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MÄRZ 2022
Das Magazin für Management & Kommunikation der FHWien der WKW
Sich im Training mit Profis messen Die Reaction Pads des Start-ups ForSports bringen Hobby- und SpitzensportlerInnen Abwechslung.
250 Monate »Zeitvertreib« Den Prepaid-Anbieter paysafecard gründete Udo Müller quasi als Ferienbeschäftigung – aus der rasch mehr wurde.
Interview: Kay Voges »Was ich nicht kann, das bring ich mir bei«, sagt der Direktor des Wiener Volkstheaters.
Bereit für die Welt
Ein Studium als Sprungbrett ins Ausland: Was braucht man, um international Karriere zu machen?
Sprung ins kalte Wasser: Den Schritt ins Ausland muss man sich erst trauen.
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im fokus
Bereit für die Welt Für viele Studierende bildet die FHWien der WKW das Sprungbrett für eine internationale K arriere. STUDIO! hat recherchiert, wie die globale Geschäftswelt heute tickt und welche interkulturellen Kompetenzen man wirklich braucht. Text: Doris Neubauer
»Es war immer mein Ziel, als Korrespondent im Ausland zu arbeiten.«
© Egger & Lerch/Shutterstock/Dodoit
Christophe Kohl, ORF-Korrespondent
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r traf Brad Pitt und Meryl Streep, berichtete über die Fußball-EM 2016 und die Terroranschläge in Paris. Und als Joe Biden das US-Präsidentenamt von Donald Trump übernahm, erfuhr das ganz Österreich aus seinem Mund: »Es war immer mein Ziel, als Korrespondent im Ausland zu arbeiten«, erzählt Christophe Kohl. Ein Vorhaben, das der Tiroler mit Ausdauer verfolgte und 2015 erreichte. Vom »Ö3-Wecker« schaffte der Sohn einer Französin und eines Österreichers den Sprung als ORF-Korrespondent nach Paris. Vier Jahre später folgte der nächste Meilenstein: »Der Schritt in die USA war für mich ein logischer«, meint der 36-Jährige, der zweisprachig aufgewachsen ist. »Ich habe mich schon in der Schulzeit intensiv mit den Vereinigten Staaten beschäftigt, war auch
für das ORF-Radio regelmäßig dort. Einen US-Präsidentschaftswahlkampf zu covern, war immer eine berufliche Herausforderung, der ich mich stellen wollte.«
»Internationale Netzwerke früh etablieren« Den Grundstein für Christophe Kohls internationale Karriere hat das Bachelorstudium Journalismus und Medienmanagement an der FHWien der WKW gelegt. Schließlich habe es ihn sehr gut auf den Einstieg in den Journalismus vorbereitet. 2005 war der Studiengang zwar noch im Aufbau, er brachte Kohl aber in Kontakt mit Branchengrößen wie Armin Wolf oder Anneliese Rohrer. Damals hätte er sich eine internationale Vernetzung bei Projekten sowie integrierte Aus landssemester gewünscht. Denn es
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werde immer wichtiger, sich schon in jungen Jahren auf das internationale Karriereparkett vorzubereiten. »Die Menschen, die mir in Washington begegnen, sprechen nicht nur mehrere Sprachen«, erklärt der ORF-Korrespondent, »sie haben schon während der Schulzeit oder spätestens während des Studiums Auslandssemester absolviert und internationale Netzwerke geknüpft.« Was Kohl während seiner Ausbildung 2005 noch fehlte, ist an der FHWien der WKW inzwischen längst Standard: Die Fachhochschule setzt gleich an mehreren Stellen an, um Studierende bestmöglich auf eine internationale Laufbahn vorzubereiten. Egal, ob sie ins Ausland gehen, virtuell mit KollegInnen in aller Welt zusammenarbeiten oder vor Ort mit unterschiedlichen Kulturen zu tun haben: »Unsere Studierenden brauchen ausgezeichnete internationale Kompetenzen«, erklärt Barbara Zimmer, Head of Center for International Education & Mobility (CIEM) an der FHWien der WKW. »Nach einer Definition niederländischer ExpertInnen liegen diese Kompetenzen in fünf Lernbereichen: persönliche Weiterentwicklung, Interkulturalität, Sprachen, internationales Engagement und internationales Fachwissen. Diese fünf Bereiche greifen eng ineinander.«
»In Taschkent spürt man schon enorme kulturelle Unterschiede im Vergleich zu Österreich.«
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David Bourdin, Marketing-Experte
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© Philipp Sandpeck
Das Wichtigste, um sich über Wasser zu halten: gutes Englisch.
Christophe Kohl kam via Paris nach Washington.
Wirtschaftsenglisch als Must-have So erlangen Studierende in Lehrveranstaltungen wie »Cross Cultural Communications« ein Verständnis für grenzüberschreitende Kommunikation und erwerben interkulturelle Kompetenzen. Ein theoretisches Wissen, das sie direkt an ihrer Fachhoch schule in die Praxis umsetzen können: Schließlich sitzen Studierende mit KollegInnen aus anderen Ländern im Hörsaal und werden von internationalen Vortragenden unterrichtet. Native Speakers, etwa aus Großbritannien oder den USA, sorgen dafür, dass alle Studierenden Wirtschaftsenglisch sowie den Fachjargon ihrer jeweiligen Fächer auf hohem Niveau sprechen und verstehen. Ein Viertel aller Module wird in der globalen Lingua franca abgehalten, die rund 1,5 Milliarden Menschen weltweit beherrschen. Drei Bachelor- und Master-Studiengänge der FHWien der WKW können sogar komplett auf Englisch absolviert werden. »In einigen Studiengängen gibt es zusätzlich Initiativen, die die Internationalisierung erhöhen«, fügt David Bourdin vom Competence Center for Marketing der FHWien der WKW hinzu. »So kooperieren wir mit der Capilano University in Vancouver bei der Durchführung einer Summer School für Masterstudierende. Und mit der Hogeschool von Amsterdam haben wir schon mehrmals ein Collaborative Online International Learning (COIL)-Projekt durchgeführt.«
Internationalisierung auch für das FH-Personal Aber nicht nur die Studierenden setzen sich mit anderen Sprachen und Kulturen auseinander. Auch das Personal der FHWien der WKW erhält regelmäßig Schulungen in interkultureller Kommunikation und Sprachen. »Es gibt die Möglichkeit, im Rahmen
AUF ENGLISCH STUDIEREN In allen Studiengängen der FHWien der WKW wird teilweise auf Englisch unterrichtet. Drei Studien werden sogar durchgängig mit Englisch als Unterrichts sprache angeboten:
› Bachelor-Studiengang
© FHW der WKW/feelimage
Corporate Communication (6 Semester, 34 Studien plätze pro Jahr) › Master-Studiengang Executive Management (4 Semester, 73 Studien plätze pro Jahr) › Master-Studiengang Urban Tourism & Visitor Economy Management (4 Semester, 35 Studien plätze pro Jahr)
David Bourdin ist international für Gastvorträge und als Lektor unterwegs.
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eines Staff-Mobility-Aufenthalts ein paar Tage an einer internationalen Partnerhochschule zu verbringen. Dafür kann man ERASMUS+Förderungen in Anspruch nehmen«, erzählt David Bourdin, der selbst bereits Gastvorträge in Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Polen und Tschechien gehalten hat. Über einen anderen Lehrauftrag unterrichtet er jedes Wintersemester an einer Universität in Taschkent, Usbekistan. »In Taschkent spürt man schon enorme kulturelle Unterschiede im Vergleich zu Österreich. Zuerst dachte ich, die Studierenden wären undiszipliniert oder faul«, nennt David Bourdin ein Beispiel. »Aber als ich erfahren habe, dass manche von ihnen ihr gesamtes Studium am Smart phone absolvieren, weil sie sich keinen Laptop leisten können, oder sich ein Schlafzimmer mit drei oder mehr Geschwistern teilen und somit keinen Rückzugsort haben für konzentriertes Arbeiten in Pandemiezeiten, hatte ich Verständnis für ausgeschaltete Kameras in Zoom-Vorlesungen oder einige Minuten zu spät eingereichte Arbeiten.« Übrigens bietet die FHWien der WKW nicht nur Lehrenden und ForscherInnen wie Bourdin Auslandsaufenthalte an. Auch das administrative Personal kann diese Möglichkeit nutzen, um sich etwa über Prozess optimierungen in der Lehrveranstaltungsplanung mit internationalen KollegInnen auszutauschen.
Königsweg Auslandssemester Grenzen überschreiten dürfen, nein, müssen auch Studierende der FHWien der WKW: Seit 2018 ist in allen Bachelor-Studiengängen in der Vollzeitvariante ein Auslandssemester vorgeschrieben. »Wenn wir an die zuvor genannten fünf Lernbereiche für den Erwerb internationaler Kompetenzen zurückdenken: Das Auslands-
© FHW der WKW/feelimage
im fokus
Barbara Zimmer leitet das Center for International Education & Mobility.
semester ist der Königsweg dorthin«, betont Barbara Zimmer, »Studierende tauchen in den Studienbetrieb einer Gasthochschule und in die Kultur des Gastlands ein. Sie sind auf sich allein gestellt und müssen sich in der neuen Umgebung bewähren, sowohl fachlich als auch im neuen sozialen Umfeld.« Wie wertvoll insbesondere der Kontakt mit den lokalen Studierenden und anderen Austauschstudierenden sein kann, bestätigt David Bourdin aus eigener Erfahrung. Während seiner Studienzeit hat er jeweils sechs Monate in Schweden sowie Kanada und ein Jahr in England verbracht. »Das führt zu neuen Freundschaften und eventuell später zu Kooperationsmöglichkeiten im Beruf«, weiß er. Letzteres hat er auch bei beruflichen Auslandsaufenthalten erlebt. »Die jeweils unterschiedlichen Herangehensweisen an herausfordernde Situationen habe ich persönlich als bereichernd erlebt, im Umgang mit GeschäftspartnerInnen, aber auch in der internen Unternehmenskommunikation«, ergänzt er weitere Vorteile. Solche Situationen seien lehrreich und horizonterweiternd: »Im Moment selbst denkt man vielleicht: Okay, das
»Gaststudierende sind auf sich allein gestellt und müssen sich in der neuen Umgebung bewähren.« Barbara Zimmer, CIEM-Leiterin
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Effizienz auch international Trumpf Solche transversalen, also »quer« zur traditionellen Ausbildung verlaufenden Skills schätzen auch RecruiterInnen und finden sie bei Studierenden, die im Ausland waren, besonders häufig vor. Die Leiterin des Center for International Education & Mobility der FHWien der WKW verweist in diesem Zusammenhang auf eine Erasmus Impact Study von 2019. Dass Kommunikationsfähigkeit, emotionale Intelligenz, Anpassungs- und Teamfähigkeit neben guten Fremdsprachenkenntnissen in einem internationalen Arbeitsumfeld eine bedeutende Rolle spielen, kann David Bourdin aus seiner Erfahrung mit internationalen Konzernen bestätigen. »Ich persönlich glaube aber, dass Fachkompetenzen mindestens genauso wichtig – wenn nicht noch wichtiger – sind«, ergänzt der frühere Brand Manager für Osteuropa bei Henkel. »In einem betriebswirtschaftlichen Kontext sind das beispielsweise gute Kenntnisse von facheinschlägiger Software und Tools für kollaboratives Arbeiten, Projektmanagement, Datenanalyse und -aufbereitung.« So könne man mit Kenntnissen in Microsoft Excel große Mengen an komplexer Information leicht auffindbar und übersichtlich aufbereiten, was wiederum die Grundlage für strategische Entschei-
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dungen verbessere. Egal, in welchem Land man arbeite: Effizienz werde von Führungskräften immer geschätzt.
»Auch ein Auslandspraktikum ist relevant« »Wichtig ist eine Kombination aus Fachkompetenz, Verhaltenskompetenzen und Fremdsprachenkenntnissen«, bestätigt Gerhard Tripp, wobei mit Verhaltenskompetenzen zum Beispiel Integrität, Teamfähigkeit, Planungsvermögen und kulturelle Sensibilität gemeint sind. Als Leiter der Planning, Contracting and Reporting Unit des Human Resources Management Services im Büro der Vereinten Nationen in Wien (UNOV) sucht er Personal für die wahrscheinlich internationalste Organisation der Welt. »Für uns zählt je nach Position das Gesamtpaket von abgeschlossener Schulausbildung, wie Matura oder abgeschlossenes Studium, mitgebrachter relevanter einschlä-
»Generell ist jede Art der Erfahrung im internationalen Bereich bei einer Bewerbung von Vorteil.« Gerhard Tripp, UNO-Recruiter
giger Berufserfahrung, Soft Skills wie kommunikative und organisatorische Fähigkeiten sowie Sprachkenntnisse.« Ob neben Englisch und Französisch, der zweiten weltweiten Arbeitssprache innerhalb der Organisation, auch weitere offizielle Sprachen wie Arabisch, Chinesisch, Russisch und Spanisch gefragt sind, hänge von der Position ab. Generell sei für eine Bewerbung im UN-Büro in Wien, in New York, Genf, Nairobi oder in einem der kleineren Field Offices in
© Vereinte Nationan in Wien (UNOV)
Auslandspraktikum ist zwar cool, aber wirklich bringen tut es nichts. Erst ein paar Jahre später merkt man dann die Effekte.« Mit dieser Beobachtung ist Bourdin nicht allein. »Einige Zeit nach ihrer Rückkehr vom Auslandssemester bewerten die meisten Studierenden das Erlebnis als überwältigend positiv«, bestätigt Barbara Zimmer. »Sie nennen insbesondere persönliche Zugewinne in ihrer Kommunikations-, Organisations- und Teamfähigkeit. Sie lernen, Probleme zu lösen, und steigern ihr Selbstbewusstsein.«
Gerhard Tripp rekrutiert Personal für die UNO in Wien.
Afrika, Asien oder Lateinamerika »jede Art der Erfahrung im internationalen Bereich von Vorteil«. Diese könne sowohl bei einer UN-, einer internationalen oder einer nichtstaatlichen Organisation gemacht werden. »Auch ein Auslandspraktikum kann für uns relevant sein«, berichtet der Recruiter. Das gelte sowohl für temporäre und reguläre offene Stellen wie für zeitlich begrenzte Werkverträge als Consultant oder Individual Contractor für ausgewählte Projekte.
»Renommierte Schulen und Betriebe suchen« »Praktika sind wahnsinnig wichtig«, bestätigt David Kurzböck, der als Niederlassungsleiter beim internationalen Personaldienstleister Konen & Lorenzen an fünf Standorten weltweit auf die Vermittlung von Fachleuten sowie Führungs- und Nachwuchsführungskräften in den Bereichen Gastronomie, Hotellerie und Tourismus spezialisiert ist. »Am besten lässt sich eine Karriere aufbauen, wenn man gleich in renommierten Betrieben startet.« Ebenso entscheidend sei eine gute Ausbildung. »Renommierte Schulen wie das Modul der FHWien der WKW in Wien sind Kaderschmieden. Wenn ich die Ausbildung dort mit 19 oder 20 Jahren abschließe, stehen mir weltweit alle Türen offen«, weiß der Absolvent der FHWien der WKW aus Erfahrung. Die Reisebeschränkungen der Corona-Pandemie hätten daran übrigens nichts geändert, im Gegenteil:
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»Die Krise hat gezeigt, dass die Arbeitnehmenden noch volatiler geworden sind, auch auf internationaler Ebene.« Was sich hingegen gewandelt habe, sei die Bedeutung des virtuellen Arbeitens. »Einen Alltag ohne Zoom, Microsoft Teams und Skype kann man sich gar nicht mehr vorstellen.« Der 44-Jährige erzählt von einer Wiener Kollegin, die nach einem ZoomJobinterview in einem Schweizer Vorzeigebetrieb eingestellt worden sei. »Das hätte es vor ein paar Jahren nicht gegeben.« Nicht nur Einstellungsgespräche, auch Jobmessen, Meetings, Schulungen und Workshops werden »in Zeiten von Homeoffice und wenigen Dienstreisen hauptsächlich online durchgeführt«, bestätigt HR Officer Gerhard Tripp von den Vereinten Nationen.
Interesse am Ausland trotz Pandemie Natürlich leidet der internationale Austausch unter der Corona-Pandemie – auch an der FHWien der WKW. »Wir mussten die Verpflichtung zum Auslandssemester aussetzen«, sagt Barbara Zimmer. »Die Zahl der Studierenden im Ausland, bei uns
›Outgoings‹ genannt, sank von 319 im Studienjahr 2019/20 auf 67 im Studienjahr 2020/21.« Auch die Zahl der Incoming Students ging zurück, wenn auch nicht so radikal. Ausbremsen ließen sich die Studierenden von Covid-19 jedoch nicht. So wie der Online-Unterricht die Präsenzveranstaltungen ersetzte, wurden auch manche Reisen digital absolviert. »Es gibt Studierende, die ein gesamtes Auslandssemester virtuell abschließen«, berichtet Zimmer. Außerdem böten immer mehr Unternehmen Remote-Praktika oder -Einstiegsjobs an, beobachtet David Bourdin. »Man kann diese Tätigkeiten länderübergreifend von zuhause aus verrichten und bleibt dabei mit Team und Vorgesetzten virtuell in Kontakt.« Dass die Pandemie die Lust an Auslandserfahrungen gedämpft hätte, könne man jedenfalls nicht behaupten: »Seit 2021/22 ist das Interesse der Studierenden am Auslandssemester wieder ungebrochen stark«, stellt die CIEM-Leiterin fest. »Es setzt europaweit ein gewisser Aufholeffekt ein.« Wie ihr Kollege Bourdin ist auch sie überzeugt: »Die klassische Job-Mobilität wird nie aussterben!«
ZUR AUTORIN DER COVERSTRECKE Doris Neubauer ist selbst Alumna der FHWien der WKW. 2003 schloss sie den berufsbegleitenden Bachelor Studiengang Kommunika tionswirtschaft (Corporate Communications) ab. Nach einigen Jahren in Marketing, Werbung und PR von Unter nehmen und NGOs führte sie ihre Neugier auf die Welt zum Schreiben. Mittlerweile lebt und arbeitet sie als freie Journalistin und Texterin in Neuseeland.
»Am besten lässt sich eine Karriere aufbauen, wenn man gleich in renommierten Betrieben startet.«
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David Kurzböck, Personalvermittler
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Kirstie Riedl, International Course Manager und Academic Expert & Lecturer Corporate Communication an der FHWien der WKW, im Gespräch. Text: Doris Neubauer
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amilie und FreundInnen in der Heimat auf der einen Seite, neue Kontakte am Wohnort auf der anderen – wer im Ausland tätig ist, befindet sich oft zwischen zwei Welten. »Es ist wichtig, bewusst in beiden zu leben«, meint Kirstie Riedl, Lecturer und Course Manager an der FHWien der WKW. »Ich möchte die fremde Sprache und Kultur kennenlernen, um Leute vor Ort zu treffen, andererseits brauchen wir unsere Wurzeln.« Dass dieses Weltenbummeln viel Energie kostet, weiß Kirstie aus eigener Erfahrung. Die gebürtige Britin hat in den letzten 25 Jahren so einige Male ihre Koffer gepackt: 1994 bewarb sie sich um eine Stelle als englische Sprach assistentin im steirischen Bruck an der Mur. Das Jahr verbesserte nicht nur ihre Deutschkenntnisse. Kirstie lernte in dieser Zeit auch ihren zukünftigen Ehemann kennen und zog zu ihm in die Alpenrepublik. Doch ihre Koffer sollten nicht lange Staub fangen: Kurze Zeit später erhielt ihr österreichischer Partner ein Job angebot in Bahrein, und Kirstie ging mit. Um eigenes Geld zu verdienen und eine Karriere aufzubauen, bewarb sie sich für einen administrativen Job im Marketing für Coca-Cola Middle East and North Africa. Was beruflich wenig herausfordernd schien, stellte sich als gute Entscheidung heraus. Sie bekam nicht nur Einblick in die Welt des Marketings, sondern lernte durch
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ihre Arbeit auch Gleichgesinnte in der Expat Community kennen. Nach einer kurzen Zwischenstation in ihrer Heimat Großbritannien kehrte das Ehepaar 2003 in die Alpenrepublik zurück. »Ich habe schnell gemerkt, dass mein Herz mehr für Österreich schlägt«, sagt Kirstie.
»Kinder halfen bei der Integration« Dennoch war sie in der ersten Zeit einsam und hatte – abgesehen von beruflichen Kontakten – nur wenige FreundInnen. »Erst als ich meine Kinder bekam, habe ich mich richtig integriert gefühlt«, berichtet die zweifache Mutter. »Durch die Kinder sind Freundschaften entstanden, die nach wie vor bestehen.« Ihre britische Familie konnten die sozialen Kontakte in der neuen Heimat trotzdem nicht ersetzen. »Für mich war es besonders schwierig, Kinder ohne die Hilfe der Großeltern aufzuziehen«, erzählt
»Wenn Sie den Kontakt zur Familie aufrechterhalten wollen, müssen Sie an der Beziehung arbeiten.« Kirstie Riedl
© FHW der WKW/feelimage
Schlaglicht: Job-Mobilität versus soziale Bindung
Kirstie Riedl weiß, wie viel Energie das Weltenbummeln kostet.
irstie, »und ich weiß, dass meine K Eltern das Gefühl haben, ihre Enkelkinder nicht aufwachsen zu sehen.« Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat dieses Gefühl noch verstärkt. Denn: »Mit Covid-19 ist die Distanz auf einmal wesentlich größer geworden«, so Kirstie über diese schwierige Zeit, »es war komisch, dass man nicht fliegen kann, wenn man will.« Zwar machen es heute Video-Calls und soziale Medien einfacher, über weite Distanzen in Kontakt zu bleiben. Leicht fällt das Pflegen der Beziehungen trotzdem nicht: »Es ist ja Ihr Leben, das sich geändert hat. Darum liegt es an Ihnen, den Kontakt aufrechtzuerhalten«, empfiehlt sie allen, die ins Ausland gehen. »Das ist manchmal schwierig, weil es sich einseitig anfühlt. Wenn Sie aber den Kontakt aufrecht erhalten wollen, müssen Sie sich daran gewöhnen und an der Beziehung arbeiten.« Dazu gehört für Kirstie, dass der mittlerweile 17-jährige Sohn und die 14-jährige Tochter fließend auf Englisch mit ihrer Familie in Großbritannien kommunizieren können. »Ich habe immer darauf bestanden, zu Hause Englisch zu sprechen«, erzählt Kirstie, »und ich habe versucht, ihnen die britische Kultur näherzubringen. Wir feiern etwa Weihnachten am 25. Dezember mit Christmas Crackers und Turkey – so wie ich es zuhause erlebt habe.« Die nächste Generation von Weltenbummlern steht also bereits in den Startlöchern …
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5 Tipps, wie Sie international in jedes Fettnäpfchen tappen
1.
»UNSER VOLK IST NICHT PERFEKT, ABER UNSERE KULTUR IST ANDEREN ÜBERLEGEN« Jede/-r zweite ÖsterreicherIn würde laut einer Auswertung des US-amerikanischen Pew Research Center von 2018 diesen Satz unterschreiben. Dabei vermittelt er Kulturchau vinismus pur: Wenn Sie im Ausland Menschen vor den Kopf stoßen w ollen, gehen Sie also stets davon aus, dass Ihre Kultur, Denk- und Handlungs weise anderen überlegen ist. Nehmen Sie sich ein Beispiel an G riechenland. Dort stimmten 89 Prozent dem Satz zu.
2.
SCHEUKLAPPEN AUF! Kulturelle Besonderheiten? Braucht kein Mensch. Fragen Sie Personen aus einem anderen Kulturraum keinesfalls nach ihren Meinungen, Sitten oder Bräuchen. Wer will schon unter schiedliche Perspektiven?
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3.
ALTER, STATUS, FAMILIENSTAND? EGAL! Zeigen Sie keinen Respekt gegenüber Älteren. Gerade in Afrika, Asien oder Südamerika, wo auf Hierarchien Wert gelegt wird, können Sie solche Facetten getrost ignorieren.
4.
VERTRAUEN SIE DEM KLISCHEE! »Der Franzose ist unpünktlich, der Italiener chaotisch, der Amerika ner oberflächlich.« Verallgemei nerungen geben Orientierung und werden stets in der männlichen Person Singular formuliert.
5.
VERTRÄGE GEHEN ÜBER BEZIEHUNGEN Persönlicher Austausch? Ken nenlernen? Vertrauensbildung? – Zeitverschwendung! Am besten, Sie kommen bei jedem Meeting gleich zur Sache. Sie machen die Ansagen, und zwar auf Deutsch. Sollen sich die KollegInnen in Shanghai eine Übersetzung organisieren! Wenn es dann klare Regeln und lange Verträge gibt, halten sich alle dran und das Geschäft läuft. Wenn »netzwer ken« von »nett« käme, schriebe man es mit Doppel-t!
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geradeheraus
© feelimage/Matern
Werden Sie Ausländer!
Michael Heritsch, CEO der FHWien der WKW
Belgien, Bulgarien und Frankreich: Dort durfte ich lernen, wie es sich anfühlt, im Ausland zu leben und zu arbeiten. Das ist nun fast 30 Jahre her – ich war damals in der IT-Abteilung des Außenministeriums beschäftigt und verbrachte einige Zeit in der österreichischen Vertretung bei der EU in Brüssel sowie in den österreichischen Botschaften in Paris und Sofia. Heute leben rund eine halbe Million Österreicherinnen und Österreicher in anderen Ländern. Immer größer wird dabei die Zahl derer, die es aus beruflichen Gründen dorthin verschlagen hat. In Zeiten der Internationalisierung und Globalisierung gilt aber auch: Selbst wenn man in Österreich bleibt, kommt man, wenn man Karriere machen will, an internationalen und inter kulturellen Kompetenzen nicht mehr vorbei. Unsere Aufgabe als Fachhochschule ist, unsere Studierenden bereit für die Welt zu machen. Erreichen wollen wir das unter anderem durch unsere Lehrinhalte, durch englischsprachige Module und durch eine Vorgabe, die wir seit einigen Jahren für alle Vollzeit-Bachelor-Studierenden haben (und leider pandemiebedingt aussetzen mussten): Sie müssen ein Auslandssemester absolvieren. Denn nichts kann die Erfahrung ersetzen, in ein Gastland einzutauchen, einmal fremd zu sein. In dieser Ausgabe von STUDIO! kommen viele unserer Alumni zu Wort, die diesen Schritt gewagt haben. Lesen Sie ihre Geschichten, lassen Sie sich inspirieren, und wenn Sie es nicht schon gemacht haben: Gehen Sie ins Ausland! Sie werden es nicht bereuen.
Ihr Michael Heritsch
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Praktisch ist auch theoretisch am besten. Jetzt bewerben! Die führende Fachhochschule für Management & Kommunikation verbindet Wirtschaft und Wissenschaft auf einzigartige Weise. Mit Lehrenden aus der Praxis bieten wir eine exzellente akademische Ausbildung, die optimal auf eine erfolgreiche Karriere vorbereitet. Bewerbungen für unsere Bachelor- und Master-Studiengänge sind bis 4. April 2022 möglich.
www.fh-wien.ac.at
Fünf und die Ferne
NICOLE ENGLITSCH
Studium, Anstellung und Unternehmertum: STUDIO! hat mit fünf AbsolventInnen der FHWien der WKW gesprochen, deren Bildungsund Karriereweg sie in fremde Länder g eführt hat. Text: Doris Neubauer
SEBASTIAN KNÖBL
hat mit seiner Schwester Gabriela in Wien die alternative StadtführungsAgentur Rebel Tours gegründet (siehe S. 28). Der Absolvent des Bachelor studiums Content-Produktion & Digitales Medienmanagement der FHWien der WKW schwärmt noch heute von seinem Auslandssemester in San Sebastian.
»Internationalität ist für mich ein unheimlich wichtiger Faktor – nicht nur in Sachen Karriere, sondern in allen Lebensbereichen. Die Fähigkeit, mehrere Sprachen zu sprechen, verschiedene Kulturen zu verstehen oder FreundInnen und Kontakte auf der ganzen Welt zu haben, ist so eine Bereicherung! Ich bin jeden Tag dankbar dafür, zweisprachig aufgewachsen zu sein.«
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»Seit sechs Jahren arbeite ich als Organisationsentwicklerin an der texanischen Uni, an die ich als Austauschstudentin kam. Wenn es um die Auffrischung meiner Green Card geht, also meiner USArbeits- und Aufenthaltsgenehmigung, hilft mir mein FH-Studium sehr. Denn so eine praxisnahe Ausbildung gibt es in den USA nicht. Das Masterstudium ist mein Nachweis, dass ich besonders qualifiziert für meine Tätigkeit bin. Ohne dieses Studium wäre ich nicht in Texas, hätte meinen Mann nicht kennengelernt und kein Baby. Studium und Auslandssemester haben mein Leben verändert!«
Fotos: Michael Edelmayer (Sebastian Knöbl), privat (Nicole Englitsch, Patrick Rasser), Pradeep Singh (Nicola Filzmoser), Future Days (Florian Kondert)
ist Alumna des Masterstudiums Organisations- & Personalentwicklung. Die Mutter eines zehn Monate alten Kindes arbeitet als Organisational Development Manager im HR-Bereich an der University of Texas Rio Grande Valley (UTRGV).
im fokus
NICOLA FILZMOSER
ist Absolventin des Bachelor-Studien gangs Kommunikationswirtschaft und »Alumna des Jahres 2020«. Während ihres Studiums machte sie gemeinsam mit Cornelius Palm ein Auslandssemes ter in Cambridge. Großbritannien ließ die beiden nicht mehr los: 2019 gründeten sie hier das Gesundheitsunternehmen HappyrHealth.
»Jede Kultur folgt anderen Gepflogenheiten, an die man sich anpassen muss. In G roßbritannien steht beispielsweise eine viel indirektere Kommunikation an der Tagesordnung. Das ist für Menschen aus dem deutschsprachigen Kulturkreis schwer umzusetzen. Man muss zuhören und beobachten, um zu verstehen, wie man sich einordnen kann und dabei dennoch die persönlichen Werte und die W erte des eigenen Unternehmens beibehält.«
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FLORIAN KONDERT, PATRICK RASSER
schloss 2014 den Master-Studiengang Executive Management an der FHWien der WKW ab. Als Sales Manager Overseas betreut er bei MM Board & Paper, einem führenden Hersteller von nachhaltigen Verpackungslösungen aus Karton und Papier, Kunden rund um den Globus. Sein Fokus liegt auf Zentralamerika, Afrika und dem Mittleren Osten.
»KundInnen in Latein amerika ticken anders als in Subsahara-A frika, der Mittlere Osten tickt anders als Europa. Kulturelle Unterschiede und lokale Besonderheiten hinsichtlich der Geschäftstätigkeit werden häufig unterschätzt beziehungsweise als E rfolgsfaktor gar nicht in B etracht gezogen. Was in Österreich zum guten Ton gehört, kann woanders missverstanden werden. Diese Erkenntnis und die Fähigkeit, mich auf solche Faktoren einzustellen, begleiten mich täglich.«
in Augsburg geboren, kam für sein Studium in Wissensmanagement an der FHWien der WKW nach Wien. Beruflich befasst er sich unter anderem als Be rater, Gastdozent und Keynote Speaker mit Wissenskultur, Organisationen im Wandel, Innovationsnetzwerken und interkulturellem Austausch.
»Der US-Moderator Bill Nye hat gesagt: ›Everyone you will ever meet, knows something you don’t.‹ Erst durch meine Auslandserfahrungen habe ich gelernt, wie wertvoll diese Erfahrung sein kann, wenn man offen dafür ist. Wohin das im besten Fall führt, gemünzt auf Beruf und Karriere: Adaptivität, Neugier, Demut, Zugewandtheit, Mut und das Gefühl für Details. Neben fachlichen Skills alles nützliche Werkzeuge für Menschen, die nicht nach 08/15-Jobs suchen.«
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Amerika:
Wohin soll’s denn gehen?
Kanada (5) USA (2) Mexiko Brasilien Chile Argentinien
Zahlen & Fakten rund ums Studieren und Arbeiten im Ausland
Studierendenaustausch an der FHWien der WKW in Zahlen 202 »Outgoing Students« gingen 2019 zum Studieren ins Ausland.
243 »Incoming Students« kamen 2019 zum Studieren aus dem Ausland an die FHWien der WKW.
»Wenn die Verpflichtung zum Auslandssemester wieder greift und Corona vorbei ist, rechnen wir pro Semester mit 200 Outgoings und 200 Incomings.« Barbara Zimmer, Head of Center for International Education & Mobility (CIEM) der FHWien der WKW
50 Studierende entscheiden sich im Durchschnitt jedes Semester für ein internationales Praktikum.
Rund 10 Prozent aller FHWienAlumni arbeiten später im Ausland.
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Wo ÖsterreicherInnen arbeiten wollen Für die Studie »Decoding Global Talent« haben StepStone und die Boston Consulting Group im Herbst 2020 insgesamt rund 208.000 ArbeitnehmerIn nen aus 190 Nationen befragt – unter anderem nach der Bereitschaft, im Ausland zu arbeiten, und den bevorzugten Arbeitsmärkten. Das TopZiel (auf alle Befragten gerechnet) ist dabei Kanada vor Australien und den USA. Bei den befragten ÖsterreicherInnen sieht die Statistik etwas anders aus – aber auch hier wurde Kanada im Vergleich zu 2018 deutlich beliebter. 1. Deutschland 2. Schweiz 3. USA 4. Kanada 5. Italien 6. UK 7. Schweden 8. Australien 9. Frankreich 10. Spanien
im fokus
Asien: Europa: Mehr als 100 Partnerhochschulen von Lissabon bis Moskau, die meisten in Frankreich (14)
Türkei (2) Zypern Israel (2) China Hongkong Taiwan (2) Südkorea (3) Japan
Ozeanien: Australien (4) Neuseeland
Working Holiday: Arbeiten und die Welt entdecken
Die Welt der Partnerhochschulen Die FHWien der WKW arbeitet mit über 180 Partnerhochschulen weltweit zusammen – zum Beispiel bei Austausch programmen für Studierende, aber auch zur Kooperation in Sachen Lehre, Forschung und Hochschulorganisation. Eine Karte mit allen Partnerinstitutionen ist hier zu finden: www.fh-wien.ac.at/studium/international/ partnerhochschulen/
Wo es die meisten AuslandsösterreicherInnen gibt
Während man mit österreichischem Pass grundsätzlich in sämtlichen EUMitgliedsstaaten leben und arbeiten darf, benötigt man in den meisten anderen Ländern eine Arbeitserlaubnis. Oft ist die gar nicht so einfach zu bekommen – aber es gibt eine Ausnahme: Öster reich hat mit einigen Ländern eine Vereinbarung über WorkingHoliday Programme getroffen. In diesen Ländern können 18 bis 30jährige ÖsterreicherInnen während eines 6 bis 12monatigen Aufenthalts einer beliebigen Beschäftigung nachgehen – und Angehörige dieser Staaten wiederum in Österreich. Das gilt unter anderem für Argentinien, Australien, Japan, Kanada, Neusee land und Südkorea.
Laut Statistik Austria wohnten 2021 (mit Stichtag 1. Juli) 578.300 österreichische StaatsbürgerInnen im Ausland – mehr als 40 Prozent davon in Deutschland. Deutschland 257.000 Schweiz 67.000 UK 35.000 USA 33.000 Australien 20.000 Israel 12.000 Spanien 12.000 Brasilien 10.000
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© ForSports
ForSports: Sich im Training mit den Profis messen Das burgenländische Start-up hat Reaction Pads und eine Software entwickelt, die das Training für Hobby- und ProfisportlerInnen abwechslungsreicher machen sollen – und man kann sich damit dem Vergleich mit dem eigenen Freundeskreis oder Weltklasse-AthletInnen stellen.
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direkt messbar und vergleichbar.« Die Daten, die die Pads aufzeichnen, können nämlich automatisch in die Vergleichsplattform hochgeladen werden. »Man kann Challenges unter Freunden veranstalten oder sich mit einigen der besten Sportler der Welt messen.« Zu den Testimonials zählen dabei neben den oben genannten etwa auch Hockey-Weltmeister Sebastian Eitenberger und Kickbox-Weltmeisterin Nicole Trimmel.
Vom Prototyp zum marktreifen Reaction Pad Vor rund fünf Jahren scharte Marc Payer, der die Idee zum innovativen Reaktionstraining hatte, ein Team um sich, um das Produkt zur Marktreife zu bringen. Seit damals ist auch der ehemalige Österreichische Meister im Eisschnelllauf Stelzmüller an Bord
© PULS 4/Gerry Frank
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x-Teamkicker Christian Fuchs macht es, Handball-Weltmeisterin Estavana Polman macht es, und der 1. FC Köln macht es: Sie trainieren mit den Reaction Pads von ForSports. Das Grundprinzip ist simpel: Die Taster blinken oder piepen und es gilt, so schnell wie möglich draufzuschlagen, zu schießen oder zu treten. Via App lassen sich zahlreiche vorgefertigte Übungen abrufen und unzählige eigene gestalten – für jede Sportart, in der Schnelligkeit und Reaktionsvermögen gefragt sind. »Wir lösen damit zwei Probleme«, erklärt Matthias Stelzmüller, Absolvent der FHWien der WKW und Mitgründer von ForSports. »Erstens bringen wir viel mehr Abwechslung und Unterhaltung in Trainings, die sonst schnell eintönig werden. Und zweitens machen wir Ergebnisse
© ForSports
Text: Florian Streb
aus der praxis
Matthias Stelzmüller und Marc Payer durften schon über mehrere Awards jubeln.
»Unser USP ist die Software mit der Vergleichsplattform.« Matthias Stelzmüller, Mitgründer
und für Teile der Produktentwicklung sowie Marketing und PR verantwortlich. Ein Prototyp war rasch entwickelt, doch dann gab es Rückschläge bei der Software-Programmierung und auch bei technischen Komponenten. Bereit zum Verkauf im großen Stil sind die Reaction Pads seit rund zwei Jahren. Oder besser gesagt: Sie wären bereit – denn Corona kam dazwischen. »Ohne einen persönlichen Termin zum Probetraining ist kaum ein Sportverein bereit, in ein Startpaket zu investieren«, sagt Stelzmüller.
Vielseitiger als die Konkurrenz Dafür gelingt es immer öfter, Trainingsgruppen, die bisher auf ein Konkurrenzprodukt gesetzt haben, zum Umstieg zu bewegen. »Andere bieten nicht dieselbe Funktionsvielfalt wie wir«, erklärt Stelzmüller. Zum Beispiel lässt sich bei ForSports die Drucksensitivität der Taster einstellen: Dadurch kann bei manchen Übungen ein Tippen mit dem Finger ausreichen und bei manchen Übungen ein Schuss mit dem Fußball notwendig sein.
Leuchtende Taster sind ein Baustein des Konzepts, das auch schon in »2 Minuten, 2 Millionen« präsentiert wurde.
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Die Leuchtkraft kann auf schwaches Raumlicht oder starkes Sonnenlicht angepasst werden, und dank eines akustischen Reizes kann man die Pads auch hinter der Sportlerin oder dem Sportler platzieren. »Unser großes Alleinstellungsmerkmal ist aber die Software mit der Vergleichsplattform.« Mit dem stimmigen Konzept punktete ForSports 2021 unter anderem schon beim HYPE Accelerator, einer Präsentationsmöglichkeit für Start-ups, wo die Fußballklubs 1. FC Köln und Legia Warschau als Partner gewonnen wurden. Von der Wirtschaftskammer wurde das junge Unternehmen aus Neutal im Burgen land als »Born Global Champion« ausgezeichnet.
Roadshow bei Vereinen Fehlt nur noch der Durchbruch im Verkauf – der soll heuer gelingen. »Wir wollen, sobald es möglich ist, auf Roadshow gehen und uns bei vielen Vereinen vorstellen«, sagt Stelzmüller. Aber auch abseits von Sportklubs sieht er mögliche Abnehmer: »Auch im Sportunterricht in Schulen bringt unser Konzept Abwechslung und neue Motivation. Unser Physiotherapeut hat auch spezielle Übungen für die Therapie von Knieverletzungen entwickelt. Und womöglich hilft unsere Trainingsmethode sogar, die kognitiven Fähigkeiten von Alzheimer-PatientInnen zu verbessern – das wollen wir noch untersuchen.«
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news Judith Steinkellner studiert Journalismus & Neue Medien – für ein Semester war sie in Aarhus.
POST AUS …
Die FHWien der WKW baut ihr Angebot an Weiterbildungsprogrammen für Berufstätige aus und versammelt diese unter einer neuen Marke: der Vienna Management Academy. Damit reagiert die FHWien der WKW auf das wachsende Interesse an Weiterbildungen, die fit für den nächsten Karrieresprung machen. »Durch ein Weiterbildungsstudium kann man sich persönlich und fachlich weiterentwickeln. Das bringt unser Claim ›From good to great!‹ auf den Punkt«, sagt Wolfgang Vrzal, der Leiter der Vienna Management Academy. Das Portfolio umfasst derzeit 19 Hochschullehrgänge mit zwei bis vier Semestern in 15 Studienrichtungen. Der Schwerpunkt liegt auf den Themen Management, Kommunikation und Marketing, digitale Transformation, Nachhaltigkeit und Immobilien. Unterrichtet wird hybrid: 50 Prozent Fernlehre und 50 Prozent Präsenzlehre, die freitags und samstags geblockt stattfindet.
© privat
Start der Vienna Management Academy … Dänemark »Mit ›Sag mal rød grød med fløde‹ begrüßten mich meine dänischen MitbewohnerInnen in Århus. Dabei handelt es sich nicht nur um einen beliebten dänischen Zungenbrecher, sondern auch um ein typisch dänisches Dessert: rote Grütze mit Sahne. Ich war sofort verliebt in die dänische Kultur, die gelassene Lebensweise und vor allem das Leben am Meer. Neben Lernnachmittagen in der Bibliothek blieb ausreichend Zeit für die schönen Dinge: lange Abende am Strand, Skandinavien-Roadtrips, ›hyggelige‹ Nachmittage mit gløgg (Glühwein), Kuchen und Kerzen, durchtanzte Partynächte, Winterspaziergänge durch die von Backsteinhäusern gesäumten Straßen von Århus. Doch am allerdankbarsten bin ich für die neu gewonnenen Freundschaften mit Menschen von überall aus Europa. Es war das wohl ereignisreichste halbe Jahr in meinem Leben und viel mehr als eine gute Ausbildung. Ich habe ein Stück Heimat gewonnen.«
© Flo Hanatschek
Gütezeichen »hochschuleundfamilie« für FHWien der WKW
Wolfgang Vrzal, Leiter der Vienna Management Academy
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Nicht nur exzellente Aus- und Weiterbildungen anzubieten, sondern den Studierenden und Mitarbeitenden auch die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie zu ermöglichen: Dieses Ziel verfolgt die FHWien der WKW seit Jahren. Für ihre diesbezüglichen Maßnahmen wurde sie Ende Dezember 2021 neuerlich mit dem staatlichen Gütezeichen »hochschuleundfamilie« ausgezeichnet. Die FHWien der WKW war 2012 eine der ersten Hochschulen, die dieses Zertifikat erhielten, nun wurde es zum dritten Mal erneu-
ert. Beispiele für bereits umgesetzte Maßnahmen sind das große Angebot an berufsbegleitenden Studiengängen, flexible Arbeitszeitmodelle und Ferienbetreuung für die Kinder von Mitarbeitenden. Für den nächsten dreijährigen Zertifizierungszeitraum hat sich die FHWien der WKW neue Ziele gesetzt, unter anderem sollen Studierende mit Kindern bei der Absolvierung eines Auslandssemesters stärker unterstützt werden.
© Christoph Liebentritt
Der CEO der FHWien der WKW siegte in der Kategorie »Bildung«.
TERMINE
Michael Heritsch zum »Krisenmanager 2021« gewählt Der CEO der FHWien der WKW, Michael Heritsch, siegte bei der von Leadersnet veranstalteten Wahl, bei der über rund 400 Führungskräfte österreichischer Unternehmen und Organisationen aus 14 Branchen abgestimmt wurde, in der Kategorie »Bildung«. »Krisenmanagement ist immer eine Teamleistung«, betont Michael Heritsch. »Deshalb gebührt die Auszeichnung auch dem gesamten Krisenmanagement-Team unserer Fachhochschule.« In das Ergebnis floss die Beurteilung durch eine hochkarätige Fachjury ebenso ein wie ein Publikumsvoting, bei dem 30.000 Menschen ihre Stimme a bgaben. Bewertet wurden die Bereiche »Digitale Kompetenz«, »Fähigkeit und Glaubwürdigkeit« sowie »Flexibilität«.
AB HERBST DIGITAL INNOVATION ENGINEERING STUDIEREN Im Studienjahr 2022/23 bietet die FHWien der WKW erstmals den neuen Master-Studiengang D igital Innovation Engineering an. Das be rufsbegleitende Studium beschäftigt sich mit dem kreativen Einsatz digita ler Technologien für erfolgreiche und verantwortungsvolle Innovation: per fekt für alle, die lernen wollen, Ver antwortung für Innovationsprozesse zu übernehmen und die technische Machbarkeit sowie Grenzen digitaler Technologien richtig einzuschätzen. Das Studium richtet sich explizit auch an Nicht-TechnikerInnen – erfor derlich sind aber betriebswirtschaft liche Grundlagen.
»Excellence Club« für Tourismusstudierende Florian Aubke, Leiter des Studien bereichs Tourism & Hospitality Management an der FHWien der WKW, rief mit Unterstützung von Wolfgang Kleemann, Generaldirektor der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank, ein High-Potential-Programm ins Leben: Die besten Studierenden jedes Jahrgangs erhalten im »Excellence
Club« bereits während ihres (meist berufsbegleitenden) Studiums die Chance zum aktiven Netzwerken mit SpitzenvertreterInnen des Tourismus – und damit ein Sprungbrett zu einer großen Karriere in der Branche. Die Auftaktveranstaltung fand Mitte Jänner im »Kochamt« mit Toni Mörwald statt.
© Armin Reautschnig
Die Jahrgangsbesten konnten hochkarätige Kontakte in der Branche knüpfen.
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ONLINE INFO DAY AM 18. MÄRZ Lernen Sie Österreichs führende Fachhochschule für Management & Kommunikation am 18. März 2022 (9–19 Uhr) beim Online Info Day kennen! Informieren Sie sich über Ihr Wunschstudium, stellen Sie Fragen zum Aufnahmeverfahren, testen Sie Ihre Skills beim Probe-Aufnahmetest und entdecken Sie den Campus. Zu den Programm-Highlights zählen neben einer Online-Campus-Tour zahlreiche Info-Vorträge der B achelorund Master-Studiengänge sowie der Weiterbildungsprogramme der Vienna Management Academy. 18. März 2022, 9–19 Uhr, online fh-wien.ac.at/online-info-day
BEWERBUNGEN UM STUDIENPLÄTZE BIS 4. APRIL Nur noch wenige Wochen können sich Interessierte um einen Studien platz ab Herbst 2022 an der auf Management und Kommunikation spezialisierten FHWien der WKW bewerben. Rund 1.100 Studienplätze stehen im Wintersemester 2022/23 für Erstsemestrige zur Verfügung, das Angebot umfasst 10 Bachelorund 9 Master-Studiengänge. Der Weg zu einem der begehrten Studien plätze beginnt auf der Website der FHWien der WKW. Dort können sich Interessierte registrieren und den Bewerbungsbogen ausfüllen. fh-wien.ac.at
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Udo Müller wurde 1975 in Graz geboren, ging dort auf das Pestalozzi-Gymnasium und studierte an der TU Graz. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.
250 Monate »Zeitvertreib«
Den Prepaid-Anbieter paysafecard gründete Udo Müller quasi als Ferienbeschäftigung, während er Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen studierte. Gute Idee: Denn als CEO blickt er heute auf eine sagenhafte Wachstumskurve. Text: Joe Puschitz
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a waren diese vier Monate im Sommer, die es zu überbrücken galt. Udo Müller hatte im Jahr 2000 seine Diplomarbeit an der TU Graz abgeschlossen. Bis zur Diplomprüfung im Herbst war noch Zeit totzuschlagen. »Da hat es sich super ergeben, dass mein Bruder und
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einige Freunde mit einer Start-upIdee dahergekommen sind und gefragt haben, ob ich mitmachen will. Und ich dachte mir, das ist ein perfekter Zeitvertreib.« Dass es dann doch über 250 Monate – also 21 Jahre – geworden sind, die Müller nun bei paysafecard beschäftigt ist, hätte er sich damals
erfolgsgeschichte
nicht träumen lassen. Schon gar nicht, dass er dem Unternehmen als CEO vorstehen würde. »Ich bin durch Zufall dazugestoßen, habe die Entscheidung aber keinen einzigen Tag bereut«, sagt Müller, der damals, wie auch seine Mitstreiter, noch keine Erfahrungen auf dem Gebiet des virtuellen Zahlungsverkehrs mitbrachte. Allein die Geschäfts idee schien allen schlüssig: PrepaidZahlungen für all jene zu ermöglichen, die zwar im Internet einkaufen, dabei aber weder Kreditkarte noch Kontonummer preisgeben wollen. »Wir wollten die Anfänge des Online-Zahlens einfacher und sicherer machen. Wir haben dieses Segment schon früh und erfolgreich besetzen können.«
Zuwachs im Lockdown
© Felix Hohagen
Der Erfolg lässt sich in Zahlen aus drücken: 2020 erzielte paysafecard über vier Milliarden Euro Transaktionsvolumen, das an rund 650.000 Verkaufsstellen eingesammelt wurde. 12 Millionen KundInnen nutzen die Online-Zahlung per PrepaidKarte mindestens einmal im Jahr – und es werden immer mehr. »Unser Wachstum bewegt sich jährlich im zweistelligen Bereich. Besonders die
»Wir wollten die Anfänge des OnlineZahlens einfacher und sicherer machen.« Udo Müller, CEO paysafecard
Pandemie hat uns einen starken Schub gegeben, im Lockdown gab es extreme Zuwächse beim Umsatz«, sagt Müller. Seinen Job als CEO sieht er darin, die Wachstumsdynamik auch langfristig zu sichern – und für die nächsten drei bis fünf Jahre vorauszudenken. Dabei kommt ihm zugute, dass er den Betrieb von der Pike auf mitverfolgt hat. Als paysafecard noch ein Start-up mit zehn MitarbeiterInnen war, half er mit, wo er konnte. Er arbeitete im Vertrieb, machte Webshop-Akquise, beschäftigte sich mit Business-Development und trieb die
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Expansion ins Ausland voran. Im Jahr 2006 übernahm er erste Führungs verantwortung, bis er 2013 den CEO-Posten seines Bruders »erbte«, als dieser das Unternehmen verkaufte. »In den letzten zehn Jahren wurde paysafecard insgesamt fünf Mal weiterverkauft, ich habe schon mehrere Eigentümerstrukturen miterlebt – von Private Equity bis hin zur Börsennotierung«, sagt Müller. Mit seiner Strategie der Voraussicht hat er bisher noch jedes Mal die neuen Vorgesetzten und AnteilseignerInnen von seinem Weg überzeugen können.
»Für KundInnen einen Mehrwert s chaffen« Deshalb rät er auch Unterneh merInnen in spe, die seinem Vorbild nacheifern wollen, langfristig zu denken. »Immer auf den eigenen Hausverstand hören und Entscheidungen nicht aus einer kurzfristigen Perspektive heraus treffen«, lautet sein Ratschlag an künftige CEOs. Und: »Ich folge einem starken Produktfokus – man muss für Kundinnen und Kunden einen Mehrwert schaffen, etwas, das ich auch selbst verwenden würde.« Müller hat seinen analytischen Zugang, Probleme in kleinere Teilprobleme zu zerlegen, aus der Mathematik mitgenommen. Auch wenn ihm die Formeln aus Schulund Studienzeit nicht mehr geläufig sind, die Art zu denken habe ihn auf Leben und Beruf vorbereitet. Abseits des Berufs verbringt er Zeit mit seinen Kindern und hilft ihnen beim Latein- oder MatheLernen. Als begeisterter Bergfahrer ist er mit seinem Rennrad am liebsten in den steilen Hügeln rund um seine Heimatstadt Graz unterwegs, bis auf den 1.445 Meter hohen Schöckl radelt er hinauf. Corona hat seinen sportlichen Ehrgeiz noch befeuert, der dem beruflichen in nichts nachsteht: »Ich möchte auch in den nächsten drei bis fünf Jahren noch ein zweistelliges Wachstum zustande bringen. Seit Beginn von paysafecard kennen wird nichts anderes.«
PAYSAFECARD Das Unternehmen beschäftigt 250 MitarbeiterInnen, sein Hauptsitz liegt in Wien. Eigentümer ist die international agierende Paysafe Group mit Sitz in London. paysafecard ermöglicht in 50 Län dern, mit Bargeld Zu gang zu einfachen und sicheren Onlinetrans aktionen zu erhalten.
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was macht eigentlich …
Svenja Wiemer hat an der FHWien der WKW TourismusManagement (BA) und Unternehmensführung (MA) studiert und hält darüber hinaus Abschlüsse in International Management und International Development.
© Florian Schröder
… eine Referentin für Protokoll? Mit Mitschriften hat das nichts zu tun: Svenja Wiemer ist stellvertretende Protokollchefin in der Staatskanzlei Brandenburg und als solche dafür zuständig, dass hochrangige politische Treffen geordnet und staatstragend ablaufen. Text: Svenja Wiemer und Florian Streb
Protokoll schafft den Rahmen von Politik, eine angemessene Atmosphäre bei politischen Treffen. Dabei geht es stark um Traditionen, Symbole, die Etikette zwischen Staaten. In welcher Reihenfolge werden Flaggen aufgesteckt? Wie sieht die Sitzordnung aus? Zu meinen Aufgaben gehört aber zum Beispiel auch, eine Autokolonne zu dirigieren, Gastgeschenke und Menüfolgen auszuwählen oder darauf zu achten, dass bei hohem Besuch ein Notarzt bereitsteht.
Es gibt keinen typischen Tagesablauf, sondern die aktuellen Termine bestimmen ihn. Wenn sich ein Gast für den Ministerpräsidenten ankündigt oder er selbst eine Reise plant, obliegt unserem Referat die Organisation. Regelmäßig gestalten wir zum Beispiel Antrittsbesuche von BotschafterIn-
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nen, die neu akkreditiert wurden, oder Kranzniederlegungen und andere Gedenkveranstaltungen. Hohe ausländische Gäste empfangen wir als Staatskanzlei Brandenburg – das entspricht etwa der Landesamtsdirektion eines österreichischen Bundeslandes – nur selten. Aber sogar Queen Elizabeth war schon einmal zu Besuch.
Der Beruf erfordert hervorragendes Auftreten, Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität und eine große Liebe zu Menschen. Man benötigt ein Gefühl dafür, wie man mit hohen Persönlichkeiten umgeht und wann eine Situation entstehen könnte, in der nicht alles geregelt ist.
Es gibt keinen typischen Ausbildungsweg. Früher waren oft Adelige in diesen Positionen – die haben eine gewisse
›Grundausbildung‹ mitgebracht. Ich habe davor bei der UNO gearbeitet, in der Kongressorganisation und in der Öffentlichkeitsarbeit. Für meine neue Aufgabe habe ich mich in Büchern zu Protokoll und Umgangsformen eingelesen – auch am Knigge kommt man nicht vorbei. Es gibt aber in unserem achtköpfigen Team auch ganz andere Karrierewege. Ein geschichtswissenschaftlicher Hintergrund hilft zum Beispiel sehr bei Gedenktagen.«
VERWANDTE JOBS › BotschaftsmitarbeiterIn › EventmanagerIn › Personal Assistant
blitzlichter Zsolt Juhasz, neuer Center Manager der Westfield Shopping City Süd, und Julia Gattringer, neue Center Managerin des Westfield Donau Zentrums
Madeleine Gromann und Simone Stribl feierten vor Kurzem ihr Debüt als M oderatorinnen der ZiB. Gromann wurde ins Moderationsteam der »ZiB Flashes« und der 18-Uhr-»ZiB« aufgenommen, Stribl ist in Früh- und 13-Uhr-»ZiBs« zu sehen. Beide absolvierten an der FHWien der WKW ein Studium in Journalismus & Medienmanagement.
© Dragan Dok
© Dragan Dok
AUFSTEIGERINNEN
FHWien-Alumni leiten Westfield-Einkaufszentren Ab sofort ziehen bei den beiden größten Einkaufszentren Österreichs, der Shopping City Süd und dem Donau Zentrum, Alumni der FHWien der WKW die Fäden: Unibail- Rodamco-Westfield, der Mehrheitseigentümer und Betreiber, bestellte Zsolt Juhasz zum Center Manager der Westfield Shopping City Süd. Er ist Absolvent des Master-Studiengangs
Executive Management an der FHWien der WKW. Zuletzt hatte Juhasz das Westfield Donau Zentrum geleitet, wo nun Julia Gattringer seine Nachfolge antrat. Sie studierte ebenfalls an der FHWien der WKW und schloss mit einem Master in Immobilienwirtschaft ab. Gattringer ist die erste Frau an der Spitze des Wiener Einkaufszentrums.
Daniel Gruber steigt mit 34 Jahren im Familienunter nehmen VARIO-HAUS zum zweiten Geschäftsführer neben seinem Vater auf. Das Rüstzeug dafür holte er sich unter anderem im Master studium Unternehmensfüh rung an der FHWien der WKW.
Marietta Trendl gewinnt »NÖ Journalismuspreis«
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und stv. Chefredakteur der »Kronen Zeitung«, sagt über den Text: »Sie will bewusst machen, ohne oberlehrerhaft zu argumentieren. Ein schönes Beispiel dafür, wie relevant Fakten sein können.«
© Peter Trotz
Zum elften Mal verlieh der Verein zur Förderung des Journalismus in Niederösterreich seinen jährlichen Award für JungjournalistInnen. Thema war diesmal »Was lernen wir aus der Pandemie?«. Dabei setzten sich drei Frauen durch – und ganz oben auf dem Podest stand Marietta Trendl, Studentin im Master-Studiengang Journalismus & Neue Medien. Sie gewann mit »Digitale Inklusion – Corona sei Dank«, einem Beitrag für das Stadtmagazin der FHWien der WKW. Darin behandelt sie die Erlebnisse von Menschen mit Behinderung während der Pandemie, etwa die Umstellung auf Distance Learning. Georg Wailand, Jury-Vorsitzender
Doris Molnar ist bei der gemeinnützigen Wohnbau gesellschaft GEDSDAG seit Jahresbeginn Teil des dreiköpfigen Vorstands – als erste Frau. Sie schloss 2005 das Studium der Immobilien wirtschaft an der FHWien der WKW ab.
Die JournalismusStudentin Marietta Trendl punktete mit einem Beitrag über digitale Inklusion.
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dialog Kay Voges suchte lange nach der für ihn passenden Kunstform und fand sie in der Theaterregie.
»Was ich nicht kann, das bring ich mir bei« Regisseur Kay Voges leitet seit der Spielzeit 2020/21 das Wiener Volkstheater – und möchte frischen Wind in die Stadt bringen. Sein Berufscredo: Teamwork, gegenseitiger Respekt und Neugierde führen zu künstlerischem Erfolg. Zum Theater kam er über Umwege, die er nicht missen möchte. Text: Karin Cerny
Herr Voges, Sie wurden in Düsseldorf geboren und sind in Krefeld aufge wachsen. Hatten Ihre Eltern auch mit Kunst zu tun? Kay Voges: Mein Vater ist Programmierer und meine Mutter Therapeutin. Sie waren in der Freikirche engagiert, die mich theatralisch sehr geprägt hat, auch weil in der Bibel große Geschichten erzählt werden: dass man aus Wasser Wein macht oder das Meer teilt, um ein Volk hindurchzuführen. Oder dass ein Vater seinen Sohn opfern muss. Diese archaischen Bildwelten prägen mich bis heute und inspirieren meine Arbeit. Ihr Kollege Martin Kušej, der das Burgtheater leitet, war Ministrant. Er betont ebenfalls, dass ihn die Kirche als Kind fasziniert hat. Voges: Das kann ich verstehen. Die Inszenierung in der Kirche hat immer etwas Magisches, all diese Rituale und der Duft nach Weihrauch. Ich bezeichne unser Theater ja auch als Kirche für Zweifler.
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Sind Sie denn noch immer religiös? Voges: Das Interesse am Religiösen habe ich nie verloren. Anstatt zu glauben, bin ich mittlerweile ein Suchender. Und diese Suchbewegung, die habe ich in der Kunst ausführen dürfen. In bin von der Kirche in der Pubertät dann in eine Punk-Band gewechselt. Sie wollten also gar nicht Theater regisseur werden? Voges: Theater habe ich schon in der Waldorfschule gespielt. Ich kann mich noch an einen desaströsen Auftritt in einer Dramatisierung von Albert Camus’ Roman »Die Pest« erinnern, wo ich vor 400 Menschen stand und ein Blackout hatte. Mir fiel der Text partout nicht mehr ein. Da war mir klar, Schauspieler wird keiner aus mir. Als Punkmusiker bin ich über drei Akkorde aber auch nie hinausgekommen. Ich habe einfach herumgeschrien. Nach der Schule habe ich erst mal eine Ausbildung zum Erzieher gemacht und in einer Wohngruppe
mit schwer erziehbaren Jugendlichen gearbeitet. Ich war aber auch als Filmvorführer tätig und habe eigentlich immer nach einer Kunstform gesucht, in der ich mich ausdrücken kann.
Wie sind Sie dann zur Regie gekommen? Voges: Über viele Umwege. Ich habe es mit Malerei versucht, hatte sogar einige Ausstellungen, aber kam mit dem Zeichnen schnell an eine Grenze. Über die Fotografie bin ich dann bei der Videokunst gelandet, habe nächtelang selbst geschnitten und hatte erstmalig Schauspielerinnen und Schauspieler vor der Kamera. Aber ich war erstaunt, warum die bei mir so schlecht sind. Ich wollte doch Filme wie Ingmar Bergman machen. Der berühmte schwedische Filme macher Ingmar Bergman hat ja auch im Theater gearbeitet. Voges: Genau, deshalb bin ich ja auch auf die Idee gekommen, im Theater
© Philipp Tomsich
im fokus
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Der Regisseur wurde 1972 in Düsseldorf geboren und ist in Krefeld aufgewach sen. Er war Filmvorführer und arbeitete als Heimer zieher, bevor er seine The aterkarriere begann. In sei nen Inszenierungen spielen Musik, Videos und digitale Experimente eine große Rolle. Von 2010 bis 2020 war Voges Intendant am Schauspiel Dortmund und machte aus der Spielstätte das »führende deutschspra chige Theaterlabor«, befand die Tageszeitung »Die Welt«. Seit 2020/21 leitet Voges das generalsanierte Wiener Volkstheater, das unter ihm künstlerisch breiter und spartenübergreifend aufgestellt werden soll – von Literatur über Theater, Kunst, Musik bis Pop. Die Pandemie machte vielen seiner Pläne bisher einen Strich durch die Rech nung: Den Großteil seiner bisherigen Intendanz war das Haus geschlossen. Ein Schicksal, das er mit vielen KollegInnen im Kunstbe reich teilt. Der Intendant ist trotz allem zuversichtlich, dass er im Frühjahr richtig durchstarten kann. Voges ist Vater von zwei Söhnen, hat einen Enkel und ist mit der Kostümbildnerin Mona Ulrich verheiratet.
Was hat Ihnen am Theater gefallen? Voges: Eigentlich bin ich Regisseur aus einem Defizit heraus geworden: Ich war nicht gut genug als Kameramann, kein talentierter Schauspieler, kein Literat. Ich konnte alles ein bisschen und hatte für alles eine große Leidenschaft. Als Regisseur habe ich dann gemerkt, ich kann mich ja mit Profis umgeben, vielleicht liegt meine Stärke nicht in einer Sache, die ich besonders gut kann, sondern im Zusammenbringen von all diesen Dingen, die ich liebe. Das klingt bescheiden. Inszenieren sich Regisseure denn nicht gern als Genies? Voges: Ich war nie ein Künstler, der allein in seinem Atelier sitzt und dort Welten kreiert. Ich bin immer dann am besten, wenn ich mit anderen etwas schaffen kann. Theater ist Teamsport. Deshalb liebe ich Theater ja auch so, weil es im Kollektiv stattfindet. Ich kann mit dieser Idee von Alfred Hitchcock nichts anfangen, der sagte: Mein Film ist fertig, wenn ich von meinem Schreibtisch aufstehe. Er hatte alles im Kopf. Ich wünsche mir eigentlich das Gegenteil: dass ich auf eine Probe gehe und die Szene besser wird, als ich sie mir vorstellen konnte. Viele Regisseure sind cholerisch. Ihnen eilt der Ruf voraus, ein sympathischer Chef zu sein. Voges: Es gibt dieses altmodische Bild, dass gute Kunst nur aus Krieg und Konflikt entsteht. Ich kann das nicht unterschreiben. Mir ist Vertrauen
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»Respekt vor anderen steht an allererster Stelle. Egal, ob es der Herr an der Pforte ist oder die Frau Staatssekretärin.« Kay Voges, Direktor des Volkstheaters
wichtig, einen Ort zu kreieren, wo man die Erlaubnis hat, scheitern zu dürfen. Ich glaube, einen angstfreien Raum zu schaffen, ist eine meine Hauptaufgaben als Regisseur und Intendant.
Sie sind seit der Spielzeit 2020/21 Direktor des Wiener Volkstheaters. Aufgrund der Pandemie war Ihr Haus aber die meiste Zeit geschlossen. Wie gehen Sie damit um? Voges: Das waren wirklich sehr schwierige eineinhalb Jahre. Wir wollten nach der Sanierung des Theaters endlich starten, und dann mussten wir nach 70 Tagen wieder zusperren. Wir wollen das Volkstheater-Ensemble für die Wienerinnen und Wiener sein und haben noch gar nicht richtig loslegen können. Aber was soll ich jammern? Ich glaube, wir müssen Geduld haben und die Zeit nutzen. Ich habe das Gefühl, durch die Krisenzeit wachsen wir in gewisser Art und Weise noch existenzieller zusammen. Als Theaterintendant braucht man Managementwissen. Dafür gibt es in Ihrem Bereich allerdings keine Ausbildung.Wie haben Sie gelernt, Bilanzen zu lesen? Voges: Das Leben ist ein permanentes Lernen. Was ich nicht kann, das muss ich mir beibringen. Da muss man sich die richtigen Menschen suchen oder die richtigen Bücher kaufen. Ich bin umgeben von einem tollen Team, das ist wie beim Regieführen, da halte ich auch alles zusammen, aber vertraue auf meine Mitspielenden, damit wir ein gemeinsames Ziel erreichen.
© Marcel Urlaub/Volkstheater
KAY VOGES
Krefeld zu fragen, ob ich bei ihnen lernen kann, so gut wie Ingmar Bergman zu werden. Die fanden das sehr lustig und meinten, sie wüssten nicht, ob sie mir das beibringen können. Aber ich kann ja mal auf ein Praktikum zum Kaffeekochen vorbeikommen. Ich wurde dann Assistent und schon bald ans Theater Oberhausen vermittelt, wo ich meine Lehrzeit unter dem Intendanten Klaus Weise absolvierte, der noch Regieassistent unter dem legendären Regisseur Peter Zadek gewesen war. Weise hat mir dann das Einmaleins des Theaters beigebracht.
dialog
Wie viel Prozent Ihres Jobs sind Management, wie viel Kreativität? Voges: Als Intendant würde ich sagen: 70 Prozent Management und 30 Prozent Kunst. Aber selbst bei den weniger kreativen Aufgaben sucht man doch nach einem künstlerischen Zugriff auf die Welt. Ich glaube, Intendant zu sein, ist ein kommunikativer Beruf. Natürlich ist es teilweise auch anstrengend, sich mit Verord nungen, Feuerwehrbestimmungen und Kollektivverträgen herumzuschlagen. Andererseits ist es auch eine Horizont erweiterung, dass man nicht nur an seiner eigenen Inszenierung herumbastelt. Sie haben mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun, von pragmatischen Politikern über schwierige Kunst schaffende bis zu einem sehr breit aufgestellten Publikum.Wie schafft man diesen Spagat, mit allen richtig zu reden?
Kay Voges beim Videodreh der Programmpräsentation – er will »die Geschichten der Welt auf die Bühne bringen«.
Voges: Wenn man auf alle mit dem gleichen Respekt zugeht, muss man sich gar nicht verbiegen. Ich glaube, das hat etwas mit dem Menschenbild zu tun, das ich habe. Ich fordere von mir, aber auch von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass der Respekt vor anderen an allererster Stelle steht. Da ist es egal, ob es der Herr an der Pforte ist oder die Frau Staats sekretärin. Sie sind beide genau gleich wichtig für unser Theater. Jeder hat seine Perspektive auf die Welt, wenn ich versuche, diese nachzuvollziehen, werde ich auch reicher im Denken. Wenn ich verstehe, wie es einem Bühnentechniker geht, jemandem in der Buchhaltung oder der Schauspielerin, die auf der Bühne steht, dann kann ich beginnen, ein guter Intendant zu sein.
Narziss sollte man also keiner sein? Voges: Narzissten sind die größte Gefahr für die Kunst. Und für eine Theaterleitung erst recht. Ich kann dieses Theater nicht für mich tanzen lassen, damit ich nach außen hin gut dastehe. Wir müssen gemeinsam arbeiten. Wir sind das Volkstheater: Das sind rund 200 Mitarbeitende. Wir siegen zusammen und wir scheitern zusammen. Dieses Bewusstsein möchte ich haben. Keiner steht morgens auf und sagt: Heute arbeite ich für Kay Voges. Das ist absurd. Wir arbeiten gemeinsam, um den Menschen dieser Stadt eine gute Zeit zu bieten. Theater ist kein 9-to-5-Job.Wie kann es gelingen, dass einen diese Tätigkeit nicht auffrisst? Voges: Ich weiß gar nicht, ob das sein muss. Man bekommt doch auch unfassbar viel geschenkt auf einer Probe. Ich gehe oft die letzte Stunde vor Vorstellungsende in den Saal und schaue, wie das Publikum reagiert. Welche Energie im Publikum herrscht. Aber es stimmt schon, da muss ich fast mit einem Klischee kommen: Theater ist eher Berufung als Beruf. Es ist definitiv eine Lebensaufgabe. Ich mache das jetzt schon seit 25 Jahren und bin gewohnt, am Morgen aufzustehen und ans Theater zu denken und nachts vom Theater zu träumen. Das geht
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gut, weil meine Ehefrau Kostümbildnerin ist und wir viel zusammenarbeiten. Sie ist eine ähnlich Besessene, so gibt es keine Eifersucht auf die Kunst.
Ist es nicht gerade dann schwierig, Abstand zu bekommen, wenn man auch daheim noch über das Theater spricht? Wie schalten Sie ab? Voges: Absolut. Wenn Theaterferien sind, genießen wir die Zeit sehr bewusst. An spielfreien Wochenenden wird aufwendig gekocht, geschaut, was ist in der Welt los. Die Sommerpause nutzen wir für Reisen, um den Horizont zu erweitern und nicht immer im eigenen Saft zu schwimmen. Ich bin zuversichtlich, dass es diesen Sommer klappen wird, fünf Wochen durch Amerika zu reisen, um neue Impulse zu sammeln. Wird sich das denn im Spielplan niederschlagen – muss Theater internationaler werden? Voges: Wir leben in einer globalisierten Gesellschaft. Zu sagen, wir schließen uns ab und bleiben ein kleines Vorgartentheater, kann keine Option sein. Wir müssen die Geschichten der Welt auf die Bühne bringen. Das versuchen wir am Volkstheater, da gilt es eine Balance zu finden, junge österreichische Stimmen zu präsentieren, aber auch international zu denken. So viel kann ich jetzt schon verraten, es werden in der nächsten Saison auch Stimmen aus Nordeuropa und Südamerika bei uns zu hören sein. Wir wollen uns am Volkstheater als Europäer und Weltenbürger definieren.
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Brasilianische Lebensfreude trifft Altwiener Kopfsteinpflaster (hier am Minoritenplatz).
Die Geschwister Sebastian und Gabi Knöbl veranstalten mit ihren »Rebel Tours« Stadtführungen für Leute, die so was normalerweise nie buchen. Als Anreiz bieten sie Sport und brasilianischen Schmäh. Text: Maya McKechneay
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abi und Sebastian Knöbl – die Namen klingen österreichisch, und doch sprechen die Geschwister ebenso gut Portugiesisch wie Deutsch. Ihre Mutter stammt aus Brasilien. Und so lag es für Gabi Knöbl nahe, während ihres Tourismusstudiums für ein Auslandssemester nach Lissabon zu gehen, wo ebenfalls Portugiesisch gesprochen wird. Dort entdeckte sie die Tour Company »We Hate Tourism Tours«, deren Name Programm ist: Alles anders, alles wilder.
Alternatives Angebot, auch für Einheimische Und schon war die Idee für ein ähnliches Projekt in Wien geboren, das beide gemeinsam im März 2021 aus der Taufe hoben. »Wir sehen uns als junge Alternative auf dem Fremdenführermarkt«, erklärt Gabi Knöbl. »Wir wollen zunächst die Jüngeren, aber auch unsere Eltern- und Großeltern generation mitnehmen. Mit denen kann man oft sogar besser Schmäh führen«, fügt sie hinzu und lacht.
Fotos: Michael Edelmayer (Portäts), Darius Lucaciu (joggen und Stadtführungen), Rebel Tours Vienna (Street Art)
Vamos ver Viena!
wien & wir
Neben historischen Orten wie dem Franziskanerplatz (links) geht es auch zu kulinarischen Hotspots.
Natürlich bieten die Knöbl-Geschwister auch geschichtliche Rundgänge durch Wiens versteckte Gassln, Hinterhöfe und Durchhäuser an.
REBEL TOURS
Orangerie im Burggarten: Auch joggend lässt sich die Stadt erkunden.
Morgen-Run um die Hofburg gefällig? Es gibt Rundgänge, die brasilianische Kulinarik mit Wiener Flair kombinieren, oder die »Alternative Tour«, bei der man gemeinsam auf Street-ArtSuche geht. Wer den »History Run« bucht, kann in die Joggingschuhe schlüpfen und die kaiserliche Architektur im Laufschritt erkunden. »Wir lassen unseren persönlichen Background einfließen und gestalten die Touren so, wie wir sie selber gerne erleben würden«, erklärt Sebastian Knöbl, der ursprünglich Profifußballer werden wollte. »Wir halten keine Universitätsvorlesungen voller Jahreszahlen. Bei uns gibt es die wesentlichen Fakten
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Gruppengröße: maximal 15 Personen
plus eine große Portion G’schichtln, Kuriositäten und Schmäh.« Das Ganze wird in Bewegung vermittelt – und so sehen PassantInnen, die einer Rebel-Tour begegnen, nichts weiter als eine Gruppe von FreundInnen, die durch die Stadt ziehen, miteinander reden und lachen.
»Eine große Portion G’schichtln, Kuriositäten und Schmäh.«
Die »Alternative Tour« spürt StreetArt in verborgenen Winkeln auf.
Zielpublikum: Einheimische und Gäste, auch Privat-Touren und Schulklassen Gründer: Sebastian Knöbl hat nach dem Bachelorstudium Content-Produktion & digi tales Medienmanagement an der FHWien der WKW bei ORF, Sky Sport Austria und PULS 4 gearbeitet. Kümmert sich aktuell unter anderem um die Skripte für die Führun gen und die Website-Texte. Gabi Knöbl bringt ihr Knowhow aus dem Tourismusstudi um und ihre Praxiserfahrung aus Portugal ein. www.rebeltoursvienna.com
Sebastian Knöbl
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gastkommentar
Das Problem »Virologisches Quartett« Warum Frauen auf Podien und im medialen Diskurs sichtbar werden müssen.
Von Hannah Zach
Das »Virologische Quartett« als Symptom In Bezug auf die mediale Repräsentation zeigt etwa die Jahresstudie 2020 »Frauen-Politik-Medien« der M ediaanalyseagentur Media Affairs, dass die öffentliche Bühne im Pandemiejahr 2020 zu 77 Prozent den Männern gehörte. Frauen sind als Expertinnen, Medizinerinnen, Unternehmerinnen, Vertreterinnen von Organisationen etc. mit einem Anteil von 23 Prozent in der Krise nur unterdurchschnittlich sichtbar. Beim alles überlagernden Thema – der Corona-Krise – nahmen Frauen also nur ein knappes Viertel des öffentlichen, medialen Raums ein. Und in der Politik trat eine Gruppe von vier männlichen Regierungsmitgliedern so regelmäßig vor die Kameras, dass sie bald als »Virologisches Quartett« bezeichnet wurde.
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Warum ist das ein Problem? Bilder wie das »Virologische Quartett« erwecken den Eindruck, dass Expertise und Lösungskompetenz nur von einer sehr homogenen Bevölkerungsgruppe verkörpert wird. Wir haben uns in den letzten Jahrhunderten an ein bestimmtes Bild von »dem Experten« gewöhnt. Dieses Bild ist aber nicht bloß auf das Geschlecht bezogen. Ein Experte ist für uns überspitzt ein älterer Mann mit weißer Hautfarbe, der körperlich gesund und Akademiker ist. Die mangelnde Sichtbarkeit des eigenen Geschlechts, der eigenen Hautfarbe etc. in der Öffentlichkeit führt dazu, dass sich viele Personen nicht repräsentiert sehen und sich daher auch nicht vorstellen können, selbst diese repräsen tativen Rollen einzunehmen.
Barrieren abbauen als Lösungsansatz Prangert man diese mangelnde Sichtbarkeit an, wird einem oft entgegnet, wie schwierig es sei, Diskussionsrunden divers zu besetzen: »Wir haben einfach keine qualifizierte Frau gefunden.« Verschiedene Lösungen entgegnen diesem Argument national wie international mit einer Fülle an qualifizierten Expertinnen. Allein die öffentlich und kostenlos zugängliche
Hannah Zach berät Organisationen zu den Themen Community Building, Kampagnen und Crowdfunding. Sie ist Co-Gründerin der Expertinnen-Datenbank »Frauendomäne«.
Datenbank »Frauendomäne« umfasst mittlerweile über 1.000 Expertinnen. Dies soll die erste Barriere – die fehlende Auffindbarkeit – gezielt abbauen und Frauen mit ihrer Expertise sichtbar machen. Sichtbarkeit ist sehr wichtig. Diese herzustellen, reicht allerdings nicht aus. Es gilt, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es allen Menschen ermöglichen, ihre Expertise und Kompetenz nach ihren Stärken und nicht nach ihrem Geschlecht, ihrer Hautfarbe oder ihrer sexuellen Orientierung aufzubauen und sichtbar zu machen.
Foto: Same Same Studio
E
s ist in Österreich in sehr vielen Fachbereichen und in der Politik nach wie vor üblich, dass Diskussionsrunden oder Führungsebenen hauptsächlich, manchmal sogar ausschließlich, aus Männern bestehen. Dies wird von verschiedenen Studien über die Sichtbarkeit von Frauen im medialen Diskurs und in der Wirtschaft untermauert.
Mit Berufserfahrung zum akademischen Abschluss
Fromgoodtogreat! An der Vienna Management Academy by FHWien der WKW finden Sie Weiterbildungsangebote auf Hochschulniveau – für alle Berufstätigen, die mit einem Studium die nächste Sprosse auf der Karriereleiter erklimmen möchten. vienna-management-academy.at
INHALT im fokus Bereit für die Welt Ein Studium als Sprungbrett ins Ausland: Was braucht man, um international Karriere zu machen? SEITE 2—7
Job-Mobilität versus soziale Bindung International Course Manager Kirstie Riedl im Gespräch über das Dilemma. SEITE 8
geradeheraus SEITE 10 Fünf und die Ferne Studium, Anstellung und Unternehmertum: F HWien-AbsolventInnen in fremden Ländern. SEITE 12—13
Wohin soll’s denn gehen? 24
Zahlen & Fakten rund ums Studieren und Arbeiten im Ausland. SEITE 14—15
aus der praxis Sich im Training mit den Profis messen Die Reaction Pads des Start-ups ForSports bringen Hobby- und SpitzensportlerInnen Abwechslung. SEITE 16—17
erfolgsgeschichte 250 Monate »Zeitvertreib« Den Prepaid-Anbieter paysafecard gründete Udo Müller quasi als Ferienbeschäftigung – aus der rasch mehr wurde. SEITE 20—21
was macht eigentlich ... ... eine Referentin für Protokoll? 28
Svenja Wiemer sorgt dafür, dass hochrangige politische Treffen geordnet und staatstragend ablaufen. SEITE 22
dialog »Was ich nicht kann, das bring ich mir bei« Regisseur Kay Voges leitet das Wiener Volkstheater und möchte frischen Wind in die Stadt bringen. SEITE 24—27
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wien & wir Vamos ver Viena! »Rebel Tours«: Sebastian und Gabi Knöbl führen mit brasilianischem Schmäh durch Wien. SEITE 28—29
gastkommentar Das Problem »Virologisches Quartett« Hannah Zach: Warum Frauen auf Podien und im medialen Diskurs sichtbar werden müssen. SEITE 30
-gedruckt nach der Richtlinie „Druckerzeugnisse“ des Österreichischen Umweltzeichens, NP DRUCK, UW-Nr. 808