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CannaVision - 01/2022

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Wissenschaft + Praxis

LED-basierte Cannabisproduktion BvCW Branchenblick Benachteiligung der Finanzdienstleister

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Wissenschaft + Praxis Hanf und seine Cannabinoide

Foto: Fluence by OSRAM

Eyepress Fachmedien GmbH Saarner Str. 151, 45479 Mülheim a. d. Ruhr 1H 8037 E

Jahrgang 01 ISSN 0721-1600 1H 8037E

DA S M AGA Z I N F Ü R D I E C A N NA B I SW I RT S C H A F T

Recht + Politik Akteure und Prozesse der Genussmittelregulierung

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Wir sind die Stimme der Cannabiswirtschaft Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V.

5 FACHBEREICHE - IHRE BRANCHE

Genussmi�elRegulierung

Medizinalcannabis

Nutzhanf & Lebensmi�el

CBD & weitere Cannabinoide

Technik, Handel & Dienstleistung

IHRE VORTEILE • • • • • •

Informa�onszugang Poli�sche Einflussnahme Fachliche Beratung Repräsenta�on Marktbeobachtungen Veranstaltungen

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Ermäßigungen PR & PA Arbeit Qualitätssicherung Forschung & Wissenscha� Stellenbörse

UNSERE LEISTUNGEN ETABLIERT

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• Einführung von Qualitätssiegeln • Cannabis Branchenverzeichnis & vieles mehr

Kontakt zu Poli�k & Behörden Starke Medienpräsenz Wöchentlicher kostenloser Business-Newsle�er Publika�onsreihe „ELEMENTE“ Regelmäßige Treffen aller vier Fachbereiche Website & fünf Social-Media-Seiten Interne Veranstaltungen Kon�nuierliche Lobbyarbeit

Ohne Mitgliedscha� ist eine Unterstützung ab 365 € p.A. möglich. Alle Informa�onen zum Mitmachen finden Sie unter: www.cannabiswirtschaft.de/#mitgliedschaft

Kontak�eren Sie uns für weitere Informa�onen über kontakt@cannabiswirtscha�.de Branchenverband Cannabiswirtscha� e.V. · Luisenstr. 54 · 10117 Berlin

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INHALT

Auf einen Blick 05 07 09 45 50

Branchenticker Aus der Wissenschaft BvCW Aktuell Firmenindex Das Beste zum Schluss: Jürgen Neumeyer

BvCW Branchenblick 10

Die Cannabiswirtschaft stellt sich vor

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Banken und Zahlungsdienste benachteiligen Hanffirmen Michael Greif und Benjamin Patock

Wissenschaft + Praxis 16

24

Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW)

28

LED-basierte Cannabisproduktion Timo Bongartz

20 Das „Geschlossene System“ Michael Huber

24 Hanf und seine Cannabinoide Stefan Meyer

Recht + Politik

28 Akteure und Prozesse der Genussmittelregulierung Jürgen Neumeyer

International

32 Grenzüberschreitende Streitigkeiten und Investitionsschutz Rodolphe Ruffié

42

Im Rampenlicht

36 Zu Besuch bei MH medical hemp Rebekka Nurkanovic

39 Eine Pflanze mit vielen Gesichtern Marijn Roersch van der Hoogte

Betrieb + Marketing

42 Der Konsument im Fokus

Interview mit Shane McGuill und Spiros Malandrakis

Marktübersicht

46 Beleuchtungssysteme

Impressum Anschrift des Verlages Eyepress Fachmedien GmbH Saarner Str. 151 45479 Mülheim a. d. Ruhr Tel.: +49 208 306683-00

Chefredakteurin Rebekka Nurkanovic Tel.: +49 208 306683-18 E-Mail: RN@cannavision.eu

Geschäftsführer Petros Sioutis E-Mail: p.sioutis@eyepress.de

Anzeigenleitung Constanze Claßen Tel.: +49 208 306683-20 E-Mail: CC@cannavision.eu

Herausgeber Silke Sage, Petros Sioutis, Efstathios Efthimiadis

Marie Sonntag Tel.: +49 208 306683-21 E-Mail: MS@cannavision.eu

Anzeigenpreise Preisliste Nr. 01 vom 01.01.2022 Design + Produktion Efstathios Efthimiadis Pascal Bruns E-Mail: produktion@eyepress.de

Redaktioneller Beirat Jürgen Neumeyer, BvCW Branchenverband Cannabiswirtschaft e. V.

Erscheinungsweise Zweimal im Jahr

www.cannavision.eu

Fotocredits: S. 3: H_Ko, S. 4: Konstantin, S. 6: REVOLT, S. 7: Patrick Case, CBD Infos, S. 10: Nick Harsell, S. 20: Aleksandr, S.24: Tartila, S. 26: DavidBautista, S. 28: creativefamily, S. 32: bakhtiarzein, S. 42: beeboys /stock.adobe.com /unsplash.com /pixabays.com

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VORWORT

Wandel gestalten

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s ist nicht alltäglich, dass es für einen Wirtschaftszweig einen so markanten Vorzeichenwechsel gibt, wie es derzeit in der Cannabisbranche der Fall ist. Nach geduldiger Vorarbeit zahlreicher Interessenvertreter unserer Branche und auch der Nutzer der vielseitigen Cannabispflanze, markiert 2022 den Aufbruch in eine neue Zeit. In Deutschland muss die Koalition aus SPD, FDP und Grünen ihren Vorsätzen Taten folgen lassen und die lizenzierte Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken umsetzen. In der Schweiz starten Pilotprojekte, in denen Cannabis zu eben jenem Zweck legal verkauft wird. Die Cannabisbranche ist also in einer spannenden und verheißungsvollen Phase. Wie die Politik ihre Vorhaben ausgestalten wird, aber auch wie sich der Markt und die Identität der Branche entwickeln werden, ist noch völlig offen. Jetzt sind alle Stakeholder gefragt, ihren eigenen Leitstern zu definieren und ihm zu folgen. Ein Merkmal kann und sollte der Fokus auf Produktqualität und Transparenz sein, auch jenseits der Verwendung als Medizin oder Genussmittel. Mit CannaVision wollen wir der aufstrebenden Cannabisbranche ein B2B-Magazin bieten, das sie auf diesem Weg begleitet. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bringen die Eyepress Fachmedien GmbH und der Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) 4|

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ihr gebündeltes Knowhow ein. Experten des BvCW bilden den redaktionellen Beirat von CannaVision. Gemeinsam arbeiten wir daran, Sie vielseitig und umfassend zu informieren. Der Fokus von CannaVision liegt auf Fachartikeln aus Branchensicht. Beiträge zu Business und Marketing sind ebenso Bestandteil des Magazins wie praxisbezogene Fachartikel und Wissenswertes zu Recht und Politik. In der ersten Ausgabe von CannaVision gibt Stefan Meyer in dem Artikel „Hanf und seine Cannabinoide“ einen Überblick über die analytischen Methoden, Grundsätze sowie gesetzlichen Vorschriften für Hanfprodukte. Ein praxisnaher Beitrag von Michael Huber ist den Anforderungen an Klimasysteme gewidmet. Im BvCWBranchenblick erfahren Sie, wie Firmen aus der Cannabisbranche regelmäßig von Finanzdienstleistern benachteiligt werden. Nicht zuletzt teilt Jürgen Neumeyer in einem kommentierenden Überblick seine Einsichten zu wichtigen Akteuren und Prozessen der Genussmittelregulierung in Deutschland. Ich freue mich sehr, dass wir den spannenden Aufbruch der Cannabisbranche in eine neue Epoche begleiten werden und wünsche Ihnen viel Vergnügen mit der Premierenausgabe von CannaVision! ↙

Rebekka Nurkanovic Chefredakteurin RN@cannavision.eu www.cannavision.eu

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AUF EINEN BLICK

Branchenticker Cannify: Umbenennung in enua Pharma GmbH Cannify fimiert künftig als enua Pharma GmbH, teilt das Unternehmen mit. Damit möchte es seine Rolle auf den Freizeitmarkt ausbauen, für den sich mit den Legalisierungsplänen der Ampelkoalition in Deutschland ein starkes Wachstumspotential eröffnet. „Die Änderung des Namens zur enua Pharma schafft für uns einen noch höheren Wiedererkennungswert und hilft uns schon jetzt beim Markenaufbau im milliardenschweren Markt von Cannabis zu Genusszwecken“, so Lars Möhring, Gründer der enua Pharma GmbH. „Vor vier Jahren haben wir einen Pioniermarkt betreten und sind als einer der zehn größten Händler für medizinisches Cannabis in

Demecan: GMP-Zertifikat für Cannabisproduktionsstätte Der deutsche Produzent von medizinischem Cannabis, Demecan, hat für seine Produktionsanlage bei Dresden die Herstellungserlaubnis nach §13 AMG und GMP-Zertifizierung (Good Manufacturing Practice) erhalten. Die von der sächsischen Landesbehörde erteilte GMP-Herstellungslizenz erlaubt es dem Unternehmen, ab sofort getrocknetes Cannabis als

Deutschland etabliert. Jetzt wollen wir die Weichen für den Freizeitmarkt stellen, sobald die Ampelkoaliton Cannabis für diesen freigibt. Die Lizenz für Cannabis haben wir – jetzt auch einen neuen Namen.“ Das Unternehmen will Menschen einen leichten und nachhaltigen Zugang zu Cannabis ermöglichen und dabei die positiven Wirkungen von Cannabis für Gesundheit und Wohlbefinden in den Vordergrund stellen. „Unser Ziel ist es, dass die enua Pharma als Unternehmen für Cannabis den rapide wachsenden Markt versorgt,“ sagt Markus Musiol, Gründer der enua Pharma GmbH. „Die Expertise und das Know-how, welches wir aus dem medizinischen Sektor uns nach vier Jahren Erfahrung angeeignet haben, sollen nun auf dem Recreational

Markt übertragen werden und helfen, die Versorgung sicher, ganzheitlich und verantwortungsvoll zu erfüllen. Cannabis soll das Stigma verlieren.“

Arzneimittel herzustellen. Die international anerkannte Zertifizierung soll die hohe Qualität von Arzneimitteln über den gesamten Herstellungsprozess sichern und bedeute höchste Herstellungsstandards, die unabhängig durch die Pharmaziebehörden überwacht und inspiziert werden. Der Mediziner und Demecan-Geschäftsführer Dr. Adrian Fischer freut sich: „Die GMPZertifizierung ist der strengste Standard, den Hersteller erfüllen müssen, da man von

Arzneimitteln eine hohe Qualität erwartet. Dass wir dieses Zertifikat nun in den Händen halten, ist ein außerordentlicher Meilenstein in der jungen Geschichte von Demecan und ein wichtiger für den Aufbau des deutschen Cannabiszentrums in Sachsen. Als Gründer und Geschäfts­­­führer bin ich sehr dankbar für das großartige Team, mit dem wir es geschafft haben, nur sechs Wochen nach Fertigstellung unseres Gebäudes die Inspektion zu bestehen. Und das, obwohl wir gleichzeitig die Produktionskapazität voll hochgefahren haben. Das ist eine unglaubliche Leistung und das werden wir, sobald es die Corona-Lage zulässt, angemessen feiern.“ Das Unternehmen plant noch in Quartal 1/22 die ersten Produkte an die staatliche Cannabisagentur und darüber an die Apotheken zu liefern. Die eigenhergestellten Blüten ergänzen dann das bestehende Florestura Blüten-Portfolio.

Foto: Demecan

Vayamed: Partnerschaft mit Telaleaf im Bereich Telemedizin Der Berliner Medizinalcannabis-Anbieter Vayamed, ein Tochterunternehmen der Sanity Group GmbH, spezialisiert auf die Entwicklung und den Vertrieb von Arzneimitteln auf Cannabinoidbasis für den europäischen Markt und das kanadische Telemedizin-Unternehmen Telaleaf haben

Quelle: enua Pharma GmbH

Markus Musiol und Lars Möhring: Cannify wird zur enua Pharma GmbH. Foto: enua Pharma GmbH

Quelle: Demecan

eine strategische Partnerschaft vereinbart. Ziel sei, die Qualität der telemedizinischen Dienstleistungen in der Cannabis-Therapie in Deutschland durch eine hochwertige virtuelle Versorgung zu stärken. Die Kooperation umfasse dabei u. a. Informations- und Beratungsangebote für Telaleaf-Ärzte und Ärztinnen sowie Programme im Bereich der Talentförderung und Weiterbildung an füh-

renden medizinischen Fakultäten. Die Plattform wird von führenden Experten beraten, darunter Prof. Dr. med. Kirsten Müller-Vahl und Dr. med. Franjo Grothenhermen. Die Fachschulung der teilnehmenden Ärzte und Ärztinnen erfolgt in Zusammenarbeit mit der Dresden International University. Quelle: Sanity Group 2022_01

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AUF EINEN BLICK

Branchenticker Puregene: Expansion nach Nordamerika Die Puregene AG hat bekannt gegeben, dass sie ihre Geschäftstätigkeit nach Nordamerika ausweitet. Das Unternehmen sieht darin den Höhepunkt von über drei Jahren wissenschaftlicher ­ Entwicklung, gepaart mit einer Validierung in der Praxis. Das landwirtschaftliche Technologieunternehmen

LATI trifft Vertriebsvereinbarung mit The Hemp Plastic Company LATI Industria Termoplastici aus Vedano Olona, Italien, ein Hersteller von selbstverlöschenden und thermoplastischen Hochleistungskunststoffen, und The Hemp Plastic Company aus Boulder, Colorado, USA, ein Anbieter von nachhaltigen Hanfkunststoffen, haben im Oktober die Unterzeichnung einer Vereinbarung über den Vertrieb der ökologischen Hanfmischkunststoffe von The Hemp Plastic Company bekannt gegeben. Diese Hanfkunststoffe können in verschiedenen ­Bereichen der Kunststoffindustrie eingesetzt werden, sei es Verpackungen, Automobilindustrie, Möbel, Spielzeug und vielen mehr. Nach Angaben von LATI setzt das Unternehmen damit seinen Weg in eine grünere Zukunft fort. Seit Jahren setze es sich dafür ein, Alternativen zu Kunststoffen anzubieten, die ausschließlich auf nicht erneuerbaren Quellen basieren. Das Sortiment von LATI umfasse nun nachhaltige Produkte wie Kompositionen auf Basis von Polymeren aus mechanischem oder chemischem Recycling oder aus erneuerbaren Quellen. 6|

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biete im Rahmen der vorgeschriebenen Bedingungen eine Garantie dafür, dass das Endprodukt der Partnerunternehmen innerhalb des angestrebten THC-Bereichs und Ertrags liegt. „Der firmeneigene Ansatz der Puregene AG wurde als Lösung für ein Problem entwickelt – variable Erträge und ungleiche THC-Werte zwischen den Ernten“, sagte ­D r. Gavin George, Mitbegründer und Direktor für Forschung und geistiges Eigentum. „Wir wissen, dass die Verbraucher und Einzelhändler in Kanada und in Nordamerika im Allgemeinen nach einer konsistenten Erfahrung mit jedem Gramm,

das sie kaufen, suchen. Unser fortschrittliches Sortenentwicklungsprogramm wurde entwickelt, getestet und validiert, um diese Beständigkeit und ständige Verbesserung zu gewährleisten.“ In Zusammenarbeit mit ausgewählten Partnerproduzenten werde die Puregene AG die Genetik, die Betriebsabläufe und die damit verbundenen Anbauaktivitäten optimieren, um Merkmal für Merkmal Sorten zu entwickeln, die für ein optimales Wachstum in jeder Anbaumodalität – sei es im Innen-, Außen- oder Gewächshausanbau – geeignet sind. Dies werde den führenden Unternehmen des Cannabis-Sektors eine bessere Möglichkeit bieten, die von den Verbrauchern geforderten differenzierten Produkte auf den Markt zu bringen.

„Wir freuen uns, mit LATI zusammenzuarbeiten, um unser Sortiment an umweltfreundlichen Hanfpolymeren auf den europäischen Markt zu bringen“, sagte Glen Kayll, CEO von The Hemp Plastic Company. „Hanf ist einer der besten natürlichen Kohlenstoffabsorber der Natur, und zusammen mit einem führenden Unternehmen wie LATI können wir den Übergang unserer gemeinsamen Kunden zu nachhaltigen Alternativen beschleunigen, welche Kunststoff- und Kohlenstoffemissionen reduzieren und erschwinglich, in

großen Mengen verfügbar und relativ einfach zu implementieren sind. „Nachhaltigkeit war schon immer ein grundlegender Wert für LATI, der die Art und Weise, wie wir unsere Geschäfte führen und mit allen Stakeholdern umgehen, leitet“, sagte Vittorio Gerola, Sales Director von LATI. „Dank der Partnerschaft mit The Hemp Plastic Company bieten wir eine zusätzliche Lösung für die Nachhaltigkeitsziele unserer Kunden und für die Reduzierung der Kohlenstoffemissionen.“

Quelle: Puregene AG

Quelle: LATI & the Hemp Plastic Company

Foto: LATI & the Hemp Plastic Company

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AUF EINEN BLICK

Aus der Wissenschaft Studie: Cannabis nach Sportverletzungen Die amerikanische National Football League hat die Finanzierung einer neuartigen klinischen Studie bekanntgegeben, in der die therapeutische Wirksamkeit und mögliche unerwünschte Wirkungen von Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), Cannabidiol (CBD) und einer Kombination der beiden Wirkstoffe zur Behandlung von Schmerzen nach Wettkämpfen, die durch Weichteilverletzungen verursacht wurden, im Vergleich zu einem Placebo untersucht werden soll. Die randomisierte Doppelblindstudie wird Tests und die Überwachung von Profi-Rugbyspielern umfassen. Sie wird gemeinsam von Mark Wallace, MD, Spezialist für Schmerztherapie und Direktor des Zentrums für Schmerzmedizin an der UC San Diego Health, und Thomas Marcotte, PhD, Professor für Psychiatrie an der University of California School of Medicine und Co-Direktor des Zentrums für medizinische Cannabisforschung (CMCR) an der UC San Diego, geleitet. Profi-Rugby wurde für die Studie ausgewählt, weil es den Arten von Verletzungen ähnelt, die auch NFL-Spieler erleiden, so die Forscher, und weil es logistisch besser machbar ist.

Studie: Analyse von CBD-Ölen Forschende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) haben eine nach eigenen Angaben einfache, kostengünstige und präzise Analyse von CBD-Ölen entwickelt. Damit lässt sich neben CBD auch eine Variante des Tetrahydrocannabinols (THC) nachweisen. Die Studie ist in „Results in Chemistry“ erschienen. CBD-Öle werden hergestellt, indem der Extrakt aus der Hanfpflanze mit einem pflanzlichen Öl verdünnt wird. „Ihre Qualität muss sichergestellt und die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen vor Betrug geschützt werden“, sagt Prof. Dr. René Csuk vom Institut für Chemie der MLU. Für die CBD-Konzentration gibt es keine Grenzwerte, sehr wohl aber für den Gehalt an THC, das beim Menschen Rauschzustände auslösen kann. Eine Variante des THC kommt natürlicherweise in der Hanfpflanze vor und darf in den Ölen

„Eine Neuerung dieser Forschung ist die Verwendung eines ‚realen Modells‘ der NFL-Verletzungslast mit einer Gruppe von Spitzensportlern, die ähnliche Verletzungen erleiden“, sagte Marcotte. „Es ist die erste randomisierte Studie ihrer Art, die die mögliche praktische Wirksamkeit von Cannabinoiden bei Schmerzen nach Wettkämpfen untersucht.“

Das primäre Ziel der Studie ist die ­B ewertung der Schmerzlinderung und der Genesung. Zu den sekundären ­Z ielen gehört die Bewertung der Auswirkungen auf die körperliche Funktion, den Schlaf, die Kognition und die Stimmung.

zu maximal 0,2 Prozent enthalten sein. Der Nachweis von CBD und THC war bisher nur mit einer relativ aufwendigen Methode möglich. „Wir schaffen es jetzt, die Stoffe in weniger Arbeitsschritten, kürzerer Zeit und an günstigeren Geräten zu analysieren, die in vielen Laboren vorhanden sind. Trotzdem weisen wir zuverlässig auch geringe Konzentrationen nach“, sagt die Chemikerin Theresa Schmidt, Erstautorin der neuen Studie. Dazu nutzen die Forschenden die sogenannte Hochleistungsdünnschichtchromatographie. „Das funktioniert im Grunde wie bei einem Schulversuch, bei dem man zerkleinerte Blätter mit Reinigungsbenzin übergießt und ein Stück Kreide hineinstellt. Die Benzin-Blattgrün-Lösung wandert das Kreidestück hoch, wobei sich das Grün in mehrere Farbstoffe auftrennt“, erklärt Schmidt. Nach demselben Prinzip trennen sich die Inhaltsstoffe der Öle auf und können anschließend darauf untersucht werden, um

welchen Stoff es sich handelt und in welcher Menge dieser vorhanden ist. In der Studie wurden Produkte auf Basis von Oliven-, Sonnenblumen- und Hanfsamenöl getestet. „Für die Probenvorbereitung plus Analyse benötigt man nur 30 Minuten anstatt ein bis zwei Stunden wie bei der vorher üblichen Methode. Dabei können bis zu zehn Proben gleichzeitig bearbeitet werden“, so Schmidt.

Quelle: UC San Diego Health

Quelle: MLU

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AUF EINEN BLICK

Aus der Wissenschaft Studie: Cannabinoide aus Amöben Ein Forschungsteam des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans Knöll-Institut in Jena (Leibniz-HKI) hat eine neue Methode entwickelt, um komplexe Naturstoffe in Amöben zu produzieren. Zu den sogenannten Polyketiden gehören unter anderem verschiedene Antibiotika, aber auch Olivetolsäure, eine Vorstufe des pflanzlichen Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC). Die Ergebnisse wurden in Nature Biotechnology veröffentlicht. Polyketide sind Naturstoffe mit einer Vielzahl therapeutischer Anwendungsmöglichkeiten, darunter Olivetolsäure, eine der zentralen Cannabinoidvorstufen. Sie wird für die Synthese von THC benötigt, einem natürlichen Inhaltsstoff der Cannabispflanze. „THC in Reinform aus der Fülle von Stoffen zu isolieren ist aber sehr aufwendig“, sagt Falk Hillmann, Leiter der Nachwuchsgruppe „Evolution mikrobieller Interaktionen“ am Leibniz-HKI und einer der Studienleiter. Auch die chemische Synthese von THC sei teuer, die Ausbeute gering. Deswegen erforscht er mit einem Team, wie solche Pflanzenstoffe biotechnologisch effizient hergestellt werden können. „Bisher werden dafür meist Bakterien wie Escherichia coli oder die Hefe

Saccharomyces cerevisiae verwendet, die selbst keine Naturstoffproduzenten sind“, erklärt Vito Valiante, Leiter der kooperierenden Nachwuchsgruppe „Biobricks mikrobieller Naturstoffsynthesen“ am Leibniz-HKI. Entsprechend seien sehr viele gentechnische Änderungen nötig, um die Synthese in diesen klassischen Modellorganismen möglich zu machen. Das Forschungsteam suchte deswegen nach Alternativen. Ein vielversprechender Kandidat ist die Amöbe Dictyostelium discoideum, die selbst zahlreiche biosynthetische Gene zur Produktion von Naturstoffen wie Polyketiden besitzt. „Bei näherer Betrachtung der Gene ist uns aufgefallen, dass einige eine hohe Ähnlichkeit zu pflanzlichen Biosynthesegenen aufweisen“, so Erstautorin Christin Reimer, die sich in ihrer Doktorarbeit mit dem Thema beschäftigt. Um zu testen, wie gut sich D. discoideum als biotechnologische Produktionsplattform eignet, ließen die Forschenden die Amöbe zunächst das Nahrungsergänzungsmittel Resveratrol produzieren, ebenfalls ein Polyketid. Anschließend bauten sie das pflanzliche Enzym zur Produktion der THC-Vorstufe Olivetolsäure in das Genom der Amöbe ein. Allerdings war der Zusatz

chemischer Vorstufen nötig, um die Synthese zu ermöglichen. Um das zu umgehen, machten sich die Forschenden die natürlichen Eigenschaften der Amöbe zunutze und kombinierten das pflanzliche Enzym mit einem Enzym der Amöbe. „Die Amöbe ist in der Lage, direkt vor Ort die benötigte Vorstufe, eine Hexan-Einheit, herzustellen“, erklärt Hillmann. So gelang es dem Forschungsteam schließlich, ein funktionales Hybrid-Enzym herzustellen, das ohne weitere Zusätze Olivetolsäure herstellt. „Durch unsere Forschung haben wir gezeigt, dass die Amöbe Dictyostelium als biotechnologische Produktionsplattform für Polyketidbasierte Naturstoffe genutzt werden kann“, so Reimer. Das Verfahren wurde bereits zum Patent angemeldet und werde laufend weiter verbessert. „Unser nächstes Ziel ist es jetzt, die beiden noch fehlenden Enzyme einzufügen, um das Endprodukt THC in den Amöben herstellen zu können“, so Hillmann. Originalpublikation: Reimer C, Kufs JE, Rautschek J, Regestein L, Valiante V, Hillmann F (2022). Engineering the amoeba Dictyostelium discoideum for biosynthesis of a cannabinoid precursor and other polyketides. Nat Biotechnol, https://doi.org/10.1038/s41587-021-01143-8 Quelle: Leibniz-HKI

Die einzellige Amöbe Dictyostelium discoideum kann sich zu einem vielzelligen Verband zusammenschließen und Fruchtkörper ausbilden, die Sporen produzieren. Bild: Falk Hillmann/Leibniz-HKI 8|

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AUF EINEN BLICK

BvCW Aktuell Einführung eines Qualitätssiegels für Hanfprodukte Auf dem deutschen und europäischen Markt gibt es eine Unmenge von mehr oder weniger kontrollierten CBD-Produkten. Auch wachsen die Anbaufläche für Hanf und der Hanfproduktemarkt in den letzten Jahren sehr stark an. Die Neo-Livia GmbH hat dazu 2019/20 mehrere Produkte gekauft und analysiert. Um vergleichbare Produkte zu analysieren, wurden zwölf unterschiedliche 10 %-CBD-Öle gekauft. Ohne auf Ross und Reiter einzugehen, das Ergebnis war unerwartet schlecht. Die Spanne des CBD-Gehaltes schwankte von ca. 12 % bis zu 4,6 % CBD. In einem vorherigen Test gab es Produkte auch gänzlich ohne CBD. Aus Kostengründen wurden nicht auch Schwermetalle, Pestizide und Schimmel mitanalysiert.

Nutzhanf aus dem Betäubungsmittel­gesetz heraus nehmen Der Branchenverband Cannabiswirtschaft e. V. (BvCW) hat mit einer umfassenden Recherche in Band 21 seiner Schriftenreihe ELEMENTE dokumentiert, warum es praktisch ausgeschlossen ist, dass Nutzhanf zu Rauschzwecken missbraucht wird. “Nach dessen Lektüre sollte klar sein, dass die zahlreichen Anklagen gegen kleine und mittlere Unternehmen hierzu nun eingestellt werden sollten”, so Marijn Roersch van der Hoogte, Fachbereichskoordinator

Ähnlich verhielt es sich mit dem CBD-Gehalt in CBD-Kosmetika. Dort wich der genannte CBD-Gehalt auf dem Etikett stark vom analysierten Gehalt ab. Diese immer wieder publizierten Qualitätsmängel von CBD-Produkten machen eine externe Kontrolle und unabhängige Überwachung der Qualität von Hanfprodukten zwingend notwendig. Der Branchenverband der Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) in Deutschland hat es sich mit seiner CBD-Arbeitsgruppe und dem Arbeitsbereich Qualitätssiegel zur Aufgabe gemacht, Normen für eine qualitative Bewertung von CBD-Produkten zu definieren und diese dann durch die Vergabe eines Qualitätssiegels auch zu bestätigen. Dafür hat sich der BvCW auch an einem DIN-Ausschuss beteiligt, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Analytik und die

Definition von CBD-Produkten festzuschreiben. Diese Arbeit steht kurz vor dem Abschluss. Die Arbeit des Bereiches Qualitätssiegel des BvCW wird sich sehr eng an die Ergebnisse des DIN-Ausschusses halten und dafür eng mit qualifizierten und auditierten Instituten aus Deutschland und der EU zusammenarbeiten. Sowohl die Definition von Qualitätsparametern von Hanfprodukten als auch deren Einhaltung und Überwachung ist umso wichtiger, da die neue Bundesregierung in Deutschland eine Freigabe von Hanfprodukten zeitnah anstrebt. Die Ergebnisse der verschiedenen Arbeitsgruppen des BvCW zur Regulierung einer Hanffreigabe finden Sie in den Publikationen ELEMENTE 14 und 20 auf www.cannabiswirtschaft.de.

für Nutzhanf und Lebensmittel beim BvCW. Die Abgabe bzw. der Verkauf von Nutzhanf darf laut Ausnahme im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) nur dann erfolgen, wenn ein Missbrauch (zu Rauschzwecken) ausgeschlossen ist. Dies führte in der Vergangenheit immer wieder zu Ermittlungsverfahren, Razzien und Geschäftsbehinderungen. Aktuell versuchen zahlreiche Staatsanwaltschaften in Deutschland Unternehmerinnen und Unternehmer zu Haftstrafen verurteilen zu lassen, weil selbst bei Nutzhanfprodukten mit einem sehr geringen THC-Gehalt von unter 0,2 % ein Missbrauchspotential

unterstellt wird. Zum Vergleich: Schwarzmarktcannabis hat im Schnitt aktuell über 13 % THC. Unstrittig ist, dass man gar nicht so viel Nutzhanf rauchen kann. Strittig war hingegen vor Gericht bisher, inwiefern ein Missbrauch durch Herstellung von Hanf­ gebäck ausgeschlossen ist. Der BvCW trägt mit der Recherche nun umfassend vor, ­warum ein Missbrauch in der Praxis ausgeschlossen ist. “Kosten und Aufwand ­stehen in keinem Verhältnis zum Ertrag, zudem ist hochpotentes Cannabis auf dem Schwarzmarkt leicht verfügbar”, erklärt van der Hoogte.

THC vom Schwarzmarkt

THC aus Nutzhanf

hoch

gering

ca. 1-3 Minuten („Joint drehen“)

ca. 75 Minuten (Gebäck herstellen)

Kosten für 15 mg THC

1,12 €

1,36 € bis 78,13 €

Menge an Rohmaterial für 15 mg THC

0,11 g

mindestens 7,5 g

Rauschwahrscheinlichkeit

Zeitaufwand zur Konsumvorbereitung

Vergleich THC vom Schwarzmarkt vs. THC aus Nutzhanf für den Endverbraucher. Tabelle: BvCW 2022_01

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BvCW BRANCHENBLICK

Die Cannabiswirtschaft stellt sich vor Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) Am 17.12.2019 kamen 14 Unternehmen in Berlin zusammen, um gemeinsam den Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. zu gründen, den ersten Wirtschaftsverband für die gesamte legale Cannabisbranche in Deutschland. Inzwischen sind im Verband 70 Unternehmen vertreten – Tendenz steigend. Der BvCW hat sich als die Stimme der Cannabiswirtschaft in Deutschland positioniert.

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U

m die nachhaltigen Potentiale der Cannabispflanze voll ausschöpfen zu können, sind einige Gesetzesänderungen erforderlich, zu deren Erreichung es viel Aufklärung und Überzeugungsarbeit benötigt. Der Verband steht als verlässlicher Ansprechpartner für Politik und Behörden bereit und konnte durch seine Lobbyarbeit u. a. bereits mehrere Gesetzesentwürfe und parlamentarische Anfragen positiv beeinflussen. So wurde z. B. beim Antrag von Linkspartei und Grünen zur Ausschöpfung der Potentiale von Nutzhanf mitgewirkt, Statements zur Rechtssicherheit von CBD gesammelt und auf der Fachmesse ICBC 2021 die wohl wichtigste Podiumsdiskussion für politische Fortschritte vor der Bundestagswahl 2021 organisiert, an der unter anderem auch der aktuelle Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert (SPD) teilnahm. Mit seiner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (über 100 Medienerwähnungen pro Jahr) klärt der Verband über das Thema Cannabis als Wirtschaftsgut zugunsten einer sinnvollen Marktregulierung auf. Hierzu gehört insbesondere auch die inzwischen 21 Bände umfassende Schriftenreihe zur Cannabiswirtschaft “ELEMENTE”, die diverse Informationszusammenfassungen (z. B. zu Medizinalcannabis, Nutzhanf, Fördermöglichkeiten etc.) sowie die Positionspapiere der Fachbereiche enthält. Die ELEMENTE-Bände sind größtenteils kostenfrei online abrufbar. Darüber hinaus kommuniziert der Verband die wesentlichsten Nachrichten auch über eigene Kanäle in den sozialen Medien. Die Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl, mit denen die Position der größten zur Wahl stehenden Parteien dokumentiert und bewertet wurden, erreichten alleine auf Facebook weit über 30.000 Ansichten. Der BvCW beobachtet sämtliche Entwicklungen zum Thema Hanf und hält alle Interessierten über einen kostenlosen wöchentlichen Newsletter über die öffentlichen Neuigkeiten auf dem Laufenden. Weitergehende Infos erhalten unsere Mitglieder exklusiv. Das Verbandsleben findet insbesondere in den fünf Fachbereichen statt. Der BvCW startete mit den vier Fachbereichen: “Medizinalcannabis”, “Nutzhanf & Lebensmittel”, “CBD & weitere Cannabinoide” sowie “Technik, Handel & Dienstleistungen”. Dort wurden gemäß den Wünschen unserer Mitglieder bereits zahlreiche Positionierungen beschlossen und entsprechende Gespräche mit den Verantwortlichen geführt. Diese Positionierungen werden fortlaufend aktualisiert, erweitert und vertieft. In zunehmendem Maße stoßen wir hierbei auf Detailfragen, bei denen wir froh sind, unseren wissenschaftlichen Beirat einbinden zu können.

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BvCW BRANCHENBLICK

Schon bevor die neue Ampel-Koalition beschloss, Cannabis als Genussmittel reguliert abgeben zu wollen, gründete der BvCW eine vorbereitende Arbeitsgruppe, die inzwischen zum Fachbereich Genussmittelregulierung hochgestuft wurde und dank der hoch engagierten Beteiligung unserer Mitglieder bereits frühzeitig ein erstes 16-seitiges Eckpunktepapier (ELEMENTE Band 21) zur Regulierung veröffentlicht hat. Im Laufe der nächsten Monate werden wir dort weitere Details ausarbeiten und veröffentlichen. Der BvCW beantwortet regelmäßig eine Vielzahl von Anfragen von Stakeholdern, kommuniziert eingehende Geschäftsanfragen und Angebote an seine Mitglieder und sammelt Marktdaten – wenn erforderlich auch durch eigene Umfragen. Beim Thema Banken und Zahlungsdienste konnten Benachteiligungen von

Hanfunternehmen belegt werden, gegen die der BvCW nun vorgeht. Darüber hinaus werden fortlaufend potentielle Forschungsfragen gesammelt. Öffentliche Veranstaltungen fielen bisher pandemiebedingt aus. Im März beginnt die Online-Fachveranstaltungsreihe IMPULSE für Mitglieder und Unterstützer. Bei allen Anfragen steht die Geschäftsstelle der Cannabiswirtschaft unter kontakt@cannabiswirtschaft.de zur Verfügung. Die Geschäftsstelle wird vom BvCW-Geschäftsführer Jürgen Neumeyer geführt. Mit den organisatorischen Umsetzungen ist die CS Cannabis Service GmbH betraut. Hier stehen dem Verband u. a. der Referent Michael Greif, der Assistent Aaron Kampschroer und weitere Teilzeitkräfte zur Seite. Der BvCW hat noch viel vor und freut sich daher natürlich über weitere Mitglieder. Neben umfangreichen politischen Zielen werden weitere Dienstleistungen für die Wirtschaft ausgebaut. Die nächsten großen Ziele hierzu sind Qualitätsstandards und ein Qualitätssiegel für CBD-Produkte, Präsenzveranstaltungen, die Erstellung eines Branchenverzeichnisses für die Cannabiswirtschaft sowie der Ausbau von Rabatten und Sonderkonditionen für Mitglieder. Gemeinsam können wir mehr erreichen. Werden Sie jetzt Mitglied oder Förderer. Ab 365 € p.a. sind Sie dabei. Alle Informationen finden Sie auf www.cannabiswirtschaft.de unter “Mitmachen”. ↙ Anzeige

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BvCW BRANCHENBLICK

Wie Banken und Zahlungsdienste Hanffirmen benachteiligen – und was die Cannabiswirtschaft dagegen unternimmt Gesperrte Konten, eingefrorene Gelder, verweigerte Kontoeröffnungen – unter diesen handfesten Problemen leiden viele Firmen der Hanfbranche, selbst bei völlig legalen Produkten wie Verdampfern und Lebensmitteln. Eine Umfrage des Branchenverbands Cannabiswirtschaft bestätigte Befürchtungen, dass auch der Handel mit eindeutig legalen Produkten von diesen Benachteiligungen betroffen ist. Von Michael Greif und Benjamin Patock

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ährend es zunächst nur Einzelfallberichte zu Einschränkungen der Finanzdienstleistungen gab, konnte der Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) dank der Beteiligung von 102 Unternehmen und Gewerbetreibenden mit einer Umfrage belegen, wie weit verbreitet diese sind: 91 % der Teilnehmenden gaben an, solche Benachteiligungen erlebt zu haben. Bei 89 % der Betroffenen waren die Einschränkungen weiterhin aktuell. Inzwischen hat der BvCW Kontakt zu den Zahlungsdienstleistern aufgenommen und konnte in einigen Fällen bereits Klärungen in die Wege leiten. Mit 102 Teilnehmenden aus der Cannabiswirtschaft wurde eine hohe Beteiligung erreicht, was sich positiv auf die Aussagekraft der Umfrageergebnisse auswirkt.

91% der Teilnehmenden bestätigen, dass sie von ­Einschränkungen und Auflagen betroffen waren oder sind.

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Eindeutig legale Produkte betroffen In der Umfrage ging es um eindeutig legale Hanfprodukte. Da sich CBD-Blüten und Hanftee leider noch in einer rechtlichen Grauzone befinden, wurden daraus resultierende Benachteiligungen von dieser Umfrage ausdrücklich nicht erfasst. Betroffen sind beispielsweise Unternehmen mit Nutzhanf- und CBD-Produkten, Verdampfern oder Rauchzubehör. Besonders häufig wurden dabei Kontoeröffnungen verweigert. Neugegründeten Unternehmen wird so der Start deutlich erschwert. Aber auch von Sperrungen bereits vorhandener Konten und dem Einfrieren von Geldern war mehr als jede/r vierte Teilnehmende betroffen.

Bei 95% der Betroffenen, die hierzu Angaben machten, bestehen die Einschränkungen fort.

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Die wirtschaftlichen Schäden sind potenziell hoch Die Verfügbarkeit schneller und einfacher Zahlungsmethoden ist gerade im Onlinehandel für die eigene Wettbewerbsfähigkeit von großer Bedeutung. So schrieb beispielsweise ein Befragter: “Paypal führte zunächst zur Verdoppelung der Konversionsrate. Zugleich Existenzgefährdung durch willkürliche Geldeinfrierung.“ Der geschätzte wirtschaftliche Schaden durch die Einschränkungen der Banken und Finanzdienste variierte zwischen 200 und 600.000 € und wurde im Schnitt mit jeweils ca. 60.000 € pro Unternehmen oder Gewerbetreibenden angegeben.

Renommierte Anbieter messen offenbar mit zweierlei Maß Bei den Nennungen der verantwortlichen Anbieter wurde deutlich, dass die Schwierigkeiten bei Paypal mit 89 % mit Abstand am häufigsten auftraten. Bei Paypal waren Kontosperrungen, Dienstleistungseinschränkungen und das Einfrieren von Geldern besonders häufig. Auch von der Sperrung von privaten PaypalKonten wurde berichtet. Zugleich wurde mehrfach kritisiert, dass einzelne große Unternehmen den Handel ihrer CBD-Produkte mit Paypal abwickeln können, während kleine Unternehmen unter den vorgenannten Maßnahmen leiden und sich hierdurch unlauteren Hürden ausgesetzt sehen. Klarna erzielte mit 48 % den zweithöchsten Wert für Einschränkungen und Auflagen. Bei Klarna ist die Auflage einer schriftlichen Erklärung gegenüber dem Zahlungsdienstleister häufiger als bei allen anderen Anbietern. Es kam sowohl zu Kontosperrungen und Verweigerungen zur Kontoeröffnung,

Die Verfügbarkeit schneller und einfacher Zahlungsmethoden ist gerade im Onlinehandel für die eigene Wettbewerbsfähigkeit von großer Bedeutung. als auch zu Einschränkungen bezüglich des Produktportfolios. Dabei könnten die Sonderverträge für die Cannabiswirtschaft im Bereich CBD-Produkte als „Einschränkung oder Auflage“ interpretiert worden sein. Denn Klarna wurde, trotz teils langer Bearbeitungszeiten, bei einer folgenden Frage auch als mit Abstand häufigste Alternative für die Abwicklung von Hanfgeschäften benannt. Der einzige weitere Anbieter, der mehr als zweimal positiv wie negativ erwähnt wurde, war die Commerzbank.

Bezüglich der acht vorgegebenen Antwortmöglichkeiten wurden genauere Angaben erhoben. Einschränkungen insgesamt

Kontoeröffnung verweigert Kontosperrung Einschränkung der Dienstleistung nur für bestimmte Produkte Einfrieren von Geldern Auflagen bzgl. der öffentlichen Produktinformationen Auflage einer schriftlichen Erklärung Sonstige Einschränkungen

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BvCW BRANCHENBLICK 85 Teilnehmende teilten mit, bei welchen Banken und Zahlungsdiensten zurzeit weiterhin Einschränkungen oder Auflagen bezüglich ihrer eindeutig legalen Geschäfte bestehen: Paypal Klarna Amazon Pay Visa Mastercard Stripe Deutsche Bank N26 Commerzbank

n=85, je zweimal (2,35 %) wurden genannt: Ebay, Mollie, Shopify Payments, sonstige Kreditkarten; je einmal (1,18 %) wurden genannt: Paydirekt, TransferWise, Ayden, Sparkasse, Vereinte Volksbank Dorsten, Volksbank, iZettle, Payone, Barzahlen.de, Evo Payments, Dimoco. Bei dieser Frage wurden aufgrund der Erkenntnisse aus den Vorrecherchen acht Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Darüber hinaus bestand jedoch die Möglichkeit, über ein Freitextfeld weitere Anbieter zu benennen. Der Anbieter „Stripe“ wurde als einziger aus den nicht vorgegeben Antwortmöglichkeit vergleichsweise häufig angegeben. Es ist nicht auszuschließen, dass dieser noch häufiger genannt worden wäre, wenn er bereits als Antwortmöglichkeit zum Ankreuzen vorgegeben worden wäre.

Alternativen existieren, sind aber rar 91 % der Befragten haben Benachteiligungen erfahren, jedoch konnten nur 67 % auf einen anderen Anbieter ausweichen. Trotz diverser Einschränkungen und höherer Preise ist Klarna mit Abstand die beliebteste Alternative, die den Händlerinnen und Händlern von Hanfprodukten die Nutzung Ihrer Zahlungsdienstleistungen ermöglicht. Bei den weiteren häufiger genannten Anbietern wurden von den Teilnehmenden keine Einschränkungen genannt.

Gesetzliche Maßnahmen zur konkreten Begründung gefordert Eine deutliche Mehrheit von 77 % der Befragten unterstützt daher die Idee einer gesetzlichen Verpflichtung zur konkreten Begründung bei Leistungsablehnungen durch Banken und Zahlungsdienste, nur 17 % lehnten diese Idee ab. Die Befürworter argumentierten hier beispielsweise, dass gesetzliche Maßnahmen erforderlich seien, um willkürliche Entscheidungen zu vermeiden und dass es nicht ausreiche, wenn pauschal auf die AGB verwiesen werde. Die Gegensprecher befürchten, dass Banken und Finanzdienste selbst bei einer gesetzlichen Pflicht zu konkreten Begründungen weiterhin pauschal auf die AGB verweisen könnten.

Der Dialog mit der Finanzbranche hat begonnen Der BvCW strebt an, die potentiell diskriminierenden Praktiken durch die Firmen der Finanzbranche und somit Wettbewerbsnachteile für 14 |

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die Cannabiswirtschaft zu beenden. Um möglichst bald und zugleich möglichst kooperativ eine Lösung zu erreichen, wurden die Vorstände aller – im Guten wie im Schlechten – häufig genannten Banken und Finanzdienste angeschrieben, um die Ursachen für die Benachteiligungen zu klären und Lösungen auszuarbeiten. Darüber hinaus setzt sich der Branchenverband politisch für rechtssichere Rahmenbedingungen für die gesamte legale Branche ein. Inzwischen haben einige Gespräche hierzu stattgefunden und weitere sind angefragt. Manche Anbieter stellten klar, dass es keine Arbeitsanweisungen gäbe, die sich gegen Hanfunternehmen richten. Ein anderer Anbieter machte deutlich, dass er einen Geschäftssitz in bestimmten Bundesländern zur Voraussetzung mache, da die Behörden die bestehenden Gesetze regional unterschiedlich auslegen und verfolgen. Als erstes Ergebnis wurde vereinbart, dass seitens des zuständigen Fachbereichs “Technik, Handel und Dienstleistungen” ein Infoblatt erstellt wird, dass es sowohl den Unternehmerinnen und Unternehmern der Cannabiswirtschaft als auch den Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiterin der Finanzbranche erleichtert, die Legalität des Geschäftes einzuschätzen und zu belegen. Ein weiteres Ergebnis ist, dass erste Sonderkonditionen für Mitglieder des Verbandes erreicht wurden.

Die Zukunft wirft ihre Schatten voraus Mit der angekündigten legalen Abgabe von Cannabis als Genussmittel durch die neue Bundesregierung ist zu erwarten, dass diese Dienstleistungsprobleme weiter im Fokus liegen werden. Einige Zahlungsanbieter haben ihren Hauptsitz in den USA, dort

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BvCW BRANCHENBLICK 61 Befragte legten offen, welche Zahlungsanbieter und Banken sie alternativ am häufigsten verwendet haben:

Klarna Sofortüberweisung Postbank Commerzbank VivaWallet GiroPay Penta Fintech

n=61; je zweimal (3,28 %) wurden genannt: UniCredit, N26, Triodos, Mollie, Wirecard, Regiobank Solothurn, Esquire Bank, GLS, Datatrans / Wallee, Volksbank, Apple Pay, Google Pay, Sparkasse; je einmal (1,64 %) wurden genannt: KSK Köln, PostFinance, Hobex, all4one pay, Sofort Zahlung, Volksbank Ruhr-Mitte, Volksbank Seesen, Paymorrow, Barzahlen. de, Dimoco, Clearhaus Quickpay, SIX Payments / Payone, Bezahlexperten, First Cash, Novalnet, Viva Pay, Weldpay, Bank Frick, Paypal, Payrexx, Kryptowährungen, Kreditkarte über Vermittler/Kreditkartenaquirierer; außerdem nannten 13 Befragte (21,31 %) klassische Zahlungsmethoden wie Vorkasse, Barzahlung, Kauf auf Rechnung & Nachnahme. * Der Service „Sofortüberweisung“ wird betrieben von der Sofort GmbH. Das Unternehmen wurde 2014 von Klarna übernommen. ** Die Postbank ist seit 2018 rechtlich mit der Deutsche Bank AG fusioniert und seither als „Postbank - eine Niederlassung der Deutsche Bank AG“ im Handelsregister eingetragen. *** Eine Nennung von PayDirekt wurde GiroPay zugerechnet, da beide Unternehmen zurzeit fusionieren.

ist auf Bundesebene der Geldverkehr mit dem “Handel von Drogen” untersagt, weshalb Händler in einigen US-Bundesstaaten zum Teil nur Bargeld annehmen dürfen. Es ist daher fraglich, inwieweit diese US-Anbieter, wie beispielsweise die großen Kreditkartenfirmen, ihre Dienstleistungen für die Unternehmen der Cannabiswirtschaft anbieten werden. Aus der Umfrage ging hervor, dass die Firmen unserer Branche auch von diversen Werbe- und Verkaufseinschränkungen auf großen, teils marktbeherrschenden, Onlineplattformen betroffen sind. Der BvCW hat sich bereits zu dem Thema positioniert (siehe unsere Publikation ELEMENTE Band 11) und wird das Thema zukünftig weiter bearbeiten. Aktuell liegt die Anfrage eines Versicherungsunternehmens vor, das auf der Suche nach Risiken in der Cannabiswirtschaft ist, die bisher nicht von den üblichen Versicherungen abgedeckt werden. Sollten Sie hierzu Bedarfe haben, schreiben Sie uns gerne an: Benjamin Patock, Fachbereichskoordinator Technik, Handel & Dienstleistungen, kontakt@cannabiswirtschaft.de.

Banken, ausgearbeitet. Falls dies nicht zu einer Lösung führen sollte, werden im Verband gesetzliche Lösungsoptionen thematisiert werden. Durch die Nennung der Positivbeispiele (Klarna, Sofortüberweisung, Postbank, Commerzbank, VivaWallet, GiroPay & Penta Fintech) stehen der Cannabiswirtschaft direkte Alternativen zur Verfügung, für Mitglieder des BvCW zum Teil bereits mit Sonderkonditionen. Alle Unternehmen, die sich aktiv an der Gestaltung der deutschen Cannabiswirtschaft beteiligen möchten, sind gerne als Mitglieder willkommen! ↙

Michael Greif ist Verbandsreferent der CS Cannabis Service GmbH, die als Service-Gesellschaft für den BvCW fungiert. In dieser Funktion betreut er u.a. die Fachbereichsarbeit der Cannabiswirtschaft.

Benjamin Patock

Fazit

Bevor Benjamin Patock in die Cannabis-Industrie wechselte, war er aktiver Bestandteil der Tabak-

Durch die Umfrage wurde verdeutlicht, dass es sich hier um ein branchenweites Problem handelt. Der BvCW strebt an, diese potentiell diskriminierenden Praktiken durch die Firmen der ­Finanzbranche und die daraus resultierenden Wettbewerbsnachteile für die Cannabiswirtschaft zu beenden. Es werden hierzu nun weitere Gespräche geführt und Materialien zur Unterstützung der Cannabiswirtschaft, wie beispielsweise eine Selbstverpflichtungserklärung und ein Informationsblatt für

branche und gründete mit www.noblego.de einen der erfolgreichsten Zigarrenhandel der Bundesrepublik. Heute kümmert er sich um die internationalen Geschicke von Boveda Inc., der weltweit führenden Befeuchtungslösung für verpackte Cannabisblüten. Benjamin ist ein international aktiver Speaker sowie Autor, ist aktives Mitglied im Vorstand des Brachenverbands Cannabiswirtschaft e.V. und koordiniert dort den Fachbereich „Technik, Handel und Dienstleistung“. 2022_01

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LED-basierte Cannabisproduktion Der Einfluss von Lichtqualität und -intensität Die Einführung von LED hat in den letzten zehn Jahren den Cannabisanbau in kontrollierter Umgebung revolutioniert und verspricht, seinen kometenhaften Aufstieg weltweit fortzusetzen. Laut dem Bericht „State of the Cannabis Lighting Market“ [1] aus dem Jahr 2021 ist die LED-Beleuchtung die bevorzugte Methode der nordamerikanischen Anbauer in den drei wichtigsten Wachstumsphasen: Vermehrung, Vegetation und Blüte. Die LED-Nutzung ist seit dem ersten Bericht von 2016 in allen Wachstumsstadien um mehr als 45 Prozent gestiegen. Von Timo Bongartz

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as die künftige Verbreitung angeht, so ziehen 68 Prozent der Anbauer, die während der Blütezeit keine LEDs verwenden, dies in den nächsten zwölf Monaten in Betracht. Der Trend zur vollständigen Einführung von LEDs in Nordamerika, Europa und anderen Regionen lässt sich zwar auf unzählige Faktoren zurückführen – sinkende Kapitalkosten, anpassbare Spektralzusammensetzung, dimmbare Lichtintensität, eine wachsende Zahl von Forschungsarbeiten –, kann aber am besten durch die drei ineinander greifenden Vorteile von LEDs erklärt werden: höhere Effizienz, verstärkte Umweltkontrolle und verbesserte Erträge und Qualität. Höhere Effizienz durch LED Auf dem Markt gibt es heute zwei Diskurse über Cannabis-Beleuchtung, die die große Mehrheit der Anbauer weltweit betreffen. Der erste, der seit der Markteinführung von LEDs geführt wird und mit dem die Anbauer am besten vertraut sind, dreht sich um die Vorteile und Herausforderungen der Umstellung von alten Beleuchtungslösungen wie Natriumhochdrucklampen (high-pressure sodium, HPS) auf LEDs.

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Die frühe Einführung von LEDs wurde vor allem durch ihre Energieeffizienz und Kostenersparnis vorangetrieben. So erreichen kommerzielle LED-Breitbandleuchten während ihrer Lebensdauer einen photosynthetischen Photonenfluss (PPF) von 2,6 Mikromol pro Joule Strom im Vergleich zu HPS-Leuchten mit durchschnittlich 1,9 Mikromol pro Joule. LEDs reduzieren auch drastisch die Wartungs- und Austauschkosten, die bei älteren Systemen häufiger anfallen. Diese Effizienzgewinne haben verschiedene Institutionen und Programme dazu veranlasst, Landwirten, die auf LED-Systeme umrüsten, großzügige Subventionen und Rabatte zu gewähren. Diese Einsparungen in Verbindung mit der Senkung der Heizungs-, Lüftungs-, Klimatechnik-(HLK) Kosten machen LEDs zu einer lohnenden langfristigen Investition für Anbauer auf der ganzen Welt. Die zweite, für viele Anbauer relativ neue Überlegung betrifft diejenigen, die bereits auf LEDs umgestellt haben, aber auf der Suche nach Forschungsarbeiten und Erkenntnissen sind, um das richtige Lichtspektrum und die richtige Lichtzusammensetzung für ihre besonderen Anbaubedingungen zu finden, einschließlich Geografie, Anlagentyp, Umweltbedingungen und Kultursorten. Beide Diskurse beinhalten fast immer eine Effizienzkomponente. Da sich die Vorherrschaft der LEDs gegenüber der herkömmlichen Beleuchtung jedoch gut etabliert hat, könnten einige Anbauer, die bereits LEDs verwenden, versucht sein, Beleuchtungsstrategien einzusetzen, die eine niedrige Lichtintensität und Wellenlängen wie Fernrot, Rot oder Rosa bevorzugen, um den Energieverbrauch zu senken. In ihrem Streben nach höherer Effizienz verzichten sie jedoch möglicherweise auf höhere Erträge. Viele Nutzpflanzen – darunter auch Cannabis – bevorzugen hochintensive, breit angelegte Strategien, die die Gesamterträge verbessern und die Qualität der Pflanzen in wichtigen Bereichen wie Morphologie, verbesserten Terpenprofilen und verbessertem Cannabinoidgehalt erhöhen. Effizienz ist nicht gleichbedeutend mit Optimierung, und Kosteneinsparungen bedeuten wenig, wenn man nicht auch das Ertragspotenzial maximiert. Jeder LED-basierte Cannabisbetrieb, der Effizienzsteigerungen anstrebt, muss dies mit einer Analyse der Beleuchtungsstrategie ausgleichen, die das Beste aus seiner Ernte herausholt.

Verbesserte Kontrolle LEDs bieten eine verbesserte Kontrolle über nahezu jeden Parameter eines Cannabisanbaus. Am wichtigsten ist natürlich die Möglichkeit, die Lichtintensität und die spektrale Zusammensetzung zu beeinflussen, um die Erträge und die Produktion zu maximieren. Es ist jedoch ebenso wichtig, die Auswirkungen von LEDs auf die Umgebungssteuerung zu verstehen – vor allem für Anbauer, die kürzlich von herkömmlicher Beleuchtung auf LED umgestiegen sind oder dies in Erwägung ziehen. Es gibt vier wichtige Steuerungsparameter, die durch LEDs verbessert werden: Dampfdruckdefizit-Management (Vapor Pressure Deficit, VPD) HPS-Lampen erzeugen eine erhebliche Menge an Wärme. Wenn sie jedoch ausgeschaltet sind, können die daraus resultierenden

Veränderungen in der Umgebung die Pflanzen anfälliger für Kondensation und Krankheitserreger machen, da sie schneller abkühlen als andere Oberflächen. Bei der Verwendung von LEDs wird die Umgebung weniger durch die von der Beleuchtung erzeugte Wärme beeinträchtigt, denn sie stützt sich auf das präzisere HLK-System, das genau für die Einhaltung der Sollwerte für Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausgelegt ist. Diese verbesserte Stabilität der LEDs führt letztendlich zu weniger Kondensation an den Pflanzen, geringerem Wasserverbrauch und weniger Entfeuchtungslüftung. Erreichen der perfekten Temperatur mit LEDs Die Umgebungstemperatur spielt eine wichtige Rolle für die physiologischen Funktionen und die Pollenentwicklung bestimmter Pflanzen wie Gurken und Tomaten. Bei HPS-Systemen ist es viel kostspieliger und schwieriger, ein angemessenes Wärmeniveau aufrechtzuerhalten, was zu Schwankungen führt, die die Pflanzen belasten. HPS-Lampen können zwar zwei verschiedene Aufgaben erfüllen – sowohl Beleuchtung als auch Beheizung –, aber sie erfüllen keine der beiden Fluence-Beleuchtung bei Cannerald. Foto: Montel Inc. Aufgaben besonders gut und stellen eine weitaus größere Gefahr für die Pflanzen dar, wenn sie ausfallen. Letztendlich sollte die Aufrechterhaltung optimaler Temperaturen in der Verantwortung des HLK-Systems liegen. Eine LED-Umrüstung kann die Installation eines zusätzlichen Heizsystems erforderlich machen, aber die Landwirte profitieren von einer insgesamt geringeren Heizlast und – was noch wichtiger ist – von einer besseren Umgebungskontrolle. LEDs stabilisieren CO2 durch Vermeidung von Entlüftung Wenn die PPFD steigt, ist die Aufrechterhaltung zusätzlicher CO2Konzentrationen entscheidend für die Maximierung der photobiologischen Reaktionen und der Gesamtproduktion. Eine Konzentration von 1.200 bis 2.000 ppm ist oft der optimale Bereich für die Cannabisproduktion. Allerdings müssen Züchter, die HPSLampen verwenden, ihre Anlagen belüften, um die Umgebung entweder zu entfeuchten oder zu kühlen, was zu wilden Schwankungen bei Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO2-Gehalt führt. LED-Systeme verringern den Bedarf an Belüftung, was eine bessere Klimakontrolle, CO2-Erhaltung, erhöhte Photosynthese, verbesserte Morphologie und ein verringertes Auftreten von Krankheiten ermöglicht. 2022_01

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In der WUR-Studie fanden die Forscher heraus, dass bei einigen Sorten der Gehalt an Monoterpenen und Cannabinoiden, einschließlich THC, CBD und CBG, deutlich umgekehrt proportional zum Anteil des roten Lichts im Produktionsspektrum war.

Höhere PPFD-Werte und höhere Erträge Cannabis hat einen nahezu unersättlichen Appetit auf Licht, und viele Forscher, die die Auswirkungen von LEDs auf Cannabis untersuchen, stellen zunehmend höhere Sättigungspunkte fest, was neue Wege zur Verbesserung der Rentabilität für die Anbauer durch Beleuchtungsstrategien mit hohem PPPD-Wert und hoher Produktion aufzeigt.

Obwohl die prognostizierten Einsparungen die anfängliche Akzeptanz von LEDs vorantrieben, haben sich ihre höhere Effizienz und Rentabilität als Hauptfaktoren für ihre anhaltende Beliebtheit herausgestellt. Heute weiß man, dass eine Erhöhung der Lichtintensität und der spektralen Qualität mit einer erheblichen Steigerung des Ertrags, der Morphologie und der Gesundheit der Pflanzen einhergeht. So fanden Forscher heraus, dass ein Anstieg der photosynthetisch aktiven Strahlung (PAR) um ein Prozent mit einem Anstieg des erntefähigen Produkts um ein Prozent bis zu einem Lichtniveau von 1.500 µmol/m²/s einhergeht. Durch die Optimierung der Anlagen mit LEDs und vertikalen Racks können die Anbauer Gewinne erzielen, die die bereits beträchtlichen Einsparungen bei weitem übersteigen. In dem Maße, wie die Studien zu den verschiedenen Auswirkungen von LEDs auf die Cannabisproduktion zunehmen, wird auch die Fähigkeit der Anbauer wachsen, das volle Potenzial von LEDs zu nutzen – vor allem ihre Fähigkeit, Strategien mit hoher Intensität und breitem Spektrum umzusetzen, um neue Produktionsund Rentabilitätsniveaus zu erreichen.

der Cannabisproduktion zu kontrollieren, geht jedoch mit einem klaren Bedarf des Marktes einher, die Auswirkungen verschiedener Spektren und Intensitäten auf die Pflanzen und den Betrieb insgesamt zu verstehen. In Zusammenarbeit mit der Universität Wageningen, Niederlande, US-amerikanischen Cannabisproduzenten und anderen hat die Forschungsabteilung von Fluence herausgefunden, dass die Empfindlichkeit des Spektrums zwar von der Sorte abhängt, dass aber Beleuchtungsstrategien mit breitem Spektrum – die grünes Licht und andere Wellenlängen umfassen, die in schmalbandigen Spektren weitgehend fehlen – den Ertrag, die Morphologie und die Gesamtleistung ausgewählter Cannabissorten im Vergleich zu Schmalbandspektren mit einem hohen Anteil roter und fernroter Wellenlängen verbessern. In einer Studie, die in Zusammenarbeit mit Texas Original Compassionate Cultivation (TOCC) durchgeführt wurde, untersuchten Forscher die Reaktion von Cannabis Typ I, Typ II und Typ III auf eine Breitbandbeleuchtung mit verschiedenen Rotlichtanteilen bei hohem PPFD. In jedem Fall erzeugte das Breitbandspektrum mit geringeren Mengen an rotem Licht das höchste Trockengewicht pro Pflanze. Bei Cannabis des Typs I führte ein ausgewogenes Spektrum von weißem Licht zu 17 Prozent höheren Erträgen als die nächsthöhere Spektrallösung, die eine höhere Konzentration von rotem Licht enthielt. Cannabis, das mit dem ausgewogeneren Spektrum angebaut wurde, zeigte auch eine deutlich verbesserte Morphologie. Pflanzen, die mit einem ausgewogenen Weißlichtspektrum gezüchtet wurden, waren auch frei von Photobleichen in ihren oberen Knospen, eine Entwicklung, die typischerweise bei Pflanzen auftritt, die mit einem höheren Anteil an rotem Licht gezüchtet werden.

Auswirkungen von Breitspektrumlicht auf den Cannabisanbau

Die Vorteile von Strategien mit hoher Lichtintensität

Die drastische und weltweite Umstellung auf die Verwendung von LEDs hat Wissenschaftler und Forscher dazu veranlasst, ihr volles Potenzial zu erkunden. LEDs sind technologisch effizienter und thermoregulierter als ihre Vorgänger, aber fortschrittliche LEDs bieten auch verbesserte Funktionen wie Spektralkontrolle, Dimmen, Foto-Akklimatisierung und höhere PPFD, um nur einige zu nennen. Die Fähigkeit, jeden Aspekt

Cannabiszüchter wissen seit langem, dass Licht und Pflanzen eine Einheit bilden, aber neuere Forschungen legen nahe, dass Cannabis eine noch höhere Schwelle für die Lichtintensität hat als bisher angenommen, wenn das richtige Spektrum verwendet wird. Ein kürzlich von Fluence in Zusammenarbeit mit TOCC durchgeführter Forschungsversuch mit hohem PPFD-Wert untersuchte Lichtintensitäten von 1.100 bis 2.100 µmol/m²/s. Es wurden

Verbesserte Qualität und Erträge

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drei Sorten mit hohem THC-Gehalt (Typ I), mit ausgewogenem THC- und CBD-Gehalt (Typ II) und mit niedrigem THC-Gehalt (Typ III) unter einem ausgewogenen Spektrum von weißem Licht analysiert. Die Studie ergab, dass die größte Ertragssteigerung zwischen 1.100 und 1.500 µmol/m²/s auftrat. Eine Erhöhung der Lichtintensität um 26 Prozent steigerte die Erträge um 27 Prozent. Die Erträge stiegen auch bei 2.100 µmol/m²/s weiter an, wo die Forscher eine Ertragsspitze beobachteten. Die Umweltparameter wurden während des gesamten Experiments genau überwacht. Die Forscher stellten fest, dass bei Behandlungen, die 1.500 µmol/m²/s überschreiten, die Steuerung dieser Parameter wesentlich schwieriger wird. Innovationen in der LED-Technologie und neue Erkenntnisse in den Bereichen Photobiologie und Landwirtschaft haben den Cannabismärkten auf der ganzen Welt eine spannende Zukunft eröffnet. Die Fähigkeit von Forschern, Ingenieuren und Züchtern, weiterhin Strategien und Methoden mit hoher Intensität und breitem Spektrum zu entwickeln und zu verfeinern, wird

für diejenigen, die sie anwenden, eine neue Ära des Wachstums und der Rentabilität bedeuten. ↙ [1] https://www.cannabisbusinesstimes.com/article/special-report-stateof-the-cannabis-lighting-market/

Timo Bongartz Timo Bongartz hat mehr als ein Jahrzehnt damit verbracht, Unternehmen bei der Geschäftsmodellinnovation zu unterstützen und neue Unternehmungen zu initiieren. Seine Leidenschaft für die Beschleunigung von Unternehmenstransformationen – kombiniert mit einer Liebe zum Pflanzenanbau aus seiner Kindheit – führte ihn schließlich in die Gartenbaubranche. Heute ist Bongartz General Manager für die EMEA-Region von Fluence by OSRAM und unterstützt Lebensmittel-, Zierpflanzen- und Pharmazieproduzenten in ganz Europa, dem Nahen Osten und Afrika dabei, ihre Anbauprojekte durch fortschrittliche Beleuchtungstechnologien für den Gartenbau zu verwirklichen.

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Das „Geschlossene System“ Anforderung an die Klimatechnik Viele Unternehmer jubeln über die Bekanntgabe der Cannabislegalisierung und beginnen bereits jetzt mit den Planungen ihrer eigenen Cannabisproduktionsstätte. Mit welchen Herausforderungen wird ein Unternehmer konfrontiert, der ein „Geschlossenes System“ realisieren will und was muss er beachten? Dieser Artikel soll die allgemeinen Anforderungen an die Klimatisierung von Indoor-Growanlagen erläutern. Von Michael Huber

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eit jeher versucht man, die optimalen Bedingungen auszumachen, um Pflanzen möglichst ertragreich zu kultivieren. Zu Beginn entschied einzig der Standort über Erfolg und Misserfolg. Verbesserungen konnten erst durch Bewässerung und dann durch Düngung erreicht werden. Glashäuser konnten die Bedingungen zwar weiter optimieren, dennoch ist man nach wie vor in unseren Breitengraden von den Jahreszeiten abhängig. Dadurch ist oftmals nur eine Ernte pro Jahr realisierbar. Möchte man sich jedoch auch von den Jahreszeiten und den damit zusammenhängenden natürlichen Sonnenstunden unabhängig machen, so landet man über kurz oder lang beim Indoor-Grow. Dieser bringt neben seinen vielen Vorteilen jedoch auch hohe Herausforderungen mit sich. Alle Bedingungen, die draußen von Natur aus gegeben sind, müssen drinnen mit technischen Mitteln nachempfunden bzw. vom Betreiber zur Verfügung gestellt werden. Der technische Aufwand zur Klimatisierung von Indoor-Growanlagen ist groß und bedarf einer ausführlichen Planung unter Berücksichtigung aller Einflussgrößen.

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Ein Produktionsraum einer Indoor-Growanlage besteht im Wesentlichen aus einem fensterlosen Raum mit einer entsprechenden Pflanzenbeleuchtung, einem Bewässerungssystem und einem System zur Luftversorgung/-aufbereitung. Im Growroom werden die Pflanzen entweder auf Tischen oder in Regalen kultiviert. Der Raum an sich wird meist aus Sandwichpanelen gebaut und sollte möglichst hoch geplant werden. Je größer das Raumvolumen, desto stabiler verhält sich das Klima in ihm. Klimakammern aus Sandwichpanelen besitzen gute wärmedämmende Eigenschaften und zusätzlich eine leicht zu reinigende Oberfläche.

Systeme zur Luftversorgung Es stehen zwei Möglichkeiten im Bereich der Luftversorgung zur Verfügung. Die Schaffung eines „Offenen Systems“ oder eines „Geschlossenen Systems“.

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Das „Offene System“ tauscht die Raumluft zyklisch oder auch ständig mit der Außenluft aus. Es gibt mehrere Möglichkeiten, um dies technisch umzusetzen. Im Optimalfall wird der abzuführenden Raumluft Wärme entzogen, um damit die zuzuführende Frischluft vorzuwärmen. Dadurch wird die Heizung entlastet. Je nach Standort und gewünschter Zieltemperatur kann es aber auch nötig sein, die angesaugte Frischluft den gewünschten Sollwerten anzupassen. Bei dieser Variante sind sowohl Heiz- und Kühlsysteme als auch ein System zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit empfehlenswert. Zur Minimierung der Geruchsbelästigung im Außenbereich ist ein Aktivkohlefilter unbedingt notwendig. Von einem „Geschlossenen System“ spricht man, wenn kein Luftaustausch mit der Außenluft stattfindet. Ein Klimagerät übernimmt die Umwälzung und Aufbereitung der Raumluft. Hinter diesem Prinzip eines „Geschlossenen Systems“ steht die Idee, den zu kultivierenden Pflanzen ein perfektes Klima für Wachstum und Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Die Idealbedingungen der meisten Pflanzen sind bekannt und wissenschaftlich belegt. Die Herausforderung für den Betreiber einer Indoor-Farm besteht nun also darin, diese Idealbedingungen künstlich zu erschaffen. Gelingt ihm das, so erhält er höhere Erträge als es ihm in der freien Natur bzw. im Glashaus möglich wäre. Zusätzlich erhält er durchgängig homogene Qualität. Dies bringt Planungssicherheit mit sich und ist unverzichtbar für eine industrielle Produktion. Gerade im industriellen Bereich sind gleichbleibende Qualität und verlässliche Quantität Voraussetzung, um am Markt zu bestehen. All dies bietet das „Geschlossene System“.

empfehlenswerte zweite Möglichkeit ist die Nutzung von CO2 aus einem Tank oder aus handelsüblichen CO2-Flaschen, welche die Klimainnengeräte über Leitungen versorgen. Die Einspeisung von CO2 in die Pflanzräume und die Kontrolle des Gehalts wird durch die Klimainnengeräte nach deren Sollwerteinstellung übernommen. Neben der CO2-Regelung ist die Hauptaufgabe des Klimasystems die Steuerung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Produktionsräumen. Je nachdem in welcher Phase sich die Pflanze befindet, ändern sich deren Ansprüche.

Höhere Erträge durch CO2

Bedarf abhängig von der Wachstumsphase

Ein „Geschlossenes System“ eröffnet die Möglichkeit, den CO2Gehalt der Raumluft künstlich zu erhöhen. Dies wirkt sich massiv auf den Ertrag aus. Frische Luft hat eine CO2-Konzentration von ca. 400 ppm (parts per million). Eine Steigerung der Konzentration auf 700 ppm erhöht das Pflanzenwachstum bereits um bis zu 30 %. In der industriellen Cannabis-Produktion wird mit einer CO2-Konzentration von bis zu 2.000 ppm gearbeitet. Damit die Pflanze aber überhaupt eine erhöhte CO2-Menge aufnehmen kann, braucht sie Unterstützung. Die Erklärung hierfür findet sich in der Biologie: Die Pflanze kühlt sich über Transpiration selbst und verhindert so ein Überhitzen. Verschließbare Zellen, Stomata genannt, befinden sich auf der Blattunterseite und geben deshalb kontrolliert Wasser ab. Gleichzeitig nehmen die Stomata CO2 aus der Umgebungsluft auf. Soll die Pflanze mehr CO2 aufnehmen, muss eine höhere Transpiration durch einen höheren Energieeintrag (Licht und Umgebungstemperatur) erfolgen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, den CO2-Gehalt der Raumluft zu erhöhen. Für den industriellen Bereich sind jedoch nur zwei Systeme erwähnenswert. Zum einen werden CO2-Generatoren angeboten, welche durch das Verbrennen von Propangas das benötigte CO2 erzeugen. Ungewollte Nebenprodukte im Indoor-Grow sind Wasser und Hitze, welche aber durch diese Verbrennung entstehen. Somit ist diese Art der CO2-Produktion in geschlossenen Systemen absolut ungeeignet. Die

Die Tabelle auf Seite 22 gibt Auskunft über Idealbedingungen (lt. VPD = Vapor Pressure Deficite) von Cannabis, abhängig von ihrem Entwicklungsstand. Eine Cannabis-Growanlage besteht im Wesentlichen aus folgenden zu klimatisierenden Produktionsräumen: Mutter- und Stecklingsraum, Wachstums- und Blüteräume und Trocknungsraum. Jeder dieser Räume setzt eine andere klimatische Bedingung voraus. So wird im Stecklingsraum, auch „Nebelraum“ genannt, eine hohe Luftfeuchtigkeit gefordert. Aus klimatechnischer Sicht bedeutet dies, dass in diesem Raum ein Luftbefeuchtungssystem ins Klimainnengerät integriert werden muss. In allen anderen Produktionsräumen steht die Entfeuchtung der Raumluft im Mittelpunkt. Um die Raumluftfeuchtigkeit konstant halten zu können, muss die Entfeuchtungsleistung des Klimasystems so groß ausgelegt werden, dass die anfallende Feuchtigkeit zum Entstehungszeitpunkt sofort wieder der Raumluft entzogen werden kann. Da die Transpiration der Pflanzen hauptsächlich in der Tagphase stattfindet, muss auch die Entfeuchtung zu diesem Zeitpunkt geschehen. Wird die Entfeuchtungsleistung für den Raum zu klein gewählt, steigt die relative Feuchtigkeit im Laufe der Tagesphase unweigerlich an. Ein zu hoher Luftfeuchtigkeitswert birgt die Gefahr, dass sich Feuchtigkeit an den Pflanzen anheftet und dadurch Schimmel entstehen kann. In einer solchen Notsituation werden oftmals Luftentfeuchter zu Hilfe gezogen.

Ein „Geschlossenes System“ eröffnet die Möglichkeit, den CO2-Gehalt der Raumluft künstlich zu erhöhen. Dies wirkt sich massiv auf den Ertrag aus.

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Tab.1: Idealbedingungen (lt. VPD = Vapor Pressure Deficite) von Cannabis, abhängig von ihrem Entwicklungsstand.

Mittlere Blütephase / Späte Blütephase Zu vermeidender Bereich

Der große Nachteil solcher zusätzlicher Entfeuchtungsgeräte ist der hohe Wärmeeintrag, den sie durch die Entfeuchtung generieren. Dadurch wird die Anforderung an die Kühlleistung der Klimainnengeräte erhöht und auch oftmals überstiegen. Die Raumtemperatur kann folglich nicht gehalten werden. Ein richtig dimensioniertes Klimasystem verhindert ein Übersteigen der Raumsollwerte ohne zusätzliche Behelfsgeräte. Grundsätzlich entfeuchtet jedes Klimagerät während des Kühlvorgangs. Während des Heizvorgangs wird die Entfeuchtung jedoch unterbrochen, da in Standardklimageräten in diesem Betriebszustand keine kalte Oberfläche zur Kondensation vorhanden ist. Die Pflanzen im Raum transpirieren jedoch nicht nur in der Tagphase, sondern zu einem gewissen Teil auch während der Nachtphase. Somit ist eine Entfeuchtung auch während dieser Phase erforderlich. Der Markt bietet hierfür inzwischen passende Lösungen an. Entfeuchtungsleistungen, die von den Herstellern angegeben werden, sind jedoch oft irreführend. Wichtig ist es, darauf zu achten, in welchem Betriebspunkt diese Entfeuchtungsleistung erreicht werden kann. Beispiel: Die Entfeuchtung wird bei 30 °C und 80 % relative Feuchte angegeben. Der Betreiber möchte als Zielbedingungen 27 °C und 55 % relative Feuchte. Er hat zu beachten, dass die Entfeuchtungsleistung der Geräte deutlich sinkt, je weiter unterhalb sie vom angegebenen Auslegungspunkt betrieben werden. Eine auf den ersten Blick passende Anlage kann in der Praxis unter Umständen die erforderliche Leistung nicht erbringen und zeigt sich im Nachhinein als nicht passend bzw. als unterdimensioniert. Für den Betreiber wäre dies der Worst Case.

Auf die Balance kommt es an Ein funktionierendes geschlossenes System ist ein ausgewogenes System, in dem alle Parameter aufeinander abgestimmt sein müssen. Verändert man eine Variable wie z. B. die 22 |

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Sollwerttemperatur, so erhöht sich dadurch automatisch der Feuchteeintrag durch die Pflanzen, was wiederum unweigerlich Auswirkungen auf das Gesamtsystem hat. Solange man sich im vordefinierten Auslegungsbereich der Klimatisierung bewegt, hat dies keine „spürbaren“ Auswirkungen. Wird die Anforderung überstiegen, gerät das Gesamtsystem aus dem Gleichgewicht. Eine ausführliche Beratung und Begleitung in Planung und Umsetzung durch eine Fachfirma ist für den Bereich Klimatisierung einer Indoor-Growanlage absolut empfehlenswert und in den meisten Fällen auch zwingend erforderlich. Bei einer Entscheidung für eine Klimalösung „von der Stange“, ist zu empfehlen, die Räume nach den zur Verfügung stehenden Klimaanlagen zu planen bzw. zu dimensionieren und nicht umgekehrt. Wird die Klimatisierung erst nach der Raumplanung gewählt, so muss der Betreiber oft mit ungewünschten Kompromissen rechnen. Anders verhält sich das bei individuell geplanten Klimaanlagen. Diese können exakt auf die Anforderungen und die Gegebenheiten des Kunden angepasst werden. Eine individuelle Anlage besteht im Wesentlichen aus folgenden Komponenten: dem Trockenkühler im Außenbereich, einer Kälteanlage mit Pumpstation, den Klimainnengeräten, welche die Anforderungen der jeweiligen Produktionsräume umsetzen, und der Luftverteilung. Der Weg zur individuellen Anlage ist durchaus umfangreich. Es wird mit der Datenerfassung begonnen. Hier müssen die Gegebenheiten und Möglichkeiten vor Ort erfasst werden. Zur Datenerfassung gehören die Beschreibung der Produktionsräume (Fläche, Volumen, Wände, Decke, Boden) und des erwarteten täglichen Feuchte- und Wärmeeintrags. Zusätzlich legt der Produzent die Zielbedingungen fest. Diese sollten die tatsächlichen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsansprüche abbilden. Große Reserven, vor allem nach unten, werden die Gesamtanlage deutlich verteuern, ohne dem Betreiber einen effektiven Nutzen zu schaffen.

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Homogenität sicherstellen Unabhängig davon, für welche Art von Klimatisierung die Entscheidung fällt, ist eine homogene Luftversorgung im Raum Grundvoraussetzung für eine gleichmäßige Entwicklung der Pflanzen. Herkömmliche Kunststoffluftverteilerschläuche „von der Stange“ schränken durch ihre festgelegte Perforation die Längenwahl ein. Werden sie zu lang gewählt, so geht die Funktion einer gleichmäßigen Luftverteilung verloren. Je kürzer sie gewählt werden umso härter sind die austretenden Luftstrahlen. Zudem bildet sich in Kunststoffschläuchen Kondenswasser, wodurch Schimmelbildung und ähnliches begünstigt werden. Da die zukünftigen gesetzlichen Anforderungen einen gewissen Hygienestandard fordern werden, sind solche Verunreinigungen im Luftverteilungssystem eines Growrooms ein absolutes No-Go und müssen unbedingt verhindert werden. Eine Lösung für die genannten Probleme bieten textile Luftverteilerschläuche. Diese werden per Laser passend für jeden Raum unter Berücksichtigung der zugeführten Luftmenge perforiert, damit ein gleichmäßiger Luftaustritt über die gesamte Länge gegeben ist. Diese Art von Luftverteilerschläuchen ist waschbar, kann nach jedem Grow leicht abgenommen und in einer Waschmaschine gereinigt werden. Eine Kondenswasserbildung in diesen Schläuchen wird durch die Materialbeschaffenheit verhindert. Um die Luftführung zu perfektionieren, sollten Abluftschächte miteingeplant werden. Wird darauf verzichtet, so wandert die Raumluft vom weitest entfernten Punkt der Luftverteilung zur Ansaugung des Klimageräts. Dabei erwärmt sie sich immer weiter und bringt unterschiedliche Temperaturbereiche im Growroom mit sich. Um jeglichen Zufall zu vermeiden, kann zur Planung der Luftführung eine CFD-Simulation der Luftströmung im Raum angewandt werden. Für alle Wachstumsphasen der Pflanzen im geschlossenen System die optimalen Parameter für eine erfolgreiche, homogene CO2Düngung zu gewährleisten ist also keine Kleinigkeit. Der Einsatz der richtigen Mittel und sorgfältig ausgewählte Partner helfen dabei, geplante Projekte zu realisieren und damit nachhaltige Erfolge zu erzielen. ↙ Foto: SANSOL GmbH

Um Ausfallsicherheit herzustellen, sollten alle unverzichtbaren Anlagenteile, wie z. B. Pumpen redundant ausgeführt sein. Sie arbeiten entweder zeitgleich mit jeweils 50 % der Leistung oder wechseln sich zyklisch ab. Sollte eine Komponente ausfallen, übernimmt die Verbliebene die Arbeit, bis das defekte Bauteil ersetzt werden kann. Gerade in der aktuellen Situation sind viele Ersatzteile zum Teil erst nach vielen Wochen lieferbar. Bei Verzicht auf Redundanz riskiert der Betreiber einen wochenlangen Ausfall der Gesamtanlage. Neben der optionalen Redundanz wird, je nach Land, ab einer gewissen Kühlleistung eine Wärmerückgewinnung gefordert. Unabhängig von gesetzlichen Forderungen, ist Wärmerückgewinnung absolut empfehlenswert. Durch einen geringeren Energiebedarf amortisieren sich die höheren Anschaffungskosten innerhalb kürzester Zeit. Ein künftiger Bertreiber sollte sich außerdem Gedanken über Kühlmittel machen. Diese sind unterschiedlich in ihren Eigenschaften, aber auch in der Umweltverträglichkeit. Die Unterschiede bei den Eigenschaften setzen meist unterschiedliche Bauarten der Kältemaschine voraus. Natürliche Kältemittel verteuern die Herstellungskosten der Kälteanlage, bringen aber auch oft staatliche Fördermöglichkeiten mit sich. Diese Förderungen unterscheiden sich von Land zu Land, sind aber in den meisten Fällen beträchtlich. Alle potenziellen Betreiber einer Growanlage sollten sich unbedingt im Vorfeld hierzu informieren. Wurden alle Informationen zusammengetragen, kann mit der Planung/Auslegung der Klimaanlage begonnen werden. Dies kann je nach Größe der Anlage zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen. Erst danach ergeben sich die genauen Kosten, die bei einer Umsetzung anfallen würden. Entscheidet sich der Interessent für eine Realisierung, kann mit dem Bau der Anlage begonnen werden. Die Fertigungsdauer hängt inzwischen oft von der Verfügbarkeit der Bauteile ab. Die gesamte Industrie ist davon betroffen und hofft auf eine Besserung der Lieferumstände, jedoch zeichnet sich diese bisher noch nicht ab. Bauherren einer Growanlage sollten sich dieses aktuellen Umstands bewusst sein. Vom Beginn der Planung bis zum Aufbau am Zielort sollten je nach Aufwand und Umfang der Anlage aktuell mindestens sechs bis neun Monate eingeplant werden. Die deutlichsten Unterschiede von individuellen Anlagen zu Serienlösungen zeigen sich bei den Investitions- und Betriebskosten. Serienlösungen sind bei der Anschaffung im Vergleich günstiger als individuelle Anlagen, jedoch amortisieren sich die höheren Anschaffungskosten bei individuellen Anlagen durch einen geringeren Energiebedarf schnell wieder. Als Faustregel gilt: Wer bei der Anschaffung mehr investiert, wird bei den Betriebskosten deutlich sparen.

Michael Huber ist Geschäftsführer der Airbend GmbH. Sein Aufgabenbereich umfasst neben dem operativen Geschäft die Beratung und den Vertrieb von Klimasystemen für Indoor-Growanlagen und Vertical-Farming. 2022_01

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Hanf und seine Cannabinoide – Bedeutung und Grundlagen der modernen Cannabinoid-Analytik Die wissenschaftlich begründete Cannabis-Analytik muss neu gedacht werden, wenn moderne Anwendungen Rechtssicherheit bekommen sollen. Cannabis und seine Verbindungen finden heute vor allem in drei Bereichen Anwendung, in der Lebensmittelund Kosmetikindustrie sowie in der Pharmazie. Im pharmazeutischen Bereich wird die Qualität der Cannabisprodukte sowohl über das Arzneimittelgesetz (AMG) [3,4] als auch die weiteren pharmazeutischen Gesetze und Vorschriften (z. B. DIN 13485) sehr gut überwacht [5,6]. Von Stefan Meyer

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benso wie für medizinische Produkte kommen für Kosmetika eine große Vielzahl von Gesetzen, EU-Verordnungen und regulatorische Vorschriften zur Anwendung. Life-Style-Produkte, wie die Nahrungsergänzungsmittel, haben in den letzten Jahrzehnten enorm an Bedeutung gewonnen, wobei die Qualitätssicherung der Nahrungsergänzungsmittel (NEM) dank des Internethandels sicher nicht immer die Umsetzung erfahren hat, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Viele der NEM kommen heute aus allen möglichen Ländern der Welt. Da nicht überall die gleichen Gesetze und Normen existieren, ist die Überwachung der Einhaltung dieser Parameter zur Absicherung der Käufer immer wichtiger. Aber auch innerhalb der EU bzw. Deutschlands kommt es zu Problemen mit der Lebensmittelsicherheit. 2013 erschütterte in Deutschland der Fleischskandal die Verbraucher. Billiges und Pferdefleisch wurde in Deutschland und anderen EU-Ländern in Fertiggerichten gefunden. Dabei war nicht nur eine einzelne Handelskette davon betroffen. Die großen Supermarktketten wie Edeka, Aldi Süd, Kaiser‘s Tengelmann, Lidl sowie der Lieferservice Eismann hatten Fertiggerichte verkauft, in denen Pferdefleisch verarbeitet wurde. Weitere bekannte Lebensmittelskandale sind der um Mäusekot und Speisereste in Produkten von Müller-Brot (2012) oder der Dioxinskandal. 2010 wurde mit Dioxin verseuchtes Biofuttermittel eines niederländischen Herstellers in elf Bundesländer geliefert. Also sind auch Bioproduzenten kein Garant für einwandfreie Waren. Deshalb ist die Lebensmittelüberwachung nicht nur wichtig und notwendig, sie schützt neben der Gesundheit der Konsumenten diese auch vor Lebensmittelbetrug bzw. Lebensmittelmanipulationen. Die Aufgaben der Lebensmittelanalytik sind heute sehr vielfältig. Im Fokus stehen dabei: 1. die Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) [3, 4] 2. die Überwachung der Lebensmittelsicherheit und [5,6] 3. die Qualitätskontrolle [7,8] 24 |

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Das wichtigste Ziel dabei ist immer das Wissen über Inhaltsstoffe, Zusatzstoffe, Verunreinigungen durch Pestizide, Schimmel oder Schwermetalle, mikrobiologische Schadstoffe oder Herkunftsbzw. Produktbetrug. Die Analytik der Cannabinoide, welche zwingend notwendig ist für den Verbraucherschutz, ist eine echte Herausforderung. Nicht nur dass es mehr als hundert verschiedene Cannabinoide gibt, wobei nur ca. zehn bis 14 derzeit relevant sind, auch die thermische Umwandlung von Cannabinoiden muss beachtet werden, sodass man die Konzentrationen in der zu untersuchenden Ware kennen muss. Die thermische Umwandlung von der Cannabinoid-Säurestufe (Cannabinoid mit Carboxylgruppe) in ein säurefreies Cannabinoid wird als Decarboxylierung bezeichnet. Zum Beispiel die Umwandlung von CBDA in CBD. Laienhaft wird dieser Prozess auch als Aktivierung bezeichnet. Dieser Prozess benötigt eine Wärmezufuhr. Beim Rauchen, Backen, Dabben oder Dampfen werden die Blüten oder das Extrakt so stark erhitzt, dass die Cannabinoide decarboxylieren [9]. Da nicht alle Cannabinoide psychoaktiv sind, ist es nicht nur juristisch wichtig, die genaue Konzentration der psychoaktiven Bestandteile zu kennen. Wenn der Kunde ein Produkt kauft, z. B. eine Creme mit 0,5 % CBD, muss er auch sicher sein können, dass diese 0,5 % CBD in der Creme enthalten sind. Ähnlich verhält es sich mit allen anderen Hanfprodukten.

Die Probenahme als Fehlerquelle Die Bedeutung der Probenahme vom Feld Im Allgemeinen wird die Probenahme von Außenstehenden leicht belächelt, nach dem Motto “was soll das Ganze, rein mit dem Löffel in den Topf und die Probe ist gezogen“. Dieses Herangehen klingt plausibel. Jedoch lauern in der Probenahme die meisten Fehlerquellen, die im Anschluss zu großen Diskussionen und Missstimmungen führen.

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Ein erstes einfaches Beispiel. Ein Bauer will Hanf ernten. Er geht zu seinem Feld und schneidet Hanfblüten von den Randpflanzen des Feldes ab. Er will ja keine Pflanzen vor der Ernte beschädigen. Diese trocknet er vorsichtig und gibt sie zur Analyse. Der Analytiker untersucht diese Probe und teilt dem Bauern mit, seine Pflanzen haben einen Gehalt von 4,5 % CBD. Dieser freut sich und beginnt die Ernte. Selbst wenn alles bestens läuft, wird die gesamte Biomasse mit hoher Wahrscheinlichkeit eine geringere CBD-Konzentration aufweisen. Spätestens dann wird der Bauer unzufrieden sein, weil er mit ganz anderen Werten für einen Verkauf gerechnet hatte. Warum wird die Konzentration von der ersten Analyse abweichen? 1. Diese Probe ist nicht repräsentativ. Die Probe wurde nur vom Rand genommen. 2. Die Probe wurde sehr vorsichtig getrocknet. Beim Trocknen der Ernte geht der Trocknungsprozess gröber vor sich. Denn neben der Temperatur zur Trocknung, spielt der Luftzug eine große Rolle. Ist dieser zu stark, brechen die Trichome der Hanfblüte ab und gehen meistens verloren. Unglücklicherweise sind Trichome (kleine Härchen) die eigentliche Quelle des Hanfharzes, in dem die Cannabinoide angereichert sind. An den Trichomen sieht man, wenn man genau hinsieht, kleine Kugeln, die der Blüte ein Aussehen verleihen als sei diese überzuckert bzw. verschneit. Die Trichome sind wie eine kleine Fabrik, in der die Cannabinoide und Terpene hergestellt werden. 3. Die Versorgung der Pflanzen mit Wasser, Nährstoffen und Wärme ist auf einem Feld sehr inhomogen. Man kann dies sehr schön anhand der Pflanzengröße sehen. Daher können die Cannabinoidgehalte der Pflanzen vom Rand von denen aus der Mitte schon mal 30 % bis maximal 50 % abweichen. Das heißt also, man kann nur dann eine repräsentative Probe eines Feldes erhalten, wenn man aus jedem seiner Abschnitte, entsprechend des Flächenbeitrages am gesamten Feld, Probematerial entnimmt, dieses produktionsnah trocknet und im Anschluss gut vermischt bzw. homogenisiert. Eine Analyse dieser Probe sollte dann nach bestem Wissen und Gewissen homogen sein. Probenahme aus einem Big-Pack Die Probenahme aus einem Big-Pack stellt sich ebenso als Herausforderung dar. Wenn das Produkt getrocknet wurde und im Anschluss daran verpackt wird, erfolgt eine mechanische Wirkung auf den Hanf. Dies führt u. a. dazu, dass die Trichome abbrechen können und wenn das Big-Pack noch auf holprigen Wegen mit dem LKW von A nach B gefahren wird, finden sich die meisten Trichome (Cannabinoide & Terpene) in dem unteren Bereich der Verpackung. Auch hier hilft nur eine Probenahme nach dem Mischprinzip aus allen Schichten. Als sinnvoll hat sich der Ansatz erwiesen, ein oder mehrere BigPacks für eine Versuchsextraktion zu verwenden, wobei drei bis fünf Big-Packs reichen sollten. Insgesamt ist die Verwendung einer Versuchsextraktionsmasse von 500 bis 2.500 Kilo als repräsentativ anzusehen.

Aus dem gewonnen Extrakt an Cannabinoiden kann man ihre Ausgangskonzentration im Nachgang abschätzen. Voraussetzung ist natürlich, man kennt die Effektivität des Extraktionsverfahrens. Probenahme bei Lebensmitteln Für die Probenahme bei Lebensmitteln gibt es eine Vielzahl von Literaturquellen im Internet. Auch das Deutsche Institut für Normung beschreibt diesen Sachverhalt in der DIN EN ISO 18593/ 15216 sehr detailliert. Deshalb möchte ich hier nur ein Beispiel aus der Praxis beschreiben. Es geht um die Probenahme von Hanfblüten in Backware. In diesem fiktiven Fall wurden die Hanfblüten aus den Backwaren mit Pinzette und Skalpell fein rausgearbeitet und dann im Nachgang analysiert. Die so gewonnenen Werte sind aber in keinem Fall aussagefähig über den Gesamtgehalt der Cannabinoide in Nahrungsmitteln. Richtiger wäre gewesen, die Probe zu homogenisieren und erst dann diese repräsentative Probe zu untersuchen. Ähnlich verhält es sich bei einer Untersuchung von Teemischungen. Die Rosinenpickerei in einem Tee führt auch zu keiner repräsentativen Probe. Man müsste für eine korrekte Inhaltsbestimmung eine repräsentative Menge der Teemischung homogenisieren, zum Beispiel 250 oder 500 Gramm. Aus dieser könnte man dann eine Probe für die eigentliche Untersuchung entnehmen. Dokumentation der Probenahme Da die Probenahme einen wichtigen Teil der Gehaltsbestimmungen darstellt, sollte diese protokolliert werden. Am besten protokolliert man die Probenahme, Probenaufarbeitung und Entnahme der repräsentativen Probe für die Untersuchung. Dies hilft dabei, spätere Diskussionen zum Ergebnis der Analyse sachdienlich zu führen.

Analytische Methoden der Cannabinoid-Analytik Die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie – das HPCL-Verfahren Die Methode der Wahl zur Cannabinoid-Analytik ist die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie oder Hochdruckflüssigkeitschromatographie, abgekürzt als HPLC von der englischen Bezeichnung high performance oder high pressure liquid chromatography [10,11]. Die Bezeichnung Chromatographie ist von den griechischen Worten χρώμα chroma „Farbe“ und γράφειν graphein „schreiben“ abgeleitet. Es kann also auch als Farbenschreiben interpretiert werden. Das kommt daher, dass der Entdecker der chromatographischen Analyse, Michail Semjonowitsch Zwet [12], bei botanischen Untersuchungen von Chlorophyll dieses in zwei Farbfraktionen aufgeteilt hat. Mit Hilfe eines mit Inulin gefüllten Glasrohres und einem organischen Lösungsmittel trennte er ein Chlorophyll-Extrakt in seine zwei Hauptbestandteile, in das blaugrüne und in das gelbgrüne Chlorophyll. 2022_01

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Heute gibt es eine Vielzahl von Detektoren, welche die eine oder andere physikalische Eigenschaft zur Registrierung verwenden. Die wichtigsten Typen sind: 1. der UV/VIS-Detektor, 2. der Lichtstreudetektor, 3. der Brechungsindexdetektor, 4. das Massenspektrometer, 5. der Leitfähigkeitsdetektor und 6. der elektrochemische Detektor.

Ausrüstung für die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie, HPLC, in einem Labor.

Damals wie heute nutzt man zur Auftrennung von Stoffgemischen deren unterschiedliche Verteilung zwischen einer ­stationären und einer mobilen Phase. Folgende Parameter beeinflussen eine solche Trennung: 1. die Art und Struktur der einzelnen Stoffbestandteile (Probe), 2. das Lösungsmittel und deren Zusammensetzung (mobile Phase), 3. das Säuleninnenmaterial (stationäre Phase), Länge und Querschnitt, 4. die Temperatur, 5. der pH-Wert und 6. die Durchflussgeschwindigkeit des Lösungsmittels. Sowohl die unterschiedliche Löslichkeit im Lösungsmittel als auch die spezifische Wechselwirkung mit dem Säulenfüllstoff führt zu einer Auftrennung des Stoffgemisches, wenn die Säule nur lang genug ist und die Durchflussgeschwindigkeit, der pHWert und die Temperatur optimiert wurden. Nach heutigem Stand der Technik benutzt man zumeist die HPLC zur Analytik von Stoffgemischen, da diese eine wesentlich bessere und reproduzierbare Trennung der Einzelsubstanzen erlaubt [13]. Ein modernes HPLC-System ist eine druckoptimierte Säulenchromatographie, bei der zur besseren und schnelleren Trennung der Einzelsubstanzen die mobile Phase mit einem erhöhten Druck auf die Trennsäule gegeben wird. Dieser Druck kann zwischen 50 bis 400 bar betragen. Wichtig ist, dass dieser Druck absolut stabil ist während der gesamten Messung. Ganz moderne HPLC-Anlagen nutzen Säulen mit einem Säulenpackmaterial kleiner 2 µm Korngröße, was einen wesentlich höheren Druck der mobilen Phase benötigt. Dieser Druck kann bis zu 1.000 bar betragen. In diesem Fall spricht man dann von einer UHPLC-Methode (UHPLC = Ultra-High-Performance-LC) [14]. Herkömmliche HPLC-Säulen sind zwischen 15 bis 300 mm lang und haben zumeist einen Innendurchmesser zwischen 2 bis 5 mm. Am Ende einer solchen Trennsäule wird eine Registriereinheit (Detektor) installiert. 26 |

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Für eine Stoffgemischanalyse wird eine kleine Probenmenge auf die Säule gegeben. Nun wird die mobile Phase auf die Säule gegeben. Wechselwirkt ein Bestandteil des Stoffgemisches (Probe) stark mit der stationären Phase, so verbleibt er relativ lange in der Säule. Wechselwirkt dieser jedoch nur schwach mit der stationären Phase, verlässt er die Säule früher und wird durch den Detektor erfasst. Je nach Stärke dieser Wechselwirkungen erscheinen die Bestandteile der Probe zu verschiedenen Zeiten, den sogenannten Retentionszeiten, am Detektor, wo sie dann nachgewiesen werden können [13]. Die Retentionszeit ist verbindungsspezifisch und die Stoffmenge, welche durch den Detektor geht, ist für die Größe des Signals verantwortlich. Je mehr von einer Verbindung in der mobilen Phase enthalten ist, desto größer das Signal. Mit diesen beiden Parametern, Retentionszeit und Signalhöhe, lassen sich durch vorherige Analysenläufe mit definierten Standards, die Verbindung und die Stoffmenge in der Probe genau berechnen. Die Bestimmungsgrenzen der jeweiligen Verbindungen sind stark abhängig vom Gerät selbst, dem Lösungsmittel, der Säule, Säulenlänge und dem Säulenmaterial. Schlussendlich ist auch der Detektor selbst ein limitierender Faktor. Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl von Anbietern eines kompletten HPLC-Systems zur Cannabinoid-Analytik. Neben dem Gerät an sich können die Messmethoden und dazugehöriges Personaltraining käuflich erworben werden. Die Gaschromatographischen Methoden[9-11] Während man bei der HPLC-Methode als mobile Phase (Lösungsmittel oder Eluent) eine Flüssigkeit nutzt, wird die Auftrennung bei der Gaschromatographie (GC) mit Hilfe eines Gases erreicht. Neben der Besonderheit, dass ein Gas als mobile Phase genutzt wird, sind die Trennsäulen wesentlich länger und etwas größer im Durchmesser. Moderne GC-Anlagen haben Säulen mit mehr als 100 Meter Länge mit einem Durchmesser zwischen 3 bis 6 mm. Diese können aus Edelstahl oder Glas sein. Edelstahlsäulen wurden in der Vergangenheit auch als gepackte Trennsäulen verwendet. Moderner sind hingegen die Kapillar-Trennsäulen aus Glas, die zur analytischen Untersuchung von hochkomplexen Substanzmischungen eingesetzt werden können. Diese Kapillar-Trennsäulen werden in einem temperierbaren Raum installiert, dem sogenannten Ofenraum. Als mobile Phase werden inerte Trägergase verwendet, wie das inerte Stickstoff oder Helium. In dieser Ofenkammer wird über einen beheizbaren Injektor (oder Einspritzventil) das verdampfbare Stoffgemisch injiziert. Jede Verbindung des Stoffgemisches hat durch ihre spezifische physikalisch-chemische Eigenschaft eine individuelle Mobilität in der Trennsäule. Dadurch ergibt sich ein Verteilungskoeffizient

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zwischen der stationären und mobilen Phase, der wiederum verbindungsspezifisch ist. Auf diese Art werden die komplexen Cannabinoidgemische in ihre einzelnen Cannabinoide aufgetrennt. Die Gaschromatographie unterliegt einer wesentlichen Beschränkung. Durch die physikalisch-chemischen Besonderheiten der genutzten Säulen können in der Gaschromatographie nur Substanzen untersucht werden, die (i) verdampfen und (ii) eine Molekülmasse nicht über 1.000 u haben. Das trifft für alle Cannabinoide und Terpene zu, mit Ausnahme einiger Poly-Terpene, welche aber bedeutungslos in der Cannabischemie sind. Die Funktionsweise der Detektoren, wie MS-Detektor bzw. EC-Detektor Der MS-Detektor: Die Massenspektrometrie basiert auf einem Verfahren zum Messen der Masse von Molekülen. Die zu analysierenden Cannabinoide werden in der HPLC bzw. GC nach dem Passieren der Trennsäule in eine Gasphase überführt und ionisiert. Die dabei entstandenen Ionen werden anschließend durch ein elektrisches Feld beschleunigt und dem Analysator zugeführt. Durch das Verhältnis von Masse zur Ladung werden diese durch eine Beschleunigung in Teilstrahlen aufgetrennt. Je schwerer ein Ion ist, desto schwerer ist seine Beschleunigung, wodurch es zu einer Fragmentierung der Probe kommt [15, 16]. Wer sich für die Details der Massenspektroskopie interessiert, dem kann als Einführung dazu das Manuskript der Universität Heidelberg empfohlen werden [17]. Der EC-Detektor: Dieser Detektor nutzt die elektrische Leitfähigkeit in flüssigen Medien zur Detektion. Damit ist dieser Detektor ideal für die Flüssigkeitschromatographie. Die elektrolytische Leitfähigkeit ist dabei ein Summenparameter, bestehend aus der Leitfähigkeit der gelösten und dissoziierten Stoffe. Die mobile Phase liefert ohne eine zu analysierende Substanz die Grundleitfähigkeit, den Grundstrom. Dieser ändert sich mit der Konzentration einer Substanz in der mobilen Phase. Diese Veränderung wird detektiert und ausgewertet. Die Abweichung der Leitfähigkeit bezüglich Zeit und der Änderung der Leitfähigkeit an sich ist für jedes Cannabinoid an einem Gerät spezifisch [18-21].

Qualitätssicherung & Prozessbeschreibungen Minimalansprüche an die Analytik Der Begriff der Qualitätssicherung ist ein Überbegriff für alle Prozesse rund um das Produkt und die eigentliche Analyse, welche Einfluss auf die Qualität der Untersuchungsbefunde haben. Deshalb sollten solche Begrifflichkeiten in jedem Qualitätsmanagementhandbuch für Firmen und Institutionen definiert sein. Alle nachfolgenden Schritte entsprechen einem Minimalanspruch an eine reproduzierbare und repräsentative Analytik: 1. Planung 2. Probenahme & Probendokumentation 3. Probenkonservierung & Probenverpackung 4. Probentransport & Probenlagerung 5. Probenvorbereitung & Probenaufbereitung

6. Probenanalyse 7. Auswertung, Beschreibung der Analysenmethoden 8. Ergebnisbewertung und -diskussion Das QM-Buch als Qualitätsbasis Jede Firma sollte ihre Prozesse, Vorgänge und betriebseigenen Normen und Regelungen in einem Qualitätshandbuch (QM-Buch) festschreiben. Der Umfang und der Grad der Detaillierung sind den betrieblichen Vorgängen anzupassen. Dieses QM-Buch hat dabei drei wesentliche Aspekte zu erfüllen: 1. Das QM-Buch legt schriftlich den Geschäftszweck, die Ziele, die Prozesse, Geschäftsabläufe und Vorgaben der Geschäftsführung fest. 2. Im QM-Buch werden die Qualitätsansprüche, Qualitätssicherungsmaßnahmen und die Verbesserungsbemühungen definiert. 3. Die zu beachtenden Gesetze, gesetzlichen Reglungen, Ansprüche sowie die betriebseigenen Verfahrensanweisungen und deren Dokumentation werden schriftlich festgehalten. Sicherheit durch Auditierung Als Kunde eines Analysenlabors sollte man sich seinen Geschäftspartner unbedingt genauer ansehen. Man nennt diesen Prozess auch Auditierung. Sie sollten dabei immer ihre Ansprüche an denen ihres Geschäftspartners messen. Lassen Sie sich das QM-Buch schicken. In diesem sollten keine Geheimnisse enthalten sein. Diese sind in den Prozessbeschreibungen und Arbeitsanweisungen niedergelegt. Schauen Sie auf Prozesse, welche sich als Kernprozesse Ihrer in Anspruch genommenen Leistung erweisen. Hinterfragen Sie kritische Punkte und protokollieren Sie die Antworten. Nicht immer muss dabei der Gesprächspartner sofort eine Antwort parat haben. Integrieren Sie die Ergebnisse des Audits in Ihre Abläufe. So lässt sich eine Zusammenarbeit optimieren. Oft hat es sich bewährt, die Zusammenarbeit in einem eigenen Qualitätsprozess nieder zu schreiben. Da beide Partner involviert waren, sind diese Abläufe meist problemärmer. Mitarbeiter lassen sich durch einen Verbesserungswettbewerb motivieren, da diese so einen direkten Einfluss auf Prozesse und Abläufe in der Firma nehmen können. Das sichert Qualität und Kundenzufriedenheit. Wie man sieht, ist die Cannabis-Analytik ein anspruchsvoller Prozess. Eine korrekte Durchführung der Probenentnahme, die Auswahl der passenden analytischen Methoden und eine lückenlose Qualitätssicherung sind die Grundbausteine. Ihre sorgfältige Durchführung trägt erheblich zur Rechtssicherheit für Unternehmen sowie zur Vertrauensbildung und Zufriedenheit bei den Verbrauchern bei. ↙ Das Literaturverzeichnis ist auf Nachfrage in der Redaktion erhältlich.

Dr. Stefan Meyer ist Präsident des Branchenverbandes Cannabiswirtschaft e.V. und Geschäftsführer der Neo-Livia GmbH. Im BvCW bearbeitet er federführend den Bereich Qualitätssiegel und Analysetechnik. 2022_01

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Akteure und Prozesse der Genussmittelregulierung Ein kommentierender Überblick Die neue Bundesregierung hat ihre politische Willenserklärung zur legalen Abgabe von Cannabisprodukten am 24.11.2021 kundgetan. Darin heißt es: “Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein. Dadurch wird die Qualität kontrolliert, die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet.” Aus Sicht der Cannabiswirtschaft ist dies ein erfreulicher und herausfordernder Schritt. Von Jürgen Neumeyer

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etails der kommenden Regelungen sind natürlich noch nicht bekannt. Wer den Weg üblicher Gesetzgebungsprozesse kennt, weiß, dass sich das rund zwei Jahre hinziehen kann (Ausnahmen gab es – z. B. pandemiebedingt – nur wenige). Da es sich hier um ein Thema handelt, das gesellschaftlich noch immer sehr umstritten ist und viele Vorbehalte, aber auch Fehlinformation existieren, wird der Prozess sehr genau und sehr detailliert vorangehen. Niemand will einen Fehler machen, alle wollen genau regulieren und sich möglichst als politischer Akteur nicht angreifbar machen. Cannabis bleibt eine Droge. Und wie bei jeder Droge – ob legal oder illegal – hat die Substanz (in diesem Fall vor allem das THC) ihre Chancen und ihre Risiken. Das ist zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund ist es interessant, einen Blick auf einige zentrale Akteure im kommenden Prozess zu werfen.

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Die Exekutive (Bundesregierung und untergeordnete Behörden) Die “Federführung” zur Umsetzung der Cannabislegalisierung liegt im Bereich Gesundheit. Einige weitere Ressorts werden mitberatend sein. Mit Burkhard Blienert als dem neuen Drogenbeauftragten der Bundesregierung wird ein sehr aufgeklärter Experte in diesem Bereich an dem Prozess beteiligt sein. Blienert hat bereits viele klare Aussagen zur Cannabisfrage geäußert, z. B. in einer politischen Diskussionsrunde des Bundesverbands Cannabiswirtschaft BvCW vor der Bundestagswahl [1]. Allein, das reicht natürlich noch nicht. Er ist zwar Mitglied der Bundesregierung – und wir alle hoffen, dass er eine starke Stimme innerhalb dieser entwickeln wird – er steht aber weder alleine, noch kann er unabhängig vom Stimmungsbild der Gesellschaft und schon gar nicht unabhängig vom Stimmungsbild in der “politischen Landschaft” agieren. Wenn man es grob übersetzen will, sind seine “Vorgesetzten” Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und Bundeskanzler Olaf Scholz.

Insgesamt können wir als wirtschaftlich Beteiligte sicher mit hohen Regulierungen und vielen Anforderungen rechnen [...] Von beiden, Lauterbach und Scholz, wissen wir, dass Cannabis oder eine progressive Drogenpolitik nicht zu ihren Kernthemen gehören. Das sollte man auch nicht erwarten. Karl Lauterbach hat sich im Vorfeld der Koalitionsverhandlungen auch mit seiner cannabispolitischen Aussage als “koalitionsfähiger Gesundheits-Ampelminister” gegenüber FDP und Grünen ins Spiel gebracht, in der er sagte: “Immer häufiger wird dem i­ llegal verkauften Straßen-Cannabis neuartiges Heroin beigemischt, das sich rauchen lässt. Damit werden Cannabis-Konsumenten schnell in eine Heroin-Abhängigkeit getrieben. Ich bin deswegen dafür, dass wir in einem möglichen Koalitionsvertrag mit Grünen und FDP einen Passus zur legalen und kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene formulieren.” Eine Begründung, die bei Insidern etwas Kopfschütteln hervorrief, vom thematischen Ansatz der Qualitätskontrolle und gefährlicher Beimengungen aber in die richtige Richtung ging. Im Laufe des Wahlkampfes ließ sich Olaf Scholz zu der Aussage hinreißen, “seine Jugendorganisation” hätte ihn zu einem anderen Weg in der Cannabispolitik überzeugt. Na dann, immerhin! Beide werden also der fachlichen Ausgestaltung nicht im Wege stehen, aber beide werden sich darum auch nicht kümmern. Das werden andere Akteure machen (müssen), u. a.

Burkhard Blienert als einer der zentralen Ansprechpartner in der Bundesregierung. Sabine Dittmar und Edgar Franke (beide SPD) sind die “Parlamentarischen Staatssekretäre“ im Bundesministerium für Gesundheit. Von Frau Dittmar weiß man, dass sie sich in der vergangenen Legislaturperiode als Gesundheitspolitische Sprecherin der SPDFraktion für die Legalisierung von Cannabis einsetzte, wie quasi alle Gesundheitspolitiker und Gesundheitspolitikerinnen innerhalb der SPD damals ebenso. Von den beiden beamteten Staatssekretären, Dr. Thomas Steffen (CDU) und Dr. Antje Draheim (SPD) kennt man keine öffentlichen Aussagen zum Thema Cannabis. Das ist nicht ungewöhnlich, da diese Personen normalerweise selten der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Für den Prozess innerhalb des Ministerium geht man normalerweise davon aus, dass die beamteten Staatssekretäre stärker sind als die parlamentarischen, weil sie mehr Durchgriffsstärke auf “das Haus” und die nachgeordneten Behörden haben (z. B. BfArM, Bundesopiumstelle usw.). Im BMG sind hier z. B. auch die beiden Referatsleiter 122 für Betäubungsmittelrecht, -Verkehr und Internationale Suchtstofffragen, Frau Clauß und Herr Dr. Riehl relevant. Dr. Riehl gilt als langjähriger Experte und agierte quasi als “Exporteur” der deutschen Medizinalcannabis-Frage in die EU. Das Referat 125 “Drogen & Sucht” ist derzeit unbesetzt. Als Unterabteilungsleiterin “Medizinprodukte, Apotheken, BtM” fungiert Frau Brakel und Abteilungsleiter 1 “Arzneimittel, Medizinprodukte, Biotechnologie” ist Thomas Müller. Von beiden gibt es keine öffentlichen Äußerungen zum Thema. Ein Sonderfall unter den Protagonisten der Cannabislegalisierung in der Bundesregierung ist auf alle Fälle der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Cem Özdemir (B90/Die Grünen). Er hat sich in verschiedenen Interviews bereits im Vorfeld seiner Ernennung als Bundeslandwirtschafts- und Ernährungsminister positiv zu den Chancen von Cannabis – auch als Wirtschaftsgut – geäußert. [2] Aufgrund der Federführung des Gesundheitsministeriums in dieser Frage kann man allerdings nur hoffen, dass er im eigenen Haus das Thema Cannabis auf Leitungsebene besetzen wird und dementsprechend reagieren kann. Unabhängig von den Legalisierungsfragen beschäftigen die Wirtschaft natürlich auch die Fragen der landwirtschaftlichen Nutzung von Hanf, der Grenzwerte von THC in Lebensmitteln, des rechtssicheren Umgangs mit CBD-Produkten oder die Haltung des BVL zu Cannabis in der Weiterverarbeitung und Vermarktung. Dies sind alles Fragen, in denen Özdemir als Bundesminister sicherstellen könnte, dass es politische Gespräche mit den zumindest dienstaufsichtlich unterstellten Behörden gibt und Einfluss darauf nehmen könnte, welche Fragen hier zu einer Neuregulierung in Angriff genommen werden. Gleichzeitig ist die Repräsentanz seines Ministerium in EU-Gremien und deren Haltung hier künftig (wie bisher) von großer Relevanz für uns als Wirtschaft – natürlich auch EU-weit. Es bleibt abzuwarten, ob der politische Wille auch faktisch zu einem mittelfristigen Umdenken und einer Änderung der Umsetzungspolitik in den untergeordneten Behörden führt. 2022_01

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RECHT + POLITIK

Die Legislative In der kommenden Regulierung von Cannabis als Genussmittel wird die Legislative, also der Bundestag, eine wichtige Rolle spielen. Hierbei natürlich vor allem die Ampel-Fraktionen. Es wird eine Art Sondergesetz geben müssen (wie es die Grünen – allerdings in den vergangenen zwei Legislaturperioden sehr befreit in der Opposition – mit dem Cannabiskontrollgesetz [3] vorschlugen). Solch ein Gesetz wird aber viele “Zusatzfragen” beantworten müssen, wie z.B. Jugendschutz, Besteuerung, den weiteren Umgang mit illegalem Cannabishandel, Aufsichts- und Kontrollfragen, usw. Insofern werden etliche andere “Fachbereiche” bzw. Ausschüsse des Bundestags (und auch der beteiligten Bundesministerien und der Bundesrat) mitberaten. Dazu sind dann die federführenden Berichterstatter – und die sind normalerweise im federführenden Ausschuss angesiedelt – von entscheidender Bedeutung. Dieser Ausschuss wird der Gesundheitsausschuss sein, da Cannabis derzeit als Betäubungsmittel (BtM) und damit als bislang illegale Droge klassifiziert ist. Es ist davon auszugehen, dass sich auch – mehr oder weniger – informierte Fachpolitiker und Fachpolitikerinnen aus den mitberatenden Ausschüssen Justiz, Innen, Ernährung und Landwirtschaft, Familien und Jugend sowie Finanzen und Haushalt damit befassen müssen. In jedem Ausschuss gibt es von jeder Fraktion eine/n weiteren Mitarbeitenden oder zumindest formell zuständigen MdB.

Niemand will einen Fehler machen, alle wollen genau regulieren und sich möglichst als politischer Akteur nicht angreifbar machen. Die regierungstragenden Fraktionen haben ihre “Berichterstatter” im Gesundheitsausschuss zum Thema Cannabis benannt: Dirk Heidenblut (SPD), Dr. Kirsten Kappert-Gonther (B90/Die Grünen) und Kristine Lütke (FDP). Bei B90/Die Grünen ist auch Linda Heitmann zusätzlich für den Bereich Drogen und Sucht benannt. Diese Akteure stehen der Cannabisregulierung/-legalisierung äußerst positiv gegenüber. Kappert-Gonther und Heidenblut waren bereits in vergangenen Legislaturperioden mit dem Thema befasst und haben sehr deutliche Aussagen zum Thema gemacht, Frau Lütke (FDP) hat sich öffentlich mehrfach zum Thema geäußert und es ist davon auszugehen, dass sie sich schnell in das Thema einarbeitet. Aus Sicht der Cannabiswirtschaft ist das sehr begrüßenswert. Bei diesen Akteuren werden entscheidende Voraussetzungen zur kommenden Regulierung zusammen laufen. Zusätzlich werden sich in den kommenden Monaten auch andere Abgeordnete zum Thema äußern, sei es aus Herzensangelegenheit, aus einer regionalen Anfrage oder als mitberatende 30 |

Berichterstatter in den begleitenden Ausschüssen. Hierzu gehört z. B. auch Carmen Wegge (SPD) für den Innen- und Rechtsbereich. Innerhalb der CDU/CSU-Fraktion ist Simone Borchardt (MdB) neue drogenpolitische Sprecherin. Frau Borchardt steht der Cannabisregulierung skeptisch gegenüber. Die beiden weiteren Oppositionsfraktionen haben bislang (bis Redaktionsschluss) keine Entscheidung zur personellen Besetzung getroffen. Bei der Bundestagsfraktion der Linken war in Social-Media-Kanälen zu vernehmen, dass es mehrere Aspiranten und Aspiranteninnen auf die vermeintlich attraktive Position gibt und eine Einigung auf sich warten lasse. Bei der AfD-Fraktion gab es diese Position bisher noch gar nicht, und es ist sowieso fraglich, ob in dieser Frage konstruktive Vorschläge von dort zu erwarten wären.

Fazit Insgesamt können wir als wirtschaftlich Beteiligte sicher mit hohen Regulierungen und vielen Anforderungen rechnen, aber auch vielen kenntnisreichen Akteuren als Protagonisten im Umsetzungsprozess der Cannabisregulierung entgegen sehen. Von Seiten der Legislative darf viel Unterstützung erwartet werden, von Seiten der Exekutive müssen wir derzeit noch auf die Durchsetzungskraft des erklärten politischen Willens, d. h. des Koalitionsvertrags, vertrauen. Mitberatende Institutionen, wie z. B. der Bundesrat (die Länder) können ggf. über zu erwartende Steuereinnahmen oder über Druck im potentiellen Vermittlungsausschuss überzeugt werden. Oder sie werden durch neue politische Konstellationen – 2022 finden Wahlen in mehreren Bundesländern statt – zustimmungsfähig. Der BvCW schlug zudem eine Cannabis-Kommission analog der Kohle-Kommission vor, um alle gesellschaftlich relevanten Bereiche mitberatend zu integrieren. Burkhard Blienert hatte auf dem oben erwähnten BvCW-Panel einen Zeit-Fahrplan vorgeschlagen, der für 2022 Vorbereitungen, für 2023 eine erste Vorlage und für 2024 Beratungen und Anhörungen im Parlament sowie die Verabschiedung eines Gesetzes mit allen nötigen Änderungsgesetzen vorsieht. Man darf also hoffnungsvoll davon ausgehen, dass es von Seiten der Regierung nächstes Jahr einen ersten Entwurf für das Gesetz zur Genussmittelregulierung geben wird. ↙

[1] https://www.youtube.com/watch?v=4XAd9Za_ebo [2] https://www.youtube.com/watch?v=wdRDHgeakdQ [3] https://dserver.bundestag.de/btd/19/008/1900819.pdf

Jürgen Neumeyer war ehrenamtlich zehn Jahre Referent für Drogenpolitik bei den Bundes-Jusos und beruflich 17 Jahre als Mitarbeiter im Bundestag. Nach einer langjährigen Tätigkeit als selbständiger Politikberater, Headhunter und Lobbyist, setzt sich der Diplom-Politologe heute als Geschäftsführer des Branchenverbandes Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) für die Interessen der Cannabiswirtschaft ein.

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INTERNATIONAL

Grenzüberschreitende Streitig­keiten und Investitionsschutz – in einer aufstrebenden „grünen“ Industrie Das weltweite Interesse an Cannabis floriert und die therapeutischen Eigenschaften der Pflanze werden von cleveren Unternehmen vermarktet. Viele Länder erkennen den potenziellen Nutzen für ihr Gesundheitssystem – und die öffentlichen Finanzen. Uneinheitliche regulatorische Rahmenbedingungen könnten jedoch schon bald zu einer Zunahme von Investitionsstreitigkeiten führen, zusätzlich zu denen, die bei grenzüberschreitenden Transaktionen naturgemäß entstehen. Von Rodolphe Ruffié

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ie Einstufung von Cannabis als verbotene Substanz hat in den letzten Jahren abgenommen, da immer mehr Länder die Pflanze entkriminalisiert oder legalisiert haben, um ihre medizinischen Eigenschaften zu nutzen. Das Marktinteresse hat in den letzten drei Jahren rapide zugenommen, und es gibt verschiedene Anzeichen dafür, dass die Cannabisindustrie bis 2028 weltweit einen Wert von 150 bis 270 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Innovative Unternehmen, die in solch einem aufstrebenden Wirtschaftszweig tätig sind, müssen sich entsprechend vorbereiten, indem sie die kommerziellen Risiken, aber auch die Risiken ausländischer Investitionen abfedern. So könnte die Regierungspolitik dazu führen, dass Genehmigungen und Erlaubnisse für den Anbau, die Herstellung oder die Lieferung widerrufen werden oder dass die Regulierung zu einem konservativeren Ansatz zurückkehrt und die Lieferung oder den Besitz von Cannabis in all seinen Formen verbietet.

Aufstrebende Industrie in aufstrebenden Märkten Obwohl es sich um traditionell konservative Regionen handelt und trotz des sozialen Stigmas, das der Pflanze anhaftet, erkennen lateinamerikanische, afrikanische und asiatische Länder die Chancen, die dieser Sektor für ausländische Investitionen bietet. So war Thailand das erste Land in Asien, das Gesetze zur Legalisierung von medizinischem Cannabis verabschiedet hat. Kolumbien, Marokko und Südafrika haben ebenfalls in den jeweiligen Regionen der Welt Pionierarbeit in diesem Segment geleistet. Innerhalb von nur fünf Jahren sind Dutzende von Ländern auf der ganzen Welt in diesen Sektor eingestiegen und haben staatliche Lizenzen für den Anbau von Cannabis zu medizinischen oder wissenschaftlichen Zwecken erteilt. 32 |

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Viele Unternehmen sind inzwischen international tätig und beginnen, die Vorteile lockererer Vorschriften in Ländern wie den USA, Kanada und Deutschland als Zielmärkte zu nutzen – oder als Basis für die Ausweitung ihrer internationalen Aktivitäten. Wenn mehrere Interessengruppen im Spiel sind, steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Handelsstreitigkeiten kommt. Der naheliegendste Mechanismus zur Beilegung von Streitigkeiten ist die Schlichtung; geschädigte Parteien sollten sich jedoch bewusst sein, dass sie möglicherweise von internationalen Abkommen profitieren können, die zum Schutz ausländischer Investitionen geltend gemacht werden.

Internationale Schiedsgerichtbarkeit als Absicherung Handelsstreitigkeiten Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich die Schiedsgerichtsbarkeit zur wichtigsten Methode der Streitbeilegung für Unternehmen entwickelt, die in hochspezialisierten Branchen oder allgemein international tätig sind. Aufgrund ihrer Flexibilität bietet die Schiedsgerichtsbarkeit viele Vorzüge, darunter schnelle Verfahren, Kosteneffizienz, Anpassungsfähigkeit und ein hohes Maß an Durchsetzbarkeit, insbesondere im grenzüberschreitenden Kontext. Denn wie nationale Gerichtsurteile sind auch Schiedssprüche für die Parteien verbindlich; im Gegensatz zu nationalen Gerichtsentscheidungen können Schiedssprüche jedoch problemlos im Ausland vollstreckt werden. Insbesondere für Cannabisunternehmen ist eine sorgfältig formulierte Schiedsklausel der Schlüssel, um sicherzustellen, dass alle Streitigkeiten, die sich aus ihren inländischen oder

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INTERNATIONAL

internationalen Geschäften ergeben, fair, schnell, vertraulich und von den kompetenten Schiedsrichtern ihrer Wahl gemäß den von den Parteien vereinbarten Gesetzen, Regeln und Verfahren entschieden werden können – im Gegensatz zu der Unsicherheit, Unerfahrenheit oder sogar Feindseligkeit, auf welche sie bei einigen nationalen Gerichten stoßen dürften. Die Vertraulichkeit der Verfahren gibt den Parteien die Gewissheit, dass ihr geistiges Eigentum und ihre Streitigkeiten nicht an die Öffentlichkeit gelangen. In bestimmten Jurisdiktionen wird man vor einem Handelsschiedsgericht mit dem Argument, dass ein Vertrag über verbotene Substanzen nichtig sei, vermutlich weniger erfolgreich sein als vor ordentlichen Gerichten. Die große Vielfalt der heute zur Verfügung stehenden Schiedsinstitutionen und schiedsrechtlichen Regelungen erfordert jedoch eine sorgfältige Analyse im Hinblick auf die unterschiedlichen nationalen regulatorischen Rahmenbedingungen für Cannabis. Eine solche Analyse muss für jeden einzelnen Vertrag durchgeführt werden, um die Gültigkeit und Wirksamkeit des in Betracht gezogenen Schiedsverfahrens sicherzustellen. Streitfälle mit Staaten Die Schiedsgerichtsbarkeit ist jedoch nicht nur für B2B-Klagen geeignet: Sie ist auch ein wirksames Instrument für ausländische Investoren, um ihre Rechte gegenüber Staaten geltend zu machen, die ihre Tätigkeit beeinträchtigen. Streitigkeiten zwischen einem ausländischen Investor und dem Anlagestaat sind schwierig zu navigieren. Der Investor kann sich aus verschiedenen Gründen, insbesondere wegen einer möglichen Voreingenommenheit der Gerichte, davor scheuen, sich den Gerichten des Anlagestaates zu unterwerfen. Unternehmen mit Fokus auf (medizinischem) Cannabis sollten sich der grenzüberschreitenden

Aspekte ihres Geschäfts, der Risiken im Umgang mit ausländischen Regierungen sowie der Prävention und des Schutzes vor diesen Risiken bewusst sein, wenn sie auf ausländischen Märkten investieren.

Welche Risiken gibt es? Wie andere profitable Industrien, die unter „großer öffentlicher Beobachtung“ stehen (z. B. Bergbau, Öl und Gas), ist auch Cannabis stark reguliert und unterliegt in fast allen Ländern, die den Handel mit Cannabis (teilweise) legalisiert haben, komplexen Erlaubnis- und Genehmigungsverfahren. Die Legalisierung von medizinischem Cannabis gibt den Unternehmen keine freie Hand über ihr Vermögen. Im Gegenteil, ihre Abhängigkeit von Erlaubnissen und Genehmigungen macht ausländische Cannabisunternehmen besonders verwundbar, da ein bloßer Wechsel der Regierung oder der öffentlichen Meinung im Anlageland dazu führen kann, dass ihre Tätigkeit verboten wird und/oder ihre Erlaubnisse und Genehmigungen widerrufen werden, so dass sie (wenn überhaupt) nur sehr geringe Rechtsmittel haben. Dies gilt vor allem dort, wo das politische und juristische Risiko hoch ist (wie in Entwicklungsländern), aber selbst in den am weitesten entwickelten Ländern der Welt sind die genannten Umstände angesichts der stark polarisierten Ansichten über Cannabis nicht auszuschließen. In den meisten Ländern, in denen medizinisches Cannabis (oder Cannabis für den Freizeitgebrauch) legalisiert wurde, regelt ein rechtlicher Rahmen die gesamte Lieferkette, vom Anbau über die Produktion bis hin zum Konsum. Die regulatorischen Rahmenbedingungen können sich mit der jeweiligen Regierung ändern, und so besteht ein Risiko für ausländische Investoren in Form von Gesetzesverstößen aufgrund einer sich ändernden Politik. 2022_01

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INTERNATIONAL

Die Verwaltungs- und Verfahrensvorschriften können sich ändern, ohne dass der ausländische Investor davon erfährt, was zu erheblichen wirtschaftlichen oder vermögensrechtlichen Verlusten führen kann. So könnten beispielsweise Änderungen des Systems, das die Erlaubnisse und Genehmigungen für bestimmte Aspekte der Lieferkette regelt, dazu führen, dass das gesamte Geschäft nicht mehr betrieben werden kann. Die jüngsten Änderungen der Cannabispolitik in einigen Ländern lehren uns auch, dass die Legalisierung kein unumkehrbarer Prozess ist.

Wie können diese Risiken verhindert oder abgemildert werden? Ausländische Investoren können ihre Risiken gegenüber dem Anlagestaat mit Hilfe der Investor-Staat-Streitbeilegung (Investor State Dispute Settlement, ISDS) abmildern. ISDS umfasst einen Rahmen von Investitionsschutzinstrumenten wie Handels- und Investitionsverträgen, der ausländischen Investoren das Recht einräumt, internationale Schiedsgerichte anzurufen, um Streitigkeiten im Zusammenhang mit ihren Investitionen beizulegen. Es bietet ausländischen Investoren eine rechtliche Handhabe gegen Regierungen, die gegen Investitionsverpflichtungen verstoßen.

Wie erhält man ISDS und den damit ­verbundenen vertraglichen Schutz? Um das Länderrisiko zu verringern und ihre Investitionen bestmöglich zu schützen, sollten Investoren sog. „Nationality Planning“ in Erwägung ziehen, um den Geltungsbereich von Freihandelsabkommen (Free Trade Agreement, FTA) oder bilateralen Investitionsabkommen (Bilateral Investment Treaty, BIT) zu sichern. Diese Verträge bieten Schutz vor unrechtmäßiger Enteignung und unfairer Behandlung sowie einen eindeutigen Zugang zu internationalen Schiedsverfahren im Falle von Streitigkeiten mit dem Anlagestaat. Nationality Planning ist der Prozess der Unternehmensstrukturierung einer Investition mit dem Ziel, den Schutz solcher FTAs und BITs zu erlangen. Nationality Planning sollte vor der Investition erfolgen, obwohl es möglich ist, die Eigentumsverhältnisse von Unternehmen umzustrukturieren, um einen solchen vertraglichen Schutz zu erhalten, nachdem die Investition getätigt wurde (vorausgesetzt, dass zum Zeitpunkt der Umstrukturierung keine Streitigkeiten zwischen dem Investor und dem Anlageland bestehen oder nach vernünftigem Ermessen nicht vorhersehbar sind). Wenn ein Investor, der unter ein FTA oder ein BIT fällt, von einem Staat Maßnahmen unterworfen wird, die seine Fähigkeit beeinträchtigen, Cannabisprodukte anzubauen, herzustellen oder zu vertreiben, gibt es eine Reihe möglicher Ansprüche, die geltend gemacht werden könnten (jeweils abhängig von den relevanten Fakten der Investition). Dazu gehören Klagen wegen Verstoßes gegen den Standard für faire und gerechte Behandlung und Klagen wegen indirekter Enteignung. Zusätzlich zum Nationality Planning sollten Investoren versuchen, den Investitionsschutz (einschließlich des Rechts, Streitigkeiten vor ein internationales Schiedsgericht zu bringen) durch ein direktes 34 |

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Wenn mehrere Interessengruppen im Spiel sind, steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Handelsstreitigkeiten kommt. Abkommen mit ihrem Anlageland zu erhalten. Investoren bemühen sich normalerweise um andere Bedingungen, die gewöhnlich in Investitionsvereinbarungen für große Rohstoffprojekte enthalten sind, wie z. B. Stabilisierungsbestimmungen und den Verzicht auf staatliche Immunität. Allerdings sind relativ wenige Regierungen bereit, Investitionsabkommen für kleinere Projekte mit geringem finanziellem Volumen abzuschließen – eine Tatsache, die es für Investoren noch wichtiger macht, ihre Investitionen so zu planen, dass sie durch ein geeignetes FTA oder BIT abgedeckt sind.

Fazit Die rasch zunehmende Globalisierung des Cannabisgeschäfts bietet vielversprechende Möglichkeiten, bringt aber auch eine ganze Reihe anspruchsvoller Herausforderungen mit sich. Der Zugang zu angemessenen Streitbeilegungslösungen und einem fairen Verfahren ist eine davon. Die Schiedsgerichtsbarkeit ist ein wirksames Instrument zur Wahrung der rechtlichen und wirtschaftlichen Interessen von Cannabisunternehmen, sowohl bei Transaktionen mit anderen Unternehmen weltweit als auch bei der Entwicklung ihrer Geschäfte im (oder mit dem) Ausland. Die Anpassungsmöglichkeiten sind nahezu grenzenlos, so dass bereits bei den Vertragsverhandlungen und/oder bei der Entwicklung einer Investitionsstrategie im Ausland eine sorgfältige Auseinandersetzung mit dem Thema erforderlich ist. ↙

Rodolphe Ruffié ist leitender Anwalt bei Clifford Chance in Europa und Australien. Neben der grenzüberschreitenden Investitionsberatung vertritt er Unternehmen und fungiert als Schiedsrichter in internationalen Wirtschaftsstreitigkeiten, mit besonderem Schwerpunkt auf natürlichen Ressourcen und der Cannabisbranche.

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IM RAMPENLICHT

Fest verwurzelt und hoch hinaus MH medical hemp hat große Pläne Seit der Gründung der MH medical hemp GmbH im Oktober 2014 hat sich bei dem Unternehmen viel getan. Wie alle Spieler in der Cannabisbranche muss MH medical hemp geschickt mit den Unwägbarkeiten der Politik und des Marktes umgehen. Dank einem großen Erfahrungsschatz, überzeugtem Pragmatismus und einer Portion Humor konnte die Firma bisher allen Herausforderungen trotzen und ist heute einer der größten Hersteller und Händler von CBD-Rohstoffen in Joscha Krauß, Geschäftsführer MH medical hemp, vor dem BTM Tresor.

Deutschland. Eine Erweiterung des Geschäftsfeldes steht bereits in den Startlöchern. Von Rebekka Nurkanovic

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einen Ursprung hat MH medical hemp im Unternehmergeist von Daniel Kruse, einem Urgestein der deutschen Cannabiswirtschaft. Kruse gründete bereits 1995 das Einzelhandelsgeschäft HanfHaus in Düsseldorf. Mit dem Ziel, Ökologie und Ökonomie zu verbinden und langfristig die gesamte Lieferkette rund um Hanf zu bedienen, also „vom Saatgut bis ins Verkaufsregal“, hat er seitdem mehrere Firmen ins Leben gerufen. MH medical hemp gehört gemeinsam mit Hempro Int., Hemp Factory und Hanf Farm zur Hemp Holding Gruppe – nach eigenen Angaben einer der größten Hanfproduzenten Europas. Von der Hanf Farm bezieht MH medical hemp einen großen Teil ihrer in Europa angebauten Nutzhanf-Rohstoffe. Die Firmen der Gruppe arbeiten eng zusammen und profitieren von synergistischen Effekten, sei es beim Austausch von Erfahrung oder Produkt- und Marktinformationen. Gemeinsam können sie auf fast 30 Jahre Erfahrung zurückgreifen und lange erprobte Netzwerke nutzen. Die gebündelte Erfahrung sehen sie als Basis, auf der sie frühzeitig Trends erkennen und vorausschauend handeln können.

Die Branche voran bringen In den Anfangsjahren kamen die Kunden der Gruppe ausschließlich aus den USA. Die Amerikaner hatten in den Jahren 2012 bis 2015/2016 einen großen Bedarf an Hanfextrakten aber noch kein eigenes Material und wandten sich an die zwar kleine, aber immerhin vorhandene, Hanfindustrie in Europa. „Daniel Kruse war einer der Ersten, der das Potential erkannt hat und schnell handelte. Er baute entsprechende Produktionskapazitäten auf und stellte ein Netzwerk sowie weitere Kundenkontakte her“, berichtet Joscha Krauß, der Geschäftsführer von MH medical hemp. Seither haben sich die Zeiten gewandelt und das Kerngeschäft der Gruppe hat sich nach Europa verlagert während Lateinamerika und Asien als potentielle Märkte ins Visier gerückt sind. Krauß ist schon seit den 36 |

Anfängen von MH medical hemp dabei und hat den Wandel der Branche und des Unternehmens begleitet. Nach seinem Studium der Forstwissenschaften an der Universität Freising und dem anschließenden Studium der Ökologie in Wien, begann er mehr oder weniger zufällig seine Karriere in der Cannabisbranche. Ein Studentenjob in einem Hanfgeschäft in Wien hatte ihm bereits die Augen für das wirtschaftliche Potential der Pflanze geöffnet. Seine damalige Freundin war im Qualitätsmanagement bei Hempro Int. tätig und nahm ihn zu einem Arbeitsessen mit Daniel Kruse mit, der ihm von der frisch gegründeten MH medical hemp GmbH erzählte. Joscha Krauß‘ Interesse war geweckt und so hat er 2015 als General Manager, oder wie er selber es nennt „Mädchen für Alles“, dort angefangen und die Firma mitaufgebaut. Seit 2017 leitet er als Geschäftsführer die Geschicke von MH medical hemp. Das Engagement des Unternehmens für die Cannabiswirtschaft macht nicht vor den Firmentüren halt, sondern erstreckt sich auf die Mitarbeit in Verbänden und Initiativen. Krauß sitzt im Vorstand von Medicinal Cannabis Europe, dem Branchenverband Cannabiswirtschaft (BvCW) und weiterer Initiativen. Sie alle haben die Harmonisierung von Regularien im Fokus und wollen durch Transparenz und Aufklärung Vertrauen schaffen und alle Stakeholder einbinden. Daneben geht es auch um die Schaffung von deutschlandweiten bzw. EU-weiten harmonisierten rechtlichen Rahmenbedingungen, die die Herstellung, den Vertrieb und den Verkauf von Cannabis-Produkten erleichtert. Für Krauß ist auch wichtig, dass der BvCW die Entwicklung eigener Qualitätsstandards und -siegel vorantreibt, die über die Selbstverpflichtung hinausgehen. „Die Regulation soll auch ein deutliches Signal an den Markt und die Politik senden, dass man sich von den schwarzen Schafen, die es in jedem Markt gibt – und die die derzeitigen Unklarheiten ausnutzen – abgrenzt“, betont er. Auch im Bereich Bildung ist Krauß nicht untätig und setzt seine Kenntnisse als Berater der Masterclass Medicinal Cannabis von Arno Hazekamp ein.

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IM RAMPENLICHT

Stabil auf mehreren Standbeinen MH medical hemp ist auf die Herstellung, Produktion und weltweite Vermarktung von Cannabinoiden, vor allem von CBD spezialisiert. Das Umsatzvolumen lag 2019 bei vier Millionen Euro und auch das Liefervolumen kann sich sehen lassen: 4,7 Tonnen Hanf-Extrakt/CBD-Öl in 2018 und 4,6 Tonnen in 2019. Neben den Ölen, Destillaten, Extrakten und Isolaten auf CBDBasis, die (meist im Tonnenbereich) zur Weiterverarbeitung vor allem an Großkunden in Deutschland und Europa geliefert werden, hat MH medical hemp seit 2018 die eigene CBD-Kosmetiklinie Phytalize im Programm, die im Einzelhandel erhältlich ist. Auch CBD-Öle zur Aromatisierung von Lebensmitteln gehören zum Bestand. CBD-Öle sind aus Sicht von Herstellern und Konsumenten als Lebensmittel geeignet, doch da sie vor dem Stichtag 15. Mai 1997 noch nicht im Handel waren, fallen sie unter die Novel Food (neuartige Lebensmittel) -Verordnung der EU. Von der Anmeldung eines neuartigen Lebensmittels bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit bis zu seiner Anerkennung können gut drei Jahre vergehen, in denen durch kostspielige Studien nachgewiesen werden muss, dass das Lebensmittel die vorgeschriebenen Kriterien erfüllt. MH medical hemp gehört zu einem Konsortium aus Mitgliedern der European Industrial Hemp Association (EIHA), das sich die Kosten für entsprechende Studien teilt. Damit möchten die Firmen natürlich ihre Geschäftsgrundlage erhalten, aber auch die Bereitschaft signalisieren, sich den Wünschen der Regulierungsbehörden anzupassen. Auch wenn Joscha Krauß klar sagt, dass ihnen die Einordnung bei den CBDWerten von traditionellem Nutzhanf (unter 5 % oder mindestens 3 %) im Grunde nicht sinnvoll und angemessen erscheint, da CBD schon immer Bestandteil der Hanfpflanze war und als solcher von Menschen verzehrt wurde. Während die Etablierung des CBD-Sortiments im Lebensmittelmarkt zurzeit durch die „Novel Food Hürde“ ausgebremst ist, steht eine bedeutende Geschäftsfelderweiterung unmittelbar bevor, denn MH medical hemp ist dabei, als Produzent in den pharmazeutischen Cannabisbereich vorzustoßen. Die reiche Erfahrung mit CO2-basierter Extraktion fließt also bald auch in die Extraktherstellung von medizinischem Cannabis ein. Standardisierte Extrakte mit festgelegten THC- und CBD-Werten sollen Patienten mit kostengünstigen Cannabinoid-Arzneimitteln versorgen. Die erforderliche Betäubungsmittellizenz sowie die Großhandelserlaubnis, die es ermöglicht, medizinische Cannabisblüten zu importieren und an deutsche Apotheken abzugeben, liegen vor. Auch die Pharmazeutische Herstellungserlaubnis für Importe aus Nicht-EU-Ländern ist vorhanden und der Antrag für die Lizenz zur Herstellung von Arzneimittelwirkstoffen wird für die erste Jahreshälfte 2022 erwartet. Krauß verspricht sich viel von dem Eintritt in den pharmazeutischen Bereich, da er die Nachfrage von standardisierten medizinischen Cannabisextrakten als steigend einschätzt. Er beobachtet, dass Cannabisblüten sowohl für Ärzte und Apotheker als auch für Patienten ungewohnt und schwierig in der Handhabung sind. Zudem stünden die Krankenversicherungen standardisierten Extrakten weniger skeptisch gegenüber.

Bei der Herstellung ist es MH medical hemp wichtig, hauptsächlich medizinische Cannabisblüten aus der EU zu nutzen. Einmal, weil der Warenverkehr innerhalb der EU einfacher ist, aber auch, um die junge Industrie in der EU zu stärken. „Wenn sie schon dieses Abenteuer und die Arbeit auf sich nehmen, sollte man sie auch unterstützen“, findet Krauß. Beim Volumen denkt er an eine Produktion von Gramm bis Tonnen, wobei er generell, egal ob bei Nutzhanfpräparaten oder solchen aus medizinischem Cannabis, lieber Tonnen zu geringeren Margen als einzelne Kilos mit höheren Margen verkauft, da der Beratungsbedarf vieler kleinerer Kunden sehr viel Arbeitszeit bindet. MH medical hemp hat sich auf die Fahne geschrieben, dass bei allen Produkten die Qualität im Vordergrund stehen soll. Dabei liegt das größte Augenmerk auf der Qualität der Ausgangsware – vor allem auf den CBD- und THC-Verhältnissen. „Es muss Bioware sein und die CBD-, THC-Werte müssen stimmen“, sagt Krauß und erklärt, dass es bei jedem Schritt die Erfahrung aller Beteiligten zählt: „Die richtige Erntetechnik ist wichtig, die Extraktionsparameter sind wichtig und auch bei der Weiterverarbeitung von Extrakten und dem Mischen von Ölen ist Erfahrung gefragt.“

Firmenzentrale in Düsseldorf Ursprünglich in Berlin beheimatet, liegt das Herz der MH medical hemp GmbH seit Januar 2020 in einem Mini-Industriehof im Norden von Düsseldorf. Die Verwaltung ist gemeinsam mit der Schwesterfirma Hempro Int. in einem ehemaligen Fitnessstudio untergebracht. Von dem vorherigen Verwendungszweck des Gebäudes zeugen noch einige Spinde, Trainingsgeräte und eine Sauna, die heute von den Mitarbeitern genutzt werden können. Das Untergeschoss beherbergt eines von mehreren Lagern der Firmengruppe. Auf der anderen Seite des Hofes befinden sich zwei Labore und der 12 m² große BTM- Tresor, der genug Platz für den gesamten Bestand hat. Das ca. 200 m² große neue Labor wurde nach GMP-Standard fertiggestellt. Hier findet die Analyse (HPLC + GC) und Extraktion medizinischer Cannabisextrakte statt. Für die nähere Zukunft ist auch der Einsatz chromatographischer Systeme für die Aufbereitung geplant, mit denen aus einem Vielstoffgemisch reine Präparate, d. h. reines CBD oder THC, gewonnen werden kann. Automation spielt bei der Herstellung noch gar keine Rolle, jeder Schritt findet in Handarbeit statt. „Für industrielle Maßstäbe ist die Nachfrage im Markt derzeit nicht groß genug. Wenn der Markt wächst, wird MH sich organisch an die Entwicklung anpassen. Wir wollen lieber in Schichten produzieren, als große, teure Maschinen untätig rumstehen zu lassen“, erklärt Krauß. Diese bodenständige Haltung zeigt sich auch in der sorgfältigen Auswahl von Investitionspartnern. Das Unternehmen hat klare Zukunftsvisionen und -pläne, von denen es nicht abweichen möchte. “Man hat schließlich etwas aufgebaut, an dem das Herzblut hängt und möchte es langfristig in guten Händen wissen und nachhaltig gestalten, “ sagt Krauß. Im November 2021 hat die börsengelistete Unternehmensgruppe SynBiotic SE 50,1 % der Unternehmensgruppe von Daniel Kruse übernommen und sich 2022_01

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Mitarbeiter von MH bei der Arbeit im Labor. Über der Tür im Hintergrund befindet sich eine Notfalldusche, falls es einmal zu Kontamination mit hautschädlichen Stoffen kommt. Foto: MH medical hemp

Im Lager stehen die Rohstoffe für ihre Weiterverarbeitung bereit.

per Option den späteren Erwerb der restlichen 49,9 % gesichert. Unter dem Schirm von SynBiotic wird MH medical hemp auch weiterhin der Firmenphilosophie treu bleiben, bekräftigt der Geschäftsführer: “Wir wollen das Potenzial der Pflanze Cannabis Sativa ergründen und entfalten, um weltweit der Hanfexperte im Life Science Bereich zu werden. Unser Wissen und die ständige Bereitschaft von der Natur zu lernen, treiben uns an. Als Teil der SynBiotic-Gruppe haben wir die besten Voraussetzungen unsere Ziele fokussiert zu verfolgen.“

Auch die Sortenentwicklung ist Gegenstand der Forschungsaktivitäten von MH medical hemp. Der CBD-Hersteller ist an laufenden Studien zu Sorten mit höheren Werten beteiligt. Ergebnisse sind für 2022 zu erwarten, so dass 2023 die erste Sorte mit höheren CBD-Werten auf dem Markt erhältlich sein dürfte. Für die Zukunft hat MH großes Interesse daran, noch mehr zu forschen. Ein Augenmerk liegt auf der weiteren Betrachtung von Cannabis Sativa, über CBD und THC hinaus. „Es gibt etwa 130 Cannabinoide, von denen nur THC und CBD gut erforscht sind. Das Forschungspotential bei Cannabinoiden ist also enorm und dasselbe gilt für Terpene und Flavonoide“, erläutert Krauß. Langfristig will MH medical hemp außerdem auch andere Pflanzen ins Visier nehmen. „Ich finde die vielen anderen Pflanzenwirkstoffe, z. B. Kakao oder Echinacea, interessant, die auf das Endocannabinoid-System Einfluss haben und sehe da Potential. Auch das weite Reich der Pilze könnte in der ferneren Zukunft Aufmerksamkeit verdienen, von Vitalstoffen bis hin zu Alkaloiden.“ Mit Begeisterung blickt er auf die Forschungsmöglichkeiten der kommenden Jahrzehnte und die Entdeckungen, die da warten könnten. Potential sieht er bei der Gabe von Pflanzencannabinoiden zum Ausgleich einer Endocannabinoid-Unterversorgung. Generell mangelt es MH medical hemp und ihrem Geschäftsführer nicht an Ideen. So denkt er auch darüber nach, im Bereich Verdampfer, Nahrungsergänzung für Sportler und Futterzusätze für Haustiere aktiv zu werden. Bei allen Zukunftsplänen ist Joscha Krauß sich stets bewusst, dass „die rechtliche Lage in allen Cannabisbelangen so verworren ist, dass man bei jedem Schritt mit Hindernissen rechnen muss und niemals die Geduld und den Humor verlieren darf, wenn man Zielen näher kommen und bereits Erreichtes erhalten möchte.“ Eine Tatsache, der sich seiner Meinung nach auch Branchenneulinge bewusst sein sollten, „Man braucht Durchhaltevermögen und darf sich von Rückschlägen nicht beeindrucken lassen, sonst ist man in dieser Industrie falsch. Man kann leicht unterschätzen, wieviel Leidenschaft und Herzblut darin steckt.“ ↙

Produktion und Forschung Bei der Produktion von CBD-Öl und Hanfextrakten wird auf die Kapazitäten eines Lohnfertigers zurückgegriffen, wodurch die große Nachfrage bedient werden kann. Auch im Bereich Forschung und Entwicklung werden derzeit externe Experten herangezogen. Im Moment sind es vor allem zwei ZIM (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand) -Projekte, die das Unternehmen beschäftigen. Mit dem Innovationsnetzwerk Innohemp will MH medical hemp eine analytische Methode zur Quantifizierung und qualitativen Beurteilung der gängigsten Cannabinoide mit guter chromatographischer Auflösung entwickeln. Das Projekt des Netzwerks Pharmaproduktionstechnologie (ProPharm), steht kurz vor der Antragsphase und soll in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Braunschweig durchgeführt werden. Ziel ist, eine Produktplattform für Nutzhanf im Kosmetikbereich zu entwerfen. Dabei soll die ganze Pflanze betrachtet werden, nicht nur Blüten und Blätter sondern auch die Wurzel oder die Samen und ihre Schalen. Zudem wird der Lehrstuhl für Dermatologie der Uni Freiburg Anwendungsmöglichkeiten von Extrakten auf der Haut untersuchen. „Wenn wir dabei etwas Spannendes entdecken, werden wir natürlich ein Kosmetikprodukt daraus entwickeln. Das könnte z. B. ein Produkt gegen Sonnenbrand werden oder zur Pflege einer frischen Tätowierung“, stellt Krauß fest. 38 |

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Eine Pflanze mit vielen Gesichtern Meine Reise mit dem Hanf Es ist das Jahr 2006 an der Universität Utrecht in den Niederlanden. Im Kurs Bodenökologie des Studiums Biologie wird mir der Prozess der Phytoremediation vorgestellt. Phytoremediation ist das wissenschaftliche Wort für das Aufreinigen von Böden durch Pflanzen. Schwermetalle und andere Giftstoffe werden durch Pflanzen aufgenommen und damit aus der Erde entfernt. Von Marijn Roersch van der Hoogte

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ls ich in der wissenschaftlichen Literatur stöberte, um ein Thema für die zum Prozess gehörende Arbeit zu finden, stieß ich auf die mir bisher nur aus den niederländischen Coffeeshops bekannte Pflanze Cannabis Sativa L., besser bekannt als Hanf. Was machte die denn hier? Hanf ist doch nur eine Freizeitdroge, dachte ich, und aus Spaß gab ich “Cannabis Sativa L.” in die Suchmaske von Google Scholar ein. Zu meiner großen Überraschung gab es viele Hundert Artikel, die mit Hanf zu tun hatten. Ich war überrascht und begeistert. Nicht nur als Bodenheiler konnte man Hanf nutzen, sondern auch als Rohstoff für eine Vielzahl von (technischen) Anwendungen und sogar als Lebensmittel und in der Medizin.

Die wundervolle Welt des Hanfs Meine Begeisterung war geboren und eine Reise in die wundervolle Welt des Hanfs begann. Mit Hilfe vieler Bücher und Artikel lernte ich die Geschichte, die Anwendungen, die Potentiale und unweigerlich auch die vielen Theorien über den Niedergang des Hanfs in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts kennen. Ich konnte es nicht fassen, dass eine Pflanze mit so einem Potential einfach von der Bildfläche verschwunden war. Zumal sie bereits in vielen Bereichen der Gesellschaft einen festen Platz hatte. Eine der faszinierendsten Entdeckungen war der Decorticator von Herrn Schlichten aus den USA. Diese erste Maschine zur Aufbereitung der Stängel, welche die bisher schwere körperliche

Arbeit der Faseraufbereitung erleichtern würde, stand kurz vor ihrer Einführung, als der Hanf in den USA verboten wurde. Der Erfinder der Maschine hatte lange gebraucht, um einen vertrauensvollen Investor für das Projekt zu finden – zu lange wie sich später herausstellte. Konnte es sein, das genau diese Maschine ein weiterer Grund war, dass Hanf als Gesamtpflanze in Ungnade gefallen war? Bekannt war, das viele der Landwirte die damals den Hanf angebaut hatten, selbst dem Gesetz (Marijuana Tax Act 1937 USA) zugestimmt hatten, welches das teuflische Marihuana und damit in einem Rutsch auch gleich das vielseitige Hanf verboten. Durch diese Namensänderung war vielen nicht klar, dass es sich um den bisher als positiv bekannten Rohstoff und die Medizinalpflanze Hanf handelte. Alles ganz merkwürdig und eine gute Grundlage für viele wilde Theorien, welche wir wahrscheinlich nie ganz verwerfen oder bestätigen können. Mit Verschwörungstheorien möchte ich mich aber nicht beschäftigen. Darüber kann man ganze Bücher schreiben, und die gibt es bereits. Eher geht es mir darum, von meiner Reise und Vision für Hanf zu erzählen. Der Decorticator von Schlichten fand dennoch seine Anwendung, wenn auch viele Jahrzehnte später. Er diente als Grundlage für die weltweit entwickelten Faseraufbereitungsanlagen, die bis heute die Industrielandschaft der Naturfasern prägen. Auch wenn Kunstfasern ein großer Erfolg und Naturfasern in vielen Bereichen erstmal weit überlegen waren, verschwanden die Naturfasern nie komplett vom Markt. Vor allem das Militär konnte nicht auf den Rohstoff verzichten (wie der Film “Hemp for Victory” aus dem Jahr 1942 unterstreicht). 2022_01

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In den vergangenen 25 Jahren ist viel geschehen und die Ernte und Verarbeitung von Hanf ist deutlich einfacher geworden, wodurch mehr und mehr Landwirte und Verarbeiter den Weg des Hanfs gehen und von ihm begeistert sind. Reich an Fasern, Blüten und Körnern Aber es war nicht nur die Faser, die den Hanf so besonders machte, auch die Blüten und nahrhaften und ölreichen Körner hatten große Vorteile. Durch die besondere Zusammensetzung von Proteinen und ungesättigten Fettsäuren, bildeten die Körner eine wichtige Nahrungsgrundlage für Mensch und Tier. Sogar Buddha soll mal behauptet haben, von einem Hanfsamen am Tag gelebt zu haben (!). Die in den Blüten anwesenden Cannabinoide und Terpene, welche sich in vielen Tinkturen und mit Hanfexktrakten versetzten Produkten wiederfanden, hatten zudem noch einen heilenden und beruhigenden Effekt. Wie sehr vielleicht auch versucht wurde, all‘ diese Eigenschaften zu verdrängen, gelungen ist es nicht. Zum Glück. Ich habe das Gefühl, dass der Ruf nach seiner Wiederentdeckung und vor allem Wiedereinführung als wichtige Grundlage für unsere Gesellschaft umso stärker wurde, desto mehr man versuchte, den Hanf zu verbannen. Ich hatte diesen Ruf auf jeden Fall gehört und war fest entschlossen, ihm nachzugehen. Eine schöne Analogie hierzu fiel mir ein als ich von dem Endocannabinoid System (ECS) im menschlichen Körper erfuhr. Dieses System, welches dazu dient die Homeostasis (körperliches bzw. zelluläres Gleichgewicht) zu bewahren, ist ein wichtiger Spieler im Körper bei der Heilung und/oder Linderung einer Vielzahl von Krankheiten. Der menschliche Körper besitzt selber Endocannabinoide (Endo = körpereigene), um diese Prozesse zu steuern, hat aber nicht immer genug Rohstoff, sprich ungesättigte Fettsäuren, diese in ausreichender Menge zu produzieren. Hier kommen dann die Phytocannabinoide (Phyto = pflanzlich) ins Spiel, um die körpereigenen Reserven aufzufüllen und deren Wirkung im Ganzen zu entfalten. Wenn man den Hanf also nicht als Gemüse isst, braucht man ihn später als Medizin. Anders gesagt, da wir den Hanf aus unseren gesellschaftlichen Kreisläufen entfernt haben, 40 |

entstand ein Defizit auf verschiedenen Ebenen, die seine Wiederentdeckung unvermeidlich machte. So gesehen brauchen wir den Hanf mehr als er uns.

Das langsame Comeback einer alten Kulturpflanze Mit der Wiedereinführung des Hanfs in Europa 1996 begann langsam sein Comeback, wenn auch wirklich langsam. Wir haben den Pionieren aus der Zeit sehr viel zu verdanken! Mit viel Leidenschaft und Herzblut wurde wieder eine Vielzahl an Produkten auf den Markt gebracht und ein Umdenken in der Bevölkerung begann. Auch wenn die jahrzehntelange Anti-Hanf-Propaganda tiefe Gräben hinterlassen hat, eine Wunde sehnt nach Heilung und der Hanf stand hilfsbereit in den Startlöchern, um seinen Teil zu leisten. In einer Gesellschaft abhängig vom Erdöl, ist es aber nicht einfach, als natürliche Alternative Aufmerksamkeit zu gewinnen. Zudem ein weiteres Problem des Hanfs, welches auch vor hundert Jahren an seinem Niedergang beteiligt war, wieder auftauchte: die aufwendige Ernte und Aufbereitung. Durch das hohe Wuchsverhalten, extrem starke Fasern und große Mengen Biomasse, war es für die Erzeuger eine große Herausforderung, den Rohstoff zu produzieren. Innovation, erfinderische Techniker und Ingenieure fanden sich zusammen, diese alte Herausforderung mit moderner Technik und neuem Wissen zu meistern. In den vergangenen 25 Jahren ist viel geschehen und die Ernte und Verarbeitung von Hanf ist deutlich einfacher geworden, wodurch mehr und mehr Landwirte und Verarbeiter den Weg des Hanfs gehen und von ihm begeistert sind. Aber neben der Technik gab es noch ein weiteres Problem, ein gesellschaftliches oder besser gesagt ökonomisches. Auch wenn der Hanf so viel kann, und man die Herstellung mittlerweile

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auch technisch meistern kann, stand der Profitabilität oder Wettbewerbsfähigkeit einiges im Weg. Da viele der Vorteile des Hanfs erst langfristig spürbar werden, wie z. B. Verbesserung der Böden, bessere Recyclingfähigkeit, gesündere Lebensmittel und langlebige Bau- und Verbundstoffe, war es schwierig den Rohstoff in eine auf kurzfristige Gewinne ausgerichtete Gesellschaft zu integrieren. Der Hanf war oft “zu teuer!” und die finanziellen Argumente immer stärker als langfristige und vor allem gesundheitliche Argumente. Gerade die gesundheitlichen Argumente wurden einfach ignoriert. An gesunden Menschen und langfristigen Produkten waren die Treiber der Gesellschaft anscheinend nicht interessiert.

Zukunft braucht Weitsicht Nichtsdestotrotz haben auch kurzfristige Lösungen irgendwann ihre langfristigen Auswirkungen und wir sind, meiner Meinung nach, an dem Punkt angelangt, wo diese Auswirkungen nicht mehr zu ignorieren sind. Der Ruf nach besseren Alternativen wird lauter und lauter. In dieser Zeit finden die nachhaltigen Eigenschaften des Hanfs ein stetig wachsendes Publikum und seine Potentiale als industrieller Rohstoff rücken in die Mitte der Gesellschaft. Durch den weltweiten CBD-Boom nimmt der Hanf mit kleinen Schritten wieder seinen Platz als Medizin und Nahrungsergänzungsmittel ein und wird für alle Schichten der Bevölkerung zugänglich gemacht. Durch seine Vorteile als Bau- und Verbundstoff, Textilrohstoff, Lebensmittel und chemische Grundlage (z. B. für Grafen und Plastik) und mit der bevorstehenden Rohstoffwende, beginnt der Hanf an fruchtbarem Boden bei zukunftsorientierten Unternehmern und Investoren zu gewinnen. Gleichzeitig finden wir uns aber in einem großen Dilemma wieder. Es gibt diejenigen, die Hanf in bestimmter Qualität brauchen, um

innovative und zukunftstaugliche Produkte herzustellen, und es gibt diejenigen, die Lust haben diesen Rohstoff für sie zu erzeugen. Allerdings fehlt es hier an der richtigen Infrastruktur, an einheitlichen Standards und vor allem an gegenseitigem Vertrauen, zusammen diese neue Industrie aufzubauen. Meine Vision ist es, Brücken zu bauen und bereits bekanntes Wissen effektiv zu vermitteln, damit jeder in der Industrie mit Sicherheit weiß, was er tun kann und was andere von ihm brauchen. Das kann ich natürlich nicht alleine! Die Hanfbranche braucht kollaboratives Denken statt konkurrierendes Ausstechen. Ein Markt muss erschaffen werden und dabei sind alle Teilnehmer Mitbewerber und nicht Wettbewerber. Ich wünsche mir ein langfristiges Denken unserer Zeitgenossen, um diese Herausforderung gemeinsam zu stemmen. Ich möchte meinen Teil beitragen, diesen Prozess möglich zu machen und helfen, einen stabilen Markt aufzubauen. Ich lade Euch/Sie alle dazu ein mitzugestalten und den Blick auf das Wesentliche zu richten. Der Hanf sorgt nicht nur in unseren Körpern für Gleichgewicht, und so können wir diese neue Industrie auch gestalten. Treten wir gemeinsam diese Reise in eine neue gesunde Welt samt nachhaltiger Industrie an! ↙

Marijn Roersch van der Hoogte hat gemeinsam mit Partnern die Plattform Hemp Impact (www.hemp-impact.com) gegründet, um alle Mitstreiter an einen Tisch zu holen und sich gegenseitig sinnvoll unternehmerisch zu unterstützen. Für Landwirte, Weiterverarbeiter und Händler bietet die Plattform alle Werkzeuge, um die dringendsten Probleme der Wertschöpfungsketten zu schließen. Zudem gehört er dem Präsidium des BvCW an. 2022_01

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Der Konsument im Fokus Interview mit Shane McGuill und Spiros Malandrakis Shane McGuill, Globaler Leiter Nikotin & Cannabis, und Spiros Malandrakis, Forschungsleiter Alkoholische Getränke & Cannabis, analysieren seit fünf Jahren Daten zum Cannabismarkt für das Marktforschungsunternehmen Euromonitor International. Während dieser Zeit haben sie den Eindruck gewonnen, dass die Cannabisbranche noch viel über ihre Zielgruppen lernen muss, wenn sie eine solide Verbraucherbasis aufbauen möchte. CannaVision hat mit den Marktanalysten darüber gesprochen, wieso der Konsument in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt werden sollte. Von Rebekka Nurkanovic

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Was interessiert Sie an der Cannabisbranche besonders? McGuill: Ich komme ursprünglich aus der Tabakindustrie und Spiros aus der Alkoholindustrie. Vor etwa fünf Jahren begannen wir, die Legalisierung von Cannabis zu untersuchen, wir wollten wissen, was die Auswirkungen auf unsere jeweiligen Branchen waren. Wir kamen schnell zu dem Schluss, dass dieses Produkt sehr schnell wachsen und in etliche Lebensbereiche der Menschen eindringen würde. Es entsprach vielen der Verbraucherbedürfnisse, die wir beobachteten, welche unsere Branchen bremsten. Wenn man sich die übergeordneten Verbrauchertrends und die Kräfte ansieht, die den Verbraucher des 21. Jahrhunderts antreiben, wie Personalisierung, Wunsch nach authentischeren Markenangeboten, nuanciertere Ausgestaltung in Bezug auf die Produkte, die sie verwenden, haben Cannabisprodukte die Kraft und die Fähigkeit, all diese Punkte anzusprechen. Malandrakis: Die meisten Verbraucher, vor allem die jüngeren, trinken immer weniger Alkohol oder versuchen alkoholfreie Getränke zu kaufen. Ich habe mich mit diesem Thema befasst und erkannt, dass Cannabis ein ideales Epizentrum der Innovation werden kann, durch die Möglichkeiten, Angebote für Gesundheit und Wellness mit CBD und all den anderen kleinen Cannabinoiden zu bündeln. Es gibt in der Cannabisbranche nicht genug Diskussionen über die Angebote für die Verbraucher, die Verbraucherstandorte

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und die Verbraucherprodukte selbst. Ich denke, das ist eine große Lücke, und deshalb nähern wir uns dieser Lücke vor dem Hintergrund in unseren jeweiligen Branchen.

Es gibt in der Cannabisbranche nicht genug Diskussionen über die Angebote für die Verbraucher, die Verbraucherstandorte und die Verbraucherprodukte selbst.

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Welche Chancen und Hindernisse sehen Sie für die Branche? McGuill: Wie Spiros bereits erwähnte, gibt es eine Fülle unterschiedlicher Bedürfnisse und Anlässe, die mit diesem Produkt abgedeckt werden können, und wir glauben, dass dies auch der Fall sein wird, wenn man die unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten in Bezug auf die regulatorische Entwicklung in den verschiedenen Teilen der Welt überwunden hat. Die Legalisierung bzw. die umfassendere Liberalisierung von Spiros Malandrakis Cannabis ist meiner Meinung nach in den meisten Teilen der Welt erwähnen. Bei Alkohol ist man stolz darauf, dass es sich um ein unvermeidlich, aber was mir in Bezug auf das Wachstum Sorgen bereitet, ist die Akzeptanz beim Verbraucher. Die Branche sollte Freizeitvergnügen handelt, was ein wesentlicher Teil der menschsich jetzt vielmehr auf die Positionierung ihrer Produkte konzenlichen Erfahrung ist. Wir haben in den letzten Jahren eine Art von trieren. Wenn wir wollen, dass Verbraucher die Produkte annehUnterscheidung zwischen gutem und schlechtem Cannabis gemen und sie konsequent nutzen, muss die Kommunikation sehen, die Shane weiter erläutern kann. Und damit sind wir nicht hinsichtlich der Produkte und ihrer Qualität gestärkt werden. einverstanden, denn es ist alles das Gleiche. Es sollte uns also Malandrakis: Ich habe einmal auf einer Versammlung von großen nicht erlaubt sein, nur über Medizin zu sprechen und gleichzeitig deutschen Bierherstellern vorgetragen, dass Lifestyle-Assoziatiozu versuchen, alles, was mit Erholung oder anderen Absichten zu nen und Branding wesentliche Instrumente für die Ausweitung tun hat, als etwas von Natur aus Gefährliches oder Schlechtes von demografischen Zielgruppen sind. Sie sahen mich an und sagdarzustellen, denn damit erweist man auch der Branche einen ten: „Was redest du da, Spiros? Wir verkaufen nur Bier.“ Sie waren Bärendienst. Es ist nichts Schlimmes daran. Es ist keine Schande! der Meinung, dass Bier in Deutschland nur billig sein und in großen McGuill: Ich würde das so beschreiben, dass die Branche derzeit Kisten verkauft werden muss, damit die Leute es leichter tragen manchmal segmentiert, wenn sie nicht segmentieren sollte, und nicht segmentiert, wenn sie es sollte. können. Wenn man den Vertretern eines der größten Biermärkte Es gibt z. B. eine Neigung, Cannabis in verschiedene Arten aufauf dem Planeten die Bedeutung von Lifestyle-Branding als Teil der Verbraucherreise erklären muss, dann ist zuteilen. Medizinisches Cannabis wird als das das Problem, das sie zurückhält, nicht eine besondere Art von Cannabis betrachirgendein Gesetz. Das lässt sich auf die Cantet und seine Nutzer als von Natur aus gut in ihrem Cannabiskonsum. Ich habe den nabisbranche übertragen und illustriert meine Überzeugung, dass wir anfangen Eindruck, dass diese Einstellung letztendmüssen, über Cannabis als eine riesige Inlich den Fortschritt in Bezug auf Legalisiedustrie des 21. Jahrhunderts zu diskutieren, rung und Normalisierung verlangsamt, gerade weil es so viele verschiedene Proweil es den Cannabiskonsum in gute und schlechte Arten des Gebrauchs einteilt. dukte ermöglichen kann, von Pflegemitteln Wir sind der Meinung, dass sie ganzheitüber Tiernahrung bis hin zu Getränken und vieles mehr. Wir vermissen diesen Punkt in lichere Argumente vorbringen sollten. Das den meisten Gesprächen, die wir z. B. auf übergreifende Argument ist, dass Cannabis für eine Reihe von verschiedenen DinKonferenzen führen. Die Leute reden Shane McGuill, Globaler Leiter Nikotin & Cannabis, Euromonitor International. hauptsächlich über Investitionen oder Stolgen verwendet werden kann. Die Betonung persteine, wie die Frage, wo das Investitisollte auf der essentiellen Menschlichkeit onsgeld herkommt, aber niemand spricht der Pflanze liegen, die den vielen verschiewirklich über Produkte. Die Tatsache, dass denen Dimensionen entspricht, die wir als diese Art von Fehlern in Branchen ohne Gesellschaft und als Individuen haben. rechtliche Probleme auch gemacht wird, Menschen können beides sein, Gut und Böse. Das ist aus meiner Sicht auch die zeigt, dass es manchmal einfach an mangelnden Perspektiven liegt. Schlüsseleigenschaft der Cannabispflanze. Ich glaube, diese Botschaft wird nicht ausreichend vermittelt. Welche Perspektive sollten Firmen denn Auf der anderen Seite steht jedoch fehlende einnehmen? Malandrakis: Wellness und Freizeit sind Segmentierung. Wenn man sich die Art und interessante Perspektiven. Ich habe eine Weise anschaut, wie die Industrie ihre ProSpiros Malandrakis, Forschungsleiter dukte in Nordamerika verkauft, dann sieht persönliche Abneigung dagegen, wenn Alkoholische Getränke und Cannabis, Leute Angst haben, den Freizeitaspekt zu jede Apotheke jetzt wie ein Laden von Apple Euromonitor International. 2022_01

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aus, egal ob an der Ostküste oder an der Westküste. Wir sind der Meinung, dass man sich wieder dem Verbraucher und seinen verschiedenen Bedürfnissen zuwenden sollte, so dass man verstehen kann, wie man unterschiedliche Verbraucher anzieht. Hier wäre eine stärkere Segmentierung nützlich, die sich ein wenig mehr auf den Endverbraucher des Produkts konzentriert und Angebote schafft.

Die Industrie sollte jetzt darüber nachdenken, wie sie die Verbraucher dazu bringen kann, die Branche und ihre Produkte zu akzeptieren. Shane McGuill Wie kann man sich gelungene bzw. misslungene Segmentierung vorstellen? McGuill: Ein Produkt aus den USA für Hundespaziergänger ist ein wunderbares Beispiel für gelungene Segmentierung. Der Hundespaziergang ist eine Gelegenheit, bei der Menschen nach Stimulation suchen und es ist ein Anlass, bei dem sie unauffällig, aber intensiv die emotionale Verbindung mit ihrem Haustier ausleben. Cannabis ist in der Lage, diesen Moment für den Verbraucher in einer Weise zu erfüllen, wie es andere Arten von Produkten nicht können. Das ist ein gutes Beispiel für ein Unternehmen, das ein Kundenbedürfnis auf sehr kreative Art und Weise segmentiert und Cannabinoide einsetzt, um darauf zu reagieren und es zu bedienen. Wir sind der Meinung, dass die Branche über verschiedene Anlässe segmentieren sollte. Diese Art der Segmentierung mag für die Cannabisindustrie überraschend erscheinen. Aber letztlich funktionieren alle Branchen so. Man kreiert keine Kekse für alle Kekse liebenden Menschen. Man kreiert Kekse für bestimmte demografische Gruppen. Ein Beispiel aus dem CBD-Bereich für eine unzureichende Segmentierung oder Profilierung ist die Abbildung von Marihuanablättern auf CBD-Produkten. Wir sind der Meinung, dass die Art und Weise, wie man diese Produkte für den langfristigen Gebrauch beim Verbraucher positioniert, wirklich retro ist. Wenn man über CBD spricht, sollte es meiner Meinung nach nicht mit der traditionellen Cannabis-Ikonographie in Verbindung gebracht werden. Das heißt nicht, dass CBD-Produzenten sich des Ursprungs schämen sollten. Es geht nur darum, die richtige Art der Positionierung, die richtige Symbolik für die Verbraucher zu nutzen. Malandrakis: Genau, Verbraucher sehen die Blätter auf der Verpackung, sie verstehen nicht viel von Cannabinoid-Aufschlüsselungen und denken, dass sie eine ähnliche oder vergleichbare Erfahrung zu dem Cannabisprodukt aus dem illegalen Handel bekommen. Sie kaufen dieses Produkt, probieren es aus und dann passiert nichts Erstaunliches. Also fangen sie an, sich von CBD oder ganz von Cannabis abzuwenden, was schlecht für die gesamte Branche ist. Daher sind solche Verpackungen irreführend und deshalb ist es wichtig, Verbraucher über die Zusammenhänge aufzuklären. 44 |

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Was kann die Branchenentwicklung beschleunigen? Malandrakis: Die Dinge entwickeln sich viel langsamer, als wir erwartet haben, aber sobald die vollständige Legalisierung auf Bundesebene in den USA oder eine Legalisierung in Deutschland eintreten, werden sie als Katalysatoren fungieren und die Entwicklung stark beschleunigen. McGuill: Ja. Und in gewisser Weise ist es egal, wann genau es soweit sein wird. Die Industrie sollte jetzt darüber nachdenken, wie sie die Verbraucher dazu bringen kann, die Branche und ihre Produkte zu akzeptieren. Für mich ist Verbraucheraufklärung ein Schlüsselelement. Es ist auch notwendig, ein Markenangebot zu schaffen. Das wird in gewisser Weise vom richtigen Umfeld abhängen, aber es gibt hier auch eine Spannung zwischen den lokalen Marken, die die lokalen Cannabiskulturen berücksichtigen, und den globalen Marken. Ich persönlich interessiere mich mehr für die eher gewöhnlichen und etablierten Cannabismarken. Es wäre für mich ein echtes Zeichen von Erfolg und Normalisierung in der Branche, wenn es globale Cannabismarken gibt, die jeder hasst. Malandrakis: Wenn das passiert, dann fängt man unweigerlich an, die Herausforderungen der Marken zu sehen. Die generischen Giganten, wie Shane sie beschreibt, sind dazu da, den Weg für alles andere zu ebnen. Die Leute gewöhnen sich so daran, sie konsumieren ein- oder zweimal, und dann wollen sie das, was sie tun, mit einem Mehrwert versehen oder die lokalen Anbieter unterstützen, oder ein ungewöhnliches Angebot finden. Aber dazu muss man mit den großen Akteuren beginnen. Hätten Sie noch einen Ratschlag für die Schritte, die unternommen werden sollten? Malandrakis: Es gibt ein Hauptproblem, das wir beispielsweise aus Kanada kennen. Ein Grund, warum viele der großen Unternehmen sowohl bei den Aktienkursen als auch bei den Umsätzen einbrechen ist, dass sie versucht haben, allgemeine Cannabisunternehmen zu sein, sich also auf nichts spezialisiert haben. Sie haben versucht, in jeder einzelnen Sparte innovativ zu sein und Produkte zu entwickeln, sogar in den Randbereichen. Wenn jemand alles gleichzeitig macht, schafft er aber am Ende nichts richtig. Also, wählen Sie Ihre Seite, wählen Sie Ihre Zielgruppe. Wählen Sie das Problem, das Sie lösen wollen, und lösen Sie es. Versuchen Sie nicht, alles für alle gleichzeitig zu sein, denn ich habe noch niemanden erlebt, der so am Ende wirklich zufrieden mit den Ergebnissen war. McGuill: Es geht darum, sich Gedanken zu machen über das Verbraucherproblem, das man zu lösen versucht, das Bedürfnis, das man zu erfüllen versucht, und zu überlegen, welche Art von Cannabinoid-Produkt das leisten kann. Und erst dann überlegt man sich, welcher Formfaktor das leisten kann. Man muss also über das Verbraucherprofil nachdenken. Der Unterschied zu anderen Branchen ist, dass man ein größeres Spektrum hat – an Verbraucherbedürfnissen und an Problemen, die man lösen kann. In gewisser Hinsicht sollte es also einfacher für die Cannabisbranche sein, weil sich mehr Optionen bieten. Vielen Dank für das Interview. ↙

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Wien

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45_Firmenindex.indd 45

| 45

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MARKTÜBERSICHT

Beleuchtungssysteme Greenception GmbH

Produkt

COMPLED Projects UG

Produktname Webseite

Cropter

Bar 8

www.cropter.us

Effizienz [µmol/J]

2,01 μmol/J

GCx 16

GCx 25

www.greenception.com

2,4 - 2,8 µmol/J

2,4 - 3,3 µmol/J

2,85 µmol/J

2,85 µmol/J

steuerbares, optimiertes Voll­ Erweitertes Vollspektrum Erweitertes Vollspektrum Erweitertes Vollspektrum Erweitertes Vollspektrum spektrum (400 nm - 730 nm) 380 nm - 730 nm 380 nm - 730 nm 380 nm - 730 nm* 380 nm - 730 nm*

Spektrum PPF (photosynthetisch aktiver Photonenfluss) [μmol/s]

1.570 µmol/s

15 cm ≈ 1.600 µmol/m²/s 30 cm ≈ 1.375 µmol/m²/s

15 cm ≈ 1.500 µmol/m²/s 30 cm ≈ 1.250 µmol/m²/s

1.368 µmol/s

2.138 µmol/s

Max. Leistungsaufnahme [W]

780 W

800 W

560 W

480 W

750 W

Empfohlene Ausleuchtungsfläche [qm]

bis max. 2,2 qm

3,0 qm

1,44 - 2,25 qm

1 - 1,44 qm

2,25 qm

IP 44

IP 44

IP 65

IP 65

50.000 Std.

40.000 Std.

40.000 Std.

> 50.000 Std.

> 50.000 Std.

120°

105°

105°

120°

120°

stufenlos

stufenlos

stufenlos

stufenlos

Steuerung über externe Steuerungseinheit GC Signal + kostenloser Software

Steuerung über externe Steuerungseinheit GC Signal + kostenloser Software

IP-Rating

Lebensdauer [Std.]

Abstrahlwinkel [Grad]

Lichtquelle Produktmerkmal

Bar 10

Dimmbar

Temperaturmanagement Externe Steuerung/ Protokoll Gewicht [kg]

Abmessungen [HxBxT]

Eingangsspannung [V, Hz]

Zertifikate

Herstellergarantie

Weitere Informationen

0-100% CC-Dimmung

Lichtrezepte-Steuerung Lichtrezepte-Steuerung über externe Steuerungs­ über externe Steuerungs­ einheit GC Signal einheit GC Signal

Aktive Kühlung

Passive Kühlung

Passive Kühlung

Passive Kühlung

Passive Kühlung

Cropter Control HUB/ CAN-Bus

GC Signal + GC Cockpit™ Software (kostenlos)

GC Signal + GC Cockpit™ Software (kostenlos)

(Voraussichtlich erhältlich ab 2022)

(Voraussichtlich erhältlich ab 2022)

10,5 kg

19,10 kg

17,5 kg

11,1 kg

16,1 kg

16,6 x 58 x 58 cm

120 x 115 x 9,5 cm

90 x 90 x 9,5 cm

80 x 80 x 11 cm

100 x 100 x 11 cm

140 - 240 V, 50/60 Hz

100 - 277 V, 50 - 60 Hz

100 - 277 V, 50 - 60 Hz

100 - 277 V

100 - 277 V

CE, UL in progress

CE/RoHS, UL 8800 ready

CE/RoHS, UL 8800 ready

CE/RoHS, UL 8800 ready

CE/RoHS, UL 8800 ready

2 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

Spektral einstellbare 3-LEDKanal Pflanzen-Leuchte, welche die volle Einstellbarkeit der Abstrahlcharakteristik und eine exzellente Vernetzbarkeit bietet.

- deutsche Innovationsschmiede - Pionier für Software-gesteuerte Pflanzenlampen - eigene Forschung *Diagramm auf Anfrage erhältlich

46_Marktuebersicht_Meta.indd 46

VS 8

(Vora

6

2 Jah

- Hoch lam

Legende: ja=x, nein=/, optional=o, Alle Informationen beruhen auf Firmenangaben und wurden keiner unabhängigen Prüfung unterzogen.

46 |

Vo ­Effice

OSRAM, Cree, Nichia

stufenlos

Dimmungs-Verfahren

VS

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ktrum m*

erne t GC ser

g

rhält-

m

ready

MARKTÜBERSICHT

Growking.de

GC Horti

BluRail 40

Rail 40

Rail 80

SOLaris 100

SOLaris 200

www.growking.de VS 1,9-2,6 ; ES 2,7-4,0 µmol/J Vollspektrum (VS) / ­Efficency-Spektrum (ES) *

Grow Spektrum*

Vollspektrum+*

Vollspektrum+*

Vollspektrum*

Vollspektrum*

VS 806 µmol/s ; ES 1240 µmol/s

80 μmol/s

67 μmol/s

135 μmol/s

310 μmol/s

310 μmol/s

310 W

40 W

40 W

80 W

102 W

202 W

0,2 qm

0,2 qm

0,4 qm

1 qm

1,4 qm

IP 64

Spritzwassergeschützte Module

Spritzwassergeschützte Module

Spritzwassergeschützte Module

Spritzwassergeschützt

Spritzwassergeschützt

50.000 Std.

70.000 Std.

70.000 Std.

70.000 Std.

70.000 Std.

70.000 Std.

120°

90º

90º

90º

120º

120º

Osram Oslon SSL

Osram Oslon SSL

Osram Oslon SSL

CREE

CREE

stufenlos

/

/

/

o

o

0-10 V

/

/

/

Passive Kühlung

Passive Kühlung

Passive Kühlung

Passive Kühlung

Passive Kühlung

Passive Kühlung

(Voraussichtlich erhältlich ab 2022)

/

/

/

/

/

6,9 kg

0,7 kg

0,7 kg

1,3 kg

2,6 kg

4,96 kg

67 x 11,15 x 8,6 cm

240 x 90 x 45 mm

240 x 90 x 45 mm

520 x 90 x 45 mm

240 x 240 x 172 mm

362 x 362 x 206 mm

100 - 277 V

AC 85 - 265 V, 50 - 60 Hz

AC 85 - 265 V, 50 - 60 Hz

AC 85 - 265 V, 50 - 60 Hz

AC 85 - 265 V, 50 - 60 Hz

AC 85 - 265 V, 50 - 60 Hz

CE, UL, DLC

CE, WEEE, RoHS

CE, WEEE, RoHS

CE, WEEE, RoHS

CE, WEEE, RoHS

CE, WEEE, RoHS

2 Jahre (optional bis zu 5 Jahre)

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

- Hocheffiziente LED-Pflanzenlampe für den Einsatz in Gewächshäusern

Grow Spektrum für massiges Wachstum in der vegetativen Phase.

Blütenlastiges Vollspektrum für optimalen Ertrag.

Blütenlastiges Vollspektrum für optimalen Ertrag.

Spektrum, mit für die Photosynthese wichtigen Rot- und Blauanteilen und einigen Gelbund Grünanteilen.

Spektrum, mit für die Photosynthese wichtigen Rot- und Blauanteilen und einigen Gelbund Grünanteilen.

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MARKTÜBERSICHT

OSRAM GmbH

Produkt

Firma

Produktname

SPYDR 2i 47“

SPYDR 2x 47“

Webseite

RAZR M

VYPR 3p

SA

www.fluence-led.com

2,7 µmol/J @ 230V AC

2,5 µmol/J @ 277 AC

2,6 µmol/J @ 277 AC

hoch modular, in verschiedenen Effizeinzen

2.7 µmol/J @ 277 AC

400-700 nm *

400-700 nm*

400-700 nm*

400-700 nm**

400-700 nm*

PPF (photosynthetisch aktiver Photonenfluss) [μmol/s]

1.700

860

2.100

hoch modular

1.680 (R3 spectrum)

Max. Leistungsaufnahme [W]

638W @ 400V AC

343W @ 400V AC

788W @ 400V AC

hoch modular

618W @ 400V AC

Empfohlene Ausleuchtungsfläche [qm]

1,2 x 1,2

1,2 x 1,2

1,2 x 1,2

hoch modular

Abhängig von Abstand zu den Pflanzen

IP66

IP66

IP66

IP66

IP66

L90: > 50.000 Std.

L90: > 50.000 Std.

L90: > 50.000 Std.

L90: > 50.000 Std.

L90: > 50.000 Std.

Abstrahlwinkel [Grad]

120°

120°

120°

120°

120°

Lichtquelle

LED

LED

LED

LED

LED

stufenlos 0-100%

stufenlos 0-100%

stufenlos 0-100%

stufenlos 0-100%

stufenlos 0-100%

0-10V sink dimming, source driver

0-10V sink dimming, source driver

0-10V sink dimming, source driver

0-10V sink dimming, source driver

0-10V sink dimming, source driver

0-10 Ma

Passive Kühlung

Passive Kühlung

Passive Kühlung

Passive Kühlung

Passive Kühlung

pas

Externe Steuerung/ Protokoll

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

n.a.

0-10

Gewicht [kg]

7,6

7,6

7,6

hoch modular

3,5

Abmessungen [HxBxT]

32 x 1.087 x 1.194 [mm]

32 x 1.087 x 1.194 [mm]

32 x 1.087 x 1.195 [mm]

hoch modular

82 x 74 x 1.071 [mm]

81,8

Eingangsspannung [V, Hz]

120-277V AC, 347-480V AC, 50/60Hz

120-277V AC, 347-480V AC, 50/60Hz

120-277V AC, 347-480V AC, 50/60Hz

120-277V AC, 347-480V AC, 50/60Hz

230 V AC, 400 V AC, 50/60Hz

100

CE, UL 8800, UL 1598 Wet Location, DLC

CE, UL 8800, UL 1598 Wet Location, DLC

5 Jahre

5 Jahre

5 Jahre

5 Jahre

5 Jahre

Multi-layer Cannabis-Leuchte mit hoher Performance für den vollständigen Wachstumszyklus. Verfügbar in 3 Größen. *Diagramm auf der Website unter Produkt Spec Sheets

Multi-layer Cannabis-Leuchte mit mittlerer Performance für die vegetative Wachstumsphase und auch kleinere Installationen ohne CO2-Zufuhr. Verfügbar in 3 Größen. *Diagramm auf der Website unter Produkt Spec Sheets

Multi-layer Cannabis-Leuchte mit extrem hoher Performance für den vollständigen Wachstumszyklus. Verfügbar in 3 Größen. *Diagramm auf der Website unter Produkt Spec Sheets

Hoch modulares LED-BarSystem für Stecklinge in verschiedenen Größen für diverse Regalsysteme. *Diagramm auf der Website unter Produkt Spec Sheets

Intensitätsstarke Leuchte für Gewächshäuser und einlagige Indoor-Anlagen. *Diagramm auf der Website unter Produkt Spec Sheets

Effizienz [µmol/J]

Spektrum

IP-Rating

Lebensdauer [Std.]

Produktmerkmal

SPYDR 2h

Dimmbar

Dimmungs-Verfahren

Temperaturmanagement

Zertifikate

Herstellergarantie

Weitere Informationen

CE, UL 8800, UL 1598 Wet CE, UL 8800, UL 1598 Wet Location, DLC Location, DLC

CE,ETL,cETL, wet location

Legende: ja=x, nein=/, optional=o, Alle Informationen beruhen auf Firmenangaben und wurden keiner unabhängigen Prüfung unterzogen.

48 |

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4

Seo du

Stu

NRT

Höc


MARKTÜBERSICHT

SANlight GmbH & SLT GmbH

SANlight EVO 3-100

SANlight EVO 3 -80

TCF The Climate Factory GmbH

SANlight EVO 3-60

Dimlux Xtreme Series LED 500W

Dimlux Xtreme Series LED 750W

www.sanlight.com

Dimlux Xtreme Series LED 1000W

Dimlux Expert ­Series MKII 600W

Dimlux Expert ­Series MKII 1000W

www.theclimatefactory.de

2,7

2,7

2,7

2,81 μmol/J @ 230V AC

2,85 μmol/J @ 230V AC

2,85 μmol/J @ 230V AC

1,89 μmol/J @ 230V AC

2,03 μmol/J @ 230V AC

400 - 780

400 - 780

400 - 780

Anpassungsfähig PhytoVegSpec Indoor

Anpassungsfähig PhytoVegSpec Indoor

Anpassungsfähig PhytoVegSpec Indoor

Full spectrum

Full spectrum

m)

520

520

520

1.500 μmol/s

2.276 μmol/s

3.035 μmol/s

1.467 μmol/s

2.633 μmol/s

C

190

190

190

500W

750W

1.000W

720w (600w + 20% boost)

1.200W (1.000w + 20% boost)

0,35-11

0,35-11

0,35-11

1,44 m²

2,25 m²

2,25 m²

auf 600W ist min. 0.78 m², max. 2 m² auf 720W ist min. 0.95 m², max. 2.4 m²

auf 1.000W ist min. 1.4 m², max. 3 m² auf 1.200W ist min. 1.65 m², max. 4 m²

IP65

IP65

IP65

IP65

IP65

IP65

IP50

IP50

90.000

90.000

90.000

> 50.000 Std.

> 50.000 Std.

> 50.000 Std.

94% - 10.000 Std.

95% - 10.000 Std

112/90

112/90

112/90

90° x 120°

90° x 120°

90° x 120°

140°

140°

Seoul Semiconductor/Osram

Seoul Semiconductor/Osram

Seoul Semiconductor/Osram

Philips Greenpower 600W 400V EL

Philips Greenpower Extra 1000W DE 400V

Stufenlos 100% - off

Stufenlos 100% - off

Stufenlos 100% - off

0-100%

0-100%

0-100%

bis 120% in Stufen von 320, 390, 460, 530, 600, 645, 720W

bis 120% in Stufen von 500, 600, 700, 800, 900, 1.000, 1.100, 1.200W

ng,

0-10V/Bluetooth/ Magnetdimmer

0-10V/Bluetooth/ Magnetdimmer

0-10V/Bluetooth/ Magnetdimmer

manuell oder mit Maxi-Controller

manuell oder mit Maxi-Controller

manuell oder mit Maxi-Controller

manuell oder mit Maxi-Controller

manuell oder mit Maxi-Controller

g

passive Kühlung

passive Kühlung

passive Kühlung

passive Kühlung

passive Kühlung

passive Kühlung

50mm (2") Anschluss für aktive Luftabsaugung

50mm (2") Anschluss für aktive Luftabsaugung

0-10V/Bluetooth

0-10V/Bluetooth

0-10V/Bluetooth

4,1

3,8

3,5

wird noch bekannt gegeben

wird noch bekannt gegeben

wird noch bekannt gegeben

m]

81,8 x 29,1 x 11,2

64,3 x 29,1 x 11,2

46,8 x 29,1 x 11,2

833 x 810 x 57[mm]

1193 x 1090 x 57 [mm]

1193 x 1090 x 57 [mm]

C,

100 - 270V AC, 50 - 60Hz

100 - 270V AC, 50 - 60Hz

100 - 270V AC, 50 - 60Hz

120-277V AC, 50/60Hz

120-277V AC, 50/60Hz

120-277V AC, 50/60Hz

120-277V AC, 50/60Hz

120-277V AC, 50/60Hz

NRTL, CB, UL, CE RoHS

NRTL, CB, UL, CE RoHS

NRTL, CB, UL, CE RoHS

CE, UL 8800, UL 1598 Wet Location, DLC

CE, UL 8800, UL 1598 Wet Location, DLC

CE, UL 8800, UL 1598 Wet Location, DLC

CE

CE

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

5 Jahre als Standard bei Fabrikfehlern

5 Jahre als Standard bei Fabrikfehlern

5 Jahre als Standard bei Fabrikfehlern

3 Jahre auf das Vorschaltgerät bei Fabrikfehlern

3 Jahre auf das Vorschaltgerät bei Fabrikfehlern

AC

nd zu

d.

%

t

chte nd gen. bsite eets

Höchste Effizienz und Lebensdauer u. homogene Lichtverteilung durch spezielle Linsen. Made in Austria

Patentierte Lichtleit- Patentierte Lichtleit- Patentierte Lichtleiter Multi Colour 65k er Multi Colour 65k er Multi Colour 65k

Steuerbar mit aktuellem Maxi Controller und bereit für die zukünftige digitale Controller Plattform.

Unser einstellbares PhytoVegSpec®-Wachstums-Spektrum (mit NIR*) kombiniert die volle Kontrolle über die Lichtqualität (spektrale Flexibilität) und -quantität (Intensität und DLI) und gewährleistet so eine gleichmäßige Aus­breitung und gleichmäßige Lichtverteilung mit einer extremen Durch­ dringung des Kronendachs. *NIR= Nah-Infrarot

5,1kg

6,3kg

550 × 275 × 130 [mm] 675 × 275 × 130 [mm]

Der Ultra Optics Reflektor In Kombination mit dem wurde nach dem mitgelieferten Ultra Optics Single Bounce Clear Sight 98-Reflektor, der zu 98% (SBCS) Prinzip entwickelt aus Miro Silver besteht, und ist mit Miro Silver wird PPF von 2.107 μmol/s Spiegeln ausgestattet. bei 1.000 W erzeugt.

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46_Marktuebersicht_Meta.indd 49

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DAS BESTE ZUM SCHLUSS

Jürgen Neumeyer Ein bodenständiger Politikexperte

Jürgen Neumeyer kennt sich aus in der drogenpolitischen Szene Deutschlands. Neben und nach seinem Studium in Bonn und Bremen war der Diplom-Politologe zehn Jahre Referent für Drogenpolitik bei den Bundes-Jusos und 17 Jahre als Mitarbeiter im Bundestag tätig. Daneben war er umtriebig als Gründungsgeschäftsführer des „Netzwerk Berlin“, Betreiber einer Polit-Kneipe sowie als Mitgründer einer Zeitschrift und eines Think Tanks. In den letzten zwölf Jahren war der gebürtige Berliner als selbständiger Politikberater, Headhunter und Lobbyist aktiv. Heute bündelt er seine Expertise in der Tätigkeit als Geschäftsführer des Branchenverbands Cannabiswirtschaft e. V. (BvCW). In seiner Freizeit trifft man den Vater einer Tochter oft auf seinem Motorrad oder bei seiner Märklin Spur 1 an, wenn er nicht gerade Bier braut oder deftige Eintöpfe kocht. Wenn Sie eine Sache auf der Welt ändern könnten, was wäre das? Klar: Weltfrieden! Impfstoff für alle. Und falls es realistischer und berufsnäher sein soll: Ein normaler Umgang mit Genussmitteln (wie z. B. auch Cannabis) in unserer Gesellschaft. Welchen Film/Buch sollte Ihrer Meinung nach jeder gesehen/gelesen haben? Schwierig, weil es hier so vieles Wichtige gibt. Falls ich mich jetzt entscheiden muss: Film: Pink Floyd „The Wall“ und Buch: Erich Fromm „Haben oder Sein“, vielleicht aber doch Robert M. Pirsig „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“. Wenn Ihr Leben verfilmt werden würde, welcher Schauspieler sollte Ihre Rolle spielen? Markus Söder. Was ist das Beste an Ihrem Beruf? Eintreten für eine ökologische, nachhaltige, klimafreundliche traditionelle Nutzpflanze und damit für eine bessere Welt: Vielleicht kann ich meinen kleinen sinnvollen Teil für 50 |

50_DBzS.indd 50

ein schwieriges Thema beitragen. Und: Dabei arbeite ich mit vielen tollen und interessanten Menschen zusammen. Wann waren Sie das letzte Mal von Ihrem Job genervt? Wie man es nimmt: Vorhin oder noch nie. Was hat Sie heute geärgert? Unüberlegte und von Empörung getriebene Posts in verschiedenen Chats. Welche Sache wird Ihrer Meinung nach völlig überbewertet? Die Anzahl der Follower und sogenannter „Freunde“ in den Social-Media-Kanälen. Wie sieht für Sie ein perfekter Tag aus? Beruflich: Eine gute Idee vor dem ersten Kaffee, ich erreiche entscheidende Mitstreiterinnen und Mitstreiter und kann die ersten Grundlagen für die Umsetzung der Idee legen. Privat: Ausschlafen und den Tag mit meiner Tochter verbringen. Wenn sie nicht da sein sollte, wäre es ein vielfältiger und

eher herzhafter Brunch mit Zeitung und stummgeschaltetem Handy. Später: eine originelle Unternehmung und ein schöner Abend und gemeinsames Kochen mit tollen Menschen. Was war das letzte Ereignis, das Sie tief bewegt hat? Tief bewegt: die Geburt meiner Tochter – zuletzt bewegt: der Brexit. Welche Bedeutung hat Cannabis für Sie? Als Student hat mich die Droge und das Genussmittel interessiert – auch wissenschaftlich und in meiner politischen Arbeit. Heute bin ich täglich mit Cannabis beschäftigt. Berufsbedingt betrachte ich nun eher das Wirtschaftsgut. Hanf ist insgesamt eine sehr interessante Pflanze mit vielen Potenzialen. Cannabis rettet nicht die Welt, aber der Blick auf Cannabis muss gesellschaftlich weiter normalisiert werden. Und dann kann man schauen, welche zusätzlichen Produktionen, Verarbeitungen und Nutzungen in Deutschland und Europa realistisch sind. ↙

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DA S M AGA Z I N F Ü R D I E C A N NA B I SW I RT S C H A F T

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