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DIALOG

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dialog.

dialog.5/24

Architektur Lifestyle

Kunst Kultur Design

Inhalt

Editorial

Carlo Gruber, Inhaber Feldmann-Immobilien AG

04 Mit Pragmatismus zu einer innovativen und nachhaltigen Architektur

Peter Frei, Mitinhaber FREI Architekten, Aarau

08 Architektur als Beitrag zu einer positiven Wertehaltung und zu einem Miteinander

Luca Deon, Inhaber DEON Architekten, Luzern

12 Immobilienentwicklung im Wandel

Carlo Gruber, Firmeninhaber Feldmann-Immobilien AG

16 Engagement für eine belebte Rheinfelder Altstadt

Corinne Caracuta, City Managerin, Rheinfelden (AG)

20 Die Faszination von Grossbäumen

Andreas Bernauer, Projektleiter BMB Group, Hünenberg

24 Herr des guten Geschmacks

Richard Kägi, Foodscout und Koch aus Zürich

28 Brückenbauer zwischen China und der Schweiz

Karin Seiz, Galerie Urs Meile, Luzern

32 Von der Kunst des Upcyclings

Martin Gut, Künstler und Macher aus Luzern

36 Für eine künstlerische Aktivität der Spontaneität

Steph Hermes, Künstler aus Rheinfelden (AG)

40 Mann der ersten Stunde

Georg Bak, Experte und Kurator für digitale Kunst aus Zug

44 Ein Leben ohne Angst zu leben, das ist der wahre Luxus!

Walo Ilg, Schriftsteller und Anwalt aus Bern

48 Das Gefühl der Leidenschaft für das, was man macht

Permi Jhooti, Ex-Fussballprofi, Wissenschaftlerin und Künstlerin aus Basel

52 Japanischer Lifestyle

Michèle Heer, Geschäftsführerin hômu – Japanisch Wohnen, Basel

56 Wohn(t)räume zum Wohlfühlen

Stefanie Klebs, Geschäftsführerin SKconcepts Inneneinrichtung, Rheinfelden (AG)

Der neue Dialog ist da! Bunter, attraktiver und fesselnder als je zuvor.

Weil ein vielseitiger Dialog wichtig ist, haben wir uns geöffnet und den Horizont erweitert. Wir stellen Ihnen dabei dynamische Persönlichkeiten jeglicher Couleur und ihre Geschichten vor.

So zum Beispiel die weltbekannte Galerie Urs Meile aus Luzern, die als Brückenbauer zwischen der Schweiz und China fungiert.

In Zürich haben wir Richard Kägi , den ehemaligen Foodscout von Globus getroffen und etwas über seine Begegnung mit Obelix erfahren.

Am Dreiländereck in Basel hat uns die MultimediaKünstlerin und frühere Profi-Fussballerin Permi Jhooti , welche als Inspiration für den erfolgreichen Film «Bend It Like Beckham» diente, etwas über Sport und Kultur erzählt.

So manifestiert sich der Dialog als ein Magazin, das gleichermassen aktuell wie zeitlos ist und das man immer wieder gerne zur Hand nimmt.

Gruber,

Mit Pragmatismus zu einer innovativen und nachhaltigen Architektur

Peter Frei führt mit seinem Bruder Christian seit fast 50 Jahren das Architekturbüro Frei Architekten in Aarau. Beide haben mit einem Jahr Abstand das Diplom an der ETH in Zürich gemacht. Bereits ihr Vater war Architekt und die beiden Brüder sind von klein auf damit aufgewachsen – alles, was mit Bauen zu tun hatte, löste bei ihnen helle Begeisterung aus. Am Studium gefiel Peter Frei besonders die Beschäftigung mit Fragen rund um das Verständnis von Raum und der Konzeption von Städten, sowie die Ideen auf Papier bringen zu können. Inspiriert wurde er von der Tessiner Architektur, beispielsweise von Luigi Stozzi bis hin zu Mario Botta und der historischen Dimension von Architektur, also der Permanenz einer Stadt. Für ihn ist es heute selbstverständlich, dass er immer genau beobachtet, welche neuen Ansätze in der Architektur umgesetzt werden. Sein Bruder und ihn interessieren dabei stets der Kontext sowie konzeptionelle und strukturelle Fragestellungen. Als «Gleichgesinnte» könnten hierbei Diener & Diener, John Caminada oder E2A Architekten aufgeführt werden, denn auch sie interessieren sich nicht für «postmoderne Spielereien», bei welchen beispielsweise ein Mehrfamilienhaus mit 50 Einheiten jeweils 50 verschiedene Grundrisse aufweist.

Frei Architekten hat zahlreiche Projekte in Aarau und in der Umgebung realisiert. So haben sie zum Beispiel in der Nähe des Bahnhofs, wo auch ihr Büro liegt, ein Gebäude realisiert, das einer langen schwarzen «Banane» gleicht und eine Klinkerfassade aufweist. Zudem haben sie von der Stadt Aarau auch schon den Baupreis erhalten. Mit der hiesigen Stadtbildkommission arbeiten sie auf Augenhöhe und dialogisch, was immer zu für beide Parteien stimmigen Ergebnissen führt. Waren sie vielleicht früher mal die Lokalmatadoren, so sehen sie sich heute selbst eher als Alte Garde und jüngere Büros, wie Schneider & Schneider stehen im Rampenlicht.

Ein weiteres spannendes Bauprojekt durften sie in Muri realisieren. Peter Frei befand sich in der Jury für den Standortwettbewerb des LUWA-Areals, das einer Lüftungsfirma gehörte und worauf sich industrielle Produktionshallen befanden. Aus dem Wettbewerb resultierte ein prototypisches Projekt, das nicht realisiert werden konnte. Im Anschluss darauf erhielt er von Feldmann-Immobilien ein Direktmandat zur Neugestaltung des ehemaligen Industrieareals.

In den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche Industrieareale umfunktioniert worden, dies weil Betriebe eingegangen sind oder aber die Produktion ins Ausland verlegt wurde. Das Wachstum der Städte und Dörfer hat

zudem zur Umnutzung ehemaliger Industriezonen geführt. Frei sieht in diesen Neugestaltungen grosse Herausforderungen, da vielfach Wohnsiedlungen entstehen, die jedoch keine gemischte Nutzung mit Gewerbe und Dienstleistungen vorsehen, was wiederum zu «toten, unnatürlichen» Orten beiträgt. Wohnen und Arbeiten sollten laut Meinung des Architekten näher beieinander liegen. Gemischte Nutzungen würden zu einer Belebung der neu geschaffenen Quartiere beitragen.

Es obliegt nicht nur der Architekturbranche Vorschläge für lebendige Städte oder Quartiere zu erarbeiten, es liegt an jeder und jedem sich hierzu Gedanken zu machen und sich auch proaktiv einzubringen. Für Frei könnte ein Ansatzpunkt sein, Wohnateliers oder handwerkliche Flächen zu einem attraktiven Mietzins anzubieten, um hierdurch eine Vielfalt der genutzten Flächen zu fördern. Eine weitere Herausforderung ist die steigende Anzahl benötigter Quadratmeter pro Person bzw. auch die zunehmende Diversifizierung unserer Gesellschaft mit gänzlich unterschiedlichen Lebensformen, in welcher möglichst jede:r, auch wenn in einer Partnerschaft lebend, eine eigene Wohnung für sich beansprucht.

Bereits im Mittelalter wurde laut Peter Frei ein verdichtetes Wohnen gelebt, was jedoch im Vergleich zu heute jedoch eben stets gemischt war. Heutzutage besteht aus seiner Sicht zu dieser Thematik ein grosser Handlungsbedarf, der sehr komplex ist, aber für eine Lebendigkeit von Quartieren und Orten unabdingbar ist. Wie in allen Bereichen, so bleibt auch die Architektur von Hypes nicht verschont. Derzeit gibt es weltweit ein Eifern nach Hochhausbauten in Holz und auch Frei Architekten erhalten von Bauherren diesbezüglich immer wieder Anfragen. Doch bei solchen Bauvorhaben macht sich schnell ein Schock in der Komplexität breit, denn es handelt sich um einen enormen technischen Aufwand, der auch unter CO2Gesichtspunkten nicht immer nachvollziehbar ist. Frei Architekten richten ihren Blick ganz ihrer Mission entsprechend anderen, pragmatischen Fragestellungen zu und erörtern beispielsweise im Sinne eines ökologischen Ansatzes, wie man Betondecken dünner gestalten kann. Derzeit sind sie an einem Projekt, das eine Dicke von lediglich 22 cm zu herkömmlicherweise 28 cm vorsieht und dies schlicht durch eine geänderte Anordnung der Zulufleitungen, welche üblicherweise für die gängige Dicke der Betondecke verantwortlich sind.

LUWA Areal 2020 Frei Architekten AG, Aarau, Boldt Architekten, Emmenbrücke (Halle5), Feldmann-Immobilien AG, Muri (AG)
«Inspiration oder die besten Ideen kommen nie im Sitzungszimmer. Sie kommen an Orten der Ruhe oder indem man kreative Pausen einbaut.»

Architektur als Beitrag zu einer positiven Wertehaltung und zu einem Miteinander

In Luca Deons Architekturbüro ragt prominent eine Darstellung der berühmten Welle von Hokusai. Dieses Mitbringsel hat Deon nach einem 3-monatigen Aufenthalt in Japan, der ihn sehr inspiriert hat, mitgenommen. An der Hochschule Luzern, an der er als Professor tätig ist, haben Mitarbeitende die Möglichkeit, längere Auszeiten zu nehmen.

Nach vielen Jahren konnte sich Luca Deon persönlich durchringen, auch eine solche kreative «Pause» einzulegen und hat sich entschlossen, eine längere Zeit in Japan zu verbringen. Dort konnte er zwei Wettbewerbe machen und eng mit dem Architekten Riken Yamamoto zusammenarbeiten. Während dieser Zeit hat er auch rund zehn Tempel in Kyoto besichtigt, deren Architektur ihn sehr fasziniert hat. Die japanische Bauweise verwendet sehr oft Holz als Material, welches nicht mit Schrauben oder Leim zusammengehalten wird, sondern mittels Einsatzes von Keilen. Diese japanische Perfektion hat Deon nachhaltig beeinflusst und so erstaunt es wenig, dass sein Büro derzeit an einem Hochhaus-Projekt aus Holz in Sursee arbeitet. Das 50 Meter hohe Gebäude ist auch das erste seiner Art in der Schweiz. Im Gegensatz zu den Europäern, die versuchen den Naturgewalten zu trotzen, lassen sich die Japaner – analog zu den Wogen der Darstellung von Hokusai –auf die Gegebenheiten ein und suchen einen möglichst guten Umgang damit. Bei den zahlreichen Erdbeben in Japan bewegen sich beispielsweise die Tempel aus Holz mit den Schwingungen mit. Nach den Beben werden dann jeweils die Verbindungen mit Keilen ausgebessert.

Ein weiteres Projekt, das Deon derzeit sehr am Herzen liegt, ist eine Baustelle im Luzernischen Litauen, wo rund 180 erschwingliche Wohnungen entstehen werden. Dies zeigt das Interesse des Architekten nachhaltig mit finanziellen Mitteln umzugehen und Bauten zu verwirklichen, die es den Menschen ermöglichen, auch ohne grosses Portemonnaie stadtnah zu leben. Auch bei kostspieligen Projekten stehen für Luca Deon die Menschen immer im Mittelpunkt. Feldmann-Immobilien hatte ihn vor zwei Jahren für einen Studienauftrag für das Dorfzentrum in Weggis beauftragt, den er kurz danach abgelehnt hatte,

da er das Top-Down-Verfahren als wenig erfolgsversprechend erachtete. Stattdessen hat er Feldmann-Immobilien für die Realisierung ihres Vorhabens ein begleitendes Verfahren vorgeschlagen, weil er die vielfältigen Anspruchshaltungen auf den Seeblick in Weggis wahrnahm. Ihm war bewusst, dass man an diesem Ort mit einem Wettbewerb das Ziel niemals erreichen würde. Vielmehr ist ein dialogisches Vorgehen, in welchem sämtliche Parteien von Beginn an abgeholt werden, in welchem die Bedürfnisse und Ängste der Menschen ernst genommen werden, die einzige Möglichkeit ein solches Projekt nachhaltig umzusetzen.

Dieser empathische Umgang mit Menschen widerspiegeln auch die Bauten der Deon Architekten sowie ihre täglich gelebten Werte: Dankbarkeit, Respekt gegenüber Menschen und Grundstücken sowie die Liebe zum Menschen bilden die Grundlage ihrer inneren und äusseren Haltung. In seinem hektischen Arbeitsalltag, in welchem eine Sitzung die nächste jagt, versucht Deon sich immer wieder zu erden und durchzuatmen. Seinen Alltag beginnt er mit dem Lesen von positiven Zitaten auf einer App, die ihn Dankbarkeit erleben lassen. Da er in Sitzungen den Moment, in welchem man an einen Punkt gelangt, an dem man nicht weiterweiss und Lösungen in unerreichbarer Ferne zu sein scheinen, nur zu gut kennt, hat er begonnen kreative Pausen einzulegen. Erst wenn man selbst und die Sitzungsteilnehmenden zur Ruhe kommen, können wirklich gute Ideen oder Lösungsansätze entstehen. Oftmals geht er mit seinen Gesprächspartnern raus an die frische Luft mit einem kleinen Picknick. Hierbei entstehen vielfach gänzlich andere Situationen: die Teilnehmenden machen «Duzis» oder ziehen ihre Krawatte ab und stecken sie in die Jackentasche. Auch der Vierwaldstättersee, die Reuss oder die Bergkette bieten Luca Deon Inspiration, weshalb er jeden morgen mit seinem Fahrrad einen Umweg fährt, um den See und die Berge zu sehen. Für seine zukünftigen Projekte möchte er vor allem einen Beitrag an die Gesellschaft leisten, um diese mittels Architektur positiv in ihrer Wertehaltung zu verändern und dadurch die Gemeinschaft, also das Miteinander, in den Mittelpunkt zu stellen.

Hürtimatt/Weggis geplant 2025, Feldmann-Immobilien AG,

Projekt
Muri (AG) und DEON Architekten Luzern, (Visualisierung)

Immobilienentwicklung im Wandel

Carlo Gruber hat eine angenehme und einnehmende Ausstrahlung: Seine warme Stimme und der wache Blick, der hinter seiner markanten Brille hervorschimmert, verleihen ihm eine besondere Präsenz. Er wirkt offen, zugänglich und stets positiv, zieht es jedoch vor, abseits des Rampenlichts zu agieren, während er andere in den Vordergrund treten lässt.

Trotz seiner Zurückhaltung ist Carlo Gruber eine entscheidende Kraft in der Baubranche. Seine langjährige Erfahrung und sein Gespür für reibungslose Abläufe spiegeln sich deutlich in Projekten wie dem kürzlich abgeschlossenen Feldmann-Projekt «Arnihouse» wider. Dieses Projekt nutzten wir als Gelegenheit, um mit ihm über die Herausforderungen und den Ablauf von Bauprojekten zu sprechen – vom ersten Spatenstich bis zur Schlüsselübergabe. Ein Prozess, der oft zeitaufwändig sein kann.

Im Fall von «Arnihouse» verlief alles recht zügig, da das Projekt in seiner geplanten Form übernommen wurde. Der Bau dauerte 1½ Jahre, die Planungsphase ein weiteres Jahr, sodass das gesamte Projekt in 2½ Jahren abgeschlossen werden konnte.

Beginnt man jedoch ein Projekt auf der berühmten «grünen Wiese», ist deutlich mehr Geduld gefragt –besonders im Vergleich zu vor zehn Jahren. «Früher konnte man nach der Eingabe innerhalb von drei bis vier Monaten eine Baubewilligung erwarten. Heute dauert es oft ein Jahr oder länger, da sowohl kommunale als auch kantonale Prozesse deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen», erklärt Gruber. Dazu kommen oft Einsprüche, die den Zeitrahmen erheblich verlängern können. «Bei neuen Projekten sind vier bis sechs Jahre nicht ungewöhnlich», fügt er hinzu. Er erinnert sich an ein Mehrfamilienhaus-Projekt in Wohlen, das durch einen Einsprecher um ganze sechs Jahre verzögert wurde, bevor es endlich genehmigt werden konnte.

Nicht nur auf ein Pferd setzen

Warum ist es heute eigentlich mühsamer geworden? Die Komplexität und Regulatorien haben zugenommen, immer mehr Einschränkungen pflastern den Weg – aktuell die Revision der BNO (Baunutzungsordnung). Das verkompliziert die Sache. Themen wie Gewässer- und Waldschutz kommen dazu und machen alles sehr träge.

Das Ganze mache zwar immer noch Spass, meint Gruber, man müsse einfach Geduld und Zeit haben und sich bewusst sein, dass es ein langer Weg ist.

Das Kapital ist dementsprechend länger blockiert und es stellt sich die Frage, wie man solche Projekte in Zukunft plant. Flexibilität heisst das Zauberwort. Bei Feldmann laufen deshalb immer 15 bis 20 Projekte parallel. Gruber vergleicht diese Prozesse mit einem Pferderennen: «Irgendein Pferd kommt als erstes ins Ziel. Dann folgt das zweite und dritte und dann gibt es halt solche, die viel später eintrudeln. Die Pferde, die das Ziel erreicht haben, werden sofort durch neue ersetzt, sodass ständig frische Pferde am Start stehen. Aus finanzieller Sicht ist dieses Vorgehen äusserst sensibel und erfordert eine sorgfältige und vorausschauende Planung.»

Das Unternehmen Feldmann wurde 1985 von Peter Feldmann gegründet und begann zunächst als Maklerbetrieb. Mit der Zeit erweiterte sich das Geschäftsfeld um die Bereiche Projektentwicklung und Bau. Carlo Gruber kam 1997 als Entwickler dazu. Unter seiner Mitwirkung wuchs das Unternehmen stetig, und die ersten Projekte erwiesen sich als erfolgreich. Gruber fand grossen Gefallen an seiner Rolle, da sie verschiedene Disziplinen wie Architektur, Design, Wirtschaft, Behördenangelegenheiten, Marketing und Verkauf vereinte. Irgendwann rückte dann auch das Thema der Nachfolgeregelung in den Fokus – und letztlich ging dieser Prozess viel schneller voran als ursprünglich geplant.

Das erste Projekt, welches Gruber mitentwickelte, war Gleis 61 in Muri, direkt am Kreisel. In Muri gibt es gleich mehrere Feldmann-Projekte. Neben Gleis 61 noch das Perron West und Nordstern. Diese wurden hintereinander gebaut und so entstand ein ganzes Areal, zusammengesetzt aus den einzelnen Projekten. Und dann natürlich das LUWA-Areal. Ein richtig grosses Ding mit einem Anlagevolumen von 108 Millionen Franken und einer Entwicklungszeit von zehn Jahren.

Gruber ergänzt: «Man kann sagen, dass der untere Teil von Muri durch Feldmann geprägt wurde. Wir waren auch mal mit zwei Mitbewerbern am Bahnhofsareal dran, ein gewaltiges Projekt mit viel Hin und Her. Irgendwann bekamen wir dann die Rückmeldung der Gemeinde, dass wir den Zuschlag nicht bekommen, da wir schon genug in Muri machen würden – sie wollten uns dann nicht mehr» (Gruber lacht).

Offen für Neues

Zu Beginn war das Freiamt das Hauptgebiet der Firma Feldmann. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg expandierte das Unternehmen in den Aargau und baute zahlreiche Mietwohnungen und Gewerbeobjekte. Als im Aargau eine Zeit mit hohem Leerstand herrschte und das Interesse der Investoren sank, erweiterte Feldmann das Tätigkeitsfeld auf die Kantone Zug, Schwyz, Zürich, Luzern und Nidwalden. Deshalb wurde der Kreis erweitert.

Früher baute Feldmann in Randgebieten, heute zunehmend an zentralen, gut erschlossenen Lagen. Der Zugang zu solchen Grundstücken erfolgt über ein starkes Netzwerk, erklärt Gruber. Informationen kommen über Kontakte, Mitarbeitende, Makler und Vermittler, und die Entwicklungsabteilung prüft dann die Vorschläge.

«Wir trafen jemanden, der im Bereich Villenbau tätig war, und so begannen wir mit der Entwicklung von Villen. Dies war eine strategische Entscheidung, um einen neuen Markt zu erschliessen und unser Angebot zu diversifizieren. Es ist oft so, dass ein Produkt zu einer bestimmten Zeit gut funktioniert und dann an Attraktivität verliert. Zum Beispiel sind Anlageobjekte aktuell schwer zu vermarkten, da die Kosten und Zinserwartungen stark gestiegen sind und Grundstücke in guten Lagen teuer geworden sind. Hingegen läuft das Stockwerkeigentum und das Premiumsegment weiterhin gut, weshalb wir uns darauf konzentrieren. Allerdings bringt dieses Segment eigene Herausforderungen mit sich: Verkäufe dauern aufgrund der hohen Preisklasse länger und erfordern mehr Geduld. Wir sehen dieses Feld daher als eine Nische an, die besondere Überlegungen erfordert.»

Gefragt nach den Projekten, welche ihm besonders in Erinnerung geblieben sind, erwähnt Gruber zwei ganz unterschiedliche: «Sicherlich ist eines davon das LUWA-Areal in Muri, ein grosser Meilenstein für Feldmann. Das Risiko war hoch, es hat Mut gebraucht, es ist gut rausgekommen, da bin ich schon stolz drauf.

Ein anderes Objekt ist Goldwand in Ennetbaden. Das hängt in einem Weinberg. Es war hochkomplex zu bauen, fast unmöglich zu realisieren, richtig spektakulär. Das sind so zwei Projekte, die eine grosse Wichtigkeit für mich haben. Oder auch das Dreifamilienhaus in Sedrun, wo alle Bewohner Freunde wurden und glücklich sind. Es sind die Geschichten hinter den Projekten, die es ausmachen, die Menschen, die glücklich sind und nicht einfach das Produkt, welches gut aussieht».

Gruber erklärt: «Ich bin ein Mensch, der Harmonie schätzt und gerne andere glücklich macht, auch wenn ich weiss, dass das nicht immer möglich ist. Besonders Freude bereitet es mir, wenn ein Projekt jemandem ein Zuhause schenkt, in dem er sich wohlfühlt.

Ebenso wichtig ist mir, dass meine Mitarbeitenden zufrieden sind – das ist ein zentraler Aspekt in meinem Leben. Natürlich läuft nicht immer alles reibungslos, und Konflikte belasten mich. Ich versuche, solche Situationen zu vermeiden, aber letztlich ist man auch nur ein Mensch.» Wie schaltet jemand wie Gruber ab? «Die Abwechslung macht es», sagt er. Er geniesst den Kontrast zwischen dem Stadtleben und den Bergen, spielt Tennis, liest viel, kocht gerne und besucht Museen. Seine Liebe zur Kultur war sicherlich auch ein Antrieb für Feldmanns zusätzliches Projekt, die Plattform Feldmann Kultur.

Die kam sozusagen aus dem Nichts, aus einer Diskussion heraus. «Mit guten Freunden tauschten wir uns immer über Themen wie Kunst und Literatur aus. Bis wir entschieden, etwas in diese Richtung zu machen. Ich liebe Bilder, man fängt an zu sammeln, kommt in Kontakt mit Gleichgesinnten und beginnt ein Feld zu entwickeln, um mit Menschen in Verbindung zu kommen, denen man auch die Immobilienwelt näherbringen kann. Feldmann Kultur ist sozusagen der Verbindungskanal für verschiedene Menschen mit gemeinsamen Interessen». Und so kommt es, dass Feldmann ein Immobilienentwickler mit kulturellem Kick ist. Weil das Leben viele Geschichten erzählt.

Engagement für eine belebte Rheinfelder Altstadt

Corinne Caracuta, City Managerin, Rheinfelden (AG)

Corinne Caracuta hat in ihrer Funktion als City Managerin von Rheinfelden einen Ort gefunden, an welchem Kreativität gefragt ist, sie gestalterisch tätig sein kann und mit vielen unterschiedlichen Menschen täglich im Austausch steht. Kurzum: Sie ist die Drehscheibe zwischen Stadt und Gewerbe.

Ihre Tätigkeit gibt es so noch selten in der Schweiz. Bisher gab es lediglich das StadtKonzept in Basel, eine grosse Organisation, oder aber auch die Standorte St. Gallen und Aarau. In den letzten drei Jahren entstanden jedoch vermehrt auch Städtemanagements in kleineren Schweizer Städten. Caracuta ist nebst ihren angrenzenden deutschen Kollegen vor allem auch mit 13 Aargauer Altstädten im Austausch. Die Herausforderungen sind oftmals gleich gelagert und alle profitieren von gemeinsamen Lösungsansätzen.

Die grössten Herausforderungen sind das Ladensterben und leerstehende Flächen in der Altstadt. So hat die City Managerin im Herzen des Zentrums vor einer seit Jahren nicht genutzten Ladenfläche einen Fotospot errichtet. Der Blick wird weg von der Leere hin auf die wunderschöne Marktgasse gelenkt und die Gäste können ein Andenken mit nach Hause nehmen oder ihre Aufnahme auf den Sozialen Medien teilen.

Caracuta verfolgt auch die Vision, Rheinfelden weit über die Stadtmauern bekannt zu machen, um dadurch die Frequenz in den Läden zu erhöhen und

Rheinfelden als atraktiven Ort für neue Geschäfte zu etablieren. Badisch Rheinfelden sieht sie nicht als Konkurrenz, sondern als eine andere Welt.

Im aargauischen Rheinfelden sind die Läden vielfach Inhabergeführt, wodurch die Wünsche der Kundschaft vertraut sind und die Besitzer mit Engagement individuell beraten. In Anbetracht der fortschreitenden digitalen Entwicklung wird auch der Webseiten-Auftritt der Geschäfte und der Online-Handel immer wie wichtiger. Dennoch stellt Caracuta erfreut fest, dass gerade die Generation Z vermehrt auch wieder auf den Besuch der Geschäfte setzt. Das Erlebnis bleibt also nach wie vor zentrales Bedürfnis der Menschen.

Für das kommende Jahr hat sich die Rheinfelder City Managerin viel vorgenommen: Die Daten der Frequenzen in den Läden sollen ausgewertet werden, um so bessere Handlungsempfehlungen für die Inhaber geben zu können. Ausserdem soll die digitale Sichtbarkeit der Geschäfte auch auf der Tourismuswebseite von Rheinfelden sichergestellt werden.

Caracuta hat natürlich auch persönliche Wünsche für die Altstadt. Jährlich finden 250 Hochzeiten in der Rheinfelder Altstadt stat. Daher wäre es aus ihrer Sicht schön, wenn es eine Auswahl an kleinen Hochzeitsgeschäften gäbe. Spärlich ist das Angebot auch im Sportbereich. Die City Managerin hofft deshalb, dass alsbald ein Concept Store mit abwechslungsreichen Sportartikeln seine Türen in Rheinfelden öffnen wird.

«Eine positive Entwicklung des Einkaufsverhaltens im Städtli zeigt sich an der Zunahme der Frequenzen in der Altstadt. Man spürt auch die Freude über die neu eröffneten Geschäfte.

Ich sehe eine sehr positive Entwicklung von Rheinfelden. Dies ist aber einfach ein Gefühl. Deshalb sind wir daran, dies professionell mit Daten zu verifizieren.»

Altstadt von Rheinfelden (AG)

Die Faszination von Grossbäumen

Andreas Bernauer, Inhaber BMB Group, Hünenberg

Der in Basel aufgewachsene und lange dort lebende Andreas Bernauer hat es aus geschäftlichen Gründen in die Innerschweiz nach Hünenberg gezogen. Obschon es eine scheinbar ganz andere Welt ist, gefällt es dem Projektleiter der BMB Group aufgrund der Nähe zu den Bergen, zwischen dem Zuger- und dem Vierwaldstättersee und den vielen Bäumen hier sehr gut.

Bei der BMB Group verantwortet Bernauer in der ganzen Schweiz Projekte, welche die Verpflanzung oder Neupflanzung von Grossbäumen vorsehen. Inspiriert wurde er im Jahr 2012 durch einen YouTube-Clip. Daraufhin recherchierte er zu den speziellen Maschinen, die Grossbäume mit einem Stammumfang ab 50 cm ausstechen können. Schnell wurde ihm klar, dass es sich hierbei um Spezialanfertigungen handelte. In Deutschland wurde er schliesslich fündig und konnte den Betrieb mit den Maschinen übernehmen und in die Schweiz transferieren, wo die Firma nun über ein Alleinstellungsmerkmal verfügt. Nun können auch in der Schweiz Grossbäume verpflanzt werden, die teils bis zu 45 Jahre alt sind.

Die BMB Group berät vor allem Bauherren mit ihren Fachkenntnissen bei der Bepflanzung von neu geschaffenen Arealen. Dabei versucht Bernauer stets die vorhandenen Bäume in die neuen Strukturen zu integrieren. Nicht vitale Bäume oder zu grosse Bäume können hierbei nicht berücksichtig werden, eine Vielzahl an Grossbäumen dagegen kann verpflanzt werden. Für Bernauer sind diese wie ungeschliffene Diamanten und das Spannende dabei ist, dass die bereits vorhandenen Bäume sich schon an das örtliche Klima gewöhnt haben.

Mittlerweile ist die Branche für die Thematik sensibilisiert und die BMB Group wird immer wieder für Projekte um ihre Fachkenntnisse angefragt. Bei Projekten ist es laut Bernauer wichtig, zuerst zu klären, welche Bäume vital sind und auch ob es technisch realisierbar ist. Herausforderungen bilden, dabei zum Beispiel die Statik bei Einstellhallen oder im innenstädtischen Bereich speziell die Werksleitungen, die zum Teil durch Wurzelballen gezogen wurden, was eine Verpflanzung verunmöglicht. Je nach Situation kann eine Verpflanzung nicht nur aus ökologischer Sicht, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen äusserst interessant sein. Ein Grossbaum mit einem Stammumfang von ungefähr 70/80 cm kostet in einer Baumschule gleich rund 10'000 Schweizer Franken. Hinzu kommen Kosten für den Transport und die Pflanzung.

Viele der Projekte von Bernauer, wie beispielsweise in Genf, Lausanne oder Basel, zeigen ausserdem, dass verpflanzte Bäume zu 99.9 Prozent anwachsen. So ist bei einem Projekt in Lausanne von 21 Bäumen lediglich ein Grossbaum nicht angewachsen. Da Verpflanzungen saisonal bedingt vom Herbst bis zum Frühjahr getätigt werden, hat die BMB Group Ende 2022 einen Gartenbauer gesucht, um neue Synergien zu schaffen.

In der Region Zug wurde die Gruppe fündig und konnte eine Gartenbaufirma integrieren. Seit diesem Zeitpunkt bietet das Unternehmen nun auch den Unterhalt, die Beratung und den Bau von Gärten an. Für Bernauer sind Bäume auch nach vielen Jahren ein grosses Faszinosum, denn wir alle haben von klein auf eine enge Beziehung dazu und was gibt es Faszinierenderes als einem kleinen Baumsetzling zuzusehen, wie er wächst und sich entwickelt.

Baumverpflanzung in Basel

Herr des guten Geschmacks

Richard «Richi» Kägi ist Koch, Buchautor, ehemaliger Food-Scout von Globus, Tausendsassa – und so vielschichtig wie eine richtig gute Lasagne. Seine Leidenschaft für guten Geschmack geht dabei über den Tellerrand hinaus. Dafür spricht unter anderem sein eindrückliches Eigenheim im Zürcher Dolderquartier. Lernen Sie einen Mann kennen, der auf vielen Hochzeiten tanzt und dabei immer eine gute Figur macht.

Wir beginnen das Interview mit der typischen Schawinski- Frage: «Richi, wer bist du?»

Kägi lacht. «Ich bin seit Kurzem pensioniert und erhalte die AHV – gehöre jetzt also zum Ausschuss. Und trotzdem wird es nicht ruhiger. Das Leben ist spannender, wenn man sich auf verschiedenen Bühnen bewegt. Aber immer meinen Neigungen entsprechend. Es geht für mich weiter und ich verspüre nicht den Wunsch weniger zu machen, es hat sich einfach verlagert. Ich schreibe für die NZZ, bin gerade an einem spannenden Gastroprojekt mit anderen Gastronomen dran, veranstalte 15 x pro Jahr Dinner-Club-Abende und bin auf Social Media sehr aktiv».

«Und was ist mit Homemade?»

«Richtig, das ja auch noch». Homemade.ch ist eine Online-Plattform, die alles Schöne und Nützliche rund um Küche und Tisch anbietet und die er mit zwei ehemaligen Globus-Mitstreitern gegründet hat.

«Du bist also ein Genussmensch?»

«Ich habe einfach Freude an guten Sachen. Wie ehrlicher und guter Food».

Kägi ist Winterthurer mit österreichischen Wurzeln. Seine Mutter stammt aus der Alpenrepublik, sie gab ihm auch die Leidenschaft fürs Kochen mit auf den Weg. Mit ihr verstand er sich immer gut, mit dem Vater überwarf er sich schon früh. Den Wunsch nach Unabhängigkeit verspürte er seit seiner Kindheit. «Ich wollte aber nie Koch werden, hatte genug traurige Beispiele von Menschen gesehen, die aus der Notwendigkeit, Geld zu verdienen Tag für Tag das Gleiche machen. So wie mein Vater, der als Kranführer arbeitete. Das war nichts für mich, ich muss für etwas brennen», erzählt er.

Kägi on fire

Und bei Richi brannte es lichterloh! Nach der Mechanikerlehre machte er eine Lehre als Kellner in einem Hotel. Danach eröffnete er zusammen mit einem Kumpel einen Club in Winterthur. Irgendwann war auch dieses Kapitel beendet. «Ich bin eines Morgens aufgewacht und wusste, ich muss etwas ändern. So ging ich nach Australien». Zurück in der Schweiz arbeitete er zunächst in der Gastronomie beim Globus, im Kultrestaurant Movie. Dann kam Delicatessa und suchte jemanden für den Einkauf. Kägi zögerte, weil ihm die Firma zu gross erschien. Er liess sich dann aber überreden und

es wurden schliesslich 28 Jahre daraus. Den Stellenbeschrieb konnte er selbst schreiben, der Einkaufsleiter liess ihn gewähren. So entstand auch die Jobbezeichnung «Foodscout», die einmalig in der Schweiz ist. Während dieser vielen Jahre erlebte er einige Einkaufsleiter. «Jeder von ihnen wollte mir mal kündigen», schmunzelt er. «Ich war unführbar, machte einfach mein Ding. Hatte aber immer Schutz von oben. Und Erfolg.»

Kägi ist einer, der sich nicht verbiegt, seine Seele nicht verkauft, einfach seinen Weg geht. Das musste auch sein Schwiegervater in spe erfahren. Kägi besitzt zwei Oldtimer und vier Motorräder. «Ich habe Spass an der Mechanik, bin aber nicht der Plauschfahrer. Der Vater meiner künftigen Frau wollte mich zu einer Spritzfahrt übers Land einladen – so nach dem Motto «gemütlich tuckern und einen möglichst billigen Wurstsalat essen gehen»: ‹Das würde ich im Leben nie machen!› Das Thema der Spritzfahrt hatte sich damit erledigt. Das mit dem Schwiegervater auch.

«Das Haus hat mich gefunden – nicht ich das Haus»

Der Herr des guten Geschmacks beweist selbigen auch beim Wohnen. Kägi lebt in einem dreistöckigen Kubus auf einer Waldlichtung im Dolderquartier. Holz, Metall und Beton bilden die Basis. Für genügend Licht sorgen Riesenfenster mit Blick ins Grüne. Innen ist es ein lebendiger Mix aus Design, Modernem, Antikem und einer Prise Ethno. Viele Dinge von Reisen schmücken das Heim, welches Wohnlichkeit und Lebensust ausstrahlt.

Du wohnst in einem beeindruckenden Kubus. Wie kamst du zu dem Haus?

«Ich habe in der Umgebung von Winterthur gelebt Über einen gemeinsamen Freund habe ich dann den Grundstückbesitzer Chici Wehrli kennengelernt. Wir hatten einen lustigen Abend. Irgendwann fragte mich Wehrli, ob ich nicht nach Zürich kommen wolle, er wohne am Zürichberg, hätte viel Umschwung ums Haus und würde gerne bauen.

Zürichberg? Never ever! Da wohnten meine Klassenfeinde. Ich war Ende 90er noch mehr ein Linker als jetzt und wäre niemals in ein solches Nobelviertel gezogen.

Auch in den nächsten Jahren blieben wir in Kontakt und jedes Mal, wenn wir uns trafen, fragte er mich nach meinem Interesse. 2003 lernte ich eine Frau kennen und wir suchten gemeinsam eine Bleibe. Wir sahen in der NZZ ein Inserat eines Atelierhauses – es war dasjenige von Wehrli. So fuhr ich dann doch noch an den Zürichberg. Langer Rede, kurzer Sinn: Wir waren schwer beeindruckt und schlugen sofort zu. Man kann also sagen, das Haus hat eigentlich mich gefunden.»

Die Verhandlung mit Obelix

Hast du eine besondere Anekdote aus der Food-Scout-Zeit?

«Ich war im französischen Baskenland unterwegs, da wir einen Lieferanten für Piemont d’Espelet suchten – ein sehr milder, aber geschmacksintensiver AOC Chili. Im Herbst werden die Pfefferschoten draussen an den Häusern aufgehängt und getrocknet. Ich habe angehalten und an irgendeiner Türe geläutet. Ein Mann mit der Statur von Obelix kam aus dem Haus. Er war zunächst nicht an einem Deal interessiert. Ich redete aber solange auf ihn ein, bis er mich schliesslich doch noch empfing. Ich habe ihm dann auf einem Blatt Papier aufgezeichnet, wie unsere Zahlungskonditionen sind. Wir hatten immer lange Fristen. Bei sofortiger Zahlung musste es Rabatt geben. Er nahm das Papier, schaute mich an und meinte: «Vorauszahlung und Null Rabatt». Ich war sofort einverstanden. Ich war nie der Preisdrücker. Und das Schöne: Der Deal besteht heute noch.»

Wie kann man nach so langer Zeit als Food-Scout seine Neugier auf Neues bewahren?

«Spannend ist ja das, was man noch nie gesehen hat – zum Beispiel einen speziellen Essig».

Gibt es ein bestimmtes Rezept, das du immer wieder gerne zubereitest?

«Ossobuco ist einer meiner Favoriten».

Welche kulinarischen Trends oder Entwicklungen beschäftigen dich derzeit am meisten?»

«Nun, es gibt ja die Megatrends, also weg vom Fleisch, vegan. Und dann die Minitrends. Leute wollen sich unterhalten fühlen während des Essens beispielsweise mit Multimedia-Geschichten. Was mir aber wesentlich wichtiger ist, ist das, was auf den Teller kommt und eine herzliche Atmosphäre herrscht.»

«Welche schönen Dinge und Genüsse sind für dich unverzichtbar, um das Leben zu bereichern?»

Die Antwort kommt wie aus der Nudelmaschine geschossen: «Pasta».

Brückenbauer zwischen China und der Schweiz

Seit rund zwanzig Jahren hat die Galerie Urs Meile ihren Sitz in Luzern in einer umgebauten Garage der ehemaligen Schild Tuchfabrik. Nebst dem Hauptsitz, der 1992 gegründet wurde, hat die Galerie auch seit Juni 2023 an der Rämistrasse in Zürich eine Niederlassung, verfügt über einen Pop-up Space im Engadin, der zwei Mal pro Jahr bespielt wird und betreibt seit 2005 einen Standort in Peking. Der Schwerpunkt des Programms der Galerie liegt auf der zeitgenössischen chinesischen Kunst.

Mitte der 1990er Jahre ging Urs Meile zu seinem Jagdund Kunsfreund Uli Sigg, dem damaligen Schweizer Botschafter in China. Gemeinsam besuchten sie zahlreiche Studios und Akademien, und, wie Karin Seiz, seine Ehefrau, erzählt, lancierte Meile Ende der 1990er Jahre erstmals eine Ausstellung mit zeitgenössischen chinesischen Künstler:innen in der Schweiz. Das Kunstschaffen aus China traf jedoch zu jener Zeit kaum auf Interesse in Luzern. Es zeigt sich aber, dass Urs Meile als Vorreiter ein grosses Gespür dafür hatte, wie die Entwicklung der Kunstwelt in den kommenden zwanzig Jahren verlaufen sollte. So ist es laut Seiz interressant zu sehen auch kaum verwunderlich, dass die Art Basel seit einigen Jahren auch eine Messe in Hongkong durchführt. Im Gegensatz zu Europa ist die Kunstlandschaft in China noch heute anders gestaltet. Dort verfügt die zeitgenössische Kunst im Gegensatz zu hier noch über keine lange Tradition. Dies widerspiegelt sich an der Anzahl Museen, die in China nach und nach im Entstehen sind. Interessant ist hieran, dass private Sammler die Kulturlandschaft fortlaufend mitgestalten, indem sie private Museen gründen.

In der Auswahl der Künstler:innen, die sie in ihr Programm aufnehmen, gehen sie nebst den Arbeiten stets vom Menschen und seiner Werte und Weltansicht aus. Mittels vieler Fragen entsteht ein tiefgründiger Dialog und daraus schliesslich eine längerfristige

Alle Fotos stammen aus der Ausstellung mit Cai Dongdong A Game of

Zusammenarbeit. Die Galerie engagiert sich ebenfalls mit einem Artist in Residence Studio in Peking für einen Dialog zwischen dem Kunstschaffen aus dem Westen (nichtasiatische Länder), der Schweiz und jenem von China.

Vor einigen Jahren haben sie an der Jahresausstellung im Kunsthaus Luzern die Nachwuchskünstlerin Rebekka Steiner kennengelernt, welche danach in Kooperation mit der Galerie Urs Meile für einen längeren

Aufenthalt nach Peking ging. Steiner konnte sich durch diese Gelegenheit die Sprache aneignen, wurde Teil der künstlerischen Szene in China, was sich wiederum formal in ihren Werken widerspiegelt, die häufig auch gar chinesische Titel tragen. Dies verdeutlicht das Engagement und die Überzeugung der Galerie.

Trafen in den 1990er Jahren ihre Ausstellungen zeitgenössischer chinesischer Künstler kaum Anklang beim hiesigen Publikum, waren Seiz und Meile stets von der Qualität der Arbeiten überzeugt und verfolgten ihren Weg unbeirrt weiter. Es war ihnen ein grosses Anliegen als Vermitler die kulturellen Unterschiede dialogisch näher zu bringen, aber auch die Gemeinsamkeiten und Kategorien, die teils negativ behaftet waren, wie beispielsweise jene der «Kopie» nochmals neu zur Reflexion zu stellen. Qualitativ hochrangige Kunstwerke sind für sie solche, die stets neue Perspektiven eröffnen, mit denen wir mitwachsen können und, die in ihrer Komplexität stets unabgeschlossen sind. Wenn aktuelle Werke chinesischer Künstler:innen eine politische Aussage tragen, ist diese angesichts der in China immer strenger werdenen Zensur oft auf komplexe Art und Weise formuliert.

Urs Meile hatte das Gespür für diese Art künstlerischen Schaffens bereits früh und behielt Recht. Davon zeugt das heutige Interesse an zeitgenössischer chinesischer Kunst, aber auch Kunstmessen, wie zum Beispiel die Art Basel Hongkong.

Photos, Galerie Urs Meile, Luzern

Von der Kunst des Upcyclings

Martin Gut, Künstler und Macher aus Luzern

Der Künstler Martin Gut ist in Sursee aufgewachsen, wo er auch bis 2004 tätig war. So war er einer der Gründungsväter von Kulturwerk 118, Mitglied des Jugendforum Sursee, leitete das Zentrum 43 im ehemaligen Firmengebäude von Therma Grossküchen als Atelierhaus, präsidierte den Verein Kunstregion Sursee und war Mitorganisator der Kulturwochen. Gut hat Ausstellungen, aber auch Konzerte organisiert.

Anfangs der 2000er Jahre fand ein Bauboom in Sursee statt und die Möglichkeit, Räume als Zwischennutzungen zu verwenden oder bezahlbare Arbeitsräume zu finden, schwand. Dies war der Ausschlag für seinen Umzug nach Luzern, wo er auch heute noch aktiv ist.

Nebst den vielzähligen organisatorischen Tätigkeiten, welche zu seiner Leidenschaft gehören und fortlaufend sein Netzwerk erweiterten, fand er auch stets Zeit für sein eigenes künstlerisches Schaffen. Als Jugendlicher fand er Inspiration bei den Surrealisten, der geometrischen Kunst und den Impressionisten, später dann bei den Installationen von Erwin Wurm und unzähligen Geräten, welche er zerlegte.

So hat er im Jahr 2012 den «Erlebnisomat» kreiert, auf welchem «Raus aus dem Alltag, denn du bist die Summe deiner Erlebnisse» steht. Die Grundidee des «Erlebnisomaten», wovon vier Exemplare in Umlauf sind, beruht auf dem Spannungsfeld von Vorbestimmung und Zufall. Es handelt sich um einen neu bestückten Zigarettenautomaten, aus dem man anstatt Zigaretten für zwei Schweizer Franken Erlebnisanweisungen kaufen kann. Der Automat hat vier Erlebnis-Zeitsparten, aus welchen der/die «User:in» je aus drei Menschentypen auswählen kann. Aus diesen Kombinationsmöglichkeiten ergeben sich zwölf Wahlmöglichkeiten. Sein Atelier in einer Garage in Luzern wirkt auf den ersten Blick wie ein «Trödlerladen»: In einer Ecke stehen Malutensilien, dann wiederum ein Stativ und der nächste Tisch ist voller Computern. Diese Vielzahl an Gegenständen und Werkzeugen, die sich in den letzten 30 Jahren angesammelt hat, ist für den Künstler ebenfalls äusserst inspirierend. Gut widmet sich vor allem dem Upcycling, also dem Experimentieren mit weggeworfenen Objekten und kreiert neue Werke daraus. Daneben arbeitet er als Fotograf und unterrichtet Teilzeit an einer Sekundarschule, dies vor allem auch seit sein Sohn Elia das Licht der Welt erblickte.

Für Martin Gut ist die Stadt Luzern der aktivste Kulturort der Zentralschweiz. Für ihn ist das kulturelle Angebot äusserst wichtig, denn dort, wo etwas laufe, herrsche ein «Geist», welcher eine positive Atmosphäre schafft. Jedoch könne man ja meinen, dass in Zeiten der Digitalisierung immer mehr Menschen online Inhalte konsumieren und dadurch weniger an physischen Ereignissen teilnehmen, und somit an Ausstellungen fehlten. Für den Künstler Gut sind mit der Digitalisierung jedoch viele Vorteile verbunden, denn auf den Kanälen erhalte man sehr rasch Rückmeldungen, die vermutlich selbst die Weiterentwicklung der künstlerischen Arbeiten beeinflussen. Gut selber nutzt die digitalen Möglichkeiten aktiv und hat zum Beispiel nach seinem Umzug nach Luzern seine Webseite mittels einer Guerilla-Aktion ins Rampenlicht gezogen. Er verhüllte das «S» im GÜTSCH-Schriftzug, welches über Luzern thront, sodass aus «Gütsch» «Gut.ch» wurde. Seit einiger Zeit können auf seiner Webseite Bannerflächen gekauft werden – eine zusätzliche Einkommensquelle für Gut, da es seines Erachtens schwierig ist, mit Kunst Geld zu verdienen. Zudem vermietet er seine Atelierräumlichkeiten sowie seine Geräte. Kunstwerke hingegen derart zu gestalten, dass sie den Geschmack des Kunstmarktes treffen, würde der Künstler nie machen, da Kunst für ihn der einzige Bereich ist, wo man wirklich frei und kreativ tätig sein kann.

Angefangen künstlerisch zu arbeiten hat er aus Pragmatismus, da er weder eine Lehrstelle gefunden noch in die Kunstgewerbeschule aufgenommen wurde. Als besonders erfolgreich würde er sich hinsichtlich der Verkäufe seiner Arbeiten nicht bezeichnen, er hat jedoch immer wieder Käufer:innen für das eine oder andere Werk finden können.

Für Gut gibt es keine Parameter, weshalb einige im Markt besonders reüssieren – Glück und Beziehungen seien die entscheidenden Kriterien. Nichtsdestotrotz würde er rückblickend genau das Gleiche machen, lediglich weniger Kompromisse würde er eingehen, aber damals habe es so für ihn gestimmt. Ausserdem würde er «frecher» auf den Markt zugehen und mehr Druck bei Galerist:innen machen.

Im Weiteren engagiert er sich im Vorstand und leitet die Ausstellungskommission der Visarte Zentralschweiz (Berufsverband der visuellen Kunst).

Atelieransicht Martin Gut, Luzern

Für eine künstlerische Aktivität der Spontaneität

Steph Hermes, Künstler aus Rheinfelden (AG)

Der Rheinfelder Maler und Plastiker Steph Hermes fand sich bereits in seiner frühen Jugend in einem äusserst kreativen Umfeld. Sein Vater war als Schuhdesigner tätig, der Grossvater hatte eine technische Werkstatt geführt, hatte gemalt, entworfen und entwickelt und auch seine restlichen Familienmitglieder waren alle geschickt im Porträtieren.

Wenig erstaunlich ist es daher, dass Hermes bereits als 14-Jähriger sein erstes Ölbild verkauft hat. Der Besuch des Mathematischen Gymnasiums in Basel fand ein vorzeitiges Ende, da Hermes sich entschloss, den Vorkurs an der Kunstgewerbeschule zu machen. Im Gegensatz zu den Erwartungen der Lehrenden hat der angehende Künstler seine Ausbildung so gestaltet, wie es üblicherweise an einer Freien Kunstakademie angeboten wird. Er stellte sich kurzerhand ein eigenes individuelles Pensum zusammen, nicht akzeptiert von der Schulleitung, das aber schliesslich doch geduldet wurde.

Bereits ab den 1980er Jahren bildete eine wesentliche Konstante seiner Aktivitäten als Künstler die stete Spontaneität, woraus Kunstprojekte aller Art ad hoc entstanden. Place to be war zu jener Zeit die Kunsthalle in Basel, welche von Szeemann geführt wurde und als Ort des Netzwerkens galt. Inspiration fand Hermes jedoch stets direkt im Arbeiten mit dem Material, sei es an der Leinwand mit Farbe oder durch die Erschaffung von Skulpturen aus Stein, Holz, Metall oder simplen Gebrauchsgegenständen wie z.B. Plastikbechern. Zu jener Zeit hat er auch begonnen an Ausstellungen in Paris und Berlin zu partizipieren und hat zusammen mit zwei Mitstreitern in Paris eine Cheap Art Gallery auf die Beine gestellt. Wiederum hat er dieses Projekt ohne fixes Konzept realisiert, sondern ist einfach seiner Hands-on-Mentalität gefolgt. Dank Tati, dem berühmten Pariser Warenhaus, wurde das zuvor verschmähte Moment «billig» zu jener Zeit in Paris chic und Hermes konnte zur fünfzigsten Jubiläumsausstellung von

Tati seine Werke, Tati-Time (Uhren) und Tati-People (Figuren), präsentieren. Ein Teil dieser Werke ist heute im Museum von Tati in der französischen Hauptstadt zu sehen. Nach Rheinfelden zurückgekehrt, hatte er die Gelegenheit, grossräumige leerstehende Gewerbehallen als Atelier- und Ausstellungsort zu nutzen und darin spektakuläre Events zu organisieren, an welchen die Gäste beispielsweise einen Parcours mit einem Fahrrad erkunden konnten oder Actionpainting zu Musik, wie in einem Theater sehen konnten. Aber auch Literatur, Tanz, eine Modeschau und kulinarische Anlässe fanden an dem von Hermes als «Permanent Provisorische Kunsthalle» bezeichneten Ort statt.

Die Rastlosigkeit und der Drang nach kreativem Gestalten und Wirken liegt einerseits in der DNA des Künstlers, ist andererseits aber auch der pragmatischen Tatsache geschuldet, dass die künstlerische Arbeit die Grundlage des Lebensunterhalts von Hermes bildet, der auch stolzer Vater von vier Kindern ist.

Seit seiner Studienzeit, ein Teil davon war auch ein halbjähriger Aufenthalt an der Kunstakademie von Casablanca, wo er sich ausschliesslich mit Ornamentik und Mosaikarbeiten beschäftigt hat, kreiert Hermes seine unverkennbaren Mosaike, welche aus handelsüblichen Glas- und Keramikelementen, aber auch Naturstein, Halbedelsteinen, Fossilien und Spiegelstücken bestehen. Mit dieser angewandten Kunst und den exzellenten handwerklichen Fähigkeiten des Künstlers entstehen einzigartige Möbelstücke, Küchen, Bäder- und Wellnessräume mit individuellem Design.

Wenig verwunderlich ist es daher, dass Hermes zur Zeit an einem grösseren Projekt in Italien mitarbeitet, aus dem ein kultureller Ort entstehen soll, der Kunst, Bildung, Natur, Wellness und Gesundheit verbindet. Der Traum einer Freien Akademie und einem Freiraum für Kunstschaffende und jene, die es werden wollen, ist präsenter denn je und knüpft an den Traum an, der sich am Beginn seiner künstlerischen Laufbahn herauskristallisiert hat.

Atelieransicht Steph Hermes, Rheinfelden (AG)

Mann der ersten Stunde

Georg Bak ist Experte für digitale Kunst, frühe Computerkunst aus den 1960er Jahren und generative Fotografie. Dies beinhaltet auch NFTs und Plotterzeichnungen von den Pionieren der Computerkunst. Er berät Kunden im Anund Verkauf von Digitalkunst und ist Kurator für Auktionshäuser, Galerien und NFT Verkaufsplattformen.

Der Zugang zur Kunst ist für Georg Bak aus einer Passion entstanden. Ursprünglich studierte er Jura. Dann stieg er 2003 bei der Galerie Hauser & Wirth ein, wo er einige Jahre sowohl in Zürich als auch in London tätig war. 2008 wechselte er zur LGT Bank Zürich als Kunstberater, später hatte er seine eigene Galerie, die auf generative Fotografie spezialisiert war. Vor sieben Jahren tauchte er in die Blockchain-Szene ein und kam so erstmals mit Blockchain-Kunst in Berührung. Damals sprach noch niemand von NFT (Non-Fungible Token). Dabei handelt es sich um eine digitalisierte Form eines Werkes oder Wertgegenstandes, die den Besitz und die Authentizität des Wertgegenstandes bestätigt. 2018 kuratierte Bak erstmals eine Ausstellung zum Thema Blockchain-Kunst und zeigte in Zürich Cryptopunks. Er arbeitete auch mit Auktionshäusern wie Sotheby's und Philips zusammen und kuratierte dabei eine Ausstellung in London für Philips zur Geschichte der generativen Kunst.

Bak besass eine eigene Galerie in Zürich. «Das ist heute nicht mehr zeitgemäss, weil alles mehr und mehr digitalisiert wird», meint er. «Der Handel findet online statt, das ganze Marketing läuft über X (ehemals Twitter) oder neuerdings über Farcaster, ein dezentrales soziales Netzwerk. Man geht auch nicht mehr oft an Messen. Man kann jederzeit einen NFT-Drop machen, wo innerhalb kürzester Zeit Hunderte von Kunstwerken verkauft werden».

The digital Art Mile

Die von Georg Bak und Roger Haas ins Leben gerufene Digital Art Mile verwandelt ein historisches Stadtviertel in eine lebendige Kunstmeile, die ausschliesslich der digitalen Kunst gewidmet ist. Hier präsentieren international bekannte Galerien und NFT- Plattformen zeitgenössische und historische Digitalkunst. Im kult.kino camera in Basel fand kürzlich ein vielfältiges Konferenzprogramm statt. Themen wie Generative Kunst, Blockchain als Medium der Kunst sowie die Adaption der Web3 Technologie durch Museen decken ein weites Spektrum der digitalen Evolution unserer Zeit ab.

Wie hat die Art Basel das aufgenommen?

«Wir sind im Austausch mit der Art Basel und hoffen, dass sie unser Programm gut finden. Es ist ja nicht nur für die Art Basel, sondern auch für die Stadt Basel interessant, dass eine spannende und frische Szene kommt.

Auch die Art Basel hat gemerkt, dass Veränderungen stattfinden. Sie selbst hat in eine Firma investiert, die Blockchain-Zertifikate macht. Im Moment gibt es noch viele klassische Galerien. Aber in den letzten Jahren haben immer mehr digitale Kunstmessen im Umfeld der grossen Messen stattgefunden. Vor allem an der Art Basel Miami Beach gibt es mittlerweile mehr digitale als klassische Veranstaltungen. Es spielt zusammen. Beide Seiten haben ihre Berechtigung».

Was unterscheidet eigentlich einen Sammler von NFT und einen der klassischen Kunst?

«Wenn man von NFT spricht, findet sich alles in einem digitalen Wallet. Das heisst Transport, Verpackung und Lagerung entfallen. Man besitzt aber Zugang zu diesen Files. Man kann sie ausdrucken und an die Wand hängen, auf dem Bildschirm anschauen oder auf eine Fläche projizieren. Es ist ein Trend, dass von rein digitalen NFTs physische Kunst gemacht wird, wie zum Beispiel Laserplotter.

Zudem hat der junge NFT-Sammler einen ganz anderen Zugang zur Kunst. X (ehemals Twitter) ist eigentlich das Kunstgeschichtsbuch der heutigen Zeit. Die meisten Sammler sind sehr jung, hatten wenig Geld und haben mal NFTs gekauft, welche innert kürzester Zeit sehr wertvoll wurden. In der traditionellen Kunstwelt gibt es sehr viele Barrieren, Kunst zu kaufen. Wenn man in eine Galerie spaziert, kann man eigentlich nur kaufen, wenn man qualifiziert ist. Es herrscht praktisch eine Schwellenangst. NFTs sind auch mit sehr wenig Geld erschwinglich. Schon ab einigen Franken ist das möglich», führt Bak aus.

Wenn jemand keine Ahnung hat von NFT, sich trotzdem interessiert einzusteigen, was wäre deine Empfehlung?

«Zunächst muss man wissen, wie man ein Kryptowallet eröffnet. Man muss auch vorsichtig sein und das Passwort zum Wallet gut aufbewahren. Dann sollte man lernen, wie man Fiat-Währungen in Kryptowährungen umwandelt, also technische Grundlagen erarbeiten.

Dann lernt man verschiedene Plattformen, Blockchains kennen, wie z.B. Tezos, oder die populäre Ethereum mit den meisten NFTs. Es ist ein riesiger Markt, in dem man sich zurechtfinden muss. Ich empfehle einigen Künstler:innen auf X zu folgen, so kommt man rein. Es ist auf jeden Fall eine neue und spannende Kultur, die frischen Wind in die Szene bringt».

Laptop von Georg Bak
Ein Leben ohne Angst zu leben, das ist der wahre Luxus!

Walo Ilg, Anwalt und Schriftsteller aus Bern

Walo Ilg, Anwalt, Schriftsteller sowie Unterstützer verschiedener kultureller und sozialer Projekte sieht die Bedeutung von Luxus aus unterschiedlichen Perspektiven. Ausgehend von Voltaire, für welchen das «Entbehrliche das Nötige» meinte, geht er davon aus, dass wir alle aus einem inneren und ästhetischen Bedürfnis heraus nach mehr Komfort aspirieren.

In diesem Sinne wird Luxus also vor allem aus einer materiellen Perspektive betrachtet. Eine für Ilg viel wichtigere Betrachtungsweise ist jene, die danach fragt, was in einem Leben Luxus ist. Hierbei rücken Bedürfnisse wie «ein Leben frei von Angst» in den Fokus. Das Verständnis von Luxus ändert sich im Verlauf des Lebens. So hatte Ilg beispielsweise als Kind, in der die Stimmung auf der Welt eine andere als heute war, Angst vor dem Wald. Er freundete sich dann mit dem Wald an, was im Rückblick eine ganz andere Zeit und Dimension der Angst beschreibt.

Später als Selbstständiger hat er ganz andere Angstgefühle kennengelernt, als es darum ging, Honorare zu generieren und Löhne zu bezahlen, also einem ständigen Druck ausgesetzt zu sein. Im Vergleich zu heute hat Ilg aber dennoch den Eindruck, dass vieles einfacher war. War die Liquidität der Firma mal eng, genügte ein Kaffeegespräch mit dem Bankberater – heute eher ein Ding der Unmöglichkeit. In seiner Jugend lebte er in einer mittelständischen Siedlung mit vielen Bahnangestellten, wo man keine Existenzängste spürte. Damals hatten Menschen in ländlicheren Gegenden viel weniger, so auch seine Grosseltern mütterlicherseits, die während des Ersten Weltkriegs ihr Vermögen verloren hatten, und fortan von der finanziellen Unterstützung ihrer Kinder abhängig waren. Als Anwalt sieht er in der heutigen Zeit Armutsrisiken bei Scheidungen, denn hat das gemeinsame Einkommen für einen Haushalt gut gereicht, sind Geschiedene mit zwei Haushalten plötzlich mit Existenzängsten konfrontiert. Ausserdem sieht er die staatlichen Vorsorgen als nicht mehr zielführend. Vielmehr würde er ein Grundeinkommen begrüssen, wodurch Arbeitslosenkasse, Sozialversicherung, Fürsorge oder IV abgeschafft werden könnten. Dadurch würde das Gemeinwesen Freiheit und Angstlosigkeit mehren.

In Zeiten der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz zeigt sich ausserdem, wie sehr Wissen zum Luxus ge-

worden ist. Menschen, die sich in der Schule ein fundiertes Grundwissen und ein kritisches Reflexionsvermögen angeeignet haben, können falsche oder politisch gefärbte Aussagen der KI sehr rasch erkennen. Im Vergleich zu früher sieht er eine Verschlechterung des Grundwissens, was komplexe Wurzeln hat, ebenso didaktische wie auch solche der Einflussnahme der Eltern wie auch Dritter, letztlich auch die veränderte Rolle der Lehrer. Und eines ist nicht zu unterschätzen: Der Konsum der Medien, vor allem des Smartphone.

Persönlich gilt seine grosse Leidenschaft den Antiquitäten, vor allem aus dem Zweiten Kaiserreich (1853 bis 1870), von welchen er viele über die Jahre gesammelt hat. Besonders Freude hat er an einer Schmuckschatulle aus den Jahren 1830 aus Frankreich – damals ein echter Luxus. Bei der Schmuckschatulle handelt es sich um ein lederbezogenes und mit Goldprägung versehenes Kästchen von rund 30 auf 25 cm mit den Goldinitialen L.B. Letztere stehen für den Namen Léonie Bugeaud, Tochter des Marschalls von Frankreich und Comtesse von Feray sowie Hofdame der Kaiserin Eugénie. Die Schmuckstücke in der Schatulle hat die Comtesse an damaligen Hofbällen getragen. Im Kästchen befinden sich Broschen, Ohrenanhänger, ein Armband und ein Diadem, die teilweise bis ins letzte Jahrhundert modifiziert und ergänzt wurden.

Genauso leuchtende Augen wie beim Zeigen der Schmuckschatulle hat Walo Ilg, wenn er an einen Ausflug mit seinem Grossvater an den Vierwaldstättersee zurückdenkt. Sein Grossvater, Patriarch und über 30 Jahre lang Präsident des SMUV (Schweizerischer Metallund Uhrenarbeiterverband) und Initiator des Hotels Flora Alpina, damals das Grandhotel für Arbeiter, beschloss von Luzern nach Vitznau per Dampfschiff zu fahren. Bestens bekannt – auch von den Arbeitnehmenden der Schiffsgesellschaft – wurden der Grossvater und er sogleich vom Kapitän begrüsst, der beide an den ersten Offizier weiterreichte, weil der Grossvater mit dem Enkel die Dampfmaschine besichtigen wollte. Auf der ganzen Fahrt wurde Walo die Dampfmaschinenanlage erklärt. Lachend meint Ilg, noch heute könne er sich an sämtliche Funktionalitäten der Dampfmaschine erinnern, als wäre es gestern gewesen. Und an eines erinnert er sich besonders: Mit dem Grossvater fühlte man sich beschützt, hatte keine Angst. Welch ein Luxus!

Dampfschiff auf dem Vierwaldstättersee

«Mehr Freude an dem haben, was man macht, das bedeutet leben.»

Das Gefühl der Leidenschaft für das, was man macht

Permi Jhooti, Künstlerin, Macherin und Ex-Fussballprofi, Basel

Jhooti lebt in Basel und arbeitet in ihrem Atelier am Rheinufer in der Nähe des Dreiländerecks. Es ist ihr Lieblingsgebiet in Basel, da an diesem Ort verschiedene Länder aufeinandertreffen und dies zugleich die Offenheit und Verbundenheit der Stadt widerspiegelt.

Permi Jhooti kam 2005 ursprünglich für zwei Jahre nach Basel, da ihr damaliger Mann ins Ausland gehen wollte. Nach ihrer Trennung, bevor sie nach London zurückkehrte, beschloss sie, ihre eigene Version ihres Lebens in Basel zu schaffen. Dadurch hat sie schliesslich hier ihr Zuhause gefunden. An Basel liebt sie vor allem die Überschaubarkeit, die Diversität und, dass nichts unerreichbar scheint und es sehr einfach ist, Menschen kennenzulernen. Es gibt wohl kaum jemand, der so vielseitig tätig ist wie Jhooti: sie ist Multimedia Künstlerin, Produzentin und Kuratorin sowie wissenschaftliche Forscherin in der Medizin.

Derzeit befindet sie sich in einer Zwischenphase, aber ist bereits in der Vorbereitung eines grossen Projekts. Dabei bilden die Bereiche Sport, Wissenschaft und Kunst die wichtigsten Elemente in ihrem Leben. Sie ermöglichen einem herauszufinden, wer wir sind und für Jhooti sind es auch die Tätigkeiten mittels derer sie sich entfalten kann und ihren Beitrag an die Welt beisteuert. Eines der wichtigsten Momente hierbei war seit jeher der Fussball, denn darin konnte sie sich selbst vollumfänglich ausdrücken. Sport ist für Jhooti auch eine sehr machtvolle Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen. Ihr Interesse für Kunst wurde durch eine leidenschaftliche Rede des ehemaligen Balletdirektors des Theater Basel, Richard Wherlock, geweckt. Dieses

Gefühl der Leidenschaft für Bewegung bewog sie dazu, eine dreimonatige Pause von ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit am Universitätsspital in Basel zu nehmen.

Als leidenschaftliche Wissenschaftlerin wurde ihr klar, dass es in der Forschung stets Grenzen gibt. Im Gegensatz dazu empfand sie Kunst als eine Möglichkeit stets dazulernen zu können, und, der Bereich der Kunst scheint grenzenlos zu sein. Ausdrucksweisen zu erproben, über Grenzen hinausgehen, Menschen zu vernetzen, neue Denkansätze zu erproben, Kunst und Wissenschaft zu verknüpfen – all dies gelang Jhooti in einem zweijährigen, im wahrsten Sinne des Wortes Herzensprojekt: HeartBasel war das erste grosse Festival des Vereins Beyond X. Verschiedene Künstlerinnen und Künstler erhielten die Möglichkeit, die Grenzen des eigenen Bereichs experimentell zu überschreiten und zuvor unbekannte Zugänge zu erzeugen. Thema des Festivals war der menschliche Herzschlag. Inspiriert von dessen Rhythmus nahm HeartBasel die Gäste auf eine audiovisuelle Reise mit, auf welcher unterschiedliche künstlerische Disziplinen wie Tanz und Musik, intermediale Momente der Wahrnehmung von Kunst wahrnehmbar machen liessen.

Wichtig bei der Vermittlung intermedialer künstlerischer Ausdrucksformen war für Jhooti vor allem die Leidenschaft mit dem Publikum zu teilen. So verwundert es auch kaum, dass sie davon überzeugt ist, dass Freude an dem, was man macht, wichtiger als Erfolg ist, und die «Reise» zur Realisierung eines Projektes und die Dankbarkeit für das, was man macht, von zentraler Bedeutung ist.

Blick von Permi Jhootis Wohnatelier im Dreiländereck (CH, F, D)

Japanischer Lifestyle

Japan liegt in Basel! Zumindest könnte man das glauben, wenn man das japanische Geschäft «hômu» mitten in der Basler Altstadt betritt. Hier findet man liebevoll ausgewählte Objekte, die den authentischen japanischen Lifestyle widerspiegeln und alle eine individuelle Geschichte zu erzählen wissen. Geschäftsführerin Michèle Heer, halb Schweizerin, halb Japanerin, hat sogar einen Teil der Futons von Hand genäht.

Michèle Heer erzählt: «Den Namen ‹hômu› haben wir erst seit einem halben Jahr, wobei ‹hômu› die japanische Aussprache des englischen Wortes ‹home› ist. Das Geschäft übernommen habe ich vor circa drei Jahren. Mittlerweile zählt das Geschäft inklusive mir neun Mitarbeitende».

Wie haben die Basler:innen den Laden aufgenommen?

«Das möchte ich auch gerne wissen», lacht Michèle Heer. «Von der Sichtbarkeit her sicherlich eher schwierig, da wir nicht an einer Hauptstrasse liegen, sondern eher versteckt im Gerbergässlein sind. Wir haben auch nie gross die Werbetrommel gerührt, wurden eher durch Mund-zu-Mund-Propaganda bekannt und durch die vielen Geschenke, die bei uns gekauft werden. Sicherlich auch über das Konomi-Festival, welches von Robert Schröter und Rebekka Salzmann ins Leben gerufen wurde. Da haben wir einfach mal mitgemacht. Mittlerweile sind wir dort im Hauptprogramm».

Michèle Heer hat das Geschäft vom vormaligen Besitzer Dieter Jörin übernommen. Dieser hat vor allem geschreinert und japanischen Innenausbau gemacht, unter anderem auch Futons genäht. Er hatte nur drei Tage pro Woche geöffnet und durch die versteckte Lage und die nicht so gute Sichtbarkeit in der Basler Altstadt kamen auch nicht so viele Leute in den Laden. Irgendwann fragte er Michèle nach Unterstützung und so half sie ihm beim Nähen und Bauen. Jörin führte sie dann ins Geschäft ein. Weil man sich persönlich kannte und Jörin das Pensionsalter erreicht hatte, fragte er irgendwann, ob sie Zeit und Lust hätte und motiviert wäre, den Laden zu übernehmen.

Der Werdegang von Heer ist spannend. «Ich habe eine Lehre als Bauzeichnerin abgeschlossen, aber nicht auf dem Beruf gearbeitet, sondern in der Gastronomie gejobbt. Von dort ging es ins Studium mit Studienabschluss in Vermittlung von Kunst und Design. Danach übernahm ich die Bauleitung und Inneneinrichtung für ein Gastrokonzept in Basel. Das habe ich zwei Jahre gemacht und nebenbei Herrn Jörin unterstützt. Und so entschied ich mich irgendwann alles aufzugeben und mich mit japanisch Wohnen selbstständig zu machen».

Wann hat es dich gepackt, dass du sagtest, ich möchte gerne ein Stück von meiner Heimat hier in meiner anderen Heimat in Basel zeigen? War das wegen deiner vielen Reisen nach Japan oder eher Zufall?

«Eher Zufall. Die Sehnsucht, oder sagen wir das Heimweh war schon immer sehr stark, weil ich mich in Japan immer sehr wohlgefühlt habe. Die Idee, dass ich das ein Stück weit hierhin bringe, hatte ich vorher eigentlich nicht. Das kam eigentlich erst mit dieser Anfrage, ob ich den Laden übernehmen möchte».

Mir scheint, als sei ein richtiger Japan-Boom in der Schweiz entstanden. Wie siehst du das?

«Ich nehme das so wahr, dass es ungefähr seit zwei Jahren ziemlich angezogen hat und so ein Hype entstan-

den ist. Viele sind nach Corona nach Japan gereist und über die sozialen Medien wurde das Land sehr schnell bekannt».

Lange Zeit war es ja so, dass man in der Schweiz viele japanische Touristen gesehen hat. Aber man hört aus Japan, dass es immer mehr Touristen aus Europa gibt. Und wenn man einmal dort war, geht man immer wieder. Was denkst du, warum ist Japan so cool?

«Das hat einerseits sicher auch mit dem starken Yen zu tun, Reisen nach Japan sind heute viel erschwinglicher als früher. Andererseits ist es diese spannende Kombination zwischen Tradition und Moderne, die gerade bei jungen Leuten sehr gefragt ist».

Home of Japan

Nimm uns doch mal in deinen Laden mit. Was sieht man zum Beispiel im ersten Raum?

«Hauptsächlich Lifestyleprodukte, Haushalts- und Papeterieartikel, Düfte, also Räucherstäbchen und Geschirr. Im oberen Stock haben wir ganz viele Kimonos und Textilien und ein grosses Zimmer mit Büchern, in welche man auch gemütlich auf einem Futon reinschauen kann. Im dritten Raum haben wir unsere Wohnausstellung mit Betten und Futons. Der vierte Raum ist eigentlich unser Büro, ab und zu finden dort aber auch Workshops, Kunstausstellungen und andere Events statt».

Wir haben entdeckt, dass hier auch einige Kunstwerke hängen. Stellst du auch Künstler:innen aus Japan aus?

«Wir haben eine Ausstellung mit einem japanischen Fotografen in Zusammenarbeit mit der Galerie Eulenspiegel gemacht. Auch mit lokalen Künstler:innen haben wir schon Sachen realisiert. Die kommen zwar nicht aus Japan, aber die Ausstellungen sind zum Thema Japan».

Werden die Futons, die du anbietest, in Basel produziert?

«Nicht mehr. Ich habe sie früher selber hergestellt, musste aber aus gesundheitlichen Gründen damit aufhören, weil es eine körperlich sehr anstrengende Arbeit ist. Ich habe eine Werkstatt in Bern gefunden, welche sie sehr traditionell von Hand herstellt».

Traditionell bedeutet in diesem Fall, dass bei den Bettgestellen aus Holz kein Metall verwendet wird, sondern japanische Steckverbindungen. Die Futons sind alle von Hand genäht und man kann die Grösse nach Wunsch wählen. Die Kosten für ein 160 cm-Futon belaufen sich dabei auf ca. CHF 800.–. Die Lieferzeit beträgt rund sechs Wochen.

Ebenfalls im Angebot sind Tatami-Matten (gepresste Strohmatten), ein japanischer Bodenbelag, der vor allem als Unterlagen für den Futon verwendet wird.

Dritter Raum im «hômu» mit der Wohnausstellung «Betten und Futons»

Wohn(t)räume zum

Wohlfühlen

Stefanie Klebs ist Wohnberaterin und betreibt in Rheinfelden ihren Showroom, welcher nach Vereinbarung geöffnet wird. Mit einem besonderen Gespür für skandinavische Eleganz und Funktionalität gestaltet sie Wohnund Gasträume, die sowohl ästhetisch ansprechend als auch praktisch sind. So erhält man einzigartiges Design und individuelle Lösungen für sein Zuhause.

Was macht eine Wohnberaterin den ganzen Tag?

«Erstaunlicherweise viel Arbeit am Computer. Aber ich arbeite natürlich auch mit Materialien, erstelle Materialisierungen und Konzepte, verwende 3D-Programme, plane und schreibe Offerten. Es ist grundsätzlich sehr kreativ».

Warum braucht man eine Wohnberatung?

«Zum einen haben wir alle keine Zeit, niemand hat Lust, sich jedes Wochenende in Warenhäusern durchzuschlagen, um dann doch nicht genau das zu finden, was man will. Mit einer Wohnberatung erhält man ein schönes Konzept, einen Leitfaden. Man kann das auf sein persönliches Wunschwohnkonzept ausdehnen und so hat man einen Fahrplan, den man in seinem Tempo umsetzen kann. Auf diese Art kommt man zu seinem Wunschergebnis».

Was war der Grund, dass du dich für diese Ausbildung entschieden hast?

«Ich habe als Kind schon ständig mein Zimmer umgestellt. In den Jugendjahren fing ich dann zu streichen an, mein Vater war Maler, ich hatte also ständig eine andere Wandfarbe, habe auch Wandbemalungen gemacht. Es hat mich immer begleitet, das kreative Arbeiten und die Kreation von schönen Kombinationen. Mit meinem ersten Haus kam dann auch das Interesse an Vintage Design Möbeln».

Dein zweites Haus in Magden (AG) erlangte durch einen Artikel der NZZ eine gewisse Popularität. «Ja, das war eine tolle Geschichte. Das Haus war eine grosse Herzensangelegenheit von uns. Wir wurden von der NZZ Residence angefragt, weil die jemanden suchten, die gerade ein Bauernhaus umbauen. Wir mussten uns einfach bewerben und sind dann tatsächlich genommen worden und sogar auf dem Titelblatt gelandet».

Hüere güet

Klebs war sogar schon im TV. Für den bekannten Restauranttester Daniel Bumann durfte sie Restaurants umgestalten. Bumanns Sendung wurde während vier Tagen produziert. Eine kurze Zeit, in welcher Klebs ihr Talent für Improvisation unter Beweis stellen konnte. Sie ging auch oft inkognito in Restaurants und machte Bilder, damit sie überhaupt eine Vorstellung davon hatte, mit was sie arbeiten musste. Dann wurde innert kürzester Zeit ein Konzept entwickelt, eingekauft, alles

an den Ort gefahren und umgesetzt. Die Vorlaufzeit war knapp, es gab sogar ein Projekt, welches über Nacht realisiert wurde.

In Basel durftest du auch ein spannendes Projekt für ein Hotel machen?

«Genau, für das SET Hotel. Residence by Teufelhof Basel. Eigentlich bin ich über eines meiner ersten Projekte, die 1777 Kaffee*Restaurant*Bar zu diesem Auftrag gekommen, weil ich damit in die Wyniger-Gruppe reingekommen bin».

Wie schwierig ist Wohnberatung in der Schweiz?

«Es ist am Kommen. So wie die Leute Wert auf gute Kleidung legen, möchten sie es auch zu Hause schön haben. Und die Situation kennt jeder: Man fängt zu Hause in einer Ecke an, will etwas verändern, geht dann zur nächsten Ecke, aber irgendwie kommt man nie zum gewünschten Ziel. Und deshalb brauchen

Leute die Wohnberatung».

Wie muss man sich den Ablauf einer Wohnberatung vorstellen?

«Es beginnt mit einem ersten Gespräch, wo ich herausfinde, was der Kunde möchte, in welche Stilrichtung es geht. Nach dem Gespräch weiss ich zu 80%, was ich mache. Ich habe hier eine riesige Bibliothek und pflücke dann das Passende raus. Und dann geht es darum, zu visualisieren. Ich erstelle 3D-Visuals, mache Moodboards und auch immer eine Materialisierung, das hilft bei der Entscheidungsfindung».

Mit was für einem Budget muss man rechnen?

«Ich habe ein einfaches Preismodell erstellt, wo ich pro Bereich arbeite also pro Wohnbereich, pro Essbereich, pro Zimmer, pro Terrasse. So hat man dann ein Paket. Das kleine Paket ohne 3D-Visualisierungen kostet CHF 500.–, das grosse mit 3D-Visualisierungen CHF 750.–. Wenn sich der Kunde für ein Paket entschieden hat, erstelle ich eine Präsentation, welche auch einen Möblierungsvorschlag beinhaltet. Die Möbel bestelle ich dann für den Kunden, das heisst, ich mache die ganze Abwicklung».

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

«Es geht sicherlich in Richtung nordischer Stil, gespickt mit Kunstobjekten, ich mag Formen, Streifen, bei mir findet man aber auch Einzelstücke, die man sonst nirgends findet. Und ich habe auch diverse Künstler:innen, deren Werke ich anbiete».

IMZ / Neugestaltung Bistro Intermezzo

Seit 1985 steht Feldmann für vertrauensvolle Immobilienentwicklung.

Uns zeichnet die tiefe Verbundenheit mit unseren Kunden und unser umfassendes Verständnis der lokalen Immobilienmärkte aus. Wir legen grossen Wert auf eine offene Kommunikation, individuelle Lösungen und eine transparente Abwicklung. Denn wir wissen, dass der Kauf oder Verkauf einer Immobilie eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben ist.

Impressum

Herausgeber:

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www.fmnn.ch

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Luzernerstrasse 15c

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+41 56 675 50 30

Redaktion:

Roy Hofer

Texte:

Nadja Borer

Carlo Gruber

Mark Schönholzer

Roy Hofer

Fotos:

Aytac Pekdemir

Valbona Vejseli

Roy Hofer

SKconcepts

hômu

BMB Group

Walo Ilg

Adobe Stock Fotos

Titelbild:

Karin Seiz, Galerie Urs Meile Luzern

Foto: Aytac Pekdemir

Podcasts: Roy Hofer

Layout: Roy Hofer

Druck:

Kasimir Meyer AG

Kapellstrasse 5

5610 Wohlen AG

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