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Filmpodium Programmheft Sep-Okt-Nov 2026

Page 1

6 25. SEP — 15. NOV 2026


GAMES OF LOVE AND LONELINESS   ANJA BREIEN


PASSION   ISABELLE HUPPERT


6 25. SEP — 15. NOV 2026

EVENTS

Mo

28.9.

17:45

RICHARD LINKLATER

8

RICHARD LINKLATER – VERLEIHUNG DES CAREER ACHIEVEMENT AWARD

Verleihung des Awards an Richard Linklater, Laudatio und Gespräch mit ZFFCEO Christian Jungen, auf Englisch, 60'

Anschl.

BEFORE SUNRISE Richard Linklater, USA/Österreich 1995

Di

29.9.

18:15

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF... RICHARD LINKLATER

VOM ZAUBER UND SCHMERZ DER ZEIT

6 Nr. 3

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF...

12 14

SOME CAME RUNNING Vincente Minnelli, USA 1958

Anschl.

DAS KINO DURCH DIE AUGEN VON RICHARD LINKLATER

Alexander Horwath und Richard Linklater im Gespräch, auf Englisch, 90'

Do

8.10.

18:30

KINO-KONZERT ZUR VORLESUNGSREIHE

AUSBRUCH ALS UNABLÄSSIGE BEWEGUNG

16

32

DER FREMDE VOGEL

Urban Gad, Deutschland 1911 Live-Musik: Mathias Weibel (E-Violine, Man doline u.a.), Emanuele Forni (E-Gitarre u.a. Zupfinstrumente), Simon Lilly (Trompete, Flügelhorn)

Mo

12.10.

18:30

ANJA BREIEN

18

WIVES

PERLMUTT UND GEWITTER

24

11

CLASSICS

Anja Breien, Norwegen 1975 Einführung von Hannes Brühwiler, 10'

Mi

14.10.

18:15

SCHWEIZER PREMIERE

Anschl.

Do

34

D IS FOR DISTANCE

Christopher Petit, Emma Matthews, Finnland 2025 Gespräch mit dem Regie-Duo auf Englisch, ca. 40'

29.10.

PREMIERE

BLUE MOON 30

«ZWEI TAGE STROM» IM FILMPODIUM

KONZERT TOUBKAL 1972, 12' SULTANE 1973, 14' Elektroakustische Werke von Ahmed Essyad

Anschl.

GESPRÄCH MIT AHMED ESSYAD UND GILLES AUBRY

21:00

Anschl.

KONZERT L’MAKINA 2023, 30' Set von Gilles Aubry mit modularem Synthesizer und Computer SANGEH KHARA Laila Hida, Marokko 2025 , 10 ' SALAM GODZILLA Gilles Aubry, Marokko 2019, 40 '

Do

5.11.

18:00

AUDIOVISIONEN AUS MAROKKO 4 × HORROR

33

KINO-KONZERT ZUR VORLESUNGSREIHE

Phil Jutzi, Deutschland 1929 Live-Musik: MURNAU’S HEAD mit Altin Asllani (Piano, Elektronik), Stephen Thomas (Gitarre), León Zehnder (Gitarre), The Weathereye (Schlagzeug)

10.11.

18:30

FILMERBE UND RESTITUTION

35

WEM GEHÖREN DIE BILDER? THE FLOWERS STAND SILENTLY, ­ ITNESSING W Theo Panagopoulos, GB 2024 THE DISLOCATION OF AMBER Hussein Shariffe, Sudan 1975

Einführung von Filmwissenschaftler und Kurator Nikolaus Perneczky und anschliessendes Gespräch, moderiert von Philip Widmann (UZH), auf Englisch

29

«ZWEI TAGE STROM» IM FILMPODIUM

MUTTER KRAUSENS FAHRT INS GLÜCK

Di

DAYS AND NIGHTS IN THE FOREST

8 FEMMES

AUDIOVISIONEN AUS MAROKKO 19:30

RE:VISION 9/01

SÉLECTION LUMIÈRE

30

31

PRETTY SCARY THINGS VORLESUNGSREIHE

32

VOM ERWACHEN DER FARBEN BIS ZUM UNTERGANG DER SONNE: EINE REISE DURCH DIE FRÜHE FILMGESCHICHTE FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

33

33

AMERICA, AMERICA PREMIERE

34

CLASSICS

34

D IS FOR DISTANCE RADIO ON FILMERBE UND RESTITUTION

35

WEM GEHÖREN DIE BILDER? FAMILIENFILM

35

DER ZAUBERER VON OZ VORSCHAU, IMPRESSUM

36

5


BOYHOOD   RICHARD LINKLATER


VOM ZAUBER UND SCHMERZ DER ZEIT

Richard Linklater mit den Kameramännern Lee und Bill Daniel (Mitte 1980er-Jahre).

Eigentlich geht es in den Filmen von Richard Linklater immer um Zeit. Die Zeit, die vergeht, und die Erinnerungen, die damit verbunden sind; die Zeit, die begrenzt ist und die es zu verstehen gilt: Was machen wir hier eigentlich, in den wenigen Jahren, die uns beschieden sind, und was macht die Zeit mit uns? Mit Werken wie Boyhood oder der BeforeTrilogie hat die US-Independent-Ikone unvergessliche Bilder für diese grossen Fragen gefunden. Leichtfüssig kommen Linklaters Filme daher, ein bisschen verquasselt, und fangen doch präzise, wie etwa in Slacker oder Dazed and Confused, das Lebensgefühl einer Generation ein. Als ­leidenschaftlicher Cineast und Mitbegründer der Austin Film Society setzt sich Linklater zudem seit Jahrzehnten für Filmkultur, Filmgeschichte und das unabhängige Kino ein. Wir freuen uns daher sehr, im Rahmen der neuen Kooperation zwischen dem ZFF, dem Filmpodium Zürich und der Cinémathèque suisse nicht nur eine gross angelegte Retrospektive seines Schaffens zu präsentieren, sondern mit «Cinema Seen Through the Eyes of … Richard Linklater» auch einen Einblick in jene Werke zu geben, die ihn als Filmemacher geprägt und inspiriert haben. Richard Linklater wird an zwei Abenden im Filmpodium zu Gast sein, den ­Career ­Achievement Award des ZFF entgegennehmen und über sein ­f ilmisches Universum sprechen.

Essay von Bert Rebhandel Ab und zu gibt es Filme, denen es gelingt, eine ganze Generation zu definieren. Slacker von Richard Linklater ist dafür ein herausragendes Beispiel. Schon der Titel hat alles, was es dazu braucht, denn er führt einen Begriff ein, der noch dazu schwer zu übersetzen oder zu umschreiben ist: Ein Slacker ist eben ein Slacker. Der deutsche Verleih entschied sich für Rumtreiber, was aber nur einen Aspekt der Charaktere in diesem äusserst ungewöhnlichen Film trifft: Sie sind viel unterwegs, meistens zu Fuss, und immer lokal. Ihre Welt ist Austin, die damals noch studentisch geprägte Grossstadt, in der Richard Linklater zum Kino fand. Seine Slacker sind auch so etwas wie ewige Studenten:innen, nirgends eingeschrieben, aber immer auf der Suche nach Wissen. Sie entwickeln Theorien, manchmal auch abstruse, sie halten sich fern vom Mainstream, lieber tauschen sie sich untereinander aus. Und so sieht der Film Slacker denn auch aus: Menschen, die durch Austin latschen und reden. Gedreht mit kleinem Budget, wurde dieses Paradebeispiel für einen Independentfilm zu einer Eintrittskarte in das «richtige» Kino. Richard Linklater bekam danach Geld aus der Industrie und drehte Dazed and Confused, in den er viele Erinnerungen an seine Jugend in Huntsville,

Texas, einarbeitete – eine Jugend im Zeichen einer Popkultur, die schon deutlich kulturindustriell geprägt ist.

Langzeitstudien Linklater, Jahrgang 1960, war ein wenig zu spät für die Aufbruchsstimmung der Sixties. Er wurde erwachsen in einer Zeit, in der sich schon das neoliberale Amerika unter Ronald Reagan ankündigte. Und er begann, auf eine originelle Weise nach Unabhängigkeit zu suchen. Seine Filme sind immer auch eine Auseinandersetzung mit der amerikanischen Geschichte seiner Generation und auf eine dezidierte Weise auch eine Gegengeschichte. Auch wenn er später meist konventioneller erzählt hat als in Slacker, bleibt er dem widerspenstigen Geist dieses Films im Kern treu. Heute kennt man Richard Linklater vor allem wegen zweier Langzeitprojekte. 1995 liess er in Wien zwei junge Menschen aufeinandertreffen: Jesse (Ethan Hawke) und Céline (Julie Delpy) lernen sich im Zug kennen und sind eine Nacht gemeinsam in der Stadt unterwegs. Before Sunrise wurde zum Auftakt einer Trilogie, die zu zwei weiteren Begegnungen derselben Figuren führte, mit demselben Schauspielpaar, das mit Before Sunset und schliesslich mit Before Midnight beinahe zwanzig Jahre älter wurde. Die Zeit als Phänomen und Problem tauchte schon

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

in Slacker auf, sie ist ein Phänomen, das aus der Position des Kinos besonderes Interesse geniesst. Gilles Deleuze sprach vom Zeitbild als einer der wesentlichen Qualitäten grosser Filme. Und Linklater verlieh diesem Interesse schliesslich mit einem Film Ausdruck, an dem er mehr als zehn Jahre arbeitete: Boyhood (2013) erzählt die Geschichte eines Heranwachsens in einer Suggestion von Echtzeit – gedreht wurde mit einem Jungen (Ellar Coltrane spielt Mason), der anfangs sechs Jahre alt war und schliesslich ein Teenager. Eine vergleichbare Erfahrung hat es im Kino nur bei wenigen Langzeitbeobachtungen gegeben (etwa Anja-Breiens Wives-Trilogie S. 18, 23 ). Boyhood macht daraus eine zutiefst bewegende Erzählung. Für Linklater ist das Kino in hohem Masse ein Medium, das ihm hilft, sich selbst in der Geschichte zu verorten – in der Geschichte des Kinos, aber auch in der Geschichte seiner Nation. Er ist ein liberaler Amerikaner aus einem konservativen Bundesstaat, geprägt durch den freien Geist von Austin. Auch wenn diese Stadt inzwischen durch Techindustrie und generell durch Gentrifizierung stark verändert ist, hat sie nach wie vor Orte, an denen sich die Kultur behauptet, mit der Linklater sich assoziiert: in erster Linie die Austin Film Society, für deren Gründung er selbst ausschlaggebend war und die als Kinemathek fungiert, aber auch als Produktionsförderung. Immer wieder tauchen in seiner Filmografie Titel auf, mit denen er seine Beziehung zum Kino offenlegt: Me and Orson Welles (2008) erzählt von einem Moment, in dem ein Student ein junges Genie trifft – den Mann, der bald darauf Citizen Kane drehen sollte. Mit dem grossen Ego von Orson Welles hat der umgängliche und von allen Allüren freie Linklater nichts gemeinsam, aber mit der nie versiegenden Neugierde und mit dem Bedürfnis nach Autonomie von Welles sehr wohl. Nouvelle Vague (2025), Linklaters Film über die Entstehung von Jean-Luc Godards bahnbrechendem À bout de souffle (1961), will nicht darauf hinaus, dass es eine direkte Linie von Paris nach Austin geben soll, sondern ist eher eine Hommage an eine Haltung: einen freien Geist zu bewahren, sich auf die eigene Intuition zu verlassen, dem Moment zu vertrauen.

Schule des Kinos Ab und zu probiert Linklater diese Tugenden auch an dem schwierigsten und grössten aller Genres aus: an der Komödie. Es ist wohl kein Zufall, dass er dabei oft von exzentrischen Individuen her denkt, wie in Bernie (2011),

der ganz von der überbordenden Präsenz von Jack Black in der Rolle eines sehr schrägen Bestattungsunternehmers lebt. Black ist auch stark mit einem der grössten Erfolge von Linklater verbunden, mit School of Rock (2003), in dem er einen Nachhilfelehrer spielt, der mit Kindern die Rockmusik neu zu erfinden versucht. Den Titel kann man durchaus wörtlich nehmen: Das Kino und in einem weiteren Sinn die populäre Kultur sind für Linklater eine Schule, und zwar in der Weise, wie es das deutsche Wort Bildungsroman vermittelt. Intellektuelle Bildung, Herzensbildung, Haltungsbildung, das sind Aspekte eines Kinos, mit dem Linklater alle Dimensionen der menschlichen Existenz anspricht – was man nach dem ironisch «verkopften» Slacker noch anders hätte erwarten können. Als Intellektueller zeigte er sich prominent zweimal mit Filmen, die einen eigenen Komplex in seinem Werk ausmachen: Dass er bei Waking Life und A Scanner Darkly mit Animationsbildern arbeitete, hat vielleicht auch etwas mit dem Bedürfnis zu tun, die grossen Fragen in einer Form zu bearbeiten, für die man oft kindliche Zielgruppen sieht. De facto ist das rotoskopische Verfahren, das er dabei verwendet, weit von dem klassischen Zeichentrickfilm entfernt, für den vor allem die Firma von Walt Disney bekannt wurde. Linklaters Animationsfilme beruhen auf Bildern von lebenden Menschen, die gleichsam überzeichnet werden. In Waking Life erzählt er auf diese Weise von einem Slacker des frühen neuen Jahrtausends, der in hochphilosophischen Gesprächen das Motiv durchlebt, dass zwischen Traum und Wachzustand keine sichere Unterscheidung getroffen werden kann. Linklater ist in Waking Life zweimal selbst zu sehen, er gibt entscheidende Hinweise, ist aber zugleich so ephemer, wie es Zufallsbegegnungen nun einmal sind. A Scanner Darkly beruht auf einem Buch von Philip K. Dick, der das Genre der Science-­Fiction besonders eindringlich mit Facetten der Bewusstseinsproblematik verbunden hat. Der dritte Animationsfilm von Linklater fügt sich allerdings nicht, wie man vielleicht hätte erwarten können, in eine Theorie-Trilogie, sondern schlägt eher eine Brücke zu seinen autobiografischen, kulturhistorischen Filmen: Apollo 10 ½ ist nicht zuletzt ein Porträt seiner Heimatstadt Houston in der Zeit vor der Erfüllung des Traums von der Mondlandung, mit dem die Sixties unter John F. Kennedy begannen.

Neurotische Nation Ein Hollywoodregisseur ist Linklater nie wirklich geworden, und vielleicht ist er gerade deswegen ein so eminent amerikanischer Filmemacher. Texas blieb sein primärer Bezugspunkt, danach kommt vor Los Angeles eher noch New York – sein jüngster Erfolg Blue Moon ist nicht zuletzt eine Verneigung vor dem Broadway. Die Vereinigten Staaten haben sich in der bisherigen Lebenszeit von Linklater von einer optimistischen, glücklichen Nation in eine gespaltene, neurotische verwandelt – als Ursache dafür kann man eigentlich nur einen entfesselten Kapitalismus sehen, der alle grossen Erfindungen seit 1990 zu zersetzenden Maschinen werden liess. Hollywood war früher einmal eine Instanz über den politischen Lagern: In den Studiofilmen bis etwa 1960 konnte sich das ganze Amerika vertreten sehen. Richard Linklater ist zu jung für das New Hollywood von Bonnie & Clyde, Easy Rider oder Chinatown. Er kam zum Kino in einer Zeit, in der man neben Blockbustern nur noch wenige Nischen vorfinden konnte – die amerikanischen Komödien waren nach 1995 für eine Weile eine solche Nische. Linklater aber gelingt es, seine eigene Nische zu definieren. Sein Werk ist geprägt von einem unideologischen Humanismus. Er zehrt von den Traditionen, die Amerikas populäre Kultur gross gemacht haben, und schreibt diese Traditionen weiter. Er ist selbst ein Grosser dieser Kultur – und hat dabei weiterhin ein Ohr für Slacker aller Art. Bert Rebhandl lebt als freier Journalist, Filmkritiker (FAZ, Der Standard, tip­ Berlin) und Autor in Berlin. Er ist Mither­ ausgeber der Zeitschrift CARGO Film ­M edien Kultur (www.cargo-film.de). Eine Zusammenarbeit zwischen dem ­ urich Film Festival, der Cinémathèque Z suisse und dem Filmpodium Zürich

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RICHARD LINKLATER – VERLEIHUNG DES CAREER ACHIEVEMENT AWARD Mo 28.9. 17:45 Verleihung des Awards an Richard Linklater, ­L audatio und ­G espräch mit ZFF-CEO Christian Jungen, auf Englisch, 60' Anschl. BEFORE SUNRISE Richard Linklater wird mit dem Goldenen Auge des Zurich Film Festival für sein Lebenswerk ­g eehrt. Ausgezeichnet wird der Regisseur von Klassikern wie der BEFORE-Trilogie und ­B OYHOOD als einer der prägendsten Autoren­ filmer des amerikanischen Independent-Kinos. Die Laudatio hält ZFF-CEO Christian Jungen. Er wird anschliessend an die Übergabe ein län­ geres Gespräch mit Linklater führen. In Zusammenarbeit mit: Für die Unterstützung danken wir:

BEFORE SUNRISE Mo 28.9. 17:45 Sa 7.11. 20:45

DAZED AND CONFUSED

Fr 9.10. 15:00

USA/Österreich 1995, Farbe, 35 mm, E/d/f, 101 ' REGIE und DREHBUCH Richard Linklater, Kim Krizan KAMERA Lee Daniel SCHNITT Sandra Adair MIT Ethan Hawke, Julie Delpy, Andrea Eckert, Hanno Pöschl, Karl Bruckschwaiger, Tex Rubinowitz, Erni Mangold, Dominik Castell.

IT’S IMPOSSIBLE TO LEARN TO PLOW BY READING BOOKS Mo 19.10. 18:30 USA 1988, Farbe, DCP, E, 86 ' REGIE, DREHBUCH, KAMERA und SCHNITT Richard Linklater MIT Richard Linklater, James Goodwin, Dan Kratochvil, Linda Finney, Tracy Crabtree, Linda Levine. SLACKER

«Richard Linklaters erster Spielfilm, der für 3000 Dollar auf Super-8 gedreht wurde, begleitet die Streifzüge eines jungen Mannes (gespielt von ihm selbst), der mit Bus und Bahn durch das Land reist und dabei in alltäglichen Begegnungen Freunden und Fremden begegnet – das Interesse des Filmemachers an Zeitlichkeit und üblichem zwischenmenschlichem Austausch war bereits spürbar. Linklater (…) hat den Film als ‹in erster Linie visuelles Erlebnis› beschrieben, als ‹indirekte Erzählung› über Entfremdung, Kommunikation, die Banalität des Lebens und die Erfahrung des Reisens.» (Criterion Collection) «Mit Learn to Plow schuf Richard einen Film, der zugleich äusserst realistisch und auf schmerzhafte Weise poetisch war. Es gibt dort keine einzige falsche Note, und ich hatte nie das Gefühl, Schauspiel oder Schauspieler zu sehen. Das waren echte Menschen und das war das echte Leben, und beides lag mir sehr am Herzen. Ich sage meinen Studierenden, dass es in Filmen um Bewegung und Emotionen geht, und Ricks Film vereint beides in Vollkommenheit. Zeit und Geschichte haben meine damalige Einschätzung bestätigt, und Rick hat in der Folge wunderbare Filme gedreht. Der Grundstein dafür wurde in It’s Impossible to Learn to Plow by Reading Books gelegt.» (Monte Hellman, Criterion, Sep 2004)

SLACKER Fr 2.10. 20:45

Mo 2.11. 20:45

Fr 25.9. 20:45

Di 27.10. 18:30

USA 1991, Farbe, 35 mm, E/d*, 97 '

USA 1993, Farbe, DCP, E/d*, 102 '

REGIE und DREHBUCH Richard Linklater KAMERA Lee Daniel SCHNITT Scott Rhodes MIT Richard Linklater, Kathy McCarty, Rudy Basquez, Jean Koffein, Jan Hockey, Stephen Hockey, Mark James, Sam Dietert, Bob Boyd, Terrence Kirk, Keith McCormack, Jennifer Schaudies, Jerry Delony, Teresa Taylor, Dan Burrows, John Slater, Louis Mackey, Kendal Smith, Regina Garza.

REGIE und DREHBUCH Richard Linklater KAMERA Lee Daniel SCHNITT Sandra Adair MIT Jason London, Adam Goldberg, Wiley Wiggins, Ben Affleck, Matthew ­M cConaughey, Joey Lauren Adams, Milla Jovovich, Parker Posey.

«Mit Slacker legte Richard Linklater den Grundstein für eine neue Ära des amerikanischen Independent-Kinos der 1990er-Jahre. Der Film wurde zum Wendepunkt – viele spätere Indie-Regisseure nennen ihn als Inspirationsquelle oder gar als Türöffner. Slacker ist kein gewöhnlicher Film, sondern ein Mosaik aus Momenten: lose verbundene Figuren, die durch einen Tag voller skurriler Gedanken, Zufälle und Begegnungen treiben. Ein intellektuelles Porträt einer texanischen Subkultur (…). Da ist Linklater selbst als ziel­los umherziehender Buspassagier, ein alter Anarchist, der sich mit einem Einbrecher ­anfreundet, Verschwörungstheoretiker, TVSammler, verlorene Seelen – ein Reigen der Rastlosen. Gedreht mit kaum mehr als Leidenschaft und einer Handvoll Dollar, wurde Slacker zur Kultlegende. Der Begriff ‹Slacker› selbst fand durch ihn den Weg in den allgemeinen Sprachgebrauch. Linklater verwebt flüchtige Begegnungen zu einem witzigen, überraschenden und satirischen Spiegelbild einer Generation: der Generation X. Ein Film wie ein Gedankenspaziergang – anarchisch, nachdenklich, unvergesslich.» (Apple TV)

Informationen zu Preisen und Ticketing für die Retro­s pektiven RICHARD LINKLATER und CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ... RICHARD LINKLATER während des ZFF (24. 9. — 4. 10. 2026) finden Sie zeitnah auf unserer Website.

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DAZED AND CONFUSED

35 mm print courtesy of the Sundance Collection at the UCLA Film & Television Archive.

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

Sommer 1976 in einer texanischen Kleinstadt: Am letzten Tag vor den Ferien feiern die Schüler:innen das Schulende und damit auch das Ende eines Lebensabschnitts – sowie den Beginn eines neuen. Während ältere Jahrgänge die Neuankömmlinge mit Mutproben und traditionell gemeinen Drangsalierungen begrüssen, bereitet sich der Hormonhaushalt auf die grosse Party am Abend vor. Zwischen Alkohol, Joints, Flirts und Freiheitsgefühlen erleben sie eine unvergessliche Nacht der Orientierungslosigkeit, der Abenteuerlust und des Wunsches, den Moment auszukosten. (tb) «Dazed and Confused ist zweifellos von einer Nostalgie für die 70er-Jahre geprägt, übertreibt es dabei aber nie. Linklater skizziert Zeit und Ort so beiläufig wie möglich und überlässt den Rest all den anderen grossartigen Aspekten des Films, genau das macht ihn so zeitlos. Musik, die Autos, Gespräche, Kleidung und tausend andere kleine Details offenbaren, dass die verschiedenen Erzählstränge, die den Film ausmachen, in den 1970er-Jahren spielen. Doch es müssen diese Dinge nicht in gleissenden Neonlichtern stehen, damit man sie wahrnimmt. Linklater vertraut seinen Figuren, einem Drehbuch, das so natürlich wirkt, dass man manchmal das Gefühl hat, die hervorragende Besetzung des Films erfinde alles spontan, und Einzelgeschichten, die in ihrer Verknüpfung betrachtet grossartig sind.» (Gabriel Ricard, drunkmonkeys.us, Aug 2021)

«Eines langen Tages Reise ins Morgengrauen: Ein Amerikaner und eine Französin lernen sich im Zug von Budapest nach Wien kennen und haben 24 Stunden füreinander Zeit. Was sie erleben, ist eine Affäre mit festgeschriebenem Verfallsdatum. Linklater ist mit Slacker und Dazed and Confused zum Porträtisten der Generation X geworden, jener Leute, für die die Welt weniger Wille als Vorstellung ist. In Before Sunrise interessiert er sich eher für Dinge, die diese Generation mit früheren verbinden, als für das, was sie unterscheidet. Der Film ist nicht zufällig seinen Grosseltern gewidmet. Julie Delpy und Ethan Hawke geben dieser Geschichte einen Körper, Leben jedoch verleiht ihr erst die Stadt Wien. Dabei ist Linklater weniger am unverwechselbaren Gesicht dieser Stadt interessiert als an der austauschbaren Topografie der Grossstadt. Es gelingt ihm, und da ist er ganz Amerikaner, das Bekannte festzuhalten und doch einen eigenen Blick darauf zu werfen. So wird aus Wien ein verwunschener Ort, ein Spiegelkabinett, ein Irrgarten, ein Wunderland.» (Michael Althen, Österreichisches Filmmuseum, Jun 2007)


TAPE Mo 26.10. 18:30

Di 10.11. 20:45

USA 2001, Farbe, 35 mm, E/e*, 86 ' REGIE Richard Linklater DREHBUCH Stephen Belber, nach seinem gleichnamigen Theaterstück KAMERA Maryse Alberti SCHNITT Sandra Adair MIT Ethan Hawke, Uma Thurman, Robert Sean Leonard.

BEFORE SUNSET

«Manche Dinge gehen nie vergessen. Jon, ein junger Filmemacher, reist nach Lansing, Michigan, um sein Erstlingswerk an einem lokalen Filmfestival zu präsentieren. Vince, ein Freund aus Highschool-Zeiten, der mittlerweile freiwilliger Feuerwehrmann und ein kleiner Drogendealer ist, kommt ebenfalls in die Stadt, um Jon an seinem grossen Tag beizustehen – so scheint es zumindest. Denn nach einer ausgelassenen Begrüssung und viel Schulterklopfen scheint sich eine unterschwellige Spannung bemerkbar zu machen ...» (let­

A SCANNER DARKLY Mi 30.9. 18:30

Fr 6.11. 20:45

USA 2006, Farbe, 35 mm, E/d*, 100 ' REGIE Richard Linklater DREHBUCH Richard Linklater, nach dem Roman von Philip K. Dick KAMERA Shane F. Kelly MUSIK Graham Reynolds SCHNITT Sandra Adair MIT Keanu Reeves, Robert Downey Jr., Woody Harrelson, Winona Ryder, Rory Cochrane.

terboxd.com)

«Drei Leute in einem Raum – wer zum Teufel behauptet, dass das nicht Film sein kann? Wieso wird Film stets mit weiten Kameraperspektiven und all dem Krempel assoziiert?» (Richard Linklater, film.at)

SCHOOL OF ROCK

WAKING LIFE

SCHOOL OF ROCK

BEFORE SUNSET

So 18.10. 20:15

Di 13.10. 20:45

So 1.10. 15:00 So 15.11. 18:00

Mo 9.11. 18:30

Sa 7.11. 15:00

USA 2001, Farbe, 35 mm, E/d*, 99 '

USA 2003, Farbe, 35 mm, E/d/f, 109 '

REGIE und DREHBUCH Richard Linklater KAMERA Richard Linklater, Tommy Pallotta MUSIK Glover Gill SCHNITT Sandra Adair MIT Wiley Wiggins, Ethan Hawke, Julie Delpy, Richard Linklater, Timothy «Speed» Levitch, Steven Soderbergh.

REGIE Richard Linklater DREHBUCH Mike White KAMERA Rogier Stoffers MUSIK Craig Wedren SCHNITT Sandra Adair MIT Jack Black, Joan Cusack, Mike White, Sarah Silverman, Miranda Cosgrove.

«Ein junger Mann begegnet auf der Suche nach den Sinnfragen des Lebens Dutzenden von Personen, die ihm stets neue Erklärungsmodelle liefern. Immer mehr wird ihm dabei bewusst, dass er selbst die faktische Realität verlassen hat und sich in einem Zwischenreich zwischen Leben und Tod befindet. Aber ist dieser ‹Traum in einem Traum› nicht für alle Wirklichkeitserfahrungen kennzeichnend?» (Filmdienst)

«Hört auf zu lesen! Zeit für Rock! Nicht nur Mr. Schneeblys zugegebenermassen etwas einseitiges Unterrichtsprogramm wirkt ein wenig unpassend in den ehrbaren Hallen der Eliteschule. Auch sein mit Led-Zeppelin-Stickern gepflasterter Lieferwagen steht wie ein Fremdkörper auf dem Schulparkplatz. Jack Black, unerschrocken in seiner Selbsteinschätzung (‹I serve society by rocking!›), als Loser mit Rockband-Ambitionen, der sich als Aushilfslehrer ausgibt und den Kindern die tieferen Werte von Black Sabbath und AC/DC beibringt. Man könnte den Film als fulminante One-Man-Show abtun, aber dagegen spricht die offensichtliche Freude aller Beteiligten. Von den Kindern, die alle selbst musizieren, bis zu Joan Cusacks wunderbar steifer Direktorin: Herablassung ist ein Wort, das dieser Film nicht kennt. Und man könnte einwenden, dass es sich School of Rock ein wenig zu leicht macht in der hingebungsvollen Feier seines naiv-unschuldigen Protagonisten. Aber hören Sie einfach auf zu lesen. Zeit für Rock!» (Christoph Huber, Österreichisches Filmmuseum, Jun 2007)

«‹Das Kino ist ein Antiuniversum, in dem die Realität aus einer Summe von Unwirklichkeiten entsteht.› (…) Dieses Zitat, ich glaube von Jean Epstein, passt wunderbar zu diesem Animationsfilm von Richard Linklater. Waking Life wurde in einer neuartigen Animationstechnik hergestellt, bei der aus Videoaufnah­men semiautomatisch gemalte Bewegungsbilder entstehen. (…) Der Film ist eine Aneinanderreihung von Paradoxien und Reflexionen darüber, was real ist und was nicht, darüber, wann man träumt und wann man wach ist; und die ungewöhnliche Art und Weise, wie er aufgebaut ist, scheint darauf ausgelegt zu sein, all die darin aufgeworfenen Fragen noch zu verkomplizieren, anstatt sie zu lösen.»

So 1.11. 18:00

USA 2004, Farbe, 35 mm, E/d/f, 80 ' REGIE Richard Linklater DREHBUCH Richard Linklater, Kim Krizan, Julie Delpy, Ethan Hawke MIT Ethan Hawke, Julie Delpy, Vernon Dobtcheff, Diabolo, Albert Delpy, Marie Pillet.

«Vor neun Jahren spazierten sie in Before Sunrise eine Nacht lang durch Wien und redeten von Liebe und Träumen: Nun sehen sich Jesse und Céline in Paris wieder. In Before Sunset inszeniert Linklater abermals einen Stadtrundgang als neugieriges Zwiegespräch. Aber nicht nur die Protagonisten sind reifer geworden: Die einstige Naivität hat nun einen bitteren Beigeschmack, die Mise en Scène abgeklärte Eleganz.» (Christoph Huber, Österreichisches Filmmuseum, Jun 2007)

«Before Sunset hätte böse schiefgehen, Erinnerungen zerstören, Ideale begraben können. Julie Delpy (34) und Ethan Hawke (33), die das Mädchen und den Jungen spielen, muss das sehr bewusst gewesen sein. Mitte der 90er-Jahre schien es so, als würden sie gerade die Welt erobern – heute wissen wir, dass ihre Schöpfung von damals vielleicht das Wertvollste ist, was sie bisher gemacht haben. Deswegen haben sie dieser Fortsetzung auch das Wertvollste gegeben, was sie heute besitzen: neun Jahre mehr Lebenserfahrungen, gesammelte Erkenntnisse, unverheilte Wunden, gelöste und ungelöste Probleme. Sie haben sich Hals über Kopf auf das Drehbuchschreiben gestürzt, um diesen Figuren weiterhin Wahrheit zu verleihen, in einem wunderbaren Freiraum, den ihnen der Regisseur Richard Linklater geschaffen hat.» (Tobias Kniebe, Süd­

«Orange County, Kalifornien, in der nahen Zukunft: Wer die sogenannte Droge ‹D› zu sich nimmt, verliert jeglichen Bezug zur Realität und entwickelt verschiedene Persönlichkeiten. ‹D› hat das Land erobert, der Staat ist machtlos und lässt die Bevölkerung von Undercover-Polizisten bespitzeln. Auch der Polizist Bob ist der Substanz verfallen (…). Da er einen hochmodernen Tarnanzug trägt, bleibt seine wahre Identität geheim – und so wird er beauftragt, nicht nur seine Freunde, sondern auch sich selbst zu bespitzeln (…). Die hintergründigen Geschichten von Philip K. Dick zu verfilmen, kann nicht leicht sein. Richard Linklater bringt in A Scanner Darkly das von ihm zuletzt in Waking Life verwendete Rotoskopie-Verfahren erneut zum Einsatz und distanziert sich somit von jeglicher etablierter Science-Fiction-Optik. Die Handlung ist schlichtweg über jegliche Kritik erhaben: vielschichtig, abwechslungsreich, intelligent und überraschend. Was an A Scanner Darkly also interessiert, ist die Frage, ob es Sinn macht, einen Film, noch dazu mit namhaften Schauspielern, zu drehen, um ihn danach wieder zu ‹übermalen› – und das tut es.» (Vien­ nale, Tom Maurer, Okt 2006)

deutsche Zeitung, 16.6.2004)

(Jonathan Rosenbaum, Chicago Reader, Mai 2025)

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

9


BOYHOOD So 27.9. 14:30 Sa 31.10. 20:30

Sa 10.10. 20:15

USA 2014, Farbe, DCP, E/d, 165 ' REGIE und DREHBUCH Richard Linklater KAMERA Lee Daniel, Shane F. Kelly SCHNITT Sandra Adair MIT Ellar Coltrane, Patricia Arquette, Ethan Hawke, Lorelei Linklater, Libby Villari, Marco Perella, Jamie Howard, Andrew Villarreal, Brad Hawkins, Jeni Tooley, Zoe Graham, Charlie Sexton, Steven Prince.

«Boyhood ist über ein Jahrzehnt entstanden. Der kleine Mason wächst gleichzeitig mit seinem Darsteller Ellar Coltrane auf. Aus der fiktiven Langzeitstudie wird ein wahrhaftiger Coming-of-Age-Film. Nichts mit aufwendigem Schminken oder Auswechseln des Casts, um jemanden älter werden zu lassen. Das Filmprojekt hat sich dem Lauf der Zeit angepasst und wurde in Etappen gedreht: Ab 2002 traf sich das Ensemble des amerikanischen IndieRegisseurs Richard Linklater alljährlich zum Dreh, und seine Veränderungen wurden Teil der Inszenierung. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Mason, der mit seiner anstrengenden Schwester Samantha und seinen geschiedenen Eltern fertigwerden muss. Ethan Hawke spielt den Vater, der selber noch etwas Zeit braucht, um erwachsen zu werden. Genauso stark ist Patricia Arquette in der Rolle der alleinerziehenden Mutter, die an die falschen Männer gerät und nebenbei ihr Studium erledigt.» (Xenix, Jan 2014)

BOYHOOD

BERNIE Do 1.10. 20:45

«Trotz seiner Länge von fast drei Stunden ist jeder Dialog, jeder Zeitsprung, jeder neue Handlungszeitraum so etwas wie die Essenz dessen, was passiert, oder wie es einer der Protagonisten im Laufe des Films sagt: ‹Der Moment ist immer das Hier und Jetzt.› (…) Damit skizziert Boyhood nicht nur zärtlich ethnografisch Kindheit und Erwachsenwerden, sondern auch ernüchternd analytisch Altern und Abschiednehmen. Das Erstaunliche dabei ist, dass selbst Erkenntnisse, die nicht neu sind, die ans Floskelhafte grenzen, in Linklaters filmischer Suche nach den verlorenen Jahren in neuem Licht und grosser Kraft wiederauferstehen.» (Axel Timo Purr, artechock.de)

Mi 11.11. 18:30

USA 2011, Farbe, DCP, E/d*, 104 ' REGIE Richard Linklater DREHBUCH Richard Linklater, Skip Hollandsworth, basierend auf einem Magazinartikel von Skip Hollandsworth KAMERA Dick Pope MUSIK Graham Reynolds SCHNITT Sandra Adair MIT Jack Black, Shirley MacLaine, Matthew McConaughey.

BEFORE MIDNIGHT

BEFORE MIDNIGHT So 4.10. 20:15 Fr 23.10. 15:00

Sa 17.10. 20:45

USA 2013, Farbe, DCP, E/d*, 109 '

Mit einem echten Fall, den der Regisseur aus nächster Nähe mitverfolgt hatte, als Basis erzählt Linklater die Geschichte des im texanischen Kaff Carthage allseits beliebten Bestatters Bernie Tiede. Trotz seines dunklen Berufs, den er mit grosser Leidenschaft ausübt, erhellt Bernie durch seine Zuvorkommenheit die Herzen seiner Mitmenschen. Als er sich mit der wohlhabenden, aber gefürchteten Witwe Marjorie Nugent anfreundet, entwickelt sich eine ungewöhnliche Beziehung, die zunehmend von Abhängigkeit, Kontrolle und wachsender Spannung geprägt wird. Was als skurrile Freundschaft beginnt, nimmt eine unerwartete Wendung, die die gesamte Stadt erschüttert. Linklater inszeniert die Mischung aus schwarzer Komödie, Provinzporträt und Krimi nicht zuletzt anhand von Interviews mit sowohl tatsächlichen als auch von Schauspieler:innen gespielten Zeug:innen. (tb) «‹Mein Hauptfokus lag auf folgender Frage: Kann der netteste Mensch der Welt tatsächlich zu (einem Mord) fähig sein?›, sagt Linklater, der sich während der Recherchen für den Film mit Tiede angefreundet hatte [und ihn nach dessen Entlassung aus dem Gefängnis bei sich wohnen liess]. ‹Die Antwort lautet: ja. Wer also zu sicher ist, was das eigene Verhalten angeht … wer weiss schon, wozu jemand in einer falschen Beziehungskonstellation fähig ist?›» (Justin Chang, Variety, Jun 2014)

REGIE Richard Linklater DREHBUCH Richard Linklater, Ethan Hawke, Julie Delpy, basierend auf Figuren von Richard Linklater, Kim Krizan KAMERA Christos Voudouris MUSIK Graham Reynolds SCHNITT Sandra Adair MIT Ethan Hawke, Julie Delpy, Seamus DaveyFitzpatrick, Walter Lassally.

«Ihre Dialoge über die Liebe und das Leben begannen vor 18 Jahren: In Before Sunrise (1995) lernten sich der Amerikaner Jesse und die Französin Céline im Zug kennen und verbrachten einen romantischen Tag in Wien. In Before Sunset (2004) flanierten sie durch Paris und entdeckten dabei ihre Gefühle füreinander aufs Neue. Wieder neun Jahre später leben Jesse und Céline zusammen. Mit ihren Töchtern verbringen sie die Sommerferien in Griechenland. Mittlerweile hat der Alltagstrott seine Spuren hinterlassen, eine Beziehungskrise hat sich angebahnt. Kann eine romantische Nacht in einem Hotel die Liebe retten?» (Cinema Luna, Feb 2014) «Ich fülle gerne die Lücken bei Themen, die oft ausser Acht gelassen werden. Je älter man wird, desto absurder und tragischer wird das Leben. In diesem Film herrscht zwar eine gewisse Melancholie, aber es gibt darin auch eine Art wundervolles gegenseitiges Verständnis. Sie bringen sich immer noch gegenseitig zum Lachen, und das gibt Anlass zur Hoffnung.» (Richard Linklater in: The Guardian, Jun 2013)

Informationen zu Preisen und Ticketing für die Retro­s pektiven RICHARD LINKLATER und CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ... RICHARD LINKLATER während des ZFF (24. 9. — 4. 10. 2026) finden Sie zeitnah auf unserer Website.

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FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

EVERYBODY WANTS SOME!!

EVERYBODY WANTS SOME!! Mo 5.10. 20:45

Di 20.10. 18:15

USA 2016, Farbe, 35 mm, E/d*, 117 ' REGIE und DREHBUCH Richard Linklater KAMERA Shane F. Kelly SCHNITT Sandra Adair MIT Blake Jenner, Zoey Deutch, Glen Powell, Ryan Guzman, Tyler Hoechlin, Wyatt Russel, Temple Baker. Wir freuen uns, den Film auf einer überaus raren 35 mm-Kopie präsentieren zu dürfen.

«Baseballspieler Jake beginnt im August 1980 sein Studium an einer Universität im südöstlichen Texas. Seine neuen Team- und Studiengefährten, mit denen er das Wohnheim teilt, sind ihm zunächst etwas suspekt. Doch bald freundet er sich mit dem ungestümen Roper, dem dauerbekifften Willoughby, dem Frauenheld Nesbit und dem wortgewandten Finn an. Zwischen Baseball, wilden Partys und Mädchen wie Beverly, in die Jake sich gleich verknallt, kann das Studium dann schon mal zu kurz kommen.» (magenta.at)

« Everybody Wants Some!! ist eindeutig unbeschwert, eine Studie über homosoziales Verhalten, die keine Unterscheidung zwischen Sportler und Streber, Coolen und Losern benötigt. Das Ensemble amerikanischer Männer, das in seiner Village-People-artigen pan­ sexuellen Pracht zugleich zeitlos wirkt und sich doch bereits auf dem Abstieg in die Niederungen des harten Arbeitslebens befindet, lässt das Jahr 1980 wie einen Traum erscheinen: Für junge Menschen ging es damals nicht um Carter oder Reagan, Teheran und Panama, sondern um ‹My Sharona› und ‹Pop Muzik›: ‹Living in a disco, forget about the rat race.› In Everybody Wants Some!! heisst die Disco ‹Sound Machine›, und das Hamsterrad ist noch weit entfernt vom Glanz der Jugend.» (Bert Rebhandl, frieze.com, Mai 2016)


NOUVELLE VAGUE Sa 26.9. 18:30 So 25.10. 15:00

So 11.10. 20:30

Frankreich/USA 2025, sw, DCP, F/d, 107 ' REGIE Richard Linklater DREHBUCH Holly Gent, Vincent Palmo Jr., Michèle Pétin, Laetitia Masson KAMERA David Chambille SCHNITT Catherine Schwartz MIT Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin, Adrien Rouyard.

«Die Ideen waren eigenwillig und die Umstände beim Dreh mitunter abenteuerlich! 1960 stellte Kino-Revoluzzer Jean-Luc Godard mit seinem Debüt À bout de souffle die Konventionen auf den Kopf – und schrieb Filmgeschichte. In Nouvelle Vague zeichnet Linklater diese Entstehungsgeschichte nach und schweift dafür in die späten 1950er-Jahre zu den Anfängen der gleichnamigen Kinobewegung. Seinen Schwarzweissspielfilm lässt er dabei aussehen wie ein Werk aus der Zeit und streut zudem zahllose Anspielungen und Namen berühmter Regiegrössen ein.» (Sascha

«106 Minuten pure cinephile Glückseligkeit. So könnte man diesen Film zusammenfassen. Richard Linklater bastelt aus Realität, Filmgeschichte, Begeisterung, Legende und Gegenlegende eine Fontäne des Aufbruchs, der Nonchalance, der nicht mehr ganz jugendlichen Getriebenheit zwischen Sorglosigkeit und Ehrgeiz, Arroganz und Freundschaft. Nicht nur der von Guillaume Marbeck gespielte Jean-Luc Godard in diesem Film trägt die Arroganz des Salon-Revolutionärs wie eine schwarzweisse Trikolore vor sich her, auch der Rest der vor allem aufgrund ihrer fast schon beängstigenden Ähnlichkeit mit den Originalen gecasteten jungen Truppe sprüht vor Charme und Frechheit.» (Michael Sennhauser, Filmblog, Mrz 2026)

Rettig, Viennale, Okt 2025)

PREMIERE APOLLO 10½: A SPACE AGE ADVENTURE

APOLLO 10½ : A SPACE AGE ADVENTURE

Neues Kino – exklusiv im Filmpodium

Sa 31.10. 15:00

GOD SAVE TEXAS – HOMETOWN PRISON EPISODE 1

USA 2022, Farbe, DCP, E/d*, 98 '

Di 6.10. 20:45

REGIE und DREHBUCH Richard Linklater KAMERA Shane F. Kelly SCHNITT Sandra Adair MIT Milo Coy, Jack Black, Zachary Levi, Glen Powell, Josh Wiggins, Lee Eddy, Bill Wise.

«Stanley ist das jüngste von sechs Geschwistern und wächst in einem Vorort von Houston in den 1960er-Jahren auf – einer Welt, in der scheinbar jeder Vater für die NASA arbeitet und der Wettlauf ins All noch als leuchtende Verheissung des amerikanischen Traums gilt. Eine Fehlplanung bei der ersten bemannten Rakete (sie ist zu klein für Erwachsene, hat aber genau die richtige Grösse für Stanley) führt zu seiner heimlichen Rekrutierung. Der Grossteil des Films dreht sich aber um die unbeaufsichtigten Freuden einer analogen Kindheit: Telefonstreiche, spiritistische Brettspiele und Kickball auf der Strasse bis zum Abendessen. Das Ganze ist entspannt, fesselnd und überraschend charmant zugleich – eine schöne, ruhige Ode an eine vergangene Welt.» (Leah Greenblatt, Entertainment Weekly, Apr 2022)

«Die Apollo-Mission war ein gewaltiger Meilenstein. Es schien mir lohnenswert, sie aus der Perspektive eines Kindes zu betrachten, das den Müll rausbringt und mit seinen Freunden spielt. Eine kleine Geschichte um eine solch monumentale Errungenschaft zu ranken, schien mir spassig.» (Richard Linklater auf goldberry.com, Dez 2022)

Eintritt frei

USA 2022, Farbe, DCP, E, 87 ' REGIE Richard Linklater, inspiriert von dem Sachbuch «God Save Texas: A Journey into the Soul of the Lone Star State» von Lawrence Wright KAMERA E. J. Enríquez, Graham Willoughby, Shane Kelly MUSIK Graham Reynolds SCHNITT Paul Greenhouse, Spencer Averick.

«Es ist einer von drei hervorragenden Filmen, die unter dem Titel God Save Texas nach einem Buch von Lawrence Wright entstanden sind – und die alle die Geschichte und Politik des Bundesstaates im Lichte des eigenen Lebens und der Familien der Filmemacher beleuchten. ( … ) In Hometown Prison geht es um Huntsville, Texas, wo Linklater von 1970 (dem Jahr, in dem er zehn Jahre alt wurde) bis 1981 lebte. Er hat seine Kindheitserlebnisse dort ja bereits in Filmen wie Dazed and Confused oder Boyhood thematisiert. (…) Mitten in der Stadt steht ein grosses Gefängnis, das einen Grossteil des gemeinschaftlichen Alltagslebens bestimmt, und ein riesiges Netzwerk von Haftanstalten erstreckt sich in der Umgebung. Das Gefängnissystem ist so auch der wichtigste Arbeitgeber der Stadt. Texas, so berichtet Linklater, habe von allen Bundesstaaten die meisten Inhaftierten; ausserdem werden dort mehr Menschen hingerichtet als in jedem anderen Bundesstaat, und diese Hinrichtungen finden dann in Huntsville statt. Mit anderen Worten: Gefängnisse sind in der Landschaft von Huntsville allgegenwärtig, und doch, so Linklater: ‹Irgendwann nimmt man sie gar nicht mehr wirklich wahr.› In Hometown Prison wirkt er dem entgegen.» (Richard Brody, The New Yorker, Mrz 2024)

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

BLUE MOON So 27.9. 20:45 Fr 16.10. 15:00

Sa 3.10. 18:30

USA/Irland 2025, Farbe, DCP, E/d, 100 ' REGIE Richard Linklater DREHBUCH Robert Kaplow, inspiriert von Briefen von Lorenz Hart, Elizabeth Weiland KAMERA Shane F. Kelly MUSIK Graham ­R eynolds SCHNITT Sandra Adair MIT Ethan Hawke, Andrew Scott, Bobby Cannavale, Margaret Qualley, Patrick Kennedy.

Protegés auftreten – eine Parade der Berühmten und derer, die es werden wollen –, schildert über 100 Minuten in Echtzeit die Ereignisse in der Bar Sardi’s am Abend des 31. März 1943. Eine Betrachtung über Freundschaft, Kunst und Liebe.» (Berlinale, Feb 2025)

«‹Sie wissen ja, dass es in der Ehe heisst ‹in guten wie in schlechten Zeiten›? Ich glaube, ich bin in meinem Leben jetzt im ‹schlechten› Teil angelangt, und das geschah so leise, dass ich es nicht einmal bemerkt habe.» Richard Linklaters Blue Moon erzählt die Geschichte des Songwriters Lorenz Hart, dessen berufliches und privates Leben während der Premierenfeier für das Musical ‹Oklahoma!›, mit dem sein ehemaliger Partner, der Komponist Richard Rodgers, einen grossen Erfolg feiert, ins Wanken gerät. Der Film, in dem eine Vielzahl von Schriftsteller:innen, Schauspieler:innen, Musiker:innen, Freund:innen und

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Richard Linklater bei den Dreharbeiten zu DAZED AND CONFUSED (1992)


Nr. 3

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF...

mich in die Filmgeschichte. Das Schöne an der Kunst ist ja, dass diese immer da ist und nur darauf wartet, von einem entdeckt zu werden, sobald man dazu bereit ist. So liess ich mich mit 20 halt von der Nouvelle Vague, dem Neuen Deutschen Film oder dem britischen Free Cinema inspirieren. Dominic Schmid Alles Bewegungen, die 20 Jahre zuvor entstanden waren … R ichard Linklater Irgendetwas war da los in den 60ern. Sogar in den USA gab es diese kleine Bewegung mit John Cassavetes, Shirley Clarke, Lionel Rogosin und anderen, die kleine, persönliche Filme drehten. All diese Sachen

Das Schöne an der Filmgeschichte ist ja, dass diese immer da ist und nur darauf wartet, von einem entdeckt zu werden.

DETOUR

Nach der britischen Regisseurin Joanna Hogg und dem Schweizer Filmemacher Cyril Schäublin bitten wir mit der US-Indie-Ikone Richard ­Linklater zum dritten Mal eine:n Filmschaffende:n um seinen ganz persönlichen Filmkanon: fünf historische Filme, die für Linklater als Person wegweisend waren, und fünf aktuelle Filme, in denen er visionäres Potenzial sieht, die eine Richtung vorgeben, in die sich die Filmkunst seiner Meinung nach entwickeln sollte. Die Regeln sind natürlich wie immer da, um gebrochen zu werden … Im Interview mit Dominic Schmid verriet Linklater, was ihm diese Filme bedeuten. Alexander Horwath, ­Filmemacher und langjähriger Leiter des Filmmuseums Österreich, nimmt am 29. September den Gesprächsfaden vor Ort im Filmpodium auf und taucht mit Linklater in dessen Filmwelt ein. Das Gespräch präsentieren wir in Kooperation mit dem ZFF. Gespräch mit Richard Linklater

Dominic Schmid Richard Linklater, man hat Sie gebeten, neben fünf klassischen Filmen, die für Ihre Entwicklung als Filmemacher wichtig waren, auch fünf neuere Werke zu nennen, die Sie für wegweisend halten. Nun ist aber keiner der Filme weniger als 40 Jahre alt … R ichard Linklater Ich weiss, damit habe ich oft Mühe. Aber die Filmgeschichte braucht immer etwas Zeit, um sich zu sortieren. Was wegweisend ist, entscheidet sich immer erst viel später. Und ich fühle mich einfach wohler mit Filmen, die entstanden sind, bevor ich selbst damit anfing, welche zu machen. Dominic Schmid Schauen Sie sich denn viele neue Filme an? R ichard Linklater Ich gebe mir Mühe. In der Austin Film Society zeigen wir auch die ganzen neuen Sachen. Doch es ist nicht mehr so wie in den 80ern, als man noch viel mehr internationales Kino sehen konnte. Das muss man jetzt richtig suchen – oder halt streamen … Dominic Schmid Der Form halber: ein neuerer Film, der Sie in letzter Zeit besonders beeindruckt hat? Richard Linklater In Cannes habe ich The Diary of a Chambermaid von Radu Jude gesehen. Seine Filme finde ich wirklich radikal. Wie Fassbinder in den 70ern – herausfordernde Erzählmuster, dokumentarisch, aber auch melodramatisch. Und auch noch eine kritische Auseinandersetzung mit seinem Land. Mir gefällt grundsätzlich alles, was irgendwie mit der Form spielt. Dominic Schmid Etwas, das Sie im zeitgenössischen Kino vermissen? Richard Linklater Insbesondere in den USA ist

es mittlerweile extrem teuer geworden, einen Film zu machen. Weil man dann halt weniger Filme dreht, kann man sich keine Fehler mehr erlauben. Formale Risiken sind da fast nur noch im Low-Budget-Bereich möglich. Dominic Schmid Haben Sie deshalb Ihr Produktionsunternehmen nach dem Film Detour von Edgar G. Ulmer benannt? Richard Linklater Wahrscheinlich. Detour, den ich natürlich liebe, ist klassisches B-Kino von der anderen Seite des Hollywoodhügels, wo man damals innert 10–12 Tagen ultrabillige

Die Welt ist wie eine schwarze ­Komödie: absurd und voller ­düsterer Triebe, aber insgesamt auch ziemlich lustig. Filme drehte. Da sieht man, was Kino alles sein kann. Den grössten Helden diesbezüglich kennt man in der Schweiz ja bestens: Godard. Dominic Schmid Dem Sie mit Nouvelle Vague gerade ein schönes Denkmal gesetzt haben. R ichard Linklater Zumindest seinen frühen Jahren sowie der Nouvelle Vague jener Zeit. Ein inspirierender Moment – aber neue Wellen gibt es ja ständig irgendwo. Auch ich hatte als junger Filmemacher seltsame Ideen und wollte Dinge tun, die ich noch nicht aus anderen Filmen kannte. Doch genau so entstehen neue, interessante Impulse – in allen Kunstformen. Dominic Schmid Was halten Sie von der Theorie, dass man seinen Filmgeschmack im Alter von etwa 20–25 Jahren bildet, der dann relativ stabil bleibt? Würde das auch auf Ihre Auswahl hier zutreffen? Richard Linklater Zu hundert Prozent. Da geht es darum, was einen am Medium ursprünglich angezogen hat. Bei mir geschah dies in den frühen 80ern, als das kommerzielle Kino … Nun ja, es war, was es war. Also vertiefte ich

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sind ständig da, man muss bloss auf sie aufmerksam werden. Ich war damals mit der Austin Film Society in einer privilegierten Situation: Ich war für die Bestellung der Filmkopien verantwortlich und konnte mir diese Werke wieder und wieder anschauen. Dominic Schmid Zum Beispiel Some Came Running? Dieser ist von Minnelli ja offensichtlich hervorragend inszeniert – aber wie der von Sinatra gespielte Protagonist da die Frauen behandelt, die ihm angeblich am Herzen liegen, ist heute doch etwas schwierig zu sehen? R ichard Linklater Als ich den Film etwa 1983 zum ersten Mal sah, berührte mich vor allem die Figur des blockierten Künstlers, der in seine Heimatstadt zurückkehrt. Tatsächlich ist der Film von Jahr zu Jahr problematischer geworden. Aber alles, was er zeigt, entspricht der Realität seiner Entstehungszeit. Dominic Schmid Sind Sie selbst zufrieden mit der filmgeschichtlichen Epoche, die Ihnen vom Schicksal zugeteilt wurde? Richard Linklater Fantasieren kann man immer, aber man muss seine Ära akzeptieren. Rückblickend kann man wohl sagen, dass ich zum perfekten Moment geboren wurde, um dann in die Blütezeit des US-Independentfilms der 80er und 90er hineinzuwachsen. Wenn mich heute junge Filmschaffende um Rat fragen, tut mir das immer etwas leid: Zu sagen, sie hätten 30 Jahre früher geboren werden sollen, ist nicht sehr hilfreich. In anderer Hinsicht war vieles auch schwieriger, etwa die Kosten für Equipment und Filmmaterial. Wurden früher bei Sundance pro Jahr 100 US-IndieFilme eingereicht, sind es heute 14’000. Und wenn ich doch fantasieren soll: Irgendwann zwischen 1930 und 1960 im Hollywood-Studiosystem zu arbeiten, hätte mir bestimmt auch gefallen. Dominic Schmid An einer Pressekonferenz in Berlin meinten Sie kürzlich, dass Kino schon immer Eskapismus gewesen sei. Ihre Auswahl hier enthält hingegen Filme wie L’argent, Los olvidados oder The Ceremony, die sich mit bestem Willen nicht als eskapistisch bezeichnen lassen und die in ihrer Subversivität auch ein wenig im Kontrast zu Ihrer eigenen Filmografie stehen. Ein Widerspruch? Oder findet sich die Lösung des Rätsels möglicherweise in Sullivan’s Travels von Preston Sturges? R ichard Linklater Slacker oder Fast Food Nation lassen sich ja durchaus als subversiv bezeichnen. Und Sullivan’s Travels ist tatsächlich eine Persiflage über diesen Zwiespalt. Manche populären Künstler wie etwa Steven Spielberg haben das Glück, mit einer Sensibilität fürs Populäre geboren zu sein: Sie sehen die Dinge so, wie sie auch ein grosser Teil des Publikums sieht. Auch wenn ich mich nicht zur selben Kategorie zähle, fühle ich mich zur Komödie hingezogen, die in ihrer schwarzen Form noch am ehesten meiner Sicht der Welt entspricht: absurd und voller düsterer Triebe, aber insgesamt auch ziemlich lustig. Bernie ist in dieser Hinsicht wohl mein authentischster Film. Dominic Schmid Am Ende von Sturges’ Film von 1941 gelangt der Protagonist zur Einsicht, dass in schlimmen Zeiten die Unterhaltung mindestens genauso wertvoll ist, wie ein Bewusstsein für die Übel der Welt zu schaffen. Können Sie sich damit identifizieren?

Richard Linklater Das Komische bei Sullivan’s Travels ist ja die fehlende Eigenwahrnehmung seines Protagonisten – eine Art Parodie seiner selbst. Und es geht um das grosse Dilemma in der Kunst: Wenn ich den Leuten etwas zum Lachen oder Festhalten gebe, während die Welt den Bach runtergeht, trage ich dann noch dazu bei oder sollte ich etwas «Wichtigeres» tun? Wenn man sich diese «wichtigen» Filme dann aber anschaut, sieht man, wie prätentiös sie sind. Daher habe ich mir diese Frage nie gestellt, und ich hatte auch nie ein schlechtes Gewissen. Vielleicht auch weil ich solche Filme oft genug gesehen habe, um zu wissen, wie lächerlich die Zweifel sind – weil sowieso nichts von dem, was man tut, einen wirklichen Unterschied macht. Dominic Schmid Dem würden jetzt wohl all jene widersprechen, für die Before Sunrise prägend für das eigene romantische Ideal war. R ichard Linklater Mehr als 30 Jahre ist das jetzt her, und immer wieder kommen Leute und erzählen mir, wie sie über diesen Film mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin zusammenkamen. Immerhin habe ich also mit diesem Film der Welt ein paar romantische Illusionen beschert. Dominic Schmid Illusionen? R ichard Linklater Projektionen, Wahnvorstellungen … Nein, ich glaube schon an die Möglichkeit einer tiefen Verbindung zwischen zwei Menschen. Aber von Filmen, die dies so einfach erscheinen liessen, fühlte ich mich immer ein wenig betrogen. In meiner Erfahrung hat sich das nämlich nie wie so ein Whoa-Erlebnis angefühlt, sondern fand auf Bodenebene statt, beim langsamen Aufbauen einer Verbindung im Gespräch. Dominic Schmid Filme wie Detour oder Wanda, in denen die unmittelbare Anziehung rasch und brutal mit der Realität konfrontiert wird, zeigen demnach ein realistischeres Bild solcher Zufallsbegegnungen? Richard Linklater Die zum Scheitern verurteilte Liebesgeschichte ist immer ein tolles Thema – auch weil man sie selbst aus der Realität kennt. Natürlich wünsche ich allen, die von der Romantik in Before Sunrise schwärmen, das grösstmögliche Glück. Aber ich frage sie dann oft, ob sie auch den dritten Film der Trilogie gesehen haben. Aber selbst da reden und schlafen die beiden am Ende immerhin noch miteinander, anstatt bloss in ihre Handys zu schauen. Für zwei Vierzigjährige gar nicht so schlecht … Dominic Schmid Viele Ihrer Filme erzählen von der Zeit zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Auch if.... von Lindsay Anderson handelt von einem Aufstand der Schüler gegen das System. Was fasziniert Sie so sehr an diesem Thema? R ichard Linklater Ich war schon immer von der Gestaltung des Selbst fasziniert, vom Prozess des Herausfindens, wer man in der Welt sein möchte. Ich war immer ein mittelmässiger Student, und die Enge des Schulbetriebs war mir ein Gräuel. Mein Hirn war damit einfach nicht kompatibel. In Boyhood, wo wir ja quasi das US-Schulsystem von der ersten bis zur zwölften Klasse dokumentierten, sieht man, wie im Grunde alle Fünf- oder Sechsjährigen zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt werden. Da interessiert es mich, wie die Menschen dann dagegen rebellieren. if.... ist für mich einfach der ultimative Teenager-Rebellionsfilm. Total surreal und radikal – aber am besten gefällt mir, dass Lindsay Anderson ihn in jener Schule drehen konnte, die er selbst einmal besucht hatte. Dominic Schmid James Benning, mit dem Sie persönlich befreundet sind, ist der einzige noch lebende Filmemacher auf Ihrer Liste. Mit welchem anderen Filmemacher oder Filmemacherin von damals würden Sie am liebsten etwas Zeit – und sei es bloss die einer Flipperpartie – verbringen wollen? Richard Linklater Da die meisten von uns Filmregisseuren ziemlich selbstverliebte Idioten sind, möchte man mit ihnen vielleicht nicht unbedingt Zeit verbringen. Vielleicht mit Sturges, der immerhin eine ziemliche Persönlichkeit gewesen zu sein scheint. Oder mit Buñuel – schon nur, damit ich ihn mit Fragen löchern könnte.

Dominic Schmid hat Filmwissenschaften und Japanologie in Zürich und Berlin ­s tudiert und arbeitet als freier Filmkritiker, Videothekar und Moderator zwischen Biel und Zürich.

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SOME CAME RUNNING

DETOUR

Mi 7.10. 15:00

So 4.10. 18:30

So 25.10. 19:30

So 8.11. 20:15

USA 1945, sw, DCP, E/e*, 63 '

REGIE und DREHBUCH Preston Sturges KAMERA John Seitz MUSIK Sigmund Krumgold SCHNITT Stuart Mills, Walter Oberst MIT Joel McCrea, Robert Warwick, Veronica Lake, William Demarest, Franklin Pangborn, Robert Hall, Byron Foulger.

REGIE Edgar G. Ulmer DREHBUCH Martin Goldsmith, Martin Mooney, nach dem Roman von Martin Gold­ smith KAMERA Benjamin H. Kline MUSIK Leo Erdody SCHNITT George McGuire MIT Tom Neal, Ann Savage, Claudia Drake, Edmund MacDonald, Tim Ryan.

Filmmuseum)

«Sullivan’s Travels ist für mich die beste Komödie aller Zeiten. Dieser Film ist seit seiner Erscheinung 1941 kein bisschen gealtert – vor allem in Bezug auf Hollywood. Es ist der ultimative Film über Hollywood hinter den Kulissen (…), über das endlose Thema Kunst versus Kommerz – und dabei unglaublich unterhaltsam.» (Richard Linklater im Gespräch mit Rotten Tomatoes)

Sa 10.10. 15:00

Sa 17.10. 15:00

Fr 16.10. 18:15

Mexiko 1950, sw, 35 mm, Sp/d*, 81 '

GB 1968, Farbe + sw, DCP, E/d*, 111 '

REGIE Luis Buñuel DREHBUCH Luis Buñuel, Luis Alcoriza, Max Aub (Mitarbeit), Pedro de Urdimalas (Mitarbeit) KAMERA Gabriel Figueroa MUSIK Rodolfo Halffter, Gustavo Pittaluga SCHNITT Carlos Savage MIT Alfonso Mejía, Roberto Cobo, Stella Inda, Miguel Inclán, Alma Delia Fuentes.

REGIE Lindsay Anderson DREHBUCH David Sherwin KAMERA Miroslav Ondrícek MUSIK Marc Wilkinson SCHNITT David Gladwell MIT Malcolm McDowell, David Wood, Richard Warwick, Christine Noonan, Peter Jeffrey.

«Für mich sind Buñuels Mexiko-Filme seine wahren Meisterwerke (…). Der erste von ihnen war Los olvidados – und für mich ist er einer der grossen Jugendfilme, wenn man ihn so nennen kann. Es ist eine wunderschöne, tieftraurige Geschichte. Ohne diesen Film gäbe es kein Pixote, kein City of God, kein Over the Edge (…). Er hat diese einzigartige Atmosphäre, die zwischen neorealistisch und surreal pendelt. All diese wunderschönen Traumsequenzen in Zeitlupe tauchen aus dem Nichts auf. Sie sind einfach überwältigend.» (Richard Linklater im Gespräch mit Indiewire)

«Lindsay Andersons if.... ist eine kühne, anarchische Vision der britischen Gesellschaft, angesiedelt in einem Internat im England der späten 1960er-Jahre. Bevor Kubrick mit A Clockwork Orange sein böses Spiel weltberühmt machte, gab Malcolm McDowell sein Debüt als draufgängerischer Mick Travis, der zusammen mit seinen Schulkameraden jede Autorität herausfordert und schliesslich als gewalttätiger Retter aus den brutalen Machtkämpfen zwischen Schülern und Lehrern hervorgeht. if.... mischt Farbe und Schwarzweiss ebenso kühn wie Fantasie und Realität und bleibt einer der unvergesslichsten Kampfschreie der Filmgeschichte.» (The Criterion Col­ «if.... ist ein schlicht atemberaubendes, unglaublich radikales Werk. Witzig, satirisch, brechtianisch, real und surreal zugleich (…). Ich liebe die Mick-Travis-Trilogie, ich liebe Malcolm McDowell, und ich liebe diesen Film ganz besonders. Und ich konnte bei meinen Kindern beobachten, welche Wirkung er heute noch auf junge Menschen hat. Es ist ein wirklich schöner, revolutionärer Film, der niemals in Vergessenheit geraten sollte.» (Richard Linklater, im Newsletter der Academy of Motion Picture Arts and Sciences)

SOME CAME RUNNING «Aus der ‹Poverty Row› kam ein Film, der vielleicht mehr als jeder andere den düsteren Fatalismus im Herzen des Film noir verkörpert. Auf seiner Reise per Anhalter von New York nach Los Angeles findet sich ein vom Pech verfolgter Nachtclub-Pianist mit einer Leiche auf dem Beifahrersitz und ohne Fluchtmöglichkeit wieder – ein Albtraum, der sich weiter zuspitzt, als er die grausamste Femme fatale der Filmgeschichte mitnimmt: die unvergessliche Ann Savage als fauchende, energiegeladene und ungeheuer durchtriebene Vera. Mit unbekannten Darsteller:innen und einem Schnäppchenbudget verwandelte der B-Film-Autor Edgar G. Ulmer dürftige Produktionswerte und eine zwielichtige, heruntergekommene Atmosphäre in unvergessliche Pulp-Poesie.» (The Criterion Channel) «Edgar Ulmers wegweisender Low-BudgetKrimi ist einer jener amerikanischen NoirFilme, die die französische Nouvelle Vague wirklich aufhorchen liessen. Als echter Klassiker hat dieser Film Dutzende von Filme­ macher:innen inspiriert – unter anderem Richard Linklater, der seine Produktionsfirma nach ihm benannte.» (Austin Film Society)

Informationen zu Preisen und Ticketing für die Retro­s pektiven RICHARD LINKLATER und CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ... RICHARD LINKLATER während des ZFF (24. 9. — 4. 10. 2026) finden Sie zeitnah auf unserer Website.

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Fr 9.10. 18:30

lection)

USA 1941, sw, 35 mm, E/e*, E, 90 '

«John L. Sullivan, erfolgreicher Regisseur von Musical-Komödien wie Ants in Your Pants of 1939, will kriegszeitgeistbewusst umsatteln und ein grosses, ernsthaftes, sozial bedeutendes Werk schaffen. Er verkleidet sich zur Recherche als ‹Hobo› und landet als sein eigener Mörder in der Kettensträflingskompanie. Dort erfährt er am eigenen Leib, dass die Massen Mickey Mouse dringender brauchen als Marx. Eine furiose autobiografische Fantasie (und ein gewohnt doppelbödiges Kino-Pamphlet) vom Alleskönner Preston Sturges, Erfinder und Erfolgsautor, Zwischendurchmillionär, Restaurantbetreiber, Regisseur und Revolutionär der nordamerikanischen Tonfilmkomödie.» (Christoph Huber, Österreichisches

IF....

«Der frisch aus dem Knast entlassene Jaibo, grossmäuliger Anführer einer Jugendbande, wird von Pedro, einem eher zurückhaltenden Jungen, dabei beobachtet, wie er einen jungen Arbeiter ermordet. Jaibo lässt Pedro ziehen, jedoch zu einem Preis (…). Luis Buñuel kam 1947 nach Mexiko und versuchte, in der dortigen Filmindustrie Fuss zu fassen. Los olvidados, gedreht in den Slums von Mexiko-Stadt, zeigt in harten, aber unterkühlten Bildern eine von Gewalt und Grausamkeit beherrschte Gesellschaft. Buñuel wurde in Mexiko als ‹Nestbeschmutzer› beschimpft, aber 1951 in Cannes ausgezeichnet.» (Filmpodium, Nov/Dez 2010)

SULLIVAN’S TRAVELS

SULLIVAN’S TRAVELS

LOS OLVIDADOS

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

Di 29.9. 18:15

So 11.10. 15:00

USA 1958, Farbe, Digital HD, E/d*, 136 ' REGIE Vincente Minnelli DREHBUCH John Patrick, Arthur Sheekman, nach dem gleichnamigen Roman von James Jones KAMERA William Daniels MUSIK Elmer Bernstein, James Van Heusen (Song) SCHNITT Adrienne Fazan MIT Shirley MacLaine, Frank Sinatra, Dean Martin, Martha Hyer, Arthur Kennedy.

«Das Rat Pack feiert in dieser Verfilmung von James Jones’ Roman über die Desillusionierung der Nachkriegszeit seinen ersten Auftritt auf der grossen Leinwand – in einer Kleinstadt in Indiana. Frank Sinatra spielt den Veteran Dave Hirsh, der in seine verschlafene Heimatstadt am Ohio River zurückkehrt, wo er sich zwischen der bürgerlichen Welt seines Bruders, eines Juweliers, und seiner Geliebten, einer Lehrerin, und dem Partyleben auf der anderen Seite der Gleise, das vom gelassenen Spieler Alabama (Dean Martin) und von Ginny (Shirley MacLaine) beherrscht wird – jener liebevollen Dame aus der Unterschicht, die Dave aus Chicago gefolgt ist (…). Einer der grossartigsten amerikanischen Filme der 1950er-Jahre.» (Metrograph) «Als ich 23 war, geriet ich zufällig in eine Uni-Vorführung von Vincente Minnellis Some Came Running (…). Der Film hat mich nachhaltig geprägt (…). Jedes Mal, wenn ich ihn schaue, denke ich wieder neu über diese Figuren nach. Es ist wie bei Citizen Kane – jedes Mal, wenn man ihn sieht, ist es ein anderer Film.» (Richard Linklater, The Guardian)

DAS KINO DURCH DIE AUGEN VON RICHARD LINKLATER Di 29.9. 18:15 Alexander Horwath und Richard Linklater im Gespräch, auf Englisch, 90' Im Anschluss an SOME CAME RUNNING Jeder einzelne von Richard Linklaters Filmen errichtet eine eigene Welt. Zugleich sind sie in wundersamer Art und Weise aufeinander und auf den Lauf der Zeit(en) bezogen. Ein ähnliches Verhältnis herrscht auch zwi­ schen seinem Œuvre und der immensen Weite des Kinos, das ihn begeistert. Die Ge­ heimgänge und «detours», die das eine mit dem anderen verbinden, sind auch Leitlinien für das Gespräch, das Filmemacher und Ku­ rator Alexander Horwath anschliessend an SOME CAME RUNNING mit Linklater über seine Filmauswahl führen wird. In Zusammenarbeit mit: Für die Unterstützung danken wir:


WANDA Fr 2.10. 18:30

Mi 21.10. 20:45

USA 1970, Farbe, DCP, E/d*, 102 ' REGIE Barbara Loden DREHBUCH Barbara Loden KAMERA Nicholas T. Proferes SCHNITT Nicholas T. Proferes MIT Barbara Loden, Michael Higgins, Charles Dosinan.

«‹Wenn er die Scheidung will, geben Sie sie ihm. Die Kinder sind besser dran mit ihm›, sagt Wanda teilnahmslos zum Richter. Die junge Frau aus dem Kohlenrevier Pennsylvanias gibt ihre Familie, ihren Job und auch sich selbst auf, mit ungewissem Ziel. Barbara Loden hat sich mit schmerzhafter Direktheit in dieser Rolle inszeniert: als Frau, die sich mit Männern einlässt, die sie nur ausnutzen, und die sich schliesslich sogar zu einem schlecht geplanten Bankraub drängen lässt. Lodens Film, 1970 mit kleinstmöglichem Team und geringem Budget auf 16 mm gedreht, driftet durch heruntergekommene Bars und Motels, über staubige Strassen und Industriebrachen (…). Seinerzeit ein Kritiker-, aber kein Kassenerfolg, gilt Wanda in seiner schonungslosen Alltagsbeobachtung heute als Meilenstein des feministischen Kinos und als einer der wichtigsten Filme der 70er-Jahre. Ein Trauerspiel, dass Loden einen weiteren nicht drehen konnte; 1980 starb sie mit 48 Jahren an Krebs. In ihrem Nachlass entdeckte ihr Ehemann Elia Kazan jede Menge Drehbücher.» (epd Film)

LE RAYON VERT

LANDSCAPE SUICIDE

THE CEREMONY GISHIKI Mi 14.10. 15:00

Mi 11.11. 20:45 USA 1986, Farbe, 16 mm, E/d*, 95 ' REGIE, DREHBUCH, KAMERA und SCHNITT James Benning MIT Rhonda Bell, Lisbeth Jetton, Elion Sucher.

Fr 13.11. 20:45

Japan 1971, Farbe, 35 mm, Jap/e, 123 ' REGIE Nagisa Oshima DREHBUCH Mamoru Sasaki, Tsutomu Tamura, Nagisa Oshima KAMERA Toichiro Narushima MUSIK Toru Takemitsu SCHNITT Keiichiro Uraoka MIT Kenzo Kawarazaki, Atsuko Kaku, Nobuko Otowa, Kei Sato, Atsuo Nakamura.

L’ARGENT

L’ARGENT Di 6.10. 18:30

LE RAYON VERT Mi 28.10. 20:45

Frankreich/Schweiz 1983, Farbe, 35 mm, F/d, 85 ' REGIE und DREHBUCH Robert Bresson, inspiriert durch die Erzählung «Der gefälschte Coupon» von Leo Tolstoi KAMERA Pasqualino De Santis, Emmanuel Machuel MUSIK Johann Sebastian Bach SCHNITT Jean-François Naudon MIT Christian Patey, Vincent Risterucci, Caroline Lang, Sylvie Van den Elsen, Michel Briguet.

«Oshima schmuggelt in dieser bissigen Darstellung einer höchst dysfunktionalen (und äusserst einflussreichen) Dynastie eine tickende Zeitbombe in das sonst so beschauliche klassische japanische Familienmelodrama. Über ein Vierteljahrhundert folgt er dem Sakurada-Clan in seinem verbissenen Streben, Ansehen und Ehre zu wahren (...). Masuo, der jüngste Spross der Familie, kämpft während einer Abfolge von Hochzeiten und Beerdigungen darum, die Leichen der Sakuradas – Inzest, brodelnder Groll und andere Geheimnisse – im Keller zu behalten; jede leere Zeremonie ist ein weiterer Schritt in den eigenen Untergang.» (Metrograph) «Ich bin ein riesiger Fan von Nagisa Oshima. Er war einer der radikalsten japanischen Regisseure der 60er-Jahre, ein wahrer Meister. The Ceremony ist ein eindrückliches, generationenübergreifendes Familiendrama und sowohl auf familiärer als auch auf politischer Ebene sehr ambitioniert (…). Oshima hatte nie Angst davor, seine Ideen von Anfang bis Ende durchzuziehen, und wich stets leichtfüssig den Zensoren aus, die mit seiner politischen Botschaft zum Nachkriegsjapan unzufrieden waren.» (Richard Linklater im Gespräch

Ein gefälschter 500-Franc-Schein ist im Umlauf. Ein junger Mann wird zu Unrecht verdächtigt, etwas damit zu tun zu haben. Er landet kurz im Gefängnis. Doch danach ist nichts mehr wie vorher, sein Lebensweg hat sich verändert – er wird Rache an der Gesellschaft üben. Radikal und ohne Sentimentalität, ohne Psychologisierung und Metaphern zeigt Bresson in seinem letzten Film den grausamen Gang der Ereignisse. «Das war der erste Bresson-Film, den ich je gesehen habe; er lief damals über ein Wochenende im Hogg Auditorium. Ich ging am Freitag hin und sah in mir an, tat mich aber irgendwie schwer damit (…), also ging ich am Samstag noch einmal hin, las die Literaturvorlage von Tolstoi, recherchierte über Bresson, und als dann Sonntagabend war, hat es bei mir plötzlich Klick gemacht, und ich war hin und weg von dem Film (…). Bresson gehört zu den wenigen Filmemacher:innen der Geschichte, von denen man wirklich sagen kann, sie haben ihre eigene Filmsprache geschaffen.» (Richard Linklater, Austin Film Society)

Mo 28.9. 20:45 Mi 28.10. 15:00

Fr 23.10. 18:30

Frankreich 1986, Farbe, DCP, F/d, 98 ' REGIE und DREHBUCH Éric Rohmer KAMERA Sophie Maintigneux MUSIK Jean-Louis Valero SCHNITT María Luisa García MIT Marie Rivière, Béatrice Romand, Rosette, Carita, Vincent Gauthier, María Luisa García, Sylvie Richez, Amira Chemakhi.

Delphines Sommerferienpläne sind ins Wasser gefallen. Die Pariser Sekretärin begibt sich auf eine ziellose Odyssee durch Frankreich: «Delphine ist allein in La Plagne in den Bergen, vereinzelt in Cherbourg unter Freunden, einsam am Strand von Biarritz, bricht bisweilen in Tränen aus und versteckt sich hinter Fassaden der Beiläufigkeit (…). Doch schliesslich sieht sie, was man nur an wolkenlosen klaren Tagen in der Sekunde nach Sonnenuntergang sieht – das grüne Leuchten über dem Meer.» (Harry Tomiczek, Österreichisches Filmmuseum)

«Ein kühler, beunruhigender Film über zwei Mörder:innen und ein Dutzend Landschaften (…). Wie kommen ‹Pain› und ‹Place› zusammen, wie das scheinbar unmotivierte Erstechen einer beliebten Schülerin durch ihre Klassenkameradin Bernadette Protti in einem kalifornischen Vorort 1984 und die Massenmorde Ed Geins im ländlichen Wisconsin der 1950erJahre? Füllen die mit bemerkenswerten Schauspielern nachinszenierten Vernehmungsprotokolle die Leere der Landschaften? Oder geben die Landschaften Hinweise auf die Bluttaten, auf die Leere der Personen und Beziehungen? Als Zusehender versucht man unweigerlich, die Lücken zu füllen: auch dies eine (interpretatorische) Gewalttat.» (Christoph Huber, Österreichisches Filmmuseum)

«Im Kern geht es James Benning, visueller Poet, der er ist, darum, die Landschaften dieser beiden Orte zu verhören, Ed Geins winterliches Wisconsin und das regnerische Kalifornien. Er verlangt von den Zuschauer:innen, sich diese Orte anzuschauen, ihnen zuzuhören, diesen realen Tatorten (…). Formal brillant und zutiefst berührend.» (Richard Link­ later im Interview mit Peter Becker)

«Rohmer geht von den scheinbar simpelsten Geschichten aus – und genau dort strahlt sein Genie. Er nimmt alltägliche, fast schon banale Menschen und Situationen – hier eine Sekretärin, deren Urlaubspläne platzen – und schafft daraus eine Art spirituelle Reise. Le rayon vert war für mich eine Offenbarung (…). Der Film ist eine psychologische Studie, ein philosophischer Diskurs, ein verblüffend nüchternes Porträt von Sehnsüchten, Gefühlen, Meinungen, Gedanken, von Blicken und Gesten, von peinlichen, unbeholfen Momenten – emotional, intellektuell und auf subtile, äusserst subtile Weise unglaublich tragisch.» (Richard Linklater, Austin Film Society)

mit Indiewire)

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

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WIVES – TEN YEARS AFTER   ANJA BREIEN


AUSBRUCH ALS UNABLÄSSIGE BEWEGUNG

und dem letzten Kurzfilm Riss (Etchings, 2009) hat Breien kontinuierlich als Filmemacherin und Drehbuchautorin gearbeitet. Ihr Werk ist konzentriert, aber kaum homogen, vielmehr finden sich darin diverse Genres und Stile: vom nahezu protokollarischen Realismus im Spielfilmdebüt Voldtekt (Rape, 1971) über den mit einer vibrierenden Handkamera eingefangenen Cinéma-vérité-Stil in Wives bis hin zu den expressionistischen Anklängen in Forfølgelsen (The Witch Hunt, 1981) – ein düsteres, sichtbar von Ingmar Bergman beeinflusstes Historiendrama, das sich als zeitübergreifende Anklage patriarchaler Strukturen lesen lässt. Mit den weiten Klangräumen des norwegischen Jazzmusikers Jan Garbarek wagt sich Breien mit Papirfuglen (The Paper Bird, 1984) sogar ins Thriller-Fach, wobei sie sich weniger für die Logik des Kriminalplots interessiert als für die psychosozialen Beschädigungen im Leben ihrer Protagonistin.

Kino der Blicke und Gesten

Anja Breien in Oslo (1974); bei den Dreharbeiten zu WIVES (1975)

Die Wiederentdeckung von Anja Breiens Schlüsselwerk Wives (1975) im vergangenen Jahr war ein Ereignis, das lange nachhallte. Als feminis­ tische Antwort auf John Cassavetes’ Husbands (1972) konzipiert, steht dieser Film mit seiner Mischung aus intimer Chronik und politischer ­Reflexion stellvertretend für das gesamte Werk der norwegischen Filmemacherin. Ihre Filme, die sich mit sicherer Hand zwischen Komödie, ­Familiendrama und Kostümfilm bewegen, wurden zu ihrer Entstehungszeit im Kino und auf internationalen Filmfestivals mit grossem Erfolg ­gezeigt – und doch gerieten sie in Vergessenheit. Anja Breien ist diesen Mai im Alter von 85 Jahren gestorben. Ihre Filme sind nun aber dank ganz neuen Restaurierungen wieder verfügbar. Ausgehend von ihrer gefeierten Wives-Trilogie präsentiert das Filmpodium einen Querschnitt durch dieses dringend zu entdeckende Werk.

Essay von Esther Buss

Die eine hat keinen eigenen Namen, die andere kein eigenes Konto, die Dritte kein Kind und einen Mann, der sie schlägt. Mie, Kaja und Heidrun, drei Frauen aus der Mittelschicht, stehlen sich nach einem Klassentreffen für ein paar Tage aus ihrem Alltag als Ehefrauen davon, streifen durch die Stadt und sprechen über Liebe, Ängste und Sehnsüchte. Während sie sich verbünden, miteinander wetteifern und sich im Rausch sogar schlagen, müssen sie irgendwann erkennen, was sie trotz unterschiedlicher Lebensumstände eint: «Wir werden unterdrückt.» Hustruer (Wives) von Anja Breien, 1975 im «Internationalen Jahr der Frau» erschienen, war von den geschlechterpolitischen Debatten der Zeit geprägt und wirkte zugleich auf sie zurück. Gedacht war der Film auch als feministische Antwort auf John Cassavetes’ Husbands (1972). Dass die Umkehrung der Vorlage eine grundlegend andere Konstellation hervorbrachte – die Frauen lassen Mann, Kinder, Hausarbeit und Job hinter sich –, machte die strukturellen Asymmetrien umso augenfälliger. Wives stellte eine ganze Reihe an Fragen, die bis heute aktuell sind: Fragen nach (sexu­ eller) Selbstbestimmung, finanzieller Unabhängigkeit, Rollenverteilung, Mutterschaft und unbezahlter Reproduktionsarbeit. Doch so nachdrücklich und direkt diese Themen auch an- und ausgesprochen wurden: Der Film wirkt noch immer alles andere als programmatisch. Wives ist vielmehr witzig, leicht, aufsässig, richtungsoffen, in seinen Erzählbewegungen komplett unberechenbar. Ein fernab des Mainstreams gedrehter populärer

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

Film über seinerzeit gesellschaftlich noch un­ ­populäre Themen. Ganz nach Hollywood-Konvention entstanden mit Hustruer – 10 år etter (Wives – Ten Years After, 1985) und Hustruer III (Wives III, 1996) zwei Fortsetzungen, die den Lebenswegen von Mie, Kaja und Heidrun zehn bzw. zwanzig Jahre später deutlich (bzw. generisch) komödiantischer folgen.

Neue Generation von Filme­ macherinnen Anja Breien, 1940 in Oslo geboren und im Mai dieses Jahres verstorben, zählt zu den bekanntesten – und mit neun abendfüllenden Spielfilmen und zahlreichen Kurz- und Dokumentarfilmen – produktivsten Regisseurinnen der norwegischen Filmgeschichte. Dabei wäre sie nach ihrem abgeschlossenen Französischstudium zur Regieklasse am Institut des Hautes Études Cinématographiques in Paris fast nicht zugelassen worden (stattdessen teilte man sie der Abteilung für Drehbuch und Montage zu). Erst nachdem sie der Schule eine erneute Aufnahmeprüfung abgetrotzt hatte, wurde sie als einzige Frau aufgenommen. Begünstigt durch die Veränderungen in der staatlichen Filmförderung und die gesellschaftlichen Umbrüche begann Anja Breien Ende der 1960er-Jahre – zunächst im Rahmen der von ihr mitgegründeten Gesellschaft Vampyrfilm –, ihre ersten Kurzfilme zu drehen. Zusammen mit Vibeke Løkkeberg und Laila Mikkelsen gehörte sie bald zu den zentralen Protagonistinnen einer neuen Generation von Filmemacherinnen, die ausgehend von ihrem feministischen Aktivismus – und in Abgrenzung zu ihren Vorgängern – weibliche Figuren bzw. Perspektiven ins Zentrum ihrer Erzählungen stellten. Obwohl zahlreiche Filme Breiens auf den Festivals von Cannes, Venedig und Berlin zu sehen waren, ist ihr Werk – wie das ihrer Weggefährtinnen – ausserhalb Norwegens nahezu unbekannt.

Vielfältiges Werk Zwischen dem Debüt Vokse opp: Sagnet om Rypa i Justedalen (Growing Up, 1967), einer halbstündigen Filmerzählung nach einer mittelalterlichen Sage über die einzige Überlebende eines Dorfes nach der Pest 1349 – einer von drei Beiträgen des Episodenfilms Dager fra 1000 år (Days from a Thousand Years) –,

Auch wenn sich das Werk mit Wives eindeutig feministisch ausrichtet, versteht Anja Breien den «weiblichen Blick» nicht reduktionistisch. Rape stört durch seine Erzählperspektive sogar das Bild einer feministischen Filmemacherin. Der nicht chronologisch aufgebaute Gerichtsfilm macht das innere Drama eines der Vergewaltigung beschuldigten Mannes, der in den Mühlen des Strafrechtssystems zerrieben wird, aus unmittelbarer Nähe erfahrbar. Äusserst differenziert – und historisch korrekt – gerät Breiens Blick auf die Möglichkeitsräume und Begrenzungen weiblicher Handlungsmacht in The Witch Hunt wie auch in Den allvarsamma leken (Games of Love and Loneliness, 1977). Die Adaption eines Romans von Hjalmar Söderberg (dem Autor, der auch die gleichnamige Vorlage für Carl Theodor Dreyers Gertrud verfasste) erzählt eine vermeintlich klassische Liebesgeschichte im Stockholm der Jahrhundertwende, die an verpassten Möglichkeiten und den eigenen moralischen Grenzen scheitert. Anders als die Autorin Gun-Britt Sundström, die mit För Lydia (1973) die Geschichte in die Perspektive der weiblichen Hauptfigur (und in die Gegenwart) transferierte, bleibt Breien dem männlichen Erzähler wie auch der historischen Epoche treu – was die Emanzipationsgeschichte umso moderner wirken lässt. Breien bringt in dem Film auch ein Stilmittel zum Einsatz, das sich in variabler Form durch ihr Werk hindurchzieht: das Close-up als geradezu seismografische Annäherung, eine Art «Porträt in Bewegung» (um einen Begriff Claude Sautets umzudeuten). Bei Breien ist die Grossaufnahme des Gesichts keine Inbesitznahme, kein Daraufschauen, im Gegenteil: Sie wird zur Stimme. Sie subjektiviert. Die Figuren in den Filmen von Anja Breien werden nicht psychologisch ausgestaltet oder erklärt, ihr Kino ist eines der Blicke und Gesten, der Bewegung – und auch der Übersprungshandlung und des Übergriffs. So etwa der angriffslustige Lachanfall der Enkelin eines Patriarchen bei seiner Beerdigung in dem virtuos inszenierten Familienerbschaftsdrama Arven (Next of Kin, 1979) oder die frechen sexuellen Belästigungen fremder Männer auf den Strassen Oslos durch die Eheausbrecherinnen in Wives. Wives entstand als Gemeinschaftsarbeit der Regisseurin und der drei Schauspielerinnen Anne Marie Ottersen, Katja Medbøe und Frøydis Armand, die zuvor mit einem ähnlich konzipierten Theaterstück durch Norwegen tourten. Breiens Erfahrung mit Improvisation und kollektiver Arbeit zeigt sich in diesem Film nachdrücklich, sichtbar Spuren hinterlassen hat zudem ihre dokumentarische Praxis. Anja Breien nutzt das Motiv des «Driftens» – das ziellose Umherstreifen als emanzipatorisches Stilmittel gegen das zielgerichtete Erzählen – auf ganz eigene Weise, treibt es vielmehr voran, ins Sprunghafte. Wives ist ein Actionfilm der anderen Art, ein launenhaftes Oszillieren zwischen Euphorie und Ernüchterung, Vorpreschen und Zögern, das nie zur Ruhe kommt – «Wir können jetzt nicht aufhören», sagt eine der Frauen, als man schon mit dem Ende rechnet. Die Rückkehr in den Ehealltag zeigt der Film nicht. Fast eine Utopie: ein Ausbruch als unablässige Bewegung.

Esther Buss arbeitet als Filmkritikerin und lebt in Berlin. 2025 erschien ihr Buch «Aus der ersten Person. Filmische Auto­ biografien / Autofiktion».

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GAMES OF LOVE AND LONELINESS DEN ALLVARSAMMA LEKEN

RAPE

Do 15.10. 20:45

So 1.11. 20:15

Schweden/Norwegen 1977, Farbe, DCP, Schwed/e, 100 ' REGIE Anja Breien DREHBUCH Per Blom, Bengt Forslund, Anja Breien, nach dem Roman «The Serious Game» von Hjalmar Söderberg KAMERA Erling Thurmann-Andersen SCHNITT Edith Toreg MIT Lil Terselius, Stefan Ekman, Erland Josephson, Birgitta Andersson, Hans Alfredson, Allan Edwall.

«Die Figur der jungen Lydia vereint all jene Widersprüche in sich, mit denen Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert konfrontiert waren – Widersprüche, die bis heute aktuell sind. Unter dem Schein eines klassischen Historiendramas zeichnet Anja Breien die Entwicklung einer Frau über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren nach: von lähmender Schüchternheit über jugendliche Leidenschaft bis hin zu ihrer relativen Emanzipation nach einer unglücklichen Ehe. Geschickt entwickelt sie Hjalmar Söderbergs Romanvorlage ‹Das ernste Spiel› zu einem grossartigen Porträt.» (Marceau Aidan, Jeune Cinéma, Mai 2004)

Sommer 1897. Arvid, ein junger Journalist, und Lydia, die Tochter eines Malers, verlieben sich unsterblich ineinander. Aber Arvid stammt aus einer niedrigeren sozialen Schicht, und die beiden Liebenden müssen Vernunftehen eingehen. Zehn Jahre später finden sie wieder zueinander … Doch die Welt hat sich verändert, und Lydia fühlt sich zwischen ihrer hart erkämpften Freiheit und ihrer Jugendliebe hin- und hergerissen. (lf)

WIVES

RAPE VOLDTEKT Mo 2.11. 18:30

WIVES HUSTRUER So 8.11. 18:00

Mo 12.10. 18:30

Mi 28.10. 18:30

Norwegen 1971, Farbe, DCP, Norweg/e, 93 '

Norwegen 1975, Farbe, DCP, Norweg/e, 85 '

REGIE Anja Breien DREHBUCH Per Blom, Anja Breien KAMERA Halvor Næss SCHNITT Christian Hartkopp MIT Svein Sturla Hungnes, Anne Marie Ottersen, Liv Thorsen, Per Carlson.

REGIE und DREHBUCH Anja Breien KAMERA Halvor Næss MUSIK Finn Ludt SCHNITT Jan Horne MIT Anne Marie Ottersen, Katja Medbøe, Frøydis Armand.

In einem Vorort von Oslo wird an einem Wintermorgen eine Frau im Schnee überfallen. Kurz darauf folgt ein zweiter Vergewaltigungsversuch. Die Ermittlungen der Polizei kreisen einen Mann ein, auf dessen Arbeitsweg der Tatort liegt: den jungen Strassenarbeiter Anders, wortkarg, ungebildet, alibilos. Mit dokumentarischer Präzision erzählt Anja Breiens Spielfilmdebüt in Vernehmungen und der Gerichtsverhandlung die Geschichte eines Mannes, der immer tiefer in die Mühlen der norwegischen Justiz gerät. (lf) «Die Herangehensweise von Anja Breien als feministische Filmemacherin an die gerichtliche Verhandlung einer Vergewaltigung überrascht zunächst: Die Opfer sind im Verfahren nur für ihre Zeugenaussagen von Bedeutung. Die Nachwirkungen der Übergriffe selbst verschwinden aus dem Blickfeld. In dieser Abwesenheit liegt Breiens Kritik. Ihre Inszenierung verweist über den Erzählrahmen hinaus auf die unterliegenden Strukturen der norwegischen Justiz. Indem der Film die starren Abläufe des Gerichtverfahrens auf Kosten der Individuen in den Vordergrund stellt, enthüllt er ein System, in dem die Institution Vorrang vor den Körpern hat, die sie eigentlich schützen soll.» (Stéphane Charrière,

« Na ch d e m A nj a Breien John CassaEinführung von vetes’ Husbands ge­ Hannes Brühwiler, 10' sehen hatte, fühlte sie sich dazu inspiriert, eine humorvolle Antwort darauf zu geben: eine Chronik weiblicher Eskapaden. Drei ehemalige Schulfreundinnen, Mie, Kaja und Heidrun, nun Anfang dreissig, treffen sich bei einem Klassentreffen. Nach einem feuchtfröhlichen Abend beschliessen sie spontan, ihren Familien und Verpflichtungen zu entfliehen; während sie durch Oslo streifen, diskutieren sie über Sex, Weiblichkeit und familiäre Pflichten. Die drei Hauptdarstellerinnen (und Koautorinnen) setzen gekonnt auf Improvisation, brechen dabei nie den Erzählfluss und lassen im Lauf der straffen Handlung immer mehr das Innenleben ihrer Figuren durchscheinen. Wives war ein internationaler Grosserfolg und Anja Breiens Durchbruch.» (Museum of the

Mo 12.10. 18:30

Moving Image)

Splitscreen Review, 6.5.2026)

18

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

NEXT OF KIN ARVEN Mo 19.10. 20:45

Do 5.11. 20:45

Norwegen 1979, Farbe, DCP, Norweg/e, 95 ' REGIE und DREHBUCH Anja Breien KAMERA Erling Thurmann-Andersen SCHNITT Merete Brusendorf, Henning Carlsen, Christian Hartkopp MIT Espen Skjønberg, Anita Björk, Häge Juve, Jan Hårstad.

Kai Skaug, ein wohlhabender Reeder, stirbt im Alter von 54 Jahren unerwartet. Die angereisten Verwandten müssen mit Schreck feststellen, dass das Testament einen Haken hat: Skaugs immenses Vermögen muss von einer «geeinten Familie» gemeinsam verwaltet werden – ansonsten geht es an die Krebsliga. Das höfliche Familientreffen artet in Chaos aus, alte Konflikte brodeln hoch. Next of Kin wurde für den Hauptwettbewerb in Cannes ausgewählt und dort von Ingmar Bergman hochgelobt. (lf)

Ganz in norwegischer Tradition à la Henrik Ibsen widmet sich Anja Breien in Next of Kin der bürgerlichen Familie, um die starre skandinavische Moral analytisch zu zerlegen. «Anja Breien wählt statt eines psychologischen einen materiellen Ansatz; sie filmt die familiären Beziehungen wie ein Ballett und nicht durch das Prisma einer Hauptfigur. In diesem Drama, das in eine satirische Komödie umschlägt, seziert Anja Breien den Zerfall einer Familie. Alle sozialen Barrieren fallen – elterliche Liebe, Taktgefühl, Familienbande … – und machen Platz für schwelende Konflikte, kleine Ressentiments und grossen Verrat. Breiens Humor – und zweifellos auch ihre Ironie – ist so bissig wie lebhaft.» (Festival Lumière)


6 25. SEP — 15. NOV 2026


SEP Fr 15:00

25

SEP — 15. NOV 6 25. 2026 RICHARD LINKLATER

VOM ZAUBER UND SCHMERZ DER ZEIT

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ... RICHARD LINKLATER ANJA BREIEN

AUSBRUCH ALS UNABL ÄSSIGE BEWEGUNG

ISABELLE HUPPERT

20:45

2

Sa

15:00

ISABELLE HUPPERT

15:00

Claude Goretta, Schweiz/Frankreich/Deutschland 1977, DCP, F/d*, 108 '

18:00

18:30

CLASSICS

DAYS AND NIGHTS IN THE FOREST

Satyajit Ray, Indien 1970, DCP, Bengali/e, 116 ' 18:00

Fr

20:45

So

RICHARD LINKLATER

15:00

ISABELLE HUPPERT

15:00

Claude Chabrol, Frankreich 1988, 35 mm, F/d, 110 '

18:00

DAZED AND CONFUSED

ISABELLE HUPPERT

ALOÏSE

Liliane de Kermadec, Frankreich 1975, DCP, F/e, 115 '

18:30

Richard Linklater, Frankreich/USA 2025, DCP, F/d, 107 ' ISABELLE HUPPERT

20:45

So

27

14:30

RICHARD LINKLATER

Mo

14:00

ISABELLE HUPPERT

18:30

Michael Cimino, USA 1980, DCP, E/d*, 219 ' mit Pause 18:30

Edgar G. Ulmer, USA 1945, DCP, E, 63 ' 20:15

Werner Schroeter, Deutschland/Österreich 1991, DCP, D/e, 125 ' 20:45

18:30

PREMIERE

Mo

28

17:45

RICHARD LINKLATER

RICHARD LINKLATER – VERLEIHUNG DES CAREER ACHIEVEMENT AWARD Verleihung des Awards vom Zurich Film Festival an Richard Linklater, Laudatio und Gespräch mit ZFF-CEO Christian Jungen, auf Englisch, 60 '

20:45

Di 18:30

Di

20:45

Mi

29

15:00

20:30

Premiere

35-mm-Film-Kopie 16-mm-Film-Kopie Kino-Konzert X/x x* OV 6 (8)

Gesprochene Sprache/Untertitel Elektronische Untertitel vom Filmpodium erstellt Mehrere Originalsprachen Freigegeben ab 6 Jahren, empfohlen ab 8 Jahren

KINO Nüschelerstr. 11, 8001 Zürich +41 44 415 33 66 www.filmpodium.ch EINTRITTSPREISE CHF 18.— / CHF 15.— (AHV/Legi) CHF 9.— (alle unter 25 Jahren und Kulturlegi) Specials und Filme mit Überlänge: erhöhte Preise Vorverkauf zu den Kassenöffnungszeiten ABONNEMENTE & VERGÜNSTIGUNGEN • Filmpodium-Generalabonnement: CHF 400.— (freier Eintritt zu allen Vorstellungen; inkl. Abo Programmheft) • Filmpodium-Halbtaxabonnement: CHF 80.— (halber Eintrittspreis bei allen Vorstellungen; inkl. Abo Programmheft) • Programm-Pass: CHF 60.— (freier Eintritt zu allen Vorstellungen einer Programmperiode) Informationen zu Preisen und Ticketing für die Retro spektiven RICHARD LINKLATER und CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ... RICHARD LINKLATER während des ZFF (24. 9. — 4. 10. 2026) finden Sie zeitnah auf unserer Website.

DAS KINO DURCH DIE AUGEN VON RICHARD LINKLATER

Mi 14:00/ 16:00 18:30

18:30

18:30

ISABELLE HUPPERT

RICHARD LINKLATER

ISABELLE HUPPERT

LA PRISONNIÈRE DE BORDEAUX

Patricia Mazuy, Frankreich 2024, DCP, F/e, 108 '

20:45

20:45

RICHARD LINKLATER

BERNIE

Richard Linklater, USA 2011, DCP, E/d*, 104 '

SÉLECTION LUMIÈRE

Mi 15:00

18:15

Fr

20:45

15:00

Do 16:15

18:30

20:45

Fr 15:00

Michael Haneke, Österreich/Frankreich/ Deutschland 2001, 35 mm, F/d, 129 '

SCHWEIZER PREMIERE

D IS FOR DISTANCE

ISABELLE HUPPERT

UNE AFFAIRE DE FEMMES

15 VORLESUNGSREIHE

WEIMARER KINO 1: EXPRESSIONISMUS UND FANTASTIK KINO-KONZERT

FAUST – EINE DEUTSCHE VOLKSSAGE

ANJA BREIEN

GAMES OF LOVE AND LONELINESS

16 PREMIERE

BLUE MOON

Richard Linklater, USA/Irland 2025, DCP, E/d, 100' 18:15

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

IF....

Lindsay Anderson, GB 1968, DCP, E/d*, 111 ' 20:45

CLASSICS

DAYS AND NIGHTS IN THE FOREST

Satyajit Ray, Indien 1970, DCP, Bengali/e, 116 '

Sa 15:00

ISABELLE HUPPERT

LA PIANISTE

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

THE CEREMONY

Anja Breien, Schweden/Norwegen 1977, DCP, Schwed/e, 100 '

RICHARD LINKLATER

LOS OLVIDADOS

14

Friedrich Wilhelm Murnau, Deutschland 1926, 35 mm, Stummfilm mit d Zw ′ titeln Live-Musik: Uwe Zahn (Elektronik)

BEFORE SUNRISE

Luis Buñuel, Mexiko 1950, 35 mm, Sp/d*, 81 ' 20:45

18:30

ISABELLE HUPPERT

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

RICHARD LINKLATER

SCHOOL OF ROCK

Vorlesung von Prof. Daniel Wiegand, 90' Eintritt frei

DER FREMDE VOGEL

Richard Linklater, USA/Österreich 1995, 35 mm, E/d/f, 101 '

ISABELLE HUPPERT

COUP DE TORCHON

Claude Chabrol, Frankreich 1988, 35 mm, F/d, 110 '

KINO-KONZERT

9

13

Christopher Petit, Emma Matthews, Finnland 2025, DCP, E/d*, 90 ' Anschl. Gespräch mit dem Regie-Duo auf Englisch, ca. 40'

DAS «KINO DER ZWEITEN EPOCHE» UND DIE ENTWICKLUNG DES NARRATIVEN SPIELFILMS

ELLE

LA SÉPARATION

Nagisa Oshima, Japan 1971, 35 mm, Jap/e, 123 '

AMERICA, AMERICA

Paul Verhoeven, Frankreich/Deutschland/ Belgien 2016, DCP, F/d, 130 '

BEFORE SUNSET

Richard Linklater, USA 2004, 35 mm, E/d/f, 80 ' 18:15

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

SULLIVAN’S TRAVELS

ISABELLE HUPPERT

Richard Linklater, USA 2003, 35 mm, E/d/f, 109 '

7

Urban Gad, Deutschland 1911, DCP, Stummfilm mit d Zw ′ titeln/e, 50 ' Live-Musik: Mathias Weibel (E-Violine, Mandoline u.a.), Emanuele Forni (E-Gitarre u.a. Zupfinstrumente), Simon Lilly (Trompete, Flügelhorn)

L’AVENIR

1

GOD SAVE TEXAS – HOMETOWN PRISON EPISODE 1

Vorlesung von Prof. Daniel Wiegand, 90', Eintritt frei

A SCANNER DARKLY

15:00

RICHARD LINKLATER

VORLESUNGSREIHE

RICHARD LINKLATER

Do

20:45

L’ARGENT

16:15

KINDERFILMCLUB

OKT

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

8

DIE ZAUBERLATERNE

Mia Hansen-Løve, Frankreich/Deutschland 2016, DCP, F/d, 102 '

6

ANJA BREIEN

WIVES

Bertrand Tavernier, Frankreich 1981, DCP, F/e, 128 '

EVERYBODY WANTS SOME!!

Do

Richard Linklater, USA 2006, 35 mm, E/d*, 100 '

20:45

18:00

Elia Kazan, USA 1963, 35 mm, E, 174 ' mit Pause

30 Vorstellungen für Mitglieder (6- bis 12-Jährige)

RICHARD LINKLATER

Preston Sturges, USA 1941, 35 mm, E/e*, 90 '

Vincente Minnelli, USA 1958, Digital HD, E/d*, 136'

Alexander Horwath und Richard Linklater im Gespräch, auf Englisch, 90'

Zurich Film Festival (ZFF) In Anwesenheit von Cast/Crew

SOME CAME RUNNING

Di

WHITE MATERIAL

Richard Linklater, USA 2022, DCP, E, 87 ' Eintritt frei

Éric Rohmer, Frankreich 1986, DCP, F/d, 98 '

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ... 18:15

ISABELLE HUPPERT

Robert Bresson, Frankreich/Schweiz 1983, 35 mm, F/d, 85 '

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

LE RAYON VERT

5

12

Christian Vincent, Frankreich 1994, 35 mm, F/e, 88 '

BEFORE MIDNIGHT

Richard Linklater, USA 2016, 35 mm, E/d*, 117 '

Anschl. BEFORE SUNRISE Richard Linklater, USA/Österreich 1995, 35 mm, E/d/f, 101 ' 20:45

RICHARD LINKLATER

Claire Denis, Frankreich/Kamerun 2009, 35 mm, F/e*, 106 '

BLUE MOON

Richard Linklater, USA/Irland 2025, DCP, E/d, 100'

20:45

Richard Linklater, USA 2013, DCP, E/d*, 109 '

Mo

RICHARD LINKLATER

NOUVELLE VAGUE

Anja Breien, Norwegen 1975, DCP, Norweg/e, 85 ' Einführung von Hannes Brühwiler, 10'

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

DETOUR

ISABELLE HUPPERT

ALOÏSE

Richard Linklater, Frankreich/USA 2025, DCP, F/d, 107 '

4

Richard Linklater, USA 2014, DCP, E/d, 165 ' ISABELLE HUPPERT

LOULOU

HEAVEN’S GATE

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

SOME CAME RUNNING

Liliane de Kermadec, Frankreich 1975, DCP, F/e, 115' 20:30

So

BOYHOOD MALINA

BLUE MOON

ISABELLE HUPPERT

11 Vincente Minnelli, USA 1958, Digital HD, E/d*, 136'

Maurice Pialat, Frankreich 1980, DCP, F/e, 110 '

COUP DE TORCHON

Bertrand Tavernier, Frankreich 1981, DCP, F/e, 128 '

PREMIERE

Richard Linklater, USA/Irland 2025, DCP, E/d, 100'

RICHARD LINKLATER

NOUVELLE VAGUE

UNE AFFAIRE DE FEMMES

RICHARD LINKLATER

BOYHOOD

Richard Linklater, USA 2014, DCP, E/d, 165 '

3

26

PERLMUTT UND GEWITTER

20:15

Sa

15:00

18:00

RICHARD LINKLATER

SLACKER

ISABELLE HUPPERT

LA DENTELLIÈRE

Claude Goretta, Schweiz/Frankreich/Deutschland 1977, DCP, F/d*, 108 '

Claude Chabrol, Frankreich/Deutschland 1995, 35 mm, F/d, 112 '

Sa

20:45

WANDA

Richard Linklater, USA 1991, 35 mm, E/d*, 97 '

Richard Linklater, USA 1993, DCP, E/d*, 102 '

18:30

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

IF....

Lindsay Anderson, GB 1968, DCP, E/d*, 111 '

Barbara Loden, USA 1970, DCP, E/d*, 102 '

ISABELLE HUPPERT

LA CÉRÉMONIE

LA DENTELLIÈRE

10

17 CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

LOS OLVIDADOS

Luis Buñuel, Mexiko 1950, 35 mm, Sp/d*, 81 ' 18:00

ISABELLE HUPPERT

LA PIANISTE

Michael Haneke, Österreich/Frankreich/ Deutschland 2001, 35 mm, F/d, 129 ' 20:45

RICHARD LINKLATER

BEFORE MIDNIGHT

Richard Linklater, USA 2013, DCP, E/d*, 109 '


So

18

Mo

26

15:00

ISABELLE HUPPERT

18:30

RICHARD LINKLATER

LOULOU

Maurice Pialat, Frankreich 1980, DCP, F/e, 110 ' 18:00

ANJA BREIEN

WIVES – TEN YEARS AFTER

Anja Breien, Norwegen 1985, DCP, Norweg/e, 88' 20:15

Richard Linklater, USA 2001, 35 mm, E/d*, 99 '

Mo 18:30

19 RICHARD LINKLATER

Di 18:30

Di 18:15

ANJA BREIEN

20 RICHARD LINKLATER

EVERYBODY WANTS SOME!! PREMIERE

Do 16:15

17:45

Barbara Loden, USA 1970, DCP, E/d*, 102 '

22

Live-Musik: IOKOI mit Mara Miccichè (Elektronik, Stimme)

VORLESUNGSREIHE

AUDIOVISIONEN AUS MAROKKO

19:30

KINO-KONZERT

DIE MUTTER

21:00

Jean-Luc Godard, Frankreich/Schweiz 1982, 35 mm, F/d/i, 87 '

DER ZAUBERER VON OZ

Victor Fleming, USA 1939, DCP, D (Synchronfassung), 102', 6 (8)

Fr 15:00

So

25

15:00

RICHARD LINKLATER

NOUVELLE VAGUE

Richard Linklater, Frankreich/USA 2025, DCP, F/d, 107 ' ISABELLE HUPPERT

PASSION

Jean-Luc Godard, Frankreich/Schweiz 1982, 35 mm, F/d/i, 87 '

Mi 14:00/ 16:00

18:30

20:30

22:30

18:30

François Ozon, Frankreich/Italien 2002, 35 mm, F/d, 111 '

Do

5

16:15

VORLESUNGSREIHE

Do

12

16:15

VORLESUNGSREIHE

Vorlesung von Prof. Daniel Wiegand, 90', Eintritt frei 18:00

KINO-KONZERT

MUTTER KRAUSENS FAHRT INS GLÜCK

Phil Jutzi, Deutschland 1929, 35 mm, Stummfilm mit d Zw ′ titeln, 133 ' Live-Musik: MURNAU'S HEAD Altin Asllani (Piano, Elektronik), Stephen Thomas (Gitarre), León Zehnder (Gitarre), The Weathereye (Schlagzeug) 20:45

ANJA BREIEN

VOM STUMMFILM ZUM TONFILM

Vorlesung von Prof. Daniel Wiegand, 90', Eintritt frei 18:30

VORLESUNGSREIHE

EKSTASE

Gustav Machatý, ČSSR/Österreich 1933, DCP, D/e, 90 ' Einführung von Daniel Wiegand, 15' 20:45

ANJA BREIEN

THE WITCH HUNT

Anja Breien, Norwegen/Schweden 1981, DCP, Norweg/e, 93'

Fr 15:00

13 ISABELLE HUPPERT

MALINA

Werner Schroeter, Deutschland/Österreich 1991, DCP, D/e, 125' 18:30

ISABELLE HUPPERT

WHITE MATERIAL

Claire Denis, Frankreich/Kamerun 2009, 35 mm, F/e*, 106'

20:45

NEXT OF KIN

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

THE CEREMONY

Nagisa Oshima, Japan 1971, 35 mm, Jap/e, 123'

Anja Breien, Norwegen 1979, DCP, Norweg/e, 95'

14

15:00

ISABELLE HUPPERT

15:00

FAMILIENFILM

ONE CUT OF THE DEAD

18:30

20:45

Shin ' ichiro Ueda, Japan 2017, Digital HD, Jap/e, 96 '

JU-ON: THE GRUDGE

Takashi Shimizu, Japan 2002, Digital HD, Jap/e, 92 ' PREMIERE

Sa

31

15:00

RICHARD LINKLATER

APOLLO 10½: A SPACE AGE ADVENTURE Richard Linklater, USA 2022, DCP, E/d*, 98 '

Sa 15:00

18:00

20:45

François Ozon, Frankreich/Italien 2002, 35 mm, F/d, 111 ' RICHARD LINKLATER

BOYHOOD

Richard Linklater, USA 2014, DCP, E/d, 165 '

WIVES – TEN YEARS AFTER

Anja Breien, Norwegen 1985, DCP, Norweg/e, 88'

Anschl. WORKSHOP FÜR KINDER mit Stefanie Schlüter, Filmvermittlerin, 30'

RICHARD LINKLATER

18:15

A SCANNER DARKLY

7 RICHARD LINKLATER

ISABELLE HUPPERT

So

Paul Verhoeven, Frankreich/Deutschland/ Belgien 2016, DCP, F/d, 130'

15:00

RICHARD LINKLATER

18:00

So

8

20:00

14:00

SÉLECTION LUMIÈRE

Elia Kazan, USA 1963, 35 mm, E, 174' mit Pause ANJA BREIEN

RAPE

Anja Breien, Norwegen 1971, DCP, Norweg/e, 93' 20:15

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

DETOUR

Edgar G. Ulmer, USA 1945, DCP, E, 63'

ISABELLE HUPPERT

UNE AFFAIRE DE FEMMES

15 ISABELLE HUPPERT

L’AVENIR

Mia Hansen-Løve, Frankreich/Deutschland 2016, DCP, F/d, 102'

BEFORE SUNRISE

AMERICA, AMERICA

DAYS AND NIGHTS IN THE FOREST

Claude Chabrol, Frankreich 1988, 35 mm, F/d, 110 '

SCHOOL OF ROCK ELLE

CLASSICS

Satyajit Ray, Indien 1970, DCP, Bengali/e, 116' 20:45

Richard Linklater, USA/Österreich 1995, 35 mm, E/d/f, 101'

18:00

DER ZAUBERER VON OZ

Victor Fleming, USA 1939, DCP, D (Synchronfassung), 102', 6 (8)

Richard Linklater, USA 2003, 35 mm, E/d/f, 109'

ISABELLE HUPPERT

8 FEMMES

ANJA BREIEN

Richard Linklater, USA 2006, 35 mm, E/d*, 100'

GHOST IN THE CELL

Banjong Pisanthanakun, Parkpoom Wongpoom, Thailand 2004, DCP, Thai/e, 97 '

COUP DE TORCHON

Bertrand Tavernier, Frankreich 1981, DCP, F/e, 128 '

Znacht mit Drinks und Tarot-Legende Madame Selma im Foyer

SHUTTER

20:30

WEIMARER KINO 2: GROSSSTADT UND GESELLSCHAFT

LANDSCAPE SUICIDE

James Benning, USA 1986, 16 mm, E/d*, 95'

ISABELLE HUPPERT

8 FEMMES

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

Christian Vincent, Frankreich 1994, 35 mm, F/e, 88 '

00:30

18:00

Richard Linklater, USA 2011, DCP, E/d*, 104' 20:45

Vorlesung mit Filmausschnitten, präsentiert von Thomas Binotto, 90' 20:15

BERNIE

Sa

Kurze Pause mit Gratis-Filterkaffee

Preston Sturges, USA 1941, 35 mm, E/e*, 90 '

RE:VISION 9/01

RICHARD LINKLATER

6

00:20

SULLIVAN’S TRAVELS

VORTRAGSREIHE

ISABELLE HUPPERT

LA PIANISTE

Fr

Joko Anwar, Indonesien 2026, DCP, Indon/e, 106 '

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

18:30

KINDERFILMCLUB

DIE ZAUBERLATERNE

11

ISABELLE HUPPERT

LA SÉPARATION

4 × HORROR 17:00

4 Vorstellungen für Mitglieder (6- bis 12-Jährige)

L’MAKINA 2023 30'

30

ISABELLE HUPPERT

LOULOU

RICHARD LINKLATER

TAPE

Michael Haneke, Österreich/Frankreich/ Deutschland 2001, 35 mm, F/d, 129'

Maurice Pialat, Frankreich 1980, DCP, F/e, 110 '

PRETTY SCARY THINGS

HEAVEN’S GATE

Michael Cimino, USA 1980, DCP, E/d*, 219 ' mit Pause

KONZERT

SALAM GODZILLA Gilles Aubry, Marokko 2019, DCP, Berbersprachen+F+E/e, 40'

Anschl. WORKSHOP FÜR KINDER mit Stefanie Schlüter, Filmvermittlerin, 30' ISABELLE HUPPERT

20:45

Anschl. SANGEH KHARA Laila Hida, Marokko 2025, 16 mm, Arab+F+E/e, 10'

24 FAMILIENFILM

Christopher Petit, Emma Matthews, Finnland 2025, DCP, E/d*, 90 '

Set von Gilles Aubry mit modularem Synthesizer und Computer

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

PASSION

TOUBKAL 1972 12' SULTANE 1973 14'

auf Englisch

LE RAYON VERT ISABELLE HUPPERT

15:00

ESSYAD UND GILLES AUBRY

Richard Linklater, USA 2013, DCP, E/d*, 109 '

Éric Rohmer, Frankreich 1986, DCP, F/d, 98 '

PREMIERE

Anschl. GESPRÄCH MIT AHMED

RADIO ON

BEFORE MIDNIGHT

18:30

D IS FOR DISTANCE

FILMERBE UND RESTITUTION

WEM GEHÖREN DIE BILDER?

Richard Linklater, USA 2001, 35 mm, E/e*, 86'

Mi

Elektroakustische Werke von Ahmed Essyad

CLASSICS

RICHARD LINKLATER

KONZERT

20:45

3

«ZWEI TAGE STROM» IM FILMPODIUM

SOWJETISCHES MONTAGEKINO

23

19:30

KINO-KONZERT BRUMES D’AUTOMNE Dimitri Kirsanoff, Frankreich 1927, DCP, Stummfilm, 10 '

RICHARD LINKLATER

Di

FRANZÖSISCHER IMPRESSIONISMUS

WANDA

15:00

17:30

VORLESUNGSREIHE

RAPE

SLACKER

10

Einführung von Filmwissenschaftler und Kurator Nikolaus Perneczky und anschliessendes Gespräch, moderiert von Philip Widmann (UZH), auf Englisch

Richard Linklater, USA 1991, 35 mm, E/d*, 97 '

29

LA GLACE À TROIS FACES Jean Epstein, Frankreich 1927, DCP, Stummfilm mit f Zw ′ titeln, 39 '

Fr

18:30

L’ARGENT

Vorlesung von Dr. Jan Sahli, 90', Eintritt frei

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

Christopher Petit, GB/BRD 1979, 35 mm, E/e*, 104 '

15:00

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

Robert Bresson, Frankreich/Schweiz 1983, 35 mm, F/d, 85 '

LA PRISONNIÈRE DE BORDEAUX ANJA BREIEN

WIVES

WIVES III

THE DISLOCATION OF AMBER Hussein Shariffe, Sudan 1975, Digital HD, Arab/e, 32'

Anja Breien, Norwegen 1971, DCP, Norweg/e, 93 ' 20:45

Anja Breien, Norwegen 1975, DCP, Norweg/e, 85' 20:45

D IS FOR DISTANCE

WIVES III

ANJA BREIEN

ANJA BREIEN

THE FLOWERS STAND SILENTLY, WITNESSING Theo Panagopoulos, GB 2024, Digital HD, E+Arab/e, 17'

Anja Breien, Schweden/Norwegen 1977, DCP, Schwed/e, 100 '

Éric Rohmer, Frankreich 1986, DCP, F/d, 98 ' 18:30

18:30

ANJA BREIEN

2

L’AVENIR

LE RAYON VERT

Di

GAMES OF LOVE AND LONELINESS

18:30

ISABELLE HUPPERT

RICHARD LINKLATER

WAKING LIFE

Anja Breien, Norwegen 1996, DCP, Norweg/e, 76'

Richard Linklater, USA 2004, 35 mm, E/d/f, 80 ' 20:15

CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ...

Wsewolod Pudowkin, UdSSR 1926, DCP, Stummfilm mit russ. Zw ′ titeln/d, 73 ' Live-Musik: André Desponds (Piano)

Sa

BEFORE SUNSET

15:00

Vorlesung von Prof. Daniel Wiegand, 90', Eintritt frei

20:45

DAZED AND CONFUSED

RICHARD LINKLATER

Anja Breien, Norwegen 1979, DCP, Norweg/e, 95'

Anja Breien, Norwegen 1996, DCP, Norweg/e, 76'

18:30

RICHARD LINKLATER

Mia Hansen-Løve, Frankreich/Deutschland 2016, DCP, F/d, 102 '

Patricia Mazuy, Frankreich 2024, DCP, F/e, 108 '

20:45

18:00

Mo

ISABELLE HUPPERT

18:30

Claude Chabrol, Frankreich/Deutschland 1995, 35 mm, F/d, 112 '

9 Richard Linklater, USA 2001, 35 mm, E/d*, 99'

20:45

LA CÉRÉMONIE

28

15:00

16:15

ISABELLE HUPPERT

Mi

NEXT OF KIN

21

Do

15:00

ANJA BREIEN

Mi

20:45

1

20:45

Christopher Petit, Emma Matthews, Finnland 2025, DCP, E/d*, 90 '

18:30

So

IT’S IMPOSSIBLE TO LEARN TO PLOW BY READING BOOKS

Richard Linklater, USA 2016, 35 mm, E/d*, 117 ' 20:45

27 Richard Linklater, USA 1993, DCP, E/d*, 102 '

Richard Linklater, USA 1988, DCP, E, 86 ' 20:45

THE WITCH HUNT

Anja Breien, Norwegen/Schweden 1981, DCP, Norweg/e, 93 '

RICHARD LINKLATER

WAKING LIFE

ANJA BREIEN

Mo 18:30

TAPE

Richard Linklater, USA 2001, 35 mm, E/e*, 86 '

20:45

NOV

RICHARD LINKLATER

BEFORE SUNSET

Richard Linklater, USA 2004, 35 mm, E/d/f, 80' CLASSICS

RADIO ON

Christopher Petit, GB/BRD 1979, 35 mm, E/e*, 104 '


WIVES   ANJA BREIEN


THE WITCH HUNT

THE WITCH HUNT FORFØLGELSEN Mo 26.10. 20:45 Do 12.11. 20:45

WIVES – TEN YEARS AFTER HUSTRUER – TI ÅR ETTER

Norwegen/Schweden 1981, sw, DCP, Norweg/e, 93 '

So 18.10. 18:00

REGIE und DREHBUCH Anja Breien KAMERA Erling Thurmann-Andersen MUSIK Arne Nordheim SCHNITT Lars Hagström MIT Lil Terselius, Bjørn Skagestad, Anita Björk, Erik Mørk, Espen Skjønberg, Jens Okking.

«Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kehrt Eli, eine Bäuerin und Weberin, in ihr Heimatdorf zurück. Frei und unabhängig lebt sie von ihrer eigenen Ziegenzucht und macht keinen Hehl aus ihrer Liebe zu Aslak, einem Hofknecht. Nach und nach zieht sie den Neid der Dorfbewohner auf sich. Man beginnt, ihr übernatürliche Kräfte und okkultes Wissen zuzuschreiben (…). Eine brillant inszenierte Hexenjagd, die in Venedig ausgezeichnet wurde.» (Malavida Films) «The Witch Hunt ist Anja Breiens Adaption ihres eigenen Kurzfilms aus den 1960er-Jahren. Die Kameraarbeit ihres langjährigen Mitarbeiters Erling Thurmann-Andersen legt in den herrlichen Landschaften der norwegischen Westküste nach dem Vorbild von Ingmar Bergman die Psyche von Breiens Protagonistin offen. Mit kalten, bedrückend langen Einstellungen untersucht der Film, wie Frauen im Patriarchat isoliert werden (…). Heute gilt der Film als Kultwerk unter Liebhaber:innen von Folklore und Hexenfiguren – Stoffe, die derzeit im Horrorfilm wieder einen Aufschwung erleben und die von Breien bereits 1981 aus einer feministisch-dekonstruktivistischen Perspektive angegangen wurden.» (Agenda Urbana Valencia, 11.4.2026)

Fr 6.11. 18:30

Norwegen 1985, Farbe, DCP, Norweg/e, 88 ' REGIE Anja Breien DREHBUCH Knut Faldbakken, Anja Breien KAMERA Erling Thurmann-Andersen SCHNITT Lars Hagström MIT Frøydis Armand, Katja Medbøe, Anne Marie Ottersen, Svein Wickstrøm.

WIVES III HUSTRUER III Mi 21.10. 18:30

Mo 9.11. 20:45

Norwegen 1996, Farbe, DCP, Norweg/e, 76 ' REGIE Anja Breien DREHBUCH Anja Breien, Katja Medbøe, Anne Marie Ottersen, Frøydis Armand KAMERA Halvor Næss SCHNITT Trygve Hagen MIT Anne Marie Ottersen, Frøydis Armand, Katja Medbøe, Nøste Schwab, Hedda Sandvig, Mathias Armand, Jan Grønli.

«Zehn Jahre nach Wives legte Anja Breien eine Fortsetzung vor. Kaja, Mie und Heidrun sind mittlerweile in ihren Vierzigern – in der Blüte ihres Lebens, wie Kaja betont. Es ist Heiligabend, und die drei Frauen nehmen an einer Kostümparty teil. Wieder überkommt sie die Lust, die Party zu dritt fortzusetzen, selbst wenn das bedeutet, dass Ehemänner, Kinder, Familien oder Liebhaber Weihnachten ohne sie feiern müssen. Anspruchsvolle Jobs, Depressionen, eine Geschlechtskrankheit: All diese Themen, ob wichtig oder nebensächlich, machen den Frauen schmerzlich bewusst, wie die Zeit vergeht. Es ist Zeit für eine erste Bilanz. (…) Auch dieser zweite Teil enthält wieder zahlreiche köstliche und humorvolle Momente, die die schmerzhaften Augenblicke oder die existenziellen Fragen dieser drei Freundinnen abmildern: Manchmal fühlt man sich ebenso sehr bei Ingmar Bergman wie bei John Cassavetes.» (Eric Fontaine, Le bleu du miroir)

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

«Wives III bildet den Abschluss einer bemerkenswerten Trilogie. Die drei Frauen, die inzwischen die fünfzig überschritten haben, haben Enttäuschung um Enttäuschung erlebt, geben aber die Suche nach der Liebe nicht auf, und ihre Ironie schlägt niemals in Zynismus oder Verbitterung um. Ihre Lebenslust bleibt ungebrochen. (…) Der Film beginnt mit Kajas Geburtstag, die den Anwesenden erklärt: ‹Das ist der erste Tag vom Rest eures Lebens. Und er beginnt jetzt.› Sich der vergehenden Zeit bewusst zu werden, ohne in Panik zu verfallen, sondern mit Weisheit und einer Form von Hedonismus, und seine Träume nicht aufzugeben: Das ist es, was die Stärke dieser drei Freundinnen ausmacht, trotz Krankheit, dem geistigen Verfall einer Mutter oder Generationenkonflikten mit einer Tochter. Wives III behandelt verschiedene gesellschaftliche Themen – Rassismus, Gewalt, die Rolle der Bildung – wechselt ebenso gelungen wie die beiden vorherigen Teile zwischen komödiantischen Szenen und berührenden Momenten und verströmt dabei eine einzigartige Poesie.» (Eric Fontaine, Le bleu du miroir)

23


Mir kommt beispielsweise Nathalie in den Sinn, die gutbürgerlich eingerichtete Philosophielehrerin und Sachbuchautorin aus L’avenir von Mia Hansen-Løve. Unvergessen die Szene am Couchtisch, in der Nathalies Mann ihr eröffnet, dass er sie verlassen wird für eine andere und dass er vorhat, auszuziehen aus der gemeinsamen Wohnung, in der die gut sortierte Bibliothek die einzige verbliebene Gemeinsamkeit zu sein scheint. Kühl und mit fast schon brutaler Sachlichkeit sagt Heinz seine Schlussmach-Sätze auf, nur das Nötigste, das Äquivalent eines Klappentexts. Die Kamera, die Aufmerksamkeit ist jetzt bei Nathalie, liegt auf ihrem Gesicht. Sie sagt erst mal nichts. Sie denkt. Wägt ab. Ihre Augen bewegen sich langsam an inneren Bildern entlang, die sie nicht teilt, die aber dennoch sichtbar werden, in der leichten Verschiebung ihrer Mundwinkel, dem etwas flacheren Atem. Es scheint, als zöge ihre ganze gemeinsame Geschichte an ihr vorbei: erste Dates vielleicht und Spaziergänge im Park, vielleicht die Geburt des ersten Kindes und Pistazieneis in einem bretonischen Strandcafé, das Haus an der Küste, in das sie so viel Liebe gesteckt hat, und ein Streit auf dem Parkplatz eines Supermarktes im Winter, vielleicht eine Liebesbotschaft mit Bleistift in einem der Bücher? Keine Träne, kein Fluchwort, keine fahrige Bewegung, nur dieses Gesicht, das in den emotionalen Abgrund blickt, der sich im Wohnzimmer aufgetan hat. Und dann ist da viel später diese Szene mit ihrem ehemaligen Schüler Fabien, in der Nathalie sagt, die Kinder seien aus dem Haus, der Mann habe sie verlassen, die Mutter sei gestorben, der Verlag habe sie rausgeschmissen und sie habe sich noch nie so frei gefühlt. Vielleicht, denke ich in diesem Filmmoment, war es auch der Ausblick auf diesen Zustand, der zu sehen war in ihrem Gesicht, in der Szene am Couchtisch mit ihrem Mann. Diese Vorahnung auf Selbstbestimmung und Freiheit tief unter der Wut und dem Schock.

PERLMUTT UND GEWITTER

L ′ AV E N I R

Sie ist mutig und furchtlos in ihrer Rollenwahl, sie hat den Akt des Schweigens perfektioniert, und nicht zuletzt zeichnet sie ein feines ­Gespür für Komik aus: Isabelle Huppert ist ohne Zweifel eine der wichtigsten Schauspielerinnen der Gegenwart. Seit ihrem Leinwanddebüt 1971 trat sie in deutlich über 100 Filmen auf und stand weltweit auf den wichtigsten Theaterbühnen. Und wir, das Publikum, folgen ihr und schenken ihr unser uneingeschränktes Vertrauen. Sie wolle in ihrer Arbeit als Schauspielerin eher ein Fragezeichen bleiben, als zu einer Er­ klärung zu werden, sagte sie einmal. Eine Haltung, die in ihren Figuren deutlich zutage tritt und die im Zentrum unserer umfassenden Retro­ spektive steht: von ihrem gefeierten Durchbuch in La dentellière (1977) über die Klassiker Loulou (1980) und La pianiste (2001) bis hin zu Ent­ deckungen wie La prisonnière de Bordeaux (2024). Als Premiere zeigen wir schliesslich die neue Restaurierung des Films Aloïse (1975) – eines Films, der Isabelle Huppert besonders am Herzen liegt.

Essay von Simone Lappert

24

Eine Frau, die nicht einfach auf der Leinwand erscheint, sondern eine, die aufzieht wie Wetter, unübersehbar, unüberspürbar. So habe ich Isabelle Huppert wahrgenommen, als ich 2002 den ersten Film mit ihr gesehen habe – 8 femmes, eine Art Krimi-Musical von François Ozon. Sogleich schloss ich die nörgelnde, exaltierte Tante Augustine ins Herz, die dramatisch die Hände verwirft, wenn sie mit Gemeinheiten um sich gewittert, die Mimik meist auf fünf vor Ausflippen, nur die geschürzten Lippen und die hochgezogenen Augenbrauen halten die Entrüstung im Zaun, die sich dann doch immer wieder Bahn bricht in kleinen Wuteruptionen. Und erst als Augustine ihr Solo singt, zeigt sich, was schwelt unter ihrer Wut: die Sehnsucht einer bewölkten Romantikerin, die im Schatten ihrer schönen Schwester steht und sich heimlich nach dem Schwager verzehrt. Ihr Blick ist bei diesem Lied in die Ferne gerichtet, vielleicht in eine fiktive Vergangenheit, und all das Unerlebte scheint ablesbar von ihrem Gesicht, Tränen verwaschen die inneren Bilder und verdünnen den Schmerz. Diese brüchige und ungefällige Energie, die Huppert ihren Rollen verleiht, macht die Frauen, die sie spielt, für mich oft zu Lieblingsfiguren im jeweiligen Cast. Wenn sie in einem Film mitwirkt, dann weiss ich, dass sie eine Frau darstellen wird, die ich nicht so

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

schnell vergessen werde, auch wenn ich nicht mit allen Drehbüchern einverstanden bin. Wenn ich Isabelle Huppert spielen sehe, muss ich immer auch ein bisschen an die Figuren der Schriftstellerin Irmgard Keun denken. An die ehrgeizige Gilgi oder an Doris in «Das kunstseidene Mädchen», die «ein Glanz» sein möchte, die sehr schlau und sehr lustig und sehr aufmüpfig ist. Irmgard Keuns Frauenfiguren sind zwar immer attraktiv, aber nicht in erster Linie, weil da so viel anderes noch vor der Schönheit wichtig ist: Mut etwa, Lebenshunger und Eigensinn. Das trifft auch auf die meisten von Isabelle Hupperts Rollen zu. Am keunigsten ist dabei wohl Jeanne im Film La cérémonie von Claude Chabrol, in dem sie eine quirlige Postangestellte spielt, die sich mit einem Hausmädchen anfreundet, das soeben neu in den Ort gezogen ist. Wie Kohlensäure prickelt Jeanne durch die Szenen, klebt Kaugummis an die Unterseite des Verkaufstresens, klettert durch Fenster und öffnet Schränke, die sie nichts angehen. Während das Dunkel ihrer Vergangenheit immer wieder aufblitzt in ihren Augen, in den Pausen zwischen ihren Sätzen. Und oft ist es genau das, was mich als Zuschauende in Hupperts Resonanzfeld zieht: das, was ihre Charaktere für sich behalten, das Unausgesprochene, die Geschichten hinter der Geschichte. Die Frauen, die sie spielt, müssen sich fast ausnahmslos in Acht nehmen. Ihr Inneres führt meist ein Eigenleben, das mit der Aussenwelt nicht immer vereinbar ist. Oft müssen sie sich einen Film lang den Weg in die Furchtlosigkeit erkämpfen und in die Unabhängigkeit. Es sind Frauen, die mehr wollen vom Leben und die sich auflehnen gegen die Strukturen, die sie einengen. Leicht verschrobene Frauen auch, die versuchen, es anders zu machen. Wie keine andere schafft Huppert es, all das Ungesagte durchschimmern zu lassen, in ihrer Mimik, ihrem Gang, der Spannkraft ihres Blicks. Ihr Ausdruck, so kommt es mir vor, hat dabei etwas von Perlmutt: Von Sekunde zu Sekunde verändert sich das Verhältnis zwischen den emotionalen Farben, ohne dass je eine von ihnen ganz verschwindet. Immer scheint die Schauspielerin Zugriff zu haben aufs Untergründige, Ruhelose und Lebensdurstige der Frauen, die sie im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert.

Es ist diese Ambiguität zwischen Innen und Aussen, dieses schimmernde, magnetische Sowohl-als-auch, das mich bei Isabelle Huppert immer aufs Neue fasziniert, ihr vielsagendes Schweigen. In La prisonnière de Bordeaux, wo sie Alma spielt, die Frau eines Neurochirurgen, der wegen eines Autounfalls mit Todesfolge und Fahrerflucht im Gefängnis sitzt, schimmert die Huppert’sche Vielschichtigkeit gleich zu Beginn des Films auf. Wir sehen Alma dabei zu, wie sie durch ihr stilles, luxuriös eingerichtetes Stadthaus geht, an Gemälden vorbei, hin und wieder stehen bleibt, als würde sie die Zimmer belauschen, sichtlich beunruhigt und aufgewühlt, gleichzeitig aber auch irgendwie erschöpft. Geistesabwesend beisst sie in der Küche in eines der Törtchen, die sie auf dem Heimweg gekauft hat, und scheint dabei auch auf einer Entscheidung herumzukauen. Erst gegen Ende des Films, als die Szene sich nochmals wiederholt, wird deutlich, was es mit Almas Stimmung auf sich hat. Retrospektiv betrachtet ist Hupperts zerrissene Präsenz zu Beginn noch beeindruckender. Jetzt, wo sich die unausgesprochenen Emotionen abgleichen lassen mit den Erkenntnissen, die für die Zuschauenden hinzugekommen sind. Die sollen hier aber lieber verschwiegen werden, um nichts vorwegzunehmen. Nicht dass sich am Ende jemand deswegen den Film nicht ansieht. Es lohnt einfach viel zu sehr, sich dem Wetterphänomen Huppert auszusetzen, sie zu erleben beim Irisieren und Gewittern, die Grossmeisterin des Perlmuttschweigens.

Simone Lappert studierte Literarisches Schreiben am Schweizerischen Litera­ turinstitut Biel, sie lebt als freie Schriftstel­ lerin in Zürich. 2014 erschien ihr Roman­ debüt «Wurfschatten» (Metrolit), es wurde u. a. für den ZDF-Aspekte-Preis nominiert. Ihr zweiter Roman, «Der Sprung», erschien 2019 bei Diogenes und war nominiert für den Schweizer Buchpreis. Für ihren Lyrik­ band «längst fällige verwilderung – ge­ dichte und gespinste» (Diogenes, 2022) er­ hielt sie eine literarische Auszeichnung der Stadt Zürich sowie einen Platz unter den Lyrikempfehlungen 2023.


MALINA   ISABELLE HUPPERT


HEAVEN’S GATE

ALOÏSE Sa 26.9. 15:00

LOULOU So 11.10. 18:00

Sa 3.10. 20:45 Di 3.11. 20:45

Frankreich 1975, Farbe, DCP, F/e, 115 '

Frankreich 1980, Farbe, DCP, F/e, 110 '

REGIE Liliane de Kermadec DREHBUCH Liliane de Kermadec, André Téchiné KAMERA Jean Penzer SCHNITT Claudine Merlin MIT Isabelle Huppert, Delphine Seyrig, Marc Eyraud.

REGIE Maurice Pialat DREHBUCH Arlette Langmann, Maurice Pialat KAMERA Pierre-William Glenn, Jacques Loiseleux MUSIK Philippe Sarde SCHNITT Yann Dedet MIT Isabelle Huppert, Gérard Depardieu, Guy Marchand, Humbert Balsan, Bernard Tronczyk, Christian Boucher.

LA DENTELLIÈRE

LA DENTELLIÈRE

HEAVEN’S GATE

Fr 2.10. 15:00

So 4.10. 14:00

Sa 10.10. 18:00

Schweiz/Frankreich/Deutschland 1977, Farbe, DCP, F/d*, 108 ' REGIE Claude Goretta DREHBUCH Claude Goretta, Pascal Lainé, nach einem Roman von Pascal Lainé KAMERA Jean Boffety MUSIK Pierre Jansen SCHNITT Joële van Effenterre MIT Isabelle Huppert, Yves Beneyton.

«Nominell eine Filmbiografie, lässt sich Liliane de Kermadecs Aloïse aus dem Jahr 1975 vielleicht treffender als astronomisches Ereignis betrachten (…). Aloïse ist eine Studie über zwei Supernovae: Isabelle Huppert, damals inmitten ihres kometenhaften Aufstieges, und Delphine Seyrig in ihrem ‹annus mirabilis› auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn (…). Die Frau, die diese gefeierten Schauspielerinnen darstellen – Huppert in Aloïses Jugend, Seyrig von ihrem Erwachsenenalter bis zu ihrem Tod –, ist die 1886 in Lausanne geborene Schweizer Outsider-Künstlerin Aloïse Corbaz. Sie wurde 1918 in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachte. Die Kunst, die sie dort schuf – farbenprächtige Zeichnungen üppiger Frauen, in Buntstift und Bleistift auf Einschlagpapier –, sollte sie zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der Art brut machen (…). Aloïse ist ein eindringlicher Film, der seine Protagonistin in fragmentarischen Ausschnitten von der Kindheit bis zum Tod begleitet (…) und ihren psychischen Zusammenbruch auf die erstickenden, marginalisierenden Regeln und Normen einer starren Gesellschaft zurückführt.» (Melissa Anderson, 4Columns, 15.5.2026)

«Die 18-jährige Beatrice ist Auszubildende in einem Pariser Friseursalon. Sie lebt zurückgezogen bei ihrer alleinerziehenden Mutter, ihre einzige Freundin ist eine Kollegin mit einem lebhaften Liebesleben. Bei einem gemeinsamen Urlaub an der See lernt Beatrice den aus besseren Kreisen stammenden Philosophiestudenten François kennen und lieben. In Paris zieht sie zu ihm, renoviert und führt den Haushalt. Doch bald spürt François ein Missbehagen. Der soziale Status und die Bildungsferne seiner Freundin sind ihm peinlich. Er bereitet sich auf die Trennung von Beatrice vor … ‹Ich werde nie dahinterkommen, was du denkst.› Schlicht und verschlossen stellt Isabelle Huppert in ihrem ersten internationalen Kinoerfolg eine junge Frau dar, die als ‹Dulderin› an ihrer ersten Liebe zerbricht – mit Sommersprossen, störrischem rotem Haar und einem fast noch kindlichen Ernst. La dentellière ist Prophezeiung und Verheissung zugleich. ‹Sie war eine von denen, die erforscht werden wollen, bei denen man genau hinschauen muss›, lautet im Film der letzte Satz. Er bezieht sich auch auf die junge Schauspielerin, die zuvor minutenlang unverwandt in die Kamera geblickt hat.» (Berlinale)

Sa 24.10. 18:30

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

Nelly (Isabelle Huppert), eine junge Frau aus der Pariser Bourgeoisie, ist vom Leben mit ihrem besitzergreifenden Mann, dem Chef einer Werbeagentur, gelangweilt. In einer Disco lernt sie den rüpelhaften Herumtreiber und Kleinkriminellen Loulou kennen. Nelly ist von ihm fasziniert und beginnt ein leidenschaftliches Abenteuer mit ihm. Als sie schliesslich von ihm schwanger wird, muss sie eine Entscheidung treffen. Loulou, Maurice Pialats bahnbrechendes Sozialdrama über eine Frau zwischen zwei Männern, erforscht weibliches Begehren und übt beissende Kritik an der französischen Gesellschaft. (mb)

USA 1980, Farbe, DCP, E/d*, 219 ' (mit Pause) REGIE und DREHBUCH Michael Cimino KAMERA Vilmos Zsigmond MUSIK David Mansfield SCHNITT Lisa Fruchtman, Gerald B. Greenberg, Tom Rolf, William Reynolds MIT Kris Kristofferson, Christopher Walken, John Hurt, Sam Waterston, Isabelle Huppert, Joseph Cotten, Jeff Bridges, Mickey Rourke.

Der Harvard-Absolvent Jim Averill wird Marschall in Wyoming und gerät in den blutigen Konflikt zwischen mächtigen Viehbaronen und verarmten Einwanderern. Dabei steht ihm ein ehemaligen Studienfreund gegenüber, der inzwischen die Interessen der Rancher vertritt. Als Averill von einer Todesliste erfährt, die 125 Siedler zur Ermordung freigibt, stellt er sich gegen die Grossgrundbesitzer. Auch eine Bordellbesitzerin und Sympathisantin der Einwanderer (Isabelle Huppert), die sich für Averill interessiert, steht auf der Liste … Der Film war zunächst verrufen als einer der grössten Flops der Filmgeschichte, wurde aber in späteren Jahren zunehmend als Meisterwerk gewürdigt. (tb) «Wenn Heaven’s Gate die Exzesse der NewHollywood-Generation der 70er-Jahre verkörpert, dann sollte er auch den revolutionären Geist repräsentieren, der ihm zugrunde liegt – die Entschlossenheit, die Mythen und Traditionen abzulehnen, an denen das Studiokino stur festgehalten hatte. Zunächst einmal ist der Film ein Antiwestern und zugleich auch antiwestlich, da er davon handelt, wie die zivilisierenden Kräfte, die das Land Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts zähmten, in Wirklichkeit die Schergen waren, die die Träume von Einwanderern und anderen Unglücklichen gewaltsam unterdrückten. Einwanderer mögen Amerika aufgebaut haben, so suggeriert der Film, doch nur wenige konnten an diesem Wohlstand teilhaben.» (Scott Tobias, The Guardian, Nov 2020)

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So 18.10. 15:00

«Pialat hat etwas so Reales, so Sinnliches, so Unmittelbares, er war einzigartig, und Loulou ist einer seiner bedeutendsten Filme. Der Film war voller Gefühle über Beziehungen und Grausamkeiten zwischen Männern und Frauen. Es ist ein ewiges Thema: der Mann, die Frau und der Liebhaber. Anstelle von Geheimnissen und Lügen war hier alles transparent.» (Isabelle Huppert, im Interview mit Geoffrey Macnab, Independent, Okt 2006)


COUP DE TORCHON Sa 26.9. 20:45 Fr 6.11. 15:00

Di 13.10. 18:00

Frankreich 1981, Farbe, DCP, F/e, 128 ' REGIE Bertrand Tavernier DREHBUCH Jean Aurenche, Bertrand Tavernier, nach dem Roman «Pop. 1280» von Jim Thompson KAMERA Pierre-William Glenn MUSIK Philippe Sarde SCHNITT Armand Psenny MIT Philippe Noiret, Isabelle Huppert, Stéphane Audran, JeanPierre Marielle, Eddy Mitchell, Guy Marchand.

Der französische Polizist Cordier fristet in einem abgelegenen Nest im französischen Westafrika ein trauriges Dasein. Von seiner Frau wird er betrogen, von einem rassistischen Zuhälter schikaniert. Dann läuft das Fass über: Cordiers Politik der Friedfertigkeit und des Opportunismus endet und er schwingt sich zum skrupellosen Richter über seine Feinde auf. «Mit Anklängen an Kafka, Genet und Beckett spielt Bertrand Taverniers brillante Verfilmung von Jim Thompsons Groschenroman ‹Pop. 1280› aus dem Jahr 1964 in einem moralischen Niemandsland. Thompsons Romane sind allesamt erschütternde Studien der Amoralität, Geschichten, in denen wir gezwungen sind, uns mit jemandem zu identifizieren, den die Umstände dazu zwingen, schreckliche Dinge zu tun – eine Sichtweise, die in der Finsternis des amerikanischen Film noir ihre vollkommene Entfaltung fand: Doch Coup de torchon ist atmosphärisch das genaue Gegenteil: Der Komponist Philippe Sarde, ein häufiger Mitarbeiter Taverniers, liefert eine stimmungsvolle, jazzige, schräge Filmmusik; Kameramann Pierre-William Glenn fängt gekonnt eine helle und luftige Landschaft ein, die von der unerbittlichen, sengenden Sonne verbrannt wurde.» (Michael Dare, Criterion, Mai 2001)

COUP DE TORCHON

LA SÉPARATION Mo 12.10. 20:45

Fr 30.10. 15:00

Frankreich 1994, Farbe, 35 mm, F/e, 88 ' REGIE Christian Vincent DREHBUCH Dan Franck, Christian Vincent, nach dem Roman von Dan Franck KAMERA Denis Lenoir MUSIK Johann Sebastian Bach SCHNITT François Ceppi MIT Daniel Auteuil, Isabelle Huppert, Jérôme Deschamps, Karin Viard, Louis Vincent.

UNE AFFAIRE DE FEMMES

UNE AFFAIRE DE FEMMES

MALINA

Sa 3.10. 15:00 Sa 14.11. 20:45

Deutschland/Österreich 1991, Farbe, DCP, D/e, 125 '

Mi 14.10. 20:45

Frankreich 1988, Farbe, 35 mm, F/d, 110 '

PASSION Fr 23.10. 20:45

So 25.10. 17:30

Frankreich/Schweiz 1982, Farbe, 35 mm, F/d/i, 87 ' REGIE, DREHBUCH und SCHNITT Jean-Luc Godard KAMERA Raoul Coutard MIT Isabelle Huppert, Jerzy Radziwiłowicz, Hanna Schygulla, Michel Piccoli, László Szabó, Jean-François Stévenin, Myriem Roussel.

«Nach Sauve qui peut (la vie) der zweite Spielfilm von Godards ‹dritter Welle›, die ihn nach einer Reihe von Videoarbeiten wieder zum klassischen Kino inklusive Starbesetzungen zurückführt, auch wenn er weiterhin verspielt die Normen und Formen des gewöhnlichen Erzählens ignoriert. Passion handelt also scheinbar von einem Filmemacher (Jerzy Radziwiłowicz), der an einer ungewöhnlichen Produktion arbeitet, für die klassische Gemälde von Rembrandt bis Goya in einem Filmstudio mit kostümierten Statisten möglichst detailgetreu nachgestellt werden sollen. Als Kontrapunkt zur artistischen Arbeit die Kakofonie der Aussenwelt, repräsentiert von der Fabrik nebenan, deren Besitzer (Michel Piccoli) eine stotternde Arbeiterin (Isabelle Huppert) entlassen hat, die protestiert und eine Affäre mit dem Regisseur beginnt. Godard inszeniert Passion entlang seiner Leitthemen – Liebe, Arbeit, Kino – als eine Studie in Gegensätzen, die unaufgelöst bleiben.»

REGIE Claude Chabrol DREHBUCH Colo Tavernier O’Hagan, Claude Chabrol, nach Motiven eines Romans von Francis Szpiner KAMERA Jean Rabier MUSIK Matthieu Chabrol SCHNITT Monique Fardoulis MIT Isabelle Huppert, François Cluzet, Marie Trintignant, Nils Tavernier, Marie Bunel, Dominique Blanc.

«Chabrols zweiter Spielfilm mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle greift erneut einen wahren Kriminalfall auf – die Geschichte einer der letzten Frauen, die in Frankreich hingerichtet wurden, während der Kollaborationszeit des Vichy-Regimes, einer historischen Periode, zu der Chabrol immer wieder obsessiv zurückkehrt. (Das Fallbeispiel dieses Films, der beim Erscheinen heftige Proteste in Frankreich auslöste, erklärt anschaulich, warum.) Huppert gibt abermals eine faszinierend undurchsichtige Darstellung, als Hausfrau der Arbeiterklasse, die einer Nachbarin mit einer Abtreibung aushilft und bald erkennt, dass sie auf eine Goldgrube gestossen ist. Während das Geschäft blüht (nebenbei werden Zimmer an Prostituierte vermietet), kehrt der Mann aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Finanziell wie sexuell überflüssig geworden, verrät er sie an die Behörden, die ein Exempel an ihr statuieren. Chabrols stärkster Film der 80er-Jahre, völlig unsentimental im Duktus und meisterhaft in der Mise en Scène.» (Österr. Filmmuseum, Apr 2006)

So 27.9. 18:00

Fr 13.11. 15:00

REGIE Werner Schroeter DREHBUCH Elfriede Jelinek, nach dem Roman von Ingeborg Bachmann KAMERA Elfi Mikesch MUSIK Giacomo Manzoni, Tomaso Traetta, Carl Maria von Weber SCHNITT Andrea Wenzler, Juliane Lorenz MIT Isabelle Huppert, Mathieu Carrière, Can Togay, Fritz Schediwy, Isolde Barth, Peter Kern.

«Ingeborg Bachmann meets Elfriede Jelinek meets Werner Schroeter: eine radikale Mischung, die allerdings einen erstaunlich disziplinierten Film, ganz auf Isabelle Huppert zugeschnitten, ergibt: Eine namenlose Schriftstellerin lebt mit einem Mann namens Malina zusammen, eher eine Vernunft- denn eine Liebesgemeinschaft. Eines Tages trifft sie Ivan, an den sie Hals über Kopf ihr Herz verliert – und damit immer mehr zur Gefan­ge­nen ihrer Träume und Ängste wird. Georg Seesslen: ‹Schroeters Kamera richtet sich unnachsichtig auf das Verfallen eines menschlichen Wesens, das durch einen absoluten Anspruch des Gefühls auf eine ebenso absolute Einsamkeit zurückgeworfen wird. (…) Ihr bleibt bloss ein Verschwinden, das nur der Tod sein kann.›»

Anne (Isabelle Huppert) und Pierre (Daniel Auteuil), ein unverheiratetes Paar mit einem zweijährigen Kind, gehen eines Abends ins Kino (man zeigt Rossellinis Europa 51). Während der Vorstellung greift Pierre vergeblich nach Annes Hand. Es ist der Anfang vom Ende einer Beziehung. Einige Zeit später gesteht Anne, dass sie sich in einen anderen Mann verliebt hat. Pierre schwankt zwischen Benommenheit, Verdrängung und heftigen Gefühlsausbrüchen – bis eine Versöhnungsreise in Gewalt eskaliert. «Eine Studie über eine zerfallende Partnerschaft: Der Film (eine subtile, intelligente Adaption von Dan Francks einfühlsamem Roman) handelt von den winzigen Machtverschiebungen, die auftreten, während Anne versucht, sich über ihre Zukunft klar zu werden, und Pierre versucht, mit ihrem sich wandelnden Verhalten Schritt zu halten oder es sogar zu verhindern. Huppert und Auteuil brillieren beide als das Paar, das allen Widrigkeiten zum Trotz darum kämpft, unversehrt einem Albtraumszenario zu entkommen.» (Time Out Magazine)

(Florian Widegger, Filmarchiv Austria)

(Christoph Huber, Österr. Filmmuseum)

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

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LA CÉRÉMONIE

LA PIANISTE

LA CÉRÉMONIE Fr 25.9. 18:00

So 1.11. 15:00

Frankreich/Deutschland 1995, Farbe, 35 mm, F/d, 112 ' REGIE Claude Chabrol DREHBUCH Claude Chabrol, Caroline Eliacheff, nach einem Roman von Ruth Rendell KAMERA Bernard Zitzermann MUSIK Matthieu Chabrol SCHNITT Monique Fardoulis MIT Isabelle Huppert, Sandrine Bonnaire, Jacqueline Bisset, Virginie Ledoyen, Jean-Pierre Cassel, Valentin Merlet, Rochefort Julien, Dominique Frot, Philippe Lecoq, Jean-François Perrier, Yves Verhoeven.

«Eine Bürgerfamilie sucht ein Hausmädchen für den Landsitz. Die ausgewählte Frau erweist sich als pflichtbewusst, wenn auch verstockt. Sie hat ein Geheimnis zu verbergen. Das Verhältnis zur glücklichen Familie wird zusätzlich belastet, als sich das Hausmädchen mit einer aufrührerischen Postbeamtin (Isabelle Huppert) aus dem Ort anfreundet, die ihren Zorn auf das gutbürgerliche Leben anstachelt. Während die Salzburger Festspiele im Fernsehen laufen, explodiert der aufgestaute Klassenhass. Eines von Chabrols absoluten Meisterwerken, ein mit astronomischer Genauigkeit und traumgleicher Unabänderlichkeit voranschreitender psychologischer Thriller, an dessen Ecken surrealer Humor mit Echos von Buñuel lauert.» (Christoph Huber, Österreichisches Filmmuseum, Sep 2016)

«In ihrer schwarzen Lederjacke stattet Isabelle Huppert ihre bretonische Barrikadenkämpferin mit einer proletarischen Punk-Atti­tüde aus. Wenn sie schliesslich das grossbürgerliche Schlafgemach ihrer Kontrahent:innen zerstört, geschieht dies aus einem Überschwang heraus, mit dem Rockstars früher Hotelzimmer zu zerlegen pflegten. Für ihren fünften Film unter der Regie von Claude Chabrol erhielt Isabelle Huppert die Coppa Volpi in Venedig (zusammen mit ihrer Kodarstellerin Sandrine Bonnaire) sowie den französischen Filmpreis César.» (Berlinale, Feb 2022)

LA PIANISTE Fr 9.10. 20:45 Mi 11.11. 15:00

Sa 17.10. 18:00

Österreich/Frankreich/Deutschland 2001, Farbe, 35 mm, F/d, 129 ' REGIE und DREHBUCH Michael Haneke, nach dem Roman von Elfriede Jelinek KAMERA Christian Berger MUSIK Franz Schubert SCHNITT Monika Willi, Nadine Muse MIT Isabelle Huppert, Benoît Magimel, Annie Girardot, Anna Sigalevitch, Susanne Lothar, Udo Samel.

«Die Klavierlehrerin Erika Kohut (Isabelle Huppert) lebt noch immer mit der Mutter zusammen, die ihr Leben strengstens überwacht. Erika kompensiert ihre Frustrationen mit voyeuristischen Ausflügen, Selbstverstümmelung und Quälereien – bis ihr ein Klavierschüler zu nahe tritt und die Neurosen entgleisen. Die wuchernden, amorph-satirischen Sprachkonvolute von Elfriede Jelineks Roman werden von Michael Haneke souverän in eine kristalline Konstruktion nahe an der (bitteren) Groteske überführt: wie ein bürgerliches Trauerspiel, dem die Trauer abhandengekommen ist. Im Zentrum dieser Erzählung von einer Flucht nach innen: die minimalistisch virtuose Leistung von Isabelle Huppert, die als Erika Kohut die Entäusserung so weit treibt, dass sie kaum noch zu spielen scheint.» (Christoph Huber, Österreichisches

8 FEMMES

8 FEMMES Sa 31.10. 18:00 Mi 4.11. 20:15 RE:VISION 18:30 (S. 29) Frankreich/Italien 2002, Farbe, 35 mm, F/d, 111 ' REGIE François Ozon DREHBUCH François Ozon, Marina de Van, basierend auf dem Theaterstück von Robert Thomas KAMERA Jeanne Lapoirie SCHNITT Laurence Bawedin MIT Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant, Virginie Ledoyen, Danielle Darrieux, Ludivine Sagnier, Firmine Richard.

«Acht Frauen werden mit dem Mord an einem Mann konfrontiert, zu dem sie alle in einem verwandtschaftlichen, amourösen und/oder arbeitstechnischen Abhängigkeitsverhältnis standen. Während sie unter sich die Täterin suchen, müssen sie ihre Fassade fallen lassen, sich Lügen eingestehen, Geheimnisse offenbaren und etwas von sich preisgeben, was bislang sorgfältig verborgen war. (…) Von Ludivine Sagnier über Isabelle Huppert bis Danielle Darrieux präsentiert François Ozon gleich mehrere Generationen des französischen Starkinos der Nachkriegszeit und verschafft all diesen grossen Damen eine repräsentable, beziehungs- und anspielungsreiche Plattform. Welch ein Genuss, ihnen zuzusehen! Stets signalisiert er, dass es nur ein Spiel ist, das er mit subtiler Delikatesse und fintenreicher Stilsicherheit zum Zwecke der Unterhaltung und des puren Vergnügens arrangiert: antinaturalistisch, voller kluger Anspielungen auf die Filmgeschichte, vor allem aber auf die zahlreichen Konnotationen, die die acht Darstellerinnen im Lauf ihrer mal längeren, mal kürzeren Karrieren als Ikonen des französischen Kinos kreiert haben.» (Horst Peter Koll, Filmdienst, Feb 2019)

Filmmuseum)

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FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

WHITE MATERIAL Mo 5.10. 18:30

Fr 13.11. 18:30

Frankreich/Kamerun 2009, Farbe, 35 mm, F/e*, 106 ' REGIE Claire Denis DREHBUCH Claire Denis, Marie NDiaye KAMERA Yves Cape MUSIK Stuart A. Staples SCHNITT Guy Lecorne MIT Isabelle Huppert, ­C hristopher Lambert, Nicolas Duvauchelle, William Nadylam, Isaach de Bankolé, Michel Subor.

«Claire Denis forscht oft nach jenen Dingen, die die Welt im Innersten zusammenhalten: Gewalt und Leidenschaft, Traum und Erinnerung, Alltag und Routine, Fremdheit und Zärtlichkeit. In White Material folgt sie der Auflösung einer Kaffeeplantage in den Wirren eines afrikanischen Bürgerkriegs. Die Arbeiter fliehen, die Besitzerin (Isabelle Huppert) versucht, im Dorf neue Arbeiter zu organisieren, um die Ernte noch einzufahren, der Mann will seine Haut durch Geschäfte mit dem

Bürgermeister und seinen Milizen retten, der Vater ist sterbenskrank, und der erwachsene Sohn ist auch keine Hilfe, weil er längst auf seinem eigenen Trip ist. Aber so einfach sind die Beziehungen bei Denis nie zu durchschauen, weil man sie sich auch selbst erschliessen muss. Die Faszination rührt daher, dass die Figuren nie um Aufmerksamkeit buhlen, sondern nur so viel preisgeben, wie man in die Begegnung mit ihnen zu investieren bereit ist. Durch ihre Welt bewegt man sich auf Augenhöhe, erst tastend, dann neugierig, bis man irgendwann gefangen ist. (…) Wie genau und zugeneigt der Blick von Claire Denis ist, merkt man schon daran, dass man Isabelle Huppert selten so bei sich gesehen hat wie hier.» (Michael Althen, Viennale, Okt 2009)


LA PRISONNIÈRE DE BORDEAUX Do 1.10. 18:15

Mi 21.10. 15:00

Frankreich 2024, Farbe, DCP, F/e, 108 ' REGIE Patricia Mazuy DREHBUCH Pierre Courrège, François Bégaudeau, Patricia Mazuy KAMERA Simon Beaufils MUSIK Amine Bouhafa SCHNITT Mathilde Muyard MIT Isabelle Huppert, Hafsia Herzi, MagneHavard Brekke, Lionel Drey.

«Alma (Isabelle Huppert) lebt alleine in einer bürgerlichen Stadtvilla, ausgestattet mit teuren Gemälden und einer Hausangestellten. Mina (Hafsia Herzi) hat arabische Wurzeln und schuftet in einer Vorort-Reinigung, um sich und ihre zwei Kinder zu ernähren. Die beiden Frauen haben nichts gemeinsam – ausser dem Umstand, dass ihre Männer im gleichen Gefängnis inhaftiert sind und sie

ELLE

ELLE Do 8.10. 20:45

Frankreich/Deutschland/Belgien 2016, Farbe, DCP, F/d, 130 '

Vortragsreihe mit Thomas Binotto

REGIE Paul Verhoeven DREHBUCH David Birke, nach dem Roman «Oh …» von Philippe Djian KAMERA Stéphane Fontaine MUSIK Anne Dudley SCHNITT Job ter Burg MIT Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Charles Berling, Virginie Efira, Judith Magre.

(Michael Sennhauser, SRF, Mai 2016)

«Peu à peu wird ihr die Vergewaltigung zum Katalysator einer Selbstermächtigung: Sie durchschaut das testosterongetränkte Beziehungsgeflecht ihrer Mitarbeiter im Unternehmen, sie beendet eine Affäre und beginnt eine andere, sie verabschiedet sich endlich von den Geistern ihrer eigenen Biografie. Und ihr gelingt eine perfide Rache. Mehr als ein Thriller ist Elle eine boshafte Gesellschaftskomödie, die um eine wahr gewordene Vergewaltigungsfantasie herum gedeiht und blüht. Verhoeven erfüllt die Traditionen des bourgeoisen französischen Lustspiels mitsamt Affären, Verwechslungen und Verlogenheiten und kombiniert sie mit dem Rape-RevengeMotiv zu etwas faszinierend Neuem.» (Mag­ dalena Miedl, kino-zeit.de, Feb 2017)

senal Berlin)

RE:VISION

Sa 7.11. 18:00

«Niemand ausser Isabelle Huppert, diese tatsächlich furchtlose Präzisionsschauspielerin, hätte diese Rolle so spielen können: Michèle leitet eine erfolgreiche Videogame-Schmiede. Sie hat alles im Griff, ist souverän, spöttisch, effizient. Und das bleibt sie auch, nachdem sie in ihrer Villa von einem maskierten Eindringling brutal vergewaltigt worden ist.»

ihr Leben um deren Abwesenheit herumorganisieren. Nach ihrer ersten Begegnung eignet sich Alma energisch Minas Gesellschaft an: Sie nimmt sie in ihrem grossen Haus auf, das näher am Gefängnis liegt, beschafft ihr einen neuen Job und meldet die Kinder erfolgreich in der Schule des Viertels an. Die soziale Kluft zwischen den Frauen macht dieses Arrangement latent instabil, ob es sich dabei um eine veritable Freundschaft oder um einen für beide nützlichen Pakt handelt, hält der Film bewusst in der Schwebe – dass sie lügen können, beweisen alle beide.» (Birgit Kohler, Ar­

Genau hinschauen, erneut hinschauen, anders hinschauen eröffnet un­ erwartete Perspektiven. In Kooperation mit der Volkshochschule und dem Publizisten Thomas Binotto lädt das Filmpodium bereits zur neunten Staffel der Vorlesungsserie «Re:vision».

L’AVENIR Mi 30.9. 20:45 So 15.11. 15:00

Di 27.10. 20:45

Frankreich/Deutschland 2016, Farbe, DCP, F/d, 102 ' REGIE und DREHBUCH Mia Hansen-Løve KAMERA Denis Lenoir SCHNITT Marion Monnier MIT Isabelle Huppert, André Marcon, Roman Kolinka, Édith Sciob.

«Nathalie (Isabelle Huppert) ist Lehrerin für Philosophie an einem Pariser Lycée und sehr engagiert. Nebenbei publiziert sie in einem kleinen Verlag. Ihr Mann unterrichtet an der Universität. In ihrem intellektuell-bürgerlichen Haushalt sind die beiden erwachsenen Kinder ebenso gern zu Gast wie ihre Studenten und ihre besitzergreifende Mutter. Um die Zukunft hat sich Nathalie in ihrem ausgefüllten Alltag bisher kaum Gedanken gemacht. Doch eines Tages offenbart ihr ihr Ehemann, dass er sie für eine andere Frau verlassen wird. Mit einer plötzlichen Freiheit konfrontiert, die jedoch auch Einsamkeit mit sich bringt, muss Nathalie sich selbst und ihr Leben neu erfinden. Mit ihrem fünften Spielfilm verlässt Mia Hansen-Løve das Thema Jugend und reflektiert in einem intensiven, auch ironischen Frauenporträt über das beginnende Altern. Es geht um Fragen des Glücks, der Berufung, des Sinns oder Unsinns gefestigter Strukturen. Dabei zeigt der Film nicht nur die persönliche Suche nach neuen Wegen, sondern fragt auch, ob und wie Philosophie auf den Alltag angewandt werden kann.» (Berlinale, Feb 2016)

RE:VISION 9/01

8 FEMMES

Mi 4.11. 18:30

Sa 31.10. 18:00

François Ozon hat mit 8 femmes einen Film voller Hommagen gedreht. Er verneigt sich vor der Filmgeschichte, der amerikanischen wie der französischen. Vor dem klassischen Musical und dem Whodunit-Krimi. Und besonders tief verneigt sich Ozon vor den grossen Frauen des französischen Kinos. Thomas Binotto bringt Licht in dieses wild wuchernde Beziehungsgeflecht. Es ist wieder einmal ein Filmaufräumen angesagt.

Mi 4.11. 20:15

François Ozon, Frankreich/Italien 2002, 35 mm, F/d, 111 '

Nächste RE:VISION: Mi 9. 12. 2026 und Mi 3. 2. 2027 Eine Kooperation von Filmpodium und ­Volkshochschule Zürich.

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

Online sind Tickets zu Film und Vorlesung separat erhältlich; vergünstigte Kombitickets gibt es nur an der Kinokasse.

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«Zwei Tage Strom» im Filmpodium

SET VON GILLES AUBRY MIT MODULAREM SYNTHESIZER UND COMPUTER KONZERT 21:00 Gilles Aubry (Synthesizer, ­C omputer) L′MAKINA 2023, 30'

SALAM GODZILLA

ERÖFFNUNGSABEND IM FILMPODIUM Do 29.10.

Das Stück lotet die Möglichkeiten eines virtuellen Klangmodells aus, das in Zusammenarbeit mit Musikern aus Marokko entwickelt wurde. «L’Makina» bezieht sich auf ein Lied des Amazigh-Musikers L’Haj Belaid aus den 1930er-Jahren. Darin staunt dieser über die Fähigkeit des Fonografen, Sprache und Musik wiederzugeben, und fragt sich als Dichter, ob es überhaupt noch Sinn macht, weiterhin Verse zu verfassen. Diese Reflexion wirkt erstaunlich aktuell und berührt zentrale Fragen zum Verhältnis von Mensch, Maschine und künstlicher Intelligenz.

SANGEH KHARA HARTER STEIN Marokko 2025, Farbe, 16 mm, Arab+F+E/e, 10 ' REGIE und DREHBUCH Laila Hida.

Poetisch und zugleich politisch erkundet Laila Hida die Oasen-Landschaften im Süden Marokkos: die Wüste als Ort voller Geschichten und lebendiger Erinnerungen. Und gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit kolonialen und postkolonialen Orient-Vorstellungen.

ELEKTROAKUSTISCHE WERKE VON AHMED ESSYAD SANGEH KHARA

Seit 2013 erkundet das Zürcher Biennale-­Festival «Zwei Tage Strom» die v ­ ielfältigen Ausdrucksformen elektroakustischer Musik. Im Fokus stehen Positionen, die neue Wege des Hörens eröffnen und Klangpraktiken sichtbar machen, die im dichten Rauschen der Musikwelt unter­zugehen drohen. Wir freuen uns, dass das Festival zum zweiten Mal bei uns zu Gast ist; diesmal mit Audiovisionen aus ­Marokko. Zwei Live-Konzerte und zwei Filme stehen auf dem Programm.

Do 29. 10. im Filmpodium Fr 30. 10. — Sa 31. 10. im Kunstraum ­Walcheturm Detaillierte Informationen zum ­P rogramm: ­ 2tagestrom.ch Der Eröffnungsabend ist eine Koproduktion von ­F ilmpodium und «Zwei Tage Strom». Ticket für das Programm des Eröffnungsabends im Filmpodium: CHF 27.—

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KONZERT 19:30 Ahmed Essyad (Elektronik)

Das Musik- und Filmprogramm beleuchtet die Verschmelzung traditioneller mit westlich TOUBKAL 1972, 12 ' geprägter neuer Musik in Marokko: Die elektroakustischen Kompositionen des marokSULTANE 1973, 14 ' kanischen Musikpioniers Ahmed Essyad (*1938), die in den 1970er-Jahren entstanden, «Toubkal» bezieht sich auf den gleichnamigen schöpfen aus den Klängen der Volksmusik, Gipfel, der das Hohe Atlasgebirge überragt, wie sie Ende der 1950er-Jahre in marokkadie Wiege der Amazigh-Kultur. Der Titel ist nischen Dörfern zu hören war. Der Schweizer eine Geste der Solidarität mit dieser stigmaKlangkünstler und -forscher Gilles Aubry tisierten und bedrohten Kultur. «Sultane» ist hingegen arbeitet mit modularen Synthesizern das Ergebnis einer Reflexion über Erde und und KI-basierten Klangquellen und knüpft Boden. Inspiration dieser Komposition war dabei an ein marokkanisches Lied über Maein Kriegslied, das in den 1950er-Jahren in schinen aus den 1930er-Jahren an. Beide Taza aufgenommen wurde. Künstler verhandeln auf unterschiedliche Weise kulturelle, technische und politische Fragestellungen und eröffnen dabei faszinierend eigenständige klangliche Perspektiven. Einer visuellen Entsprechung dazu begegnen wir in den Filmen der Künstlerin und Kulturaktivistin Im Anschluss an die zwei elektroakustiLaila Hida. Ihre Arbeit widmet sich schen Werke ­TOUBKAL und SULTANE den Spuren von Erinnerung und Moderation: Bettina Spoerri, auf FranzöSehnsucht, die in Fragmenten, Bilsisch mit deutscher Übersetzung dern, Objekten und Gesten fortleben und sich zwischen Fakt und Fiktion Die Musiker und Komponisten Ahmed Es­ bewegen. syad und Gilles Aubry gewähren ­E inblicke in ihr Schaffen. Dabei stehen Fragen nach kultureller Identität, ­m usikalischen Wur­ zeln und dem Dialog zwischen unter­ schiedlichen ­Traditionen im Zentrum.

GESPRÄCH MIT AHMED ESSYAD UND GILLES AUBRY

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

SALAM GODZILLA Marokko/Schweiz 2019, Farbe, DCP, ­B erbersprachen+F+E/e, 40 ' REGIE, DREHBUCH, KAMERA, MUSIK und SCHNITT Gilles Aubry.

Gedreht im Kino Salam und in dessen Umgebung in Agadir, verdichtet der Film Archivaufnahmen, seismische Daten, Dinosaurierspuren an den Küsten der Region und ein Gedicht des Sängers Ali Faiq zu einer vielschichtigen filmischen Erzählung des verheerenden Erdbebens von Agadir im Jahr 1960. Der Zufall wollte es, dass in diesem Kino in jener Nacht ausgerechnet Godzilla, King of the Monsters! lief – ein ikonisches Werk über die von Katastrophen geprägte Moderne.


PRETTY SCARY THINGS 4 × Horror Am Freitagabend, 30. Oktober, laden wir zu 4 × Horror ein, einem Streif­ ­zug durch fast 25 Jahre ­asia­tischen Genrefilms. Diese Special Edition versammelt Beiträge aus Japan, ­Indonesien und Thailand und zeigt, wie unterschiedlich Horror gedacht und gestaltet werden kann – als formale Experimente, verfluchte Räume, körperliche Erfahrungen oder mediale Heimsuchungen. ­Gemeinsam mit dem Kurationskollektiv Never Watch Alone, den ­Studierendenkinos Filmstelle ETH/ UZH und Klub Kuleshov ZHdK sowie Art or Trash Cinema Podcast und CUT! Fachverein Filmwissenschaft richten wir den Blick auf Werke, die das Grauen mit unverwechselbarer Handschrift inszenieren. Ab 17 Uhr gibt es Znacht und Drinks, und im alten Tickethäuschen legt Tarot‑­Legende Madame Selma die Karten – ein kleines ­R itual, das die Schleier der Nacht ein Stück weit lüftet.

17:00

Eröffnung des Abends mit Znacht, Drinks und Tarot-Legende Madame Selma im Foyer

18:30

ONE CUT OF THE DEAD Filmstelle Selection

20:15 20:30 22:10 22:30

Pause (ca. 15 ' ) JU-ON: THE GRUDGE

Art or Trash Cinema Podcast Selection

Pause (ca. 20') GHOST IN THE CELL

Klub Kuleshov Selection

00:20 Kurze Pause mit ­G ratis-Filterkaffee (ca. 10 ' ) 00:30

SHUTTER

Never Watch Alone Selection

ONE CUT OF THE DEAD

Programm: Never Watch Alone (Kurations­ kollektiv hinter dem Erfolgsevent 8 Hours of Horror), Studierendenkino Filmstelle ETH/UZH, Studierendenkino Klub Kuleshov ZHdK und Art or Trash Cinema Podcast. In Kooperation mit CUT! Fachverein Filmwis­ senschaft.

Quadruple-Feature-Ticket: 36.— Triple-Feature-Ticket: 27.— Double-Feature-Ticket: 27.— Mit Legi ZHdK, VSETH, VSUZH: CHF 5.— / Film

ONE CUT OF THE DEAD K AMERA O TOMERU NA! Fr 30.10. 18:30 Japan 2016, Farbe, Digital HD, Jap/e, 96 ' REGIE Shin’ichiro Ueda DREHBUCH Shin’ichiro Ueda, Ryoichi Wada KAMERA Takeshi Sone MUSIK Shoma Ito, Kyle Nagai, Nobuhiro Suzuki SCHNITT Shin’ichiro Ueda MIT Takayuki Hamatsu, Yuzuki Akiyama, Harumi Shuhama, Kazuaki Nagaya, Hiroshi Ichihara.

«Eine Independent-Filmcrew sieht sich während des Drehs eines Low Budget Zombiefilms plötzlich mit echten Untoten konfrontiert. Statt kopflos zu fliehen, verlangt der furchtlose Regisseur Higurashi von seinem Team, die Horde an Leibern zu bekämpfen – und dabei alles für ihren Film festzuhalten. (…) One Cut of the Dead bietet vielleicht einen der frischesten Ansätze des Zombiegenres seit Romeros Night of the Living Dead. Der Film beschwört nicht nur den rebellischen Erfindungsgeist des Klassikers, sondern bringt zugleich jene Wärme und jenen Charme zurück, die dem modernen Horrorkino so oft fehlen.» (MoMI, Jun/Jul 2002) «Widerlich, urkomisch, verwirrend, furchteinflössend und doch zutiefst bewegend: Dieser Film vereint Elemente von Marker, Antonioni und Chaplin, ohne je offen einen von ihnen zu zitieren. Er ist ein eindeutig kompromissloses Meisterwerk. Nur wissen Sie das noch nicht. In zwanzig Jahren werden Sie es wissen – wenn wir alle endlich begriffen haben, was hier eigentlich vor sich geht.» (Jackson Arn, ­Reverse Shot, Jan 2020)

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

SHUTTER

JU-ON: THE GRUDGE Fr 30.10. 20:30 Japan 2002, Farbe, Digital HD, Jap/e, 92 ' REGIE und DREHBUCH Takashi Shimizu KAMERA Tokusho Kikumura MUSIK Shiro Sato SCHNITT Nobuyuki Takahashi MIT Megumi Okina, Misaki Ito, Takako Fuji, Takashi Matsuyama, Yuya Ozeki.

Ein unscheinbares Haus am Rande Tokios wird zum Ursprung eines Fluchs, der all jene heimsucht, die mit ihm in Berührung kommen. In sechs miteinander verschränkten Kapiteln entwirft Takashi Shimizu eine nicht lineare Chronik des Schreckens, in der Zeiten, Perspektiven und Schicksale unauflöslich ineinandergreifen. Der erste Kinofilm der Reihe führt die Tradition des japanischen Onryo, eines rachsüchtigen Geistes, fort und verdichtet den aus gewaltsamem Tod und tiefem Groll erwachsenen Fluch zu einer allgegenwärtigen, unaufhaltsamen Präsenz. (lb) «Shimizu, der im Abspann seine Mentoren von der Tokyo Film School, Kiyoshi Kurosawa und Hiroshi Takahashi – den Regisseur von Cure und den Drehbuchautor von Ring – würdigt, etabliert von Beginn an eine Atmosphäre latenter Bedrohung. Aus scheinbar naturalistischen Szenen lässt er das Unheimliche an den Rändern des Bildes aufscheinen, ehe es sich dem Blick erneut entzieht; ein verstörender Soundtrack steigert die Beklemmung zusätzlich. Schliesslich rückt er das Grauen unvermittelt ins Zentrum des Bildes und setzt sich damit über die klassische Horrorregel hinweg, wonach das Unsichtbare schrecklicher sei als das Sichtbare. (…) Der Film ruft jene aufgeregte Spannung wach, die viele erste Begegnungen mit dem Horrorkino prägt – die eigentümliche Verbindung von Faszination und Schrecken, die entsteht, wenn man sich etwas aussetzt, für das man sich noch nicht ganz bereit fühlt.» (Rob Daniel, fareastfilms.com, 2.4.2015)

GHOST IN THE CELL HANTU DAL AM SEL Fr 30.10. 22:30 Deutschschweizer Premiere Indonesien 2026, Farbe, DCP, Indon/e, 106 ' REGIE, DREHBUCH und SCHNITT Joko Anwar KAMERA Ical Tanjung MUSIK Aghi Narottama, Tony Merle MIT Abimana Aryasatya, Endy Arfian, Bront Palarae, Morgan Oey, Lukman Sardi, Danang Suryonegoro, Aming Sugandhi, Magistus Miftah.

«Ein Hochsicherheitsgefängnis unter der Fuchtel eines tyrannischen Aufsehers wird von einer grauenhaften Mordserie erschüttert. Die Leichen werden kunstvoll und makaber drapiert. Wer ist der Täter? Wer das nächste Opfer? Hilflos ausgeliefert flüchten sich die Häftlinge in spontane Tanzduelle, unerwartete Gebete, wilde Faustkämpfe und Kierkegaard-

Beschwörungen. Sie überwinden ihre Gangrivalitäten, um gemeinsam das Mordmotiv zu ergründen und den unsichtbaren Feind, der nicht von dieser Welt scheint, zu besänftigen. Indonesiens Genre-Magier Joko Anwar inszeniert Ghost in the Cell als fröhlich-groteske, in mehrfacher Hinsicht entwaffnende Horrorkomödie, in der es von schrägen Typen kurz vor dem Nervenzusammenbruch nur so wimmelt. Ein raffinierter Balanceakt zwischen Leichtigkeit und brutaler Gewalt, bei dem das Lachen schon mal im Hals stecken bleibt. Durch vehementen Einsatz der Grundfarben verleiht Anwar seinem zwölften Spielfilm die Wucht eines Gemäldes. Mit respektlospolitischem Touch durch die Anspielungen auf Ausbeutung und Korruption ist Ghost in the Cell dennoch kein ‹Horror mit gehobenem Anspruch›, sondern pure, entfesselte Lust am Genre. Ein Feuerwerk!» (Berlinale 2026)

SHUTTER SUTTER KODTID WINYAN Sa 31.10. 00:30 Thailand 2004, Farbe, DCP, Thai/e, 97 ' REGIE Banjong Pisanthanakun, Parkpoom Wongpoom DREHBUCH Parkpoom Wongpoom, Banjong Pisanthanakun, Sophon Sakdapisit KAMERA Niramon Ross MUSIK Chatchai Pongprapaphan SCHNITT Manop Boonwipas, Lee Chatametikool MIT Ananda Everingham, Natthaweeranuch Thongmee, Achita Sikamana, Unnop Chanpaibool.

«Auf dem Heimweg von einer Hochzeitsfeier überfahren der Fotograf Tun und seine Freundin Jane auf einer finsteren, ausgestorbenen Strasse versehentlich eine junge Frau. Nicht sicher, was sie tun sollen, schlägt Tun vor, sich aus dem Staub zu machen. Wenige Tage später bemerkt er, dass die Fotos seines jüngsten Auftrags durch Lichtstreifen und die geisterhafte Anwesenheit des toten Mädchens entstellt sind. (…) Das Paar steht vor einem Rätsel, als es erfährt, dass es für die fragliche Nacht weder eine Nachricht über einen Todesfall noch einen Leichnam gibt. Thailands jüngster Ausflug ins Reich des Übernatürlichen ist stark von japanischen Horrortraditionen beeinflusst, und die Geschichte erklärt sich am besten durch ihren Originaltitel Sutter Kodtid Winyan, was frei übersetzt so viel wie ‹Drück den Auslöser und du siehst einen Geist› heisst. Hätten Tun und Jane zivilisiert gehandelt, dann hätte der Film ein Drama werden können. Aber sie fliehen, und in einem Horrorfilm zieht der Entschluss, keine Verantwortung für seine Taten zu übernehmen, immer schreckliche Konsequenzen nach sich. (…) Shutter ist das Spielfilmdebüt von Parkpoom Wongpoom und Banjong Pisanthanakun, denen es nicht zuletzt gelungen ist, Wesen und Kunst der Fotografie nahtlos in ihre Arbeit einzubinden.» (Brandon Wee, Viennale 2025)

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VOM ERWACHEN DER FARBEN BIS ZUM UNTERGANG DER SONNE: EINE REISE DURCH DIE FRÜHE FILMGESCHICHTE Vorlesungsreihe des Seminars für Filmwissenschaft, Universität Zürich

DER FREMDE VOGEL KINO-KONZERT Do 8.10. 18:30 Live-Musik: Mathias Weibel (E-Violine, Mandoline und andere Instrumente) , Emanuele Forni (E-Gitarre und andere Zupfinstrumente) , Simon Lilly (Trompete, Flügelhorn) Deutschland 1911, sw, DCP, Stummfilm mit d ­Zw ′ titeln/e, 50 ' REGIE und DREHBUCH Urban Gad KAMERA Guido Seeber MIT Asta Nielsen, Hans Mierendorff, Eugenie Werner, Carl Clewing, Frau Carsten, Louis Ralph.

Vor dem Film stellt Friederike Grimm ihr neues Buch «Asta Nielsen in Deutschland und Österreich-Ungarn 1911 – 1914» vor, und Simone Winkler beleuchtet die Naturästhetik und Umweltwahr­ nehmung des Films. DER FREMDE VOGEL

«In diesem frühen Stummfilm von Urban Gad spielt Asta Nielsen die mondäne junge Engländerin May, die mit ihrem Vater und einer Anstandsdame den Spreewald bereist und sich an der malerischen Landschaft freut. Sie trifft dort den einheimischen Bootsführer Max, der der exotischen Fremden augenblicklich verfällt …» (Filmportal) Die «einfache Handlung ist (…) ausgezeichnet psychologisch entwickelt, sodass man das gesprochene Wort kaum vermisst. Dem Theater hat das Kinoschauspiel aber die naturgetreue Inszenierung voraus, die rauschenden Bäume des Spreewaldes, die wunderbaren Lichtreflexe – besonders schön wirken der magische Schein des Mondlichts, das Plätschern des Wassers, das Auffinden des Leichnams zwischen den Seerosen, die idyllischen Bauernhäuser. Dies alles kann in ähnlicher Vollkommenheit eben nur im Kino gezeigt werden, nicht aber im Theater.» (Der Kinemato­ graph, 8.11.1911) FAUST – EINE DEUTSCHE VOLKSSAGE

Die Vorlesung «Filmgeschichte 1: vom Kino der Attraktionen bis 1945» am Seminar für Filmwissenschaft (Universität Zürich) findet als öffentliche Veranstaltung im Filmpodium statt. Daniel Wiegand und Gäste behandeln von September bis Dezember jeweils am Donnerstagnachmittag Aspekte der Filmgeschichte aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: von den Anfängen im ausgehenden 19. Jahrhundert über wesentliche Stationen der Stummfilmzeit bis hin zum Übergang zum Tonfilm und zum klassischen Hollywoodkino. Die Vorträge werden ergänzt durch anschliessende Filmvorführungen.

Do 8.10. 16:15 Das «Kino der zweiten Epoche» und die Entwicklung des narrativen Spielfilms gefolgt vom Kino-Konzert DER FREMDE VOGEL Do 15.10. 16:15 Weimarer Kino 1: Expressionismus und Fantastik gefolgt vom Kino-Konzert FAUST – EINE DEUTSCHE VOLKSSAGE Do 22.10. 16:15 Sowjetisches Montagekino gefolgt vom Kino-Konzert DIE MUTTER Do 29.10. 16:15 Französischer Impressionismus gefolgt vom Kino-Konzert BRUMES D’AUTOMNE und LA GLACE À TROIS FACES Vorlesung von Dr. Jan Sahli

Do 5.11. 16:15 Weimarer Kino 2: Grossstadt und Gesellschaft gefolgt vom Kino-Konzert MUTTER KRAUSENS FAHRT INS GLÜCK Do 12.11. 16:15 Vom Stummfilm zum Tonfilm, gefolgt von EKSTASE

Eine Kooperation mit dem Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich.

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Alle Vorlesungen (90 Minuten, Eintritt frei) werden – sofern nicht anders angegeben – von Prof. Dr. Daniel Wiegand gehalten und durch anschliessende Filmprogramme (übliche Eintrittspreise) ergänzt.

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

FAUST – EINE DEUTSCHE VOLKSSAGE KINO-KONZERT Do 15.10. 18:30 Live-Musik: Uwe Zahn (Elektronik) Deutschland 1926, sw, 35 mm, Stummfilm mit d ­Zw ′ titeln, 107 ' REGIE Friedrich Wilhelm Murnau DREHBUCH Hans Kyser, nach Motiven aus der «Historia von Doktor Johann Fausten» sowie aus den Dramen von J. W. von Goethe, Christopher Marlowe KAMERA Carl ­H offmann MIT Gösta Ekman, Emil Jannings, Camilla Horn, Frida Richard, Wilhelm Dieterle, Yvette Guilbert.

«Von der Korrumpierbarkeit der menschlichen Seele überzeugt, schliesst der böse Geist Mephisto mit dem Erzengel Gabriel eine Wette ab, dass er Gott die Seele des alten Gelehrten Faust abringen werde. Ohnmächtig und verzweifelt muss Faust dem Sterben seiner von der Pest bedrohten Mitbürger zusehen und verschreibt sich dem Verführer Mephisto, der ihm zu Jugend, Reichtum und Macht verhilft. Im Gegenzug entsagt Faust Gott und seinen himmlischen Heerscharen, worauf er immer übermütiger wird und eine erst im Tod endende Abwärtsspirale ihren Lauf nimmt. In seiner Bearbeitung des FaustStoffes übernimmt Friedrich Wilhelm Murnau Elemente aus der ‹Historia von Doktor Johann Fausten› sowie aus Marlowes und Goethes Dramen und gibt der Geschichte eine neue, durchaus eigenwillige Wendung. Verstrickt in den metaphysischen Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Schatten gibt es nur ein Mittel für den Ausgang des Menschen aus dem religiösen Mittelalter in die helle Moderne: die Liebe.» (IOIC)

In Kooperation mit:

DIE MUTTER MAT KINO-KONZERT Do 22.10. 18:30 Live-Musik: André Desponds (Piano) UdSSR 1926, sw, DCP, Stummfilm mit russ. Zw ′ titeln/d, 73 ' REGIE Wsewolod Pudowkin DREHBUCH Nathan Sarchi, nach dem Roman von Maxim Gorki KAMERA Anatoli Golownja MIT Wera Baranowskaja, Nikolai Batalow, Aleksander W. Tschistjakow, Anna Semtsowa, Iwan Kowal-Samborski, N. Widonow, Wsewolod Pudowkin.

Verfilmung von Maxim Gorkis Erzählung, in der eine Mutter sich mit ihrem politisch kämpfenden Sohn und damit mit der revolutionären Arbeiterbewegung zu solidarisieren beginnt. Die Mutter gehört zu den Meisterwerken der Filmgeschichte und ermöglichte den internationalen Durchbruch des Regisseurs Wsewolod Pudowkin, der die «grosse Gegenfigur zu Eisenstein ist. Wie Eisenstein gab auch Pudowkin dem sozialen Pathos der Revolution einen Ausdruck, der wesentlich auf dem Stilmittel der Montage basierte. Aber Pudowkins Filme haben einen weicheren, lyrischeren Charakter als die Eisensteins; sie besitzen individualisierte Helden, das erzählerische Moment spielt in ihnen eine stärkere Rolle. Auch ist Pudowkins Anwendung der Montage verschieden von der Eisensteins: Montage ist bei Pudowkin nicht Ausdruck eines Konflikts, sondern einer Kontinuität.» (Deutsches Filminstitut, Mrz 2005) «Tatsächlich verdankte der Film nicht zuletzt dem meisterhaften Spiel Wera Baranowskajas in der Rolle der Mutter seine Wahrheit und Intensität.» (Ulrich Gregor / Enno Patalas: Geschichte des Films)

BRUMES D’AUTOMNE und LA GLACE À TROIS FACES KINO-KONZERT Do 29.10. 17:45 Live-Musik: IOKOI mit Mara ­M iccichè (Elektronik, Stimme) Als zentrale Stilrichtung der Stummfilmzeit prägte der oft so bezeichnete «Französische Impressionismus» das Kino der Folgezeit massiv. Mit Brumes d’automne und La glace à trois faces vereint unser Programm zwei herausragende Beispiele, von denen wichtige Impulse zur filmischen Inszenierung von subjektiven Stimmungen ausgingen. Während Kirsanoffs Kurzfilm Innenwelten seiner weiblichen Figur ganz ohne Handlung zum Ausdruck zu bringen vermag, bettet sie Epstein in eine verschachtelte Erzählstruktur ein, die nonchalant zwischen den Zeit- und Raumebenen wechselt. Drei Frauen sehnen sich nach demselben leichtfertigen Lebemann. Kann das gut gehen? (dw)

BRUMES D’AUTOMNE Frankreich 1927, sw, DCP, Stummfilm, 10 ' REGIE und DREHBUCH Dimitri Kirsanoff KAMERA Jean de Miéville MIT Nadia Sibirskaïa.

LA GLACE À TROIS FACES Frankreich 1927, sw, DCP, Stummfilm mit f Zw ′ titeln, 39 ' REGIE und DREHBUCH Jean Epstein, nach der gleichnamigen Novelle von Paul Morand aus dem Erzählband «L’Europe galante» KAMERA Marcel Eywinger MIT Jeanne Helbling, Suzy Pierson, Olga Day, René Ferté.

In Kooperation mit:


CLASSICS Restaurierungen und rare Filmkopien

MUTTER KRAUSENS FAHRT INS GLÜCK

DAYS AND NIGHTS IN THE FOREST ARANYER DIN RATRI Fr 25.9. 15:00 Sa 14.11. 18:15

Fr 16.10. 20:45

Indien 1970, sw, DCP, Bengali/e, 116 ' REGIE und DREHBUCH Satyajit Ray, nach dem Roman von Sunil Gangopadhyay KAMERA Purnendu Bose, Soumendu Roy MUSIK Satyajit Ray SCHNITT Dulal Dutta MIT Soumitra Chatterjee, Subhendu Chatterjee, Samit Bhanja, Robi Ghosh, Sharmila Tagore, Kaberi Bose, Simi Garewal. EKSTASE

MUTTER KRAUSENS FAHRT INS GLÜCK

EKSTASE

KINO-KONZERT Do 5.11. 18:00 Live-Musik: MURNAU’S HEAD mit Altin Asllani (Piano, Elektronik) , Stephen Thomas (Gitarre) , León Zehnder (Gitarre) , The Weathereye (Schlagzeug)

ČSSR/Österreich 1933, sw, DCP, D/e, 90 '

Deutschland 1929, sw, 35 mm, Stummfilm mit d Zw ′ titeln, 133 ' REGIE Phil Jutzi DREHBUCH Willy Döll, Jan Fethke KAMERA Phil Jutzi MIT Alexandra Schmitt, Holmes Zimmermann, Ilse Trautschold, Gerhard Bienert, Vera Sacharowa, Friedrich Gnass.

In einer Mietskaserne im Berliner Arbeiterviertel Wedding lebend, versucht Mutter Krause verzweifelt, das nötige Geld zum Überleben der Familie zusammenzubringen. Doch ihr Sohn Paul vertrinkt das wenige, das sie haben, und wird zudem noch in verbrecherische Aktivitäten hineingezogen. Tochter Erna lernt indessen den politisch engagierten Arbeiter Max kennen. Gibt es einen Ausweg aus der Misere? Als Hauptwerk des proletarischen Stummfilms der Weimarer Republik war Mutter Krausens Fahrt ins Glück der ambitionierte Versuch der linksgerichteten Prometheus Film unter Willi Münzenberg, einen Film mit revolutionärer Haltung für ein (auch) bürgerliches Massenpublikum zu drehen. Der Film versteht sich als authentische Milieustudie, ist zu grossen Teilen an Originalschauplätzen gedreht, verwendet dokumentarisches Material und beruft sich explizit auf die Arbeiten des Berliner «Milljöh»-Zeichners Heinrich Zille. (dw)

In Kooperation mit:

Do 12.11. 18:30 REGIE Gustav Machatý DREHBUCH Gustav Machatý, František Horký, nach einer Erzählung von Viteslav Nezval KAMERA Jan Stallich MUSIK Giuseppe Becce SCHNITT Antonín Zelenka MIT Hedwig Kiesler (= Hedy Lamarr), Zvonimir Rogoz, Aribert Mog, Leopold Kramer, Karel Mácha-Kuča, Jan Svitak, Jiřina Steimarová.

Eva ist eine Frau aus gutem Hause, die sich – nach einiger Unzufriedenheit in der Hochzeitsnacht – lieber auf den jungen Inge­nieur Adam einlässt, als sich weiter mit ihrem hölzernen Ehemann Emil abzugeben. Die Entscheidung hat Konsequenzen … Machatýs emanzipatorisches Drama gilt als Meilenstein der tschechischen Filmgeschichte. Als Teiltonfilm – ein typisches Produkt der Übergangszeit vom Stumm- zum Tonfilm – ist es an nur wenigen Stellen mit Dialogton und Geräuscheffekten versehen; grösstenteils wird noch ganz auf die visuelle Ausdruckskraft des Stummfilms gesetzt, bis hin zu einer «sozialistischen Apotheose» ganz am Ende, die an die Filme Eisensteins erinnert. Modern wirkt Ekstase auch gerade in der Inszenierung einer sexuell frustrierten und nach Autonomie strebenden Frauenfigur. Es war wohl vor allem dieser Aspekt, der zu zahlreichen Zensureingriffen bis in die 1950erJahre führte, mehr noch als die ungewöhnlich freizügigen Nacktauftritte des späteren Hollywoodstars Hedy Lamarr (damals noch Hedwig Kiesler). Die Prager Produktionsfirma Elektafilm drehte den Film parallel in drei Sprachen in Wien (tschechisch, deutsch, französisch). Wir zeigen eine neue Rekonstruktion der deutschen Sprachversion aus dem Filmarchiv Austria, die der ursprünglichen Intention des Films am nächsten kommt. (dw)

«Days and Nights in the Forest zählt zu den Meisterwerken von Satyajit Ray – und auch zu den Werken, die eine erneute Würdigung verdienen. Der Film ist ein erstaunliches, facettenreiches Porträt einer Generation junger indischer Männer, die sich danach sehnen, der

Tyrannei des Alltags zu entfliehen. Wir begleiten vier unverheiratete Freunde, die sich zu einem Urlaub in den Wäldern von Jharkhand aufmachen, in der Hoffnung, dort die Zügel lockern zu können und sich auszutoben. Doch als die vier auf die lokale Bevölkerung treffen, wird die Dynamik immer komplizierter – nicht zuletzt zwischen den Männern selbst. Mit einigen der facettenreichsten Charakterisierungen in Rays legendärem Œuvre erinnert Days and Nights in the Forest ein wenig an die zeitgenössischen Filme von John Cassavetes, doch Ray fügt dem psychodramatischen Geschehen tiefgreifende Elemente von Klasse und Geschlecht hinzu und schafft so ein Meisterwerk, das ganz und gar seine Handschrift trägt. (NY Film Festival, Okt 2025) Der Film wurde 2025 von The Film Foundation mit Unterstützung des Filmemachers Wes Anderson in 4K restauriert.

SÉLECTION LUMIÈRE Der Wunschfilm unseres Fördervereins

Einführung von Daniel Wiegand, 15'

AMERICA, AMERICA Mi 7.10. 18:30

So 8.11. 14:00

USA 1963, sw, 35 mm, E, 174 ' (mit Pause) REGIE und DREHBUCH Elia Kazan KAMERA Haskell Wexler MUSIK Manos Hatzidakis SCHNITT Dede Allen MIT Stathis Giallelis, Frank Wolff, Elena Karam, Lou Antonio, John Marley, Estelle Hemsley, Katharine Balfour, Robert H. Harris, Harry Davis, Joanna Frank, Linda Marsh, Salem Ludwig.

«Anatolien, kurz vor der vorletzten Jahrhundertwende. Der junge Stavros, Sohn eines kappadokischen Griechen, beobachtet mit wachsender Sorge die imperialistischen Freiheiten, die die Türken sich gegenüber den armenischen und griechischen Minderheiten herausnehmen. Als Stavros’ bester Freund, der Armenier Vartan, im Zuge eines Pogroms der Türken ermordet wird, ist Stavros endgültig klar: Befreiung von diesen Zuständen gibt es nur im fernen Amerika.» (Frank Stegemann)

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

«1963 kehrt Kazan zum Schwarzweiss des alten Kinos zurück, um sich in einem Atemzug als Märchenerzähler, Familienchronist und Historienschreiber zu betätigen. In America, America berichtet er die aus einem Patchwork von Geschichten gefügte Geschichte seines Onkels Stavros, als gelte es, im Einzelschicksal die Legende und in der Legende das Geschick aller Emigrant:innen sichtbar zu machen. Bevor Stavros Ellis Island erreicht, hat er seine Ideale verraten, sein Geld verloren, sich seine Heimat aus dem Herzen gerissen und wie Simplicissimus Blutbäder, Abenteuer, Wirren der Epoche und des Herzens durchirrt (…). America, America: ein Autorenfilm. Er beginnt mit den selbstbewussten Worten: ‹My name is Elia Kazan.›» (Harry Tomiczek, Öster­ reichisches Filmmuseum) Preserved by Warner Bros. in association with UCLA Film & Television Archive. Preservation funding provided by Warner Bros., the Hollywood Foreign Press Association, and The Film Foundation.

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PREMIERE Neues Kino – exklusiv im Filmpodium

CHRISTOPER PETIT UND EMMA MATTHEWS ZU GAST Mi 14.10. 18:15

D IS FOR DISTANCE Mi 14.10. 18:15 Di 3.11. 18:30

Di 20.10. 20:45

Finnland 2025, Farbe + sw, DCP, E/d*, 90 ' REGIE Christopher Petit, Emma Matthews DREHBUCH Christopher Petit KAMERA Jussi Eerola, Emma Matthews, Christopher Petit MUSIK Rio Harada-Parr SCHNITT Emma Matthews MIT Jodhi May.

«‹Über das Universum ist mehr bekannt als über das Gehirn.› Das fasst die Situation von Louis Petit zusammen. Er lebt mit einer schweren, komplexen Form von Epilepsie, die sein junges Leben erschüttert und seine Kindheitserinnerungen ausgelöscht hat. Louis’ Eltern, die Koregisseur:innen Christopher Petit und Emma Matthews (…) kämpfen jahrelang mit der unnachgiebigen Bürokratie des maroden britischen Gesundheitssystems. Doch dies ist nur eine Ebene des autobiografischen Essayfilms. Ein unrealisiertes Filmprojekt des Vaters über den Schriftsteller William S. Burroughs und den ehemaligen

Q&A mit Christopher Petit und Emma Matthews im Anschluss an D IS FOR DISTANCE. CIA-Chef James Angleton – beide suchtkrank, obsessiv und paranoid – öffnet den Raum, um die Verbindungen zwischen Für die Unterstützung danken wir: Technologie und Unterbewusstsein, Kapitalismus und der ‹inneren Realität› des Geistes zu untersuchen.Mit einer atemberaubend montierten Auswahl an Filmausschnitten, Louis’ Kunstwerken, Klangtexturen und Roadmovie-Reisen erforscht D Is for Distance gleichzeitig den Mikrokosmos persönlichen Leids und den Makrokosmos des gesellschaftlichen Zerfalls. Und trotz der niederschmetternden Ereignisse ist der Film ein Leuchtfeuer der Hoffnung.» (Adrian Martin)

CLASSICS Restaurierungen und rare Filmkopien – Christopher Petits Spielfilmdebüt und Kultklassiker

RADIO ON Do 22.10. 20:45

So 15.11. 20:00

GB/BRD 1979, sw, 35 mm, E/e*, 104 ' REGIE Christopher Petit DREHBUCH Christopher Petit, Heidi Adolph KAMERA Martin Schäfer SCHNITT Anthony Sloman MIT David Beames, Lisa Kreuzer, Sandy Ratcliff, Andrew Byatt, Sting.

«Christopher Petits Kultklassiker Radio On ist eines der bemerkenswertesten Spielfilmdebüts des britischen Kinos – eine eindringliche Mischung aus geheimnisvoller Krimigeschichte und existenziellem Roadmovie, gespickt mit gespenstischen Impressionen der englischen Landschaft und der erbarmungslosen Thatcher-Ära. In atemberaubenden Schwarzweissaufnahmen von Wim Wenders’ Kameraassistenten Martin Schäfer begleitet Radio On einen Londoner DJ, der ostwärts Richtung Bristol fährt, um den Tod seines Bruders zu ergründen – untermalt durch einen mitreissenden New-Wave-Soundtrack von David Bowie, Kraftwerk, Lene Lovich, Ian Dury, Robert Fripp und Devo und mit einem frühen Filmauftritt von Sting.» (The Belcourt)

«Mich interessierten Figuren, Beziehungen und Klasse – all die üblichen Themen des englischen Kinos – viel weniger als das Wetter, Landschaften und Soundtracks oder die Tatsache, dass Auto fahren und Kino beides Formen der Vorwärtsbewegung sind. Es war die Ära der tragbaren Kassette, mit der man erstmals eigene Soundtracks erstellen und während der Fahrt abspielen konnte: die Windschutzscheibe als Kino.» (Christopher Petit, im Inter­ view mit dem BFI)

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FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV


WEM GEHÖREN DIE BILDER? Filmerbe und Restitution Was bedeuten die Enteignung und die Migration eines unter kolonialen Bedingungen entstandenen Filmerbes? Welche Modelle einer kritischen Wiederaneignung bieten sich an und welche Formen der Kooperation zwischen Archiven? Der Filmwissenschaftler und ­Kurator Nikolaus Perneczky zeigt anhand von zwei Filmen, wie Fragen der Restitution und der ­Reparation auch Bewegtbilder in Archiven betreffen.

WEM GEHÖREN DIE BILDER? Di 10.11. 18:30 Einführung von Filmwissenschaftler und Kurator Nikolaus Perneczky und anschlies­s endes Gespräch, moderiert von Philip Widmann (UZH), auf Englisch

THE FLOWERS STAND SILENTLY, WITNESSING GB 2024, Farbe, Digital HD, E+Arab/e, 17 ' REGIE, DREHBUCH und SCHNITT Theo Panagopoulos MUSIK Alexandra Katerinopoulou.

Der griechisch-libanesisch-palästinensische Filmemacher Theo Panagopoulos stösst im audiovisuellen Archiv der schottischen Nationalbibliothek auf eine Sammlung von Bewegtbildern aus der britischen Mandatszeit. Fragmente aus dem Korpus setzen sich zu einer Befragung dieser fremdbestimmten Bilder aus einer Zeit zusammen, aus der sonst kaum filmische Zeugnisse palästinensischen Lebens erhalten sind. Für den Zugang zu diesem Material musste Panagopoulos jedoch zahlen. The Flowers Stand Silently, Witnessing ist deshalb auch eine Dekonstruktion der ungleichen Besitzverhältnisse, die einen palästinensischen Filmemacher dazu zwingen, Archivbilder seines Heimatortes von einem imperialen Archiv zurückzukaufen.

Der Abend ist Teil der interuniversitären Doktoratskooperation «Visuelle Dispositive: Kino, Photographie und andere Medien» (Universität Zürich / Université de Lausanne). Am 11. November findet an der UZH ein Doktoratsworkshop mit Nikolaus Perneczky statt.

THE DISLOCATION OF AMBER Sudan 1975, Farbe, Digital HD, Arab/e, 32 ' REGIE und DREHBUCH Hussein Shariffe KAMERA Abdel Moneim Adawi SCHNITT Alan Ballard.

Norden und Süden, die für «Restitution» und «Reparation» steht. Doch was bedeuten diese Begriffe in der Praxis der Filmrestaurierung und im audiovisuellen Archivwesen?

Hussein Shariffes experimenteller Film ist eine eindringliche Meditation über Erinnerung und historisches Trauma, verdichtet in der Ruinenstadt Suakin. Einst blühender Knotenpunkt am Roten Meer, erscheint die Stadt hier als gespenstischer Raum aus bröckelnden Korallenmauern und leeren Gassen, heimgesucht von einer langen und oft gewaltförmigen Vergangenheit. Die aktuelle Restaurierung des Films erzählt ihrerseits die Geschichte einer internationalen Archivkooperation zwischen Partnern im geopolitischen

FAMILIENFILM Vergnügen für Gross und Klein

WORKSHOP FÜR KINDER DER ZAUBERER VON OZ Sa 24.10. 15:00

Sa 14.11. 15:00

USA 1939, Farbe, DCP, D (Synchronfassung), 102 ' , 6 (8) REGIE Victor Fleming DREHBUCH Noel Langley, Florence Ryerson, Edgar Allen Woolf, nach dem Kinderbuch von Lyman Frank Baum KAMERA Harold Rosson MUSIK Herbert Stothart, Harold Arlen SCHNITT Blanche Sewell MIT Judy Garland, Frank Morgan, Ray Bolger, Jack Haley, Bert Lahr, Billie Burke, Margaret Hamilton, Clara Blandick, Charley Grapewin.

«Dieser unvergessliche Klassiker erzählt die abenteuerliche Geschichte der kleinen Dorothy aus Kansas, die von einem Wirbelsturm in das Zauberland Oz hinter dem Regenbogen getragen wird. Um von dort wieder nach Hause zurückzukommen, muss sie erst den Zauberer von Oz finden und eine böse Hexe besiegen. Das ist gar nicht so einfach. Auf ihrer gefahrvollen Reise stehen ihr eine gute Hexe, eine Vogelscheuche aus Stroh, ein Blechholzfäller und ein ängstlicher Löwe zur Seite.» (hanisauland.de)

FILMPODIUM 6 25. SEP — 15. NOV

24.10. und 14.11. ca. 30 ' , Eintritt frei, ohne Voranmeldung Leitung: Stefanie Schlüter, Filmvermittlerin

Im Anschluss an die beiden Vorstel­ lungen bietet das Filmpodium einen Film-Workshop für K ­ inder an. Die Kinder werden auf eine Entdeckungsreise durch die Welt der Filmsprache mitge­ nommen und an einzelne Szenen und Themen des Films herangeführt.

«Irgendetwas vermissen wir immer. Aber haben wir manchmal nicht schon alles – und wissen es nur nicht? So lernt auch Dorothy auf ihrem Ausflug nach Oz, dass es eigentlich keinen schöneren Ort als zu Hause gibt. Und ihre neuen Freunde bemerken, dass sie schon viel mehr Herz, Verstand und Mut hatten, als sie dachten. Der Film von 1939 erzählt diese Geschichte als wunderbares Märchen mit zahlreichen Liedern.» (kinderfilmwelt.de)

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IMPRESSUM

VORSCHAU 7

16. NOV — 31. DEZ 2026

Adok Films, Carouge; Annapurna Pictures, Los Angeles; Ascot Elite Entertainment Group, Zürich; British Film Institute, London; La Cinémathèque française – Musée du cinéma, Paris; Detour Filmproduction, Austin; DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Wiesbaden; Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin; Filmarchiv Austria, Wien; Filmcoopi, Zürich; Film Heritage Foundation, Mumbai; Frenetic Films, Zürich; Gaumont, Neuilly sur Seine; GDH 559, Bangkok; Goodfellas, Paris; Independent Film Company, New York; Jupiter Films, Espeluche; Kinemathek Le Bon Film, Basel; Les Amis de la Cinémathèque suisse, Lausanne; MK2, Paris; Norwegian Film Distribution, Oslo; Österreichisches Filmmuseum, Wien; Park Circus, Glasgow; Pathé Distribution, Paris; Plaion Pictures, Planegg / München; Sony Pictures Releasing Switzerland, Zürich; Studiocanal, Berlin; Elokuvayhtiö Testifilmi Oy; trigon-film, Ennetbaden; UCLA Film & Television Archive, Santa Clarita; Vega Film, Zürich.

L’ASCENSEUR POUR L’ L’ ÉCHAFAUD

JAZZ ON FILM MAMORU HOSODA

BILDNACHWEIS Cover: DAZED AND CONFUSED, Richard Linklater Backcover: IF...., Lindsay Anderson S. 7: Richard Linklater mit den Kameramännern Lee Daniel und Bill Daniel, © Austin Film Society S. 9: Richard Linklater bei den Dreharbeiten zu DAZED AND CONFUSED (1992), vanityfair.com S. 17: Anja Breien in Oslo (1974); bei den Dreharbeiten zu WIVES (1975); Fotocredit: Aage Storløkken S. 18: RAPE, © Malavida S. 23: THE WITCH HUNT, © Malavida S. 26: ALOÏSE, © 1975 UNITE TROIS – TF1 STUDIO S. 34: D FOR DISTANCE, Fotocredit: Jussi Eerola FILMTEXTE: Lorenzo Berardelli (lb), Till Brockmann (tb), Lee Fischer (lf), Daniel Wiegand (dw) DATABASE PUBLISHING BitBee Solutions GmbH, Zürich GESTALTUNG UND ART DIRECTION ­E lektrosmog, Zürich, Marco ­Walser, Marina Brugger, Natalie Rickert BEWEGTBILDER SCHNITT Mia Born KORREKTORAT Nina Haueter, Daliah Kohn, Dominik Süess DRUCK ­Vogt-Schild Druck AG  AUFLAGE 5000 Ex.

RED & BLACK – HOLLYWOOD LEFT AND THE BLACKLIST

Das Filmpodium ist ein Angebot des PRÄSIDIAL­ DEPARTEMENTS in Zusammenarbeit mit der ­C inémathèque suisse, Lausanne/Zürich LEITUNG Nicole Reinhard (nr) STV. LEITUNG ­H annes Brühwiler (hb) KOMMUNIKATION & MARKETING Lorenzo Berardelli (lb) REDAKTION Till Brockmann (tb) ­H OCHSCHULPRAKTIKUM Laura Thürig (lt) OFFICE MANAGEMENT Laura Wehrli (lw) BÜRO Postfach, 8022 Zürich +41 44 412 31 28 info@filmpodium.ch KINO Nüschelerstr. 11, 8001 Zürich +41 44 415 33 66 www.filmpodium.ch

ABONNEMENTE & VERGÜNSTIGUNGEN*

• Filmpodium-Generalabonnement: CHF 400.—

(freier Eintritt zu allen ­Vorstellungen; inkl. Abo Programmheft) • Filmpodium-Halbtaxabonnement: CHF 80.— (halber Eintrittspreis bei allen Vorstellungen; inkl. Abo Programmheft) • Programm-Pass: CHF 60.— (freier Eintritt zu allen ­Vorstellungen einer ­P rogrammperiode) • Abonnement Programmzeitung: CHF 20.— Anmeldung an der Kinokasse, +41 44 412 31 28 info@filmpodium.ch *Informationen zu Preisen und Ticketing für die Retro­ spektiven RICHARD LINKLATER und CINEMA SEEN THROUGH THE EYES OF ... RICHARD LINKLATER während des ZFF (24. 9. – 4. 10. 2026) finden Sie zeitnah auf unserer Website.

Drucksache myclimate.org/01-26-369495

Für die Produktion der Programmzeitung wurde Schweizer Recyclingpapier verwendet.

Okt/Nov

04.10.

06.10.

Christian McBride

BaBa ZuLa 15.10.

Jasmine Myra

EKR Nubiyan T True Love wist s Gregory NNAVY Hutchinson 30.10.

17.10.

Divahana

03.11.

xenix.ch | The History of Sound (2025)

Co Streiff Russ John– Quartet son

31.10.

Niculi QuartentJanett

16.11.

07.11.

15.11.

20.11.

21.11.

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13.10.

PAUL MESCAL

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12.11.

Bobby Spa

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UNE AFFAIRE DES FEMMES   ISABELLE HUPPERT


BEFORE SUNRISE   RICHARD LINKLATER


WIVES – TEN YEARS AFTER   ANJA BREIEN


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