Ausgabe 1/2026
56. Jahrgang
ISSN 0341-5759
tierschutzbund.de
DAS MAGAZIN DES DEUTSCHEN TIERSCHUTZBUNDES
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Ausgabe 1/2026
56. Jahrgang
ISSN 0341-5759
tierschutzbund.de
DAS MAGAZIN DES DEUTSCHEN TIERSCHUTZBUNDES
EINSATZ IN DER UKRAINE
Vier Jahre nach Kriegsbeginn hilft der Deutsche Tierschutzbund weiter vor Ort
WANDERN MIT HUND
Mit der richtigen Vorbereitung wird es ein Erlebnis für Mensch und Tier
DAS LEBEN EINER LEGEHENNE
So grausam ist der Alltag in der Bodenhaltung und in Kleingruppenkäfigen




Simon Berghane, Jugendländerratssprecher
für uns Tierschützer*innen ist es eine positive Entwicklung: Einige Tierarten, die hierzulande als ausgerottet galten, kehren wieder in unsere Gefilde zurück. Die Bestände von Wölfen und Bibern beispielsweise wachsen nach jahrzehntelangen Schutzbemühungen wieder an. Doch mit den steigenden Zahlen nehmen auch die Konflikte zwischen Mensch und Tier zu. Mittlerweile berät der Bundestag sogar über den Vorschlag der Bundesregierung, den Wolf ins Bundesjagdgesetz aufzunehmen und pauschale Abschüsse auf die Tiere zu erleichtern – aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes ein Skandal. Leider bergen auch zahlreiche andere Tierarten, darunter Saatkrähen oder sogenannte invasive Arten wie Waschbären, Konfliktpotenzial. Doch es gibt viele tierfreundliche Lösungen, die eine friedliche Koexistenz ermöglichen. Wie diese genau aussehen, beleuchten wir in der Titelstrecke dieser Ausgabe (Seite 08). Nicht nur im Umgang mit Wildtieren nehmen wir die Politik grundsätzlich in die Pflicht, sondern natürlich auch zum Schutz von Heimtieren (Seite 07), Tieren in der Wissenschaft (Seite 20) und sogenannten Nutz-
tieren (Seite 30). Das haben wir nicht zuletzt bei unserem traditionellen Empfang auf der Grünen Woche in Berlin bewiesen (Seite 16), wo wir als Deutscher Tierschutzbund aufzeigten, warum kein Weg an einer Transformation der Landwirtschaft vorbeiführt und wir den Dialog brauchen. Über die Grenzen von Deutschland hinaus brauchen die Tiere ebenfalls unsere Hilfe – etwa in der Ukraine, wo sich unser Tierschutzzentrum in Odessa auch vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs trotz aller Widrigkeiten für Straßentiere einsetzt (Seite 40). Praktischen Tierschutz leistet zudem das Team unseres Tierschutzzentrums in Weidefeld, wo derzeit eine Hybrid- und eine Wildkatze zu den neuesten Bewohnern zählen (Seite 23). Solche Katzen tiergerecht zu halten, ist für Privathalter*innen meist kaum möglich, deswegen werden zunehmend mehr in Tierheimen abgegeben. Sie sehen, es gibt in allen Bereichen noch viel zu tun und es kommen immer neue Aufgaben hinzu – helfen Sie uns daher, den Tieren eine Stimme zu geben.
Tierfreundinnen und -freunde können sich jetzt für Online-Seminare des Deutschen Tierschutzbundes anmelden. Der Verband bietet im Verlauf des Jahres 2026 Kurse zu Themen wie „Erste Hilfe bei Hund und Katze“, „Wie erkennt man eine gute Hundeschule?“, „Wildtiere in Haus und Garten“ oder „Kinder und Tiere“ an. Die Veranstaltungen sind offen für alle, die sich für den Tierschutz interessieren und sich zu einem bestimmten Thema informieren oder weiterbilden möchten. Eine Mitgliedschaft ist nicht erforderlich. Die Teilnahmegebühr je Seminar beträgt 15 Euro pro Person. Weitere Informationen zum Programm und die Anmeldung finden Sie unter tierschutzbund.de/seminare.


Wenn sie auftauchen, ist der Frühling nicht mehr weit: Schon ab März erwachen Zitronenfalter aus ihrer Winterruhe. Die Schmetterlinge sind besonders widerstandsfähig, überstehen bis zu minus 20 Grad Celsius und werden bis zu 13 Monate alt. Während die Männchen leuchtend gelbe Flügel haben, sind die der Weibchen weiẞlich-grün.
Wo Wolf, Biber und Saatkrähe auf Weidetiere, Felder und Siedlungen treffen, kommt es schnell zu Konflikten. Doch radikale Maßnahmen wie die Jagd sind keine Lösung. Bund und Kommunen müssen eher auf tierfreundliche Methoden für eine friedliche Koexistenz setzen.

Auf der Grünen Woche in Berlin haben wir uns für eine bessere Tierhaltung eingesetzt (Seite 16).
Warum die Zucht von Hybridkatzen qualvoll und ihre Haltung schwierig ist (Seite 23).




Ein Blick hinter die Kulissen der Kaninchenfleischproduktion (Seite 30).
Für zu Hause oder unterwegs: Tarte Tatin aus dem Kochbuch „Vegan Meal Prep“ von Oliver Petszokat (Seite 34).
Millionen Kaninchen leiden und sterben jedes Jahr für den Fleischkonsum von uns Menschen – und das weitgehend unbeachtet. In Hochleistungszuchtbetrieben und ohne gesetzlichen Schutz verbringen Mastkaninchen ein qualvolles, kurzes Leben.
Von Nadine Carstens
Das Fleisch von Kaninchen gilt als leicht, mager und besonders zart. Vor allem zur Osterzeit wird es oft in Restaurants und bei Familienfeiern als Festessen serviert. Doch damit wir Menschen diese „Spezialität“ genießen können, zahlen Mastkaninchen einen hohen Preis. Die Tiere werden gezielt für die Fleischproduktion gezüchtet und leiden unter unzumutbaren Haltungsbedingungen – auch hierzulande. Sie leben in extrem engen Käfigen, in denen sie dicht an dicht auf Gitterböden gedrängt zusammenhocken und keinerlei Bewegungsfreiheit haben. Ihnen wird meist viel zu wenig Nage- und Beschäftigungsmaterial angeboten und für ihre Ernährung erhalten sie lediglich kleine Mengen Heu sowie Pellets als Kraftfutter. All das geschieht abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit, denn die Mastkaninchenhaltung ist alles andere als transparent. Tatsächlich existieren keine aktuellen Statistiken dazu, wie viele Kaninchen in Deutschland jährlich gezüchtet, gemästet und geschlachtet werden. Die letzten offiziellen Zahlen vermeldete die Welternährungsorganisation FAO im Jahr 2017, damals wurden hierzulande 26,5 Millionen Mastkaninchen geschlachtet. Aktuell sind nur grobe Schätzungen anhand der konsumierten Fleischmengen möglich. Diese liegen in Deutschland bei rund 41.000 Tonnen im Jahr – umgerechnet etwa 30 Millionen Kaninchen. In ganz Europa liegt die Zahl bei jährlich rund 77 Millionen geschlachteten Kaninchen. Dass Kaninchenfleisch als Nischenprodukt gilt, ist angesichts dieser Mengen schwer zu glauben. Etwa 65 Prozent dieser Mastkaninchen stammen aus Hobbyhaltungen oder Rassezüchtungen, 15 Prozent aus Großbetrieben. Die restlichen rund 20 Prozent werden überwiegend aus China und Ungarn importiert, wo die Tierschutzstandards noch niedriger sind.
Ob in China und Ungarn, in Europas führenden Kaninchenfleisch erzeugenden Ländern Italien, Frankreich und Spanien oder in Deutschland: Überall, wo diese Tiere für ihr Fleisch gehalten und geschlachtet werden, ist ihr Leid

In ganz Europa werden jährlich rund 77 Millionen Kaninchen geschlachtet.

Für die Mast- und Zuchtindustrie zählt nur eins: Dass möglichst viele Jungtiere zur Welt kommen, die möglichst schnell möglichst viel Fleisch ansetzen.

i In führenden Kaninchenfleisch produzierenden Ländern leiden Mastkaninchen unter katastrophalen Haltungsbedingungen – so auch in diesem Betrieb in Spanien, wo die Tiere dicht an dicht auf Gitterböden leben.
immens – das steht auch ohne aktuelle Statistiken außer Frage. Für die Mast- und Zuchtindustrie zählt nur eins: Dass möglichst viele Jungtiere zur Welt kommen, die möglichst schnell möglichst viel Fleisch ansetzen. So müssen die Zuchtkaninchen wie am Fließband ständig für „Nachschub“ sorgen: Bereits ein bis drei Tage, nachdem die weiblichen Tiere Nachwuchs bekommen haben, lassen manche Zuchtbetriebe sie erneut decken oder künstlich besamen. Viele Betriebe warten damit sieben bis 14 Tage. Pro Jahr bringen die Tiere teilweise acht bis zehn Würfe zur Welt. „Die körperliche Dauerbelastung dieser in der Intensivhaltung eingesetzten weiblichen Kaninchen ist enorm – nach wenigen Monaten sind sie so geschwächt, dass die meisten von ihnen im Alter von einem bis zwei Jahren eine geringere Zuchtleistung zeigen und deswegen aussortiert und getötet werden“, erläutert Kathrin Zvonek, Referentin für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund. Die Kaninchen, die nicht für die Zucht eingesetzt werden, haben ebenfalls ein kurzes, qualvolles Leben und werden im Alter von etwa 65 bis 110 Tagen geschlachtet. Normalerweise können in Privathaltung lebende Zwergkaninchen acht bis zehn Jahre alt werden. Das Mastendgewicht der Kaninchen in der Intensivhaltung liegt dann je nach Rasse bei rund 2.500 bis 4.500 Gramm. „Gewerbliche Großbetriebe halten überwiegend sogenannte ZIKA-Hybridkaninchen, die speziell für die Intensivmast gezüchtet wurden“, sagt Zvonek. „Diese Kaninchen wachsen schnell heran und nehmen viel an Gewicht zu – verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass sie besonders gehaltvolles Futter bekommen und die Bewegung der Tiere oft stark eingeschränkt wird.“ So erreicht diese Kaninchenrasse bereits mit etwa zehn Wochen ihr Schlachtgewicht. Die Schlachtung erfolgt üblicherweise mittels Bolzenschuss oder durch einen kräftigen Schlag auf den Kopf, durch den die Kaninchen betäubt werden. Danach kommt die Entblutung.
Verhaltensstörungen
„In Deutschland gibt es seit 2014 lediglich rudimentäre Haltungsvorschriften, die in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung festgelegt wurden“, schildert Zvonek.
Diese sind aber bei Weitem nicht ausreichend, und so könne von einer tiergerechten Haltung keine Rede sein, so die Expertin. „Zum Beispiel ist es noch immer erlaubt, acht Tiere auf einem Quadratmeter zu halten. In größeren Gruppen steht jedem Einzeltier sogar noch weniger Platz zur Verfügung.“ Die Haltung in Käfigen mit Gitterböden ist ebenfalls nach wie vor erlaubt. Den sozialen und bewegungsfreudigen Tieren ist es also vollkommen unmöglich, zu buddeln, zu laufen, zu springen oder andere natürliche Verhaltensweisen auszuleben. Die Folge: Oft entwickeln sie Verhaltensstörungen wie stereotype Bewegungsmuster und Aggressionen. Ebenso leidet der Großteil von ihnen unter körperlichen Problemen wie Atemwegserkrankungen und entzündeten Pfoten.
Auf Ebene der Europäischen Union ist ebenso kaum Besserung in Sicht – und das, obwohl die Europäische Kommission bereits vor langer Zeit angekündigt hatte, die EU-Tierschutzgesetzgebung zu reformieren und damit auch eine Strategie zum Ausstieg aus der Käfighaltung von Kaninchen und anderen Tieren zu bieten. Demnach war geplant, erste Legislativvorschläge der überarbeiteten Tierschutzvorschriften 2026 vorzulegen. Dies war nicht nur ein zentrales Versprechen im Rahmen der Europäischen Bürger*inneninitiative „End the Cage Age“ zur Abschaffung der Käfighaltung, sondern wurde auch von Olivér Várhelyi, EU-Kommissar für Gesundheit und Tierschutz, mehrfach öffentlich bekräftigt. Trotzdem fehlt diese überfällige Reform in dem Arbeitsprogramm, das Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Ende Oktober 2025 für das Jahr 2026 vorstellte.
Sowohl auf Bundes- als auch auf EU-Ebene müssen die Haltungsbedingungen für die Mastkaninchen unbedingt reformiert werden. Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich daher für eine Überarbeitung der TierschutzNutztierhaltungsverordnung ein. „Vor allem für die Vorgaben zur Bodengestaltung, zur Besatzdichte sowie zum Auslauf und zur Einzelhaltung von Zuchtkaninchen besteht dringender Handlungsbedarf“, betont Zvonek. „In Deutschland müssen endlich verbindliche Regelungen für sämtliche Kaninchenhalter*innen gelten, also auch für Privatzüchter*innen.“ Die Halter*innen müssten die Kaninchen demnach wenigstens in einer kombinierten Stall-Auslauf-Haltung unterbringen, in der die Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können und keine haltungsbedingten Schäden erleiden. Ebenso fordert der Verband EU-weit gültige Mindestnormen für den Schutz sogenannter Nutzkaninchen und ein Verbot von Käfighaltungen. Wer gar nicht erst zu all diesem Leid beitragen will, setzt am besten auf vegane Alternativen statt auf Kaninchenfleisch. Denn die vegane Lebensweise ist nach wie vor der konsequenteste Weg zu mehr Tierschutz. ◊
… HUMMELN TAXIS
FÜR FADENWÜRMER SIND?
Die Würmer nutzen dabei aus, dass sich Hummeln beim Bestäuben von Blumen elektrostatisch aufladen. Die Anziehung hilft den Würmern, mit einem großen Satz auf sie „aufzuspringen“.
… MÄHNENRATTEN DIE RINDE UND ZWEIGE EINES GIFTIGEN BAUMES ZERKAUEN und diesen toxischen Speichel als SCHUTZ VOR FEINDEN auf ihr Fell spucken?
… SENIOR*INNEN MIT HUND SICHERER AUF DEN BEINEN sind? Regelmäßige Gassigänge trainieren die Kondition und DAS GLEICHGEWICHT und senken so das Sturzrisiko.
… VÖGEL AUCH BEIM AUSATMEN SAUERSTOFF AUFNEHMEN?
Möglich macht dies ein spezieller Kreislauf ihrer Atmung. Darum geht ihnen auch bei langen Flügen in dünner Luft nicht die Puste aus.
… SCHWARZE WEGAMEISEN BEI KRANKHEITEN IHR NEST UMBAUEN? Sie legen etwa ihre Futter- und Brutkammern abseits von Hauptstraßen an, damit sich GESUNDE AMEISEN NICHT SO SCHNELL ANSTECKEN. … mit dem ATLANTISCHEN TEUFELSROCHEN OFT ANDERE FISCHE MITSCHWIMMEN?
Dabei entstehen BEWEGLICHE ÖKOSYSTEME, in denen Fische sich ernähren und paaren können.



Vielen Dank, dass Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe von werfen. Diese exklusive Gelegenheit ist üblicherweise unseren Fördermitgliedern vorbehalten, die das Magazin des Deutschen Tierschutzbundes viermal jährlich frei Haus erhalten. Seit über 50 Jahren erscheint es in gedruckter Form. Auf 54 Seiten klären wir über Missstände auf, informieren über aktuelle Entwicklungen und geben Anregungen, wie jeder Einzelne Tieren helfen und sie schützen kann. Dabei widmen wir uns Heim- oder Wildtieren gleichermaßen wie den Tieren in der Landwirtschaft oder in Tierversuchslaboren.
Unterstützen Sie uns bei unserem Kampf für mehr Tierschutz, werden Sie Fördermitglied und sichern Sie sich jetzt die nächste Ausgabe von–natürlich auf zertifiziertem Recyclingpapier. tierschutzbund.de/mitgliedschaft
