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Fazit 221

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Die Rektorin der FH-Joanneum Corinna Engelhardt-Nowitzki im Interview

FAZIT

April 2026

FAZITESSAY

Christian Wabl darüber, was die Schule dem Leben wirklich mitgibt

Wirtschaft und mehr. Aus dem Süden.

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Richtig entsorgen

und Brände vermeiden

Batterien und Akkus richtig entsorgen: im Ressourcenpark, bei Problemstoffsammelstellen oder in Sammelboxen im Handel.

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Editorial

Von Christian Klepej

Die Affäre um einen angeblichen Fall sexueller Belästung im ORF hat die österreichische Medienwelt erschüttert. Oder zumindest durchgerüttelt. Roland Weißmann, als Führungspersönlichkeit eine unscheinbare Figur, wird von einer ORF-Mitarbeiterin beschuldigt, er habe sie vor einigen Jahren – wann das war, ist derzeit Gegenstand von diversen Ermittlungen und vor allem Gerüchten –, er habe sie also ... ja, was eigentlich genau?

Zur Stunde ist nämlich nur bekannt, der ORF-Chef – ein Generaldirektor ist das mittlerweile, ein »Generalintendant« würde bei der Programmausrichtung dieser Rundfunkanstalt auch aus meiner Sicht überzogen klingen – hätte sie »sexuell belästigt«. Eine nicht näher bekannte rechtsfreundliche Vertretung der betroffenen Dame hat – interessanterweise – nicht Strafanzeige erstattet, wie das bei kriminellem Verhalten eigentlich eine Tradition darstellt, sondern sich an den Stiftungsrat des ORF gewandt und dort – offensichtlich – so viel an »belastendem Material« gegen Weißmann vorgelegt, dass dieser unter Führung des ehe-

Eine Gesellschaft ohne Unschuldsvermutung kann keine gerechte sein

maligen SPÖ-Kommunikationschefs Heinz Lederer, Weißmann den »sofortigen Rückzug« von seiner Funktion nahegelegt hat. Das hat er am 8. März getan und mittlerweile hat Weißmann auch Strafanzeige gegen mehrere Personen erstattet. Er bestreitet in einer Sachverhaltsdarstellung alle an ihn gerichteten Vorwürfe, spricht von einer »von 2019 bis 2021 dauernden, privaten und einvernehmlichen Beziehung« und wirft mindestens zwei Personen Nötigung und Erpressung vor.

Das ist alles eine ausnehmend unangenehme Situation und als ein Substrat bisher, zeigt sich mir Österreich als ein Land, in dem jemand Jahre später eine »sexuelle Belästigung« in den Raum stellen kann und das klare und wünschenswerte Verhalten dann der sofortige Rückzug des »alten, weißen Mannes« ist. Weil er – bevor irgendwelche Sachverhalte einer richterlichen Prüfung unterzogen sind – Täter ist.

Um es ganz deutlich zu sagen, mir sind sexuelle Belästigungen, noch dazu, wenn sie unter Ausnutzung einer beruflichen Stellung passieren, mehr als zuwider. Ich bin in der glücklichen Position bei tausenden gesellschaftlichen Anlässen in den letzten dreißig Jahren – in einem vor allem bürgerlichen, oft ÖVP-nahem Umfeld –, bis auf ein einziges Mal keiner wie immer gearteten auch nur »Fragwürdigkeit« in diesem Bereich begegnet sein zu müssen. Das eine Mal, das war eine übergriffige Berührung einer Kellnerin an einer unangemessenen Stelle bei einem abendlichen Buffet. Ich war noch Funktionär der Jungen ÖVP und habe laut und deutlich diesem Chef einer Interessensvertretung klar gemacht, dass sich das nicht gehöre. So laut, dass es alle im Raum Anwesenden vernommen haben, und so laut, dass der Kollege die Zurechtweisung als solche wohl verstanden hat.

Das heißt jetzt nicht, dass es sexuelle Belästigung nicht gäbe, oder auch nur, dass sie in einem sehr geringen Ausmaß vorkäme, das ist ausschließlich meine persönliche Empirie. Und das heißt auch auf gar keinen Fall, dass ich irgendetwas in diesem Bereich verharmlosen möchte. Ganz im Gegentum, ein Mann, der eine Frau belästigt, sie unanständig berührt oder ihr auch nur unsitt-

liche Avancen macht, verdient unser aller Verachtung. Übrigens genauso, wie es ein weiblicher Täter verdienen würde. Und ja, da gibt es deutlich weniger. Was auch Verachtung verdient, ist aber die ungeheure Vorverurteilung, die in diesem konkreten wie auch in anderen Fällen gerne stattfindet. Der Mann ist der Täter. Punktum. Die »Solidarität« gehört »der Frau«. Das kann insbesondere bei einem solch unklaren wie unüberschaubaren Vorgang, noch dazu mit zahlreichen politischen und persönlichen Verstrickungen aller Beteiligten, doch nicht unser Ernst sein. Zum Einen macht es Frauen in einem furchtbaren Automatismus ein weiteres Mal zum Opfer – es wird ihnen etwa jede »Täterfähigkeit« von vornherein abgesprochen, und die Motivlage der beteiligten Dame ist mehr als hinterfragenswert – und zum Anderen ist es schlicht ungerecht dem dann doch Gros aller Männer gegenüber, die ein solches Verhalten eben nicht an den Tag legen. Ganz egal, wie sich der Sachverhalt in der Causa ORF irgendwann einmal klären wird.

Den Vogel an Antifeminismus hat übrigens unser Vizekanzler und Medienminister abgeschossen: dessen schlichte Forderung, »der neue ORF-Chef muss eine Frau sein«, lässt jede nächste ORF-Generalin per Einfalt zur Quotenlösung mutieren. Der Beste muss nächster ORF-Chef werden. Und nur ein schlichter Geist verfügt nicht über die Vorstellungskraft und die sprachliche Präzision, dass das natürlich auch eine Frau sein kann. Worüber ich mich freuen würde. n

Sie erreichen den Autor unter christian.klepej@wmedia.at

Inhalt Fazit April 2026

Bildung im Rückzug

Nie war Wissen so verfügbar wie heute und doch schwinden Lesen, Rechnen und Konzentration. Verlernen wir gerade das Denken?

Eine Frage der Bildung

Corinna Engelhardt-Nowitzki über KI in der Lehre, den Wert von Urteilskraft, und was Hochschulen heute leisten müssen.

Flimmern über Graz

Das ist doch alles chinesisch!

Christian Wabl schreibt über Schule, Verstehen und Freude an echter Erkenntnis. Ein Essay über das Lernen.

Michael Petrowitsch hat die diesjährige Diagonale ausgiebig besucht und war nicht nur von Preisträgerin Hilde Dalik angetan.

Seite 80

Fotos: Fazit/KI, Heimo Binder (2), Enlarge, Andreas Pankarter, Elsa Okazaki

22 Jahre Wirtschaft und mehr.

Rubriken

Editorial 3

Politicks 14

Investor 32

Außenansicht 38

Oberdengler 46

Immobilien 70

Alles Kultur 80

Schluss 82

Die ganze Welt zusammenhalten

Eva Surma, Feministin und Mitautorin von »Warum Frauen zu sehr schuften«, über Gleichberechtigung und Verantwortung.

Wein im Hof

Im Klapotez in einem Renaissancehof mitten in der Grazer Altstadt kredenzt Evelyn Merc die besten Weine des Landes.

Liebe Leser!

Mit dieser Ausgabe wird Fazit 22 Jahre alt. In der Medienwelt ist das ein hohes Alter. Und so sprechen auch wir immer öfter von digitaler Transformation. Wir machen jedenfalls mit Klarheit, »anderer Haltung« und dem Anspruch Wirtschaft, Politik und Gesellschaft klüger zu beschreiben, als sie oft sind, weiter.

Das Fazitthema widmet sich der Bildung – einer Zukunftsfrage, über die viel geredet und wenig verstanden wird. Nie war Wissen so leicht verfügbar wie heute, und doch geraten Lesen, Rechnen, Konzentration und eigenständiges Denken unter Druck.

Im Fazitgespräch erklärt Corinna Engelhardt-Nowitzki, warum Künstliche Intelligenz die Lehre nicht entmenschlicht, sondern Hochschulbildung wieder stärker auf Urteilskraft, Verantwortung und Reflexion zurückführen kann. Und Christian Wabl blickt in seinem Essay persönlich auf Schule, Sprache und das brüchige Verhältnis zwischen Lernstoff und wirklichem Verstehen.

In der Fazitbegegnung treffen wir Eva Surma. Sie spricht über Carearbeit, finanzielle Eigenständigkeit, Gleichberechtigung und das, was Gesellschaften zusammenhält. Gutes Lesen! -red-

IMPRESSUM

Herausgeber

Horst Futterer, Christian Klepej und Mag. Johannes Tandl

Medieninhaber & Verleger

Klepej & Tandl VerlagsgmbH.

Chefredaktion

Christian Klepej Mag. Johannes Tandl

Redaktion

Peter K. Wagner (BA), Mag. Josef Schiffer, Mag. Maryam Laura Moazedi, Dr. Volker Schögler, Mag. Johannes Pratl, Helmut Wagner, Mag. Katharina Zimmermann, Mag. Michael Petrowitsch, Christian Wabl, Peter Pichler (Produktion), Vanessa Fuchs (Organisation)

Lektorat

AdLiteram

Druck

Walstead-Leykam

Vertrieb & Anzeigenleitung

Horst Futterer

Redaktionsanschrift

Schmiedgasse 38/II

A-8010 Graz

T. 0316/671929*0. F.*33

Titelfoto von Heimo Binder

office@wmedia.at fazitmagazin.at facebook.com/fazitmagazin

Fazitthema

Von Johannes Roth

Wissen im Überfluss, Bildung im Rückzug

Nie war Wissen so verfügbar wie heute – und doch schwindet die Fähigkeit, es zu durchdringen. Zwischen sinkenden Grundkompetenzen, wachsender Abschlussinflation und der Verlagerung kognitiver Leistungen an Maschinen steht das Bildungssystem vor einer fundamentalen Frage: Verlernen wir gerade das Denken?

Schon unsere Eltern hatten uns gewarnt, wann immer wir als Kinder die Sinnhaftigkeit des Kopfrechnens infrage gestellt hatten. Wir würden später, wenn wir erwachsen seien, ja auch nicht immer einen Taschenrechner dabeihaben. Dieses Bonmot ist bekannt und dennoch ein wunderbares Beispiel dafür, wie man technologische Entwicklungen im Kontext der Bildung bzw. Ausbildung unterschätzen kann. Denn tatsächlich führen wir heute nicht nur einen Taschenrechner ständig mit uns, sondern auch sämtliche Bände von Meyers Konversationslexikon, die komplette Encyclopedia Britannica, die Wörterbücher so ziemlich aller 7000 lebenden Sprachen sowie das musikalische, literarische und kinematografische Schaffen der Menschheit und einen ziemlich vollständigen Überblick über die

hunderttausend bedeutendsten Werke der bildenden Kunst. Die Erfindung des Internets und von Speichermedien hat in rasender Geschwindigkeit die kühnsten Bildungsvisionen unserer Eltern für uns wahr werden lassen.

Erosion der Grundlagen

Freilich, ohne uns klüger werden zu lassen. Denn trotz des Wissensschatzes, den wir ständig mit uns tragen – oder gerade wegen ihm –, ist das Bildungsniveau unserer Tage vergleichsweise erbärmlich. Das ist nicht unbedingt dem System anzulasten, denn die Menschen werden nicht immer dümmer. Allerdings produziert dieses System seit einigen Jahrzehnten mehr Oberfläche als Tiefe. Um Beweise für diese These zu finden, braucht es nicht einmal

sehr viel Recherche – sie gilt mittlerweile als durchaus bekannte Tatsache. Während die Basisfähigkeiten, die man braucht, um Bildung aufzubauen, wie etwa Lesen oder das Beherrschen der Grundrechenarten, abnehmen, nimmt die Unfähigkeit der Politik, dieses Problem zu lösen, zu. Das Ergebnis dieser Kluft zwischen tatsächlichem Gelingen der Wissensvermittlung und politischem Unwillen ist etwa an den OECD-PISA-Studien abzulesen, die seit Jahren Rückgänge in Lesekompetenz und Mathematik in vielen Ländern zeigen; auch Österreich liegt beim Lesen nur im Mittelfeld – mit sinkender Tendenz. Besonders alarmierend ist, dass der Anteil leistungsschwacher Schüler steigt und Spitzenleistungen gleichzeitig abnehmen.

Diese Erosion der Leistungsfähigkeit in beide Richtungen drückt sich in Phänomenen wie dem funktionalen Analphabetismus aus. In Deutschland gelten bereits sechs bis sieben Millionen Menschen als funktionale Analphabeten, das heißt, sie können zwar Straßenschilder entziffern, tun sich aber schwer damit, den Sinn eines Textes so zu erfassen, dass sie ihn weitergeben könnten. Ein signifikanter Teil der Bevölkerung hat zudem nicht nur Probleme mit komplexen Texten und logischem Schlussfolgern, sondern auch mit Alltagsmathematik.

Titel statt Talent

Die Politik hat es indes europaweit zustande gebracht, das Problem zu übertünchen, und zwar indem sie der Bevölkerung eine wachsende Zahl an Abschlüssen ermöglicht. Bildung ist also formal vorhanden – es gibt ja Absolventen en masse –, sie ist aber praktisch nicht wirksam. Während 1981 noch 46 Prozent aller Schulabschlüsse Pflichtschulabschlüsse (Hauptschul- und polytechnische Abschlüsse) waren, waren es 2023 nur mehr 17 Prozent. Umgekehrt verhält es sich mit den Abschlüssen der mittleren und höheren Schulen. 1981 haben nur 18 Prozent dieses Niveau erreicht, 2023 waren es bereits über 30 Prozent. Dieses Muster setzt sich bei den Hochschulabschlüssen fort. 1981 – das ist das früheste Jahr, das die Statistik Austria ausweist – hatten 4,5 Prozent der Bevölkerung einen Hochschul- oder Akademieabschluss, 2023 waren es bereits 21 Prozent. Man mag also in gewissen Kreisen die gestiegene «Durchlässigkeit des Bildungssystems» als Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit bejubeln, de facto stellt diese Durchlässigkeit eine Entwertung von Bildungsstandards dar. Die Standard-Autorin Karin Bauer fasste bereits 2021 in einem Kommentar das Phänomen so zusammen:

«Die neuen Facetten der Titelsucht sind ein wachsendes Problem. Sie sind im Arbeitsleben für Junge durch die europäische Studienordnung nach dem sogenannten Bologna-Prozess entstanden, der eigentlich Durchlässigkeit und Anrechenbarkeit akademischer Leistungen bringen wollte. Nach dem Bachelor sollte real gearbeitet, dann erst ein Master angehängt werden. Tatsächlich haben der Arbeitsmarkt und seine Recruiter in den Firmen den Bachelor zur neuen Matura degradiert; die Pforte in den Bewerbungsprozess öffnet meistens erst ein Masterabschluss. Das führt dazu, dass Jüngere Abschlüsse sammeln, so schnell es geht. Sie setzen im Studium alles daran, zum Mastertitel zu kommen und des besseren Milieus des Arbeitsmarktes «würdig» zu sein.»

Die Gehälter nähern sich einander an Indessen schwindet der Gehaltsunterschied zwischen Master- und Bachelorabschlüssen signifikant. Das ist eine direkte Folge der Überakademisierung, wie etwa auch der Standard in einem anderen Artikel festhält. So hätten sich in den Nullerjahren zum Beispiel FH-Studiengänge für Physiotherapie und Sozialarbeit etabliert, was, wie AMS-Chef Kopf laut Standard vermutet, nun mit Verspätung bei den Gehältern durchschlägt: «Wenn ein Bachelorabschluss in bestimmten Branchen nicht anerkannt war, haben Leute mit Bachelorabschluss dort formal als Nichtakademiker gearbeitet. Wenn diese Branchen den Bachelor nun anerkennen, ist eine deutliche Gehaltssteigerung in diesen Branchen die reale Folge.»

Illusion der Gerechtigkeit

Bei der Beurteilung des Bildungsniveaus den Zeitgeist unberücksichtigt zu lassen, hieße, das Bild nicht fertig zu malen. Denn natürlich fordert der allgegenwärtige Gedanke an soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit seinen Tribut in der Bildungslandschaft. Hartnäckig hält sich beispielsweise immer noch das Gerücht, dass Bildung vererbt werde. Wer arme Eltern habe, habe es im Bildungserwerb später schwerer, erklären uns die Interpreten einschlägiger Statistiken, befeuert von Polemiken der üblichen Verdächtigen. Barbara Baha etwa thematisierte schon vor Jahren den «Klassismus» – eine Form der Diskriminierung wegen der Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht – beim Bildungserwerb. Einem «Arbeiterkind» würden auf seinem Weg zum akademischen Abschluss mehr Steine in den Weg gelegt als Kindern, deren Eltern bereits Akademiker seien, postulierte Baha in der

bekannten Larmoyanz sozialistischer Parvenüs; sie selbst sei das beste Beispiel dafür: Sie habe sich viel schwerer getan, sich an einer Uni zurechtzufinden, als ihre wohlbestallten Kommilitonen. Groß war auch die Aufregung, als man 2011 beim Medizinertest in Graz feststellte, dass 58 Prozent derer, die sich erfolgreich dem sogenannten «Basiskenntnistest Medizinische Studien» unterzogen hatten, Männer waren und nur 42 Prozent Frauen. Sofort wurde am Testdesign getüftelt, die Erklärung der Universität Graz – dass nämlich Männer wegen des Grundwehrdienstes länger Zeit hätten, sich in den naturwissenschaftlichen Fächern besser vorzubereiten – wurde weitgehend ignoriert. Das Rektorat musste beschwichtigen: «Nichtsdestotrotz sind in diesem Zusammenhang auch die Schulen in der Verantwortung, beiden Geschlechtern gleiche Grundbedingungen für das spätere Studium und Berufsleben zu bieten», beeilte sich der Vizerektor zu erklären. Bei einem ähnlichen Test in Wien wurden daraufhin die Testergebnisse von Männern und Frauen nach unterschiedlichen Kriterien beurteilt.

Schwindende sprachliche Basis

Dass allein die demografische Entwicklung es immer schwieriger macht, die Jugend zu bilden, tut ein Übriges. Zur ständigen Herunternivellierung der Bildungsstandards trägt vor allem auch die Migration bei, wiewohl dies von jenen Kreisen, deren Mindset darauf ausgerichtet ist, reale Problemlagen in den Lebenswirklichkeiten der Schulen auszublenden, hartnäckig geleugnet wird. Fakt ist, dass dort, wo es bereits an den Basiskenntnissen der deutschen Sprache scheitert, man sich natürlich viel schwerer tut, Bildung im klassischen Sinn zu vermitteln. Bereits 1,8 Millionen der in Österreich lebenden Menschen wurden im Ausland geboren (Statistik Austria 2024). Anders gesagt: 20,8 Prozent der Bevölkerung sind der ersten Generation Zuwanderer zuzurechnen, weitere sieben Prozent gehören der zweiten Generation an. 1.300 Planstellen kümmern sich im pädagogischen Machtbereich des Staates allein darum, Kindern mit mangelnden Deutschkenntnissen wenigstens so weit die Sprache beizubringen, dass sie am Unterricht als ordentliche Schüler teilnehmen können.

Späte Reaktionen

Die Regierung feilt seit einiger Zeit an einem besseren Konzept für die Deutschförderung im Allgemeinen. Nun gibt es erste Ergebnisse, wie Bildungsminister Christoph Wiederkehr vor wenigen Wochen nach dem Ministerrat im Pressefoyer bekannt gab. Eines

davon ist, dass es den Schulen künftig selbst überlassen sein soll, wie sie die Deutschförderung ausgestalten – Hauptsache, das Ziel, die Zahl der wegen mangelnder Deutschkenntnisse als «außerordentlich» klassifizierten Schüler zu reduzieren, wird erreicht. Nach vielen Jahren mit steigenden Zahlen gebe es diesbezüglich derzeit endlich eine Trendwende, so Wiederkehr. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Zahlen um 4,2 Prozent auf 46.385 gesunken. Ein Teil des Rückgangs sei aber weniger auf das steigende Bildungsniveau als auf den Stopp des Familiennachzugs zurückzuführen. Was nichts an der Tatsache ändert, dass es bereits Schulklassen gibt, in denen kein einziger Schüler mehr Deutsch als Muttersprache hat.

Überforderung

im Klassenzimmer

Dass der Stopp des Familiennachzugs aus pädagogischer Hinsicht dringend notwendig war, zeigt ein Blick auf ein anderes Problem. In den vergangenen Jahren ist der Familienzuzug vor allem in Wien so stark geworden, dass den Schulen schlicht die Klassenräume ausgingen. Im Schuljahr 2022/23 waren es rund 1300, 2023/24 rund 3200 und 2024/25 bis Februar 2300 Schüler, die in Wien unter dem Titel Familiennachzug ankamen, viele ohne vorhergehende Schulerfahrung. Die Zahl der Pflichtschüler steigt in der wachsenden Stadt seit Jahren auch unabhängig vom migrationsbedingten Nachzug. Vor allem in den Volks- und Mittelschulen in Wien stieg die Zahl der Pflichtschüler in den vergangenen Jahren stärker als zuvor, so etwa der Standard. Von 2021/22 auf 2022/23 seien es fast plus fünf Prozent gewesen, in den beiden folgenden Jahren je knapp vier Prozent. Anders gesagt – zwischen 2015 und 2024 sind in Wien insgesamt über 25.000 Pflichtschüler dazugekommen. Was darin resultierte, dass man sich plötzlich gefordert sah, 1.200 neue Schulklassen zu schaffen – ein eklatantes Problem für die Schulen, die rein räumlich für einen gänzlich anderen Bevölkerungsstand konzipiert wurden. Die Lösung: «Mobile Klassen», im Volksmund «Containerklassen» genannt, weil bereits Container angeschafft werden müssen, um der Raumnot Herr zu werden. Man muss kein Superpädagoge sein, um sich auszumalen, was die Gemengelage aus Raumnot, fremden Kulturen und Religionen sowie einem babylonischen Sprachgewirr mit dem Bildungsniveau macht.

Zerstörung der Tiefe

In dieser Betrachtung fehlt ein weiterer wichtiger Aspekt. Gemeint

sind die kognitiven Anforderungen moderner Bildungssysteme. Diese kollidieren zunehmend mit den veränderten Aufmerksamkeitsmustern, die stark durch digitale Medien geprägt sind. Studien zeigen, dass insbesondere die Fähigkeit zu längerer Konzentration und tiefem, zusammenhängendem Denken abnimmt. Eine oft zitierte Untersuchung von Microsoft (2015) weist darauf hin, dass die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne im digitalen Umfeld deutlich gesunken ist – ein Befund, der seither in zahlreichen Folgearbeiten differenziert, aber grundsätzlich bestätigt wurde. Neuere Forschung, etwa von der Stanford University (Ophir et al., 2009; weitergeführt in aktuellen Mediennutzungsstudien), zeigt zudem, dass intensives Multitasking mit digitalen Medien die Fähigkeit zur kognitiven Kontrolle und zur Filterung relevanter Informationen beeinträchtigen kann. So legt etwa die Arbeit von Maryanne Wolf, wie in «Reader, Come Home» (2018) dargelegt, nahe, dass oberflächliches, schnelles Lesen in digitalen Umgebungen tiefes Textverständnis und kritische Analysefähigkeit verdrängt. Ergänzend zeigt eine Metaanalyse im Fachjournal Educational Psychology Review aus dem Jahr 2018, dass das Lesen auf Bildschirmen im Durchschnitt mit geringerer Verständnisleistung verbunden ist als das Lesen auf Papier. In Summe verdichten sich die Hinweise darauf, dass die «digitale Reizstruktur»,

wie das in der Fachsprache genannt wird, nicht nur Lerngewohnheiten verändert, sondern zentrale kognitive Kompetenzen – insbesondere Konzentration, Abstraktionsfähigkeit und tiefes Verstehen – nachhaltig unter Druck setzt.

Wenn Maschinen das Denken übernehmen Nicht zuletzt die Möglichkeiten, die KI bietet, werden das allgemeine Bildungsniveau weiter nach unten nivellieren. Wobei es weniger die KI ist als die Art, wie man damit umgeht. Die Zeitspanne, seit KI im Bildungserwerbsprozess eingesetzt werden kann, ist noch zu kurz, um wissenschaftlich fundierte Schlüsse zu ziehen, aber erste empirische Befunde deuten darauf hin, dass KI nicht nur Lernprozesse unterstützt, sondern diese in vielen Fällen substituiert. So zeigt eine aktuelle Studie (etwa auf arXiv, einem anerkannten Open-Access-Forschungsarchiv für wissenschaftliche Preprints aus den Bereichen Physik, Mathematik, Informatik, quantitative Biologie, quantitative Finanzwissenschaft, Statistik und verwandten Fachgebieten) aus dem Jahr 2024, dass Studierende, die regelmäßig KI-Tools nutzten, signifikant schlechtere Prüfungsergebnisse erzielten als Vergleichsgruppen ohne KI-Einsatz. Parallel dazu kommt eine Untersuchung im Fachjournal Studies in Higher Education zu dem Ergebnis, dass KI vor

Kurt Hohensinner, Stadtrat
Anna Hopper, Clubobfrau

allem dann zu «oberflächlichem Lernen» führt, wenn sie zur direkten Antwortgenerierung genutzt wird, anstatt als Reflexionsinstrument zu dienen. Besonders kritisch ist dabei die Verschiebung des Lernprozesses selbst. So ermöglicht KI erstmals in großem Maßstab die vollständige Auslagerung kognitiver Leistungen wie Schreiben, Argumentieren oder Strukturieren. Flankiert wird dies durch eine wachsende Zahl dokumentierter Fälle von KI-gestütztem akademischem Fehlverhalten, etwa an britischen Universitäten, wie der Guardian 2025 berichtete. Zusammengenommen legen diese Befunde nahe, dass KI – bei typischer Nutzung – nicht zu einer Vertiefung von Bildung beiträgt, sondern im Gegenteil eine Tendenz zum «Deskilling» verstärkt, also gute Ergebnisse ohne entsprechenden Kompetenzaufbau erzeugt.

Die letzte Aufgabe der Bildung

Bleibt die grundsätzliche Frage, wozu überhaupt noch lernen, wenn künftig alles durch KI gelöst werden kann, was man heute in der Schule mühsam erwirbt? Die naheliegende, aber gefährliche Antwort lautet: gar nicht mehr. Denn wenn jede Rechenaufgabe, jeder Aufsatz, jede Analyse in Sekunden generiert werden kann, verliert das Lernen scheinbar seinen Zweck. Doch genau hier liegt der fundamentale Irrtum. Bildung war nie primär das Ansammeln

von abrufbarem Wissen, sie war immer die Schulung des Denkens. Wer nicht mehr selbst rechnet, verlernt das Verständnis für Zahlen. Wer nicht mehr selbst formuliert, verliert die Fähigkeit, Gedanken zu strukturieren. Und wer nicht mehr selbst analysiert, kann auch die Ergebnisse der KI nicht mehr beurteilen.

Die eigentliche Funktion von Bildung verschiebt sich damit radikal weg von der Produktion von Antworten hin zur Fähigkeit, Fragen zu stellen, Ergebnisse einzuordnen und Qualität zu beurteilen.

In einer Welt, in der Maschinen scheinbar alles wissen, wird der Unterschied nicht mehr zwischen Wissenden und Unwissenden verlaufen, sondern zwischen jenen, die verstehen, und jenen, die nur noch bedienen. Bildung entscheidet dann nicht mehr darüber, ob man etwas weiß – sondern darüber, ob man überhaupt noch in der Lage ist, eigenständig zu denken. Genau deshalb wird Lernen nicht obsolet, sondern existenziell.

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Europa muss lernen, die Sprache der Macht zu sprechen.

Graz vor der Richtungswahl - Vieles spricht für Kahr

Die Grazer Gemeinderatswahl am 28. Juni 2026 scheint auf den ersten Blick eine klare Angelegenheit zu sein – doch der Schein trügt. Eine aktuelle Hajek-Umfrage zeigt ein deutliches Bild. Die KPÖ von Bürgermeisterin Elke Kahr liegt mit 31 Prozent klar vorne. Dahinter folgt die ÖVP mit 20 Prozent, knapp vor der FPÖ mit 18 Prozent. Die Grünen erreichen 14 Prozent, NEOS und SPÖ jeweils 8 Prozent. Damit ist die Ausgangslage eindeutig. Die KPÖ geht als klare Favoritin in die Wahl. Alles andere als Platz eins wäre eine Überraschung. Und dennoch bleibt die entscheidende Frage offen. Sie lautet: Wer regiert Graz nach dem Wahltag?

ÖVP-Spitzenkandidat Kurt Hohensinner setzt auf Sachpolitik und auf eine breite Bündnisfähigkeit. Auch als Zweiter könnte er nach der Wahl zum entscheidenden Machtfaktor werden.

Das dominante Szenario: Kahr bleibt vorne

Die wahrscheinlichste Entwicklung ist klar umrissen: Die KPÖ verteidigt ihre Führungsposition und bleibt stärkste Kraft. Der Abstand zur ÖVP ist deutlich genug, um nicht von einem echten Kopfan-Kopf-Rennen sprechen zu können. Damit verschiebt sich der Fokus weg vom

Wahlsieg – hin zur Mehrheitsbildung. Doch die KPÖ braucht Partner und hat dabei mehrere Optionen. Denn auch mit 31 Prozent ist die KPÖ natürlich auf Koalitionen angewiesen. Zwei Varianten liegen nahe –

Elke Kahr geht als klare Favoritin in die Grazer Wahl. Ihre Stärke liegt in persönlicher Glaubwürdigkeit – doch mit Graz ist es in den letzten Jahren eher bergab gegangen.

aber wohl nur auf dem ersten Blick. KPÖ, Grüne und SPÖ kommen gemeinsam auf rund 53 Prozent. Dass die SPÖ den Fehler der letzten Wahl wiederholt und erneut ohne Stadtratssitz in eine solche Koalition geht, ist jedoch auszuschließen. Damit rückt eine zweite Variante in den Fokus. KPÖ, Grüne und NEOS kommen laut Hajek-Umfrage ebenfalls auf rund 53 Prozent. Doch auch hier ist es schwer vorstellbar, dass sich die NEOS auf ein Modell ohne Sitz im Stadtsenat einlassen. Beide Varianten sichern den Beteiligten zwar rechnerisch eine Mehrheit, sie stehen politisch aber von Anfang an unter erheblichem Druck. Die Grünen verlieren deutlich, die SPÖ bleibt schwach. Und die Neos tun sich noch schwerer damit, eine Koalition mit der KPÖ zu rechtfertigen als die ÖVP. Das schränkt die realistischen Möglichkeiten deutlich ein. Diese Koalitionsvarianten gehen sich zwar rechnerisch aus. Politisch überzeugen können

sie nicht. Hinzu kommt auch innerhalb von KPÖ und SPÖ die wachsende Unzufriedenheit mit der grünen Verkehrspolitik. Viele empfinden sie als zu einseitig, zu wenig abgestimmt und zu stark ideologisch geprägt. Das Thema Verkehr belastet daher nicht nur die dafür verantwortlichen Grünen, sondern letztlich die gesamte Stadtregierung.

Gleichzeitig wächst im wirtschaftlichen Umfeld der Stadt die Sorge über fehlende Planbarkeit. Betriebe kritisieren, dass Investitionsentscheidungen zunehmend von kurzfristigen politischen Weichenstellungen abhängen. Gerade in Bereichen wie Handel, Bau und Dienstleistungen entsteht dadurch ein Gefühl struktureller Unsicherheit. Diese Stimmung wirkt längst über einzelne Branchen hinaus und beeinflusst auch das Wahlverhalten in der urbanen Mitte, die stärker auf Stabilität als auf Experimente setzt.

Die ÖVP liegt zwar zurück, ist aber dennoch der Schlüssel Für die ÖVP ist die Lage ambivalent. Mit 20 Prozent liegt sie klar hinter der KPÖ, der Weg zu Platz eins ist realistisch betrachtet sehr steil. Gleichzeitig bleibt sie die einzige Partei, die mehrere Koalitionsoptionen offenhalten kann. Und genau darin liegt ihre Stärke.

Kurt Hohensinner setzt im Wahlkampf auf Verlässlichkeit und Sachpolitik. Wirtschaft, Bildung, Infrastruktur und eine pragmatische Verkehrspolitik stehen im Mittelpunkt seiner Kampagne. Sein Zugang ist durchaus lösungsorientiert. Damit spricht er eine breite Mitte an.

Die besondere Rolle der ÖVP ergibt sich daher weniger aus ihrer Stärke allein, sondern aus ihrer Fähigkeit zu pragmatischen Lösungen. In Graz können politisch viele mit Hohensinner.

Die realistischste Alternative: KPÖ und ÖVP

Die politisch interessanteste und derzeit wahrscheinlichste Konstellation ergibt sich

Politicks

daher zwischen den beiden größten Parteien. KPÖ und ÖVP kommen gemeinsam auf rund 51 Prozent. Diese Zweierkoalition ist die einzige stabile Mehrheit ohne dritten Partner.

Sie wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, passt aber sehr gut zur politischen Realität in Graz. Bereits nach der Wahl 2021 gab es Gespräche, die jedoch scheiterten. Inhaltliche Unterschiede bestehen weiterhin, sind heute aber weniger unüberwindbar. Fünf Jahre Regierungsverantwortung haben auch die KPÖ pragmatischer gemacht.

In diesem Modell bleibt Elke Kahr Bürgermeisterin. Die ÖVP übernimmt zentrale Ressorts und kehrt als gestaltende Kraft in die Stadtregierung zurück. Für die KPÖ bedeutet das eine Öffnung zur Mitte, für die ÖVP die Rückkehr zur Verantwortung.

FPÖ: Zugewinne ohne klare Machtoption

Die FPÖ verbessert sich deutlich und erreicht 18 Prozent. Politisch bleibt ihre Lage dennoch schwierig. Ihr Wahlkampf setzt stark auf Zuspitzung – Migration,

Sicherheit, Kulturkonflikte. Das mobilisiert Wähler, erschwert aber die Zusammenarbeit mit anderen Parteien. Hinzu kommt die starke Rolle von Landeshauptmann Mario Kunasek. Je präsenter er im Wahlkampf auftritt, desto stärker rücken auch landespolitische Konfliktlinien in den Fokus. Das erhöht die Aufmerksamkeit, senkt aber die Koalitionsfähigkeit.

Das klassische bürgerliche Modell aus ÖVP, FPÖ und NEOS kommt aktuell nur auf rund 46 Prozent. Damit fehlt eine stabile Mehrheit. Selbst wenn es rechnerisch knapp reicht, bleibt die politische Tragfähigkeit fraglich. Die FPÖ gewinnt an Zustimmung, aber nicht automatisch an Einfluss.

Das weniger wahrscheinliche Szenario: Ein engeres Rennen Innerhalb der ÖVP gibt es Einschätzungen, die ein deutlich engeres Rennen sehen. Demnach liegt die Partei näher an der KPÖ, teilweise ist von einem offenen Duell die Rede. Diese Sicht verändert zwar die Perspektive, aber nicht die Wahrscheinlichkeiten. Ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen ist

derzeit durch keine unabhängigen Daten gedeckt. Der Abstand von elf Prozentpunkten ist zu groß, um ihn als statistische Schwankung zu erklären. Selbst wenn die ÖVP deutlich besser als in der Hajek-Umfrage abschneiden sollte, bleibt die KPÖ klar in der Favoritenrolle.

Verkehr als zentrales Konfliktthema

Die Verkehrspolitik ist zum großen Streitthema vor allem zwischen Schwarz und Grün geworden. Für die Grünen steht sie für die notwendige Transformation, für potenzielle ÖVP-Wähler für Überregulierung und mangelnde Abstimmung. Und die Grazer erleben vor allem die praktischen Auswirkungen: Baustellen, Parkplatzverluste und zunehmende Unsicherheit im Alltag.

Hier setzt die ÖVP bewusst einen Gegenakzent zur derzeitigen Koalition. Ihr Ansatz ist weniger konfrontativ und stärker integrierend. Das Auto bleibt Teil der Lösung, nicht das Problem. Die Infrastruktur wird weiterentwickelt, aber nicht reduziert. Dieser Zugang trifft auf eine wachsende Nachfrage nach Pragmatismus.

Es gibt eine klare Favoritin, doch die Machtfrage bleibt offen

Mario Kunasek macht die Graz-Wahl zur Richtungsfrage. Politisch ist die FPÖ trotz wahrscheinlicher Zugewinne ein zu schwieriger Partner für stabile Mehrheiten.

Die KPÖ geht als klare Favoritin in die Wahl. Viel spricht dafür, dass Elke Kahr stärkste Kraft bleibt. Doch die Machtfrage ist damit nicht entschieden. Die ÖVP wird zur zentralen Kraft der Mehrheitsbildung. Sie kann mehrere Wege ermöglichen und damit entscheidend mitgestalten, auch ohne Wahlsieg.

Die FPÖ bleibt trotz Zugewinnen ein schwieriger Partner und politisch eingeschränkt. Graz steht damit vor einer offenen Richtungsentscheidung: Bleibt es bei der bisherigen Konstellation oder entsteht ein neues Modell zwischen sozialer Stabilität und wirtschaftlicher Vernunft?

Die Antwort darauf liefert nicht das Wahlergebnis allein, sondern die Fähigkeit der Parteien, danach tragfähige Mehrheiten zu bilden.

Recht haben

Grundrechtecharta unter Druck.

Wenn der Marktpreis politisch wird

Steigende Treibstoffpreise infolge geopolitischer Spannungen – aktuell etwa im Kontext des Iran-Konflikts – werfen eine alte, aber hochaktuelle Frage neu auf. Wie weit reicht die unternehmerische Freiheit bei der Preisgestaltung?

Der Artikel 16 der EU-Grundrechtecharta garantiert Unternehmen grundsätzlich die Freiheit, Preise marktbasiert festzulegen. Gerade im Energiesektor folgt die Preisbildung komplexen globalen Mechanismen: Rohölpreise, Wechselkurse, Transportkosten und Risikoaufschläge. Preisanstiege sind daher zunächst Ausdruck funktionierender Marktlogik – und nicht zwingend Ausdruck von Missbrauch. Doch genau hier beginnt die rechtliche und politische Reibung. Denn in Krisenzeiten wächst der Druck auf den Staat, regulierend einzugreifen, sei es durch Preisdeckel, Übergewinnsteuern oder Transparenzvorschriften. Solche Maßnahmen greifen unmittelbar in die unternehmerische Freiheit ein.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in ständiger Rechtsprechung klargestellt, dass Eingriffe in Art. 16 GRC zulässig sind, wenn sie einem legitimen Allgemeininteresse dienen und verhältnismäßig sind (vgl. etwa Sky Österreich, C-283/11). Versorgungssicherheit und Verbraucherschutz können solche Interessen darstellen. Für die Praxis bedeutet das: Unternehmen bewegen sich nicht in einem rechtsfreien Raum. Insbesondere der Vorwurf »exzessiver Preise« kann kartellrechtlich relevant werden, etwa bei marktbeherrschender Stellung. Gleichzeitig gilt aber auch, nicht jede Preiserhöhung ist unzulässig. Der Staat darf den Markt nicht beliebig »übersteuern«.

Ökonomisch betrachtet ist die Situation heikel. Überregulierung kann Investitionsanreize zerstören und die Versorgung langfristig gefährden. Unterregulierung wiederum kann soziale Spannungen verschärfen. Art. 16 GRC fungiert hier als juristisches Korrektiv. Er zwingt zur Balance zwischen unternehmerischer Autonomie und gesellschaftlicher Verantwortung.

Fazit: Gerade in Krisenzeiten zeigt sich die wahre Funktion der unternehmerischen Freiheit. Sie ist kein starres Prinzip, sondern ein dynamischer Ordnungsrahmen. Wer sie politisch oder wirtschaftlich instrumentalisiert, riskiert Fehlsteuerungen, mit langfristigen Konsequenzen für Markt und Gesellschaft.

Die Weinhoheiten mit ihren Lieblingsweinen im Bild mit Kammerdirektor Werner Brugner und Weinbauchef Martin Palz.

Drei

Hoheiten,

drei Weine: Eine Liebeserklärung an die Steiermark

Drei Persönlichkeiten, drei Handschriften, drei Weine: Die steirischen Weinhoheiten präsentieren ein exklusives Weinpaket, das die Vielfalt und Identität der steirischen Weinregion auf den Punkt bringt.

Weinkönigin Magdalena I. sowie die Weinhoheiten Antonia und Lea wählen jeweils ihren persönlichen Lieblingswein aus ihren Familienbetrieben – und erzählen damit zugleich Geschichten über Herkunft, Handwerk und Leidenschaft.

„Mit jedem Glas möchten wir den einzigartigen Charakter unserer Weinregion erlebbar machen“, betont Magdalena I. Das Paket vereint drei typische Sorten aus unterschiedlichen Weinbaugebieten: einen frischen Welschriesling von Antonia Hiebaum aus St. Stefan im Rosental, einen aromatischen Muskateller von Lea Kneißl aus Löffelbach sowie eine ausdrucksstarke Burgunder Cuvée von Magdalena Niederl aus Kirchbach-Zerlach.

Für Weinbauchef Martin Palz steht fest: „Diese Weine zeigen die ganze Bandbreite der steirischen Stilistik – von Leichtigkeit über Würze bis hin zu charakterstarken Cuvées.“ Gleichzeitig werde die Bedeutung klarer Herkunftsprofile weiter wachsen.

Dr. Andreas Kaufmann ist Rechtsanwalt und Universitätslektor in Graz. Er ist spezialisiert auf Bau-, Immobilien-, Wirtschafts- und Nachhaltigkeitsrecht. ak-anwaltskanzlei.at

Das Weinpaket ist nicht nur Genuss, sondern auch Engagement: Mit der Aktion unterstützen die Weinhoheiten den Verein „Steirer mit Herz“. Ihre Amtszeit läuft noch bis zur Leibnitzer Weinwoche im August 2026 – die Suche nach den nächsten Botschafterinnen hat bereits begonnen.

Regionaler Brotgenuss mit sozialem Engagement

Mit einem einfachen Einkauf etwas Gutes tun – genau das ermöglicht der „Steirerlaib“. Das Roggenmischbrot ist exklusiv bei SPAR, EUROSPAR und INTERSPAR erhältlich. Pro verkauftem Brot gehen 50 Cent an das Marienstüberl der Caritas in Graz, eine wichtige Anlaufstelle für Menschen in Armut.

Die regionale Brotspezialität wird täglich frisch von lokalen Bäckereien produziert und in die umliegenden Märkte geliefert. Dazu zählen unter anderem die Bäckerei Schneider aus Wettmannstätten, die Bäckerei Kranich aus St. Peter am Ottersbach sowie die Bäckerei Gruber in St. Lorenzen bei Knittelfeld. Mit der Initiative verbindet SPAR Regionalität mit sozialem Engagement. Die Kunden können beim täglichen Einkauf ganz unkompliziert helfen. „Der Steirerlaib ist ein Bekenntnis zu regionalen Lebensmitteln und ihrem Wert. Damit stärken wir die Wirtschaft in den Regionen und können gleichzeitig Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen“, betont Christoph Holzer, GF SPAR Steiermark und Südburgenland.

Hilfe für Menschen in Not

Die Spenden aus dem Verkauf kommen dem Marienstüberl der

GRAZ ENTDECKEN

SPAR-Steiermark-GF Christoph Holzer und CaritasDirektorin Nora Tödling-Musenbichler präsentieren den Steirerlaib, der das Marienstüberl finanziell unterstützt.

Caritas Steiermark zugute. Seit mehr als 30 Jahren ist die Einrichtung eine wichtige Begegnungsstätte für Menschen am Rand der Gesellschaft. Täglich werden dort bis zu 320 Mahlzeiten ausgegeben. Neben Frühstück und warmem Mittagessen erhalten die Besucherinnen und Besucher auch Lebensmittelpakete sowie die Möglichkeit zu Gesprächen und Beratung. Caritas-Direktorin Nora Tödtling-Musenbichler begrüßt die Kooperation: „Mit dem Steirerlaib entsteht eine weitere wertvolle Zusammenarbeit, die uns dabei hilft, Menschen in Not nachhaltig zu unterstützen.“ Der Steirerlaib zeigt, wie Regionalität und soziale Verantwortung Hand in Hand gehen können – und wie ein alltägliches Lebensmittel zu einer Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenslagen wird.

Rundgänge und Rundfahrten in der Kulturhauptstadt

ALTSTADT-RUNDGANG:

Jänner bis April & November bis Dezember, täglich, 10.30 Uhr, Fr, Sa, So, Mo zusätzlich um 14.30 Uhr

Mai bis Oktober, täglich, 10.30 Uhr und 16.30 Uhr

INNENHÖFE & MEHR-RUNDGANG:

Mai bis Oktober, jeden Freitag, 16.00 Uhr

SCHLOSSBERG-RUNDGANG:

Mai bis Oktober, jeden Samstag, 11.00 Uhr

GRIESRUNDGANG: ZWISCHEN SCHERBEN & AUFBRUCH

Mai bis Oktober, jeden Freitag, 17.00 Uhr

STADTRUNDFAHRT MIT DEM CABRIOBUS

Mai bis September, Mi bis Fr, 11.00 Uhr Sa, 11.00 & 13.00 Uhr | So & feiertags, 11.00 Uhr

GEFÜHRTE RADTOUR:

07.06. bis 27.09.2026, jeden Sonntag, 09.30 Uhr

ABEND-RUNDGANG:

Juli & August, jeden Mittwoch & Freitag, 20.30 Uhr

GRAZ GENIE SS EN

Kulinarische Stadtrundgänge & Stadtrundfahrten

KULINARISCHER RUNDGANG AM SAMSTAG: 14.03. bis 31.10.2026, jeden Samstag, 10.30 Uhr

KULINARISCHER BIERRUNDGANG: 17.04. bis 30.10.2026, jeden Freitag, 17.00 Uhr

KULINARISCHER RUNDGANG AM SONNTAG: 03.05. bis 25.10.2026, jeden Sonntag, 10.45 Uhr

GENUSS MIT DEM CABRIOBUS:

Kulinarische Stadtrundfahrt mit dem Cabriobus mit mehreren kulinarischen Stationen – an ausgewählten Terminen:

03.05., 17.05., 14.06., 28.06., 05.07., 19.07., 09.08., 23.08., 06.09., 20.09., 04.10., 18.10.2026, jeweils 13.00 Uhr

INFORMATIONEN UND ANMELDUNG:

Tourismusinformation Region Graz Herrengasse 16, 8010 Graz T +43/316/8075-0, info@graztourismus.at graztourismus.at/rundgänge

© Paul Stajan
© Graz Tourismus – Werner Krug

Bestsellerautorin präsentiert neuen Venedig-Roman

Die Bestsellerautorin und Architektin Jana Revedin stellte in der Buchhandlung Moser in Graz ihren neuen Roman „Die Gärtnerin von Venedig“ vor. Zahlreiche Gäste aus Kultur, Wirtschaft und Politik nahmen an der Präsentation teil, darunter Unternehmer Hans Roth, Margret Roth, Stadträtin Claudia Unger und Rektorin Beatrix Karl. Der Roman erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die nach Umwegen ihre Berufung als Gärtnerin entdeckt und in Venedig in ein Projekt zur Wiederbepflanzung der Lagune gerät. Dabei stößt sie auf politische Interessen und verschwindende EU-Gelder. Das Buch verbindet persönliche Entwicklung mit einem atmosphärischen Porträt der Lagunenstadt.

Sparkasse bleibt Partner der Diagonale

Die Diagonale verwandelt Graz auch 2026 wieder in die Filmhauptstadt Österreichs. Das Festival des österreichischen Films findet von 18. bis 23. März statt und präsentiert aktuelle Produktionen sowie filmhistorische Programme. Hauptsponsor bleibt die Steiermärkische Sparkasse. Das Intendanten-Duo Dominik Kamalzadeh und Claudia Slanar freut sich mit Gerhard Fabisch, dem Vorstandsvorsitzenden der Steiermärkische Verwaltungssparkasse, darüber, dass die Steiermärkische ihr Engagement als Hauptsponsor des Festivals erneuert. Eröffnet wird das Festival mit der Österreichpremiere von Markus Schleinzers Film „Rose“ in der Helmut-List-Halle.

MotionExpo brachte Le-Mans-Sieger nach Graz

Die MotionExpo verwandelte die Messe Graz von 13. bis 15. März 2026 erneut in Österreichs größtes Mobilitätserlebnis. Mehr als 100 Aussteller und rund 450 Fahrzeuge nahmen teil. Ein besonderes Highlight war die Sonderausstellung zum Jubiläum „100 Jahre Daimler-Benz AG“. Dabei kam auch der legendäre Sauber-Mercedes C9 nach Graz – jenes Rennfahrzeug, mit dem Mercedes-Benz 1989 einen Doppelsieg bei den 24 Stunden von Le Mans feierte. Neben Neuwagenpremieren und Classic Cars präsentierte die Messe auch E-Bikes, Motorräder, Campingfahrzeuge und neue Mobilitätskonzepte. Die Veranstalter freuten sich über mehr als 20.000 Besucherinnen und Besuchern.

Internationales Schachopen zieht 714 Spieler an

Beim 32. Internationalen Schachopen in Graz trafen sich 714 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 55 Nationen im Flugzeughotel Novapark. Das größte Schachturnier Österreichs wurde vom Steirischen Schachlandesverband veranstaltet und bot ein stark besetztes Teilnehmerfeld mit zahlreichen internationalen Titelträgern. Besonders bemerkenswert war die große Zahl junger Talente. 219 Jugendliche nahmen am Turnier teil. In sechs Bewerben – darunter Gruppe A, B und C sowie ein Blitzturnier – wurde auf hohem Niveau gespielt. Den Turniersieg in der A-Gruppe holte der Franzose Loic Travadon mit 7,5 Punkten aus neun Runden. Unterstützt wurde das Event unter anderem von Saubermacher-Gründer Hans Roth.

Studie: PFAS-Verbote zeigen Wirkung

Eine Studie der Universität Graz zeigt, dass Verbote sogenannter „Ewigkeitschemikalien“ messbare Wirkung haben. Forschende untersuchten Lebergewebe von Rotwild aus dem Nationalpark Bayerischer Wald aus den Jahren 1998 bis 2022. Das Ergebnis: Die Gesamtbelastung mit PFAS sank um mehr als 87 Prozent – von 64 auf acht Nanogramm pro Gramm Gewebe. Hauptgrund ist der freiwillige Verzicht der Industrie auf die Verbindung PFOS, die später weltweit verboten wurde. Gleichzeitig zeigt die Studie ein Problem: Unternehmen weichen zunehmend auf andere PFAS-Verbindungen aus. Forschende warnen daher, dass Einzelverbote nicht ausreichen und umfassendere Regulierungen notwendig sind.

Hohensinner pocht auf Koralmbahn-Halt am Flughafen Graz

Scharfe Kritik kommt von Graz’ Wirtschafts- und Tourismusstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) an der Absage einer Koralmbahn-Haltestelle am Flughafen Graz durch ÖBB-Chef Andreas Matthä. Für Hohensinner ist eine direkte Bahnanbindung des Flughafens ein wesentlicher Standortfaktor für Wirtschaft und Industrie in der gesamten Region. Die Einschätzung, ein solcher Halt sei nicht notwendig, widerspreche den Interessen eines modernen und wettbewerbsfähigen Standorts. Wenn Hochgeschwindigkeitszüge in europäischen Metropolen an Flughäfen halten, müsse das auch in Graz möglich sein. Eine gute Schienenanbindung würde den Flughafen deutlich aufwerten und einen Mehrwert für die gesamte Steiermark schaffen, so Hohensinner.

KNAPP holt junge IT-Talente zum Coding-Contest nach Hart

Mehr als 100 Nachwuchsprogrammiererinnen und -programmierer aus ganz Österreich traten beim 14. KNAPP Coding Contest in Hart bei Graz gegeneinander an. Die Teilnehmer mussten innerhalb von 2,5 Stunden eine praxisnahe Programmieraufgabe rund um autonome Lagerroboter lösen. Ziel war es, Kundenaufträge mithilfe der sogenannten AeroBots möglichst effizient zu koordinieren. Der Wettbewerb gilt als wichtiger Treffpunkt für junge Informatiktalente und bietet zugleich Einblicke in Karrierechancen beim steirischen Technologieunternehmen. Den ersten Platz belegten Max Sitter (HTL Villach) und Elias Olip (HTL Mössingerstraße).

Kurz im Gespräch mit

Manfred Eber, Grazer Finanzstadtrat

Herr Stadtrat, die KPÖ verspricht eine „Stadt an der Seite der Menschen“ – gleichzeitig wird gespart. Wie passt das zusammen?

Wir erleben die längste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Daher müssen alle Gebietskörperschaften sparen. Wir setzen klare Prioritäten: Kinderbetreuung, öffentlicher Verkehr, Kultur, Sport und Infrastruktur. Gleichzeitig achten wir darauf, tragende Strukturen des städtischen Zusammenlebens zu erhalten und Doppelgleisigkeiten abzubauen.

Sie verweisen auf 1,6 Milliarden Euro Schulden aus der Vergangenheit. Der Schuldenstand steigt dennoch. Wo beginnt Ihre Verantwortung?

Die politische Verantwortung haben wir mit Amtsantritt übernommen. Zusätzliche Belastungen ergeben sich etwa durch das Steirische Pflege- und Finanzierungsgesetz sowie eine nicht gegenfinanzierte Steuerreform des Bundes – rund 60 Millionen Euro jährlich. Trotz dieser Faktoren und der Rezession ist es gelungen, den Schuldenanstieg zu bremsen.

Sie fordern eine Reform des Finanzausgleichs. Kann Graz ohne Kurswechsel die Verschuldung stoppen?

Die wirtschaftliche Lage reduziert die Einnahmen aller Gemeinden. Gleichzeitig würde Graz jährlich rund 100 Millionen Euro mehr erhalten, wenn ein Grazer im Finanzausgleich gleich viel wert wäre wie ein Salzburger. Zudem wächst Graz stark – wir müssen investieren, etwa in Schulen. Ohne strukturelle Reform wird sich die Verschuldungsspirale langfristig nicht stoppen lassen.

Frauen machen erfolgreich Karriere am Bauernhof: (v.l.n.r.) Susanne Atzler, Elisabeth Rieser, Landesbäuerin Ursula Reiter, Vizepräsidentin Maria Pein, Christina Thir, Johanna Pieber und Daniela Fagitsch

Frauen machen Karriere am Bauernhof

Immer mehr Frauen tauschen ihre Arbeit in Büro, Geschäft oder Kanzlei gegen Stall, Feld und Hofladen. Was früher noch Ausnahme

war, entwickelt sich nun zu einem starken Trend in der Landwirtschaft.

Die Quereinsteigerinnen bringen neue Perspektiven und innovative Vermarktungsideen auf die Höfe – und prägen damit die Zukunft der Bauernhöfe entscheidend mit. „Wir erleben eine äußerst dynamische Entwicklung in der heimischen Landwirtschaft“, sagt LK-Vizepräsidentin Maria Pein. Frauen aus unterschiedlichsten Berufen entscheiden sich bewusst für den Einstieg in die Land- und Forstwirtschaft. „Das ist ein großer Gewinn für die Betriebe und stärkt die Innovationskraft unserer Höfe.“

Erfahrung macht sich bezahlt

Tatsächlich wächst der Anteil jener Bäuerinnen, die nicht aus landwirtschaftlichen Familien stammen, kontinuierlich. Schon 2016 lag er bei rund einem Drittel, heute schätzt man ihn schon auf über 40 Prozent. Die Frauen bringen dabei Erfahrungen aus ganz anderen Branchen mit – aus Pädagogik, Verwaltung, Wirtschaft oder Gastronomie. Das eröffnet ihnen neue Wege in Vermarktung, Betriebsführung und Kundenkontakt. Auch Landesbäuerin Ursula Reiter kennt den Quereinstieg aus eigener Erfahrung. „Neue Perspektiven und frische Ideen können einen landwirtschaftlichen Betrieb enorm bereichern“, sagt sie. Frauen punkten mit Ideenreichtum und Kreativität – etwa Direktvermarktung oder neue Formen der Kommunikation mit Kundinnen und Kunden. Wie vielfältig diese Wege sind, zeigen zahlreiche Beispiele aus der Praxis.

Viele Vorteile des Selbständig-Seins

So wechselte Susanne Atzler aus Maria Lankowitz vom Kindergarten direkt in die Landwirtschaft. Heute führt sie als Vollerwerbsbäuerin einen Hof mit Direktvermarktung und eröffnet einen eigenen Hofladen. Social Media nutzt sie gezielt, um Produk-

te wie Fleisch- und Wurstspezialitäten zu bewerben. „Die Kunden haben sich daran gewöhnt, dass auch eine Frau in diesem Bereich fachlich versiert sein kann“, sagt sie. Auch Daniela Fagitsch aus Groß St. Florian wagte den Schritt: von der Zahnarztpraxis und Gemeindeverwaltung auf den Bauernhof. Heute betreibt sie mit ihrer Familie Acker- und Obstbau und verkauft Kürbiskernöl, Eier oder Geflügel direkt ab Hof. Besonders schätzt sie die Selbstständigkeit: „Ich kann mir meine Zeit weitgehend selbst einteilen – und gleichzeitig bei meinen Kindern sein.“

Starke Unternehmerinnen

Einen wissenschaftlichen Zugang brachte Johanna Pieber aus St. Kathrein/Offenegg mit. Nach ihrem Studium an der Universität für Bodenkultur entschied sie sich gemeinsam mit ihrem Mann für die Hofübernahme. Statt Milchvieh setzt der Betrieb heute auf Bio-Lämmerhaltung und Direktvermarktung. „Wir wollen nachhaltige Lebensmittelproduktion weiterentwickeln“, sagt sie. Dass Landwirtschaft auch unternehmerische Freiheit bedeutet, betont Elisabeth Rieser aus Obdach. Die ehemalige SteuerkanzleiMitarbeiterin ist heute Biobäuerin und Direktvermarkterin. „Ich bin meine eigene Chefin und genieße diese Freiheit“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Mann widmet sie sich Tierwohl, seltenen Nutztierrassen und Urlaub-am-Bauernhof-Angeboten. Für Vizepräsidentin Maria Pein steht fest: Eine moderne Landwirtschaft braucht starke Frauen. „Die Leistungen der Bäuerinnen für Lebensmittelversorgung und ländliche Regionen werden oft unterschätzt“, sagt sie. Gleichzeitig sei klar: „Eine zukunftsfähige Landwirtschaft ist ohne die aktive Beteiligung von Frauen undenkbar.“

LK Steiermark / Fuchs

Grüne Start-ups beflügeln

nachhaltige Innovationen

Die

Green-Tech-Szene

in Österreich

wächst weiter: Insgesamt 228 Start-ups sind aktuell im Bereich Umwelt- und Klimaschutz aktiv – ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit bestätigt sich der anhaltende Trend: Nachhaltige Technologien entwickeln sich zunehmend zu einem zentralen Innovationstreiber.

Besonders stark zeigen sich dabei die Universitätsstandorte Graz und Leoben, die als wichtigste Hotspots für Neugründungen gelten. „Insbesondere der Raum rund um die Montanuniversität Leoben hat sich hier als Turbo herausgestellt“, so Puttinger, „die Initiative Green Startupmark, gemeinsam mit dem Zentrum für angewandte Technologien und dem Green KAIT, trägt im zweiten Jahr bereits gute Früchte, vier dieser hochspezialisierten jungen Unternehmen sind

hier beheimatet.“ Inhaltlich verschieben sich die Schwerpunkte: Der Bereich Digital liegt mit 35 Prozent erstmals an der Spitze, gefolgt von Energy mit 31 Prozent. Dahinter reihen sich Themen wie nachhaltiges Bauen, Kreislaufwirtschaft sowie Biotechnologie und Lebensmittelinnovationen ein.

Die Bandbreite zeigt, wie vielfältig die Lösungen für Klimaschutz und Ressourceneffizienz mittlerweile sind. Auch technologisch überzeugen die jungen Unternehmen mit innovati-

Gemeinsam zu neuem Personal

ven Ansätzen – von wiederverwendbaren Baustoffen über Wasserstofftechnologien bis hin zu neuen Verfahren im 3DDruck oder nachhaltiger Chemie. Entscheidend für den Erfolg der Startups ist jedoch nicht nur die Idee, sondern auch das Umfeld. Besonders gefragt sind Kooperationen mit Industriepartnern, die für mehr als die Hälfte der Unternehmen oberste Priorität haben. Der Zugang zu Finanzierungen bleibt ebenfalls ein zentrales Thema, verliert jedoch im Vergleich zu

Von den arbeitsplatznahen Ausbildungen des AMS Steiermark profitiert auch Ihr Unternehmen: Gemeinsam schulen wir Ihre künftige Fachkraft direkt im eigenen Betrieb. Wir beraten Sie dazu gerne!

Green-Tech-Valley-GF

Bernhard Puttinger: „Die Startups profitieren stark von Vernetzung, Partnerschaften und gezielter Unterstützung aus dem Ökosystem.“

Kooperationen an Bedeutung. Mit innovativen Lösungen, starken Netzwerken und wachsendem Unternehmergeist leisten die Startups einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Wirtschaft.

Ursula Reiter neue steirische Landesbäuerin

Ursula Reiter ist neue Landesbäuerin der Steiermark. Die Obstbäuerin aus Gleisdorf wurde einstimmig gewählt und folgt der Sölktaler Berg- und Almbäuerin Viktoria Brandner nach fünf Jahren im Amt. Reiter übernimmt damit den Vorsitz der steirischen Bäuerinnen-Organisation, dem mit rund 30.000 Mitgliedern größten Frauennetzwerk der Land- und Forstwirtschaft im Bundesland. Die gebürtige Ungarin lebt seit mehr als zwei Jahrzehnten in Österreich, führt mit ihrem Mann einen Obstbaubetrieb mit Direktvermarktung und ist seit über zehn Jahren Bezirksbäuerin von Weiz. Schwerpunkte ihrer Arbeit sieht sie in Weiterbildung, eigenständiger Betriebsentwicklung und stärkerer Sichtbarkeit bäuerlicher Frauen.

Leoben startet Vital-Pässe für alle Generationen

Kurz & News

Maturabälle bringen Graz Millionen

Die Maturaballsaison 2025/26 ist weit mehr als ein gesellschaftliches Highlight: Sie ist auch ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor. Rund 40.000 Gäste sorgen laut einer aktuellen Befragung im Umfeld der Messe Congress Graz für direkte Ausgaben von etwa 12,5 Millionen Euro pro Saison. Die gesamte wirtschaftliche Wertschöpfung rund um Anreise, Kleidung, Vorbereitung und Dienstleistungen wird sogar auf mindestens 25 Millionen Euro geschätzt. Damit erweisen sich Maturabälle nicht nur als emotionale Fixpunkte für junge Menschen, sondern auch als bedeutender Impulsgeber für den Veranstaltungs- und Wirtschaftsstandort Graz.

Die Stadt Leoben baut ihr Gesundheits- und Begegnungsangebot weiter aus. Mit den neuen Vital-Pässen für 2026 werden Veranstaltungen zu Bewegung, Ernährung und sozialem Miteinander gebündelt. Drei Programme richten sich gezielt an unterschiedliche Altersgruppen: Kinder und Jugendliche, Erwachsene sowie Seniorinnen und Senioren. Workshops, Gesundheitschecks, Kochkurse oder digitale Trainings sollen ein aktives und gesundes Leben fördern. Ergänzt wird das Angebot durch das „Tanzcafé für Junggebliebene“, das auch 2026 wieder regelmäßig im Gösserbräu stattfindet. Bürgermeister Kurt Wallner sieht darin ein niederschwelliges Angebot, das Begegnung, Bewegung und Gesundheitsförderung für alle Generationen verbindet.

Sparkasse stärkt Musikverein und Jugend

Der Musikverein Graz setzt in der Saison 2026/27 auf große musikalische Höhepunkte und gezielte Nachwuchsförderung. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Patronanzkonzert der Steiermärkischen Sparkasse, das dem Landesjugendsinfonieorchester Steiermark gewidmet ist. Anlass ist das zehnjährige Bestehen der Partnerschaft zwischen Sparkasse und LJSO. Vorgestellt wurde das Projekt von Dr. Georg Bucher, Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen Sparkasse, und Dr. Michael Nemeth, Intendant des Musikverein Graz. Zugleich bildet das Konzert einen Auftakt zum Beethovenjahr 2027. Seit 1858 unterstützt die Steiermärkische Sparkasse den Musikverein für Steiermark und damit das kulturelle Leben der Region.

Eggenberger Ausstellung international nominiert

Die Jubiläumsausstellung „Ambition & Illusion. Schloss Eggenberg: Inszenierung der Welt“ im Rahmen der Steiermark Schau 2025 ist für den renommierten britischen „Museums + Heritage Award“ in der Kategorie „beste internationale Ausstellung“ nominiert. Damit zählt Schloss Eggenberg zu den fünf besten Ausstellungsprojekten weltweit und ist zugleich das erste österreichische Museum auf dieser Shortlist. Die Schau in den Prunkräumen von Schloss Eggenberg begeisterte 2025 fast 100.000 Besucherinnen und Besucher. Über die Preisvergabe wird am 13. Mai 2026 bei der „Museums + Heritage-Gala“ in London entschieden.

Fotos: Fazit_KI, Kundigraber, Herbert
Ortner, LK
Steiermark/Fuchs, Armin Russold

Pfandspenden bei SPAR für „Rettet das Kind“

Leergebinde beim Rückgabeautomaten einlösen und gleichzeitig Gutes tun – dieses einfache Prinzip hat sich 2025 bei SPAR als großer Erfolg erwiesen. Das Ergebnis: eine beeindruckende Spendensumme von über 570.000 Euro österreichweit, davon mehr als 83.000 Euro aus der Steiermark.

Die gesammelten Beträge kommen der Organisation „Rettet das Kind“ zugute, die sich für Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenssituationen einsetzt. Die Spenden fließen in Projekte direkt vor Ort und unterstützen dort, wo sie dringend benötigt werden.

Engagement für die Region

Für SPAR ist diese Form des Engagements ein bewusst gesetztes Zeichen. „Dass so viele Kundinnen und Kunden ihren Pfandbon gespendet haben, zeigt den Zusammenhalt in unserer Region“, betont SPAR-GF Christoph Holzer. „Mit diesen Beiträgen können Projekte direkt vor Ort unterstützt werden.“ Die Kooperation mit „Rettet das Kind“ hat dabei eine lange Tradition. Die Organisation hilft seit Jahrzehnten unbürokratisch und zielgerichtet, orientiert an den Bedürfnissen von Familien und den Kinderrechten. Entsprechend groß ist die Dankbarkeit: „Diese Unterstützung ermöglicht es uns, unsere Arbeit nachhaltig fortzuführen“, heißt es vonseiten der Organisation. Auch aus Kundensicht überzeugt das Konzept: Mit nur einem Knopfdruck wird aus einer alltäglichen Handlung eine soziale Geste. Ohne zusätzlichen Aufwand entsteht so ein direkter Beitrag für mehr Chancengleichheit und Unterstützung im

Alltag. Seit 2026 wird die Aktion weitergeführt – mit neuen Spendenzielen. Aktuell kommen die Spenden den freiwilligen Feuerwehren zugute. Gleichzeitig setzt SPAR auch bei der Rückgabe selbst neue

Übergabe der Gesamtspende in Höhe von 83.414 Euro mit (v.l.n.r.): SPAR-GF Christoph Holzer, Leo Payr (GF Rettet das Kind Steiermark), Petra Birchbauer (Bereichsleitung Kinderschutz) und Andreas Kögler (Stv. GF Rettet das Kind Steiermark)

Maßstäbe: Der digitale Pfandbon spart Papier und macht den Prozess noch nachhaltiger. Die Aktion zeigt eindrucksvoll, wie einfach soziale Verantwortung im Alltag sein kann – und wie viele kleine Beiträge gemeinsam Großes bewirken.

Kurz im Gespräch mit

Josef Pesserl, Präsident der AK Steiermark

Was sind die größten Brocken in der Leistungsbilanz der Beratung für die AK-Mitglieder?

Im Bereich Sozialversicherungsrecht haben die Experten der AK die Zahlung von 33,3 Mio. Euro durchgesetzt, knapp 26 Mio. bei Pensionsleistungen und 4,5 Mio. Euro beim Pflegegeld. Im Bereich Arbeitsrecht, also wenn es um Löhne, Überstunden und andere gesetzliche Ansprüche geht, haben wir für unsere Mitglieder 19,4 Mio. Euro erwirkt. 16,6 Mio. Euro hat die AK für ihre Mitglieder vom Finanzamt an Steuern zurückgeholt, etwa im Rahmen der AK-Steuerspartage.

Wie herausfordernd ist es, bei Unternehmensinsolvenzen ausstehende Löhne und Forderungen einzuholen?

Bei Insolvenzen müssen Entgelte der Beschäftigten beim Insolvenz-Entgelt-Fonds geltend gemacht werden. Unsere Experten überprüfen dabei die Angaben des Unternehmens und legen für jeden betroffenen Arbeitnehmer einen Akt an. Man unterschätzt gerne, wie groß der Aufwand ist, damit Arbeitnehmer zu ihren Ansprüchen kommen. Der Insolvenzschutzverband, getragen von AK und ÖGB, erwirkte beim Fonds 31 Mio. Euro für 2.825 betroffene Personen.

Was bietet die AK an weiteren Beratungen an?

Die AK steht ihren Mitgliedern mit einem breiten Serviceangebot für jede Lebenslage zur Seite. Neben allen Fragen zu Familie und Beruf berät und vertritt die AK juristisch auch im Konsumentenschutz, z.B. bei Problemen mit Flugreisen. Außerdem bietet die AK umfassende Beratung zu Fort-, Weiterund Ausbildungen an.

Foto:

Fazitgespräch

Von Peter K. Wagner und Johannes Tandl mit Fotos von Heimo Binder

Eine Frage der Bildung

Corinna Engelhardt-Nowitzki, wissenschaftliche Geschäftsführerin der »FH Joanneum«, über den Mut zu Studienbeiträgen und warum die Künstliche Intelligenz die Lehre nicht ersetzt, sondern menschlicher macht.

Defossilisierung, Digitalisierung, Demografie, Demokratie und Didaktik. Diese Begriffe hat die FH Joanneum als zentrale Zukunftsfaktoren identifiziert. Sie hängen im Erdgeschoss über den dortigen Hörsälen in der Alten Poststraße in Graz – in englischer Sprache, als internationaler Kompass für eine Welt im Umbruch. Ein paar Stockwerke weiter oben befindet sich das Büro von Corinna Engelhardt-Nowitzki. Seit bald drei Jahren ist sie wissenschaftliche Geschäftsführerin der Hochschule und bildet damit ein Führungsduo mit Martin Payer, der für den wirtschaftlichen Bereich zuständig ist.

»Der Name Fazit gefällt mir«, erklärt Engelhardt-Nowitzki nach der Begrüßung. Sie bitte Studierende, die sie bei Abschlussarbeiten betreut, auch immer darum, tatsächlich ein Fazit zu identifizieren – eine klare, belastbare Ableitung aus dem Erarbeiteten. Auch der Bezug zum Journalismus wurde der gebürtigen Bayerin gewissermaßen in die Wiege gelegt – ihr Vater war beim Bayerischen Rundfunk tätig.

Engelhardt-Nowitzki spricht schnell, bedacht und präzise. Sie trägt die wissenschaftliche Verantwortung für eine Institution mit rund 5.700 Studierenden in 53 Studiengängen, die längst über die rein technische Kaderschmiede der Anfangstage hinausgewachsen ist und sich im 30. Jahr ihres Bestehens als treibende Kraft für die gesamte Region versteht.

Wir müssen heute schon antizipieren, was in fünf oder zehn Jahren am Arbeitsmarkt gefragt sein wird.
Corinna Engelhardt-Nowitzki

Frau Rektorin, wie stark ist Künstliche Intelligenz im Studienalltag der FH Joanneum bereits angekommen?

Sehr stark. Wir merken, dass KI für Studierende wie auch für Lehrende längst kein Randthema mehr ist, sondern Teil des Alltags wird. Gerade bei wissenschaftlichen Arbeiten nutzen Studierende KI heute für Strukturierung, sprachliche Glättung, Zusammenfassungen oder das Aufbereiten von Literaturhinweisen. Auch in der Lehre sehen wir viele Einsatzmöglichkeiten – von Unterrichtsmaterialien bis hin zu individualisierten Lernunterstützungen. Aber genau deshalb müssen wir sehr sauber unterscheiden: Wo hilft KI wirklich sinnvoll? Und wo beginnt sie, eigenständiges Denken zu verdrängen?

Wo funktioniert sie bereits gut?

Dort, wo Prozesse standardisierbar sind. Wenn man etwa eine aufgezeichnete Vorlesung übersetzen oder schriftliches Material in eine andere Form bringen möchte, ist KI schon erstaunlich leistungsfähig. Auch bei der Strukturierung von Inhalten oder bei sprachlichen Hilfestellungen ist sie sehr weit. Das darf man nicht kleinreden. Vieles, was früher viel Zeit gekostet hat, geht heute schneller und effizienter.

Und wo stößt sie an Grenzen?

Dort, wo Interaktion, fachliche Reflexion und Kontext gefragt sind. Eine reine Vorlesung lässt sich relativ problemlos übersetzen oder aufbereiten. Schwieriger wird es, wenn ein echter Dialog entsteht, wenn es um spezialisierte Fachthemen geht oder um Lehrgespräche, in denen jemand spontan, reflektiert und kontextsensibel auf Nachfragen reagieren muss. An solchen Stellen halluziniert KI noch immer, vereinfacht zu stark oder erzeugt schlicht falsche Antworten. Deshalb ist der Mensch weiterhin unverzichtbar.

Welche strategischen Konsequenzen ziehen Sie daraus für die FH Joanneum?

Als Fachhochschule bilden wir wissenschaftlich aus, aber immer mit klarem Praxis- und Berufsbezug. Und da sehen wir sehr deutlich, dass Künstliche Intelligenz Berufsfelder verändert. Besonders interessant ist für uns die Frage, wie sich die Anforderungen an junge Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger verändern. In vielen Branchen droht eine Entwicklung, bei der erfahrene Fachkräfte mit KI produktiver und wertvoller werden, während jüngere Mitarbeitende Schwierigkeiten haben, jene Erfahrung überhaupt noch aufzubauen, die man früher in den ersten Berufsjahren gesammelt hat.

Sie meinen, weil KI viele Einstiegstätigkeiten übernimmt?

Genau. Das ist ein wesentlicher Punkt. Tätigkeiten, an denen man früher gelernt hat – etwa Recherchieren, erste Analysen, Entwürfe, Routinen –, werden zunehmend von KI übernommen oder zumindest massiv beschleunigt. Das klingt zunächst positiv, birgt aber ein Risiko: Wenn Menschen bestimmte Lernstufen überspringen, fehlt ihnen später die Tiefe. Man spricht hier von einem »De-Skilling-Effekt«. Das ist kein technologisches Problem, es geht vielmehr um die Chance, Erfahrung aufzubauen.

Wie lässt sich diesem Effekt entgegenwirken?

Indem wir den Fokus auf jene Fähigkeiten legen, die durch KI nicht obsolet werden. Reflexion, Kontextverständnis, Problemlösung, methodische Sicherheit und Urteilskraft. Studierende müssen lernen, mit KI zu arbeiten, aber eben nicht blind. Sie müssen erkennen, wann ein Ergebnis brauchbar ist, wann es gefährlich verkürzt ist, wann es weiterhilft und wann man sich nicht darauf verlassen darf. Dieses Urteilsvermögen ist der eigentliche Kern, verbunden mit der Praxisnähe, die das FH-Studium auszeichnet.

Das betrifft dann wohl auch die Frage, wie man heute Abschlussarbeiten bewertet.

Absolut. Wenn man Hochschulbildung ernst nimmt, dann geht es bei einer Master- oder Bachelorarbeit nie nur darum, dass jemand 80 Seiten schreibt. Es geht darum, ob jemand in der Lage ist, eine kluge Fragestellung zu entwickeln, ein methodisches Vorgehen zu wählen, Daten zu interpretieren und zu einer verantwortbaren Schlussfolgerung zu kommen. KI kann bei einzelnen Schritten unterstützen, aber diese wissenschaftliche und intellektuelle Leistung bleibt menschlich.

Heißt das, klassische schriftliche Formate verlieren an Bedeutung? Nicht zwangsläufig, aber sie verändern sich. Mündliche Prüfungsformate, Diskussionen, Verteidigungen und werkstückbezogene Präsentationen werden sicher an Bedeutung gewinnen. Fachhochschulen haben hier einen besonderen Vorteil. Bei uns entstehen häufig Prototypen, empirische Projekte, angewandte Studien oder konkrete Lösungsmodelle. Diese zu erläutern, zu verteidigen und in einen Zusammenhang zu stellen, ist etwas, das sich nicht einfach an KI delegieren lässt.

Wird KI Lehrende langfristig ersetzen?

Nein, das glaube ich nicht. Sie wird Lehrende entlasten und unterstützen, aber nicht ersetzen. Lehrende kuratieren, erklären, ordnen ein, motivieren, kritisieren, führen durch Diskurse und erkennen auch Zwischentöne. Gerade diese Rolle wird in einer KI-geprägten

Fazitgespräch

Welt eher wichtiger als unwichtiger. Wir legen an der FH Joanneum sehr großen Wert darauf, dass keine Beurteilung ungeprüft aus einer KI kommt. Das wäre pädagogisch und ethisch nicht vertretbar.

Wie gut ist die FH Joanneum beim Thema KI bereits aufgestellt?

Ich würde sagen: Wir waren früh dran und haben auch relativ früh begonnen, Lehrende weiterzubilden. Darauf dürfen wir durchaus ein wenig stolz sein. Es gab andere Hochschulen, die sehr genau beobachtet haben, was wir tun. Aber wir sind erst dann wirklich gut, wenn das Thema nicht nur an einzelnen Leuchtturmstellen hervorragend läuft, sondern in der Breite der gesamten Hochschule selbstverständliche Praxis ist. Daran arbeiten wir.

Was heißt das konkret?

Wir beschäftigen uns hochschuldidaktisch und in den Fachbereichen sehr gezielt mit KI. Es gibt kurze Formate, Thinktanks, Weiterbildungsschienen und laufende Auseinandersetzungen damit, wie sich Lehre, Prüfungen und Curricula verändern müssen. KI ist kein Spezialthema für Informatiker mehr. Sie ist eine Querschnittsfrage, die nahezu alle Studiengänge betrifft – von Technik und Management bis zu Design und Gesundheitsberufen.

Gerade Fachhochschulen stehen aber auch finanziell unter Druck. Wie sehr begrenzt das die Möglichkeiten?

Natürlich begrenzt es sie. Das Fachhochschulsystem leidet im Moment ein Stück weit unter seiner eigenen Effizienz. Wir sind bei Abschlüssen und Praxisbezug sehr stark, aber finanzieren uns in einem Modell, das nicht immer ausreichend dynamisch auf neue

Anforderungen reagiert. Das ist ein Problem, wenn man gleichzeitig in Digitalisierung, KI-Kompetenzen, Lehrendenqualifizierung und Infrastruktur investieren muss. Für Lehrende können wir Lizenzen und sichere Zugänge bereitstellen. Bei Studierenden stoßen wir rascher an Grenzen.

Ab kommendem Jahr werden für Neuinskribierte wieder Studiengebühren fällig. Wie groß ist deren tatsächlicher Effekt?

Sie decken natürlich nur einen kleinen Teil der realen Kosten. Aber in engen Budgetsituationen machen auch kleinere Beiträge einen Unterschied. Es geht oft gar nicht um das große Prestigeprojekt, sondern um viele kleine Dinge, die den Studienalltag verbessern: Unterstützungsangebote, Formate, Instandhaltung, kleine Erweiterungen. Gleichzeitig ist völlig klar, dass auch ein relativ moderater Betrag für junge Menschen spürbar ist.

Ist das gegenüber Universitäten nicht ein klarer Nachteil?

Diese Ungleichheit sehen wir schon. Unser Zugang wäre eigentlich, dass in der gesamten Hochschullandschaft ähnliche Regeln gelten sollten. Ich hoffe allerdings, dass sich Studierende nicht nur über Gebühren entscheiden, sondern vor allem über Qualität, Profil und Passung des Studiums. Dennoch beobachten wir die Entwicklung natürlich sehr genau.

Wie entwickeln sich die Studierendenzahlen derzeit?

Derzeit erfreulich. Wir sehen insgesamt eine positive Tendenz. Natürlich ist das je nach Studienbereich unterschiedlich. Technische Fächer sind traditionell schwerer zu besetzen als manche wirt-

walstead-leykamdruck.com

Neudörfl, Samstag, 06:10 Uhr:

Er druckt gerade mit seinen Kollegen Ihr Magazin. Damit es garantiert pünktlich zum Einsatz kommt.

Walstead Leykam Druck – größtes Druckunternehmen Österreichs und Mitglied der Walstead-Gruppe, dem führenden unabhängigen Druckkonzern Europas – nimmt im Konzern eine zentrale Rolle für die D-A-CH-Region und die CEE-Staaten ein.

Im Herzen Europas produzieren wir Ihre Flugblätter, Magazine und Beilagen in höchster Qualität. Kompetente Serviceleistungen und absolute Terminsicherheit sind dabei für uns selbstverständlich.

Unser Team lädt auch Sie ein:

schaftliche oder gestalterische Programme. Aber in Summe sind wir optimistisch.

Sie selbst kommen ursprünglich stärker aus der universitären Welt. Was fasziniert Sie an der Fachhochschule besonders?

Applied Science. Also Wissenschaft, die an realen Problemen arbeitet und Lösungen hervorbringen will, die in Gesellschaft, Wirtschaft und Berufsfeldern konkret etwas bewirken. Mich interessiert diese Frage nach dem Nutzen, nach der Wirksamkeit, nach dem, was sich tatsächlich verbessert. Das ist für mich ein sehr starker Wesenskern der Fachhochschule.

Worin liegt aus Ihrer Sicht der eigentliche Vorteil der Fachhochschule gegenüber Universitäten?

Etwa im konsequenten Praxisbezug. Fachhochschulen verstehen sich eben als Applied Science – also Wissenschaft, die sich unmittelbar mit realen Anwendungen beschäftigt. Unsere Studiengänge sind eng an konkrete Berufsfelder gekoppelt. Studierende arbeiten schon während des Studiums in Projekten mit Unternehmen, entwickeln Prototypen, führen Studien durch oder testen Technologien in realen Umgebungen. Dadurch entsteht eine Ausbildung, die wissenschaftlich fundiert ist, aber gleichzeitig stark in der Praxis verankert bleibt.

Welche Rolle spielen FHs damit im Hochschulsystem insgesamt? Universitäten leisten hervorragende Arbeit, insbesondere in der Grundlagenforschung. Diese ist unverzichtbar, weil sie die Basis für viele Innovationen schafft. Fachhochschulen haben eine andere

Rolle. Wir übersetzen wissenschaftliche Erkenntnisse stärker in konkrete Anwendungen. Für viele Unternehmen und Institutionen ist genau diese Verbindung aus Wissenschaft und unmittelbarer Umsetzbarkeit besonders wertvoll. Für Studierende bedeutet das oft auch einen sehr direkten Übergang in den Arbeitsmarkt. Unsere Absolventinnen und Absolventen arbeiten häufig schon während des Studiums in ihren künftigen Berufsfeldern – und nahezu alle sind unmittelbar nach dem Abschluss berufstätig.

Die FH Joanneum ist inzwischen eine der größten Fachhochschulen Österreichs. Warum funktioniert sie gerade in der Steiermark so gut? Ein wesentlicher Faktor ist sicher der Gesundheitsbereich, der stark gewachsen ist und echten Bedarf deckt. Gleichzeitig orientieren wir unser Angebot sehr bewusst an dem, was das Land braucht: Technik, Management, Design, Gesundheit, Digitalisierung. Diese Mischung ist für die Steiermark besonders relevant. Wir bilden nicht an abstrakten Bedarfen vorbei aus, sondern an realen Berufsfeldern entlang.

Welche Bereiche werden künftig besonders wichtig?

Technik bleibt zentral, ebenso Informatik in all ihren Ausprägungen. Wir brauchen hochqualifizierte Menschen in Data Science, Artificial Intelligence, IT-Security, Softwarearchitektur und verwandten Feldern. Aber auch Design, Management, Journalismus und Gesundheitsberufe bleiben relevant. Die Welt braucht weiter Menschen, die gestalten, erklären, einordnen, führen und Verantwortung übernehmen. KI verändert diese Felder, aber sie macht sie nicht überflüssig. Wie wichtig ist eine humanistische Vorbildung der Studierenden?

Ihr Recht als Konsument

Ihr Schutz vor faulen Tricks, Fallen im Internet und Reiseärger.

Wenn Sie sich über den Tisch gezogen fühlen oder Fragen zu Konsumentenrechten, Betriebskostenabrechnungen, Gewährleistungen und Kontogebühren haben – wir beraten Sie gerne.

Gerechtigkeit muss sein.

Corinna Engelhardt-Nowitzki wurde am 19. Juli 1966 in München geboren. Nachdem sie in ihrer Heimatstadt Biologie und Betriebswirtschaftslehre studierte, zog es sie nach Österreich, wo sie an der Montanuniversität Leoben promovierte und als Universitätsprofessorin tätig war. Sie war Professorin an der FH-Oberösterreich, leitete an der FH-Technikum-Wien das Department Industrial Engineering sowie die Studiengänge Maschinenbau und Mechatronik/ Robotik und war stellvertretende Leiterin des Studiengangs Internationales Wirtschaftsingenieurwesen. Industrieerfahrungen sammelte sie im Laufe ihrer Karriere bei Microsoft und Siemens. Engelhardt-Nowitzki ist passionierte Seglerin und Musikerin. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Wer keine Grundlagen hat, kann auch KI-Ergebnisse nicht sinnvoll bewerten.

Corinna Engelhardt-Nowitzki

Ist für den Umgang mit modernen Technologien nicht auch ein gutes Allgemeinwissen – etwa in geisteswissenschaftlichen Gebieten – notwendig?

Genau so sehe ich das. Wir erleben, dass Technologie alleine kein Urteil ersetzt. Wer keine Grundlagen hat, kann auch KI-Ergebnisse nicht sinnvoll bewerten. Wer nie gelernt hat, Probleme durchzudenken, wird mit komplexen Situationen schnell überfordert sein. Eine gute Hochschulausbildung muss deshalb mehr sein als reine Anwendungskompetenz. Sie muss Menschen befähigen, Verantwortung zu übernehmen, zwischen den Zeilen zu lesen, ethische Fragen zu erkennen und diskursfähig zu bleiben.

Das führt zum Zukunftsfaktor Demokratie, den Sie ebenfalls nennen. Was verstehen Sie darunter?

Demokratie heißt in unserem Kontext auch Unabhängigkeit, Verantwortung und ethische Reflexion. Wir arbeiten eng mit Unternehmen zusammen, aber wir dürfen dabei nie unsere wissenschaftliche und moralische Eigenständigkeit verlieren. Dazu kommt die Frage, wie Technologien entwickelt werden: mit welchen Daten, mit welchen Vorannahmen, mit welchen möglichen Verzerrungen. Wer Systeme baut, muss auch deren gesellschaftliche Folgen mitdenken.

Ist die Hochschule für Sie also auch ein Ort gesellschaftlicher Debatte? Unbedingt. Gerade in einer Zeit, in der vieles verkürzt, polarisiert oder algorithmisch beschleunigt wird, braucht es Orte, an denen Diskurs geübt wird. Hochschule darf kein reiner Zertifikatsbetrieb sein. Sie muss ein Ort sein, an dem man streitet, prüft, argumentiert und unterschiedliche Perspektiven aushält. Das gilt gerade auch für Fachhochschulen.

Heute wird auch über eine zu hohe Akademisierung diskutiert – etwa im Gesundheits- oder Sozialbereich. Halten Sie diese Entwicklung grundsätzlich für sinnvoll?

Man muss hier sehr genau unterscheiden. In vielen Bereichen macht eine akademische Ausbildung durchaus Sinn, weil die Anforderungen deutlich komplexer geworden sind. Nehmen Sie etwa Gesundheitsberufe: Die diagnostischen Methoden, die Technologien und auch die Verantwortung gegenüber Patientinnen und Patienten haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung schafft hier Qualität und Sicherheit.

Gibt es aus Ihrer Sicht auch Grenzen der Akademisierung?

Ja, Akademisierung darf kein Selbstzweck sein. Wir sollten nicht für jedes kleine Spezialthema sofort ein eigenes Studium schaffen. Entscheidend ist eine solide Basisausbildung. Die eigentliche Spezialisierung kann dann oft auf Masterebene oder über gezielte Weiterbildungsprogramme erfolgen. Wichtig ist außerdem, das Bildungssystem insgesamt im Blick zu behalten: Wir brauchen akademische Ausbildung, aber genauso starke berufliche Bildung und praktische Qualifikationen. Nicht jede Kompetenz muss zwangsläufig über ein Studium vermittelt werden. Entscheidend ist, dass Menschen jene Fähigkeiten erwerben, die sie tatsächlich brauchen, um ihre Aufgaben kompetent erfüllen zu können.

Sie nennen Demografie als einen der großen Zukunftsfaktoren für Hochschulen. Was bedeutet die demografische Entwicklung konkret für eine Fachhochschule wie die FH Joanneum?

Demografie bedeutet zunächst einmal ganz schlicht, dass künftig weniger junge Menschen zur Verfügung stehen werden. Gleichzeitig verändern sich die Bildungsbiografien. Wir sehen heute schon, dass Studienanfängerinnen und Studienanfänger mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen zu uns kommen. Darauf müssen Hochschulen reagieren. Das betrifft etwa den Zugang zum Studium, Unterstützungsangebote während des Studiums oder auch die Gestaltung der Curricula. Wir müssen stärker darauf achten, welche Kompetenzen junge Menschen tatsächlich mitbringen und wie wir sie bestmöglich dabei unterstützen können, ihr Studium erfolgreich zu absolvieren.

Bedeutet das auch, dass Hochschulen ihre Studienmodelle stärker an neue Lebensrealitäten anpassen müssen?

Ja, eindeutig. Wir sehen immer mehr Studierende mit sogenannten nichtlinearen Lebensläufen. Viele arbeiten neben dem Studium, manche haben bereits Berufserfahrung oder kommen aus Familien, in denen zuvor niemand studiert hat. Das verändert die Anforderungen an Studienorganisation und Lehrformate. Berufsbegleitende Modelle, duale Studiengänge oder flexible Studienangebote werden daher immer wichtiger. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass wir Menschen aus unterschiedlichen Bildungswegen den Zugang zum Studium ermöglichen, ohne dabei die Qualität der Ausbildung zu senken.

Frau Engelhardt-Nowitzki, vielen Dank für das Gespräch.

Luxus nicht um jeden Preis

Ab 2026 unterliegt die Vermietung sogenannter Luxusimmobilien zu Wohnzwecken einer unechten Umsatzsteuerbefreiung Hinter diesem Begriff verbirgt sich die klare Absicht des Betrugsbekämpfungsgesetzes 2025 (warum auch immer): Kein Vorsteuerabzug mehr für besonders hochwertige Wohnobjekte.

Als Luxusimmobilien gelten für Wohnzwecke bestimmte Immobilien, wenn innerhalb von fünf Jahren ab Anschaffung oder Baubeginn mehr als 2 Mio Euro netto in Grund und Boden, Gebäude und Nebengebäude an Anschaffungskosten sowie aktivierungspflichtigen Aufwendungen und Kosten für Großreparaturen investiert werden. Kosten für Pools und Garagen sind daher einzurechnen. Bei Mehrparteienhäusern gilt die Grenze je einzelner Wohnung . Somit kann die PenthouseEinheit Luxusimmobilie sein, während die anderen Wohnungen unberührt bleiben. Folge: Die WE-Gemeinschaft verliert ihren Vorsteuerabzug für die Erhaltungsund Verwaltungskosten der Luxuseinheit. Alle Kosten, für die noch 2025 der Vorsteuerabzug zusteht, bleiben für die 2Mio-Grenze außer Ansatz. Auf die Rechnungslegung zum 31.12.2025 ist daher besonders zu achten.

Der Verfolgung der Kosten mit ihrer Zuordnung zu einzelnen Einheiten wird über die wirtschaftliche Komponente daher künftig auch eine besondere steuerliche Bedeutung zukommen. Eine Wertsicherung der Grenze, etwa durch eine Anknüpfung an den Baukostenindex, ist derzeit nicht vorgesehen.

Österreichs Strommarkt im Stresstest

Österreichs Strommarkt erlebt eine ernüchternde Rückkehr zur Realität. Nach einem kurzen Exporthoch im Jahr 2024 ist das Land 2025 wieder deutlich zum Importeur geworden. Schwache Wasserkraft, Dunkelflauten und ein unzureichend ausgebautes Netz legen strukturelle Schwächen offen. Gleichzeitig wächst der politische Druck auf den Markt. Für Wirtschaft und Industrie wird damit vor allem eines zum Problem: mangelnde Versorgungssicherheit und fehlende Planbarkeit.

Österreichs Stromsystem hat im Jahr 2025 einen deutlichen Realitätscheck erlebt. Nach dem außergewöhnlichen Exportjahr 2024 rutschte das Land binnen zwölf Monaten wieder in eine klare Importabhängigkeit. Laut Strombilanz der Austrian Power Grid (APG) lag der Nettoimport 2025 bei 5.360 Gigawattstunden. Damit verschob sich die Strombilanz gegenüber dem Exportüberschuss des Vorjahres um mehr als 10.000 GWh.

Die Entwicklung verweist auf ein strukturelles Problem des österreichischen Strommarktes. Das System setzt stark auf wetterabhängige erneuerbare Energien, während Netze, Speicher und gesicherte Kraftwerkskapazitäten noch nicht im selben Tempo ausgebaut werden.

Der Exportweltmeister war nur ein Zwischenhoch

Das Jahr 2024 galt energiepolitisch als Ausnahmejahr. Eine außergewöhnlich gute Wasserführung ließ die Laufwasserkraftwerke auf Hochtouren laufen. Österreich exportierte Strom und war nach 14 Jahren erstmals wieder Nettoexporteur. Schon 2025 zeigte sich jedoch die Kehrseite dieser Entwicklung. In acht von zwölf Monaten musste Österreich Strom importieren, während es im Jahr zuvor nur drei Importmonate gegeben hatte. Auch

die Zahl der Exporttage brach massiv ein und halbierte sich von 243 Tagen auf nur noch 112 Tage.

Der Grund liegt weniger im Stromverbrauch als in der Stromproduktion. Der Verbrauch stieg 2025 lediglich um 0,3 Prozent. Gleichzeitig ging die erneuerbare Stromerzeugung um 19,1 Prozent zurück. Besonders deutlich war der Einbruch bei der Wasserkraft. Während im Jahr 2024 noch 40.367 Gigawattstunden aus Wasserkraft erzeugt wurden, lag die Produktion 2025 nur noch bei 30.374 Gigawattstunden – ein Rückgang um beinahe ein Viertel. Damit konnte Österreich 2025 nur noch 78,9 Prozent seines Stromverbrauchs durch heimische erneuerbare Produktion decken.

Wenn Wind und Sonne fehlen

Die Zahlen zeigen eine zentrale Schwäche des Systems, nämlich die Volatilität erneuerbarer Energien.

Zwar steigen die installierten Kapazitäten weiter an. Ende 2025 waren Photovoltaikanlagen mit rund 9,8 Gigawatt Leistung sowie Windkraftanlagen mit etwa 4,3 Gigawatt installiert. Diese Kapazitäten sagen jedoch wenig über die tatsächliche Stromproduktion aus, weil diese stark vom Wetter abhängt.

Gerade im Winter wird das Problem sicht-

Mag. Alexander Hofer

bar. Im Jänner 2026 führte eine Dunkelflaute zu einem historischen Tiefstand bei der Laufwasserkraft. Am 25. Jänner lag die Tagesproduktion bei nur 27,7 Gigawattstunden.

Gleichzeitig blieb auch die Photovoltaikproduktion wegen Nebels und geringer Sonneneinstrahlung deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Unter diesen Bedingungen konnte die Versorgung nur durch hohe Stromimporte, den Einsatz von Gaskraftwerken und die Nutzung der Pumpspeicher gesichert werden. Österreich importierte zeitweise bis zu 5.300 Megawatt Leistung, während gleichzeitig Gaskraftwerke mit rund 3.500 Megawatt liefen.

Ohne Gas geht es derzeit nicht

Die Strombilanz macht damit die unbequeme Realität sichtbar, dass thermische Kraftwerke vorerst unverzichtbar für die Versorgungssicherheit sind. In Österreich stehen Gaskraftwerke mit einer installierten Leistung von rund vier Gigawatt sowie Pumpspeicherkraftwerke mit etwa sechs Gigawatt zur Stabilisierung des Systems bereit.

Diese Kapazitäten gewinnen an Bedeutung, weil der Ausbau der Stromnetze deutlich langsamer voranschreitet als der Ausbau erneuerbarer Anlagen.

Politischer Aktivismus trifft Marktlogik

Parallel zu diesen technischen Herausforderungen wächst der politische Druck auf den Strommarkt. Diskussionen über Industriestrompreise, Strompreisbremsen oder Eingriffe in die Merit-Order zeigen, wie angespannt die energiepolitische Debatte ist.

Viele Energieökonomen warnen jedoch vor vorschnellen Eingriffen. Der Strompreis entsteht im europäischen Markt nach dem Prinzip der Merit Order: Das teuerste Kraftwerk, das noch zur Deckung der Nachfrage benötigt wird, bestimmt den Marktpreis.

Industrie verlangt Planbarkeit Für energieintensive Unternehmen ent-

steht dadurch das Problem der mangelnden Planbarkeit. Industriebetriebe investieren derzeit massiv in Elektrifizierung und Effizienztechnologien. Solche Investitionen haben Zeiträume von zehn bis zwanzig Jahren.

In diesem Zusammenhang betont Patricia Neumann, die Vorstandsvorsitzende der Siemens Österreich AG, dass für den Industriestandort nicht nur der Energiepreis entscheidend sei. Ebenso wichtig seien stabile regulatorische Rahmenbedingungen.

Wenn politische Eingriffe die Marktbedingungen ständig verändern, steigen Investitionsrisiken – und damit letztlich auch die Kosten.

Europas Strommarkt als Sicherheitsnetz Trotz aller Probleme zeigt die Strombilanz auch eine positive Seite. Ohne die Integration in den europäischen Strombinnenmarkt hätte Österreich seine Versorgung in den kritischen Winterwochen kaum stabilisieren können.

Die europäische Energieagentur ACER beziffert den gesamtwirtschaftlichen Nutzen des grenzüberschreitenden Strommarkts auf rund 34 Milliarden Euro jährlich. Die Strombilanz 2025 macht dennoch deutlich: Österreich befindet sich mitten in einer energiepolitischen Übergangsphase. Der Ausbau erneuerbarer Energie schreitet voran, doch Netze, Speicher und gesicherte Kapazitäten halten noch lange

nicht Schritt. Für den Wirtschaftsstandort bedeutet das vor allem eines: Der Umbau des Stromsystems wird nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch sehr teuer.

Österreichs Strombilanz im Jahr 2025

• Netto-Importsaldo: 5.360 GWh

• Veränderung gegenüber 2024: über 10.000 GWh

• Monate mit Importbedarf: 8 von 12

• Exporttage: 112 (2024: 243)

• Rückgang erneuerbare Stromproduktion: –19,1 %

• Rückgang Wasserkraft: –24,8 %

Warum Eingriffe in das Stromsystem so teuer sind

Aufgrund der Kleinheit unseres Marktes sind regelmäßig gezielte Eingriffe in das Versorgungssystem notwendig, um Netzüberlastungen zu verhindern. Dabei werden Kraftwerke regional hoch- oder heruntergefahren, um Stromflüsse umzulenken. 2025 wurden solche Maßnahmen an 215 Tagen durchgeführt. Die Kosten lagen bei 87,2 Millionen Euro.

Woher kommen die hohen Kosten: Ein mittlerweile typisches Szenario ist, dass Österreich die Gaskraftwerke hochfahren muss, während die Kraftwerke in Deutschland gleichzeitig ihre Produktion reduzieren, um die Leitungen zu entlasten.

Die Voestalpine erneuert Europas Bahninfrastruktur

Die Voestalpine AG hat zwei bedeutende Infrastrukturaufträge von der Deutschen Bahn (DB) und den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) erhalten. Das Gesamtvolumen der Projekte beträgt rund 500 Millionen Euro. Geliefert werden Schienen, Weichensysteme sowie digitale Signal- und Überwachungstechnologien.

Mit den Aufträgen unterstreicht die Voestalpine einmal mehr ihre Rolle und Marktposition bei Systemen für die Bahninfrastruktur. Diese fallen in eine Phase großer Investitionen in Europas Bahnnetze. Besonders Deutschland setzt derzeit stark auf den Ausbau und die Modernisierung seiner Infrastruktur. Allein im Jahr 2026 sollen mehr als 23 Milliarden Euro in das Schienennetz investiert werden. Voestalpine Railway Systems liefert dafür Premiumschienen und Weichenkomponenten, die unter anderem beim umfassenden Umbau des Frankfurter Hauptbahnhofs sowie bei Hochleistungskorridoren wie Hamburg–Berlin eingesetzt werden. „Der Ausbau und die Modernisierung der europäischen Bahninfrastruktur sind zentrale Voraussetzungen für eine nachhaltige Mobilitätswende. Mit unseren digitalisierten Gleis-, Weichen- und Signaltechnologien tragen wir dazu bei, Bahnnetze leistungsfähiger, sicherer und effizienter zu machen“, sagt Franz Kainersdorfer, Vorstandsmitglied der Voestalpine und Leiter der Metal Engineering Division.

Mehr als Lieferung: Service, Logistik und Komplettlösungen Neben der Lieferung der Kernkomponenten übernimmt der Konzern auch Service- und Logistikleistungen. Dazu zählen Schulungen, Instandhaltung sowie die Schienen- und Weichenlogistik.

Vorgeschweißte Langschienenbänder und vollständig vormontierte Weichensysteme werden direkt an die Baustellen geliefert. Bereits in der Vergangenheit war voestalpine an mehreren großen Bahnprojekten beteiligt, darunter die Koralmbahn in Österreich und die Hochgeschwindigkeitsstrecke „Green Line“ in Ägypten. Auch bei der Sanierung der stark frequentierten Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim kam Technologie aus Österreich zum Einsatz.

Digitalisierung als strategischer Wachstumstreiber Parallel baut Voestalpine ihre Präsenz im Bereich digitaler Bahntechnologie weiter aus. Die Schweizerischen Bundesbahnen haben mit dem Konzern einen Rahmenvertrag mit einer Laufzeit von bis zu 20 Jahren abgeschlossen. Geliefert werden unter anderem hochmoderne Achszählsysteme, die erfassen, ob ein Gleisabschnitt frei oder belegt ist. Zusätzlich umfasst der Vertrag Wartungs- und Diagnosesysteme sowie Cybersecurity-Lösungen. Der Geschäftsbereich Voestalpine Railway Systems beschäftigt weltweit rund 8.400 Mitarbeitende an 70 Standorten und erzielte zuletzt einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro. Insgesamt erwirtschaftete der Voestalpine-Konzern zuletzt 15,7 Milliarden Euro Umsatz bei einem EBITDA von 1,3 Milliarden Euro.

Franz Kainersdorfer, Vorstandsmitglied der Voestalpine AG und Leiter der Metal Engineering Division, sieht in digitalisierten Gleis-, Weichen- und Signaltechnologien einen zentralen Beitrag zur Modernisierung und Leistungsfähigkeit der europäischen Bahninfrastruktur.

Der vorsichtige Käufer: Einkaufen in der Krise

Sie sparen beim täglichen Einkauf – und buchen gleichzeitig den nächsten Urlaub. Was wie ein Widerspruch klingt, ist das neue Normal. Die Konsumenten der Krise verzichten nicht, sie verschieben. Dabei folgen sie einer Logik, die viele Unternehmen jedoch noch nicht verstanden haben.

Die Unsicherheit ist da – der Einbruch bleibt aus. Der Konsum hält, aber er verändert seine Form. Nicht das „Ob“ steht zur Debatte, sondern das „Wie“. Studien zeichnen das Bild eines Konsumenten, der gleichzeitig stabil und schwer berechenbar ist.

Laut McKinsey & Company („State of the Consumer 2025“) reagieren Haushalte auf Inflation nicht mit Rückzug, sondern mit Verschiebung. Gespart wird gezielt – und ebenso gezielt ausgegeben. Deloitte zeigt parallel: Entscheidend ist nicht der Preis, sondern ob er gerechtfertigt erscheint.

Sparen und konsumieren zugleich

Was wie ein Widerspruch anmutet, ist jedoch gar keiner. Die Konsumenten sparen und gönnen sich gleichzeitig etwas. Im Alltag dominieren Rabatte und Eigenmarken. Bei Reisen, Technologie oder persönlichen „Belohnungen“ sitzt das Geld lockerer. Damit zerfällt die alte Logik von Premium und Discount. Laut McKinsey & Company kaufen selbst Gutverdiener günstiger ein – und greifen punktuell bewusst zu Premium. Die viel zitierte „Mitte“ wird damit zur volatilsten Zone des Marktes.

Die neue Langsamkeit

Der Konsum verlangsamt sich. Nicht in der Menge, sondern im Timing. Laut PwC werden

größere Anschaffungen zunehmend hinausgeschoben. Die Folge: längere Entscheidungswege, mehr Vergleich, mehr Absicherung. Markenvertrauen gewinnt an Gewicht. Gekauft wird später – aber nicht zwingend weniger.

Psychologie schlägt Kaufkraft

Auffällig ist die Entkopplung von Einkommen und Konsum. Selbst finanziell stabile Haushalte agieren vorsichtiger. Maßgeblich ist nicht

Ein Widerspruch, der keiner ist: Der Konsument der Krise spart unabhängig vom Einkommen im Alltag – und gönnt sich trotzdem den Luxus, den er zu verdienen glaubt.

die Kontostand-Logik, sondern das Gefühl von Sicherheit. Die Boston Consulting Group zeigt, dass steigender Pessimismus direkt auf das Kaufverhalten durchschlägt. Konsum wird damit weniger ökonomisch und stärker psychologisch bestimmt.

Stabilität durch Anpassung Und dennoch bleibt der Konsum tragfähig. Laut Circana reagieren Haushalte flexibel – sie wechseln Marken, verschieben Käufe, passen Muster an. Was selten passiert:

kompletter Verzicht. Für Investoren ergibt sich ein klares Bild. Der Preis allein trägt nicht mehr. Entscheidend ist der wahrgenommene Wert. Zielgruppen fransen aus, Entscheidungen werden situativ. Markenvertrauen wird zur Absicherung – und Timing zum strategischen Hebel. Der vorsichtige Konsument ist kein schwacher Konsument. Er ist selektiver, widersprüchlicher – und genau deshalb so relevant. Wer diese Logik versteht, erkennt früher, welche Geschäftsmodelle tragen.

Außenansicht

Wie erkennt man, was jemand denkt? Könnte man eine Meinung erraten, ohne dass sie jemand formuliert? Menschen senden gerne Signale über ihre Kleidung, die Frisur oder den Bart, die Art und Weise, wie sie den Schal binden, die Auswahl des Autos, über die Tageszeitung, die sie im Kaffeehaus lesen, oder den Stil der Uhr und der Brille. Die Summe all dieser kleinen Signale ist die Außenwirkung der gesellschaftlichen Position – sowohl national als auch international. Man zeigt gerne, wo man dazugehört, und Gleichgesinnte können einander erkennen. Unklarheiten oder Widersprüche werden nicht zugelassen. Sitzt im Kaffeehaus jemand mit der Süddeutschen Zeitung am Tisch, so ist er gegen das Vorgehen Israels in Gaza, gegen den Krieg mit dem Iran, gegen Trump, gegen Netanyahu, gegen Orban, verabscheut die AfD und die FPÖ, findet auch CDU und ÖVP nicht viel besser und ist enttäuscht von Sozialdemokraten und Grünen. Das passt alles zusammen. Es ist undenkbar, dass zum

Gefangen im Zwang des Schubladendenkens

Beispiel das Vorgehen der Israelis in Gaza kritisch hinterfragt und der Angriff auf den Iran gutgeheißen wird. Die Position in der Gesellschaft gleicht einem Mosaik, und jeder Stein muss passen, sonst lässt er sich nicht ins Bild pressen. Man könnte es als »Schubladendenken« beschreiben. Die Summe aller persönlicher Ansichten zu Politik, Kunst, Umwelt und Urlaub passt in eine Schublade, in der sich bereits andere befinden, die zu all den Bereichen die gleichen Ansichten haben; austauschbar und übertragbar. Es gibt linke solche Schubladen, konservative, rechte, grüne, ganz linke und ganz rechte.

Die Laden sind unterschiedlich gefüllt, außer einer, die fast leer ist – auf der steht »liberal«. In diese schlüpft kaum jemand. Es gibt nur mehr wenige, die sich als liberal sehen. Manche, die den Verdacht von links gar nicht erst aufkommen lassen wollen, beschreiben sich als linksliberal. Sozusagen als »anständige« Linke. Bei rechts passt auch liberal nicht. Niemand würde sich als rechtsliberal einordnen. Und wenn, entsteht der Verdacht, dass Rechtsextremes verharmlost oder verborgen werden soll. Ebenso wird der Unterschied zwischen rechts und rechtsextrem gerne ignoriert, beiseitegeschoben. Bei rechts ist man sehr bald bei rechtsextrem und bei Faschismus, während links natürlich nichts mit linksextrem und Stalin zu tun hat.

Wie könnte sich das moderne »liberal« also definieren, ohne dass man von der künstlichen Intelligenz eine Definition abschreibt? Vielleicht ist es der Verlust der Meinungsvielfalt, der das Liberale verschwinden lässt. Der fehlende Mut, die Schublade zu verlassen, in der man sich mit der Einfalt der Gleichgesinnten –der Nickgesellschaft, die einem bei jedem Wort zunickt – so wohlfühlt. Vielleicht bedeutet liberal, die schützende Schublade zu verlassen, nicht unbedingt für immer, doch mit einer gewissen Neugierde, andere Schubladen aufzusuchen. Nehmen wir an, ich lehne ein Elektroauto ab, weil es mir auf die Nerven geht, es jedes Mal aufzuladen, und fahre lieber

zur nächsten Tankstelle. Dennoch erkenne ich die Gefahr des Klimawandels und unterstütze die Abkehr von fossiler Energie. Ich würde die Beschränkung unkontrollierter Zuwanderung fordern, vor allem aus Regionen, deren Bewohner unsere Kultur nicht nur ablehnen, sondern als Gefahr für ihre Identität und die ihrer Kinder definieren und jede Form der Integration ablehnen. Akzeptiere jedoch, dass jenen, die schon hier sind, eine entsprechende finanzielle Unterstützung gewährt wird, und betrachte es als nicht sinnvoll, diese zu kürzen. Ich finde den Druck, den Trump auf Europa in Bezug auf Aufrüstung ausübt, für notwendig und verstehe seine Maßnahmen gegen illegale Zuwanderung, verachte jedoch seine Beziehungen zu Epstein und seinen Eingriff in die unabhängige Justiz. Versuchen wir doch, differenzierte Positionen mit scheinbaren Widersprüchen zuzulassen und reagieren gleichgültig auf Kritik der ideologisch reduzierten Mitbewohner der Schublade. Nützen wir die kurzen Augenblicke, wenn die Schublade sich öffnet und neue Mitdenker hineinschlüpfen, um aus ihr zu flüchten. Verlassen wir die engstirnige geistige Monokultur und suchen Erfahrungen in anderen Schubladen. Vielleicht enden wir in der Lade der Liberalen, selbst wenn wir in dieser fast leeren Schublade vereinsamen. n

Sie erreichen den Autor unter peter.sichrovsky@wmedia.at

Essay von Christian Wabl

Das ist doch alles chinesisch! Über unsere Bildung

Ich glaube, jedes Kind will die Welt und sich selbst verstehen, und die Schule sollte ihm dabei helfen. Es will das, was es lernt, einfach verstehen. Es muss dafür nicht alles und auch nicht alles, was ihm in der Schule vorgeschrieben wird, wissen und wiedergeben können. Es möchte das, was es hört und liest, mit seinen Erfahrungen in Verbindung bringen. Das heißt für mich verstehen. Ich wollte das. Für mich und viele meiner Schulfreunde war vieles, allzu vieles in den Schulen »Chinesisch«. (Müssen wir in Zukunft für die Matura Chinesisch lernen, weil China bald die stärkste Macht der Welt ist?)

Ein Deutschaufsatz für die Matura Beim Schreiben von Aufsätzen musste ich immer und vor allem darauf achten, keine Fehler zu machen. Mich auch immer wieder fragen, was schreibe ich da. Ist es ein Essay, eine Analyse? Soll es etwas Persönliches oder Poetisches sein und werden? Oder ein ganz normaler Aufsatz werden? Würde ich am Ende meiner Schullaufbahn für die Matura einen Aufsatz über mein Schulleben schreiben müssen, würde er wie dieser Essay sein. Nur hier fließt auch all das ein, was ich außerhalb und nach der Schulzeit gelernt habe. Er enthält meine Einsichten in den Beginn des Geisteslebens jedes Menschen und möglicherweise auch der Menschheit: der Anfang des Schreibens, Lesens und Rechnens.

A wie Anfang

Alles beginnt mit einem »A«. Eine Schülerin erzählte mir die Geschichte ihrer kleinen Schwester, wie diese Lesen lernte. Sie hatte ihr, sie war gerade zwei Jahre alt, ein »A« vorgezeichnet und dazu laut »A« gesagt. Das Schwesterlein wiederholte: »A« und noch einmal »A«. Dasselbe machte sie auch mit dem Buchstaben »M«. Und die Kleine sagte »M«. Als sie schließlich »Ma« und »Ma« verband, sagte die Zweijährige auch »Mama« und strahlte ihre Mutter an. Als die beiden der »O-Mama« das Kunststück zeigten, rief diese stolz aus: »Toll! Ein Genie!«. So einfach wird man ein Genie. Man verbindet Sichtbares mit Hörbarem und verweist auch noch auf die Bedeutung der Buchstaben und Worte.

M wie Mathematik

Ein anderer Schüler erzählte, wie ihn eine Lehrerin lächerlich machte, weil er am Ende des ersten Schuljahres beim Zählen noch immer die zehn Finger zu Hilfe nahm. Zahlen und Finger sollten nicht verbunden erscheinen; Mathematik, losgelöst vom Wahrnehmbaren, war endgültig »abstrakt« und »fremd« geworden, eben wie chinesisch. Was ich so von diesem Schüler und später von einem Arzt und Naturwissenschaftler gelernt habe: Dass, wenn man das Einfachste und Grundlegende nicht verstanden hat, auch das Komplexere in der Luft hängt. So wie viel Mathematisches und Physikalisches zusammenhanglos in der Luft hängt. So wie ohne Logik auch die Grammatik. Während sich die Worte im Chinesischen auf die alltäglichen und besonderen Dinge des Lebens beziehen, beziehen sich die mathematischen Kürzel und Zeichen auf Zahlen, geometrische Zeichen, Gleichungen und Funktionen. Diese Sprache ist international und wird von allen Naturwissenschaftlern, die die Bedeutung der Zeichen gelernt haben, verstanden. Die chinesische Schrift wird auch in ganz China verstanden, die gesprochene Sprache aber wird durch die unterschiedlichen Aussprachen erschwert. Dass auch Deutsch Teil einer großen Sprachfamilie ist, eine gemeinsame »indoeuropäische« Mutter hat, könnte zumindest das Gefühl des völlig Fremdeartigen verringern.

Latein oder KI – and I

Die seit Wochen aufflammende Schuldiskussion, die sich auf die Frage »Latein oder KI« zuspitzte, hat meine Gefühle bezüglich der österreichischen Schule geweckt. Sie ließ mich an mein Leben in der Schule denken – als Volksschüler, Hauptschüler und Gymnasiast, aber auch als Lehrer an Mittelschulen, Alternativschule und »Elternschule«. All diese Erfahrungen kamen wieder hoch. Anfangs wollte ich auf die seit dem Bestehen der Schulpflicht im-

»Verstehst du das? Was hast du in der Schule eigentlich so richtig verstanden? Was hat das Schulwissen mit deinem Denken und Leben zu tun?«

Diesen Fragen geht unser Autor Christian Wabl in seinem Essay über »Bildung« nach. Einem seiner Herzensthemen.

Christian Wabl, geboren 1948 in Graz, Studium der Kunst und Lehramt Deutsch an der Universität von Amsterdam sowie Studien in den Sprachwissenschaften, Hebräisch und Philosophie. Er ist Mitbegründer mehrerer Alternativschulen und arbeitete lange bildungspolitisch in der Grünen Akademie Steiermark.

Immer wieder wollen die Reformer alles anders gestalten.

mer wieder vorgebrachten Reformpläne analysierend eingehen, entschied mich dann aber für einen persönlich gehaltenen späten »Maturaaufsatz«. Ich schreibe für ein geistreiches und begeisterndes Schulleben, in dem die Freude an der Erkenntnis bis in die letzte Reihe des Klassenzimmers reicht – bis zu den besten und leistungsschwächeren Schülern und deren Eltern.

Ein Schulkind

Ich selbst bin schon in einer Schule auf die Welt gekommen und in ihr aufgewachsen. Meine Eltern, die beide Lehrer waren, hatten eine Dienstwohnung in der Volksschule. Selbst wenn ich krank war, konnte ich dem Unterricht durch die Wand folgen. In der Volksschule war ich ein braver Schüler, mir fiel das Lernen leicht. Alles war mir vertraut. Schulkollegen, die aus einem völlig anderen sozialen Umfeld kamen, taten sich schwerer. Ich wurde auch auf das Gymnasium vorbereitet. Dieses war in einem Internat; dort fühlte ich mich nicht zuhause und wurde ein schlechter Schüler. Deshalb kam ich in eine Hauptschule. Auch dort hatte ich mit dem Lernstoff keine Probleme. Ganz anders war es im Oberstufengymnasium, wo ich gegen schlechte Noten und das Gespenst des Sitzenbleibens ankämpfte. Drei Mitschüler, die sitzengeblieben waren und in der letzten Reihe saßen, unterrichteten mich vor allem in Literatur. »Der Fremde« von Albert Camus war mein Buch. Genauso wie dieser Fremde fühlte ich mich auch. Der Stoff, der unterrichtet wurde, war weit, weit weg von meinem alltäglichen Leben, meinen Gedanken, Träumen, Sorgen und Ängsten. Vieles, schwer Verständliche wurde nur dahingehend überprüft, ob ich das Gelernte mit den Worten des Lehrers wiederholen konnte. Aber für mich war und blieb alles eine Fremdsprache: CHINESISCH. Auch das Latein und die Kürzel der Mathematik und Physik.

Erste Hilfe durch solidarische Strukturen Der vorgeschriebene und vorgegebene Stundenplan, die rasche Folge der Fächer und die Geschwindigkeit, mit der ich durch den Lernstoff gejagt wurde, taten mir nicht gut. In dieser Zeit hatte ich anderes im Kopf. Immer wieder wollen die Reformer alles anders gestalten. In einer Reformschule lernte ich, wie die Einsamkeit und Hilflosigkeit angesichts eines überfordernden Ausbildungsstoffs überwunden werden könnte. Dort wurde in Gruppen von sechs Schülern alles so lange erarbeitet, bis es alle sechs verstanden hatten. Dabei wurde auch ersichtlich, wenn selbst die einfachsten Grundlagen nicht verstanden oder vergessen werden, die tragende Basis für komplexere Zusammenhänge fehlte. Was leistet da die Pädagogik, Didaktik, Psychologie, Philosophie?

Philosophie

Das Schulfach Philosophie fand ich abgehoben. Ich konnte die Gedankengebäude der berühmten Philosophen nicht verstehen, und schon gar nicht jene von Heidegger oder Schopenhauer. Bei der Prüfung wiederholte ich nur bestimmte auswendig gelernte Definitionen. Erst viele Jahre später lernte ich vom Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein und dem Physiker und Erkenntnistheoretiker Albert Einstein, dass es eine Beziehung zwischen Sprache und Wirklichkeit gibt. Diese Erkenntnis hat mir Jahre nach der Matura aus der künstlerischen Traumwelt geholfen, in der ich während der ganzen Schulzeit gelebt hatte und die mich in das Reich der Kunst geführt hat. Als Lehrer konnte ich später in den Augen der Schüler lesen, welchen Gedanken und Träumen sie nachhingen und wohin sie ihren Geist und ihr Vorstellungsvermögen führten. Auf jeden Fall waren sie nicht in der Klasse.

Religion

Gott? Der Sinn der zehn Gebote? Trinität? Die Glaubenssätze und religiösen Geschichten des Alten und Neuen Testaments erschienen mir wie Sagen einer längst untergegangenen Welt. Was eine Sünde sein soll, blieb mir schleierhaft. Auch die Frage nach dem Sinn des Lebens, die ich mir innig gestellt habe, wurde nicht beantwortet. Erst die tiefe Auseinandersetzung mit den Ursprüngen der Religionen und das eingehende Studium der Heiligen Bücher haben mich über die Anfänge der menschlichen und religiösen Geistesgeschichte aufgeklärt.

Geschichte – nie wieder?

Im Geschichtsunterricht hatte ich nie das Gefühl, dass die Ereignisse aus vergangenen Zeiten auch nur das Geringste mit mir und meinem Leben zu tun haben könnten. Vor allem die Ereignisse der jüngsten Geschichte verwunderten mich nur. Ich konnte nicht glauben, dass sich das alles nur einige Jahre vor meiner Geburt wirklich ereignet haben konnte. Vor dem

wiederholten »Nie wieder!« und der Angst vor einer Wiederholung in der Zukunft wurde immer wieder gewarnt, doch die Ursachen und Gründe blieben im Verborgenen. Nie wurden die Hochkulturen als Beispiele einer möglicherweise besseren Gesellschaft angesehen und uns die Gegenwart als ein Höhepunkt der menschlichen Entwicklung vorgestellt. Nur einmal brach die Geschichte wie ein Donnerschlag in den Geschichtsunterricht und mein Bewusstsein ein. Der Professor hatte eine Schallplatte mit der Rede Joseph Goebbels, die er im Berliner Sportpalast 1943 gehalten hatte, mitgebracht. Dort fragte Goebbels das deutsche Volk: »Wollt ihr den totalen Krieg?«. Der kalte Schauer, der über meinen Rücken lief, ließ mich erfahren und erkennen, dass es diese Zeit wirklich gegeben hatte und welche Auswirkungen das auf all das, was auch nach dem »totalen Krieg« gekommen war, hatte. Auch auf mein Leben und mein Sprachbewusstsein. Immer wieder wirkten Sätze während der Schulzeit auf mein kindliches und jugendliches Bewusstsein ein. Lange Zeit merkte ich gar nicht, wie die Vorschriften, Glaubens- und Lehrsätze mein Denken und Handeln bestimmten und lenkten. In der Schule erscheint das dort organisierte fremdbestimmte Leben so normal.

Was ist die vierte Dimension? Was ist Energie? Was soll das heißen »die vierte Dimension«? Was ist eine Zahlentheorie? Was ist ein Axiom? Was ist der Unterschied zwischen einem Axiom, einem Satz und einer Aussage? Was ist Demokratie? Lauter Begriffe, die halb oder überhaupt nicht begriffen und verstanden werden. Im speziellen Kontext der Fächer wird ihnen eine ganz besondere Bedeutung zugeschrieben. Lernen wir das, verstehen wir auch den Unterschied zwischen der eigenen Alltagssprache und dem Verständnis von Zeit und der physikalischen Zeit. Das ist das Hauptproblem in der Schule, die ja vor allem Sprachunterricht erteilt. Es ist nicht nur das Problem der Schüler mit Migrationshintergrund, sondern allgemein eines Sprachenwirrwarrs in der Fachsprachendominanz, sodass der Mensch oft überhaupt nicht mehr mitreden kann. Nicht nur in Fachgebieten, wie z. B. in juristischen, medizinischen oder wirtschaftspolitischen Bereichen, sondern in vielen anderen Bereichen des Lebens.

Oft kommt es auf ein Wort an Manchmal wird auch ein ganz vertrautes Wort zur Falle in einer Fachprüfung. Bei meiner eigenen Matura bin ich in Geographie durchgefallen, weil ich nicht wusste, dass die Abbiegung, die die Mur bei Bruck macht, in Geographie »Knie« genannt wird. Das war der damaligen Kommission genug Beweis, dass ich nicht für reif (lateinisch: matura) befunden werden konnte. Diese Entscheidung hat mein Leben nach der Schule unverhältnismäßig stark beeinflusst. Und man kann erkennen, dass es in der Schule, bei den Prüfungen wie auch im Leben, auf jedes Wort ankommt. Seien wir uns dessen bewusst.

Verständnis und Freude in einer demokratischen Gesellschaft Eine Veranstaltung der Universität Graz, der »Akademie Graz« und dem Institut für Kinderphilosophie hat mir kürzlich vor Augen geführt, wie konkret und beispielhaft über die Grundlagen und Bedeutung von Demokratie und Freiheit gelehrt und gelernt werden kann. In den Vorbereitungen für eine Ausstellung wurde das gemeinsame Arbeiten an der Klärung der Begriffe und die Freude, die die Freiheit in demokratischen Ländern mit sich bringt, erlebt. Wo erklärt und gefragt wird und Respekt und Fehler nicht zum Ausschluss und zur Diskriminierung führen, blüht Freude und Erkenntnis. Während dieser feierlichen Eröffnung wurde offensichtlich, was durch die Zusammenarbeit verschiedener Institute, Schulen, Professorinnen und Professoren, Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern entstehen kann. Alle bewerteten das Ergebnis mit »Sehr gut!«. n

Lange Zeit merkte ich gar nicht, wie die Vorschriften, Glaubens- und Lehrsätze mein Denken und Handeln bestimmten und lenkten.

Eva Surma wurde am 1. 4. 1966 in Graz geboren und arbeitete viele Jahre im Migrationsbereich, wo sie Menschen auf Deutschprüfungen für Staatsbürgerschaft und Arbeitsmarkt vorbereitete. Die Autorin und Feministin ist Mutter von vier Kindern, zweifache Oma und Mitautorin des Buches »Warum Frauen zu sehr schuften – vom Wunsch, die Welt zu retten«. Mit fast 60 beginnt sie eine neue Ausbildung in Sonderpädagogik und arbeitet heute an einer Sonderschule im Bezirk Leibnitz.

Fazitbegegnung

Johannes Tandl trifft auf Eva Surma

Die ganze Welt zusammenhalten

Für Eva Surma begann Feminismus nicht mit einem theoretischen Diskurs, sondern mit einem Satz ihrer Mutter. »Eva, du musst darauf achten, dass du dein eigenes Geld hast«, sagte sie zu ihr, als sie vier Jahre alt war. Damals verstand das Mädchen nicht, warum das wichtig sein sollte. Heute sagt Surma: »Im Laufe der Jahre hat sich gezeigt, dass es vielleicht doch ganz gut ist, eigenes Geld zu haben – schon allein wegen der Pension.« Surma, Schriftstellerin, Feministin und Mitautorin des Buches »Warum Frauen zu sehr schuften – vom Wunsch, die Welt zu retten«, spricht ruhig und ohne Pathos über ein Thema, das gesellschaftlich oft emotional diskutiert wird. Für sie ist Feminismus weniger Ideologie als eine Frage der Lebensrealität. Der Gender-Pay-Gap sei letztlich »die Fußspur des Patriarchats«, sagt sie. Wenn Frauen weniger verdienen, bekommen sie später auch weniger Pension. Und das hat konkrete Folgen: »Mir hätte keine Bank einen Kredit gegeben, wenn auf meinem Pensionsbescheid nicht wenigstens rund tausend Euro gestanden wären.« Viele Frauen würden im Alltag Verantwortung übernehmen, ohne dass diese Arbeit sichtbar oder ökonomisch bewertet wird. »Schau dir den Morgen in einer Familie an«, sagt Surma. »Wer zieht die Kinder an, richtet die Jausenbox und sorgt dafür, dass alles funktioniert? Das sind meistens die Frauen.« Für diese Arbeit gibt es keinen Arbeitsvertrag, keine Stundenaufzeichnung – und selten gesellschaftliche Anerkennung. Surmas Vorschlag für die Carearbeit ist provokant und zugleich nüchtern: »Du bist für die Wehrpflicht – ich bin für die Carepflicht.«

Der Titel ihres Buches ist eine bewusste Anspielung auf den Klassiker Wenn Frauen zu sehr lieben von Robin Norwood aus den 1980er-Jahren. »Meine Coautorin Maria Rösslhumer und ich haben dieses Buch damals gelesen«, erzählt Surma. »Darin ging es darum, wie Frauen sich aus Liebe in Abhängigkeiten begeben.« Ihre Diagnose lautet heute anders: »Wir haben irgendwann festgestellt: Wir haben nicht zu sehr geliebt – wir haben zu sehr geschuftet.« Diese Erkenntnis ist für Surma nicht nur

theoretisch. Sie hat mit ihrer eigenen Biografie zu tun. Während ihrer Ehe arbeitete sie durchgehend – trotz vier Kindern. Geld spielte dabei lange keine zentrale Rolle. »Ich dachte: Wir sind ein gutes Team. Das Geld fließt ins Haus, in die Kinder, in ihre Ausbildung.«

Erst bei der Scheidung wurde ihr bewusst, wie wenig diese Lebensleistung finanziell sichtbar geworden war. Die Richterin habe ihr damals gesagt: »Frau Surma, als Frauenstellenleiterin und Feministin ist das eine sehr unkluge Scheidung.« Surma lacht, wenn sie das erzählt. »Ich habe geantwortet: Wir sind ein gutes Team.« Erst später habe sich gezeigt, wie kompliziert solche Arrangements werden können – etwa wenn es um Eigentum oder Vermögen geht.

Trotz aller Kritik sieht Surma in der sozialen Verantwortung, die viele Frauen übernehmen, auch etwas Positives. »Das ist letztlich das, was unsere Gesellschaft zusammenhält«, sagt sie. Sie verweist auf ein berühmtes Beispiel aus der Archäologie. Den Fund eines geheilten Oberschenkelknochens. »Das zeigt, dass jemand gepflegt wurde. Tiere tun das nicht – Menschen schon.« Für sie ist dieses Verantwortungsgefühl allerdings kein biologisches Schicksal. »Ich glaube nicht, dass das genetisch ist. Wenn man Verantwortung gesellschaftlich gleich verteilt, können Männer das genauso gut.« Der Schlüssel dafür liege in der Bildung. Surma würde deshalb ein ungewöhnliches Schulfach einführen: »Ich würde nicht Religion als Pflichtfach unterrichten, sondern Feminismus – also Gleichberechtigung, Menschenrechte und soziale Verantwortung.«

Geboren wurde Eva Surma in Graz. Sie studierte Deutsch als Fremdsprache und arbeitete viele Jahre im Migrationsbereich, wo sie Menschen auf Deutschprüfungen vorbereitete – etwa für Staatsbürgerschaft oder Arbeitsmarkt. Heute ist sie 60 Jahre alt und beginnt noch einmal etwas Neues: eine Ausbildung in Sonderpädagogik. Seit kurzem arbeitet sie in einer Sonderschule. »Es ist meine zweite Woche dort«, sagt sie und lächelt. Die Welt retten zu wollen, hat sie nie ganz aufgegeben. n

Zwischen Likes und Leadership

Wie Social-Media unsere Arbeitswelt verändert

Ein Blick in die U-Bahn, in einen Meetingraum vor Beginn eines Workshops oder die Kaffeeküche eines Unternehmens zeigt ein vertrautes Bild: Menschen, die auf ihre Smartphones schauen. Scrollen, wischen, reagieren. In wenigen Sekunden ziehen hunderte Bilder, Videos und Meinungen vorbei. Was als privates Kommunikationsmedium begonnen hat, wirkt längst tief in unsere Arbeitswelt hinein. Social-Media verändert nicht nur, wie wir kommunizieren, sondern auch, wie wir denken, entscheiden und zusammenarbeiten. Die Auswirkungen sind subtil, aber weitreichend. Nicht immer zum Vorteil aller Beteiligten: In der Besprechung sitzen fünf Menschen. Drei davon schauen auf ihr Smartphone, einer checkt noch schnell Linkedin und die fünfte Person versucht verzweifelt, die Aufmerksamkeit der Gruppe zurück zum eigentlichen Thema zu bringen. Willkommen in der modernen Arbeitswelt.

Die neue Geschwindigkeit des Denkens

Carola Payer meint, dass auch und gerade in Zeiten von Social-Media konzentriertes Denken wichtig ist.

Dr. Carola Payer betreibt in Graz die »Payer und Partner Coaching Company«. Sie ist Businesscoach, Unternehmensberaterin und Autorin. payerundpartner.at

Social-Media-Plattformen sind Meister der Aufmerksamkeit. Ihre Algorithmen optimieren Inhalte so, dass sie schnell verstanden werden, emotional wirken und möglichst lange im Feed halten. Das Problem ist, dass unser Gehirn sich laufend anpasst. Wir gewöhnen uns an kurze Informationshäppchen, schnelle Reize und sofortige Belohnung. Ein Post, ein Swipe, ein neues Video. Drei Sekunden Aufmerksamkeitsspanne, weiter geht’s. Diese Logik schleicht sich zunehmend auch in den Arbeitsalltag ein. Präsentationen müssen »snackable« sein, Meetings möglichst kurz, Inhalte visuell und leicht verdaulich. Das klingt zunächst effizient. Doch strategische Arbeit, echte Problemlösung oder tiefgehende Diskussionen funktionieren leider nicht wie ein Instagram-Reel. Komplexität braucht Zeit, Denken braucht Ruhe und gute Entscheidungen entstehen selten im Scrollmodus. Organisationen stehen deshalb vor einer paradoxen Situation. Sie sollen schneller werden, während die wirklich wichtigen Fragen in unsicheren Umfeldern mehr Tiefe brauchen.

Sichtbarkeit als neue Karrierewährung

Noch vor zehn Jahren war berufliche Reputation hauptsächlich eine interne Angelegenheit. Wer gute Arbeit leistete, wurde innerhalb des Unternehmens wahrgenommen. Heute spielt sich ein Teil der beruflichen Identität öffentlich ab. Linkedin ist zur Bühne geworden. Führungskräfte posten Gedanken zu Leadership, Mitarbeiter teilen Projekterfolge und Unternehmen erzählen Geschichten über ihre Kultur. Das kann unglaublich wertvoll sein. Wissen wird sichtbarer, Netzwerke entstehen schneller und Ideen verbreiten sich über Organisationsgrenzen hinweg. Aber wie bei jeder Bühne gibt es auch hier eine gewisse negative Dramaturgie. Nicht jeder Beitrag ist ein tiefgründiger Impuls

Fotos:
»Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Social-Media unsere Organisationen verändert, sondern wie bewusst wir damit umgehen.«
CAROLA PAYER

zur Zukunft der Arbeit. Manchmal ist es auch einfach nur ein Foto von einem Flipchart mit der Überschrift »Great Workshop today«. Die Grenze zwischen echter Expertise und digitaler Selbstdarstellung ist fließend. Während manche Führungskräfte immer noch überlegen, ob sie überhaupt posten sollten, investieren andere extrem viel Energie, ihre persönliche Marke aufzubauen.

Zusammenarbeit im Kommentarmodus

Die sozialen Medien haben uns an permanente Interaktion gewöhnt. Wir kommentieren, reagieren, liken und erwarten schnelle Rückmeldungen. Diese Erwartung übertragen viele Menschen inzwischen auch auf die Zusammenarbeit im Unternehmen. Feedback soll sofort kommen und Kommunikation möglichst zeitnah und immer transparent sein. Das hat durchaus positive Effekte. Wissen fließt schneller, Silos werden durchlässiger und Mitarbeitende beteiligen sich stärker an Diskussionen. Gleichzeitig entsteht ein neues Phänomen: der Kommentarmodus der Organisation. Jeder hat eine Meinung, jeder äußert sie und manchmal wird mehr kommentiert als entschieden. Organisationsmitglieder kennen dieses Dilemma nur zu gut. Zwischen Slacknachrichten, Teamchats, Whatsapp-Gruppen, Emails und Linkedinposts bleibt manchmal erstaunlich wenig Raum für konzentriertes Arbeiten oder für eine Entscheidung.

Führung im Zeitalter digitaler Transparenz

Social-Media hat nicht nur die Kommunikation verändert, sondern auch die Erwartungen an Führung. Die Zeiten des distanzierten Managers, der hinter einer Bürotür Entscheidungen trifft und gelegentlich eine Rundmail verschickt, neigen sich ihrem Ende zu. Mitarbeitende erwarten heute mehr Einblick, mehr Persönlichkeit und mehr Haltung. Führungskräfte werden nicht nur daran gemessen, was sie entscheiden, sondern auch daran, wie sie auftreten. Authentizität ist zur neuen Führungsqualität ge-

worden. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Führungskraft plötzlich zum Influencer werden muss. Die meisten Organisationen hätten vermutlich ohnehin genug Content. Entscheidend ist etwas anderes. Menschen folgen heute weniger Positionen, sie folgen Orientierung. Gerade in einer Welt, die durch permanente Information und Veränderung geprägt ist, suchen Mitarbeiter nach Führungskräften, die Klarheit schaffen können. Nicht nach denen mit den meisten Likes.

Die stille Gegenbewegung:

Aufmerksamkeit zurückerobern

Interessanterweise entsteht parallel zu dieser digitalen Dynamik eine Gegenbewegung. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass gute Zusammenarbeit nicht nur aus Kommunikation besteht, sondern auch aus Konzentration. Kreative Ideen entstehen selten, während man gleichzeitig fünf Messengerdienste offen hat. Deshalb experimentieren manche Organisationen bereits mit »Deep Work«-Zeiten, meetingfreien Tagen oder bewusst reduzierter digitaler Kommunikation. Man könnte auch sagen, sie versuchen, ihre Aufmerksamkeit zurückzuerobern. Ein durchaus radikaler Gedanke im Zeitalter des Dauerscrollens.

Zwischen Algorithmus und Zusammenarbeit

Social Media wird nicht mehr verschwinden. Dafür ist es längst zu tief in unsere Arbeitswelt integriert. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Social-Media unsere Organisationen verändert, sondern wie bewusst wir damit umgehen. Unternehmen, die die Mechanismen dieser Plattformen verstehen, können ihre Vorteile nutzen – schnellere Kommunikation, stärkere Netzwerke und größere Sichtbarkeit. Doch sie brauchen gleichzeitig Räume für das Gegenteil – für Tiefe, Reflexion und echte Begegnung. Denn auch wenn Algorithmen bestimmen, was wir im Feed sehen, gute Zusammenarbeit entsteht immer noch zwischen Menschen. Und die lassen sich zum Glück nicht einfach wegscrollen. n

August Schmölzer ist

Sepp Oberdengler mit seiner Rundschau

Wer schreit, ersetzt Denken durch Lautstärke. Dabei wachst Frieden ned aus Gebrüll, sondern aus Verantwortung.

Fotos: Andreas Pankarter

Liebe Steirer und Innen! Geht’s Euch allen eh guat? Den »Dray Jannuary« überstanden, hobts zwischen dem 1. Februar und dem Aschermittwoch Euch a poor Achterln aufgossen, damit da Entzug net zu groß wird?

An krampfigen Fasching erlebt, ein Aschnkreuz to go, und schon sind wir wieder »on Time«, wia da Steira sogt. Warum eigentlich schreien die am politischen Aschermittwoch immer so? Man kann doch eine Botschaft auch normal mitteilen. Wer schreit, hat Unrecht, heißt es, und wer die Grenze seiner rhetorischen Fähigkeiten überschreitet, hat ein pathologisches Problem.

Nehmen wir Untergriffe, Würschtln und Freibier amal weg, wissen die Zuhörer eigentlich warum sie grölen? Das wär einmal eine Frage fürn Professor Filzmaier. Bescheiden wie die Frühlingsflora geht auch die Wirtschaft unseres Landes auf, die Inflation geht zurück, das sind doch gute Nachrichten. Was ich nicht versteh, warum wir nicht olle sagen »Gottseidank«. Tuan ma uns doch parteiübergreifend zamm, damit es noch besser wird. Es geht ja ums Land, um uns olle. Nein, kaum jemand hat positiv über den zarten Anwuchs gesprochen. Die meisten nur negativ. Und das verstehen viele Steirer net.

Sollten wir nicht alle an einem Strang ziehen? Ein früher Schilcher-Tourist, ein offensichtlicher Parteigänger des Volkskanzlers in spe, hat nach ungefähr fünf Achterln in die Runde gelallt, wos is bei dem Aufschwung unsa Leistung? Tja, Volkesmund tut Wahrheit kund. Wir, Europa, die ganze Welt, wir alle rüsten auf, nur wir haben

halt ka Göld. Der Doppelkanzler hat mit »Koste es, was es wolle«, das Göld vateilt, wir haben genommen und jetzt san ma schmästad. Wer den Frieden will, muss aber für den Krieg rüsten, heißt es. Das kostet viel Geld, und die Neutralität schützt uns sicha net. Als ich am Aschermittwoch durch unseren Friedhof gangen bin, habe ich ungefähr 20 Namen auf Grabsteinen von gefallenen Soldaten im 2. Weltkrieg gelesen, die meisten um die 40 Jahre alt. Einer war mit 21 Jahren vermisst in Russland. Ich frag mich, wie es den Eltern damals gegangen ist, wie der Bua vermisst gemeldet wurde. Ich bin für ein effektives Bundesheer. Aber daneben ist es genauso wichtig, dass wir unseren jungen Menschen, die irgendwann für die Sicherheit Österreichs auch sterben könnten, mitgeben, dass es Ethik, Moral und Werte und Verantwortung gibt. Und das die die Grundlagen unserer Gesellschaft sind. Es geht nicht nur um Stärke, es geht vor allem um Wege, die zum Frieden führen.

Für unsere Kinder und Kindeskinder hoffe ich, dass es nie mehr zum Krieg kommt. Das niemals wieder Eltern an Gräbern stehen müssen, um ihr totes Kind, das irgendwo für irgendeinen Größenwahnsinnigen verreckt ist, zu betrauern.

In diesem Sinne wünsch ich Euch eine richtig effektive Fastenzeit und herzlich alles Gute! Bis zur nächsten Fazit-Umschau, Euer Sepp Oberdengler.

PS. Und aufpassen! Der Teif’l schloft net!

Sie möchten Sepp Oberdengler im Radio hören? Jeden ersten Sonntag im Monat gibt es nach den Kirchenglocken um 12.15 Uhr auf Radio Steiermark eine neue Folge. Auch als Podcast. Die aktuelle Programminformation finden Sie auf steiermark.orf.at

Im Februar durften 26 SPAR-Lehrlinge eine Woche lang erleben, wie es ist, selbst die ganze Verantwortung für einen Supermarkt zu übernehmen.

SPAR-Lehrlinge zeigen,

was in ihnen steckt

Wie fühlt es sich an, einen Supermarkt eigenständig zu führen? Für 26 SPARLehrlinge aus der Steiermark wurde dieses Szenario zur Realität. Im Rahmen des Projekts „Lehrlinge führen eine Filiale“ übernahmen sie für eine Woche die komplette Verantwortung für den EUROSPAR-Standort in der Grazer Sackstraße – und bewiesen eindrucksvoll, wie viel Know-how, Engagement und Teamgeist bereits in ihnen steckt.

Von der Warenbestellung über die Organisation der Abläufe bis hin zu Kassadiensten und Kundenberatung: Die Lehrlinge meisterten sämtliche Aufgaben, die sonst erfahrenen Marktleitern vorbehalten sind. „Unsere Lehrlinge übernehmen hier die vollständige Verantwortung für den Markt – das ist gelebte Praxis auf höchstem Niveau“,, betont SPAR-Steiermark-GF Christoph Holzer.

Gründliche Vorbereitungszeit

Bereits im Vorfeld wurden die Nachwuchskräfte intensiv vorbereitet. In Workshops zu Warenkunde, Frischebereichen und Kassaprozessen sowie durch eigenständige Planung von Verkaufsaktionen sammelten sie das nötige Rüstzeug. Während der Aktionswoche setzten sie dieses Wissen direkt um – inklusive Verkostungen, kreativer Warenpräsentation und aktiver Kundenansprache. Das Projekt zeigt eindrucksvoll: Bei SPAR wird Ausbildung nicht nur vermittelt, sondern gelebt. Verantwortung, Eigeninitiative und Teamarbeit stehen im Mittelpunkt – Fähigkeiten, die für die berufliche Zukunft entscheidend sind. Ziel ist es, junge Talente frühzeitig zu fördern und sie Schritt für Schritt auf Führungsaufgaben vorzubereiten.

Eine spannende Woche

Die eigenständige Führung einer Filiale bringt vielfältige Herausforderungen mit sich. Von der Personaleinteilung über organisatorische Abläufe bis hin zur Beantwortung von Kundenanfragen liegt alles in den Händen der Lehrlinge. Gleichzeitig bietet das Projekt die Chance, Teamarbeit, Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein unter Beweis zu stellen. Mit dem mittlerweile neunten Durchgang des Projekts setzt SPAR bewusst ein Zeichen für

nachhaltige Nachwuchsförderung. Ziel ist es, Lehrlingen frühzeitig Verantwortung zu übertragen und sie Schritt für Schritt auf künftige Führungsaufgaben vorzubereiten. Bereits nach Lehrabschluss stehen engagierten Absolventen vielfältige Karrierewege offen –etwa als Abteilungsleiter im Frischebereich oder als MarktleiterStellvertretung.

Karriere mit Perspektive

Denn die Karrierechancen sind vielfältig: Nach der Lehre stehen engagierten Absolventen zahlreiche Wege offen – von der Leitung einer Frischeabteilung bis hin zur Marktleitung. SPAR bildet seine Führungskräfte bewusst aus den eigenen Reihen aus und bietet damit langfristige Perspektiven. Als größter privater Lehrlingsausbildner Österreichs investiert SPAR konsequent in die Zukunft. Allein 2026 werden österreichweit rund 900 neue Lehrlinge aufgenommen, etwa 100 davon in der Steiermark. Zur Auswahl stehen 24 verschiedene Lehrberufe – vom klassischen Einzelhandel bis hin zur Lehre mit Matura oder Doppellehre.

Auch finanziell lohnt sich eine Lehre bei SPAR: Neben einem überdurchschnittlichen Lehrlingsgehalt können sich Lehrlinge Prämien von über 6.700 Euro sichern. Zusätzlich profitieren sie von Benefits wie Einkaufsrabatten oder einem iPad bei guten Leistungen. Nach erfolgreichem Abschluss winkt eine fixe Vollzeitstelle mit erhöhtem Einstiegsgehalt. Wer den Einzelhandel vorab kennenlernen möchte, kann einen Schnuppertag in einem SPARSupermarkt vereinbaren. Alle Infos dazu unter www.spar.at/karriere/lehre/kennenlernen-schnuppern. Bewerbungen sind online unter www.spar.at/lehre möglich. Jetzt bewerben und Karriere starten – bei SPAR beginnt die Zukunft im Team!

Kurz & News

Vifzack 2026: Steirische Bauern überzeugen mit Innovationsgeist

Der Innovationspreis „Vifzack 2026“ der Landwirtschaftskammer Steiermark würdigt erneut kreative Ideen aus der heimischen Landwirtschaft. Den ersten Platz holte Lisa-Marie Gollowitsch aus Markt Hartmannsdorf mit ihrem Projekt „Patenhuhn“, das Landwirtschaft, Bildung und Direktvermarktung verbindet. Platz zwei ging an Maria Bernhart aus Eibiswald, die mit regional angebauten Physalis neue Wege im Ackerbau beschreitet. Gleich drei dritte Plätze erhielten Michael Windberger („Garten am Berg“), Samuel Friesinger („Bunte Bentheimer“) und Daniel Konrad („Schilcherland Pilze“). Der Jurypreis ging an die Familie Kroisleitner aus Rettenegg für ihre Schaufischzucht. Landwirtschaftskammer und Steiermärkische Sparkasse unterstützen den Wettbewerb bereits zum neunten Mal.

BKS Bank stärkt Führung in der Steiermark

Die BKS Bank verstärkt ihr Leitungsteam in der Steiermark. Christian Gartler übernimmt die Leitung des Privatkundengeschäfts und ergänzt damit das bestehende Führungsteam rund um Manfred Geiger, der seit mehreren Jahren das Firmenkundengeschäft verantwortet. Die Bank betreibt in der Steiermark zwölf Filialen mit rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Laut Vorstand zählt das Bundesland zu den wichtigsten Wachstumsmärkten des Instituts. Mit der neuen Führungsstruktur soll die positive Geschäftsentwicklung weiter ausgebaut werden. Gartler verfügt über mehr als 20 Jahre Bankerfahrung und ist regional gut vernetzt. Gemeinsam will das Duo die Marktposition der BKS Bank in der Steiermark stärken.

SPÖ kritisiert Förderstopp im Kulturbereich

Die steirische SPÖ kritisiert einen möglichen Förderstopp im Kulturbereich und fordert Aufklärung von Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl. Klubobmann und Kultursprecher Hannes Schwarz spricht von großer Verunsicherung in der Kulturszene, nachdem sich auch die IG Kultur besorgt über ausbleibende Förderzusagen geäußert hat. Viele Kulturschaffende wüssten derzeit nicht, ob und in welcher Höhe Förderungen ausbezahlt werden. Zusätzlich fordert die SPÖ Klarheit darüber, wie der Wegfall der ORF-Landesabgabe kompensiert werden soll, da diese bisher Förderungen in Millionenhöhe für Kulturprojekte gesichert hat. Für die nächste Landtagssitzung wurde dazu eine offizielle Befragung eingebracht.

KI und Cyber-Security als Chancen für die Steiermark

Der Landtagsklub der Steirischen Volkspartei setzt verstärkt auf Zukunftstechnologien als wirtschaftspolitische Chance für die Steiermark. Bei einer Klubsitzung im Grazer Landhaus diskutierten Klubobmann Lukas Schnitzer, TU-Graz-Rektor Horst Bischof und Defense-Experte Kurt Kerschat über Potenziale in den Bereichen Künstliche Intelligenz sowie Security und Defense. Die Steiermark verfüge über starke industrielle Kompetenz, leistungsfähige Forschungseinrichtungen und hochqualifizierte Fachkräfte, die neue Technologien auch im Sicherheits- und Verteidigungsbereich nutzen könnten. Durch gezielte Forschungsförderung, europäische Programme und Kooperationen könnten zusätzliche Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze entstehen.

Regionale Kooperation für den guten Zweck: Julia Zotter, Amrita Böker (Vinzi Werke), Christoph Holzer (Spar Steiermark)

Der Osterhase spendet

Glück: SPAR unterstützt

Vinzi Werke

Pünktlich zur Osterzeit verbindet eine besondere Aktion Schoklade-Genuss mit sozialem Engagement: Die handgeschöpfte Zotter-Schokolade „Nougat spendet Glück“ ist ab sofort bei SPAR in der Steiermark erhältlich – und hilft gleichzeitig Menschen in schwierigen Lebenslagen.

Von jeder verkauften Tafel gehen insgesamt 50 Cent an die Vinzi Werke. SPAR Steiermark und Zotter Schokolade leisten damit gemeinsam einen Beitrag zur Unterstützung von Einrichtungen, die sich für armutsbetroffene und wohnungslose Menschen einsetzen.

Hilfe für Menschen in Not

Die Vinzi Werke sind für viele Menschen ein unverzichtbares Auffangnetz. Allein in der Steiermark finden täglich rund 240 Personen dort einen sicheren Schlafplatz sowie warme Mahlzeiten. Darüber hinaus bieten die Einrichtungen soziale Beratung, menschliche Zuwendung und konkrete Hilfe im Alltag. Ein Großteil dieser Arbeit wird durch Spenden ermöglicht. „Für viele Menschen sind wir die letzte Anlaufstelle, wenn sie in Not geraten“, betont Vinzi-Werke-GF Amrita Böker. Umso wichtiger seien

Initiativen, die helfen, das Angebot langfristig aufrechtzuerhalten. Auch für die Projektpartner steht die gesellschaftliche Verantwortung im Mittelpunkt. Die engagierte Zotter-GF Julia Zotter unterstreicht: „Solidarität und Zusammenhalt sind Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Mit dieser Aktion wollen wir soziale Wärme und Zuversicht weitergeben.“ SPAR sieht die Kooperation als bewusstes Zeichen für soziales Engagement: „Wir möchten dort helfen, wo Unterstützung dringend gebraucht wird, und verbinden mit dieser Aktion Genuss mit sozialem Engagement“, so Geschäftsführer Christoph Holzer.

Die Zotter-Sonderedition ist in rund 135 SPAR-Märkten in der Steiermark erhältlich. Damit wird jeder Einkauf zu einer kleinen Geste mit großer Wirkung – gerade in der Osterzeit ein starkes Symbol für Mitmenschlichkeit und Zusammenhalt.

Kurz im Gespräch mit

Thomas Kainz, Landesobmann der Freiheitlichen Wirtschaft

Herr Kainz, Sie fordern „Reform statt Stillstand“ und Entlastung bei Energie-, Lohn- und Steuerkosten. Wie soll das finanziert werden?

Unsere Betriebe brauchen echte Entlastung. Der Staat muss bei sich selbst sparen: weniger Förder-Gießkanne, weniger Parallelstrukturen, weniger Prestigeprojekte und vor allem weniger Bürokratie. Verwaltung und Verfahren müssen gestrafft, Mittel gezielter eingesetzt werden. Jeder Euro, der im System versickert, fehlt bei Investitionen und Arbeitsplätzen.

Sie kritisieren den Green Deal. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen ökologischer Verantwortung und wirtschaftlicher Überforderung?

Nicht Umweltschutz ist das Problem, sondern ideologisch überladene Klimapolitik, die Betriebe belastet, Energie verteuert und Jobs gefährdet, ohne globalen Effekt. Österreich braucht technologieoffene Lösungen statt zusätzlicher Verbote und Auflagen. Die Grenze ist erreicht, wenn Betriebe vertrieben und Produktionen ins Ausland verlagert werden.

Was würden Sie beim Bürokratieabbau sofort umsetzen?

Es braucht rasch wirksame Schritte: schnellere, gebündelte Genehmigungsverfahren, echte KMU-Ausnahmen, weniger Melde- und Dokumentationspflichten sowie digitale Standardverfahren mit klaren Entscheidungsfristen. Unternehmer sollen wieder unternehmen können, statt sich durch Formulare zu kämpfen. Weniger Bürokratie schafft Zeit für Leistung, stärkt Investitionen und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit.

Zu Gast bei Fazit

Die steirische Gemeindestrukturreform wurde mit großen Versprechen gestartet – vor allem mit jenem, jährlich rund 50 Millionen Euro einzusparen. Heute muss man nüchtern feststellen, dass dieses Ziel nicht einmal annähernd erreicht wurde. In einzelnen Fällen sind die Kosten durch Fusionen sogar gestiegen. Das oft zitierte Beispiel Raaba-Grambach steht sinnbildlich für Entwicklungen, bei denen neue Verwaltungsstrukturen teurer wurden als die alten. Auch zusätzliche Abstimmungsprozesse, Harmonisierungskosten und IT-Umstellungen haben vielerorts mehr Aufwand als Nutzen gebracht. Doch nicht nur finanziell bleibt die Bilanz ernüchternd. Auch im Alltag der Menschen hat sich vieles verschlechtert. Gerade im ländlichen Raum wurden gewachsene Strukturen geschwächt. Schulen, Kindergärten, Gemeindeämter und Vereinsheime verschwanden aus kleineren Ortsteilen. Gleichzeitig konzentrierten sich Dienstleistungen in den neuen Zentralorten. Für viele Bürger bedeutete

Warum die Lehren aus der Gemeindereform nicht ignoriert werden dürfen

das längere Wege, mehr Zeitaufwand und weniger direkte Ansprechpartner. Noch schwerer wiegt der Verlust an Identität. Gemeinden sind mehr als Verwaltungseinheiten – sie sind gelebte Gemeinschaft. Wo diese Bindung verloren geht, leidet auch das Ehrenamt. Engagement, das früher selbstverständlich war, nimmt ab, wenn die eigene Gemeinde nicht mehr als unmittelbarer Lebensraum wahrgenommen wird. Damit geht auch ein Stück sozialer Zusammenhalt verloren, der gerade im ländlichen Raum von unschätzbarem Wert ist. Dabei wäre vieles vermeidbar gewesen. Die Kritik richtete sich nie gegen Reformen an sich, sondern gegen deren Umsetzung. 127 Gemeinden haben sich im Rahmen des Gemeindeforums bewusst für einen anderen Weg ausgesprochen, nämlich für Freiwilligkeit statt Zwang. Wer fusionieren will, soll das tun – aber mit Zustimmung der Bevölkerung. Dieses Prinzip ist kein Hindernis, sondern eine Voraussetzung für nachhaltige Veränderungen.

Genau dieser Grundsatz wurde missachtet. Über 80 Gemeinden wurden gegen den erklärten Willen ihrer Bürger zusammengelegt. Ergebnisse von Volksbefragungen fanden keine Berücksichtigung. Auch der Gang von rund 40 Gemeinden zum Verfassungsgerichtshof blieb ohne Erfolg. Damit entstand bei vielen Menschen der Eindruck, dass ihre Stimme letztlich keine Rolle spielt – ein fatales Signal für eine lebendige Demokratie.

Die politischen Konsequenzen folgten rasch: Bei der Landtagswahl 2015 erlitten die damaligen Regierungsparteien deutliche Verluste. Landeshauptmann Franz Voves trat zurück, Hermann Schützenhöfer übernahm das Amt. Doch die strukturellen Folgen der Reform bleiben bis heute spürbar und prägen vielerorts die kommunalpolitische Realität. Als wir 1992 das Gemeindeforum in Sankt Lambrecht gegründet haben, ging es um Weiterbildung, Austausch und eine starke Stimme für die Gemeinden. Daraus entstand später die Gemeindeinitiative –

als bewusstes Bekenntnis zu mehr Mitsprache und direkter Demokratie. Diese Grundhaltung ist heute aktueller denn je. Mit 24. April endet meine Funktionsperiode nach 34 Jahren. Mein Fazit ist klar: Strukturreformen brauchen die Zustimmung der Menschen. Wer über Köpfe hinweg entscheidet, spart vielleicht einiges auf dem Papier – verliert aber ungeheuer viel Vertrauen in der Realität. Interkommunale Kooperationen, etwa in Form von Verwaltungsgemeinschaften, zeigen, dass es auch effizient, aber trotzdem bürgernah geht. Sie sind der bessere Weg für eine moderne Gemeindepolitik. Sie ermöglichen Spezialisierung, gemeinsame Nutzung von Ressourcen und gleichzeitig den Erhalt lokaler Entscheidungsstrukturen.

Gerade in Zeiten steigender Anforderungen an Gemeinden – von Digitalisierung über Pflege bis hin zu Infrastruktur –braucht es flexible Lösungen statt starrer Strukturen.

Zusammenarbeit kann Synergien heben, ohne demokratische Nähe aufzugeben. Die Lehre aus der Reform ist daher einfach – und sollte ernst genommen werden. Ohne Akzeptanz gibt es keine nachhaltige Veränderung. n

Prof. Max Taucher (81) ist Gründer des Gemeindeforums Steiermark. Er gilt als Kritiker der steirischen Gemeindestrukturreform und engagierte sich über Jahrzehnte für Bürgerbeteiligung und kommunale Selbstverwaltung.

Sie erreichen den Autor unter redaktion@wmedia.at

Investitionsfreibetrag: Steuerlich entlasten und gezielt investieren

Unternehmen sehen sich oft mit der Herausforderung konfrontiert, passende Investitionsgelegenheiten abzuwägen und die Amortisation zu planen. Unter aktuellen Gesichtspunkten, wie beispielsweise Innovationen voranzutreiben oder neue Märkte anzusprechen, ist der Investitionsfreibetrag ein wirkungsvolles Instrument und ein gutes Argument für die Investitionsentscheidung.

Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sollte man den Blick nach vorne richten und nachhaltige Investitionen in die Zukunft in Angriff nehmen“, so Manfred Geiger, Leiter der BKS Bank-Direktion Steiermark. Eine gute Gelegenheit ist der diesjährig sehr hoch angesetzte Investitionsfreibetrag für neu angeschaffte oder hergestellte, abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Er wirkt steuerlich gewinnmindernd und reduziert somit die Einkommens- bzw. Körperschaftsteuer.

Für Investitionen bis zum 31. Dezember 2026 können Unternehmen 20 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten steuerlich geltend machen. Zu den begünstigten klassischen Wirtschaftsgütern zählen unter anderem Maschinen und technische Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Büroeinrichtungen sowie EDV-Hardware. „Noch stärker gefördert, mit 22 Prozent,

werden ökologische Investitionen wie Photovoltaikanlagen, EMobilität, energieeffiziente Maschinen oder Maßnahmen im Umwelt- und Klimaschutz“, so Geiger.

Informationen einholen

Die erfahrenen Kundenberaterinnen und Kundenberater der BKS Bank informieren Sie in einem unverbindlichen Gespräch gerne darüber, wie Sie mit attraktiven Finanzierungsmöglichkeiten eine zusätzliche Ersparnis bei der Umsetzung Ihrer Investition erzielen können.

Terminvereinbarungen sind unter der Telefonnummer 0316811 311 oder per E-Mail an ksc@bks.at möglich. www.bks.at.

„Der Investitionsfreibetrag ist ein wichtiger Hebel, der Unternehmen die Möglichkeit gibt, Weiterentwicklungen durch gezielte Investitionen voranzutreiben“, so Manfred Geiger, Leiter der BKS BankDirektion Steiermark.

Gesundheitswirtschaft – der unterschätzte Milliardenmotor

Wenn von der steirischen Wirtschaft die Rede ist, denkt man zuerst an Stahl, Maschinenbau oder Automobilzulieferer. Kaum jemand denkt dabei an das Gesundheitssystem. Dabei gehört gerade dieser Bereich längst zu den größten und stabilsten Wirtschaftssektoren des Landes.

Krankenhäuser, Ambulatorien, Forschungseinrichtungen sowie Unternehmen aus Medizintechnik und Biotechnologie sichern zehntausende Arbeitsplätze und bewegen jedes Jahr Milliardenbeträge. Gesundheit ist damit nicht nur ein sozialpolitisches Thema, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Ein Arbeitgeber von Industrieformat

Allein die steirischen Krankenanstalten beschäftigen eine enorme Zahl an Menschen. Insgesamt gibt es im Bundesland 39 Krankenanstalten mit rund 9.184 Betten. Dort arbeiten rund 3.361 Ärzte sowie mehr als 15.500 Beschäftigte in Pflege- und Gesundheitsberufen.

Eine Schlüsselrolle spielt die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes). Sie betreibt die Landeskrankenhäuser und zählt mit mehr als 18.000 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern der Steiermark.

Gesundheitswirtschaft

Steiermark – die wichtigsten Zahlen

• 39 Krankenanstalten

• rund 9.184 Betten

• 3.361 Ärzte

• über 15.500 Pflege- und Gesundheitsberufe

• KAGes: mehr als 18.000 Mitarbeiter

Life Sciences Graz

• rund 14.800 Beschäftigte

• etwa 2,9 Mrd. Euro Umsatz jährlich

Ambulatorien für physikalische Therapie

• 54 Ambulatorien, rund 67.000 Patienten jährlich

• über 1,1 Mio. Therapien pro Jahr

• 335.800 vermiedene Krankenstandstage jährlich

• 1.175 gesicherte Arbeitsplätze

Rechnet man niedergelassene Ärzte, Ambulatorien, Pflegeeinrichtungen, Therapiezentren und Rehabilitationsbetriebe hinzu, entsteht ein Beschäftigungssektor, der in seiner Dimension mit großen Industriebetrieben vergleichbar ist. Besonders in länd-

lichen Regionen sind Gesundheitseinrichtungen oft einer der wichtigsten Arbeitgeber. Die Jobs gelten als relativ krisensicher –medizinische Versorgung wird auch dann gebraucht, wenn andere Branchen schwächeln.

Life Sciences als wachsender Wirtschaftszweig

Die Gesundheitswirtschaft umfasst längst mehr als Spitäler und Pflege. Rund um Medizin, Biotechnologie und Medizintechnik hat sich in der Steiermark ein eigener Wirtschaftsbereich entwickelt. Der Grazer Life-Science-Cluster beschäftigt rund 14.800 Menschen und erwirtschaftet etwa 2,9 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Unternehmen aus Medizintechnik, Diagnostik und Pharmaforschung arbeiten hier eng mit Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammen.

Zu den wichtigsten Institutionen zählen die Medizinische Universität Graz, das Universitätsklinikum sowie das Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin (ZWT). Forschung, klinische Praxis und industrielle Entwicklung greifen hier ineinander. Neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft finden so schneller den Weg in konkrete Anwendungen – von neuen Therapien bis zu innovativen medizinischen Geräten.

Milliarden aus dem Gesundheitssystem

Neben Forschung und Beschäftigung wirkt das Gesundheitssystem auch als Konjunkturfaktor. Über den steirischen Gesundheitsfonds fließen jedes Jahr Milliardenbeträge in Betrieb und Ausbau der medizinischen Infrastruktur. Finanziert werden diese Mittel vor allem von Land und Sozialversicherung. Die wirtschaftlichen Effekte reichen weit über den Gesundheitssektor hinaus. Spitalsbauten schaffen Aufträge für die Bauwirtschaft, medizinische Geräte werden von Technikunternehmen geliefert, und Ausbildungsinstitutionen bilden das notwendige Fachpersonal aus.

Ambulatorien als unterschätzter Wirtschaftsfaktor

Ein Beispiel für die wirtschaftliche Wirkung medizinischer Versorgung sind die Ambulatorien für physikalische Therapie. Eine Studie des Instituts economixs zeigt erstmals ihren konkreten Beitrag für Wirtschaft und Arbeitsmarkt.

In den 54 Vertrags- und Wahlambulatorien der Steiermark werden jährlich rund 67.000 Patienten behandelt. Insgesamt werden mehr als 1,1 Millionen Therapien durchgeführt.

Die Auswirkungen gehen weit über die medizinische Versorgung

hinaus. Durch die Behandlungen können jährlich rund 335.800 Krankenstandstage vermieden werden. Für steirische Unternehmen bedeutet das eine Entlastung von rund 83,95 Millionen Euro pro Jahr. Zusätzlich generieren die Ambulatorien einen gesamtwirtschaftlichen Mehrwert von rund 107,3 Millionen Euro jährlich und sichern insgesamt 1.175 Arbeitsplätze in der Steiermark.

Ambulatorien bündeln unterschiedliche Therapien unter einem Dach – von Physiotherapie über Ergotherapie und Logopädie bis hin zu medizinischer Trainingstherapie und ärztlicher Betreuung. Wenn Behandlungen frühzeitig und gut abgestimmt erfolgen, lassen sich Beschwerden oft behandeln, bevor sie chronisch werden oder eine Operation notwendig machen.

Wachstum durch Demografie

Dass die Gesundheitswirtschaft weiterwachsen wird, gilt unter Experten als wahrscheinlich. Der wichtigste Treiber ist die demografische Entwicklung. Die Bevölkerung wird älter, gleichzeitig steigen Lebenserwartung und medizinische Ansprüche. Damit wächst auch der Bedarf an medizinischer Versorgung, Pflege und Rehabilitation. Prognosen zeigen, dass der Beschäftigungszuwachs im Gesundheits- und Sozialwesen deutlich über dem Durchschnitt vieler anderer Branchen liegt.

Während Industrien häufig starken Konjunkturzyklen unterliegen, entwickelt sich die Gesundheitswirtschaft vergleichsweise stabil.

Die größten Baustellen im steirischen Gesundheitssystem

Trotz hoher Qualität steht das steirische Gesundheitssystem vor mehreren strukturellen Herausforderungen.

Spitalsstruktur und regionale Verteilung

Viele Krankenhäuser stammen aus einer Zeit, in der medizinische Versorgung stärker dezentral organisiert war. Heute stellt sich zunehmend die Frage, welche Leistungen regional sinnvoll angeboten werden können und wo eine stärkere Spezialisierung notwendig ist.

Ärztemangel im niedergelassenen Bereich

Immer mehr Kassenstellen bleiben unbesetzt, vor allem in ländlichen Regionen. Viele junge Ärzte bevorzugen Spitäler, Wahlordinationen oder Teilzeitmodelle statt klassischer Einzelordinationen.

Macht der Sozialversicherungen

Die Sozialversicherungsträger bestimmen über Verträge, Honorare und Leistungsumfang. Kritiker sehen darin ein Ungleichgewicht zwischen Finanzierern und Leistungserbringern.

Überlastung der Spitalsambulanzen

Weil im niedergelassenen Bereich Kapazitäten fehlen, wenden sich viele Patienten direkt an Krankenhausambulanzen – mit entsprechenden Wartezeiten und Mehrkosten.

Fachkräftemangel in Pflege und Therapie

Wie in ganz Europa wird es zunehmend schwieriger, ausreichend Pflegepersonal und Therapeuten zu gewinnen. Der demografische Wandel verschärft dieses Problem zusätzlich.

Ein stabiler Pfeiler der steirischen Wirtschaft

Die Gesundheitswirtschaft ist damit weit mehr als ein Kostenfaktor im öffentlichen Budget. Sie verbindet medizinische Versorgung, Forschung und industrielle Entwicklung zu einem bedeutenden Wirtschaftssektor. Krankenhäuser und Ambulatorien sichern Arbeitsplätze in allen Regionen. Forschungseinrichtungen entwickeln neue Therapien und Technologien. Unternehmen aus Medizintechnik und Biotechnologie bringen diese Innovationen auf internationale Märkte. Gesundheit entwickelt sich damit zu einem der stabilsten wirtschaftlichen Pfeiler der Steiermark – und zu einem Bereich, dessen wirtschaftliche Bedeutung oft unterschätzt wird.

Das steirische Gesundheitssystem ist einer der größten Arbeitgeber des Landes. Allein in den Krankenanstalten und bei der KAGes arbeiten zehntausende Menschen.

Kurz & News

Rekordqualität bei steirischem Kürbiskernöl

Die Landesprämierung 2026 bestätigt erneut die Spitzenqualität des steirischen Kürbiskernöls. Eine 100-köpfige Expertenjury verkostete 484 eingereichte Öle – 436 davon erhielten die GoldAuszeichnung „Prämierter Steirischer Kernölbetrieb 2026“. Besonders bemerkenswert: Drei Produzentenfamilien aus Kalsdorf wurden für 25 Jahre durchgehend mit Gold prämiert. Das steirische Kürbiskernöl g.g.A. bleibt damit ein Aushängeschild der regionalen Landwirtschaft. Mit mehr als 9.000 Hektar Anbaufläche sichert der Ölkürbis wichtige Wertschöpfung in der Steiermark. Auch die Nachfrage steigt weiter – 2025 wurden rund 2,73 Millionen Liter abgefüllt.

Vier Millionen Euro für Tourismusschulen Bad Gleichenberg

Die Tourismusschulen Bad Gleichenberg werden umfassend modernisiert und zum „Center of Excellence“ für Spitzenmanagement in Tourismus, Hotellerie und Gastronomie ausgebaut. Rund vier Millionen Euro fließen in Infrastruktur, Internatsbereiche sowie neue Lehr- und Lernräume. Das Land Steiermark beteiligt sich mit 1,5 Millionen Euro, weitere Mittel kommen vom Bund und der Wirtschaftskammer Steiermark als Schulerhalter. Ab dem Schuljahr 2026/27 starten zudem neue Ausbildungsprogramme zu Innovation, Eventdesign, Digitalisierung und KI-Management. Ziel ist es, den traditionsreichen Ausbildungsstandort international noch stärker zu positionieren und Führungskräfte für die Tourismusbranche auszubilden.

Größte Online-Lehrstellenbörse

der Steiermark startet

Die steirische Online-Lehrstellenbörse „Next step: #Lehre“ geht heuer von 3. bis 6. März in die siebente Runde. Insgesamt 65 Betriebe aus Gewerbe, Handwerk und Industrie präsentieren dabei virtuell mehr als 400 offene Lehrstellen. Jugendliche können über Smartphone, Tablet oder Computer direkt mit Unternehmen in Kontakt treten und Einblicke in Ausbildungsberufe erhalten. Organisiert wird das Format vom AMS Steiermark, der WKO-Sparte Gewerbe und Handwerk sowie der Plattform „Die Industrie“. Teilnehmende Unternehmen reichen von regionalen Leitbetrieben bis zu internationalen Konzernen wie Andritz, Magna, Siemens oder voestalpine.

Montanuni Leoben Citizen-Science-Konferenz

Die Österreichische Citizen-Science-Konferenz 2026 hat von 24. bis 26. Februar an der Montanuniversität Leoben Forschende, Citizen Scientists und Institutionen aus ganz Österreich zusammengebracht. In Keynotes, Workshops und Fachsessions wurden aktuelle Entwicklungen partizipativer Forschung diskutiert. Im Mittelpunkt standen Themen wie Datenqualität, Ethik und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Am dritten Konferenztag öffnete die Veranstaltung ihre Türen auch für die Bevölkerung. Besucherinnen und Besucher konnten sich über Projekte von Biodiversität bis Künstlicher Intelligenz informieren und selbst aktiv an Forschungsideen mitwirken.

AK-Direktor Dr. Johann Scheuch (l.) und AK-Präsident Josef Pesserl präsentierten die AK-Leistungsbilanz 2025.

AK Steiermark sichert 102 Mio. Euro für Mitglieder

Die Arbeiterkammer Steiermark blickt auf ein intensives Jahr 2025 zurück – mit beeindruckenden Ergebnissen für ihre Mitglieder. Insgesamt 304.000 Beratungen zeigen, wie stark die Nachfrage nach Unterstützung in arbeits-, sozial- und konsumentenrechtlichen Fragen ist. Täglich wurden bis zu 1.220 Beratungen durchgeführt.

Besonders deutlich wird der Mehrwert für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei den finanziellen Erfolgen: Insgesamt konnte die AK 102 Millionen Euro für ihre Mitglieder sichern – Geld, das ohne Unterstützung oft verloren gewesen wäre. „Es geht nicht nur um Information, sondern darum, dass Beschäftigte auch in finanzieller Hinsicht zu ihrem Recht kommen“, betont AK-Präsident Josef Pesserl. Im Arbeitsrecht wurden 19,4 Millionen Euro erstritten, häufig nach gerichtlichen Auseinandersetzungen. Problembranchen wie das Gastgewerbe bleiben dabei weiterhin im Fokus. Auch im Sozialrecht zeigt sich die Bedeutung der AK: Hier wurden 33,3 Millionen Euro durchgesetzt, insbesondere für Pensionen und Pflegegeld. Ein wichtiger Pfeiler ist auch die Hilfe in Krisensituationen. Über den Insolvenzschutzverband konnten 31 Millionen Euro

für betroffene Arbeitnehmer gesichert werden. Gleichzeitig ging die Zahl der Insolvenzen leicht zurück.

Im Konsumentenschutz verzeichnete die AK rund 42.400 Anfragen und holte etwa 1,6 Millionen Euro für ihre Mitglieder zurück – vor allem bei Themen wie Wohnen, Energie oder Finanzdienstleistungen. Auch beim Steuersparen gab es ein Rekordergebnis: 16,6 Millionen Euro wurden für Mitglieder vom Finanzamt zurückgeholt. Neben Beratung setzt die AK auch auf konkrete Unterstützung: Förderungen und Beihilfen in Höhe von 5,3 Millionen Euro sowie zahlreiche Bildungsangebote stärken die Mitglieder nachhaltig. Die Leistungsbilanz zeigt klar: Die AK Steiermark ist für Berufstätige ein zentraler Partner in allen Lebenslagen – von der ersten Berufswahl bis zur Pension.

Kurz im Gespräch mit

Andreas Fössl, GF der Sparte Bank und Versicherung in der WKO Stmk.

Die Bankensparte hat sich klar gegen den digitalen Euro positioniert. Gibt es Erfolge –und welche Risiken sehen Sie?

Wir haben erreicht, dass unsere Bedenken auf europäischer Ebene ernsthaft diskutiert werden. Der Nutzen des digitalen Euro muss klar nachgewiesen sein – ohne Mehrwert wird er sich nicht durchsetzen. Zudem gibt es bereits privatwirtschaftliche, digitale Bezahllösungen, die die Bedürfnisse der Kunden gut abdecken. Entscheidend bleibt die Wahlfreiheit: Der Kunde soll selbst entscheiden, ob er bar, mit Karte oder digital zahlt.

Wie wettbewerbsfähig ist unser Finanzplatz?

Österreichs Banken sind solide, stehen aber unter starkem regulatorischem Druck. Hohe Eigenkapitalanforderungen und zunehmende Bürokratie binden Ressourcen, die für Kreditvergabe und Investitionen fehlen. Politisch braucht es daher mehr Proportionalität: weniger Überregulierung und mehr Spielraum für Finanzierung, insbesondere für KMU. Ein wettbewerbsfähiger Finanzplatz ist zentral für Wachstum und Transformation.

Was spricht für eine Pflichtversicherung bei Elementarschäden?

Die Schadenssummen steigen deutlich. Eine Pflichtversicherung würde Risiken breiter verteilen und mehr Planungssicherheit schaffen. Ohne solidarisches Modell bleibt oft nur staatliche Hilfe, die meist nicht ausreicht. Politisch scheitert es bisher an der konkreten Ausgestaltung. Aus Branchensicht wäre ein gemeinsames Modell von Staat und Versicherern sinnvoll.

Foto: Marija Kanizaj

Studierendenrekord an der FH JOANNEUM

Die FH JOANNEUM verzeichnet im Studienjahr 2025/26 mit rund 5.700 Studierenden einen neuen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von zehn Prozent. Besonders stark ist der Zuwachs bei den Studienanfängern. 2.350 Erstsemestrige haben ihr Studium begonnen, rund 20 Prozent mehr als im Jahr davor. Damit ist die FH JOANNEUM österreichweit die zweitgrößte Fachhochschule und bildet knapp neun Prozent aller FHStudierenden des Landes aus. Die Hochschule feiert heuer zudem ihr 30-jähriges Bestehen und informiert beim Open House im März über ihr Studienangebot.

WKO warnt vor Anlagebetrug

Mit deutlichen Worten warnt Markus Kohlmeier, Obmann der Fachgruppe Finanzdienstleister der WKO Steiermark, vor wachsendem Anlagebetrug. Schockanrufe, Fake-Investments und scheinseriöse Online-Broker nutzten gezielt Wissenslücken und Zeitdruck aus. Besonders verdächtig seien hohe Renditeversprechen bei gleichzeitig angeblicher Sicherheit. Seriöse Finanzdienstleister würden so nicht agieren, betont Kohlmeier. Betrug beginne oft harmlos – etwa mit Online-Werbung, professionell gestalteten Plattformen oder überzeugenden Telefonaten. Sein Rat: Finanzangebote immer genau prüfen und im Zweifel mit einem seriösen Berater gegenchecken, bevor Geld investiert wird.

BKS

Bank

erhöht Dividende um 25 Prozent

Die BKS Bank will ihre Aktionärinnen und Aktionäre stärker am Unternehmenserfolg beteiligen. Für das Geschäftsjahr 2025 schlägt der Vorstand eine Dividende von 0,50 Euro je Aktie vor – ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf Basis des Schlusskurses von 18,40 Euro ergibt sich damit eine Dividendenrendite von 2,72 Prozent. Auch die Kursentwicklung unterstreicht das Vertrauen des Kapitalmarkts: Die BKS-Aktie legte 2025 um 17,2 Prozent zu. Über die Ausschüttung von insgesamt rund 22,9 Millionen Euro entscheidet die Hauptversammlung am 8. Mai 2026.

Neues Seniorenbüro startet in Leoben

Die Stadt Leoben eröffnet am 3. März 2026 ein neues Seniorenbüro als zentrale Anlaufstelle für ältere Menschen und ihre Angehörigen. Am barrierefreien Standort in der Roseggerstraße werden Beratung, Information und Unterstützung rund um Gesundheit, Pflege und soziale Fragen gebündelt. Angeboten werden unter anderem Gesundheits- und Pflegeberatung durch Community Nurses, Demenzberatung sowie Hilfe bei Anträgen wie Pflegegeld oder Wohnbeihilfe. Ziel ist es, die Selbstständigkeit älterer Menschen zu stärken und rasch passende Hilfsangebote zu vermitteln. In Leoben ist rund ein Viertel der Bevölkerung über 65 Jahre alt.

Der Hauptpreis des Congress Award 2025 ging an die Veranstalter des EARLI, der Ende August 2025 am Campus der Uni Graz stattfand.

Congress Award 2025 würdigt TopVeranstaltungen

Die Stadt Graz festigt ihre Rolle als Kongressund Wissenschaftsstandort: Im Rahmen der neu konzipierten Gala „Taste & Dine“ wurde am 17. März 2026 der Congress Award Graz 2025 verliehen. Initiiert und organisiert wird der Award von Messe Congress Graz, dem Convention Bureau von Graz Tourismus sowie dem Tourismusverband Region Graz.

Ausgezeichnet wurden Veranstaltungen, die die Stadt international sichtbar machen und zugleich wirtschaftliche Impulse setzen. Den Hauptpreis erhielt der Spitzenkongress EARLI 2025− European Association for Research on Learning and Instruction, der mehr als 2.500 Teilnehmer aus über 60 Ländern nach Graz brachte. Die Veranstaltung nutzte den Campus der Universität Graz und machte die Stadt zu einem lebendigen Treffpunkt für Forschung, Austausch und Innovation. Neben dem Hauptpreis wurden zwei Würdigungspreise vergeben. Der 11. International Student Congress überzeugte als vollständig von Studierenden organisierte Veranstaltung und bezeugt das Engagement und die internationale Vernetzung junger Talente. Die EBSCON 5.0 wiederum setzte starke Impulse für die Zukunft der europäischen Halbleiter- und Elektronikindustrie und positionierte Graz als wichtigen Technologie-Hub. Erstmals wurde ein Nachhaltigkeitspreis verliehen. Dieser ging an die Österreichische Abfallwirtschaftstagung, die mit ihrem Fokus auf Kreislaufwirtschaft und als zertifiziertes Green Meeting Maßstäbe für nachhaltige Veranstaltungsformate setzte. Der Congress Award zeigt eindrucksvoll, welche Bedeutung Kongresse für den Standort haben: Sie bringen internationale Gäste, fördern Wissenstransfer und stärken die regionale Wirtschaft nachhaltig. Auch kulinarisch präsentierte sich Graz von seiner besten Seite. Im Rahmen der Gala sorgten neun Spitzenköche und zahlreiche regionale Produzenten für ein hochwertiges Genusserlebnis, das die Vielfalt der Genuss-Hauptstadt Graz erlebbar machte.

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Steirischer Weinjahrgang 2025 wird präsentiert

Die Steiermärkische Sparkasse und Wein Steiermark präsentieren gemeinsam den neuen steirischen Weinjahrgang. Im Mittelpunkt der traditionellen Jahrgangspräsentation am 8. April in der Grazer Stadthalle stehen mehr als 100 Winzerinnen und Winzer, die ihre aktuellen Weine vorstellen. Trotz herausfordernder Erntebedingungen gilt der Jahrgang 2025 als qualitativ stark. Besonders klassische Sorten wie Sauvignon Blanc, Morillon, Muskateller und Welschriesling überzeugen mit hoher Qualität. Die Veranstaltung wird seit über 25 Jahren von der Steiermärkischen Sparkasse unterstützt und gilt als wichtiger Treffpunkt für Weinwirtschaft, Gastronomie und Weinliebhaber.

Magenta steigt ins Sbidi-Glasfasernetz ein

Unternehmen in ländlichen Regionen der Steiermark erhalten künftig zusätzlichen Zugang zu leistungsfähigen Internetdiensten. Magenta bietet seine Businessprodukte ab sofort auch über die Glasfasernetze an, die von Sbidi errichtet und von der Energie Steiermark betrieben werden. Rund 19.400 Haushalte und Betriebe sind derzeit in den Netzen erreichbar. Insgesamt wurden bereits etwa 1.500 Kilometer Glasfasertrasse gebaut, 23 Netze sind im Vollbetrieb. Beim Präsentationstermin in Graz freuten sich Herbert Jöbstl (Sbidi), Klemens Wagner (Magenta), Anna Sammer (Magenta) und Hannes Kohlmeier (Energie Steiermark Breitband) über die neue Kooperation.

Steirischer Arbeitsmarkt – Frauenanteil erreicht knapp 50 Prozent

Der Anteil der Frauen in Beschäftigung in der Steiermark nähert sich der 50-Prozent-Marke. Im Jahr 2025 waren durchschnittlich rund 254.016 Frauen unselbständig beschäftigt, während 50.459 Frauen zumindest einmal arbeitslos gemeldet waren. Die Arbeitslosenquote der Frauen lag bei 6,1 Prozent. Gleichzeitig zeigt sich weiterhin ein strukturelles Problem: Mehr als 55 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit, was langfristig zu deutlichen Einkommens- und Pensionsunterschieden führt. Das AMS Steiermark setzt daher verstärkt auf Qualifizierungsprogramme, technische Ausbildungen und bessere Kinderbetreuung, um die beruflichen Chancen von Frauen weiter zu verbessern.

Gastfamilien für Schüleraustausch gesucht

Heuer kommen Ende August wieder rund 60 internationale Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren mit AFS Austauschprogramme für interkulturelles Lernen nach Österreich. Für ihre Aufenthalte werden noch Unterbringungsmöglichkeiten: gesucht: Als Gastfamilie schenken Sie einem jungen Menschen Geborgenheit und erleben neue Perspektiven und interkulturellen Austausch in Ihrem Alltag – oft entstehen Freundschaften fürs Leben. Eine „typische“ Gastfamilie gibt es nicht: Ob Familie mit Kindern, Paar, Alleinerziehende oder Senioren – willkommen sind alle. Während der gesamten Zeit begleitet AFS Sie persönlich und steht rund um die Uhr unterstützend zur Seite. Die Aufnahme ist für drei, fünf oder zehn Monate möglich. Wenn Sie Teil dieser besonderen Erfahrung werden möchten, informieren Sie sich jetzt unter www. afs.at/gastfamilie-werden, Tel. 01 319 25 20 0 oder per E-Mail an radha.petters@afs.org.

Fotos:
/ Wein Steiermark, AFS, Fazit_KI, Energie
Steiermark,

FH-Joanneum: Neue Leitung am Institut Journalismus

Martina König ist seit 1. März 2026 interimistische Leiterin des Instituts Journalismus und Digitale Medien der FH Joanneum. Die Hochschuldozentin und Vizerektorin (FH) verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Hochschulbereich und ist seit 2017 am Institut tätig, wo sie den Masterlehrgang „Technische Dokumentation und Content Management“ leitet. König folgt auf den langjährigen Institutsleiter Heinz M. Fischer, der Ende Februar in den Ruhestand ging. Sie übernimmt damit auch interimistisch die Leitung der Studiengänge Journalismus, Public Relations und Content Strategy sowie des Masterlehrgangs Public Communication. Ziel ist eine zeitgemäße Weiterentwicklung der Curricula und eine stärkere Vernetzung mit der Branche.

Biodiesel aus Altspeiseöl spart CO₂

Am 5. März rückte der World Energy Efficiency Day die Rolle effizienter Ressourcennutzung in den Fokus. Energieeffizienz bedeutet dabei mehr als Stromsparen: Auch Kreislaufwirtschaft kann den Energiebedarf senken. Das österreichische Unternehmen Münzer verarbeitet gesammeltes Altspeiseöl zu Biodiesel, der fossile Dieselanteile im Verkehr ersetzt. Aus einem Kilogramm Altspeiseöl entsteht ein Kilogramm Biodiesel, dessen Einsatz rund drei Kilogramm CO₂ einspart. Der Kraftstoff kann sofort im bestehenden Fahrzeugbestand genutzt werden. Münzer betreibt dazu in Wien eine große Biodieselproduktion und sammelt Altspeisefette europaweit ein. Ein vorbeifahrender Biodiesel-Tankwagen verdeutlicht den Einsatz im realen Verkehr

Voices of Spirit 2026:

Graz wird wieder zur Chorhauptstadt

Von 13. bis 17. Mai 2026 verwandelt das internationale Chorfestival Voices of Spirit Graz erneut in eine Bühne für Vokalmusik aus aller Welt. Das Festival findet heuer bereits zum elften Mal statt und zählt zu den bedeutendsten Chortreffen im deutschsprachigen Raum. Mehr als 1.000 Sängerinnen und Sänger gestalten Konzerte, Workshops und Begegnungen in der gesamten Grazer Altstadt. Höhepunkt zum Auftakt ist die „Lange Nacht der Chöre“ am 13. Mai mit rund 40 Chören an neun Veranstaltungsorten bei freiem Eintritt. International renommierte Künstler wie der lettische Komponist Ēriks Ešenvalds prägen das Programm. Ziel ist es, Graz langfristig als internationale Chorhauptstadt zu positionieren.

LRH: Mikro-ÖV in der Steiermark mit geringer Nachfrage

Der steirische Landesrechnungshof unter Direktor Heinz Drobesch hat die sogenannten Mikro-ÖV-Angebote in dünn besiedelten Regionen untersucht. Diese bedarfsorientierten Verkehrssysteme sollen dort einspringen, wo Bus oder Bahn enden. Beanstandungen bei Beauftragungen oder Förderabwicklung durch das Land gab es zwar keine, dennoch zeigt der Bericht strukturelle Schwächen auf. So erschweren Konkurrenzregeln zum öffentlichen Verkehr teilweise eine flexible Nutzung und führen laut Kundenbefragungen zu Umstiegen und Verzögerungen. Auch wirtschaftlich bleibt Mikro-ÖV schwierig: Durchschnittlich nutzen nur 1,3 Personen eine Fahrt. Der LRH empfiehlt daher vereinfachte Regeln sowie eine Überprüfung der Kosten- und Finanzierungsstruktur.

Steiermärkische Sparkasse unterstützt

Dramatikerfestival

Montanuni Leoben gelingt Durchbruch beim

Aluminium-Recycling

Forschende der Montanuniversität Leoben haben ein neues Verfahren entwickelt, das das Recycling von Aluminium aus Altautos grundlegend verändern könnte. Das Team um Univ.-Prof. Stefan Pogatscher zeigt, wie gemischter Aluminiumschrott ohne aufwendige Sortierung und ohne Zusatz von Primäraluminium direkt zu hochwertigen Blechen für neue Fahrzeuge verarbeitet werden kann. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal Nature Communications veröffentlicht. Das Verfahren nutzt gezielt metallurgische Effekte, um auch komplexe Legierungsmischungen nutzbar zu machen. Angesichts von jährlich sieben bis neun Millionen Tonnen Aluminiumschrott aus Fahrzeugen in Europa eröffnet die Methode neue Perspektiven für eine klimafreundliche, zirkuläre Aluminiumwirtschaft.

SPÖ Steiermark unterstützt Volksbegehren gegen Pflege-Profite

Die steirische SPÖ unterstützt das von der Arbeiterkammer Salzburg initiierte Volksbegehren „Stopp dem Pflegeraub“ und fordert eine klare Neuausrichtung im Pflegebereich. Landesparteichef Max Lercher, Graz-Vorsitzende Doris Kampus und Salzburgs SPÖ-Chef Peter Eder warnten in Graz davor, Pflege mit öffentlichen Mitteln zum Geschäftsmodell privater Betreiber werden zu lassen. Steuergeld müsse vollständig bei Pflegekräften, Angehörigen und Pflegebedürftigen ankommen. Gefordert werden mehr Gemeinnützigkeit, bessere Arbeitsbedingungen, der Ausbau mobiler Pflege und betreuter Wohnformen sowie ein flächendeckendes Anstellungsmodell für pflegende Angehörige. Pflege sei Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und dürfe nicht zur Profitmaschine verkommen.

Von 26. bis 31. Mai 2026 wird Graz erneut zum Treffpunkt der deutschsprachigen und internationalen Theaterszene. Das Dramatikerfestival bringt Autoren, Kulturschaffende und Publikum zusammen, um neue Perspektiven zeitgenössischer Dramatik zu eröffnen. Die Steiermärkische Sparkasse unterstützt das Festival seit 2020 und ist auch 2026 wieder als Sponsorin an Bord. Unter dem heurigen Motto „Verflechtung“ stehen neue gesellschaftliche Perspektiven und internationale Kooperationen im Mittelpunkt. Insgesamt sind 19 Vorstellungen und 12 Diskursformate geplant. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Förderung junger Autoren und Kulturschaffender sowie auf der Vernetzung regionaler und internationaler Kulturinstitutionen.

Fotos: SPÖ
Steiermark, LRH
Steiermark, M.Krobath, Fazit_KI, Wolfgang Rappel

Online-Lehrstellenbörse erreicht mehr Jugendliche

Die digitale Lehrstellenbörse „Next step: #Lehre“ des AMS Steiermark, der WKO-Sparte Gewerbe und Handwerk sowie der Plattform „Die Industrie“ hat ihre Reichweite deutlich ausgebaut. Anfang März 2026 nahmen rund 1.370 Jugendliche aus allen steirischen Regionen an den Online-Präsentationen teil – ein Plus von rund einem Drittel gegenüber 2025. Insgesamt stellten 65 Unternehmen aus Gewerbe, Handwerk und Industrie dabei mehr als 400 offene Lehrstellen vor. Besonders stark war die Beteiligung im Zentralraum Graz. Laut AMS-Landesgeschäftsführer Karl-Heinz Snobe zeigt der Erfolg, dass digitale Formate in der Berufsorientierung für junge Menschen zunehmend selbstverständlich werden.

Montanuni: Heimkehr nach Leoben

Die Montanuniversität Leoben holt einen international erfahrenen Werkstoffexperten zurück in die Obersteiermark. Steffen Stelzer übernimmt die Professur für Verarbeitung von Verbundwerkstoffen und Design for Recycling. Der gebürtige Leobener verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit breiter Industrieerfahrung in Mikroelektronik, Luftfahrt, Mobilität und Anlagenbau. Inhaltlich will er auf Prozessmethodik, datenunterstützte Fertigung, ElektronikAnwendungen und Kreislaufwirtschaft setzen. Besonders wichtig ist ihm, Verbundsysteme schon in der Entwicklung recyclingfähig zu machen. Auch in der Lehre plant Stelzer praxisnahe, interdisziplinäre Akzente. Mit seinem internationalen Netzwerk soll Leoben zusätzlich als Forschungs- und Industriestandort gestärkt werden.

Steiermärkische Sparkasse verlängert Partnerschaft mit WelschLauf

Die Steiermärkische Sparkasse bleibt Hauptsponsorin des WelschLaufs und verlängert ihr langjähriges Engagement für eines der populärsten Laufevents des Bundeslandes. Der traditionsreiche Lauf, der seit 1995 jedes Jahr am ersten Samstag im Mai stattfindet, führt über mehrere Distanzen – vom Marathon bis zum Volkslauf – durch die Weinlandschaft der Südsteiermark zwischen Wies und Ehrenhausen. Damit setzt die Bank ein Zeichen für Bewegung, Gemeinschaft und Nachwuchsförderung. Besonders der Kinderlauf liegt den Organisatoren am Herzen. „Der Glaube an sich selbst und an die eigenen Ziele ist entscheidend – im Sport wie im Leben“, betont Sparkassen-Vorstand Oliver Kröpfl.

WE PROCESS THE FUTURE

Binder+Co gilt als Synonym für innovative Aufbereitung in der Rohstoff- und Recyclingindustrie. Weltweit erfolgreich eingesetztes Know-how, ein hochqualifiziertes Mitarbeiterteam und wegbereitende Technologien sind unsere Stärke. Das macht uns zum Weltmarktführer in der Altglasaufbereitung und in der Siebtechnik für schwierige Aufgabenstellungen. Binder+Co - ein kompetenter Partner in über 100 Ländern. www.binder-co.at

Sparkasse holt BGF-Gütesiegel zum achten Mal

Die Steiermärkische Sparkasse wurde bereits zum achten Mal in Folge mit dem Gütesiegel für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ausgezeichnet. Das Netzwerk BGF würdigt damit Unternehmen, die alle 15 Qualitätskriterien erfüllen – von klaren Strukturen bis zur messbaren Wirksamkeit.

Mit einem breiten Angebot von Gesundheitschecks über Prävention bis zu Mental-Health-Initiativen setzt die Sparkasse auf nachhaltige Mitarbeiterförderung. „Die Auszeichnung ist Anerkennung und Verantwortung zugleich“, betont Vorständin Walburga Seidl. Gesundheitsförderung sei fest in der Unternehmenskultur verankert und ein zentraler Baustein für langfristigen Erfolg.

Gösser modernisiert Marke und baut Mehrweg weiter aus Gösser startet mit einer breit angelegten Marken- und Gebindeoffensive ins Jahr 2026. Im Zentrum steht ein behutsam modernisierter Markenauftritt, der alle Sorten – vom Märzen bis zum Zwickl – unter einem einheitlichen Design vereint. Charakteristische Elemente wie das Gösser-Grün, das Doppel-G und der Slogan „Gut. Besser. Gösser.“ bleiben erhalten, wurden aber zeitgemäß weiterentwickelt. Parallel dazu setzt die Marke verstärkt auf Mehrweg: Gösser Märzen und NaturRadler kommen neu in der 0,33-Liter-Mehrwegflasche, Biostoff sowie StiftsZwickl hell und dunkel zusätzlich in 0,5-Liter-Mehrweggebinden. Damit reagiert Gösser auf den anhaltenden Wunsch vieler Konsumenten nach nachhaltiger Verpackung.

Rekord bei LRH-Empfehlungen

Der Landesrechnungshof Steiermark verzeichnet bei der Umsetzung seiner Empfehlungen einen Rekordwert: Von 122 im Jahr 2024 ausgesprochenen Empfehlungen wurden bereits 67 vollständig umgesetzt, weitere 46 befinden sich in Umsetzung oder wurden zugesagt. LRH-Direktor Heinz Drobesch spricht von einem erfreulichen Signal für die Wirksamkeit der Kontrollarbeit. Zugleich setzt der Landesrechnungshof auf Modernisierung: Prüfberichte werden nun von Podcasts begleitet, im aktuellen Tätigkeitsbericht führen zudem QR-Codes direkt zu den Vollversionen. Landtagspräsident Gerald Deutschmann betont die große Bedeutung der unabhängigen Prüfungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Geldern.

Kunstfassade als Statement in Eggenberg

In der Grazer Eckertstraße ist ein außergewöhnliches Kunstprojekt entstanden. Herbert Soltys hat die Fassade eines Mehrparteienhauses zu einem 150 m² großen Gesamtkunstwerk verwandelt. 54 individuell gestaltete Platten bilden unter dem Titel „Kraftfelder der Gleichstellung“ ein visuelles Spannungsfeld zwischen Chaos und Ordnung, Zeichnung und Malerei. Die Motive reichen von kunsthistorischen Referenzen bis zu Popkultur und treten bewusst in Dialog mit dem öffentlichen Raum. Realisiert wurde das Projekt ausschließlich mit privaten Mitteln und in enger Zusammenarbeit mit steirischen Handwerksbetrieben. Mit dem „Soltys Haus“ erhält Graz ein modernes Pendant zu seinen historischen „gemalten Häusern“ – und ein starkes Signal für die Verbindung von Kunst, Architektur und regionaler Wertschöpfung.

Fotos: Fischer, Brauunion, Margit Kundigraber,

Sechs Grazer

Forschende promovieren „sub auspiciis“

Sechs Nachwuchsforschende der TU Graz und der Universität Graz haben am 13. März 2026 eine der höchsten akademischen Auszeichnungen Österreichs erhalten. Und zwar die Promotion „sub auspiciis Praesidentis rei publicae“. Stellvertretend für Bundespräsident Alexander Van der Bellen nahmen die Rektoren Peter Riedler (Uni Graz) und Horst Bischof (TU Graz) den Promotionsakt in der Aula der Alten Universität Graz vor. Ausgezeichnet wurden Hannah Brunner, Samuel Hörmann und Thomas Steiner (TU Graz) sowie Christian Bundschuh, Peter Hartmann und Lena Parigger (Uni Graz). Am 18. März erhalten sie den Ehrenring des Bundespräsidenten in der Wiener Hofburg. Die traditionsreiche Auszeichnung steht für außergewöhnliche schulische und wissenschaftliche Leistungen.

Campus Süd bringt politische Weiterbildung in die Regionen

Die Steirische Volkspartei startet gemeinsam mit der Kärntner Volkspartei und dem Campus Tivoli das Projekt „Campus Süd“. Ziel ist es, politische Weiterbildung stärker in die Regionen zu bringen und Funktionärinnen und Funktionäre praxisnah zu qualifizieren. Unter der Führung von Landeshauptmann-Stv. Manuela Khom sollen künftig Seminare und Workshops direkt in der Steiermark und Kärnten stattfinden. Inhalte reichen von politischer Kommunikation über Social Media bis hin zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Den Auftakt bildet ein Werte-Workshop mit Campus-TivoliPräsident Wolfgang Sobotka. Damit will die Volkspartei engagierte Persönlichkeiten stärken und die Basis für eine zukunftsorientierte politische Arbeit im Land schaffen.

DEINE GESUNDHEIT. MEIN AUFTRAG.

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Verkehrslandesrätin Claudia Holzer und Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer gemeinsam mit den Geschäftsführern der Güterterminal Werndorf Projekt GmbH, Reinhard Hinrichs (links) und Heimo Kniechtl (rechts).

Cargo Terminal Graz wird weiter ausgebaut

Der Cargo Terminal Graz (CTG) in Werndorf wird angesichts steigender Nachfrage weiterentwickelt. Seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2003 hat sich der Standort zu einem zentralen Knotenpunkt der steirischen Logistik entwickelt.

Mehr als 40 Unternehmen haben sich am und rund um den Terminal angesiedelt, täglich sind dort rund 1.600 Personen beschäftigt. Mit einer Fläche von derzeit 125 Hektar zählt der CTG bereits zu den acht größten Logistikstandorten Europas. Erst vor rund eineinhalb Jahren wurde der Bestandsterminal modernisiert, zudem ging die Anschlussbahn Nord entlang der Koralmbahn in Betrieb. Nun sollen weitere Infrastrukturmaßnahmen folgen, um künftige Mengen bewältigen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig sichern zu können. Verkehrslandesrätin Claudia Holzer verweist dabei auf die Chancen durch die Koralmbahn und den Semmeringbasistunnel, die dem Standort neue Perspektiven eröffnen.

Auch Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer betont die strategische Bedeutung des Terminals für die exportorientierte steirische Wirtschaft. Der CTG sei eine zentrale Drehscheibe im Herzen Europas und ein wichtiges Tor zur Welt für die heimischen Betriebe.

Wie die Geschäftsführer der Güterterminal Werndorf Projekt GmbH, Reinhard Hinrichs und Heimo Kniechtl, erläutern, wird noch heuer ein weiterer Kran an der Koralmbahn errichtet. Zusätzlich sind neue Schieneninfrastruktur und Umschlagsflächen auf dem rund 20 Hektar großen Areal „Astra“ geplant. Im Projekt „Infrastrukturknoten Süd“ sollen außerdem Lkw-Wartebereiche samt EU-konformer E-Ladeinfrastruktur, Bushaltestellen und eine Weiterführung des Landesradwegs an der L381 entstehen. Schon jetzt generiert der Cargo Terminal Graz eine jährliche Bruttowertschöpfung von 220 Millionen Euro.

WKO sucht Nachfolger des Jahres

Mit dem Follow me Award 2026 rückt die WKO Steiermark erfolgreiche Betriebsübergaben ins Rampenlicht. Gesucht werden Nachfolgerinnen und Nachfolger aus allen Regionen und Branchen, die einen Betrieb 2025 oder 2026 übernommen haben. In der Steiermark gibt es jährlich rund 1.000 Betriebsnachfolgen, zunehmend auch außerhalb der Familie. Der Wettbewerb würdigt diesen Generationenwechsel als Verbindung von Tradition, Innovation und unternehmerischem Weitblick. Die Online-Nominierung ist ab sofort möglich, das Voting läuft im Oktober 2026. Die Prämierung der beliebtesten Nachfolgebetriebe des Jahres erfolgt am 20. November im Schlossbergsaal der Steiermärkischen Sparkasse.

Radio Steiermark geht mit Osterhasen auf Tour

Radio Steiermark ist in der Karwoche wieder im ganzen Bundesland unterwegs. Von 30. März bis 2. April 2026 machen Moderator Mario Fellner und der Radio-Steiermark-Osterhase in zwölf steirischen Orten Station. Auf die Besucher warten Musik, gute Stimmung sowie Ostereier und Schokolutscher. Zusätzlich gibt es ein Gewinnspiel: Wer die Zahl der Figuren im gläsernen Radio-Steiermark-Osterei richtig schätzt, kann eine Flugreise nach Lissabon für zwei Personen oder einen Familienaufenthalt im Narzissendorf Zloam in Grundlsee gewinnen. Radio Steiermark berichtet laufend von allen Stationen, Fotos der Tour sind täglich auf steiermark.ORF.at zu sehen.

Fotos:

Breitband-Stottern bremst die Steiermark

Der stockende Breitbandausbau wird für die Steiermark zunehmend zum Standortproblem. VP-Klubobmann Lukas Schnitzer kritisiert, dass vom Bund bislang nur 69 der zugesagten 120 Millionen Euro in die Regionen geflossen seien. Besonders scharf fällt seine Kritik an SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler aus, der sich laut Schnitzer beim Thema Mittelzuteilung hinter dem Finanzministerium verstecke. Gerade für Wirtschaft, Arbeitsplätze und Lebensqualität im ländlichen Raum sei ein flächendeckender Glasfaserausbau entscheidend. Schnitzer fordert daher klare Signale aus Wien. Zugleich verweist er auf den Einsatz von Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer, durch den zumindest ein weiterer Fördercall erreicht worden sei. Für die Steiermark gehe es nun darum, fehlende Mittel konsequent einzufordern.

BGF-Gütesiegel für SinnWin-Kundin Convex Im März 2026 wurde das BGF-Gütesiegel 2026-2028 von ÖGK und Fonds Gesundes Österreich an das Planungsbüro Convex ZT verliehen, das die Auszeichnung bereits zum zweiten Mal erhielt. Das Gütesiegel bestätigt die erfolgreiche Umsetzung Betrieblicher Gesundheitsförderung sowie die nachhaltige Verankerung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Begleitet wurde der Prozess von SinnWin GF Claudia Schenner-Klivinyi. Sie gratuliert ihrer Kundin Convex zur Auszeichnung „Familienfreundlicher Arbeitgeber“. Convex-GF Thomas Laggner betont: „Gesundheit ist ein zentraler Bestandteil moderner Unternehmensführung.“ Die Zusammenarbeit habe geholfen, Strukturen weiter zu stärken und Convex als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren.

10 JAHRE FEST

Seit 10 JAHREN steht eleven für besondere Abende, gute Drinks und genussvolle Momente.

Ein Ort zum Ankommen, Verweilen und Feiern.

Wir laden euch herzlich zu unserem großen JUBILÄUMSFEST ein.

Kommt vorbei und stoßt mit uns an. WIR FREUEN UNS AUF EUCH! 30. APRIL 2026

Den

Kurz & News

Otto Feldbaumer, Siegfried Nagl, Marlies Prettenthaler-Heckel, Klaus Zausinger, Bettina Vollath und Gerhard Rüsch unterstützen die Zukunft des Hauses der Stille.

Das Haus der Stille braucht Unterstützung

In einer Zeit, in der vieles lauter, hektischer und unübersichtlicher wird, sind Orte wie das Haus der Stille in Heiligenkreuz am Waasen kostbarer denn je. Seit vielen Jahren finden Menschen hier, was im Alltag oft verloren geht: Ruhe, Orientierung, Trost und neue Kraft. Wer kommt, sucht nicht Luxus, sondern einen geschützten Raum zum Durchatmen, Nachdenken und Wieder-Zu-sich-Finden.

Damit dieser besondere Ort auch in Zukunft für viele Menschen offenbleiben kann, steht 2026 eine umfassende InnenGeneralsanierung bevor. Geplant sind neue Gästezimmer mit eigenem Bad, die Modernisierung von Küche und Essbereich, die Verbesserung der Seminarräume sowie eine freundlichere und einladendere Gestaltung des Ankommensbereichs. Insgesamt sind Investitionen von bis zu 2,7 Millionen Euro notwendig.

Ein Teil der Finanzierung ist gesichert, doch das Haus der Stille ist auf die Unterstützung von Menschen angewiesen, die an die Bedeutung solcher Orte glauben. Denn hier geht es um weit mehr als ein Bauprojekt. Es geht um einen Platz, an dem Menschen in schwierigen Lebensphasen Halt finden, Belastendes ordnen und neue Hoffnung schöpfen können.

Ein prominentes Proponentenkomitee mit Siegfried Nagl, Bettina Vollath, Gerhard Rüsch und Wolfgang Skerget unterstützt den Spendenaufruf.

Wer helfen möchte, kann das tun Privatspenden an das Spendenkonto Sozialhilfswerk Haus der Stille: IBAN: AT52 3817 0000 0104 3736, Verwendungszweck: „Auszeit“ oder „Stille“

Unternehmensspenden und Projektförderungen an das Spendenkonto Verein Haus der Stille: IBAN: AT49 3817 0000 0101 2459, Verwendungszweck: „Umbau Haus der Stille“

Jede Spende hilft mit, einen Ort zu bewahren, der Menschen stärkt — leise, aber nachhaltig.

Frühlingslounge macht Lust auf neue Saison

Der Musikverein Graz hat in Wien einen viel beachteten Vorgeschmack auf die Saison 2026/27 gegeben. Bei der traditionellen Frühlingslounge in den Räumlichkeiten von Steinway & Sons präsentierte Intendant Michael Nemeth die Höhepunkte des neuen Programms. Dieses verspricht große Namen wie Plácido Domingo, Rudolf Buchbinder, Lisette Oropesa, Anna Lapwood, Jonathan Tetelmann und Fazıl Say. Inhaltlich setzt der Musikverein auf eine Mischung aus Wiener Klassik, internationalen Spitzenensembles, thematischen Schwerpunkten wie „Natur in der Musik“ sowie neuen Zugängen für Familien, Schulen und junges Publikum. Mit rund 35.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr unterstreicht der Musikverein Graz einmal mehr seine starke Position in Österreichs Kulturlandschaft.

Milchpreis setzt steirische Bauern massiv unter Druck

Der Steirische Bauernbund schlägt Alarm: Innerhalb weniger Monate ist der Milchpreis für heimische Produzenten deutlich eingebrochen. Lag der Bruttomilchpreis im November 2025 noch bei 60,30 Cent pro Kilogramm, sind es im März 2026 nur noch 49,31 Cent – ein Minus von rund 18,2 Prozent. Gleichzeitig steigen die Kosten für Energie, Treibstoff und Betriebsmittel weiter an. Zusätzlichen Druck erzeugt der Preiskampf im Handel, wo Milch und Butter immer öfter zu Lockpreisen angeboten werden. Bauernbund und betroffene Milchbauern fordern daher faire Erzeugerpreise, ein Ende der Schleuderaktionen und mehr Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Fotos: Harry Schiffer, Fazit_KI,

(v.l.) Dachverbands-Obmann Markus Windisch, ORF-Landesdirektor Gerhard Koch, A14-Referatsleiterin Ingrid Winter, LRin Simone Schmiedtbauer und Manfred König (WKO FG Entsorgung)

Frühjahrsputz

2026

für

eine saubere Steiermark

Wenn tausende Menschen gemeinsam anpacken, entsteht mehr als nur eine saubere Landschaft: Der „große steirische Frühjahrsputz“ geht in die nächste Runde und lädt von 21. März bis 9. Mai 2026 wieder alle Steirerinnen und Steirer zum Mitmachen ein.

Die Erfolgszahlen sprechen für sich: Im vergangenen Jahr beteiligten sich über 70.000 Personen, die rund 210.000 Kilogramm Abfall sammelten. Auch heuer haben sich tausende Freiwillige aus mehr als 200 Gemeinden angemeldet – ein starkes Zeichen für gelebten Umwelt- und Gemeinschaftssinn.

Umweltbewusstsein stärken

Ob Wiesen, Wälder, Bachläufe oder öffentliche Plätze – überall dort, wo achtlos weggeworfener Müll die Natur belastet, setzen engagierte Helferinnen und Helfer ein sichtbares Zeichen. Denn Littering schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch der Lebensqualität. „Der große steirische Frühjahrsputz ist längst mehr als eine Aufräumaktion – er ist eine echte Bewegung für Verantwortung gegenüber unserer Natur“, betont LRin Simone Schmiedtbau-

er. Mitmachen ist einfach: Sammelsäcke werden zur Verfügung gestellt, und jede helfende Hand zählt – ob alleine, mit Familie, Freunden oder als Gruppe. Besonders praktisch ist, dass heuer auch kleinere Sammelsäcke für unterwegs sowie neue Taschenaschenbecher zum Sammeln von Zigarettenstummeln eingesetzt werden. Als zusätzlicher Anreiz wartet auf alle Teilnehmer ein großes Gewinnspiel mit attraktiven Preisen – darunter Thermenaufenthalte, Fahrräder oder Erlebnisangebote in der Steiermark. So funktioniert’s: Gewinnkarte beim Sammelsack ausfüllen und bis spätestens 15. Mai 2026 in der Gemeinde oder im Altstoffsammelzentrum abgeben. Weitere Informationen, Anmeldung und alle Details gibt es unter: saubere.steiermark.at Jetzt mitmachen und gemeinsam Verantwortung übernehmen – für eine saubere, lebenswerte Steiermark.

Kurz im Gespräch mit

Orsolya Reiter, Steirische Landesbäuerin

Frau Landesbäuerin, Sie vertreten künftig rund 30.000 steirische Bäuerinnen – das größte Frauennetzwerk des Landes. Welche Anliegen wollen Sie zuerst sichtbar machen? Ich fühle mich sehr geehrt über das Vertrauen der Bezirksbäuerinnen. Unsere Ziele bleiben klar: mehr Frauen in Entscheidungsgremien, bessere Bildungsangebote für Landwirtinnen und eine stärkere Bewusstseinsbildung bei Konsumentinnen und Konsumenten. Herkunft, Qualität und Wert unserer Lebensmittel müssen sichtbarer werden. Entscheidend ist aber, dass Wertschätzung bei uns selbst beginnt – hier haben wir auch eine wichtige Vorbildfunktion.

Sie haben früh auf Direktvermarktung gesetzt. Welche Chancen sehen Sie für Höfe?

Diversifizierung bietet große Chancen. Landwirtinnen bringen viel Know-how ein und können neue betriebliche Standbeine entwickeln. Das ist arbeitsintensiv, eröffnet aber neue Perspektiven und Einkommensquellen – auch wenn sich Strukturen dadurch verändern.

Was braucht es, damit mehr junge Frauen Verantwortung übernehmen?

Frauen leisten am Hof bereits enorm viel – von Organisation bis Management. Zusätzliches Engagement in Gremien ist oft schwer vereinbar. Deshalb braucht es gezielte Weiterbildung, etwa Programme wie „ZamUnterwegs“, und vor allem Vorbilder. Netzwerke wie die Bäuerinnenorganisation müssen aktiv genutzt werden, damit Frauen nicht nur gehört, sondern auch wirksam werden. Es braucht Frauen, die diesen Weg schon gemacht haben und andere Frauen motivieren.

Erben unter Verdacht

Die

Erbschaftsteuer

hat in Österreich eine bemerkenswerte

politische Lebensdauer.

wieder

auf
In regelmäßigen Abständen taucht sie

– als vermeintlich einfache Lösung für Budgetprobleme, als Symbol für mehr Verteilungsgerechtigkeit oder als politisches Signal gegen große Vermögen.

Derzeit erlebt sie wieder einmal ein Comeback – die Erbschaftssteuer. Finanzminister Markus Marterbauer hat mehrfach angedeutet, dass eine Besteuerung großer Erbschaften Teil einer langfristig stabilen Budgetpolitik sein könnte. Unterstützung bekommt er dabei von Christoph Badelt, Präsident des Fiskalrats. Badelt weist seit Jahren darauf hin, dass Österreichs Steuerstruktur aus dem Gleichgewicht geraten ist: Arbeit wird stark belastet, Vermögen dagegen vergleichsweise wenig.

Die wichtigsten Argumente in der Erbschaftsteuer-Debatte

Argumente für eine Erbschaftsteuer

• Arbeit wird in Österreich stark besteuert, Vermögen dagegen relativ wenig

• große Vermögensübertragungen nehmen international zu

• kann Vermögenskonzentration begrenzen

• Einnahmen im Milliardenbereich möglich

• international weit verbreitet

Argumente gegen eine Erbschaftsteuer

• Vermögen wurde häufig bereits mehrfach besteuert

• kann Sparanreize und Kapitalbildung schwächen

• Risiko von Kapitalflucht und Steuervermeidung

• mögliche Belastung von Familienunternehmen

• relativ geringe fiskalische Bedeutung

Tatsächlich ist Österreich im europäischen Vergleich eine Ausnahme. In vielen Staaten existieren Erbschaftsteuern – meist mit progressiven Tarifen, hohen Freibeträgen und Sonder-

regeln für Familienunternehmen. Auch die Ökonomin Margit Schratzenstaller vom Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung weist darauf hin, dass diese Steuer international weit verbreitet ist.

Doch damit beginnt erst die eigentliche Debatte. Denn kaum eine Steuer ist unter Ökonomen so umstritten wie die Besteuerung von Erbschaften.

Die fiskalische Logik

Aus Sicht der Befürworter klingt das Argument zunächst plausibel. Österreich steht unter zunehmendem Druck, seine Staatsfinanzen zu stabilisieren. Gleichzeitig spielt die Besteuerung von Vermögen im gesamten Steueraufkommen nur eine untergeordnete Rolle. Badelt argumentiert daher weniger ideologisch als systematisch. Wenn Arbeit stark belastet wird, während große Vermögen kaum zur Finanzierung des Staates beitragen, entsteht eine strukturelle Schieflage. Eine Erbschaftsteuer könnte hier zumindest teilweise gegensteuern. Auch Marterbauer denkt in diese Richtung. Seine Überlegungen zielen vor allem auf große Vermögensübertragungen. Hohe Freibeträge und Sonderregeln für Familienunternehmen sollen sicherstellen, dass die breite Bevölkerung nicht betroffen ist. Der fiskalische Effekt wäre allerdings begrenzt. In Europa bringen Erbschaftsteuern im Durchschnitt nur rund 0,2 bis 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ein. Für Österreich würde das dennoch Einnahmen im niedrigen Milliardenbereich bedeuten.

Die Frage der Vermögenskonzentration

Ein zweites Argument betrifft die langfristige Entwicklung von Vermögen. Erbschaften spielen beim Aufbau von Vermögen eine immer größere Rolle. Während Einkommen aus Arbeit oft stagnieren, wachsen Vermögen über Generationen hinweg –etwa durch steigende Immobilienpreise und Kapitalerträge. Schratzenstaller argumentiert daher, dass eine moderate Besteuerung großer Erbschaften helfen könnte, extreme Vermögenskonzentrationen zu begrenzen. Damit stellt sich eine

grundsätzliche Frage: Soll wirtschaftliche Macht über Generationen hinweg nahezu steuerfrei weitergegeben werden?

Massive Kritik aus der Ökonomie

Trotz dieser Überlegungen gehört die Erbschaftsteuer zu den am heftigsten kritisierten Steuerarten in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur. Der Nobelpreisträger Gary Becker argumentierte etwa, dass Vermögensübertragungen Teil der rationalen Familienökonomie sind. Eltern sparen nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Kinder. Eine Besteuerung dieser Transfers schwäche jene Anreize, die langfristige Kapitalbildung fördern. Ähnlich skeptisch äußerte sich Milton Friedman. Staatliche Eingriffe in private Vermögensübertragungen könnten neue Möglichkeiten der Steuervermeidung schaffen – und Kapital ins Ausland treiben. Noch grundsätzlicher formuliert es der Ökonom Thomas Sowell. Für ihn ist die Erbschaftsteuer vor allem ein moralisches Problem: Der Staat greife damit in eine zutiefst private Entscheidung ein – nämlich in die Frage, wie Eltern ihr Vermögen an ihre Kinder weitergeben.

Das Argument der Doppelbesteuerung

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist die sogenannte Doppelbesteuerung. Der Harvard-Ökonom Gregory Mankiw bezeichnete die Erbschaftsteuer einmal provokant als „besonders ungerechte Steuer“. Schließlich sei das Vermögen häufig bereits mehrfach belastet worden – etwa durch Einkommensteuer, Unternehmenssteuern oder Kapitalertragsteuer. Warum also noch einmal zugreifen, wenn das Vermögen an die nächste Generation übergeht? Befürworter entgegnen zwar, dass beim Erben ein neuer Vermögenszufluss entsteht. Politisch lässt sich der Eindruck einer mehrfachen Besteuerung jedoch nur schwer entkräften.

Familienunternehmen im Fokus

Besonders heikel wird die Diskussion bei Unternehmensnachfolgen. Viele Familienbetriebe bestehen nicht aus Bargeld,

sondern aus Immobilien, Maschinen oder Beteiligungen. Eine hohe Steuerbelastung könnte Nachfolger zwingen, Teile des Unternehmens zu verkaufen, um die Steuer zu bezahlen. Viele Staaten versuchen dieses Problem mit Ausnahmen zu lösen. Doch genau dadurch entstehen komplizierte Systeme mit zahlreichen Sonderregeln. Der Finanzökonom Alan Auerbach weist deshalb auf ein strukturelles Problem hin: Erbschaftsteuern verursachen hohe Verwaltungskosten und eröffnen gleichzeitig Möglichkeiten zur Steuervermeidung.

Steuerpolitik oder Symbolpolitik?

International zeigt sich meist ein politischer Mittelweg: hohe Freibeträge, moderate Steuersätze und Sonderregeln für Unternehmen. Doch genau dieser Kompromiss wirft eine entscheidende Frage auf. Wenn eine Steuer so viele Ausnahmen braucht, um politisch akzeptabel zu sein – ist sie dann überhaupt ein effizientes Instrument? Die österreichische Debatte deutet darauf hin, dass es oft weniger um Einnahmen als um politische Symbolik geht.

Ökonomisch bleibt der Effekt jedenfalls überschaubar. Selbst in Ländern mit Erbschaftsteuer sind die Einnahmen relativ gering. Damit stellt sich eine nüchterne Frage: Wird hier ein großes wirtschaftspolitisches Problem diskutiert – oder lediglich eine vergleichsweise kleine steuerpolitische Stellschraube?

Fest steht: Die Diskussion über die Erbschaftsteuer wird Österreich noch lange begleiten. Sie berührt zentrale Fragen jeder Wirtschaftsordnung – Eigentum, Leistung, Chancengleichheit und die Rolle des Staates in der Vermögensverteilung.

Ein Blick auf die wirtschaftliche Realität fällt jedoch erstaunlich nüchtern aus. Die Steuer bringt vergleichsweise wenig Geld, ist administrativ kompliziert und politisch hoch umstritten. Das erklärt, warum viele Ökonomen ihr skeptisch gegenüberstehen –selbst dann, wenn sie das Ziel größerer Verteilungsgerechtigkeit grundsätzlich teilen.

Nicht jede politisch attraktive Forderung führt automatisch zu einer guten Steuerpolitik.

Immobilien

Die robusten Masten der „Novara“-Leuchten bleiben in der Leobener Innenstadt erhalten, erneuert wurde nur das technische Innenleben.

Leoben investiert in moderne Infrastruktur

Mit gezielten Investitionen modernisiert die Stadt Leoben ihre Infrastruktur und stärkt damit die Standort- und Wohnqualität. Im Mittelpunkt stehen eine umfassende LED-Umrüstung rund um den Hauptplatz sowie mehrere Straßenbauprojekte.

Rund 75 Leuchten in den Fußgängerzonen der Innenstadt wurden auf moderne LED-Technologie umgestellt. Statt die bestehenden Anlagen vollständig zu ersetzen, entschied sich die Stadt für eine nachhaltige Lösung: Die robusten Gehäuse und Masten bleiben erhalten, während das technische Innenleben durch moderne LED-Module ersetzt wurde. Das spart Ressourcen und ermöglicht eine rasche Installation. Die neue Beleuchtung sorgt für eine gleichmäßige Ausleuchtung der Wege und Plätze. Das dient nicht nur Fußgängern zur Orientierung, sondern hebt auch das Sicher-

heitsgefühl im öffentlichen Raum. Gleichzeitig sinkt der Energieverbrauch deutlich. Erfahrungswerte zeigen, dass LED-Systeme im Vergleich bis zu 60 bis 80 Prozent Energie einsparen können. Zudem profitieren Gemeinden von längeren Wartungsintervallen und über eine viele Jahre stabile Lichtqualität. Parallel dazu startet die Stadt ein umfangreiches Straßenbauprogramm. Rund um das neue Bildungszentrum Fröbelgasse werden mehrere Straßen inklusive Gehsteigbereiche generalsaniert. Neben den Fahrbahnen stehen Gehsteige und Bauwerke im Fokus. Ziel ist es, Barrierefreiheit und Sicherheit für Fußgänger wei-

GRAZ-STRASSGANG: Rooftop-Oase mit Rundumblick: Schöne Wohnung mit Terrasse und Whirpool, Wfl. ca. 89,93 m², 4 Zi., Dachterrasse = ca. 96 m², Balkon = ca. 9 m², Kellerabteil = ca. 10,06 m², HWB: 46,8 kWH/m2a, Klasse B, KP: 440.000,- Euro; RE/MAX for all, Mag. (FH) Elke Raich, 0664/42 41 767, www.remax. at/1606/16715

ter zu verbessern. So werden mehrere Gehsteige in der Innenstadt erneuert, die Steinbrücke im Tal saniert sowie eine Stützmauer in der Neudorfer Straße instandgesetzt. Auch die Holzbrücke in Maria Kaltenbrunn wird neu errichtet.

GRAZ-INNERE STADT: Traditionsreiches Grazer Lokal mit historischem Gewölbe –vielseitiges Gewerbeobjekt zur Pacht, Nutzfläche ca. 260 m², 6 Gasträume, HWB: 420,1 kWH/ m2a, Klasse G, Gesamtpacht = 4.700,- Euro; RE/MAX for all, Daniel Harg, 0664/18 73 385, www.remax.at/1606/16730

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Mit diesen Maßnahmen verfolgt die Stadt eine klare Strategie: Bestehende Infrastruktur wird gezielt modernisiert, um Ressourcen zu schonen, Folgekosten zu reduzieren und die Lebens- und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu steigern. Davon profitieren nicht nur Bewohner, sondern auch Unternehmen und Immobilienstandorte in der Region.

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Best of Fazitportrait

Wein im Hof

Von Volker Schögler mit Fotos von Heimo Binder

Seit 25 Jahren ist Evelyn Merc mit der Weinbar Klapotetz verbunden, seit acht Jahren

ist sie selbst die Wirtin. In einem versteckten

Renaissanceinnenhof mitten in der Grazer Altstadt kredenzt die ausgewiesene Weinexpertin neben

Jausenschmankerln 130 erstklassige Weine, die vorwiegend aus der Südsteiermark stammen.

Die Grazer Altstadt birgt viele Geheimnisse. Vor allem offene Geheimnisse. Offene Geheimnisse sind jene, die man zwar kennt, aber immer wieder vergisst. Damit ist jetzt nicht die Wasabipaste gemeint, die man seit ungefähr 52 Wochen vergisst zu kaufen, vielmehr geht es um eine der richtigen Antworten auf die Frage »Wohin gehen wir heute aus?«. Abgesehen davon, dass es sich dabei um eine der schönsten Sorgen der Welt handelt, ist es ratsam, sich im Vorhinein über seine subjektiven Voraussetzungen, ja Bedingungen, im Klaren zu sein. Man möchte zum Beispiel tags darauf kein Kopfweh haben. Dies ist insbesondere hinsichtlich der Flüssigkeiten, die man zu sich zu nehmen gedenkt, nicht nur eine Frage der Quantität, sondern auch der Qualität. Der aufmerksame Leser merkt hier vielleicht schon, wohin die Reise geht. Da man sich nicht überall auskennen kann – etwa in der Ornithologie und in der Oenologie und im Oeffi-Fahrplan – ist es zumeist nicht nur eine Frage der Information, sondern auch des Vertrauens: Die Wirtin, der Wirt Ihres Vertrauens von heute ist nicht dazu da, um gegenüber Ehepartnern (»war gar nicht da«) oder Gesetzeshütern (»war zur Tatzeit da«) ein Alibi abzugeben, sondern um für erstklassige Produktqualität bei Speis und Trank zu sorgen – neben Freundlichkeit, flotter Bedienung, korrektem Wechselgeld und offenen Ohren für Ihre Sorgen und Probleme. Wer das alles nicht braucht, tut sich natürlich leicht und fühlt sich sogar bei einem Wiener Kaffeehauskellner willkommen.

Foto: Werner Krug

Versteckt im Generalihof Im Zweifelsfall ist eine Buschenschank immer richtig. Das wissen alle Südsteirer, fast alle Weststeirer und auch die meisten Oststeirer. In der Obersteier vulgo Hochsteiermark fehlt das Angebot. In Graz muss man in die Außenbezirke oder – in die Innenstadt. Da ist es wieder, das offene Geheimnis. Es handelt sich zwar nicht

Es gehört zu unserem Konzept, dass das Lokal Wohnzimmercharakter hat.
Evelyn Merc, Wirtin

wirklich um eine Buschenschank, aber um etwas Ähnliches mit dem Vorteil, dass es auch Kaffee gibt. Und natürlich wird man dieses Lokal nicht mehr vergessen, aber es besteht die Gefahr, dass es einem nicht einfällt. Und das hat mehrere Gründe. Der erste: Es liegt so versteckt, dass Ortsunkundige es nur mit Hilfe von Google-Maps finden. Das bezieht sich zumindest auf immer wieder auftauchende Touristen, die es auf Tripadvisor auch ganz hervorragend bewerten. Auch wenn man von diesem amerikanischen Konzern nicht viel halten mag, aber die Schwarmintelligenz von Massenmeinungen ist immer wieder erstaunlich. Kenner wissen es natürlich längst: Es geht um die Weinbar »Klapotetz« und das Versteck heißt »Generalihof«. Beides, sowohl der Name als auch die Lage sind grenzgenial. Das Wort Klapotetz versteht man, ohne slowenisch zu können und assoziiert damit Weingärten und Wein. Der Hof selbst liegt genau im Eck Herrengasse/Stempfergasse und ist völlig uneinsehbar, hat aber von beiden Gassen einen Zugang. Diese Zugänge werden am Abend mit Eisengittertoren verschlossen, sodass späte Gäste nur mittels eines schwer auffindbaren elektrischen Türöffners im Gang zur Herrengasse wieder hinauskommen. Ein großer Teil des Hofs wird vom Klapotetz als Gastgarten genutzt und kommt der Vorstellung einer Idylle wirklich sehr nahe. Verkehr und Hektik haben keinen Zutritt, ein kinderfreundlicher Platz. Der Hof kann aber mehr als das. Wie die Klapotetz-Wirtin Evelyn Merc zu erzählen weiß, wurde diese Renaissancejuwel mit unzähligen Arkaden von niemand Geringerem als Domenico dell‘Aglio geplant, dem Baumeister des Landhauses in der Herrengasse gegenüber. Außerdem soll das Lokal selbst als Pferdestall gedient haben, als sich das Kriegsministerium in Graz befand. Daher soll es auch einen Gang geben, der direkt ins Landhaus führt. Wie so oft ist es der Hauch der Geschichte, der einen Ort zu etwas Besonderem macht. Das Besondere im heutigen Generalihof sind wohl auch die im Sommer wöchentlich stattfindenden Jazzkonzerte.

Wohnzimmercharakter

Ein anderer Grund, weshalb einem das Klapotetz vielleicht nicht sofort in den Sinn kommt, wenn man ausgehen möchte: Sehen und Gesehenwerden spielt es hier nicht. Das Lokal verweigert sich der marktschreierischen Welt des Spektakulären und Aufdringlichen. An der Wand hängt keine Gitarre von John Lennon, nicht einmal ein Sturzhelm von Niki Lauda, dessen Lieblingskellnerin Evelyn

Merc übrigens war, als sie noch im Haas-Haus bei Do&Co gearbeitet hat – aber das ist eine andere Geschichte. Was auch wegfällt: das Leuteschauen vulgo Leut‘ ausrichten, ein durchaus ernst zu nehmendes Grundbedürfnis, denn was interessiert den Menschen am meisten? – Andere Menschen. Wer sich diesbezüglich allerdings im Griff hat, findet in den angeführten Gründen, weshalb einem diese Lokalität nicht sofort einfällt, umgekehrterweise äußerst sympathische Gründe, gerade deshalb hierher zu kommen. »Es gehört zu unserem Konzept, dass das Lokal Wohnzimmercharakter hat«, erläutert die Chefin. Davon zeugt auch der hohe Anteil an Stammgästen, den Merc auf sechzig bis siebzig Prozent taxiert. Zum Konzept gehört aber vor allem auch das Anbot steirischer Produkte: »Unsere Lieferanten kommen aus der Steiermark, ausser beim Kaffee natürlich, der kommt aus Italien. Und der überwiegende Teil der Rotweine kommt aus dem Burgenland.« Die Steiermark ist bekanntlich ein Land des Weißweins. War es bis etwa 2010 noch der Welschriesling, so gilt heute der Sauvignon Blanc als der typische steirische Wein schlechthin. Insgesamt hat die Weinbar Klapotetz 130 Weine im Angebot. 20 Weine werden offen ausgeschenkt, das beginnt mit dem Achterl Welschriesling zu moderaten 3,60 Euro und geht – je nach Wein – hinauf bis 5,90 Euro. Bei den Siebenzehntelflaschen schlägt der Welschriesling mit 21 Euro zu Buche, der Sauvignon Blanc liegt zwischen 28 und 35 Euro, die großen Rieden (Lagenweine) zwischen 49 und 59. Der teuerste Wein kommt auf 84 Euro. Die Weinkarte für die offenen Weine wechselt vierzehntägig, es gibt einen Wein des Monats, der einmal im Monat mit Gästen verkostet wird, die große Weinkarte wechselt vierteljährlich.

Neben den typisch steirischen Fruchtsäften Traube, Apfel, Pfirsich und Holler gibt es noch Schaumweine, Bier und Hochprozentiges. Eine alkoholfreie Besonderheit ist der Verjus-Spritzer aus unreifen Trauben mit Hollersaft. Auch bei der »Jause« bleibt Merc dem Grundsatz treu, möglichst alles aus steirischer Provenienz zu liefern – das gelingt ihr hiebei zu hundert Prozent. Rohschinken, Geselchtes, Hauswürstel, Lendbratl, Pfeffersalami, Verhackert und ein spezielles Kürbiskerngrammelschmalz wird von der Grazer Fleischerei Leitner geliefert, Käse von der Kasalm und der Hofkäserei Deutschmann, das Kernöl von der Ölmühle Hartlieb und die Aufstriche werden selbstgemacht. Eine seltene Spezialität »in der Stadt« sind Spagatkrapfen mit Schlagobers und Preiselbeeren.

Ich wollte immer schon eine Weinbar haben.
Evelyn Merc, Wirtin

Rückkehr und Übernahme

»Ich wollte immer schon eine Weinbar haben«, sagt Evelyn Merc. Im Jahr 2015 hat sie sich diesen Traum mit 40 erfüllt. Und heute, acht Jahre später, ist die Südsteirerin aus Heimschuh noch immer glücklich damit. Ein Glücksfall auch die ganze Entstehungsgeschichte und ihre ständige Verwobenheit mit eben diesem Lokal seit 1998, sohin seit 25 Jahren. Nach ihrer Ausbildung zur Hotelkauffrau in der Hotelfachschule Bad Gleichenberg startete Evelyn Merc mit 18 Jahren in ihre erste (Winter-)Saison in einem Fünfsternhotel in St. Christoph am Arlberg. »Die Idee war zunächst in der Gastronomie viel Geld zu verdienen, um mir dann doch das Studium der Archäologie leisten zu können, weil ich damals von den Indiana-Jones-Filmen fasziniert war«, lacht die Wirtin heute über ihre Jugendträume. Die zweite Station war in Salzburg im noblen Hotelschloß Mönchstein, dem »schönsten Stadthotel der Welt«, wie es genannt wurde. Wo ein Staatsbankett mit Königin Sylvia von Schweden stattfand und Gäste wie Vranitzky und Schüssel, Eliette von Karajan, Alberto Tomba oder Gerard Mortier abstiegen. Merc: »Dort gab es eine eigene Hochzeitskapelle, in der 75 Hochzeiten im Mai, der nur 31 Tage hat, abgehalten wurden.« Als untere Servicekraft, Commis und Commis de range, unterstand sie einem Oberkellner, der »nichts roch«, sprich, der Wein nicht am Geruch erkennen und unterscheiden konnte, was bei einer Weinkarte mit mehr als 300 Weinen ziemlich wichtig ist, wenn man beim Servieren nicht ins Schleudern kommen will. Dabei entdeckte sie, dass sie wohl über eine entsprechende Sensorik verfügt und führt das auf ihre Herkunft aus der Weingegend zurück. Als sie bedungen wurde, ihre Weinkenntnisse zu beweisen, lernte sie innerhalb von zwei Wochen das Weinlexikon auswendig

und entwickelte sich zu einer echten Expertin. Nicht jeder kann einen Zweigelt von einem Blaufränkischen unterscheiden. Ersterer soll von Sauerkirsch- und Weichseltönen geprägt sein, zweiterer von Waldbeeren und würzigen Noten, ein Cabernet Sauvignon von schwarzen Johannisbeeren. Schließlich machte sie eine Ausbildung zur Sommelière. Weitere Stationen waren das Restaurant Purzelbaum in Salzburg-Nonntal und Do&Co im Haas-Haus in Wien. 1998 schließlich kam sie nach Graz, um ihrer Mutter bei der Erkrankung des Vaters beizustehen und landete im Klapotetz von Bernd Leitmeier. Und blieb der Liebe wegen, denn im »Klapo« lernte sie ihren Robert kennen, den sie 2007 schließlich ehelichte und 2012 zum Vater machte.

Bis 2001 blieb sie im »Klapo«, nach Zwischenstationen in Rezeption und Verwaltung holte sie Leitmeier 2003 wieder zurück, bis er 2008 das Lokal verkaufte. So kam Evelyn Merc bis 2012 zum Weingut Polz in die Vinofaktur in Graz, nach Vogau und auf den Pössnitzberg. 2015 kehrte sie wieder zurück: Zusammen mit Hannes Dreisiebner vom gleichnamigen Weingut im Sulztal bei Gamlitz kaufte sie das Klapotetz als Mehrheitseigentümerin. Mit sechs Mitarbeitern verkauft Evelyn Merc heute genau die Weine, von denen sie überzeugt ist, erklärt jedem Interessierten geduldig die Unterschiede zwischen Gebiets-, Orts- und Riedenweinen nach der Herkunftpyramide DAC Steiermark und dass in der Steiermark die Handlese verpflichtend ist. Oder dass die Flaschen um 30 Prozent teurer geworden sind – nicht der Inhalt, sondern das Glas. Oder warum der Chardonnay in der Steiermark Morillon heißt. So erfüllt sie selbst das Motto ihrer Website am besten: Das Beste der Südsteiermark im Herzen von Graz. n

Weinbar Klapotetz

Evelyn Merc Gastro GmbH

8010 Graz, Herrengasse 9, Generalihof Telefon +43 316 820888 klapo.at

Dieses Fazitportrait erschien erstmals im Mai 2023.

Ich glaubte lange, dass es stets etwas eindeutig Richtiges und etwas eindeutig Falsches gibt.
Alfred

Johannes Noll, 1960–2026

Jurist, Autor und Poltiker

Es flimmerte wieder

Aber es gibt noch weit mehr als Spielund Dokumentarfilm! Denn innovative Filme in allen Längen, sowohl im Wettbewerb als auch in den Spezialschienen, wurden geboten und vom Stammpublikum bereitwilligst konsumiert. Insgesamt waren 149 Filmproduktionen zu sehen, davon 77 als Österreich- oder Weltpremiere. Auch abseits der Leinwände liefen Diskussionsveranstaltungen. Das Festival des österreichischen Films war in der ganzen Stadt präsent: Der Schaufensterwettbewerb ließ auch heuer wieder die Grazer Innenstadtgeschäfte im Diagonale-Look erstrahlen, während die Ausstellung des diesjährigen Trailerregisseurs Michael Gülzow, »Das Tor zur Unwirklichkeit«, im Grazer Kunsthaus zu sehen war und dazu einlud, durch Zeiten und Realitäten zu reisen.

Zurück im Lendviertel

Das Festival kehrt mit der Kurzfilmwanderung zurück ins Lendviertel, wo 2013 anlässlich des Lendwirbels erstmalig an den Hauswänden und in Hinterhöfen temporäre Orte des Kinos entstanden. Auch diesmal konnte das Publikum die Festivaltage mit einem prächtigen Mix aus Livekonzerten und DJs bei der Nightline ausklingen lassen, fast alles bei freiem Eintritt. Das Line-up reichte dabei von entspannt und gemütlich in der Diagonale-Bar im Volksgartenpavillon bis zu experimentell und laut im Forum Stadtpark und im Diagonale Forum im Heimatsaal des Volkskundemuseums.

Dreißigjähriger Krieg zum Start

Der Eröffnungsfilm thematisierte Genderdebatten in historischen Gewändern. »Rose« von Markus Schleinzer mit der großartigen Sandra Hüller. Zur Handlung: Inmit-

ten des Dreißigjährigen Kriegs erscheint ein Soldat in einem protestantischen Dorf und behauptet, der Erbe eines verwaisten Gutshofs zu sein. Den anfänglichen Argwohn der Dorfgemeinschaft zerstreut der geheimnisvolle Fremde durch Mut und Tatkraft. Nur die allwissende Erzählerin aus dem Off kennt die wahre Identität des Soldaten: Rose ist eine Frau, die als Mann lebt und dabei verschiedenste Rollen annimmt und wieder ablegt – Sonderling, Bärentöter, Gutsherr, Ehemann, Vater. Bis ein scheinbar banaler Moment – der Stich einer Biene –eine folgenschwere Kettenreaktion auslöst. Eindrucksvoll verkörpert Sandra Hüller, auf der Berlinale bereits für diese Leistung mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet, die titelgebende Rose und verleiht ihr allein mit Blicken, Haltungen und ihrem Gang außerordentliche Präsenz in diesem zwischen Fiktion und historischer Genauigkeit

Von Michael Petrowitsch
Diagonale in Graz

Einmal im Jahr wird Graz zur Filmhauptstadt des Landes. Das Festival des österreichischen Films bot im März zum 29. Mal eine große Bandbreite an Spiel- und Dokumentarfilmen. Und das tut dem Kulturstandort gut.

changierenden Frauenporträt. Ausgehend von historischen Berichten über Frauen, die sich im 17. Jahrhundert als Männer ausgaben, um arbeiten zu können und ein selbstbestimmtes Leben zu führen, entwirft Markus Schleinzer das Porträt einer »Weibsperson«, die die Grenzen ihres Geschlechts überwindet und zur Autorin einer für sie vorteilhafteren Biografie wird. Rose stellt essenzielle Fragen zu Freiheit und Identität – und auch danach, wer die Macht besitzt, eine Geschichte zu erzählen.

Schauspielpreis für Wienerin

Eine weitere Größe des zeitgenössischen heimischen Filmgeschehens ist Hilde Dalik.

Diagonale Festival des österreichischen Films Seit 1998 jährlich in Graz diagonale.at

Alles Kultur

Die 1978 geborene Wienerin erhielt den Schauspielpreis der Diagonale. Ihre Lust am Spiel, ihr schauspielerisches Handwerk, ihre Genauigkeit, ihr unverwechselbarer Humor und zugleich ihre Fähigkeit zu Tiefgang zeichnen die Mimin aus. Längst hat sie sich ihren Platz in der Theater-, Film- und Fernsehlandschaft erarbeitet und ihr vielseitiges Können regelmäßig unter Beweis gestellt. Dafür wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet: So etwa mit einer Romy in der Kategorie Beliebteste Serien-Darstellerin oder mit dem Diagonale-Schauspielpreis für ihr unprätentiöses Spiel in der Mockumentary »Sargnagl – Der Film«. Aus diesen Gründen hat die Fachjury einstimmig dafür votiert, Hilde Dalik für ihre außerordentlichen Verdienste um den österreichischen Film mit dem Großen Schauspielpreis der Diagonale 2026 auszuzeichnen. Dalik wirkte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit und gilt momentan als wichtiges österreichisches Gesicht bedeutender Schauspielkunst. Es tut sehr gut, die Diagonale in Graz gehabt zu haben, und wir empfinden große Vorfreude für das nächste Jahr. n

Schauspielpreis der Diagonale im Jahr 2026 für Hilde Dalik

Kunst am Bau

Fassade als Statement

In der Grazer Eckertstraße im Bezirk Eggenberg ist ein außergewöhnliches Kunstprojekt entstanden. Herbert Soltys hat die Fassade eines Mehrparteienhauses in ein 150 Quadratmeter großes Gesamtkunstwerk verwandelt. 54 individuell gestaltete Platten bilden unter dem Titel »Kraftfelder der Gleichstellung« ein visuelles Spannungsfeld zwischen Chaos und Ordnung, Zeichnung und Malerei. Die Motive reichen von kunsthistorischen Referenzen bis zu Popkultur und treten bewusst in Dialog mit dem öffentlichen Raum. Realisiert wurde das Projekt ausschließlich mit privaten Mitteln und in enger Zusammenarbeit mit steirischen Handwerksbetrieben. Mit diesem »Soltys Haus« erhält Graz ein modernes Pendant zu seinen historischen »gemalten Häusern«. Und ein starkes Signal für die Verbindung von Kunst, Architektur und regionaler Wertschöpfung. n

Tandl macht Schluss!

Allmonatliche

Finalbetrachtungen von Johannes Tandl

Europa ist ein merkwürdiger Ort geworden. Einerseits will es die globale Energiewende anführen. Andererseits ist die EU nicht einmal in der Lage, die europäischen Stromnetze und Energiemärkte zu synchronisieren. Daher gibt es zurecht eine Sehnsucht nach Politikern, die wissen, was sie tun. Früher hatte man solche Figuren gelegentlich – Menschen wie Sebastian Kurz oder Mario Draghi. Nicht fehlerlos, gewiss nicht. Aber sie hatten etwas, das heute fast schon verdächtig wirkt. Und zwar die Idee, wohin die Reise gehen soll. Und den Mut, Dinge infrage zu stellen, die man in Brüssel normalerweise nicht infrage stellt. Denn Europa steht nicht vor einer Reform, sondern vor einer Entscheidung. Während in Asien Wirtschaft passiert und in den USA Interessenpolitik betrieben wird, beschäftigt sich die EU gern mit sich selbst. Sie verkommt gerade zu einem Megaverwaltungsapparat mit angeschlossener Weltdeutung. Das Grundproblem ist schnell beschrieben, Europa will alles zugleich sein. Ein Bundesstaat, aber bitte ohne Staat. Ein

Europa, wie es sich selbst im Weg steht

Binnenmarkt, aber mit möglichst vielen Ausnahmen. Eine Wertegemeinschaft, die sich gleichzeitig in Detailregulierungen verliert. Das Ergebnis ist eine Konstruktion, die erstaunlich gut darin ist, Kompromisse zu produzieren – und ebenso erstaunlich schlecht darin, Probleme zu lösen. Dabei gäbe es eine einfache Idee, die seit Jahren im Raum steht und konsequent ignoriert wird: Subsidiarität. Also die Überlegung, dass man Dinge dort entscheidet, wo man sie am besten entscheiden kann. In der Praxis bedeutet das weniger Brüssel, mehr Nationalstaat – jedenfalls dort, wo gemeinsames Handeln keinen erkennbaren Mehrwert bringt.

Stattdessen passiert oft das Gegenteil. Man einigt sich auf europäische Ziele und übererfüllt sie dann national noch einmal, was in Österreich besonders gern geschieht. Klimaneutralität bis 2040 zum Beispiel klingt gut, ist aber in einer Weise ehrgeizig, dass das mit der technischen Realität nichts mehr zu tun hat. Man kann natürlich beschließen, dass etwas schneller gehen soll. Die Physik zeigt sich davon erfahrungsgemäß unbeeindruckt.

Auch ökonomisch wirkt Europa derzeit, als hätte es sich ein wenig verlaufen. Mario Draghi hat das in bemerkenswerter Klarheit beschrieben; zu wenig Innovation, zu hohe Energiepreise, zu viel Selbstbeschäftigung. Während anderswo produziert wird, diskutiert man hier über Regulierung. Das ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Besonders interessant ist die europäische Energiepolitik. Sie basiert auf der Annahme, dass man durch genügend guten Willen auch im Winter genug Strom hat. Das ist ein sympathischer Gedanke, aber leider keiner, der sich zuverlässig in Kilowattstunden übersetzen lässt. Wenn gleichzeitig Industriebetriebe feststellen, dass Energie anderswo billiger ist, entsteht eine Dynamik, die man früher Deindustrialisierung nannte und heute gern etwas eleganter umschreibt. Hinzu kommt ein weiteres europäisches Hobby, nämlich der Glaube, dass man durch eigenes Vorangehen das Weltklima rettet. Das Problem ist nur, dass fossile Energie global gehandelt wird. Wenn Europa weniger verbraucht, verbrauchen andere mehr.

Das ist keine moralische, sondern eine mathematische Frage. Am Ende läuft alles auf ein recht schlichtes Thema hinaus. Wer in der EU hat die Macht, Entscheidungen zu treffen? Europa entscheidet oft einstimmig, was ungefähr so effizient ist, wie es klingt. In einer Welt, in der andere Akteure schnell und interessengeleitet handeln, ist das ein struktureller Nachteil. Mehr Mehrheitsentscheidungen wären daher kein antidemokratisches Experiment, sondern eine echte Notwendigkeit.

Und dann sind da noch die Gerichte, die mit großem Engagement Kompetenzen auslegen und so an sich raffen. Auch das ist Teil des Problems. Politik wird zunehmend juristisch ersetzt. Das hat den Vorteil, dass Entscheidungen sehr gründlich begründet werden. Den Nachteil, dass sie politisch kaum mehr korrigierbar sind. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Europa gute Analysen hat. Die hat es. Auch nicht, ob es Vorschläge gibt. Die gibt es ebenfalls. Die Frage ist, ob es Menschen gibt, die bereit sind, daraus Konsequenzen zu ziehen. Und die fehlen!

Europa wirkt derzeit wie ein Mensch, der ganz genau weiß, was zu tun wäre – aber es dann aus Gründen, die er selbst nicht wirklich versteht, doch nicht tut. n

Sie erreichen den Autor unter johannes.tandl@wmedia.at

Die neue Gesundheits versicherung.

SCHÖN, DASS

ES

DICH

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