FALTER
Nr. 26a/25
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Nr. 26a/25
Entgeltliche Beilage des Falter Verlags ALLE VERANSTALTUNGEN UND TERMINE

Tanztheater Wuppertal Pina Bausch + Terrain Boris Charmatz „Nelken“. Foto: Uwe Stratmann
Amala Dianor zeigt „LEVEL UP“ und „DUB“ | TAO Dance Theater kommt mit Zahlen | Nadia Beugré im Porträt
Tanztheater Wuppertal zurück in Wien | Eva-Maria Schallers und Wolfgang Mi erers „Walzerwut“
Meg Stuart entführt für einen Moment | [8:tension] Intime Nähe | Service: Performance-Lexikon, Workshops, Timetable
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Vorwort
ImPulsTanz ist wie Fieber: Vor allem heiß. Das liegt nicht nur an den Temperaturen im Hochsommer, sondern auch an den Performances, der Verausgabung in den Workshops und den allabendlichen Partys, bei denen von der ersten Nummer an getanzt wird. Wie dem Fieber kann man sich dem Festival schwer entziehen. Ich meine das ganz im positiven Sinne: Wien fällt im Sommer ins Tanzfieber. ImPulsTanz ist in der Stadt!
Zum 42. Mal findet das Festival heuer statt. In dem He , das Sie in den Händen halten, erfahren Sie alles, was Sie über die Performances, Tanzstücke, Workshops und Partys wissen müssen.
Pina Bauschs Tanztheater Wuppertal ist so berühmt, dass man meinen könnte, es wäre schon o in Wien zu Gast gewesen. Dieser Eindruck täuscht. Die Produktionen sind so aufwendig und groß, dass es schwer ist, mit ihnen zu touren. ImPulsTanz hat es geschafft, heuer gleich mehrere Stücke einzuladen. Eike Wittrock erklärt Ihnen auf Seite 4, was die gezeigten Choreografien so legendär macht.
Ein Stück beim Festival möchte ich Ihnen besonders empfehlen: Doris Uhlichs und Susanne Kirnbauer-Bundys SpitzenPerformance „Come Back Again“ über das Altern und die Liebe zum Tanz. Schon bei der Premiere im Februar war klar, dass der Abend zu den besten Theatermomenten des Jahres gehört. Auch „Work Body“ sorgte bei seiner Uraufführung für besondere Resonanz: Warum Michael Turinskys Abend Martina Gimplinger so berührt hat, erzählt sie auf Seite 20.
Lesen Sie außerdem ein Interview mit François Chaignaud, Nadia Larcher und Nina Laisné (S. 13) sowie die Erinnerung an Butoh-Tänzer Ko Murobushi von Performancekünstler Michikazu Matsune (S. 17). Und dann: Lassen Sie sich vom Tanzfieber anstecken. Es lohnt sich.
SARA SCHAUSBERGER
Impressum
Florals for summer? Groundbreaking! Tanztheater Wuppertal Pina Bausch + Terrain Boris Charmatz in Burgtheater 4 Demokratisch, fröhlich, bunt Sasha Waltz huldigt in „In C“ dem Werk des Minimal-Music-Pioniers Terry Riley 6
Bedrohte Schönheit Sergiu Matis präsentiert Tänze und Texte zur Klimakatastrophe 6
Krump, Voguing, Dancehall, Kathak Die Choreografien von Amala Dianor feiern hybride Tanzstile 7
Ne nous qui e pas! Anne Teresa De Keersmaeker und Solal Mario e tanzen zu Jacques Brel 8 Das Leben so nehmen, wie es kommt Meg Stuart und Francisco Camacho untersuchen ihre Freundscha 8
Gegen das patriarchale Gedächtnis Akram Khan und Manal AlDowayan tauchen in Wüstenlandscha en ein 9 Dada-Science-Fiction mit wundersamer Raumfahrt Akemi Takeyas neue Performance „Transient Shi s“ 10
Akrobatikmeisterscha en: Mensch-Maschine 1:0 Alexander Vantournhout und Emmi Väisänen im Due 10 Tanzen nach Zahlen Das TAO Dance Theater aus Beijing kommt mit vier Stücken seiner „Numerical Series“ 11 Spitze! Susanne Kirnbauer-Bundys Come Back in Doris Uhlichs „Come Back Again“ 12
Die Wohltat der Berührung Michiel Vandevelde und das Salzburger BODHI PROJECT sind wild und achtsam 12 „Es ist ebenso eine Träumerei wie ein Fest“ Interview zu „Último Helecho“ 13
Tanzvisionen „Intimate Realness“ bei den elf Produktionen der Reihe [8:tension] 14
Schönheit auf Krücken Marie Chouinard choreografiert zur Musik von Johann Sebastian Bach 16 In seinem Tanz war etwas Furchterregendes Michikazu Matsune über den Butoh-Tänzer Ko Murobushi 17 Im Dialog mit Viechern und Eis Laurent Goldring, Wagner Schwartz, Ola Maciejewska und Christopher Ma hews 17 Auf dem Tanz-Trip Die ImPulsTanz-Workshops und die Outdoor-Klassen Public Moves 18 Voll unbeschreiblicher Schönheit Michael Turinskys Performance „Work Body“ 20 Die Mannigfaltigkeit von Liebe, Leben und Begehren Performance-Künstlerin Elisabeth B. Tambwe 20 Ganz frisch, aber ohne Max Kyoung Shin Kim und seine Compagnie Unplugged Bodies aus Südkorea 21 Mit der Geisterbahn durch die Familiengeschichte Yosi Wanunu und Peter Stamer über ihre Väter 21
Lamentations: Gay Cruise mit dem Poster-Babe Luca Bonamore Das Stück des jungen Römers in Wien 22 Stargazer im Lustgarten Warum Liquid Lo s Stück „deep dish“ von 2013 perfekt in unsere Gegenwart passt 22 Wie Johann Strauss vor seinem Tod starb Eva-Maria Schallers und Wolfgang Mi erers „Walzerwut“ 22 Yikakou. Die Kunst, zu sagen, was man sieht Nadia Beugrés Suche „Épique ! (pour Yikakou)“ 23 Eine wahnsinnige Nacht Me e Ingvartsen veranstaltet einen Maskenball, der aus dem Ruder läu 25 Wer möchte Ivo Dimchevs „Buddy in Crime“ werden? Ivo Dimchev zieht alle Register 25
Express Yourself with Lenio Kaklea Revue und Film „Untitled (Figures)“ 26
Immer in Bewegung, wie Wind, Wasser und Meer Damien Jalet zeigt das Triptychon „Thrice“ 26 Hypnotische Verausgabung: Lauf schnell weg! Tiran Willemses Solo „blackmilk“ 27
Verbunden und verwurzelt: Joe Alegado und die Alleyne Sisters treten nach dem Unterricht auf die Bühne 27
Lexikon ImPulsTanz von A bis Z: alle Performances, alle Daten, alphabetisch geordnet 28
Feiern im Schwarm ImPulsTanz Soçial in der Festival-Lounge und die ImPulsTanz – Party Nights im Rathaus 30
Gutbrunner, Daniel Jokesch, Regina Danek; Geschä sführung: Siegmar Schlager; Leitung Sales: Ramona Metzler (kar.), Sheila Martel, Christian Fabi Druck: Passauer Neue Presse Druck GmbH, 94036 Passau DVR: 047 69 86. Im Au rag von ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival. Alle Rechte, auch die der Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 und 2 Urheberrechtsgesetz, vorbehalten. Die Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz ist unter www.falter.at/offenlegung/falter ständig abru ar.

Pina Bauschs „Nelken“ und „Café Müller“ sind zwei der wichtigsten Stücke der Tanzgeschichte: Beim diesjährigen ImPulsTanz-Festival ist das Tanztheater Wuppertal mit beiden zu Gast for summer?
TEXT: EIKE WITTROCK
Eigentlich überraschend, dass das Tanztheater Wuppertal – also die weltberühmte Compagnie von Pina Bausch – bisher nur zwei Mal bei ImPulsTanz war. 2019 und 2022 waren „Vollmond“ und „Masurca Fogo“ im Burgtheater zu sehen, zwei eher späte Arbeiten der 2009 verstorbenen legendären Choreografin. Und nun „Café Müller“ (1978) und „Nelken“ (1982) – nicht nur zwei der wichtigsten Stücke Pina Bauschs, sondern wahrscheinlich sogar der Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Wo überhaupt anfangen, wenn alles über Pina Bausch schon gesagt zu sein scheint? Noch einmal erzählen, wie sie als Kind der direkten Nachkriegszeit in der Gaststätte ihrer Eltern immer Menschen beobachtete, als Beweis für ihren Realismus? Dass Pina Bausch die Erste war, die echte Geschichten auf die Bühne brachte und bei der die Tanzenden ganz sie selbst sein dur en? Falsch wäre es nicht, aber so ganz stimmt es eben auch nicht.
Es ist nicht einfach, sich ein Bild von Pina Bauschs Arbeiten zu machen. Ganz buchstäblich, denn die Werke sind zu groß, um einfach zu touren, und bleiben meist an die Wuppertaler Compagnie gebunden. Filmaufzeichnungen gibt es nur von wenigen Stücken, und die wirklich guten Dokumentationen – wie jene von Klaus Wildenhahn oder Chantal Akerman –sind leider nicht so bekannt. Stattdessen zirkulieren zahlreiche Lobeshymnen auf ihre Arbeit, verkitschte Clips und bunte Fotobände. Frauen in Blumenkleidern mit langen Haaren, Herren in Anzügen. Groundbreaking.
Was den Bildern jedoch fehlt und sich nur live erschließen lässt, ist die Dramaturgie der Kontraste. Die unausweichliche, brutal-gewalttätige, sich unerbittlich steigernde Wiederholungsstruktur, die Bauschs Arbeiten, ja wirklich, groundbreaking machen, auch nach über 40 Jahren noch. Es ist in der

Tat großes Theater, und das braucht die Live-Aufführung.
Pina Bausch hat wie wenig andere Choreografinnen im 20. Jahrhundert die Kunstform Tanz geprägt, und zwar mit dem, was sie Tanztheater genannt hat. Damit nahm sie einen Begriff ihres Lehrers Kurt Jooss auf, der bereits in den frühen 1930er-Jahren mit Stücken wie „Der grüne Tisch“ eine neue erzählende Form im Tanz finden wollte, die den erzählerischen Gestus des Balletts mit dem expressiven Potenzial von Ausdruckstanz verbindet. Ebenso suchte Pina Bausch nach einer großen Form, die zwar keine Geschichten erzählt, aber in Bildern und Bewegungen uns die Komplexitäten, Widersprüche und Schmerzen zwischenmenschlicher Beziehungen vorführt. Wie konnte die Kunstform Tanz gegenwärtig bleiben? An vielen Orten herrschte Au ruchsstimmung: die frühen Kölner Experimente mit kollektivem Choreografieren am Tanzforum, Gerhard Bohner und Hans
Pina Bauschs legendäres Stück „Café Müller“ begründete ihre Lau ahn zur Tanzikone
Café Müller. Ein Stück von Pina Bausch 10. bis 13.7., 21 Uhr, Burgtheater
CLUB AMOUR. Café Müller / Aa enen tionon / herses, duo 10. bis 13.7., 19.30 und 21 Uhr, Burgtheater
Nelken. Ein Stück von Pina Bausch 17. bis 20.7., 19:30 Uhr, Burgtheater
Buchpräsentation
Boris Charmatz: „Nahaufnahme“ 12.7., 17 Uhr, Volkstheater, Rote Bar
Kresnik in Berlin, Reinhild Hoffmann und Susanne Linke in Bremen und eben Pina Bausch in Wuppertal. Und alle versuchten –in unterschiedlicher Weise – choreografischtänzerische Antworten auf gesellscha liche Fragen ihrer Gegenwart zu liefern.
„Schön ist die Welt“: Mit diesem Operettenschlager von Franz Léhar beginnt „Nelken“. Und spätestens da sollte allen klar sein: Schön ist hier gar nichts in diesem Kunstblumenfeld. Pina Bausch ist eine Meisterin der Darstellung von Gewalt. Gewalt, die wir erfahren, wenn wir an den gesellschalichen Erwartungen scheitern.
Fast genüsslich buchstabiert sie diese Gewalt aus, in ihren subtilen wie auch offensichtlichen Formen. Musik, Kunstmusik oder der Schlager der Nachkriegszeit, spielt dabei eine zentrale Rolle. Nicht nur als Kontrast, sondern auch als Speicher und Übertragungsmedium von Emotionen.
Zentrales Thema in den Stücken von Pina Bausch ist die Beziehung zwischen Frau und Mann. Anders gesagt: Es geht um Heterosexualität als Beziehungsmodell und deren historisch gewachsene, gewaltvolle Strukturen. Wie können wir uns in tradierten sozialen Formen bewegen?
„Café Müller“ ist brutal. Frauen in Nachtgewändern, die mit geschlossenen Augen immer wieder gegen die Wand rennen. Männer, die ihnen hilflos Hindernisse aus dem Weg räumen, ohne ihnen wirklich zu helfen. Und dazu die Musik von Henry Purcell. Heterosexualität als auswegs- und hoffnungslose Form? Das ist erschreckend, berührend, und war in der Weise, wie Gefühlssprache in Bewegung und choreografische Form übersetzt wird, wegweisend für Tanz als Bühnenkunst. Aber ist eben auch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit.
„Nelken“ geht da ein Stück weiter. Hier geht es nicht nur um die Gewalt in heterosexuellen Beziehungen. Es klingt auch die Gewalt gegenüber Menschen an, die nicht dem klassischen Bild von Frau und Mann entsprechen, und jene, mit der reaktionäre Krä e versuchen, homogenisierte Ideen von Nation durchzusetzen. Klingt irgendwie vertraut, oder?
Das Tanztheater Wuppertal war schon immer ein diverses Ensemble, lange bevor der Begriff Diversität überhaupt zirkulierte. Zumindest was Herkun oder Sexualitäten anging. Aber wie es war, als Schwarze Frau oder als schwuler Mann in den späten 1970er-Jahren in Wuppertal zu leben
– darüber erfahren wir in den Stücken von Pina Bausch nicht wirklich viel. Diese Erfahrungen kommen nur verklausuliert vor.
Es ist daher umso wichtiger, wie diese Stücke heute aufgeführt werden, damit sie nicht zu staubigen Zeitkapseln werden. Die Lücken von Pina Bausch lassen sich nicht füllen. Aber es lässt sich fühlbar machen, wie sich die Welt seit den 1970er-Jahren verändert hat – und wie eben auch nicht.
Boris Charmatz – der scheidende Intendant des Tanztheater Wuppertal – ist diese Frage behutsam, künstlerisch, konsequent angegangen, zum Beispiel in der Besetzung oder im Reframing von Bausch-Klassikern. Letzteres geschieht in „CLUB AMOUR“, wo Charmatz „Café Müller“ mit zwei seiner eigenen (mittlerweile zu Klassikern gewordenen) Arbeiten aus den 1990er-Jahren ergänzt, weiterführt, kontrastiert: „Aatt enen tionon“ und „herses, duo“.
Ein Museum des Tanzes, so nannte Boris Charmatz seine Zeit als künstlerischer Leiter des Centre chorégraphique national de Rennes et de Bretagne, lebt nur, wenn es von heutigen Körpern getanzt wird, die neue Fragen mitbringen. „Es geht nicht darum, die Sache richtig zu interpretieren, unseren Platz als Lebende darin einzunehmen, das reicht nicht: Es braucht eine Spannung zwischen dem Vergangenen und der Gegenwart, damit das Ganze zur Aufführung wird“, schreibt Boris Charmatz in seinem neuen Buch „Nahaufnahme“, das er bei ImPulsTanz präsentieren wird.
So hat Charmatz bewusst neue, junge Tänzer:innen für „Café Müller“ ausgewählt, übrigens eines der wenigen Stücke, in denen Pina Bausch selbst getanzt hat. In einer der drei aktuellen Besetzungen wird nun ihre Rolle von einer jungen trans Frau of Color verkörpert. Sie ist eine hervorragende Tänzerin, und das allein genügt natürlich, sie in dieser Rolle zu besetzen. Aber diese Besetzung ist auch ein subtiles Queering von „Café Müller“, mit der eine größere Breite von Erfahrungen präsent wird.
Pina Bauschs Stücke leben nicht von alleine weiter. Es braucht Experimente und einen kritischen Umgang mit den überlieferten Formen. Denn schon der Retrolook von Pina Bausch – die Blumenkleider und die Anzüge – war ja kein Kitsch, sondern Kritik. Kein Schwelgen in der Vergangenheit, sondern ein Durcharbeiten von sozialen Konventionen – und der Gewalt, die diese erzeugen. F
Bauschs Bilderreigen „Nelken“ handelt von Liebe und Gewalt. Boris Charmatz hat es mit einem neuen Ensemble auf die Bühne gebracht

Mit ihrem Stück „In C“ huldigt Sasha Waltz dem gleichnamigen, radikal offenen Werk des Minimal-Music-Pioniers Terry Riley
TEXT:
SEBASTIAN FASTHUBER
M inimal Music. Unter diesem Begriff wurde in den 1960er-Jahren eine Reihe von Ansätzen gebündelt, mit denen sich junge Komponist:innen von elitären akademischen Ansätzen befreien wollten. Einer ihrer Pioniere war der heute in Japan lebende US-Komponist Terry Riley.
Er öffnete das Fenster, sein Blick ging hinaus in die Welt. Riley verarbeitete in seinen Stücken etwa Einflüsse aus der asiatischen und der afrikanischen Trancemusik. Mit „In C“ legte er 1964 sein Meisterwerk vor, das inzwischen in zahlreichen und o radikal voneinander abweichenden Aufnahmen vorliegt.
Das liegt an der offenen Natur der Komposition: Riley hat sie für eine beliebige Zahl unspezifizierter Aufführender komponiert. „In C“ besteht aus 53 kurzen musikalischen Phrasen. Jede Phrase kann beliebig o wiederholt werden, jede Musiker:in entscheidet selber, wann sie zur folgenden übergeht. Rhythmische Verschiebungen sind erwünscht, ebenso die Überlagerung benachbarter Phrasen.
Als „wünschenswert“ gab der Komponist eine Gruppengröße von rund 35 Musiker:innen an. Es geht aber auch zu dritt, wie The Young Gods beweisen. Die Schwei-

zer Post-Industrial-Legenden, seit 1985 aktiv, haben 2022 ihre Version vorgelegt: „The Young Gods Play Terry Riley in C“. Sie balancieren darin geschickt zwischen Repetition und Variation, Minimalismus und klanglicher Dynamik.
Das Trio wird „In C“ im Burgtheater live performen. Ihre Musik bildet die Basis für das gleichnamige Tanzstück von Sasha Waltz. Die weltberühmte deutsche Choreografin ist erstmals bei ImPulsTanz zu Gast. Sie hat Rileys Komposition und seine Anweisungen in einer choreografischen Auseinandersetzung mit der Musik in Tanz übertragen. Waltz versteht das Werk als „eine
„Eine demokratische Partitur“: Sasha Waltz & Guests tanzen „In C“ von Terry Riley
demokratische Partitur, denn sie gibt den individuellen Tänzer:innen gewisse Freiheiten im Ensemble: Es ist ein Stück darüber, als Individuum Teil einer Gruppe zu sein, nicht ein Individuum in der Gruppe. (...) Es ist eine spannende Herausforderung, daraus viele unterschiedliche Variationen und Formate entwickeln zu können, sowohl für professionelle Tänzer:innen wie auch für Kinder und Laien.“
Entstanden ist das Stück als eine Pandemiearbeit. Uraufgeführt wurde es am 6. März 2021 in einem Livestream aus dem Radialsystem in Berlin. Als Tonspur diente die Aufzeichnung einer Interpretation von „In C“ durch das New Yorker Kollektiv Bang on a Can.
Inzwischen haben Waltz und ihr Team das Stück laufend weiterentwickelt. Im Burgtheater bringen sie es mit zehn Tänzer:innen zur Live-Musik der Young Gods (Franz Treichler, Bernard Trontin und Cesare Pizzi) auf die Bühne.
In C
23. und 25.7., 21 Uhr, Burgtheater
Wichtig ist Waltz, dass es sich um eine fröhliche Choreografie handelt. Für sie dreht sich das Stück auch um die Frage, „was man zum Wohle der gesamten Gemeinscha auf der Bühne tun kann. Es geht darum, allein und gemeinsam Entscheidungen zu treffen, sich miteinander zu vernetzen, zuzuhören, sich gegenseitig zu unterstützen.“ F
Der rumänische Choreograf Sergiu Matis präsentiert die Performance „Earth Works“, basierend auf Nature Writing
TEXT:
SEBASTIAN FASTHUBER
Wie tanzt man Wasser? Oder eine Blume, deren Betrachtung einen glücklichen Moment beschert? Wie spirituell kann die Beziehung eines Individuums zur Natur sein? Und wie muss man sich den Klang einer Naturkatastrophe vorstellen?
Der seit 2008 in Berlin lebende rumänische Choreograf Sergiu Matis fragt sich in seinem neuen Tanzstück „Earth Works“, wie es Mutter Erde eigentlich so geht – und wie die Situation des Planeten auf die innere Landscha des Menschen ausstrahlt. Für das Projekt hat er sieben Autor:innen aus verschiedenen Regionen dieser Welt eingeladen, literarische Texte zu schreiben, ein weiterer stammt von ihm selbst.
Die als Inspiration dienenden Worte lassen sich im weitesten Sinne dem Nature Writing zuordnen. Kennzeichnend für dieses literarische Genre ist, dass ein Mensch die Natur beobachtet und seine Empfindungen dabei zum Ausdruck bringt.
Mensch und Natur sind untrennbar miteinander verknüp . Der US-Autor Richard Powers hat darüber ausufernde Romane wie „Die Wurzeln des Lebens“ oder „Das große Spiel“ geschrieben. Die Texte in „Earth Works“ sind weitaus kürzer, poetischer und reichen von Prosa bis Lyrik.

Die Dichterin und Aktivistin Jeanine Leane entstammt den Wiradjuri, einem australischen Aboriginal-Volk aus New South Wales. Sie beschä igt sich in ihrem Text mit Wasser. Es sollte allen gehören und frei fließen können, ist sie überzeugt.
Diesen Gedanken verknüp sie mit der australischen Kolonialgeschichte – sie brachte den Fluss im übertragenen Sinne zum Stocken. Und sie vergi ete die Gewässer mit Schadstoffen, etwa den für Leanes Volk wichtigen Fluss Murrumbidgee. Die Maori-Schri stellerin Hana Pera Aoake wiederum schreibt in ihrem Text über die Indigenen in Neuseeland: „Um zu verstehen, müssen wir manchmal zum An-
Das Ensemble von „Earth Works“ verbindet Tanz und Texte über die Klimakatastrophe
fang zurückkehren.“ Matis hat Arbeiten von Autor:innen mit starkem Naturbezug ausgewählt. Darunter ist ein finnisches Künstlerpaar, das in Lappland, der nördlichsten Region des Landes, mit Rentieren lebt, oder die nigerianische Multimedia-Künstlerin Rahima Gambo.
Die fünf Performer:innen von „Earth Works“, darunter der Choreograf selbst, interpretieren das in den Texten enthaltene Wissen mit ihren Körpern. Dabei nehmen sie immer wieder auf einzelne Wendungen und Begriffe Bezug. Bisweilen wird ein Text tänzerisch auf ein Wort eingedamp .
Immer wieder sinken die Performer:innen zu Boden. Es ist, als würden sie die Krä e der Natur – und die Krä e, die diese bedrohen – am eigenen Leib spüren. Dazu erklingt eindringliche Musik der deutschfinnischen Elektronikerin Antye Greie-Ripatti (AGF).
Leena und Oula A. Valkeapää bringen in ihrer Arbeit das Glück ins Spiel. Es ereilt einen ganz plötzlich und unvermutet: „Suddenly life is a flower, a small flower by a lakeshore.“ Das Glück ist bekanntlich ein Vogerl, es kann aber auch die Gestalt einer Blume annehmen.
Earth Works
11.7., 19 Uhr und 13.7., 21 Uhr, Odeon
„Earth Works“ handelt also nicht ausschließlich von zerstörten Landscha en und Bedrohung. Auch ein Funken Hoffnung blitzt in dem Stück auf. F

Die Choreografien von Amala Dianor feiern hybride Tanzstile, die rund um den Globus und online entstanden sind
TEXT: KARIN CERNY
Tiktok ist ein Brandbeschleuniger, was Musik- und Tanz-Trends betrifft. Denken wir nur an Charli xcx: Dass ihr Song „Apple“ einen solchen Hype erlebt, hat die britische Sängerin selbst überrascht. Nicht ganz unschuldig daran ist die New Yorker Tiktok-Dance-Influencerin Kelley Heyer, die eine einprägsame Mini-Choreografie zu „Apple“ ins Netz gestellt hat. Gerade so kompliziert, dass sie jede:r daheim nachtanzen konnte.
Tiktok-Dance-Challenges boomen, zu jeder Choreografie eines Hits gibt es zudem Anleitungen, wie man die Schritte daheim vor dem Bildschirm lernen kann. Tiktok ist ein ungemein reiches Archiv an Tanz-Moves, dessen enorme Bedeutung man vielleicht erst aus historischer Distanz erkennen wird. Spannend daran ist, wie sich Menschen diese Bewegungen aneignen und verändern. Manche Mini-Tänze entstehen live und werden ins Netz getragen, andere entstehen online – und finden sich dann in Clubs rund um den Globus wieder.
Auf Hinterhöfen dieser Welt und online hat sich auch der französisch-senegalesische Choreograf und Tänzer Amala Dianor umgesehen. Der ehemalige Street Dancer bringt die urbanen Kulturen von Korea, Südafrika, Indien und den USA auf die Bühne. Seine Tänzer:innen zeigen, welche Stile sie beherrschen – von Breaking über Waacking, Krump, Voguing und Dancehall. Aber auch das indische Kathak mit seiner schnellen
Ich wollte wissen, wie eine neue Generation die Hip-Hop-Kultur umgewandelt hat, um sie sich anzueignen
AMALA DIANOR
Beinarbeit und Pantsula aus Südafrika, das übersetzt „wie eine Ente watscheln“ bedeutet und enorme Sprungqualitäten erfordert. Und dann gibt es natürlich auch noch Coupé Decalé, ein Stil, der 2003 in der Pariser Diaspora von Musiker:innen von der Elfenbeinküste kreiert wurde.
„DUB“ ist eine Ode an die Energie des Streetdance. Die Süddeutsche Zeitung nannte das Stück einen „Straßentanz-Feger“. Elf virtuose Tänzer:innen aus Los Angeles, London, Kalkutta oder Burkina Faso zeigen ihre Aneignungen von regionalen Stilen. „Im Dub geht man von einem ursprünglichen Element aus und verdreht es so, dass daraus etwas ganz anderes wird. Ich stamme aus der zweiten Generation des Hip-Hop, mich hat interessiert, wie junge Künstler:innen diese Kultur für sich verwendet haben“, sagt Dianor. Das Ergebnis ist eine hochenergetische Dance-Battle, die erst auf der großen Bühne ausgetragen wird.
Der Elektrokomponist Awir Leon spielt live, der bildende Künstler Grégoire Korganow hat übereinander gestapelte Würfel gestaltet, die dann im zweiten Teil zum Einsatz kommen.
In den leuchtenden Kuben, die an Wohnungen in Wolkenkratzern erinnern, agieren die Protagonist:innen. „Das Design jeder Box hat mit den visuellen Themen verschiedener Underground-Soirées zu tun, die wir in Seoul, Paris, Los Angeles und Atlanta beobachtet haben. Wir wollten das Gefühl dieser Räume nachempfinden“, erklärt Korganow seinen Ansatz. So werden die unterschiedlichen Kontexte der Moves besser sichtbar.
Elf ClubbingVirtuos:innen tanzen bei ImPulsTanz gleich zwei Mal zu schweißtreibenden Elektro-Rhythmen
LEVEL UP
11.7., 21 Uhr, Museumsquartier, Haupthof Eintri frei
DUB 14. und 16.7., 21 Uhr, Volkstheater
„Ein Graffiti von François Raveau prangt an den Wänden eines mittigen Kubus, in der Dachterrassen-Box läu im Hintergrund ein stylishes Video, rechts unten erinnert der Schri zug ,Pistil‘ an einen Nachtclub in Seoul“, schreibt Elena Philipp auf der deutschen Plattform Nachtkritik : „Tatiana Gueria Nade, in ,Dub‘ die Queen des Afro Décalé, erweist sich als virtuos komische MC, die ihren tänzerisch multilingualen kongolesischen Kollegen Enock Kalubi Kadima wie ein Auktionsstück anpreist. Und Yanis Ramet verbleibt minutenlang im Headfreeze, während der Pantsula-Performer Kgotsofalang Joseph Mavundla mit der Schnellkra seiner Schritte die Gravitation austrickst.“
„LEVEL UP“ nennt sich die Version von „DUB“, mit der das Festival heuer seine Eröffnung unter freiem Himmel auf der großen Bühne im Hof des Museumsquartiers feiert. Erneut sorgt der Musiker Awir Leon für schweißtreibende Rhythmen. Elf Virtuos:innen des Clubbings zeigen ihre coolen Moves. Es ist eine Reise durch die neuesten Streetdance-Variationen. Man sieht Tanz pur, der ziemlich ansteckend wirkt. Zugleich haben Dianor-Abende auch stets eine brückenschlagende Botscha : Es gibt keinen reinen Stil, jede Kulturform ist zusammengefügt aus bereits existierenden Elementen.
Jede Generation muss diesen Ball aufgreifen und etwas Neues daraus schaffen. Etwas, das online, auf Hinterhöfen und in Wohnzimmern, im Club, aber auch auf der großen Bühne elektrifizierend wirkt. F
Anne Teresa De Keersmaeker
und Solal Mario e tanzen zusammen zur Musik des belgischen Chansonniers Jacques Brel
TEXT:
JÜRGEN BAUER
D ie Konzerte und Live-Au ritte des großen, 1929 in Brüssel geborenen Chansonniers mit der unverwechselbaren Stimme, Jacques Brel, waren selbst schon so etwas wie Tanz. Wenn er die Bühne betrat, elektrisierte er sein Publikum mit exzessiven Au ritten, verausgabte sich, schnitt Grimassen, schwitzte und sang seine Lieder nicht nur, sondern verkörperte sie.
Von allen Aspekten des menschlichen Daseins handeln diese Songs – von Liebe, Freundscha , Abschied und der Verlogenheit der Bourgeoisie, von seiner Heimat und seiner schwierigen Beziehung zu ihr. „Ne me quitte pas“, „Amsterdam“ oder „Les Bourgeois“ sind nur einige der Titel, die bis heute ihre Wirkung entfalten. Bei Konzerten setzte Brel seinen gesamten Körper ein, um die Botscha en seiner Texte zu vermitteln.
Nun wird eine Auswahl seiner Chansons tatsächlich zu Tanz. Die Choreografielegende Anne Teresa De Keersmaeker teilt mit Brel unter anderem die Herkun aus Belgien – die Songs ihres 1978 früh verstorbenen Landsmanns haben sie schon immer fasziniert, ebenso wie dessen Bühnenpräsenz und Ausdruckskra . Und wer wäre besser geeignet, die vor allem in den 1950er- und

1960er-Jahren prägenden Lieder in Choreografie zu verwandeln, als De Keersmaeker? Schließlich hat sie eine langjährige künstlerische Verbindung zur (Pop-)Musik. Bereits 2002 schuf sie ihr Solo „Once“ zur Musik von Joan Baez und spielte dabei das gesamte Album „Joan Baez in Concert, Part 2“ am Plattenspieler ab, setzte ihren eigenen Körper in Beziehung zur Musik und zu den Texten, die auch die USamerikanische Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre inspirierten. Mit dieser Arbeit war sie 2003 auch bei ImPulsTanz im Akademietheater zu Gast.
20 Jahre später kreierte sie „EXIT ABOVE – A er the Tempest“ mit eigens für
mit Anne Teresa De Keersmaeker
das Stück komponierten Liedern der Singer-Songwriterin Meskerem Mees, die diese auch live auf der Bühne performte. Bereits damals mit dabei: der Tänzer und aufstrebende Choreograf Solal Mariotte. Dieser hatte – parallel zu seinem Hintergrund im Breakdance – eine Tanzausbildung bei P.A.R.T.S.: School for contemporary dance im Jahr 2022 abgeschlossen und war De Keersmaekers Compagnie Rosas unter anderem für „EXIT ABOVE“ beigetreten. Nun stehen die beiden in „BREL“ gemeinsam auf der Bühne.
Zwei Generationen treffen also aufeinander –durch die Musik des Chansonniers eigentlich drei. Wie wirkt das künstlerische Erbe Brels heute, über einen Zeitraum von einem halben Jahrhundert hinweg, auf das Publikum? Wie lässt sich der gesellscha skritische Impetus der 50er- und 60er-Jahre in unserer Gegenwart verkörpern und vertanzen – mit kritischer Distanz, aber in ernst gemeintem Dialog mit Brel?
BREL
28. und 30.7., 19 Uhr und 31.7., 21 Uhr, Akademietheater
„In ‚BREL‘ geht es in erster Linie darum, Fragen aufzuwerfen. ‚BREL‘ ist eine Suche“, sagen De Keersmaeker und Mariotte, die beide gänzlich unterschiedliche choreografische und tänzerische Herangehensweisen in die Aufführung einbringen. Eine Einladung an das Publikum, sich selbst neu in Verbindung zu den emotionsgeladenen Chansons und deren Themen zu setzen. F
Meg Stuart und Francisco Camacho untersuchen in „steal you for a moment“ ihre langjährige Freundscha und Zusammenarbeit
TEXT: JULIA DANIELCZYK
D as Theater ist ein Ort des Flüchtigen, des Ephemeren. Was bleibt, wenn die Darsteller:innen die Bühne und die Zuseher:innen den Saal verlassen haben? Welche Spuren hinterlassen Begegnungen, auch wenn sie lange vergangen sind? Und wie fragil ist der menschliche Körper, der dauernden Veränderungen ausgesetzt ist?
Nur der gegenwärtige Augenblick und die ständige Transformation haben Gültigkeit, erzählt die US-amerikanische Performerin und Choreografin Meg Stuart in „steal you for a moment“, ihrer jüngsten Produktion, in der sie mit dem portugiesischen Kollegen Francisco Camacho eine archäologische Entdeckungsreise durch deren langjährige Freundscha und künstlerische Zusammenarbeit unternimmt.
Auf Sardinien fanden sie den szenografischen Rahmen dafür: Die steinernen, mit spiralförmigen Ornamenten geschmückten Türme der bronzezeitlichen Nuraghen-Kultur repräsentieren die Wogen einer sich in ständiger Bewegung befindlichen Beziehung.
Auf der hellen Bühne zitiert Gaëtan Rusquet die geometrischen Formen, ergänzt sie mit fragilen Pyramiden und hölzernen Megafonen. Ein von der Decke hängendes Pendel verweist auf die wie Sand verrin-

nende Zeit. PJ Harveys „We Float“ bringt melancholisch-zärtliche Erinnerungen zum Klingen, die sich mit der Gegenwart verbinden und gleichsam in die Zukun fließen. Das Imaginäre einer Freundscha materialisiert sich nie ganz, das erzählen sowohl Choreografie als auch Bühne, die grotesk verfremdete Gräber und Überreste der Nuraghen andeuten, deren Zweck umstritten ist. In „steal you for a moment“ werden sie zu Kultstätten und Kra orten lange währender Verbindungen deklariert. Unkonventionell und widerständig erforschen Stuart und Camacho gemeinsame Erfahrungen sowie unterschiedliche Positionen und Perspektiven. Sie bewegen sich
Befreundet: Meg Stuart (links) und Francisco Camacho
steal you for a moment
29.7. und 1.8., 19 Uhr, 31.7., 21 Uhr, Schauspielhaus
Buchpräsentation
Meg Stuart: „Let’s Not Get Used to This Place“ 27.7., 19.30 Uhr, Volkstheater, Rote Bar
aufeinander zu, treten in den Bereich des anderen, in rätselha e Zonen. Sie erzählen von der Angst vor Zurückweisung, der Wärme des Vertrauten und etablieren Momente der Komik.
Dann hockt sich Stuart an den Bühnenrand, zieht die Hose herunter und blickt ins Publikum. Erwischt! Sie bricht mit der vierten Wand und den Erwartungen, öffnet den Bühnenraum, der für Augenblicke zur gemeinsamen Forschungsstation von Bedürfnissen, Begehren und Befindlichkeiten wird.
Stuarts performatives Recherchieren behandelt auch das Buch „Let’s Not Get Used to This Place“, das am 27. Juli im Volkstheater präsentiert wird. Auf über 500 Seiten beleuchtet der Band die letzten 15 Jahre aus Stuarts Lau ahn, deren Weltkarriere vor über 30 Jahren begann.
Die Publikation mit Beiträgen von Philipp Gehmacher, Jozef Wouters sowie den Herausgeber:innen Astrid Kaminiski, Jeroen Versteele und Julie De Meester fächert die bemerkenswerte Arbeit von Meg Stuart und der von ihr gegründeten Company „Damaged Goods“ auf, die seit 1994 neue Blickwinkel auf den menschlichen Körper und seine vielfachen Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet. Und damit eine Option bietet, mit dem Leben als per se nicht Steuerbarem umgehen zu können. So wie PJ Harvey singt: „Take life as it comes.“ F

Choreograf Akram Khan und Künstlerin Manal AlDowayan tauchen in „Thikra“ in Wüstenlandscha en ein
Ich bin fasziniert von den verschiedenen Kulturen, die Rituale zum Gedenken an unsere Vorfahren pflegen
AKRAM KHAN
Akram Khans neues Stück „Thikra: Night of Remembering“ als Kooperation mit der saudischen Künstlerin Manal AlDowayan
TEXT: HELMUT PLOEBST
Sich mit der Zukun zu beschä igen, kann berauschend sein. Leider haben sich dieses Vergnügen bisher allzu viele Vertreter patriarchaler Ideologien geleistet. Das Resultat: So gut wie alle Zukun svisionen haben – siehe die gängige Science-Fiction – mit Apparaturen zu tun. Oder mit totalitären Fantasien vom „neuen Menschen“ bis hin zum Überflüssigwerden des Körpers durch künstliche „Intelligenz“ inklusive posthumanen Delirien vom evolutionären „Fortschritt“ durch robotische Entitäten.
Gegen die Macht der patriarchalen Ideologie kämp der britische Star-Choreograf Akram Khan schon lange an. Das gilt nun auch für sein jüngstes Stück „Thikra: Night of Remembering“, das bei ImPulsTanz im Burgtheater gastiert und in dem ausschließlich Frauen tanzen.
Akram Khan ist 1974 in London geboren, seine Familie stammt aus Bangladesch. Seine Tanzkarriere startete schon, als er mit zehn Jahren in einem indischen Stück mit dem Titel „The Adventures of Mowgli“ au rat und wenig später in Peter Brooks’ „Mahabharata“. Als Choreograf startete er in den 1990ern durch, gründete 2000 seine Tanzcompagnie und feierte bald Erfolge wegen seiner eindrucksvollen Inszenierungen, von denen viele bei ImPulsTanz zu sehen waren, und spektakulärer Kooperationen mit unter anderen Kylie Minogue, Anish Kapoor, Hanif Kureishi oder Juliette Binoche. „Thikra“ – arabisch für „Gedächtnis“ –handelt von einem Denken über die Zukun , das gerne verdrängt wird: Khan
Thikra: Night of Remembering 29.7., 21 Uhr, 31.7., 19.30 Uhr, und 1.8., 21 Uhr, Burgtheater
arbeitet darin über „die Idee, dass es ohne Vergangenheit keine Zukun gibt.“ Eh klar, wird man sich denken, was ist daran besonders? Also zurück zur patriarchalen Ideologie, deren fixer Bestandteil auch eine bestimmte Glorifizierung der Vergangenheit ist. Dabei bleiben nicht allein Frauen ausgeblendet, sondern wird vor allem ein dumpfes Männerbild angebetet, in dem Kampf, Eroberung und Krieg dominieren. Historische und gegenwärtige „große Erzählungen“ strotzen bekanntlich vor solchen Klischees, die dazu dienen, die patriarchale Ideologie zu festigen.
Was daraus folgt, diktiert, wie wir gegenwärtig zu leben haben. Der patriarchalen Psyche gilt das Gerät als Erweiterung der männlichen Potenz, und so wirkt der posthumane Übertritt vom Fleisch ins Metall wie eine Apotheose der Manneskra . Da zu viel Denken nicht nur beim Liebesakt erektile Dysfunktionen zur Folge haben kann, werden die Entwicklungen von Geräten und ihren Anwendungen kaum je zu Ende gedacht. Mit der Folge, dass sich ihre Segnungen wieder und wieder vorzeitig über uns ergießen. O mit fatalen Nebenwirkungen.
Wenn Akram Khan über eine Wiederbesinnung auf die Vergangenheit reflektiert, tut er das mit der Notwendigkeit, den Blick zurück von jeglicher Toleranz für den Glamour des virilen Hauens und Stechens zu befreien. Damit geht freilich auch die Romantik der vielgehätschelten Idee von der „schöpferischen Zerstörung“ verloren, weil ja jeweils nach deren Preis gefragt werden muss. Es bedeutet sogar das Ende jeglicher patriarchal induzierten Verherrlichung blutiger Revolutionen.
In „Thikra“ sucht Akram Khan, der patriarchalen Konnotation von Gedächtnis auszuweichen, und er hat die Grundlagen für dieses Stück außerhalb Europas, in SaudiArabiens Gegend von Al-‘Ula, gefunden. Dort befindet sich die Ausgrabungsstätte der antiken Oasenstadt Dadan. Zusammen mit der bildenden Künstlerin Manal AlDowayan ließ er sich von der Wüstenlandscha um Al-‘Ula für „Thikra“ inspirieren. „In den vergangenen paar Jahren hat sich mir eine neue Geschichte eröffnet“, schreibt AlDowayan im Zusammenhang mit „Thikra“. „Die Geschichte eines Volkes, das denselben Ort bewohnt hat, den ich zu kennen glaubte, einen Ort, von dem ich dachte, er gehöre mir.“ Die archäologischen Ausgrabungen „in meinem Heimatland SaudiArabien haben mich in einen Schwebezustand zwischen Vergangenheit und Gegenwart versetzt. Wenn ich in die unendlichen Schichten dieser verlassenen Ruinen blicke, ähneln sie den Augen der Vergangenheit, die mich anstarren und mich zwingen, ihre Geschichte aufzugreifen und fortzusetzen, sie zu verdauen und sie zu meiner zu machen.“
Also rekurrieren Khan und AlDowayan auf rituelle Praktiken, um, wie der Choreograf es ausdrückt, „neue Wege zu finden, oder vielleicht alte Wege wiederzuentdecken, wie wir uns wieder bewegen können, allein und gemeinsam, damit wir nicht zum mechanischen Simulanten des Menschseins werden“. Dem „Konzept der ,Rituale‘“ misst er in seiner Arbeit große Bedeutung zu: „Ich bin fasziniert von den verschiedenen Kulturen, die Rituale zur Ehrung und zum Gedenken an unsere Vorfahren pflegen.“ F
Akemi Takeyas neueste Gruppenarbeit „Transient Shi s“ verspricht eine surrealistische Reise ins Weltall
TEXT: CHRISTOPHER WURMDOBLER
D
iesen Sommer heben Akemi Takeya und ihr Team ab. Zumindest bereiten sich die Künstlerin und ihre Raumschiff-Besatzung auf Großes vor: Die Reise soll zum Planeten Ayviss gehen.
„Ayviss ist ein freischwebender Planet, ungebunden an jede Sonne. Auf einer Möbiusschleife wagt sich kein anderer Planet in Trance zu geraten. Er dreht sich schneller als Jupiter … schlä nie … Hier sind sie, die Ayvissianer, sie fliegen wie Licht …“, schreibt der israelisch-österreichische Theatermacher Yosi Wanunu im Ankünder für „Transient Shi s“, der neuesten Gruppenarbeit von Akemi Takeya, die bei ImPulsTanz uraufgeführt wird.
Die aus Japan stammende, seit langem in Wien wirkende Universalkünstlerin ist regelmäßig Gast bei ImPulsTanz. Eine ihrer großen Stärken ist, spannende Teams zusammenzustellen – und trotzdem künstlerisch alle Fäden in der Hand zu behalten.
Nun macht sich die Tänzerin, Sängerin und Choreografin auf die Reise ins Weltall, um dort neue Galaxien zu erkunden. Beziehungsweise befindet sich das achtköpfige Team – darunter gute Bekannte der heimischen wie internationalen Performancewelt wie eben Yosi Wanunu als künstlerischer

Berater und Texter, der brasilianisch-wienerische Tänzer Evandro Pedroni, der russisch-wienerische Performancekünstler Oleg Soulimenko an den Turntables oder die ebenfalls aus Brasilien stammende Künstlerin Helena Araújo – im Setting eines Trainingscamps, um dort fit gemacht zu werden für die Weltraummission zum Planeten Ayviss; eine surrealistische Science-Fiction-Fantasie.
Der Abend beginnt zunächst mit einer Soundinstallation zur Geschichte von Ayviss. Dann versuchen drei Ausbildner, den fünf Teilnehmenden der geplanten Reise verschiedene Lektionen für eine mehr als wundersame Raumfahrt beizubringen, da-
Takeyas Performance zeugt von ihrem Sinn für Schräges: Wird die Rakete ihr Ziel erreichen?
runter wichtige Skills wie „Telepathie“ oder die „Kunst des Fliegens als Licht“. „Transient Shi s“ verbindet die erwartungsgemäß unterhaltsame Variante des typischen Takeya-Stils mit einer komplexen rituellen Choreografie. Sämtliche zeitliche Linearität scheint aufgehoben: Vergangenheit, Gegenwart und Zukun vermischen sich bis zur Unkenntlichkeit. Akemi Takeyas Sinn für Schräges wird auch bei dieser bizarren Reise eine tragende Rolle spielen. Kostüme im Oskar-Schlemmer-BauhausAlufolien-Future-Stil, menschliche Skulpturen aus glitzernden Rettungsdecken, Theaternebel, Video, Licht und militärische Rituale bilden das futuristische Ambiente für diese Dada-Science-Fiction made in Austria.
Transient Shi s 18.7., 20 Uhr und 20.7., 19 Uhr, Odeon
Abheben wird an diesem Abend allerdings dann doch kein Raumschiff. Die Performance-Rakete hebt vorerst nur im Kopf ab. Die Weltraumreise findet durch einen unvorhergesehenen Zwischenfall bei der Abschiedsparty noch vor dem Start ein jähes Ende. Takeyas Stück endet mit schwarzem Humor, indem „das Unmögliche durch einen unmöglichen Unfall möglich wird, anstatt durch den Versuch, das Unmögliche möglich zu machen“, wie es im Ankündigungstext heißt. Ohne allzu viel zu spoilern: Ein Alien stürmt die Party und erschießt alle – mit einer Rauchpistole. Peng. F
Die Komplexität des Alltäglichen: Alexander Vantournhout und Emmi Väisänen tanzen und turnen ein virtuoses Due
TEXT:
MARTIN PESL
Da ist nichts zu beschönigen: Roboter sind dem Menschen in vielem überlegen. Die simpelsten Dinge aber schaffen wir immer noch besser. Gehen etwa. Bei einem Wettlauf zwischen Mensch und Maschine wird die naturgewachsene Anatomie siegen. Beobachtungen wie diese hat der belgische Choreograf Alexander Vantournhout für sein neuestes Duett „every_body“ recherchiert. Was sind alltägliche Bewegungen doch für komplexe Einrichtungen des menschlichen Daseins! Der Händedruck etwa: Wenn man nicht gerade das brachiale Ungestüm von Altkanzler Karl Nehammer an den Tag legt, ist er die am wenigsten übergriffige Geste, zu der der Mensch, das berührungsunwilligste unter den Tieren, bereit ist.
Nach der wild wuselnden Gruppenarbeit „Foreshadow“, mit der Vantournhout im vorigen Sommer das ImPulsTanz-Festival um das Genre Akrobatik erweiterte, zeigt er nun ein Zwei-Personen-Stück, das er mit Emmi Väisänen zusammen entwickelt hat. Die beiden exerzieren darin nacheinander diverse Alltagsbewegungen durch.
Erst bewegen sie sich auf einem Laufband voran, ihr Fuß vor seinem, sein Bein über ihrem, ihr Knie irgendwie hinter sei-

nem vorbei, ein einziges Vierfüßlerwesen, immer schneller, verschlungener. Das ganze Gerät rollt dabei auf der Bühne allmählich nach vorne: ein langsamer, umso eindrucksvollerer Au ritt, dessen Takt der Soundtrack des Gitarristen Geoffrey Burton in erst pochende, dann schnalzende Rhythmen übersetzt.
Dann wird gesessen, an einem Tisch, nur ohne Stühle. Wieder sind es schwer durchschaubare Verwicklungen der nunmehr freigelegten Beine, mit denen die beiden Performenden einander aufrechterhalten, während sie den Tisch unmerklich anheben und drehen. Meist herrscht dabei perfekte Symmetrie – das heißt: würde herrschen, wenn
Alexander Vantournhout begeistert mit akrobatischen Tanzstücken, hier mit Emmi Väisänen
der Zwei-Meter-Mann Vantournhout nicht deutlich größer wäre als seine Kollegin. Emmi Väisänen musste sich während der Probenzeit einigen Knieoperationen unterziehen. „Vielleicht wirkt das Stück deshalb eher stationär“, so der Choreograf schmunzelnd im Interview. Nun sind er und seine Compagnie Not Standing nach zehn Jahren im Geschä aber ziemliche Stars und werden auf großen Bühnen gebucht – abwechselnd in zeitgenössischen Zirkus- und Tanz-Kontexten. So ist es diesmal eben die Ausstattung, die das Drumherum ausfüllt. Verantwortlich ist der Modeschöpfer Tom Van der Borght. „In der Vergangenheit haben wir eher mit Requisiten gearbeitet“, berichtet Vantournhout. „Früher waren die Kulissen vor allem pragmatisch: Eine Wand war eine Wand, minimalistisch wie skandinavisches Design. Diesmal regt das Bühnenbild richtiggehend die Fantasie an.“
every_body
24.7., 19.30 Uhr, und 26.7., 19 Uhr, Akademietheater
An die farbenfrohen Kostüme hat Van der Borght zudem Elemente angebracht, die die Bewegungen aufnehmen und vergrößern. Im Grande Finale der knapp einstündigen Performance liegt die Aufmerksamkeit dann aber wieder ganz im Kleinen: auf den Armen, Händen, Fingern. Beruhigt stellen wir fest: Die Verwicklungen, die diese Menschen da zustande bringen, macht ihnen kein Roboter je nach. F
Man würde dieser Truppe ja manches zutrauen, zum Beispiel, dass sie die Schwerkra überwindet. Auf dem Gebiet der Mode hätte man das 2008 von Tao Ye, Duan Ni und Wang Hao in Beijing gegründete TAO Dance Theater aber nicht unbedingt erwartet. Doch siehe da: Neunmal schon hat das Magazin Vogue die Mitglieder der Compagnie interviewt und sie von verschiedenen Fotograf:innen ablichten lassen.
In diesem Zusammenhang erscheint eine andere Tatsache kurios: In den Probenstudios gibt es keine Spiegel. Die Tanzenden sollen sich nicht von außen betrachten können, sondern ganz bei sich sein.
Dieses Faktum wurde anlässlich des ersten Österreich-Besuches von Choreograf Tao Ye und seinem Team im Rahmen der Wiener Festwochen 2017 bekannt. Damals präsentierte Tao die Stücke „2“ und „4“. Es handelte sich um das erste und das dritte Exemplar aus der „Numerical Series“, auf der Bühne waren zwei beziehungsweise vier Personen zu sehen.
Klingt wie ein kniffliges Mathe-Rätsel? Mag sein – und ist auch wieder kurios, wenn man bedenkt, dass die Arbeiten von Tao Ye alles andere als verkop sind: Derart puren Tanz, eine so ultimative Konzentration auf den menschlichen Körper und seine Bewegungen sieht man in unseren Breiten nicht einmal mehr im klassischen Ballett. Mit diesem hat die „Numerical Series“ dafür gemein, dass die einzelnen Stücke sehr kurz und intensiv sind und dass in der Regel mehrere davon nacheinander aufgeführt werden, mit einer Pause dazwischen.
Zurück also zu den Zahlenspielen: Acht Jahre später kehrt Tao Ye nach Wien zurück, mit vier Stücken, gezeigt an zwei Abenden. Es handelt sich um die Episoden Nummer zwölf, 13, 15 und 16 der Serie. Wie müssen also logischerweise die Titel lauten? Richtig, „13“ und „14“ sowie „16“ und „17“. Und wie viele Personen sind auf der Bühne? Ebenfalls richtig geraten, Tao Ye ist konsequent.
Die Compagnie arbeitet mit der selbst entwickelten Circular Movement Technique – einer besonderen Drehung der Wirbelsäule – und dem ostasiatischen Konzept der Somästhetik, also der geschär en Fähigkeit, den eigenen Körper wahrzunehmen. „In all meinen Arbeiten suche ich nach einer Sprache menschlicher Körper“, so Tao Ye. „Einem Zustand, der keiner Beschreibung bedarf.“ Dennoch seien die vier bei ImPulsTanz gezeigten Stücke hier kurz beschrieben, denn sie versprechen unterschiedliche Schwerpunkte und Ästhetiken.
„13“ arbeitet mit der magischen Zahl Drei. Die besteht ja aus der Eins und der Zwei, es sind binnen dieser halben Stunde also Soli, Duette und Gruppenchoreografien zu sehen. Außerdem spielen drei Arten von Veränderung eine Rolle: die des Körpers, die des Raums und die der Zeit. Die 13 Tänzer:innen bilden zunächst eine Einheit und trennen sich dann in unterschiedliche Konstellationen. Langsame, mittlere und schnelle Rhythmen verwandeln die Körper in Wasser, Gebirge, Felsen und anderes.
Während Tao Ye bei seinem ersten Wien-Gastspiel noch meinte, Wiederholung sei alles für ihn, bricht er mit dem Grundsatz sich wiederholender Zyklen in „14“. Das stete, unbeirrte Fortschreiten des Stundenzeigers einer Uhr und ein minimalistischer

In all meinen Arbeiten suche ich nach einer Sprache menschlicher Körper. Einem Zustand, der keiner Beschreibung bedarf.
Rechnerisch präzise und dabei gänzlich unberechenbar: Das TAO Dance Theater aus Beijing kommt mit vier Stücken seiner „Numerical Series“ und präsentiert puren Tanz mit einer ultimativen Konzentration auf die Bewegungen des Körpers
Soundtrack bilden hier den Konterpunkt zum tanzenden Körper und seiner komplexen Dynamik.
2024 entstand Taos neueste Double Bill im Au rag der Biennale von Venedig, in China war es ein „Jahr des Drachen“. Dementsprechend ist „16“ vom traditionellen Drachentanz Loong inspiriert, aber auch von dem beliebten Computerspiel „Snake“.
Die 16 Tanzenden sind in einer linearen Schlange arrangiert. Energieflüsse und Bewegungen werden innerhalb der Reihe weitergegeben. Für dieses Werk hat der Choreograf unter anderem eine neue Möglichkeit entwickelt, den Kopf (scheinbar) um 360 Grad zu drehen. Wenn plötzlich der Eindruck entsteht, auf der Bühne seien
keine schwarz gekleideten Menschen mehr, nur noch ein einziger chinesischer Drache, dann ist die Übung gelungen. Eine besondere Rolle in „17“ spielt der Sound als zweite wesentliche Sprache neben jener der mittlerweile 17 Körper auf der Bühne. In diesem interlingualen Dialog entstehen eigenwillige Beziehungen, und bisweilen wirkt es, als erhielten Schallwellen eine physisch sichtbare Gestalt. „Ein Lied ohne Worte, dabei ein unerklärlich vertraut erscheinendes Wort“, so heißt es in der Selbstbeschreibung der Produktion.
Rechnerisch präzise und dabei gänzlich unberechenbar: Das TAO Dance Theater wird es wieder einmal schaffen, dass ihrem Publikum alle fünf Sinne vergehen. Letztlich ist das doch das Einzige, was zählt. F
13 & 14
6.8., 21 Uhr, Volkstheater 16 & 17 9.8., 21 Uhr, Volkstheater
Doris Uhlich und die frühere Ballerina Susanne Kirnbauer-Bundy zeigen ihre Spitzen-Performance über Altern und Bühnenliebe
TEXT:
SARA SCHAUSBERGER
B
ereits bei der Premiere im Februar war klar: Dieses Stück zählt zu den eindrücklichsten Theatermomenten des Jahres. Mit 82 Jahren kehrt die ehemalige Erste Solotänzerin der Wiener Staatsoper Susanne Kirnbauer-Bundy in Doris Uhlichs „Come Back Again“ noch einmal auf die Bühne zurück. Die Performance ist eine zärtliche und kra volle Reflexion über das Altern, den Körper und die Liebe zur Bühne. Es ist ein mehrfaches Comeback. Schon 2008 standen Uhlich und Kirnbauer-Bundy gemeinsam in „SPITZE“ auf der Bühne, 2012 folgte „Come Back“, das Stück landete an der Spitze der Falter-Theater-Charts. Nun, mehr als ein Jahrzehnt später, bringen die beiden Künstlerinnen eine Performance auf die Bühne, die poetisch, stur, witzig und berührend ist.
Die Tanzwelten von Uhlich und KirnbauerBundy unterscheiden sich massiv. Während Kirnbauer-Bundy aus dem streng hierarchischen Ballett kommt, wo körperliche Perfektion im Mittelpunkt steht, feiert Uhlich in ihren Performances gerne den eben nicht perfekten Körper. Dennoch lieben sie es, miteinander zu arbeiten. Während im Ballett jeder Schritt vorgeplant ist, entstehen Uhlichs Arbeiten erst während

der Proben und im Zusammenspiel mit den Performer:innen. Es ist bemerkenswert, wie sich Kirnbauer-Bundy auf den zeitgenössischen Tanz und die Performance eingelassen hat. Sie habe „noch einmal wissen wollen, wie es ist“, sagt Kirnbauer-Bundy im Interview mit dem Falter. Der Mut, mit dem die ehemalige Primaballerina ihre körperlichen Grenzen auf der Bühne erkundet, ist nur eine Facette ihres Au ritts. Die andere ist die Magie ihrer Präsenz. Niemand hat so einen intensiven Blick wie sie, wenn sie mit dieser unglaublichen Ruhe und Authentizität auf einem Sessel in der Bühnenmitte sitzt und minutenlang ins Publikum schaut.
Primaballerina
Susanne KirnbauerBundy oben und Choreografin Doris Uhlich unten
Außerdem sackt sie in einem übergroßen Tutu wie ein sterbender Schwan in sich zusammen, tanzt im rosa Plüschmantel mit einem Bündel schwarzer Lu ballons. Besonders bewegend ist die Szene, in der sie sich weiße Strump osen über die Arme zieht und damit zum 80er-Jahre Song „Only You“ des britischen Synthiepopduos Yazoo tanzt, als wären ihre Hände Spitzenschuhe.
Im Dialog mit Doris Uhlich, die etwa nach der Häl e des Stücks au ritt, geht es um Erinnerungen, um Unterschiede zwischen klassischem und zeitgenössischem Tanz und um das gemeinsame Suchen nach einer Sprache, die Vergangenheit nicht konserviert, sondern durch den gegenwärtigen Körper neu denkt.
Come Back Again 20.7., 17 Uhr, und 21.7., 19 Uhr, Akademietheater
„Come Back Again“ ist keine sentimentale Rückschau, sondern ein mutiger Blick nach vorn. Vor allem aber ist er ein Abend für eine große Künstlerin. Von einer anderen großen Künstlerin, die ihr den Raum gibt, zu glänzen: „Wir wollen den zukun sweisenden Vorschlag machen, dass etwas durchs Altern nicht nur brüchiger, sondern eben auch stärker wird. Susanne verkörpert das total: Sie zeigt, dass man voller Energie altern und weitere Schritte in der Biografie gehen kann“, so Uhlich. „Ihr Körper ist zwar fragiler geworden, aber die Leidenscha für Tanz und die Bühne ist lebendig wie eh und je.“ F
Choreograf Michiel Vandevelde zeigt, wie wichtig Berührung für jeden Menschen und auch für das Verständnis der Welt ist
TEXT:
DITTA RUDLE
Hände! Berühren mich, berühren dich. Mehr als 55 Jahre alt ist der Hit von Neil Diamond, gewidmet einer „Sweet Caroline“. Auf Fußballplätzen hört man die Verse noch heute: „Hands / Touchin’ Hands / Reachin’ out / Touching me, touchin’ you.“
Auch der belgische Choreograf und Tänzer Michiel Vandevelde weiß um das sinnliche Vergnügen einer Berührung durch die Hände der Mutter, der Geliebten, des Freundes. „to the hands“ heißt seine Choreografie aus dem vergangenen Jahr. Fünf junge Tänzer:innen der Salzburger BODHI PROJECT Dance Company werfen ihre Körper auf die Bühne, bauen Türme, Burgen und Brücken, umarmen einander, berühren die Haut, die eigene und die der anderen, bilden Skulpturen und verströmen Zärtlichkeit und Wohlbehagen.
Klar, den alten Diamond-Song hat Vandevelde nicht als Tanzmusik gewählt, dennoch taucht Caroline mehrfach auf. Die schmeichelnden Streicherklänge, die die Tänzer:innen begleiten, sind in North Carolina entstanden. Dort ist 1982 die Komponistin Caroline Shaw geboren. Als Sängerin ist die amerikanische Musikerin Kristin Hayter, die unter dem Namen LINGUA IGNOTA au ritt, zu hören. Ihr vokales Spekt-

rum reicht von „engelsgleichem Gesang“ bis zu „dämonischem Gebrüll“. Mit Bezug auf ihre Ausbildung zur Opernsängerin wird sie auch als „Callas in der Hölle“ bezeichnet. Mit „to the hands“ erzählt Vandevelde weder von Dämonen noch von der Hölle, den Ritt durch die Unterwelt hat er in einer anderen Produktion mit den jugendlichen Tänzer:innen aus dem Produktionshaus fABULEUS in Leuven auf die Bühne gebracht. „Out of Hands“ ist eine düstere Choreografie. Es geht um die Gen Z: Vertreter:innen dieser Generation bewegen sich ekstatisch auf der dunklen Bühne und zeigen die Schattenseiten des Teenagerdaseins. Geeint sind die beiden im Grunde vonein-
Wild, aber achtsam: Die Tänzer:innen des BODHI PROJECT in Michiel Vandeveldes Choreografie
ander unabhängigen Stücke nicht nur durch den Choreografen und den Titel, sondern auch durch das Kostümdesign. Das junge belgisch-deutsche Duo Milk of Lime hat sich von der Straße auf die Bühne begeben und für „to the hands“ die erste Tanzausstattung kreiert. In Weiß und Schwarz, knapp genug, um viel warme Haut sichtbar zu machen. Und auch „Out of Hands“ hat Milk of Lime ausgestattet, dunkel natürlich für den Tanz der Jugendlichen über ihre Gegenwart und Zukun .
to the hands 26. und 28.7., 21 Uhr, Nest
In seiner aktuellen Arbeit „to the hands“ orientiert sich der Choreograf nicht an Menschen in der Gegenwart, sondern an der Kunst aus der Vergangenheit. 11.000 Jahre geht er möglicherweise zurück, um die kleine Steinskulptur der „Liebenden von Ain Sakhri“ lebendig zu machen. Das ineinander verschlungene Paar zeigt eine überaus intime Berührung, einen Koitus. Weniger intim ist das „nur“ 500 Jahre alte Fresko in der Sixtinischen Kapelle: Michelangelos Darstellung der „Erschaffung Adams“. Wenn es um Berührung auf dem Tanzboden geht, darf Steve Paxton nicht fehlen. Mit Kolleg:innen hat er die Kontaktimprovisation entwickelt, Berührungen in „absichtsloser Achtsamkeit“, im Probenprozess und auf der Bühne vor Publikum. Vandevelde hält sie für unverzichtbar, nicht nur für Tänzer.innen. F
Der französische Choreograf und Tänzer François Chaignaud taucht in „Último Helecho“ mit der argentinischen Sängerin Nadia Larcher in eine Mythenwelt ein, inszeniert von der französischen Videokünstlerin und Regisseurin Nina Laisné. Im Gespräch erzählen die drei über ihr erstes gemeinsames Projekt, sinnliche Phantasmagorien und verschwundene Kulturpraktiken.
Falter: „Último Helecho“ heißt „Der letzte Farn“. Aber was bedeutet das?
Nina Laisné: Der Titel stammt aus einem Lied der peruanischen Musikikone Chabuca Granda. Darin begräbt sie sich selbst und wird von Farnen umarmt. Es ist ebenso eine Träumerei wie ein Fest an der Schnittstelle südamerikanischer Mythologie und Glaubensvorstellungen, die mit der Unterwelt verbunden sind. Wir folgen zwei Figuren. Auf der Bühne sind das François und Nadia, die sich aus der Zeit zu lösen scheinen, um den Qualen der Menschen Gestalt und Stimme zu verleihen. Begleitet von sechs Musiker:innen erwecken sie eine sinnliche Phantasmagorie zum Leben.
Wie sind Sie beide mit der argentinischen Kultur in Berührung gekommen?
Laisné: Ich habe mit sieben Jahren traditionelle argentinische Musik auf der Gitarre zu spielen gelernt und so eine starke Bindung zu diesem Land aufgebaut. Sie war die Grundlage meiner musikalischen Sprache.
François Chaignaud: Ich war o in Buenos Aires und habe lange mit der argentinischen Künstlerin Cecilia Bengolea zusammengearbeitet. Aber erst meine Gespräche mit Nina und dann die Begegnung mit Nadia haben mich dazu gebracht, in den Reichtum der musikalischen und choreografischen Volkskultur Argentiniens einzutauchen. Seit 2021 reisen wir zu dritt und haben auch Zeit in den „Peñas“ verbracht, wo Nadia o au ritt und wo die Kultur unglaublich lebendig ist.
Nadia Larcher, wie ist Ihre Verbindung zu Europa?
Nadia Larcher: Meine Familie mütterlicherseits stammt vom indigenen Volk der Diaguitas Calchaquíes ab, das unter der spanischen Inquisition gelitten hat und von dieser stark geprägt wurde. Mein Urgroßvater väterlicherseits ist als Italiener im 19. Jahrhundert nach Argentinien ausgewandert, daher mein europäischer Nachname. Meine Abstammung bewirkt eine komplexe Identitätskonstruktion.
François Chaignaud, die heute weitgehend separierten Kunstformen Tanz und Gesang zu vereinen, ist schon länger Ihre Ambition. Sie haben einmal von der „imperialistischen Moderne“ als Verursacher dieser Trennung gesprochen. Was bedeutet das?
Chaignaud: Der Kolonialismus in Frankreich hat nicht nur Länder und Kulturen im Ausland zerstört, sondern war auch mit der Entwicklung eines Zentralstaates verbunden. Damit einher ging die Entwicklung von Institutionen wie Akademien und Konservatorien, was dazu führte, dass die
INTERVIEW: BARBARA FREITAG
„Es



Der französische Tänzer und Choreograf François Chaignaud, die argentinische Sängerin Nadia Larcher und die französische Videokünstlerin und Regisseurin Nina Laisné (v.o.n.u.)
Menschen Musik, Tanz und Gesang nicht mehr aus ihren eigenen Kulturen lernen, sondern an den Akademien. Damit ist allmählich eine Abkoppelung von älteren Kulturpraktiken erfolgt, die heute verschwunden sind. Wie sieht nun „Último Helecho“ auf der Bühne aus?
Laisné: Als eine hybride Form, in der Tanz und Musik aus denselben Körpern entspringen. Das ist auch charakteristisch für die meisten traditionellen südamerikanischen Festivals. Larcher: Es ist ein Werk, das sich der Zwischenräume und offenen, verzweigten Natur von Musik, Poesie und Tanz bewusst ist und es dem Publikum ermöglicht, in einen tiefen Dialog mit den von uns geschaffenen Symbolen zu treten.
Chaignaud: Das Stück steht in einer sehr engen Beziehung zur Geschichte des westlichen Theaters. Es ist frontal, für große Bühnen und ein großes Publikum konzipiert und bedient sich illusionistischer Mittel. Gleichzeitig sind die Inhalte, die Materialien und die Emotionen tief in der südamerikanischen Geschichte verwurzelt. Ich denke, die meditative Schönheit des Stücks hat ein universelles Potenzial, und gleichzeitig wird es je nach Sprache und Kultur des Publikums sehr unterschiedlich wirken.
Wie hat sich dieser fün ährige Arbeitsprozess gestaltet?
Laisné: Wir waren ständig unterwegs, in Frankreich, Argentinien, Peru oder sonst wo auf Reisen. All diese Eindrücke mussten in unseren unterschiedlichen Köpfen reifen und erst allmählich haben wir gelernt, die gegenseitigen Perspektiven fruchtbar zu machen. Chaignaud: In diesem langen Prozess sind wir alle gewachsen und haben uns auch stark verändert. Für mich war es eine Gelegenheit, ein Stück zu entwickeln, das nicht nur von meinen performativen Praktiken abhängt. Die Rolle von Nina in Regie und Konzeption war von zentraler Bedeutung.
Gab es auch Schwierigkeiten in eurem fün ährigen Arbeitsprozess?
Chaignaud: Für mich waren die zwei größten Herausforderungen, zu verstehen, wo der Dialog mit der argentinischen Volkskultur angesiedelt ist. Wie kann man ihn nicht vereinnahmen, wie kann man ihn nicht auf ein Klischee reduzieren? Und zweitens, uns in unseren drei künstlerischen Welten und Überzeugungen zurechtzufinden!
Was haben Sie voneinander gelernt? Larcher: Das ist ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Wenn man so tief in das Projekt eingetaucht ist, ist es unmöglich, alles zu benennen. Wir lernen viel über uns selbst, in allen möglichen Richtungen.
Chaignaud: Ich habe viel gelernt, vor allem in meinem Tanz und meiner Beziehung zum Rhythmus. Das ist unbezahlbar. Ich habe auch viel über präkolumbianische Kulturen gelernt, und das hat mich außerdem dazu gebracht, meine Welt und mein Leben zu hinterfragen. F
Último Helecho 19. und 21.7., 21 Uhr, Volkstheater

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Einer „Intimate Realness“ spürt das Kuratoren-Duo für [8:tension] in elf Produktionen aufstrebender Choreograf:innen nach
TEXT: VERENA BAUER
Wie findet man sie, die Rohdiamanten, die jungen Künstler:innen, denen „[8:tension] Young Choreographers’ Series“ Starthilfe für eine Karriere in der Tanzszene geben möchte? „Mit immens viel Recherchearbeit“, seufzt Breanna O’Mara. Sie und Co-Kurator Chris Haring kreisen mit Adleraugen über der internationalen Tanzszene. Zum zweiten Mal laden sie für [8:tension] Newcomer mit ihren aktuellen Produktionen nach Wien ein. Das Format für junge TanzVisionen besteht bei ImPulsTanz bereits seit 2001.
Im Auswahlprozess dominiert das Bauchgefühl. „Das war stärker als im Vorjahr“, meint O’Mara, gebürtig aus Detroit, die als Tänzerin mit dem Tanztheater Wuppertal verbunden ist – und mit Liquid Lo , Harings legendärer Wiener Performance-Compagnie.
Dieser pflichtet ihr bei: „Ist man zu objektiv, steht man schnell im seichten Wasser.“ Was die beiden wollen, ist Tiefgang: „Wir präsentieren ein Konglomerat aus starken Positionen.“
Auf die Auswahl folgt das Aufspüren eines roten Fadens. „Intimate Realness“ nennen O’Mara und Haring den Punkt, an dem die elf vielfältigen Werke ankern. Die Stücke von [8:tension] zeigen, wie hautnah den Körpern der Künstler:innen die Welt geht. Sie blicken nach innen, navigie-
ren durch die (Un-)Tiefen des eigenen Selbst und legen es für das Publikum offen.
Der eigene Körper wird zum Schauplatz von Krisen. „Diese Reduktion auf den Körper lässt uns zu dem Einzigen zurückkehren, das uns letztlich immer bleibt. In allen Stücken bieten uns die Künstler:innen Nähe: Sie öffnen ein Tor in ihr Inneres und teilen diesen Raum mit uns“, so O’Mara. Drückt sich das Krisenha e in bestimmten Bewegungsqualitäten aus? Wenn, dann ist das für Haring ein Symptom, kein Trend. „Ich sehe eine Langsamkeit, die körperpolitisch ist: Sie schleicht sich ein, als ob die Lu um uns dicker werden würde. Jede Bewegung arbeitet gegen einen Widerstand. Künstler:innen sind Indikatoren dessen, was wir alle spüren, der gesellscha spolitischen Umstände.“
Die Reduktion ist nicht nur ästhetisches Programm. Viele Soli und einfache Bühnenbilder lassen auch auf Verschlechterungen in der Förderlandscha schließen.
Ökonomische Unsicherheit prägt Adam Russell-Jones’ „Release the Hounds“. Seine Adidas-Sneaker und die Sportjacke sind eine Zeitreise zur englischen Arbeiterkultur der 1990er-Jahre. Inspiriert von den Tanzmarathons der Great Depression und Raves tanzt er die Krise, einsam und unau örlich.
Geldprobleme treiben PerformanceKünstlerin Gui B.B in „I Have Such a Horrible Voice“ um. In dem „geisterha en Körper-Gedicht“ suchen Schulden und Schuldgefühle die Künstlerin heim. Das Prekariat nagt an ihrem Körper, Materielles ist ebenso schwer festzumachen wie die eigene (Trans-) Identität. Arm mit Augenzwinkern ist Luigi Guerrieri: Er, der arme Kerl mit Jesus-Mähne, ist der titelgebende „POOR GUY“. Bei der nackten Nabelschau erkundet er die Lust am Leiden, lamentiert den eigenen Gusto an der Opferrolle.
Ein Loblied auf den Abwärtstrend spielen Mélissa Guex und Schlagzeuger Clément Grin in „DOWN (full album)“. Umkreist vom Publikum pfei Guex auf Steh-auf-Männchen-Attitüden. Sie feiert den furiosen Sog nach unten und lädt als Zeremonienmeisterin dazu ein, sich im Rhythmus zu verlieren.
Matteo Haitzmanns „Make it Count“ ist eine Symbiose mit dem Schlagwerk. In Sportklu und Jackett turnt und trommelt er mit einer Springschnur auf einer mikrofonierten Plattform. Unterstützt von Musikern am Synthesizer und Drum-Kit entsteht ein treibender Sound: Tanz und Konzert in einem.
Das Ringen um Identität verkörpert Marika Peura in „Amalgam Melee“. Die
Make it Count 17. und 19.7., 21 Uhr, Nest
POOR GUY
19.7., 23 Uhr, und 21.7., 21 Uhr, Schauspielhaus
DUNKEL
22.7., 19 Uhr, und 24.7., 21 Uhr, Wuk, Projektraum
Latente
25. und 27.7., 19 Uhr, Mumok, Hofstallung
Amalgam Melee
27.7., 21 Uhr, und 29.7., 19 Uhr, Wuk
GUSH IS GREAT
29.7., 21 Uhr, und 31.7., 19 Uhr, Odeon
[8:tension]-Party Intimate Realness
31.7., 22 Uhr, Volkstheater, Rote Bar
Arrebentação –
zona de derrama last chapter
1.8., 21 Uhr, und 3.8., 19 Uhr, Wuk
Release the Hounds
3.8., 21 Uhr, und 5.8., 19 Uhr, Schauspielhaus
Impasse
4.8., 19 Uhr, und 6.8., 21 Uhr, Nest
I Have Such a Horrible Voice
5.8., 21 Uhr, und 7.8., 19 Uhr, Wuk, Projektraum
DOWN (full album)
7.8., 21 Uhr, und 9.8., 19 Uhr, Wuk
Von links nach rechts:
Mélissa Guex: „DOWN (full album)“; Mufutau Yusuf: „Impasse“; Ma eo Haitzmann: „Make it Count“; Production Xx: „GUSH IS GREAT“










Von links nach rechts: Adam RussellJones: „Release the Hounds“; Catol Teixeira: „Arrebentação – zona de derrama last chapter“; Martina De Dominicis: „Latente“; Luigi Guerrieri: „POOR GUY“
Tochter eines Finnen und einer Philippinerin schreitet, bewaffnet mit rosa Badeschlapfen und einem Messer, unablässig die Bühne ab. Explosionsartig entladen sich Bewegungen, machen innere Kämpfe, Zerrissenheit und Zugehörigkeit sichtbar. In einem Kostüm aus Reisetaschen nähert sich Mufutau Yusuf in „Impasse“ den Wunden der afrikanischen Diaspora. Durch kravolle Zartheit entledigen sich Mufutau und sein Tanzpartner der negativen westlichen Stereotypen, die schwarzen, männlichen Körpern eingeprägt werden.
Rotes Licht und Sto ahnen versperren bei Martina De Dominicis „Latente“ die direkte Sicht. Mystischer Gesang, industrielle Soundeffekte und Weihrauchfässer verorten uns zwischen der Matrix und dem Mittelalter. Verehrung, auch im religiösen Sinn, ist die traumwandlerische Berührung zweier Tänzerinnen mit Händen und Augen.
In „DUNKEL“ erforschen Lisen Pousette und Olivia Rivière die Grauzone der Stimme. Wie ein Wolfsrudel schmiegen sich fünf Tänzer:innen aneinander. Sie formen einen Körper-Chor, kommunizieren über „Growling“, eine Gesangstechnik der Metal-Szene. Knurrende, gutturale Laute vibrieren bis in die Eingeweide: san , verspielt und aggressiv.
„Slow down, don’t move to fast“ ist das Motto von Production Xx in „GUSH IS GREAT“. In extremer Zeitlupe nähert sich ein Quintett der Bühnenfront. Kosten sie den Moment aus, verweigern sie das Tempo der Arbeitswelt oder ist das eine Verzögerungstaktik? Hinter der Hipstertruppe: eine Spur der Verwüstung aus Proviant und schrägen Props. Der Titel von Catol Teixeiras „Arrebentação – zona de derrama last chapter“ bezeichnet das Geräusch der Brandung. Inspiriert von der Schnittstelle von Land und Meer verschiebt das Ensemble Grenzen wie Wellen, verhandelt meditativ Beziehungen, um Neuland zu betreten.
Ein Jurypreis wird 2025 erstmals nicht vergeben. Stattdessen werden alle Geladenen mit aufgestockten Fördermitteln bedacht. Ein Preis für künstlerischen Ausdruck sei einfach nicht mehr zeitgemäß. „Wir wollen tolle Künstler:innen ins richtige Fahrwasser bringen, nicht Äpfel mit Birnen vergleichen“, ist Haring überzeugt. Gefeiert wird die nächste Generation bei einer Party im Volkstheater. Was ist denn nun das Nonplusultra dieses Handwerks? „Mut“, wir O’Mara sofort ein. „Was hervorsticht, sind Künstler:innen, die sich trauen, ihrer Vision zu folgen. Das kreiert Intimität. Wir werden von Dingen angezogen, die eine innere Wahrheit haben.“ F

e von
Die kanadische Star-Choreografin Marie Chouinard überarbeitet eigens für ImPulsTanz ihr Stück „bODY_rEMIX“ und verknüp es mit einer weiteren Choreografie

TEXT: HELMUT PLOEBST
U nter dem Titel „Radical Vitality“ präsentierte Marie Chouinard vor einigen Jahren bei ImPulsTanz eine Auswahl von Soli und Duetten aus den vergangenen 40 Jahren. Damals habe ich sie gefragt, warum ein bestimmtes Stück nicht in den Abend aufgenommen wurde. Darauf sie, ohne zu zögern und mit ironischem Lächeln: „Ich weiß nicht! Fragen Sie Marie Chouinard.“
Typisch, könnte man sagen. Der kanadischen Choreografin, die vergangenen Mai 70 geworden ist, sitzt der Schalk im Nacken. Manchmal wirkt sie wie ein umgedrehtes Chamäleon, das blitzschnell seine Farbe wechselt, um sich nur ja nicht einer Situation anzupassen. Dabei verhält sie sich nie exaltiert, sondern entspannt humorig und nachdenklich zugleich. Ihre Werke sind nur selten witzig. Wohl aber vielschichtig und hintergründig, geradezu opulent ästhetisch und frei von Skrupeln und Schamhaf-
In „BodyremixRemix“ (unten) tanzt das Ensemble mit Krücken und Spitzenschuhen, in „Magnificat“ trägt es Socken, zu beidem spielt es Bach

tigkeit. Wen wundert’s, schließlich ist sie ein Kind der Sixties und Seventies. Früh in ihren Zwanzigern hat Chouinard auf verspielte Art etliche Aufreger produziert, was vor einem halben Jahrhundert noch nicht so schwer war. Als Chouinard 2005 ihre Choreografie „bODY_rEMIX/gOLDBERG_ vARIATIONS“ zu ImPulsTanz ins Burgtheater brachte, war die Hütte zweimal krachend voll. Kein Wunder, denn die damals gerade 50-jährige Marie Chouinard brachte den Blick in ein abgründig reizvolles Dilemma: Wunderschön gewachsene Tänzerinnen und Tänzer – so wollen insgeheim wohl die meisten aussehen – bewegten sich teils mit Krücken über die Bühne. So kam zum Ausdruck: Gerade das gemeinhin als „schön“ Angesehene zeigt die Korrumpierbarkeit der Augen auf der Kultursuppe unseres Schauens. Anders formuliert: Chouinard serviert zwar, was eine Mehrheit glaubt, sehen zu wollen, weil ihre Auffas-
sung von Attraktivität eben kulturell anerzogen ist, aber zugleich legt sie kleine oder größere Fallen. Doch auch das passiert wie im Spiel. „Ich bin wie ein Kind“, behauptete sie im bereits erwähnten Gespräch, „und überhaupt nicht intellektuell.“
In „BodyremixRemix“ arbeitet dieselbe – oder vielleicht, siehe oben, die andere – Marie Chouinard „bODY_ rEMIX/gOLDBERG_vARIATIONS“ auf. Wieder wird das Tanzensemble mit Krücken und mit Spitzenschuhen über die Bühne staksen, wieder werden sich die Körper fast nackt ausstellen und abermals werden ihre Bewegungsmuster vom Feinsten sein. 2005 war die Welt noch eine andere, und die Aufarbeitung des Werks von damals wird dem Publikum vor Augen führen, wie Chouinard mit den kulturellen Veränderungen seit damals umgeht.
Ein wesentliches Element des Klangraums allerdings bleibt bestehen: Glenn Goulds Interpretation der „Goldberg-Variationen“ von Johann Sebastian Bach. Doch was einst eineinhalb Stunden beanspruchte, wird jetzt auf 40 Minuten reduziert, und so bleibt an dem Abend noch Zeit für eine weitere Arbeit, die ebenfalls in Bach schwimmt: „Magnificat“ mit seinem hingebungsvollen Lobes-Chor auf Maria. Ein Fest für Freunde des Johann Sebastian B. also, aber aufgepasst, Brüder und Schwestern im Geiste kirchlicher Freuden, das Ensemble der Compagnie Marie Chouinard könnte dazu in Socken tanzen! Nun sind Socken aber etwas Wunderbares und schiere Antipoden zu den strengen Spitzenschuhen, noch dazu werden Liebhaberinnen christlicher Bildkunst sich im Stück vielleicht nicht nur an die Unbeflecktheit der Gottesmutter, sondern auch an ihre historischen Darstellungen mit entblößten Brüsten, etwa als Stillende, erinnert fühlen. Chouinards „Magnificat“ könnte als profane Himmelfahrt verstanden werden: wie die Ankündigung einer Zukun , in der menschliche Körper solchen Respekt erfahren, dass ihnen keine Gewalt mehr angetan wird.
Auf ihre ganz spezielle Art also ist mindestens eine der real existierenden Marie Chouinards Utopistin ohne Wenn und Aber. Das lässt sich an beinahe jedem ihrer Tänze ablesen, die nie nörgelnd wirken, sondern sich immer am Rand eines Überschwangs bewegen, der da und dort an Kitsch grenzt und somit wohl bestens in diverse Codes der Gegenwart passt. In diesem Sinn könnten auch „Magnificat“ und „BodyremixRemix“ wechselwirken.
In seiner Überhöhung ist der versehrte Körper kein Opfer, in der Erweiterung durch Werkzeuge und Prothesen spiegelt sich sein schöpferisches Potenzial, und im Respekt – ohne Kniefall – vor dem prinzipiell wandelbaren Schönen liegt die Möglichkeit einer ethischen Emanzipation. So könnten diese beiden Stücke gesehen und verstanden werden. Marie Chouinard über ihr Werk: „Ich versuche mein Bestes und hoffe nur, es bringt etwas.“ F
Zum zehnten Todestag widmet ImPulsTanz dem einflussreichen Butoh-Tänzer Ko Murobushi eine Ausstellung und ein Symposium
TEXT: MICHIKAZU MATSUNE
E s war immer Sommer, wenn ich Ko begegnete. Seit ich in den späten 1990er-Jahren nach Wien gezogen bin, war Ko Murobushi beinahe jeden Sommer da, als Stammgast bei ImPulsTanz – als Workshop-Leiter oder als Performer.
Murobushi tanzte mit großer Intensität, krümmte den Rücken in einer Kombination aus langsamen und plötzlichen Bewegungen. Zwischen diesen angespannten und dichten Gesten erklang seine Stimme, ein bizarrer und gedrückter Ton. Wie die Stimme eines anderen oder von etwas anderem – ein nicht zu identifizierendes Tier oder Monster. In seinem Tanz war etwas Furchterregendes.
Ko Murobushi studierte bei Tatsumi Hijikata, der gemeinsam mit Kazuo Ohno den Butoh initiierte. Dieser Tanzstil, der aus den japanischen Avantgardeströmungen der 1950er- und 1960erJahre hervorging, wurde anfangs Ankoku-Butoh – „Tanz der Finsternis“ – genannt und erforschte groteske Bilder, sexuelle Tabus und schwarzen Humor. Butoh entstand als Provokation gegen das Establishment, den

Butoh-Tänzer Ko Murobushi war dem ImPulsTanz-Festival und dem Odeon jahrzehntelang verbunden
kulturellen Mainstream und die Verwestlichung. In vielerlei Hinsicht verkörperte er den japanischen Zeitgeist der Nachkriegszeit, ihre politischen und kulturellen Kämpfe und ihre ästhetischen Verschiebungen.
Murobushi war einer der unmittelbaren Erben dieses „Tanzes der Finsternis“. Er gründete die Butoh-Gruppen Ariadone und Sebi, die in den späten 1970ern und frühen 1980ern durch Europa tourten. Dies führte zu seinem Umzug von Tokio nach Paris, wo er zur sogenannten „Butoh-Sensation“ in Europa und darüber hinaus beitrug. Als geschätzter Lehrer beeinflusste Murobushi mit seinen zahlreichen Workshops Tausende von Tänzer:innen auf der ganzen Welt.
Wenn man online nach dem Künstler sucht, ist das „Ko Murobushi Archive“ unter den ersten Ergebnissen. Es ist eines der beeindruckendsten und umfassendsten Internet-Archive, das allein einem Tanzkünstler gewidmet ist. Auf seiner Startseite ist zu lesen: „Wo ist Ko?“ – wie um eine Einladung auszusprechen, sich auf die Suche nach dem vor zehn Jahren verstorbenen Künstler zu machen.
Das von Murobushis langjähriger Managerin Kimiko Watanabe organisierte Archiv ist randvoll mit umfangreichen Videodokumentationen, Fotos und chronologischen Beschreibungen seiner Arbeiten, begleitet von Auszügen aus seinen Notizbüchern. Hier bekommen wir einen Einblick in Murobushis Lebenswerk und künstlerisches Universum. Notizen wie „zu tanzen bedeutet, unendlich fern vom Mythos der Identität zu sein, heißt, deplatziert zu sein“ oder „der eigene Körper ist das erste ‚Andere‘, der erste Fremdkörper“ machen seinen unerbittlichen Umgang mit Körper und Stimme deutlich – die Essenz seines Tanzes, die mich immer auch verstörte.
Wann immer ich ihm aber abseits der Bühne begegnete, war Ko ein fröh-
licher Mann mit einem einprägsamen, tiefen Lachen. An einem heißen Sommerabend vor über 20 Jahren war er bei mir zu Gast zum Abendessen. Von diesem Tag gibt es ein Foto von Ko, mit meiner Tochter auf seinem Arm, die damals noch ein Baby war. Im Gegensatz zu seiner Persona auf der Bühne hat der Ko des Fotos ein strahlendes Lächeln im Gesicht. Einmal, bevor ich nach Japan zurückkehrte, rief ich ihn an und fragte: „Kann ich dich in Tokio treffen?“ „Nein“, antwortete er, „ich bin ab nächster Woche wieder unterwegs.“ Das war unser letztes Gespräch. 2015, während seiner Tour, starb Ko Murobushi an einem Herzinfarkt am Flughafen von Mexiko City. Er wurde 68. F
Michikazu Matsune ist ein in Wien lebender Performancekünstler
Faux Pas – A New Encounter with Ko Murobushi Vernissage: 15.7., 20.30; 18.7. bis 10.8., Odeon
Café Shy Vernissage: 25.7., 19.30; 26.7. bis 3.8., 11 bis 21 Uhr, Spitzer
Ko Murobushi Symposium 28. bis 30.7., Spitzer
Das Publikum faltet einen Körper, eine Tänzerin tanzt mit einer Eisskulptur und eine Installation feiert die queere Clubkultur
TEXT: SARA SCHAUSBERGER
D er Tanz im Museum hat seit vielen Jahren Konjunktur. Und das Interesse daran, die Ausstellungsräume zu bewegen, reißt nicht ab. Nein, vielmehr scheinen die Grenzen immer mehr zu verschwimmen, die Performance ist als fixer Bestandteil in die Museen eingezogen. ImPulsTanz hat sicherlich seinen Teil zu dieser Konjunktur beigetragen. Seit 2013 treten während des Festivals Performer:innen im Mumok und anderen Wiener Institutionen auf. Bis inklusive vergangenem Jahr waren schon über 400 Künstler:innen eingeladen, in den Museen zu performen.
Das passt hervorragend zur Frage der aktuellen Mumok-Ausstellung. „Nie endgültig! Das Museum im Wandel“ widmet sich der Institution in der Direktionszeit von Dieter Ronte in den Jahren 1979 bis 1989. Mitte der 1980er-Jahre entstand auch das Tanzfestival ImPulsTanz. In diesem Jahrzehnt wurden damit sowohl der Tanz als auch die Museumslandscha en in Wien heterogener und öffneten sich neuen künstlerischen Formen und Themen.
Zwei sehr präzise Solo-Arbeiten gibt es heuer während ImPulsTanz in den Räumen der Schau „Nie endgültig!“. Kommt der Tanz ins Museum, erhält auch die Kunst

neuen Drive. Aber warum verlässt der Tanz überhaupt die Bühne? Im Museum entsteht ein anderes Verhältnis zum Publikum.
Besonders deutlich sticht diese Tatsache in „Dialogue with La Bête“ hervor, wenn das Publikum den nackten Performancekünstler Wagner Schwartz wie eine Skulptur formt. Das Stück beruht auf den Werken von Lygia Clark. „Bichos“ („Viecher“) nannte die brasilianische Künstlerin ihre tierähnlichen, beweglichen Skulpturen, die von den Betrachtenden umgestaltet werden konnten.
Im Anschluss zeigt der Künstler Laurent Goldring einen Film aus seiner Reihe „Dialogues“, in dem das Publikum in sehr kon-
„The second body“: Tä nzerin Leah Marojević im Due mit einem Eisblock
field of dreams Vernissage: 21.7., 19.30 22. bis 27.7., 14 bis 19 Uhr, MQ-Raum D
The second body 1.8., 19 Uhr, und 3.8., 19.30, Mumok
Dialogue with La Bête 4. und 6.8., 19 Uhr, Mumok
zentrierten Aufnahmen sieht, wie Schwartz gefaltet und bewegt wird.
Auch Ola Maciejewskas Performance „The second body“ wurde von Lygia Clark angeregt. Die polnisch-französische Choreografin hat ein Duett entwickelt, in dem die Tänzerin Leah Marojević mit einer Eisskulptur tanzt. Erst ähnelt sie einem Torso, in Marojevićs Armen schmilzt sie langsam, aber stetig und verändert ihre Form. Wie die Skulpturen Clarks, wie der Körper von Schwartz, wenn sie bewegt werden. Eine weitere Inspirationsquelle Maciejewskas ist das Buch „The Second Body“ von Daisy Hildyard. Die britische Autorin schreibt, dass wir neben unserem eigenen Körper noch einen zweiten haben – einen, der auf komplexe Weise Teil der Natur und mit der Welt um uns herum verbunden ist.
Während die Soli im Museum viel mit Schaulust und Berührung der Besucher:innen spielen, lädt Christopher Matthews’ Installation „field of dreams“ im Raum D im Museumsquartier zu einem Clubbesuch ein. Der umtriebige Tänzer, Performer und Workshop-Leiter Matthews war schon o bei ImPulsTanz, nun kommt er erstmals mit einer Installation zum Festival: Ein ausgeklügeltes Lichtkonzept, rotierende Discokugeln und treibender Sound verwandeln den Raum in eine pulsierende Tanzfläche und feiern die queere Clubkultur. F
TEXT: VERENA BAUER
Sie haben Flugangst oder Flugscham? Sie finden, dass sich Wien im Hochsommer von seiner Schokoladenseite präsentiert, möchten aber dem Alltagstrott entfliehen? Dann folgen Sie dieser Anleitung für einen Tanz-Trip. Hauptsaison: 10. Juli bis 10. August. Destination: ImPulsTanz. Tanzen bei dieser Hitze? Ja, sage ich. Die Bäder sind voll. Wir schwitzen ohnehin. Vielleicht fächert uns der High Kick eines Tanzpartners einen kühlenden Lu strom zu. Also schnallen Sie sich an!
Oder auch nicht, denn die Reise lässt sich gut mit Öffis oder dem Rad bewältigen. Das Arsenal im 3. Bezirk kennen Sie, ein Areal, das einem ausschweifendere Fußmärsche aufzwingt, als einem lieb ist. Nehmen Sie es als Warm-up, denn so erreichen wir das Objekt unserer Begierde: Objekt 19. Diese prosaische Bezeichnung umfasst das Gelände des Workshop-Festivals, das sich für vier Wochen zu etwas Poetischem wandelt: einem Treffpunkt, an dem viele Kulturen und Altersgruppen zusammenkommen, Menschen mit Tanzerfahrung, die vom verhaltenen Nicken zu Fahrstuhlmusik bis zu einer internationalen Karriere reicht. Eines eint sie: die Liebe zum Tanz.
In und um Objekt 19 entsteht ein Dorf mit Pool, Radverleih, Cafeteria und vor allem Raum für Bewegung. Was packen Sie für den Tanz-Trip? Bequeme Kleidung, in der Sie sich rühren können. Falls Sie sich der autochthonen Bevölkerung anpassen wollen, krempeln Sie ein Bein Ihrer Trainingshose auf, bis zu Wade oder höher: Schon sind Sie nicht mehr von den Pros zu unterscheiden. Ich habe nach Anwendung dieses Tricks sofort positive Auswirkungen auf mein Coolness-Level festgestellt. Bei der Steigerung der Tanz-Skills setze ich auf den Langzeiteffekt.
Nun zu den Details: Welcher Tanzstil soll es sein? Ich empfehle die Abenteuerrei-

se: Wählen Sie im Workshop-Katalog einen Kurs aus, dessen Beschreibung Ihnen absolut nichts sagt. Wagen Sie sich auf unbekanntes Tanz-Terrain! Zählen Sie eher zum Typ „Rigorose Reiseplanung“, bietet sich am 13. Juli ein Besuch von „impressions’25“ an: Da stellen die Dozent:innen das Bewegungsrepertoire vor, das sie vermitteln werden. Das Gegenstück ist „expressions’25“ am 8. August, wo die Teilnehmenden selbst au reten.
Sonst gibt es mit den mehr als 360 gratis Tanzklassen von Public Moves etwas, dass jeder Tanz-Tourist:in gefällt: ein Buffet aus Stilen, Techniken und Bewegungsarten. „Einfach durchkosten“, rät Fio Losin, die jahrelang mit Rio Rutzinger die Workshop-Seite des Festivals verantwortete. Nach Rutzingers Wechsel ins Tanzquartier schupfen Losin und ihr Team diesen Sommer die über 250 Workshops und das „Mitmach-Programm“.
Workshop-Phasen:
Week 1: 14. bis 18.7.
Intensive 1: 19. und 20.7.
Week 2: 21. bis 25.7.
Intensive 2: 26. und 27.7.
Week 3: 28.7. bis 1.8.
Intensive 3: 2. und 3.8. Week 4: 4. bis 8.8.
Workshop Opening Lecture „impressions’25“ 13.7., 16 Uhr, Arsenal
Freestyle Dance Contest
Rhythm is a Dancer 2.8., 20.15 Uhr, Arsenal
Final Workshop
Showing „expressions’25“ 8.8., 20.15 Uhr, Arsenal
Public Moves Wien
7.6. bis 8.8. Badeteich Hirschste en, Goethehof, Museumsquartier, Papstwiese im Donaupark, Richard-Wagner-Platz, Schwarzenbergplatz, Seestadt – Seepier
Seestadt Pirat*innen 3. bis 6.7. Kostenlose Tanzklassen für Kinder in den Seestadt Studios

Unter „Shake the Break“ (links oben) laufen alle Workshops für Kinder und Jugendliche; Christopher Ma hews (rechts oben) ist beim Festival gleich mehrfach unterwegs, etwa mit seinen Jazz-Klassen

In den Sälen von Objekt 19 im Arsenal findet ein Großteil der Workshops sta . Hier Voguing mit William Briscoe
„Menschen sollen Public Moves nutzen, um etwas vollkommen Neues auszuprobieren.“
Seit Mai tourt das Gratisformat durch Klagenfurt, Linz und Salzburg. Vom 7. Juni an tanzt man in Wien mitten in der Stadt, meist auf knallgelben Böden. Ein Plus ist, dass für die Teilnahme die finanzielle Hemmschwelle sinkt.
Dass Tanz im öffentlichen, einsehbaren Raum stattfindet, dient ebenfalls nicht der Abschreckung. „Public Moves ist das Herz von ImPulsTanz“, erzählt Christopher Matthews. Er ist als Workshop-Leiter, als Coach des Choreografie-Trainingsprogramms ATLAS und mit der Installation „field of dreams“ im Museumsquartier im Dauereinsatz. Bei Public Moves enthüllt er mit „Contemporary Sass“ unsere kesse Seite. „Diese Fläche ist intimer als ein Studio. Ein Energiefeld umgibt uns, das es erlaubt, zu experimentieren. Es bringt Menschen
mit Tanz in Kontakt, die sonst keine Berührungspunkte damit haben, es ist Tanz zum Vergnügen, Tanz als reines Chaos, und alle sind willkommen.“
Wenn Sie vorab lieber die diplomatischen Beziehungen zu Ihrer Wirbelsäule verbessern möchten, ist ein Workshop wie „Bodywork“ das Richtige. Adriana Almeida Pees unterrichtet etwa Gyrokinesis und Body-Mind Centering. „Ich liebe diese Kombi“, so Losins Urteil. „Den Tag mit Gyrokinesis anzufangen, das hat mich meine ganze Tanzausbildung lang begleitet.“
Yoga, „Rückenglück“ und Feldenkrais erfreuen ebenfalls die Bandscheiben. Sonst hätte Losin Lust, in einer House-Klasse von Marie Kaae, Stéphane Peeps oder Farah Deen vorbeizuschauen. Bei House geht es gemeinscha lich um coole Grooves und schnelles Footwork. Bei einem Cypher bilden die Tanzenden einen Kreis, in den sie nacheinander zum Freestylen eintreten.

Get into the Groove: Die ImPulsTanz-Workshops und die kostenlosen Outdoor-Klassen Public Moves versetzen Wien in Bewegung. Eine Anleitung zur Abenteuerreise von Afro bis Zeitgenössisch
Selfcare ist als Thema stark präsent. Dass Aktivismus ein Marathon und kein Sprint ist, zeigt Nicole Berndt-Caccivio mit „Self Care and Self Regulation for Activists“. Lauter werden Jule Flierl und Mei Bao mit „Voice-Bodies to the Streets“. Alix Eynaudi und Anne Faucheret rücken mit „Carrying and moving signs. A workshop on the politics of bannering“ visuelle Artefakte und Choreografien des Protests in den Fokus.
In „Queer Dance History 101“ beforschen Claire Lefèvre und Eike Wittrock Queerness und queere Persönlichkeiten der Tanzgeschichte. Im Field Project „bad ballet“ suchen Elizabeth Ward, Kevin Fay und Andrew Champlin neue Zugänge zum rigiden Regelwerk des klassischen Balletts.
Ein bisschen Ballett steckt auch in Christopher Matthews Jazz-Klassen. „Im Jazz kommen so viele Einflüsse und Kulturen zusammen, Ballett, aber auch afrikanischer
Tanz, später Musicals. Was ich vermittle, ist, wie man Tanz als Kommunikationsmittel für Emotionen verwendet, wie wir Tanz erleben und nicht nur ansehen können.“ Der US-Amerikaner bezeichnet sich selbst augenzwinkernd als „Jazzerina“. „Das ist ein Witz, aber auch ernst. Ich mag diese Gegensätze. ,Jazzerina‘ lässt die Leute wissen, dass es mir beim Tanzen um Freude geht. Gleichzeitig ist mir Technik wichtig. Wir werden Spaß haben, aber vorher machen wir ein paar Tendus.“ Das Tendu ist ein Ballett-Basic. Sie strecken die Beine. Sie schleifen den Fuß des Spielbeins – mit Spannung bis in die Zehenspitzen! – in eine Richtung Ihrer Wahl. Den Oberkörper verfrachten Sie in eine Haltung zeitloser Eleganz, den Blick lassen Sie wohlmeinend über Ihre weltlichen Besitztümer schweifen. Ach ja, und krempeln Sie ein Hosenbein auf, bis zum Knie: Sie tanzen ja schon. F
„Ich mache, ich schmerze“: In Michael Turinskys Performance „Work Body“ kann man dem Künstler bei der Arbeit zuschauen
TEXT: MARTINA GIMPLINGER
I n der Mitte der Aufführung von „Work Body“ kommen mir die Tränen. Rückblickend ist mir nicht mehr klar, ob ich innere Tränen weinte oder eine kleine Menge an salzhaltiger Körperflüssigkeit floss.
Warum ich das erzähle? Um preiszugeben, dass ich „Work Body“ bereits gesehen habe (und unbedingt wieder sehen will), und um zu betonen, dass ich Michael Turinskys arbeitenden, lamentierenden, fühlenden, singenden und tanzenden Körper nicht nur gesehen habe, sondern er mich zum Weinen brachte – oder besser: zu einem Denken, getan durch Tränen. Es waren Tränen für einen Abend in Gemeinscha voll unbeschreiblicher Sehnsucht –unerfüllt und unerlöst.
Ich kenne diese Sehnsucht, die an dem Gefühl klebt, von der Welt, wie sie ist, abgestoßen zu sein – von dem politischen und sozialen Klima um mich herum. „Ich fühle mich nicht zuhause in diesem Land, aber ich fühle mich zuhause in meiner Stadt“, einen solchen oder ähnlichen Satz lässt der österreichische Choreograf und Performer Turinsky bei der Premiere von „Work Body“ Ende Jänner 2025 im Tanzquartier Wien fallen. Er fiel in einem Moment, in dem der rechtsextreme österreichische Politiker

Herbert Kickl vom Bundespräsidenten mit der Regierungsbildung beau ragt wurde –nachdem knapp eineinhalb Millionen wahlberechtigte Menschen in diesem Land für ihn und seine Partei stimmten.
Das soziale und politische Klima, in dem ich das Stück über den Rechtsruck im Arbeiter:innenmilieu gesehen habe, ist vom erdatmosphärischen Klima nicht zu trennen. Unsere Klimata sind Ergebnis des modernen westlichen Denkens, das trotz au lärerischer Ideen von der rassistischen Vernichtung indigener und nichtweißer Menschen und der Zerstörung der Biosphäre der Welt bestimmt ist. Sie sind Ergebnis der modernen westlichen Geschichte, die ihre Vor-
Choreograf und Performer Michael Turinsky beschä igt sich mit dem arbeitenden Körper
stellungen von Arbeit und Fortschritt durch vielfältige und brutale Rhythmen von Produktion und Beschleunigung umsetzt. „Ich mache, ich schmerze“, singt Turinsky zu sexy Elektrobeats und melancholischem Klavieranschlag. In einem behutsamen Calland-Response mit dem Musiker teilt er ein intim-politisches Klagelied, das die schöne und unerwartete Kra des Lebens öffnet. „Wer zum Teufel“, so Turinsky, „kann überhaupt mit dem Rhythmus des Kapitals Schritt halten?“ Weder sein „behinderter“ noch ein „nicht behinderter“ Körper, ist die unausgesprochene Antwort.
Wir machen das Klima, in dem wir leben. Mit „Wir“ meine ich nicht bloß die „Anderen“. Die, die Männlichkeit und Rechtsruck feiern. Ich meine auch „uns“, die wir uns bei ImPulsTtanz empathisch auf Positionen gegen Männlichkeit und Rechtsruck einlassen – während das nichts an den Systemen der Kunst, der Schaffung und Zirkulation ihrer Werte und der Beschleunigung ihrer Arbeit und Produktion ändert.
Work Body 3. und 5.8., 21 Uhr, Odeon
Und trotzdem: Michael Turinsky darf nicht au ören, zu versuchen, sich den unau örlichen Innovationen des Kapitalismus zu entziehen – auch wenn er, wie wir alle, mit ihnen verstrickt bleibt. Kunst bei der Arbeit kann machen, dass unsere Tränen nicht verloren sind, sondern zu Formen des Denkens werden! F
Performance-Künstlerin Elisabeth Bakambamba Tambwe lädt ins performative Bordell und präsentiert die Uraufführung „SelFist“
TEXT: MARTINA GIMPLINGER
E
lisabeth Bakambamba Tambwe ist eine Wiener Performance-Künstlerin, die in Kinshasa (Demokratische Republik Kongo) aufgewachsen ist und in Tourcoing (Frankreich) Bildhauerei studiert hat. Ihr skulpturales Wissen ist auch in ihren performativen Arbeiten am Werk – und zwar als Handwerk, mit dem es Tambwe auf beeindruckende Weise gelingt, Räume und Körper auf der Bühne zu formen und in ihnen auch in institutionalisierten Aufführungskontexten die Kra des Prozesshaften, Transformativen und Forschenden am Leben zu halten.
Ähnlich Prozessen der skulpturalen Formgebung, die aus veränderbarem Material feste Bilder hauen – ohne dass diese in ihrer Wirkkra und Wahrnehmbarkeit an Lebendigkeit einbüßen. Ist das Vermögen, Lebendigkeit zuzulassen und zu empfinden, das, was Liebe kann? Ist Liebe ein Vermögen, das um ein chaotisches Werden herum und durch eine Dramaturgie der Mannigfaltigkeit von Begehren stattfindet?
Gleich zwei Mal führt Tambwe beim diesjährigen ImPulsTanz-Festival die chaotische Mannigfaltigkeit von Liebe, Leben, Begehren und Disziplinen auf: zum einen mit „Beyond The Overflow“, das bereits einmal

bei ImPulsTanz 2023 zu sehen war, und zum anderen mit einer ganz neuen Arbeit, die den Titel „SelFist“ trägt. Wie in den Imaginationen der Salonkultur des Fin de Siècle, in denen feministische Künstler:innen die gute Gesellscha einluden, lädt „Beyond The Overflow“ ein, im performativen Bordell (französisch auch für Chaos und Radau) von der seltsamen Lebendigkeit der vielen auf der Bühne tätigen Künstler:innen und ihrer Kunstarbeit zu probieren. Während „Beyond The Overflow“ zugleich Ausstellung, Party, Oper, Theater, Tanz, Salon, Bar, Kunstmesse und Symposium ist, wendet sich „SelFist“ mit drei be-
Ich-Obsession in „SelFist“ mit Sunny Jana, Max Mayer und Bishop Black (von links nach rechts)
Beyond The Overflow 15.7., 22 Uhr, Odeon
SelFist
22.7., 21 Uhr und 24.7., 19 Uhr, Nest
merkenswerten Darstellenden auf unerwartete Weise dem lang anhaltenden Blick des Narziss ins Wasser zu.
Wie „Beyond The Overflow“ und „Speech of Love: Absence“ aus dem Jahr 2022 ist auch Tambwes neue Arbeit „SelFist“ von dem Buch „Fragmente einer Sprache der Liebe“ (1977) des französischen Philosophen Roland Barthes inspiriert.
In „SelFist“ bürstet Tambwe den bekannten Mythos vom selbstverliebten Narziss gegen den Strich und holt dafür die afro-britische Performance-Drag-Burlesque-Künstler:in Bishop Black, den österreichischen Schauspieler Max Mayer und die österreichisch-US-amerikanische Pole-DanceKünstlerin Sunny Jana sowie in gewohnter Manier Überraschungsgäste auf die Bühne. Mit radikal unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen und Hintergründen liefern sie sich auf der Bühne einem schwindelerregenden Abstieg in die durch Wellen gebrochenen Reflexionen ihres Selbst aus –in denen zugleich ein fundamentales Echo über den menschlichen Zustand vernehmbar wird.
Mit „SelFist“ lädt uns Elisabeth Bakambamba Tambwe ein, Formen der zerstörerischen Obsession mit dem eigenen Ich nicht bloß als Ausdruck von Selbstsucht und Egoismus zu lesen, sondern als einen existentiellen Akt der Selbstbefragung. F
TEXT: MARTIN PESL
W
ir sind es ja mittlerweile gewohnt, dass aus Südkorea spannende Dinge kommen. Erst war da der K-Pop, einschließlich der Neuerfindung nicht ganz nachvollziehbarer Teenie-Hysterie. Dann folgten Film und Fernsehen, mit Bester-Film-Oscar und Klick-Rekorden auf Youtube und Netflix. Neuerdings gibt es eine Literaturnobelpreisträgerin und eine besonders radikale Interpretation des Feminismus, die Schule macht. Und jetzt auch noch Tanztheater.
Dabei präsentiert ImPulsTanz mit dem Choreografen Kyoung Shin Kim eine wahrlich originäre Entdeckung für den deutschsprachigen Raum. Die Kritiken, die dem bereitgestellten Pressematerial beiliegen, sind bezeichnenderweise alle in koreanischer Sprache (vermutlich aber hymnisch!). Dass sogar deren Schri für Normalsterbliche hierzulande völlig undurchschaubar ist, hat die eingefleischten K-Fans noch nie gestört.
Heute hat Kyoung Shin Kim eine Professur an der Universität Gongju in Südkorea inne. Einst gehörte er als Tänzer renommierten Gruppen wie der Hofesh Shechter Company und der National Dance Company Wales an, bevor er die Seite wechselte. In seiner Heimat choreografiert Kim nun schon seit über zehn Jahren. „Unplugged Bodies“, den Titel seiner ersten Serie von Arbeiten, die er 2014/15 teils zusammen mit seinem britischen Kollegen Freddie Opoku-Addaie entwickelte, hat Kim als Namen für seine ganze Compagnie übernommen.
Nach dem Durchbruch mit „Ordinary Stranger“ 2017 begann Kim eine neue Serie, die seither nicht abgerissen ist: Er beschä igt sich mit dem „Homo“, also dem Menschen in seinen verschiedenen Ausformungen: Die Premiere von „Homo Ludens“ (der spielende Mensch) schloss 2019 das MODAFE, Südkoreas größtes und ältestes Festival, ab. Weitere Choreografien heißen „Homo Faber“ und „Homo Lupiens“, wobei sich der erste Titel auf den schaffenden Menschen als Handwerker bezieht, der zweite, ein Kofferwort aus „ludens“ und „sapiens“ (der Verständige), auf den fatalen Drang unserer Spezies, andere zu beherrschen.
Von beiden Titeln haben Kyoung Shin Kim und Unplugged Bodies eine Reihe von Abwandlungen präsentiert, in einem Ausmaß, das fast so beeindruckend ist wie jenes der „The Fast and the Furious“-Filmreihe. Untertitel wie „The Shadow Song“, „The Fate“, „Day Break“ und „Snap Dragon“ stehen auf der Produktionsliste. Mit „Homo Faber – The Origin“ präsentiert sich die Gruppe nun erstmals in Wien. Der Choreograf hat dafür – unter Verwendung von Klassikern Mozarts und Schostakowitschs – selbst die Musik komponiert. Der Titel und gleich zu Beginn eine ehrfurchtgebietende Sprecherstimme lassen es erahnen: Dieses Stück geht weit zurück in der Geschichte. Das Prinzip des Menschen als Handwerker, der seine Umwelt beeinflusst, stammt vom römischen

Die Compagnie Unplugged Bodies befasst sich seriell mit dem Menschen in Stücken wie „Homo Ludens“, „Homo Lupiens“ oder aktuell „Homo Faber“
Archaisch und körperlich: Mit dem südkoreanischen Choreografen Kyoung Shin Kim und seiner Compagnie Unplugged Bodies präsentiert ImPulsTanz eine wahrlich originäre Entdeckung
Politiker Appius Claudius Caecus. Im 20. Jahrhundert rückten Max Scheler und Hannah Arendt den „Homo Faber“ wieder ins Zentrum der Anthropologie, auch mit dem Franzosen Henri Bergson wird der Begriff assoziiert. Der Schweizer Schri steller Max Frisch nutzte ihn als Titel eines Romans, aber das ist eine völlig andere Geschichte. Bei Kyoung Shin Kim ist alles grundsätzlicher, archaischer, letztlich körperlicher.
Schließlich ist es ein ostasiatischer Künstler, der diese westlichen Philosophien interpretiert. Das führt zu einem einzigartigen Mix. Sieben Tänzer:innen mit gestählten Oberkörpern erforschen hier den Menschen in seinem Umgang mit Werkzeugen und somit den Ursprung unserer Zivilisation.
Die Objekte auf der Bühne sind dabei durchaus moderner: Die gülden schimmernden Kartons, die am Anfang im Raum verteilt sind, könnten aus der Ferne betrachtet auch überdimensionale Batterien sein. Später
TEXT: DITTA RUDLE
Z wei Männer fahren Achterbahn. Allerdings nur im Kopf. Sie denken an ihre Väter, kramen in ihren Erinnerungen, die sich ständig verändern. Die Väter sind längst tot, doch die beiden Söhne wollen wissen, wer ihre Erzeuger wirklich waren. Die zwei sitzen am Tisch und reden. Ihre Erinnerungen, Vermutungen, Interpretationen, die Rede samt der Gegenrede visualisieren sich auf einer Videowand. Die beiden Männer könnten Väter sein, sind aber sicher Söhne, die parlieren, diskutieren, demonstrieren, informieren, analysieren und auch schwadronieren. Sie verlieren den Faden. Bewegen sich im Raum, um wieder zum Thema zurückzufinden, verirren sich in der Zeit und landen immer wieder beim Ende, dem der längst verblichenen Väter und ihrem eigenen. Ohne Humor wäre so ein Duett der Geisterreiter nicht möglich, vermutlich unerträglich. Zwei verdiente und bekannte Künstler liefern ihn, bitter und schrill: Yosi Wanunu, Autor, Regisseur und Mitbegründer der Gruppe toxic dreams, und Peter Stamer, kein Mitbegründer, doch sonst mit dem gleichen Katalog an Talenten, Werken und auch tiefen Gedanken aufwartend.
interagiert das Ensemble mit einem fahrenden Roboter, Förderbändern und Hämmern, Gasbehältern und Wippen. Den diversen Gegenständen entlockt es unerwartete Funktionen.
Aufgrund seiner bedrohlich düsteren Lichtstimmungen, der Präzision der Bewegungen und des narrativen Anspruchs der Szenen – auch wenn an der Oberfläche nicht plump zu entschlüsseln ist, was erzählt werden soll – erinnert das Stück an die Arbeiten des Starchoreografen Akram Khan. Umso sympathischer, dass Kims Ensemble am Ende von „Homo Faber – The Origin“ geradezu gelöst Party machen darf. Ohne zu viel zu verraten: Es wird überraschend bunt! Immerhin ist die Geschichte des Homo Faber ja bisher gut ausgegangen. Er hat seine neu entdeckten Werkzeuge nicht (nur) zum Töten benutzt. F
Homo Faber – The Origin 24. und 26.7., 21 Uhr, Volkstheater
KURIER-Gespräch mit Kyoung Shin Kim 24.7., 19 Uhr, Volkstheater, Rote Bar
Und natürlich hegen beide eine Begeisterung für die Diskussion, den Austausch von Gedanken, um neue Perspektiven zu gewinnen. Schon 2023 haben toxic dreams mit so einer verbal basierten Performance das Publikum von ImPulsTanz unterhalten und begeistert. Im Leopold Museum jammerten Yosi Wanunu und Roland Rauschmeier als „The Two Pop(e)s“ über ihr verpatztes Leben. Das bewegte Dialogstück hat Kornelia Kilga produziert, seit 1997 mehr als Mitbegründerin: Als Produzentin hat sie über 90 Shows begleitet. In „GHOST RIDERS“, einer Folge im aktuellen Zyklus, geht es um den Rashomon-Effekt. Man kennt ihn von Zeugenaussagen: Verschiedene Personen nehmen ein Ereignis unterschiedlich wahr. Die Väter würden staunen über das, was die Söhne über sie erzählen. F
GHOST RIDERS
2., 4. und 6.8., 19.30 Uhr, Volkstheater, Dunkelkammer

TEXT: CHRISTOPHER WURMDOBLER
Cruising, das muss man vielleicht erklären, beschreibt eine Variante schwuler Kontaktanbahnung, die mit dem Online-Dating etwas in Vergessenheit geraten ist: Männer trafen (oder treffen) sich an geheimen Orten, in Parks oder öffentlichen Klos für Sex.
Erstaunlicherweise werden in Wien solche Toiletten „Logen“ genannt. Die mittlerweile geschlossene „Opera Toilet Vienna“ (mit Johann-Strauss-Musikbeschallung!) bei der Staatsoper war wohl auch mal so ein Ort.
Luca Bonamore, der junge Römer aus Wien, Tänzer, Choreograf und neuerdings auch Popstar, widmet sich in „LAMENTATIONS“ den verschwundenen Cruising-Räumen und rührt dabei in der großen Gefühlswelt von Oper.
Das Poster-Babe unter den Wiener Tänzer:innen und Choreograf:innen – der schöne junge Mann, Jahrgang 1996, wirbt auf Plakaten für ImPulsTanz wie für Mineralwasser – sieht sein Stück, das 2023 beim Newcomer-Festival Rakete im Tanzquartier Premiere hatte, als „Hommage an die emotionalen Seiten des Cruisings“.
„Vielleicht der schwulste Ball, den Sie je erlebt haben“, heißt es in der Ankündigung zu „LAMENTATIONS“. Porzellan-Kloschüsseln werden darin wie kostbare Kunstwerke auf weiß gefliesten Podesten präsentiert. Im Mittelpunkt Bonamore, der mit Langhaarperücke, Latex-Wear und Korsage auf Pferdefüßen wie ein Zentaur gemeinsam mit Co-Performer Roland Horváth zu treibenden Dance Beats von Zosia Hołubowska wenig uneindeutig die Anbahnung und das Begehren tanzt. Eine Art Lipizzaner mit Lackstiefelchen, der mit starker Stimme singt.
Lack, Lamento, Leidenscha und Leid. Was fehlt? Die Liebe. Vielleicht ist das ja die Hoffnung die beim Pas de deux zu Johann Strauss bei „LAMENTATIONS“ als wichtigstes L zum Vorschein kommt: „Because the night belongs to lovers. Because the night belongs to lust …“ F
LAMENTATIONS
23.7., 19 Uhr und 25.7., 23 Uhr, Schauspielhaus

Warum Liquid Lo s Performance „deep dish“ von 2013 so perfekt in unsere Gegenwart passt
TEXT: HELMUT PLOEBST
A
ls Spezies „Homo“, die sich anmaßend selbst „sapiens“, also klug, nennt, zerstören wir trotz aller Reflexionsfähigkeit den eigenen Lebensraum. Ein Akt der Selbstauslöschung, denn für uns Menschen wird es niemals Alternativen zum Leben auf der Erde geben. Kein Wunder also, wenn Thomas Edlinger einleitend zu Liquid Lo s Performance „deep dish“ die Gegenwart darin so charakterisiert: „Der Salat fühlt sich nicht mehr frisch.“
Es gibt einen Moment in dieser 2013 entstandenen Arbeit, der den eskapistischen Blick ins All wunderbar karikiert: Eine im Wasser rotierende Video-Orange spielt die Rolle eines Himmelskörpers, den die vier Tänzer:innen live auf der Bühne wie gebannt anstieren. Dieser aus ScienceFiction-Filmen zitierte „star gaze“ zeigt Wahrnehmungshalluzinationen, die vom Willen zur Macht der Einbildung gesteuert sind.
Immer wieder werden in den LiquidLo -Stücken kulturelle Einbildungen verhandelt. Dabei stehen o jene „magischen“ Bildmedien im Zentrum,

die ihr partizipierendes Publikum mit Verdrehungen der Wirklichkeit benebeln. Die durch Medienspektakel ausgelöste Verwirrung wollte Liquid Lo noch nie akzeptieren. Und so ist auch „deep dish“ in seiner hinreißenden Weisheit als Provokation des fake-vernebelten Blicks durch eine ins Surreale verzerrte Sinnlichkeit zu verstehen.
Choreograf Chris Haring und sein Wiener Ensemble machen die Bühne zum Salon auf einem Schiff, dessen Besatzung sich an einem reich mit verrottenden Vegetabilien gedeckten Tisch um die Verdauung ihrer Lage sorgt – Hieronymus Boschs berühm-
Ein vegetarisches Festmahl, das zur Orgie wird, inklusive welken Salats und überreifer Früchte
deep dish
12. und 14.7., 19 Uhr, Nest coal mine birds
16. bis 19.10., 20 Uhr, Odeon
tes Triptychon „Garten der Lüste“ lässt grüßen. Angesichts dieser Darstellung der Verwesung kann sich das Publikum einiges fragen: Etwa warum so viele häufig wie benebelt durchs Leben stolzieren, warum Genüsse o mit einer Art Todessehnsucht konsumiert werden und ob nicht viele Aussichtslosigkeiten mit unserem Verdrängungszwang zusammenhängen. Im Oktober wird ImPulsTanz Liquid Lo noch einmal präsentieren. Dann wird auf der Bühne des Odeon unter dem Titel „coal mine birds“ zusammen mit dem Musikensemble PHACE ein – virtueller – Rausch simuliert. F
Choreografin Eva-Maria Schaller und Komponist Wolfgang Mi erer lassen die „Walzerwut“ tanzen
TEXT:
HELMUT PLOEBST
Der Walzer stammt wohl aus dem 18. Jahrhundert und führt zurück in die schlechte alte Zeit, als es noch keine Demokratie gab, sondern ein Kaiserhaus, das sich samt seiner ballsüchtigen adeligen Entourage herausnahm, über die Bevölkerung zu „herrschen“. Johann Strauss (1825–1899), dieser Virtuose des Dreivierteltakts, kannte es nicht anders. Seine hurtigen Wiener Walzer sind zum kulturellen Erbe geworden, das uns die Donaumonarchie hinterließ. Weil Strauss vor akkurat 200 Jahren in der Lerchenfelder Straße das Licht der Welt erblickte, feiert auch ImPulsTanz mit.
Die Wiener Choreografin Eva-Maria Schaller nennt ihren künstlerischen Beitrag zu diesem Festjahr „Walzerwut“. Das Stück ist eine Kooperation mit dem Komponisten Wolfgang Mitterer, der vergangenen Jänner mit dem Klangforum Wien ein „Best of Johann Strauss“ präsentiert hat.
Das 19. Jahrhundert bereitete die Disruptionen im darauffolgenden so vor, dass dafür die Rede von einer „fröhlichen Apokalypse“ erfunden wurde. Straussens Walzer kamen

da genau richtig: Sie versetzten ganze Ballgesellscha en in Schwindelzustände. Im Todesjahr des Stars gründete Karl Kraus seine Zeitschri Die Fackel, in der er 1899 anmerkte, dass Strauss bereits vor „zwanzig Jahren“ als musikalischer „Inbegriff des Wienertums zum Gebrauche der Börsensalons hergerichtet“ wurde: Schon „damals starb Johann Strauß“.
Schallers Titel „Walzerwut“ kann genauso gut auf die krisenha en „Tanzwut“-Ausbrüche im Mittelalter bezogen werden wie auf die elitäre Dauerfeierlaune im Fin de siècle. Die Parallelen zur nicht enden wollenden Party seit den 1980er-Jahren bis heu-
Fröhliche Apokalypse nach Strauss: Der Walzertanz als Rave des Fin de Siècle
Walzerwut
25. und 27.7., 21 Uhr, Odeon
Tipp: Imperial Ball von Sidi
3.12., 5.12., 6.12., 19.30 Uhr, Halle E (MQ)
te sind offensichtlich. Wie zur Bestätigung zitiert auch Schaller Kraus mit Blick auf die Gegenwart: „Die ernst genommene Sinnlosigkeit auf der Bühne entspricht durchaus der Lebensauffassung einer Gesellscha , die auf ihre alten Tage Vernun bekommen hat und dadurch ihren Schwachsinn erst bloßstellte.“
ImPulsTanz hat übrigens noch eine weitere Würdigung von Johann Strauss im Köcher: Anfang Dezember kommt Sidi Larbi Cherkaoui mit „Imperial Ball“. Diese kritische Arbeit über die elitäre Ideologie der Verhaltensregeln bei Bällen tanzt das Ballet du Grand Théâtre de Genève. F

Seltsamerweise habe ich mich dann auf das Grab meiner Großeltern gelegt – etwas, das in unseren Kulturen nie gemacht wird
NADIA BEUGRÉ
Die Tänzerin und Choreografin Nadia Beugré beschreibt in ihrem Solo eine unmögliche Rückkehr
Nadia Beugré sucht mit ihrem neuen Stück „Épique ! (pour Yikakou)“ nach Erinnerungen im überwucherten Dorf ihrer Kindheit
TEXT: MARTINA GIMPLINGER
Liebe Leser:innen, in diesem Beitrag werde ich Ihnen sagen, was ich auf einer Fotografie sehe, die während der Recherchearbeiten zu Nadia Beugrés neuem Stück „Épique ! (pour Yikakou)“ entstanden ist: Halb liegend, halb sitzend ist die herausragende ivorisch-französische Tänzerin und Choreografin Nadia Beugré in den materiellen Spuren dessen platziert, was einmal ein Haus, ein Zuhause ihrer Kindheit war. Sie befindet sich inmitten von ungleich großen Resten von Betonwänden, teilweise mit kleinen schwarzen und gelben Kacheln verziert, die unter freiem Himmel in einer üppig grünen Landscha stehen. Das Bild gleicht einer Montage, für die Beugré die Überreste des Dorfes ihrer Kindheit aus den Überwucherungen von Pflanzen und Trieben löst, um sich sprichwörtlich ins Bild zu setzen. „Als ich nach Yikakou zurückkehrte, war das Dorf verschwunden. Die Menschen waren fort. Der Wald hatte die Häuser, die Straßen und die Gräber verschluckt“, schildert Beugré.
Die in der Fotografie eingenommene Körperposition ist bemerkenswert – aus enormer eigener Kra oder durch eine nicht sichtbare Struktur gestützt, schwebt sie in navyfarbenen Hosen, mit gelbem Sonnenhut und schwarzen Sonnenbrillen leicht über dem Boden aus Grün. Die Arme sind dabei lässig hinter dem Kopf verschränkt.
„Auf diesem Foto liege ich auf dem Grab meiner Großeltern“, erzählt Beugré im Gespräch. Im nicht mehr existierenden Dorf ihrer Kindheit, dessen Spuren sich im Zusammenspiel mit dem Leben der Natur
fortwährend neu zusammensetzen und zersetzen, sucht sie nach Erinnerungen eines dort gelebten Lebens. „Wir schnitten, hackten und rodeten, um wenigstens die Gräber zu finden. Nach ein paar Stunden tauchte das meines Vaters und meines Großvaters auf. Seltsamerweise habe ich mich dann auf das Grab meiner Großeltern gelegt – etwas, das in unseren Kulturen nie gemacht wird. Als Stadtkinder wuchsen wir mit der Vorstellung auf, dass wir nicht ins Dorf zurückkehren sollen, weil dort Hexen und Geister auf uns warteten. Als ich mich auf dieses Grab legte, war es, als ob ich mich von dieser Angst befreite. Etwas löste sich. Endlich“, erinnert sich Beugré.
Ist Erinnern ein mitunter körperlich mühsamer Vorgang, der tief in die Gegenwart schneidet und dabei Ausschnitte aus der Vergangenheit formt? Für „Épique ! (pour Yikakou)“ kehrt Beugré zum ersten Mal seit ihrer Jugend in das Dorf ihres Vaters, Großvaters und ihrer Ururgroßmutter Gbahihonon zurück, die ihr ihren Namen gab: „Zwischen Nadia und Beugré gibt es Gbahihonon, wörtlich übersetzt: Die Frau, die sagt, was sie sieht. Ich kehrte ins Dorf zurück, um das Gewicht dieses Namens, Gbahihonon, zu spüren und herauszufinden, wer ich bin“, so Beugré.
Gbahihonon war eine weise Frau mit starkem Charakter, die ihre Gemeinscha gegen physische und mystische Angriffe verteidigte und sogar das Schicksal Neugeborener voraussehen konnte. „Ich war schon immer von diesen mächtigen Frauenfiguren in unseren Erzählungen und kollektiven Erinnerungen fasziniert. Ich habe mir meine Identität anhand von Frauenfiguren aufgebaut, die den Mut hatten, aus der Rolle und
der winzigen Ecke auszubrechen, die ihnen ihre Familie und ihre Gesellscha zugewiesen hatten“, erinnert sich Beugré. Zweimal ist Beugré mit ihrem Team nach Yikakou gereist, um mit ihnen den Geschichten der Menschen zu lauschen, die noch in der Umgebung leben. „Eigentlich“, so Beugré, „hätte ich das Publikum gerne nach Yikakou einladen und das verschwundene Dorf in eine Bühne verwandeln wollen. Mit Jean-Christophe Lanquetin, dem Bühnenbildner, bringe ich Yikakou nun auf die Bühne. Sie wird zum Territorium, sowohl im Raum als auch in der Zeit.“
Während Beugré in den überwucherten Fragmenten ihrer Kindheit Platz nimmt, wird sie von zwei Frauen, die abwechselnd Komplizinnen und Zeuginnen sind, begleitet: Von Sali Diabate, einer Live-Musikerin, die eine der wenigen Frauen in Burkina Faso ist, die Balafon spielt, und von Charlotte Dali, einer ivorischen Geschichtenerzählerin und Zouglou-Sängerin, die in ihren Liedern die soziale Realität der ivorischen Jugend einfängt.
Außergewöhnliche Frauen sind auch in Beugrés Tanzgeschichte präsent: Sie lernte unter anderem bei Germaine Acogny und Mathilde Monnier. Von der großen Béatrice Kombé und als Gründungsmitglied ihres rein weiblichen Tanzensembles TchéTché hat Beugré gelernt, dass die Bühne ein Ring ist, in dem alles passieren kann. „Ein Ort des Kampfes“, wie Beugré sagt, „in dem man nichts aufgeben darf, in dem man die Zitrone auspressen muss!“
In diesem Sommer wird das Odeon zu einem Ring, in dem Nadia Beugré ihre Vergangenheit auspresst und uns sagt, was sie sieht! F
Me e Ingvartsen veranstaltet in ihrer jüngsten Arbeit „Delirious Night“ einen Maskenball, der völlig aus dem Ruder läu
TEXT: KARIN CERNY
E s ist schon einigermaßen irritierend, wenn eine Performerin davon spricht, ihr Publikum „infizieren“ zu wollen. Aber die dänische Tänzerin und Choreografin Mette Ingvartsen, 45, liebt es, mit Tabus zu spielen. Ihre Inszenierungen sind Versuchsanordnungen mit offenem Ausgang, die überraschende Fragen stellen: Wie viel Ekstase brauchen wir, um als Gesellscha zu überleben? Kann körperliche Erschöpfung bis zum Wahnsinn auch eine heilende Funktion haben?
2021 wurde ihre Performance „The Dancing Public“ uraufgeführt, also mitten in einer Pandemie, die uns zu körperlicher Distanz zwang. Ingvartsen thematisierte, wie ansteckend Tanz sein kann. Dafür recherchierte sie bis ins Mittelalter die sogenannte „Tanzwut“ oder „Choreomanie“, also kollektive Tanzausbrüche, die sich im öffentlichen Raum wie eine Ansteckung ausbreiteten. Viele glaubten damals, Tanz sei eine dämonische Besessenheit. Gleichzeitig schien Tanzen bis zur totalen Erschöpfung eine Möglichkeit zu sein, die Pest fernzuhalten.
Warum tanzen wir? Eine banale Frage, auf die Ingvartsen komplexe Antworten findet. In „The Dancing Public“ war das Publikum

eingeladen mitzutanzen. In ihrer jüngsten Arbeit „Delirious Night“ bleiben die neun Tänzer:innen unter sich auf der Bühne und veranstalten einen wilden Maskenball. Diese Masken helfen zu reflektieren, inwieweit Anonymität nötig ist, um eine Art von „heilendem theatralischem Wahnsinn“ zu ermöglichen.
Gemeinsam mit dem australischen Drummer Will Guthrie, der live spielt, wird die Nacht als ein Raum erforscht, in dem Regeln außer Kra gesetzt werden und emotionale Zustände – die im täglichen Leben o unterdrückt werden – ihren Ausdruck finden können. Die Choreografie basiert auf der Idee, dass Affekte und Emo-
Getanzte Grenzüberschreitungen im Stück der dänischen Choreografin Me e Ingvartsen
tionen nicht nur unsere eigenen sind, sondern auch etwas, das uns kollektiv prägt. Etwas Ansteckendes, das nicht nur eine persönliche, sondern auch eine gesellschaliche und politische Wirkung hat.
„Wir leben in einer zunehmend beunruhigenden Welt, in der wir mit Umweltkatastrophen, sozialer Ungerechtigkeit und politischen Unruhen konfrontiert sind“, sagt die Choreografin in einem Interview. „Und ich habe das Gefühl, dass unsere Körper dem Druck dieser Bedingungen nicht standhalten können. Deshalb interessiert mich Tanz als Gegenmittel für die Herausforderungen unserer Zeit – und als Möglichkeit, uns aus dem emotionalen Elend herauszutanzen.“
Kunst ist bei Ingvartsen aber nicht nur ein Ventil, sondern auch Kitt. Es geht darum, sich wieder mit anderen zu verbinden, im Tanz eine Gemeinscha zu formen – und sei es nur für eine wahnsinnige, überbordende Nacht. Deshalb ist der Club für sie auch ein sozialer Ort. Sie fragt, ob eine Party als intensiver, vielleicht sogar heilender Zustand verstanden werden kann. Über die Erkundung des Körpers stellt Ingvarsten zutiefst politische Fragen.
Delirious Night 16.7., 19 Uhr und 18.7., 22 Uhr, Akademietheater
Auch wenn sie bloß tanzt, ist der Diskurs ständig präsent. Kopf und Körper, scheinbare Gegensätze, möchte sie vereinen: Ihr aktuelles Forschungsfeld sind Grenzüberschreitung und Ekstase. F
Der Popstar unter den Choreografen, Ivo Dimchev, zieht alle Register und lässt die Puppen singen und tanzen
TEXT: DITTA RUDLE
E r hat es bereits mehrfach durchexerziert. Im Sitz lümmeln und glotzend genießen, wie sich der Allroundkünstler auf der Bühne abrackert, gilt nicht mehr. Das Publikum soll in den Stücken von Ivo Dimchev arbeiten, tanzen, springen, singen, schmusen, schreiben, filmen und was an zärtlichen, wilden, gewagten und gekonnten Bühnenau ritten sonst noch möglich ist.
Um nackte Haut und markige Sprüche ist der in Sofia geborene queere Verwandlungskünstler nie verlegen. Die Refrains seiner Songs erzählen auch vom Schwanzlutschen und Masturbieren, dagegen klingt die Aufforderung zum Tanz in „Crime Buddy“ sauber und keusch: „Kunst ist ein Verbrechen. Ich weigere mich, es allein zu begehen.“
Der Singer-Songwriter, Choreograf, Dirigent und bildende Künstler weiß seit 20 Jahren, dass sein Publikum jederzeit bereit ist, auf der Bühne ein Verbrechen für ihn zu begehen. Harmlose Unterhaltung ist nicht Dimchevs Fall, er ist authentisch, ehrlich, schamlos, frech, provokant und direkt.
Im Online-Magazin queer.de wird der Extremkünstler, wie ihn die Zeit schon vor zehn Jahren tituliert hat, so beschrieben: „Als Gesamtkunstwerk mischt er Drag,

Theater, Performance und Musik, seine Songs bewegen sich zwischen Pop, Oper und Cabaret, gerne in Verbindung mit bulgarischer Folklore.“ In seinen eigenen Worten: „Es geht um Liebe, Trennung, Essen, Alkohol, Genitalien, Prostitution und natürlich Jesus Christus.“ O allerdings zu laut, zu grell, zu selbstverliebt.
Dass dieses queere Gesamtkunstwerk den Kontakt mit seiner Fangemeinde liebt und pflegt, ist nichts Neues. Als „Lili Handel“ hat er die Anwesenden im Danshuset von Stockholm in Staunen versetzt und gezeigt, dass er vom Publikum mehr erwartet als stummes Glotzen. Die splitternackte, auf schwarzen Sandaletten über die Bühne
Ivo Dimchev: „Kunst ist ein Verbrechen. Ich weigere mich, es allein zu begehen.“
stöckelnde Person rührte vielen ans Herz und manchen an die Leber, sodass sie Gi und Galle speien mussten. Dimchev provoziert, aber er lässt sich nicht provozieren. Beschimpfungen lassen ihn äußerlich kalt. „Lili Handel“ wurde für den renommierten Bessie Award nominiert und mit europäischen Preisen ausgezeichnet.
Blanke Ironie ist es, dass die Uraufführung von „Crime Buddy“ ausgerechnet im Nest, dem Wiener „Opernhaus für Kinder, Familien und alle unter 27“, stattfindet. Vorsicht! Als familienfreundliche Harmonie kann Dimchevs Einladung, sein „Buddy in Crime“ zu werden, nicht angekündigt werden. Damit niemand mit Kind und Kegel unwissend ins wüste Treiben des Künstlers und seiner Adepten hineinstolpert und keine zarte Seele verletzt wird, fühlt sich der Veranstalter, ImPulsTanz, zu einer Warnung verpflichtet: Die Show enthält Theaternebel, der stinkt, Stroboskop-Lichteffekte, die blenden, und explizite Inhalte, die Schamesröte hervorrufen können.
Crime Buddy 31.7. und 2.8., 23 Uhr, Nest
Dimchev selbst kennt keine Grenzen, weder der Scham noch des Geschlechts: Er ist so grenzenlos wie seine Kunst, die das Publikum liebt. Nach den Au ritten in Wien setzt sich sich der Crimeshowmaster gleich wieder in Trab. To be constantly on the move ist eine Grundeigenscha des queeren Gesamtkunstwerks. F
TEXT:
SARA SCHAUSBERGER
Wie ihr Coming-out gewesen sei, wurde Lenio Kaklea nach einer Performance gefragt. Es gab allerdings nie einen Akt des Comingouts in ihrem Leben, wie die Tänzerin, Choreografin und Autorin selbst sagt. Aber die Frage blieb ha en und sie begann sich mit all den queeren Künstler:innen zu befassen, deren Arbeit sie liebt: der Regisseurin Ulrike Ottinger, der Autorin Jill Johnston, dem Schri steller Jean Genet oder dem Künstler Yannis Tsarouchis. Und sie fragte sich: Was heißt eigentlich Coming-out?
Wie in einer Revue präsentiert sich Kaklea in „Untitled (Figures)“ und provoziert diverse Spielarten von Schaulust. Attraktiv und spröde zugleich kommt sie raus zu Musiknummern von Henry Purcell bis Madonnas Song „Express Yourself“. Bei ImPulsTanz ist die Performance Teil eines Doppelabends. Auf die Bühnenshow folgt Kakleas Tanzfilm „An Alphabet for The Camera“, eine tänzerische Studie über den Körper als Ziel und Träger von Blicken. 2024 wurde der Film mit dem Preis der Foundation Pernod Ricard ausgezeichnet.
Lenio Kaklea wurde in Athen geboren und lebt in Paris. Neben zeitgenössischem Tanz studierte sie auch Politikwissenscha bei Bruno Latour. Sie gehört zu den Stammgästen von ImPulsTanz, seit 2013 ist sie regelmäßig mit ihren Stücken beim Festival zu Gast.
Besonders eindrücklich war ihr Projekt „Practical Encyclopaedia“: Dafür führte sie 600 Interviews in sieben europäischen Städten und befragte unterschiedlichste Personen zu deren Alltagsritualen und sich wiederholenden körperlichen Praktiken. Aus den Gesprächen entstanden unter anderem ein Buch, eine Videoinstallation sowie die Solo-Performance „Practical Encyclopaedia, Chosen Portraits“, die 2019 bei ImPulsTanz zu sehen war. Alltägliche Bewegungsabfolgen wurden darin zu einer choreografischen Anordnung.
Dieses Mal sind es das Comingout, das zur Choreografie, und die Bewegung, die zum Film wird. F
Untitled (Figures) 15. und 17.7., 19 Uhr, Schauspielhaus


Zweites Kapitel des Triptychons „Thrice“: „Médusés“ von Damien Jalet wurde erstmals in den Museumsräumen des Pariser Louvre aufgeführt
In „Thrice“ zeigt der gefeierte Damien Jalet die Choreografien „Gusts“, „Médusés“ und „Brise-lames“
TEXT: SARA SCHAUSBERGER
Dieser Abend ist ein Triptychon. „Thrice“ nennt der französisch-belgische Choreograf Damien Jalet seine neueste Arbeit, die aus drei Choreografien besteht: „Gusts“, „Médusés“ und „Brise-lames“. Sie verbinden den Wind, das Meer und das Wasser, inspiriert von Octavio Paz’ Gedicht „Viento, agua, piedra“, zu Deutsch Wind, Wasser, Stein.
Zum Teil waren die Stücke schon in der ein oder anderen Form woanders zu sehen. Gleich mehrere Choreografien von Damien Jalet laufen an diesem Abend ineinander, ein idealer Anlass, das Bühnenwerk des renommierten Künstlers kennenzulernen, der sich in den vergangenen Jahren vor allem als Choreograf von Madonna und Filmen wie „Suspiria“ und „Emilia Pérez“ einen Namen machte. Dass „Emilia Pérez“, der Musical-
Bildgewaltig sind Jalets Arbeiten. Der 48-Jährige ist bekannt dafür, Tanz immer wieder neu zu denken und gezielt die Schnittstellen zu bildender Kunst, Musik, Film, Theater und Mode auszuloten. Betrachtet man Fotos seiner Stücke, fällt die Materialität der Oberflächen und Strukturen auf: Nebelschwaden, milchige Flüssigkeiten und Lichtstrahlen auf den Körpern der Tänzer:innen. Die Bühne meist in viel Dunkel gehüllt. Der Bühnenboden windschief oder zentrifugal.
Als Tänzer und Choreograf hat Jalet für so unterschiedliche Compagnien wie les ballets C de la B, Sasha Waltz and Guests, Chunky Move, Eastman, NYDC, Hessisches Staatsballett, Ballet de l’Opéra de Paris, Scottish Dance Theatre, Icelandic Dance Company und Göteborgs Operans Danskompani gearbeitet. Mit Sidi Larbi Cherkaoui schuf er das mehrfach preisgekrönte Stück „Babel (words)“ sowie „Bolero“, das zusammen mit der Performance-Künstlerin Marina Abramović entstand.
Und dann ist da noch Madonna. Mit ihr verbindet den Tanzkünstler die wohl berühmteste Kollaboration. 2019 begann Jalet mit der Musikerin zusammenzuarbeiten. Er wurde zum kreativen Berater für ihre Theatertour „Madame X“, in der die Sängerin in kleinen Spielstätten anstatt großen Hallen au rat, und choreografierte vier Nummern für die Show. Auch für Madonnas bombastische „Celebration“-Tour, eine Feier der letzten vier Jahrzehnte, war Jalet als kreativer Berater tätig und choreografierte die Show zusammen mit anderen Choreografen für zeitgenössischen Tanz.
„Thrice“ entwickelte er für die norwegische Tanzcompagnie Nagelhus Schia Productions. Am 21. Juni 2025 feiert der Abend seine Premiere an der Norske Opera in Oslo, bevor sie im Juli nach Wien kommt. Den Anfang bildet die jüngste Arbeit „Gusts“: Drei Tänzer:innen stehen darin auf der Bühne, sie spüren die Schwerkra , sie atmen, sie gewinnen an Leichtigkeit. Star-Saxophonist Bendik Gisk liefert dazu den Sound.
film von Jacques Audiard über einen mexikanischen Kartellboss, der sich einer Geschlechtsangleichung unterzieht, so gut funktioniert, liegt vor allem auch an den Tanzeinlagen Jalets. Es gelingt ihm, die Bewegungen organisch in die Szenen einfließen zu lassen. Der Tanz wird zum Ausdruck von Gefühlen und Widerstand in einer von Gewalt dominierten Welt.
In Paul Thomas Andersons Film „Anima“, den Jalet choreografiert hat, wird ohne Unterbrechung getanzt. Radiohead-Sänger Thom Yorke spielt die Hauptrolle. Yorke hat auch den Soundtrack für das Horrorremake „Suspiria“ geschrieben. Im Mittelpunkt von Luca Guadagninos Film steht eine Tänzerin, die seltsame Dinge an ihrer Tanzakademie erlebt. Jalets Choreografie verbindet Ausdruckstanz mit archaischer Körperlichkeit und verleiht dem Film eine düstere, unheimliche Tiefe.
Das zweite Kapitel „Médusés“ wurde in unterschiedlichen Kontexten schon mehrfach aufgeführt: Zum ersten Mal 2013 im Pariser Louvre, 30 Tänzer:innen bewegten sich durch die Museumsräume. Später fand die Choreografie auch Eingang in die Filmarbeiten „Suspiria“, „Anima“ und „DuEls“. Der Titel leitet sich von einem französischen Ausdruck ab, der einen Schock bedeutet, der so groß ist, dass man gelähmt wird, und ist inspiriert vom Mythos der Medusa.
Der letzte Teil, „Brise-lames“, versetzt die Körper der Tänzer:innen in Wellenbewegungen. Bis jetzt hat die Choreografie nur als Film existiert, da die geplante Uraufführung an der Pariser Oper wegen der Pandemie nicht stattfinden konnte. Nun kommt sie endlich auf die Bühne. Im Zentrum: Körper, die nicht erstarren, sondern stetig in Bewegung bleiben. Wie der Wind, das Wasser, das Meer. F
Thrice
28. und 30.7., 21 Uhr, Volkstheater
Tiran Willemses Solo „blackmilk“ verhandelt Schwarze männliche Melancholie. Mit einem überraschenden Twist am Schluss
TEXT: CHRISTOPHER WURMDOBLER
E in Typ in schwarzen Jogginghosen, die Kapuze seines schwarzen Hoodies über dem Kopf, schleicht an der ersten Reihe des Auditoriums vorbei, murmelt Unverständliches. Im Gegenlicht ist kaum zu erkennen, ob er dem Publikum den Rücken zugewendet hat oder es direkt adressiert. Dazu sphärische, unfrohe Musik.
Umständlich zieht der Typ schließlich den Kapuzenpulli aus, fast ist es schon ein körperliches Sichentledigen, dazu gesprochene Textfetzen. Wer genau hinhört, erkennt womöglich den Audrey-HepburnSong „Moonriver“: „We’re a er the same rainbow’s end. Waitin’ round the bend. My huckleberry friend …“
Später wird der Tänzer auf Zehenspitzen wie auf Stöckelschuhen den Raum durchschreiten, große dramatische Bewegungen machen, dann wieder toxisch-männliche Gesten aus der Rap-Welt. Noch später wird er, an lediglich einem Fuß einen Laufschuh, große Runden durch den Raum drehen und sich zu Kanye Wests Song „Runaway“ hypnotisch verausgaben: „Run away as fast as you can“.
Black male melancholia. Mit diesen Worten beschreibt Tiran Willemse das, was er mit der Neuinszenierung seines Solos „black-

milk“ auf die Bühne bringt, den ersten Teil seiner „Trompoppies“-Trilogie. Trompoppies ist Afrikaans und beschreibt TrommelMajoretten in Uniform. Willemse stammt aus Südafrika, lebt und arbeitet in Zürich und Berlin. Er war schon Teil der Reihe [8:tension] und ist dem ImPulsTanz-Publikum womöglich auch aus Trajal Harrells gefeiertem Stück „Maggie the Cat“ in Erinnerung.
Genau untersucht der Choreograf eines der zahlreichen choreografischen Elemente der von den Trompoppies aufgeführten Formationstänze: deren präzise Handgesten. Er ergänzt sie mit den melodramatischen Be-
Der Südafrikaner Tiran Willemse, bekannt als Performer bei Trajal Harrell, zeigt sein Solostück
wegungen weißer Hollywoodstars und Gesten, die mit Schwarzen Rappern assoziiert werden. Die Arbeit erkundet so die Distanz zu Bildern afrikanischer und afroamerikanischer, männlich gelesener Körper.
„Der Titel befasst sich mit dem Thema ‚race‘ und dem damit verbundenen Irrtum“, sagt Tiran Willemse im Gespräch mit Kerstin Schroth, Leiterin des Festivals „Moving in November“ in Helsinki, wo das Stück vergangenen Herbst gastierte. „Die Frage lautet: Was ist Schwarz und was ist weiß? Da diese Begriffe historische und politische Vorstellungen konstruieren. Was steckt dahinter und wer sind wir darüber hinaus?“
Das knapp einstündige „blackmilk“ wirkt, vielleicht gerade wegen der Melancholie, die von Anfang an mitschwingt, sehr erwachsen. Sound, Lichteffekte und Bewegung, die zwischen Virtuosität und Verlorenheit schwankt.
blackmilk
8.8., 19 Uhr und 10.8., 21 Uhr, Nest
„Der Raum ist mir wichtig und o mein Ausgangspunkt“, sagt Willemse im erwähnten Gespräch. „In jedem Raum steckt eine Art Seele, und ich bin neugierig darauf und darauf, wie ich mich mit ihr verbinden kann, um mich zu leiten und hoffentlich auf neue Dinge zu stoßen.“ Eine Raumerfahrung besonderer Art bietet „blackmilk“ gegen Ende, indem der Tänzer noch mit einem überraschendem, immersivem Twist aufwartet. Also nicht vorzeitig weglaufen. F
Joe Alegado und das Duo Alleyne Dance treten nach dem Unterricht im Arsenal mit eigenen Choreografien selbst auf die Bühne
TEXT: DITTA RUDLE
J oe Alegado, ein Tänzer und Choreograf, dessen Leidenscha dem Unterrichten gehört, verdient wie kein anderer der Dozent:innen den wenig charmanten, doch überaus ehrenvollen Titel „Urgestein“.
Seit den ersten Workshops, 1984, als die Tanzwochen, Ausgangspunkt für das ImPulsTanz-Festival, Premiere hatten, ist Joe Alegado dabei. Als Workshopleiter und Bewegungsforscher, als Tänzer und Choreograf. Im Abend „Bits and Pieces“ blickt er mit zwei Wegbegleiterinnen, Katarina Vlnieskova und Blanka Flora Csasznyi, zurück auf mehr als 50 Jahre unermüdlichen Schaffens. Vlnieskova war viele Jahre Alegados Assistentin; Csasznyi ist die erste und zurzeit einzige Dozentin, die Alegados Tanzsprache und Unterrichtsmethode, „Shi ing Roots – AML“, unterrichten darf. Der junge Joe Alegado hat mit unterschiedlichen Compagnien getanzt, bis er in der Company von José Limón dessen Technik kennengelernt und sie zu seiner eigenen Sprache weiterentwickelt hat. Heute genießen Tanzschüler:innen in der ganzen Welt Alegados Unterrichtsmethode: „Shi ing Roots – the Alegado Movement Language“. Alegado ist ein unruhiger Geist, der dauernd strebend sich bemüht, neue Ziele zu

erreichen. Zurzeit hat er seinen Hauptwohnsitz in Budapest, wo er an der dortigen Tanzakademie unterrichtet. Die Solos, Duos und Trios in „Bits and Pieces“ hat er im heurigen April für die Budapester Tanzakademie entwickelt und gezeigt. Was nicht so bekannt ist: Joe Alegado schreibt Gedichte und hat einen Roman veröffentlicht: „Chimera Man“. Ein Buch über „Shi ing Roots – AML“ ist in Arbeit. Ob im Unterricht, als Autor oder Tänzer, Joe Alegado geht es darum, dass der Mensch geerdet ist, seine Wurzeln festigt, damit er sich frei bewegen kann. Die Authentizität in der Bewegung ist ihm so wichtig wie die Koordination und der Rhythmus.
Joe Alegado ist ein Impulstanz-Urgestein, er kommt seit 1984 jährlich zum Festival
BONDED
12.7., 17 und 21 Uhr, 13.7., 15 und 18 Uhr, 2.8., 16 und 19 Uhr, Arsenal
Bits and Pieces
19.7., 20.30 Uhr, Arsenal
Auf diesen Grundlagen, Rhythmus und Koordination, Freiheit und Authentizität, beruhen auch die Choreografien der Zwillingsschwestern Kristina und Sadé Alleyne. 2014 haben die in London geborenen Geschwister ihre Compagnie, Alleyne Dance, gegründet und haben seither Publikum und Preise erobert.
In ihrem Duo „BONDED“ geht es wohl um ihr Zwillingsdasein. Alle Menschen haben die Sehnsucht, mit anderen verbunden zu sein und zugleich als eigenständige Individuen zu leben.
Bei Zwillingen, die schon im Uterus miteinander verbunden sind, sind diese wechselseitige Abhängigkeit und der gleichzeitige Wunsch nach Unabhängigkeit besonders intensiv.
Kristina und Sadé Alleyne beginnen die Performance in einem Glaskasten auf einer Drehbühne. Sie tanzen sportlich, dynamisch und kra voll, mischen Hip-Hop und karibische Tanzstile mit zeitgenössischem Tanz. Sie bewegen sich miteinander und gegeneinander, im Duo und wieder im Solo, verlassen das gläserne Gehäuse, um einander darin wiederzutreffen.
Der britische Kritiker Ian Abbot ortet in „BONDED“ die „seltene Trias aus konzeptueller Einfachheit, raffiniertem Handwerk und perfekter Form“.
Und das alles in nur 30 Minuten. F
13 & 14 Tao Ye / TAO Dance Theater Das TAO Dance Theater aus Beijing zeigt zwei Arbeiten aus seiner fortlaufenden, durchnummerierten Serie: „13“ und „14“. Die Choreografien von Tao Ye und Duan Ni zeichnen sich durch eine klare, reduzierte Bewegungssprache aus, in der Wiederholung, Rhythmus und Körperpräsenz im Mi elpunkt stehen. „13“ entfaltet in gedeckten Farben einen ruhigen, fließenden Bewegungsstrom, während „14“ durch ein kra volleres Tempo und farbintensive Kostüme geprägt ist. Beide Stücke verzichten auf narrative Strukturen zugunsten einer abstrakten, formal durchkomponierten Tanzsprache, mit der die Compagnie weltweit Aufmerksamkeit findet, 2023 wurde sie mit dem Silbernen Löwen der Biennale di Venezia ausgezeichnet. Volkstheater, Mi 6.8., 21.00 16 & 17 Tao Ye / TAO Dance Theater In den jüngsten Arbeiten des TAO Dance Theater begegnen sich Bewegung, Klang und Licht in unterschiedlicher Form. „16“, entstanden im chinesischen Jahr des Drachen (2024), nimmt Bezug auf den traditionellen Drachentanz Loong: Sechzehn Tänzer:innen bewegen sich in präziser Synchronität durch wechselnd farbiges Licht und formen dabei dynamische, kollektive Strukturen. In „17“ wird das Ensemble selbst zur Klangquelle: durch Stimmeinsätze entsteht ein akustisches Geflecht, das sich mit der Choreografie verbindet. Beide Stücke stehen exemplarisch für die minimalistische, körperlich anspruchsvolle Bewegungssprache von Tao Ye. Volkstheater, Sa 9.8., 21.00 Bits and Pieces Joe Alegado and Guests Seit über fünf Jahrzehnten prägt Joe Alegado die internationale Tanzszene – als Solist bei Alvin Ailey und José Limón ebenso wie als charismatischer Lehrer bei ImPulsTanz: Seit den Anfängen in den 1980er Jahren hat er keine Ausgabe verpasst. Nun bringt Alegado gemeinsam mit drei Gas änzer:innen seine choreografische Essenz auf die Bühne: eine Auswahl fein gearbeiteter Soli, Duos und Trios Arsenal, Sa 19.7., 20.30 blackmilk Tiran Willemse Im Zentrum der Trilogie des südafrikanischen Tänzers und Choreografen Tiran Willemse stehen „Trompoppies“, auf Afrikaans ein Begriff für Majore en. Im ersten Teil, „blackmilk“, der bei ImPulsTanz zu sehen ist, setzt er sich mit einem markanten Element dieser Formationstänze auseinander: den präzisen Handbewegungen. Diese kombiniert Willemse, dem Wiener Publikum bekannt als Tänzer in Trajal Harrells „Maggie the Cat“, mit Gesten aus der Popund Rap-Kultur und reflektiert dabei stereotype Vorstellungen von Schwarzer Männlichkeit. Nest, Fr 8.8., 19.00, So 10.8., 21.00
BONDED Alleyne Dance Die Zwillingsschwestern Kristina und Sadé sind seit vielen Jahren Stammgäste bei ImPulsTanz. Erst nur mit ihren – meist sofort ausverkau en – Workshops und seit ein paar Jahren auch mit ihren eigenen Performances. Seit 2014 produzieren die vielfach ausgezeichneten Londonerinnen mit karibischem Familienhintergrund für ihre Compagnie Alleyne Dance ihre von Kathak, HipHop, westafrikanischen und karibischen Tanzstilen beeinflussten Arbeiten. In diesem Due reflektieren sie ihre Gemeinsamkeit, aber auch, was sie trennt. Arsenal, Sa 12.7., 17.00, 21.00, So 13.7., 15.00, 18.00, Sa 2.8., 16.00, 19.00 BREL Anne Teresa De Keersmaeker, Solal Mario e / Rosas Mit ihrem neuen Stück widmet sich die flämische Ikone des zeitgenössischen Tanzes Anne Teresa De Keersmaeker dem Chansonnier Jacques Brel. Gemeinsam mit dem Tänzer Solal Mario e erkundet sie in einer Auswahl seiner Lieder, wie sich Brels musikalisches und gestisches Vokabular tänzerisch umsetzen lässt. Zwischen körperlicher Präsenz und musikalischer Erinnerung entsteht ein Dialog mit dem Werk eines Künstlers, der für Hits wie „Ne me qui e pas“ berühmt wurde. Akademietheater, Mo 28.7., 19.00, Mi 30.7., 19.00, Do 31.7., 21.00
TEXTE: SARA SCHAUSBERGER
Café Müller. Ein Stück von Pina Bausch
Tanztheater Wuppertal Pina Bausch. Terrain Boris Charmatz Pina Bauschs „Café Müller“ (1978) gilt als Meilenstein des Tanztheaters und wird seit Jahrzehnten weltweit aufgeführt. Sechs Tänzer:innen bewegen sich zur Musik Henry Purcells inspiriert von Bauschs Erinnerungen an das Café ihres Vaters. Das Stück wurde noch im Entstehungsjahr fürs Fernsehen gefilmt – ein damals revolutionärer Schri . Mit „Café Müller“ begründete die deutsche Choreografrin ihre außergewöhnliche Lau ahn, der Wim Wenders 2011 in seinem Oscar-nominierten Film „Pina“ ein Denkmal gesetzt hat. Burgtheater, Do 10.7., Fr 11.7., Sa 12.7., So 13.7., 21.00 CLUB AMOUR. Café Müller / Aa enen tionon / herses, duo Tanztheater Wuppertal Pina Bausch + Terrain Boris Charmatz Boris Charmatz, bis Juli Leiter des Tanztheater Wuppertal, bringt ein außergewöhnliches Triptychon nach Wien: Zwei seiner frühen Werke aus den 1990er Jahren („Aa enen tionon“ und „herses, duo“) treffen auf Pina Bauschs legendäres „Café Müller“ (1978). Gemeinsam entfalten die drei Stücke eine Reflexion über Liebe, Intimität und Begehren, mit Musik von Henry Purcell bis PJ Harvey. Auch Charmatz selbst steht darin auf der Bühne. „Café Müller“ ist zudem auch als Einzelvorstellung zu besuchen. Burgtheater, Do 10.7., Fr 11.7., Sa 12.7., So 13.7., 19.30, 21.00 Come Back Again Doris Uhlich & Susanne Kirnbauer-Bundy Ein besonderes Comeback: Die ehemalige Balle tänzerin Susanne Kirnbauer-Bundy ist mi lerweile über 80 Jahre alt. Nun tri sie in Uhlichs Performance noch einmal auf die Bühne, nachdem die passionierte Ballerina schon 2008 zusammen mit der zeitgenössischen Choreografin in „Spitze“ im Due tanzte und 2012 in Uhlichs Gruppenstück „Come Back“, das es in die FalterCharts an die Spitze schaffte. Das neue Stück ist eine Performance über den Mut, die eigene Körperbiografie herauszufordern und auch im hohen Alter ungewohnte Wege einzuschlagen. Akademietheater, So 20.7., 17.00, Mo 21.7., 19.00 Crime Buddy Ivo Dimchev In seiner neuen Lecture widmet sich der bulgarische Performer und ImPulsTanz-Stammgast Ivo Dimchev dem vielleicht spannendsten Element seiner Kunst: dem Publikum. Es wird zu einem essentiellen Teil der Show. Es darf mitsingen und mitspielen, mitschmusen und bezahlen. Nest, Do 31.7., Sa 2.8., 23.00 Delirious Night Cie. Me e Ingvartsen Ein Maskenball gerät außer Kontrolle: In ihrer Performance lässt die dänische Choreografin Me e Ingvartsen neun Performer:innen in einen rauschha en Tanzexzess kippen – inspiriert von mi elalterlichen Rave-Phänomenen wie der Choreomanie. Zwischen ausgelassener Ekstase und gesellscha lichem Au egehren erforscht die fantasievoll verkleidete Gruppe, begleitet vom Drummer Will Guthrie, wie Bewegungswahn zum Akt der Befreiung wird – auch als Reaktion auf die kollektive Erfahrung pandemiebedingter Einschränkungen. Akademietheater, Mi 16.7., 19.00, Fr 18.7., 22.00
Dialogue with La Bête Laurent Goldring / goldring-productions & Wagner Schwartz In Anlehnung an Lygia Clarks „Bichos“ lädt Performancekünstler Wagner Schwartz in seinem Solo das Publikum ein, seinen Körper wie eine bewegliche Skulptur zu betrachten – und zu berühren. Sta eines Objekts wird er selbst zum formbaren Material. Im Anschluss zeigt Laurent Goldring einen Film aus seiner Reihe Dialogues, entstanden im Austausch mit Schwartz’ Arbeit. Ein intensives Spiel zwischen Kunst, Körper und Partizipation. Mumok, Mo 4.8., Mi 6.8., 19.00
DUB Amala Dianor / Kaplan Der französische Choreograf Amala Dianor kommt mit einem Fest des urbanen Tanzes zum Festival: Elf virtuose Streetdancer unterschiedlicher Stile und Herkun , wie Johannesburg, Seoul, Miami und Rio zeigen sie das Universum des „Straßentanzes“: Laut, schnell, beeindruckend und mitreißend. Volkstheater, Mo 14.7., Mi 16.7., 21.00 Earth Works Sergiu Matis In seinem neuen Stück setzt der rumänische Choreograf und Tänzer Sergiu Matis ein kra volles Zeichen gegen das Vergessen
der Klimakrise. Fünf Tänzer:innen interpretieren poetische Texte von acht Autor:innen aus aller Welt, die von bedrohten Landscha en und dem Verlust der Biodiversität berichten und einen Blick auf die fragile Beziehung zwischen Mensch und Natur richten. Odeon, Fr 11.7., 19.00, So 13.7., 21.00 Épique! (pour Yikakou) Nadia Beugré / Libr’Arts In ihrem Solo kehrt die ivorische Tänzerin Nadia Beugré an die Ruinen ihres Kindheitsdorfes Yikakou zurück. Zwischen frühen Erinnerungen, Legenden und Gegenwart erzählt sie von ihrer Großmu er „Gbahihonon“ und der mythischen Dô-Kamissa. Live-Musik und Erzählungen begleiten diese poetische „unmögliche Rückkehr“ an einen Ort voller Geheimnisse und Kra . Odeon, Fr 8.8., 21.00, So 10.8., 19.00 every_body Alexander Vantournhout / Not Standing Alexander Vantournhout ist einer der erstaunlichsten Aufsteiger der belgischen Tanzszene: Letztes Jahr begeisterte er bei ImPulsTanz mit seinem akrobatischen Stück „Foreshadow“ und 2023 mit „Through the Grapevine“. In diesem Jahr präsentiert der Brüsseler ein Due mit einer Partnerin: Ein Mann und eine Frau in ausgefallenen Kostümen verschmelzen zu einem vielgliedrigen Körper, der sich die unglaublichsten Aktionen erlaubt. Auch wenn dieses choreografische Mirakel mit einem alltäglichen Händeschü eln beginnt , folgen Bewegungsabläufe, die garantiert nicht „everybody“ kann. Akademietheater, Do 24.7., 19.30, Sa 26.7., 19.00
GHOST RIDERS Yosi Wanunu & Peter Stamer / toxic dreams Eine theatralische Reflexion über Erinnerung, Herkun und Vergänglichkeit. Zwei Männer – und Söhne – begeben sich auf eine persönliche Spurensuche, geleitet von der Frage, wer ihre verstorbenen Väter wirklich waren. Sie erzählen von einem israelischen Vater im Hafen von Larnaca, einem deutschen Vater auf der Bühne des Nationaltheaters Mannheim, und von vielem dazwischen. Ausgesta et mit einem Tisch, zwei Stühlen, einer Videoleinwand und einer großen Portion Fantasie begeben sich die Theatermacher Yosi Wanunu und Peter Stamer auf eine Reise zu ihren verstorbenen Vätern. Volkstheater (Dunkelkammer), Sa 2.8., Mo 4.8., Mi 6.8., 19.30
Homo Faber – The Origin Kyoung Shin Kim / Unplugged Bodies Das bildgewaltige, energiegeladene Tanzstück des koreanischen Choreografen Kyoung Shin Kim beschä igt sich mit dem frühen Begriff des „Werkzeug-Menschen“, dem „Homo Faber“. Der französische Philosoph Henri Bergson führte den Begriff ein, 50 Jahre vor Max Frischs Buch mit dem gleichnamigen Titel. In rasanter Bewegung erkundet Kyoung Shin Kims Compagnie Unplugged Bodies das Spannungsfeld zwischen Schöpfungskra und technischer Überformung und zeigt, wie der Mensch von seinen eigenen Erfindungen beherrscht wird. Volkstheater, Do 24.7., Sa 26.7., 21.00
In C Sasha Waltz & Guests, The Young Gods, Terry Riley Erstmals bei ImPulsTanz präsentiert Sasha Waltz ihr farbenfrohes Stück „In C“ zur revolutionären Minimal-Music-Komposition von Terry Riley. Mit zehn Tänzer:innen und der legendären Schweizer Post-Industrial-Band The Young Gods entsteht ein lebendiger Kosmos aus Gemeinscha , Entscheidung und Vernetzung. Waltz sieht „In C“ als zutiefst demokratischen Prozess, der die Frage stellt, „was man zum Wohle der gesamten Gemeinscha auf der Bühne tun kann“. Burgtheater, Mi 23.7., Fr 25.7., 21.00
LAMENTATIONS Luca Bonamore Luca Bonamores Solo ist inspiriert von der „Opera Toilet Vienna“ und dem emotionalen Kosmos des queeren Cruisings: Cruising beschreibt eine Variante schwuler Kontaktanbahnung, die mit Online-Dating etwas in Vergessenheit geraten ist: Männer trafen (oder treffen) sich an geheimen Orten, in Parks oder öffentlichen Klos für Sex. Der junge Wiener Tänzer Bonamore entfaltet daraus eine performative Suche nach Nähe und Liebe. Schauspielhaus, Mi 23.7., 19.00, Fr 25.7., 23.00 LEVEL UP Amala Dianor / Kaplan Eröffnung des ImPulsTanz-Festivals im Haupthof des Museumsquartiers. Die Performance des französischen Cho-
reografen Amala Dianor verspricht ein großes Fest des zeitgenösschen HipHop und Street Dance zu werden: mit elf Tänzer:innen, die aus unterschiedlichen Stilrichtungen kommen. Den mitreißenden Sound liefert Awir Leon. Museumsquartier, Haupthof, Fr 11.7., 21.00 Magnificat & BodyremixRemix Cie. Marie Chouinard Die renommierte kanadische Choreografin Marie Chouinard zeigt mit ihrer zwöl öpfigen Compagnie einen zweiteiligen Abend. Beide Werke basieren auf Musik von Johann Sebastian Bach: „BodyremixRemix“ grei die Goldberg-Variationen auf und überführt eine frühere Produktion mit Krücken und Prothesen in die Gegenwart, während „Magnificat“ zu Bachs gleichnamigem Marienlobgesang tanzt. Volkstheater, Sa 2.8., Mo 4.8., 21.00 Nelken. Ein Stück von Pina Bausch Tanztheater Wuppertal Pina Bausch + Terrain Boris Charmatz Mit „Nelken“ bringt das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und Terrain Boris Charmatz eines der ikonischsten Stücke der Tanzgeschichte zurück auf die Bühne. Inmi en eines Meeres aus Tausenden Nelken entfaltet sich ein poetischer Bilderreigen über Liebe, Spiel und Macht. Seit seiner Uraufführung 1982 fasziniert das Werk mit flo en Szenenwechseln, großen Emotionen und einer musikalischen Vielfalt von Schubert bis Gershwin. Die Neueinstudierung mit neuem Ensemble zeigt, warum Nelken bis heute als Inbegriff des Tanztheaters gilt. Ein Abend, der Bauschs berühmten Satz eindrucksvoll bestätigt: „Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren.“ Burgtheater, Do 17.7., Fr 18.7., Sa 19.7., So 20.7., 19.30
The second body Ola Maciejewska / So we might as well dance Inspiriert von Daisy Hildyards Essay und Künstlerinnen wie Lygia Clark entwickelt Ola Maciejewska ein Due , in dem Tänzerin Leah Marojević mit einem schmelzenden Eisblock als „zweitem Körper“ agiert. Die Performance hinterfragt Grenzen zwischen Leben und Tod, Subjekt und Objekt und macht Vergänglichkeit auf poetische Weise erfahrbar. Mumok, Fr 1.8., 19.00, So 3.8., 19.30
SelFist Elisabeth Bakambamba Tambwe / Dig Up Productions In ihrem neuen Stück lädt Elisabeth Bakambamba Tambwe zu einer radikalen Relektüre des Narziss-Mythos ein: Nicht als Symbol für Eitelkeit, sondern als Figur der Selbsterkenntnis. Gemeinsam mit Max Mayer, Sunny Jana und Bishop Black erkundet sie das Spannungsfeld zwischen Oberfläche und Tiefe – inspiriert von Roland Barthes. Die Uraufführung im Rahmen von ImPulsTanz verspricht intensive Reflexion, performative Überraschungen und – wie bei Tambwe o – unerwartete Gäste. Nest, Di 22.7., 21.00, Do 24.7., 19.00 steal you for a moment Meg Stuart & Francisco Camacho / Damaged Goods & EIRA Für ihr neues Due begeben sich Meg Stuart und Francisco Camacho auf eine persönliche Reise – inspiriert von Sardinien und den geheimnisvollen Nuraghen-Türmen. Aus 35 Jahren Freundscha entsteht eine zarte Begegnung, geprägt von Brüchigkeit, Humor und stiller Nähe. Was einst in „BLESSED“ als ferne Erinnerung begann, Francisco Camacho interpretierte Stuarts Solo, wird nun zu einer gemeinsamen Expedition: vergänglich, poetisch – und getragen von der Hoffnung, das Leben einfach kommen zu lassen. Schauspielhaus, Di 29.7., 19.00, Do 31.7., 21.00, Fr 1.8., 19.00
Thikra: Night of Remembering Akram Khan Company Gemeinsam mit 14 Tänzerinnen und der renommierten Künstlerin Manal AlDowayan führt Akram Khan tief in die rituellen und mythologischen Welten der historischen Region Saudi-Arabiens AlUla. Darin trifft der indische Tanzstil Bharatanatyam auf zeitgenössischen Tanz, visuelle Opulenz auf Emotionen und die Zukun auf die Vergangenheit. Burgtheater, Di 29.7., 21.00, Do 31.7., 19.30, Fr 1.8., 21.00 Thrice Damien Jalet / Nagelhus Schia Productions Damien Jalet, bekannt für Choreografien bei Madonnas Wel ourneen und Filmen wie „Suspiria“ oder „Emilia Pérez“, zeigt beim ImPulsTanz-Festival sein neues Bühnenprojekt. In Zusammenarbeit mit der norwegischen Kompanie Nagelhus Schia Productions präsentiert Jalet drei Stücke: „Médusés“
(uraufgeführt im Louvre), „Brise-lames“ (entstanden für das Pariser Opernballe ) und „Gusts“, eine neue Performance mit dem Saxofonisten Bendik Giske, der live bei der Premiere spielt. Volkstheater, Mo 28.7., Mi 30.7., 21.00 to the hands Michiel Vandevelde / BODHI PROJECT Dance Company Fünf junge Tänzer:innen begeben sich gemeinsam mit Choreograf Michiel Vandevelde auf eine sinnlich-sensitive Reise durch Formen von Nähe und Beziehung. Zu Musik von Caroline Shaw und Lingua Ignota treffen barocke Gesten auf Kontaktimprovisation, Michelangelos Erschaffung Adams auf zeitgenössischen Tanz. Nest, Sa 26.7., Mo 28.7., 21.00
Transient Shi s Akemi Takeya / IMEKAproduction In ihrem neuen Tanz-Theater-Musik-Projekt entführt die in Japan geborene Wiener Künstlerin Akemi Takeya acht Performer:innen auf eine surreale Reise zum geheimnisvollen Planeten Ayviss. Getragen von Science-Fiction-Elementen, visuellen Interventionen und ihrer Philosophie des „Lemonismus“, erkundet das Stück den uralten Traum der Körperüberwindung und das Streben nach grenzenloser Vorstellungskra . Odeon, Fr 18.7., 20.00, So 20.7., 19.00
Último Helecho Nina Laisné, François Chaignaud, Nadia Larcher In einer mineralischen Szenerie erweckt Regisseurin Nina Laisné mit Tänzer François Chaignaud, Sängerin Nadia Larcher und sechs Musiker*innen eine barock inspirierte, musikalisch-choreografische Fantasie zum Leben. Mit südamerikanischen Folkloreklängen wie Zambas, Chacareras und Huaynos holen sie verdrängte Traditionen aus dem Scha en und lassen sie neu erklingen. Volkstheater, Sa 19.7., Mo 21.7., 21.00
Untitled (Figures) Lenio Kaklea Zwei Au ragsarbeiten, ein Abend: Die Choreografin Lenio Kaklea widmet sich in ihrer neuen Performance queeren Künstler*innen wie Ulrike O inger, Jean Genet und Jill Johnston – inspiriert von der Frage, nach dem Akt des Coming Out. Persönlich, poetisch und politisch spürt sie Fragen von Identität und Begehren nach. Ergänzt wird der Abend durch ihren preisgekrönten Film „An Alphabet for The Camera“, eine tänzerische Reflexion über den Körper als Ziel und Träger von Blicken. Schauspielhaus, Di 15.7., Do 17.7., 19.00 Walzerwut Cie. Eva-Maria Schaller & Wolfgang Mi erer. Johann Strauss 2025 Der Komponist Wolfgang Mi erer mischt die größten Hits von Johann Strauß, ein Sexte spielt sie: Von Walzer über Polka bis zu Mazurka. Dazu hat Choreografin Eva-Maria Schaller ein Gruppenstück entwickelt, der an die Friedensaktivistin Bertha von Su ner und den scharfsinnigen Kritiker Karl Kraus erinnert, dessen Drama „Die letzten Tage der Menschheit“ den gesellscha lichen Wahnsinn damals wie heute entlarvt. Odeon, Fr 25.7., So 27.7., 21.00 Work Body Michael Turinsky Der Tänzer und Theoretiker Michael Turinsky sitzt im Rollstuhl. In seinem neuesten Stück „Work Body“ stellt er eine Verbindung zwischen dem arbeitenden und dem behinderten Körper her. Vor allem aber beschä igt er sich mit dem Rechtsruck im Arbeitermilieu. Er baut etwas, er singt und er tanzt – inspiriert von Pier Paolo Pasolinis Gedicht „Gramscis Asche“, in dem sich der italienische Regisseur und Dichter einst fragte, ob marxistische Ideen noch etwas erreichen können. Adressiert war das Gedicht an die sterblichen Überreste des kommunistischen Denkers Antonio Gramsci. Odeon, So 3.8., Di 5.8., 21.00
Intimate Realness [8:tension]-Party Eine Party, um alle Teilnehmer:innen der [8:tension]-Reihe zu feiern: Unter anderem mit DJ Noushin, Miyra Lim und ZEBRA KATZ am DJ-Set. Volkstheater, Rote Bar, Do 31.7., 22.00
Amalgam Melee Marika Peura In ihrem Solo setzt sich Marika Peura mit der Spannung auseinander, in einem Körper zu leben, der zugleich von Rassismus betroffen ist und von weißer Vorherrscha profitiert. Als Tochter eines weißen finnischen Vaters und einer philippinischen Mu er verwebt sie persönliche Geschichte mit politischer Analyse. Mit symbolischen Objekten, klangmächtigem Sound von Tiikka Drama und einer Sprache aus Repetition und Störung entsteht eine kra volle Performance über Zugehörigkeit, Widerspruch und das Koexistieren von Differenz. Wuk, So 27.7., 21.00, Di 29.7., 19.00 Arrebentação – zona de derrama last chapter Catol Teixeira Die nonbinäre brasilianische Choreograf:in Catol Teixeira widmet sich in dem
Gruppenstück dem Moment, in dem die Welle am Ufer bricht. Gemeinsam mit vier Performer:innen erkundet sie diesen Zwischenraum als Bühne für wechselnde Zustände zwischen Nähe und Abstand, Führungslosigkeit und Gemeinscha . Wuk, Fr 1.8., 21.00, So 3.8., 19.00
DOWN (full album) Mélissa Guex Inmi en des Publikums loten Mélissa Guex und Schlagzeuger Clément Grin die Schönheit des Tiefpunkts aus. In ihrer intensiven Performance verschmelzen Trägheit, Schwermut und Hingabe zu einer kra vollen Choreografie, die von der Verzweiflung zur Ekstase führt. Was wie Erschöpfung beginnt, wird zum Rausch und körperlich-musikalischen Konzert. Wuk, Do 7.8., 21.00, Sa 9.8., 19.00
DUNKEL Lisen Pouse e & Olivia Rivière Was in einer Stockholmer Chorschule begann, mündet in einem experimentellen Klangkörper: In ihrer Performance lassen Olivia Rivière und Lisen Pouse e einen „choreografischen Chor“ aus sechs Performer:innen entstehen, der sich durch Growling – eine raue Kehlgesangstechnik aus dem Metal – stimmlich und körperlich immer neu formiert. Zwischen roher Energie und fragiler Zartheit erkundet die Performance die Grenzen des klingenden Körpers. Wuk, Projektraum, Di 22.7., 19.00, Do 24.7., 21.00
GUSH IS GREAT Production Xx Die französische Gruppe Production Xx inszeniert eine filmisch anmutende Performance, in der fünf Performer:innen langsam und ernstha mit absurden Requisiten wie Rosen, Wasserpistole und mechanischem Hund verschiedene Figuren verkörpern. Zwischen Verwandlung und Verzweiflung entsteht ein eindringlicher Schwebezustand, der das Publikum in eine Welt zwischen Möglichkeit und unausweichlichem Abgrund zieht. Odeon, Di 29.7., 21.00, Do 31.7., 19.00
I Have Such a Horrible Voice Gui B.B In ihrem Stück verwandelt die Performancekünstlerin
Gui B.B ihre persönliche Schuldenrealität in ein poetisches Solo voller Ambivalenz, Humor und Verletzlichkeit. Zwischen ökonomischer Scham und spektraler Sinnlichkeit erkundet sie, wie Schuld in etwas Nicht-Messbares, beinahe Ekstatisches übergehen kann. Eine berührende Performance über das Unsichtbare im grell ausgeleuchteten Alltag der Verschuldeten. Wuk, Projektraum, Di 5.8., 21.00, Do 7.8., 19.00
Impasse Mufutau Yusuf „Impasse“ bedeutet Sackgasse. Mufutau Yusuf hinterfragt die Erwartungshaltungen an Darstellungen von Rassismus und lehnt den Begriff „Publikum“ zugunsten von „Zeug:innen“ ab. In einem kra vollen Ritual-Due , begleitet von einer intensiven Klanglandscha von Tom Lane und Mick Donohoe, verwebt er Sichtbarkeit und Verborgenheit. Nest, Mo 4.8., 19.00, Mi 6.8., 21.00 Latente Martina De Dominicis Martina De Dominicis entwir mit ihrem Stück ein tänzerisches Bild des Mi elalters, nicht als finstere Vergangenheit, sondern als schwebender Sehnsuchtsraum jenseits linearer Zeit. Gemeinsam mit Magdalena Forster und Manuel Riegler (auch verantwortlich für den eindringlichen Sound) erkundet sie Rituale, Halbdunkel und verkörpertes Wissen. Mumok, Hofstallung, Fr 25.7., So 27.7., 19.00 Make it Count Ma eo Haitzmann In „Make it Count“ wird der Körper zum Metronom und das Springseil zum Instrument: Der Violinist und Performer Ma eo Haitzmann inszeniert gemeinsam mit Arthur Fussy (Modular Synthesizer) und Judith Schwarz (Schlagzeug) ein außergewöhnliches Konzert, in dem Bewegung und Klang untrennbar verschmelzen. Mikrofonierte Böden, Lu widerstand und körperlicher Einsatz erzeugen einen pulsierenden, körperlichen Soundtrack. Nest, Do 17.7., Sa 19.7., 21.00
POOR GUY Luigi Guerrieri In seinem Solo schlüp Luigi Guerrieri in den vollen Namen Luigi Iesus Guerrieri Civitareale Morelli – und damit mi en hinein in ein Geflecht aus Herkun , Geschichte und Identität. Mit Witz und Schärfe durchforstet sein autoethnografischer Monolog die Zuschreibungen, die uns prägen, und entlarvt die Selbstinszenierung als Überlebensstrategie. Ein Spiel mit Rollen, Namen und der narzisstischen Logik unserer Zeit. Schauspielhaus, Sa 19.7., 23.00, Mo 21.7., 21.00
Release the Hounds Adam Russell-Jones Sydney Pollacks Film „They Shoot Horses, Don’t They?“ über die Tanzmarathons zur Zeit der amerikanischen Great Depression diente Adam Russell-Jones genauso als Inspiration für sein Solo wie Rainald Goetz’ Kultbuch „Rave“ oder die Rave-Kultur in Großbritannien während der Thatcher-Jahre. Zum
Sound von Moritz Haas macht Russell-Jones Tanz zum Widerstand. Er tanzt, tanzt, tanzt. Schauspielhaus, So 3.8., 21.00, Di 5.8., 19.00
Beyond The Overflow Elisabeth Bakambamba Tambwe / Dig Up Productions Mit diesem Projekt setzt Elisabeth Bakambamba Tambwe ihre Reihe zu Roland Barthes‘ Fragmente einer Sprache der Liebe, in der der Autor die Gefühle der Liebe anhand von Sprachfiguren untersucht, fort. Das Kapitel „Lunettes noir“ veranschaulicht, wie Liebende manchmal den Tumult ihrer Leidenscha verbergen: Begierden und Schwierigkeiten, uneingestandene Exzesse. Odeon, Di 15.7., 22.00 deep dish Liquid Lo / Chris Haring Vier Gäste, ein üppig gedeckter Tisch – und Kameras, die jede Regung der Schlemmenden in verstörend schönen Nahaufnahmen festhalten. Was als genussvolles vegetarisches Mahl beginnt, steigert sich zur rauschha en Orgie aus überreifen Früchten, gärenden Sä en und enthemmten Körpern. Die Live-Performance aus dem Jahr 2013 mit Filmprojektion verwandelt sich in ein düster-sinnliches Vanitas-Bild unserer Überflussgesellscha – und wirkt heute aktueller denn je. Nest, Sa 12.7., Mo 14.7., 19.00
Nahaufnahme Boris Charmatz. Tanz und Text 1993–2024 Buchpräsentation Boris Charmatz Der Choreograf Boris Charmatz leitete von 2022 bis 2025 das Tanztheater Wuppertal. In diesem Jahr kommt er mit zwei Neuinterpretationen von Pina Bauschs Klassikern zu ImPulsTanz und mit einer Publikation mit Texten, Gesprächen und theoretischen Bezügen zu Charmatz. In Konversation mit Christine Gaigg und Marie a Piekenbrock. Volkstheater, Rote Bar, Sa 12.7., 17.00, Eintri frei «impressions ’25» – Workshop Opening Lecture Dozentinnen und Dozenten der ImPulsTanzWorkshops zeigen, was sie in den nächsten Wochen vermi eln wollen. Hier können Interessierte in das Workshop-Angebot „hineinschnuppern“. Eintri frei. Arsenal, So 13.7., 16.00 LACE #3: Materialising Touch. hospitality, integration, and the interstitial Tanzsymposium mit dem Verständnis „praxisbasierter künstlerischer Forschung“. Das wesentliche Ziel der Tagung ist es, Wissensaustausch in einem verkörperten Sinn zu bieten. In sogenannten „Deep Dives“ teilen internationale Künstler:innen, Forscher:innen oder Aktivist:innen ihre Praxis, das Panel am Ende jeden Tages bietet moderierte Zeit zur Reflexion. Arsenal, Mo 14.7., 18.00 Opening, Di 15.7. bis Fr 18.7., 9.00–19.00 Faux Pas – A New Encounter with Ko Murobushi Ko & Edge Zehn Jahre nach seinem Tod widmet ImPulsTanz dem legendären Butoh-Tänzer Ko Murobushi eine umfassende Hommage. Die Ausstellung im Odeon-Foyer zeigt Fotos, Videos und Fundstücke aus seinem außergewöhnlichen Schaffen. Parallel wird seine sagenumwobene Installation Shy – einst Bar, Bühne und Grab zugleich – im Spitzer neu inszeniert. Ein Symposium mit internationalen Gästen ergänzt das Programm und würdigt Murobushi als prägenden Weggefährten des Festivals. Odeon, Di 15.7., 20.30, Vernissage, Fr 18.7., bis So 10.8., Ausstellung, geöffnet zu den Performances im Odeon, jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn bis Vorstellungsende To All Tomorrow’s Parties Creative Europe Desk Austria „An diesem Abend wollen wir mit Creative Europe Desk Vertreter*innen und den Künstler*innen Ma eo Haitzmann, Lisen Pouse e und Lenio Kaklea in eine europäische Zukun (und darüber hinaus) blicken – und auch unser Publikum einladen, im geselligen Rahmen einmal hinter diese Kulissen zu schauen!“, so die Ankündigung dieses Gesprächs. Volkstheater, Rote Bar, Mi 16.7., 18.00, Eintri frei field of dreams Christopher Ma hews / formed view Der geborene Amerikaner und derzeit Londoner Choreograf, Performer sowie bildende Künstler Christopher Ma hews feiert mit dieser Installation die Clubkultur. Eine Gruppe rotierender Disco-Lichtkugeln erzählt von wilden Tanznächten, und das mi en am Tag! Museumsquartier, Raum D, Mo 21.7., 19.30, Vernissage, Di 22.7., bis 27.7., 14.00–19.00 KURIER-Gespräch mit Kyoung Shin Kim Kurier-Redakteur Werner Rosenberger spricht mit Choreograf Kyoung Shin Kim über seine Produktion „Homo Faber – The Origin“. Volkstheater, Rote Bar, Do 24.7., 19.00, Eintri frei
Café Shy Ko & Edge 1981 von Butoh-Legende Ko Murobushi als „Friedhof/Bar/Theater“ in Tokio gegründet, öffnet das legendäre Café Shy nun im Spitzer erneut seine Türen. In Erinnerung an den mythisch-urbanen Originalort lädt das neue Shy zum Essen, Trinken und Eintauchen ein – begleitet von Talks, Filmscreenings und internationalen Gästen. Spitzer im Odeon, Fr 25.7., 19.30, Vernissage Sa 26.7., bis So 3.8., 11–21.00, Ausstellung Let’s Not Get Used to This Place Buchpräsentation Meg Stuart Auf über 500 Seiten reflektieren neben der Choreografin und Tänzerin Meg Stuart selbst auch zahlreiche Wegbegleiter:innen die vergangenen fünfzehn Jahre einer drei Jahrzehnte umspannenden Karriere und Praxis. Gemeinsam mit dem Mitherausgeber und Dramaturgen Jeroen Versteele und der Wegbegleiterin Maria F. Scaroni präsentiert sie das Werk. Volkstheater, Rote Bar, So 27.7., 19.30, Eintri frei Ko Murobushi Symposium Ko & Edge Im Rahmen eines besonderen Symposiums laden die Organisator*innen zu drei Gesprächsabenden ins Café Shy. In geselliger Atmosphäre bei Sake, Reis und japanischen Süßigkeiten wird dem künstlerischen Erbe des Butoh-Tänzers Ko Murobushi nachgespürt. Mit dabei: renommierte Gäste wie Prof. Frédéric Pouillaude (Universität Aix-Marseille), Kunsthistoriker und Artaud-Experte Stephen Barber (Kingston University, London) sowie die japanischen Butoh-Forscher Yuma Ochi, Hanako Takayama, Kuniichi Uno und Kenichiro Ezawa. Ergänzt wird das Programm durch nächtliche Filmscreenings, darunter „Zarathustra, Tokio 1981“. Spitzer im Odeon, Mo 28.7. bis Mi 30.7., Mehr Informationen auf www.impulstanz.com Freestyle Dance Contest – Rhythm is a Dancer Ein jährlicher Renner: Hobby- und Profitänzer:innen aller Stile und jeden Alters tanzen vor, was sie wollen, eine Jury und das Publikum vergeben Preise. Anmeldungen unter workshopoffice@impulstanz.com. Arsenal, Sa 2.8., 20.15, pay as you wish «expressions ’25» – Final Workshop Showing Zum Abschluss des ImPulsTanz-Workshopfestivals zeigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was sie in vier Wochen erarbeitet haben. Eintri frei/Kartenreservierung erforderlich. Arsenal, Burgtheater-Probebühnen, Fr 8.8., 20.15 coal mine birds – Aus der Serie Soirée Dansante Liquid Lo / Chris Haring ImPulsTanz-Special. Odeon, Do 16.10., Fr 17.10., Sa 18.10., So 19.10., 20.00 Sidi Larbi Cherkaoui Imperial Ball Sidi Larbi Cherkaoui choreografiert das Ensemble des Ballets du Grand Théâtre de Genéve unter dem Dirigat von Constantin Trinks und dem Wiener Kammerorchester für das Johann Strauss 2025 Wien. Museumsquartier, Halle E, Mi 3.12., Fr 5.12., Sa 6.12., 19.30
ImPulsTanz – Party Nights: SOFI TUKKER live SOFI TUKKER, Anna Ullrich, Stefan Obermaier An zwei Tagen feiert ImPulsTanz im Arkadenhof des Rathauses. Am ersten Abend startet Stefan Obermaier mit grooviger Elektronik. Dann tri das New Yorker Duo SOFI TUKKER live mit einer Mischung aus EDM, Pop und Carnival auf. Danach gibt es ein verspieltes DJ-Set von Anna Ullrich. Rathaus, Arkadenhof, Fr 18.7., 21.00
ImPulsTanz – Party Nights: Aloe Blacc live Aloe Blacc, Urbs & Cutex, Cassy An zwei Tagen feiert ImPulsTanz im Arkadenhof des Rathauses. Am zweiten Abend treten die Wiener Beatproducer Urbs & Cutex auf, mit HipHop, TripHop, Downtempo. Dann betri Aloe Blacc, Grammy-nominierter Sänger und Rapper aus Los Angeles, die Bühne. Bekannt wurde er vor allem für seinen Song „I need a Dollar“. Und zum Schluss legt Cassy feine Tanzmusik auf. Rathaus, Arkadenhof, Sa 19.7., 21.00
ImPulsTanz – Festival Lounge Während des Festivals lädt die ImPulsTanz Festivallounge täglich zu Livekonzerten und DJ-Sets ins Vestibül. Mit dabei: Mary Jane’s Soundgarden, ARAI, skofi, DJ Johanna u.v.m. Burgtheater, Vestibül, Do 10.7. bis So 10.8., täglich ab 22.00
Klagenfurt Landhaushof, Do 29.5. bis So 8.6. Wien Seestadt, Sa 7.6. bis So 6.7. Linz Lentos Kunstmuseum, Do 12.6. bis So 22.6. Salzburg Volksgarten, Do 26.6. bis So 6.7. Wien Sechs Standorte, Fr 11.7. bis Fr 8.8.

Aloe Blacc, Sänger des Jahrhundert-Hits „I need a dollar“, tri am 19.7. im RathausArkadenhof auf
und Mitarbeiter:innen des Festivals höchstpersönlich ans Mischpult.
Der Eintritt in die Festival Lounge im Burgtheater war früher immer gänzlich kostenlos; aufgrund des traditionell immensen Andrangs werden Donnerstag bis Samstag nun aber 10,– Euro Eintritt verrechnet, außer für Menschen, die an diesem Tag bereits beim Festival einen Workshop oder eine Performance besucht haben. Zum Abschluss des ImPulsTanz-Festivals gibt es in der Lounge außerdem jedes Jahr einen Au ritt der mysteriösen Band The P’s, die immer nur genau diesen einen Gig pro Jahr spielt (und zwar diesmal am 10.8.) und auf die die Selbstbeschreibung „Band ohne Songs“ auch 2025 noch gut passt.
An zwei Abenden dann, gebündelt an einem Wochenende (18. und 19.7.), denkt die ImPulsTanz-Partyschiene noch größer und zieht unter dem Ehrenschutz von Bürgermeister Dr. Michael Ludwig in eine der imposantesten Locations der Stadt, nämlich ins Wiener Rathaus. Dort findet zwischen neugotischen Säulen, auf Feststiegen und im Arkadenhof im Rahmen der ImPulsTanz – Party Nights ein richtiges kleines Festival im Festival statt.
Headliner am Freitag (18.7.) ist das New Yorker Duo SOFI TUKKER. In deren tropischem Dance Pop tummeln sich Bongos und Cowbells, es mischen sich BossaNova- und House-Music-Einflüsse und die Lyrics, gesungen abwechselnd auf Englisch und Portugiesisch, werden von dicken, hüpfenden Basslines untermalt.
Über die magischen Wege des Internets fand 2015 die Debütsingle von SOFI TUKKER, „Drinkee“, und später auch der Song „Best Friend“ Verwendung in Werbespots von Apple, was ihre Klickzahlen in kürzester Zeit vermillionenfachte und „Drinkee“ sogar eine Grammy-Nominierung zum „best dance recording“ einbrachte. Musik in Neonfarben, wie gemacht für die bunte ImPulsTanz-Crowd. Mit Stefan Obermaier und Anna Ullrich treten an diesem Abend zudem zwei Wiener DJs aus einmal der älteren, einmal der jüngsten Auflege-Generation an die Turntables.
Wer nicht genug vom Tanzen bekommt, kann während ImPulsTanz im Rahmen der Schiene Soçial abends selbst den Dancefloor stürmen. Zwei große Partys gibt es auch
TEXT: KATHARINA SEIDLER
N ormalerweise baut sich ein DJ-Set so auf: Man beginnt mit einer Handvoll ruhigerer Tracks, steigert sich langsam und hofft, dass bis zum Höhepunkt ein paar Leute tanzen. Nicht so bei den Partys von ImPulsTanz: Da gleiten schon bei den allerersten Tönen Menschen geschmeidig auf die Tanzfläche. Sie holen sich von der Bar ein Getränk, bereits mit größter Eleganz tanzend, und haben schon nach wenigen Minuten den Dancefloor in eine Bühne verwandelt.
Professionelle Tänzer:innen mischen sich bei den A erpartys des Festivals mit Tanzbegeisterten und der normalen Partycrowd des Wiener Hochsommers, die in der Regel gut gelaunt und top motiviert au ritt. So ist die ImPulsTanz Lounge im Burgtheater Vestibül in Wien schon seit vielen Jah-
ren eine fixe Institution. Das Schwitzen im allabendlich bummvollen Innenraum gehört dort genauso dazu wie das Herumstehen und -sitzen auf dem Rasen davor.
Das Line-up der Lounge setzt sich auch in diesem Sommer aus den DJs heimischer Kollektive wie Lituation, A party called Jack, Rhinoplasty oder Sounds of Blackness zusammen. Die Freitage hostet der Radiosender FM4, und donnerstags gibt es im Rahmen der Reihe „Live’n’Local“ auch Bands und Soloacts wie etwa Mary Jane’s Soundgarden mit Neo-Funk-Pop (10.7.) ARAI mit pompösem Drama-Pop (17.7.) oder Skofi mit introspektivem Rap (24.7.) zu hören.
Außerdem treten unter dem Titel „ImPulsTanz on Decks“ auch Choreograf:innen
ImPulsTanz –Party Nights 18. und 19.7., 21 Uhr, Rathaus, Arkadenhof
Festival Lounge 10.7. bis 10.8., ab 22 Uhr, Burgtheater, Vestibül
Am Samstag (19.7.) dann beweist der kalifornische Soul-Musiker und Rapper Aloe Blacc, dass er viel mehr ist als der Sänger des Jahrhundert-Hits „I need a dollar“, zu finden auf seinem Debütalbum aus 2010. Wobei es an dieser Stelle dennoch erlaubt sein soll, „I need a dollar“ zu dessen 15. Songgeburtstag noch einmal hochleben zu lassen: Die markante Piano-Hookline zu Beginn, die Trompetensamples und der basslastige Beat machen auch heute noch verlässlich einen Dancefloor zu einer homogen auf und ab wippenden Masse.
Seither sind noch drei weitere AloeBlacc-Alben erschienen, inklusive weiterer Hits wie etwa der jüngsten, sonnigen Single „Don’t go alone“, die als Referenz an das Sprichwort „Wenn du schnell sein willst, geh alleine, aber wenn du weit kommen willst, gehe gemeinsam“ den Wert von Gemeinscha und Verbundenheit feiert. Eingerahmt wird das Konzert von Aloe Blacc einerseits von der Rückkehr des Wiener Beat-Producer-Duos Urbs & Cutex, die mit Hip-Hop, Trip-Hop und Downtempo nach über 20 Jahren Pause und mit neuem Album zurückkehren, andererseits von einem Set der in Wien verwurzelten, längst aber in den weltweit berühmtesten Clubs von Berghain bis Amnesia Ibiza beheimateten DJ Cassy, die ihre Sets ausschließlich mit Vinylplatten bestreitet. F
Wuppertal Pina Bausch + Terrain Boris Charmatz CLUB AMOUR. Café Müller
10.–13.7., 21.00
11.7., 19.00 13.7., 21.00
Tanztheater Wuppertal Pina Bausch + Terrain Boris Charmatz Café Müller. Ein Stück von Pina Bausch Burgtheater
/ Kaplan LEVEL
12.7., 17.00
Buchpräsentation: Boris Charmatz Nahaufnahme Boris Charmatz. Tanz und Text 1993–2024 Volkstheater, Rote Bar
Liquid Lo / Chris Haring
14.7., 18.00 15.–18.7., 9.00–19.00
15., 17.7.,
16.7., 19.00 18.7., 22.00
Martina De Dominicis Latente Mumok, Hofstallung
Ko & Edge Café Shy Spitzer im Odeon 25.7., 19.30; 26.7.–3.8., 11.00–21.00
Johann Strauss 2025 Wien:Cie. Eva-Maria Schaller & Wolfgang Mi erer Walzerwut Odeon
19.30
Michiel Vandevelde / BODHI PROJECT Dance Company to the hands Nest Arsenal
Symposium for Dance and Other Contemporary Practices LACE #3: Materialising Touch. hospitality, integration, and the interstitial Arsenal
Lenio Kaklea Untitled (Figures) Schauspielhaus
Buchpräsentation: Meg Stuart Let’s Not Get Used to This Place Volkstheater, Rote Bar
Anne Teresa De Keersmaeker, Solal Mario e / Rosas BREL Akademietheater
Cie. Me e Ingvartsen Delirious Night Akademietheater
Tanztheater Wuppertal Pina Bausch + Terrain Boris Charmatz Nelken. Ein Stück von Pina Bausch
Ma eo Haitzmann Make it Count
ImPulsTanz – Party Nights: SOFI TUKKER live Anna Ullrich (DJ Set) / Stefan Obermaier (DJ Set) Rathaus, Arkadenhof 18.7., 21.00
19.7., 21.00
19., 21.7., 21.00
ImPulsTanz – Party Nights: Aloe Blacc live Urbs & Cutex (DJ Set) / Cassy (DJ Set) Rathaus, Arkadenhof
Nina Laisné, François Chaignaud, Nadia Larcher Último Helecho Volkstheater
21.00
Xx GUSH IS GREAT
Ivo Dimchev Crime Buddy Nest 31.7.,
20.7., 17.00 21.7., 19.00
21.7., 19.30 22.–27.7., 14.00–19.00
22.7., 19.00
24.7., 21.00
22.7., 21.00
24.7., 19.00
23.7., 19.00 25.7., 23.00
23., 25.7., 21.00
24.7., 19.00
24.7., 19.30 26.7., 19.00
Doris Uhlich & Susanne Kirnbauer-Bundy Come Back Again Akademietheater
Installation: Christopher Ma hews / formed view field of dreams Museumsquartier, Raum D
Lisen Pouse e & Olivia Rivière DUNKEL Wuk, Projektraum
Elisabeth Bakambamba Tambwe / Dig Up Productions SelFist Nest
Luca Bonamore LAMENTATIONS Schauspielhaus
Sasha Waltz & Guests, The Young Gods, Terry Riley In C Burgtheater
KURIER-Gespräch mit Kyoung Shin Kim Moderation: Werner Rosenberger Volkstheater, Rote Bar
Alexander Vantournhout / Not Standing every_body Akademietheater
Public Moves Tanzklassen bei freiem Eintri Verschiedene Orte in der Stadt, bis 8.8. ImPulsTanz Festival Lounge Verschwitzte, gutgelaunte Partys Burgtheater, Vestibül, 10.7. bis 10.8., tägl. ab 22.00
Adam Russell-Jones Release the Hounds Schauspielhaus
Mufutau Yusuf Impasse
Gui B.B I Have Such a Horrible Voice
Wuk 4.8., 19.00 6.8.,
Mélissa Guex DOWN (full album)
Tiran Willems blackmilk Wuk, Projektraum Nest 5.8., 21.00 7.8., 19.00 8.8., 19.00
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