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Weißstorch - Artenschutz in Sachsen

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Weißstorch  | Ciconia ciconia Artenschutz in Sachsen


Weißstorch | Ciconia ciconia

Der Weißstorch braucht unsere Unterstützung! Der Weißstorch ist ein typischer Bewohner unserer Kulturlandschaft. Sein Brutbestand ist allerdings in jüngster Zeit sachsenweit zurück­ gegangen. Deshalb beschloss der Sächsische Landtag 2008, das be­ reits seit 1994 bestehende Artenschutzprogramm Weißstorch wie­ derzubeleben. Seitdem wurden von vielen ehrenamtlichen Naturschützern oder Naturschutzbehörden verschiedene Schutzmaßnahmen ergriffen. Es wurden neue Horste errichtet bzw. bestehende repariert. Die beiden in Sachsen tätigen Netzbetreiber ENSO und MITNETZ Strom sichern Mittel­spannungsmasten und Freileitungen, um Weißstörche gegen Strom­schlag zu schützen. Und es wurden und werden Fördermittel ausgereicht, um die Weißstorchlebensräume zu sichern, zu pflegen und zu entwickeln. Damit der Storch gute Bruterfolge erzielen kann, benötigt er wenige, aber qualitativ hochwertige Nahrungshabitate. 2|

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Zoologisches Der Weißstorch kann mit keinem anderen Großvogel in Europa ver­ wechselt werden. Stehend erreicht er eine Größe von etwa 80 cm bei einem Gewicht von 2,6 bis 4,4 kg. Die Flügelspannweite beträgt bis zu 2 m. Der Weißstorch trägt ein weißes Gefieder, nur die Schwung­ federn und ein Teil der Oberflügel sind schwarz. Der etwa 14 bis 19 cm lange Schnabel sowie die Beine sind beim ausgewachsenen Weißstorch rot. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äu­ ßerlich nur geringfügig. Weißstörche ernähren sich von Kleinsäugern, Amphibien, Reptilien, Insekten und anderen Wirbellosen (z. B. Ringelwürmern). Manchmal werden auch Eier oder Junge von Bodenbrütern erbeutet. Die Nah­ rungsaufnahme erfolgt bevorzugt in niedrigwüchsigen oder abge­ mähten bzw. abgeernteten Flächen. Der Weißstorch brütet von Anfang April bis Anfang August. Sein bis zu 2 m breites, bis zu 4 m hohes und bis zu 2 t schweres Nest aus Ästen, Reisig und Füllmaterial legt er überwiegend auf von Menschen errichteten Unterlagen wie Hausdächern an. Er nistet aber auch auf 4|

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Felsvorsprüngen und Bäumen. Die gewaltigen Nester werden oft über Jahrzehnte genutzt. Weißstörche leben in einer Saison-Ehe. Sie treffen sich jedes Jahr im Frühjahr wieder an ihrem Horst, den sie vor jedem „Einzug“ reinigen und wenn nötig ausbessern. Wo Stör­ che noch in größerer Zahl vorkommen, brüten sie meist in Kolonien. Weißstörche sind im Alter von 3 bis 4 Jahren geschlechtsreif. Nach der Paarung, die im Nest stattfindet, werden 3 bis 5 Eier gelegt. Die Eier sind doppelt so groß wie Hühnereier. Gebrütet wird etwa 32 Tage. In den ersten 3 Wochen nach dem Schlupf bleibt ein Elternteil ständig im Nest, um die empfindlichen Küken vor der Witterung zu schützen. Die Jungen wachsen schnell. Bereits in der 7. Lebenswo­ che sind die Jungstörche so groß wie ihre Eltern und unterscheiden sich nur noch durch ihren schwarzen Schnabel und die schwarzen Beine von den ausgewachsenen Störchen. Jetzt beginnen auch die ersten Flugversuche. Mit 8 bis 9 Wochen sind die Jungen dann flüg­ ge. Gefüttert werden sie bis zum 3. Lebensmonat von beiden Eltern­ teilen. Im August sind die Jungstörche selbständig und brechen kurz vor den Altvögeln ins Winterquartier auf. 6|

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Besonderes Weißstörche ziehen auf zwei unterschiedlichen Routen in ihre Win­ terquartiere. Eine durch Sachsen verlaufende Zugscheide teilt die sächsische Weißstorchpopulation in Westzieher und Ostzieher. Der Großteil der Vögel zieht über Osteuropa in die Türkei, überquert den Bosporus und gelangt über Israel sowie den Golf von Suez nach Ägypten. Hier folgen die Vögel dem Niltal und legen schließlich in den Halbwüsten und Savannen des Sudans eine mehrwöchige Rast ein. Von dort aus führt ihre Reise weiter nach Ost- und Südafrika. Die Westzieher hingegen schlagen eine Route über Frankreich und Spanien ein, überqueren die Straße von Gibraltar und überwintern dann in Westafrika. Unmittelbar nach ihrer Rückkehr aus den Winterquartieren besetzen die Männchen nach teilweise heftigen Auseinandersetzungen mit Rivalen ihre Nester vom Vorjahr. Wenige Tage später treffen die Weib­ chen ein. Sie werden dann mit lang anhaltendem Geklapper willkom­ men geheißen. Dazu wirft das Männchen den Kopf weit nach oben und beginnt beide Schnabelhälften aufeinanderzuschlagen. Beim


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Klappern wird der Schwanz aufgerichtet, die Flügel werden gelüftet und sie hängen leicht herunter. Das Weibchen antwortet gleicher­ maßen. Während die meisten Störche auf den Nestern „Hochzeit“ halten, ziehen andere weiter in kleineren Trupps umher. Das sind die sogenannten Junggesellen, die zwar schon geschlechtsreif, aber noch nicht alt genug für eine Familiengründung sind. Die meisten Störche brüten erst im Alter von 4 oder 5 Jahren. Interessant ist auch, dass die Weißstörche vor ihrem 3. Lebensjahr in ihrem Win­ terquartier bleiben oder an ihren Zugrouten entlang vagabundieren.

Herausforderndes Der Weißstorch gehört zur Liste der „TOP 50-Arten“ im Freistaat Sachsen. Darin werden Arten geführt, für die Maßnahmen zur Ver­ besserung der Bestandsituation besonders vordringlich sind.

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Denn seit Mitte der 1990er Jahre hat die Anzahl der Brutpaare um etwa 30 Prozent abgenommen. Wichtig ist daher, Nahrungsange­ bot und Nahrungsverfügbarkeit zu verbessern, um seinen Bruterfolg zu erhöhen und in der Folge die Anzahl der Brutpaare zu stabilisie­ ren. Hierfür sollen Nahrungshabitate im näheren Umfeld der Nester durch eine angepasste Pflege oder Nutzung erhalten oder entwickelt werden. Um den weiteren Verlust von Strukturenvielfalt im Offen­ land zu verhindern, sind Alternativen notwendig. Dem Stromtod von Altstörchen, die sich auf ungesicherten Strommasten niederlassen, ist durch technische Umrüstung zu begegnen. Die enorm gestiegene Mobilität unserer Gesellschaft macht Störche auch zunehmend zu Opfern des Straßenverkehrs, sei es durch unmittelbare Kollisionen, sei es auch infolge der durch Infrastrukturmaßnahmen zerschnit­ tenen Naturräume. Hier sind intelligente Lösungen zur Vermeidung, zumindest aber zur Kompensation gefragt.

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Der Storch gilt als Glücksbringer. Die Legende vom Storch, der die Kinder bringt, bezieht sich wahrscheinlich auf das Heilkraut Storch­ schnabel. Ein Tee aus dem Kraut, täglich von beiden Eltern kalt zu trinken, soll bisher versagten Kinderwunsch erfüllen. In Thüringen übernahm der Storch die Aufgaben des Osterhasen. Und im Elsass ist der Storch inoffizieller „Wappenvogel“, regionales Symboltier.

So kann auch eine zeitversetzte Staffelmahd über den gesamten Brutzeitraum hinweg ausreichend Nahrung für den Storch und sei­ ne Jungen sichern. Kleinräumige naturnahe Feucht- und Gewässer­ biotope können angelegt werden. Sie können das Nahrungs­angebot insbesondere in der Zeit, in der die Jungen viel Futter benötigen, deutlich verbessern. Für die Umsetzung solcher investiver Maßnah­ men bestehen Fördermöglichkeiten über die Richtlinie „Natürliches Erbe“ (www.smul.sachsen.de/RichtlinieNe). Lebensraumverbessernde Projekte können aber auch im Rahmen von Kompensationsmaß­ nahmen aus Bauvorhaben finanziert und gefördert werden.

Erzählenswertes

Aktuelles Seit Jahren bemühen sich ehrenamtliche Naturschützer und die Naturschutzbehörden Sachsens darum, den Rückgang des Weiß­ storchbestandes zu stoppen. Landwirte, Flächeneigentümer und an­dere Flächennutzer, die in den Storchlebensräumen geeignete Flächen bewirtschaften, können sie hierbei unterstützen und mit­ wirken, geeignete Nahrungshabitate einzurichten und zu pflegen. 16 |

Unter www.natur.sachsen.de erfahren Sie mehr über das Arten­ schutzprogramm.

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❚❚ Telefon: + 49 351 2103671 ❚❚ E-Mail: publikationen@sachsen.de

sen.de. www.natur.sach h zum Weißstorc Weitere Infos unter lich der Postkarte sachsen.de Das Heft einschließ nen@ unter publikatio gibt es kostenfrei 351 2103671. oder Telefon +49

Das Heft und die Postkarte zum Weißstorch können Sie kostenlos bestellen unter:

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Foto: www.adobest

Unter www.publikationen.sachsen.de finden Sie alle Veröffentlichungen des SMUL.

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Herausgeber: Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) Postfach 10 05 10, 01076 Dresden | Kontakt: + 49 351 564-20500 E-Mail: info@smul.sachsen.de | www.smul.sachsen.de Diese Veröffentlichung wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Redaktion: SMUL, Manuela Schott | Endredaktion: SMUL, Sabine Kühnert Gestaltung und Satz: Heimrich & Hannot GmbH | Genese Werbeagentur GmbH Fotos: www.fotonatur.de: Sönke Morsch (3–7, 11, 12), Holger Duty (14); www.adobestock.com: wyssu (Titel, 20), cs-photo (8/9), DirkR (19) Druck: Stelzig-Druck Redaktionsschluss: Januar 2011 Auflagenhöhe: 10.000 Exemplare | 4. aktualisierte Auflage (Juli 2019) Papier: Gedruckt auf 100 % Recycling-Papier Bezug: Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden bei: Zentraler Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung Hammerweg 30, 01127 Dresden Telefon: + 49 351 2103671 | Telefax: + 49 351 2103681 E-Mail: publikationen@sachsen.de | www.publikationen.sachsen.de Verteilerhinweis Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen Staatsregierung im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von deren Kandidaten oder Helfern im Zeitraum von sechs Monaten vor einer Wahl zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für alle Wahlen. SMULsachsen


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