STRUKTURENTWICKLUNG IM LAUSITZER REVIER
#001 - MÄRZ 2019 KOSTENFREI
SONDERBEILAGE Was die Lausitz voranbringen soll Seite 3 Die Ministerpräsidenten im Interview: Mit Mut und Ideen die Zukunft anpacken Seite 4
Hier ist Tempo drin.
FOTO: LAUSITZER FÜCHSE/THOMAS HEIDE
Alles für die Fans der Füchse Seite 7
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heute halten Sie die neue Revierzeitung W.I.R. in den Händen – eine Zeitung, mit der wir Sie während der Strukturentwicklung regelmäßig über Neuigkeiten, Fortschritte und Macher aus der Lausitz informieren möchten. W.I.R. steht dabei sowohl für gemeinsame Entwicklung, wie auch für die „Wirtschftsregion Lausitz“, dem Herausgeber von W.I.R. In der ersten Ausgabe stehen Menschen im Mittelpunkt - mit Ideen für die Zukunft in ihrer alten oder neuen Heimat Lausitz. Die Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und Dietmar Woidke haben wir gefragt, welche Auswirkungen der Bericht der Kommission „Wachstum, Beschäftigung und Strukturwandel" haben wird. Und schließlich geht es um Sie, liebe Leserinnen und Leser. Sie können die Zukunft der Lausitz mitgestalten und aktiv an einem neuen Leitbild mitwirken. Sie haben ein großartiges Projekt, über das wir berichten sollen? Sie kennen einen Macher, der mit neuen Ideen die Lausitz voranbringt? Schreiben Sie uns an info@wirtschaftsregionlausitz.de. Wir freuen uns über Ihre Ideen. Die W.I.R.-Redaktion HOYERSWERDA Neuer Betrieb für Autobatteriemontage
Die Lausitz ist mehr als ein geografischer Begriff. Die Region verbindet vielseitig reizvolle Landschaften, eine historisch gewachsene Kultur, eine sich wandelnde Industrie und Menschen, die auf ihre Heimat stolz sind.
Tagebau Welzow
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ine ganze Menge Missverständnisse über die Lausitz sind im Umlauf. Manchen fällt bei diesem Namen der einzigartige Spreewald ein oder die Stadt Görlitz an der Neiße – tatsächlich zum einen eine der außergewöhnlichsten Landschaften Europas und zum anderen eine wunderschöne, anziehende Stadt. Andere bringen mit der Lausitz ausschließlich Braunkohle und Tagebaue, Kraftwerke und rauchende Schlote in Verbindung. Und wiederum andere halten die Region für eine zwar traditionsreiche, aber leider auch wenig zukunftsträchtige Energie- und Industrielandschaft am südöstlichen Rand von Deutschland.
unter veränderten Bedingungen glauben. Industriell geprägt seit Generationen ist diese Region. Zupackend, produktiv und fleißig sind die Menschen hier. Jahrzehntelang war die Lausitz eine führende Textilregion, die Elektro- und Maschinenindustrie war hier zu Hause.
Region in Bewegung
Ab Februar 2019 montiert die Firma Leadec in Hoyerswerda Bauteile für Batterien, die in Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen. Auf 8.300 m² entstehen bis zu 80 Arbeitsplätze im Zukunftsmarkt E-Mobilität. In Hoyerswerda werden Montage, Qualitätsprüfung, Lager, Logistik, Verwaltung und Produktionsplanung angesiedelt. 2020 rechnet Leadec mit einer jährlichen Montage-Leistung von 300.000 Teilen. → www.leadec-services.com
als Zulieferer oder Dienstleister eingebunden. Und die Beschäftigten der Energiewirtschaft tragen mit ihrem Einkommen wesentlich zum Wohlstand in der Region bei. Mit ihrer Arbeit prägen die Beschäftigten der Braunkohlewirtschaft die Lausitz bis heute. Doch genauso verdient um ihre Region machen sich die vielen Menschen, die nicht (oder nicht mehr) in der Kohlewirtschaft tätig sind.
TEXT: TOBIAS DÜRR, FOTO: RAINER WEISFLOG
LIEBE LAUSITZERINNEN UND LAUSITZER,
Unsere Lausitz
FOTO: TMB TOURISMUS-MARKETING BRANDENBURG GMBH
EDITORIAL
Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
Klischees zu bedienen wird dem nicht gerecht. Denn die Wirklichkeit sieht inzwischen weitaus bunter aus. Die Lausitz heute, das ist eine vielfältige Region in Bewegung, gelegen mitten im neuen Europa zwischen den dynamischen Großräumen Berlin und Dresden, Leipzig und Breslau. Hier finden sich wunderschöne Naturlandschaften ebenso wie moderne Unternehmen, lebendige Städte ebenso wie zauberhafte Dörfer. Und Menschen voller Ideen und Tatendrang, die fest an die Kraft ihrer Lausitzer Heimat auch
Kahnfahren im Spreewald Aus dem Boden der Lausitz wurde die Energie geholt, die vier Jahrzehnte lang die DDR am Laufen hielt. Und aus der Lausitzer Braunkohle stammt auch heute noch jede zehnte Kilowattstunde Strom, die Deutschland verbraucht. Auf dieses Erbe und diese Leistung ihrer Industrie- und Energieregion sind die Menschen in der Lausitz stolz. Zu Recht. Der herausragende Film „Gunder-
mann“ von Andreas Dresen, gedreht in Sachsen und Brandenburg, zeigt es in seiner ganzen Vielschichtigkeit. Mit genauso viel Stolz können die Lausitzer auf den beeindruckenden Weg zurückblicken, den sie seit dem Ende der DDR zurückgelegt haben. Denn dieser Weg war hart und steinig. Noch 1989 waren etwa 80.000 Menschen direkt in der Lausitzer Braunkohlewirtschaft beschäftigt, tausende in der Textil- und Glasindustrie. Dann folgte innerhalb kürzester Zeit der brutale Absturz. Die schweren Erschütterungen und Rückschläge der neunziger Jahre haben die Menschen in der Region mit viel eigener Kraft bewältigt. Sie haben den Blick nach vorne gerichtet und tatkräftig angepackt. Heute hängen in der brandenburgischen und sächsischen Lausitz noch etwa 8.000 Arbeitsplätze unmittelbar von der Braunkohleverstromung ab – und erwirtschaften jedes Jahr rund 1,3 Milliarden Euro. Das ist das Rückgrat der Lausitz. Arbeit im Wandel
Weitere 16.000 Arbeitsplätze in der gesamten Lausitz werden indirekt durch die Braunkohle gesichert. In die Wertschöpfungsketten der LEAG, die ihre Konzernzentrale in Cottbus hat, sind zahlreiche Unternehmen
Längst hat sich die Region geöffnet für Wandel, Entwicklung und Erneuerung. Schon jetzt ist sie auf dem besten Weg, ihr wirtschaftliches Fundament zu verbreitern. Hunderttausende Lausitzerinnen und Lausitzer haben in den vergangenen Jahrzehnten neue Wege suchen müssen – und in den allermeisten Fällen trotz vieler Rückschläge auch gefunden. Unzählige haben neues Wissen erworben, neue Erfahrungen gesammelt, neues Selbstbewusstsein gewonnen. Neue Lebensperspektiven
Und nicht wenige, die ihre Lausitzer Heimat in den schwierigen neunziger Jahren auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensperspektiven verließen, kehren inzwischen hierher zurück. Wieder andere finden als Zuzügler von außen in der Lausitz ihre neue Heimat. Alle zusammen tragen sie dazu bei, dass sich in der Region zunehmend innovative Branchen, neue Berufe und Sichtweisen etablieren können. So wird die Lausitz nach und nach noch lebenswerter, noch dynamischer und internationaler. Auf den Erfahrungen aus dem Strukturwandel kann die Region aufbauen. Daran anknüpfend werden die Lausitzerinnen und Lausitzer gemeinsam ihre Heimat aus einer traditionsreichen Energieregion zu einer starken Zukunftsregion gestalten. Die Lausitz, Brandenburg und Sachsen im Internet: → www.brandenburg.de → www.sachsen.de → www.lausitz-brandenburg.de → https://lsnq.de/Lausitz
Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
Ende Januar hat die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ (WSB) einen Ausstiegsfahrplan für die Kohleverstromung vorgelegt. Dazu Meinungen aus der Kommission und der Region.
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Was die Lausitz voranbringen soll Was bedeuten die Vorschläge der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ für die Lausitz? Von den 40 Milliarden Euro über 20 Jahre aus dem Bundeshaushalt für die Strukturentwicklung der drei Braunkohlereviere sollen bis zu 18 Milliarden Euro in die Lausitz fließen. Die Länder Brandenburg und Sachsen haben durchgesetzt, dass zahlreiche Projekte in den Kommissionsbericht aufgenommen wurden – jetzt muss die Bundesregierung die nötigen gesetzlichen Grundlagen für die Realisierung schaffen. Zu den vorgeschlagenen Projekten gehören u. a.: Straße und Schiene + gute Anbindung der Lausitz
Christine Herntier Bürgermeisterin der Stadt Spremberg und Mitglied der Kommission
Michael Vassiliadis Vorsitzender der Gewerkschaft IG BCE und Mitglied der Kommission
„Die Lausitz hat im anstehenden Strukturwandel die größten Herausforderungen zu bewältigen. Bundesregierung und Parlament sind dazu aufgerufen, die Vorschläge der Kommission schnell in einem Gesetzgebungsverfahren festzuschreiben. Wenn dies geschieht, kann für das Lausitzer Revier viel erreicht werden. Die Schaffung von Industriearbeitsplätzen mit einer Wertschöpfung mindestens so hoch wie aus der Kohleund Energiewirtschaft stehen dabei an erster Stelle.“
„Auf unsere Mitglieder und alle anderen Beschäftigten in den betroffenen Unternehmen kommt ein großer Wandel zu. Dass da auch Ängste eine Rolle spielen, ist menschlich. Trotzdem bin ich zufrieden. Wir haben für unsere Leute eine Menge erreicht. Das Sicherheitsnetz, das wir gespannt haben, ist engmaschig. Kein Beschäftigter in der Kohleindustrie muss wegen der politischen Entscheidung für den Ausstieg finanzielle Härten fürchten.“
an die urbanen Räume Berlin, Dresden, Leipzig, Breslau + ICE-Verbindung von Berlin – Cottbus – Weißwasser – Görlitz mit Verlängerung nach Polen + Zweigleisiger Ausbau der Bahnverbindung Cottbus – Lübbenau mit deutlicher Verbesserung für Verbindung zum BER und nach Berlin + Elektrifizierung der Bahnstrecke Cottbus – Forst und Cottbus – Görlitz + Elektrifizierung der Strecke Dresden – Görlitz inklusive der Verbindung nach Kamenz und Zwickau + Taktverdichtung auf wichtigen Verbindungen + Sechsspuriger Ausbau A 13 und A 4 + „Milau“: Straßenverbindung Mitteldeutschland – Lausitz + Neubau bzw. Ausbau zahlreicher Bundes- und Landes-
straßen (B 178n, B 156, B 96, B 97) + Neues Großterminal in Schwarzheide für den kombinierten Verkehr Schiene und Straße Digitales + Ausbau
Breitband mit Modellgebieten für den 5G-Standard + Bessere medizinische Versorgung durch Telemedizin + Testfeld autonomes Fahren auf dem Lausitzring Wirtschaft und Arbeitsplätze + Sonderförderbedingungen
der EU für Kohleregionen im Strukturwandel anstreben + Aufbau einer Fabrik zur Produktion von Batteriezellen + Ausweisung und Bau bzw. Erweiterung von Gewerbegebieten (z. B. Schwarze Pumpe, Schwarzheide/ Schipkau, Guben) + Unterstützung von Existenz-
ximalforderungen zu scheitern. Dennoch halte ich das Ergebnis für gut, weil es der Lausitz und ihren Menschen hilft, den anstehenden Strukturwandel rechtzeitig anzugehen.“ Dawid Statnik
Vorsitzender der Domowina, Bund Lausitzer Sorben e. V. „Wichtig ist nun, eine Strukturpolitik zu betreiben, die die Lausitz nicht abhängt, sondern mit guten, langfristigen Maßnahmen nach vorne bringt. Dahingehend hoffen wir, dass die Bundespolitik die Vorschläge der Kommission aufgreift und umgehend in die benötigten Rechtsrahmen überleitet.“
Dana Dubil Regionsgeschäftsführerin der Gewerkschaft DGB in Ostsachsen „Auch wenn die empfohlenen Schritte des Kohleausstiegs harte Einschnitte für die Beschäftigten und die Regionen bedeuten, so ist doch der gefundene Kompromiss ein planbarer, geordneter und finanziell untersetzter Prozess, in den die Sozialpartner miteinbezogen werden. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden aktiv die Lausitz mitgestalten.“
Stanislaw Tillich Co-Vorsitzender der Kommission „In der Arbeit der Kommission war es nicht einfach, wirtschafliche Vernunft, naturwissenschaftlichen Sachverstand und politische Zielvorstellungen miteinander in Einklang zu bringen. Häufig lagen die Vorstellungen sehr weit auseinander. Manchmal drohte eine Einigung an ideologischen Ma-
Matthias Platzeck Co-Vorsitzender der Kommission „Wir hatten eine harte Nuss zu knacken. Das Ergebnis nach den Besuchen in den Revieren,
gründern Bildung und Forschung + Forschungseinrichtung für Energieeffizienz und Speichertechnologie in Cottbus und Görlitz + Deutsches Zentrum für Schienenverkehrs forschung + Deutsch-Polnisches Forschungszentrum für digitale Zukunftsprojekte in Görlitz (Center for Advanced Systems Understanding, CASUS)
Kultur und Tourismus + Kulturplan Lausitz + Entwicklung Lausitzer
Seenland + Zahlreiche touristische Projekte, wie z. B. Radwege + Belebung und Bewahrung der sorbischen Kultur und Sprache ICONS: WWW.PIXELBUDDHA.NET
Anhörungen, heftigen Diskussionen und vielen Sitzungen kann sich sehen lassen. Es ist ein gesellschaftlicher Konsens gelungen, der weit über das Thema „Kohleausstieg“ hinausgeht. Ich bin allen, die konstruktiv mitgewirkt haben, sehr dankbar. Das gilt für die 28 Kommissionsmitglieder ebenso wie für die vielen anderen, die mit gutem Zukunftsblick ausgezeichnete Ideen mitgebracht haben. Dazu gehören auch Dietmar Woidke und Michael Kretschmer, die entschieden, aber immer kompromissbereit, für ihre Lausitz und die Menschen dort gekämpft haben.“
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Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
In den überregionalen Medien wird die Lausitz als Dreckschleuder-Region wahrgenommen. Ärgert Sie das? W.: Allerdings. Das macht mich richtig wütend. Erstens stimmt es nicht und zweitens beleidigt es die Menschen hier, von denen Tausende täglich in die Tagebaue oder Kraftwerke gehen, um Energie für Deutschland zu produzieren. Darauf können sie stolz sein. Ohne die Lausitzer Kohle wäre es in Deutschland – sinnbildlich – „dunkler“. K.: Jeder der die Lausitz kennt, kennt die zupackende Art der Menschen hier, die in den vergangenen Jahrzehnten herausragendes geleistet haben. Sie haben die Energieversorgung des ganzen Landes gesichert und nach der friedlichen Revolution eine beispiellose Strukturentwicklung bewältigt. Modernste Kraftwerke wurden für eine hocheffiziente und umweltfreundliche Energieversorgung in der Lausitz gebaut. Diese Leistungen der Lausitzerinnen und Lausitzer müssen anerkannt werden.
Die Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen) und Dietmar Woidke (Brandenburg) im Dialog
Mit Mut und Ideen die Zukunft anpacken Dietmar Woidke und Michael Kretschmer, die Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen, setzen sich seit langem gemeinsam für eine zukunftsfähige Strukturentwicklung in der Lausitz ein. Ländergrenzen spielen dabei keine Rolle. Es geht um die gemeinsame Region. W.I.R. in der Lausitz traf die beiden Politiker am Rande der Bundesratssitzung am 15. Februar in Berlin zum Interview. Gehen die Lichter aus, wenn 2038 das letzte Kohlekraftwerk vom Netz geht? So schlägt es ja die „Kohle-Kommission“ wie sie auch genannt wird - vor. K.: Wir haben immer – gemeinsam mit den Unternehmen und den Gewerkschaften – darauf hingewiesen, wie wichtig die Versorgungssicherheit ist. Die Braunkohle sichert die Stromversorgung auch in Zeiten, wenn es dunkel ist und kein Wind weht. Für die erneuerbaren Energien gibt es bisher noch viel zu wenig Speicherkapazitäten und Stromleitungen. Auch zum Thema bezahlbare Strompreise hat die Kommission Vorschläge gemacht. Das ist mir sehr wichtig, denn die Energiewende darf nicht auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen werden.
W.: Sie hat Überprüfungszeiträume festgelegt, so genannte Meilensteine in 2023, 2026 und 2029. Wenn es bis dahin nicht gelingt, die Stromversorgung absehbar auch nach 2038 zu akzeptablen Preisen zu sichern und es nicht gelungen sein sollte, zugleich neue Arbeitsplätze zu schaffen, kann die Kohleverstromung verlängert werden. Wie Michael sagt: Grundbedingung ist, dass wir bei Stromtransport und -speicherung kräftig vorankommen. Sie sind der Schlüssel zur Energiewende. Ansonsten können wir das vergessen. Sie beide haben die Arbeit der Kommission von Beginn an intensiv begleitet: Sind Sie mit dem Ergebnis der Kommission zufrieden?
W.: Das ist ein gutes Ergebnis für die Lausitz, den Klimaschutz und die Energiesicherheit. Ich
finde den Namen der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ be-
FOTO: HAMBURGER RIEGER GMBH
Kretschmer: Die Lausitz ist meine Heimat. Sie bedeutet mir sehr viel. In der Lausitz gibt es eine besondere Form des Zusammenhalts. Darum schmerzt es auch so, wenn junge Menschen die Region verlassen. Jungen Familien in der Lausitz eine sichere Zukunft zu geben, ist deshalb eines der wichtigsten Ziele für uns.
FOTO: WOLFGANG KUMM/DPA
Herr Kretschmer, Herr Woidke, Sie beide sind gebürtige Lausitzer, der eine aus Görlitz, der andere aus Forst. Was macht die Region für Sie aus? Woidke: Uns verbindet ein Fluss: Die Neiße, die ja beide Städte prägt. Mit dem Blick auf das Wasser bin ich aufgewachsen. Damals eine schier unüberwindbare Grenze nach Polen, heute verbindendes Glied. Das ist für mich fast symbolisch. Die ganze Region, die Lausitz, hat zueinander gefunden. Sie ist für mich schlicht Heimat mit ihren Menschen, mit ihrer Landschaft, ihren Orten und auch mit ihren Herausforderungen, die wir aber gemeinsam angehen können. Es ist schön, hier zu leben.
370 Mio.-Euro-Investition und neue Arbeitsplätze: Ausbau der Papierfabrik Hamburger Rieger in Schwarze Pumpe
Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
W.: Ein Punkt, der mir für unser Land wichtig ist: Hier wurde in kurzer Zeit ein guter Kompromiss mit Beteiligten der Industriegewerkschaft IG BCE bis Greenpeace gefunden, der die Gesellschaft befrieden kann. Das ist auch ein Erfolg unserer Demokratie. Darauf kann man stolz sein! Und dafür gilt auch mein ausdrücklicher
kamen zu kurz. Der Auftrag der Kommission war damit nicht erfüllt. Deshalb haben wir von der Bundeskanzlerin gefordert, dass die Kommission ihren eigentlichen Auftrag ernst nimmt und Zukunftsperspektiven für die Menschen in den Revieren entwickelt. Das ist dann auf den letzten Metern und in harten Verhandlungen auch gelungen. W.: Diese zweimonatige Nachspielzeit war anstrengend, aber entscheidend. Ich bin froh, dass wir drei ostdeutschen Ministerpräsidenten unsere klare Ansage Mitte November durchsetzen konnten. Unseren denkwürdigen Brandbrief haben wir in Hoyerswerda verfasst. Er hat bei der Kanzlerin gezündet. Das
K.: Natürlich ist der Abschlussbericht der Kommission in erster Linie eine Chance für die Lausitz. Er gibt Möglichkeiten, die wir als Länder allein nicht gehabt hätten. Wir rechnen mit bis zu 18 Milliarden Euro Bundesmittel für die Strukturentwicklung in der Lausitz. Das ist eine gewaltige Summe, aus der wir jetzt etwas Gutes machen wollen. Ich bin froh, dass die Bundesregierung rund 1.000 Behördenarbeitsplätze für die Lausitz zugesagt hat. Das kann in der Verwaltung sein, aber z. B. auch in der Bundeswehr. Das sind wichtige Anker in der Region. Arbeitsplätze in Größenordnungen kann aber nur die Wirtschaft schaffen. Dafür braucht sie eine gut ausgebaute Infrastruktur einschließlich schnellen Internets. Und das wird Bergarbeiter-Demo am 11. Oktober 2018 in Weißwasser kommen. Dank der Kommission mit zeigt mal wieder: Man muss Wird der Kompromiss hal- ihren vier Vorsitzenden, dar- kämpfen. Man kriegt nicht alles, ten oder ist das eine brüchige unter unsere beiden Vorgänger aber kann Schlimmes verhinMatthias Platzeck und Stanislaw dern. Vereinbarung? K.: Das Ergebnis ist ein hart Tillich. Dank aber auch an die Wie geht es jetzt weiter? 40 errungener Kompromiss zwi- kommunalen Vertreter mit der schen unterschiedlichen ge- Spremberger Bürgermeisterin Milliarden über zwanzig Jahre sellschaftlichen Gruppen. Wie Christine Herntier an der Spit- für die Strukturentwicklung in jeder Kompromiss enthält auch ze für die „Lausitzrunde“. Umso den Braunkohlerevieren, davon dieser schmerzhafte Punkte. Wir schlimmer, dass es noch ein paar 18 Milliarden allein für die Laubeide haben – gemeinsam mit selbstgefällige und überhebliche sitz. Was passiert mit dem Geld? unserem Kollegen Rainer Hase- Quertreiber gibt, die das mit W.: Wir müssen vorankommen loff in Sachsen-Anhalt – um eine schlagzeilenträchtigen Aktionen bei Planungen und Bau. Da längere Laufzeit unserer moder- blockieren wollen. Damit scha- brauchen wir Tempo, zum Beinen Kraftwerke gekämpft. Das den sie sogar ihrem eigenen spiel für den Bau des dringend erfoderlichen zweiten Bahngleihaben wir auch ein gutes Stück Thema, dem Klimakampf. ses Cottbus – Lübbenau. Sonst weit erreicht. Die Umweltseite Die Kommission wollte hilft das viele Geld nichts; es wollte wesentlich früher aussteigen. 2038 ist ein Kompromiss, eigentlich bereits Ende 2018 fer- darf nicht nach Gießkannenauf den sich alle verständigt tig sein. Wie kam es zu der Ver- prinzip und wahllos ausgegeben haben. Im Interesse der Unter- längerung bis zum 26. Januar werden. Wir brauchen klare Prioritäten für Schiene, Straße, nehmen und der Menschen in 2019? den Revieren sollten sich daran K.: Wir haben gemerkt, dass Wirtschaft, Wissenschaft, Foralle halten. Sie müssen wissen, sich die Diskussion in der Kom- schung und Kultur. Und es womit sie planen können. Und mission nur noch um das Aus- muss langfristig wirken. Die auch im Interesse einer geord- stiegsdatum drehte. Die Belange IBA Fürst-Pückler-Land 2000 – neten Energiewende, die man der Menschen in den Revieren 2010 hat gezeigt, was machbar nicht von heute auf morgen vom und die Strukturentwicklung ist. Aber vor allem brauchen wir
gut bezahlte Industriearbeitsplätze. Dafür ist die Lausitz bereits auf dem richtigen Weg. Es hat sich gelohnt, dafür zu kämpfen. K.: Wir haben jetzt die einmalige Chance, Dinge voranzubringen, von denen wir bisher nicht einmal träumen konnten. Viele Projekte, über die schon lange gesprochen wurde, können jetzt umgesetzt werden. Dabei denke ich vor allem an die Verkehrsinfrastruktur: Die Elektrifizierung vieler Bahnstrecken, besonders die von Dresden nach Görlitz. Eine ICE-Verbindung von Berlin über Cottbus, Weißwasser, Görlitz bis nach Polen. Die Vollendung der B 178n oder die „Milau“, eine Straßenverbindung zwischen dem Mitteldeutschen und dem Lausitzer Revier. Wenn die Lausitz von Dresden oder Berlin besser erreichbar ist, dann wird sie auch für junge Familien zum Wohnen attraktiv. Wir müssen auch auf Forschung und Entwicklung setzen und auf neue Technologien – der 5G-Mobilfunkstandard ist ein Beispiel. Das wichtigste ist aber: Wir brauchen von Anfang an den Mut und die Bereitschaft der Bürger vor Ort, den Wandel aktiv mitzugestalten. Dafür wird es ein Bürger-Beteiligungsverfahren geben, dass die Zukunftswerkstatt Lausitz organisiert und ab sofort einen Ideenwettbewerb – den sächsischen „Mitmach-Fonds“. Zum Abschluss und ganz knapp: Lausitz 2040? W.: Europäische Modellregion für Klimaschutz und nachhaltiges Wachstum. Mit gut bezahlten Arbeitsplätzen in Industrie und Energie. Und ach, dann werde ich achtzig Jahre alt sein und mich hoffentlich weiterhin freuen können über die schöne Neiße vor der Haustüre. Und Michael kommt bestimmt zu Besuch? K.: Na klar! Die Lausitz hat eine große Chance, die wir gemeinsam und ohne Rücksicht auf Landesgrenzen nutzen können. Und der ICE Berlin – Görlitz – Breslau wird bis dahin stündlich diese Grenze flugs überschreiten…
Ideen für die Lausitz von morgen Die Zukunftswerkstatt Lausitz Mit der Zukunftswerkstatt Lausitz wird erstmals der Fokus auf eine länderübergreifende Entwicklung der Lausitz in Brandenburg und Sachsen gelegt. Mit ihr sollen die unterschiedlichen Interessen und Ausgangslagen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Politik und Zivilgesellschaft zusammengeführt und nachhaltige Strategien für die Strukturentwicklung gefunden werden. Die Zukunftswerkstatt ist ein Projekt der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH. Sie ist die interkommunale Wirtschaftsfördergesellschaft der Brandenburger und Sächsischen Landkreise der Lausitz. → www.zw-lausitz.de
COTTBUS Kompetenzzentrum Klimaschutz Das Bundesumweltministerium wird 2019 mit dem Aufbau eines Kompetenzzentrums Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) beginnen. Dafür sind im Bundeshaushalt 2019 insgesamt zwei Millionen Euro vorgesehen. Erste Gespräche mit der Landesregierung Brandenburg sowie der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) haben stattgefunden.
FOTO: R. WEISFLOG
Zaun brechen kann. Ich fordere darum von der Umweltseite, dass sie zu der Vereinbarung steht und sie nicht nachträglich in Frage stellt. Dazu gehört auch, dass das Enddatum 2038 nicht durch eine Verschärfung von Umweltstandards zu Lasten der Braunkohle ausgehebelt wird.
FOTO: SÄCHSISCHE STAATSKANZLEI
zeichnend und sehr gut gewählt: Genau um diese drei Punkte geht es nämlich. Und dafür hat sie sehr gute Grundlagen geschaffen. Das war aber erst das Vorspiel. Jetzt geht es in die Hauptrunde, denn die Empfehlungen müssen zügig politisch umgesetzt werden. Dazu gehört ein Maßnahmengesetz mit einer Finanzierungsgrundlage für die zahlreichen Projekte in den Braunkohleregionen.
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Solarpark und Biogasanlage in Brieske
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TEXT: MARKUS FÜLLER, FOTO: KSC
Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
Schweißarbeiten an Baugruppen für den Schienenfahrzeugbau
Mit neuen Ideen stellt sich der Kraftwerks-Service Cottbus Anlagenbau den Veränderungen im Lausitzer Revier.
A
ls Dienstleister der Energiewirtschaft ist KSC unbestritten ein Branchen-Schwergewicht in Ostdeutschland. Mit großem Erfahrungsschatz halten die gut 200 festangestellten Mitarbeiter auch die Lausitzer Braunkohlekraftwerke in Schuss. Damit leistet die Kraftwerks-Service Cottbus Anlagenbau GmbH
(KSC) einen Beitrag für eine zuverlässige Stromversorgung. Zugleich aber steht das in Peitz ansässige Unternehmen mit seinem Leistungsspektrum im Zentrum der voranschreitenden Strukturentwicklung. Und deshalb hat KSC-Chef Michael Stein mit der Neuorientierung längst begonnen. Ihm muss keiner erzählen, wie wichtig es ist,
Mach die Lausitz zu Deinem Projekt Ideenwettbewerb für die Lausitz gestartet. Wer hat die besten Ideen, um die Region voranzubringen? Darum heißt es Mitmachen beim sächsischen Mitmach-Fonds Lausitzer Revier. Start des Wettbewerbs am 15. März. Wer kann sich bewerben?
Der Wettbewerb richtet sich an: • Bürgerinnen und Bürger mit ständigem Hauptwohnsitz in den Landkreisen Görlitz oder Bautzen • Wissenschaftliche Einrichtungen • Verbände, Kammern, Vereine, Stiftungen • Soziale Träger • Schulen • Kommunale Einrichtungen Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass die Projekte innerhalb der beiden Landkreise
Görlitz und Bautzen umgesetzt werden. Was wird prämiert?
In vier Kategorien werden Preise vergeben. Die Gewinner können damit ihre eingereichten Projekte verwirklichen. ReWIR-Preis: Von Lausitzern für Lausitzer Alle Ideen, die zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts beitragen – aus den Bereichen Sport, Kultur oder anderer Freizeitaktivitäten – können in
das eigene Geschäftsfeld stetig zu erweitern. Als Ausgründung des heute unter LEAG firmierenden Kraftwerksbetreibers hing sein Umsatz 1996 vollständig an der ostdeutschen Braunkohle. Heute liegt der Anteil nur noch bei etwa einem Drittel. Jetzt spielen Aufträge und Projekte für Blockheizkraftwerke, thermische Abfallbehandlungsanlagen oder der Rohrleitungsbau in dezentralen Industrieanlagen eine immer größere Rolle. Und für die bestehende Strukturentwicklung arbeitet Michael Stein mit seinem Team und der Wis-
dieser Kategorie eingereicht werden. Auch zivilgesellschaftliche Themen wie zum Beispiel die Nachbarschaftshilfe sind willkommen. Zukunft MINT-Preis: Unsere Kinder – die zukünftigen Gestalter der Reviere Dieser Preis richtet sich an alle Projekte und Maßnahmen, welche zu einer positiven Einstellung von jungen Menschen, Eltern oder Lehrkräften zu MINT-Fächern – also Mathematik und den Naturwissenschaften – beitragen. Initiativen an Schulen, in Kindergärten oder in Freizeiteinrichtungen können sich für die finanzielle Unterstützung ihrer Ideen, egal ob Sachkosten oder die Aufwandsentschädigung für die Betreuung einer Schüler-AG bewerben.
senschaft an der Entwicklung moderner Energieerzeugungsanlagen. Zudem baut das Unternehmen seit einiger Zeit ein
FOTO: KSC
KSC: Kraftwerks-Schwergewicht mit Leichtbau-Ambitionen
Standbein im Schienenfahrzeugbau auf. „In dem Bereich erarbeiten wir zunehmend eigene Komponenten.“, betont der Firmenchef. Ein Schlüsselbegriff dabei sei der Leichtbau. In einem Konsortium mit der BTU Cottbus-Senftenberg habe KSC gerade einen neuartigen Leichtbau-Container entwickelt. Der Prototyp wurde 2018 auf der Innotrans vorgestellt. Damit gehört KSC zu den Unternehmen, die dazu beitragen, dass die Lausitz eine Energie- und Industrieregion bleibt. Stein: „Natürlich kann nicht alles sofort die Kohle und deren Verstromung ablösen. Aber mit Ideenreichtum und der notwendigen Unterstützung ist der Wandel machbar. Vor allem weil wir hier in der Region richtig gute Fachkräfte haben.“ Auch andere Projekte unterstreichen, dass KSC, mit seinen drei Hauptstandorten Peitz, Hagenwerder und Lippendorf, auf dem Weg ist. Stets geht es darum, vorhandenes Knowhow weiterzuentwickeln und neue Anwendungen zu ermöglichen. Eines ist dem Unternehmenschef dabei besonders wichtig: „Die entsprechende Qualifizierung unserer Leute“.
Vorbereitung einer Schweißnaht
→ www.ksc-anlagenbau.de
Mobilitäts-Preis: Die Lausitz bewegt sich!
der Bestandteil der Lausitz, insbesondere aufgrund der sorbischen Sprache und Kultur. Es werden Ansätze prämiert, die der Anwendung der sorbischen Sprache und der Stärkung der sorbischen Identität dienen.
Mobil zu sein, ist die Voraussetzung für die Teilhabe am öffentlichen Leben. In ländlichen Regionen wie der Lausitz ist das oft eine Herausforderung. Vor allem die sogenannte letzte Meile muss oft durch bürgerschaftliches Engagement abgesichert werden. Hier setzt die Kategorie „Die Lausitz bewegt sich!“ an. Ideen für Projekte wie zum Beispiel Carsharing oder überdachte und abschließbare Fahrradstationen können beim Mitmachfond-Fonds eingereicht werden. Łužica/Lausitz: Žiwa dwurěčnosć / Lebendige Zweisprachigkeit Die sorbische Volksgruppe ist ein wichtiger, identitätsstiften-
Wie und wann kann sich beworben werden? Die Bewerbung für den Mitmach-Fonds erfolgt über ein Onlineformular, das auf der Homepage der WR.Lausitz heruntergeladen werden kann. Bewerbungen können in der Zeit vom 15. März bis zum 15. April 2019 eingereicht werden. Die Preisträger werden am 15. Mai 2019 bekannt gegeben. Eine feierliche Preisverleihung erfolgt am 15. Juni 2019. → www.mitmachfonds-sachsen.de → www.wirtschaftsregion-lausitz.de
Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
D
er Lebensweg des 38-jährigen Heiko Rauhut ist nicht so der allernormalste, wie er selbst feststellt. „Aber ideal geeignet, um anderen zu zeigen, dass es sich lohnt, immer wieder aufzustehen. Und dass es sich in der Lausitz echt gut leben lässt.“
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Alles für die Fans der Füchse Rückkehrer Heiko Rauhut betreibt für Eishockeyfreunde aus Brandenburg und Sachsen einen Shop in der alten Heimat.
Der Traum von der Profi-Karriere
Im November 2017 wurde
Heiko Rauhut betreibt den Fanshop der Lausitzer Füchse. der Fanshop unmittelbar neben dem Fuchsbau eröffnet. Heiko Rauhut leitet ihn als Angestellter des Vereins von Anfang an. Der Weg dahin war kurvig. Als Knirps steht er schon auf den Schlittschuhen, spielt beim damaligen Verein Dynamo Weißwasser, träumt wie seine Kumpels von einer Profi-Karriere.
FOTO: T. HEIDE
Weißwasser ist Füchseheimat. Schon immer. Im Fanshop zeigt uns Heiko die vielen bunten Dinge, die das Herz eines Eishockeyfans höher schlagen lassen. Schals natürlich, Käppis aller Art, Shirts und Jacken, Pucks und Schoner, Lätzchen für die Kleinsten und für die Größeren sogar ein eigens gelabelter Rotwein. Im Schmuckkästchen mit zwei edlen Gläsern, natürlich aus Lausitzer Produktion. Wir sind ja in der Glasmacherstadt. Wer kauft denn das alles? „Die Fans, die Anhänger, die treuen Begleiter, ohne die ein Sportclub wie die Lausitzer Füchse nicht existieren könnte“, beteuert Rauhut. Gar nicht so wenig Geld lassen sie da, um ihre Zugehörigkeit auszudrücken und die Mannschaft zu unterstützen. 60 Euro kostet ein Originaltrikot. 90 ein Kapuzenpulli. „Ich hab das Design dafür gemacht, in Abstimmung mit unserem Vermarktungspartner.“, sagt Rauhut. Da klingt Stolz aus der Stimme.
TEXT: AXEL KRÜGER, FOTO: PAUL GLASER
Was das Fanherz begeistert
Füchsespieler auf schnellem Eis Mit 17 Jahren endet der Traum. Massive Knieschäden.
Nach einem Jahr rappelt er sich auf. „Ich hab’ ganz vorsichtig wieder mit Sport angefangen. Mich an die Trainingsgrundsätze von früher erinnert. Dass man nach Niederlagen immer wieder aufstehen muss.“ Die Kraft der positiven Gedanken richtet ihn auf. Er fährt Rennrad, spielt Hallenfußball und Tennis. Und er sieht wieder Licht am Ende des Tunnels. Eine Ausbildung zum Bürokaufmann schließt er erfolgreich ab. Er kämpft sich durch verschiedene Jobs bis er während
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Schokoladenland Lausitz
TEXT: TOBIAS DÜRR, FOTO: ANDREAS FRANKE
Aus dem Revier kommt nicht nur Energie aus schwarzer Kohle, sondern auch schwarze Schokolade.
Goedele Matthyssen, Chefin von Felicitas: Statt Weihnachtsmännern werden derzeit Osterhasen produziert.
„Nach fünf schweren Operationen bin ich als 21-jähriger an Krücken gegangen und in ein tiefes dunkles Loch gefallen.“, erinnert sich Rauhut.
m idyllischen Hornow bei Spremberg produziert seit 1992 die Confiserie Felicitas frische Pralinen, ausgefallene Schokoladenfiguren, Tafelschokoladen und individuelle Schoko-Grußkarten. Und fast alles nach wie vor in Handarbeit. Aufwändig und besonders sind die Zeichnungen mit Schokolade auf Schokolade: Porträts, Landschaften, Logos, Schriftzüge. Felicitas ist eine belgischbrandenburgische Erfolgsgeschichte: Als die Belgier Goedele Matthyssen und Peter Bienstman vor über 25 Jahren in der Lausitz ankamen, fehlte ihnen die gute Schokolade
eines Urlaubs bei Freunden in Baden-Württemberg eine Chance beim Schopf fasst. Ein Supermarkt soll eröffnet werden. Er bewirbt sich, bekommt sofort eine Zusage. Und zieht um in den Südwesten. „Ich wollte mein Leben neu ordnen.“ Ticket zurück in die Heimat Was folgt, ist der Aufstieg vom Regaleinräumer bis zum stellvertretenden Standortleiter. Was bleibt, ist das Heimweh. Jeden Urlaub nutzt er, um Mutter, Schwester, Freunde und den geliebten Eishockeyverein zu besuchen. 2014 vertraut ihm die Supermarkt-Führung eine eigene Filiale mit 22 Mitarbeitern an. „Das war so ein
von daheim. Zuerst wurde in einer alten LPG-Küche produziert und direkt aus der Bürotür heraus verkauft. Der Erfolg machte schnell Erweiterungen notwendig. Seit 2014 gibt es sogar ein Besucherzentrum, das „SchokoLadenLand“ mit Mitmach-Schauwerkstatt. Und auf Messen, zum Beispiel der „Grünen Woche“, ist Felicitas bester Botschafter für die Lausitz. Das belgische Paar mit der großen Liebe zur Lausitz hat vielen Menschen Arbeit gegeben: Neben Konditoren arbeiten auch ehemalige Erzieherinnen, Glasschleifer oder Rinderzüchter in der Produktion. Sie kommen aus der Region und
wahnsinniger Lernprozess.“, bilanziert Rauhut. Arbeit, Geld, Lebensstandard, alles stimmt. Nur die Familie fehlt. Er stellt einen internen Versetzungsantrag und hat Glück. Eine Filialleiterposition in Großräschen ist frei. Aus 600 Kilometern bis nach Hause werden 50. Dann war da die Annonce. Die Lausitzer Füchse suchen einen Leiter für den Fanshop. Seine Lausitzer Füchse. Heiko Rauhut überlegt nur kurz. Am 2. November 2017 steht er reichlich aufgeregt zum ersten Mal hinter dem schicken Tresen. Ab sofort ist er verantwortlich für den Verkauf von Sport- und Fanartikeln, organisiert Autogrammstunden mit den Spielern, kümmert sich darum, dass Ausrüstungen signiert werden, betreut Social-Media-Kanäle, macht dafür permanent Fotos und kleine Filme. Kurz: er sorgt für Fannähe. Wie fühlt es sich an, wieder in der Heimat zu sein? „Unglaublich schön. Ich hab’ sofort wieder ganz enge Freundschaften geschlossen. Die Leute, die hiergeblieben sind, freuen sich tierisch, wenn einer zurückkommt. Vom Angebot her vermisse ich nix. Ich hab’ mein Fitti, meine Cafés, ich geh in Konzerte, fahre mal nach Dresden und ganz oft an die Seen hier in der Gegend. Ich bin wieder in der Region, die mich zu dem gemacht hat, was ich bin.“ → www.lausitzer-fuechse.de
fanden nach einer intensiven Chocolatier-Ausbildung zu ihrem Zweit-Beruf. Warum gerade Hornow? „Warum eigentlich nicht? Schokolade macht glücklich – egal, an welchem Ort man sie genießt“, erklärt Goedele Matthyssen lachend. Und fügt hinzu: „In der Lausitz habe ich meine Heimat gefunden. Ich mag das Land, ich mag die Menschen.“ Sozial engagiert ist sie auch, zum Beispiel als Botschafterin der von der früheren Sozialministerin Regine Hildebrandt begründeten Brandenburger Stiftung „Hilfe für Familien in Not“ → www.schokoladenland.de
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Leitbild als Orientierung für künftige Entscheidungen Für die Entwicklung der Lausitz gibt es schon jetzt viele Ideen, Projekte, Initiativen und Netzwerke. Nun gilt es, gemeinsam für die Lausitz ein Leitbild zu entwickeln. Es soll auf die Stärken und Chancen der Lausitz bauen, gleichzeitig die Unterschiedlichkeit der Gesamtregion anerkennen und aufgreifen – und von den Menschen in der Region mitgetragen werden. Den Rahmen dafür werden die Themen und Sichtweisen der Lausitzer genauso wie Ergebnisse wissenschaftlicher Studien und die Empfehlungen der Strukturkommission setzen. So soll das Leitbild auch Leitschnur für künftige Entscheidungen, Investitionen und konkrete Maßnahmen sein. Dabei wird das Leitbild nicht ein in Stein gemeißeltes Papier sein, sondern in den nächsten Jahren immer wieder überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Mit breit angelegtem Beteiligungsprozess zum Leitbild Die Entwicklung der Lausitz betrifft alle, die hier leben und arbeiten. Deshalb sollen sie aktiv in die Entwicklung eingebunden werden – sind sie doch Experten für ihre Heimat. Über die kommenden Monate wird es dazu eine Vielzahl an Angeboten geben, bei denen die Lausitzerinnen und Lausitzer ihre Ideen und Vorstellungen einbringen können. Mit kleinen und großen Veranstaltungen, mit Aktionsständen vor Ort wird das Team der Zukunftswerkstatt in der Region
unterwegs sein, um mit den Lausitzern ins Gespräch zu kommen, um mit Initiativen, Experten und Fachakteuren zu diskutieren. Unterstützt wird die Zukunftswerkstatt Lausitz hierbei durch die IFOK GmbH. Parallel wird es auf der Website der Zukunftswerkstatt auch Online-Beteiligungsangebote geben. Das Team der Zukunftswerkstatt wird anfangs vor allem Fragen stellen und zuhören: • Was macht für die Lausitzer ihre Heimat aus, wie nehmen sie die Lausitz wahr? • Welche Sorgen bewegen die Lausitzer, was liegt ihnen besonders am Herzen? • Wie stellen sie sich das Leben in der Lausitz vor und welche Vorstellungen haben sie dazu, wie ihre Kinder und Enkel hier in Zukunft leben? • Welche Ideen tragen die Lausitzer mit sich und was müsste aus ihrer Sicht passieren, um diese Wirklichkeit werden zu lassen? Machen Sie mit! Sie möchten wissen, wann und wie Sie sich konkret einbringen können? Sie sind bereits in der Lausitz aktiv und möchten sicherstellen, dass sie eingebunden werden? Vielleicht wollen Sie das Vorhaben auch aktiv unterstützen? Oder Sie haben Vorschläge, wie wir möglichst viele Lausitzerinnen und Lausitzer erreichen oder wo und wie Veranstaltungen verteilt über die ganze Lausitz stattfinden könnten? Schreiben Sie uns. Sie erreichen uns unter: → →
zukunft@wirtschaftsregion-lausitz.de www.zw-lausitz.de
TEXT: TOBIAS DÜRR, FOTO: R. WEISFLOG
Ein Leitbild für die Lausitz
Strukturentwicklung im Lausitzer Revier
Der Industriepark Schwarze Pumpe beheimatet eine Vielzahl von Unternehmen.
Industriepark Schwarze Pumpe: Leuchtturm für Sachsen und Brandenburg Das Areal steht beispielhaft für eine gute Kooperation zwischen Brandenburg und Sachsen.
S
chwarze Pumpe zählt zu den größten Industriearealen in den ostdeutschen Bundesländern. Auf dem 720 Hektar großen Gelände, das sich auf brandenburgischem und sächsischem Gebiet befindet, sind rund 120 Unternehmen mit mehr als 4.300 Beschäftigten angesiedelt. Die Palette reicht von Betrieben der Energieerzeugung über den Stahlbau bis zur Papierherstellung. Zudem sind Baustofffirmen, Logistiker, Unternehmen der Kunststoff- und Chemieindustrie, der Elektrotechnik sowie Firmen weiterer Branchen im Industriepark ansässig. Unternehmen am Standort sind unter anderem die Hamburger Rieger AG, die aktuell den Bau einer zweiten Papiermaschine vorbereitet, die LEAG, Siemens, der An-
» Oft werde ich gefragt, was diese Lausitz eigentlich ist. Meine Antwort: Weil das bisher keiner so richtig sagen kann, stellt die Zukunftswerkstatt den Lausitzerinnen und Lausitzern die Fragen: Welche Stärken und Potenziale hat die Lausitz? Wie sehen sich die Lausitzer selbst, wie wollen sie wahrgenommen werden? Gemeinsam mit der Lausitzer Bevölkerung, der Wirtschaft, den Kommunen und der Politik will die Zukunftswerkstatt Lausitz die unterschiedlichen Interessen, Ausgangslagen, Identitäten und Vorstellungen in einer gemeinsamen Vorstellung über die Region vereinen. «
lagenbauer Actemium BEA, Knauf Deutsche Gipswerke, das Verpackungsunternehmen Dunapack Spremberg, Veolia Umweltservice Ost sowie eine Vielzahl von Dienstleistern. Die Entwicklung von Schwarze Pumpe ist eine echte Erfolgsgeschichte. Seit 1990 hat sich der Industriepark von einem Energie- und Kohleveredlungsstandort zu einem hochmodernen Standort für verschiedene Industrien gewandelt. Dazu haben die Landesregierungen Brandenburgs und Sachsens einen erheblichen Beitrag geleistet. Allein Brandenburg hat den Standort und die Ertüchtigung der Infrastruktur bislang mit fast 57 Millionen Euro unterstützt. Aktuell stehen weitere 40,2 Millionen Euro zur Verfügung. Auf sächsischer Seite fließen bis 2021 rund 62,3 Mio.
Euro in den Industriepark. Die Finanzierung teilen sich Bund und Land hälftig. Von 2018 bis 2021 planen die Länder Sachsen und Brandenburg insgesamt 100 Millionen Euro in den Gesamtstandort zu investieren. Diese Maßnahmen tragen maßgeblich dazu bei, die Perspektiven des Industrieparks und der dort ansässigen Unternehmen langfristig zu sichern. → www.industriepark.info
IMPRESSUM Herausgeber: WR.Lausitz Wirtschaftsregion Lausitz GmbH Am Turm 14 03046 Cottbus Telefon: +49 355 28890402 E-Mail: info@wirtschaftsregionlausitz.de Geschäftsführer: Torsten K. Bork Mit Unterstützung der Staatskanzlei Brandenburg und der Sächsischen Staatskanzlei Redaktion: V.i.S.d.P. Torsten K. Bork Florian Engels, Brandenburg Stephan Gößl, Sachsen Jeannine Schadel, Unternehmenskommunikation WR.Lausitz Frank Müller, Zukunftswerkstatt WR.Lausitz Layout und Produktion: chairlines medienagentur www.chairlines.de Stand: Februar 2019 Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Auflage: 530.000 Exemplare
Katja Müller Projektmanagerin Leitbild und Bürgerbeteiligung, Zukunftswerkstatt Lausitz
Gefördert aus Mitteln des Bundes, des Freistaates Sachsen und des Landes Brandenburg im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsinfrastruktur“.