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10 2025 OKTOBER € 10.— FACESMAG.DE / @FACESMAG
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THE FACES Text: Michael Rechsteiner
„FLY ME TO THE MOON.“ 20
N°10 / 2025
© P IC TU RE AL L I A NC E / C AP TI TA L P I CTU RE S | AD M
Finster strahlt hell.
GABBRIETTE BECHTEL
DARK STAR
Ihr Verlobter macht irgendwas mit Musik oder so? Ist auch längst nicht mehr wichtig, denn Gabbriette Bechtel ist inzwischen selbst ein Star. Von Charli XCX wurde sie zur Sängerin der Punkband Nasty Cherry gekrönt, inzwischen erobert das Multitalent Hollywood und spielt dieses Jahr in zwei Kinofilmen mit. Gabbriettes Goth-Chic, neben dem selbst Wednesday Addams wie Sabrina Carpenter aussieht, lässt angesagte Mode-Maisons schwarz sehen: Dsquared2, Fendi und Bottega Veneta haben die Coolness der Kalifornierin bereits für Modenschauen angezapft. N°10 / 2025
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Limited Edition
LIP COUTURE
Für gewöhnlich stellt das Textilkunstduo Laetitia Baqué und Victor Molinié sein Talent für die Haute Couture Häuser dieser Welt unter Beweis. Ausnahmsweise mussten sie in ihrem Pariser Stickereiatelier Baqué Molinié an etwas kleinerem, aber nicht weniger filigranem arbeiten. Für Guerlain haben die beiden ein mattschwarzes Lippenstift-Case entworfen und dieses mit einer bestickten Feder, goldenen Ketten und roten Perlen geschmückt. Das limitierte Prachtstück kommt mit gleich drei Farbtönen daher: Nude Intense Satin, Rouge Kiss Satin und Rouge Vibrant Velvet. Guerlain, „Rouge G Prestige Set“ mit drei Lippenstiftfarben, ca. 578.—, guerlain.com
Hair Trend
PERFECTLY MESSY
In der Mode ist der Indie Sleaze endgültig zurück. Um den ganzen Mist, den uns 2025 entgegenschleudert, zu verdrängen, romantisiert unser Gehirn die Nuller- und Zehnerjahre. Mit gewollt planlosen Outfits à la Kate Moss und Alexa Chung am Glastonbury träumen wir uns ins 2005 zurück, wo irgendwie alles noch etwas unbeschwerter war. Jetzt fehlt nur noch ein Haarschnitt, der die vergangene Zeit ebenso wiederbelebt. Ein Shag – ein leicht chaotischer Stufenschnitt, der auch feinem Haar Volumen verleiht – muss her. 40
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„Real beauty knocks you a little bit off kilter.“ David Byrne
New Brand
SCHUTZSCHILD
Nichts geht über das Großstadtleben. Menschen aller Art koexistieren, überall ist etwas los, nie wird’s langweilig. Unsere Haut ist da ab und zu anderer Meinung: Luftverschmutzung, Rauch und Stress belasten unser größtes Organ, welches mit Rötungen, Trockenheit oder Akne reagiert. Das ist auch dem Gründerduo der Schweizer SkincareMarke Moussse aufgefallen. Doch statt die Stadt für immer zu verlassen, haben sie mit BiochemikerInnen und DermatologInnen simple Produkte kreiert, die unsere Hautbarriere schützen. Den Anfang machten ein Cleanser und eine Gesichtscreme – beide vegan, tierversuchsfrei, parfümfrei und für empfindliche Haut geeignet. Weitere Produkte stehen bereits in den Startlöchern. moussse.com N°10 / 2025
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TRAVEL Every wrong turn deserves an ice cream break.
Book
CONCRETE PUZZLE
Bevor Katie Burnett zur Kamera griff, war sie als Stylistin tätig. So ist sie die perfekte Kandidatin für die „Fashion Eye“Buchreihe von Louis Vuitton, in der FotografInnen einen bestimmten Ort mit ihrer kreativen Vision porträtieren. Katie Burnetts New York ist schwarz-weiß, collagiert und gepuzzelt und so abstrakt, dass es sich anfühlt, als würde man die Stadt zum ersten Mal sehen. Und das, obwohl sie die klassischen Touristenmagnete abbildet. Das Durchblättern macht Lust, sich in den nächsten Flieger zu setzen – und zu hoffen, dass die mittlerweile absurd strengen Kontrollen am Flughafen Gnade mit uns haben. Katie Burnett x Louis Vuitton, „Fashion Eye New York“, 96 Seiten, ca 55.—, louisvuitton.com
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„If you’re twenty-two, physically fit, hungry to learn and be better, I urge you to travel.“ Anthony Bourdain We Love
EINPACKEN, LOSFAHREN
Autofahren und Reisen gehen Hand in Hand, denn schließlich kann man auch auf vier Rädern aufbrechen. Die spanische Autofirma Cupra hat sich mit dem Lifestyle Brand Harper Collective zusammengetan, um ebenso stylische wie nachhaltige Reiseaccessoires zu kreieren. Die Gepäckkollektion umfasst drei verschiedene Modelle, bei deren Produktion Meeresplastik und recycelte Materialien im Vordergrund stehen. Wer jetzt schon an der Weihnachtswunschliste feilt: Die Stücke werden Ende Jahr erhältlich sein. cupraofficial.com, harpercollective.co.uk
Unfuck the World
FARM FOR FUTURE
So bereichernd das Reisen für die, die auf Achse sind, sein kann, so sehr kann es der bereisten Region Schaden zufügen. Dem hilft das Reiseunternehmen Wilderness gleich doppelt entgegen. Einerseits mit ihren Öko-Safaris, andererseits mit Angeboten für die Einheimischen. Das neue Ausbildungszentrum Ngamo Livestock Farm & Vocation Centre im Westen N°10 / 2025
Simbabwes bietet jungen Erwachsenen eine Perspektive nach dem Schulabschluss. Ihnen steht ein vollständig finanziertes, einjähriges Diplomprogramm offen, das vom simbabwischen Bildungsministerium anerkannt ist. Ziel des Programms ist es, den Teilnehmenden fundiertes Wissen und praxisnahe Fähigkeiten im Bereich der nachhaltigen
Landwirtschaft zu vermitteln, sodass diese danach in die Agrarwirtschaft einsteigen können. Wer mehr darüber wissen will, wird willkommen geheißen: Gäste von Wilderness dürfen das Zentrum besuchen und so erleben, wie nachhaltiger Tourismus und Gemeindeentwicklung zusammenspielen. wildernessdestinations.com 43
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LIBERTINE
Brigitte liebte es, gelegentlich Gitarre zu spielen – eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. © Ghislain Dussart
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PRECISIONIST
WATCH OUT, EDDIE! Als Kind ging es für Eddie Redmayne in der Schweiz abwärts. Zum Glück nur beim Skifahren. Inzwischen kehrt Hollywoods Höhenflieger gerne mal in die Alpen zurück, um das Omega Masters Golfturnier mitzuverfolgen. Wir waren da und unterhielten uns mit dem Schauspieler darüber, warum sein jüngstes Projekt „The Day of the Jackal“ besonders herausfordernd war und was ihm noch dringend im Kleiderschrank fehlt. Interview: Stefan Berger Text: Michael Rechsteiner Fotos: Omega
Eddie Redmayne macht es sich nicht gerne einfach. Als Schauspieler ist er Verwandlungskünstler, und als solcher stehen ihm für seine Kunst weder Farbe, Piano oder Lehm zur Verfügung. Sein Körper ist die Leinwand, seine Emotionen sind die Werkzeuge. Und mit diesen traut sich der Engländer an einige der schwierigsten Herausforderungen, die es in den letzten Jahren im Kino zu meistern gab. In „The Theory of Everything“ verschwand Redmayne komplett in der Darstellung von Stephen Hawking. Mit seiner Verwandlung vom jungen Physiker zum von seiner Krankheit gezeichneten Jahrhundertgenie gewann der Londoner 2015 den Oscar als bester Schauspieler. Ein Jahr später wurde er erneut nominiert, diesmal für seine Darstellung in „The Danish Girl“. Im Film wird die Lebensgeschichte von Lili Elbe erzählt, einer trans Frau, die sich in den 1930er Jahren einer der ersten Geschlechtsanpassungen unterzog. Und in „The Good Nurse“ verkörperte Red114
mayne mit Charles Cullen einen der grausamsten Serienmörder in der amerikanischen Kriminalgeschichte. Allesamt hochkomplexe Figuren, die im Film nur dann funktionieren, wenn man für die Schauspielkarriere das Schwierigkeitslevel „Hard“ anwählt. Eben so wie Eddie Redmayne. Auch in seiner neuesten Produktion wollte der 43-Jährige keine ruhige Kugel schieben, sondern mehrere Bälle jonglieren. Für die Romanverfilmung „The Day of the Jackal“ agierte Redmanye zum ersten Mal auch hinter der Kamera als Produzent der zehnteiligen Streaming-Serie. Was für zusätzliche Verantwortung das mit sich brachte, wie eine Armbanduhr den Charakter einer ganzen Figur beeinflussen kann und wie erfolgreich er dabei ist, seinem Sohn das Krawattenbinden beizubringen, verriet uns Eddie Redmayne am Rande des Omega Masters in Crans-Montana. Dort war er zu Gast, weil er der Uhrenmanufaktur seit einem Jahrzehnt als Markenbotschafter verbunden ist. N°10 / 2025
Höhenflug in Hollywood, Höhensonne in der Schweiz: Eddie Redmayne beim Omega Masters.
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Fotograf Alex Bex ist immer auf Achse. Bevor seine erste Einzelausstellung in Spanien beginnt, konnten wir ihn mit ein paar Fragen aufhalten. Wie er Männlichkeit für sich heute definiert, warum er sich unbedingt der Gefahr eines Tornados aussetzen will und weshalb er selten selbst am Steuer sitzt, verrät er uns im Interview. Interview: Josefine Zürcher
FACES: Wenn du dich jemandem vorstellen müsstest, der noch nie von dir gehört hat, und dafür nur drei deiner Fotos verwenden dürftest, welche würdest du wählen und warum? Alex Bex: Ein Foto kommt mir sofort in den Sinn. 2023 reiste ich in die Ukraine, um Bekannte zu besuchen. Ich wollte ein Bild des Landes vermitteln, das über die üblichen Kriegslandschaften und Darstellungen von Leid hinausgeht. Ich schoss ein Bild von einem Paar, das ich auf den Straßen der Stadt Chmelnyzkyj getroffen habe und das meiner Meinung nach über den politischen Kontext hinaus eine große Symbolik hat. Die Szene repräsentiert in gewisser Weise, wer ich als Mensch bin und wonach ich als Fotograf suche. Das zweite Foto ist ein persönliches. Es ist das einzige Porträt, das ich von meiner Großmutter in Texas gemacht habe, und es ist auch das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe, bevor sie verstorben ist. Das dritte ist eine einfache Wahl, da es mein Lieblingsfoto aus meiner laufenden Serie „Memories of Dust“ ist: „A Moment Before (Jonathan)“. Ich denke, was die meisten Menschen anspricht, ist die Spannung in diesem Bild – die Unbeholfenheit und Verletzlichkeit, die mit der Geste des Fingerbeißens einhergehen, und die Gewalt, die ebenfalls präsent ist. Die Tatsache, dass dieses Bild so vieldeutig ist, ist das, was die Menschen anspricht. Es ist das perfekte Bild, um mich vorzustellen. F: Du bist Franzose und Texaner und lebst in Berlin – das ist ein ziemlich wilder und interessanter Mix. Wie beeinflussen diese verschiedenen Orte deine Kunst? AB: Der Mix ist sogar noch etwas wilder. Nachdem ich in Austin und Toulouse aufgewachsen bin, habe ich meine Highschool-Zeit in München verbracht und bin danach fast alle drei Jahre umgezogen, um in verschiedenen Ländern und Städten zu leben, wo ich Jobs und Projekte wahrgenommen habe – unter anderem in Barcelona, Montreal, Paris und London. Dass ich mein Leben lang an verschiedenen Orten gelebt habe, hat einen Einfluss darauf, wie ich mich kulturell identifiziere. Ich habe fast genauso lange in Deutschland gelebt wie in Frankreich, aber bin weit davon entfernt, Deutscher zu sein. Auch mit der französischen Kultur fühle ich mich nicht wirklich verbunden. Wenn ich FranzösInnen sprechen höre, habe ich Schwierigkeiten, mit den Slangausdrücken und Redewendungen mitzukommen, die sich dort sehr schnell weiterentwickeln. Und Texas ist ein noch größe128
„Mich faszinieren die Momente oder Interaktionen zwischen Männern, die das Stereotyp der traditionellen Männlichkeit in Frage stellen.“
res Thema. Ich habe mich so an dieses Chaos aus Kulturen und Sprachen gewöhnt, das mich ständig umgibt, dass ich mich mittlerweile damit abgefunden habe, nie „genug“ einer kulturellen Identität anzugehören und mich immer ein bisschen wie ein Fremder zu fühlen. Für mich hat das etwas Angenehmes, fast Beruhigendes. Es beeinflusst insbesondere meine Arbeit dokumentarischer Art und hat mir die Fähigkeit gegeben, bei Bedarf echte Verbindungen zu Menschen aufzubauen, aber auch zu beobachten und mich gegebenenfalls wie eine Fliege an der Wand zu verhalten. F: Wie prägt das Leben in Berlin deine Fotografie und inwiefern sind Texas und Frankreich in deiner Fotografie präsent? AB: Ich bin dankbar für die Menschen in meiner Community hier in Berlin, denn durch sie habe ich gelernt, wie man Ideen in konkrete Projekte umsetzt und auch den Mut und die Motivation gefunden, diese weiterzuentwickeln. Die Stadt ist vielfältig, was die Menschen angeht. Berlin ermutigt einen immer noch, zu experimentieren, Risiken einzugehen und Fehler zu machen, ohne dass dies allzu große Konsequenzen hat. Da ich zwischen Europa und Texas aufgewachsen bin, wurde ich von den unterschiedlichen kulturellen Perspektiven beider Regionen beeinflusst. Meine Vorliebe für satte Farben und mein Geschmack für Komposition stammt vermutlich von meiner amerikanischen Seite und ist beeinflusst vom grellen texanischen Licht auf weitläufigen Flächen, während die Themen und Konzepte, mit denen ich mich beschäftige, aus meiner europäischen Erziehung stammen. Eines meiner Lieblingsbücher über die Vereinigten Staaten ist „America“ des französischen Philosophen Jean Baudrillard, das Themen wie die USA als Hyperrealität behandelt – etwas, das meiner Meinung nach grundlegend für das Verständnis dieses Teils der Welt ist. In meiner Arbeit interessiere ich mich dafür, einige dieser sogenannten Realitäten oder Darstellungen zu dekonstruieren, wie zum Beispiel das Konzept männlicher Vorbilder. Dies ist ein Beispiel dafür, wie die französische Kultur, oder in diesem Fall die Philosophie, in meiner Fotografie präsent ist. F: Für deine Fotostrecke „Memories of Dust“ hast du Cowboys in Texas auf verschiedene Weisen festgehalten – und dadurch Männlichkeit sowohl in ihrer traditionellen als auch in eher unerwarteten Formen untersucht. N°10 / 2025
Wie interagieren Männer untereinander, abseits der Stereotype? Das erforscht Alex Bex am liebsten mit seiner Kamera.
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Mantel von FENDI. Ring von CELINE.
Look von HERMÈS.