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May Wong
Globalisierungskritikerin der ersten Stunde Seit über zwanzig Jahren kämpft May Wong von Hongkong aus für bessere Arbeitsbedingungen in der «Weltfabrik China». Die Leiterin des asiatischen EvB-Pendants Globalization Monitor kritisiert auch das chinesische Handelsabkommen mit der Schweiz und kommt dafür Ende November nach Zürich.
May Wongs Eltern waren Teil der grossen Ein wanderungswelle, die Anfang der 60er-Jahre vom «Mainland China» auf die Freiheit und Wohl stand verheissende Insel Hongkong schwappte. Den ausgeprägten Gerechtigkeitssinn der Arbei tertochter bekam schon ihr Gymnasium zu spü ren, wo sie sich lautstark gegen die grassierende Schulkorruption («Diplome gegen Geld») und für die Legalisierung der damals noch verfemten chi nesischen Landessprache engagierte. Auch als Lehrerin lobbyierte das zweite von sechs Kindern – diesmal für bessere Sozialleistungen. Als «eigentliche politische Schlüsselerfahrung» be zeichnet die studierte Soziologin allerdings die 1997 aufziehende Asienkrise: «Die dadurch aus gelöste brutale Liberalisierung stürzte den gesam ten Mittelstand ins Elend – auch meine Familie.» 1999 zog sie daraus zusammen mit Gewerk schaftern, Umweltaktivistinnen und Arbeits rechtlern die Konsequenzen und gründete noch vor den Protestaktionen in Seattle gegen die WTO den Globalization Monitor (GM). Erklärtes Ziel der zunächst mit Studien und später mit
___«Die dadurch ausgelöste brutale Liberalisierung stürzte den gesamten Mittelstand ins Elend – auch meine Familie.» professionellen Kampagnen arbeitenden Organi sation ist die «Bewusstseinsbildung über die Auswüchse und Kollateralschäden der Globali sierung». Inhaltlich lag der Fokus dabei – «ganz dem Zeitgeist entsprechend», so Wong – erst auf relativ abstrakten, aber wirkungsmächtigen han dels- und finanzpolitischen Akteuren wie Welt bank, IWF und WTO. Nach dem von GM mit
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Text_Oli v e r Cl a s s e n
organisierten Gegengipfel zum Hongkonger WTOMinistertreffen von 2005 konzentrierte sich die «mit Leidenschaft und Augenmass geführte Orga nisation» stärker auf die konkreten eklatanten Missstände in chinesischen Produktionsstätten. Viele Jahre schon arbeiten westliche Organisa tionen eng mit GM zusammen. Nun hat die Clean Clothes Campaign von den kompetenten Kolle ginnen und Kollegen eine Untersuchung über die Arbeitsbedingungen in der Skateboard-Fertigung in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse stellt May Wong im November in Europa vor – und macht auf Einladung der EvB dabei einen Abstecher nach Zürich, um ihre Perspektive auf das derzeit in Verhandlungen befindliche Freihandelsab kommen der Schweiz mit China zu erläutern. Die erfahrene Aktivistin wird uns in einer öf fentlichen Veranstaltung dabei helfen, men schenrechtssensible Bereiche unserer Unterneh men in den Handelsbeziehungen mit China zu identifizieren – damit die EvB bei den Schweizer Verhandlungsführern künftig noch glaubwürdi ger und fundierter zugunsten «meiner Schwes tern und Brüder an den chinesischen Fliessbän dern» (Wong) Einfluss nehmen kann.
Am 28. November diskutiert M a y W ong auf dem EvB-Podium das Freihandels abkommen der Schweiz mit China (siehe Seite 5).
erklärung!_05_2011