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Kiebitz - Artenschutz in Sachsen

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Kiebitz | Vanellus vanellus Artenschutz in Sachsen


Biologische Vielfalt in Sachsen Die „biologische Vielfalt“, kurz „Biodiversität“, umfasst: ❚❚ die Vielfalt der Ökosysteme – die Vielfalt der Lebensräume. ❚❚ die Vielfalt der Arten. ❚❚ die Vielfalt innerhalb der Arten (genetische Variationen). Wie viele Arten insgesamt auf der Welt leben, ist nicht bekannt. Schätzungen variieren zwischen drei und 30 Millionen. Biologische Vielfalt ist eine existenzielle Grundlage für das Leben der Menschen auf unserem Planeten: ❚❚ Sie ist Grundlage für die Ernährung der Menschheit. Pflanzen und Tierarten dienen als Nahrung für den Menschen. ❚❚ Sie schützt Wasser, Boden, Luft und Klima. Intakte Ökosysteme geben uns die Luft zum Atmen, reinigen Wasser und Luft, sorgen für fruchtbare Böden und ein gutes Klima. ❚❚ Sie rettet Menschenleben. Etwa die Hälfte der in Deutschland eingesetzten Arzneimittel basiert auf Heilpflanzen oder auf tierischen Produkten. 2|

❚❚ Sie ist die Voraussetzung für Leistungen der Natur, die technisch – wenn überhaupt – nur mit sehr hohem Aufwand realisiert werden können. ❚❚ Sie liefert Innovationen: Viele Erfindungen haben ihr Vorbild in der Natur wie die Haifischhaut für Flugzeugoberflächen oder das Lotusblatt als Vorlage für unbenetzbare, selbstreinigende Oberflächen. ❚❚ Sie ist Verantwortung. Es gilt das von unseren Vorfahren Erhaltene zu bewahren, um es an die nächste Generation weitergeben zu können. ❚❚ Sie schmeckt. Etwa 4.000 in Deutschland bekannte Obst- und 300 Getreidesorten und mehr als 100 Nutztierrassen dienen der menschlichen Ernährung. ❚❚ Sie ist einfach nur schön – der Flug eines Seeadlers, der nächtliche Ruf ziehender Kraniche und der Anblick eines Gänseblümchens oder Marienkäfers – dies sind Naturschönheiten! Sie zu verlieren, wäre ein unwiederbringlicher Verlust! Weitere Informationen stehen unter www.natur.sachsen.de zur Verfügung. |3


Kiebitz | Vanellus vanellus

Zoologisches Der Kiebitz trägt ein auffälliges schwarz-weißes Federkleid, das an der Oberseite metallisch grün schimmert. Den Kopf ziert eine Federhaube. Der etwa taubengroße Vogel besitzt breite, gerundete Flügel. Der Kiebitz ist in Sachsen ein Zugvogel und gehört zu den Watvögeln. Markant sind auch seine Rufe, deren ki-witt dem Kiebitz zu seinem Namen verhalf. Sein Lebensraum ist das gehölzarme und weiträumige Offenland mit lückiger kurzer Vegetation und lokal hoher Bodenfeuchte. Früher besiedelte er in großer Zahl Niedermoore, Überschwemmungsbereiche in Auen sowie Feucht- und Nasswiesen. Heute weicht der Kiebitz meist auf Ersatzlebensräume wie Äcker, abgelassene Teiche und Ödlandflächen aus. Während seines Durchzuges hält er sich in der Feldflur und in offenen Bereichen an Gewässern auf. Auf seinem Speiseplan stehen hauptsächlich Insekten, aber auch Würmer, Asseln und Tausendfüßler sowie seltener pflanzliches Material. Seine Nahrung sucht er zu Fuß am Boden oder in der oberen Bodenschicht. Er spürt seine Beute nicht nur mit den Augen auf, 4|

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sondern nutzt auch seine Füße. Beim sogenannten Bodenklopfen oder Fußtrillern verlagert der Kiebitz seinen Schwerpunkt auf ein Standbein und wippt mit dem anderen schnell auf und ab, ohne den Fuß vom Boden zu heben. So werden die Würmer an die Bodenoberfläche gelockt. Der Kiebitz muss sie dann nur noch aufsammeln. Die Brutzeit des Kiebitzes erstreckt sich von März bis Juli. In seinem Gelege finden sich meist vier Eier. Die Eier sind birnenförmig, olivbraun, schwärzlich gefleckt und ca. 25 g leicht. Die Brutdauer umfasst 26 bis 29 Tage. Die zukünftigen Eltern bebrüten das Gelege ca. vier Wochen. Die Küken kündigen ihre Ankunft einige Tage vorher mit einem hörbaren Piepsen an. Nach dem Schlüpfen verlassen sie, sobald sie trocken sind, das Nest. In den ersten zwei Wochen werden sie von den Eltern noch umsorgt und nachts gewärmt. Gefahr wird durch die Eltern mit einem Warnruf signalisiert. Sofort drücken sich die Küken flach auf den Boden, vertrauen ihrer gut angepassten Tarnfärbung oder rennen in Deckung. Nach spätestens 40 Tagen können sie fliegen. Einmal erwachsen, kann ein Kiebitz bis zu 25 Jahre alt werden. 6|

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Der Kiebitz ist ein Kurzstreckenzieher und kommt im Februar/März zu uns. Die Männchen begeben sich mit Abschluss des Brutgeschehens oft bereits im Mai schon wieder auf Reisen in Richtung Norddeutschland und Kanalküste, um in Ruhe zu mausern. Im Juni folgen ihnen die flügge gewordenen Jungvögel. In Sachsen sind daher von Juni an und teilweise bis in den November hinein durchziehende und rastende Trupps zu beobachten. Die Verbände können Hunderte bis mehrere Tausend Vögel umfassen. Den Winter verbringen die Kiebitze hauptsächlich an der Atlantikküste Frankreichs, Spaniens und Portugals. Setzt stärkerer Frost ein, sammeln sie sich und fliehen vor dem nahen Winter. Um sich vor Kälte und Wind zu schützen, stehen die Kiebitze leicht geduckt mit dem Kopf gegen den Wind wie Wetterfahnen beieinander. Kiebitze sind standorttreu. Sie kehren aus dem Winterquartier jedes Jahr an ihren alten Nistplatz zurück, auch wenn sich die Wiese in ein Getreidefeld gewandelt hat. Brutplätze mit dauerhaft geringem Erfolg verwaisen jedoch nach einigen Jahren.

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Typisches und Besonderes Früher waren die Kiebitzvorkommen in der offenen Feldflur typisch. Kiebitzeier wurden gesammelt und landeten als Delikatesse nicht selten auf den Tafeln des Landadels. Heute ist das Sammeln der Eier streng verboten, zu wenige Kiebitze brüten noch in der Feldflur. Beeindruckend ist die Balz des Kiebitzes. In einer atemberaubenden Flugshow setzt das Männchen zu seinen akrobatischen Balzflügen an. Es steigt in die Lüfte, stürzt sich dann kopfüber in die Tiefe, dreht im Sturzflug ein bis zwei Pirouetten, um dann kurz vor dem Eintreffen auf dem Boden mit schnellen Flügelschlägen den Sturz abzufangen. Balzt das Männchen am Boden, dann schreitet es mit steifen Schritten und erhobenen Flügeln auf die Angebetete zu und richtet sich hoch vor ihr auf. Es wippt mit dem Körper und senkt seinen Oberkörper vorn ab, so als wenn es sich zum Brüten hinsetzen wollte. Mit eingeknickten Beinen scharren die Männchen eine Nistmulde aus. Beim Aufstehen werfen sie ruckartig Grashalme hinter sich. Eine der so entstandenen Nistmulden wird dann tatsächlich für das Brüten vorbereitet und mit Grashalmen gepolstert. 12 |

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In der Gefahrenabwehr sind die Kiebitze mutige Tiere. Mit verschiedenen Drohgebärden, seltener vorgetäuschten Verletzungen locken sie die Gefahr von ihrem Nachwuchs weg. Vom Feldrand aus kann man im Frühjahr oft ihre Sturzflugattacken auf Greif- und Rabenvögel beobachten. Dieses Abwehrverhalten ist umso erfolgreicher, je mehr Kiebitzpaare auf einem Acker brüten.

Sächsisches In Sachsen ist der Kiebitz Sommervogel und Durchzügler. Mit 400 bis 800 Brutpaaren gilt er nach der Roten Liste Sachsens seit 2013 als vom Aussterben bedroht, zumal die Tendenz seit Jahren nach unten weist. In Deutschland wird der Bestand auf 68.000 bis 83.000 Brutpaare geschätzt. Nach der Roten Liste Deutschlands gilt der Kiebitz als stark gefährdet. Grundsätzlich ist der Kiebitz in ganz Sachsen verbreitet, er meidet allerdings gewässerarme und stark bewaldete Gebiete. Heute ist der Kiebitz aus vielen Regionen Sachsens verschwunden. Schwerpunkte der Verbreitung finden sich derzeit vor allem noch in den Europäischen 14 |

4500 4000 3500 3000 2500 2000 1500 1000 500 0 1978-82

1993-96

2004-07

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Vogelschutzgebieten „Bergbaufolgelandschaft bei Hoyerswerda“, „Moritzburger Kleinkuppenlandschaft“, „Feldgebiete der östlichen Oberlausitz“ sowie „Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“. Vor allem unsere Äcker sind für den Kiebitz zu Ersatzlebensräumen geworden. Für einen Vogel, der die freie Sicht nach allen Seiten, offene, weiträumige Landschaften, naturnahes Feuchtgrünland, Moore und Sümpfe liebt, sind Äcker aber nur Notlösungen. Oft geht die Brut im Zuge der Bewirtschaftung verloren und die Bestände sind akut gefährdet.

Aktuelles Der Kiebitz braucht unsere Hilfe! Auch eine zeitweilige und kleinflächig angepasste, kiebitzfreundliche Bewirtschaftung von Nassstellen innerhalb von Ackerflächen hilft. Solche „Kiebitzinseln“ sollten ab dem Brutzeitpunkt sowie während der Jungenaufzucht nicht bewirtschaftet werden. Auskünfte erteilen die zuständigen Förder- und Fachbildungszentren des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sowie die unteren Naturschutzbehörden. 16 |

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Foto: www.adob

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Sachsen Artenschutz in

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Herausgeber: Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) Postfach 10 05 10, 01076 Dresden | Telefon: +49 351 564-20500 E-Mail: info@smul.sachsen.de | www.smul.sachsen.de Diese Veröffentlichung wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Redaktion: SMUL: Sabine Kühnert, Dr. Hans-Ulrich Bangert Gestaltung und Satz: Heimrich & Hannot GmbH | Genese Werbeagentur GmbH Fotos: www.fotonatur.de: Sönke Morsch (Titel, 5, 9–11, 16, 19), Holger Duty (6), Hans-Wilhelm Grömping (12); www.adobestock.com: Vitaly Ilyasov (19) Druck: Stelzig-Druck Redaktionsschluss: Juli 2019 Auflagenhöhe: 5.000 Exemplare, 3. überarbeitete Auflage Papier: Gedruckt auf 100 % Recycling-Papier Bezug: Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden bei: Zentraler Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung Hammerweg 30, 01127 Dresden Telefon: +49 351 2103671 | Telefax: +49 351 2103681 E-Mail: publikationen@sachsen.de | www.publikationen.sachsen.de Verteilerhinweis Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen Staatsregierung im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von deren Kandidaten oder Helfern im Zeitraum von sechs Monaten vor einer Wahl zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für alle Wahlen. SMULsachsen


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