STAATSMINISTERIUM FÜR ENERGIE, KLIMASCHUTZ, UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT
Vielfalt der Nutztiere erhalten Gefährdete Rassen in Sachsen – Stand und Aktivitäten
Vielfalt der Nutztiere erhalten Gefährdete Rassen in Sachsen – Stand und Aktivitäten
Rheinisch-Deutsche Kaltblüter in Anspannung vor einem Holzwagen
Inhalt Vorwort.........................................................................................4 1. Erhalt der Rassenvielfalt – eine nationale Aufgabe.............6 2. Rinder.....................................................................................10 3. Pferde.................................................................................... 12 4. Ziegen....................................................................................16 5. Schafe....................................................................................20 6. Schweine................................................................................26 7. Kaninchen..............................................................................31 8. Geflügel.................................................................................36 9. Initiativen des Freistaates Sachsen.....................................42 Tabellenverzeichnis...........................................................................................50 Abbildungsverzeichnis....................................................................................51 Bildnachweise.....................................................................................................52
Vorwort
Über Jahrtausende hinweg ist eine große Vielfalt an einheimischen Rassen unserer Nutztierarten entstanden. Sie sind ein leben diges Kulturgut, das es zu schützen und für künftige Generationen zu erhalten gilt. Neben rassespezifischen Eigenschaften zeichnen sich diese alten Nutztierrassen in der Regel durch Anspruchslosigkeit, Gesundheit und Langle bigkeit aus. Einige dieser Rassen verloren in der Vergan genheit ihren eigentlichen Nutzungszweck und wurden von Rassen mit anderen Eigen schaften und höheren Leistungen abgelöst. Aus diesen Gründen sind sie in ihrer Existenz gefährdet und fanden Einzug in die Rote Liste bedrohter Nutztierrassen in Deutschland. Dank vielfältiger Initiativen auf nationaler und internationaler Ebene konnten Voraussetzun gen geschaffen werden, um die genetische Vielfalt und deren Nutzung zu sichern und 4 | Tiergenetische Ressourcen
einige gefährdete Populationen zu stabilisie ren. Der Grundstein in Deutschland wird durch das „Nationale Fachprogramm zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung tiergenetischer Ressourcen“ geschaffen. Letztlich ist es je doch engagierten Züchterinnen und Züchtern zu verdanken, dass alte einheimische Rassen vor dem Aussterben bewahrt werden. Heute spielen diese Rassen insbesondere in der öko logischen Landwirtschaft, in Naturschutz und Landschaftspflege und im Hobbybereich eine Rolle. Sie werden an Bedeutung gewinnen, wenn es gilt, landwirtschaftliche Nutztierpo pulationen an sich ändernde klimatische oder gesellschaftliche Bedingungen anzupassen. Der Freistaat Sachsen unterstützt im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) seit elf Jahren die Haltung und Zucht einiger vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen. Zum Anfang des Jahres 2020 wurde die Liste
förderfähiger Rassen um das Leicomaschwein sowie die Weiße und Bunte Deutsche Edel ziege ergänzt. Auch die Bewahrung der viel fältigen Kleintierrassen steht zunehmend im Fokus der staatlichen Unterstützung. So be gann Ende des Jahres 2019 ein Projekt zum Monitoring mit Erfassung und Dokumen tation von Leistungs- und Abstammungs daten existenzgefährdeter Kaninchen- und Geflügelrassen. 2020 startete ein Projekt im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft zum Erhalt des Sachsenhuhns, das erfreulicherweise auf sehr große Resonanz stieß. Die vorliegende Broschüre gibt einen Überblick über vom Aussterben bedrohte einheimische Nutztierrassen, ihre Geschichte, züchterische Aktivitäten und ihre Bestandsentwicklung. Er gänzend dazu wird über staatliche Initiativen und Aufgaben zur Sicherung der tiergeneti schen Ressourcen informiert.
Wolfram Günther Sächsischer Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft Tiergenetische Ressourcen | 5
Schweres Warmblut Sieger-Stutfohlen beim Fohlenchampionat in Moritzburg
1. E rhalt der Rassenvielfalt – eine nationale Aufgabe
Als eine kulturelle Leistung, quasi ein „Welterbe“ besonderer Art, muss die Domestikation unserer Nutztiere und die daraus folgende Herauszüch tung einer enormen Vielfalt an Rassen gewürdigt werden. Häufig entstanden dabei Rassen, die an spezifische Umwelt- und Standortbedingungen angepasst waren. Die Rassenvielfalt hatte jedoch zum Ende des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt überschritten. Seit fast 70 Jahren nutzt die Tier zucht moderne Methoden in Leistungsprüfung, Zuchtwertschätzung und Anwendung biotech nischer Verfahren, wie die künstliche Besamung. Damit ging eine sukzessive Abnahme der Anzahl wirtschaftlich genutzter Rassen in den Zucht 6 | Tiergenetische Ressourcen
programmen einher. Andererseits ist aber klar, dass dies alles erst aus der Nutzung einer vor handenen genetischen Vielfalt möglich wurde. Von daher gilt es, diese wichtige genetische Ressource als Basis zu erhalten. Der Erhalt der biologischen Vielfalt in Form alter Haustierras sen hat neben tierzüchterischen Gründen in hohem Maße auch ökologische und kulturelle Aspekte. Die Förderung umweltverträglicher und die Biodiversität integrierende und nutzende, nachhaltige Wirtschaftsweisen zeigen ebenfalls die Bedeutung der Biodiversität. Die Vielzahl an Rassen zeugt darüber hinaus von großer kultu reller Bandbreite und Artenvielfalt.
Angora farbig
Mit der Ratifizierung des im Jahr 1992 verab schiedeten „Übereinkommens über die biologi sche Vielfalt (englisch: Convention on Biological Diversity)“ haben sich mehr als 170 Unterzeich nerstaaten – darunter auch Deutschland – zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der in ih rem Hoheitsgebiet vorhandenen biologischen Vielfalt verpflichtet. Im September des Jahres 2007 wurde daran anknüpfend im Rahmen einer internationalen Konferenz in Interlaken (Schweiz) erstmals ein globaler Aktionsplan für tiergenetische Ressourcen von über 100 Staaten verabschiedet und im Jahr 2008 ein erster Welt zustandsbericht vorgelegt. In Deutschland sind alle Aktivitäten im „Nationalen Fachprogramm zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung tier genetischer Ressourcen“ verankert. Koordiniert wird dies durch das Informations- und Koordi nationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV), angesiedelt bei der Bundesanstalt für Landwirt schaft und Ernährung (BLE) als nachgeordnete
Behörde des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie dem Fachbei rat für tiergenetische Ressourcen, welcher von der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ) berufen wird. In diesem Gremium sind Fachleute von Bund und Ländern, Universitäten, Zuchtverbänden und Nichtregierungsorganisati onen (NGO) vertreten. Die Bundesländer sind im Vollzug des Tierzuchtrechtes und weiterer Maß gaben des Nationalen Fachprogrammes sowie in Umsetzung der Bund-Länder-Vereinbarung zur „Deutschen Genbank landwirtschaftlicher Nutztiere“ an diesen Aktivitäten beteiligt. In Deutschland werden mindestens 450 Nutz tierrassen gehalten, wovon aber nur 30 Prozent als einheimisch gelten. Im Nationalen Fach programm werden die einheimischen Rassen der Tierarten Rind, Pferd, Schwein, Schaf und Ziege sowie Geflügel und Kaninchen in ent sprechende Gefährdungskategorien eingeteilt Tiergenetische Ressourcen | 7
(Tabelle 1). Aktuell fallen 162 Rassen unter die Gefährdungskategorien I bis IV, wobei nur Ras sen der Kategorien I bis III und damit insgesamt 102 als gefährdet gelten. Details dazu enthält die von der BLE in ca. zweijährigem Abstand herausgegebene Rote Liste. Im Internetpor tal „Zentrale Dokumentation Tiergenetischer
Ressourcen Deutschland“ (TGRDEU) sind alle relevanten Informationen und Statistiken für Deutschland veröffentlicht. Die für Sachsen relevanten Rassen der Kategorien I bis III sind in Tabelle 2 aufgeführt.
Tabelle 1:
ANZAHL EINHEIMISCHER RASSEN NACH GEFÄHRDUNGSKATEGORIEN
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Merinofleischschaf Lämmer
Tabelle 2:
FÜR DEN FREISTAAT SACHSEN RELEVANTE RASSEN DER KATEGORIEN I,II UND III
Tiergenetische Ressourcen | 9
2. Rinder
Rotvieh Mutterkuhherde mit Kälbern und Bulle
Das Rote Höhenvieh – Rasseschlag: Vogtländisches Rotvieh In Deutschland werden derzeit 4,75 Millionen Kühe gehalten, von denen 56 Prozent der Milch nutzung, 34 Prozent der Doppelnutzung Milch und Fleisch und zehn Prozent der Fleischnut zung zugeordnet werden. 2,82 Millionen die ser Kühe (= 59 Prozent) sind als Herdbuchtiere registriert. Der Anteil der Kühe aller 15 einhei mischen Rassen der Gefährdungskategorien I bis III (siehe Tabelle 1) beträgt hier lediglich 1,3 Prozent (2017: 37.795 Tiere). Der Herd buchbestand des Roten Höhenviehs belief sich darunter 2018 auf 166 Bullen und 2.157 Kühe (ca. 350 Betriebe), was einer Steigerung gegen über 2017 von 7,4 Prozent entsprach. Im Jahr 10 | Tiergenetische Ressourcen
2018 wurden 42 Jungbullen gekört. Koordiniert wird die Zuchtarbeit aller Rasseschläge über die Bundesarbeitsgemeinschaft Rotes Höhenvieh (www.rotes-hoehenvieh.de), wobei die Züchter Mitglieder anerkannter Züchtervereinigungen sind. In Sachsen ist dies der Sächsische Rinder zuchtverband e. G., dessen Geschäftstätigkeit der Masterrind GmbH übertragen ist.
Im sächsischen Fleischr inderherdbuch sind derzeit (2019) 109 Kühe bei 25 Haltern eingetragen, d. h., der vogtländische Rasseschlag liegt gegenwärtig unter fünf Prozent des Bestandes dieser Rasse.
Historie Die Ursprünge des Vogtländischen Rotviehs, ausgehend vom einfarbigen mitteldeutschenGebirgsvieh, reichen wohl bis ins 17. Jahrhun dert zurück. Die Bezeichnung „Vogtländisches Rotvieh“ ist seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Im Jahr 1880 waren 130 Zuchtbullen in der Kreishauptmannschaft Zwickau registriert. Im Jahr 1897 erfolgte als erste Herdbuchgesell schaft Sachsens die Gründung des Herdbuches für Vogtländisches Rotvieh. Im Jahr 1907 hatte die Rasse mit 6.400 Kühen noch einen Anteil von zwölf Prozent am Kuhbestand im sächsi schen Vogtland. Die Erklärung des Vogtlandes zum Fleckviehzuchtgebiet im Jahr 1935 und die Umsetzung des zentralen Zuchtprogramms der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ab 1968 bedeutete das „Aus“ für diese Rasse. Allein die Gründung eines Betriebsherdbuches der LPG „Vogtländer“ Hartmannsgrün-Pfaffen grün im Jahr 1969 und das Engagement sowie die Initiative von Mitarbeitern des Bauernmu seums Landwüst und zweier Züchter sicherte das Überleben dieses Rasseschlages im Vogt land. 1990 erfolgte die Gründung des Vereins „Vogtländisches Rotvieh e. V.“ sowie die Aner kennung als existenzbedrohte Haustierrasse in Sachsen im Jahr 1992 mit entsprechender staatlicher Förderung und züchterischer Be treuung durch den Sächsischen Rinderzucht verband e. G.
Nutzung Das Rotvieh wurde ursprünglich als Dreinut zungsrind gezüchtet. Trotz mittlerer Größe zo gen sie schwerste Lasten und galten als sehr arbeitswillig. Rotvieh wurde als „Vollblut unter den Arbeitsrindern“ bezeichnet. Ab Anfang der 1960er Jahre stand der Zweinutzungscharakter (Milch und Fleisch) im Vordergrund, wobei die sehr gute Fleischqualität Erwähnung findet. Heute werden diese Rinder überwiegend in der Mutterkuhhaltung genutzt. Besonders auf ex tremen Standorten bietet das Rote Höhenvieh durch seine ausgesprochene Genügsamkeit und seine Widerstandsfähigkeit eine ideale Mög lichkeit der Grünlandverwertung. Vitalität und Langlebigkeit dieser Rasse ist als tiergenetische Ressource für die gesamte Rinderzucht weiter von Interesse und sollte in einer überlebens fähigen Population manifestiert werden.
Rotvieh Mutterkuh mit Kalb
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3. Pferde In Deutschland werden laut der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e. V. rund 1,3 Millio nen Pferde gehalten. Die deutschen Zuchtver bände betreuten im Jahr 2019 von 116 Rassen 2.832 Zuchthengste sowie 53.478 Zuchtstuten. Als einheimisch gelten dabei 16 Rassen sowie zehn weitere nach 1949 in Deutschland neu gezüchtete Rassen. Zwölf Rassen sind in die Gefährdungskategorien I bis III eingestuft. Im Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e. V. sind rund 3.070 Züchter mit 3.950 Zuchtstu ten organisiert. Für das Zuchtgebiet Sach sen-Thüringen werden für zwei von den zwölf existenzgefährdeten Pferderassen Erhaltungs zuchtprogramme durchgeführt – das sind das Rheinisch-Deutsche Kaltblut sowie das Sächsisch-Thüringische Schwere Warmblut. 12 | Tiergenetische Ressourcen
Schwere Warmblüter in Anspannung
Das Rheinisch-Deutsche Kaltblut Historie Die Zucht schwerer Zugpferde reicht weit in das 19. Jahrhundert zurück. Durch die Intensivie rung der Landwirtschaft fanden insbesondere in den Ackerbaugebieten schwere und zugkräftige Pferde ihren Einsatz. Im Jahr 1892 wurde mit der Gründung der Züchtervereinigung „Rheinisches Pferdestammbuch“ ein einheitliches Zuchtziel für die ganze Provinz Rheinland festgelegt. Auf Basis des belgischen Kaltblutpferdes wurde das Rheinisch-Deutsche Kaltblut als kräftiges, gut gebautes, tiefes Pferd gezüchtet. Diese belgische Zuchtrichtung setzte sich in Deutschland stark durch und im Jahr 1936 gehörten 80 Prozent aller Kaltblutpferde dieser Rasse an. Trotz der
verstärkten Motorisierung der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1951/52 der Höchststand der Population mit nahezu 40.000 eingetragenen Zuchtstuten erreicht. In den Folgejahren reduzierte sich der Einsatz des Kaltblutpferdes besonders auf die Forstwirt schaft. Im Jahr 1987 waren immerhin noch 2.155 Kaltblutpferde im forstwirtschaftlichen Einsatz tätig. Im Zuge der politischen und wirtschaft lichen Wende 1990 und der Bildung der fünf neuen Bundesländer einschließlich ihrer Lan despferdezuchtverbände entstanden aus dem Rheinisch-Deutschen Kaltblut neue Rassebe zeichnungen, die ihren Namen der jeweiligen Region zu verdanken haben. Letztlich haben Sachsen, Thüringen und die Altmark zur Neu belebung der Rheinisch-Deutschen Kaltblut zucht in den alten Bundesländern beigetragen. Im Jahr 2004 wurden alle Teilpopulationen des Rheinisch-Deutschen Kaltblutes in einem Ur sprungszuchtbuch zusammengeführt und ein einheitliches Zuchtziel verfolgt, um den Erhalt der Rasse zu sichern.
Nutzung Rheinisch-Deutsche Kaltblüter finden heute ihren Einsatz bei der Holzernte in Kombination mit moderner Technik, bei Pflegemaßnahmen im Forst sowie als Arbeitspferde im Naturschutz. Im
RheinischDeutscher Kaltbluthengst „Balduin“
Tourismus werden sie gern als Fahrpferde oder für das Wanderreiten genutzt. Auch im Hobbyund Freizeitbereich sind sie anzutreffen.
Bestandsentwicklung Die Entwicklung des Zuchttierbestandes Rhei nisch-Deutscher Kaltblüter sowie die Anzahl der Züchter in den beiden Zuchtbezirken Sachsen und Thüringen sind Tabelle 3 zu entnehmen. Nach anfänglichem Rückgang des Stutenbe standes in den Jahren 2016 und 2017 entwi ckelt sich dieser seit 2018 wieder positiv. Neben dem Zuchtgebiet Sachsen-Thüringen, das bun desweit die größte Zuchtpopulation aufweist, werden Rheinisch-Deutsche Kaltblüter auch in Brandenburg-Anhalt, Rheinland und Westfalen gezüchtet.
Tabelle 3:
ENTWICKLUNG DES ZUCHTTIERBESTANDES DER RASSE RHEINISCH-DEUTSCHES KALTBLUT SOWIE ANZAHL DER ZÜCHTER IN DEN ZUCHTBEZIRKEN SACHSEN UND THÜRINGEN
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Schweres Warmblut im Fahrsport
Das Sächsisch-Thüringische Schwere Warmblut Historie Das Schwere Warmblut zählt zu den ältesten deutschen Pferderassen und war ursprünglich in Oldenburg und Ostfriesland beheimatet. In Sachsen werden sie seit fast 150 Jahren ge züchtet und fanden ursprünglich als Zug- und Arbeitspferde ihren Einsatz. Die nach dem Zwei ten Weltkrieg eingesetzte Motorisierung und Technisierung gefährdeten die eigentliche Auf gabe und die Existenz des Schweren Warmblutes stark, weshalb es ab 1960 zu einem deutlichen Bestandsrückgang kam. Durch den Einsatz von Veredlungshengsten wurde in Sachsen und Thüringen eine Modernisierung der Schweren Warmblutzucht zur Verbesserung der Sporteig nung forciert. Im Jahr 1973 wurden alle Hengste der Rasse Schweres Warmblut aus dem staat lichen Hengstdepot Moritzburg aufgrund eines Beschlusses des Landwirtschaftsministeriums 14 | Tiergenetische Ressourcen
der DDR von der Zucht ausgeschlossen. Es ist letztlich Frau Dr. Herta Steiner als damaliger Leiterin der Pferdezuchtdirektion Süd in Mo ritzburg zu verdanken, dass die Rasse überlebte. Ab 1977 wurde der Erhalt und die Reaktivierung der Schweren Warmblutzucht verstärkt verfolgt. Durch den Verkauf von 14 Schweren Warm blutpferden im Jahr 1987 an die „Household Cavalery“ des britischen Königshauses konnte die Schwere Warmblutzucht letztlich wieder auf gelebt werden. Seit 2002 wird das Ursprungs zuchtbuch der Rasse Schweres Warmblut vom hiesigen Pferdezuchtverband geführt.
Nutzung Die heutige Nutzung des Schweren Warmblutes liegt vor allem im Freizeit- und Sportbereich. Durch sein gutartiges ausgeglichenes Tempe rament eignet es sich hervorragend für den Einsatz im therapeutischen Reiten, Schulsport, Voltigieren oder in der Reittouristik. Im Sport
glänzt das Schwere Warmblut besonders durch seine guten Fahreigenschaften, weshalb es sehr gern als Fahrpferd für den Turniersport einge setzt wird. Seit dem Jahr 2002 findet das Bun deschampionat für Fahrpferde des Schweren Warmblutes jährlich im Landgestüt Moritzburg statt. In den letzten Jahren haben sich die Mo ritzburger Landbeschäler sehr erfolgreich am Bundeschampionat beteiligen können.
Bestandsentwicklung Die Entwicklung des Zuchttierbestandes Säch sisch-Thüringischer Schwerer Warmblüter sowie die Anzahl der Züchter in den beiden Zuchtbe zirken Sachsen und Thüringen sind in Tabelle 4 aufgeführt. In Sachsen ist ein Großteil der Züchter und Zuchttiere Schwerer Warmblüter registriert. In den letzten fünf Jahren hat sich der Stuten bestand in Sachsen im Vergleich zu Thüringen
Schwerer Warmbluthengst „Claudius“
positiv entwickelt, auch ist ein Zuwachs an Züch tern zu verzeichnen. Im restlichen Bundesgebiet wird ebenfalls ein kleinerer Teil in den Zuchtge bieten Brandenburg-Anhalt und MecklenburgVorpommern gehalten. Deutschlandweit sind 1.253 Zuchtstuten und 102 Zuchthengste regis triert, daneben betreut der Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e. V. auch Züchter Schwerer Warmblüter in Dänemark.
Tabelle 4:
ENTWICKLUNG DES ZUCHTTIERBESTANDES DER RASSE SÄCHSISCH-THÜRINGISCHES SCHWERES WARMBLUT SOWIE ANZAHL DER ZÜCHTER IN DEN ZUCHTBEZIRKEN SACHSEN UND THÜRINGEN SEIT DEM JAHR 2015
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4. Ziegen Überblick Weltweit ist jedes siebente wiederkauende Haustier eine Ziege. Laut Statistik der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) wurden 2009 weltweit fast 880 Millionen Ziegen gezählt, davon 60 Pro zent in Asien und 34 Prozent in Afrika. Die ca. 16 Millionen Ziegen in Europa (einschließlich Russland) entsprechen lediglich zwei Prozent des Weltbestandes. In den wärmeren Regionen der Welt werden die Ziegen zur Produktion von Fleisch, Fellen und Haaren genutzt. In Mitteleu ropa sind die erwerbsmäßigen Ziegenhalter auf Milch und Käseproduktion spezialisiert. Der deutsche Ziegenbestand mit 124.000 Tieren (Landwirtschaftszählung 2010) ist bereits im 16 | Tiergenetische Ressourcen
Bunte Deutsche Edelziegen
europäischen Kontext von geringer Bedeutung, weltweit gesehen marginal. Der Bestand ist in den letzten Jahren angestiegen. Im 1. Weltzustandsbericht „Tiergenetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft“ im Jahr 2007 wurden 599 Ziegenrassen erfasst, von denen ca. 25 Rassen auch in Deutschland gehalten werden. Der aktive Zuchtbestand (22 Rassen) beträgt ca. 916 Böcke und 6.835 Ziegen. Die Hauptbestände entfallen auf die Rassen Bunte und Weiße Deutsche Edelziege, Burenziege und Thüringer Wald Ziege.
Bedeutung für den Freistaat Sachsen Die Ziegenhaltung im Freistaat Sachsen hat eine lange Tradition. Laut Angaben der Säch sischen Tierseuchenkasse wurden im Jahr 2019 15.907 Ziegen im Freistaat Sachsen gehalten. Vorherrschend sind nach wie vor Kleinbestände, die dem Freizeitbereich zuzu ordnen sind und nicht primär wirtschaftlichen Interessen dienen. Daneben existieren einige größere Bestände mit Direktvermarktung und Milchabgabe an eine Molkerei. Dominant sind dabei die Milchziegen, wobei in den kleinen Haltungen die Bunte Deutsche Edelziege überwiegt, in den großen Betrie ben mit Milchabgabe wird vorherrschend die Weiße Deutsche Edelziege gehalten. Kaum in Erscheinung tritt die Zucht und Haltung von Fleischziegen, was durch den fehlenden Markt für Zickelfleisch in Sachsen ursächlich sein könnte. Als einheimisch gelten die Rassen Thüringer Wald Ziege, Bunte Deutsche Edelziege und Weiße Deutsche Edelziege. Aufgrund
ihrer Bestandszahlen fallen sie unter die Ge fährdungskategorie „Beobachtungspopulation“, wobei erstere einen positiven Trend aufweist, die Weiße Deutsche Edelziege, bis vor kurzem noch nicht gefährdete Rasse, geht im Bestand deutlich zurück (Tabelle 5). Für den Freistaat Sachsen sind alle drei Rassen durch ihre Zucht geschichte und Verbreitung von besonderer Bedeutung.
Thüringer Wald Ziegen im Stall
Tabelle 5:
ENTWICKLUNG DES ZUCHTBESTANDES DER GEFÄHRDETEN ZIEGENRASSEN IN SACHSEN
Tiergenetische Ressourcen | 17
ausgeprägte Gesichtsmaske Spiegel und Unterbeine weiß Widerristhöhe: Mutterziegen – 65 bis 75 cm; Böcke – 80 bis 90 cm Lebendgewicht: Mutterziegen – 40 bis 70 kg; Böcke – 70 bis 100 kg Milchleistung: 700 bis 1.000 kg; 3,5 Prozent Fett und 3,0 Prozent Eiweiß je 240 Tage Laktation Portrait einer Thüringer Wald Ziege
Die Thüringer Wald Ziege Historie Die in Deutschland gehaltene, aus der Schweiz stammende Toggenburger Ziege wurde in den 1930er Jahren nach genauester Prüfung durch eine Züchterkommission in die Thüringer Wald Ziege umbenannt. Da die Toggenburger Ziege insbesondere in die Thüringer Landschläge ein gezüchtet wurde, erhielt die ursprünglich nur in Thüringen und Sachsen gezüchtete Rasse ihren geografischen Namensbezug. Im Jahr 1935 erfolgte die Anerkennung als eigenstän dige Rasse. Durch die politische Situation in Deutschland blieb in den Nachkriegsjahren die Zucht der Thüringer Wald Ziege auf die Gebiete in Thüringen und Sachsen begrenzt.
Eigenschaften Zuchtziel: mittelrahmig, fruchtbar, widerstandsfähig, langlebig mit hoher Wirtschaftlichkeit gehörnt oder hornlos kurzes, glatt anliegendes Haarkleid mit hell- bis dunkelschokoladenbrauner Farbe, vereinzelt schwarz 18 | Tiergenetische Ressourcen
Im Freistaat Sachsen züchten gegenwärtig 24 Züchter mit dieser Rasse. Der aktuelle Herd buchbestand beträgt
323 Mutterziegen und 41 Böcke.
Die Weiße Deutsche Edelziege Historie Die Weiße Deutsche Edelziege ging aus wei ßen Schlägen heimischer Ziegen hervor, die mit Schweizer Saanenziegen veredelt wurden. Sie wurde bis 1928 auch als Saanenziege be zeichnet.
Seitenprofil eines Bockes der Rasse Weiße Deutsche Edelziege
Eigenschaften kurzes, glatt anliegendes Haarkleid mit weißer Farbe leichte Pigmentflecke an Nase, Ohren, Euter sind zulässig mittlerer bis großer Rahmen gehörnt oder hornlos frühreif, Erstzulassung mit sieben bis neun Monaten saisonale Brunst Widerristhöhe: 70 bis 90 cm Gewicht: 55 bis 75 kg Milchleistung: 850 bis 1.200 kg; 3,2 bis 3,5 Prozent Fett, 2,8 bis 3,0 Prozent Eiweiß je 240 Tage Laktation
Im Jahr 2020 umfasste der Bestand im Freistaat Sachsen
423 Mutterziegen
und 22 Böcke, die von drei Züchtern betreut wurden.
Die Bunte Deutsche Edelziege Historie Die braunen Ziegenschläge wurden im Jahr 1928 zur Bunten Deutsche Edelziege zusam mengefasst. Die Rasse wurde durch Selektion innerhalb lokaler Ziegenschläge gezüchtet, Einkreuzungen gab es nur in geringem Umfang. Eigenschaften mittel- bis großrahmig kurzes, glatt anliegendes Haarkleid mit hellbrauner bis schwarzbrauner Farbe schwarzer Aalstrich auf dem Rücken Gesichts-, Bauch- und Beinfarbe variiert von hell bis dunkel
Bunte Deutsche Edelziege - Bock
gehörnt oder hornlos frühreif, Erstzulassung mit sieben bis neun Monaten saisonale Brunst Widerristhöhe: 70 bis 90 cm Gewicht: 55 bis 75 kg Milchleistung: 850 bis 1.200 kg; 3,2 bis 3,5 Prozent Fett, 2,8 bis 3,0 Prozent Eiweiß je 240 Tage Laktation Historisch bedingt wird bei dieser Rasse noch in Farb- und Lokalschläge unterschieden, z. B.: Schwarzwaldziege (hellbäuchig) Frankenziege (dunkelbäuchig) Harzer Ziege (hellbäuchig mit seitlichen schwarzen Streifen) Erzgebirgsziege (dunkelbäuchig).
Im Freistaat Sachsen sind aktuell fünf Züchter mit 519 Zuchtziegen und 14 Zuchtböcken registriert. Das macht rund 39 Prozent des deutschen Zuchtbestandes aus. Tiergenetische Ressourcen | 19
5. Schafe
Leineschafe
Überblick Schafe wurden als eine der ersten Nutztierarten domestiziert und dienen seither als Lieferan ten von Fleisch, Milch und Wolle. Im 1. Welt zustandsbericht „Tiergenetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft“ wurden im Jahr 2007 1.229 Schafrassen erfasst, von denen über 50 Rassen auch in Deutschland gehalten werden. Allerdings gelten nur 22 Rassen als einheimisch. Von diesen sind 19 und damit 86 Prozent existenzgefährdet (siehe Tabelle 1).
zeugung von qualitativ hochwertigem Lamm fleisch. Zunehmend rückt die Nutzung in der Landschaftspflege in Verbindung mit einer na turschonenden Koppel- und Hütehaltung auf Grünlandstandorten oder auf naturschutzfach lich wertvollen Flächen außerhalb der landwirt schaftlichen Nutzfläche in den Fokus. Besondere Bedeutung besitzt die Pflege von Deichen für den Hochwasserschutz an Flussläufen. Auch unter touristischen Gesichtspunkten, vor allem durch die Offenhaltung von Landschaften, be sitzt die Schafhaltung eine Aufgabe.
Bedeutung für Sachsen Im Laufe der Geschichte und insbesondere mit der Entwicklung von künstlichen Textilfasern veränderten sich die Prioritäten hin zur Er
Der Gesamtbestand an Schafen in Sach sen zeigt einen deutlichen und anhaltenden Abwärtstrend, insbesondere nach der Ab schaffung der Mutterschafprämie im Jahr
20 | Tiergenetische Ressourcen
Ostfriesische Milchschafe
2005, der sich aber seit 2014 auf einem niedrigen Niveau von rund 50.000 Stück Mutterschafen stabilisiert hat. Im Sächsi schen Schaf- und Ziegenzuchtverband e. V. werden 27 Rassen züchterisch bearbeitet, die auf drei Rassegruppen entfallen; 131 Züchter
halten insgesamt 5.454 Zuchtschafe (männlich und weiblich). Aufgrund ihrer Zuchtgeschichte und Verbreitung haben für den Freistaat Sach sen insbesondere das Merinofleischschaf, das Leineschaf, das Ostfriesische Milchschaf und die Skudde eine besondere Bedeutung.
Tabelle 6:
ENTWICKLUNG DES ZUCHTBESTANDES DER GEFÄHRDETEN SCHAFRASSEN IN SACHSEN
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Das Leineschaf Historie Die ursprüngliche Geschichte dieser Rasse begann im Tal der Leine und im Eichsfeld. Als Leineschaf wurde es erstmalig 1914 auf der Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts gesellschaft (DLG) als „Veredelte Landrasse“ gezeigt. Insbesondere die Anpassung an ex treme Witterungs- und Futterverhältnisse veranlasste Schäfereien aus Sachsen, Böcke der Rasse Leineschafe anzukaufen und eigene Reinzuchtherden aufzubauen. Es wurde wegen seiner Anspruchslosigkeit gegenüber anderen Landschafrassen vorgezogen. Das Leineschaf lieferte Wolle für den Hausgebrauch, Fleisch für die Eigenversorgung und Dünger für die Felder der Bauern. Ab 1992 begannen der Na turschutzbund e. V. Sachsen, die Gesellschaft zur Erhaltung alter Haustierrassen, der Landes verband Thüringer Schafzüchter e. V. und der Sächsische Schaf- und Ziegenzuchtverband e. V. die noch wenigen vorhandenen Tiere zu sam meln und Züchter für diese Rasse zu begeistern. Es gelang, reinrassige Tiere aus Polen zurückzu führen und kleine Zuchtgruppen aufzubauen – das Leineschaf im ursprünglichen Typ.
Leineschafe
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Eigenschaften mittelrahmig weißes Haarkleid hornlos hohe Widerstandsfähigkeit gegen Witterungs- und Haltungseinflüsse gute Eignung für die Hüteund Koppelhaltung Gewicht Mutterschafe: 60 bis 80 kg Ablammergebnis: 140 bis 200 Prozent Wolle: langabwachsend, dicht gestapelt, 28 bis 36 µ unbewollter Kopf bis hinter die Ohren und Beine tägliche Zunahme der Mastlämmer: 250 bis 400 g Mastendgewicht: 35 bis 42 kg lange Brunstsaison Erstzulassung ab ca. acht Monaten
Im Jahr 2020 umfasste der Bestand des Leineschafes im Freistaat Sachsen 317 Mutterschafe und 18 Böcke, die von sieben Züchtern betreut wurden.
Das Merinofleischschaf Historie Die Zuchtgeschichte des Merinofleischschafes ist besonders eng mit Sachsen verbunden. Im Jahr 1748 erfolgte zwar ein erster, aber nicht erfolgreicher Export spanischer Merinos nach Preußen – erst das Geschenk an den Kurfürs ten von Sachsen im Jahr 1765 öffnete den Weg für eine erfolgreiche Feinwollzucht in ganz Eu ropa. Dieses Jahr wird auch als Geburtsstunde für eine zielstrebige Schafzucht bezeichnet, die das Zeitalter des „Goldenen Vlieses“ einleitete. Das Merinofleischschaf setzte sich vor allem in den Ackerbaugebieten Mitteldeutschlands und in Niedersachsen, in Brandenburg, Mecklen burg-Vorpommern und Ostpreußen durch. Seit 1949 war die Schafzucht in der DDR be sonders auf die Entwicklung der Feinwoll produktion ausgerichtet. Die während der deutschen Trennung von 1950 bis 1990 zu be obachtende Unterscheidung bei der Züchtung des Merinofleischschafes in eine Fleisch- Wolle betonende Zuchtrichtung in Westdeutschland und eine Wolle-Fleisch befördernde Zucht in Ostdeutschland mündete nach der Wiederver einigung 1990 in ein gemeinsames Zuchtziel. 1992 vollzogen die Merinofleischschafzüchter die Gründung eines gemeinsamen Rasseaus schusses Merinofleischschaf.
Ablammergebnis: 150 bis 200 Prozent Wolle: fein, weiß, Merinocharakter, möglichst ausgeglichene Feinheit von A bis AB (22 bis 28 µm), 4 bis 6 kg Vliesgewicht eignet sich in Rein- und Hybridzucht für Lammfleischproduktion mit hoher Schlachtkörperqualität Unter den gegebenen marktwirtschaftlichen Anforderungen gibt es hinsichtlich der Fleisch produktion effektivere Rassen, hinsichtlich der Kombination Feinwolle – Fruchtbarkeit – Fleischqualität ist das Merinofleischschaf aber unschlagbar.
Im Freistaat Sachsen werden aktuell von zehn Züchtern 1.213 Zuchtschafe und 26 Zuchtböcke betreut. Das macht rund 20 Prozent des deutschen Zuchtbestandes aus.
Merinofleischschafe
Eigenschaften mittelrahmig betonte Fleischleistung gute Fruchtbarkeit für futterwüchsige Boden in Ackerund Grünlandgebieten gut geeignet ungeeignet für Gebirge und Gebiete mit hohen Niederschlagsmengen Mutterschafe hornlos Gewicht: 70 bis 85 kg Tiergenetische Ressourcen | 23
Das Ostfriesische Milchschaf Historie Das Ostfriesische Milchschaf wird als Rasse dem Niederungs- oder Marschschaf zugeord net. Nach Angaben aus der Literatur sollen hol ländische Seeleute Anfang des 17. Jahrhunderts Schafe aus Indien mitgeführt haben, die über eine große Fruchtbarkeit verfügten und eine sehr gute Wollleistung aufwiesen. Diese Tiere wurden in Groningen und auf der Insel Texel zur Kreuzung eingesetzt. Durch die drei bevorzugten Eigenschaften Milchleistung, Fruchtbarkeit und Wollleistung setzte sich das Ostfriesische Milch schaf von allen Marschschafen durch. Herkunft und hohe Milchleistung gaben dieser Rasse ihren Namen.
Eigenschaften kräftig, großrahmig, widerstandsund anpassungsfähig frühreif, fruchtbar, frohwüchsig gute Milch- und Wollleistung gute Fleischqualität Wolle: lang und abgewachsene Crossbred-Wolle, 32 bis 38 µ, Kopf und Gliedmaßen einheitlich weiß über einheit lich schwarzbraun bis hin zu gescheckt saisonaler Brunstzyklus Milchleistung: 400 bis 600 kg (150-Tageleistung), fünf bis sechs Prozent Fett, vier bis fünf Prozent Eiweiß
Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich die Milchschafzüchter in Sparten und Vereinen zu sammen. Im Jahr 1958 standen ca. 88 Prozent der unter Milchkontrolle stehenden Mutterschafe im Zuchtgebiet Sachsen.
Nutzung Heute erfolgt die Nutzung dieser Rasse in kleinen Herden mit 70 bis 80 Schafen als Ni schenproduktion mit der Erzeugung und häufig Direktvermarktung von Milch und Lammfleisch. In der Einzelschafhaltung wird diese Rasse auch zur Landschaftspflege eingesetzt. Der Rückgang ab 2002 ist hauptsächlich der demografischen Entwicklung geschuldet. Das Ostfriesische Milchschaf bietet aufgrund einer sehr guten Fleischqualität und der Eignung für Weidehal tung und Landschaftspflege gute Vorausset zungen zur Nutzung.
Der Zuchtbestand im Freistaat Sachsen beträgt rund 35 Prozent des deutschen Zuchtbestandes. Im Jahr 2020 von 28 Züchtern 878 Zuchtschafe und 55 Zuchtböcke betreut.
Ostfriesische Milchschafe im Stall
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Skudde Bock
Die Skudde Historie Die Skudde ist eine ursprüngliche, mischwol lige Landschafrasse, die zur Gruppe der kurz schwänzigen, nordischen Heideschafe zählt. Ihren Ursprung hat diese Rasse in Ostpreußen und im Baltikum. Die deutsche Skuddenzucht geht im Wesentlichen auf wenige Tiere zurück, die 1941 durch den Münchener Zoo aus Litauen angekauft worden waren. Bereits 1942 wurde eine kleine Gruppe von Tieren von München an den Zoologischen Garten Leipzig übergeben. Bis in die 1980er Jahre wurde die Skudde so vor allem in den zoologischen Gärten gehalten und züchterisch dokumentiert. Über die Abgabe von Zuchttieren gelang es, einzelne interessierte Züchter auch außerhalb dieser Einrichtungen als Liebhaber für diese Rasse zu gewinnen, deren wirtschaftlicher Erfolg in der Landschaftspflege besteht.
Eigenschaften kleinste deutsche Schafrasse keilförmiger mit Stichelhaaren besetzter Kopf Böcke mit Mähne Böcke mit schneckenförmigem Gehörn
Muttertiere hornlos, mit abstoßbaren Stummelhörnern oder gehörnt Mischwolle in weiß, schwarz, braun oder grau Scheckungen und Zeichnungen möglich Gewicht Mutterschafe: 30 bis 40 kg Ablammergebnis: 130 bis 180 Prozent
Nutzung Die Skudde wird als ein robustes, kleinrahmiges Schaf mit besonderer Eignung zur Landschafts pflege auf mageren Standorten gezüchtet. Die Haltung erfolgt im Sommer wie im Winter im Freien. Skudden sind geeignet für die Land schaftspflege in speziellen Biotopen, wie er tragsarmen Standorten, Ökoprojekten und in Naturschutzgebieten.
Im Freisaat Sachsen sind zurzeit 15 Züchter mit 286 Zuchtschafen und 41 Zuchtböcken registriert.
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6. Schweine Überblick Bis zum 18. Jahrhundert gab es in Bezug auf Lebensweise und Aussehen bei den europäi schen Hausschweinen wenig Unterschiede zur Stammform, dem Wildschwein. Ende des 18. Jahrhunderts begann von England aus die Um züchtung zu frühreifen Schweinen mit starkem Fettansatz. Durch den Seehandel Englands ka men auch ostasiatische Schweine nach Europa, die in der Herauszüchtung veredelter Rassen eingesetzt wurden. Ab dem Jahr 1860 wurden diese Schweine auch nach Deutschland über führt und in die Landschläge eingekreuzt. Bis zum Ende der Nachkriegszeit wurde ein tief rumpfiges Schwein im Typ des Fettschweins gezüchtet, das große Mengen wirtschaftsei genes Futter verwerten konnte. Die züchteri 26 | Tiergenetische Ressourcen
Deutsche Sattelschwein Sau mit Ferkeln
sche Orientierung auf fleischreiche, fettärmere Schweine änderte die Rassenstruktur ab Ende der 1950er Jahre jedoch beträchtlich. In Deutschland werden seit 2010 jedes Jahr zwischen 55 bis 60 Millionen Schweine geschlachtet. Diese Tiere werden von ca. 1,8 Millionen Hybridsauen nach Anpaarung mit sogenannten Endstufenebern erzeugt. Als Zuchtbestand benötigt man dazu nur einige Tausend Tiere. Diese gehören jedoch nur noch selten „reinen“ Rassen an, sondern sind Tiere spezieller Zuchtlinien von Zuchtunternehmen. Strukturelle Änderungen und Spezialisierung der Erzeugung führten dazu, dass heute beim Schwein die Hybridzucht vorherrscht. Zuneh
Deutsches Sattelschwein Jungeber
mend komplexere Kreuzungszuchtprogramme hatten zur Folge, dass die Zuchtarbeit immer stärker in Unternehmen verlagert wurde. Die Basis der Zucht sind reine Rassen und Linien, wobei erstere zahlenmäßig immer weiter zu rückgehen.
in Deutschland die Basis einer erfolgreichen Herdbuchzucht gelegt. Auch für das Deutsche Sattelschwein und die Rasse Leicoma spielte Sachsen eine bedeutende Rolle.
Im 1. Weltzustandsbericht „Tiergenetischer Res sourcen für Ernährung und Landwirtschaft“ wurden im Jahr 2007 599 Schweinerassen erfasst, von denen etwa zehn Rassen auch in Deutschland gehalten werden. Allerdings gelten nur vier Rassen (Bunte Bentheimer, Deutsche Landrasse, Deutsches Edelschwein und Leicoma sowie die Rassegruppe Sattel schweine mit Angler Sattelschwein, Deutschem Sattelschwein, Rotbuntem Husumer Schwein und Schwäbisch-Hällischem Schwein) als ein heimisch. Alle diese Rassen sind inzwischen existenzgefährdet.
Das Deutsche Sattelschwein
Sachsen spielte in der Zucht der Landrasse eine bedeutende Rolle. Die züchterische Bearbeitung des „Meißner Schweines“ begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Bereits im Jahr 1888 wurde mit Gründung der 1. Zuchtgenossenschaft
Historie Die Geschichte des Deutschen Sattelschweines beginnt auf der Halbinsel Angeln im nordöst lichsten Teil Schleswig-Holsteins. Dort kreuzten Bauern 1925/26 die ersten Wessex Saddleback Eber aus England ein. 1937 wurde die Rasse als Angler Sattelschwein anerkannt. Parallel dazu, aber einige Jahrzehnte früher, entstand in Süddeutschland die Rasse des Schwäbisch-Häl lischen Schweines. 1948 wurde in der Mitglie derversammlung der Vereinigung Deutscher Schweinezüchter beschlossen, die Zuchtbe stände aller Sattelschweine in der sowjetischen Besatzungszone zu einer Rasse mit der Be zeichnung „Deutsches Sattelschwein“ zusam menzufassen. Seit 1970 wurde das Deutsche Sattelschwein dann nur noch als Genreserve Tiergenetische Ressourcen | 27
im Tierzuchtgut Hirschfeld bei Nossen gehal ten, da Fettschweine nicht mehr gewünscht waren. Die Rasse war jedoch an der Neuzüch tung einer leistungskombinierten synthetischen Mutterrasse Leicoma beteiligt. Im Tierzuchtgut Hirschfeld standen bis 1992 ca. 200 Sauen und 12 Eber. In den Jahren 1991/92 erfolgte die Auf lösung des Tierzuchtgutes Hirschfeld und damit der Verkauf aller Sattelschweine. Eigenschaften Das Deutsche Sattelschwein ist eine ideale Mutterrasse, die sich durch eine Lebenstagszu nahme von 800 bis 900 g und einer Wurfgröße von elf Ferkeln auszeichnet. Die Sattelschweine sind eine widerstandfähige, robuste Rasse und damit hervorragend für extensive Hal tungsformen, wie Hütten- und Weidehaltung,
geeignet. Im Unterschied zu den heute einge setzten Mutterrassen Large White und Deut sche Landrasse sind Lebenstagszunahme und Fleischfülle geringer. Die Sattelschweine über zeugen jedoch mit der höheren Fleischqualität und Schmackhaftigkeit, bedingt durch einen geringeren Tropfsaftverlust und einen höheren intramuskulären Fettgehalt. Bestandsentwicklung Der Hybridschweinezuchtverband Nord/Ost e. V. (HSZV) betreut Züchter in neun Bundeslän dern, vorrangig in Brandenburg. Im Jahr 2019 lag der Bestand deutschlandweit bei 55 Ebern und 209 Sauen. In Sachsen sind gegenwärtig nur 26 Zuchttiere beim Verband registriert.
Tabelle 7:
BESTANDSENTWICKLUNG DES DEUTSCHEN SATTELSCHWEINS IN DEUTSCHLAND
Sattelschweinhaltung im Tierpark Görlitz
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Sau der Rasse Leicoma
Leicoma Historie Der Name Leicoma ist ein Kunstwort, wel ches die Anfangsbuchstaben der ehemaligen DDR Bezirke Leipzig, Cottbus und Magdeburg vereint. In diesen Bezirken waren die Stamm zuchten ansässig (Leipzig – Polkenburg, Cott bus – VEG Tierzucht Kölsa, Magdeburg – VEG Tierzucht Sandbeiendorf). Die Neuzüchtung (Synthetische Linie) wurde im Rahmen des DDR-Hybridzuchtprogramms von der Arbeits gruppe Neuzüchtung unter der Leitung von Gunther Nitzsche konzipiert. Synthetische Linie (Neuzüchtung) / Kombinationszucht (engl. sythetics) Kombination von guten Leistungseigenschaften aus zwei oder mehreren Rassen, die anschließend in Reinzucht weitergezüchtet wird. Wertvolle Eigenschaften einer Rasse sollen erhalten bleiben und mit nützlichen Eigenschaften anderer Populationen kombiniert werden. Die Aufspaltung der Nachkommen in den Folgepopulationen erfordert eine scharfe Selektion auf den neuen Rassetyp.
In der ersten Züchtungsetappe (1971–1975) wurden Deutsches Sattelschwein, Niederländi sche Landrasse und estnische Baconrasse kom biniert. Die Rassen Deutsches Sattelschwein und estnische Baconrasse stellten die Grund lage für Fruchtbarkeit und Umweltstabilität. Für die Verbesserung der Wachstumsintensität und Fleischfülle wurden in der zweiten Züchtungs etappe ab 1976 Duroc und Deutsche Landrasse einbezogen. In der weiteren Insich-Züchtung erfolgte die Selektion mit hoher Intensität. Die Rasseanerkennung erfolgte 1986. Zusammensetzung Ausgangsrassen 4 6 Prozent Duroc (DU) 4 4 Prozent Deutsche (DL,~34 %) und Niederländische Landrasse (NL,~10 %) 6 Prozent Estnisches Baconschwein (EB) 5 Prozent Sattelschwein (DS)
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Leicomaschwein Eber
Eigenschaften Herausragendes Merkmal der Rasse ist die hohe Fleischqualität, die für die Erzeugung von Qualitätsschweinefleisch mit sehr guten Geschmackseigenschaften geeignet ist. Wei tere Vorzüge sind die Robustheit und die aus geprägte Mütterlichkeit. Leicomas erreichen tägliche Zunahmen von über 900 g und eine durchschnittliche Wurfgröße von elf Ferkeln.
Bestandsentwicklung Bis Anfang der 1990er Jahre prägten die Leico mas die Schweinezucht in der DDR. In Folge der Entwicklungen ab den 1990er Jahren nahm der Bestand der Leicoma drastisch ab. Durch den wirtschaftlichen Umbruch gaben viele Betriebe
auf, dazu wurden einheimische Schweinerassen zunehmend durch hochfruchtbare Hybridsauen verdrängt. 2012 züchtete nur noch ein Betrieb Leicomas und es gab weniger als 30 Zuchttiere. Um das Aussterben zu verhindern, initiierte das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) erfolgreich einen öffentlichen Aufruf, durch den 60 Schweine zucht-Interessierte an den Betrieb vermittelt werden konnten. Um die Vielfalt innerhalb der Rasse zu erhalten, wurden in Sachsen-Anhalt Leicoma Sauen mit tiefgefrorenen Spermare serven früherer Leicoma Eber besamt. Heute sind wieder 83 Sauen und 21 Eber im Herd buch eingetragen (Tabelle 8). Verbreitet ist die Schweinerasse nach wie vor schwerpunktmäßig in Mitteldeutschland.
Tabelle 8:
BESTANDSENTWICKLUNG DER RASSE LEICOMA IN DEUTSCHLAND
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7. Kaninchen Das inzwischen in Sachsen selten gewordene Wildkaninchen gilt als Stammform der Haus kaninchen. Die Domestikation erfolgte erst im späten Altertum und frühen Mittelalter. Im 1. Weltzustandsbericht „Tiergenetischer Res sourcen für Ernährung und Landwirtschaft“ im Jahr 2007 wurden weltweit 230 Rassen be nannt. Beklagt wird allerdings, dass bei 72 Pro zent der Kaninchenrassen Populationsdaten fehlen. Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass nach der Tierart Pferd beim Kaninchen mit 20 Prozent der höchste Anteil gefährdeter Rassen verzeichnet wird. In Deutschland werden 110 Kategorien (Ras sen und Farbenschläge) im Verzeichnis TGRDEU aufgeführt, davon sind 30 Rassen mit 94 Far
Meißner Widder
benschlägen einheimisch. Als solche gelten Rassen, die vor 1949 in Deutschland entstan den sind oder vor diesem Zeitpunkt nach weislich in Deutschland gezüchtet wurden und einen landwirtschaftlichen Nutzen haben oder hatten. Dabei werden nur die ursprüng lichen Farbenschläge berücksichtigt. Von die sen 30 Rassen werden acht (= 27 Prozent) mit 24 Farbenschlägen in der Roten Liste als gefährdet eingestuft (siehe Tabelle 1). Träger der genetischen Vielfalt ist die organisierte Rassekaninchenzucht mit ca. 130.000 Mitglie dern in fast 5.000 Vereinen, organisiert in 500 Kreis- und 20 Landesverbänden. Daneben gibt es noch 400 Spezialclubs.
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Die Meißner Widder Bedeutung für den Freistaat Sachsen Die Rassekaninchenzüchter in Sachsen sind mit ca. 7.500 Mitgliedern in 500 Vereinen or ganisiert. In den Züchterställen werden etwa 170.000 Zuchtkaninchen in 70 unterschiedli chen Rassen gehalten. Bezogen auf Landesflä che und Einwohnerzahl nimmt Sachsen damit eine herausragende Stellung in der deutschen Kaninchenzucht ein. Die gefährdeten Rassen werden nur von wenigen Züchtern gehalten. Von daher sind in Tabelle 2 sieben der acht gefährdeten Rassen benannt. Insbesondere das Meißner Widderkaninchen, das Angorakaninchen und die stark gefährdeten Marderkaninchen sollten in Sachsen im Blick behalten werden.
Die Besonderheit dieser Rasse und der Farben schläge havanna, gelb, blau, graubraun und schwarz ist eine Silberung, mit der die Deck farbe am ganzen Körper versehen ist. Diese Silberung war es, die bei allen Kaninchenzüch tern bei der ersten Vorstellung dieser Rasse 1904 große Beachtung fand. Bis zu dieser Zeit galt der Grundsatz, dass die Silberfarbe nicht auf andere Kaninchenrassen übertragbar sei. Der Herauszüchter Leopold Reck, ein gebür tiger Meißner und gelernter Kaufmann hatte mit dieser ältesten sächsischen Heimatkanin chenrasse diese Besonderheit geschaffen. Die Rasse wurde 1908 als voll durchgezüchtet endgültig in den Deutschen Einheitsstandard für Rassekaninchen aufgenommen. Zu dieser Zeit waren in Deutschland die großen Widder kaninchen beliebt. Der Modetrend wechselte jedoch schnell zu den Silberkaninchen. Vom Züchter Reck wurde dieses Zuchtziel, einen größeren „Pelzlieferanten“ mit dem Silberfell des kleinen Silberkaninchens in zehnjähriger Zuchtarbeit umgesetzt. Bis 1927 wurden die
Japanerhäsin mit Jungtieren
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Farbige Angorakaninchen
Das Angorakaninchen fünf Farbenschläge schrittweise herausge züchtet. Das Kaninchen spielte nicht nur als Fleisch-, sondern auch als Felllieferant bis 1989 eine entscheidende Rolle. Jährlich wurde eine große Anzahl an Kaninchenfellen durch die Pelzindustrie, insbesondere der Messestadt Leipzig, verarbeitet und als Imitate von Fuchs, Wildkatze und anderen wildlebenden Tieren aufbereitet.
Das bundesweite Monitoring im Jahr 2018 registrierte 519 Zuchttiere bei weiterhin leicht sinkender Tendenz. In Sachsen werden aktuell 131 Zuchttiere gehalten, immerhin ein Viertel des Bestandes.
Die ersten Zuchterfolge des „Seidenkaninchens“ wurden ausgehend vom Wildkaninchen 1760 in Frankreich verzeichnet. Damit zählt diese Rasse zu den ältesten, wenn sie nicht sogar die älteste Kaninchenrasse überhaupt ist. Der durch eine Mutation entstandene Langhaarfaktor prägte den Namen der Kaninchenrasse. Weltweit wer den vier Angora Rassen unterschieden, darun ter das Deutsche Angorakaninchen, welches ein auf Wollleistung gezüchtetes Langhaar kaninchen mit einem sehr feinen Vlies ist. Eine viermalige Schur im Jahr ist nötig und erzielt heute bei Spitzentieren bis zu zwei Kilogramm Wolle. Die Wolle ist besonders für Thermowä sche und Gesundheitswäsche geeignet, aber es lassen sich auch feine Strickstoffe daraus herstellen. Tiergenetische Ressourcen | 33
Die Entwicklung des Wollabsatzes und damit der Zucht dieser Rasse war in der Geschichte sehr starken Schwankungen unterworfen. Weltweit stammt heute etwa 95 Prozent der Wolle von Tieren aus China. Ab den 1990er Jah ren besteht bis in die Gegenwart in Deutsch land kaum mehr Nachfrage nach Angorawolle. Mit dem Wegfall dieses wirtschaftlichen Fak tors, hervorgerufen durch sehr schlechte Preise, sind die Zuchten sehr stark zurückgegangen. Nur noch wenige Hobbyhalter züchten die in Deutschland mittlerweile vom Aussterben be drohte Rasse.
Eigenschaften mittelgroße Rasse bis zu 3,5 kg schwer walzenförmiger Körperbau f arblose Augen, die rot erscheinen zum Teil auch farbige Angoras mit weißen und blauen Augen
Das bundesweite Monitoring im Jahr 2018 registrierte 285 weiße und 167 farbige Zuchttiere. Während die farbigen Tiere leicht zunehmen, ist der Rückgang der weißen Tiere beträchtlich. Vor zehn Jahren lag der Zuchttierbestand noch bei 557 Tieren. In Sachsen werden aktuell nur 28 weiße und
27 farbige Elterntiere
gehalten.
Angora Jungtier
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Marder kaninchen
Das Marderkaninchen Das Marderkaninchen ging aus unterschied lichen Rassen zwischen 1923 und 1925 an mehreren Orten hervor. Stets war das Chin chillakaninchen an der Entstehung beteiligt. In Deutschland wurde die Rasse erstmals um 1924 in der Nähe von Hamburg durch den Züchter Emil Thomsen herausgezüchtet. Sie ging aus ei ner Kreuzung der Rassen Blaue Wiener, Thürin ger, Hasenkaninchen, weißen Angora, Havanna und Kleinchinchilla hervor. Da die Farbe (braun oder blau) und die Zeichnung der neuen Rasse der von Baum- und Steinmardern ähnelte, wurde der Name Marderkaninchen gewählt. Kurze Zeit nach der Herauszüchtung des „klei nen“ Marders entstand aus diesem um 1925/26 in Russland der Große Marder. Dieser wurde auch „Sowjetischer Marder“ genannt. Im Jahr 1990 fanden die Großen Marder Aufnahme in den Deutschen Einheitsstandard. Als ge fährdete einheimische Rasse zählt allerdings nur das „kleine“ Marderkaninchen im braunen Farbenschlag.
Eigenschaften Optimalgewicht: 2,5 bis 3,25 kg leicht gedrungener Körper kurze, mittelstarke Läufe dicht am Körper angesetzter Kopf gut behaarte Ohren, die stabil im Gewebe sind, ideale Länge von 9 bis 11 cm dichtes, elastisches, gut begranntes Fell von feiner Struktur, Länge von 2,5 cm
Bundesweit wurden 2018 bei den „kleinen“ Marder kaninchen 200 Rammler und 319 Häsinnen registriert. Im Vergleich zu 2004 war das ein Rückgang von 25 Prozent bzw. 35 Prozent. In Sachsen bestanden 2018 16 Zuchten mit 39 Rammlern und 70 Häsinnen sowie 437
Jungtieren.
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8. Geflügel Als Nutzgeflügel gelten Rassen der domesti zierten Arten Huhn, Pute, Ente, Gans, Taube, Perlhuhn und Japanische Wachtel. Die welt weit größte Bedeutung hat dabei das Haus huhn, welches bereits im 7. Jahrhundert vor Christus nördlich der Alpen bekannt war. Eine große Rassenvielfalt entstand erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Ausdruck dieser stür mischen Entwicklung war die Gründung des 1. Hühnerologischen Vereins in Görlitz im Jahre 1852 durch Robert Oettel. Nach der Jahrhundertwende setzte schrittweise eine nahezu vollständige Trennung zwischen der Wirtschafts- und Rassegeflügelzucht ein. Für die Entwicklung der heute in der kommerziellen Geflügelzucht existierenden Hochleistungs linien wurde aus der breiten Rassenvielfalt 36 | Tiergenetische Ressourcen
Zuchtstamm Sachsenhühner
nur ein geringer Teil herangezogen. Zahlreiche Geflügelrassen sind daher heute nur noch im Hobbyzuchtbereich zu finden. Dort werden sie meist in sehr kleinen Beständen gehalten. Von den ca. 14.000 organisierten Zuchten in Sach sen entfallen dabei 60 Prozent auf Tauben, 33 Prozent auf Hühner (davon 2/3 Zwerghühner) und sieben Prozent auf Groß- und Wasserge flügel (Puten, Perlhühner, Gänse und Enten) (Abbildung 1). Im 1. Weltzustandsbericht „Tiergenetischer Res sourcen für Ernährung und Landwirtschaft“ im Jahr 2007 wurden 1.750 Geflügelrassen von Huhn, Ente, Pute und Gans identifiziert und 42 Prozent als bedroht, 28 Prozent als ausge storben/unbekannt und 30 Prozent als nicht
bedroht eingestuft. In Deutschland werden 258 Rassen von Huhn, Gans, Ente und Pute im Verzeichnis TGRDEU aufgeführt, darunter 55 einheimische Rassen, einschließlich drei als nicht gefährdet eingestufte Taubenrassen. Als einheimisch gelten Rassen, die vor 1930 in Deutschland entstanden sind oder vor diesem Zeitpunkt nachweislich in Deutschland gezüch tet wurden und einen landwirtschaftlichen Nutzen haben oder hatten. Dabei werden nur die ursprünglichen Farbenschläge Liste be rücksichtigt. Von diesen 55 Rassen werden 40 (= 73 Prozent) in der Roten Liste als gefährdet eingestuft (siehe Tabelle 1).
Bedeutung für Sachsen Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurden im Königreich Sachsen Staatsbeihilfen für bestimmte Geflügelrassen gewährt. Diese sind entsprechend ihrer Nutzungsrichtung in Tabelle 9 aufgeführt. In Sachsen zu dieser Zeit vorherrschende Rassen waren Italiener, Minor kas, Wyandotten, Langschans, Orpingtons und Plymouth-Rocks.
Tabelle 9:
GEFLÜGELRASSEN UND DEREN NUTZUNGSRICHTUNG, FÜR DIE ANFANG DES 20. JAHRHUNDERTS STAATSBEIHILFEN GEWÄHRT WURDEN
Quelle: Arbeiten der DLG, Heft 145: Die Maßnahmen zur Förderung der Nutzgeflügelzucht in Deutschland, Berlin 1908
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Sachsenhuhn Hahn
Aus diesem Grund sind in Tabelle 2 die Rassen Minorka und Langshan als für Sachsen relevant aufgeführt. Hinzu kommen das Sachsenhuhn, die Deutsche Legegans, die Deutsche Pute (nachfolgend beispielhaft vorgestellt) sowie weitere gefährdete Rassen, die in Zuchtbüchern des Sächsischen Rassegeflügelzüchterverban des e. V. geführt werden.
Das Sachsenhuhn Um 1880 wurde im Erzgebirge ein leistungs starkes, an das raue Klima angepasstes säch sisches Landhuhn gezüchtet. Ausgangsrassen waren Langschans (asiatische Rasse) und Mi norka (Mittelmeerrasse). Bereits 1884 wurden erste Tiere ausgestellt, denen jedoch die Ein heitlichkeit fehlte. Im Jahre 1914 einigten sich die Züchter auf den Namen „Sachsenhuhn“ und stellten 1916 eine Musterbeschreibung auf. Mit Gründung des Sondervereins 1921 begann die zielgerichtete züchterische Arbeit. Neben dem Initiator des Vereins, Arthur Esche, sei Grün dungsmitglied Moritz Agsten aus Chemnitz als Erzüchter des schwarzen Farbenschlages erwähnt. Arthur Esche erzüchtete 1923 den gesperberten Farbenschlag und kurz darauf die Weißen. Seit den 1960er Jahren ist auch der gelbe Farbenschlag vertreten. Auf den Haupt 38 | Tiergenetische Ressourcen
sonderschauen in Leipzig gehört das Sach senhuhn trotz seiner Gefährdung inzwischen zu den zehn meistausgestellten Rassen. Die Sachsenhühner werden schwerpunktmäßig in Sachsen gezüchtet, begeistern aber auch Züch ter aus anderen Bundesländern und sogar aus Österreich. Die Züchter im Sonderverein sind gut miteinander vernetzt, was auch den Aus tausch an Zuchttieren und Bruteiern betrifft.
Eigenschaften Hahn gestreckter Rumpf mit breiten vollen Sattelpartien gut gesicherter Schwanz voll ausgebildete Bauchpartie und Brust gut gewölbte Kamm- und Kehllappen weiße, mandelförmige Ohrscheiben Gewicht: 2,5 bis 3 kg Eigenschaften Henne gut gestreckter Körper mit ansteigender Rückenlinie tütenförmiger Schwanz Legeleistung im 1. Jahr 180 Eier, im 2. Jahr 150 Eier Schalenfarbe hellgelb bis hellbraun Gewicht: bis zu 2,5 kg
Das bundesweite Monitoring im Jahr 2009 registrierte 55 Zuch ten, 32 davon in Sachsen mit 60 Prozent der etwa 600 Zuchttiere. Bis 2019 hat sich der Bestand bundesweit auf 922, davon 826 der ursprünglichen Farbenschläge in 97 resp. 84 Zuchten erhöht. In Sachsen werden aktuell (Stand 2020) von 61 Züchtern 93 Hähne und 519 Hennen in allen 4 Farbenschlägen gehalten.
Die Deutsche Legegans Die Geschichte der Deutschen Legegans geht bis in die 1930er Jahre zurück. Hauptzuchtge biet war und ist bis heute Sachsen. Die wich tigsten Zuchtziele waren hohe Leistungen in den Nutzeigenschaften wie Legeleistung, Federertrag und Fleischansatz sowie die Wei detüchtigkeit der Gänse. Die Ausgangstiere für die Züchtung dieser Rasse waren weißfiedrige Landschläge. Es wird vermutet, dass auch die relativ große Slowakische Gans bei der Her auszüchtung eingesetzt wurde. 1941 wurde die Herdbuchzucht aufgenommen. Diese hatte das Ziel, eine besonders gute Legeleistung und einen überdurchschnittlichen Federertrag zu erreichen. Erst spät interessierten sich auch Rassegeflügelzüchter für diese Gänserasse und züchteten auf besondere Formmerkmale. 1958 erschien die erste Musterbeschreibung.
Das bundesweite Monitoring im Jahr 2009 registrierte 33 Zuchten, elf davon in Sachsen. Von den insgesamt 202 Zuchttieren standen 40 Prozent in Sachsen. Die Erhebung von 2019 zeigt mit 189 Zuchttieren in 37 Zuchten wenig Veränderung. Aktuell (Stand 2020) gibt es in Sachsen in 15 Zuchten 20 Ganter und 49 Gänse. Da Sachsen Hauptverbreitungsgebiet der Deut schen Legegans ist, besteht hier ein besonderes Interesse, diese Rasse zu erhalten. Nachdem die Meldezahlen auf den führenden Ausstellungen stark zurückgegangen waren, entschloss sich der Leipziger Rassegeflügelzüchterverein im Jahr 2007, diese Rasse durch gezielte Öffent lichkeitsarbeit und günstige Ausstellungskon ditionen zu fördern.
Legegans
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Deutsche Pute
Die Deutsche Pute Mit den spanischen Eroberern kamen Puten Anfang des 16. Jahrhunderts nach Europa und sind schnell heimisch geworden. Puten werden meist nicht nach Rassen, sondern nur nach Farbenschlägen unterschieden. Über die Erzüchtung der verschiedenen Farbenschläge ist wenig bekannt. Bereits im 18. Jahrhundert wurden neben den bronzefarbenen auch weiße, schwarze, schwarz-weiß gescheckte, braun gescheckte, weiß-rötliche, gelb-rötliche und aschgraue Puten beschrieben. Der bronzene Farbenschlag wurde über eine lange Zeit be vorzugt. Bruno Dürigen erwähnte 1906 bereits kleinere blaue und gelbe Puten, die aber noch nicht durchgezüchtet waren. Der reinerbig blaue Farbenschlag wurde mit Gründung des Sondervereins 1907 erstmals standardisiert. Schon um die Jahrhundertwende gab es in der Region Camburg/Saale viele Kupfertruthüh ner. Rote Truthühner sind sehr wahrscheinlich Verwandte der kupferfarbigen Puten. In den 1930er Jahren zeigte der Apotheker Schulken, Bad Sachsa, sehr schöne ockergelbe Tiere. Die Cröllwitzer Pute wurde erstmals 1933 zur Wel tausstellung in Rom und 1936 auf dem Welt geflügelkongress in Leipzig gezeigt. Erzüchtet wurde der Farbenschlag von Alfred Beeck, dem 40 | Tiergenetische Ressourcen
Direktor der 1. Staatlichen Lehr- und Versuchs anstalt für Geflügelzucht in Halle-Cröllwitz. Für die Cröllwitzer Puten gibt es 203 Zuchten mit 900 Tieren. Dank vieler Initiativen ist es inzwi schen gelungen, diesen schönen Farbenschlag vor dem Aussterben zu bewahren. Die in Tabelle 10 aufgelisteten Farbenschläge werden in die drei Gewichtsklassen schwer, mit telschwer und leicht eingeteilt. Als gefährdet werden in der nationalen Liste in Kategorie II die Farbenschläge blau, gelb, kupferfarbig, rot, schwarz und weiß geführt, die Cröllwitzer Pute in Kategorie III.
Das bundesweite Monitoring im Jahr 2019 ergab für die Farbenschläge in Kategorie II 125 Zuchten mit 538 Zucht tieren. Dies sind 25 Prozent der im BDRG registrierten Zuchtputen. In Sachsen werden aktuell in 78 Zuchten Deutsche Puten mit 117 Puter und 254 Hennen gehalten.
Cröllwitzer Puten
Tabelle 10:
EINTEILUNG DER FARBENSCHLÄGE DER DEUTSCHEN PUTE IN DIE GEWICHTSKLASSEN SCHWER, MITTELSCHWER UND LEICHT
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9. Initiativen des Freistaates Sachsen
Rotvieh Herde
Förderung Der Freistaat Sachsen hat sich seit Anfang der 1990er Jahre um den Erhalt der existenzbedroh ten Nutztierrassen bemüht, um die vorhande nen Genreserven zu bewahren. Im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) werden im Freistaat Sachsen seit elf Jahren die Zucht und Haltung seltener und gefährdeter heimischer Nutztierrassen über die Richtlinie Tierzucht (RL TZ/2015) gefördert. Zweck der Förderung ist der Ausgleich wirtschaftlicher Nachteile aufgrund besonderer Bewirtschaf 42 | Tiergenetische Ressourcen
tungsanforderungen oder geringerer Leistun gen, die durch die Haltung gefährdeter anstelle konventioneller Rassen entstehen. Die Auswahl der förderfähigen Rassen erfolgt auf Basis der Empfehlungen des Fachbeirates Tiergenetische Ressourcen nach den Grundsätzen des Natio nalen Fachprogramms zur Erhaltung und nach haltigen Nutzung tiergenetischer Ressourcen. Aktuell wird für folgende Rassen, die auch im Förderportal unter www.lsnq.de/TZ abrufbar sind, eine Förderung gewährt:
Tabelle 11:
FÖRDERFÄHIGE VOM AUSSTERBEN BEDROHTE TIERRASSEN IN SACHSEN
Die Höhe der Förderung beträgt 200 Euro je Großvieheinheit (GVE), bei Vatertieren zusätz lich 200 Euro je GVE und bei Zuchttieren, die der Samengewinnung oder der Embryogewin nung dienen, zusätzlich 240 Euro je GVE. Folgender Umrechnungsschlüssel wird in Sachsen zugrunde gelegt: Rinder (Bullen und Kühe) Pferde (Hengste und Stuten) Schweine (Eber und Sauen) Schafe und Ziegen
1,0 GVE 1,0 GVE 0,5 GVE 0,15 GVE
Die Fördervoraussetzungen sind erfüllt, wenn die gehaltenen Tiere im Zuchtbuch eines an erkannten Zuchtverbandes eingetragen sind und am jeweiligen Erhaltungszuchtprogramm teilnehmen. Züchter verpflichten sich, die Tiere über einen Zeitraum von fünf Jahren zu halten. Da es im Freistaat Sachsen keinen ortsansässi gen Schweinezuchtverband mehr gibt, erfolgt die Betreuung der Züchter existenzbedrohter Schweinerassen durch den Hybrid Schweine zuchtverband Nord/Ost e. V. Die Beantragung der Förderung erfolgt durch den zuständigen
Rheinisch-Deutsche Kaltblüter im Feldeinsatz
Zuchtverband, der mit den Züchtern einen pri vatrechtlichen Vertrag zur Weiterleitung der Zuwendung abschließt. Folgende Zuchtver bände bieten Erhaltungszuchtprogramme für die oben genannten Rassen an: Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e. V. Käthe-Kollwitz-Platz 2 01468 Moritzburg www.pferde-sachsen-thueringen.de Hybrid Schweinezuchtverband Nord/Ost e. V. Basedower Straße 86 17139 Malchin www.hszv.de Tiergenetische Ressourcen | 43
Sächsischer Rinderzuchtverband e. G. Schlettaer Straße 8 01662 Meißen www.masterrind.de
zur Verfügung. Insgesamt liegen diese Flyer für 28 Rassen vor, welche Interessenten wichtige Informationen liefern und zum Einstieg in Zucht und Haltung dieser Rassen motivieren soll.
Sächsischer Schaf- und Ziegenzuchtverband e. V. Ostende 5 04288 Leipzig www.sszv.de
Um die Rasse Angorakaninchen bekannt zu ma chen und sachlich falsche Darstellungen zum Scheren zu korrigieren, wurde vom LfULG der Kurzfilm „Ihm nutzt kein dickes Fell“ im Jahr 2016 als Videoclip produziert. Seitdem wird er regel mäßig abgerufen, im Jahr 2019 allein 8.244 Mal.
Öffentlichkeitsarbeit Der Freistaat Sachsen unterstützt seit vielen Jahren insbesondere durch Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit das Anliegen zum Erhalt gefährdeter Nutztierrassen.
Neben Vorträgen bei Fachveranstaltungen der Verbände werden vom LfULG seit Jahren der Sächsische Kaninchentag und ein Fachforum zum Geflügel anlässlich der jährlich stattfinden den LIPSIA-Schau mit dem Schwerpunkt „Erhalt tiergenetische Ressourcen“ organisiert und in Zu sammenarbeit mit den Verbänden durchgeführt. Seit über zehn Jahren wird im Rahmen der Lan destierschau anlässlich der zweijährig statt findenden Landwirtschaftsmesse agra ein Sonderprogramm zu existenzbedrohten Rassen gestaltet, welches öffentlichkeitswirksam auf die Thematik hinweist.
Nach der Herausgabe der Broschüre „Gefährdete einheimische Nutztierrassen in Sachsen“ im Jahr 2011 durch das Sächsische Landesamt für Um welt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) wur den in den Folgejahren Flyerserien zu den acht geförderten Großtierrassen sowie zu ausgewähl ten Kaninchen- und Geflügelrassen veröffentlicht. Diese stehen unter www.publikationen.sachsen.de 44 | Tiergenetische Ressourcen
Landestierschau zur agra 2019
Container zur Kryokonservierung
Genbank Seit 2016 ist basierend auf einer Bund-LänderVereinbarung die Deutsche Genbank land wirtschaftlicher Nutztiere zur Einlagerung von genetischem Material einheimischer Nutztierrassen in Mariensee eingerichtet. Die sogenannte Kryokonservierung, die das Ein frieren von Spermien, Eizellen und befruchtete Eizellen in Flüssigstickstoff darstellt, dient dabei als eine weitere Form der Bewahrung geneti scher Ressourcen. Das genetische Material wird den Zuchttieren bereits zu Lebzeiten entnommen, verdünnt und labortechnisch für die Kryokonservierung vorbereitet. Im Ergebnis werden kleine Straws erstellt, die das genetische Material enthalten. Diese werden in großen, mit flüssigem Stick stoff gefüllten Tanks gelagert und können so über Jahre hinweg aufbewahrt werden, um eine Genreserve für die Erhaltung der Art zu schaffen.
Mit der Erfassung, Aufbereitung und Lagerung des genetischen Materials in der Genbank ist das Friedrich-Loeffler-Institut betraut. Je nach Herkunfts- oder Ursprungszuchtgebiet einer Nutztierrasse, ist das jeweilige Bundesland für die Bereitstellung des genetischen Ma terials dieser Rasse zuständig. Ist Sachsen das Ursprungszuchtgebiet einer bedrohten Rasse, dann ist das LfULG mit dem Beliefern der Genbank betraut. Zusammen mit den be treffenden Zuchtverbänden werden Zuchttiere für die Gewinnung des genetischen Materials ausgewählt. Hierbei ist entscheidend, dass die Tiere möglichst wenig verwandt sind, um auch die genetische Vielfalt innerhalb einer Rasse zu bewahren. Seit 2017 liefert Sachsen regelmäßig genetisches Material an die Deutsche Genbank. Gegenwärtig ist folgender Probenumfang aus Sachsen eingelagert:
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Tabelle 12:
ANZAHL TIERE UND IN DER GENBANK EINGELAGERTE STRAWS DER GEFÄHRDETEN RASSEN AUS SACHSEN
*) Zahl liegt noch nicht vor
Kryokonservierte Straws mit genetischem Material
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Sind Zuchtbestände als gefährdet einge stuft, können bereits geringfügige Einflüsse, wie Krankheiten oder die Entscheidung eines Züchters, die Zucht aufzugeben, die Existenz einer Rasse stark gefährden. Tritt dieser Fall ein, kann auf Antrag genetisches Material aus der Genbank entnommen werden. Wichtig dabei ist, dass die ausgewählten Elterntiere mög lichst wenig verwandt sind, um Inzucht zu vermeiden. Hierzu wurde in Sachsen das Tool „ZwISSS“ entwickelt, welches Informationen zur Abstammung, Leistung und männlichen Erblinie sowie Bilder zur Verfügung stellt und so die züchterische Arbeit unterstützt (Abbildung 2).
Abbildung 2: Auszug aus ZwISSS – Datenblatt eines Sattelschwein-Ebers Tiergenetische Ressourcen | 47
Wurf Sattelschweine
Betreuung der Sattelschweine im Freistaat Sachsen Im Herdbuch des HSZV sind derzeit fünf Deut sche Sattelschwein-Zuchten in Sachsen einge tragen, die durch Mitarbeiter des LfULG betreut werden. Sämtliche erhobene Daten werden der Herdbuchstelle, dem HSZV, übergeben. Zu den Betreuungsaufgaben zählt die Durchführung der Eigenleistungsprüfung zur Feststellung der Zuchttauglichkeit. Ab dem sechsten bis achten Lebensmonat werden dafür folgende Merkmale am Tier erhoben: Gewichtserfassung Messung der Seitenspeckdicke (SSD) mittels Ultraschall Zitzenkontrolle (mind. 7/7) Bonitur und Bewertung potentieller Zuchttiere mit sechs Noten für: Typ Rahmen Kopf Fundament Bemuskelung Gesäuge 48 | Tiergenetische Ressourcen
Bei der Wurfabnahme erfolgt die Kennzeich nung potentieller Zuchttiere mittels Ohrmarke, auf das klassische Tätowieren der Sattel schweine wird beim HSZV verzichtet. Nur gut entwickelte Tiere mit entsprechender rasse typischer Farbverteilung und ausreichender Zitzenzahl (mind. 7/7) werden markiert und damit als potentielle Zuchttiere beim Verband registriert. Zu jedem Wurf der Sau erfolgt die Wurfmel dung an den Zuchtverband, wobei die Anzahl lebendgeborener und totgeborener Ferkel, das Vorkommen von Anomalien, die Ferkelverluste und die Anzahl abgesetzter Ferkel angegeben werden. Bei Kreuzungswürfen ist keine Kenn zeichnung nötig, aber der Wurf muss zur ex akten Berechnung der Fruchtbarkeit der Sau an die Herdbuchstelle gemeldet werden. Mit der Betreuung der Betriebe werden auch Kaufangebote bzw. -gesuche regional und überregional vermittelt.
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Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Tabelle 2:
Anzahl einheimischer Rassen nach Gefährdungskategorien................8 Für den Freistaat Sachsen relevante Rassen der Kategorien I, II und III..............................................................................................9 Tabelle 3: Entwicklung des Zuchttierbestandes der Rasse Rheinisch-Deutsches Kaltblut sowie Anzahl der Züchter in den Zuchtbezirken Sachsen und Thüringen...............................................13 Tabelle 4: Entwicklung des Zuchttierbestandes der Rasse SächsischThüringisches Schweres Warmblut sowie Anzahl der Züchter in den Zuchtbezirken Sachsen und Thüringen seit dem Jahr 2015.......15 Tabelle 5: Entwicklung des Zuchtbestandes der gefährdeten Ziegenrassen in Sachsen.......................................................... 17 Tabelle 6: Entwicklung des Zuchtbestandes der gefährdeten Schafrassen in Sachsen............................................................21 Tabelle 7: Bestandsentwicklung des Deutschen Sattelschweins in Deutschland........................................................................28 Tabelle 8: Bestandsentwicklung der Rasse Leicoma in Deutschland...................30 Tabelle 9: Geflügelrassen und deren Nutzungsrichtung, für die Anfang des 20. Jahrhunderts Staatsbeihilfen gewährt wurden.......37 Tabelle 10: Einteilung der Farbenschläge der Deutschen Pute in die Gewichtsklassen schwer, mittelschwer und leicht..................... 41 Tabelle 11: Förderfähige vom Aussterben bedrohte Tierrassen in Sachsen........43 Tabelle 12: Anzahl Tiere und in der Genbank eingelagerte Straws der gefährdeten Rassen aus Sachsen............................................................46
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Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Verbreitung der Geflügelarten in den organisierten Zuchten in Sachsen..................................................................37 Abbildung 2: .Auszug aus ZwISSS – Datenblatt eines Sattelschwein-Ebers............47
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Bildnachweise Genese GmbH .............................................................................................................................Titelbild Regina Walther .......................................................................S. 18 unten, 19, 20, 22 unten, 24 Peter Tendler ................................................................................................................. S. 2–3, 13, 43 Pawel Sosnowski.................................................................................................................................S. 4 Brit Placzek ..............................................................................................................................S. 6, 14 Roland Klemm................................S. 7, 9, 11, 17, 18 oben, 21, 22 oben, 23, 25, 27, 31–42 Viktoria Welker .............................................................................................................. S. 10, 44 links Anja Imke ............................................................................................................................S. 12, 15 Carola Förster ...................................................................................................................................S. 16 Katja Menzer ..................................................................................................................S. 28, 29*, 49 Uwe Wünsche ...................................................................................................................................S. 30 Mathias Meyer .................................................................................................................. S. 44 rechts Ulf Müller ...........................................................................................................................S. 45, 46 * mit freundlicher Unterstützung der Raunitzer Agrar UG in Gimritz
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Literaturnachweise S. 10: BRS, Rinder- und Schweineproduktion in D 2018 – Ausgabe 2019, S. 15; 32; 71; 73 S. 10; 31; 37: BLE: Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefährdeter Nutztierrassen 2019, S. 38–58; 106 ff. S. 27/28: Hybridschweinezuchtverband Nord/ Ost e. V. https://deutsches-sattelschwein.de/sattelschweinzucht_beim_ hszv.php S. 29/30: Nitzsche, G. (1997) Festschrift 25 Jahre Zuchtarbeit - 10 Jahre anerkannte Rasse Leicoma. BLE ‚Bestandserholung des Leicoma Schweins‘ https://www.genres.de S. 31: FAO 2007/ BLE 2008 (deutsche Fassung): Weltzustandsbericht über Tiergenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft, S. 17 S. 37: Arbeiten der DLG, Heft 145: Die Maßnahmen zur Förderung der Nutzgeflügelzucht in Deutschland, Berlin 1908 S. 39: BDRG: Zuchttierbestandserfassung, Abschlussbericht 2019, (https://www.bdrg.de/) https://tgrdeu.genres.de http://www.g-e-h.de
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Herausgeber: Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL) Postfach 10 05 10, 01076 Dresden Bürgertelefon: +49 351 564-20500 E-Mail: info@smul.sachsen.de www.smekul.sachsen.de Diese Veröffentlichung wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Redaktion: SMEKUL, Referat Tierische Erzeugnisse; LfULG, Referat Tierhaltung Autoren: Dr. Viktoria Welker, Dr. Roland Klemm, Katja Menzer, Dr. Ulf Müller, Carola Förster, Dr. Ralf Fischer, Romy Wehlitz Gestaltung und Satz: genese Werbeagentur GmbH Fotos: siehe Seite 52 Druck: Koch-Druck GmbH & Co. KG Redaktionsschluss: 31. August 2020 Auflagenhöhe: 800 Exemplare, 1. Auflage Bezug: Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden bei: Zentraler Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung Hammerweg 30, 01127 Dresden Telefon: +49 351 2103671 | Telefax: +49 351 2103681 E-Mail: publikationen@sachsen.de | www.publikationen.sachsen.de Verteilerhinweis: Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen Staatsregierung im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit herausgegeben. Sie darf weder von politischen Parteien noch von deren Kandi daten oder Helfern zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für alle Wahlen. Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveran staltungen, an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist auch die Weitergabe an Dritte zur Verwendung bei der Wahlwerbung. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter. Wir danken für Ihr Verständnis. www.landwirtschaft.sachsen.de