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FACES Deutschland - April 2023

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04 2023 APRIL € 8.50


S.84 Thun in Italy Photography: Walter Pfeiffer

S.96 Killer Queen Photography: Marco Trunz

S.110 Yakuza

Wir sind verliebt – in die Killer-Looks von Marco Trunz und Izabela Macoch.

S.96

Photography: Alberto Venzago

S.122 The Sanctuary Neuer Sehnsuchtsort in Umbrien: das ehemalige Kloster Vocabolo Moscatelli.

Vocabolo Moscatelli

S.122

S.132 Love Is All You Need Interview: Badmómzjay

Walter Pfeiffer fotografiert das Werk von Matteo Thun.

S.84 6

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THE FACES Text: Michael Rechsteiner

„DON’T YOU WANT ME BABY.“ 16

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© WI L L I A M PAVL I

Mik Ivy ist der neue Harry Styles.

MIK IVY

HIT KID

Als wir mit 19 in London lebten, husteten wir Gin Tonic in die Gasse neben dem Electric Ballroom und eilten dann nach Hause, weil wir noch für die C1-Advanced-English-Prüfung büffeln mussten. Ersteres macht Mik Ivy vielleicht auch, doch vor allem wird er so ganz nebenbei gerade Rockstar. Der Teenager aus Genf erobert die Herzen der englischen Hauptstadt Song by Song – check out „Crushed Velvet“ – bis bald alle nur noch fragen: „Harry Styles who?“ N°04 / 2023

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© PI C T UR E A LL I A NCE OD A M P IC N CE / M MO DA MII LA L A NO NO / R RII CCA C CA RD O GI ORDANO / I PA-AGE NCY. N

Was Richie Shazam fabriziert, gehört eigentlich ins Museum.

RICHIE SHAZAM

ABOVE ALL

Egal, auf welcher Seite der Fotolinse sich Richie Shazam befindet, ein spektakuläres Resultat ist garantiert. Für das März-Cover des Interview Magazines setzte das nonbinäre Model die Künstlerin Ariana Papademetropoulos in göttliche Szene und inszenierte Julia Fox Alien-like für Elle. Überirdisch erscheint Shazam auch selbst in den Bildern zur neuen Kampagne von Heaven by Marc Jacobs und für die neue Kollektion von Nachwuchssensation Matty Bovan. 18

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© PI C T UR E A LL I A NCE / M OD A M I LA NO / R I CCA RD O GI ORDANO / I PA-AGE NCY. N

Mit Wasserfarben gibt sich Pavarotti längst nicht mehr zufrieden.

RAFAEL PAVAROTTI

COLOR & CONSCIOUSNESS

Es scheint, als klebten die Farben seiner Heimat noch immer an seinen Fingerkuppen: Aufgewachsen in einem Dorf im brasilianischen Regenwald, hat der Modefotograf Rafael Pavarotti ein unnachahmliches Händchen für fantastisch kolorierte Motive. Ob für Kollabs mit Dazed-Chefredaktor Ibrahim Kamara oder die neue Kollektion von Ferragamo: Rafael Pavarottis Bilder schimmern und glühen, als öffnete man in einem exotischen Aquarium zum ersten Mal die Augen. N°04 / 2023

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THE HYPE Text: Marina Warth

„JUST CAN’T GET ENOUGH.“ 34

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FASHION Style is what you choose.

Trend

BRIGHT PROSPECTS

Es ist nicht alles Seide, was glänzt – aber Satin. Und das Material hat einen Aufstieg hinter sich, von dem Jungschau­ spielerInnen träumen. Gerade noch ganz unten, spielt Satin mittlerweile in der Top­Liga mit, direkt neben Denim und Spitze. Wichtig: Satin kennt nur in oder out, gut oder schlecht, ganz oben oder ganz unten. Spar dir deshalb den allzu gewagten Farbenmix, setze auf tolle Teile mit guter Verarbeitung, und hör beim Kombinieren auf dein Bauchgefühl.

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Nice to have

CLASSICS

Maximilian Davis hat als neuer Creative Director von Salvatore Ferragamo im vergangenen Jahr ordentlich Gas gegeben. Davis kürzte nicht nur den Brand­Namen, sondern lüftete beim Traditions­ unternehmen auch ordentlich durch. Weg mit den Spielereien, her mit den Klassikern – wie etwa dieser Tasche, der Ferragamo Trapezio Crossbody Bag, die wir gerade so dringend um unsere Schulter legen wollen. Ferragamo, „Trapezio Crossbody Bag“, mit Kalbsleder, ca. 2'066.– (ferragamo.com)

Liebling

HOLY GRAIL

Der Urlaub ist gebucht, die Freude wächst. Was fehlt? Der passende Badeanzug, der eben nicht zwickt und kneift, sondern einfach sitzt und vom Turmsprung bis zum Schnorchel­ Abenteuer alles mitmacht. We Are Flowergirls liefert uns den einen und ja, eigentlich den einzigen, den wir wirklich brauchen: einen Badeanzug, der sich je nach Figur und Krea­ tivität auf gefühlte 38

schließlich nähen sie neben tausend Arten binden und den Badeanzügen von wickeln lässt. Als wäre das alleine nicht genug für We Are Flowergirls unsere Jauchzer, besteht auch Brautkleider. das gute Stück auch aus Ein gutes Omen für regenerierten Nylonfänden, unseren Badeanzug, die aus Fischernetzen, den wir mindestens Stoffresten und ausge­ so lange tragen wie dienten Teppichen her­ andere Ehen halten. gestellt werden. Zudem We Are Flowergirls, wird jedes Teil von Hand in „Sustainable & Convertible Ungarn von Näherinnen Swimsuit“, erhältlich gefertigt, die wissen, wie in drei Größen und man Frauen mittels Mode 17 Farben, ca. 129.– glücklich macht – (weareflowergirls.com) N°04 / 2023


New Brand

GROWN-UP REBEL

Mode ist mehr als Kleidung – nämlich ein Lifestyle. Und diesen verkörpern Luca Hasler und Ricardo Ferreira mit so viel Leidenschaft, dass letztere glatt auf ihre Kollektionen des eigenen Labels Luca Ferreira abfärbt. Da finden sich Hemden aus Seide oder Baumwolle mit raffinierten Schnitten und ausge­ fallenen Prints, die nicht jeder hat, und Pullover, Jacken und Hosen aus Strick, die Knitwear auf dem Coolness­Radar in den Himmel schnellen lassen. Die Idee: Jugend­ kultur und Tradition zu mischen. Das Ergebnis: James Dean meets Marlon Brando. Raffinierte Details und vibrierende Monogram­Prints kata­ pultieren klassische Silhouetten und elegante Schnitte ins Hier und Jetzt und sorgen für Outfits, die aus der Masse stechen. Für ihre Kollektionen verwenden die beiden ehemaligen Modedesign­ Studenten nur das Beste vom Besten und lassen ihre Kleidung in Italien und Portugal produzieren. Hasler und Ferreira setzen darüber hinaus ein Statement gegen ständig wechselnde Trends und achten darauf, dass ihre Teile saisonübergreifend gestylt werden können. lucaferreira.com

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TRAVEL Destination is never a place but rather a new way of looking at things.

Collaboration

UNDERDOG

Campingstühle sind unsexy. Ist doch so! Wobei wir unsere Meinung bald ändern, denn Helinox und Obey bringen gemeinsam einen tragbaren Stuhl auf den Markt, der leicht und 46

cool ist und alles über den Haufen wirft, was wir eingangs behauptet haben. Der „Sunset Chair“ präsentiert sich classy ganz in Schwarz und mit plakativem Schriftzug und

verbindet die Unbeschwert­ heit des Streetwear­Labels Obey mit den intelligenten Möbeln von Helinox. Der Campingstuhl überzeugt mit seiner langen Rücken­ lehne, der hohen Sitz­

position und der Tatsache, dass er sich wie eine Ziehharmonika zusam­ menfalten und wegtragen lässt. Helinox X Obey, „Sunset Chair“, ca. 250.– (helinox.eu) N°04 / 2023


Places

VILLA KUNTERBUNT Irgendwie lassen sie uns kaum los, unsere Kindheitsheldinnen und ­helden. Und während wir die Zimmer des Toggle Hotels Suidobashi in Tokio so betrachten, jubelt unsere innere Pippi Langstrumpf ganz laut. Von außen noch unscheinbar, springen uns die Farben im Innern regelrecht entgegen. Gelb trifft auf Blau, Violett auf Grün, Rot auf Pink – die Gäste entscheiden nach

Lust und Laune über die Farben, mit denen sie sich gerne umgeben wollen. Vor dem Check­in lässt sich die gewünschte Palette online bereits festlegen. Und das Beste? Das Hotel gehört mit einem Übernach­ tungspreis von 120.– zum Günstigsten, was die japanische Hauptstadt zu bieten hat. Toggle Hotel Suidobashi, 3 Chome-11-4 Iisabashi, Chiyoda City, Tokio, Japan (togglehotel.com)

Nice to have

SCHLÜPFER

Seit unseren ersten Schlafsack­Erfahrungen hat sich einiges getan. Nicht nur daran, dass wir endlich die richtige Technik kennen, um das Flauschige zurück in seine Pelle zu pressen, sondern auch in Sachen Innovationen. Voited wartet nun mit einem ganz neuen Teil auf, das eine angenehme Nacht und einen gut gewärmten Tag verbindet. Der neue Schlafsack hat nämlich Kapuze und Ärmel und ein ausklappbares Fußteil, sodass aus dem Mantel sogleich ein kuscheliger Schlupf wird. In der Außenhülle finden Plastik­ flaschen ein neues Leben, innen kommt eine vegane Wärme­Isolierung zum Zug, die zum Großteil aus recycelten Materialien besteht. Zeit, dem Schlaf­ sack eine zweite Chance zu geben. Voited, tragbarer Schlafsack in den Größen S bis XL und mit einem Gewicht von 1'150 bis 1'500 Gramm, ca. 215.– (voited.com) N°04 / 2023

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EAT&DRINK Laughter is brightest where food is best.

Nice to know

ROASTED

Weshalb werden Kaffeebohnen eigentlich geröstet? Na, wegen des Geschmacks! Nicht nur, das Rösten entzieht den Bohnen nämlich das Wasser und macht deren Körper porös und damit das Mahlen einfacher. 50

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Collaboration

SICILY SUN

Die Vision von Dolce & Gabbana lässt sich nicht nur anziehen – sondern auch trinken. Das italienische Modehaus tat sich bereits in der Vergangenheit mit dem sizilianischen Weingut Donnafugata zusammen und hat Weine lanciert, die den Entwürfen aus Textil glatt die Show stehlen. Das neueste Mitglied: der Tancredi 2018, entstanden aus den Rebsorten Cabernet Sauvignon und Nero d’Avola. Der rote Tropfen zaubert Erinnerungen an Pflaume, Heidelbeere und Gewürze in den Gaumen und die Idee von einer Reise nach Sizilien in unseren Kopf. Donnafugata X Dolce & Gabbana, „Tancredi 2018“, 750 ml, ca. 40.– (donnafugata.it)

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Cooperation

BUDDIES

Regenjacke? Checked. Vesperbrot? Yes! Eines mehr, dass auf jeder Wanderung seinen Stammplatz in unserem Rucksack hat, ist unsere Trinkflasche. SIGG produziert den Klassiker unter den Wiederbe­ füllbaren und liefert uns diesen Frühling mit seiner Zusammenarbeit mit Zegna einen Grund mehr für die nächste Gipfeltour. Die Original Alu von SIGG aus recyceltem Aluminium mit Weithalsöffnung und Drehverschluss zeigt sich im schicken schwarzen Gewand und mit orange­ farbenen Streifen. Letztere sind inspiriert vom Belag jener Straße, die sich über 26 Kilometer durch das Naturgebiet der Biella­ Alpen in Norditalien windet – die Oasi Zegna. Zur Flasche gesellt sich zudem auch eine Lunch­ box, in der sich unsere Käsebrote pudelwohl fühlen dürften. SIGG X Zegna, „Zegna Trink­ flasche Original Alu“, 0.75 l, ca. 85.– und „Zegna Lunchbox Edelstahl Gemstone Selenite“, ca. 125.– (zegna.com)

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BALLA BALLA MILANO GLAM DISCO SCINTILLA Photography: Riccardo Tinelli Styling: Valentina Fino Hair: Florianna Cappucci Make-up: Erica Vellini Model: Malaina Stopchycki @ whynot models Location: Studio Irpinio / Tisettanta

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Look von STELLA MCCARTNEY. Schuhe von VERSACE. Ohrringe von RADÀ.


Look von VERSACE.

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BEAUTY REPORT Spring/Summer 2023

Schön ist, wer sein Innerstes nach außen kehrt. Deshalb sind die Looks dieser Saison auch so persönlich, so echt – authentisch eben. Denn was die Make-up-Artists auf den Laufsteg bringen, ist pures Selbstbewusstsein. Blauer Eyeliner sorgt für starke Blicke, die dunkel geschminkte Lippe für Coolness. Wenn alles zusammenkommt – Make-up, Hair und Nails –, dann hast du ihn vor dir: unseren Beauty Report. Redaktion: Marina Warth – Fotos: Launchmetrics SpotlightSM 66

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BEST BANGS

Nix da mit handzahmem Pony – wild und ungezähmt soll er jetzt sein, wuschelig in die Stirn fallen und gerne über die Augen, die wach dazwischen hervorblinzeln. ZIMMERMANN N°04 / 2023

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BEST CUT

Wer kann, setzt auf kurz. Andreadamo zeigt mit diesem Wet-Look nicht nur die coolste, sondern wohl auch die bequemste Frisur für einen heißen Sommer. ANDREADAMO 76

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BEST LOOK

Pretty in Pink? Auch, aber vor allem definiert dieser Look unseren Coolness-Begriff. KIKO KOSTADINOV N°04 / 2023

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Walter Pfeiffer und Susanne Thun, Matteos Muse und Ehefrau, teilen nicht nur die Liebe für Kunst, sondern auch für die Farbe Pink.

VACATION

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THUN IN ITALY

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Für Rapsel hat Papa Thun 2009 die hölzerne Badewanne entworfen, in der Sohn Poldi nun in Lederhose und Fellmütze posiert.

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Was man auf Capri sonst noch so tun kann? Armdrücken zum Beispiel.

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KILLER QUEEN

RED RISING AVANTGARDE MOVEMENT Photography: Marco Trunz @ Sonja Heintschel Styling: Izabela Macoch Make-up & Hair: Nicola Kurdziel @ Kultartists Model: Tarima Darim @ MIRRS Models Photography Assistance: Tim Löbbert

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Look von VERSACE.


Kleid von PLAN C. Body von SANDRO.


Kleid von SPORTMAX.


„Die Yakuzas nehmen auch auf Finanzmärkte und politische Korruption Einfluss – neben den ‚traditionellen‘ Mafia-Aktivitäten wie Prostitution, Menschen- und Drogenhandel, legale und illegale Inkasso-Geschäfte, illegales Glücksspiel, Pachinko oder Schutzgelderpressung, die beispielsweise bei vielen Restaurants verdeckt über den Wäschedienst der japanischen Erfrischungstücher, Oshibori genannt, abläuft. Sie verdienen Millionen bei illegalen Hundekämpfen und Pferderennen.“

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SECRET

Du brauchst ordentlich Eier, um dich ganz nah an diejenigen zu schmiegen, die ständig die Pistole im Anschlag tragen. Alberto Venzago hat dort fotografiert, wo das Herz der Yakuza am lautesten schlägt. Monatelang begleitete der Schweizer Fotograf die Mitglieder der japanischen Mafia und dokumentierte den Alltag jener, die ständig zwischen Licht und Schatten tänzeln. Text und Fotos: Alberto Venzago

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„Drei Yakuzas stehen auf einer Straßenkreuzung in Ikebukuro, einem seelenlosen Viertel in Tokyo. Sie warten auf vier schwarze 500er Mercedes mit dunklen Scheiben. Die Ojabuns, Top-Bosse, werden in der Zentrale erwartet. Die Kreuzung ist gesperrt, die Leibwächter lassen niemanden passieren. Sie stehen reglos, breitbeinig und rühren sich auch nicht, als die Wagen ihrer Bosse vorbeiflitzen.“


Aus einem Kloster wird ein Designhotel.

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PURE

THE SANCTUARY

Alte Mauern, neues Mobiliar: das Vocabolo Moscatelli verbindet die ursprünglichen Mauern mit modrnem Design.

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Abkühlung im Pool gefällig? Die darf bei den heißen Temperaturen im umbrischen Sommer nicht fehlen.

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„ E I N H O T E L D E F I N I E R T S I C H S E H R S TA R K Ü B E R D I E M E N S C H E N , D I E D O R T V E R K E H R E N .“

FACES: Wie sind Sie zur Hotellerie gekommen? Frederik Kubierschky: Durch meine Eltern, die eine Wein­ schänke in Bamberg, Deutschland hatten, als ich noch sehr klein war. Nach deren Trennung führte meine Mutter beinahe 30 Jahre lang ein Hotel. All die Erleb­ nisse vor und hinter den Kulissen haben mich sehr geprägt. Catharina Lütjens: Durch meine Familie, die bis heute einen der bekanntesten Feinkostläden in Freiburg im Breisgau, Deutschland besitzen. Bereits in jungen Jah­ ren habe ich hier im Party­Service bei Veranstaltungen mitgeholfen. Neben der Schule habe ich mir dann als Kellnerin mein Taschengeld verdient, bis ich mich nach dem Abitur für eine klassische Ausbildung zur Hotel­ fachfrau in einem Fünf­Sterne­Hotel in Berlin ent­ schieden habe. F: Wie beschreiben Sie Ihr Hotel in einem Satz? FK & CL: Es ist ein ruhiger Kraftort, an dem man überall Liebe zum Detail spürt und auf interessante Charak­ tere trifft. F: Führen Sie uns durch die Entwicklung Ihres Hotels von der Idee bis zum fertigen Resort! FK & CL: Grob gesagt, handelt es sich um ein denkmal­ geschütztes Kloster der Olivetaner aus dem 12. Jahr­ hundert – bestehend aus einem Hauptgebäude, einer Scheune bzw. Bauernhaus und einer Kirche und einem Park von ca. einer Hektare. Als wir das Gebäude erwor­ ben haben, war noch nicht genau klar, welche Form der Gastfreundschaft hier stattfinden sollte. Wir haben verschiedene Konzepte in Betracht gezogen und durch gesponnen. Eine Idee war, es als reine Event­Location zu entwickeln oder konkret nur auf Gruppen abzu­ zielen, die es wochenweise mieten könnten. Das Gebäude schreit aber nach einem gewissen Via­Vai. Ein Hotel definiert sich unter anderem sehr stark über die Men­ schen, die dort verkehren, und es war uns wichtig, uns gut in die lokale Community einzubetten und auch für die Eingeborenen ein Mehrwert zu sein. Deshalb ent­ schlossen wir uns für unsere Interpretation eines klas­ sischen Hotelbetriebes. Wir haben sehr konservativ restauriert und gleichzeitig frische und leichte Ele­ mente eingebracht, die es zeitgenössischer wirken las­ sen, ohne aber den Respekt zur großen Handwerks­ kunst dieser Gegend zu verlieren. Der Stil ist eine Mischung aus nordeuropäischem und italienischem Mid­Century, gefertigt ausschließlich in Italien. Dank dieser Herangehensweise haben wir die Corona­Zeit gut und ohne Lieferengpässe überstanden. Die meisten Firmen sind aus der Gegend und maximal ein bis zwei Autostunden entfernt. Durch die bizarren Erfahrungen der Pandemie hatten wir auch etwas Angst davor, wie sich die Art und Weise entwickeln würde, wie Menschen in Zukunft Gesellschaft in der Öffentlichkeit erleben. Deshalb lag auch ein großes Augenmerk auf dem Garten und den Außenbereichen. Zusätzlich haben wir versucht, N°04 / 2023

den Raum stets „gesellig“ zu gestalten, so dass er unsere BesucherInnen einlädt, Zeit miteinander zu verbringen. Die Feuerstelle, ein Halbmond aus Mikrozement, oder die freistehende Matite Bar aus Terracotta sind gute Beispiele. Abgesehen von diesen Hard Facts sind wir aber noch viel stolzer auf unser Team und unsere Gastfreundschaft. Wir versuchen, einen sehr familiären, frechen und lustigen Service zu bieten, ohne viel Chichi. Unsere Gäste danken es uns bis jetzt sehr! F: Nennen Sie uns drei Gründe, weshalb wir unbedingt bei Ihnen übernachten sollten! FK & CL: Tolle Begegnungen, bombastische Betten und großartiges Frühstück und zwar all day long! Letzteres war uns beiden wichtig, da wir im Urlaub gerne aus­ schlafen und man sich am Ende immer den Wecker stellen muss, um nicht das Frühstück zu verpassen – nicht so bei uns! (beide lachen) F: Was macht den Beruf des Hoteliers so spannend, und welche Aspekte sind eher mühsam? FK & CL: Es sind definitiv die Gäste! Durch sie ist jeder Tag anders. Jeder Gast kommt mit einem anderen Rucksack an Erfahrung und Erwartungen. Dieses täg­ liche „sich aufeinander­einspielen“ ist eine großartige Herausforderung. Wir haben nur zwölf Zimmer und Suiten für maximal 24 Gäste. Das heißt: In der Regel bauen wir über ein bis drei Tage eine sehr gute Bezie­ hung auf. Das kostet viel Kraft – gibt aber auch enorm viel. Ein bisschen wie Reisen… Mühsam? Ja, da wäre noch dieser vermaledeite Fachkräftemangel! Unser Gewerbe hat es etwas verschlafen, die Arbeitsbedin­ gungen an die zeitgenössischen Bedürfnisse der Men­ schen anzupassen – dafür zahlen wir nun, ähnlich wie in der Pflege, einen hohen Preis. Aber wir sind zuver­ sichtlich! F: Woran müssen Hoteliers denken, worüber sich andere keine Gedanken machen? FK & CL: Die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen mit der anspruchsvollen Arbeit in der Hotellerie zu vereinen. Sich jeden Tag in die Lage des Gastes zu versetzen und es zu schaffen, am Ende sowohl den Gästen als auch den MitarbeiterInnen eine gute Zeit zu bescheren. F: Worüber machen Sie sich zu viele Sorgen? FK & CL: Strom­ und Gas­ bzw. Heizkosten. Die haben sich in den vergangenen Monaten vervierfacht. F: Wie sind Sie als Chef und als Chefin? FK: Noch etwas grün hinter den Ohren und oft klar über­ fordert. Ich verlange viel – gebe aber auch viel. Dies ist meine erste Position als „Head Coach“. Noch dazu waren meine vergangenen Führungspositionen alle in der Schweiz, wo eine andere Gangart gepflegt wird. Ich versuche jedenfalls immer, den Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten und Freude an der Arbeit zu haben. Ich verlange von mir selbst, stets mit gutem Beispiel voran zu gehen. Meine persönliche 129


HAPPY HOUR CHEEKY COLOR COCKTAIL ROUND-UP Photography: Thomas von Aagh Styling: Oliver Rauh Make-up & Hair: Marija Pavleka using Giorgio Armani & Oribe @ Uschi Rabe Agency Model: Annika Neubauer @ Louisa Models

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Look von DONDUP. Bracelet von BIJOU BRIGITTE.

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Shirt und Sandalen von KARL LAGERFELD. Hose von TOMMY HILFIGER. Armband und Ring von POMELLATO.


TALK

FUTURE FAST FORWARD Paul Marciano hat Denim den Dreck abgeklopft und das Material sexy gemacht. Doch nicht nur coole Teile und heiße Schnitte sind dem GuessPapa wichtig, sondern auch deren nachhaltige Produktion. Redaktion: Neda Hofer, Marina Warth Fotos: Guess

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Keine Guess-Kampagne ohne das Go von Paul Marciano.

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„In der Zukunft werden Trends keine Rolle mehr spielen.“ womit wir in der Modebranche zu den ersten gehören, die ihren CSR-Bericht einer angemessenen Prüfung unterzogen haben – der höchsten Stufe der Prüfung durch Dritte. Unser Nachhaltigkeits-Fortschritt ist nicht nur Marketing, er wurzelt in Beweisen – und wir haben die Daten, um ihn zu untermauern! F: Glamour und Sexappeal sind Schlüsselaspekte der Kam­ pagnen von Guess. Wie haben sich diese Werte im Laufe der Jahre verändert? PM: Die DNA von Guess war und wird immer jung, sexy und abenteuerlustig sein, auch wenn wir heute stolz darauf sind, jung, sexy und nachhaltig zu sein. Sexiness ist einer unserer Eckpfeiler und etwas, das Guess immer auf eine zeitgenössische und doch ikonische Art repräsentieren wird. F: Filme und Serien zeigen ein sehr glamouröses Leben von Menschen, die in der Modebranche arbeiten. Wie ist es wirklich? PM: Das hängt davon ab, welche Arbeit man macht, aber im Allgemeinen ist die Modebranche nicht immer glamourös und glänzend, wie es in Fernsehserien gezeigt wird. Manchmal herrscht ein hoher Druck mit vielen Abgabeterminen, und man muss sehr konzentriert und wirklich motiviert sein. Auf der anderen Seite ist die persönliche Erfüllung, die sich daraus ergibt, riesig. F: Ist die Gründung eines neuen Modelabels heute einfacher als früher? PM: Das VerbraucherInnenverhalten hat sich geändert. Es gibt keine Markentreue mehr, dafür achten die Menschen mehr auf den Preis. Dies ist Teil unserer täglichen Herausforderungen, weiterhin großartige Designs in einer großartigen Qualität zu einem erschwinglichen Preis anzubieten. Außerdem hat E-Commerce die Einzelhandelsbranche in den vergangenen Jahren völlig revolutioniert. Um im Geschäft zu bleiben, muss man ein relevanter Akteur im E-Commerce sein und die richtigen Investitionen in Infrastruktur, Technologie und seine Teams tätigen, um dieses Geschäft zu entwickeln. F: Was braucht es, um erfolgreich Mode zu machen? PM: Unsere Stärke bei Guess ist, dass wir den Prinzipien unserer Marke immer treu bleiben und stets einen klaren Fokus darauf haben, wer wir sind. Ich glaube, dass es in der Mode wichtig ist, mit Trends Schritt zu halten, aber ich mag es nicht, wenn Marken zu Trendopfern werden. Nach all den Jahren habe ich gelernt, dass Guess nicht nur ein Unternehmen ist: Guess ist eine Familie. Wir haben mehrere MitarbeiterInnen im Unternehmen, die vom ersten Tag an bei uns waren, und das ist enorm außergewöhnlich. Ich bin nicht nur glücklich, sondern auch begeistert von dem, was wir bisher erreicht haben! Es dahin zu bringen, ein solides Unternehmen mit über 1'600 Filialen in mehr als 100 Ländern mit über 25 Produktkategorien zu sein, ist kein einfacher Weg. Wir respektieren unsere Wurzeln und fallen nicht auf jeden saisonalen Trend herein. Wir stellen hochwertige Kleidung und Accessoires her, die zeitlos und unverzichtbar sind, immer mit Blick auf die Nachhaltigkeit. F: Weshalb wollten Sie früher unbedingt in der Modebranche arbeiten? PM: Ich habe wegen des American Dreams mit der Mode angefangen! Ein Traum, den ich mit meinen Brüdern teilte, als wir vorhatten, zwei Wochen in den Ferien nach Los Angeles zu fahren. Wir blieben schlussendlich 148

zwei Monate! Ich habe Mode und Werbung schon immer geliebt. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, jeden Tag das zu tun, wofür ich am meisten Leidenschaft empfinde. Die Werbekampagnen von Guess sind mir sehr wichtig und spielen eine wichtige Rolle in der Markengeschichte und in unserem Image. F: Wie stellen Sie sich die Modebranche in zehn Jahren vor? PM: Immer noch attraktiv, verführerisch, funktional, vielseitig und vor allem weniger umweltschädlich. Ich träume davon, in einer Branche zu arbeiten, auf die man stolz sein kann. F: Wovon lassen Sie sich inspirieren? PM: Meine Inspirationen kommen aus der Musik, von Reisen und aus Schwarz-Weiß-Filmen aus den 50er und 60er Jahren. Diese haben mich schon in jungen Jahren inspiriert, das widerspiegelt sich seit jeher in unseren Kampagnen. F: Wo auf der Erde gefällt es Ihnen am besten? PM: Seit 2004 habe ich eine besondere Verbindung zu Tahiti, als ich mit meiner Frau Taha’a und Raiatea besuchte. Damals verliebte ich mich in das Land und die tahitische Kultur. Die Sonnenuntergänge dort sind einfach unglaublich. F: Sie sind eine Inspiration für junge DesignerInnen und ModeunternehmerInnen. Zu wem schauen Sie selbst auf? PM: Meine größte Inspiration war schon immer mein älterer Bruder Maurice Marciano. Seit dem Beginn unserer Guess-Reise war er mein Vorbild hinsichtlich seiner Arbeitsmoral, seinem unersättlichen Bedürfnis, immer dazuzulernen, seiner Fähigkeit, starke Teams zu bilden und seinem starken Glauben daran, dass wir immer das Richtige für die Langlebigkeit der Marke tun würden. Seine starken Ideen haben mich stets dazu inspiriert, mich zu übertreffen. F: Was tun Sie, wenn Sie frei haben? PM: Meine Familie ist meine größte Quelle für Glück und Ausgeglichenheit. Ich genieße auch zeitgenössische Kunst; eine Leidenschaft, die ich mit meinem Bruder Maurice teile. Es ist sehr faszinierend für mich, neue KünstlerInnen aus der ganzen Welt zu entdecken. F: Sammeln Sie auch Kunst? PM: Ich habe ein Faible für zeitgenössische und moderne Kunst, und einige meiner Lieblingsstücke hängen im Guess-Hauptsitz in Los Angeles. Einige meiner Stücke aus der Sammlung kommen von KünstlerInnen wie Sterling Ruby, Mariko Mori, Jim Lambie, Chiho Aoshima, Thukral & Tagra, Allora & Calzadilla und Takashi Murakami. F: Wie müssen wir uns Ihr Zuhause vorstellen? PM: Mein Zuhause ist modern, aber sehr einladend und friedlich. Der Mittelpunkt meines Hauses ist meine Küche: Hier verbringe ich die meiste Zeit mit meiner Familie, meinen FreundInnenen und selbst zubereiteten Mahlzeiten. Mein Garten ist einer meiner liebsten Orte; er ist voller wunderschöner Bäume und Blumen. Ich liebe Blumen, besonders Rosen. F: Welche Geschichte aus Ihrem Leben müssen Sie uns unbedingt erzählen? PM: Die lustigsten, aber auch kühnsten Erinnerungen, die ich habe, stammen von einem Guess-KampagnenShooting in Sevilla während eines Stierkampfes... ohne Guess-Stücke! Was für eine Erfahrung! N°04 / 2023


Süß und sexy: Diesen Spagat schafft Guess seit Jahren.

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MOBILE

SIT. Redaktion: Neda Hofer, Marina Warth

Es sind die Möbel, die einen Raum zu einem Zuhause machen. Davon gibt es viele – von Stücken des gelb-blauen Riesen bis zum Designer-Teil. Wir sehen uns bei denen um, die es im Blut haben, das Schöne und das Funktionale zu verbinden: bei den ItalienerInnen. 152

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Der Gelackte

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Name: .................................................................... Capitello Jonico Brand: .............................................................................. Fornasetti DesignerIn: ........................................................ Piero Fornasetti Inspiration: ....................................................... klassische Kunst

Jahr: ............................................................................................... 1950 Beschreibung: ......................................... handverzierter Stuhl mit Massivholzbeinen Preis: ..................................................................................... ca. 4'410.– 153


CHARMING

TAUSENDSASSA

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Sieht unbequem aus – aber auch nach Spaß!

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Man wird das Gefühl nicht los, dass Simon Lohmeyer die Glücksformel geknackt hat. Das mag an der Unbeschwertheit seiner Fotos liegen, in deren Essenz Freude steckt. Oder an seiner Art, das Leben als das zu sehen, was es ist: eine Chance. Gerade kurvt der Bayer im VW-Bus durch die Welt und hält die Füße höchstens kurz still, um uns unsere brennendsten Fragen zu beantworten.

FACES: Hat Fotografie mehr mit Kunst oder Handwerk zu tun? Simon Lohmeyer: Fotografie ist in ihrer wahren Form Kunst, das Handwerk kommt von ganz alleine. Ich glaube nicht daran, dass man Fotografie lernen muss. Man hat eine Idee und arbeitet sich an das gewünschte Motiv heran. Unscharf, verwackelt und auch mal ein hoher ISO sind Teil dieser Kunst – Leute, die das als schlechtes Handwerk betrachten, sind engstirnig. F: Fotografierst du digital oder analog und weshalb? SL: Als Kind der digitalen Fotografie war ich von Beginn an stark davon beeinflusst. Mit der Zeit haben mich die Mengen und das unerschöpfliche Ausmaß der digitalen Welt sehr ermüdet. Ich habe vom Autofokus zum manuellen Fokus gewechselt und dabei in der analogen Fotografie meine große Liebe gefunden. Bei vielen meiner Nudes muss alles ziemlich schnell gehen, weshalb ich mich beispielsweise für mein Nackedei-Foto in Rom vor dem Trevi-Brunnen für digital entschieden habe. Aber wenn ich alleine mit einem unbekleideten Model auf Island an einem verlassenen Vulkanstrand stehe, ist auch genügend Zeit für analog. Ich liebe beides. F: Was war deine erste Kamera, und wie kamst du dazu? SL: Meine erste Kamera bekam ich als fast Zehnjähriger von meinem Vater. Als junger Hüpfer waren meine FreundInnen und ich große Fans des Jackass-Hypes. Mit der Kamera haben wir viele Dinge nachgestellt. Heute wäre das Material super für lustige Pannen-Clips und -Fotos. F: Was ist für dich die größte Herausforderung dabei, ein gutes Foto zu schießen? SL: Die größte Herausforderung ist, den Menschen vor meiner Linse ein vertrauensvolles und gutes Gefühl zu geben, wenn ich jemanden portraitiere oder nackt vor der Linse habe. Das Bild wird nur dann gut, wenn man sich gegenseitig aufeinander einlässt. F: Welchen Fotograf oder welche Fotografin vergötterst du? SL: Die zwei Menschen, von denen ich persönlich wohl am meisten lernen durfte, sind Daniella Midenge und Nicolas Guérin. Mit beiden habe ich viel Zeit verbracht. Daniella hat mir beigebracht, wie man sich für den Moment des Shootings in eine Person verliebt; das verleiht einem die Kraft, das Beste aus dem Menschen heraus zu holen. Von Nicolas habe ich gelernt, wie man aus den wohl unspannendsten Momenten ein Meisterwerk produziert. Andere FotografInnen, deren Arbeit ich enorm schätze, sind Ren Hang, Ellen von Unwerth, Tim Walker, Guy Bourdin, Steve McCurry und Harry Gruyaert. F: Welches berühmte Foto fasziniert dich am meisten? SL: An berühmten Bildern liebe ich wohl dokumentarische Momente am meisten, die unter anderem unsere Gesellschaft beeinflussen, uns an die Hand nehmen und uns eines Besseren belehren oder eine Zeitenwende her166

Interview: Marina Warth Fotos: Simon Lohmeyer

vorrufen. Beispiele wären etwa der Bruderkuss mit Breschnew und Honecker, das Napalm-Mädchen aus Vietnam, die Hinrichtung des Saigon und das Foto, das Neil Armstrong auf dem Mond von seinem Kollegen geschossen hat. F: Auf welche deiner Kameras hast du am längsten gespart? SL: Das war wohl meine erste Leica. Das wurde dann auch ein neuer Abschnitt meiner Fotografie – mit Leica begann das Fotografen-Ich damit, sich wirklich zu verfestigen. F: Wie schaffst du es, deinen Models jegliche Nervosität zu nehmen? SL: Das geht nur, wenn das Model sich in einem absolut sicheren Safe-Space mit mir befindet. Eine aufrichtige Kommunikation und ein respektvoller Umgang sind unumgänglich. Gerade in der Nude-Fotografie wird viel Unfug getrieben. Dennoch hat jeder so seine Eigenheiten. Ich zum Beispiel mache mich beim Fotografieren ab und an ebenfalls nackig, als ausgleichende Gerechtigkeit sozusagen. F: Wie gelingt ein gutes Aktfoto? SL: In meiner Fotografie spielt die Location eine große Rolle. Schaffe ich es dann noch, gemeinsam mit meinem Model eine humorvolle, super ästhetische oder sehr natürliche Situation zu kreieren, schaut am Ende in der Regel ein gutes Aktfoto raus. F: Wie findest du die Locations für deine Aufnahmen, und wo fotografierst du am liebsten? SL: Das passiert meistens spontan. Auf meinen Reisen übermannt mich dann ein Platz oder eine Situation, und dann beginnt eigentlich die lustigste Aufgabe, jemanden zu finden, der den Moment als mein Nacktmodel füllt. Meistens geht das aber mittlerweile relativ schnell. F: Wie lange bearbeitest du deine Fotos, bevor du sie veröffentlichst? SL: Als ich angefangen habe zu fotografieren, habe ich sehr viel mehr Zeit damit verbracht, Bilder zu bearbeiten. Heute erledige ich nur noch meine Farbkorrektur und bin fertig. Man wird ja auch besser darin, genau das zu fotografieren, was man am Ende haben möchte. F: Woher holst du die Inspiration für deine Fotoprojekte? SL: Gute Inspiration kann überall herkommen. Aus Filmen und Büchern, aber insbesondere aus dem Moment. Wenn ich eine Location vor mir habe, die mir gefällt, sehe ich das Model vor meinem inneren Auge und weiß genau, wie es sich vor der Kamera zu bewegen hat. Das Posing mache ich fast ausschließlich immer vor – die Models lieben das. F: Wie viel verdient man als professionelle FotografIn? SL: Eine Obergrenze gibt es nicht. F: Wer ist wichtiger: die FotografIn oder das Model? SL: Beides zu gleichem Maße! N°04 / 2023


Die besten Fotos entstehen spontan.

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UNREAL

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ON Kitsch gesucht und gefunden.

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