Fokus
18. September 2011
Sambia Seite 18 Verheerende Folgen des Kupferabbaus in Mufulira Dobelli Seite 20 Warum wir uns gerne über Wahrheiten hinwegtäuschen
James Breiding
Henning Mankell
Mittagessen mit dem Banker und Autor
Der Krimi-Autor über sein Polit-Engagement
Seite 21
Seite 23
Schawinski Seite 20 Kaspar Villigers Versagen nach dem UBS-Debakel
15 Anlagen der Konkola Copper Mines bei Kitwe: Gefährdete Umwelt foto: Meinrad schade
Die Schweiz ist eine Drehscheibe des internationalen Rohstoffhandels. Händler von Firmen wie Glencore macht er zu Milliardären. Die Bevölkerung in den Förderländern leidet unter massiven Umweltschäden.
rohe geschäfte von MICHAEL SOUKUP
Es ist eine heile Welt, die uns die Boulevardpresse vorgaukelt. Letzte Woche berichtete der «Blick» aus Monaco. Fürst Albert II. und seine Gattin Charlène hatten geladen. «Und mittendrin eine Ex-Miss-Schweiz! Fiona Hefti, 33, hatte auch Grund zum Feiern. Mit ihrem Mann, dem Rohstoffhändler Christian Wolfensberger, 40, und den Kindern Juri, 2, und Polina, 3 Monate, ist sie in ihr neues Haus am Zürichsee eingezogen.» Der Glamour-Gatte arbeitet bei Glencore. Als leitender Händler gehört er einem neunköpfigen Team an, das die Geschäftsbereiche Metalle, Energieprodukte und Agrarprodukte
verantwortet. Dank dem Börsengang des weltgrössten Rohstoffhändlers vergangenen Mai wurde Wolfensberger auf einen Schlag steinreich. Die «Bilanz» schätzt, dass Wolfensberger eine Beteiligung von 1 bis 3 Prozent an Glencore hält. In Zahlen ausgedrückt: Am Tag des Börsengangs betrug der Wert seines Aktienpakets zwischen 0,5 und 1,6 Milliarden Franken. Wie ist das möglich? Schliesslich sitzt ein Händler wie Wolfensberger meist in seinem Büro, starrt auf Bildschirme und tippt auf die Tastatur. Als Co-Direktor verantwortet Wolfensberger die Abteilung Eisenlegierung, Nickel und Kobalt. Sie gehört zu den lukrativsten Geschäftsfeldern von Glencore. Die Marktanteile bei
den Metallen am Welthandelsvolumen sind unglaublich hoch: alleine bei Kupfer 50 Prozent, bei Kobalt respektive Nickel 23 und 14 Prozent. Eingesetzte Schwefelsäure ist verheerend für die Menschen
Kobalt ist ein seltenes wie strategisch wichtiges Metall, das beispielsweise in Farben, Lacken und Batterien Verwendung findet. Gewonnen wird Kobalt überwiegend aus Kupfer- und Nickelerzen, die grösstenteils im Kongo und in Sambia abgebaut werden. In beiden afrikanischen Ländern besitzt Glencore Kupfer- und Kobaltminen. Zum Beispiel die Mopani Copper Mine (MCM) in Mufulira, die grösste Kupferhütte Afrikas und zugleich pro-
fitabelste Sambias. In der Mopani-Mine rackern sich 16 000 Menschen mehrere Hundert Meter unter der Erde ab. Um die Metalle herauszulösen, werden grosse Mengen Schwefelsäurein die unteren Bodenschichten gespritzt – mit verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt. 2008 vergifteten sich 800 Anwohner mit dem schwefelverseuchten Wasser. Eine französische Journalistin besuchte die Kupfermine von Mopani, wo sie mit Zeugen sprach: «Alle berichten in etwa dasselbe: An diesem Morgen hätten sie das Gefühl gehabt, Rasierklingen zu schlucken. Erbrechen, starker Durchfall – manche hatten sich erst nach mehreren Wochen vollständig davon erholt.»
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Glencore betont, dass in den letzten Jahren über 2 Milliarden Dollar in Mopani investiert wurden, unter anderem, um in Übereinstimmung mit der Regierung bis zum Jahr 2015 alle Schwefeldioxid-Emissionen abzufangen. Und damit ein Problem zu lösen, das bereits mehr als 60 Jahre vor Glencores Engagement in Mopani entstanden sei. Die Reportage über die Zustände in Glencores Kupfermine findet sich im Buch «Rohstoff – das gefährlichste Geschäft der Schweiz», das von der Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern (EvB) herausgegeben wird und morgen erscheint (siehe Vorabdruck mit Glencores Stellungnahfortsetzung auf seite 17