Skip to main content

Infoblatt 79 - März 2026

Page 1


INHALTSVERZEICHNIS

Lepra : eine Krankheit der Vergangenheit? Noch nicht ganz.

Im Fokus von Aurélien Ernst: die Projekte der Stiftung

Einweihung der peripheren Gesundheitseinheit von Détokpo 6 8 10 12

Guinea: Die Klinik, die einige Tage entfernt liegt

Die unsichtbaren Folgen vernachlässigter Tropenkrankheiten

Sie möchten uns unterstützen?

Jean Hilger (Präsident), Julio Nerin (Vizepräsident), Brigitte Bontemps-Loschetter, Georges Keipes, Paul-Marie Majerus, Jean-Luc Pauly und Jean Smit. 4

204, route d’Arlon L-8010 Strassen

Tel. : 44 66 06-1

E-mail : info@ffl.lu

www.ffl.lu

Druck : Print Solutions Zustellung : Post Luxembourg

TEAM

FONDATION FOLLEREAU LUXEMBOURG WWW.FFL.LU

IBAN LU38 0019 1100 2081 3000 (BCEELULL)

Sie haben gespendet? Zunächst einmal vielen herzlichen Dank! Wussten Sie, dass jede Spende steuerlich absetzbar ist?

Sie erhalten eine Spendenbescheinigung, die Sie als Nachweis für Ihre Steuererklärung verwenden können.

Für weitere Fragen : finances@ffl.lu | 44 66 06-52

Clémentine Gloire, Elisa Molina, Kristin Schmit, Marta Da Costa, Mélanie Room und Romane Ehrhardt.

VERWALTUNGSRAT

Solidarität ist keine Option. Sie ist Würde, und eine Chance für jeden, der sich engagiert. Raoul Follereau hat dies mit Nachdruck betont – und er hatte Recht: In einer Welt, in der Menschen noch immer an heilbaren Krankheiten sterben, ist Gleichgültigkeit entwürdigend.

Seit 60 Jahren verfolgt die Fondation Follereau Luxembourg eine klare Linie: Nutzen stiften, effizient handeln, Ergebnisse erzielen. Keine leeren Versprechen. Eine Gesundheitsversorgung, die für alle zugänglich ist. Geschulte Mitarbeiter. Nachhaltige Infrastrukturen, das langfristig Bestand haben. Hunderttausende gerettete Leben, hunderttausende veränderte Schicksale.

Diese Glaubwürdigkeit verdanken wir unseren Partnern vor Ort, einer rigorosen Verwaltung und Ihrem Vertrauen.

Eines sind wir Ihnen schuldig: Ihre Unterstützung in konkrete, messbare Wirkung vor Ort umzusetzen. Danke, dass Sie Teil dieser Solidaritätskette sind.

“NIEMAND VERDIENT ES, ALLEIN GLÜCKLICH ZU SEIN.

Präsident des Verwaltungsrats

Jean HILGER
Raoul Follereau

MOI AUSSI

J’AI DROIT À LA SANTÉ, NON?

2016 - 2017 2026

Diese Kampagnen stehen für eine Phase des visuellen Wandels, in der unser Logo eine modernere Identität erhielt. Die Botschaft richtete den Fokus auf Kinder, die von Lepra betroffen waren. Damals wurde noch alle zwei Minuten ein neuer Fall registriert – eine Zahl, die verdeutlicht, welche Fortschritte seitdem erzielt wurden.

AIDEZ-NOUS À CHANGER DES DESTINS!

Les 60 battements de cœur de la Fondation Follereau

Für die diesjährige Jubiläumsausgabe haben wir eine visuelle Kampagne entwickelt, die das unermüdliche Engagement der Stiftung sowie ihrer Partner und Spender hervorhebt.

„Zanter 60 Joer schléit d’Häerz vun der Fondation Follereau Lëtzebuerg fir d’Gesondheet.“

Ein Herz, das seit sechs Jahrzehnten schlägt - und dank Ihnen weiter schlägt.

Lepra :

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankt alle drei Minuten irgendwo auf der Welt ein Mensch an Lepra.

Eine Realität, die weitgehend ignoriert wird, weil viele glauben, die Krankheit gehöre längst der Vergangenheit an. Doch sie existiert weiterhin, betrifft vor allem besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen und hinterlässt weit mehr als nur medizinische Folgen: Ausgrenzung, Angst und Diskriminierung.

Auch heute noch werden diese Formen der Diskriminierung in mehreren Ländern weder gesetzlich untersagt noch geahndet. Deshalb ist der Welttag der Leprakranken (Journée mondiale des malades de la lèpre, JML) nach wie vor von großer Bedeutung. Das diesjährige Thema ruft dazu auf, der Diskriminierung endgültig ein Ende zu setzen, damit der Fokus auf das Wesentliche gelegt werden kann: Behandlung, Begleitung und eines Tages die vollständige Bekämpfung der Krankheit. Seit vielen Jahren engagiert sich die Fondation Follereau Luxembourg im Januar im Rahmen des JML, um die luxemburgische Gesellschaft zu sensibilisieren. Anlässlich unseres 60-jährigen Bestehens laden wir Sie ein, mit uns auf einige Kampagnen zurückzublicken, die unser Engagement im Laufe der Zeit geprägt haben.

Marta DA COSTA Kommunikationsbeauftragte

2019

Eine bewusst provokante Kampagne mit einem aussagekräftigen Slogan:

„Wann ist endlich Schluss mit Lepra?!“

Eine direkte Frage an alle, die unterstreicht, dass es sich tatsächlich um eine heilbare Krankheit handelt.

2020

Vor dem Hintergrund der weltweiten Auswirkungen der COVID-19-Pandemie schlug die Kampagne einen sanfteren, universelleren Ton an und stellte einen gemeinsamen Wunsch in den Mittelpunkt: ein gesundes neues Jahr für alle.

EINE KRANKHEIT DER VERGANGENHEIT?

Noch nicht ganz.

Inspiriert von den Regeln sozialer Medien fügte sich die Kampagne nahtlos ins digitale Zeitalter ein. Ein Bild, das an ein Online-Video erinnert, sowie ein klickbarer Cursor riefen deutlich zum Handeln und zur Unterstützung auf.

2021 - 2022

Ein radikaler Wandel in der Herangehensweise. Statt die Begünstigten zu zeigen, verdeutlichten die Bilder, was ihnen fehlt:

• 2021 eine Krankenschwester, die es noch nicht gibt;

• 2022 ein fehlendes Gesundheitszentrum - dort, wo es dringend gebraucht wird.

Mit dem Slogan „Ups…“ beeindruckten diese Kampagnen durch ihre Schlichtheit und ihre symbolische Kraft.

Auréliens Auswahl an Fotos von seiner Reise

“IM FOKUS VON AURÉLIEN ERNST:

die Projekte der Stiftung

Es ist das zweite Mal, dass Sie für die Fondation Follereau unterwegs sind. Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, unsere Projekte zu fotografieren?

Besonders bewegt hat mich auch das Engagement der lokalen Partner in den verschiedenen Projekten. Man spürt deutlich, wie sehr ihnen diese Arbeit am Herzen liegt und mit welchem Einsatz sie sich für Menschen in schwierigen Lebenslagen engagieren.

Meiner Ansicht nach ist die Fotografie vor Ort unverzichtbar, um die Arbeit der NGO über Zahlen und Berichte hinaus sichtbar zu machen. Fotos zeigen Leben, Kontexte, Bedürfnisse und Hoffnungen. Sie verleihen den Projekten eine menschliche Dimension. Außerdem halten sie Veränderungen fest, konkrete Dinge wie etwa ein neu erbautes Gesundheitszentrum oder Kinder, die wieder zur Schule gehen. Sie sind ein Mittel der Erinnerung, der Sensibilisierung und der Transparenz, für Spender und Partner ebenso wie für die lokale Bevölkerung.

Welche Eindrücke oder Empfindungen haben Sie in Benin besonders geprägt?

Ich habe eine große Nähe im Austausch gespürt, und eine Leichtigkeit im Aufbau von Beziehungen, selbst ohne gemeinsame Sprache. Besonders beeindruckt hat mich die Art und Weise, wie die Menschen ihren Alltag mit großer Einfachheit und zugleich mit echter innerer Stärke gestalten. Die Begegnungen waren geprägt von Ruhe, Geduld und Solidarität. Als Fotograf lädt einen das dazu ein, langsamer zu werden, genauer hinzusehen und Bilder entstehen zu lassen.

Welche Momente waren für Sie während Ihres Fotoauftrags in Benin am aussagekräftigsten?

Am eindrucksvollsten sind oft die Momente, in denen zwischenmenschliche Beziehungen sichtbar werden: der Austausch zwischen einer Pflegekraft und einem Patienten, der aufmerksame Blick eines Kindes, eine gemeinsame Diskussion, eine Geste der Unterstützung oder der Weitergabe. Diese Augenblicke zeigen ganz konkret die Wirkung des Projekts, aber auch das Vertrauen und die Verbundenheit zwischen der Stiftung, den lokalen Partnern und den Gemeinschaften. Es sind diskrete, aber ausdrucksstarke Bilder, die den Kern des Projekts widerspiegeln.

© FFL / A. Ernst
© FFL / A. Ernst
© FFL / A. Ernst

Der luxemburgische Dokumentarfotograf Aurélien Ernst, der seit rund fünfzehn Jahren in Brüssel lebt, begann als Streetfotograf und wandte sich später zunehmend der engagierten Fotografie zu. Aus einem informellen Treffen mit einem Mitglied unseres Teams entstand die Idee einer Zusammenarbeit, getragen von der Nähe unseres gemeinsamen Engagements. Einige Monate später packte er seine Kamera ein, um sich auf den Weg auf eine Projektreise mit der Fondation Follereau Luxembourg zu machen.

Sehen Sie wiederkehrende Themen, Farben, Stimmungen oder Emotionen in Ihren Bildern?

Auf menschlicher und emotionaler Ebene sind Interaktionen, Blicke und Gesten von entscheidender Bedeutung. Es gibt auch viele Aufnahmen von Kindern. Zum einen, weil zahlreiche Projekte der Fondation Follereau sie direkt betreffen, vor allem aber, weil die Spontaneität von Kindern besonders fotogen ist. Ihre ungefilterte Art verleiht den Bildern große Authentizität.

Mir ist außerdem wichtig zu betonen, dass ich nie versucht habe, die Realität zu beschönigen. Manche Bilder sind hell, farbenfroh und voller Freude, andere wirken härter, teils in Schwarz-Weiß und nicht immer leicht anzusehen. Dieser Kontrast gehört wesentlich zu meiner dokumentarischen Arbeit: die Wirklichkeit in ihrer ganzen Komplexität zu zeigen, zwischen Freude, Würde und Herausforderungen.

Was sind Ihre abschließenden Eindrücke von dieser Reise?

Ich verlasse Benin mit einem sehr starken Gefühl von Menschlichkeit und Dankbarkeit. Diese Reise hat mich durch die Vielfalt der Begegnungen, die Qualität des Austauschs und die äußerst herzliche Aufnahme durch die Gemeinschaften tief beeindruckt. Besonders bewegt hat mich auch das Engagement der lokalen Partner in den verschiedenen Projekten. Man spürt deutlich, wie sehr ihnen diese Arbeit am Herzen liegt und mit welchem Einsatz sie sich für Menschen in schwierigen Lebenslagen engagieren. Das verleiht der Arbeit vor Ort eine besondere Bedeutung und zeigt, dass diese Projekte vor allem auf einem gemeinsamen, tief verankerten menschlichen Engagement beruhen.

Diese Augenblicke zeigen ganz konkret die Wirkung des Projekts, aber auch das Vertrauen und die Verbundenheit zwischen der Stiftung, den lokalen Partnern und den Gemeinschaften.

© FFL / A. Ernst
© FFL / A. Ernst
© FFL / A. Ernst

GUINEA:

DIE KLINIK, DIE MEHRERE TAGE ENTFERNT LIEGT

Im Süden Guineas, im Herzen des tropischen Regenwaldes, bedeutet medizinische Versorgung oft, mehrere Tage zu Fuß unterwegs zu sein, um ein Gesundheitszentrum zu erreichen. In Waldguinea erschweren die geografische Abgeschiedenheit, der schlechte Zustand der Straßen und die Regenzeit Tausenden von Familien den Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Eine Klinik ... am Ende des Weges

In N'Zérékoré, der regionalen Hauptstadt Wald guineas, befindet sich ein Zentrum, das zu einer wichtigen Anlaufstelle für die gesamte Region geworden ist. Für viele Patientinnen und Patien ten bleibt der Weg dorthin jedoch eine große He rausforderung. Wer am weitesten entfernt lebt, muss zwischen 42 und 275 Kilometer zurücklegen, oft auf Wegen, die mehrere Monate im Jahr un passierbar sind.

Seit 2014 begleitet die FFL ihren Partner APRO SCO bei der Umsetzung lokaler Maßnahmen zur besseren Behandlung von Hautgeschwüren, dar unter auch des Buruli-Ulkus.

Ein Arzt im Dienst abgelegener Dörfer

APROSCO wird von Dr. Goumané Aboubacar geleitet, Facharzt für Chirurgie. Er hat sich be wusst dafür entschieden, sich in Waldguinea nie derzulassen, um seine Expertise in den Dienst der Bevölkerung in abgelegenen Regionen zu stellen, in der Überzeugung, dass räumliche Distanz kein Hindernis für den Zugang zu medizinischer Ver sorgung sein darf: „Bei meinen Besuchen in den Dörfern habe ich festgestellt, dass Hygiene nach

wie vor eine große Herausforderung darstellt. Wenn man nicht an der Ursache ansetzt, werden

© FFL
© FFL / A. Ernst

unserem ersten Besuch in manchen

besserer Hygienepraktiken gehen

Eine Geschichte nachhaltiger Solidarität

Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, die Gesundheitsversorgung näher zu den Gemeinschaften zu bringen, damit sie nicht mehr Synonym tagelanger Reisen ist.

Ob durch finanzielle Unterstützung, fachlichen Austausch oder persönliches Engagement: Jeder Beitrag kann helfen, den Zugang zur Gesundheitsversorgung dauerhaft zu verbessern. Denn in Waldguinea wie auch anderswo bedeutet medizinische Versorgung auch, Würde, Selbstständigkeit und Hoffnung zurückzugeben.

Hinter jeder Konsultation steht eine Geschichte: die eines Kindes, einer Frau oder eines Landwirts, die ohne diese Unterstützung kaum Zugang zu medizinischer Versorgung gehabt hätten. Das Engagement der FFL an der Seite von APROSCO trägt dazu bei, diesen Zugang zu verbessern und die soziale Integration der Patientinnen und Patienten in ihren Gemeinschaften zu stärken.

Um dies zu erreichen, sorgt das Projekt jedes

die Sensibilisierung Tausender Menschen in die frühzeitige Diagnose von Patientinnen und Patienten, die für das Gesundheitssysdie medizinische und chirurgische Behanddie Ausbildung von Gemeindemitarbeitenden, die in ihren Dörfern als wichtige Gesundheitsvermittler und -vermittlerinnen wirken.

© FFL / A. Ernst

DIE UNSICHTBAREN FOLGEN VERNACHLÄSSIGTER TROPENKRANKHEITEN

Laut der Weltgesundheitsorganisation benötigten im Jahr 2023 weltweit fast 1,5 Milliarden Menschen medizinische Hilfe im Zusammenhang mit vernachlässigten Tropenkrankheiten (maladies tropicales négligées, MTN). Dabei geht es um mehr als nur eine Statistik: Es sind die Geschichten von Gabriel, Geneviève oder Suzanne. Ihre Lebenswege wurden tiefgreifend verändert, ihr Alltag durch Stigmatisierung und Ausgrenzung geprägt.

Zwar ist der Anteil der weltweit von MTN betroffenen Bevölkerung in den letzten Jahren von über 30 % im Jahr 2010 auf unter 20 % im Jahr 2024 gesunken, dennoch zeigen diese Zahlen, dass diese Krankheiten noch lange nicht verschwunden sind. Über die körperlichen Folgen hinaus hinterlassen sie vor allem unsichtbare Wunden – soziale, psychologische und wirtschaftliche –, die selbst lange nach der medizinischen Heilung fortbestehen. Stigmatisierung, eine Krankheit für sich

Eine unterschätzte psychologische Belastung

Fünf Jahre lang lebte die 35-jährige Geneviève aus Mbaïki mit einer offenen Wunde am Fuß. Zu den körperlichen Schmerzen kam ein stilles Leiden: Isolation, Ablehnung, und der allmähliche Verlust ihres Platzes in der Gemeinschaft.

“Lepra verdeutlicht besonders eindrücklich, wie eine Krankheit zum Synonym für Ausgrenzung werden kann. Jahrhundertelang galt sie als Erbkrankheit, als Fluch oder gar als göttliche Strafe. Selbst nach der Entdeckung des Erregers Mycobacterium leprae, der biologischen Ursache der Krankheit, im Jahr 1873, wurden Betroffene weiterhin ausgegrenzt und aus ihren Gemeinschaften ausgeschlossen.

Auch heute halten sich solche Glaubensvorstellungen in vielen Einsatzgebieten der FFL, etwa in der Präfektur Lobaye in der Zentralafrikanischen Republik. Gabriel, ein 24-jähriger Bantu aus dem Dorf Botoro, hat das selbst erlebt:

“Meine Eltern und das ganze Dorf sagten, ich sei vergiftet worden. Dank des Gemeindehelfers habe ich verstanden, dass es kein Fluch war, sondern eine Krankheit, die behandelt werden kann.

Die Angst vor Ansteckung, mangelndes Wissen über die Krankheit und tief verwurzelte Traditionen verstärken die Stigmatisierung. Viele Betroffene verstecken sich, statt medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Und wenn sie Hilfe suchen, wenden sie sich häufig zunächst an traditionelle Heiler statt an Gesundheitsdienste, was Diagnose und Behandlung zusätzlich verzögert.

Anfangs ging ich nicht ins Krankenhaus. Ich suchte Heilpraktiker auf, die mir sagten, die Krankheit sei unheilbar, es handle sich um Hexerei. Dann verschlimmerte sich die Wunde, und die Menschen begannen, mich zu meiden. Drei Monate blieb ich allein zu Hause. Ich hatte jede Hoffnung verloren.

Die Teams vor Ort berichten, dass die Stigmatisierung oft zerstörerischer ist als die Krankheit selbst. Sie schafft einen Teufelskreis, aus dem Betroffene nur schwer ausbrechen können. Je später die Behandlung beginnt, desto größer ist das Risiko irreversibler Folgeschäden und desto stärker ist das Umfeld der Betroffenen der Ansteckungsgefahr ausgesetzt.

© FFL / A. Ernst

Die Folgen der Vernachlässigung

Die MTN betreffen vor allem die ärmsten Bevölkerungsgruppen in abgelegenen ländlichen Regionen, wo der Zugang zu Gesundheitsversorgung, Informationen und Prävention eingeschränkt ist. Diese Krankheiten verursachen keine spektakulären Ausbrüche, überschreiten keine Grenzen und bedrohen wohlhabende Länder nicht unmittelbar. Entsprechend wenig Aufmerksamkeit erhalten sie, und auf der gesundheitspolitischen Agenda rücken sie oft in den Hintergrund.

Ihre Folgen jedoch sind langfristig: Behinderungen, soziale Ausgrenzung, Verlust der Selbstständigkeit, und zunehmende Armut. Die damit verbundene Stigmatisierung steht in engem Zusammenhang mit sozioökonomischen Faktoren wie Armut, Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit. Menschen aus marginalisierten Gemeinschaften sind daher überproportional betroffen, da ihr Zugang zu Gesundheitsversorgung, sanitären Einrichtungen und Hygieneeinrichtungen weiterhin stark eingeschränkt ist.

Ein Kampf gegen das Vergessen

Seit den 1980er Jahren ist Lepra dank einer Kombinationstherapie innerhalb weniger Monate heilbar. Doch eine medizinische Heilung genügt nicht immer, um alle Folgen der Krankheit zu überwinden. Viele ehemalige Patientinnen und Patienten gehören zur „Generation vor der Behandlung”: Weil sie zu spät diagnostiziert wurden, leben sie heute mit bleibenden Behinderungen und gelten in den Augen der Gesellschaft weiterhin als „Leprakranke”. Die 51-jährige Suzanne, Angehörige des Volkes der Aka aus Ndolobo, ist eine von ihnen:

“Über zehn Jahre lang konnte ich nicht arbeiten. Dank der Behandlung und der Operation kann ich heute wieder mit Krücken gehen. Man hat mir gesagt, dass ich bald Prothesen bekommen kann.

Jede Behandlung trägt zum menschlichen, sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbau bei und gibt den von der Krankheit Betroffenen Würde und Perspektiven zurück.

Das Engagement der FFL geht jedoch über die Behandlung der Krankheit hinaus. Es umfasst:

• die Sensibilisierung der Bevölkerung, um Fehlinformationen abzubauen,

• die Schulung von Personal und Gemeindevertretern zur frühzeitigen Diagnose und verbesserten Behandlung,

• die Begleitung bei der körperlichen Rehabilitation,

• die Förderung der Selbstständigkeit der Betroffenen durch einkommensschaffende Maßnahmen.

Die Bekämpfung der Stigmatisierung ist ein ebenso wichtiger Kampf wie die Heilung des Körpers.

Raoul Follereau sprach von einer „Mobilisierung der Seelen und Herzen”, als er 1954 den Weltlepratag ins Leben rief. Auch heute noch ist diese Mobilisierung unerlässlich. Solange Frauen und Männer im Stillen leiden und Angst stärker ist als Wissen, werden heilbare Krankheiten weiterhin ausgrenzen, statt geheilt zu werden.

Kristin SCHMIT Projektbeauftragte

AUCH SIE KÖNNEN HANDELN, MIT EINER SPENDE :

1. Online, auf www.ffl.lu

2. Über Payconiq, indem Sie diesen QR Code scannen:

3. Per Banküberweisung auf das Konto: Fondation Follereau Luxembourg LU38 0019 1100 2081 3000 (BCEELULL) Kommunikation : Infoblatt 79

© FFL / A. Ernst

EINWEIHUNG DER

PERIPHEREN

GESUNDHEITSEINHEIT VON DÉTOKPO

Die Einweihung der peripheren Gesundheitseinheit (Unité de Soins Périphérique, USP) von Détokpo in Togo am 3. Dezember 2025 markiert die Verwirklichung eines Projekts, auf das die Bevölkerung dieser ländlichen Gemeinde in der Région des Plateaux lange gewartet hat. Dieser bedeutende Moment steht für weit mehr als die Eröffnung einer Gesundheitseinrichtung: Er ist Ausdruck eines gemeinsamen Engagements für das Recht auf Gesundheit, für Menschenwürde und für eine nachhaltige lokale Entwicklung.

Ein Projekt, das aus einem realen und gemeinsamen Bedarf entstanden ist

Vor der Umsetzung des Projekts mussten die Einwohnerinnen und Einwohner von Détokpo mehrere Kilometer zurücklegen, oft auf schwer passierbaren Pisten, um eine grundlegende medizinische Versorgung zu erhalten. Besonders schwangere Frauen, Neugeborene und andere gefährdete Personen waren dadurch vermeidbaren Risiken ausgesetzt.

“Dieses Zentrum wird dazu beitragen, die Müttersterblichkeit zu senken. Dank Ihrer Unterstützung hat unsere Bevölkerung nun Zugang zu einer wirksamen Gesundheitsversorgung –näher und schneller.

Togbui AMOUZOUN Komi Agnimavo, Dorfältester von Détokpo

“Die USP von Detokpo richtet sich an uns Frauen. Für unsere Gesundheitsversorgung sowie für Schwangerschaft und Geburt mussten wir früher sehr weite Wege zurücklegen. Heute gehört dieses Leid der Vergangenheit an – dank der FFL.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, entstand eine enge Zusammenarbeit zwischen den lokalen Gesundheitsbehörden und der Bevölkerung. Gemeinsam wurde eine USP errichtet, die de nationalen Standards entspricht. Möglich wurde dieses Projekt durch die finanzielle und operative Unterstützung unseres togolesischen Partners AAT-FFL im Rahmen des Programms zur Förderung der Familien- und Gemeindegesundheit.

Nachhaltige Wirkung für die Bevölkerung

Mit der Inbetriebnahme der USP ist die medizinische Versorgung nun in unmittelbarer Nähe gewährleistet. Dadurch können Patientinnen und Patienten schneller und regelmäßiger behandelt werden, während zugleich präventive Maßnahmen für die gesamte Gemeinschaft gestärkt werden.

Über die medizinische Betreuung hinaus dient die USP auch als Ort

Wir danken allen Partnern und Spenderinnen und Spendern herzlich für ihr Vertrauen und ihre kontinuierliche Unterstützung. Ebenso gilt unser Dank den technischen Teams und den Gemeinschaften vor Ort für ihr aktives Engagement und ihre konstruktive Zusammenarbeit. Dieser Erfolg ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen und einer geteilten Vision: die Gesundheitsversorgung näher zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu bringen.

Frau Céline Sangue-Douti, Mitglied der Gemeinschaft von Détokpo

der Sensibilisierung und Gesundheitsaufklärung. Sie trägt dazu bei, bessere Hygiene- und Gesundheitspraktiken innerhalb der Gemeinschaften zu fördern.

Die USP von Détokpo ist damit mehr als nur ein Gebäude: Sie ist ein Ort der Behandlung, der Prävention und der Hoffnung, und wird eine zentrale Rolle bei der nachhaltigen Verbesserung der Gesundheitsindikatoren in der Region spielen.

Mit der Einweihung der USP in Détokpo wurden seit 2015 insgesamt 15 periphere Gesundheitseinheiten mit Unterstützung der Stiftung realisiert. Dies zeugt von einem kontinuierlichen und langfristigen Engagement für die gemeindenahe Gesundheitsversorgung.

Für die kommenden Jahre verfolgen die FFL und ihr Partner AAT-FFL das Ziel, diese Dynamik fortzusetzen und weitere Gesundheitseinrichtungen zu errichten, um die Versorgung noch näher zu den am stärksten abgelegenen Bevölkerungsgruppen zu bringen.

© FFL

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook