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Auszug aus DU UND DAS TIER 2-26

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Ausgabe 2/2026

56. Jahrgang

ISSN 0341-5759

tierschutzbund.de

DAS MAGAZIN DES DEUTSCHEN TIERSCHUTZBUNDES

DU UND das Tier

TIERLEID PER SYSTEM

Die konventionelle Putenhaltung verstößt gegen das Tierschutzgesetz

TORTURSTATTTRIUMPH

Warum Galopprennen für Pferde großes Tierleid bedeuten

AKROBATISCHE RIESEN

Wie Buckelwale leben und warum sie gefährdet sind

DU UND

Mit Ruhe und Herz

Mit allerKraft

Liebe Leserin, lieber Leser,

Thomas Schröder, Präsident

sanierungsbedürftige Gebäude, energetische Maßnahmen, Erweiterungsbauten – der Investitionsbedarf in den Tierheimen und tierheimähnlichen Einrichtungen geht in die dreistellige Millionenhöhe. Doch die Kassen der Tierschützer*innen sind so gut wie leer, denn finanziell sind sie längst an ihren Grenzen, und Rücklagen zu bilden ist für sie kaum möglich. Der Bund ist in der Pflicht, ihnen zur Seite zu stehen – schließlich ist der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Dennoch hat die Bundesregierung sie zuletzt – trotz Zusage im Koalitionsvertrag – nicht im Bundeshaushalt 2026 berücksichtigt. Aus Tierschutzsicht ein Skandal. Wir als Deutscher Tierschutzbund haben daher Klage gegen die Bundesrepublik eingereicht (Seite 16). Als Dachverband stehen wir fest an der Seite der Tierschutzvereine und unterstützen sie mit aller Kraft. Mit aller Kraft ebenso wie mit Ruhe und Herz kümmern sich auch die Tierpfleger*innen unseres Tierschutzzentrums Weidefeld in Kappeln um all die hilfsbedürftigen Tiere in ihrer Obhut. In dieser Ausgabe nehmen wir Sie

Schlaglicht

mit in unsere Vorzeigeeinrichtung und geben in der Titelstrecke Einblick in die vielfältige Arbeit unseres Teams (Seite 08). In Weidefeld beherbergen wir auch viele Tiere aus der Landwirtschaft. Bei uns können sie ihr Leben genießen – anders als die meisten ihrer Artgenossen in der industriellen Haltung. Für Puten könnte sich die Lage nun aber endlich verbessern: Das Bundesverwaltungsgericht hat bestätigt, dass die konventionelle Putenhaltung hierzulande gegen das Tierschutzgesetz verstößt – ein klarer Auftrag an die Politik (Seite 07). Den strengen Schutz von Wölfen hingegen haben Bundestag und Bundesrat mit ihrem Beschluss, die anlasslose Jagd auf die Tiere zu erlauben, aufgegeben. Nun ist es an den Ländern, pauschale Tötungen zu verhindern und Herdenschutzmaßnahmen stärker zu fördern (Seite 22). Wir jedenfalls geben nicht auf und werden die Politik auch weiterhin an ihre Pflichten erinnern – und uns mit Ihrer Unterstützung für die Tiere starkmachen.

Der illegale Heimtierhandel bleibt ein massives Problem, wie die aktuelle Auswertung des Deutschen Tierschutzbundes zeigt. 2025 wurden hierzulande demnach mindestens 2.250 Tiere in 257 Fällen entdeckt. „Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl wieder gestiegen“, so Dr. Romy Zeller, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Die meisten Fälle wurden in Bayern, Sachsen und Hamburg aufgedeckt. Vor allem Rassehunde wie Zwergspitze, Malteser und Pudel waren betroffen. Auch Katzen, Vögel und weitere Arten fielen zum Opfer. Die Tiere kamen überwiegend aus Rumänien und Bulgarien. Der illegale Handel bringt die bereits überfüllten Tierheime an ihre Grenzen. Weitere Infos: tierschutzbund.de/welpenhandel

Tier liebe

Die meisten Quallen leben im Meer. Dass es auch Süẞwasserquallen gibt, die in einigen heimischen Badeseen zu Hause sind, ist weniger bekannt. Die ersten dieser für Menschen harmlosen, ursprünglich aus

Asien stammenden Nesseltiere wurden Ende des 19. Jahrhunderts in Europa gesichtet.

Mittlerweile tauchen sie in heiẞen Sommern auch hierzulande auf.

Schweine mit Bindehautentzündung, verängstigte Hunde, beschlagnahmte Schlangen: Im Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes versorgen die Tierpfleger*innen täglich Tiere mit ganz unterschiedlichen Schicksalen (Seite 08).

Volle Tierheime, leere Kassen: Wir ziehen gegen die Bunderepublik vor Gericht (Seite 16).

Fataler Schritt: Bundestag und Bundesrat geben den strengen Schutz des Wolfs auf (Seite 22).

Leidvolles Leben: Wie der Alltag von Mastschweinen wirklich aussieht (Seite 24).

Schnurren, Fauchen, zuckender Schwanz: So deuten Katzenhalter*innen die feinen Signale ihrer Schützlinge richtig (Seite 36).

Akrobatische Riesen

Buckelwale faszinieren uns Menschen seit Jahrhunderten mit ihrer kraftvollen Präsenz unter Wasser. Doch die Lebensbedingungen der Giganten verändern sich rapide.

Von Sandy Syperek

Die Sonne geht auf, wirft ihre ersten Strahlen über den Horizont und taucht den blauen Ozean in ein warmes Orange. Gleich beginnt der Tag, noch ist das Meer ruhig. Plötzlich erhebt sich ein mächtiger Körper aus den Tiefen des Gewässers, dreht eine Pirouette in der Luft und lässt sich wieder anmutig zurückfallen. Der Aufprall hat Wucht. Für solche spektakulären Sprünge sind Buckelwale bekannt. Sie befinden sich dabei für wenige Sekunden nahezu komplett außerhalb des Wassers – und erscheinen trotz ihres Gewichts von bis zu 30 Tonnen für einen kurzen Augenblick schwerelos.

Sprünge mit Botschaft

„Mittels Sprüngen kommunizieren Buckelwale untereinander“, erläutert Esther Dannenfeld, Referentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Beim Aufprall auf die Wasseroberfläche erzeugen die Tiere Schallwellen, die sich unter Wasser über große Entfernungen ausbreiten. Welche Mitteilungen Buckelwale damit konkret senden, ist unbekannt. Forscher*innen haben allerdings herausgefunden, dass die Tiere häufiger aus dem Wasser springen, wenn die nächsten Wale mehr als vier Kilometer entfernt sind. Befinden sich die Artgenossen hingegen in der näheren Umgebung, verlässt ein Tier seine Gruppe oder stößt ein neuer Wal hinzu, schlagen Buckelwale lediglich ihre Schwanzflosse oder ihre Brustflossen auf die Meeresoberfläche. Buckelwale haben sogar die größten Brustflossen unter allen Wal- und Delfinarten. Diese können bis zu 4,6 Meter lang werden – das macht etwa ein Drittel ihrer gesamten Körperlänge aus, die elf bis maximal 18 Meter beträgt.

Melodische Liebeslieder

Die gigantischen Meeressäuger können nicht nur gut springen, sondern sind auch begnadete Sänger. Ob pfeifen, grunzen oder quietschen – männliche Buckelwale singen, um Weibchen anzulocken. Die hochkomplexen Gesänge dauern im Schnitt 20 Minuten. Die Tiere wiederholen einzelne Töne in bestimmten Abfolgen, sodass ein Lied mit Rhythmus und Strukturen entsteht. Mit der Zeit verfeinern Buckelwale ihre Gesangs- und Wettbewerbsstrategien. So können ältere Tiere besser singen und sind bei der Balz erfolgreicher als jüngere Artgenossen. „Darüber hinaus geben Buckelwale ihre Lieder über Generationen hinweg weiter. Gleichaltrige Wale übernehmen wiederum die Lieder anderer Tiere und wandeln diese von Jahr zu Jahr ab“, erklärt Dannenfeld.

Weite Wanderungen

Buckelwale kommen in allen Weltmeeren vor. Von Frühling bis Herbst halten sie sich in kühlen Gewässern in der Nähe der Pole auf. Die restliche Zeit verbringen sie in tropischen Gebieten, wo sie sich paaren und ihre Neugeborenen großziehen. „Die Tiere wandern beispielsweise von der Antarktis bis nach Kolumbien oder Panama und wieder zurück. Es sind die längsten Wanderungen im Tierreich“, so Dannenfeld. Buckelwale fressen ausschließlich in ihren Sommerquartieren. Dort bauen sie die Fettreserven auf, die sie durch den Winter und die langen Wanderungen tragen. Sie ernähren sich von Plankton, also Kleinstlebewesen im Meer, garnelenartigen Krustentieren, auch Krill genannt, und kleinen Schwarmfischen. Um an ihre Beute zu kommen, wenden die Jäger mitunter eine kooperative und kreative Methode an. Dabei produziert eine Gruppe von Walen ein Netz aus Blasen, indem sie Luft aus ihren Blaslöchern ausstößt. Einer der Wale kreist die Tiere dann ein und treibt sie Richtung Wasseroberfläche, sodass die Beute nicht mehr entkommen kann. Bis zu 1.360 Kilogramm Futter frisst ein ausgewachsener Wal pro Tag. „Jedoch schwindet das Nahrungsangebot zunehmend, da der menschengemachte Klimawandel die Meere erwärmt. So ist die Menge an Krill seit den 1980er-Jahren schon um 30 Prozent zurückgegangen“, mahnt die Expertin.

Zahlreiche Gefahren

Vor etwa einem Jahrhundert haben Menschen Buckelwale intensiv bejagt. Der industrielle Walfang ist inzwischen weitestgehend verboten, mit wenigen Ausnahmen, unter anderem in Grönland. Während sich die Buckelwalpopulation davon etwas erholt hat, setzen den Tieren nun andere menschliche Einflüsse zu. Eine Gefahr stellen Fischernetze dar. Wale verfangen sich in verloren gegangenen Netzen, auch Geisternetze genannt, sowie in Stell- und Treibnetzen. Verhedderte Tiere sind dann in ihrer Bewegung eingeschränkt und verletzen sich oft – so auch Buckelwal „Timmy“, dessen Strandung an der Ostsee dieses Jahr viele Menschen bewegte. Darüber hinaus landet häufig Plastikmüll jeglicher Art im Magen der Meeressäuger, da sie diesen mit Beute verwechseln. „Buckelwale sind generell neugierige Tiere“, so Dannenfeld. Sie schwimmen eher gemütlich und nähern sich Schiffen, die die Wanderrouten der Tiere durchqueren. Nicht selten kommt es zu Kollisionen, bei denen sich die Tiere ebenfalls schwere Verletzungen zuziehen. Insbesondere i

Männliche Buckelwale können ausgezeichnet singen und locken damit Weibchen an. Ihre Liebeslieder geben sie über Generationen hinweg weiter.

Pro Tag frisst ein Buckelwal bis zu 1.360 Kilogramm Futter. Doch die Tiere finden wegen des Klimawandels immer weniger Nahrung.

Buckelwale wandern über tausende Kilometer, etwa von der Antarktis bis ins warme Panama, wo sie ihren Nachwuchs großziehen.

Mütter mit Jungtieren sind gefährdet, da sie langsam und näher an der Oberfläche unterwegs sind. Außerdem verursachen Schiffsmotoren, militärische Übungen, Unterwassersprengungen sowie Schallwellen, die bei der Suche nach Öl und Gas entstehen, erheblichen Unterwasserlärm. „Dieser beeinträchtigt die Kommunikation der Wale und führt sie in die Irre, da sie sich anhand von akustischen Signalen orientieren“, betont Dannenfeld. Sind Buckelwale verletzt oder desorientiert, können sie stranden.

Schutzmaẞnahmen umsetzen

„Solche Strandungen verdeutlichen, dass der aktuelle Schutz von Meeressäugern in der Praxis bei Weitem nicht ausreicht“, appelliert Dannenfeld. Dass Schutzmaßnah-

men dringend notwendig sind, hat das im Januar in Kraft getretene Hochseeschutzabkommen der Vereinten Nationen festgelegt. Nach über 20 Jahren Verhandlungen gibt es erstmalig einen verbindlichen Rahmen für die nachhaltige Nutzung der Hohen See und den Schutz ihrer Artenvielfalt. Bis 2030 sollen mindestens 30 Prozent Schutzgebiete sein. „Das Abkommen ist zwar ein wichtiger Schritt. Noch wichtiger ist, dass es jetzt in die Praxis umgesetzt wird.“ Um Tiere im Meer zu schützen, kann auch jede*r mit kleinen Schritten im Alltag einen Beitrag leisten. So hilft es den Tieren, wenn wir auf Fischkonsum verzichten, Plastikmüll reduzieren und diesen einsammeln, wenn er in der Natur herumliegt – und so allen Meeresbewohnern mehr Respekt und Fürsorge entgegenbringen. ◊

… Männchen einer

SEPIEN-ART MIT

IHREN ARMEN FLIRTEN?

Beim Werben um Partnerinnen erzeugen sie

AUF EINEM ARMPAAR KONTRASTREICHE LICHTSIGNALE.

Für das menschliche Auge sind sie unsichtbar.

… KÖNIGINNEN DER GEMEINEN

ÖSTLICHEN HUMMEL, die in Nordamerika heimisch ist, TAGELANG UNTER WASSER ÜBERLEBEN können? Sie produzieren dort weiterhin Kohlendioxid und atmen weiter.

WUSSTEN SIEschon ,dass ...

… Haubenkapuzineraffen in TONUMFÄNGEN VON BIS

ZU DREIEINHALB OKTAVEN „JODELN“ KÖNNEN? Menschen jodeln nur innerhalb einer Oktave.

… in den Jahren 2023 und 2024 bei WINDHUNDRENNEN IN GROẞBRITANNIEN

8.047 WINDHUNDE VERLETZT WORDEN SIND? 232 HUNDE BEZAHLTEN DIE

WETTBEWERBE MIT IHREM LEBEN. Schottland und Wales haben kürzlich ein

Verbot der Rennen beschlossen.

…

DIE EXTREM SELTENEN KAKAPOS IHREN NACHWUCHS EINER FRUCHT

VERDANKEN? Nur wenn die Pflanze Rimu-Harzeibe besonders viele ihrer energiereichen Beeren trägt, beginnen die flugunfähigen Papageien mit der Fortpflanzung.

DER BAUM TRÄGT ALLE ZWEI BIS VIER JAHRE FRÜCHTE – DIE MENGE VARIIERT DABEI.

TierschutzzumAnfassen

Vielen Dank, dass Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe von werfen. Diese exklusive Gelegenheit ist üblicherweise unseren Fördermitgliedern vorbehalten, die das Magazin des Deutschen Tierschutzbundes viermal jährlich frei Haus erhalten. Seit über 50 Jahren erscheint es in gedruckter Form. Auf 54 Seiten klären wir über Missstände auf, informieren über aktuelle Entwicklungen und geben Anregungen, wie jeder Einzelne Tieren helfen und sie schützen kann. Dabei widmen wir uns Heim- oder Wildtieren gleichermaßen wie den Tieren in der Landwirtschaft oder in Tierversuchslaboren.

Unterstützen Sie uns bei unserem Kampf für mehr Tierschutz, werden Sie Fördermitglied und sichern Sie sich jetzt die nächste Ausgabe von–natürlich auf zertifiziertem Recyclingpapier. tierschutzbund.de/mitgliedschaft

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