Aufklärer mit Substanz

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8 __ por Kampagnen trät

L ukas Bärfuss

Aufklärer mit Substanz Hinterfragen, analysieren und provozieren: Mit diesem Dreischritt ist Lukas Bärfuss zum Schweizer Literaturstar avanciert. Ein Star notabene, der auch Stoffe wie Entwicklungs­ hilfe und Ölindustrie thematisiert. Für das Vorwort zu ihrem Rohstoffbuch hätte die EvB also keinen passenderen Autor finden können. Text_Oli v e r Cl a s s e n

Seit Jahren schon gehört er zu den meistgespielten Autoren auf den deutschsprachigen Bühnen, das Romandebüt «Hundert Tage» wurde 2008 mit Preisen überhäuft und seine Essays sind Weck­ rufe mit internationalem Echo. Dabei ist der li­ terarische Allrounder Lukas Bärfuss noch keine 40, gelernter Buchhändler und gehört zur raren Spezies der praktizierenden Schweizer Intellektuellen. Mit den gemütlichen, Pfeife schmauchenden Ikonen der 60er- und 70er-Jahre, die wir aus dem Deutschunterricht kennen, teilt der gebür­ tige Thuner jedoch weder Tonalität noch Themen. Bärfuss doziert nicht, sondern erzählt und zeigt auf – mal individuelle Notstände, mal systemische Missstände. Wobei gerade seine politischen Texte besonders sauber recherchiert, aber eben auch brillant inszeniert sind. Das gilt besonders für seinen Bestseller «Hundert Tage», eine so realitätsnahe wie faktenreiche Darstellung des Völkermordes in Ruanda und der zwischen Ohnmacht und Mitschuld oszillierenden Situation von Schweizer Entwicklungshelfern. «In der Kivu-Region habe ich die entsetz­

2009 explizit jenem Gleitmittel des Kapitalismus, das die grössten Verwüstungen in der Natur und den Seelen der Menschen – Opfern wie Tätern – anrichtet. Angesiedelt ist «Öl» in Kasachstan, «spielen könnte es überall, wo Kolonisatoren sich im Namen von Konzernen die Erde und Bevölkerung untertan machen» («Frankfurter Rundschau»). Bärfuss ist kein schriftstellernder Journalist, sondern ein Autor, der brisante Aktualitäten zu dramatisieren weiss. Der einzelne Skandal interessiert ihn nur als Mittel zur Erkenntnis der ihm zugrunde liegenden Motive und Mechanismen. Diese Haltung teile er als zahlendes Mitglied mit der EvB. «Organisationen wie eure schaffen Bewusstsein dafür, dass die gerechte Verteilung der Lebensgrundlagen ein globales Anliegen ist, um das man lokal kämpfen muss.» Wer also müsste das erste mit einem Vorwort aus seiner Feder geadelte NGO-Buch lesen? «Alle, die auf Rohstoffe angewiesen sind, denke ich – also jeder und jede», meint Bärfuss lakonisch, aber keineswegs ironisch. Dafür ist es ihm mit dem heiligen Furor der Aufklärung als gemeinsamem Nenner von engagierter Literatur und zivilgesellschaftlichem Engagement viel zu ernst.

L ukas B ä rfu ss schrieb für die EvB das Vor­wort zum Rohstoffbuch.

lichen Folgen des Kampfes um Rohstoffe mit eigenen Augen gesehen. Dieses Leid hat mich sehr empört, zumal ein grosser Teil der Ausbeute in den Westen geht», so Bärfuss heute. In seinem Theaterstück «Öl» widmete sich der Wahlzürcher und aktuelle Hausautor des Schauspielhauses

Keystone

___«Organisationen wie eure schaffen Bewusstsein dafür, dass die gerechte Verteilung der Lebensgrundlagen ein globales Anliegen ist, um das man lokal kämpfen muss.»

erklärung!_04_2011


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