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das Magazin der ERklärung von bern
Sa mb is c h e K u m pel
Rohstoffe
g ez ei c h n et
Das gefährlichste Geschäft der Schweiz Wieso bleiben viele Länder des globalen Südens trotz ihrer Bodenschätze bitterarm? Ein be deutender Teil der Antwort findet sich in der Schweiz. Abseits der Öffentlichkeit ist hier eine Branche entstanden, die im globalen Rohstoff handel die Fäden zieht. Die EvB hat gründlich recherchiert und präsentiert nun die erste Ana lyse der Rohstoffdrehscheibe Schweiz. Text_Urs Ry b i / T it e l b i l d _M e i n r a d S c h a d e
In vielen Ländern gehören Bergbau-Minen, Öl felder und Agro-Plantagen zu den gefährlichsten Orten für die dort arbeitenden und lebenden
Menschen. Vertreibungen, prekäre Arbeitsbedingungen, Wasserverschmutzung: Die lokalen Gefahren für Mensch und Umwelt sind hinlänglich bekannt. Auf staatlicher Ebene kommen weitere Risiken hinzu. Rohstoffreichtümer werden exportiert, ohne dass ein fairer Anteil an die Bevölkerung zurückfliesst. Was bleibt, sind oft nur Kor ruption und Konflikte. Dabei sind Rohstoffe eine wahre Goldgrube. Im Welthandel wird jeder vierte Dollar damit verdient. Aus Schweizer Sicht scheint das alles angenehm weit weg – ein Trugschluss, wie unsere Recherchen zeigen. Die EvB schätzt, dass rund ein Fünftel des globalen «ComFor tse tz ung>>
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# 04 September_11
v o n der A rbei t i n der Mo p an i m i ne .
Das geförderte Kupfer geht – wie so viele andere Bodenschätze aus anderen Minen auch – an einen Schweizer Rohstoff konzern.
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modity trading» über Büros in Genf, Zug und ein paar weniger wichtige Handelshochburgen ab gewickelt wird. Eines der rohstoffärmsten Länder der Welt hat sich zur globalen Drehscheibe entwickelt. Eine ganze Branche fliegt unter dem Radar Bislang verband die Schweizer Öffentlichkeit mit dem Begriff «Rohstoffhändler» vor allem die schillernde Figur Marc Rich. Der jahrelang von der US-Justiz gejagte Ölhändler liess sich in den 70er-Jahren in Zug nieder. Und just jene Firma, die er mitgründete und 1993 verliess, sorgte mit ihrem Börsengang 2011 für breite Medienberichterstattung. Als das US-Wirtschaftsmagazin «Fortune» diesen Sommer seine jährliche Liste der weltweit grössten Unternehmen publizierte, war ein erstaunlicher Neuzugang zu vermelden. Mit einem Schlag auf Platz 18 der weltweit 500 grössten Unternehmen landete ein Schweizer Konzern namens Glencore. Keine Firma verkörpert die Geschichte und Dynamik des Rohstoffhandelsplatzes Schweiz anschaulicher. Steigende Rohstoffpreise und internes Wachstum liessen den Umsatz von 30 (1993) auf 144 Mrd. US-Dollar (2010) anschwellen. Dieses Jahr trat der grösste gemischte Rohstoffhändler der Welt aus dem Schatten und ging im Mai an die Börse. Damit wurde er – im Gegensatz zu vielen weiterhin privat gehaltenen Handelshäusern – rechenschaftspflichtig und sichtbarer. Eines bleibt ihnen aber gemeinsam: Die grössten Rohstoffhändler arbeiten heute allesamt in Schweizer Büros. Von den 12 umsatzstärksten Schweizer Unternehmen stammen nun 7 aus der Rohstoffbranche (siehe Tabelle). Wie kommt es, dass sie dennoch weitgehend unbekannt sind? Im jetzt vorliegenden Buch gehen wir den Ursachen nach, porträtieren die Hauptakteure und durchleuchten ihre Geschäftsmodelle.
Die umsatzstärksten Unternehmen in der Schweiz* Firma
Branche
Vitol
Rohstoffhandel (primär Öl)
Umsatz 2010 (Mrd. US-Dollar) 195
Glencore
Rohstoffhandel
145
Nestlé
Nahrungsmittel
117
Trafigura
Rohstoffhandel
79
Gunvor
Rohstoffhandel (primär Öl)
59
Novartis
Pharma
Litasco
Rohstoffhandel (primär Öl)
Roche
Pharma
Mercuria
Rohstoffhandel (primär Öl)
ABB
Maschinenindustrie
34
Xstrata
Rohstoffförderung (Bergbau)
30
Migros
Detailhandel
27
56 (2009) 52 50 ca. 50
* Manche dieser Konzerne haben ihren offiziellen Hauptsitz nicht in der Schweiz, wickeln aber über Schweizer Niederlassungen den Grossteil ihrer globalen Geschäfte ab. Nicht inbegriffen sind hier drei grosse Agrarhändler.
Ein wahrlich globales Geschäft Die Rohstoffbranche scheint direkt auf dem Reissbrett der Globalisierung entworfen worden zu sein. Rund um den Globus werden Rohstoffe produziert, gekauft, gelagert und verkauft. Nationalstaatlichen Autoritäten und Regulierungen entwischen diese Firmen häufig mit unverschämter Leichtigkeit. Denn ihre Handelsabteilungen können grundsätzlich von jedem Ort aus operieren. Während die Arbeit immer öfter in Genf oder Zug verrichtet wird, liegen die rechtlichen Haupt sitze und Muttergesellschaften meist in den Niederlanden und in Offshore-Steuerparadiesen. Für nationale Steuerämter und Gerichte sind solche Firmen deshalb kaum zu fassen. Eine der Reportagen im Rohstoffbuch zeigt dies eindrücklich am Beispiel Sambia. Obwohl der Weltmarktpreis für Kupfer auf Rekordniveau liegt, schreibt die dortige Glencore-Mine Verluste. Und ist somit steuerbefreit. Verkauft wird das Kupfer via Schweiz. Den Menschen vor Ort blei-
«Rohstoff – Das gefähr lichste Geschäft der Schweiz» Herausgeberin: Erklärung von Bern Gebunden, 440 Seiten, mit zahlreichen Illustrationen 15,5 5 22 cm, Salis Verlag, CHF 34.80/ EvB-Mitglieder: CHF 29.–
Z ahlen sagen mehr a l s W or t e...
Der Schweizer Rohstoffhandel hat sich seit
1998 verfünfzehnfacht.
Heute laufen mindestens
15 – 25 Prozent
des weltweiten Rohstoffhandels über die Schweiz.
7 der 12
umsatzstärksten Schweizer Firmen gehören zur Rohstoffbranche.
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ben einzig die enormen Schwefeldioxid-Emissionen der mineneigenen Schmelzerei. Die Erklärung von Bern hat im April zusammen mit anderen Organisationen eine OECD-Beschwerde gegen diese Steuertricks von Glencore eingereicht. Diese ist zurzeit noch hängig. Die Rohstoffbranche profitiert von einer Mischung aus Opportunismus und Passivität der Schweizer Wirtschaftspolitik. Der Basler Strafrechtsprofessor und international gefragte Korruptionsexperte Mark Pieth meint dazu im BuchInterview: «Mein Eindruck ist, dass man diese Dinge lange schon einfach geschehen lässt – ohne Plan und Absicht. Das war bei Themen wie Raubkunst, Waffenhandel, Embargoverletzungen oder zuletzt der Steuerflucht so und dürfte beim Rohstoffhandel nicht anders sein.» Für die EvB liegt es auf der Hand, dass hier viel zu tun ist. Sie hat deshalb einen neuen Fachbereich geschaffen. Wir werden dem Rohstoffsektor in der Schweiz ab sofort ganz genau auf die Finger schauen und uns für politische Rahmenbedingungen einsetzen, die auch von diesen Unternehmen ein faires Wirtschaften einfordern.
Die EvB verdankt die Finanzierung des Rohstoffbuchs einem ehemaligen EvB-Mitglied, das die EvB als Erbin grosszügig bedachte. Legate und Erbschaften ermöglichen uns, zusätzliche Projekte unabhängig und ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen zu realisieren. Möchten Sie erfahren, wie Sie die EvB in Ihrem letzten Willen berücksichtigen können? Bestellen Sie kostenlos, vertraulich und unverbindlich die EvB-Testaments unterlagen, oder kontaktieren Sie Marion Graber persönlich: 044 277 70 12, marion.graber@evb.ch, www.evb.ch/erben.
Wichtiger Hinweis
Bitte melden Sie uns Ihren Umzug frühzeitig! Die Post teilt Adressänderungen seit einigen Jahren nicht mehr mit. Die Nachsendefrist dauert lediglich ein Jahr, danach werden die Briefe mit dem Vermerk «Empfänger unbekannt» an uns zurückgeschickt.
erklärung! 4/2011 Auflage 21 500 Exemplare Erklärung von Bern (EvB), Dienerstrasse 12, Postfach, 8026 Zürich, Telefon 044 277 70 00, Fax 044 277 70 01, info@evb.ch, www.evb.ch R edakt ion S usanne Rudolf Gestalt ung Clerici Partner Design, Zürich Dr uc k ROPRESS Genossenschaft, Zürich; gedruckt mit Biofarben auf Cyclus Print, 100 % Altpapier, klimaneutraler Druck Imp ress um
Herausgeberin
« erkl ä r u n g ! » ers c h e i n t 4 - b i s 5 - m al j ä h rl i c h . M i tg l i ederbeitrag: Fr. 60.– pro K alenderjahr (inklusive Abonnement «erklärung!» und EvB-D okumentation). Postkonto 80-8885-4
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Risikoreiche Kooperationen Susanne Rudolf
Was ist von Kooperationen zwischen Unterneh men und Nichtregierungsorganisationen (NGO), wie kürzlich in den Medien über Alliance Sud und Nestlé oder den WWF berichtet wurde, zu halten? Die verstärkte Zusammenarbeit wird zwar von einigen Medienschaffenden kritisch hinterfragt, andere loben dagegen die zunehmende Dialog bereitschaft der Unternehmen. Dass Konzerne vermehrt die Kooperation mit NGO suchen, erstaunt nicht. Schliesslich geht es darum, einer sensibilisierten Öffentlichkeit ge genüber als verantwortungsvolles Unternehmen aufzutreten. Das Risiko und die Auswirkungen einer Kooperation bleiben für die Firma gering, denn die Öffentlichkeit kann kaum noch zwischen effektiven Verhaltensänderungen und den PRFloskeln beziehungsweise dem «Greenwashing» einer Firma unterscheiden. Es sind die Organisationen, die bei einer Koope ration das Risiko tragen – auch wenn der Dialog zu einem partiellen Erfolg führen sollte. Schliess lich gehören Nichtregierungsorganisationen und Medien noch zu den wenigen Instanzen, die das Verhalten der Firmen kritisch und transparent beleuchten können. Kooperiert eine Organisation mit einem Unternehmen, setzt sie ihre Glaub würdigkeit aufs Spiel: Diese schwindet nämlich, sobald Zweifel an der Transparenz, der kriti schen Distanz oder der finanziellen Unabhängig keit aufkommen. Und damit verliert eine Organi sation auch das Vertrauen ihrer Unterstützer Innen. Die EvB thematisiert in ihrer aktuellen Dokumen tation die Kaffeepolitik von Nestlé in Mexiko. Wie glaubwürdig wäre dieser Bericht, wenn er in Kooperation mit Nestlé entstanden wäre? Die EvB steht zwar im Dialog mit Unternehmen, geht aber seit ihren Anfängen keine Kooperation mit ihnen ein. So kann sie unabhängig von wirt schaftlichen Interessen und inhaltlichen Kompro missen arbeiten. Und damit bleibt die EvB die EvB.