MAGAZIN Ausgabe 3 / 2018
FRAGILE Suisse
FRAGILE Suisse
Kann heute alleine leben Jean-Daniel Z. im Porträt
Einsamkeit
Interview mit einer Neuropsychologin
Für Menschen mit Hirnverletzung und Angehörige Ausgabe 3 / 2018 | 1
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Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser Carole Bolliger Redaktorin
Einsamkeit ist keine Krankheit, sagt Neuropsychologin Dr. Martina Hoffmann. Doch sie kann krank machen. Auch bei Menschen mit Hirnverletzung ist Einsamkeit ein grosses Thema, wenn auch häufig ein Tabu. Dr. Martina Hoffmann verrät im Interview, was man gegen Einsamkeit tun kann. Auch Jean-Daniel Z. fühlt sich manchmal einsam. Zwar nicht, wenn er alleine ist, sondern in einer Gruppe. «Die reden dann alle durcheinander und so schnell, dass ich nicht nachkomme», erzählt er im Porträt. Vor 30 Jahren erlitt der heute 64-Jährige eine Hirnblutung. Der einstige Rechtsanwalt musste sein Leben neu ordnen. Nun kann er seit ein paar Jahren wieder alleine leben – unter anderem dank der Hilfe und Unterstützung von FRAGILE Suisse. FRAGILE Suisse baut ihre Dienstleistungen Begleitetes Wohnen, Gesprächsgruppen und Kurse in der Romandie aus. Dies alles und einiges mehr erfahren Sie in dieser Ausgabe. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Herzlich,
Impressum FRAGILE Suisse Magazin | Ausgabe 3 / 2018 Auflage 45‘000 Ex. Herausgeber FRAGILE Suisse, Badenerstrasse 696, CH-8047 Zürich, 044 360 30 60, info@fragile.ch, www.fragile.ch Gestaltung Rebel Communication, 8004 Zürich, www.rebelcom.ch Druck Prowema GmbH, 8330 Pfäffikon Redaktion Carole Bolliger, Sophie Correvon Übersetzung Dominique Nägeli-Gascon, Sophie Correvon, Annette Jaccard Spendenkonto PC / CCP 80-10132-0 Abonnement CHF 10.– pro Jahr, im Spenden- bzw. Mitgliederbeitrag inbegriffen.
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Carole Bolliger Redaktorin
Silvesterlauf für einen guten Zweck Auch dieses Jahr macht FRAGILE Suisse beim Silvesterlauf in Zürich mit – dieses Mal aber mit Ihnen! Unter dem Motto «Auf einen Schlag ...» laufen wir am 16. Dezember für Menschen mit Hirnverletzung und ihre Angehörigen. Mehr Informationen zum Anlass und zur Anmeldung finden Sie auf: www.fragile.ch/silvesterlauf
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Aktuell
Stabwechsel in der Bereichsleitung Beratung
Silvia Staub
Silvia Spaar-Huber
Im August 2018 verlässt Silvia Staub, Bereichsleiterin Beratung, FRAGILE Suisse, um sich beruflich neu zu orientieren. Silvia Staub hat während ihrer dreijährigen Tätigkeit viel Aufbauarbeit geleistet. Ein Meilenstein stellt die Erarbeitung des Beratungskonzepts dar, mit dem Funktion und Aufgaben, das Beratungsverständnis, die ethische Betrachtungsweise und Qualitätskriterien festgelegt sind. Die Peerberatung, welche sich in der Pilotphase befindet, trägt ebenfalls die Handschrift von Silvia Staub. Während ihrer Zeit musste sie Abgänge infolge Pensionierungen ersetzen. Es ist ihr gelungen, ein engagiertes Team aufzubauen und mit ihm die Beratung neu auszurichten. Silvia Staub pflegte auch eine enge Zusammenarbeit mit den Regionalvereinigungen. Ihre Nachfolgerin wird Silvia Spaar-Huber. Sie ist eine erfahrene und ausgewiesene dipl. Sozialarbeiterin FH, die sich in der Beratung von Menschen mit Hirnverletzung bestens auskennt. Silvia Spaar-Huber war von 2008 bis 2017 Leiterin der Sozialberatung der REHAB in Basel. Sie hat einen breiten beruflichen Wissens- und Erfahrungsschatz mit kaufmännischer Grundausbildung, Tätigkeiten in profitorientierten Unternehmen wie auch in Non-Profit-Organisationen, Gemeindeverwaltungen und Institutionen im Gesundheitswesen. «Aus meiner beruflichen Erfahrung und als Familienfrau weiss ich, wie wichtig es ist, dass Betroffene und Angehörige angemessene, individuelle Unterstützung erhalten, damit ein lebenswertes Leben wieder möglich ist», sagt sie. Sie wolle sich dafür einsetzen, dass entsprechende Angebote ausgebaut und Barrieren abgebaut werden. Wir freuen uns, Silvia Spaar-Huber bei FRAGILE Suisse ab Oktober zu begrüssen.
Unterwegs zu Bruder Klaus
Unsere neue Website ist live
Drei Betroffene machten sich Anfang Juni auf eine Pilgerwanderung von Gelterkinden BL nach Flüeli-Ranft OW zu Bruder Klaus – und dies nur 15 Monate nachdem einer der Betroffenen einen Schlaganfall hatte. Mit der Pilgerwanderung wollten sie unter anderem auf das Thema Hirnverletzung aufmerksam machen. Dabei wurden sie von Sponsoren unterstützt. Die Hälfte des Sponsorenertrages spenden die Pilger FRAGILE Suisse. Dafür danken wir von Herzen!
Besuchen Sie jetzt unsere neue Website. Das neue Design ist modern und frisch, passend zum neuen Gewand des Magazins. Sie finden die gewohnte Fülle an News und Hintergrundinformationen – leicht und schnell zugänglich, egal ob Sie am PC sitzen oder mit Smartphone oder Tablet unterwegs sind. Mit ein paar Mausklicks können Sie sich online für unsere Kurse anmelden, unsere Broschüren downloaden und bestellen, in der Bibliothek stöbern und sogar dieses Magazin am Bildschirm durchblättern. Ein Besuch lohnt sich! www.fragile.ch
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FRAGILE Suisse
Porträt
«Ich bin stolz, dass ich alleine so gut zurechtkomme» Text: Carole Bolliger, Fotos: Ethan Oelman
Jean-Daniel Z. kann heute alleine leben. Unter anderem dank der Unterstützung von FRAGILE Suisse. Bis dahin war es aber ein langer Weg. Durch eine Hirnblutung vor 30 Jahren hat sich sein Leben völlig verändert. «Ich bin zufrieden», sagt Jean-Daniel Z. Der 64-Jährige sitzt auf seinem Balkon in Wollerau und geniesst den schönen Sonnentag. Auf den ersten Blick ist ihm nicht anzusehen, dass er seit 30 Jahren mit den Folgen einer Hirnblutung kämpft. Erst, als er aufsteht, um in seiner Küche etwas zu holen, ist die Halbseitenlähmung seiner rechten Körperhälfte sichtbar. Doch davon liess sich Jean-Daniel Z. nie unterkriegen. Auch nicht von der Aphasie, die er während der ersten Jahre nach der Hirnblutung sehr stark hatte. Heute kann er sich verständlich ausdrücken, auch wenn ihm ab und zu ein Wort nicht in den Sinn kommt oder er etwas länger danach suchen muss.
Seine positive Einstellung und sein Optimismus halfen ihm, auch mit schwierigeren Situationen gut umgehen zu können. In einem Wiedereingliederungszentrum für Menschen mit Behinderung, in der Nähe, wo er aufgewachsen war, erlernte er das Arbeiten am Computer, trotz Halbseitenlähmung. Zwei Jahre später bekam er bei den SBB einen geschützten Arbeitsplatz als technischer Zeichner. Obwohl er seit seinem Unfall eine volle IV-Rente erhielt, war er froh, wieder arbeiten zu können. «Das Gefühl, gebraucht zu werden, hat mir gefehlt.» Bis zu seiner Pensionierung vor ein paar Monaten arbeitete Jean-Daniel Z. mit einem 25-ProzentPensum an dieser Stelle.
Vor 30 Jahren, als er 34 Jahre alt war, hatte er einige Monate nach einem Autounfall, bei dem er sich als Beifahrer aber eigentlich nicht verletzt hatte, über mehrere Tage starke Kopfschmerzen. Plötzlich wurde er ohnmächtig. Erinnern kann er sich nicht daran. Zwei Wochen lag er im Koma, einen Monat im Spital, gefolgt von weiteren acht Monaten in der Reha. «Erst nach einiger Zeit habe ich realisiert, das mit mir etwas nicht stimmte», sagt er. Er sei traurig gewesen, habe laut und stark geweint. «Aber ich war schon immer ein sehr positiver Mensch und diese Eigenschaft hatte ich zum Glück auch durch meine Hirnverletzung nicht verloren.» Er rappelte sich hoch, war dankbar, dass er überhaupt noch am Leben war. «Ich wusste, ich muss und will das Beste daraus machen.» Viel Unterstützung bekam er von seiner damaligen Frau, seinen Eltern und Geschwistern.
«Im Team wurde ich immer akzeptiert.» Allgemein ging und geht Jean-Daniel Z. mit seiner Hirnverletzung sehr offen um. Er habe sich nie geschämt, sich nie vor anderen zurückgezogen. «Ich bin, wie ich bin», sagt er. Natürlich habe er Freunde verloren, aber auch wieder neue gefunden. Seiner Frau, von der er seit drei Jahren getrennt lebt, ist er sehr dankbar für ihre Unterstützung. Ohne sie wäre er heute nicht dort, wo er ist, ist er überzeugt.
Neue berufliche Aufgaben Als Rechtsanwalt konnte er nicht mehr arbeiten. Auch wenn ihn sein Arbeitgeber zurückholte und ihm die Chance gab. Es ging einfach nicht mehr. Doch auch diese Erkenntnis warf Jean-Daniel Z. nicht aus der Bahn.
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Begleitetes Wohnen nicht mehr nötig Zu FRAGILE Suisse kam er vor drei Jahren. Als er sich von seiner Frau räumlich trennen wollte, da er die Abhängigkeit nicht mehr ertrug. «Ich hatte grosse Fortschritte gemacht und das Bedürfnis, alleine zu leben, mein Leben wieder selber in die Hand zu nehmen», erklärt er. Dies tat er mit Hilfe von FRAGILE Suisse. Die Beraterin von FRAGILE Suisse unterstützte und motivierte ihn in seinem Wunsch, selbständig zu leben. Mit Hilfe des Begleiteten Wohnens und einer Assistenz. So zog Jean-Daniel Z. aus dem gemeinsamen Haus aus in eine kleine Wohnung, in der er sich sehr wohl fühlt.
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Regelmässig bekommt er Hilfe von zwei Assistentinnen. Sie helfen ihm im Haushalt und bei administrativen Angelegenheiten. Das Begleitete Wohnen von FRAGILE Suisse war eine wichtige Stütze und leistete Beistand in allen notwendigen Bereichen. Sozialberaterin Sylvianne Imhof Zanaty hat ihn die letzten drei Jahre begleitet. Jean-Daniel Z. brauche das Begleitete Wohnen bald nicht mehr, ist sich Sylvianne Imhof Zanaty sicher. Er habe alles so gut im Griff. Aber natürlich stehe ihm die Helpline jederzeit zur Verfügung, wenn er Fragen oder Anliegen habe, versichert sie Jean-Daniel Z.
«Auf mich und mein Tempo wird eingegangen» Obwohl der 64-Jährige seit kurzer Zeit pensioniert ist, wird ihm nicht langweilig. Er singt seit vielen Jahren im Chor, kocht selber, geht alleine einkaufen, macht Sport. «Da bei mir alles viel länger dauert, geht die Zeit schnell um», sagt er und lacht. Es mache ihn froh und auch etwas stolz, dass er alleine so gut zurechtkomme. Auch wenn er mal vor einer Hürde steht, weiss er sich zu helfen. Sein Motto ist: «Nicht aufgeben, dranbleiben und einfach probieren.» Es gebe für alles eine Lösung. Aber er gehe nie ein Risiko ein. Obwohl Jean-Daniel Z. gerne in Gesellschaft ist, ist er auch sehr gerne alleine. In einer Gruppe sei es für ihn oft schwierig. «Die reden dann alle durcheinander und so schnell, dass ich nicht nachkomme.» In solchen Momenten fühle er sich manchmal einsam. Obwohl um ihn herum viele Menschen sind. Deshalb schätzt er besonders die Kurse von FRAGILE Suisse, an denen er manchmal teilnimmt. «Dort wird auf mich und mein Tempo eingegangen, ich kann ausreden, ohne dass mich jemand unterbricht oder hetzt.» Besonders der Jutz-Kurs, den er im Sommer besucht hat, hat ihm gefallen. Er gibt einen lauten Jutz von sich. «Ja, ich bin zufrieden mit meinem Leben», sagt er und lehnt sich in seinem Stuhl auf dem Balkon zurück.
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bildungen
Kurse und Weiterbildungen Kurse
pline
Wanderwochenende im Toggenburg
Eine Dienstleistung der SAHB
Selbständig und mobil
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Kurse und
Begleitetes Wohnen
Begleitetes
Das jährlich stattfindende Wanderwochenende ist für Mit der Exma VISION unterhält die SAHB eine ganzjährige alle Teilnehmenden ein Highlight in ihrer Jahresplanung. Ausstellung mit Ideen und Lösungen zur Förderung der Beratung und Helpline Das gemeinsame Wandern im angenehmen Tempo bietet Selbständigkeit und Mobilität zu Hause und unterwegs. • Rollatoren, Rollstühle, Elektromobile • Sitz- und Plattformtreppenlifte • Pflegebetten und Transferhilfen • Hilfsmittel für Badezimmer und Küche Der Besuch unserer Ausstellung Exma VISION lohnt sich – nsere Fachleute beraten Sie unabhängig und kompetent. u Exma VISION Industrie Süd, Dünnernstrasse 32, 4702 Oensingen T 062 388 20 20, exma@sahb.ch, www.exma.ch
nebst der wunderschönen Aussicht auch viel Gelegenheit, sich zu unterhalten oder den eigenen Gedanken nachzuhängen. Abends lässt man den Tag bei einem gemeinsamen Abendessen und freiwilligem Abendprogramm ausklingen. Bei der Tagesplanung wird immer auf genügend Erholungszeit geachtet. Der nächste Wanderkurs findet voraussichtlich im Juni 2019 statt. Genaue Daten und Ort erfahren Sie zu einem späteren Zeitpunkt im Kursprogramm 01/19 publiziert. Mehr auf fragile.ch/kurse
Selbstbestimmt Wohnen und Leben «Da ich einer Arbeit in einem Büro nachgehe und meine Freizeit aktiv gestalte, ist es für mich sehr wichtig, frei im Pflegezentrum Baar ein- und ausgehen zu können. Die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr schätze ich daher sehr.» Oliver Ranger (23), Bewohner
Die Abteilung JPM im Pflegezentrum Baar ist das moderne und einzigartige Zuhause für junge pflege- und betreuungsbedürftige Menschen in der Zentralschweiz. Barrierefrei · Zentral · James-System · WLAN · Spezialisierte und individuelle Betreuung Weitere Informationen unter: jpm.pflegezentrum-baar.ch
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Beratung u
FRAGILE Suisse
Dienstleistungen
Begleitetes Wohnen
Begleitetes Wohnen
Nachfrage nach Begleitetem Wohnen ist da
Text: Carole Bolliger, Foto: Tres Camenzind
Beratung und Helpline
Beratung und Helpline
FRAGILE Suisse baut ihre Dienstleistungen Begleitetes Wohnen, Gesprächsgruppen und Kurse in der Westschweiz aus. Westschweiz erhalten und festgestellt, dass das Bedürfnis und die Nachfrage nach dieser Dienstleistung da seien. Das Begleitete Wohnen wird mit eigenen Ressourcen aufgebaut. Nicole Debrot, Beraterin von FRAGILE Suisse in der Romandie, ist dafür verantwortlich und übernimmt fürs Erste auch die Wohnbegleitungen. Auch im Kanton Genf soll das Begleitete Wohnen in näherer Zukunft aufgebaut werden. Angebot im Wallis wird ausgebaut Mit Gesprächsgruppen für Angehörige und für Betroffene angefangen, erweitern die Verantwortlichen nun das Angebot auch im Wallis. In näherer Zukunft soll es weitere Beratungs- und Freizeitangebote geben.
Neue Kurse Begleitetes Wohnen im Kanton Waadt FRAGILE Suisse will die Dienstleistung Begleitetes Wohnen in der ganzen Westschweiz auf- und ausbauen. «Im Kanton Waadt ist dieses Angebot durch Pro Infirmis schon abgedeckt», sagt Silvia Staub, ehemalige Bereichsleiterin Beratung von FRAGILE Suisse. Da Pro Infirmis aber keine Fachpersonen beim Begleiteten Wohnen einsetzt, wie dies FRAGILE Suisse tut, entschloss man sich für eine Zusammenarbeit. «Bei Menschen mit Hirnverletzung ist es sehr wichtig, dass sie von Wohnbegleiterinnen und Wohnbegleitern betreut werden, die fachlich ausgebildet sind», weiss Silvia Staub. Deshalb schult FRAGILE Suisse nun die Begleitpersonen von Pro Infirmis Waadt spezifisch auf die Arbeit mit Menschen mit Hirnverletzung. Begleitetes Wohnen in Jura und in Neuenburg Im Jura und in Neuenburg baut FRAGILE Suisse zurzeit die Dienstleistung Begleitetes Wohnen auf. Man habe viele Rückmeldungen aus Beratungsgesprächen in der
Nebst Kursen in Informatik soll es weitere Angebote für Betroffene und Angehörige geben. «Damit diese aus der Isolation kommen, sich in Gruppen neu vernetzen, alte Fähigkeiten wieder lernen, Aktivitäten entdecken und am sozialen Leben teilnehmen können», erklärt Elvira Pfann, Bereichsleiterin Académie. Weiter möchte die Académie das zweitägige Grundlagenmodul für Fachpersonen auch in der Romandie anbieten, mit mehr Inhouse-Weiterbildungen, also beim Kunden, in seiner Institution. «Wir wollen das Koreferat in der Romandie aufbauen», verrät Elvira Pfann. Die Koreferenten – selber von einer Hirnverletzung betroffen – müssten geschult und unterstützt werden. Fachpersonen in der Betreuung, Pflege, Sozialberatung etc. lernen durch die Koreferenten mit den spezifischen Einschränkungen durch Hirnverletzung besser umzugehen. «Insbesondere mit den unsichtbaren.»
Weitere Information unter fragile.ch
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FRAGILE Suisse
Fachartikel
«Für Einsamkeit muss sich niemand schämen» Text: Carole Bolliger
In der Schweiz fühlen sich 36 Prozent der Bevölkerung einsam. Eine hohe Zahl. Wie ist das bei Menschen mit Hirnverletzung? Neuropsychologin Dr. Martina Hoffmann im Interview. Martina Hoffmann. Was genau bedeutet Einsamkeit? Ist es gar eine Krankheit? Man muss klar unterscheiden zwischen «alleine sein» (oder «sozial isoliert sein») und «sich einsam fühlen.» Der Begriff der Einsamkeit beschreibt das Gefühl des «sich-alleine-Fühlens». Sich einsam fühlen heisst nicht zwingend, dass man auch alleine ist. Man kann in einer Familie, in einem Verbund sein und sich trotzdem einsam fühlen. Einsamkeit ist keine Krankheit. Aber wenn jemand längere Zeit darunter leidet, kann sie Stressreaktionen auslösen und Krankheiten wie Depression, Suchtverhalten und anderes begünstigen. «Alleine sein» muss dagegen nicht zwingend als negativ empfunden werden. Gerade Menschen mit Hirnverletzung empfinden das «alleine sein» zuweilen auch als erholsam. Laut einer Studie des Bundes fühlen sich in der Schweiz 36 Prozent der Bevölkerung einsam. Eine sehr hohe Zahl. Diese Zahl ist in der Tat sehr hoch. Trotzdem muss man sie relativieren, es wurden auch Personen erfasst, die sich ab und zu einsam fühlen. In meinen Augen gehört Einsamkeit auch zum Menschsein. Es ist völlig normal, wenn man sich manchmal einsam fühlt. Sie sagen, sich ab und zu einsam zu fühlen ist normal. Ab wann wird es denn gefährlich? Wenn man längere Zeit, mehrere Wochen unter dem Einsamkeitsgefühl leidet und keine Massnahmen dagegen ergreift oder ergreifen kann, ist es sicher sinnvoll, sich professionell helfen zu lassen. Auch bei Menschen mit Hirnverletzung ist Einsamkeit ein zentrales Thema. Es ist ein wichtiges Thema, auch wenn es nicht häufig direkt angesprochen wird. Oft schämen sich die Patienten, haben ein Gefühl von Versagen. Einsamkeit tritt oft auf, wenn eine Änderung im Leben stattfindet. Und eine Hirnverletzung ist eine gravierende Veränderung, weil sie oftmals Auswirkungen auf das Zusam-
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Dr. Martina Hoffmann, Neuropsychologin
menleben in der Familie und im Freundeskreis, auf die Berufstätigkeit, die Freizeitgestaltung oder auch die finanziellen Möglichkeiten hat. Viele Betroffene können aufgrund ihrer kognitiven Einschränkungen oder der verminderten Belastbarkeit nicht mehr im selben Ausmass an sozialen Aktivitäten teilnehmen wie vor einem Ereignis oder einer Erkrankung. Damit haben sie auch weniger Möglichkeiten, sich sozial zu vernetzen, was soziale Isolation und damit auch Einsamkeitsgefühle begünstigen kann. Weiterhin berichten auch Betroffene, die trotz aller Erschwernisse sozial gut vernetzt sind, dass sie sich zuweilen einsam fühlen. Für Aussenstehende ist es oftmals schwierig, das Ausmass der unsichtbaren Verletzungen zu erkennen und zu verstehen. Dies kann bei Betroffenen zu einem Gefühl führen, dass sie sich «alleine in ihrer Welt» und unverstanden fühlen, was Einsamkeitsgefühle begünstigen kann. Was können Betroffene dagegen tun? Es gibt keine allgemein gültigen Rezepte, weil die Bedürfnisse der Betroffenen unterschiedlich sind. Es gibt aber viele Wege, die helfen können, die Einsamkeitsgefühle zu mildern. Es kann hilfreich sein, sich mit anderen Betroffenen zu verknüpfen. Zum Beispiel die Selbsthilfegruppe, Gesprächsgruppen und Freizeitangebote von FRAGILE Suisse für Betroffene erachte ich als sehr hilfreich. Betroffene merken, dass sie nicht alleine sind, können sich mit anderen austauschen, die sich gleich oder ähnlich fühlen und sie verstehen. Sie sollten nicht zu scheu sein, sich Hilfe bei einer Fachperson zu holen. Denn dafür muss sich niemand schämen.
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FRAGILE Suisse
REGIO-NEWS Hirnverletzung und Einsamkeit Lésion cérébrale et solitude Der Sozialpädagoge Pierre Lorétan leitet die Betroffenen-Gesprächsgruppe von FRAGILE Waadt seit neun Jahren und Marlène Poget betreut die Gesprächsgruppe für Angehörige seit zwölf Jahren. Dabei sehen sie sich oft mit dem Thema Einsamkeit konfrontiert.
Éducateur social, Pierre Lorétan anime le groupe de parole pour les personnes cérébro-lésées de FRAGILE Vaud depuis 9 ans et Marlène Poget a été formée pour cela, s’occupe de celui des proches, il y a maintenant 12 ans. Ils sont fréquemment confrontés à la thématique de la solitude.
Gefühl des Alleinseins nach einer Hirnverletzung Pierre Lorétan hat die Erfahrung gemacht, dass sich viele Menschen mit Hirnverletzung allein und wenig unterstützt fühlen. Andere stossen in ihrem Umfeld auf Unverständnis. Sie haben Schwierigkeiten in Beziehungen und fühlen sich stigmatisiert, vor allem, wenn sie keine Arbeit haben. «Weil auch die Angehörigen nicht begleitet und unterstützt werden, leiden sie ebenfalls unter Einsamkeit und Unverständnis», berichtet Marlène Poget.
Se sentir seul suite à une lésion cérébrale Selon Pierre Lorétan, certaines personnes cérébro-lésées se sentent seules et peu entourées. D’autres font face à l’incompréhension d’autrui. Elles se heurtent à des difficultés relationnelles, voire à la stigmatisation, en particulier lorsqu’elles sont sans emploi. Parce qu’ils ne sont pas accompagnés ni soutenus, les proches aussi sont confrontés à la solitude et à l’incompréhension, selon Marlène Poget.
Weniger einsam dank Gesprächsgruppen «Aus den Gesprächsgruppen ergeben sich Beziehungen über die monatlichen Treffen hinaus», so Pierre Loretan. «Die Teilnehmer spüren, dass sie und andere mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Das gibt Kraft, um nach vorne zu schauen», bestätigt Marlène Poget. Mehr auf fragile.ch/vaud
Gérer la solitude grâce aux groupes de parole «Participer aux groupes de parole permet de tisser des liens qui s’étendent au-delà des rendez-vous mensuels», affirme Pierre Lorétan. «Soudain, on réalise que d’autres nous comprennent et traversent les mêmes difficultés. Ça donne de la force pour avancer», assure Marlène Poget. Une proche lui a dit un jour: «le groupe de parole m’a sauvé la vie». Plus d’infos sous www.fragile.ch/vaud Regio-News
FRAGILE Suisse
Liebe LeserInnen Chers lecteurs, In den Regionalvereinigungen von FRAGILE Suisse ist immer viel los. Einen Einblick in das Geschehen des letzten Quartals erhalten Sie auf diesen Seiten. Les associations régionales de FRAGILE Suisse déploient de nombreuses activités. Ce numéro du journal donne un aperçu de leur programme du dernier trimestre.
FRAGILE Zürich
Kochkurs im FRAGILE-Garten Der monatlich stattfindende Kochkurs, geleitet von Silke und der Selbsthilfegruppen-Leiterin Nora, konnte für einmal von der Küche in Oerlikon, in den Garten nach Altstetten verlegt werden. Dies, weil Gemüse und Früchte aus dem eigenen Garten in Hülle und Fülle geerntet werden konnte. Zum Halbjahresabschluss vor den Sommerferien war Grillieren angesagt. Die Auswahl an Menüvorschlägen war gross für die Kochkursteilnehmer. Es wurde geerntet, geschnipselt, geschält, gewaschen. Der bunte Salat stand mit essbaren Blumen dekoriert auf dem Tisch und über der Glut brutzelten die farbigen Spiessli, Zucchettischeiben und Halloumi. Das Quarkdessert wurde mit frischen Himbeeren und Minze angerichtet. Das Gruppentreffen für Betroffene und Angehörige findet noch bis zum 27. September statt. Dann geht’s ab in die grosse Pause. Im April 2019 heisst es dann wieder «Ab in den Garten», um Freunde zu treffen und sich auszutauschen.
FRAGILE Genève
Du nouveau chez FRAGILE Genève Depuis le mois de juin, Mme Lara Kaynak Kuhn est engagée à 40%, en tant que secrétaire et trésorière. L’association profite désormais de locaux mis à disposition par la ville de Lancy. Ils sont partagés avec l’association Valoriser et Intégrer pour Vieillir Autrement (VIVA). Samedi 30 juin, 25 membres de l’association se sont retrouvés au soleil pour un pique-nique rassemblant petits et grands, dans le magnifique parc des Evaux à Genève. Mercredi 4 juillet, l’école supérieure des soins ambulanciers (EsAmb) a invité FRAGILE Genève à participer à sa journée de prévention de l’accident vasculaire cérébral (AVC). Leur stand a permis d’informer de nombreux passants à Genève. Plus d’information sous: https//www.fragile.ch/fr/geneve/ pour-les-cerebro-leses-et-les-proches/actualites/
Regio-News
FRAGILE Ticino
Nuovo presidente e belle vacanze L’associazione ha eletto Andrea Albertoni come nuovo presidente. Buon inizio! A metà aprile, FRAGILE Ticino ha potuto visitare la città di Bergamo. Alloggiando a pochi chilometri dalla città. Hanno potuto visitare sia Bergamo alta che Bergamo città, visitando, passeggiando e degustando ciò che il posto ha avuto da offrir loro. Sono stati tutti molto entusiasti e contenti ad aver trascorso del tempo in buona compagnia.
FRAGILE Suisse
FRAGILE Valais
FRAGILE Basel
Journée de prévention de l’AVC avec l’EsAmb
Das Glück der Erde …
Le 4 juillet dernier, FRAGILE Valais était présente sur la place du Midi à Sion pour accompagner les étudiants de l’école supérieure de soins ambulanciers de Genève (EsAmb), dans le cadre de la journée de prévention de l’accident vasculaire cérébral (AVC). Une ambulance était sur place et des informations étaient fournies quant à la prise en charge de l’AVC. Les étudiants ont renseigné les passants sur les signes permettant de détecter un tel accident. Ils ont présenté FRAGILE Valais comme un soutien important pour les personnes victimes d’un AVC et leurs proches, en particulier lors du retour à la vie quotidienne.
… liegt auch in der blossen Nähe der Pferde. Das neueste, monatliche Mitgliederangebot von FRAGILE Basel findet in der Natur statt und nährt Körper, Seele und Geist. Nach meinem Reitunfall vor 19 Jahren bin ich wieder aufs Pferd gestiegen, habe aber keine Reitschule gefunden, in der ich mich wohl fühlte. Bis ich vom Pferdetherapiezentrum «differentia» in Kaiseraugst erfuhr. Therapeutin Gabriela Pernter Volpe hat eine Therapieform entwickelt, deren Ziel es ist, beim Menschen mehr Motivation und Selbstbewusstsein hervorzuheben. Dies durch das Erleben von Spass und Freude an der Bewegung mit dem Pferd. Auch werden die Koordination und die Wahrnehmung gestärkt, was die Lebensqualität massgeblich verbessert. In Zusammenarbeit mit FRAGILE Basel wird nun ein spezieller Kurs mit Pferden angeboten. Die Teilnehmer, die sich angemeldet haben, sind begeistert: Der Ablauf ist top organisiert, die Pferde und Patienten werden genau aufeinander abgestimmt und dank der Eins-zu-eins-Betreuung fühlen sich alle bestens aufgehoben. In der Gruppe herrscht ein lockeres Miteinander und auch wenn man nach der Stunde müde ist, fühlt man sich gut und ist stolz auf das, was man geleistet hat. Rosella Giacomin, Betroffene und Vorstandsmitglied FRAGILE Basel Mehr Infos unter fragile.ch/basel
FRAGILE Jura
Une journée avec FRAGILE Jura Le pique-nique annuel de FRAGILE Jura a eu lieu à la Vélie à Montavon, le dimanche 17 juin dernier, sous un timide soleil. 45 membres de l’association se sont retrouvés dans cette campagne jurassienne autour d’un magnifique feu pour partager un beau moment de convivialité et d’amitié. Un tournoi de pétanque acharné pour la digestion et la bonne humeur a réuni presque tous les participants. Ce moment de franche rigolade a occupé une bonne partie de l’après-midi et clos cette journée particulièrement appréciée par les membres. Pour plus d’informations sur les activités de l’association, rendez-vous sur le site: http://www.fragile.ch/jura
Regionen / Régions FRAGILE Suisse Weitere Infos auf fragile.ch/regionen Plus d’infos sous fragile.ch/régions
Regio-News
FRAGILE Suisse
27. September 2018 Gruppentreffen im Garten FRAGILE Zürich
6. November 2018 Nachmittagstreff FRAGILE Aargau / Solothurn Ost
2 octobre 2018 Bibliothé FRAGILE Vaud
22. November 2018 Spieltreff in Bern FRAGILE Bern
6. Oktober 2018 Grün-80-Treff FRAGILE Basel
27. November 2018 Selbsthilfegruppe FRAGILE Zentralschweiz
18 octobre 2018 Groupe de parole pour les proches FRAGILE Valais
3. Dezember 2018 Computerkurs FRAGILE Zürich
25 octobre 2018 Soirée Rencontres FRAGILE Jura
Weitere Veranstaltungen und Kurse auf: Plus d‘évènements et de cours sur: www.fragile.ch
FRAGILE Aargau / Solothurn Ost Fröhlichstrasse 7 5200 Brugg Telefon 056 442 02 60 aargau@fragile.ch www.fragile-aargau.ch
FRAGILE Jura Route de Soulce 36 2853 Courfaivre Téléphone 032 427 37 00 fragile.jura@bluewin.ch www.fragile-jura.ch
FRAGILE Vaud Rue du Bugnon 18 1005 Lausanne Téléphone 021 329 02 08 vaud@fragile.ch www.fragile-vaud.ch
FRAGILE Basel Bachlettenstrasse 12 4054 Basel Telefon 061 271 15 70 basel@fragile.ch www.fragile-basel.ch
FRAGILE Ostschweiz Kirchstrasse 34 9430 St. Margrethen Telefon 071 740 13 00 ostschweiz@fragile.ch www.fragile-ostschweiz.ch
FRAGILE Zentralschweiz Pilatusstrasse 30 6003 Luzern Telefon 041 260 78 61 zentralschweiz@fragile.ch www.fragile-zentralschweiz.ch
FRAGILE Bern Seftigenstrasse 11 3007 Bern Telefon 031 376 21 02 bern@fragile.ch www.fragile-bern.ch
FRAGILE Ticino Via Prada 6 6710 Biasca Telefono 091 880 00 00 ticino@fragile.ch www.fragile-ticino.ch
FRAGILE Zürich Alderstrasse 40 8008 Zürich Telefon 044 262 61 13 zuerich@fragile.ch www.fragile-zuerich.ch
FRAGILE Genève Avenue Louis-Bertrand 7–9 1213 Petit-Lancy Téléphone: 078 878 83 41 geneve@fragile.ch www.fragile-geneve.ch
FRAGILE Valais Avenue de Tourbillon 9 1950 Sion valais@fragile.ch www.fragile-valais.ch
Regio-News
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Impressum: Verlag/Editeur FRAGILE Suisse, Badenerstrasse 696, CH-8047 Zürich Gestaltung/Design Rebel Communication, www.rebelcom.ch Redaktion/Rédaction Carole Bolliger, Johannie Fort
Agenda