts zu Beginn des 19. Jahrhunderts, von der sich Teile heute im Städel befinden. Josephine Brentano, die sich auch selbst als Landschaftsmalerin betätigte, setzte die Tradition des Sammelns fort. Das Kochbuch der kultivierten Künstlerin bietet einen
interessanten Einblick in die Speisegewohnheiten der prominenten Familie Brentano, deren Speisezimmer laut einem alten Verzeichnis mit kleinformatigen barocken Gemälden gefüllt war. Das Büchlein mit einer reichhaltigen Sammlung an Rezepten ist nicht systematisch, sondern offenbar in der Reihenfolge des Kennenlernens der Gerichte von zierlicher Hand gefüllt. Das vorangestellte Register ist nicht alphabetisch geordnet, sondern bildet ein Inhaltsverzeichnis, das der Seitenzahl folgt. So reihen sich „Lerchenpastete“ „Sauerkraut mit Hecht“ und „Ravioli“ aneinander oder „Aufgesetzte Mandeltorte“, „Gateau Pitherien“, „Reis mit Schinken“ in bunter Mischung, teils auch Getränke. An anderer Stelle folgen „Jagdpunsch nach Blittersdorff“ [Josephines Schwester Maximiliane war eine verheiratete von Blittersdorff], „Badischer Hecht“, „Salzburger Nocken“ und „Wiesbadner Theebrod“ aufeinander. Einen breiten Raum nehmen Gebäck und andere leckere Süßspeisen ein; insgesamt 171 Rezepte, von denen etwa „Regenwürmer“ oder „sehr guter Hasenkuchen“ zur Nachahmung locken. - Durchgehend leicht gebräunt.
Deutsch

6412 um 1840. Bildnis eines Kochs nach links mit weißer Kochjacke und Kochmütze Öl auf Leinwand. 21,4 x 17,3 cm.
1.200 €
Bereits in der Antike hatte die Kunst des Kochs, aus Lebensmitteln durch Erhitzen, Braten, Dämpfen oder andere Verfahren möglichst schmackhafte, nahrhafte und dazu gesunde Speisen zu bereiten, einen
hohen Stand erreicht. Später waren die Leibköche an den Höfen des Adels nicht wegzudenken. Als mit der französischen Revolution der grenzenlosen Ausgabefreudigkeit des Adels jedoch ein Ende gesetzt wurde, eröffneten die Köche als neue Einnahmequelle eigene Restaurants. Aus den Meistern in der Küche sind längst internationale Celebrities geworden, zu denen die Gourmets aus Nah und Fern pilgern. Unser Koch in blütenreiner Jacke und gestärkter Kochhaube dürfte einer der gastronomischen Entrepreneurs aus dem 19. Jahrhundert sein, der sein Handwerk besonders gut beherrschte.

Hans Thorvald Emilius Hoppensach (1834–1913, Kopenhagen)
6413 Die Osteria La Gensola in Rom. Öl auf Leinwand. 27,5 x 37,9 cm. Unten in die nasse Farbe geritzt signiert und datiert „EH 1/12/[18]50“. 2.400 €
Den Innenraum der berühmten Osteria La Gensola in Trastevere, Treffpunkt der in Rom angesiedelten Künstler, kennen wir vor allem von dem Gemälde des dänischen Malers Ditlev Blunck, das dieser in zwei Versionen 1836 und 1837 fertigte. Aus derselben Perspektive schildert Blunck den Speisesaal der Gastwirtschaft - mit dem großen Unterschied, dass er die Osteria mit Leben füllt. Er porträtierte links eine Gruppe Einheimischer in Tracht, Kellner und Bäcker als auch an dem langen Tisch rechts Künstlerfreunde wie Etatsrat Just Henrik Mundt, Jørgen Sonne und Bertel Thorvaldsen (siehe Vgl.Abb.). In vorliegendem Gemälde besinnt sich Hoppensach jedoch ganz auf die einfache, karge Ausstattung des Innenraums, spart die Gäste und Wirtsleute aus und vermittelt mit seiner Bestandsaufnahme beinahe die Impression eines Stilllebens: ein rechteckiger Raum mit
Fenster, die Wände ocker gestrichen, mit dekorativen Fresken, an der Rückwand links ein Brunnen, rechts der Ofen mit Abzug und einer Pfanne auf dem Sims, links und rechts die langen, mit weißer Tischdecke gedeckten Esstische für die Gäste. Unser Gemälde gestaltet sich zu Bluncks „lauter“, menschengefüllter Osteria geradezu als Gegenpol und schildert das Stammlokal der Künstler in außergewöhnlich nüchterner Stille.
Dass in den Osterie aber im Normalfall eine angeregte Stimmung herrschte und diese zentrale Anlaufstellen der Künstler waren, schilderte auch Ludwig Richter in seinen Lebenserinnerungen: „Nachdem man sich hier noch ein paar Stunden wacker angestrengt und damit das Tagewerk geschlossen war, eilte man einer Trattoria oder Osteria zu. […] Hier wurden nun mit Scherz und gutem Humor die Tagesereignisse in der Künstlergemeinde, die Arbeiten und sonstigen Vorkommnisse besprochen und die im Schwange gehenden Kunstansichten ausgesprochen und pro und contra durchgefochten, wie das in solchen geschlossenen Kreisen hergebracht ist“ (Ludwig Richter: Lebenserinnerungen, 1909, S. 154).


Emilio Torrini
(1852 Florenz – nach 1892)
6414 Pasta Casareccia: Die schlemmenden Mönche. Öl auf Leinwand. 20,5 x 60,5 cm. Oben links signiert „ETorrini“, verso auf dem Keilrahmen der Stempel eines Florentiner Künstlerbedarfs „Giuseppe Giannini“.
2.400 €
Als „boccone del prete“ (Bissen des Priesters) beschreibt man in Italien den besten Teil einer Speise, der traditionell am Tische dem Pater vorbehalten war. Dass geistige Askese nicht zwingendermaßen mit leiblichem Verzicht einherzugehen braucht, führt diese heitere Mönchsgesellschaft vor. Nicht zu unrecht standen Gottesdiener seit jeher in Verdacht, Wasser zu predigen, aber dem Wein nicht abgeneigt zu sein.
Barbara Bloom (geb. 1951 Los Angeles, lebt in New York) 6415 Titanic Champagne Bottle. Champagnerflasche in Orig.-Holzkiste. 32 x 8,5 x 8,5 cm (Kiste: 36 x 13 x 12,5 cm). Auflage 33 num. Ex. Auf der Unterseite der Holzkiste mit dem Signaturstempel der Künstlerin. 1989.
300 €

Herausgegeben von der Künstlerin und Jay Gorney Modern Art, New York. Barbara Bloom ist eine amerikanische Konzeptkünstlerin, deren Schwerpunkt auf Multimedia-Installationen liegt. Ihre metikulöse Kunst lotet die Beziehung zwischen Objekten und Bedeutungen aus, die durch ihre Gegenüberstellung und Platzierung entstehen. Sie verwischt die Linie zwischen selbstgemachtem und gefundenem Material, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, nimmt aber auch zur Kenntnis, wie die Bedeutung durch den Kontext hergestellt wird. 2008 widmete ihr der Martin Gropius Bau eine Ausstellung.

Adalbert Bela Schaeffer (1815 Groß–Karoly – 1871 Düsseldorf) 6416 zugeschrieben. Weinranke mit grünen und blauen Trauben.
Öl auf Leinwand, doubliert. 38 x 55 cm. Unten rechts signiert „Schaeffer“.
2.400 €

Adolf Senff
(1785 Halle – 1863 Ostrau)
6417 Zwei Birnen vor hellem Grund. Öl auf hell grundierter Leinwand. 11,2 x 20,1 cm. 1.800 €
Provenienz: Süddeutsche Privatsammlung.
Erst 1825 im Alter von 40 Jahren wandte sich Adolf Senff in Rom der Malerei von Blumen und Früchten zu, die er in der Folge so perfektionierte, dass ihm der Beiname „Raffaele di Fiori“ verliehen wurde. Seine Darstellungen insbesondere der Früchte beeindrucken durch die subtile Palette und die feine Malweise, die ganz in das Bild eines im Kreise der Romatiker geschulten Künstlers passen. Gern wählte Senff für die Darstellung seiner „Delikatessen“ einen neutralen Fond vor dem die appetitlichen Früchte besonders zur Geltung kamen.

Erdmann Schultz
(1810 Berlin – nach 1841) 6418 Limettenzweig.
Öl auf festem Karton. 16,9 x 22,1 cm. Unten rechts signiert und datiert „Erdm. Schultz 1836.“.
3.800 €
Der aus Berlin gebürtige Erdmann Schultz war Schüler von Wilhelm Völcker und machte sich wie dieser insbesondere in der Blumenund Früchtemalerei einen Namen. Mit atemberaubender Finesse hält der Künstler die Plastizität des Limettenzweigs mit einer Frucht fest, wobei selbst die wachsartig glatten Oberflächen der Blätter kongenial erfasst werden. Sein außerordentliches Talent führte dazu, dass er auch als Porzellanmaler bei der KPM wirkte.

Jean–François Guillibaud (1718–1799, Genf)
6419 Junge Frau im blauen Kleid mit Pelzbesatz und Nerzcollier mit Koppchen. Pastell. 25,5 x 19,8 cm. Verso auf dem hölzernen Rahmenrückdeckel mit aufgeklebtem Papierschild, darauf in brauner Feder signiert und datiert „Peint par Jn. François Guillibaud en 1762“.
2.800 €
Literatur: Neil Jeffares: Dictionary of pastellists before 1800, Online edition, J.367.189.
Provenienz: Sotheby‘s, London, Auktion am 18. April 1996, Los 52.
An den europäischen Höfen war die Verbreitung der Luxusgetränke Schokolade, Kaffee und Tee eng verwoben mit der Gründung der ersten Porzellanmanufakturen. Bereits die erste Lieferung Meissener Porzellans an den Dresdener Hof 1713 umfasste kleine „Teekopagen“. Aus diesen sogenannten Koppchen, kleinen Bechern ohne Henkel, trank man die stark gesüßten Heißgetränke ganz nach orientalischer Sitte. Was der Champagner heute ist, waren Tee und Schokolade damals. Und so präsentiert unsere elegante Dame stolz nicht nur ihr Tässchen, sondern das gesamte Porzellanservice mit rostrotem Dekor.

Bonbonniere
6420 Bonbonniere (oder Écuelle).
Porzellan. Deckelschale auf Fuß mit seitlichen Henkeln, blauer Fond und Goldstaffage, der Deckel und die Innenwandung ebenfalls vergoldet und radiert, auf der Vorderseite in Sepia gehaltene Darstellung „Junge Frau im Empirekleid auf einer Gartenbank, neben ihr Amor mit einem Schirm“. H. 15,5 cm, D. 15 cm. Paris, um 1820.
1.800 €
Provenienz: Wohl aus dem Besitz der Josephine von Leuchtenberg (1807 Mailand - 1876 Stockholm, von 1844-1859 Königin von Schweden und Norwegen), im Fuß ein Zettel mit Aufschrift in schwarzer Feder in schwedischer Sprache „Har tillhört Drottning Josephina“.
Schokoladentasse
6421 Trembleuse. Porzellan. Kraterform, beidseitig mit eingerollten Henkeln, gold und grün staffiert mit pastoralen Szenen, Lyras und Kriegstrophäen, Tasse und Untertasse mit je einem Perlstab. H. 11 cm. Auf dem Boden jeweils mit Fabrikationsmarke und Dekorateurmarke. Paris, um 1820.
450 €

Deutsch

6422 1835. Zweig mit Pomeranzen vor dunklem Grund. Öl auf Leinwand. 27,7 x 20,5 cm. Unten links monogrammiert und datiert „M. H. 1835“.
750 €
Im 17. Jahrhundert hielt die Pomeranze Einzug in die fürstlichen Gewächshäuser Europas. Ihr Name leitet sich vom lateinischen „pomum aurantium“ (Goldapfel) ab, was in ihrer Form und exquisiten Farbigkeit begründet liegt. Die ursprünglich aus Ostasien stammende Zitrus-
frucht, eine Kreuzung zwischen Mandarine und Grapefruit, spielte in den Orangerien die herausragende Rolle. An den fürstlichen Tafeln diente sie als exquisites Gewürz, bildete aber auch die Grundlage für Liköre und Marmeladen. In Sachsen kultivierte insbesondere August der Starke die Bitterorange und ließ im Dresdener Zwingergarten eigens dafür eine Orangerie errichten, die zu den schönsten ihrer Art in Europa gehörte. Die Leinwand unseres Bildchens ist auf einen Dresdener Keilrahmen gespannt, so dass die Vermutung naheliegt, das sich hier ein sächsischer Künstler eine der dort gezogenen Pomeranzen zum Vorbild nahm.

6423
Dietmar Lemcke
(1930 Goldap/Ostpreussen – 2020 Berlin) 6423 „Herbstfrüchte“.
Öl auf Leinwand. 90 x 80 cm. Oben links mit Pinsel in Blau signiert „Lemcke“ und datiert, verso auf dem Keilrahmen nochmals signiert, mit der Künstleradresse „Berlin 31, Hildegardstr. 24“, auf Klebeband datiert und betitelt sowie auf Ausstellungsetikett bezeichnet. 1967.
1.700 €
Ausstellung: Neue Darmstädter Sezession, XV. Jahresausstellung 1967 (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite)
Obststillleben in leuchtendem Kolorit und von anmutiger Komposition. Der in frischem Blaugrün monochrom gestaltete Hintergrund
verstärkt die Strahlkraft der Farben. „Seine auf Tellern und Schüsseln arrangierten Früchte [...] oder die immer neu gesteckten vielfältigen Blumenensembles repräsentieren ihren eigenen Kosmos. Seine innere Begrenzung bilden die Platten und Gefäße. Sie sind umschlossen oder eingefangen in einen großen ortlosen Farbraum, der komplementär oder auch kontrapunktisch das Fruchtensemble buchstäblich im Bild hält [...] Das ist ein Bildbestand, der aus sich selbst heraus leuchtet, seine eigene sinnliche, bukolische Üppigkeit feiert.“ (Lothar Romain, in: Dietmar Lemcke, Bilder, Aquarelle, Zeichnungen 1958–2003, S. 6). Voluminöse, kugelige Formen dominieren die Komposition und verleihen den vergänglichen Früchten und Blättern eine strahlende Körperlichkeit.

Pavel Feinstein
(geb. 1960 Moskau, lebt in Berlin)
6424 Stillleben mit Teekanne und Zitrone Öl auf Leinwand. 60 x 73 cm. Oben links mit Pinsel in Rot signiert „PAVEL“ und datiert, verso mit der Werknummer „199“. 1985.
800 €
Stillleben stehen im Zentrum von Pavel Feinsteins Werk, wobei er sich in seinen frühen Arbeiten stilistisch besonders an der Malerei von Paul Cézanne orientierte. Farbe und Form sowie die Dramaturgie der Komposition stehen bei Feinstein im Vordergrund, immer orientiert an der realen Gegenstandswelt. In unserem Stillleben entfaltet sich die Fläche in der Räumlichkeit und die Ränder der Auflagefläche verschwimmen mit dem Hintergrund. Unser Arrangement lädt mit Tee und Zitrone zur Nachmittagspause ein. Das leuchtende Zentrum des Werks ist dabei an den rechten Rand verlagert und lässt die gelbe Zitrone besonders schmackhaft in den Vordergrund treten. Diese scheint jedoch fast von ihrem Brett zu rollen, ein typisches Spiel mit den Sehgewohnheiten des Betrachters, das sich bei Feinsteins Werken wiederholt finden lässt.
6425 Dreiteiliges Essbesteck im Etui. Silber vergoldet und Silberfiligran. Kassette 9,1 x 16,5 x 4 cm. Augsburg, 17. Jh und 19. Jh.
600 €
Der Löffel mit dem Meisterzeichen von Abraham Grill (Meister 1672, gestorben 1682), das Beschauzeichen verschlagen, wohl Augsburg um 1672/73 (Seling 2007, Nr. 0720?). Die Filigrangriffe des Messers und der Gabel ebenfalls Augsburg um 1672/73, die Klinge und die Zinken mit Meisterzeichen „IM“ im Rechteck für Johann Heinrich Mussmann (Meister 1822, gestorben 1865; Seling 2007, Nr. 2713) sowie dem Beschauzeichen Pyr mit Q für Augsburg, um 1855/56 (Seling 2007, Nr. 3540). Die Holzkassette mit orangelackiertem, strukturgeprägten Glanzpapier mit Filetenvergoldung und goldgeprägter Rokokorahmenbordüre auf dem Deckel, zwei Scharnieren und zwei Messingschließen, wohl zeitgleich aus der Mitte des 19. Jh.


Marmorfrüchte
6426 Drei Bananen.
Carrara-Marmor, farbig gefasst. L. 9 cm; 17,2 cm; 22,2 cm. Zwei Bananen je mit kleinem Etikett „White Carrara / Made in Italy“ bzw. „Fine Marble Base / Made in Italy“. Toskana, 1980er-1990er Jahre.
150 €
An diesen Bananen kann sich der unvorsichtige Genießer buchstäblich die Zähne ausbeißen, denn was nach täuschend echter Frucht aussieht, entpuppt sich als kunstvoll gefertigter Marmor. Früchte aus Stein fand man bereits auf den fürstlichen Festtafeln der Spätrenaissance, wo sie entweder als harmloser Dekor oder camoufliert unter echtem Obst als Scherzobjekte der Unterhaltung dienten. Deren Herstellung dauerte bis ins 20. Jahrhundert an und hatte ihr Zentrum in der Nähe der Marmorsteinbrüche von Carrara, wo Familien das Handwerk seit Generationen weitergaben.

Paul Almasy (1906 Budapest – 2003 Jouars–Pontchartrain) 6427* „Bananen der Plantage in Acapulco, Ecuador“. Silbergelatineabzug. 29 x 28,5 cm (30,5 x 36,8 cm). Verso vom Fotografen mit Filzstift signiert sowie Editionsetikett, darin 4 von 10 nummeriert. 1965/Abzug 2002. 1.200 €

6429
Deutsch
6428 um 1880. „Zitronenlimonade“. Öl auf Leinwand. 30 x 40 cm.
450 €
Bei dem Stillleben mit den ausgepressten Zitronen, den Zuckersteinen und dem Glas Wasser auf einer Tischfläche handelt es sich um ein gemaltes Rezept. Die Vermischung der hier raffiniert wiedergegebenen Ingredienzien ergibt eine köstliche Zitronenlimonade. Die Tradition der gemalten Rezepte findet sich bereits im Barock etwa bei dem Neapolitaner Giuseppe Recco.
Johann Christoph Borrowsky (1740–1790, Riga)
6430 zugeschrieben. Rokoko-Punschlöffel.
Silber, gegossen und fein getrieben, teilvergoldet. Eingelassener vergoldeter Silberjeton Katharinas der Großen von 1764. Ebonisierter Griff mit Silbermanschette. Länge ca. 43 cm, Durchmesser des Jeton 2,6 cm. Riga, 18. Jh. 1.200 €
Provenienz: Rechtsanwalt von Hehn, Riga.
Johannes Stradanus
(eigentl. van der Straet, 1523 Brügge – 1605 Florenz) 6429 nach. Saccharum – Die Erfindung der Zuckerraffinerie.
Kupferstich. 21 x 27,6 cm. Um 1591. Leesberg (New Hollstein) 335 II (von IV). Wz. Bekröntes Wappen.
1.200 €
Kein Lebensmittel dürfte gleichzeitig so geliebt wie verteufelt sein –Zucker, das süße Gold. Blatt 13 der Folge der „Nova Reperta“. Mit der Adresse von Philipps Galle und der Nummer 13. Prachtvoller Druck mit feinem Rändchen um die markant zeichnende Plattenkante. Geringfügig stockfleckig vor allem zu den Rändern hin, unten mittig minimale Läsur im Rand.
Der Punschlöffel trägt das Beschauzeichen der Stadt Riga aus dem 18. Jahrhundert (gekreuzte Schlüssel im Oval, leicht verschlagen, vgl. W. Neumann, Verzeichnis baltischer Goldschmiede, ihrer Merkzeichen und Werke, Riga 1905, S. 7) sowie deren Tremollierstrich. Die Meistermarke ICB weicht etwas von der in Neumann beschriebenen ab (Neumann, op.cit. S. 9, Nr. 315), dennoch schreibt der Autor die Kelle dem Goldschmied Johann Christoph Borrowsky zu (Neumann, op.cit., S. 44, Nr. 8). Borrowsky wird 1771 zum Goldschmiede-Amtsmeister Rigas gewählt. Eingearbeitet im Boden der Kelle ist eine seltene russische Auswurfmünze (vgl. Koehne‘s Zeitschrift für Münz-, Siegel- und Wappenkunde, Jg. 6 (1846). S. 7, Nr. 16; H.Cz. 8615). Der Jeton in der Größe eines halben Rubels wurde anläßlich des Besuches der Zarin Katharina der Großen bei Herzog Ernst Johann von Biron in der Kurländischen Hauptstadt Mitau 1764 von dem neben ihrem Wagen reitenden Erbprinzen Peter unter das Volk ausgeworfen. Er zeigt auf dem Avers einen Palmbaum, an den das Kurländische Wappen gelehnt ist, rechts einen Teil der Stadt, links das Schloss Mitau, oben eine strahlende Sonne und einen Teil des Tierkreises. Auf dem Revers eine achtzeilige Inschrift mit dem Datum.





Marmorfrüchte
6431 Zwei Orangen, zwei Mandarinen und eine grüne Pflaume.
Carrara-Marmor, farbig gefasst. H. 4,5 cm – 7 cm. Eine Orange mit kleinem Etikett „Fine Marble Base / Made in Italy“. Toskana, 1980er-1990er Jahre.
150 €
Marmorfrüchte
6432 Apfel, Pfirsich, Zitrone, Kaki und Erdbeere. Carrara-Marmor, farbig gefasst. H. 5,5 cm – 8 cm. Toskana, 1980er-1990er Jahre.
150 €
Leopold Zinnögger (1811–1872, Linz)
6433 Früchtestillleben mit Orangen, Trauben, Brombeeren und Schmetterling. Öl auf Papier, auf Holz kaschiert. 19,6 x 22,1 cm. Unten links signiert „Leopold Zinnögger“.
1.800 €
Chateau Mouton Rothschild
6434 1989 Chateau Mouton Rothschild 1er Grand Cru Classe Pauillac Bordeaux. Mit dem Etikett von Georg Baselitz
350 €
Provenienz: Aus dem klimatisierten Keller eines subskribierenden Weinsammlers.
Um manche Wein-Etiketten ranken sich Geschichten und Legenden und das eine oder andere Mal wurden sie auch für die Übermittlung von Botschaften genutzt, in einzelnen Fällen auch politischen. Und natürlich bildeten Etiketten auch immer wieder eine Leinwand für Maler und bildende Künstler, das berühmteste Beispiel ist längst Legende - Château Mouton-Rothschild. Seit 1945 ist jeder Jahrgang des 1er Grand Cru Classe einem berühmten Künstler gewidmet und gilt damit als »Mutter« aller Künstleretiketten. Ikonen der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts wie z.B. Pablo Picasso, Victor Vasarely, Marc Chagall oder Salvador Dali wurden mit der Gestaltung betraut. 1992, wenige Monate bevor der überragenden Bordeaux-Jahrgang

1989 auf den Markt kam, ging allerdings ein Raunen durch Frankreich. Im Januar des Jahres hatte die Familie Rothschild bekanntgegeben, dass die Gestaltung des Etiketts des 89er Mouton-Rothschild dem deutschen Maler Georg Baselitz übertragen worden war. Eine jüdische Familie engagiert einen deutschen Maler - schon das war eine Überraschung, aber längst nicht die letzte. Denn Baselitz thematisierte in seiner Gestaltung ein sehr deutsches Thema, das wichtigste der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts: die Wiedervereinigung Deutschlands. Und dafür durfte er sogar mit einem Tabu brechen: Den Künstlern gehörte bis dahin stets nur das oberste Drittel des Etiketts, die restlichen zwei Drittel waren dem Château vorbehalten. Georg Baselitz hingegen durfte sein Drittel verlassen und links und rechts des Familienwappens mit den Worten „drüben sein / jetzt hier“ die einstige deutsche Teilung, den Fall der Berliner Mauer, und die Wiedervereinigung Deutschlands thematisieren. Darüber hinaus bezieht er sich mit dem „Die Mauer“ betitelten Aquarell, das einen roten und einen grünen Schafbock, natürlich auf dem Kopf stehend, zeigt, auch auf das Weingut (Mouton).
Wir garantieren die Echtheit des Weins und die professionelle Lagerung.

Théophile Alexandre Steinlen
(1859 Lausanne – 1923 Paris)
6435* nach. „Suite funestes de L‘Intempérance“: Der beschwipste Rabe.
Feder in Schwarz, über Bleistift, aquarelliert. 40,8 x 26 cm. Unten bezeichnet „Suite funestes de L‘Intempérance“ sowie monogrammiert, datiert und bezeichnet „A.D. / Janvier 1891“.
450 €
Diese amüsante Anekdote des nimmersatten Raben belehrt, dass man es mit dem wohlgemeinten Alkoholkonsum besser nicht übertreiben sollte. Die Zeichnung des immer beschwipster werdenden Raben folgt der Illustration und Geschichte Steinlens, die unter dem Titel „Horrible fin de Bazouge, ou les suites funestes de l‘intempérance“ in Le Chat Noir am 11. April 1885 erschien (Nr. 170).
Simon (franz. Künstler, tätig um 1900)
6436 Aperitivo: Stillleben mit Calvados und einem Teller mit Datteln, Feigen und Trauben. Öl auf Leinwand. 33 x 41 cm. Unten rechts signiert „Simon“, verso auf der Leinwand mit dem Stempel des Pariser Leinwandherstellers „Chapron“.
1.800 €


Guy Degobert (1914 Lubumbashi/Zaire – 1988 Uccle)
6437 Ohne Titel (Emmental).
Acryl auf Leinwand. 120 x 100 cm. Verso mit Pinsel in Schwarz dreifach signiert „DEGOBERT“ und mit der Werknummer „110“.
2.800 €
Ausstellung : Galerie Marie-Louise Jeanneret, Genf (wohl 1974, mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite, dort bezeichnet „Sans titre (Emmental)“).
Provenienz: Hôtel des Ventes, Genf, Auktion am 9. Dezember 2009, Los 1142.
Großformatiges, hyperrealistisches Trompe-l’œil, originell komponiert. Ein großes Stück Emmentaler Käse bildet die Grundlage für das ebenso humorvolle wie absurde Arrangement. In leuchtender Farbigkeit hebt sich die sorgfältig, pastos mit feinem Pinsel gemalte Darstellung vom schwarzen Hintergrund ab; durch die extreme Vergrößerung, die fotorealistische Übersteigerung der Objekte, gelingt es Degobert, eine „überschärfte“ Realität wiederzugeben. Mit dieser Darstellung einer kühlen, profanen, in ihrer Überspitztheit nahezu verstörenden Wirklichkeit stellt er die Frage nach dem Wesen der Dinge, allerdings in einem beinahe ironischen, existentialistischen Kontext. Seit 1967 zählte Degobert zu den bedeutenden Vertretern der hyperrealistischen Malerei in Belgien.
Tom Schmelzer (geb. 1966 München)
6438 The end of the feast – Das Ende vom Fest –installation ‚masterclass‘. Edelstahl, Spiegel. Ca. 36 x 25 x 25 cm. Ex. 3 aus einer Edition von 9 zzgl. 3 a/p. 2021.
750 €
Tom Schmelzer studierte Neue Medien an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Fridhelm Klein und Klaus vom Bruch sowie Philosophie und Humanmedizin in München, Oxford und Toronto. Als junger Arzt arbeitete er zuerst für die German Doctors auf den Philippinen und einige Zeit bei der Wirtschaftberatung

McKinsey, bevor er sich ganz der Kunst widmete. In seinen Arbeiten verwebt Schmelzer Installationen, Objekte, Malerei sowie Text und digitale Medien zu dichten Kunstwerken mit pointierten konzeptuellen Aussagen. Vorliegende Arbeit thematisiert die Endlichkeit der unnachhaltigen Konsumeinstellung unserer auf Hochglanz polierten Konsumwelt. Der Künstler selbst formuiert es so: „Der Lack ist ab, von der Discokugel wie von der Weltkugel. >Ego to Eco< steht uns bevor. Man sieht die Welt und sich hundertfach gebrochen.“ Und stellt dabei auch die Frage nach unserer Zukunft: „In welcher Welt wollen wir leben? Welche Gesellschaft wünschen wir uns? Das gilt es jetzt zu entscheiden.“

Christian Boltanski (1944–2021, Paris)
6439 „Le repas refusé“. Silbergerlatineabzug auf Agfa-Papier. 23 x 16,3 cm. Mit Feder in Schwarz signiert „C. Boltanski“ und betitelt „Le repas refusé“. 1975.
300 €
Boltanski wurde 1944 in Paris als Sohn eines jüdischen Vaters geboren. Seine Anfänge finden sich in der Malerei, ehe er Ende der 1960er
Jahre sein Gedächtniswerk begann. Er gilt als einer der bekanntesten zeitgenössischen Konzeptkünstler, Fotografen und Bildhauer. Die Sujets, die in engem Zusammenhang mit seiner eigenen Lebensgeschichte stehen, entführen den Besucher in dunkle Welten, in deren Mittelpunkt die Themen Holocaust, Vergänglichkeit, Tod und Erinnerung stehen. Seine Arbeiten rufen das Menschliche, Persönliche und Emotionale hervor, und stellen es der geschichtlichen Grausamkeit gegenüber. 2006 erhielt Christian Boltanski den Nobelpreis der Künste.
Jean Labourdette (auch genannt Turf One; geb. 1976 in Paris, lebt und arbeitet in Montreal) 6440 „We eat shit“. Acryl und Blattbronze auf Malpappe, im bemalten, antiken Holzrahmen. D. 5,3 cm im Rund (lichtes Maß), D. 8,3 cm (Rahmenmaß). Verso mit Bleistift auf der Abdeckpappe signiert, betitelt und datiert. „We eat shit. Jean Labourdette / aka / TurfOne. 2021“.
600 €
Als Sohn eines Künstlers besuchte Jean Labourdette schon als Kind mit seinem Vater die Pariser Flohmärkte, auf denen er schnell eine Faszination für Antiquitäten sowie eine große Sammelleidenschaft entwickelte. Ende der 1980er Jahre etablierte er sich zunächst als
Graffiti-Künstler unter dem Pseudonym Turf One, bevor er im Jahre 2001 nach Montreal übersiedelt. Dort ist er als Illustrator, ComicZeichner und Filmemacher tätig, bis er sich ab 2004 verstärkt der Malerei widmet. Seine Werke sind inspiriert von so unterschiedlichen Einflüssen wie Altmeistergemälden, russischen Ikonen, viktorianischen Kuriositäten, sowie der Jahrmarktkultur und auf Flohmärkten und in Antiquitätengeschäften gefundenen Objekten, die er häufig als Objet trouvé in seine Kunstwerke miteinbezieht. Fasziniert vom dynamischen Verhältnis scheinbarer Gegensätze ergründet Labourdette im Spiel mit Symbolen, Archetypen und Artefakten in seinen mit altmeisterlicher Präzision geschaffenen, phantastischen Bildwelten unterbewusste Strömungen, transzendiert die Erfahrungen von Vergänglichkeit, Leben und Tod und evoziert so das Schöne im vermeintlich Hässlichen. Unsere Arbeit ist dabei wohl als augenzwinkernder Kommentar zu unserer zeitgenössischen Ernährungs- und Genusskultur zwischen hochverarbeitetem Fastfood und Haute Cuisine zu verstehen.

A
Almasy, Paul 6301, 6315, 6324, 6334, 6350, 6391, 6427
Andanson, James 6312
B
Barockbesteck 6342, 6393, 6425
Beck, Jacob Samuel 6400
Bernard, Émile 6368
Bivort, Alexandre 6381
Bloom, Barbara 6415
Boltanski, Christian 6439
Bonbonniere 6420
Borrowsky, Johann Chr. 6430
Brentano, Josephine 6411
Brunel de Neuville, Alfred Arthur 6311
Burchartz, Max 6347
C
Cassel, Pol 6337
Chateau Mouton Rothschild 6434
D
Debucourt, Philibert L. 6361
Deckeldose 6329
Degobert, Guy 6437
Deutsch 6338, 6401, 6405, 6412, 6422, 6428
Dietzsch, Barbara Regina 6384-6385
Droese, Felix 6349
E
Edgerton, Harold 6364
Enrique, Klaus 6321, 6325
F
Feinstein, Pavel 6424
Ferguson, Max 6314, 6362
Fioratti Loreto, Arianna 6306-6307
Fleck, Ralph 6363
Florentinisch 6327
Fragonard, Jean Honoré 6355
Französisch 6397
G
Garzoni, Giovanna 6335
Gaube, Gudrun
6403-6404, 6406
Gaul, August 6409
Gewürzdosen 6328
Gillray, James 6407
Goya, Francisco de 6340
Grützke, Johannes 6345
Guillibaud, Jean-François 6419
H
Herrfurth, Karl-Heinz 6371-6372
Hesse, Ernst 6348
Hoffmann, Josef 6375
Hoppensach, Hans Thorvald Emilius 6413
I J
Ilsted, Peter 6395
Jenkins, Kate 6303, 6344
Jentzen, H. 6379
K
Kaviardosen 6313
Kliun, Ivan Vasilievitch 6322
Kusama, Yayoi 6376
L
Labourdette, Jean 6440
Lemcke, Dietmar 6423
Lindenau, Erich 6383
M
Marcipan 6326
Marmorfrüchte 6402, 6426, 6431-6432
Mathelin, Lucien 6398
McBride, Will 6365
McCarthy, Paul 6318
Mécou, André Joseph 6305
Menage 6343
Milroy, Lisa 6319
Modellfrüchte 6382
Monfort, Octavianus 6380, 6389-6390
Müller, Richard 6394
N
Neapolitanisch 6310
Niederländisch 6302, 6304
O P
Österreichisch 6366
P. Ipsen 6378
Pazelt 6369
Petitpierre, Petra Frieda 6336
Pian, Jean Baptiste de 6356
R
Rembrandt 6354
Renaissancebesteck 6308
S
Saliera 6309
Sant, Hans van 6388

Santilari, Josep 6392
Santilari, Pere 6396
Schaeffer, Adalbert Bela 6416
Schaugericht 6333
Schmelzer, Tom 6374, 6438
Schokoladentasse 6421
Schult, HA 6317
Schultz, Erdmann 6418
Senff, Adolf 6417
Seutter, Matthäus 6367
Shore, Stephen 6323
Silberpokal 6386-6387
Simon 6436
Spiridonov, Nikolai 6373
Spoerri, Daniel 6341, 6353
Steinlen, Théophile A. 6435
Stradanus, Johannes 6429
T
Terrine 6330-6332
Torrini, Emilio 6414
U V
Ujházy, Ferenc 6377
Vostell, Wolf 6352
W
Warhol, Andy 6300, 6320
Wedgwood 6357-6360
Weinmann, Johann W. 6399, 6410
Whistler, James A. McNeill 6346
Winter, Seb 6316, 6370
Z
Zinnögger, Leopold 6433
Zuckerbackerey 6339

Besitzer 6408
1: 6414, 6419. 2: 6400, 6422. 3: 6338, 6342, 6393. 4: 6435. 5: 6313, 6376, 6377, 6382, 6407, 6412. 6: 6397. 7: 6401, 6417, 6418. 8: 6361. 9: 6305, 6434. 10: 6411. 11: 6311, 6416, 6436. 12: 6314, 6362. 13: 6326. 14: 6345. 15: 6366. 16: 6399, 6410. 17: 6318, 6352, 6415, 6439. 18: 6383. 19: 6302. 20: 6337. 21: 6370. 22: 6347. 23: 6395. 24: 6309, 6378, 6413. 25: 6392, 6396. 26: 6336. 27: 6425. 28: 6320. 29: 6355. 30: 6428. 31: 6423. 32: 6300. 33: 6308, 6430. 34: 6375. 35: 6440. 36: 6368. 37: 6409. 38: 6327, 6335, 6389, 6390, 6408. 39: 6354. 40: 6306, 6307. 41: 6339, 6356. 42: 6424. 43: 6340, 6346. 44: 6341, 6348, 6349, 6353. 45: 6328, 6333. 46: 6319, 6322, 6373, 6380, 6398, 6437. 47: 6304, 6310, 6386, 6387, 6433. 48: 6367. 49: 6388. 50: 6429. 51: 6365. 52: 6323. 53: 6329, 6330, 6332. 54: 6331. 55: 6403, 6404, 6406. 56: 6321, 6325. 57: 6374, 6438. 58: 6394. 59: 6312. 60: 6301, 6315, 6324, 6334, 6350, 6391, 6427. 61: 6303, 6344. 62: 6317. 63: 6357, 6358, 6359, 6360, 6420, 6421. 64: 6343. 65: 6379, 6384, 6385, 6402, 6405, 6426, 6431, 6432. 66: 6364. 67: 6371, 6372. 68: 6316, 6369. 69: 6363. 70: 6381.
1. Die Galerie Gerda Bassenge KG, nachfolgend Versteigerer genannt, versteigert als Kommissionärin im eigenen Namen und für Rechnung ihrer Auftraggeber (Kommittenten), die unbenannt bleiben. Die Versteigerung ist freiwillig und öffentlich im Sinne des § 383 III BGB.
2. Der Versteigerer behält sich das Recht vor, Nummern des Kataloges zu vereinen, zu trennen, außerhalb der Reihenfolge anzubieten oder zurückzuziehen.
3. Sämtliche zur Versteigerung kommenden Gegenstände können vor der Versteigerung besichtigt und geprüft werden. Die Sachen sind gebraucht. Erhaltungszustände der einzelnen angebotenen Arbeiten bleiben im Katalog in der Regel unerwähnt. Die Katalogbeschreibungen sind keine Garantien im Rechtssinne und keine vertraglich vereinbarten Beschaffenheitsangaben. Gleiches gilt für individuell angeforderte Zustandsberichte. Sie bringen nur die subjektive Einschätzung des Versteigerers zum Ausdruck und dienen lediglich der unverbindlichen Orientierung. Alle Gegenstände werden in dem Erhaltungszustand veräußert, in dem sie sich bei Erteilung des Zuschlages befinden. Soweit nicht in der Katalogbeschreibung explizit erwähnt, sind Rahmungen nicht bindender Bestandteil des Angebots. Der Käufer kann den Versteigerer nicht wegen Sachmängeln in Anspruch nehmen, wenn dieser seine Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Der Versteigerer verpflichtet sich jedoch, wegen rechtzeitig vorgetragener, begründeter Mängelrügen innerhalb der Verjährungsfrist von 12 Monaten ab dem Zeitpunkt des Zuschlags seine Ansprüche gegenüber dem Einlieferer (Auftraggeber) geltend zu machen. Im Falle erfolgreicher Inanspruchnahme des Einlieferers erstattet der Versteigerer dem Erwerber den Kaufpreis samt Aufgeld. Die Haftung des Versteigerers auf Schadensersatz für Vermögensschäden – gleich aus welchem Grund – ist ausgeschlossen, es sei denn, dem Versteigerer fiele Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit zur Last. Die Haftung bei Verletzung von Leben, Körper und Gesundheit bleibt unberührt.
4. Der Zuschlag erfolgt nach dreimaligem Aufruf an den Höchstbietenden. Der Versteigerer kann den Zuschlag verweigern oder unter Vorbehalt erteilen. Wenn mehrere Personen dasselbe Gebot abgeben und nach dreimaligem Aufruf kein höheres Gebot erfolgt, entscheidet das Los. Der Versteigerer kann den Zuschlag zurücknehmen und die Sachen erneut ausbieten, wenn irrtümlich ein rechtzeitig abgegebenes höheres Gebot übersehen worden ist oder wenn der Höchstbietende sein Gebot nicht gelten lassen will oder sonst Zweifel über den Zuschlag bestehen.
5. Im Falle eines schriftlichen Gebotes beauftragt der Interessent den Versteigerer für ihn während der Versteigerung Gebote abzugeben. In schriftlichen Aufträgen ist bei Differenzen zwischen Nummer und Kennwort das Kennwort maßgebend.
6. Telefonische Gebote und Online-Direkt-Gebote über das Internet bedürfen der vorherigen Anmeldung beim Versteigerer und dessen Zustimmung. Für die Bearbeitung übernimmt der Ver -
steigerer jedoch keine Gewähr. Telefonische und Online-Gebote werden nur akzeptiert, wenn der Bieter bereit ist, den ihm zuvor mitgeteilten Mindestpreis des jeweiligen Loses zu bieten. Auch bei Nichtzustandekommen einer Verbindung gilt, dass für den Auktionator dieses Gebot in Höhe des Mindestpreises verbindlich ist. Für das Zustandekommen einer entsprechenden Telefon- oder Onlineverbindung übernimmt der Versteigerer keine Gewähr. Das Widerrufs- und Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen findet auf solche Gebote keine Anwendung (§ 312d Abs. 4 Nr. 5 BGB).
7. Mit der Erteilung des Zuschlages geht die Gefahr für nicht zu vertretende Verluste und Beschädigung auf den Ersteigerer über. Das Eigentum an den ersteigerten Sachen geht erst mit vollständigem Zahlungseingang an den Erwerber über.
8. Auf den Zuschlagspreis ist ein Aufgeld von 29% zu entrichten, in dem die Umsatzsteuer ohne separaten Ausweis enthalten ist (Differenzbesteuerung) oder ein Aufgeld von 24% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19% (Regelbesteuerung), bei Büchern beträgt die Umsatzsteuer 7% (Regelbesteuerung). Die im Katalog mit einem * gekennzeichneten Objekte unterliegen in jedem Fall der Regelbesteuerung (Aufgeld von 24% auf den Zuschlag zzgl. der USt von z.Zt. 19%). Bei den im Katalog mit einem ^ gekennzeichneten Objekten ist Einfuhrumsatzsteuer angefallen. In diesen Fällen wird zusätzlich zu einem Aufgeld von 26% (Differenzbesteuerung) die verauslagte Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von z.Zt. 7% auf den Zuschlag erhoben.
Für bundesdeutsche Kunsthändler und Antiquare, die zum Vor steuer abzug berechtigt sind, kann die Gesamt rech nung auf Wunsch, wie bisher nach der Regelbesteuerung ausgestellt werden. Von der Umsatzsteuer befreit sind Ausfuhrlieferungen in Drittländer (außerhalb der EU) und – bei Angabe ihrer USt.-Identifikations-Nr. bei Auftragserteilung als Nachweis der Berechtigung zum Bezug steuerfreier innergemeinschaftlicher Lieferungen –auch an Unternehmen in anderen EU-Mitgliedsstaaten, unter der Voraussetzung, dass sie für gewerblichen Gebrauch einkaufen. Eine Korrektur nach Rechnungsstellung ist nicht möglich.
Alle anderen Käufe aus EU-Ländern unterliegen der Umsatzsteuer. Ausländischen Käufern außerhalb der Europäischen Union wird die Umsatzsteuer erstattet, wenn binnen 4 Wochen nach der Auktion der deutsche zollamtliche Ausfuhrnachweis und der zollamtliche Einfuhrnachweis des entsprechenden Importlandes erbracht werden. Bei Versand durch uns gilt der Ausfuhrnachweis als gegeben. Bei Online-Live-Geboten über externe Internetplattformen erhöht sich das Aufgeld um die dort anfallende Transaktionsgebühr (i. d. R. 3% des Zuschlagspreises). Während oder unmittelbar nach der Auktion ausgestellte Rechnungen bedür fen einer besonderen Nachprüfung und eventueller Berichtigung; Irrtum vorbehalten. Katalog- und Zusatzabbildungen dürfen nicht ohne Genehmigung verwendet werden. Reproduktionsrechte und digitale Dateien der Abbildungen können gegen Gebühr erworben werden. Gegebenenfalls noch bestehende Urheberrechte Dritter bleiben davon unberührt und müssen u.U. gesondert eingeholt werden.
9. Die Auslieferung der ersteigerten Stücke erfolgt in unseren Geschäftsräumen gegen Bezahlung. Kreditkarten (Mastercard, VISA, American Express), Schecks sowie andere unbare Zahlungen werden nur erfüllungshalber angenommen. Bankspesen/ Transaktionsgebühren bzw. Kursverluste können zu Lasten des Käufers gehen. Die Auf bewahrung erfolgt auf Rechnung und Gefahr des Käufers. Der Versand wird gegen Vorabrechnung des Rechnungsbetrages ausgeführt. Die Versandspesen sowie die Kosten für Versicherung gegen Verlust und Beschädigung gehen zu Lasten des Käufers. Übersteigen die tatsäch lichen Versandkosten die vorab berechnete Pauschale, so wird die Differenz dem Käufer nachträglich in Rechnung gestellt.
10. Bei der Ausfuhr von Kulturgütern aus dem Gemeinschaftsgebiet der EG ist gem. der EG-Verordnung Nr. 116/2009 abhängig von Kategorie und Wert des Objekts ggf. eine Ausfuhrgenehmigung erforderlich. Aus Gründen des Artenschutzes können Objekte aus bestimmten, geschützten Materialien (u.a. Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt und einige Korallenarten) besonderen Im- und Exportbeschränkungen unterliegen. Zum Zwecke des Exports (insbesondere außerhalb der Europäischen Union) kann hierfür eine spezielle Ausfuhrgenehmigung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 338/97 erforderlich sein. Entsprechende Ausfuhrgenehmigungen können nur unter strengen Bedingungen erteilt und ggf. auch gar nicht erlangt werden, auch kann der Import dieser Gegenstände in manche Staaten eingeschränkt oder untersagt sein. Der Käufer ist selbst dafür verantwortlich, sich über etwaige Im- und Exportbeschränkungen zu informieren. Export und Import entsprechender Objekte erfolgen allein auf Rechnung und Gefahr des Käufers.
11. Der Zuschlag verpflichtet zur Abnahme. Der Kaufpreis ist mit dem Zuschlag fällig. Der Versteigerer ist berechtigt, falls nicht innerhalb von zwei Wochen nach der Versteigerung Zahlung geleistet ist, den durch den Zuschlag zustande gekommenen Kaufvertrag ohne weitere Fristsetzung zu annullieren, Verzugszinsen in
banküblicher Höhe – mindestens jedoch 1 % auf den Bruttopreis je angebrochenen Monat – zu berechnen und von dem Ersteigerer wegen Nichterfüllung Schadenersatz zu verlangen. Der Schadenersatz kann in diesem Falle auch so berechnet werden, dass die Sache in einer neuen Auktion nochmals versteigert wird und der säumige Käufer für einen Mindererlös gegenüber der vorangegangenen Versteigerung einschließlich der Gebühren des Auktionshauses aufzukommen hat. Zu einem Gebot wird er nicht zugelassen, auf einen etwaigen Mehrerlös hat er keinen Anspruch.
12. Erfüllungsort und Gerichtsstand im vollkaufmännischen Verkehr ist Berlin. Es gilt ausschließlich deutsches Recht. Das UNAbkommen über Verträge des internationalen Warenkaufs (CISG) findet keine Anwendung.
13. Die im Katalog aufgeführten Preise sind Schätzpreise, keine Limite.
14. Der Nachverkauf ist Teil der Versteigerung, bei der der Interessent entweder telefonisch oder schriftlich (im Sinne der Ziffern 5 und 6) den Auftrag zur Gebotsabgabe mit einem bestimmten Betrag erteilt.
15. Die Abgabe eines Gebotes in jeglicher Form bedeutet die Anerkennung dieser Versteigerungsbedingungen. Der Versteigerer nimmt Gebote nur aufgrund der vorstehenden Versteigerungsbedingungen entgegen und erteilt dementsprechend Zuschläge. Kommissionäre haften für die Käufe ihrer Auftraggeber.
16. Sollte eine der vorstehenden Bestimmungen ganz oder teilweise unwirksam sein, so bleibt die Gültigkeit der übrigen davon unberührt.
David Bassenge Geschäftsführer

Stand: Mai 2022
1. The Galerie Gerda Bassenge KG, subsequently called “the auctioneer” carries on business as commission-agent in its own name on behalf of its voluntary consignors. This auction sale is a public one in the sense of § 383 III BGB.
2. The auctioneer reserves the right to combine, to split, to change or to withdraw lots before the actual final sale.
3. All objects put up for auction can be viewed and examined prior to the sale at the times made known in the catalogue. The items are used and sold as is. As long as not explicitly mentioned in the catalogue description, framing is not an inherent part of the offer. As a rule, the condition of the individual work is not given in the catalogue. Catalogue descriptions are made with as much care as possible, but the descriptions do not fall under the statutory paragraph for guaranteed legal characteristics. The same applies for individually requested condition reports. These also offer no legal guarantee and only represent the subjective assessment of the auctioneer while serv ing as a non-binding orientation. The liability for damage to life, body or health shall remain unaffected. In case of a justified claim, however, he will accept the responsibility to make a claim for restitution on behalf of the buyer against the consignor within a period of 12 months, running from the fall of the hammer. In the event of a successful claim the auctioneer will refund the hammerprice plus premium.
4. The highest bidder acknowledged by the auctioneer shall be deemed the buyer. In case of identical bids the buyer will be determined by drawing lots. In the event of a dispute the auctioneer has the absolute discretion to reoffer and resell the lot in dispute. He may also knock down lots conditionally.
5. In the case of a written bid the bidder commissions the auctioneer to place bids on his behalf during the auction. In cases where there is a discrepancy between number and title in a written bid the title shall prevail.
6. Telephone and direct online bidding via the internet must be approved in advance by the auctioneer. The auctioneer cannot be held liable for faulty connections or transmission failure. In such a case the bidder agrees to bid the reserve price of the corresponding lot. For such bidding the regulations of long distance contracts do not apply (Fernabsatzverträge) [cf § 312d IV,5 BGB].
7. On the fall of the auctioneer’s hammer title to the offered lot will pass to the acknowledged bidder. The successful buyer is obliged to accept and pay for the lot. Ownership only passes to the buyer when full payment has been received. The buyer, however, immediately assumes all risks when the goods are knocked down to him.
8. A premium of 29% of the hammer price will be levied in which the VAT is included (marginal tax scheme) or a premium of 24% of the hammer price plus the VAT of 19% of the invoice sum will be levied [books: 7%] (regular tax scheme). Buyers from countries of the European Union are subject to German VAT.
Items marked with an * are subject to the regular tax scheme (premium of 24% of the hammer price plus the current VAT of 19%). Items marked with an ^ are subject to import duty. In these cases in addition to a premium of 26% (marginal tax scheme), the charged import tax of currently 7% will be added to the hammer price. Exempted from these rules are only dealers from EU-countries, who are entitled, under their notification of their VAT ID-Number, to buy on the basis of VAT-free delivery within the European Union. Notification of VAT ID-Numbers must be given to the auctioneer before the sale.
For buyers from non EU-countries a premium of 24% will be levied. VAT will be exempted or refunded on production of evidence of exportation within 4 weeks of the auction, or, if appropriate, importation to another country. This is taken as given when the dispatch is effected by us.
Live bidding through online platforms entails a transaction fee stipulated by the platform and will be added to the premium (usually 3% of the hammer price).
Due to the work overload of the accounting department during auctions, invoices generated during or directly after an auction require careful revision and possible correction; errors excepted. Catalogue images may not be used without permission. Reproduction rights and digital files can be acquired for a fee. Any copyrights of third parties that may still exist remain unaffected by this and may have to be obtained separately.
9. Auction lots will, without exception, only be handed over after pay ment has been made. Credit cards (VISA, Mastercard, American Express), checks and any other form of non-cash payment are accepted only on account of performance. Exchange rate risk and bank charges may be applicable. Storage and dispatch are at the expense and risk of the buyer. If the shipping costs exceed the lump sum on the invoice the outstanding amount will be billed separately.
10. According to regulation (EC) No. 116/2009, an export license is necessary when exporting cultural goods out of European Community territory, depending on the type or value of the object in question. For the purposes of wildlife conservation, it is necessary to obtain an export license according to regulation (EC) No. 338/97 when exporting objects made from certain protected materials (incl. ivory, tortoiseshell, mother-of-pearl and certain corals) out of the territory of the European Community. Export licenses for objects made of protected materials are only granted under strict conditions or may not be granted at all. The import of such objects
may be restricted or prohibited by certain countries. It is the buyer’s responsibility to inform himself, whether an object is subject to such restrictions. Export and import of such objects are at the expense and risk of the buyer.
11. The buyer is liable for acceptance of the goods and for payment. The purchase price shall be due for payment upon the lot being knocked down to the buyer. In case of a delayed payment (two weeks after the sale) the purchaser will be held responsible for all resultant damages, in particular interest and exchange losses. In case of payment default the auctioneer will charge interest on the outstanding amount at a rate of 1% to the gross price per month or part of month. In such an event the auctioneer reserves the right to annul the purchase contract without further notice, and to claim damages from the buyer for non-fulfilment, accordingly he can reauction the goods at the buyer’s expense. In this case the buyer is liable for any loss incurred, the buyer shall have no claim if a higher price has been achieved. He will not be permitted to bid.
12. The place of fulfillment and jurisdiction is Berlin. German law applies exclusively; the UN-Treaty (CISG) is explicitly excluded.
13. The prices quoted after each lot are estimates, not reserves.
14. The after-sales is part of the auction in which the bidder places either by telephone or in written form (as stated in number 5 and 6) the order to bid a set amount.
15. By making a bid, either verbally in the auction, by telephone, written by letter, by fax, or through the internet the bidder confirms that he has taken notice of these terms of sale by auction and accepts them. Agents who act on behalf of a third party are jointly and separately liable for the fulfillment of contract on behalf of their principals.
16. Should one or the other of the above terms of sale become wholly or partly ineffective, the validity of the remainder is not affected. In the event of a dispute the German version of the above conditions of sale is valid.
David Bassenge As of May 2022



Jennifer Augustyniak
Dr. Ruth Baljöhr
David Bassenge
Barbara Bögner
Eva Dalvai
Katharina Fünfgeld
Simone Herrmann
Lea Kellhuber
Nadine Keul
Miriam Klug
Sonja von Oertzen
Stephan Schurr
Dr. Rainer Theobald
Harald Weinhold
Stefanie Löhr
Maria Benkendorf
Philipp Dörrie
Stefanie Löhr
Christina Wunderlich
Michael G. Gromotka
Christoph Petras

