Ausgabe 3/2025
55. Jahrgang
ISSN 0341-5759
tierschutzbund.de
DAS MAGAZIN DES DEUTSCHEN
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Ausgabe 3/2025
55. Jahrgang
ISSN 0341-5759
tierschutzbund.de
DAS MAGAZIN DES DEUTSCHEN

RIESIGE CHANCE
Die EU könnte Hunde und Katzen bald besser vor illegalem Handel schützen
DAS GESCHÄFT MIT DEM TOD
Wie Tiere in Schlachthöfen unter vermeidbaren Qualen leiden
VERSTECKTE TIERWELT
Warum Regenwürmer und Co. so wichtig für unser Ökosystem sind
Welches Tier passt zu mir?



Ellen Kloth, Vizepräsidentin
Haustiere bereichern unser Leben – und wir hoffentlich ihres. Wer etwa einem Hund, einer Katze oder einem Goldhamster aus dem Tierheim ein schönes Zuhause bietet, leistet einen wertvollen Beitrag für den Tierschutz. Umgekehrt gibt uns die Nähe zu einem tierischen Gefährten Halt und einen Ausgleich zum oft stressigen Alltag. Doch eine Adoption will auch wohlüberlegt sein. In unserer Titelstrecke schauen wir auf die erforderlichen Kriterien und geben Tipps zur Frage „Welches Tier passt zu mir?“ (Seite 08). Nicht nur Haustiere, auch Tiere in Zoos faszinieren uns – vor allem Kinder erleben die Nähe zu Tierarten wie Tiger, Giraffen und Co. als besonders beeindruckend. Den oft genannten Bemühungen um mehr Artenschutz stehen jedoch äußerst fragwürdige Entscheidungen der Betreiber*innen gegenüber. So töteten Zoos zuletzt vermehrt kerngesunde, mitunter streng geschützte Tiere, weil sie als „überschüssig“ galten (Seite 18). In unserem Tierschutzzentrum Weidefeld ist garantiert kein Tier „überschüssig“. Dort versorgen wir in Not geratene Tiere, für die andere Einrichtungen keinen Platz oder
keine Expertise haben. Davon konnten sich nun auch wieder zahlreiche Menschen überzeugen, die eine Patenschaft für die tierischen Schützlinge übernommen haben und unser Tierschutzzentrum besuchten (Seite 38). In Weidefeld leben auch viele Tiere aus der Landwirtschaft. Ihnen bleibt das Schicksal erspart, das unzählige ihrer Artgenossen in deutschen Schlachthöfen erleiden. Letztere sterben nicht nur im jungen Alter, sondern leiden oft stundenlang unter vermeidbaren Qualen (Seite 24). Doch es gibt auch Anlass zur Hoffnung. Zum Beispiel hat das Europäische Parlament mehrheitlich für einen besseren Schutz von Hunden und Katzen gestimmt – unter anderem vor illegalem Welpenhandel (Seite 16). Erfreulich ist auch, dass der Fischotter wieder häufiger in unseren heimischen Gewässern anzutreffen ist, nachdem er fast ausgestorben wäre (Seite 28). Solche Fortschritte zeigen: Ein langer Atem zahlt sich aus und es lohnt sich, für den Schutz der Tiere zu kämpfen.
Bei der Spendenkampagne „Fressnapf Friends“ sind von März bis Juli bereits rund 567.775 Euro für den Deutschen Tierschutzbund zusammengekommen. Die Fressnapf-Gruppe unterstützt mit der Aktion als langjähriger Partner den Verband. Die Spenden kommen der „Tierheim-Nothilfe“ zugute. Damit greift der Verband seinen Einrichtungen unter die Arme, wenn sie plötzlich vor einer ungeahnten finanziellen Herausforderung stehen, beispielsweise bei tierärztlichen Kosten und Kastrationsaktionen. Sonst könnten viele Tierheime die immensen Kosten nicht stemmen. Wenn Kund*innen des Vorteilsprogramms „Fressnapf Friends“ ihre App beim Einkaufen vorzeigen oder im Online-Shop nutzen, spendet Fressnapf einen Anteil an den Deutschen Tierschutzbund. Dieser ist neben anderen Organisationen bis Ende des Jahres Teil der Aktion. Der Deutsche Tierschutzbund bedankt sich herzlich bei Fressnapf und allen Kund*innen für die Unterstützung.


Mit ihren rot-schillernden Rücken- und Bauchflossen gehört die Äsche zu den auffälligeren heimischen Fischarten. Sie ist aber auch ein sensibler Fisch und leidet besonders unter Umweltverschmutzungen, baulichen Eingriffen und erhöhten Temperaturen. Um sie zu schützen, müssen Flüsse und Bäche renaturiert werden.
Haustiere bescheren uns Freude und Liebe. Damit es Hund, Katze, Kaninchen und Co. gut geht, ist es nötig, noch vor der Adoption zu klären, was sie brauchen. Wer wohlüberlegt und verantwortungsvoll handelt, legt den Grundstein für eine einzigartige Verbindung.

Wo heutzutage die einst fast ausgerotteten Otter leben, ist die Natur im Gleichgewicht (Seite 28).
Wiederholt haben deutsche Zoos gesunde Tiere getötet, die als „überschüssig“ galten (Seite 18).




Viele Haustiere leiden unter Allergien – doch Halter*innen können ihnen helfen (Seite 32).
Das Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes war anlässlich des 15. Pat*innentages gut besucht (Seite 38).
Durchschnittlich 53,2 Kilogramm Fleisch haben wir Deutschen 2024 pro Person gegessen. Mehr als zwei Millionen Tiere sterben dafür hierzulande jeden Tag in Schlachthöfen. Was sich viele Verbraucher*innen als schnellen Prozess vorstellen, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als stundenlanger Leidensweg voller vermeidbarer Qualen für die Tiere.

Von Christoph Götz

Frühmorgens herrscht bereits geschäftiges Treiben vor dem riesigen Schlachthof-Komplex. Im Minutentakt treffen Lkw-Ladungen mit Tieren ein. Im Inneren der Transporter drängen sich Schweine, Rinder und Hühner aneinander, nicht ahnend, was ihnen bevorsteht: Wartestall, Betäubung, Entblutung, Zerlegung. Alles hier folgt einem straffen Zeitplan. Die Schlachtindustrie ist eine perfekt geölte Maschine, getrimmt auf Geschwindigkeit und Effizienz. Allein im vergangenen Jahr starben deutschlandweit 742 Millionen Tiere in diesem System, das sind mehr als zwei Millionen täglich. Hinter diesen unfassbaren Zahlen verbergen sich 742 Millionen Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen und der Fähigkeit Angst, Stress und Schmerzen zu empfinden. Die Industrie wirbt zwar mit einem schnellen, leidfreien Tod der Tiere. Doch was passiert wirklich in den letzten Stunden ihres Lebens, bevor sie zu Fleisch werden?
Die Strapazen beginnen für die Tiere schon beim Abtransport aus den Ställen. Die Fahrt vom Mastbetrieb erfolgt meist nachts, damit die Tiere morgens pünktlich am Schlachthof ankommen, wenn die Produktion startet. Fahrten von bis zu acht Stunden sind hierzulande gesetzlich erlaubt. „Der Transport ist für die Tiere eine enorme Belastung“, sagt Kathrin Zvonek, Referentin für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund. „Sie müssen ihre gewohnte Umgebung verlassen, haben keine Gelegenheit, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Die Ladedichte ist hoch, es gibt kein Futter oder Wasser. Auch ein effektiver Schutz gegen Witterungseinflüsse fehlt. Die fremden Gerüche und Geräusche sowie das Ausgleichen der Fahrbewegungen belasten sie sehr.“ Verschlimmert wird die Situation durch die Industrialisierung der Prozesse: Immer mehr kleine, regionale Schlachthöfe schließen, die Wege zu den Großbetrieben werden länger. Während früher wenige Kilometer Fahrt üblich waren, sind mittlerweile mehrstündige Odysseen der Normalfall.
5:30 Uhr: Warten auf den Tod
Nach einer langen, anstrengenden Fahrt erreicht der Transporter mit den erschöpften Tieren den Schlachthof. „Eine Tierärztin oder ein Tierarzt führt jetzt eine sogenannte Lebendbeschau durch“, erklärt Zvonek. Diese soll den Tierschutz und auch die Lebensmittelsicherheit gewährleisten. „Leider fallen hier immer wieder kranke, verletzte oder hochträchtige Tiere auf, die eigentlich gar nicht zum Schlachthof hätten transportiert werden dürfen.“ Schweine und Rinder werden nach der Kontrolle in Warteställe getrieben, wo sie sich von dem Transport erholen und an die neue Umgebung gewöhnen sollen. Hühnern und Puten ergeht es deutlich schlechter: Sie müssen bis zur Betäubung in ihren winzig kleinen Transportkisten bleiben. Bis zum letzten Atemzug haben sie kaum Möglichkeit, sich zu bewegen.
Was dann folgt, ist die Betäubung – ein Vorgang, der die Tötung der Tiere „humaner“ gestalten soll, aus Tierschutzsicht in vielen Fällen aber problematisch ist. Bei Schweinen kommt meist die CO2-Methode zum Einsatz. Die Tiere werden gruppenweise in Gondeln getrieben, die wie ein Aufzug in die Tiefe sinken, wo die Luft mit Kohlendioxid angereichert ist. „Für die Schweine fühlt es sich an, als würden sie ersticken“, erklärt Zvonek. „Sie geraten in Panik, schreien und versuchen verzweifelt zu fliehen. Zehn bis 30 Sekunden kämpfen sie um ihr Leben, bevor sie bewusstlos werden.“ Bei Geflügel kommt häufig die Wasserbadbetäubung zum Einsatz. Die Vögel werden kopfüber an den Beinen aufgehängt und zu einem elektrisch aufgeladenen Wasserbecken gefahren. Berührt der Kopf das Wasser, soll ein Stromschlag die Tiere betäu- i
ben. „Schon das Einhängen führt zu Stress und Knochenbrüchen“, so Zvonek. „Außerdem versagt die Betäubung regelmäßig. Die Tiere zappeln, treffen nicht optimal ins Wasser oder berühren es nur mit den Flügeln. So erleiden sie schmerzhafte Stromstöße ohne Betäubungseffekt.“
Viele Tiere sterben bei vollem Bewusstsein
Die Fehlerquoten sind erschreckend: Bei Rindern versagt der Bolzenschuss in den Kopf in vier bis neun Prozent der Fälle, bei Schweinen die Elektrobetäubung in drei bis 12,5 Prozent. Die Fehlerquote der Wasserbadbetäubung bei Hühnern liegt bei rund vier Prozent. Das bedeutet: Jeden Tag erleben viele Tiere in Deutschland ihre Entblutung bei vollem Bewusstsein. „Je nach verwendeter Methode ist es sehr schwer, die Betäubungseffektivität korrekt zu beurteilen. Im Zweifelsfall muss sofort nachbetäubt werden, denn die Entblutung darf nur bei korrekt betäubten Tieren durchgeführt werden“, erklärt Zvonek. „Doch unter dem enormen Zeitdruck in den Schlachtbetrieben ist das nicht immer gewährleistet.“
Ein System unter Druck
Hier zeigt sich das Kernproblem der industriellen Schlachtung: der immense Zeitdruck. In den wenigen Großschlachthöfen, die den Markt beherrschen, muss alles getaktet ablaufen. Rentabilität steht in den riesigen Fabriken an oberster Stelle. „Der hohe Zeitdruck führt zu Stress bei den Tieren und Menschen“, so Zvonek. „Die Arbeiter*innen lassen den Druck teilweise an den Tieren aus, setzen häufiger Elektrotreiber ein, Betäubungsfehler passieren öfter.“ Niedrige Löhne bei extremer körperlicher und psychischer Belastung, häufige Personalwechsel und oft unzureichende Einarbeitung für die verantwortungsvollen Aufgaben verschärfen das Problem. Da in deutschen Schlachthöfen viele ausländische Arbeitskräfte beschäftigt sind, bestehen häufig Sprachbarrieren, die eine präzise Kommunikation bei kritischen Arbeitsschritten erschweren. „Eine gerechte Entlohnung, bessere Arbeitsbedingungen und eine gründliche Einarbeitung aller Mitarbeiter*innen wären auch für den Tierschutz wichtig“, betont Zvonek. „Nur gut ausgebildetes und fair entlohntes Personal kann die komplexen Anforderungen beim Umgang mit lebenden Tieren zuverlässig erfüllen.“
Auch trächtige Tiere landen auf Schlachthöfen
Ein besonders strittiges Thema ist die Schlachtung trächtiger Tiere. Nachdem es lange keine gesetzliche Regelung dazu gab, ist es seit 2017 in Deutschland verboten, Rinder und Schweine im letzten Trächtigkeitsdrittel zur Schlachtung abzugeben. Doch das Gesetz hat Lücken: Schafe und Ziegen fallen gar nicht darunter. Außerdem können Tiere auch dann noch kurz vor der Geburt geschlachtet werden, wenn es eine tiermedizinische Indikation für eine Notschlachtung gibt oder eine Tierseuche ausbricht. „Es ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig
geklärt, ab wann ein ungeborenes Tier Schmerzen empfinden kann“, so Zvonek. „Deshalb fordern wir, dass das Verbot schon früher in der Trächtigkeit greift und für alle Tierarten gilt.“
Dass es auch anders geht, zeigen Alternativen zur industriellen Schlachtung. Auf manchen Höfen sterben die Tiere dort, wo sie gelebt haben – bei der Schlachtung im Herkunftsbetrieb durch einen gezielten Schuss direkt auf der Weide oder in einem eigenen Schlachtraum auf dem Hof. So bleibt den Tieren zwar nicht der Tod, aber der quälende Transport davor erspart. Sie sterben in vertrauter Umgebung. Doch die rechtlichen Hürden sind hoch. Betriebe, die auf diese Art schlachten wollen, müssen die Erlaubnis der Veterinärbehörde einholen, die Schütz*innen müssen einen Jagdschein vorweisen können. „Die Weideschlachtung wird fast ausschließlich bei Tieren genehmigt, die extensiv im Freiland gehalten werden“, so Zvonek. „Für die allermeisten Betriebe kommen diese Arten der Tötung und Schlachtung also gar nicht infrage.“
Der Deutsche Tierschutzbund kämpft dafür, dass kein Tier mehr für den menschlichen Nutzen leiden oder sterben muss. Dabei sieht der Verband die vegane Ernährungs- und Lebensweise als den konsequentesten und direktesten Weg zu mehr Tierschutz. „Am meisten helfen Verbraucher*innen den Tieren, wenn sie auf pflanzliche Alternativen zurückgreifen“, betont Zvonek. „Jede Mahlzeit ohne Fleisch ist ein wichtiger Schritt.“ Solange aber Tiere weiterhin für den menschlichen Konsum geschlachtet werden, müssen strengere Vorschriften sicherstellen, dass dies so schmerz- und stressfrei wie möglich geschieht. „Fehleranfällige und qualvolle Verfahren wie die CO2-Methode bei Schweinen und die Wasserbadbetäubung bei Geflügel sollten verboten werden“, mahnt Zvonek. Stattdessen sind schonendere Verfahren notwendig. Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich dafür ein, dass intensiver an der Entwicklung neuer Betäubungsmethoden geforscht wird, die das Leiden der Tiere verringern. Damit die Vorschriften eingehalten werden, brauchen die chronisch unterbesetzten Veterinärämter mehr Personal, um Schlachthöfe besser kontrollieren zu können. Zudem fordert der Deutsche Tierschutzbund eine verpflichtende Videoüberwachung von Schlachtbetrieben und einen Tierschutz-TÜV für Schlachtund Betäubungsanlagen. ◊
… FISCHE VIEL ENERGIE
AUFWENDEN, wenn sie scheinbar mühelos
AN EINER STELLE VERHARREN?
Diese Aktivität ist vergleichbar mit unserem Versuch, auf einem stehenden Fahrrad zu balancieren.
… VÖGEL NICHT PUPSEN?
In ihren Därmen finden sich KEINE BAKTERIEN, DIE GASE PRODUZIEREN.
… in Costa Rica und Panama
EINE MALARIAWELLE AUSGEBROCHEN
IST, ALS EIN PILZ DORT EIN GROẞES FROSCHSTERBEN VERURSACHT hat? Ohne die Frösche nahm die Zahl der übertragenden Moskitos rasant zu.
… KATZEN GERNE AUF DER LINKEN SEITE schlafen? Forscher*innen vermuten, dass die Tiere aufgrund ihrer Hirnstruktur so nach dem Aufwachen schneller auf Angreifer oder Beute reagieren können.
… PAVIANWEIBCHEN zwei bis vier Jahre LÄNGER LEBEN, WENN IHRE VÄTER SICH UM SIE KÜMMERN? Das liegt unter anderem daran, dass Pavianmännchen bei Konflikten ihre Töchter vor anderen Gruppenmitgliedern schützen.
… PANDAS EINEN ZWEITEN DAUMEN haben? Dieser verlängerte Handwurzelknochen hilft ihnen, BAMBUSSTANGEN FESTZUHALTEN, hindert aber nicht beim Laufen auf vier Pfoten.



Vielen Dank, dass Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe von werfen. Diese exklusive Gelegenheit ist üblicherweise unseren Fördermitgliedern vorbehalten, die das Magazin des Deutschen Tierschutzbundes viermal jährlich frei Haus erhalten. Seit über 50 Jahren erscheint es in gedruckter Form. Auf 54 Seiten klären wir über Missstände auf, informieren über aktuelle Entwicklungen und geben Anregungen, wie jeder Einzelne Tieren helfen und sie schützen kann. Dabei widmen wir uns Heim- oder Wildtieren gleichermaßen wie den Tieren in der Landwirtschaft oder in Tierversuchslaboren.
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