Mit Wölfen leben Über die Rückkehr des Wolfes nach Sachsen
Mit Wölfen leben Über die Rückkehr des Wolfes nach Sachsen
Von G. Kluth*, I. Reinhardt*, J. Endel**, V. Ludwig**, H. Möslinger**, P. Solluntsch** und S. Koerner*** * LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland ** Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ *** Biologe und Tierfilmer (lupovision.de)
Die Mutterwรถlfin des Daubaner Rudels (l., mit Senderhalsband) und ein Jungwolf im Februar 2014.
Geschützte Rückkehrer
Genau genommen hat es in Deutschland vermutlich nur etwa 50 Jahre ohne Wölfe gegeben. Obwohl regelrechte Ausrottungs feldzüge bereits gegen 1650 begannen und die Wolfspopulation rund 200 Jahre später so gut wie erloschen war, gab es bis ins 20. Jahrhundert hinein immer noch einzelne Wölfe, die nach und nach verschwanden bzw. getötet wurden. Nahezu jedes dieser Tiere ging als „letzter Wolf“ in die jeweilige regi onale Geschichtsschreibung ein. Der vorerst wirklich Letzte wurde 1904 im sächsischen Teil der Lausitz geschossen. Bis 1945 konnte dann kein weiterer Wolf auf dem Territorium der heutigen Bundesrepublik Deutschland nachgewiesen werden. Nach dem 2. Weltkrieg tauchten wieder vereinzelt Wölfe auf der Suche nach einem Territorium und / oder Geschlechtspartner in Deutschland auf, die jedoch alle geschos sen wurden. In den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts schlug sich der Na turschutzgedanke, speziell der Artenschutz, in der Gesetzgebung von immer mehr eu ropäischen Ländern nieder. So wurde auch der Wolf in vielen Staaten Europas unter Schutz gestellt, um das weitere Abnehmen der verbliebenen Bestände zu stoppen und eine Wiederausbreitung in Gebiete, aus denen er bereits verschwunden war, zu ermögli chen. Inzwischen zeigen diese Bemühungen Erfolg. Der Wolfsbestand in Europa (ohne Ukraine, Weißrussland und Russland) ist wieder angewachsen und befindet sich in Ausbreitung. Heute leben hier schätzungs weise über 12.000 Wölfe. 4 | Mit Wölfen leben
Der letzte Wolf der Laußnitzer Heide bei Königsbrück wurde 1740 geschossen. Wie vielen anderen „letzten Wölfen“ setzte man ihm ein Denkmal.
In ganz Deutschland ist der Wolf seit 1990 geschützt. Dennoch wurden seitdem 46 ille gale Tötungen bekannt (Stand Sept. 2019). Trotzdem schafften es einzelne aus Polen zugewanderte Wölfe im Laufe der 1990er im Osten Deutschlands, genauer in Sachsen, Fuß zu fassen. Auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz südlich von Bad Muskau (Sachsen) gab es seit Mitte der 1990er Jahre regelmäßig Hinweise auf Wölfe. War es anfänglich nur ein einzel nes Tier, lebten 1998 zwei Wölfe in diesem Gebiet. Im Jahr 2000 ging die Entwicklung einen Schritt weiter: Das Wolfspaar bekam Nachwuchs. Zum ersten Mal seit 150 Jahren wurden in Deutschland wieder freilebende Wölfe geboren und aufgezogen! In den folgenden Jahren fanden in Sachsen geborene und aus Westpolen zugewanderte Wölfe neue Territorien und gründeten weitere Rudel.
Tagebaufolgelandschaft bei Neustadt / Spreetal – mitten im Revier des Milkeler Wolfsrudels
Mit zunehmender Anzahl an Wolfsfamilien (Rudel) wandern jedes Jahr mehr reviersu chende Jungwölfe durch Deutschland und es ist mit einer raschen Besiedlung weiterer Gebiete zu rechnen. Geeignete Lebensräume und eine ausreichende Nahrungsgrundlage sind in vielen Regionen Deutschlands vor handen. Ob die Rückkehr des Stammvaters unserer Haushunde von Dauer und weiter hin so erfolgreich sein wird, wie in jüngster Vergangenheit, hängt alleine davon ab, ob wir Menschen die Wölfe in unserer Nach barschaft tolerieren. Vor allem in großflächigen Naturschutzge bieten, Nationalparks und stillgelegten oder auch aktiven Truppenübungsplätzen finden Wölfe störungsfreie Rückzugsräume und Schutz vor illegaler Nachstellung. Entge gen weitverbreiteter Ansicht sind sie jedoch keineswegs auf derartige dünnbesiedelte Landschaften angewiesen. Wölfe sind als Kulturfolger durchaus in der Lage, in un mittelbarer Nähe des Menschen zu leben. Erfahrungen aus anderen europäischen Län dern zeigen, dass ein Zusammenleben von Mensch und Wolf selbst in dichtbesiedelten
Gebieten gelingt. Allerdings müssen sich die Menschen auf die Wölfe einstellen, um dieses Nebeneinander so konfliktarm wie möglich zu gestalten. Der Hauptkonflikt liegt zweifellos in Übergriffen von Wölfen auf Nutztiere. Durch geeignete Schutzmaßnahmen lassen sich die Nutztierverluste jedoch minimieren. Darüber hinaus leisten in den meisten eu ropäischen Ländern Naturschutzbehörden oder nicht-öffentliche Naturschutzvereine Beihilfen an Nutztierhalter, um Abwehrmaß nahmen zu ergreifen oder Schäden durch Wölfe aufzufangen. Bei einem ähnlichen „Wolfsmanagement“ sollte es uns auch in Deutschland möglich sein, die Rückkehrer willkommen zu heißen. Aufgrund der langen Abwesenheit des Wolfes gibt es in der Bevölkerung viele Fragen be züglich des Tieres und den möglichen Ände rungen im alltäglichen Leben die sich aus der Anwesenheit von Wölfen ergeben könnten. Die vorliegende Broschüre soll helfen, die eindrucksvolle Tierart besser kennenzulernen, Sorgen und Ängste abzubauen und Konflikte möglichst zu vermeiden. Mit Wölfen leben | 5
Verbreitungsgebiet von Wölfen in Sachsen (Stand 2018 / 2019)
Territorien ATW Authausener Wald BI Biehain CUN Cunewalde DH Dahlener Heide DN Dauban DZ Daubitz DEL Delitzsch DDH Dresdner Heide ELS Elstra GH Gohrischheide
GHD Großhennersdorf KNII Knappenrode II KO Kollm KH Königsbrücker Heide KHB Königshainer Berge KN Knappenrode LH Laußnitzer Heide MAS Massenei MI Milkel MUL Mulkwitz NEI Neiße
NEU Neusorge N Neustadt NO Nochten RA Raschütz RT Rosenthal SHO Stolpen Hohnstein
Territorien nur z. T. in Sachsen AH Annaburger Heide HOB Hohenbocka HW Hohwald
NCS Nationalpark Böhmische Schweiz RU Ruhland
SFB Senftenberg VYS Vysluni Z Zschorno
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Status unklar Wermsdorf Raum Moritzburg
Aktuelle Verbreitung in Deutschland und Westpolen Seitdem sich im Jahr 2000 in Sachsen das Muskauer Heide Rudel gegründet hatte, wandern heranwachsende ein- bis zwei jährige Jungwölfe ab. Eines dieser Tiere, die „Neustädter Wölfin“, etablierte 2002 ein eigenes Territorium 20 km westlich ih res elterlichen Rudels, östlich von Hoyers werda. Im Februar 2005 verpaarte sie sich mit einem aus Westpolen zugewanderten Wolfsrüden. Im Jahr 2009 verpaarte sie sich mit einem neuen Rüden und verlagerte ihr Revier in das angrenzende Seenland-Gebiet. Zwischen 2005 und 2011 zog sie jedes Jahr Welpen auf. Seit Herbst 2011 ist sie verschollen. Ihre ebenfalls aus dem Muskauer-Heide-Rudel stammende Schwester „Einauge“ gründete 2005 das Nochtener Rudel und zog eben falls 7 Jahre lang Welpen auf. Im März 2013 wurde sie tot aufgefunden. Über die Jahre wuchs die Anzahl der Wolfsrudel und die von ihnen besiedelte Fläche in der Lausitz ständig an. Im Monitoringjahr 2018/2019 (1. Mai 2018 bis 30. April 2019) wurden in Sachsen 22 Wolfsrudel, 4 Wolfspaare und ein ter ritoriales Einzeltier bestätigt. Angrenzend an das sächsische Wolfsgebiet gibt es auch in Brandenburg und Polen flächendeckend Wolfspräsenz. Darüber hinaus wurde südlich der sächsischen Vorkommen in Tschechien ein Wolfsterritorium im Nationalpark Tsche chische Schweiz und eines im Erzgebirge nachgewiesen.
Die Nochtener Wölfin „Einauge“ (unten) und die Neustädter bzw. Seenland Wölfin waren maßgebend für das deutsche Wolfsvorkommen. Viele ihrer Nachkommen gründeten weitere Wolfsrudel in Deutschland.
Im Jahr 2007 etablierte ein Wolfspaar auf brandenburgischer Seite nordwestlich von Bad Muskau das erste Territorium außerhalb Sachsens. Seitdem kommen deutschlandweit jedes Jahr neue Territorien dazu. Insgesamt konnten im Monitoringjahr 2017/ 2018 75 Wolfsrudel, 33 Paare und 3 territori ale Einzeltiere in Deutschland nachgewiesen werden. Deren Territorien lagen in Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Mit Wölfen leben | 7
Wolfsterritorien in Deutschland (Stand Monitoringjahr 2017 / 2018)
Rudel
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Paar
Einzeltier
Quelle: DBBW 2019-10-28, Kenntnisstand: 2019-06-07 und Kartendaten 2019 GeoBAsis-DE/BKG ( 2009), Google, Inst. Geogr. Naciona
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Jährling des Muskauer-Heide Rudels 2001 – die ersten Fernsehbilder eines wildlebenden Wolfes in Deutschland
Im Jahr 2009 wurde Brandenburgs erster Wolfsnachwuchs nachgewiesen: Ein drei Monate alter Welpe des Welzower Rudels hat „Beute“ gemacht.
Wie viele wildlebende Wölfe es derzeit au ßerhalb der in Deutschland nachgewiesenen Territorien gibt, vermag niemand genau zu sagen, denn insbesondere wandernde Jung tiere lassen sich nur schwer nachweisen. So werden im Wolfsmonitoring (wissenschaft liche Datenerfassung) nur die Wölfe erfasst, die territorial in einem Gebiet leben. Dabei wird unterschieden, ob es sich um ein einzel nes Tier, ein Wolfspaar oder eine Wolfsfamilie mit Nachwuchs (Rudel) handelt.
fernt. Im Westen Polens, in der Nähe der deutschen Grenze, gab es hingegen viele Jahre nur vereinzelte Rudel. Um die Jahr tausendwende herum hatten die Hinweise auf Wölfe in Westpolen sogar deutlich ab genommen, um seit etwa 2005 wieder anzu steigen. 2015 / 2016 waren in Polen westlich der Weichsel nach Erhebungen der polni schen Association for Nature WOLF (Natur schutzverein „WOLF“) 43 reproduzierende Wolfsrudel und 10 Paare bzw. Wolfsgruppen nachgewiesen.
Eine Chronologie des Wolfsvorkommens in Deutschland finden Sie auf der Internetseite www.wolf.sachsen.de. In Polen geht man nach der letzten landes weit durchgeführten Erhebung von 2009 von einem Bestand von etwa 135 Wolfsrudeln, mit grob geschätzten 600 Tieren, aus. Die überwiegende Anzahl davon lebt im Osten und Südosten des Landes. Die südwestlichsten Vorkommen gibt es in den Schlesischen Beskiden, ca. 400 km von Deutschland ent
Die in Deutschland lebenden Wölfe, gehören zur gleichen Population wie die westpolni schen Tiere – der sogenannten Central Eu ropean Lowlands Population, nachfolgend Mitteleuropäische Wolfspopulation genannt. Sie stellt eine von 10 Wolfspopulationen in Europa dar. Die Quellpopulation für die Mit teleuropäische Population ist nach bisherigen genetischen Untersuchungen die baltische Population im Grenzbereich Polen – Litauen – Weißrussland. Mit Wölfen leben | 9
Der Wolf im Recht Auf europäischer Ebene gehört der Wolf zu den streng geschützten Tierarten. Schon 1979 wurde er in die Berner Konvention – eine Naturschutzvereinbarung aller europä ischen Länder – aufgenommen. Die FaunaFlora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union (FFH-Richtlinie, 92 / 43 / EWG) sieht die Durchführung besonderer Schutzmaßnahmen wie z. B. die Erstellung und Umsetzung von „Managementplänen“ und die Einrichtung besonderer Schutzgebiete für den Wolf vor. Das absichtliche Stören, Fangen oder Töten sowie weitere Beeinträchtigungen von Wöl fen sind verboten. In der DDR war der Wolf eine jagdbare Art, die ab 1984 ganzjährig zum Abschuss freige geben war. Seit der Wiedervereinigung 1990 genießt der Wolf nach dem Bundesnatur schutzgesetz höchstmöglichen Schutz. Bis Ende der 1990er Jahre führten einige Bun desländer den Wolf noch als jagdbare Art mit ganzjähriger Schonzeit. Anschließend unterlag er für mehr als 10 Jahre im ganzen Bundesgebiet nur dem Naturschutzrecht. Seit September 2012 unterliegt der Wolf im Freistaat Sachsen als einzigem Bundesland wieder zusätzlich dem Jagdrecht, aber ohne Jagdzeit. Zuständig für den Wolf sind die Fach- und Vollzugsbehörden der Länder. In Sachsen sind seit der Kreisreform 2008 die betreffenden Landratsämter für den Schutz und das Management des Wolfes verant wortlich. Am 1. Juni 2019 trat die Sächsische 10 | Mit Wölfen leben
Auch ein verletzter Wolf kann in freier Wildbahn überleben. Dieser Rüde, dem die linke Vorderpfote fehlt, wurde erstmals 2007 im Daubitzer Territorium gefilmt. 2009 zog er im Bereich des Tagebaus Welzow Brandenburgs ersten Wolfsnachwuchs auf.
Wolfsmanagementverordnung (SächsWolf MVO) in Kraft. Ziel der Verordnung ist ein umfassendes Wolfsmanagement im Freistaat Sachsen. Konflikte mit Wölfen sollen so weit wie möglich vermieden werden. Falls den noch Konflikte entstehen, soll diesen schnell und rechtssicher begegnet werden. In Polen ist der Wolf keine jagdbare Art und steht seit 1998 unter Naturschutz. Ausnah megenehmigungen zum Töten von Wölfen werden in speziellen Fällen erteilt, wenn Wölfe trotz Schutzmaßnahmen wiederholt Nutztiere reißen. Der vorsätzliche Abschuss eines Wolfes ist eine Straftat und wird mit Geldstrafe oder mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren geahndet. Für den versehentlichen Abschuss sieht der Gesetzgeber eine Geldstrafe oder eine Frei heitsstrafe bis zu 6 Monaten vor. Darüber hinaus sind jagdrechtliche Konsequenzen wie der Entzug des Jagdscheines oder ein Verbot der Jagd möglich.
Wolfsmanagement
Die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland wird vom Freistaat Sachsen begrüßt, stellt aber zugleich eine große Herausforderung dar, insbesondere was die Förderung eines weitestgehend konfliktfreien Nebeneinanders von Mensch und Wolf betrifft. Wenn Wölfe in neuen Gebieten auftauchen, werden häufig Ängste und Befürchtungen seitens der Bevölkerung geäußert. Viele die ser Ängste und Vorbehalte lassen sich auf das Bild vom Wolf, das wir aus Märchen und Ge schichten kennen, zurückführen. Mit der Re alität hat dieses Bild der bösartigen Kreatur nichts zu tun. Auch besteht viel Unwissenheit über die Lebensweise der Tierart, mit der wir viele Jahrzehnte nicht mehr zusammengelebt haben. Die Menschen müssen sich wieder an das Leben mit dem Wolf gewöhnen. Das Konfliktpotenzial im Zusammenleben von Wolf und Mensch liegt darin, dass neben wildlebenden Huftieren auch domestizierte Huftiere wie Schafe und Ziegen zum Beute spektrum des Wolfes zählen. Letztere sind, wenn sie unzureichend geschützt sind, viel leichter zu erbeuten als Rehe, Hirsche und Wildschweine. Vor diesem Hintergrund sah sich der Freistaat Sachsen veranlasst, ein Wolfsmanagement einzurichten. Das Wolfsmanagement dient nicht dazu, die Lebensbedingungen der Wölfe in Sachsen zu verbessern. Vielmehr soll das Wolfsmanagement ein Zusammenleben von Wolf und Mensch fördern. Es ist sowohl auf das Monitoring des Wolfes als auch auf die
Schadensprävention und die Öffentlichkeits arbeit gerichtet. Im Mai 2009 veröffentlichte das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Land wirtschaft (SMUL) den „Managementplan für den Wolf in Sachsen“. Der Manage mentplan entstand in einem partizipativen Prozess während vier Beratungen mit circa 60 Vertretern von Vereinen und Verbänden aus Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd sowie Kommunalpolitik, Wissenschaft und Behörden. Ziel dieses Prozesses war es, ein auf möglichst breitem Konsens basierendes Grundsatzpapier mit allgemeinverbindlichen Leitlinien zur Minimierung möglicher Kon flikte zu erarbeiten, um allen Beteiligten den Umgang mit der wieder in Sachsen heimisch gewordenen Tierart Wolf zu erleichtern. Die derzeit noch gültige Fassung mit Stand Februar 2014 wird momentan an die im Juni 2019 veränderten Strukturen im Wolfs management (siehe S. 12) angepasst.
Ein Wolf des Daubaner Rudels läuft an einer Herde vorbei, die mittels Elektrozaun geschützt wird.
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Akteure und Zuständigkeiten Zum 1. Juni 2019 hat die Fachstelle Wolf am Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) ihre Arbeit aufgenommen. In der Fachstelle wird das Wolfsmanage ment des Freistaates Sachsen koordiniert und gebündelt. Die Fachstelle Wolf ist eine Schnittstelle zwischen dem Wolfsmonitoring (der wissenschaftlichen Beobachtung der besonders geschützten Tierart Wolf), den Tierhaltern und der Öffentlichkeit. Die Landratsämter und kreisfreien Städte sichern im Rahmen ihrer Zuständigkeit die Realisierung des Wolfsmanagements in den Kreisgebieten ab. Sie sind unter anderem für die Mitwirkung an der Öffentlichkeitsarbeit und dem Monitoring zum Wolf sowie für Entscheidungen zur Vergrämung und Ent nahme eines Wolfes zuständig. Dabei ar beiten sie mit der Kernkompetenz in Sachen Wolf (der Fachstelle Wolf, dem Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz, dem LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland, sowie dem Beauftragten zur Herdenschutzberatung) zusammen. In den sogenannten Kernkompetenzen laufen alle Informationen zusammen, werden gebün delt, ausgewertet und der Öffentlichkeit in geeigneter Weise zugänglich gemacht. Monitoring und Forschung Das LUPUS Institut (Dipl.-Biol. Gesa Kluth und Dipl.-Biol. Ilka Reinhardt) ist seit dem Jahr 2002 mit dem wissenschaftlichen Wolfsmonitoring (Bestandserfassung und -überwachung) beauftragt. Diese Arbeiten werden im Auftrag des Landesamts für Um 12 | Mit Wölfen leben
welt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz fachlich betreut und koordiniert. Das Wolfsmonitoring dient der Überwachung des Erhaltungszustandes der Wolfspopu lation und liefert Informationen über die Biologie und Lebensweise der Wölfe, sowie der Größe und Entwicklung des Wolfsvor kommens in Sachsen. Neben dem Erheben und Auswerten von belastbaren Daten, um Informationen zur Populationsgröße und -verbreitung zu bekommen, laufen auch tele metrische Untersuchungen zu Raumnutzung und Migrationsverhalten von Wölfen, sowie Studien zur Nahrungsökologie und den Ver wandtschaftsverhältnissen. Um Informationen über das Verbreitungs gebiet und die Populationsgröße der Wölfe zu erhalten, sind ein passives sowie ein aktives Monitoring notwendig. Unter pas sivem Monitoring versteht man vor allem die Entgegennahme von Meldungen aus der Bevölkerung, die zum Beispiel Sichtungen und Spuren betreffen. Ein aktives Monito ring beinhaltet dagegen das gezielte Suchen nach Anwesenheitshinweisen wie Spuren und Kot, sowie den Einsatz von Fotofallen (automatischen Kameras) und das Sammeln von Proben für genetische Untersuchungen. Alle erhobenen Daten werden nach national einheitlichen Standards (SCALP Kriterien) kategorisiert und bewertet (mehr Informa tionen im BfN-Skript 413 „Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland“).
Diese wurde 2019 vom SMUL in Trägerschaft des Landkreises Görlitz eingerichtet und bie tet mit einer dauerhaften Ausstellung um fangreiche Informationen über Wölfe. Der Öffentlichkeitsarbeit kommt eine zentrale Stellung zu, weil die Akzeptanz der Bevölke rung ausschlaggebend ist für ein Zusammen leben mit dem Wolf. Unterstützend wirken geschulte Personen aus den Landratsämtern und des Staatsbe triebs Sachsenforst als auch Personen aus den Bereichen Jagd, Forst und Naturschutz, sowie interessierte Bürger. Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit Seit Juni 2019 ist die Fachstelle Wolf als zen traler Ansprechpartner für die Informationsund Aufklärungsarbeit zum Thema „Wolf in Sachsen“ gegenüber der Bevölkerung und der Presse verantwortlich. Die Fachstelle Wolf steht im engen Austausch mit Monitoring / Forschung und Herden schutz. Hier werden neue Erkenntnisse zu den Wölfen aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Diese werden zeitnah auf der Internetseite der Fachstelle präsen tiert, sowie über Pressemeldungen bekannt gegeben. Die aktive Aufklärungsarbeit setzt sich aus der Betreuung von Infoständen auf Festen und Messen, zielgruppenorientierten Vorträgen, teilweise mit Exkursionen, und Umweltbildungsarbeit zusammen. Die Fach stelle Wolf wird dabei von der Informations stelle „Wolfsscheune Rietschen“ unterstützt.
Herdenschutz In Gebieten, in denen wieder Wölfe leben, sollten Schafe, Ziegen und in Gattern gehal tenes Wild durch geeignete Schutzmaßnah men wie z. B. Elektrozäune vor Übergriffen geschützt werden. Nur so lassen sich Schä den an Nutztieren vermeiden. Kommt es dennoch zu einem Übergriff, besteht ein An spruch auf Schadensausgleich. Dafür muss der Schaden begutachtet werden. Hierfür zuständig ist die Fachstelle Wolf. Bei einem entstandenen Schaden bewertet das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie die Schadenshöhe. Der Scha densausgleich erfolgt über die Landesdirek tion. Mit der Beratung der Nutztierhalter in Bezug auf präventive Schutzmaßnahmen bzw. de ren Förderung wurde Herr Klausnitzer vom Fachbüro für Naturschutz und Landschafts ökologie beauftragt.
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Vier Welpen des Daubaner Rudels spielen am Schilfrand. Im Oktober sehen die Welpen schon fast wie erwachsene Wรถlfe aus.
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Biologie Wolf
Informationen über Biologie und Verhalten des Wolfes helfen, besser einzuschätzen, wel che Veränderungen die Rückkehr der Wölfe für uns Menschen, insbesondere für Jäger und Tierhalter, mit sich bringen kann. Diese Informationen sind zum einen Ergeb nisse aus über 30 Jahren Freilandforschung an wildlebenden Wölfen und ihren Beutetie ren in Amerika, Europa und Asien. Sie wur den von David Mech und Luigi Boitani im wissenschaftlichen Standardwerk „Wolves – Behavior, Ecology and Conservation“ (siehe Literaturverzeichnis) zusammengestellt. Zum anderen werden Daten und Erfahrungen aus der Lausitz vorgestellt, einer Region in Deutschland, in der seit fast zwei Jahrzehnten wildlebende Wolfsrudel vorkommen. Rudel = Familie Wölfe leben im Sozialverband, dem Rudel. Ein freilebendes Wolfsrudel ist eine Familie, welche meist aus den beiden Elterntieren und ihren Nachkommen der letzten zwei bis drei Jahre besteht. Die Jungwölfe verlassen sehr häufig im Alter von 10–22 Monaten, also noch vor oder mit Einsetzen der Ge schlechtsreife, das elterliche Territorium. Manche Jungwölfe bleiben allerdings auch länger im Gebiet der Eltern. Wolfsrudel sind also Familien mit den beiden Elterntieren als den in aller Regel einzigen dauerhaft im Territorium anwesenden Wölfen. Oft sind sie auch die einzigen geschlechtsreifen Tiere im Gebiet. Eine umkämpfte Rangordnung wie man sie aus der Haltung von Wölfen in Ge
Die Aufnahme zeigt das Munster Rudel in Niedersachsen im Jahr 2013. Im Vordergrund ist eine Jährlingsfähe zu sehen, gefolgt von ihren jüngeren Geschwistern, ihrer Mutter und dem Vater (vom Baum verdeckt).
fangenschaft kennt, gibt es bei freilebenden Wölfen nicht. Im Gegensatz zu Haushündin nen wird die Wolfsfähe nur einmal im Jahr, im Winter, läufig. Nach mitunter mehrwöchiger Vorranz findet in der Regel Ende Februar / An fang März die Verpaarung statt. Nach einer Tragzeit von rund 63 Tagen werden Ende April / Anfang Mai meist 4 bis 6 Welpen geboren. Mit 6–7 Monaten sind diese bereits fast so groß wie die Eltern und Jährlinge (Jungwölfe im zweiten Lebensjahr) und laufen mit den anderen Rudelmitgliedern mit. Jedes Elternpaar beansprucht ein eige nes Territorium, das es gegen fremde ge schlechtsreife Wölfe verteidigt. Durch ihre ausgesprochene Territorialität verteilen sich vergleichsweise wenige Wölfe auf großer Fläche. Die Größe der Territorien hängt vor allem von der verfügbaren Nahrung ab. Ein Wolfsterritorium muss jeweils so groß sein, dass die Elterntiere hier jedes Jahr genug Beute machen können, um ihren Nach wuchs großzuziehen. Je weniger Beutetiere in einer Region leben, desto größer müssen Mit Wölfen leben | 15
Der Wolf „Karl“ wurde im Alter von 10 Monaten mit einem GPS-Sendehalsband versehen. Auf dem Foto wechselt er gerade ins Sommerfell und ist ein Jahr alt.
die Wolfsterritorien sein. In Mitteleuropa liegen die in Studien ermittelten Reviergrös sen oft zwischen 100–350 km². Wölfe sind also räumlich so organisiert, dass sie ihre Nahrungsgrundlage nachhaltig nutzen. Die ersten Ergebnisse von mit Sendehalsband ausgestatteten Wölfen zeigten zudem, dass auch Rückzugsräume in der von Menschen intensiv genutzten Kulturlandschaft wichtig sind für die Lage und Größe der Territorien. Da die Jungwölfe aus dem elterlichen Ter ritorium in der Regel mit Erreichen der Ge schlechtsreife abwandern, und jedes Jahr neue Welpen geboren werden, bleibt die Anzahl der Wölfe in einem Territorium relativ kons tant. Die Größe des Muskauer-Heide-Rudels in Sachsen schwankte von 2000–2005 zwi schen vier und zehn Tieren auf einer Fläche von geschätzt 250-300 km². Die telemetri sche Überwachung der Neustädter Wölfin 2004 und 2005 ergab eine Territoriumsgröße von mehr als 240 km², auf denen sie im Jahr 2005 mit einem Rüden und 5 Welpen lebte. Das Revier des ebenfalls telemetrisch über wachten Vaterwolfes des Milkeler Rudels war im Jahr 2009 sogar über 300 km² groß, wo er zu dieser Zeit mit seiner Fähe, 3 Welpen 16 | Mit Wölfen leben
und mindestens einem Jungwolf aus dem letzten Jahr lebte. Abwandernde Jungwölfe legen auf der Suche nach einem eigenen Partner und Territorium nicht selten Strecken von mehreren hundert Kilometern zurück, wie es im Frühjahr 2009 die beiden mit einem GPS-GSM Sender ver sehenen Jährlingswölfe „Karl“ und „Alan“ ein drucksvoll gezeigt haben. Zuerst wanderte „Karl“ über 150 km Luftlinie zum ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog im branden burgischen Fläming, um aber nach insgesamt zweieinhalb Wochen Abwesenheit fast auf der gleichen Route wieder in sein Elternter ritorium zurückzukehren. Dann legte sein Bruder „Alan“ auf seinem Weg durch ganz Polen bis hinein nach Litauen und schließlich Weißrussland über 1500 km Strecke zurück. Diese Erkenntnisse wurden vom LUPUS In stitut im Rahmen des vom Bundesamt für Naturschutz finanzierten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens „Pilotstudie zur Ab wanderung und Ausbreitung von Wölfen in Deutschland“ gewonnen. Dieses Ergebnis hat einmal mehr bestätigt, dass einzelne Wölfe auch weit entfernt von etablierten Wolfsge bieten auftauchen können.
Was fressen Wölfe? Grundsätzlich gilt, dass der Wolf an der Spitze der Nahrungspyramide seines Lebens raumes steht. Seine Anzahl in einem Gebiet wird natürlicherweise vom Nahrungsangebot und ggf. noch von Krankheiten bestimmt, und nicht durch einen Fressfeind reguliert. Gleichermaßen beeinflussen Wölfe natür licherweise die Anzahl der wildlebenden Huftiere deren Gegenspieler sie sind. Wölfe sind auf die Jagd auf Schalenwild (Paarhufer) spezialisiert. In Mitteleuropa ernähren sie sich vor allem von Reh-, Rot- und Schwarzwild, örtlich auch von Dam- und Muffelwild. In Skandinavien sind oft Elche oder Rentiere die Hauptnahrung. Im Süden Europas können dagegen, wo wildlebende Huftiere fehlen, Nutztiere und Abfall einen wesentlichen Teil der Nahrung ausmachen. Im Zuge des Wolfmonitorings werden kon tinuierlich Wolfslosungen (Kot) gesammelt, um die Ernährung der sächsischen Wölfe zu dokumentieren. Am Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz wurden seit 2001 über 3500 Losungen untersucht (Stand 31.03.2015, s. umseitige Grafik). Durch Begutachtung mit bloßem Auge und unter dem Mikroskop wurden unverdauliche Nahrungsreste wie Haare, Knochenstücke und Hufschalen den verschiedenen Beutetierarten zugeordnet. Zur Auswertung der Ergebnisse wurde dann festgestellt, wie häufig eine Nahrungstier art in den Proben auftaucht (Frequenz des Auftretens). Durch Zugrunde legen eines be stimmten Umrechnungsschlüssels konnte
schließlich sogar auf die Gewichtsanteile (Biomasseanteile) geschlossen werden, die eine Beutetierart an der Nahrung der Wölfe ausgemacht hat. Demnach leben die Wölfe in Sachsen fast ausschließlich von wildlebenden Huftierarten. Alle Daten seit 2001 zusammen genommen zeigen, dass Rehwild als Hauptbeuteart mit 52,0 % des Biomasseanteils, gefolgt von Rot wild mit 19,8 % und Wildschwein mit 19,4 % auf dem Speiseplan der sächsischen Wölfe stehen. Damwild und Mufflons, die nur in ei nigen Bereichen des aktuellen Wolfsgebietes vorkommen, machen 1,8 % bzw. 0,7 % des Biomasseanteils aus.
Ein Welpe des Altengrabower Rudels leckt den Knochen eines Beutetiers ab.
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Beutekategorien / -arten Reh 52,04 Rothirsch 19,82 Wildschwein 19,40 Damhirsch 1,78 Mufflon 0,70 Hasenartige 3,36 Nutztiere 1,01 mittelgroße Säuger 0,66 Kleinsäuger 0,15 Wildvögel 0,03 Fische 0,01 Früchte 0,06
Nahrungszusammensetzung der Wölfe aus 3426 Wolfslosungen in Sachsen, 2001 bis März 2015: Die Häufigkeit, mit der die verschiedenen Beutetierarten in den Losungen gefunden wurden zeigt, dass die Wölfe fast nur von Schalenwild leben. Die meisten Losungen enthalten Reste nur einer, manche aber auch von zwei oder mehr Beutetierarten.
Quelle: © 2016, Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
Nahrungszusammensetzung einzelner Rudel Sonstige Biber Hasenartige Dammhirsch Wildschwein Rothirsch Reh Nahrungszusammensetzung der einzelnen Wolfsrudel in Sachsen, 2001 bis 2015: Es zeigt sich, dass die Zusammensetzung der Nahrung in den einzelnen Rudeln sehr unterschiedlich sein kann und stark davon abhängt, welche wildlebenden Huftiere in den Territorienw der Rudel vorkommen. Zugrunde liegen 2151 Losungsproben aus 7 Rudeln.
Quelle: © 2016, Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
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Allerdings konnten im Laufe der jahrelangen Untersuchungen auch Schwankungen in der Nahrungszusammensetzung der Wölfe be züglich Jagdjahr, Jahreszeit und Rudelzuge hörigkeit festgestellt werden. Während das Rehwild weiterhin die Haupt beuteart darstellt, steigt der Biomassean teil des Wildschweins seit dem Jagdjahr 2012 / 2013 kontinuierlich an. Gleichzeitig sinkt der Biomasseanteil des Rotwildes, so dass das Wildschwein inzwischen auf dem Speiseplan an zweiter Stelle steht. Der Grund hierfür ist hauptsächlich, dass die Beutetierarten nicht gleichmäßig verteilt im gesamten Untersuchungsgebiet vorkommen und das Rotwild meist nur in ausgewiesenen „Rotwildgebieten“ geduldet wird. Neuetab lierungen von Wolfsterritorien in Sachsen fanden in den letzten Jahren hauptsächlich in Bereichen statt, wo das Rotwild zah lenmäßig weniger vorkommt. Rehwild und Wildschweine kommen dagegen fast flächen deckend in Sachsen vor. Das Nieskyer Rudel erbeutet beispielsweise zwar immer noch am häufigsten das Reh mit 48,1 % der Biomasse, jedoch stellt das Wildschwein mit 34,8 % der Biomasse ebenfalls eine wichtige Beutetierart dar. Rotwild wurde dagegen nur zu 7,3 % im Speiseplan dieses Rudels festgestellt. Im Ge gensatz dazu wurde im Daubitzer Rudelterri torium, mit reichlichem Rotwildvorkommen, neben 44,4 % Reh und 16,2 % Wildschwein immerhin 33,2 % Rotwild verzehrt.
Die im Untersuchungsgebiet vorhandenen Arten werden von den einzelnen Rudeln unterschiedlich stark genutzt. Das Rehwild ist bisher durchgängig die Hauptbeuteart. Der Rothirsch nimmt nur ein Fünftel der Biomasse ein, wie auch das Wildschwein, obwohl er in bestimmten Bereichen der Lausitz relativ häufig anzutreffen ist. Dies stellt eine Besonderheit dar, da in anderen Regionen Europas (Ostpolen, Skandinavien) die größeren Huftierarten (Rothirsch, Elch, Rentier) die Hauptbeute bilden, wenn diese in hoher Dichte vorhanden sind. Grund für diese Präferenz wird wohl das flächendeckende Vorkommen des Rehs sowie das niedrige Verletzungsrisiko beim Erbeuten dieses Huftieres sein. Eine weitere Besonderheit zeigt sich im Nahrungsspektrum des Rudels aus der Kö nigsbrücker Heide, bei welchem der Biber, für Deutschland bisher einmalig, mit einer verzehrten Biomasse von immerhin 7,2 % in Erscheinung tritt. Betrachtet man die Zusammensetzung der Wolfsnahrung im Jahresverlauf, fällt auf, dass Wildschweine vor allem im Frühling, wenn Frischlinge eine leichte Beute darstel len, erlegt werden. Im Sommer hingegen wer den vor allem Rothirschkälber bevorzugt. Das Reh wird das ganze Jahr über gleich genutzt. Die Vergleiche zwischen den Rudeln, sowie über die Jagdjahre zeigen jedoch auch, dass Mit Wölfen leben | 19
Die Hasen auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz sehen keinen Grund darin, ihr Revier zu verlassen, wenn es von 4 Monate alten Wolfswelpen als Spielplatz genutzt wird.
andere Beutetierarten mit relativ gleichblei benden Biomasseanteilen in der Ernährung der Wölfe vorkommen. Feldhasen machen immerhin noch etwa 3,6 % des Biomasse anteils aus. Nutztiere – fast ausschließlich Schafe – kommen immer wieder in der Wolfs nahrung vor, machen jedoch nur einen sehr geringen Teil an der verzehrten Biomasse aus. Wieviel fressen Wölfe? Im Jahr 2006 hat Ulrich Wotschikowsky im Auftrag des heutigen Senckenberg Muse ums für Naturkunde Görlitz eine auf wissen schaftlichen Fakten beruhende Schätzung erarbeitet, wieviel Wild die Wölfe in der Lau sitz (Sachsen und Südbrandenburg) jährlich 20 | Mit Wölfen leben
pro Flächeneinheit erbeuten. Auch unter Ein beziehung der Ergebnisse der Losungsanaly sen aus dem Jagdjahr 2000 / 2001 bis Januar 2012 (4.136 ausgewertete Losungsproben) ergab sich kein wesentlich verändertes Bild: Den Hauptanteil an der Wolfsnahrung ma chen mit um die 50 % Biomasse Rehe aus, gefolgt von je etwa 20 % Rothirsche und Wildschweine. Die Anteile schwanken jeweils von Jahr zu Jahr. Bis 2005 machten Rehe etwa 47 % Biomasse an der Wolfsnahrung aus, während es bis 2012 ca. 53 % waren. Um seriös zu schätzen, wieviel Wild die Wölfe in der Lausitz pro Flächeneinheit tö ten, müssen zunächst durch internationale Forschungsergebnisse gut begründete An nahmen getroffen werden. Dabei unterstellt man einem Wolfsrudel eher einen höheren als einen unglaubhaft geringen Bedarf an Beute: ❙ die Hälfte der gerissenen Beutetiere sind Jungtiere des laufenden Jahres. ❙ Ein Wolf muss pro Tag etwa 5,4 kg Lebendgewicht Beutetier töten, wovon er etwa 4 kg verwerten kann, z. B. alle 4 Tage 1 Reh. ❙ Ein Rudel besteht in der Oberlausitz durchschnittlich aus 8 Wölfen, davon 4 Welpen. ❙ Ein Welpe hat im Geburtsjahr den halben Nahrungsbedarf eines erwachsenen Wolfes. Aus den neueren Daten zur prozentualen Nahrungszusammensetzung und den oben genannten Annahmen erlegt ein Wolf in der Lausitz durchschnittlich 65 Rehe, 9 Stück
Rotwild und 16 Sauen pro Jahr. Ein Rudel benötigt jährlich ca. 400 Rehe, 54 Stück Rot wild und 100 Sauen. Bei einem Streifgebiet von 250 km² (25.000 ha) entspricht dies 1,6 Rehen, 0,22 Stück Rotwild und 0,4 Sauen pro 100 ha. Daraus ergibt sich eine geschätzte Jahresbeute eines Wolfsrudels von 2,2 Stück Schalenwild auf 100 ha. Die Jäger in der Oberlausitz erlegen auf gleicher Fläche etwa zehnmal soviel Rotund Schwarzwild wie die Wölfe. Die Wölfe erbeuten nahezu ebenso viele Rehe wie die Jäger. Die amtlichen Jagdstrecken weisen je nach Jagdbezirk eine gleichbleibende Reh wildstrecke, aber auch Streckenrückgänge und in seltenen Fällen auch Streckenanstiege auf. Jedoch sind die amtlichen Jagdstrecken allein nicht geeignet, um auf einen speziel len Wolfseinfluss zu schließen, da sie auch von anderen Faktoren, wie zum Beispiel der Witterung, der verfügbaren Nahrung und Krankheiten beeinflusst werden.
Der Rüde des Altengrabower Rudels in Sachsen-Anhalt bringt ein erbeutetes Reh zu seinen Welpen.
rung eingehen, ohne von den Wölfen selbst getötet worden zu sein. Und ein Anteil gerade der jungen Beutetiere, die den Wölfen zum Opfer fallen, würde ohne sie durch andere Ursachen sterben.
Wie viele Tiere einer Wildart tatsächlich pro Jahr und km² von den Wölfen getötet wer den, lässt sich nur schwer ermitteln. Das ist unter anderem davon abhängig, wie stark die Wölfe ihre Beutetiere nach Altersklassen und Geschlecht selektieren. Zusätzlich wird diese Zahl beeinflusst durch den Anteil, den Aas fresser wie Kolkraben, Seeadler, Füchse oder Wildschweine von gerissenen Tieren nutzen. Außerdem fressen Wölfe auch Fallwild und krank geschossene Tiere, die in ihre Ernäh Mit Wölfen leben | 21
Wolf, Wild und Jagd
Was bedeutet es für Jäger oder auch Förs ter, Wölfe im Revier zu haben? Während die einen befürchten, die vierbeinigen Jäger könnten das Wild in ihren Revieren nach haltig dezimieren, hoffen andere auf Hilfe bei der Begrenzung der Wildbestände und damit auf eine Verringerung der Verbiss- und Schälschäden an Bäumen. Der Einfluss des Wolfes auf die Schalen wildbestände hängt von vielen Faktoren und deren Zusammenspiel ab. Forschungen zu diesem Thema in anderen Ländern zei gen die ganze Vielfalt und Komplexität der Räuber-Beute-Beziehungen. Das Spektrum reicht von einer tatsächlichen Verringerung des Beutetierbestandes durch die Wölfe bis zum Fehlen eines nachweisbaren Effektes. In der sächsischen Lausitz gibt es Gebiete mit mittlerweile 15 Jahren kontinuierlicher Wolfs anwesenheit und so liegen über diesen Zeit raum sogar eigene Erfahrungen mit Wölfen unter den Bedingungen in einer deutschen Kulturlandschaft vor. Wölfe und Jäger teilen ein Interesse, und zwar einen guten Wildbestand im Revier zu haben. Durch die Rückkehr der Wölfe treten bei manch einem Jäger Fragen auf, ob und in welcher Form die menschliche Jagd im Wolfsgebiet weiter möglich ist. Verhaltens änderungen wie erhöhte Aufmerksamkeit und häufigere Standortwechsel der Beutetiere aufgrund der Anwesenheit von Wölfen stellen den menschlichen Jäger vor neue Heraus forderungen.
22 | Mit Wölfen leben
Wie beeinflusst der Wolf das Wild? Wölfe sind Fleischfresser und sind somit auf das Erbeuten von Tieren angewiesen. Sie jagen und töten die Tiere, die sie am leichtesten erreichen und überwältigen können. Das sind neben alten, kranken und schwa chen Individuen vor allem Jungtiere. Bei gro ßem, wehrhaftem Wild wie Schwarz- und Rotwild ist deshalb zu erwarten, dass Wölfe vor allem in die Jugendklasse eingreifen. Das heißt nicht, dass Wölfe keine gesunden, starken und aufmerksamen Tiere reißen, wenn sich eine Gelegenheit dazu ergibt; nur werden sie diese sehr viel seltener erbeuten als geschwächte oder unerfahrene. Nach den Ergebnissen der Nahrungsanalyse aus dem sächsischen Wolfsgebiet erbeuten die hiesigen Wölfe beim wehrhaften Rotwild eher Kälber und Schmaltiere als ausgewach sene Tiere und Hirsche. Bei den viel kleine ren Rehen wird dagegen offenbar – soweit dies erkennbar ist – nicht nach dem Alter selektiert. Wahrscheinlich werden von den Rehen vor allem Tiere getötet, die aufgrund verschiedener Ursachen unaufmerksam sind und von den Wölfen überrascht werden. Die Daten der Nahrungsanalyse reichen nicht aus, um eine Aussage über die Selek tion junger gegenüber ausgewachsenen Wildschweinen zu treffen. Es ist jedoch anzunehmen, dass Frischlinge deutlich öfter getötet werden als ausgewachsene Schweine.
Feindvermeidungsstrategien des Wildes
Kranke und schwache Tiere werden von den Wölfen bevorzugt gerissen, wie dieser Spießer, der sich den Lauf in einer Drahtschlinge verletzte (Foto oben). Das gallertartige rötliche Knochenmark (Foto unten) zeigt, dass das Tier in schlechter körperlicher Verfassung war.
Dadurch, dass Wölfe vor allem die Beute tiere töten, die in einem Alter oder Zustand sind, in dem sie sich nicht vermehren (zu jung, zu alt, zu schwach), entlasten sie die geschlechtsreifen sich vermehrenden Beu tetiere von Nahrungs- und räumlicher Kon kurrenz. Dies verbessert die Kondition der sich vermehrenden Tiere, was wiederum zu einer erhöhten Anzahl an Nachwuchs oder zu kräftigerem Nachwuchs führt. Außerdem beeinträchtigt die Selektion kranker Beute tiere die Ausbreitung von Infektionskrank heiten. Nach dieser Theorie erhöht also der Einfluss natürlicher Beutegreifer die Vitalität der Beutetiere.
Unser heimisches Schalenwild und seine Beutegreifer wie Wölfe, Luchse und Bären haben sich über Jahrmillionen gemeinsam in denselben Lebensräumen entwickelt und aneinander angepasst. Das Wild verfügt über zahlreiche Strategien, den Beutegreifern zu entgehen. Es steht den Wölfen also nicht wehr- und chancenlos gegenüber – selbst nach einem oder zwei Jahrhunderten der Abwesenheit. Das Wild hat seine über lange Zeiträume entwickelten Feindvermeidungs strategien nicht „vergessen“, sondern ist durchaus in der Lage, sich wieder auf die natürlichen vierbeinigen Jäger einzustellen. Ob und in welchem Umfang das Wild seine ererbten Feindvermeidungsstrategien ge genüber den rückkehrenden großen Beute greifern anwenden kann, wird nicht zuletzt durch die Jagdweise und den Jagddruck des menschlichen Jägers bestimmt. Erfolg versprechende Verhaltensweisen zur Vermeidung des menschlichen (Ansitz-) Jä gers wie z. B. das Aufsuchen von Freiflächen erst im Schutz der Dunkelheit sind gegenüber den Wölfen nicht effektiv; Wölfe jagen nachts genauso gut wie am Tage. Dickungen sind für sie kein Hindernis, sie können ihre Beute dort mit der Nase aufspüren und noch eher überraschen als auf den Freiflächen. In jedem Räuber-Beute-System nutzen die Beutetiere den vorhandenen Lebensraum so, dass das energetische Kosten-Nutzen-Verhältnis zwi Mit Wölfen leben | 23
Das Rotwildkalb stellt für den Wolf eine leichtere Beute dar als ausgewachsene Tiere oder Hirsche. Trotzdem ist nicht jede Jagd für den Wolf erfolgreich.
schen Nahrungsaufnahme und Feindvermei dung am günstigsten ist. Unter natürlichen Bedingungen, z. B. ohne die Bejagung mit modernen Feuerwaffen, würde das aus Steppenlandschaften stam mende Rotwild beispielsweise auch tagsüber große Offenlandflächen, die gute Äsungs möglichkeiten bieten aufsuchen, wo es als Augentier natürliche Feinde schon von Wei tem erkennen und ihnen durch weiträumige Flucht entgehen kann. Es ist unter anderem die menschliche mehrere Monate im Jahr währende Ansitzjagd, die das tagaktive Rotwild zum nachtaktiven Waldtier macht. Schwarzwild verlässt sich vermutlich vor al lem auf seine Wehrhaftigkeit. Entsprechend erbeuten Wölfe in der Oberlausitz anschei nend überwiegend Frischlinge. Rehwild hat dem Wolf dagegen weder Körpergröße und -stärke noch raumgreifende Flucht entgegen zu setzen. Eine der Anpassungsstrategien dieser kleinen, solitär lebenden Schalenwild art besteht wahrscheinlich darin, räumlich und zeitlich möglichst unstet aufzutre ten. Dadurch erhöht sich für den Wolf der Suchaufwand – und für den zweibeinigen Jäger möglicherweise auch der Zeitaufwand beim Ansitz. 24 | Mit Wölfen leben
Geht man davon aus, dass ein vier- bis zehnköpfiges Wolfsrudel in der Lausitz auf durchschnittlich 25.000 Hektar (ha) (250km²) jagt, so ergibt sich eine Wolfs dichte von 0,02 bis 0,04 Tieren pro 100 ha. Zum Vergleich: auf 100 ha Jagdfläche kommt in Deutschland durchschnittlich ein Jäger. Das lässt vermuten, dass das Schalen wild sein Feindvermeidungsverhalten nach wie vor hauptsächlich nach dem mensch lichen Jäger richten wird. Innerhalb dieser Rahmenbedingungen wird es natürlich auch versuchen, sich an den grauen Jäger an zupassen. Nicht immer müssen die Feind vermeidungsstrategien, die das Wild den zwei- und vierbeinigen Jägern entgegen setzt, gegenläufig sein. So ist das Zusam menschließen von Rotwild zu großen Rudeln sowohl aus Gebieten mit Wölfen als auch ohne sie bekannt. Das Zusammenschließen zu sogenannten Großrudeln ist häufig ein lokales, vorübergehendes Phänomen, wel ches in erster Linie mit dem Nahrungsange bot zusammenhängt. Offene Äsungsflächen, z. B. Wiesen, Raps- oder Getreideflächen, bieten so viel attraktive Nahrung, dass sich dort viele Tiere zusammenfinden. Gleichzei tig kann man davon ausgehen, dass sich das Rotwild in einer größeren Gruppe wohler
Vertrauter Anblick von Rotwild während der Brunft im sächsischen Wolfsgebiet.
Im August 2009 beobachtet eine Ricke das Spiel ihrer drei Kitze. In derselben Zeit dient diese Wiese auch den 3 Monate alten Welpen des Welzower Wolfspaares als Spielplatz und Treffpunkt mit den Eltern. Dieses Territorium war erst im selben Jahr etabliert worden.
fühlt, denn viele Augen sehen mehr und Feinde tun sich schwer, ein Tier aus einer großen Gruppe zu selektieren. Damit wird das Risiko für das einzelne Tier verringert. Dies trifft sowohl auf den Jäger Wolf als auch auf den Jäger Mensch zu. Große Rot wildrudel sind grundsätzlich ein natürliches Phänomen, gleich ob Wölfe im Gebiet vor kommen oder nicht. Wölfe = Unruhe im Revier? Auch wenn die Schalenwildarten den Um gang mit dem Wolf nicht „verlernt“ haben, bedarf es sicherlich einiger Zeit, bis auch das einzelne Individuum dieses Verhaltensreper toire erfolgreich anwendet. Während dieser Zeit der Gewöhnung an den zurückgekehrten Beutegreifer ist es möglich, dass der Einfluss der Wölfe lokal stärker zum Tragen kommt
und deutlich spürbar ist. Möglicherweise wird das Wild in Wolfsgebieten räumlich und zeitlich weniger vorhersagbar, wodurch auch für den menschlichen Jäger eine Anpassung seiner Jagdmethoden nötig wird. Bereiche, die den Wölfen besonders gute Jagdbedingungen bieten, können vom Wild weniger häufig aufgesucht werden. Im sich kontinuierlich ausdehnenden sächsischen Wolfsgebiet wurde inzwischen allerdings des Öfteren beobachtet, dass sich das Schalen wild dort, wo die Wölfe jeweils neu sind, erstaunlich rasch an sie gewöhnt. Das „be sonnene“ Verhalten des Wildes weist darauf hin, dass es in der Lage ist, abzuschätzen ob ein vorbeiziehender Wolf gefährlich werden kann oder nicht. Im Rahmen einer Rotwild-Telemetriestudie der TU-Dresden (Nitze 2012) in der Ober Mit Wölfen leben | 25
Die künstliche Tränke wird sowohl von Wölfen, als auch von deren Beutetieren genutzt – wenn auch zu unterschiedlichen Zeiten.
lausitz wurden 14 adulte (erwachsene) Stück Rotwild mit Halsbandsendern markiert. Das Hauptuntersuchungsgebiet befand sich im Ostteil des Truppenübungsplatzes (TrÜPl) Oberlausitz und den südlich angrenzenden Offenlandbereichen. Dieser Bereich gehört zum Streifgebiet eines reproduzierenden Wolfsrudels („Daubitzer Rudel“). Durch die Verknüpfung von Telemetrie, Sichtbeobach tungen (inklusive Fotofallenmonitoring) und Risskartierung konnten erstmalig Aussagen zur Raumnutzung und zum Verhalten dieser Wildart in einem Wolfsgebiet in Deutschland gemacht werden. Es zeigte sich, dass auch in diesem Wolfsterritorium die für Rotwild geschlechtertypischen, saisonalen Raum nutzungsmuster mit vergleichbarer Flächen ausdehnung wie in wolfsfreien Gebieten existieren. Die Jahres-Aktionsräume (365-TageZeitraum) hatten beim männlichen Wild eine durchschnittliche Größe von ca. 1.300 ha (Kernel95cw) und bei weiblichen Tieren ca. 470 ha (Kernel95cw). Das Rotwild zeigte dabei über die Jahre eine hohe Raumtreue. Auch die zeitlichen Nutzungsmuster variier ten kaum. In der Regel war nur bei Hirschen eine deutliche, saisonale Trennung zwischen 26 | Mit Wölfen leben
Sommer-, Brunft- und Winter-Aktionsräumen nachweisbar. Diese ausgeprägte, arttypische Saisonalität begründet die grö ßere Dimension der Jahres-Aktionsräume des männlichen Rotwildes. Im Wolfsgebiet traten bei keinem der markierten Stücke kurz- oder langfristige Abwanderungsbewegungen aus dem bekannten Aktionsraum in andere Re gionen der Oberlausitz auf. Innerhalb des Aktionsraumes gab es aller dings kurzfristige Verschiebungen aufgrund von Störungen. Als Ursache sind neben den bekannten Faktoren Jagd- und Forstbetrieb, Waldbesucher und Pilzsucher natürlich auch Wölfe zu nennen. Auf die Anwesenheit von Wölfen reagierte das Rotwild wahrscheinlich meist nur bei direkter, lebensbedrohlicher Konfrontation mit Flucht. Den Telemetrie-Er gebnissen zufolge finden dann offenbar meist nur relativ kleinräumige Ausweichbewegungen innerhalb der tradierten Aktionsräume statt, die oft am nächsten Tag bereits wieder revidiert wurden. In einigen Jagdre vieren kann dies schon den Eindruck einer scheinbaren Abwesenheit des Rotwildes verstärken, obwohl das Rotwild eigentlich
nach wie vor in seinem angestammten Ak tionsraum unterwegs ist. Ähnliche Beobach tungen kann man aber auch in wolfsfreien Rotwildvorkommen machen. Weitere Verhal tensweisen waren erhöhte Aufmerksamkeit oder auch Verteidigungshandlungen, die als zufällige Beobachtungen aber immer schwer zu quantifizieren sind. Diese ersten Ergebnisse aus dem Wolfsgebiet beziehen sich vorrangig auf den Bereich um den TrÜPl Oberlausitz. Aufgrund der militäri schen Sicherheitsbestimmungen und der im Vergleich zu den umliegenden Offenlandbe reichen der Jagdpachtgebiete deutlich gerin geren jagdlichen Nutzung hat diese Fläche durchaus den Charakter einer „Wildruhe zone“. Das Wild steht tagsüber vorrangig im Waldgürtel des TrÜPl und ist oft auch in den frühen Vormittags- und Abendstunden tag aktiv. Erst nachts zieht es zur Äsung auf die Offenlandflächen. Der TrÜPl bietet also ge nug Fläche im jeweiligen Aktionsraum eines Tieres, um Störungen jedweder Art auszu weichen. In Rotwildlebensräumen außerhalb solcher großen „Ruhegebiete“ sind aufgrund der geringeren Anzahl sicherer Rückzugs bereiche durchaus häufigere Verschiebungen innerhalb des tradierten Aktionsrau mes denkbar. Zu langfristigen Auswirkungen können aber nur entsprechend langfristige Beobachtungsreihen Erkenntnisse liefern, die bisher aber noch nicht vorliegen. Nicht alle Änderungen im Verhalten und der Raumnutzung des Wildes, die in einem potenziellen oder bestehenden Wolfsgebiet
vermutet oder wahrgenommen werden, sind auch von den Wölfen verursacht. Gerade in Ostdeutschland ist es in den letzten 20 Jahren zu wesentlichen Veränderungen in der Bewirtschaftung der Forsten und Agrar flächen gekommen. Auch hat in einigen Gebieten die Erholungsnutzung durch das geänderte Freizeitverhalten der Bevölkerung zugenommen. Im sächsischen Wolfsgebiet ändern sich die Landschaften durch den ausgedehnten Braunkohletagebau großflä chig und rasant schnell. Der fortschreitende Tagebau entzieht dem Wild Einstands- und Äsungsflächen und neu ausgebaute Infra struktur wie zum Beispiel kilometerlange Förderbänder oder der intensive Straßen ausbau zerschneiden die Landschaft für die Wildtiere, vor allem das Rotwild. All diese Änderungen haben ihre Auswirkungen auf das Verhalten, die Raumnutzung und auch die Anzahl des Wildes. Bei der Vielzahl der Faktoren ist es außerordentlich schwierig zu klären, welche Ursache welche Wirkung her vorruft. Der Naturhaushalt und damit seine sämtlichen Bestandteile sind nicht statisch, sondern unterliegen ständig Schwankungen, Veränderungen und Entwicklungen. Wölfe = Verringerung der Schalenwildstrecke? Für viele Jäger und Förster ist die wichtigste Frage, wie die Wölfe das Wild zahlenmäßig beeinflussen. Wird langfristig weniger Wild zu erlegen sein, wenn Wölfe durch ihre Reviere streifen? Auf diese scheinbar so einfache Mit Wölfen leben | 27
Ende eines Jagdtages im Wolfsgebiet
Frage gibt es keine allgemein gültige Ant wort. Räuber-Beute-Systeme gehören zu den kompliziertesten in der Natur. Generell gilt: Beutegreifer regulieren die Häufigkeit ihrer Beutetiere, welche wiederum die Häufigkeit der Beutegreifer beeinflusst. Das Ausmaß des Einflusses von Beutegreifern auf ihre Beutetiere hängt von vielen Faktoren und deren Zusammenspiel ab. Habitat, Witterung, Nahrung, Konkurrenten und menschliche Bejagung sind nur einige der wichtigsten Parameter. Auch in Deutschland ist davon auszugehen, dass sich das Szenario von Ge biet zu Gebiet, je nach Spektrum der Scha lenwildarten und Intensität der menschlichen Jagd, nach der Forst- und Landbewirtschaf tung, nach der Landschaftsnutzung, nach der Dichte des Straßennetzes und nach der Erholungsnutzung unterscheiden wird. Erlegt der menschliche Jäger deutlich weni ger als den möglichen jährlichen Zuwachs des Schalenwildes, wie es in vielen Gebieten Deutschlands der Fall ist, können auch Wölfe im Revier jagen, ohne dass sich das in einem Rückgang der Schalenwildstrecken nieder 28 | Mit Wölfen leben
schlägt. Schöpft der Mensch bereits den ge samten jährlichen Zuwachs oder mehr ab, wird die Kombination von menschlicher und wölfischer Jagd zu einer Verringerung des Schalenwildes und der Jagdstrecke führen. Nach nunmehr fast 20-jähriger Anwesenheit von Wolfsrudeln in der sächsischen Lausitz zeigt dort die Entwicklung der Schalenwild strecken fast die gleichen Schwankungen und Trends wie diejenige in Regionen Sachsens ohne Wölfe. Da das Wolfsgebiet in jedem Landkreis jeweils nur einen Teil der Gesamt fläche einnimmt, wurde im Rahmen von Masterarbeiten an der TU Dresden (Forst zoologie) eine revierbezogene Jagdstre ckenanalyse (1998-2009) durchgeführt, bei der zwischen wolfsfreien und von Wölfen besiedelten Gebieten unterschieden wurde. Im Ergebnis ließen sich für diesen Zeitraum Schwankungen in der Jagdstrecke ebenfalls nicht allein auf Wölfe zurückführen. Vor allem harte oder milde Winter schlagen zu Buche. Seit dem Jagdjahr 2009 / 2010 ist nur beim Rehwild in den Landkreisen Bautzen und Gör
litz im Trend ein Rückgang der Jagdstrecken erkennbar. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die amtlichen Jagdstrecken allein nicht geeignet sind um Aussagen zur tatsächli chen Wildbestandshöhe ab zu leiten. Man muss bedenken, dass Jagdstreckenstatistiken nur ein Spiegel des menschlichen Jagder folges sein können, der von einer Vielzahl verschiedener Faktoren beeinflusst wird. So wirken Habitatveränderungen, unterschied liche Jagdstrategien/ -motivation, Witterung, Krankheiten oder Äsungsangebot genauso „unkontrolliert“ auf den Jagderfolg, wie zum Beispiel die Anwesenheit des Wolfes. Aus die sem Grund sind diese Daten eigentlich kein Mittel um den alleinigen Einfluss der anwe senden Wölfe auf die Schalenwildstrecken bzw. -bestandshöhen zum aktuellen Zeit punkt eindeutig nachzuweisen, da der Wolf als Prädator nur einer von vielen anderen regulierenden Faktoren ist. Ausnahmen Obwohl der Wolf die Anzahl des Schalenwilds reduzieren kann, rottet er seine natürlichen Beutetiere nicht aus. Sonderfälle sind vom Menschen künstlich angesiedelte Wildarten, die entweder aus Gegenden stammen, in de nen Wölfe nie vorkamen oder die bei uns in Lebensräumen angesiedelt wurden, die nicht ihren natürlichen Habitaten entsprechen. Mufflons z. B. ziehen sich bei Gefahr in ihrem natürlichen Lebensraum in steile, unzugängliche Felswände zurück. Im Flachland haben sie diese Rückzugsmöglichkeit nicht und stel
len so für die Wölfe eine leichte Beute dar. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass hier vom Menschen angesiedelte lokale Muffelwildpopulationen durch Wölfe wieder ausgelöscht werden. Konkurrent oder Partner? Möglicherweise wird der Abschuss von Schalenwild, vor allem von Rehkitzen bzw. Hirschkälbern in einigen Gebieten oder Jah ren geringer ausfallen. Auf der anderen Seite beeinflussen die Wölfe durch ihre selektive Jagd den Gesundheitszustand und die Al tersstruktur der Schalenwildpopulationen wahrscheinlich positiv. Bei der Jagd auf die lokal oft überhöhten Schwarzwildbestände kann der Wolf ein wichtiger Partner des Jä gers sein. Er ist in der Lage, den Rotten zu folgen und in günstiger Situation gezielt auch mehrere Frischlinge zu erbeuten, ohne durch die Nachtaktivität oder die oft unzugänglichen Aufenthaltsorte der Sauen in der Jagd eingeschränkt zu sein. Es liegt also im Auge des Betrachters, den Wolf als Konkurrenten oder Jagdpartner zu sehen. Zusammenfas send kann zur derzeitigen Situation in der Oberlausitz gesagt werden: Nach heutigem Kenntnisstand erbeuten die Wölfe bevorzugt Rehe, gefolgt von Rotwild und Schwarzwild. Während beim Rehwild bisher keine Selektion nach Altersklassen oder Geschlecht nach gewiesen werden konnte, greifen die Wölfe beim Rotwild und Schwarzwild vor allem in die Jugendklasse ein. Soweit dies anhand der vorliegenden Daten gesagt werden kann, ist Mit Wölfen leben | 29
Schwarzwildrotte auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz.
es bei keiner der drei Hauptbeutetierarten des Wolfes zu einem erheblichen Rückgang der Jagdstrecke gekommen. Einsatz von Jagdhunden Wölfe und Hunde sind einander sehr ähnlich. Eine Begegnung zwischen Wolf und Hund kann auf unterschiedlichste Weise verlaufen. So kann es sein, dass sie sich gegenseitig nicht weiter beachten, sie können sich als Konkur renten sehen oder sogar als Paarungspartner (siehe auch S. 60). Einige Jäger befürchten, dass in Wolfsgebie ten eine Gefahr für jagdlich geführte Hunde besteht. Begründet wird dies mit Beispielen aus Schweden, wo jährlich zwischen 20 und 40 Jagdhunde bei der Jagdausübung durch Wölfe getötet werden. Meist handelt es sich dabei um Hasenbracken und Elchhunde, wel che üblicherweise weiträumig und oft weit entfernt vom Jäger jagen. Trifft der Hund dann weitab von seinem Besitzer auf Wölfe, wird er von diesen als Eindringling in ihr Territorium 30 | Mit Wölfen leben
angegriffen. Nur selten war es der Fall, dass Wölfe die Hunde von sich aus verfolgten. Die Situationen in Skandinavien sind nur bedingt auf Deutschland übertragbar, da die Jagd mit Hunden bei uns eine andere ist. Hier werden Stöberhunde vor allem bei Ansitzdrückjagden eingesetzt, um das Wild innerhalb eines begrenzten Gebietes aus seinen Einständen aufzuschrecken, so dass die Jäger es beim Aufsuchen des nächsten Einstandes bejagen können. Die Hunde wer den dabei immer mit Menschen als Treiber zusammen auf der Fläche eingesetzt. Das ist der generelle Unterschied zu den Jagden in Skandinavien. In Deutschland hat es in den letzten fast 20 Jahren keinen vergleichbaren Fall gegeben wo ein Hund bei der jagdlichen Ausübung von Wölfen verletzt oder getötet wurde. Im sächsischen Wolfsgebiet finden alljährlich im Herbst Drückjagden statt, bei denen auch Stöberhunde eingesetzt werden. Dabei wurden schon öfter Wölfe beobachtet, ohne dass es zu Zwischenfällen mit Hunden kam. Das kann zum einen daran liegen, dass es bei diesen Jagden nur im Ausnahmefall dazu
kam, dass ein Hund aktiv einen Wolf verfolgt und gestellt hatte. Zum anderen haben die Wölfe durch die damit einhergehende Unruhe und das Gebell der Hunde die Möglichkeit, sich auf das Geschehen einzustellen und werden nicht plötzlich von einem Hund überrascht. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Anwesenheit von Wölfen grundsätzlich keine höhere Gefährdung für Jagdhunde mit sich bringt. Generell besteht für sie immer das Risiko bei der Jagdausübung verletzt oder getötet zu werden. In Deutschland kommen jährlich zum Beispiel einige Jagdhunde durch Wildschweine zu Tode, werden aus Versehen erschossen oder im Straßenverkehr überfah ren. In Bezug auf den Wolf sollten seitens des Jagdleiters bzw. des Hundeführers jedoch be stimmte Vorsichtsmaßnahmen ergriffen wer den. Die Hundeführer sollten im Voraus über die Anwesenheit von Wölfen und das damit verbundene Risiko informiert werden. Einige Jagdleiter in der Oberlausitz achten außer dem darauf, dass bei Drückjagden Hunde, die im Ausland bereits auf Großraubwild (Jagd auf große Beutegreifer) eingesetzt wurden, im Wolfsgebiet nicht zum Einsatz kommen. Hunde sollten erst ca. 20 Minuten nach Beginn des Treibens geschnallt (von der Leine gelas sen) werden. Auch ist es empfehlenswert, den Hunden Glocken oder Schellen umzuhängen. So wird den Wölfen Gelegenheit gegeben Ab stand von dem Geschehen nehmen zu können noch bevor die Hunde los laufen. Für Nachsuchen auf krankes Wild im Wolfs gebiet gilt, dass immer damit gerechnet wer
den muss, dass die Wölfe das Stück bereits gefunden haben und gegenüber Hunden als ihre Beute verteidigen. Je mehr Zeit seit der Jagd vergangen ist, desto größer ist die Wahr scheinlichkeit, dass ein verletztes Tier inzwi schen von Wölfen aufgespürt wurde. Auch bei der Nachsuche gilt: Die Anwesenheit des Menschen ist der beste Schutz für den Hund. Der Hundeführer sollte seinen Hund bei Ver dacht auf Wolfsanwesenheit erst bei Sicht kontakt schnallen. In der Regel werden Wölfe beim Nähern des Menschen Abstand nehmen. Sollten sich Wölfe beim verletzten oder toten Tier aufhalten, sollte man davon absehen diese zu vertreiben. Es ist nicht zu erwarten, dass ein Wolf, der an einem getöteten Beutetier überrascht wird, auf Menschen aggressiv reagiert. Ziehen Sie sich trotzdem vom Ort des Geschehens zurück und überlassen Sie dem „Jagdkollegen“ das Stück. Berücksichtigt werden sollte bei der Abrich tung und beim Führen eines Jagdhundes, den Hund nicht darin zu bestärken Wolfsfährten nachzugehen oder Wolfszeichen anzuzeigen. So kann vermieden werden, dass der Hund bei anderer Gelegenheit eine Wolfsfährte verfolgt, wie er das mit einer Hirsch- oder Wildschwein fährte auch tun würde, wodurch es zu einer Auseinandersetzung kommen könnte. Generell kann nicht ausgeschlossen wer den, dass auch in Deutschland Hunde beim Jagdeinsatz von Wölfen angegriffen werden. Die größere Gefahr für Jagdhunde geht jedoch auch im Wolfsgebiet vom Straßenverkehr und von Wildschweinen aus. Mit Wölfen leben | 31
Ein junger Wolf des Milkeler Rudels im Mai 2014.
32 | Mit Wรถlfen leben
Wie erkenne ich einen Wolf?
Wo Wölfe sich längere Zeit aufhalten, bleibt ihre Anwesenheit dem geübten Beobachter nicht verborgen. Wölfe hinterlassen deutli che Spuren in Form von Trittsiegeln, Losun gen (Kot) und getöteten Beutetieren (Risse). Im Winter lassen sich Urinmarkierungen, die Auskunft über den sozialen Status der vorhandenen Wölfe geben, im Schnee gut nachweisen. Unterschiede zwischen Wölfen und Hunden: In Deutschland gibt es rund 5 Millionen Hunde. Nicht selten kann man auch weit entfernt von menschlichen Siedlungen Hunde antreffen, die sich der Kontrolle ihrer Besitzer oft für mehrere Stunden entzogen haben. Einige Rassen können dabei durchaus mit Wölfen verwechselt werden. Im Folgenden werden die wichtigsten Un terscheidungsmerkmale von Wolf und Deut schem Schäferhund, einer der häufigsten Hunderassen in Deutschland, aufgelistet. Da rüber hinaus können vor allem die nordischen Hunderassen, wie Sibirischer Husky, Alaska Malamute, Alaska Husky, Westsibirische Laika sowie der Saarloos und der Tschechoslowa kische Wolfshund, nach Fellfärbung, Kör perbau und Laufverhalten leicht mit Wölfen verwechselt werden. Auch das Erscheinungsbild des Wolfes ändert sich zwischen Sommer und Winter stark! Oft entspricht nur der Wolf im Winterfell (statt
Im Winter können Wölfe durch das bu schige Winterfell recht kompakt wirken.
Sibirischer Husky – in der Regel sind sie kleiner, leichter und kurzbeiniger als Wölfe. Die Fellfärbung kann ähnlich sein, oft haben sie aber eine großflächige weiße Gesichtsmaske.
Im kurzen Sommerfell sehen Wölfe häufig besonders langbeinig und schlaksig aus.
Tschechoslowakischer Wolfhund – diese Hunderasse ist aus Wölfen und Schäferhunden gezüchtet worden, sie kann Wölfen extrem ähnlich sehen.
Mit Wölfen leben | 33
lich, dicht und lang behaart) dem typischen Bild. Im Sommerfell wirken Wölfe noch schmaler, langbeiniger und schlaksiger. Die Rute ist weniger buschig behaart, die Ohren wirken länger! Da Wölfe in Deutschland streng geschützte Tiere sind, sollte jeder Jäger bei Sichtung
EUROPÄISCHER WOLF
eines wolfsähnlichen Tieres bei dem auch nur geringste Zweifel bestehen, ob es sich nicht tatsächlich um einen Wolf handelt, von einem Abschuss absehen. Bitte melden Sie alle Sichtungen und andere Hinweise an die zuständigen Stellen. Die entsprechenden Adressen finden Sie am Ende der Broschüre.
DEUTSCHER SCHÄFERHUND
besonders im Sommerfell oft hager und schlaksig wirkend. Lange Beine, schmaler Brustkorb, eher quadratischer Rahmen. Widerristhöhe 60-80 cm.
kräftig und kompakt erscheinend, eher kurzbeinig mit breitem Brustkorb, dadurch deutlich rechteckiger Rahmen. Widerristhöhe bis 65 cm.
lange, gerade Rute mit schwarzer Spitze, meist herabhängend, sehr selten über dem Rücken getragen.
Rute deutlich länger als beim Wolf, meist säbelartig gebogen.
großer, breiter Kopf. Helle Färbung an der Unterseite des Fangs bis zur Kehle hinab. Das Gesicht häufig kontrastreich gefärbt, aber ohne Maske.
großer, eher schmaler Kopf mit dunklem Fang.
vergleichsweise kleine, dreieckige, immer aufrecht stehende Ohren.
große Stehohren.
meist helle Augen.
meist dunkle Augen.
Färbung grau, oft mit fahlgelblichem oder bräunlichem Einschlag, meist mit hellem Sattelfleck und dunkler Sattellinie im Schulterbereich.
Färbung schwarzbraun, schwarzgrau oder einfarbig schwarz.
34 | Mit Wölfen leben
Typische längliche Vorderpfote eines Wolfes.
Wolfsspuren erkennen Kaum zu unterscheiden: Trittsiegel von Wolf und Hund Die Pfoten von Wölfen und Hunden sind gleich aufgebaut. Die Vorderpfoten sind je weils größer und breiter als die Hinterpfo ten. In jedem Abdruck sind 4 Zehenballen mit Krallenabdrücken und ein Hauptballen zu sehen. Obwohl der Hauptballen an allen vier Pfoten gerade endet, ist das nur im Trittsiegel der Vorderpfoten auch zu sehen. Im Abdruck der Hinterpfote erscheint dagegen das hin tere Ende des Hauptballens meist konvex, da das Tier die Hinterpfoten weniger belastet und sie deshalb oft nicht vollständig abge drückt werden. Die Krallen sind beim Wolf kräftig und gerade ausgerichtet und meistens in der Spur gut zu erkennen. Viele Hundepfoten erscheinen runder und unregelmäßiger als die eher läng lichen und ebenmäßigen Wolfspfoten, die Krallen sind oft ungleich ausgerichtet und undeutlicher abgedrückt. Die Vorderpfote eines erwachsenen Wol fes misst ohne Krallen meist 8,5-9,5 cm, mindestens jedoch 8 cm in der Länge. Die individuellen Größenunterschiede können jedoch beträchtlich sein. In der Regel sind Rüden größer als Fähen und haben dement sprechend größere Pfoten. Als Richtwert gilt, dass die Vorderpfoten ca. 1 cm länger als breit und 1 cm länger als die Hinterpfoten sind.
Typische runde Vorderpfote eines Hundes. Es gibt jedoch durchaus auch Hunde mit wolfsähnlichen Pfoten.
Form und Größe einzelner Trittsiegel allein ermöglichen wegen der Variabilität der Hunde keinen sicheren Nachweis des Wolfes. Oft ist es nur bei typischen runden Hundepfoten sicher möglich, den Wolf auszuschließen. Wolfstypisch: der geschnürte Trab Wölfe bewegen sich sehr häufig und ausdau ernd im geschnürten Trab. Dabei setzt der Wolf jeweils die Hinterpfote einer Körperseite genau in den zugehörigen Vorderpfotenabdruck, so Mit Wölfen leben | 35
dass Doppelabdrücke entstehen. Diese werden in einer Reihe mit gleichmäßigen Abständen dazwischen hinterlassen – wie an einer Perl schnur aufgereiht (s. Foto). Je nach Körper größe eines Wolfes liegen die Schrittlängen etwa zwischen 1,10 und 1,50 m. Der geschnürte Trab ist die energiesparendste Fortbewegungsweise und im Gegensatz zum Haustier Hund typisch für das Wildtier Wolf. Die nordischen Hunderassen schnüren zwar öfter als andere Hunderassen, haben aber klei nere und z. T. auch rundere Pfoten als Wölfe. Vorsicht: In tiefem Schnee oder lockerem Sand laufen auch viele Hunde im geschnürten Trab. Dann ist eine Unterscheidung beson ders schwierig und man muss die Spuren über lange Strecken ausgehen, um sie zuordnen zu können. Auf flachem Untergrund laufen Hunde im Gegensatz zu Wölfen nur äußerst selten über weite Strecken in dieser Gangart. Im schrägen Trab läuft das Tier mit schräg gestellter Körperachse geradeaus. Dabei setzt es die kleineren Hinterpfoten jeweils auf der selben Seite schräg vor den Abdrücken der größeren Vorderpfoten auf. Es entstehen Zweiergruppen von Abdrücken mit jeweils gleichem Abstand dazwischen (s. Foto). Das Tier läuft in dieser Gangart schneller als im geschnür ten Trab was zu größeren Schrittlängen führt (etwa 130–180 cm). Den schrägen Trab benutzen auch Hunde häu fig. Allerdings wechseln Hunde im Gegensatz zu Wölfen auffallend oft zwischen den Gang arten. Eine typische Hundespur erscheint da 36 | Mit Wölfen leben
her oft verspielt und energieverschwenderisch. Dagegen verläuft eine typische Wolfsspur über lange Strecken in gleichmäßigem Trab. Der Spurverlauf weist nur wenige Schlenker und Richtungswechsel auf. Da dies auch für Hunde zutrifft, die neben dem Fahrrad oder hinter dem Auto herlaufen, ist bei jeder Spur bestimmung genaues Hinschauen geboten. Im Galopp setzen Wölfe und Hunde zuerst beide Vorderpfoten nacheinander auf, führen die Hinterbeine außen an den Vorderbeinen vorbei und setzen dann kurz nacheinander die Hinterpfoten auf. Im verhaltenen Ga lopp entstehen meistens Vierergruppen von Trittsiegeln (zuerst die beiden größeren Vor derpfoten-, dann die beiden kleineren Hinter pfotenabdrücke) jeweils mit einem größeren Abstand von einer Gruppe zur nächsten. Die Abdrücke der Hinterpfoten sind weniger tief als die der Vorderpfoten und sie haben oft einen deutlich größeren seitlichen Abstand zueinander. Im gestreckten Galopp liegen die vier Pfotenabdrücke fast in einer Linie hin tereinander, die Abstände gleichen sich an, und es sind keine Vierergruppen der Pfotenabdrücke mehr erkennbar (s. Foto). Diese Spur folge kann dann leicht mit dem geschnürten Trab verwechselt werden! Die einzelnen Pfoten sind im Galopp wegen der größeren Geschwindigkeit stärker gespreizt und die Krallen werden deutlicher abgedrückt als im Trab und Schritt. Bei Spuren dieser Gangart kann daher kaum zwischen Wolf und wolfsgroßem Hund unterschieden werden.
geschnürter Trab
schräger Trab
Galopp
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Wolfsverdacht: Wölfe laufen auch auf festem Untergrund lange Strecken im geschnürten Trab. Hunde tun dies nur selten und wenn, meist nur über kurze Distanzen. Schräger Trab und Galopp dagegen werden viel häufiger von Hunden benutzt als von Wölfen.
Mögliche Wolfsspuren dokumentieren Findet man eine Spur im geschnürten Trab, die von einem Wolf stammen könnte, ist es wichtig, den Spurverlauf über eine längere Strecke zu analysieren. Das richtige Doku mentieren der Spurenfolge kann helfen, im Nachhinein Klarheit über den Verursacher zu bekommen. Wichtig ist dabei, mindestens drei Schrittlängen und die Längen (ohne Krallen) und Breiten von mindestens drei verschie
Ein Wolf des Daubaner Rudels schnürt am Schilfgürtel entlang.
denen Doppeltrittsiegeln zu messen und zu protokollieren sowie folgende Aufnahmen zu machen: siehe Seite 39. Auf allen Fotos sollte ein erkennbarer Maß stab neben der Spur (möglichst ausgeklapp ter 2m-Zollstock) und neben den Trittsiegeln (Holzlineal oder auf dem Boden liegender Ab schnitt des Zollstocks) liegen. Protokollblätter zur Aufnahme einer möglichen Wolfsspur können beim LUPUS Institut (Adresse S. 63) angefordert werden.
Die Länge der Pfotenabdrücke wird ohne Krallen gemessen. Die Schrittlänge im geschnürten Trab wird von einer markanten Stelle eines Doppelabdruckes bis zur gleichen Stelle beim übernächsten Doppelabdruck gemessen.
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links: Überblick der Spur in der Landschaft rechts: Verlauf der Spur mit mehreren Trittsiegeln hintereinander
Spur nah perspektivisch unverzerrt mit zwei (oder drei) Doppeltrittsiegeln direkt von oben (Querformat, Füße ca. 10 cm vor mittlerem Doppeltrittsiegel positionieren und senkrecht nach unten fotografieren)
links: mindestens 3, am besten aber mehr als vier Doppeltrittsiegel nah senkrecht von oben (im Makro-Modus etwas heranzoomen) rechts: wenn möglich: mehrere einzelne Vorder- und Hinterpfotenabdrücke im Schritt oder im schrägen Trab am Anfang oder Ende derselben geschnürtenTrab-Spur.
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Wölfe setzen ihre Losungen gerne auf Wegen und an Kreuzungen ab, da sie auch der geruchlichen Markierung des Territoriums dienen.
Wolfslosungen enthalten meist Haare und Knochen der Beutetiere, zum Teil sogar Zähne und Hufe.
Losungen und Urinmarkierungen Wolfslosung (Wolfskot) enthält meist viele Haare des verzehrten Beutetieres und oft ziemlich große Knochenstücke. Sie ist meist mindestens 2,5 cm dick, oft über 20 cm lang und wird bevorzugt auf Wegen, Pfa den, Schneisen oder deren Kreuzungen abgesetzt. Wölfe nutzen diese Strukturen gerne zur Fortbewegung und platzieren dort ihre Losungen besonders auffällig, da sie der geruchlichen und optischen Markierung des Territoriums dienen. Alte Markierungen wer den regelmäßig durch neue ersetzt, weshalb man an den bevorzugten Routen und Auf enthaltsorten der Wölfe besonders häufig Losungen findet. Von Fuchslosung unterscheidet sich Wolfs losung durch ihre Größe und eine gröbere Struktur mit deutlich größeren Knochenstü cken. Die auffällige Art der Platzierung ist bei Fuchslosung allerdings sehr ähnlich. 40 | Mit Wölfen leben
Hunde setzen ihre Losung dagegen oft ab seits des Weges. Von der Form und Größe her ist Wolfslosung aber vom Kot großer Hunde nicht sicher zu unterscheiden, wenn letztere Wildtiere gefressen haben sollten. Anhand der in den Losungen enthaltenen Beutetierreste wie Haare, Knochenstücke und manchmal Schalen (Hufe) können Fachleute die gefressenen Beutetiere bestimmen (siehe S.17). In der schleimigen Außenhülle frischer Losungen sind abgestorbene Darmzellen ent halten, die es ermöglichen, einen genetischen Fingerabdruck des jeweiligen Tieres zu erstel len. So kann z. B. bestimmt werden, ob der Verursacher der Losung ein Wolf oder ein Hund war aber auch, wie viele Individuen in einem Gebiet mindestens leben. Dazu müs sen die frischen Losungen allerdings steril in (hochprozentigen) Alkohol konserviert werden.
Losungen dokumentieren Vermutliche Wolfslosungen können mit ei ner Beschreibung des Fundortes und Maßen (Durchmesser und Länge) sowie mit mindes tens einem Überblicksfoto des Fundortes und einer Nahaufnahme der Losung mit einem Zentimetermaßstab daneben dokumentiert, in einer beschrifteten Plastiktüte mit Anga ben zu Fundort, Funddatum und Finder ein gesammelt und zum LUPUS Institut gesendet oder bei den lokalen Ansprechpartnern abge geben werden. Die Adresse von LUPUS, sowie die Ansprechpartner in anderen Bundeslän dern finden Sie am Ende der Broschüre. Das LUPUS Institut versendet auf Anfrage auch Protokoll-Formulare zur Dokumentation von möglichen Wolfslosungen. Risse
Geschlechtsreife Wölfe, die ein Territorium besitzen, markieren dieses vor allem mit Urin. Er wird in kleinen Portionen überall im Gebiet – meist gegen Objekte gerichtet – abgesetzt.
Rüden setzen ihre Markierungen oft deutlich über dem Boden und über eine größere Fläche verteilt ab.
Wölfe sind sehr effiziente Schalenwildjäger. Sie greifen ihre oft recht wehrhaften Beu tetiere an, um sie zu töten und zu fressen. Sie beißen daher mit aller Kraft und gezielt zu, um schnell zu töten, denn so können sie Verletzungen durch ihr sich wehrendes Opfer am besten vermeiden. Mittelgroße Beutetiere wie z. B. Rehe werden häufig mit einem Biss in die Drossel getötet. Oft weisen sie außer den vier Eingriffslöchern der Fangzähne in der Decke keine weiteren äußeren Verletzungen auf. Von unerfahrenen Hunden getötete Tiere haben dagegen meist viele ungezielte und unterschiedlich schwere
Zu Beginn der Ranzzeit scheiden die Fähen einige Wochen lang Blut aus, das sich in Urinmarkierungen, an Schlafplätzen und Sitzstellen findet.
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Die tödlichen Bissverletzungen an der Kehle sind hier von außen sichtbar.
Die Wölfe fressen, wenn sie ungestört bleiben, ihre Risse schnell auf. Oft, aber nicht immer öffnen sie zuerst den Bauchraum der getöteten Tiere. Pansen und Darm werden allerdings nicht gefressen.
Verletzungen. Schaffen Hunde es, ein Tier zu Boden zu reißen und im Genick oder an der Kehle zu packen, schütteln sie häufig, wo durch große, ausgefranste Fangzahnlöcher 42 | Mit Wölfen leben
Mit welcher Kraft der gezielte Biss in die Drossel ausgeführt wurde, erkennt man nach dem Abschärfen an den massiven Unterhautblutungen.
Größere Beutetiere werden nach dem Riss oft vom Offenen in Deckung gezogen, teilweise über erstaunliche Distanzen.
entstehen. Nur wenige Hunde beherrschen die gezielte Tötungstechnik so gut wie Wölfe. Größeres, wehrhaftes Wild wird allerdings auch von Wölfen von verschiedenen Seiten
Sehr selten gelingt es den Wölfen in der Lausitz Hirsche zu töten, meist fressen sie junge oder weibliche Stücke. Die im Vordergrund sichtbare Verletzung am rechten Hinterlauf zwang diesen Hirsch, auf 3 Beinen zu laufen – so war er leichte Beute.
Rehe sind schnell verzehrt, man findet nur wenige Überreste. Bei solchen Funden ist es schwer, die genaue Todesursache zu ermitteln, wenn nicht Spuren im Schnee oder die telemetrische Überwachung der Wölfe die Diagnose ermöglichen. Kleinere Beutetiere wie Frischlinge oder Kitze werden oft komplett gefressen.
angegriffen und verletzt, bis es zu Boden gezerrt und getötet werden kann. Es muss dann nicht unbedingt einen gut sichtbaren Drosselbiss aufweisen. Die Verletzungen sind
Die Wölfe kehren in der Regel zum Riss eines größeren Beutetieres zurück, bis sie ihn vollständig verwertet haben. Das linke Bild zeigt den 1. Tag, das rechte den 2. Tag der Nutzung.
Das Knochenmark der großen Röhrenknochen zeigt die körperliche Verfassung der Beutetiere an: Bei gesunden, starken Tieren ist es weiß-gelblich und fest, bei solchen, die ihre letzten Reserven aufbrauchen, ist es rötlich und gallertartig.
aber immer schwer und gezielt mit viel Kraft ausgeführt. Da oft schon ein erheblicher Teil des Tieres gefressen worden ist, wenn der Riss gefunden wird, ist es häufig nicht mehr Mit Wölfen leben | 43
möglich, die genaue Tötungsart festzustel len. Als Faustregel gilt, dass Hunde meist nur wenig fressen, während Wölfe selbst innerhalb kurzer Zeit große Fleischmengen verschlingen. Haben mehrere Wölfe ein Beutetier getö tet, fressen sie es meist auch gemeinsam. Sie öffnen den Bauchraum und fressen das Muskelfleisch von Keulen und Schultern. Frische Risse von einzeln jagenden Wölfen können dagegen auch nur an Keule oder Schultern angeschnitten sein, ohne dass der Bauchraum geöffnet wurde. Manchmal werden auch einzelne Stücke von der Beute abgetrennt und versteckt. Bleiben die Wölfe ungestört, kommen sie oft über mehrere Nächte zum Riss zurück und nutzen diesen vollständig. Kleinere Beutetiere werden meist komplett verzehrt. Bei größeren bleiben aber die De cke, große Knochen und bei Wiederkäuern der Panseninhalt oder der komplette Pansen zurück.
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Risse dokumentieren Vermutliche Wolfsrisse können anhand der Protokollierung folgender Daten dokumen tiert und zur Bestätigung durch Experten weitergeleitet werden: ❙ L age, Anzahl und Schwere der Wunden ❙ L age, Größe und Anzahl der Bissverletzungen durch die Haut ❙ Durchmesser und Abstand der Eckzahn marken jeweils eines Kiefers ❙ Gefressene und fehlende Teile des Beutetieres ❙ Strecke, die das Beutetier ggf. verschleppt wurde ❙ Skizze des Rissortes bis zum ggf. Verschleppungsort Von diesen Parametern sollten möglichst auch Fotos mit einem passenden Zentime termaßstab darauf gemacht werden. Das LU PUS Institut (Adresse S. 63) versendet auf Anfrage auch standardisierte Protokollblätter zur Aufnahme von Wildtierrissen.
Der ehemalige Rüde des Milkeler Rudels MT4 „Rolf“ im Jahr 2009 kurz nach seiner Besenderung.
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Wölfe und Nutztiere
Sind Wölfe und Nutztierhaltung vereinbar? In vielen ländlichen Gebieten Europas leben Wölfe in relativ dicht besiedelter Kulturland schaft in unmittelbarer Nachbarschaft des Menschen. Dabei handelt es sich häufig um beliebte Urlaubsländer wie Spanien, Italien und Griechenland. Es klingt erstaunlich, doch Wölfe und die Haltung von Nutztieren schlie ßen einander nicht grundsätzlich aus. Wie die meisten Beutegreifer nutzen auch Wölfe nahezu jede sich bietende Chance, an leichte Beute zu gelangen. Entsprechend versuchen die Menschen seit Beginn der Viehhaltung, den Wölfen den Zugriff auf ihre Herden zu erschweren. Eine Reihe von Maßnahmen kann die Verluste an Nutztieren auf ein erträgliches Maß reduzieren.
bestimmte weder die Anzahl der in einem Gebiet vorkommenden großen Beutegreifer (Wolf, Luchs, Bär, Vielfraß) noch die Anzahl der Nutztiere die Höhe der Verluste. Entschei dend war jeweils, ob und wie die Nutztiere vor Angriffen der Beutegreifer geschützt waren. Das Einstallen der Tiere über Nacht, sowie die Verwendung von Elektrozäunen sind besonders wirksam, um Verluste zu vermeiden. In Regionen, in denen große Beutegreifer seit längerer Zeit ausgerottet sind, ging oft auch das Wissen um traditio nelle Schutzmaßnahmen wie z. B. den Ein satz von Herdenschutzhunden verloren. Mit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland macht es Sinn, die traditionellen Methoden des Herdenschutzes wieder bei uns einzufüh ren, und gleichzeitig moderne Elektrozäune zum Einsatz zu bringen.
In vergleichenden Untersuchungen über Nutztierverluste durch Raubtiere in ver schiedenen Regionen des heutigen Europa
Warum greifen Wölfe Nutztiere überhaupt an? Auch in wildreichen Gebieten kommt es hin und wieder zu Übergriffen von Wölfen auf Nutztiere. Es ist also keineswegs so, dass Wölfe domestizierte Tiere nur dann reißen, wenn sie nicht genügend wildlebende Beu tetiere finden. Sie jagen einfach die Tiere, die sie am leichtesten überwältigen können. Zwi schen aus menschlicher Sicht „erlaubten“ und „unerlaubten“ Beutetieren unterscheiden sie nicht. Ungeschützte Nutztiere sind besonders leicht zu erbeuten. Vor allem Schafe und Zie gen sind wegen ihrer geringen Körpergröße, ihrem kaum vorhandenen Ver
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Haus- und Nutztierschäden in Sachsen 2002 - 2018
Quelle: © Fachstelle Wolf
Quelle: © Fachstelle Wolf
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teidigungs- oder Fluchtvermögen und ihrer oft extensiven Freilandhaltung gefährdet. Jeder Schafhalter, der weiß, dass die Wölfe in seine Region zurückgekehrt sind, handelt gegenüber seinen Tieren verantwortungslos, wenn er diese ungeschützt auf der Weide lässt. Auch die Nähe zum Gehöft oder zum Ort ändert nichts daran, dass man den Scha fen und Ziegen einen Schutz bieten muss.
Statistik wurden sowohl Fälle gewertet, die eindeutig Wölfen zuzuordnen waren, als auch fragliche Fälle, bei denen Wölfe als Verursa cher nicht ausgeschlossen werden konnten.
Wölfe und Schafe in Sachsen
Insgesamt stieg die Zahl der Übergriffe auf Nutztiere seit 2002 mit zunehmender Aus dehnung des Wolfsgebietes. In Relation zu der Anzahl Wolfsrudel steigt die Zahl der Nutztierrisse jedoch nicht. Die Zahl der Über griffe ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. In den Jahren 2012 und 2013 war die Zahl der getöteten Nutztiere deutlich niedriger als 2011, obwohl die Anzahl der Wolfsrudel stieg. Somit ist kein direkter Zusammenhang zwi schen der Anzahl der Rudel und der Häufig keit von Nutztierrissen zu erkennen. Vielmehr ist entscheidend, ob ein adäquater Schutz der Tiere vorhanden ist. Die verstärkte Infor mation der Tierhalter in Verbindung mit der finanziellen Förderung von Herdenschutz maßnahmen, wie beispielsweise dem Kauf von Elektrozäunen, führte dazu, dass vieler orts die Schäden an Nutztieren auf ein ge ringes Maß zurückgingen. Allerdings können Wölfe auch den empfohlenen Standardschutz überwinden. Dies tritt in der Regel nur lokal auf und kann meist durch geeignete Gegen maßnahmen, wie zusätzliches Flatterband, unterbunden werden.
Seit dem Jahr 2002 kam es in Sachsen immer wieder zu Übergriffen von Wölfen auf Nutz tiere, vor allem auf Schafe und Ziegen. Bis Ende des Jahres 2018 wurden insgesamt 1650 getötete, verletzte oder vermisste Nutztiere im Freistaat Sachsen registriert. Bei dieser
In Gebieten, in denen sich Wölfe neu etablie ren, sind Übergriffe auf Nutztiere besonders häufig, da die Tierhalter meist nicht ausrei chend auf die neue Situation vorbereitet sind. Umso wichtiger ist eine breite und weiträu mige Information der Bevölkerung, u. a. zu
Rinder und Pferde sind von Natur aus recht wehrhaft und haben oft noch ein ausgepräg tes Herdenverhalten. Sie sind deshalb viel weniger gefährdet und werden von Wölfen vor allem dort angegriffen, wo Schafe und wilde Huftiere selten sind (Bsp. Gebiete in Spanien und Portugal). Meist werden dann Jungtiere oder einzeln gehaltene Rinder oder Pferde von Wölfen getötet. Übergriffe auf Neuweltkameliden (z. B. Al pakas) sind ebenfalls selten. Sie kamen im natürlichen Verbreitungsgebiet von Wölfen nicht vor, aber die Haltung dieser Tiere wird zunehmend häufiger. Die Tiere sind mittel groß und gelten als nicht besonders wehr haft, weshalb von einer gewissen Gefährdung auszugehen ist.
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Elektronetzzaun
Unterwühlschutz mit Knotengeflecht am Boden
Herdenschutzmöglichkeiten, schon im Vor feld der Ausbreitung des Wolfes.
Deshalb ist der Bodenabschluss des Zaunes besonders wichtig; er muss straff gespannt und lückenlos sein. Litzenzäune sollten mit mindestens 4 stromführenden Litzen ausge stattet sein. Der Abstand von der untersten Litze zum Boden bzw. zwischen den untersten drei Litzen sollte maximal 20 cm betragen. Ab der vierten Litze kann der Abstand zwischen den Litzen auf maximal 30 cm erhöht werden. Wölfe, die erst einmal einen nicht sachgemäß aufgestellten Elektrozaun überwunden haben, lernen wohlmöglich auch, gut aufgestellte Zäune hinter sich zu lassen. Dienen die Elekt rozäune als Nachtpferch, ist darauf zu achten, dass den Schafen ausreichend Platz bleibt, um innerhalb des Zaunes ausweichen zu können. Bei zu engem Koppeln besteht die Gefahr, dass die Herde in Panik gerät und ausbricht.
Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz für Nutztiere. Jeder Tierhalter kann aber ohne viel zusätzlichen Aufwand einiges tun, um seine Tiere vor Wolfsangriffen wirksam zu schüt zen. Der folgende Abschnitt stellt Maßnah men zur Schadensvorbeugung vor, die sich seit mehreren Jahren in Sachsen als Schutz gegen Wölfe bewährt haben. In Sachsen ist die Einhaltung der Mindest schutzstandards gleichzeitig Voraussetzung für den Ausgleich von eventuell auftretenden Schäden. Bewährte Schutzmaßnahmen Zäune In der Lausitz ist das Koppeln von Schafen mit Elektrozäunen weit verbreitet. Korrekt angewendet sind sie für die Wölfe eine bei Berührung schmerzhafte Barriere. Wölfe versuchen üblicherweise unter einem Zaun durchzuschlüpfen statt darüber zu springen.
Um dem derzeit in Sachsen gültigen Standard für den Mindestschutz zu entsprechen (siehe S. 53), müssen Elektrozäune mind. 90 cm hoch sein. Wie Erfahrungen aus anderen eu ropäischen Ländern zeigen, ist allerdings eine Höhe der Elektrozäune von mindestens 110 cm empfehlenswert. Außerdem kann die optische Wahrnehmbarkeit des Elektronetzzaunes für Mit Wölfen leben | 49
Unterwühlschutz mit stromführender Litze
Flatterband
Wölfe und Wild durch in das Netz eingezogene vertikale breite Plastikstreben erhöht werden. Dies ist vor allem zu empfehlen, wenn die Elektronetzzäune nicht in Kombination mit Herdenschutzhunden (siehe S. 52) eingesetzt werden. Alternativ können auch mindestens 120 cm hohe feste Zäune aus Maschendraht oder Knotengeflecht mit einem festen Boden abschluss (Spanndraht) eingesetzt werden. Hier besteht allerdings die Gefahr, dass diese von Wölfen untergraben werden. Unterwühlschutz bei Zäunen ohne Stromführung Bei Zäunen ohne Stromführung, z. B. bei Knotengeflecht, wie sie oft bei Wildgattern eingesetzt werden, ist ein Unterwühlschutz empfehlenswert. Einerseits kann ein ca. 100 cm breiter Streifen Knotengeflecht außen vor dem Zaun flach ausgelegt, mit Bindedraht mit dem bestehenden Zaun verbunden und mit Erdankern am Boden fixiert werden. Ande rerseits können stromführende Drahtlitzen (mind. 2500 V) mittels Isolatoren 20 cm über dem Boden am Zaun befestigt werden. 50 | Mit Wölfen leben
Beim Einsatz von Zäunen sollten folgende Grundsätze zur Weidesicherheit Anwendung finden: ❙ Die Funktionsfähigkeit des Weidezauns sollte täglich geprüft werden. ❙ Gräben oder Gewässer müssen immer ausgekoppelt werden – über offene Gräben können Wölfe leicht in die Umzäunung eindringen. ❙ Bei allen Elektrozäunen muss auf eine gute Erdung geachtet werden. ❙ Elektrozäune dürfen außerhalb der Weidesaison nicht ohne Stromversor gung stehen bleiben, da Wölfe sonst leicht erlernen können, dass diese Zäune überwindbar sind. ❙ Elektrozäune sollten nicht durchhängen, sondern die Mindesthöhe auf der gesam ten Koppellänge aufweisen. ❙ Von angrenzenden Böschungen oder anderen Erhebungen sollte genügend Abstand gehalten werden, da sie als Einsprunghilfe dienen können.
❙ Wenn kein geeigneter Zaun vorhanden
ist, wird über Nacht eine Unterbringung der Nutztiere im Stall oder in einem gesicherten Nachtpferch empfohlen. Weitere Hinweise zur Gewährleistung der allgemeinen Weidesicherheit bietet die Broschüre „Sichere Weidezäune“ vom aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Ver braucherschutz e. V. „Flatterband“ In Gebieten, in denen es einzelne Wölfe ler nen, über die Zäune zu springen, kann der Einsatz von Breitbandlitze („Flatterband“) erforderlich werden, die ca. 30 cm über dem Elektrozaun gespannt wird. Die Litze selbst muss keinen Strom führen, da sie nur eine optische Barriere darstellen soll. Darüber dass und in welchem Gebiet ggf. ein „springender Wolf“ zusätzliche Schutzmaßnahmen erfor derlich macht, informiert die Fachstelle Wolf. Rinder und Pferde Aufgrund der Seltenheit von Wolfsübergriffen auf Rinder und Pferde gibt es, anders als für Schafe und Ziegen, in keinem west- und mit teleuropäischen Land spezielle, als Mindest schutz vorgeschriebene Schutzmaßnahmen für Rinder- und Pferdeherden. Empfohlen wird allerdings, Kälber, Jungrinder und Fohlen nicht alleine, sondern zusam men mit erwachsenen Tieren auf der Weide zu halten. Außerdem sollte die Einzäunung so beschaffen sein, dass die Tiere innerhalb der Koppel bleiben. Dies ist schon allein aus Gründen der Weidesicherheit anzuraten.
Herdenschutzhunde beschützen die Herde gegen jede Bedrohung.
Sie wachsen mit den Schafen auf und entwickeln so schon als Welpen die soziale Bindung zur Herde, die den Grundstein für den späteren Schutz legt.
Hierfür sind stromführende Zäune, z. B. Lit zenzäune, gut geeignet. Möchten Rinder- oder Pferdehalter ihre Koppel „wolfssicher“ einzäunen, ist ein stromführender Litzenzaun bestehend aus mindestens 4 Litzen, wie oben beschrieben, empfehlenswert. Mit Wölfen leben | 51
Herdenschutzhunde Eine der ältesten Schutzmethoden für das Vieh ist der Einsatz von Herdenschutzhun den. Während die kleineren, agilen Hüte- und Schäferhunde die Aufgabe haben, die Schafe in die vom Schäfer gewünschte Richtung zu treiben, sind die großen und wehrhaften Herdenschutzhunde allein dafür zuständig, die Herde gegen Angreifer zu verteidigen. Sie werden bereits im Welpenalter mit den Scha fen sozialisiert und bleiben Tag und Nacht bei der Herde. Die Hunde empfinden die Schafe deshalb als ihresgleichen und verteidigen sie. Gut ausgebildete Hunde stellen einen sehr effektiven Schutz der Herde vor zwei- und vierbeinigen Viehräubern dar. Bis die Hunde mit ca. 1,5–2 Jahren zuverlässig arbeiten, muss der Schäfer allerdings einen nicht zu unter schätzenden Betreuungsaufwand leisten. Pro Schafherde sollten mindestens zwei er wachsene Herdenschutzhunde eingesetzt werden. Ob weitere Hunde notwendig sind, hängt neben der Herdengröße vor allem von der Größe der Koppel ab. Größere, un übersichtlichere Koppeln, in denen sich die Herde verteilt, erfordern mehr Hunde. Einige Schäfer in Deutschland arbeiten bereits mit Herdenschutzhunden. Die Tiere stammen meist aus bewährten Arbeitslinien aus der Schweiz und Frankreich und werden bei uns zusätzlich zu Elektrozäunen eingesetzt. Die Fachstelle Wolf und der Sächsische Schafund Ziegenzuchtverband e. V. verschaffen bei Interesse Kontakt zu Schafhaltern, die bereits Erfahrungen mit Herdenschutzhunden haben.
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Lappenzaun
Gut arbeitende Herdenschutzhunde schützen nicht nur zuverlässig gegen Wolf und Luchs, sondern auch gegen wildernde Hunde und Wild, das die Zäune umrennt. Nach Erfah rungen aus anderen Ländern Europas stellen Herdenschutzhunde in Kombination mit Elek trozäunen den bestmöglichen Schutz gegen Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere dar. In letzter Zeit gibt es immer mehr Berichte über den Einsatz von weiteren Herden schutztieren. In einigen Ländern werden zum Teil Esel oder Lamas zum Schutz von Schafherden bspw. vor Coyoten eingesetzt. Ihre Schutzwirkung gegenüber dem Wolf ist allerdings umstritten. Lappenzaun Als kurzfristige Übergangslösung kann ein Lappenzaun für Schutz gegen Übergriffe von Wölfen sorgen. Er besteht aus einer Schnur mit daran in ca. 50 cm Abständen befestig ten Stofffähnchen, die um eine gefährdete Herde gespannt wird. Da sich die „Lappen“ im Wind bewegen und für Wölfe ein nicht ein zuschätzendes Hindernis darstellen, trauen
sie sich nicht auf Anhieb, den Lappenzaun zu überwinden. Um zu verhindern, dass sich die Wölfe an den Lappenzaun gewöhnen und lernen, dass sie ihn gefahrlos passieren können, sollte er nur über wenige Tage an derselben Stelle eingesetzt werden bis eine passende, längerfristige Schutzmaßnahme gefunden ist. Lappenzaun, aber auch anderes Weidezaunmaterial kann im Notfall kurz fristig und kostenlos bei der Fachstelle Wolf ausgeliehen werden. Mindestschutz in Sachsen Voraussetzung für einen Anspruch auf Scha densausgleich bei einem Wolfsübergriff ist die Einhaltung des geforderten Mindest schutzes bei Schafen, Ziegen und Gatterwild beziehungsweise eines zumutbaren Schutzes der Tiere, wie er den Haltungsbedingungen der jeweiligen Art entspricht. Folgende Kriterien gelten als Mindestschutz: ❙ Mindestens 90 cm hohe, stromführende Elektrozäune (Flexinetze oder4-Litzen zäune, mind. 2000 Volt) ❙ Mind. 120 cm hohe, feste Koppeln aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material, mit festem Bodenab schluss (Spanndraht), die aufgrund ihrer Bauart ein Durchschlüpfen von Wölfen verhindern. In Gebieten, in denen Wölfe bekannt sind, die den Elektrozaun überspringen, kann zu sätzlich ein Flatterband, das 30 cm über dem
Elektrozaun angebracht wird, vorübergehend zum Mindestschutz erklärt werden. Die Mitteilung wird vom Wolfsmanagement ortsüblich bekannt gemacht. Kommen Her denschutzhunde zum Einsatz, kann auf das Flatterband verzichtet werden. Förderung von Schutzmaßnahmen Im gesamten Freistaat Sachsen haben Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern die Möglichkeit, sich im Rahmen der Förderrichtlinie „Natürliches Erbe“ Herdenschutzmaßnahmen fördern zu lassen. Förderfähige Maßnahmen sind für Schaf- und Ziegenhalter die Anschaffung von Elektrozäunen, Flatterband und Her denschutzhunden und für Betreiber von Wildgattern die Anschaffung und Installation von Unterwühlschutz. Der Fördersatz liegt seit dem 01.01.2019 bei 100 % der Anschaf fungskosten. Auf der Internetseite des Sächsischen Staats ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft – www.smul.sachsen.de/foerderung – sind die Richtlinie und die Antragsformulare er hältlich. Zur Antragsstellung sind die Formulare auszufüllen, zu unterzeichnen und bei der Bewilligungsbehörde, dem Sächsischen Lan desamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) einzureichen: Mit Wölfen leben | 53
Von großen Hunden getötetes Schaf. Es weist viele ungezielte Bisse am Kopf und ein gebrochenes Genick auf.
❙ Sächsisches Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Abt. 3 – Förderung, Agrarrecht Ref. 31 – Investitionsförderung Landwirt schaft Postfach 54 01 37 01311 Dresden Als Anlage ist vom Antragsteller ein Kosten angebot zu den geplanten Materialien und Leistungen beizufügen. Bei Fragen zur Antragstellung stehen die Mitarbeiter der Bewilligungsbehörde zur Verfügung (siehe Kapitel „Wichtige Adres sen“ S. 63). Was tun im Schadensfall? Auch die besten Schutzmaßnahmen gegen Wolfsangriffe garantieren keine hundertpro zentige Sicherheit. Tritt also ein Schadensfall ein, der von Wölfen verursacht sein könnte, 54 | Mit Wölfen leben
wenden Sie sich bitte umgehend, inner halb von 24 Stunden an die Fachstelle Wolf (siehe Kapitel „Wichtige Adressen“). Hierfür steht eine kostenlose Hotline zur Verfügung: 0800 555 0 666. Die zuständigen Fachleute organisieren dann die Begutachtung der ge rissenen Nutztiere. Wichtig ist, dass bis zum Eintreffen eines Gutachters möglichst keine Veränderungen vorgenommen oder Spuren zerstört werden. Neben den Spuren am Körper des getöteten oder verletzten Nutztieres können Trittsie gel und Losungen (Kot) in der Nähe wichtige Anhaltspunkte für die Identifizierung des Ver ursachers liefern. Der Kadaver des Nutztieres sollte bis zum Eintreffen des Gutachters zum Schutz vor Aasfressern, wie Fuchs oder Kolk rabe, z. B. mit einer Plastikfolie abgedeckt werden. Der Gutachter untersucht die Tiere und ver fasst ein entsprechendes Protokoll für die zuständigen Stellen, in dem u. a. die Verursa cherfrage geklärt wird. Kommt der Gutachter zu dem Schluss, dass Wölfe für den Schaden verantwortlich, oder zumindest nicht aus zuschließen, sind, kann Schadensausgleich beantragt werden. Schadensausgleich Schäden an Nutztieren, bei denen der Wolf als Verursacher nicht ausgeschlos
Ein von Wölfen getötetes Schaf. Äußerlich sind fast keine Verletzungen zu sehen, nur ein bisschen blutige Wolle deutet auf den Kehlbiss hin.
Nach dem Abhäuten der Haut am Hals treten die massiven, tiefen Bissverletzungen in diesem Bereich zutage, die gezielt und mit großer Kraft ausgeführt wurden.
sen werden kann, werden im Freistaat auf Grundlage von § 40 Abs. 6 Sächs. NatSchG finanziell ausgeglichen. Voraussetzung dafür ist die Einhaltung der Kriterien des Mindestschutzes (siehe S. 53) durch den Tierhalter und die zeitnahe Meldung des Schadens (innerhalb von 24 Stunden) an die Fachstelle Wolf (siehe Kapitel „Wichtige Adressen“).
ters ab. Die dafür anfallenden Gebühren sind nicht im Schadensausgleich enthalten. Bei der Festsetzung der Gebühren wurde berück sichtigt, dass die Kosten für die Beseitigung von Nutztieren teilweise vom Zweckverband für Tierkörperbeseitigung Sachsen getragen werden.
Ausgeglichen werden Schäden, die vom Wolf verursacht wurden: ❙ S chäden an Nutztieren einschl. Herden schutz- und Hütehunden (Die Schadens höhe wird durch das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie auf der Basis von aktuellen Richtlinien er mittelt.) ❙ s onstige Sachschäden, die infolge des Übergriffs z. B. an Schutzzäunen entstehen ❙ T ierarztkosten ❙ Arbeitskosten für die Suche Die Tierkörperbeseitigungsanstalt transpor tiert die toten Nutztiere im Auftrag des Hal Mit Wölfen leben | 55
Wรถlfe haben generell kein Interesse an Menschen. Bei einer Begegnung reagieren sie vorsichtig, aber nicht extrem scheu.
56 | Mit Wรถlfen leben
Wolf und Mensch
Nach langer Abwesenheit müssen wir uns wieder an die Anwesenheit von Wölfen in un serer Nachbarschaft gewöhnen. Die meisten Menschen kennen den Wolf nur aus Tierparks bzw. Zoos, aus alten Geschichten, Mythen und Märchen oder aus Abenteuerfilmen. Aus fernen Epochen und Kulturen sind Ge schichten über den Wolf bekannt in denen er als geschickter Jäger bewundert wird oder als soziales Tier Vorbildfunktion hat. Das bis heute aber gängigste Bild welches Geschich ten zeichnen ist das „vom bösen Wolf“. Dieses Bild entstand vor allem im Mittelalter in Eu ropa als Übergriffe auf Nutztiere, Konkurrenz um Beutetiere und Angst vor Tollwut zu einer negativen Einstellung der Menschen gegen über dem Wolf führten. Dieses negative Bild beeinflusst bis heute die Art und Weise wie der Wolf häufig wahrgenommen wird und sorgt für Ängste und Vorurteile. Gefahr für den Menschen? Wölfe verhalten sich von Natur aus vorsichtig dem Menschen gegenüber, weshalb sie selbst in unserer Kulturlandschaft ohne Jagddruck eine Begegnung mit den Menschen meiden. Meistens weichen die Wölfe aus, noch ehe wir sie bemerkt haben. Deutlich wahrscheinlicher ist im Wolfsgebiet eine zufällige Beobachtung zum Beispiel vom Auto aus, wenn ein Wolf eine Straße überquert. Umfassende Informationen zum Gefahren potenzial von Wölfen liefert die 2002 vom Norwegischen Institut für Naturforschung
(NINA) veröffentlichte Studie „The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans“. Darin wurden Berichte über Wolfsangriffe auf Menschen und ihre Ursachen in Skandi navien, Mitteleuropa, Asien und Nordame rika zusammengetragen und ausgewertet. Demnach sind Übergriffe von Wölfen auf Menschen grundsätzlich sehr selten. In der Vergangenheit gab es nur einzelne Fälle, in denen gesunde Wölfe einen Menschen ange griffen oder gar getötet haben. Wolfsangriffe auf Menschen lassen sich vor allem auf drei Ursachen zurückführen: Tollwut, Provokation und Futterkonditionierung. Tollwut, eine tödlich verlaufende Viruser krankung, die in früheren Zeiten als Hauptursache für Wolfsangriffe galt, ist in Deutsch land seit 2008 ausgerottet und gilt auch in den angrenzenden Ländern durch die Im munisierung des Fuchses als weitestgehend bekämpft. Auch die Provokation eines Wolfes ist unter den heutigen Gegebenheiten eine eher un wahrscheinliche Gefahrenursache, da sie laut der Studie vor allem Tierhalter betraf, die mit Knüppeln oder Heugabeln Wölfe in die Enge trieben, um ihre Nutztiere zu schützen bzw. Jäger die Welpen aus dem Bau holten. Die in unserer gegenwärtigen Kulturland schaft am ehesten mögliche Ursache für ge fährliches Verhalten von Wölfen gegenüber Menschen ist eine starke Gewöhnung an die Nähe von Menschen (Habituation) verbun den mit positiven Reizen wie z. B. Füttern Mit Wölfen leben | 57
Dieser Wolf wurde 2006 beim Tierheim in Graustein östlich von Spremberg fotografiert, als er über Ackerflächen zwischen den zerstreut liegenden Häusern am Ortsrand lief. Auffällig war dieses Verhalten nicht – es wäre es erst geworden, wenn derselbe Wolf sich immer wieder im Hellen in derselben Streusiedlung gezeigt hätte.
(Futterkonditonierung). Futterkonditionierte Wölfe unterscheiden sich dahingehend von anderen Wölfen, dass sie sich aufgrund von positiven Reizen für Menschen interessie ren und aktiv deren Nähe suchen. Bleiben die erwarteten positiven Reize (z. B. Futter) aus, kann das dazu führen, dass die betrof fenen Wölfe aufdringliches, dreistes und schlimmstenfalls aggressives Verhalten entwickeln. Um Missverständnissen vorzubeugen: Alle Wildtiere, also auch Wölfe, die in Kultur landschaften leben, müssen sich zu einem gewissen Maße an die menschliche Anwe senheit gewöhnen (Habituation). Sie lernen Menschen und menschliche Aktivitäten im gewissen Umfang zu tolerieren. Schließlich kennen die in Ländern wie Spanien, Polen oder auch Deutschland aufgewachsenen Wölfe Menschen. Sie sind an deren Geruch, Geräusche und vereinzelt auch an deren Anblick gewöhnt. Eine solche Gewöhnung führt nicht per se zu problematischem Ver 58 | Mit Wölfen leben
halten. Wenn Wölfe die Erfahrung gemacht haben, dass die Wahrnehmung menschlicher Präsenz ohne negative Konsequenzen ver läuft, reagieren sie bei Begegnungen mit Menschen und Fahrzeugen in der Regel vor sichtig, aber nicht extrem scheu. Sie bleiben dem Menschen gegenüber argwöhnisch und nähern sich im Regelfall nicht aktiv an. Sie zeigen sich typischerweise desinteressiert und traben meist ohne übermäßige Hast davon. Wölfe, die in Kulturlandschaften leben, müs sen damit umgehen, dass es überall in ihrem Lebensraum menschliche Siedlungen gibt. Es bleibt daher nicht aus, dass sie – wie andere Wildtiere auch – an diesen vorbei laufen oder – bei Streusiedlungen – auch gelegentlich hindurch. Das kommt auf Grund der überwie genden Nacht- und Dämmerungsaktivität des Wolfes vor allem im Schutze der Dunkelheit vor. Die Haltung von Schafen und Ziegen in Siedlungen und an Gehöften ohne geeignete Umzäunung bietet daher insbesondere über
Wenn es zu einer Wolfsbegegnung kommt, bleibt der Wolf häufig kurz stehen bevor er davon geht.
Nacht keinen sicheren Schutz. Vereinzelt kön nen Wölfe jedoch auch im Hellen im Sied lungsbereich gesehen werden, ähnlich wie dies von Füchsen, Rehen oder Wildschweinen bekannt ist. Dies gehört ebenso zum normalen Verhal tensrepertoire, wie die Tatsache, dass Jung wölfe durch ihre Neugierde und Naivität bisweilen eine geringere Fluchtdistanz zu Menschen aufweisen als erwachsene Wölfe. Dieses Verhalten macht die in der Kul turlandschaft lebenden Wölfe nicht ge fährlicher als ihre Artgenossen, die in menschenleeren Gebieten leben oder die bejagt werden, wie auch Erfahrungen aus anderen Ländern belegen. Wichtig ist, dass die Wölfe keine direkten positiven Erfahrun gen mit der Nähe von Menschen verknüpfen (Konditionierung, s. oben). Wolfsgebiete, die ähnlich dicht mit Menschen besiedelt sind wie die Wolfsgebiete in Deutschland, und in denen ebenfalls keine (legale) Jagd auf Wölfe stattfindet, gibt es zum Beispiel in
Italien und Polen. Auch in diesen Gebieten gibt es keine Hinweise darauf, dass Wölfe ihre Vorsicht vor Menschen verlieren. Glei ches gilt für Wölfe, die in Nationalparks mit hohem Besucheraufkommen aufwachsen und die keine negative Erfahrung mit Men schen gemacht haben. Wolfsbegegnung – wie verhalte ich mich? Wenn Sie im Wolfsgebiet zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, ist eine Be gegnung mit Wölfen zwar selten, aber nicht auszuschließen. Begegnungen auf unter 100 m finden in der Regel dann statt, wenn die Wölfe den Menschen z. B. wegen entspre chender Windverhältnisse noch nicht bemerkt haben. Wenn sie den Menschen wahrnehmen, fliehen die Wölfe meist nicht panisch, sondern orientieren sich zunächst einen Augenblick lang und ziehen sich dann zurück. Unter allen dokumentierten Wolfssichtungen in der Mit Wölfen leben | 59
Sachsen waren nur einige wenige, in denen sich Wölfe Menschen genähert haben, obwohl sie ihre Anwesenheit schon bemerkt hatten. Meistens handelte es sich in diesen Fällen um unerfahrene, neugierige Jungwölfe oder es überwog vor dem Fluchtimpuls vor dem Menschen das Interesse der Wölfe für Hunde oder Schafe in der Nähe der jeweiligen Person. Grundsätzlich gilt, dass man sich bei einer Begegnung ruhig verhalten und Abstand hal ten sollte. Wenn der Wolf sich nicht zurück zieht und Ihnen die Situation nicht geheuer ist, sprechen Sie laut oder klatschen Sie in die Hände, um sich bemerkbar zu machen. Rennen Sie nicht davon, dies könnte ein Ver folgungsverhalten des Tieres auslösen. Sollte der Wolf sich Ihnen wider Erwarten nähern, bleiben Sie stehen und machen Sie sich groß, versuchen Sie ihn einzuschüchtern. In einem solchen Fall sollten Sie eher einen Schritt auf das Tier zu als zurückgehen. Wölfe sind, wie auch Wildschweine, große wehrhafte Wildtiere. Begegnen Sie Ihnen mit Respekt. Versuchen Sie nicht, sich einem Wolf anzunähern und schon gar nicht, ihn anzulo cken. Lassen Sie ihm Raum für den Rückzug. Füttern Sie Wölfe unter keinen Umständen und lassen Sie keine Essensreste liegen. Die instinktive Vorsicht, die Wölfe Menschen ge genüber zeigen, kann verloren gehen, wenn die Tiere positive Reize vom Menschen erfah ren. Daraus kann ein problematisches oder sogar aggressives Verhalten des Wolfes ent stehen. Dies ist jedoch ein längerer Prozess und wird nicht über Nacht entstehen. 60 | Mit Wölfen leben
Aus diesem Grund ist es wichtig, Begegnun gen mit Wölfen dem Wolfsmanagement zu melden. Auffälliges Verhalten kann so früh zeitig erkannt und entsprechend dem Ma nagementplan für den Wolf reagiert werden. Wenn Wolf und Hund aufeinander treffen Wölfe sind die Vorfahren unserer Hunde und können noch immer mit ihnen kommunizie ren. Gerade die Tatsache, dass Wölfe Hunde häufig als Artgenossen ansehen, kann je doch problematisch sein. Hunde verhalten sich in der Regel eben nicht wie Wölfe, was zu „Missverständnissen“ führen kann, die für den Hund unter Umständen tödlich verlau fen. So hinterlassen erwachsene Hunde z. B. überall ihre Markierungen, unabhängig von einem territorialen Anspruch – sie signali sieren damit eher „ich war hier und ich bin ein ganz besonders toller Hund“ als „dies ist mein Territorium“. Die Wölfe, in deren Territorium die Hunde unterwegs sind und markieren, können dies dann aber als „Pro vokation“ empfinden, da für sie das Markie ren mit einem territorialen Anspruch zu tun hat. Solange Wölfe und Hunde dabei nicht direkt aufeinander treffen, da die Hunde meist tagsüber und in der Nähe der Dörfer unterwegs sind und die Wölfe eher nachts, ist dies kein Problem. Die Markierungen des jeweils anderen werden einfach immer wieder „überschrieben“ – d. h. man kennt einander, nutzt das gleiche Gebiet, aber zu unterschiedlichen Zeiten.
Die weitaus meisten Hunde in Wolfsgebieten werden nie in direkten Kontakt zu Wölfen kommen und selbst wenn, dann sind sie in der Regel in direkter Nähe zum Menschen, dessen Anwesenheit ihnen Schutz bietet. Allerdings muss die Begegnung zwischen Wölfen und Hunden auch nicht zwangsläu fig aggressiv verlaufen. Es kann durchaus auch vorkommen, dass Wölfe und Hunde sich verpaaren. Die wilden Nachkommen einer solchen Verpaarung (Hybriden) können ein ernstes Artenschutzproblem darstellen. Konkurrenz Konflikte kann es geben, wenn Hunde sich al lein im Gelände bewegen und dort auf Wölfe treffen. Unter Umständen werden sie dann von diesen als Eindringlinge im eigenen Terri torium betrachtet, die es zu vertreiben gilt. In Schweden kommt es bei einem Wolfsbestand von rund 400 Tieren jährlich zu ca. 20 bis 40 solchen für den Hund oft tödlich verlaufen den Zusammenstößen, die meisten davon bei der Elchjagd. Dabei suchen meist nicht die Wölfe Kontakt zu den Hunden, sondern im Gegenteil, die Hunde verfolgen die Wölfe auf ihrer Spur. Ein fremder Wolf würde sich den Territoriumsinhabern nur mit allergrößter Vorsicht nähern. Ein Zusammentreffen würde er jedoch tunlichst vermeiden. In Sachsen gab es Anfang 2005 einen solchen Zwischenfall. Ein Jagdhund (nicht während ei nes jagdlichen Einsatzes) hatte offenbar Witte rung von der Wölfin des damaligen Neustädter
Rudels bekommen und sich unbemerkt von seinem Besitzer entfernt. Er verfolgte die Wöl fin und stellte sie. Kurz darauf kam der Hund mit mehreren Bisswunden zu seinem Besitzer zurück. Wenige Stunden später verstarb er bei der tierärztlichen Behandlung. Einen ähnlichen Vorfall gab es Anfang 2018 (ebenfalls Jagd hund außerhalb des jagdlichen Einsatzes). An dem toten Hund genommene Genetikproben belegten, dass dieser vom Rüden des Daubitzer Rudels getötet wurde. Generell sollten Hunde im Wolfsgebiet an geleint bzw. nahe bei ihrem Besitzer geführt werden. Es kann durchaus vorkommen, dass Wölfe sich für diese Artgenossen interessie ren, die aus Wolfssicht „dreist“ in ihrem Terri torium markieren. Die Nähe seines Besitzers ist der beste Schutz für den Hund. Kommt es zu einem Zusammentreffen von Wolf und Hund, sollte man seinen Hund zu sich ru fen, anleinen und sich ruhig zurückziehen. Falls der Wolf weiter Interesse an dem Hund zeigt, sollte man sich durch Rufen deutlich bemerkbar machen und den Wolf ggf. durch das Werfen von Gegenständen vertreiben. Eine Gefahr für den Hundeführer selbst be steht in diesen Situationen nicht. Die Wölfe interessieren sich für ihre domestizierten Verwandten, nicht für die Menschen. Und wie sieht es mit Hunden beim jagdli chen Einsatz aus? Der alljährliche Einsatz von Stöberhunden bei Drückjagden in der sächsischen Lausitz zeigt, dass auch dies weiterhin möglich ist. Schon öfter wurden bei solchen Jagden Wölfe beobachtet, ohne Mit Wölfen leben | 61
dass es zu Zwischenfällen mit Hunden kam. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie im Kapitel „Wolf, Wild und Jagd“ (S. 22). Paarungspartner In Ausnahmefällen können sich wild lebende Wölfe auch mit Hunden verpaaren. Ursache ist meist ein Mangel an Wölfen als geeignete Paarungspartner. Entsprechend ist die Gefahr der Hybridisierung in kleinen, isolierten Po pulationen besonders hoch. Auch aus stark bejagten Populationen, in denen bestehende Sozialstrukturen immer wieder zerstört wer den und ein plötzlicher Mangel an wölfischen Paarungspartnern entsteht, sowie aus Gebie ten mit einer großen Zahl streunender und verwilderter Hunde, sind Paarungen zwischen Wölfen und Haushunden bekannt. In Sachsen hat es bisher nur einen Fall von Verpaarung zwischen einer Wölfin und ei nem Haushund gegeben. Eine junge Wölfin, die sich in der sächsischen Neustädter Heide in Nachbarschaft zu ihrem Elternterritorium etabliert hatte, fand 2003 offensichtlich keinen wölfischen Paarungspartner. Zu diesem Zeit punkt waren die wenigen Wölfe im Gebiet alle miteinander verwandt, entstammten sie doch dem einzigen Rudel in der Muskauer Heide. Da Wölfe in der Regel versuchen, Inzucht zu ver meiden, kann es vorkommen, dass sie sich in einer solchen Situation eher mit einem Hund, als mit einem nahe verwandten Tier paaren. Von den anfänglich 9 Hybridwelpen überlebten 4 bis zum Winter 2003 / 2004. 62 | Mit Wölfen leben
Aus Artenschutzgründen ist es erforderlich, Wildtier-Haustier-Mischlinge aus der Natur zu entfernen, um eine Ausbreitung der Haus tiergene in der Wildpopulation zu verhindern. Dies ist umso dringender geboten, wenn es sich dabei um eine noch kleine Population, wie die Mitteleuropäische Flachland Popula tion, handelt, die sich erst in der Etablierung befindet. Im hier beschriebenen Fall konnten zwei der Tiere lebend gefangen werden. Die anderen beiden sind seit Februar 2004 ver schollen. Die Hybriden wurden nie wieder nachgewiesen und tauchten seitdem auch nicht mehr in den genetischen Analysen auf, daher ist davon auszugehen, dass sie nicht mehr am Leben sind. Seit dem ist kein weite rer Fall von Hybridisierung bekannt. Da Mischlinge rechtlich dem „höherwerti gen“ Elterntier, in diesem Falle also dem Wolf, gleichgestellt sind, ist für ihre Entnahme aus der Natur eine naturschutzrechtliche Aus nahmegenehmigung erforderlich. Vermeint liche Wolf-Hund-Mischlinge dürfen daher ohne ausdrückliche Genehmigung der Na turschutzbehörden auch nicht geschossen werden! Die Gefahr der Hybridisierung verringert sich umso mehr, je mehr Wolfsrudel es in der Mitteleuropäische Flachland Population gibt, und je mehr Wölfe auch aus weiter ent fernt liegenden Gebieten zuwandern. Die Ru del „schütten“ jedes Jahr Jungwölfe aus, die den Jungwölfen der anderen Rudel dann als potentielle Paarungspartner zur Verfügung stehen.
Wichtige Adressen und Telefonnummern in Sachsen
Informationen zum Wolfsvorkommen in Sachsen: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Fachstelle Wolf Straße des Fortschritts 9a 01683 Nossen Tel.: 035242 631-8201 E-Mail: fachstellewolf.lfulg@smul.sachsen.de www.wolf.sachsen.de Meldungen von Hinweisen auf Wölfe: LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland Gesa Kluth (GK) und Ilka Reinhardt (IR) Dorfstr. 20 02979 Spreewitz Tel.: 035727 577 62 | Fax: 035727 577 9094 E-Mail: kontakt@lupus-institut.de Fachstelle Wolf (s. o.) Meldungen von toten, verletzten oder auffälligen Wölfen und Schadensfällen an Nutztieren: Fachstelle Wolf kostenlose Hotline 0800 555 0 666 (24h-Bereitschaft) Beratung zu Schutzmaßnahmen gegen Wolfsübergriffe auf Nutztiere und zu finanziellen Fördermöglichkeiten: Ulrich Klausnitzer Fachbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie OT Haßlau Nr. 29a D-04741 Roßwein Mobil: 0151 5055 1465 E-Mail: herdenschutz@klausnitzer.org
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Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Abt. 3 – Förderung, Agrarrecht Referat 33 – Förderung Zur Wetterwarte 11 01109 Dresden Tel.: 0351 8928 - 3301 Fax: 0351 8928 - 3399 E-Mail: abt3.lfulg@smul.sachsen.de weitere Adressen: Sächsischer Schaf- und Ziegenzuchtverband e. V. Ostende 5 04288 Leipzig OT Liebertwolkwitz Tel.: 034297 919651 / 2 | Fax: 034297 919665 E-Mail: sszv_leipzig@sszv.de www.sszv.de Landesjagdverband Sachsen e. V. Cunnersdorfer Str. 25 01189 Dresden Tel.: 0351 4017171 | Fax: 0351 4017172 E-Mail: info@jagd-sachsen.de www.ljv-sachsen.de
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Ansprechpartner in anderen Bundesländern: In den meisten Bundesländern Deutschlands gibt es mittlerweile Managementpläne für den Wolf und diesbezügliche Strukturen. Die Hauptansprechpartner zum Thema Wolf der betreffenden Bundes länder finden Sie bei den im Folgenden aufgelisteten Institutionen und Behörden: Baden-Württemberg Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg Bayern Bayerisches Landesamt für Umwelt Berlin Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Brandenburg Landesamt für Umwelt Bremen Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Hamburg Behörde für Umwelt und Energie Hessen Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie Mecklenburg-Vorpommern Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie
Niedersachsen Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, Wolfsbüro Nordrhein-Westfalen Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW Rheinland-Pfalz Landesamt für Umwelt Saarland Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, Wolfskompetenzzentrum Iden Schleswig-Holstein Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein Thüringen Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz
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An der Herausgabe der ersten Auflagen dieser Broschüre waren folgende Institutionen beteiligt:
Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ Das Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ wurde 2004 vom Sächsischen Ministerium für Um welt und Landwirtschaft (SMUL) und dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis im Er lichthof Rietschen für die Informations- und Aufklärungsarbeit des Freistaates Sachsen zum Thema Wolf eingerichtet. Seit der Kreisreform im August 2008 befand es sich in Trägerschaft des Landkreises Görlitz. Im Kontaktbüro wurden aktuelle Informationen aus dem Wolfsmoni toring und dem Herdenschutz in Vorträgen, Presseinformationen, Informationsmaterial, Ausstellungen und auf Informationsständen zeitnah und transparent veröffentlicht. Mit der Umstrukturierung des Wolfsmanagements in Sachsen gingen die wesentlichen Aufgaben des Kontaktbüros im Juni 2019 an die Fachstelle Wolf über. Im Erlichthof Rietschen befindet sich eine Ausstellung zur Biologie und Lebensweise des Wolfes. Im Vortragsraum der Ausstellung wer den regelmäßig Wolfsvorträge, teils mit Spu renexkursionen, angeboten. Darüber hinaus finden auf Anfrage Vortragsveranstaltungen in Rietschen, sowie in ganz Sachsen statt. Für Kindergarten-, Schul- und Vorschulgruppen werden auf Anmeldung Umweltbildungspro gramme in Rietschen oder vor Ort organisiert. Internationaler Tierschutz-Fonds Der IFAW – Internationaler Tierschutz-Fonds unterstützt das Monitoring der Wölfe in Deutschland und Westpolen und informiert die Öffentlichkeit über das Thema Wolf.
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Insbesondere in Brandenburg hilft der IFAW Schäfern und anderen Tierhaltern in den Wolfs gebieten mit Rat und Tat, damit Nutztiere bes ser geschützt werden. Unter Anderem sind das Hinweise über eine effektivere Einzäunung aber auch Hilfe bei der Beantragung von Geldern. Der Einsatz von geeigneten Herdenschutzhunden ist beson ders wichtig. Um hierbei den notwendigen Mehraufwand für die Schäfer zu reduzieren, ermöglicht der IFAW Futterspenden für Her denschutzhunde. Durch die Unterstützung beim Monitoring und Herdenschutz sowie in der Öffentlichkeitsarbeit will der IFAW dazu beitragen, ein langfristiges Überleben der Wölfe in friedlicher Koexistenz mit den Menschen zu entwickeln und gezielt umzusetzen. Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – Bundesforstbetrieb Lausitz Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verwaltet und bewirtschaftet viele aktive und ehemalige Truppenübungsplätze, die oft ideale Lebensräume für den Wolf darstellen. Seit Bestehen des Sächsischen Wolfsmanage ments unterstützt die Bundesforstverwaltung das Wolfsmonitoring auf ihren Flächen und trägt mit der Finanzierung von Infomaterial zur Aufklärung der Bevölkerung und damit zur Akzeptanzgewinnung für den Wolf bei.
Glossar Ausdrücke aus der Jägersprache und biologische Fachbegriffe
aufbrechen das Ausnehmen der Eingeweide des Wildes Beutegreifer Raubtier Damwild Damhirsche Drosselbiss Biss in den Halsbereich mit anschließendem Festhalten, was durch Abdrücken der Luftröhre (Drossel) zum Ersticken des Tieres führt. Habituation die Fähigkeit eines Tieres, sich an wiederholt auftretende Reize, die weder mit positiven noch mit negativen Folgen verbunden sind, zu gewöhnen und nicht mehr darauf zu reagieren Hybridisierung Erfolgreiche Verpaarung zweier Arten oder Rassen. Hier Verpaarung zwischen Wolf und Haushund Kernel95cw mit der Kernel-Methode untersucht man die Verteilung der Gebiets nutzung eines Tieres, wodurch man Informationen darüber erhält welche Gebiete vermehrt oder weniger stark genutzt werden, das „cw“ steht für „core-weighted“ (kerngewichtet) Konditionierung ein neues, spontan auftretendes Verhalten, das durch einen positiven Reiz, z. B. Futter, verstärkt wird und sich zu aufdringlichem, dreistem und schlimmstenfalls aggressivem Verhalten entwickeln kann Losung Kot Muffelwild Mufflon (auf Sardinien und Korsika vorkommendes und hier zu Jagdzwecken eingebürgertes Wildschaf) Nachsuche das Verfolgen, Auffinden und Erlegen von verletztem, meist angeschos senem, Wild durch einen Hundeführer und seinem Hund Population Gesamtheit der Individuen einer Art in einem mehr oder weniger von anderen Artangehörigen isolierten Gebiet Ranz Paarungszeit der Wölfe Rehwild Rehe Riss vom Wolf oder anderen Beutegreifern getötetes (gerissenes) Tier Rotwild Rothirsche Sauen Wildschweine Schalenwild wilde, jagdbare Huftiere wie z. B. Rothirsche, Rehe, Wildschweine Schnallen den Jagdhund von der Leine lassen Schwarzwild Wildschweine Strecke Abschusszahlen einzelner Wildarten Territorium Gebiet welches markiert und gegen fremde Artgenossen verteidigt wird
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Verwendete und empfohlene Literatur
Fuhr, E. (2014): Rückkehr der Wölfe: Wie ein Heimkehrer unser Leben verändert. Riemann Verlag. Gomille, A. (2016): Deutschlands Wilde Wölfe. Frederking & Thaler Verlag. Kaczensky, P. (1996): Large Carnivore – Livestock Conflicts in Europe. NINA Studie. Wildbiologische Gesellschaft München. 106 S. Kaczensky, P., Huber, Th., Kluth, G. & Reinhardt, I. (2008): Wer war es? Spuren und Risse von großen Beutegreifern erkennen und dokumen tieren. Hrsg. Wildland-Stiftung Bayern. 51 S. Kaczensky, P., Kluth, G., Knauer, F., Rauer, G., Reinhardt, I. & Wotschikowsky, U. (2009): Monitoring von Großraubtieren in Deutschland. BfN-Skripten 251 Karlsson (2003): Interactions between wolves and dogs. Paper presented at the World Wolf Congress 2003, Banff. Koerner, S. (2006): Ökologie und Verhalten des Wolfes – Kleine Wolfsspurenkunde. Spreewitz. Eigenverlag. 50 S. Managementplan für den Wolf in Sachsen (2009). Hrsg. Sächsisches Staatsministe rium für Umwelt und Landwirtschaft Linnell, J.D.C., et al. (2002): The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans. NINA / NIKU report, NINA Norsk institutt for naturforskning, Trondheim, Norway, 65pp. Mech, D. & Boitani, L., Hrsg. (2003): Wolves: Ecology, Behavior and Conservation. The University of Chicago Press. Chicago, London. 448 S.
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Molinari, P., Breitenmoser, U., Molinari-Jobin, A. & M. Giacometti (2000): Raubtiere am Werk. Handbuch zur Bestimmung von Großraubtierrissen und anderen Nachweisen. 124 S. (ISBN 88-900527-1-6) Nitze, M. (2012): Schalenwildforschung im Wolfs gebiet der Oberlausitz – Projektzeitraum 2007 – 2010. Forschungsbericht der Forstzoologie / AG Wildtierforschung, TU Dresden. Okarma, H. & D. Langwald (2002): Der Wolf. Ökologe, Verhalten, Schutz. 2., neu bearb. Auflage. Berlin, Wien. Parey Verlag. 164 S. Stoepel, B. (2004): Expedition ins Tierreich: Wölfe in Deutschland. Hoffmann und Campe Verlag. 224 S. Reinhardt, I. et al. (2015): Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland. BfN-Skripten 413 Reinhardt, I. & Kluth, G. (2007): Leben mit Wölfen – Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart in Deutschland. BfN-Skripten 201 Wagner, C., Ansorge, H., Kluth, G. & Reinhardt I. (2009): Fakten aus Losungen – zur Nahrungsökologie des Wolfes in Deutschland von 2001 bis 2008. Mitteilungen für sächsische Säugetierfreunde. NABU Sachsen. S. 7-10 Wotschikowsky, U. (2007): Wölfe und Jäger in der Oberlausitz. Hrsg.: Freundeskreis freilebender Wölfe e.V. 53 S.
Bildnachweis
Heiko Anders S. 2 / 3, 14, 38, 56; www.andersfotografiert.com Friedhard Förster S. 55 l. Ralph Frank S. 34 l.; www.ralphfrank.com Martin Gerber S. 25 l. Axel Gomille S. 13, 16, 17, 21, 45; www.axelgomille.com Michael Hamann S. 11 Stephan Kaasche S. 59 www.shutterstock.com / Myers Photography S. 34 r. André Klingenberger / SBS S. 33 2.v.u., 50 Sebastian Koerner S. 9 r., 10, 15, 20, 25 r., 28, 30, 33 o., 35, 37, 39, 40 l., 43. l.u.; www.lupovision.de Ines Kossack S. 58 Karsten Nitsch S. 32; spreefotograf.tumblr.com LUPUS alle weiteren Fotos Helene Möslinger S. 40 r. Astrid Mrosko S. 46 NDR / U. Anders S. 9 l. Jan Noack Umschlag, S. 24; www.jannoack.de Umschlagfoto: knapp eineinhalb Jahre alter männlicher Jungwolf des Daubitzer Rudels im September 2008
Herausgeber: Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), Postfach 10 05 10, 01076 Dresden Bürgertelefon: +49 351 564-20500 E-Mail: info@smul.sachsen.de www.smul.sachsen.de Diese Veröffentlichung wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts. Redaktion der überarbeiteten Auflage: 2019 Fachstelle Wolf des LfULG 2016 Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“, Rietschen 2009 Sebastian Koerner, Spreewitz Konzeption und Text: LUPUS Institut, Spreewitz Gestaltung: genese Werbeagentur GmbH Titelfoto: Jan Noack Druck: Stoba-Druck GmbH Redaktionsschluss: 31. Oktober 2019 Auflagenhöhe: 15.000 Exemplare, 6. Auflage, aktualisiert Bezug: Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden bei: Zentraler Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung Hammerweg 30, 01127 Dresden Telefon: +49 351 210-3671 | Telefax: +49 351 210-3681 E-Mail: publikationen@sachsen.de | www.publikationen.sachsen.de Verteilerhinweis: Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen Staatsregierung im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von deren Kandidaten oder Helfern im Zeitraum von sechs Monaten vor einer Wahl zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für alle Wahlen. Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist auch die Weitergabe an Dritte zur Verwendung bei der Wahlwerbung. Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die vorliegende Druckschrift nicht so verwendet werden, dass dies als Parteinahme des Herausgebers zu Gunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte. Diese Beschränkungen gelten unabhängig vom Vertriebsweg, also unabhängig davon, auf welchem Wege und in welcher Anzahl diese Informationsschrift dem Empfänger zugegangen ist. Erlaubt ist jedoch den Parteien, diese Informationsschrift zur Unterrichtung ihrer Mitglieder zu verwenden. www.wolf.sachsen.de SMULsachsen