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eGovernment 4/2026

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Ausgabe 04/2026

Sachsen-Anhalt

Gebündelte Services:

Landes-CIO Bernd Schlömer erklärt das Sachsen-AnhaltModell.

Souveränität

Claudia Alsdorf von Schwarz Digits ordnet das Thema digitale Souveränität ein.

Digita lisierung. End lich.

Gemeinsa m.

Kl ar e Zu st ändi gkeite n, ve rb in dl ic he S ta nd ar ds , ge me in sa me strateg ische Ausrichtung: Bund und Lä nder gehen einen w icht igen , gemeinsa m abgestimmten Weg.

„Staatsmodernisierung ist die Königsdisziplin“, sagte Dr. Dominik Böllhoff, Abteilungsleiter Staatsmodernisierung und Bürokratierückbau im BMDS, kürzlich auf dem Fachkongress des IT-Planungsrats (IT-PLR). Und er fügte hinzu: „Das geht nur gemeinsam.“ Diese Aussage hätte auch als Leitmotiv des diesjährigen Fachkongresses gepasst, wurden doch in der vorausgegangenen 49. Sitzung des IT-PLR die Grundlagen für die föderale ITLandschaft beschlossen – einstimmig. Mit dem Deutschland-Stack, einem ge meinsam en föderalen Portfolio und einer integrierten Steuerung soll ein verbindlicher Rahmen für alle föderalen Ebenen entstehen.

„Wir haben alle Beschlüsse einstimmig gefasst, es gab keine Enthaltun-

gen“, betont Dr. André Göbel. Im Vorfeld habe es jedoch viele Sitzungen gegeben, um sich auszutauschen und auch, um das Feedback verarbeiten zu können – „damit kein Beschluss im Elfenbeinturm stattfindet“, sagt der FITKO-Präsident. Mit dem jetzigen Ergebnis sei ein weiterer Meilenstein erreicht worden, auf dem man sich aber nicht ausruhen werde. „Vor uns liegt jetzt die Aufgabe, die Portfolio-Steuerung mit einer Governance-Struktur zu untersetzen“, erläutert Göbel. Zudem stehe an, Standarchitekturen zum D-Stack gemeinsam mit dem Bund anzugehen – „da ist noch eine ganze Menge zu tun“ –, den Wirtschaftsplan 2027 mit Ausrichtung auf den Fokus der Nachnutzung zu ergänzen sowie die noch offenen Aufgaben aus dem vergangenen

Jahr umzusetzen Die monatelange vorläufige Haushaltsführung habe hier zu deutlichen Verzögerungen geführt. „Wir haben insgesamt 27 Projektförderungen aus der ersten Phase der Föderalen Digitalstrategie“, fasst Göbel die noch ausstehenden Aufgaben zusammen. Darunter befindet sich beispielsweise auch die Deutschland-Architektur, die ebenfalls in der aktuellen Sitzung verabschiedet wurde Gemeinsames Vorgehen zeigte sich auf dem Fachkongress auch bezüglich der Digitalministerkonferenz (DMK), die erstmals im Steuerungskreis des IT-Planungsrats eingebunden war und dies auch in Zukunft sein soll. Im Steuerungskreis vertreten sind der IT-PLR-Vorsitz (2026 ist dies der Bund), die beiden ITPLR-Vorsitzländer aus dem Vor- und

On li nezu ga ng sges et z: M ission F lächende ck ung

Die govdigital eG wird künftig beim flächendeckenden Rollout von OZG-Leistungen als Generalunternehmer des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) fungieren. Die Umsetzung in den Kommunen wird über die kommunalen IT-Dienstleister orchestriert.

Auf govdigital kommen laut COO Jens Fromm nun vier Aufgaben zu:

„ Organisation der Gesamtprogrammsteuerung, Lenkungsausschüsse und anderer Formalitäten.

„ Monitoring der Anbindung du rc h die ko mmunalen ITDienstleister inklusive Auszah-

lung der Pauschalen bei erfolgter Anbindung.

„ Beratung: Tipps und Best Practices rund um EfA-Dienste und deren Anbindung für die Länder.

„ Aufbau eines Infohubs auf dem Marktplatz für EfA-Leistungen mit Infos zu den EfADien st en und r el ev an te n Schnittstellen.

Gestartet wird in Hessen mit ekom21, fünf EfA-Leistungen sollen dort bis Ende 2026 in die Fläche gebracht werden. „Ein starkes Signal“, wie govdigital betont. Die anstehende Aufgabe dürfte dennoch herausforde rnd we rden, ge rade a ngesichts der bisher eher schwer-

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E-Health

Digitalisierung im Gesundheitswesen: Überblick, Hürden und mögliche Lösungen.

(v. l.) Dr. André Göbel (FITKO), Dr. Heiko Geue (Digitalminister Mecklenburg-Vorpommern), Bernd Schlömer (CIO Sachsen-Anhalt), Jan Pörksen (Vorsitz DMK) und Ernst Bürger (CIO Brandenburg) im Austausch auf dem Fachkongress des IT-Planungsrats.

Folgejahr (Mecklenburg-Vorpommern beziehungsweise Niedersachsen) und die FITKO. „Der DMK-Vorsitz ist komplett beteiligt, über die gesamte Sitzung, es gibt keine Geheimnisse“, erklärt Göbel. Es werde gemeinsam daran gearbeitet, die Dinge voranzubringen. Der diesjährige DMK-Vorsitzende Jan Pörksen war auf dem Fachkongress ebenfalls anwesend und auch in Diskussionsrunden involviert.

Die Verknüpfung zwischen Planungsrat und DMK zeigte sich bereits im Vorsitzjahr 2025, als nach Ina-Maria Ulbrichs Weggang Dr Heiko Geue für Mecklenburg-Vorpommern übernahm, der qua Ministeramt auch Teil der DMK ist. „Wir ziehen an einem Strang“, mach-

te Geue auf dem Fachkongress klar In den vergangenen Monaten habe sich gezeigt, „wie hervorragend der Föderalismus funktionieren kann“. Die Herausforderungen rund um Digitalisierung und Staatsmodernisierung seien zu groß, um sie allein umsetzen zu können – eine Wahrnehmung, die alle Beteiligten aus Bund und Ländern teilten. Entsprechend gut sei die Stimmung im IT-Planungsrat. „Es sind keine kleinen Dinge, die sich gerade tun. Das rüttelt am Betriebssystem der Digitalisierung“, fasst Göbel zusammen. Die Sitzung und der anschließende Fachkongress zeigen: Kooperation und verbindliche Strategien machen Bund und Länder zu einer schlagkräftigen Allianz. su

fälligen OZG-Umsetzung. Die im Januar 2026 beschlossene BundHessen-Bayern-Kooperation jedoch hat den Weg vorgezeichnet: Hessen und Bayern haben einen verbindlichen Fahrplan vorgelegt, wie digitale Leistungen flächendeckend umgesetzt werden sollen. Die Entscheidung für einen Generalunternehmer fiel damals schon, nun ist govdigital am Zuge. su govdigital.de

marktplatz.govdigital.de

30. März 2026
Bild: Su sanne
Ku rz gem eldet
Jens Fromm, COO govdigital
Bild:

Politik & Verwaltung

3| Landes-CIO Bernd Schlömer erläutert im Interview, ob das Sachsen-AnhaltModell mit gebündelten Services auch als Blaupause für andere Bundesländer dienen kann.

4| Am 7. und 8. Mai 2026 findet der diesjährige „eGovernment Summit“ auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg statt Die Veranstaltungspartner des Summits erörtern die wichtigsten Themen rund um die Digitalisierung der Verwaltung.

5| Zwischen Absicherung und Aufbruch, KI und Compliance, Sachdienlichkeit und Souveränität: Die Verwaltungsdigitalisierung sitzt immer wieder zwischen den Stühlen Das machte auch die „eGovernment Kommunal Digital Conference 2026“ deutlich.

8| Bremens CIO Carola Heilemann-Jeschke befasst sich in ihrer Kolumne mit der Frage: Wann werden endlich die notwendigen Entscheidungen getroffen – und von wem?

10|In ihrer gemeinsamen Kolumne blicken Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves, Jana Janze und Luca T. Bauer auf das finanzielle „Tal des Todes“, das Start-ups zwischen Förderung und Marktdurchbruch durchschreiten müssen.

Praxis & Innovation

11| Claudia Alsdorf, Geschäftsführerin Business Development bei Schwarz Digits, erläutert ihr Anliegen, digitale Souveränität in der öffentlichen Verwaltung voranzutreiben.

12| Benjamin Schilz, CEO von Wire, spricht über eine digital souveräne Kommunikation für Behörden und Ministerien, fordert aber auch dazu auf, realistisch zu bleiben.

13| Der „Marktplatz Deutschland Digital“ ist in den Produktivbetrieb gestartet.

13| Der Bund bringt autonome KI-Systeme in die öffentliche Verwaltung.

18 Pilotprojekte in 17 Kommunen sollen zeigen, wie KIAgenten Anträge prüfen, Dokumente analysieren und Verwaltungsprozesse beschleunigen können.

14| Erinnerungskultur: Schleswig-Holstein bietet eine App an, um sich über die Menschen hinter den sogenannten Stolpersteinen zu informieren.

15| NØRD und eGovernment Summit: Im Mai stehen wichtige Veranstaltungen rund um die Verwaltungsdigitalisierung an.

Editorial Liebe Leserin, lieber Leser,

volle Fahrt voraus, sicherer Hafen, Kompass, Segel setzen – an nautischen und großen Metaphern für das Großprojekt Verwaltungsdigitalisierung mangelte es nicht, als der IT-Planungsrat Mitte März zum Fachkongress nach RostockWarnemünde lud. In der IT-Planungsratsitzung, die kurz vor dem Kongress stattfand, wurden tatsächlich große Beschlüsse gefasst: Mit dem Deutschland-Stack, einem gemeinsamen föderalen Portfolio und einer integrierten Steuerung soll ein verbindlicher Rahmen für alle föderalen Ebenen entstehen. An unserer Titelgeschichte zum ITPlanungsrat sind Sie schon vorbeigekommen – außer natürlich, Sie lesen Zeitungen und Zeitschriften grundsätzlich von hinten. In diesem Fall haben Sie diesen Artikel noch vor sich. So oder so werden Sie beim Lesen merken, dass der Grundton ein positiver ist. Das liegt weniger daran, dass ich Optimistin bin, sondern daran, dass Planungsratsitzung und -kongress gezeigt haben, dass es endlich voran-

geht Und zwar gemeinsam. Das bezieht sich auf die Einbindung der Länder und Kommunen, aber auch auf diverse Fachgremien, mit denen man nun stärker in den Austausch geht. Die Digitalministerkonferenz beispielsweise ist ab sofortregelmäßigimSteuerungskreis des IT-Planungsrats vertreten. Die Perspektive der Kommunen war auf der „eGovernment Kommunal Digital Conference“ im Fokus. Auf Seite 5 können Sie die Zusammenfassung zur Online-Veranstaltung lesen. Und Sie werden merken, dass es auch hier vorangeht, aber auch mahnende Worte nicht fehlen. „Wir sind die Brücke zwischen Staat und Bürgerschaft – und diese Brücke muss erdbebensicher sein: stabil wie flexibel“, verdeutlichte Julia Lupp, Leiterin des Landratsstabs im RheingauTaunus-Kreis. Wieder einmal sehr lesenswert ist die aktuelle Kolumne von Carola Heilemann-Jeschke (Seite 8 und 9). Bremens CIO mahnt, fordert und macht gleichzeitig Mut. „Nicht die

Susanne Ehneß Redaktionsleitung eGovernment

Anzahl der Programme entscheidet über den Erfolg der Staatsmodernisierung, sondern die Bereitschaft, Macht zu bündeln und Entscheidungen wirklich verbindlich zu machen“, schreibt sie. Zur Verbindlichkeit gehört aber auch Verantwortung. Heilemann-Jeschke sagt treffend, dass wir Macht als das begreifen müssen, was sie in einer Demokratie sein sollte: ein öffentliches Mandat zur verantwortlichen Durchsetzung und keine private Beute „Transformationsentscheidungen werden niemals alle glücklich machen. Das ist der Preis der Entscheidung“, schreibt sie.

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit dieser Ausgabe!

eGovernment jederzeit & überall: Hintergründe und News rund um die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung online lesen.

Bereits freitags vor der Print-Ausgabe online verfügbar: eGovernment.de/digitale_ausgaben

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lisierung der Verwaltung und Öffentliche Sicherheit. Sie informiert IT-Entscheider in Bund, Land, Kommune und in den Öffentlichen Einrichtungen über alle fachlich relevanten Bereiche der digitalen Informationsverarbeitung im Public Sector. Das Onlineportal www.eGovernment.de stellt maßgeschneiderte Services für IT-Entscheider der Öffentlichen Hand dar und bietet ein umfangreiches, exklusives Webangebot mit hohem Nutzwert. Das Stammhaus Vogel IT-Medien, Augsburg, ist eine 100prozentige Tochtergesellschaft der Vogel Communications Group. Der führende deutsche Fachinformationsanbieter mit rund 100 Fachzeitschriften und 60 Webseiten sowie zahlreichen internationalen Aktivitäten hat seinen Hauptsitz in Würzburg.

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Der eGovernment Summit bietet die Chance für fachlichen Austausch.

Sachsen-Anhalt

Mit den Kommunen arbeiten, nicht über sie bestimmen

Kann das Sachsen-Anhalt-Modell mit gebündelten Services als Blaupause auch für andere Bundesländer dienen? Landes-CIO Bernd Schlömer erklärt im Interview, worauf es dabei ankommt Weitere Themen: Runde Tische für die digitale Souveränität und eine Cyber Range für Kommunen.

DieArbeitmitdenKommunensteht in Sachsen-Anhalt weit oben auf der Agenda der Verwaltungsdigitalisierung – seit mehreren Jahren, in diesem Jahr aber mit besonderem Nachdruck: Die Zentralen Service-Angebote (ZSA) sollen noch in der laufenden Legislaturperiode eingeführt werden.

Wie ist denn der aktuelle Stand bei den Zentralen Service-Angeboten?

Schlömer: Die Kommunen haben uns zunächst 15 Online-Dienste genannt, die sich für eine Bündelung anbieten. Diese haben wir dann dahingehend analysiert, ob dies umsetzbar ist. Elf Dienste können wir im Ergebnis für eine Zusammenführung vorschlagen und bei zwei Onlinediensten – Wohngeld und Hundehaltung – haben wir auch gleich pilotiert – inklusive Prozessoptimierung. Dabei konnten wir feststellen: Es funktioniert mit der Bündelung. Damit haben wir auch den Startpunkt in den Realbetrieb gesetzt.

Was genau bedeutet Bündelung, werden die Leistungen dann für die Nutzenden zentral, etwa über eine Plattform, zur Verfügung gestellt?

Schlömer: Wir bilden eine zentrale Stelle, die als Verwaltungshelfer für die Kommunen fungiert und führen hier Backend-Prozesse – also den IT-Prozess, die Datenverarbeitung und die Fachverfahren – an zentraler Stelle zusammen. Beim Wohngeld fokussieren wir zum Beispiel vor allem auf die Vollständigkeitsprüfung, die wir zentral und automatisiert durchführen wollen. Die Antragsstellung läuft weiterhin über die Kommunen, auch die Bescheide kommen aus der Kommune. Es ist für die Kommunen auch ein Angebot, das auf Freiwilligkeit beruht. Keine Kommune ist gezwungen, mit in die Bündelung einzusteigen. Das ist uns sehr wichtig, denn die kommunale Selbstverwaltung wollen wir nicht antasten. Wir wollenlediglichgewährleisten,dass die Kommunen ihre Aufgaben besser bewältigen können. Die Menschen sollen weiterhin sehen, dass unsere Kommunen solide arbeiten. Das ist wichtig für die demokratische Willensbildung von Bürgerinnen und Bürgern, die in der Regel im kommunalen Raum stattfindet. Politik, Demokratie und Verwaltung werden dort hautnah gespürt. Im Rathaus erleben die Menschen, wie der Staat seine Aufgaben wahrnimmt. Dafür wollen wir die kommunalen Selbstverwaltungenunter

den angespannten Bedingungen des demografischen Wandels so stärken und ertüchtigen, dass sie auch in Zukunft ihre Aufgaben in der Fläche wahrnehmen können. Das ist vielleicht ein nicht so weitreichender Zentralisierungsansatz wie der des BMDS. Aber wir sind in einem Bundesland, wo die Menschen ohnehin Staatsferne beklagen. Und wir wollen vermeiden, dass der Eindruck entsteht, alles wird in Berlin oder an zentraler Stelle entschieden.

Wie soll das Ganze umgesetzt werden, wie kommen die Leistungen dann letztlich in die Kommunen?

Schlömer: Für die Umsetzung wollen wir idealerweise eine GmbH gründen, gemeinsam mit den Kommunen. Die Kommunen wollen uns mit dabeihaben, das ist eben das Neue, eine gemeinsame Organisation von Land und Kommunen. Und in dem Prozess sind wir derzeit. Die Kommunen, die – freiwillig, das ist immer ganz wichtig – mitmachen wollen, können sich beteiligen. Sie würden für die Durchführung des Verfahrens entsprechend Entgelte zahlen. Aber wir konnten bei der Pilotierung zum Wohngeld bereits nachweisen, dass die Bündelung den Aufwand sehr, sehr stark reduziert. Kommunen könnten also die Vollständigkeitsprüfung wesentlich effizienter durchführen. Wir müssen dann in einem zweiten Schritt mit den Kommunen besprechen, wie personelle Ressourcen für die Durchführung an gebündelter Stelle bereitgestellt werden können. Hier sind gegenwärtig noch Fragen offen, etwa mit Blick auf Anwerbung, Qualifizierung und Bindung an die zentrale ServiceEinheit.

Sind die Kommunen dazu bereit? Schlömer: Wir haben bereits mehrere Absichtserklärungen (Letter of Intent) vorliegen und auch gezeichnet. Wir haben auch mit den kommunalen Spitzenverbändengesprochen; der Städte- und Gemeindebund etwa hat hohes Interesse, weil gerade Wohngeldanträge nach Darstellung des Verbands aufgrund des Personalmangels kaum mehr durch die einzelnen Kommunen zu bewältigen sind.

AuchwennderFachkräftemangel Handlungsdruck erzeugt, grundsätzlich setzt Sachsen-Anhalt ja auf Freiwilligkeit, lassen sich damit Leistungen zügig in die Fläche bringen? Die Frage stellt sich auch vor dem Hintergrund,

dass das Sachsen-Anhalt-Modell als Blaupause für andere Bundesländer dienen könnte. Wir wollen den Kommunen auf Augenhöhe begegnen und partizipativ, kollaborativ Dinge auf den Weg bringen. Ein Top-down-Ansatz ist aus meiner Sicht kein Erfolgsmodell. Wir wollen mit den Kommunen arbeiten und nicht über sie bestimmen. Dazu haben wir im Projekt „Gemeinsam Digital für Sachsen-Anhalt“ ein robustes Netzwerk für Austausch und Interaktion geschaffen, das sich mittlerweile selbst trägt. Nach mehreren Jahren der Zusammenarbeit ist unsere Erfahrung auch, dass kommunale Spitzenverbände anders agieren als die Kommunen selbst, da gab es zu AnfangvielMisstrauen.Inzwischen konnten wir Vertrauen aufbauen und arbeiten jetzt wirklich Hand in Hand.

Wir würden unsere Erfahrungen und die Erkenntnisse aus der Machbarkeitsstudie gern mit anderen Bundesländern teilen und die Bündelung auch länderübergreifend ausprobieren Das Interesse spüren wir,inBrandenburg,Thüringenund Sachsen zum Beispiel. Wir haben dasauchdemBMDSangeboten,hier sind aber Hessen und Bayern für das Modellprojekt mit den Kommunen ausgewählt worden. Aus meiner Sicht ist es schwer nachzuvollziehen, dass man gerade zwei der finanzstärkstenLändermitGeldern unterstützt.

Wie lässt sich das Erreichte über die jetzige Legislaturperiode hinaus sichern und verankern?

Schlömer: Es geht mir in der Tat um eine langfristige Lösung für die Kommunen und wenn wir jetzt wie geplant die gemeinsame GmbH gründen können, dann erreichen wir das auch. Ähnlich wie mit der Kommunalen IT Union KITU, einer Genossenschaft, in der sich Kommunen in Sachsen-Anhalt für Digitalisierungsvorhaben zusammengeschlossen haben. Durch unseren

Carola HeilemannJeschke über den Mut zu unpopulären Entscheidungen.

„Cyber Range für Kommunen“ ist im Gespräch, was ist die Idee dahinter?

Bernd Schlömer ist Staatssekretär für Digitalisierung im Ministerium für Infrastruktur und Digitales des Landes SachsenAnhalt und Beauftragter der Landesregierung für die Informationstechnik (CIO).

Beitritt als Land haben wir ein Inhouse-Verhältnis begründet und konnten so alle Online-Dienste, die das Land zentral eingekauft – und bezahlt – hat, dezentral zum Rollout zur Verfügung stellen. Das Land zahlt auch die Anbindung an die Fachverfahren und den Rollout; auf diese Weise konnten wir im Vergleich zu anderen Bundesländern stark aufholen.

WiewirddiedigitaleSouveränität bei der Verwaltungsdigitalisierung berücksichtigt und sichergestellt?

Schlömer: Das Thema ist natürlich auchbeiunsaktuell,geradevordem Hintergrund der Diskussion um Microsoft und den Internationalen Strafgerichtshof. Gemeinsam mit unserer Landesdatenschutzbeauftragten, Maria Christina Rost, und der Professorin Jana Dittmann von der Universität Magdeburg haben wir eine Roundtable-Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. In diesem neuen Format mit Vertretern aus Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft wollen wir herausfinden, wo die Herausforderungen liegen und welche Schritte wir gehen müssen, um mehr digitale Souveränität für Sachsen-Anhalt erreichen zu können Der Auftaktworkshop hat am 26. Februar an der Universität in Magdeburg stattgefunden und war öffentlich, danach sind jetzt drei weitere geschlossenen Gesprächsrunden mit Expertinnen und Experten geplant. Wir wollen uns auch Impulse holen aus anderen Bundesländern, vielleicht ein Erfahrungsbericht aus Schleswig-Holstein zur Einführung von Open Source, das wäre für uns zum Beispiel interessant.

Angesichts der derzeitigen Lage ist auch die Cybersicherheit ein hochaktuelles Thema, SachsenAnhalthatnichtnureinschlägige Erfahrungen seit dem Angriff auf Anhalt-Bitterfeld, sondern auch eigene Lösungsansätze. Eine

Schlömer: Die Idee ist, ein Übungsund Planspielzentrum für die Gewährleistung kommunaler Cybersicherheit zu schaffen, in dem Kommunen und andere Behörden Cyberangriffe und ihre Begegnung mit Blick auf die eigene Organisationsstruktur erproben können. Das heißt, Bürgermeister oder Landräte kommen mit ihren Teams ins Übungszentrum und können dann wirklich die Abläufe in einem Reallabor konzentriert durchspielen, ohne Ablenkung vom Tagesgeschäft. Ich denke, das ist viel nachhaltiger, als etwa einen Vortrag anzuhören.

Hierfür gibt es zwar schon durchausmarktgängigeCyberRangesbeispielsweise für kommunale Unternehmen wie Energie- oder Wasserversorger, aber eben noch nicht für Landratsämter oder Rathäuser Auch wenn man dabei nicht mit Echtdaten arbeiten kann, lassen sich doch realitätsnahe Szenarien gestalten. Die Fragen bleiben ja die gleichen, unabhängig von der konkreten Kommune: Was passiert, wenn die Leistungsverwaltung ausfällt? Wie arbeiten wir mit der Polizei und dem BSI zusammen, wie gehen wir mit der Presse um? Ich möchte dazu eine Machbarkeitsstudie beauftragen und eine Zusammenarbeit mit der Cyberagentur, die ihren Sitz in Halle hat, anstreben. An den Szenarien könnten sich auch IT-Dienstleister beteiligen, Kommunen könnten für den Ernstfall üben, CERT und BSI könnten sich einbringen und daraus Erkenntnisse für Trainingskonzepte gewinnen. Es gäbe viele Gewinner.

Abschließend noch ein Blick über die Landesgrenze hinaus: Sie haben gemeinsam mit dem CIO aus Rheinland-Pfalz den Vorsitz beim IT-Standardisierungsboard. Wie ist denn der Stand der geplanten Evaluierung des Boards und wie beteiligt sich das IT-Standardisierungsboard am Deutschland-Stack?

Schlömer: Die Evaluierung läuft, wir haben im Januar bereits die Ergebnisse unserer Umfrage besprochen, es geht dabei zum Beispiel um die Zusammensetzung des Gremiums, Sitzungsturnus, Arbeitspakete, aber auch um die Vorsitzfrage Dazu legen wir dem ITPlanungsrat zur Junisitzung einen Bericht vor. Beim Deutschland-Stack haben wir uns nicht über den Konsultationsprozess beteiligt, sondern über den Lenkungsausschuss, der sich mit der Governance und Abgrenzung von Deutschland-Architektur und D-Stack befasst. Ich habe selbst an mehrerenSitzungen teilgenommen und auf diesem Weg haben wir unsere Empfehlungen eingebracht. Wir haben auch die Zusage des BMDS bekommen, dass das IT-Standardisierungsboard künftig auch mit Standardisierungsfragen zum D-Stack befasst werden soll.

Das Interview führte Nicola Hauptmann

Brandenburg

Impulse auf Schloss Neuhardenberg

Ein Jahr Bundesdigitalministerium, ein weiteres Jahr auf dem Weg zur Verwaltungsdigitalisierung und Staatsmodernisierung. Der eGovernment Summit bietet den Raum, um sich auszutauschen, Strategien zu schärfen und Allianzen zu schmieden. Die Veranstaltungspartner des Summits geben einen Ausblick auf die drängendsten Themen.

Der diesjährige eGovernment Summit findet auf Schloss Neuhardenberg statt. Ein Ort mit Geschichte: Hier verkündete der damalige Kanzler Gerhard Schröder seine „Agenda 2010“.

Die Vorsätze für ein neues, weiteres Jahr auf dem Weg zur Verwaltungsdigitalisierung sind stets ambitioniert, doch 2026 dürfte tatsächlich zu einem Wendepunkt werden. Föderale Modernisierungsagenda, Deutschland-Stack unddigitaleSouveränität–derRahmen ist klar gesteckt. Für die Umsetzung sind Kooperationen auf Landes- und kommunaler Ebene ebenso wichtig wie eine Koordinierung der vielfältigen Aktivitäten. Der eGovernment Summit wird in diesem Jahr zeigen, welche Ideen für die Umsetzung tragfähig sind, welche Strategien vielleicht nachgeschärft werden müssen und was momentan die drängendsten Themen sind.

Zentrales Thema:

Digitale Souveränität

„Der digitalen Souveränität messen wir eine strategische Schlüsselbedeutung für Wirtschaft, Staat

und Gesellschaft bei“, legt sich Isabel Netzband, Director Government Relation & Public Affairs bei Fsas Technologies, fest. Digitale Souveränität sei „kein ideologisches Projekt, sondern ein operatives Steuerungsinstrument“. Es umfasse technologische Souveränität (Portabilität, Multi-Cloud-Architekturen), Datensouveränität (Lokalisierung, Verschlüsselung), betriebliche Souveränität (Governance, Lieferkettentransparenz) sowie strategische Resilienz. „Angesichts zunehmender geopolitischerSpannungen,regulatorischer Anforderungen (DSGVO, DORA, NIS-2) und wachsender Datenabhängigkeit ist digitale Souveränität daher für uns kein ‚Nice-to-have‘, sondern eine Grundvoraussetzung für wirtschaftliche und politische Handlungsfähigkeit Europas im 21. Jahrhundert“, betont Netzband. Auch Klaus Poensgen, Vice President Sales Länder & Kommunen bei der Deutschen Telekom,

ist überzeugt: „Digitale Souveränität ist für uns elementar: Eigenverantwortliche Kontrolle über Daten, Prozesse und Infrastruktur sind Voraussetzung für Vertrauen, Sicherheit und Innovationsfähigkeit der Verwaltung.“

Helmut Lämmermeier, Geschäftsleiter Public Sector bei der msg systems ag, weist aber darauf hin, dass noch nicht geklärt sei, wie digitale Souveränität in Gänze hergestellt werden könne und wie sie zu kategorisieren sei: „Es ist ein Unterschied, ob man in die wirtschaftliche Abhängigkeit eines Hyperscalers gerät oder ob eine externe staatliche Regierung die Möglichkeit besitzt, die staatliche IT stillzulegen.“ Dr. Stephan Klein und Hartje Bruns von Governikus ergänzen in diesem Zusammenhang, dass Open-Source-Software ein relevantes, aber nicht abschließendes Thema sei. Bundesländer und Kommunen werden sich noch eine ganze Zeit lang in Abhängigkeiten begeben müssen“, sind sie überzeugt.

Dieser These schließt sich Ingo Rosenbaum, Director Public Sales bei Sophos, an: „Deutschland wird weiterhin für die nächsten fünf bis zehn Jahre von US-Digitalfirmen abhängig sein allein was die Infrastruktur angeht. Da helfen auch keine deutschen Rechenzentren oder lokale Cloud-Anbieter, da die darunter liegende Technik in deren Rechenzentren weiterhin Produkte von US-Firmen sind.“ Matthias Klein, Senior Vice President von Conet, weist darauf hin, dass die Debatte um digitale Souveränität häufig auf die Frage nach einer Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern, speziell US-Hyperscalern, verkürzt werde. „Souveränität ist mehrdimensional“, betont er. „Sie umfasst rechtliche Absicherung, Exit-Strategien, Sicherheitsarchitektur, technologische Kontrolle, LeistungsfähigkeitundWirtschaft-

lichkeit – jeweils bezogen auf den konkreten Use Case.“ Langfristig entstehe digitale Souveränität durch den Aufbau zentraler Verwaltungsdienste, klarer Standards und eines tragfähigen, souveränen Ökosystems – „nicht durch technologische Abgrenzung, sondern durch strategische Steuerung“. Souveränität als langfristiges Ziel wird durchweg unterstützt. Für Jan-Lars Bey, Senior Partner bei

Cassini, sichere Souveränität die Handlungsfähigkeit. „Gerade weil vollständige Souveränität (zum Beispiel Hardware) schwierig ist, müssen wir das, was möglich ist, jetzt konsequent umsetzen – inklusive Exit-Fähigkeit, Standards und sicherem Betrieb“, fordert Bey und ergänzt: „Dazu gehört auch ein neues Verständnis von Digitalpolitik als Wirtschaftspolitik. Souveräne, europäische Lösungen sind nicht nur Katalysator für Resilienz in Verwaltung und Wirtschaft, sondern echter Standortfaktor.“

In die Umsetzung kommen

Die Bedeutung aktueller Verwaltungsthemen wie eine digitale Souveränität ist bekannt, doch letztlich muss auch geliefert werden. Harald Felling, CEO der ]init[ AG, mahnt eine „konsequente Fortsetzung, Durchsetzung und Umsetzung der bekannten Themen und Vorhaben auf der Agenda“ an. „Das wäre mehr wert als schon wieder neue Themen“, sagt Felling. „Oberste Priorität sollten durchgängige Plattformarchitekturen haben, die Verwaltungsleistungen flächendeckend Ende-zu-Ende abbilden.“ Ebenfalls zentral: Automatisierung und künstliche Intelligenz. Bei allen Themen wichtig: Die Ansätze gemeinsam denken. „Wir brauchen mehr Schub bei konkreten Plattformvorhaben, die Verfahren, Stakeholder, Komponenten und Technologien integrieren und Verwaltungsprozesse automatisieren und digitalisieren und so konkreten Mehrwert erzeugen können“, sagt Felling NOOTS stehe bereit, um das Once-Only-Prinzip endlich zum Leben zu erwecken: „Erste Erprobungsprojekte sind da, und Register können ganz konkret modernisiert werden.“

Für Governikus sollten die Themen „Digitale Transaktionen“ und „Standards statt Produkte“ schnellstmöglich auf die Agenda, msg bringt die EUDI-Wallet als Grundlage für den Zugang zu Online-Leistungen ins Spiel – und Marktplätze. Es müssten sich „ein paar wenige Marktplätze etablieren, welche die Bereitstellung und den Zugriff auf digitale Lösungen ermöglichen“, erklärt Lämmermeier. Dazu gehöre auch, das Vergabe-

Bild: Fo to kraft we rk
Helmut Lämmermeier (msg)
Bild: msg
Dr. Stephan Klein (l.) und Hartje Bruns von Governikus
Philip Schmidt (Cassini)
Bild: Cassini
Jan-Lars Bey (Cassini)
Bild: Cassini
Matthias Klein (Conet)
Bild: Conet

eGovernment Kommunal Digital Conference 2026

So stabil wie nötig und so flexibel wie möglich

Während sie KrisenbewältigenundmitKIexperimentieren, suchen Kommunen nach dem richtigen Maß an digitaler Abhängigkeit. Auf der eGovernment Kommunal Digital Conference 2026 ging es unter anderem um die Frage, wie dies gemeinsam zu schaffen ist

Zwischen Absicherung und Aufbruch, KI und Compliance, Sachdienlichkeit und Souveränität: Die Verwaltungsdigitalisierung findet sich immer wieder zwischen zwei Stühlen, zeigte die eGovernment KommunalDigitalConference2026. Rund 250 virtuell zugeschaltete Gäste verfolgten ein Programm, das deutlich machte: Die größten Herausforderungen liegen nicht allein in der Technik, sondern in Abhängigkeiten, Kultur und der Frage, wie schnell die öffentliche Verwaltung sein kann – und muss.

Zum Auftakt sprach sich Marian Schreier von GovTech Kommunal für gemeinsame Infrastrukturen aus. Seine Botschaft: Kommunen müssen wegkommen von Einzelprojekten hin zu standardisierten, nachnutzbaren Lösungen. Wie ein App Store für Verwaltungssoftware funktioniere dabei die Deutschlandplattform: Lösungen ließen sich ohne lange Vergabeverfahren direkt beziehen und betreiben. „Wir sind inhousefähig“, erklärte Schreier Das bedeute schnellere Beschaffung und mehr Tempo im digitalen Rathaus.

Auf Wirkung setzen

Das fehlende Tempo beschäftigt derweil auch Tanja Schweiger und Alexander Völkl vom Landkreis Regensburg. Sie schilderten, wie halbe Digitalisierung“ Bürger frustriert, beispielsweise wenn sie trotz Online-Antrag noch persönlich erscheinen müssen. „Dann sagen die Leute: ‚Das mache ich nicht wieder!‘“, so Völkl. Das Problem: Fehlende Schnittstellen zu Fachverfahren verursachen Medienbrüche. „Wir erfassen im Jahr 2026 immer

Hier setzten Stefanie Köhl vom Stein-Hardenberg-Institut und Jana Janze mit ihrer Kritik an. Zu häufig würden Digitalprojekte aus den falschen Gründen gestartet: verfügbares Budget, politischer Druck oder der Wunsch, „auch mal was mit KI zu machen“. Ihre Forderung: „Wirkung muss an erster Stelle stehen.“ Die übliche Logik müsse umgekehrt werden: Nicht Input (Budget), sondern Outcome (Veränderung) und erst dann Output (Lösung) sollten die Reihenfolge be-

aufwendig ist Das ist mein Ansatzpunkt.“ Neu entwickelt hat der Landkreis Intellex, eine KI-Plattform, die auch andere Kommunen nachnutzen können.

Ähnlich pragmatisch ging man in Hannover vor. Laura Askri berichtete über Hanni, einen KI-Chatbot für den Bürgerservice, der DSGVOkonform auf europäischen Servern läuft. „Wir arbeiten fast ausschließlich mit KI-generierten Antworten“, so Askri Auch Halluzinationen kämen vor, aber das Admin-Center er-

Emsig: Als Brücke zwischen Staat und Bürgerschaft müssen deutsche Kommunen ebenso stabil wie flexibel sein.

stimmen. Eine Studie der beiden belegt: Die meisten Kommunen wissen am besten über ihr Budget Bescheid, aber nur die wenigsten können sagen, was ihre Projekte bewirkt haben.

Diese Wirkungsorientierung spiegelte sich in KI-Beispielen wider Sabrina Donner aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg stellte mit Emma ein RPA-System vor, das repetitive Aufgaben automatisiert –etwa die Prüfung von Unterhaltsvorschuss-Anträgen. Die Erfolgs-

mögliche es, diese nachzuvollziehenundgegenzusteuern.EinenEinblick in ein groß angelegtes Projekt gab Sören Alvermann aus Hamburg mit der KI-Textassistenz LLMoin.

Cyberhygiene ist essentiell

Doch angesichts all der Innovation nimmt auch die Angriffsfläche zu Swantje Westpfahl, Cyber- und ITKrisenmanagerin, warf einen unbequemen Blick auf die Bedrohungslage.IhreKernbotschaft:Ran-

„Die sind nicht ideologisch getrieben, sondern nur am Geld interessiert.“ Der öffentliche Dienst sei mit 38,2 Prozent der Angriffe laut Enisa-Report der am stärksten betroffene Sektor, wobei viele Angriffe schlicht auf veraltete Systeme, schwache Passwörter und Phishing setzen.„Cyberhygieneistessentiell“, mahnte Westpfahl. Diese Perspektive griff Krisenmanagerin Sabine Griebsch auf, die als technische Einsatzleiterin den Ransomware-Angriff auf Anhalt-Bitterfeld bewältigt hat. Ihre Erfahrung: „Krisen müssen als strukturelle Normalität kommunaler Digitalisierung begriffen werden.“ Jedes Digitalisierungsprojekt sei zugleich ein Eingriff in die Krisenarchitektur einer Kommune. Griebsch forderte deshalb regelmäßige Übungen, klare Führungsstrukturen und professionelle Krisenkommunikation. Ihr Appell: „Resilienz ist Führungsaufgabe.“

Zwischen Abhängigkeit und Gestaltungswillen

Die Frage nach dem richtigen Maß digitaler Souveränität stand im Mittelpunkt der Panel-Diskussion mit Westpfahl, Griebsch, Peter Adelskamp (CDO Stadt Essen), Miriam Seyffarth (Open Source Business Alliance) und Alexandros Bouras (ZenDiS). „Wir müssen nach und nach aus dieser Umklammerung raus – überall dort, wo wir Leistungen als Kommune im Bereich Daseinsvorsorge erbringen müssen“, meinte Adelskamp.

Die Schmerzpunkte waren schnell umrissen: explodierende Lizenzkosten, Blackbox-Systeme und fehlende Standards. Seyffarth führte als Beispiel München an, das derzeit von VMware auf Open-SourceAlternativen umstellt – mit dem Ziel von Kostensicherheit und höherer Flexibilität. „Wir befinden uns immer noch in der Digitalisierung“, konstatierte Westpfahl – ein Kapitel, das eigentlich hätte abgeschlossen sein sollen, um sich nunmehr souverän aufstellen zu können. „Aber das wird nicht gemacht.“

Der erste Schritt müsse sein, bestehende Abhängigkeiten transparent zu machen; analog dazu empfahl auch Seyffarth, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen: „Welche Software haben wir überhaupt

Griebsch mit Blick auf Krisenvorsorge und das Blackbox-Problem. „Wir können nicht abschätzen, was dort drinnen passiert und was mit unseren Daten geschieht.“ Bei der Simulation von Angriffen auf IT-Infrastrukturen fehle der Einblick in proprietäreSoftware.IhrRat:„Fangt mit den priorisierten Leistungen an, mit den wichtigen Leistungen.“ Bouras verwies auf OpenCode, die Plattform des ZenDiS. „Wir bieten Transparenz: Welche Software gibt es, wo kann ich mich anschließen?“ Die Plattform erstelle automatisiert Software-Stücklisten und informiere Entwickler bei Sicherheitslücken per Ticket. „Das ist eine Antwort auf Fachkräftemangel und das Thema Blackbox.“ Zudem ermögliche OpenCode Nachnutzung, man müsse nicht alles neu erfinden.

Kultur schlägt Strategie

DieKonferenzbeschlossJuliaLupp, Leiterin des Landratsstabs im Rheingau-Taunus-Kreis und Gründerin der Amtshelden. Ihre These: „Culture eats strategy for breakfast.“ Lupp erzählte von einer Kita-Erzieherin, die Mitte Dezember 2022 –zwei Wochen nach dem Deutschland-Launch – mit ChatGPT einen Elternbrief verfasst hatte. „Ohne Schulung, ohne Dienstanweisung, einfach gemacht.“ ChatGPT habe fünf Tage für eine Million Nutzer gebraucht, Facebook zehn Monate „Noch nie ist irgendwas in so einer Geschwindigkeit in die Gesamtgesellschaft eingedrungen.“

Während die Technologie aber disruptiv voranschreite, müssten Ideen in Verwaltungen oft den fünfjährigen Dienstweg durchlaufen. Lupp forderte deshalb Mut zum Unfertigen, Mikrolernen als Dauerzustand und die Bereitschaft, auch dünnste Bretter zu bohren: „Transformation fängt nicht im Strategiepapier an, sondern in der Haltung, Dinge einfach mal zu probieren.“ Die größte Gefahr für die Demokratie stellten nicht Trump oder Putin dar, sondern dass die Verwaltung morgen nicht mehr leistungsfähig sei: „Wir sind die Brücke zwischen Staat und Bürgerschaft – und diese Brücke muss erdbebensicher sein: stabil wie flexibel.“ aus

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recht zu überarbeiten, „sodass über die angesprochenen Marktplätze auch Lösungen der Industrie bereitgestellt und einfach ohne großeAusschreibungenbeschafftwerden können“. Sein Wunsch an den Bund lautet folgerichtig: „Den Marktplatz Deutschland Digital für privatwirtschaftliche Unternehmen freischalten, dass diese ihre Lösungen dort einstellen können und die Behörden diese Lösungen einfach ohne Ausschreibung über den Marktplatz einkaufen/beziehen können.“

Martin Greiwe, Vorstandssprecher von d.velop, weist auf die Bedeutung von Standards hin, denn „ohne verbindliche Standards wird jede Kommune und jedes Land immer wieder das Rad neu erfinden“. „Eine freiwillige interkommunale Zusammenarbeit, wie sie in einigen Pilotprojekten bereits existiert, kann ein guter Anfang sein“, meint Greiwe. Richtung Bund und BMDS formuliert er daher die Bitte, konsequent auf verbindliche Standards zu setzen und „Umsetzung vor vermeintlicher Perfektion“ zu priorisieren. Auch KI und KI-Agenten könnten sofort spürbare Entlastung bringen, „wenn sie konkret an realen Problemen ansetzen, als Entlastung gedacht und nicht nur

als abstrakte Technologie diskutiert werden“, betont Greiwe. Doch auch bei Online-Behördenleistungen gilt: Sicherheit geht vor „Wir brauchen ganz schnell starke Verschlüsselungen, die auch von Quanten-Computern nicht geknackt werden können“, fordern Klein und Bruns. Diese seien heute zwar weder fehlerfrei noch auf dem Vormarsch. „Da wir aber in wenigen Jahren die Verfügbarkeit solcher Rechner bei diversen Geheimdiensten erwarten dürfen, müssen wir dafür Sorge tragen, dass Daten, die heute von diesen Akteuren gesammelt werden für eine spätere Entschlüsselung und Auswertung, heute schon langfristig geschützt sind.“ Ebenso wichtig wie IT-Sicherheit ist, alle Menschen mitzunehmen. „Auch Weiterbildung der Mitarbeitenden und digitale Barrierefreiheit gehören

dringend auf die Agenda“, ergänzt Klaus Poensgen.

Schneller werden

Harald Felling bringt das Thema Bürokratieabbau ins Spiel: „Nur wenn wir Verfahren beschleunigen, automatisieren und digitalisieren,könnenwiraktivBürokratie abbauen und die Investitions- und wirtschaftlichen Rahmenbedingung in Deutschland deutlich verbessern.“DafürmüsstendieGrundlagen vorhanden sein – bei den Infrastrukturen, durch moderne Architekturen und offene Verfahren. Felling betont: „Das bedeutet auch Mut und Entschlossenheit bei Investitionen, um Wirkung auch in Form der digitalen Dividende konsequent zu messen und zu erreichen.“

„Es muss in Sachen Behördenstrukturen im großen Stil verschlankt und vereinfacht werden“, nennt Rosenbaum einen weiteren Punkt und erläutert: „Wir haben bei der Cyberabwehr in jedem Bundesland eine CERT-Stelle, eine Beauftragtenstelle und viele andere Institutionen. Wenn wir all diese mehrfach redundanten Strukturen abbauen würden, wären wir schon ein gutes Stück weiter.“

Lämmermeier ergänzt: „Um eine Beschleunigung zu erreichen, wäre es wünschenswert und zielführend, den privatwirtschaftlichen Unternehmen einen einfachen Zugang zu den Endkunden zu ermöglichen. Oder umgekehrt den BehördendieMöglichkeitzugeben, einfach und schnell und ohne Vergaberechtshürden auf die Lösungen der privatwirtschaftlichen Unternehmen zugreifen zu können.“

BMDS und Zielbilder: Hürde oder Treiber?

Können die vielen Agenden, Vorschläge und Gesetze oder auch das neue Digitalministerium auf Bundesebene dazu beitragen, die Ver-

waltungsmodernisierung voranzutreiben, oder sind diese Initiativen nicht eher Hürden auf dem

Weg zum Ins-Machen-Kommen?

„Jede zusätzliche Behörde bedeutet automatisch zusätzliche Bürokratie – und die braucht momentan kein Mensch“, meint Ingo Rosenbaum und vertritt damit eine klare Meinung.

Isabel Netzband sagt: „Absichtserklärungen und Gesetze schaffen zunächst wichtige politische und rechtliche Grundlagen für die Verwaltungsmodernisierung. Sie

setzen Ziele, definieren Zuständigkeiten und geben Reformen eine klare Richtung.“ Gleichzeitig aber entstünden zusätzliche Abstimmungsprozesse. „Gerade im föderalen System kann dies die Umsetzungverlangsamen“,meintsie.Entscheidend seien daher klare Verantwortlichkeiten, ausreichende Ressourcen und konkrete Projekte. Netzband: „Strategien sind nur dann hilfreich, wenn sie zügig in praktische Maßnahmen überführt werden. Damit sind solche Initiativen wichtige Grundlagen –ihre Wirkung zeigt sich aber erst im tatsächlichen Handeln.“ „Strategien und Absichtserklärungen sind wichtig, aber sie ersetzen keine Umsetzung“, bestätigt Greiwe. Oft seien diese zu abstrakt oder zu weit weg vom praktischen Verwaltungsalltag. Die Modernisierungsagenda könne aber ein starker Hebel sein, wenn sie operative Klarheit schaffe: „Welche Standards sollen künftig gelten? Welche Technologien werden empfohlen? Welche Lösungen werden föderal bereitgestellt?“, nennt Greiwe beispielhaft drei zentrale Fragestellungen und rät: „Vielleicht auch einfach mal mit Bedacht die ersten Schritte starten.“ Die Verwaltung brauche weniger Rahmenwerke und mehr konkrete, nutzbare Angebote, die direkt im Amt ankommen.

Für Philip Schmidt, Partner Public Sector bei Cassini, sind Grundlagen und Zielbilder unverzichtbar, werden aber zur Hürde, „wenn sie Umsetzung verlangsamen oder zu viele Parallelvorhaben erzeugen“. Als Beispiel nennt er das Onlinezugangsgesetz (OZG): „Das OZG hat Zusammenarbeit befördert, war aber teils zu früh auf Breite ausgerollt – die Lehre ist: weniger Symbolik, mehr Delivery.“ „Unsere Wahrnehmung ist zudem“, fügt Schmidt hinzu, „dass Modernisierungsagenda, RegMo und DStack durchaus den lang ersehnten Orientierungsrahmen für Umsetzungsprojekte bieten. Dafür braucht es eine Abkehr von der

strikten ‚alle-mitnehmen‘-Logik: Die Koalition der Willigen muss vorangehen und liefern; andere Akteure werden – auch wegen Haushaltsdruck, Spezialisierung und Konsolidierung – nachziehen.“

Poensgen fasst diese Aspekte prägnant zusammen: „Gesetze und Programme wie das OZG, die Föderale Modernisierungsagenda oder das Digitalministerium sind wichtige Grundlagen für das „Digital First“-Prinzip – entscheidend ist nun die schnelle und pragmatische Umsetzung vor Ort.“

Wünsche an den Bund

Um dies zu schaffen, müsse der Bund laut Poensgen Rahmenbedingungen schaffen, welche die Modernisierung beschleunigen und nennt als Beispiele: Standards setzen, Innovationen fördern, für digitale Chancengleichheit sorgen. Bei Cassini setzt man indes auf ein klares und entschiedenes Portfoliomanagement, das an digitaler Rendite ausgerichtet ist. „Weniger Vorhaben parallel, dafür streng priorisiert nach Wirkung (Nutzungsquote, Durchlaufzeiten, Qualitäts-/ Kostenhebel) und konsequent gestoppt, wenn der Impact nicht stimmt“, fasst Bey zusammen. Die Forderung nach einer stärkeren Priorisierung nach Wirkung teilt Matthias Klein: „Weniger Pro-

jektvielfalt, mehr konsequente Skalierung erfolgreicher Lösungen.“ Klein fordert zudem mehr Mut zur Standardisierung: „Einheitliche Architektur-, Daten- und Schnittstellenstandards sind kein technisches Detail, sie sind die Voraussetzung für Tempo, Nachnutzung und echte Effizienzgewinne in der Fläche.“

Der Wunsch von Governikus an den Bund scheint klein, ist aber bedeutsam. „Bitte ganz schnell den PIN-Rücksetzdienst wieder einschalten und bitte auch wieder kostenfrei, sonst wird unsere EUDIWallet einen sehr schweren Start haben, denn ohne Online-Ausweis keine verbindlichen Daten in der Wallet“, machen Klein und Bruns klar und ergänzen, an das BMDS gerichtet: „Ihr seid da aber dran –sehr gut.“ su

Isabel Netzband von Fsas Technologies (a Fujitsu company)
Harald Felling von ]init[
Martin Greiwe (d.velop)
Bild: d. ve lop
Exklusivpartner
Ingo Rosenbaum (Sophos)
Bild: Sophos
Klaus Poensgen (Deutsche Telekom)
Bild: De ut sche Te le kom

Who is in charge?

Entscheidungsaversion untergräbt Demokratie

Im Vorfeld der 5 Digitalministerkonferenz und mit Blick auf die Sitzung des IT-Planungsrats hat sich Bremens CIO Carola Heilemann-Jeschke gefragt: Wann werden endlich die notwendigen Entscheidungen getroffen – und von wem?

Alle behaupten, sie wollen den handlungsfähigen Staat. Bund und Länder haben eine Föderale Modernisierungsagenda mit über 200 Maßnahmen beschlossen, die Bürokratie abbauen Verfahren beschleunigen und digitale Standards schaffen soll Der NOOTS-Staatsvertrag, das OZG-Änderungsgesetz, Registermodernisierung, föderale Digitalstrategie; auf dem Papier fügt sich ein beeindruckendes Mosaik. UnddocherlebenBürgerinnen,Bürger, Unternehmen und auch die eigene Verwaltung vor allem eines: Es geht zu langsam, zu kleinteilig, zu widersprüchlich.

Die Wahrheit ist: Nicht die Anzahl der Programme entscheidet über den Erfolg der Staatsmodernisierung, sondern die Bereitschaft, Macht zu bündeln und Entscheidungen wirklich verbindlich zu machen. Im Maschinenraum unseres Föderalismus sind es vier offene Fragen, die darüber entscheiden, ob der digitale Staat Realität wird oder ein weiterer Stapel guter Absichtserklärungen hinzukommt.

4 Fragen, an denen sich der digitale Staat entscheidet

Erstens: Wer entscheidet über die föderale Digitalarchitektur und wer trägt sie dann durch?

Mit Art. 91c GG und der neuen Modernisierungsagenda gibt es eine Verfassungsgrundlage und einen politischenRahmenfürdiegemeinsame IT von Bund und Ländern. Aber es fehlt die Instanz, die am Ende sagt: Das ist die Plattform, auf

der wir alle laufen. NOOTS, Registermodernisierung, BundID-nahe

Dienste. Alles hängt an der Frage, ob wir eine gemeinsame Infrastruktur als Pflichtaufgabe begreifen oder weiterhin jede Komponente partnerschaftlichbeschließen, aber föderal zersplittert betreiben. Ohne ein klares Zentrum für Architekturentscheidungen bleiben wir in der Logik des kleinsten gemeinsamen Nenners.

Zweitens: Bleibt der IT-Planungsrat ein Abstimmungsclub oder wird er zum Entscheidergremium?

Der IT-Planungsrat hat sich eine föderale Digitalstrategie gegeben, Zielbilder beschlossen und neue Instrumente zur Portfolio-Steuerung angekündigt. Doch solange er primär als Konsensforum arbeitet, in dem Einstimmigkeit wichtiger ist als Priorisierung, wird er kaum die Rolle einer echten Steuerungsinstanz einnehmen. Die Digitalisierung der Verwaltung braucht ein Gremium, das nicht nur neue Vorhaben startet, sondern auch alte beendet, Doppelstrukturen abbaut und Verbindlichkeit erzeugt, notfalls mit Mehrheitsentscheidungen. Genau das ist bislang kulturell und institutionell ungeklärt. Drittens: Wollen wir ein echtes „Government as a Platform“ oder 16+X Parallelwelten? OZG, Once-Only-Prinzip und NOOTS versprechen, dass Daten nur einmal erhoben und dann intelligent zwischen Behörden geteilt werden. Aber dieses Versprechen funktioniert nur, wenn Bund, Länder und Kommunen sich auf

wenige gemeinsame Basisdienste festlegen und aufhören, jede Lösung in 17 Varianten zu bauen. Die politische Sprache der Modernisierungsagenda (Bündelung, Abbau von Doppelstrukturen, einheitliche Standards) klingt bereits nach Plattformstaat, die Praxis unseres Vergabe-, Haushalts- und Zuständigkeitsrechts aber noch nach Kleinstaaterei. Die Frage lautet: Trauen wir uns, Plattformen verbindlich zu machen – mit allen Konsequenzen für Eigenlösungen? Viertens: Wie viel Entscheidungswille verträgt unser Föderalismus und wie viel Stillstand noch unsere Demokratie?

Die Modernisierungsagenda verspricht einen „schlanken und digitalen Staat“, der Vertrauen durch Tempo und Verlässlichkeit zurückgewinnt. Doch Vertrauen entsteht nicht aus Ankündigungen und Beschlussmagie, sondern aus sichtbaren Entscheidungen: aus Verfahren, die tatsächlich schneller werden, aus Registern, die wirklich zusammenarbeiten, aus IT, die für alle dasselbe bedeutet, vom kleinsten Rathaus bis zum Bundesministerium. Am Ende ist es eine Machtfrage: Sind wir bereit, Zuständigkeiten klar zuzuordnen, Standards verbindlich zu machen und auch einmal bewusst auf Vielfalt zu verzichten, um Handlungsfähigkeit zu gewinnen?

Diese vier Fragen sind keine technische Debatte, sondern vielmehr eine demokratische: Ob der Staat seine Modernisierung als Pflicht gegenüber den Bürgerinnen und

Carola Heilemann-Jeschke, CIO der Freien Hansestadt Bremen und Abteilungsleiterin beim Senator für Finanzen.

Bürgern versteht oder als Dauerkonferenz,inderallemitreden,aber niemand entscheidet Dabei gilt Macht bei vielen als das Dunkle in der Politik. Sie riecht nach Dominanz, Ego, Übergriff. Wer „anständig“ ist, will moderieren, nicht durchsetzen;überzeugen,nichtverlieren lassen. Gleichzeitig erleben wir eine Dauerkrise der Handlungsfähigkeit: Reformstau, Modernisierungsparalysen, eine ermüdete Staatsorganisation, die ihre eigenen Ansprüche nicht mehr erfüllt. Diese Spannung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines systematischenMissverständnisses:Wir haben Macht moralisch diffamiert und uns damit das wichtigste Werkzeug genommen, demokratische Entscheidungen in einer komplexen Welt überhaupt noch wirksam zu machen.

Macht ist demokratische Pflicht, kein Privileg

Die politische Kultur, gerade in Deutschland, misstraut der „harten“ Macht: der Fähigkeit, Interessen auch gegen Widerstand durchzusetzen. Macht wird schnell mit Machtmissbrauch gleichgesetzt. Die Folge: Menschen, die sich der Sache verpflichtet fühlen, distanzieren sich reflexhaft von Macht und überlassen das Feld jenen, die weniger Skrupel haben, sie für sich zunutzen.Demokratiefunktioniert aber nicht ohne Führung. Politische Ämter sind nicht dazu da, den Stuhl zu dekorieren, sondern dazu, Konflikte sichtbar zu machen, Interessen zu gewichten und Entscheidungen zu treffen. Das ist irgendwie in Vergessenheit geraten. In pluralen Gesellschaften gibt es keine Lösung ohne Verlierer. Wer in verantwortlicher Position seine Machtmittel nicht nutzt, also Entscheidungen aus Angst vor Widerstand vermeidet, verletzt sein demokratisches Mandat im Kern. Nicht zu entscheiden ist auch eine Entscheidung: für den Status quo, für Blockade, für die Verlagerung von Verantwortung an andere Ebenen. Dabei ist Macht zunächst neutral. Sie ist die Fähigkeit, Wirkung zu entfalten, positiv wie negativ. Moralisch wird sie erst durch Ziel, Transparenz und Grenzen. Macht für die Sache heißt: durchsetzen, was legitimiert, begründet und auf ein Gemeinwohlziel ausgerichtet ist – nicht, was dem eigenen Ego dient.

Die stille Krankheit komplexer Demokratien

Der Bremer Psychologe und Organisationsforscher Peter Kruse hat

früh beschrieben, wie Komplexität und Vernetzung Führung verändern Je vernetzter ein System, desto unüberschaubarer werden Nebenwirkungen. Kleine Entscheidungen können einen großenEffekt haben, Verantwortungswege verlieren sich im Dickicht von Zuständigkeiten. In dieser Lage kippt etwas: Führungskräfte beginnen, weniger Wirkung zu suchen, als Risiken zu vermeiden. Verantwortung heißt dann vor allem: bloß keinen Fehler machen, bloß keinen Shitstorm riskieren, bloß keine Schlagzeile provozieren. Kruse hat diese Logik einmal als „Regeln des totalen Stillstands“ verdichtet: Konflikte vertagen, Ambivalenzen nicht aussprechen,endlosprüfen,zusätzliche Gremien bilden, bis das System zwar ständig beschäftigt, aber faktisch blockiert ist.

In Politik und Verwaltung sehen wirgenaudieseMuster.Streitfragen werden in Arbeitskreise, Kommissionen und Runden Tische ausgelagert. Zuständigkeiten werden so verteilt, dass am Ende niemand mehr klar verantwortlich ist. Große Programme und Pakte erzeugen Bewegung auf dem Papier, ersetzen aber nicht die eine unbequeme Entscheidung, die wirklich etwas verändern würde.

So entsteht eine paradoxe Situation: Das System produziert permanent Modernisierungsrhetorik und perfektioniert gleichzeitig die Kunst, Verantwortung für die tatsächliche Umsetzung zu vermeiden.

Ein Lehrbuchfall der Verantwortungsdiffusion

Man muss nur auf die Prozesse von Staat und Verwaltung schauen. Seit Jahren wird die große Transformation proklamiert: digitale Verfahren, durchgängige Prozesse, Registermodernisierung, Entbürokratisierung. Gesetze werden beschlossen, Gipfel abgehalten, Strategiepapiere veröffentlicht. Und doch bleibt der Alltag vieler Bürger und Bürgerinnen: Formulare, Fax, Wartezeiten. Die Mechanik dahinter ist immer wieder dieselbe: Erstens, der föderale Verschiebebahnhof. Der Bund verweist auf die Zuständigkeit der Länder und auf die Finanzverfassung, die Länder auf den Bund, die Kommunen auf die fehlenden Rahmenvorgaben oder Ressourcen. Alle haben ein bisschen recht und genau das macht es so bequem. Wo alle zuständig sind, ist am Ende niemand verantwortlich. Zweitens,rechtlicheSchutzbehauptungen. Datenschutz, EU-Vorgaben, Haushaltsrecht oder Vergaberecht dienen als universale Bremser-Narrative. Allzu häufig werden Spielräume nicht ernsthaft ausgelotet, weil der Verweis auf „geht leider nicht“ weniger riskant ist, als der Versuch, Möglichkeiten auszuloten und dafür politisch einzustehen. Drittens, die Pilotitis. Überall entstehen Modellprojekte, Leuchttürme und Laborräume. Man erprobt, evaluiert, lernt und vermeidet so just die Entscheidung, erfolgreiche Muster wirklich zu verallgemeinern. Pilotprojekte sind bequem: Sie signalisierenTatkraft, ohne dass

jemand die Verantwortung für die Zumutung des Rollouts übernehmen muss.

Besonders deutlich wird das, wenn Gesetze scheitern oder durch politische Kompromisse verwässert werden, ohne dass es jemand wirklich „gehört“ haben will, etwa bei zentralen Vorhaben der Verwaltungsdigitalisierung. Die Konflikte sind real: Es geht um Steuerungshoheit, um Ressourcen, um Macht Aber sie werden nicht offen entschieden und verantwortet, sondern über Blockade ausgetragen. Verantwortung löst sich auf.

Viele Gremien, wenig Entscheidungen

Kaum irgendwo wird die Entscheidungsaversion so greifbar wie in der föderalen IT-Zusammenarbeit. Eigentlich ist das Setting klar: Ein gemeinsamer Staat, 16 Länder, tausende Kommunen und die Einsicht, dass es ohne gemeinsame Standards, Plattformen und Prioritäten nicht mehr geht. In der Praxis aber erzeugt genau diese Einsicht eine inflationäre Gremienlandschaft. Statt schlanker Entscheidungsrunden mit klaren Mandaten wachsen Arbeitskreise, Unterarbeitskreise und Projektboards. Jedes Land, jede Behörde, jeder IT-Dienstleister will „mitgenommen“ werden. Also sitzen immer alle am Tisch. Und weil alle am Tisch sitzen, wird vor allem geredet. Endlos. Über Zielbilder, Architekturen und Methoden, aber kaum jemand markiert den Punkt, an dem genug gesagt ist und entschieden werden muss. Statt sich auf eine gemeinsame Methodik zu einigen und dann Geschwindigkeit zu erzeugen, wird bei jedem größeren Schritt die Methodendebatte neu eröffnet. Im Verwaltungssystem vor Ort sieht das ähnlich aus: Digitalisierungsprojekte werden von großen Runden begleitet, in denen aus jedem Fachbereich jemand sitzt; alle wollen mitreden niemand will später „überfahren“ werden. Also wird so lange moderiert, bis entweder die Zeit, das Geld oder die politische Aufmerksamkeit erschöpft ist. Was fehlt, ist Verantwortungsübernahme im eigentlichen Sinn: Eine Person, die sagt „Wir hören jetzt auf zu reden und entscheiden“. Jemand, der bzw. die die Macht des eigenen Mandats nutzt, um Gremien einzudampfen, Zuständigkeiten zu bündeln und eine Methodik verbindlich vorzugeben. Nicht gegen jede Beteiligung, sondern gegen das Illusionsbild, wirkliche Modernisierung ließe sich ohne Zumutungen, ohne Prioritäten, ohne Machtgebrauch organisieren.

Entscheidungsaversion erstickt Demokratie

Gleichzeitig hat sich das Umfeld verändert. Die digitale Vernetzung hat die Gewichte verschoben: Bürgerinnen und Bürger sind lauter, schneller, sichtbarer. Erwartungen an Beteiligung, Transparenz und Problemlösung sind gestiegen. Wenn Institutionen in solch einer Situation zwar große Versprechen abgeben, aber Entscheidungen fak-

tisch vermeiden, entsteht ein gefährlicher Mix. Die sichtbare Leistung bleibt hinter den vollmundigen Ankündigungen zurück. Der Staat wirkt nach innen hochkomplex und nach außen unentschlossen. So wächst das Misstrauen. Menschen zweifeln nicht abstrakt an „der Demokratie“, sondern ganz konkret an ihrer Handlungsfähigkeit Wer erlebt, dass Verfahren endlos sind, Streitigkeiten nicht entschieden werden, Modernisierung verschleppt wird, ist empfänglich für diejenigen, die einfache Antworten versprechen und entschlossene Macht, gerne auch ohne Rücksicht auf Regeln.

Wie sich die Spirale stoppen lässt

Die naheliegende Antwort wäre: mehr Beteiligung, mehr Transparenz, mehr Diskurs. Das ist richtig, aber eben nicht die ganze Wahrheit. Denn Beteiligung ersetzt keine

Führungsteams in Politik und Verwaltung müssen sich regelmäßig fragen: Welche wichtigen Entscheidungen haben wir tatsächlich getroffen und welche nur weitergereicht, vertagt oder verkleidet? Allein die Bereitschaft, sich diese Frage ehrlich zu stellen, wäre ein Kulturwandel, im Ministerium genauso wie in der Lenkungsgruppe eines IT-Programms.

Viertens: persönliche Machtkompetenz. Besonders Menschen mit hohem Verantwortungsbewusstsein,oftFrauenund„moderne“Führungstypen, müssen lernen, Status und Rang nicht zu scheuen. Wer demokratische Macht ausübt, muss aushalten, dass es Widerstand gibt, muss aushalten, anzuecken, und unpopulär zu sein Transformationsentscheidungen werden niemals alle glücklich machen. Das ist der Preis der Entscheidung Wer das nicht aushalten kann, sollte die ihr oder auch ihm verliehene Macht zurückgeben.

Verantwortungsvoll und gemeinwohlorientiert ausgeübte Macht ist nicht zerstörend, sondern kann gewaltige Gestaltungskraft entfalten.

Entscheidung. Transparenz ersetzt keine Verantwortung. Diskurs ersetzt keine Richtung.

Wenn wir die Spirale der Entscheidungsaversion stoppen wollen, müssen wir Macht wieder als das begreifen, was sie in einer Demokratie sein sollte: ein öffentliches Mandat zur verantwortlichen

Durchsetzung und keine private Beute. Wie kann das gelingen? Worauf muss jetzt der Fokus gerichtet werden?

Erstens: klare Zuständigkeiten. Für zentrale Modernisierungsvorhaben muss erkennbar sein, wer wirklich verantwortlich ist, politisch und fachlich. Nicht „alle ein bisschen“, sondern „eine oder einer im Zweifel ganz“ Ohne diese Klarheit bleibt jede Agenda unverbindlich, besonders in der föderalen IT, wo sonst jedes Land, jede Ebene, jeder Träger seine eigene Komfortzone pflegt.

Zweitens: institutionalisierte Ergebnisverantwortung. Wer große Vorhaben verspricht, sollte an ihren Ergebnissen gemessen werden und Konsequenzen tragen, wenn sie ausbleiben. Das gilt auch für Steuerungsgremien: Ein Gremium, das nach zwei Jahren zwar viele Papiere, aber keine wirksamen Entscheidungen produziert, hat seinen Zweck verfehlt.

Drittens: eine Kultur, die Entscheidungsavoidanzen sichtbar macht.

Und schließlich: Transparenz als Gegenleistung für Machtgebrauch. Wer durchsetzt, soll erklären: Warum diese Entscheidung? Welche Alternativen? Welche Folgen, für wen? Nicht, um sich zu rechtfertigen, sondern um nachvollziehbar zu bleiben. In vernetzten Öffentlichkeiten ist genau das die eigentliche Quelle von Autorität.

Die Verantwortung der Mächtigen

Macht ist kein Schimpfwort. Sie ist das, was wir Menschen anvertraut haben, damit sie für uns entscheiden, wenn wir uns nicht einigen können. Macht in demokratischen Händen verantwortungsvoll und gemeinwohlorientiert ausgeübt, ist nicht zerstörend, sondern kann gewaltige Gestaltungskraft entfalten. Wer dieses Mandat annimmt, hat das Recht und die Pflicht, die verliehene Macht zu benutzen. Nicht für sich. Für die Sache. Für die Modernisierungsagenda, die sonst im Dickicht der Gremien erstickt. Für eine Demokratie, die wieder erlebt werden will als das, was sie sein soll: fähig, Probleme zu lösen.

Die Autorin
Carola Heilemann-Jeschke
CIO der Freien Hansestadt Bremen.
Fortsetzung von Seite 8

Kolumne

GovTech und das Tal des Todes

Viele GovTech-Innovationen scheitern nicht an der Idee, sondern an der Phase nach dem erfolgreichen Pilotprojekt. Zwischen Förderende und Marktdurchbruch entsteht eine Finanzierungslücke, die als „Valley of Death“ bezeichnet wird. Björn Niehaves, Jana Janze und Luca T. Bauer zeigen, welche strukturellen Ursachen dahinterstehen und welche Folgen dies für Start-ups und Staat hat.

Start-ups müssen es schaffen, den Finanzierungszeitraum zwischen Förderung und Venture Capital zu überbrücken.

Eigentlich könnte es so schön sein: Der Produktprototyp läuft. Die Förderung für die Pilotumsetzung ist eingeholt. Die Rückmeldungen der Kunden sind durchweg positiv. In vielen Branchen wäre das der Moment, in dem die Skalierung der Lösung beginnt. Bei Start-ups die Lösungen für den öffentlichen Sektor entwickeln (GovTech), ist es dagegen oft genau der Moment, in dem das Geschäftsmodell ins Wankengerät.Dennauch,wennder Pilot fachlich überzeugend ist, findeterorganisatorischundfinanziell keinen oder einen zu späten Anschluss.

Genau hier entsteht das „Valley of Death“, das Tal des Todes. Ein typischer Start vieler GovTech-Startups erfolgt im Förderkontext. Programme wie EXIST, Landes- oder EU-Initiativen sowie Innovationswettbewerbe schaffen den notwendigen Raum für Problemverständnis, Co-Creation mit Verwaltungen und die Entwicklung von Prototypen.OhnedieseUnterstützunggäbe es zahlreiche Lösungen nicht.

Förder-Logik

Doch Förderung folgt einer klaren Logik: Sie ist projektbasiert und befristet.FinanziertwirddieEntwicklung, nicht der dauerhafte Betrieb. Genau hier entsteht das strukturelle Anschlussproblem. Ein erfolgreicher Pilot ist noch kein vergabefähiges Produkt, und ein Förderprojekt ist noch kein belastbarer Umsatzstrom. Paradoxerweise endet die Finanzierung oft genau dann, wenn das Produkt fachlich reif ist. Das Start-up ist zu weit für weitere Förderung und zugleich zu früh für Venture Capital.

Venture Capital, also Risikokapital von spezialisierten Investoren, die

in junge Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial investieren, folgt einer klaren Logik: Investiert wird in skalierbare Modelle mit Aussicht auf schnelles Wachstum und einen planbaren Exit. Die öffentliche Hand folgt jedoch einer anderen Rationalität. Beschaffung ist an Vergaberecht, HaushaltszyklenundDokumentationspflichten gebunden Geschwindigkeit ist kein Selbstzweck, sondern eingebettet in Rechtsstaatlichkeit und Gleichbehandlung.

Beide Logiken sind für sich genommen nachvollziehbar, zusammengenommen führen sie jedoch zu eben dieser folgenreichen Finanzierungslücke

Anpassungsstrategien

In der Praxis lassen sich drei typische Anpassungsstrategien beobachten:

Erstens greifen manche Unternehmen stärker auf Eigenmittelfinanzierung zurück („Bootstrapping“). Gründerinnen und Gründer finanzieren die Weiterentwicklung über eigene Ressourcen oder über sehr begrenzte Einnahmen aus ersten

Projekten.Kurzfristigkanndashelfen, die Zeit zu überbrücken. Für das Wachstum ist diese Strategie jedoch nicht immer optimal. Ohne ausreichendes Kapital lassen sich Vertrieb, Produktentwicklung und Marktausbau nur eingeschränkt vorantreiben. Gerade in einem Markt, der ohnehin durch lange Beschaffungszyklen geprägt ist, kann eine zu schwache Kapitalbasis dazu führen, dass vielversprechende Lösungen ihre Skalierungschance verpassen.

Zweitens weichen viele GovTechStart-ups auf privatwirtschaftliche Geschäftsfelder aus, um ihre Liquidität zu sichern. Diese Strategie ist ausunternehmerischerSichtnachvollziehbar und kann durchaus positiveEffektehaben.Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen kann neue technologische Impulse liefern und zusätzliche Anwendungskontexte eröffnen. Gleichzeitig entstehen jedoch Zielkonflikte Zeit, Ressourcen und strategische Aufmerksamkeit verlagern sich teilweise vom öffentlichen Sektor in privatwirtschaftliche Märkte Damit sinkt häufig die Marktpräsenz im öffentlichen Sektor. Gera-

de dort sind jedoch Spezialisierung, Netzwerkbildung und ein tiefes VerständnisadministrativerAbläufe entscheidend für langfristigen Erfolg.

Drittens orientieren sich manche Unternehmen stärker an internationalen Märkten, in denen öffentliche Beschaffung flexibler oder innovationsfreundlicher organisiert ist.AuchdieseStrategieistausSicht eines Start-ups rational. Sie kann neue Wachstumschancen eröffnen und Abhängigkeiten vom nationalen Beschaffungssystem reduzieren. Gleichzeitig ist sie keineswegs trivial umzusetzen. Aktuelle Studien zum europäischen GovTechMarkt, etwa die des Joint Research Centre der Europäischen Kommission, zeigen, dass grenzüberschreitende Beschaffung mit erheblichen Hürden verbunden ist. Unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen, institutionelle Strukturen und Marktlogiken erschweren den Eintritt in andere nationale Verwaltungssysteme. Internationalisierung ist daher keine einfache Ausweichbewegung, sondern ein eigener strategischer Kraftakt.

Anschlussförderung

Es stellt sich also die Frage, wie erfolgreiche Innovationen und Pilotprojektesystematischinskalierbare Lösungen überführt werden können. Eine mögliche Antwort liegt in der Gestaltung von Anschlussmechanismen zwischen Förderung und regulärer Beschaffung. Denkbar sind hier gezielte Brückenfinanzierungen und Förderinstrumente, die an erfolgreiche Pilotprojekte anknüpfen und die Zeit bis zu einer regulären Vergabe überbrücken.

Auch könnten öffentliche oder öffentlich-nahe Wachstumsfonds oder Beteiligungskonzepte entstehen, deren Investitionslogik stärker an den längeren Innovationszyklen des öffentlichen Sektors ausgerichtet ist. Auf der Beschaffungsseite, zum Beispiel in dedizierten GovTech-Einheiten, ließen sich Instrumente entwickeln, die Pilotprojekteschnellerinabrufbare Rahmenstrukturen überführen oder Budgets für die Verstetigung erfolgreicher Erprobungen von Anfang an mitdenken.

Solange diese Anschlussfähigkeit fehlt, bleibt das „Valley of Death“ kein individuelles Risiko einzelner Start-ups, sondern ein strukturelles Merkmal des GovTech-Marktes Innovation entsteht zwar im Projektkontext, erreicht jedoch häufig nicht die Phase der Skalierung Die zentrale Herausforderung liegt daher nicht nur in neuen Ideen, sondern auch darin, dass erfolgreiche Pilotprojekte systematisch in dauerhafte Lösungen überführt werden können.

Genau dafür braucht es klare Übergänge zwischen Förderung, Erprobung und Regelbetrieb etwa in Form verlässlicher „Pilot-to-Scale“Pfade. Nur wenn Finanzierung, Beschaffung und Skalierung besser zusammengedacht werden, kann aus Innovation im Projekt eine nachhaltige digitale Infrastruktur des Staates entstehen.

Die Autoren

Prof. Dr. Dr. Björn Niehaves ist Informatikprofessor und Politikwissenschaftler leitet die Arbeitsgruppe „Digitale Transformation öffentlicher Dienste“ an der Universität Bremen und berichtet in der wissenschaftlichen Kolumne über aktuelle Forschungsergebnisse zur digitalen Verwaltung.

[ linkedin.com/in/niehaves ]

Jana Janze ist Expertin für Verwaltungsinnovation, Organisationsentwicklung und Experience Design. Sie begleitet die digitale Transformation von Ministerien, Ländern und Kommunen, baut Innovationslabore und Digitalisierungseinheiten auf und setzt sich mit ihrer Erfahrung als Gründerin für eine stärkere Verbindung von Menschen, IT und moderner Verwaltung ein. Zudem ist sie Vorstandsmitglied des NEGZ und Vorständin von Public Sector and Friends e. V.

[ linkedin.com/in/janajanze ]

Luca T. Bauer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsgruppe „Digitale Transformation öffentlicher Dienste“ an der Universität Bremen und forscht mit einem starken Fokus auf GovTech und deutschen Innovationsökosystemen im öffentlichen Sektor. Er ist Co-Sprecher des Arbeitskreises GovTech des NEGZ.

[ linkedin.com/in/luca-t-bauer ]

Bild: KI-generiert

und STACKIT

Ja, wir können mithalten, sagt Benjamin Schilz, CEO von Wire.

„Open Source ist der heilige Gral der Souveränität“

Claudia Alsdorf ist Geschäftsführerin Business Development bei SchwarzDigits Ihr Anliegen ist es, echte digitale Souveränität in der öffentlichen Verwaltung voranzutreiben.

„Wir haben ein sehr klares Bild davon, was für uns Souveränität bedeutet“, sagt Claudia Alsdorf zu Beginn ihres Gesprächs mit eGovernment.AlsdorfwechselteAnfang2024 von Microsoft zu STACKIT, der Cloud-SpartevonSchwarzDigitsund ist dort Geschäftsführerin für Business Development. Nicht zuletzt durchihreZeitbeidemUS-amerikanischen Hyperscaler Microsoft ist für sie ganz klar: Souveränität bedeutet Datenhoheit und Datenschutz,RechtssicherheitsowieOpen Source „Wechselfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Gestaltungsfähigkeit – das alles bekommen wir nurüberOpenSource“,erläutertAlsdorf. Quelloffene Lösungen seien so etwas wie der „heilige Gral“, wenn es darum gehe, wirklich souveräne Technologien zu bauen und zu nutzen. Doch anders als die mystische Reliquie sind Open-Source-Lösungen greif- und einsetzbar. „Wir müssen resilient sein“, betont Alsdorf und verweist auf die Gefahr durch einen Vendor-Lock-in. Digitale Souveränitätseieinmittel-undlangfristiges Thema, das auch, aber nicht nur aufgrund des derzeitigen Momentums vorangetrieben werde Das Portfolio von Schwarz Digits stelltsichentlangdiesesAnspruches auf. „Unser Cloud-Stack – also die Infrastruktur, die Plattform und die jeweiligen Anwendungen – ist souverän“,machtAlsdorfklar.ÜberJahrehinwegseidasCloud-Angebotsukzessiveaufgebautundausgetauscht worden – ein durchaus manchmal „schmerzhafter Prozess“, wie Alsdorfbetont.Mittlerweilebasiereman zu über 90 Prozent auf Open Source und offenen Standards.

Ein bisschen anders sieht es bei der Hardware aus. Hier ist man noch nicht ganz so weit, aber auch hier strebt das Unternehmen mehr Auswahlmöglichkeiten an. „Neben Nvidia sprechen wir beispielsweise auch mit AMD oder Fujitsu“, nennt Alsdorf beispielhaft. „Ich bin überzeugt,dasssichmittel-undlangfristig gerade im europäischen Markt

mehrHardware-Herstelleransiedeln werden und dass wir auch über ein attraktivesStart-up-Ökosystemsouveräne Technologien weiter vorantreiben können.“

Differenzierte Debatte

ClaudiaAlsdorfsiehtdieDebatteum die Notwendigkeit digitaler Souveränität differenziert. „Müssen wir das überhaupt schwarz oder weiß diskutieren?“ Es gebe Daten, die absoluten Schutz benötigten, es gebe jedoch auch Daten, die problemlos ineinerPublicCloudverarbeitetwerden könnten, welche dann auch von einem US-Anbieter stamme. „Das wirklich Entscheidende ist, Wahlmöglichkeiten zu haben und flexibelsteuernzukönnen“,sagtAlsdorf. DasBundesamtfürSicherheitinder Informationstechnik (BSI) vertritt eineähnlicheAnsicht.„DigitaleSouveränität bedeutet für das BSI, Optionen zu schaffen: Je mehr vertrauenswürdigeProdukteverfügbarsind, desto souveräner kann je nach Nutzungsszenarioentschiedenwerden“, heißtesvonseitendesBSI.„AusSicht des BSI müssen in diesem Zusammenhang Anbieterwechsel schneller und einfacher möglich werden. Dies kann durch die Kombination einheitlicher Sicherheitsvorgaben und hoher Anforderungen an die Interoperabilität gelingen.“

Im Rahmen der jüngst vereinbarten Kooperation mit dem BSI möchte Schwarz Digits eine souveräne Cloud-Infrastrukturentwickeln,die in den Bundes- und Landesverwaltungen Einzug finden. Das BSI kümmert sich dabei um den Aspekt der Cybersicherheit. Ein Fokus der Zusammenarbeit liegt daher auf der Zukunftsfähigkeit kryptographischer Verfahren mit dem Ziel, kritische Daten der öffentlichen Verwaltung schon heute so zu schützen, dass sie auch gegenüber künftigen Entschlüsselungstechnologienresilient bleiben. AlsdorfbetontdenUnterschiedhinsichtlichderSchutzbedürftigkeitder

Daten:„ImwirtschaftlichenUmfeld, gerademitinternationalenHandelsströmen, ist eine Multicloud-Strategie aus Gründen der Resilienz und Nachhaltigkeit notwendig. Ich würde niemandem raten, sich nur auf einen Anbieter zu verlassen. Aber bei hochsensiblen Daten, wie in der Verwaltung oder im Gesundheitsbereich, muss man komplett auf Souveränität gehen.“

Deutschland-Stack

Dochgeradehier,inderöffentlichen Verwaltung, sieht der Status quo mager aus. „Wir stehen ganz am Anfang“,verdeutlichtAlsdorf.Aber:Das Mindset gerade bei den Landes-ITDienstleistern habe sich bereits gewandelt, es sei klar geworden, dass dieEntwicklungRichtungCloudund AgenticAInichtmehralleinzustemmensei.„Dashatsichindenvergangenen zwölf Monaten komplett geändert“, so Alsdorf. „Hier ist auf einmal eine Offenheit da, neue Wege zu gehen.“AuchderDeutschland-Stack sei im Prinzip als „Cloud-NativeInfrastruktur und -Plattform“ angelegt. „Daran erkennt man, dass jetzt, wo sich das Mindset geändert hat, es im Grunde sehr schnell gehen kann.“ „Die gesamte Konzeption des Deutschland-Stacks ist komplett

richtig“,sagtAlsdorf.„Dagibtesnicht einen Punkt, den ich kritisch sehe.“ DennochseiderStackzunächstpure Theorie.„WennwirEntbürokratisierung und Staatsmodernisierung ernst nehmen, dann müssen wir nicht nur über den DeutschlandStack reden, sondern auch über den AbbauunnötigerProzesseundwirklich innovative Ansätze.“ Als solch einen wirklich innovativen Ansatz bewertet Alsdorf das Thema KIAgenten,dieindieLageversetztwerden könnten, Standardformulare auszufüllen.„DerDeutschland-Stack steht und fällt mit seiner Attraktivität“,betontAlsdorf.WennInterfaces, Services und Feedback stimmen, brauche es auch keine Nutzungspflicht.

Fallback-Option openDesk

Mit dem Zentrum Digitale Souveränität (ZenDiS) ist Schwarz Digits in engem Austausch. Die Arbeitsplatzlösung„openDesk“sei„wirklichsouverän“undwerdevonSchwarzselbst als Plan B genutzt. „Falls der Betrieb unserer Arbeitsplatzanwendung ‚Workspace by STACKIT‘ nicht mehr möglich sein sollte, sind wir in der Lage, die Anwendung sofort auf openDesk wieder zum Laufen zu bringen“, erläutert Alsdorf. DieseFlexibilitätkönnenauchKommunen und Länder jedweder Größe nutzen. Bei Govdigital gibt es bestehende Rahmenverträge, sodass STACKIT-Anwendungen ausschreibungsfrei bezogen werden können – mit einer großen Bandbreite, wie Alsdorf betont. „Hier ist im Grunde genommenallesmöglich,voneinem Land NRW mit sehr viel Volumina bis zur kleinen Kommune, die erst einmal ausprobieren möchte.“ Ein niedrigschwelligerEinstiegalso,mit wachsendem Angebot

Vertrauen

DasPortfoliovonSchwarzDigitsskaliert entsprechend. Einer der größtenKundenistdieBundesanstaltfür Arbeit, laut Alsdorf „eine schon etwasgrößereDimension“.Aufderanderen Seite soll es in Kürze auch die Möglichkeit geben, bestehende KILösungen auf Landesebene auf STACKIT bereitzustellen, damit sie auch von kleinen Kommunen genutzt werden können: „Stichwort Verwaltung traut Verwaltung.“ Das Thema Vertrauen ist auch für Schwarz Digits’ Cloud-Provider STACKIT wichtig. Denn gerade bei der sicheren Verarbeitung und SpeicherungdersensiblenVerwaltungsund Bürgerdaten darf es keinen Zweifel geben. Mittlerweile hat das UnternehmendurchdasBSIsowohl Typ 1 als auch Typ 2 des C5-Testats erhalten. „Das ist die Grundvoraus-

Schleswig-Holstein: digitale Stolpersteine für digitale Bildung.

setzung für das Vertrauen in unserenTechnologie-Stack“,sagtAlsdorf. „Er ist nun zertifiziert und testiert.“ Als nächsten Schritt geht es in RichtungVerschlusssachen.DerMessenger Wire, als Partner mit an Bord, sei bereits VS-NfD-fähig. „Wir versuchen,denStackvonuntennachoben entsprechend diesen Anforderungen zu bauen und das immer wieder kontinuierlich testieren zu lassen“, erklärt Alsdorf. Beim Aufbau des Stacks werde klar abgewägt,wasfürdenKundeninder jeweiligen Industrie überhaupt notwendig sei. „Wir schauen uns sehr genauan,wasderKundetatsächlich braucht, und dann versuchen wir mit strategischen Partnern eine sinnvolle Lösung zu bauen“, erklärt Alsdorf. Bei Schwarz Digits blicke manbeiderEntwicklungvonLösungen erst im zweiten Schritt auf den externen Markt. Customer Zero, zur Erprobung von Technologien, sind zunächst immer die Unternehmen der Schwarz Gruppe selbst. „Das ist eine andere Herangehensweise als zuversuchen,jedesnochsounwichtige Feature in die Cloud-Plattform einzuarbeiten“, führt Alsdorf aus. Das sei „einfach ein anderes Business-Modell“.

Schlupfloch

WiebewertetClaudiaAlsdorfdieBemühungen von US-Anbietern, souveräne Lösungen für Europa anzubieten?„DerSouveränitätsbegriffist ein bisschen zu sehr ausgeweitet worden“, meint Alsdorf. Nicht alles, was in Europa angeboten werde, sei persesouverän.Souveränitätseiein multidimensionales Konstrukt. Die Rechenzentren befänden sich in Europa, und es werde versucht, durch europäisches Personal bestimmteRisikenauszugrenzen,doch „am Ende des Tages gibt es immer noch dieses eine Schlupfloch“. An dieser Stelle seien die amerikanischenHyperscalernichtinderLage, anders zu agieren, ohne die Funktionalität ihrer Cloud-Dienste einzuschränken. „Wenn es beispielsweise einen Kill-Switch gibt, könnte die Lösung durchaus noch ein paar Wochen laufen, aber dann wird es schwierig“, erklärt Alsdorf. Dann könnedasSoftware-UpdateimGrunde nicht mehr eingespielt werden. „Wenn man diesen Aspekt beleuchtet und dies als Souveränität definiert, dann sind die US-Hyperscaler nicht wirklich souverän“, fasst sie zusammen.

Dass es für Staat und Verwaltung Richtung digitale Souveränität gehen muss, steht für Claudia Alsdorf außer Frage. „Man muss es einfach mal ausprobieren“, macht sie Mut. Zwischen einer Office-Anwendung und openDesk oder Google Workspace sei „gar nicht so ein großer Unterschied“. Für den Staat und die Demokratiehingegenmacheeseben einen Unterschied. Die Notwendigkeit, etwas zu verändern, werde in vielen Bereichen des Lebens oft erst spät erkannt. Das ist, stellt Alsdorf treffend fest, „zutiefst menschlich und psychologisch“. Doch der Staat mit seiner Daseinsvorsorge müsse diesermenschlichenPerspektivevoraus sein. „Es schützt unsere Demokratie, wenn unsere Infrastruktur funktioniert“, betont Alsdorf. su

Digitale Souveränität, das ist der Weg.
Bild: KI-generiert
Claudia Alsdorf (Schwarz Digits) betonte auf dem „Govtech Gipfel“ die Bedeutung eines attraktiven und innovativen DeutschlandStacks.

Digitale Souveränität

Ja,

wir können mithalten

Die Ankündigung des Deutschen Bundestages, sich von USamerikanischen Tech-Anbietern unabhängiger zu machen, hat eine längst überfällige Debatte befeuert. Doch wie realistisch ist dieser digitale Befreiungsschlag tatsächlich? Und welche Hürden stehen Behörden und Unternehmen auf dem Weg zur digitalen Souveränität im Weg? Darüber hat die Redaktion von eGovernment mit Benjamin Schilz, CEO von Wire, gesprochen.

Wenn Benjamin Schilz überdigitale Souveränität spricht, dann nicht als theoretisches Konstrukt, sondern aus der Praxis heraus. „Wire wird bereits seit geraumer Zeit von einer Mehrheit der Verwaltungsmitarbeiter und politischen Fraktionen im Bundestag genutzt“, erklärt der CEO

Die sichere Kommunikationsplattform habe dort amerikanische Messaging-Apps und Collaboration-Tools ersetzt – für die tägliche Kommunikation zwischen Abgeordneten, politischen Gruppen, der Verwaltung sowie verschiedenen weiteren Stakeholdern

Ähnliche Implementierungen gebe es in mehreren deutschen Bundesministerien, darunter dem Innenministerium, dem Bildungs- und Forschungsministerium sowie dem Gesundheitsministerium.

Der Umstieg sei also nicht nur theoretisch möglich, er finde bereits statt. „Das Ziel ist sehr realistisch“, betont Schilz, „weil wir es bereits umgesetzt haben.“

Die größten Hindernisse auf dem Weg zur digitalen Unabhängigkeit sind nicht primär technologischer, sondern vorwiegend menschlicher Natur. EsgehtvorallemumChange Management“, räumt Schilz ein. „Es ist nicht einmal die Frage von US-amerikanischen versus europäischen Tools. Wenn Endnutzer an bestimmte Produkte wie Microsoft Teams oder Slack gewöhnt sind, ist es immer eine Herausforderung, sie auf ein neues Produkt umzustellen – selbst wenn dieses anders konzipierte Kommunikations- und Kollaborationsfunktionen bietet.“

Der Wire-Chef kennt das Problem aus jahrelanger Erfahrung: „Wir sind alle Endnutzer. Und Endnutzer mögen keine Veränderungen. Selbst wenn das Lieblingstool ein neues Design oder eine neue Benutzeroberfläche erhält, beschweren wir uns. Einfach weil es sich verändert hat.“

Die Kunst bestehe darin, die Nutzer von Anfang an in den Auswahlprozess einzubinden. „Wenn Sie die Nutzer in den Prozess einbeziehen und diese sich als Teil dessen fühlen, ist das Change Management deutlich einfacher“, so sein Rat an CIOs und IT-Sicherheitsverantwortliche.

Nicht Ideologie, sondern Risikomanagement

Digitale Souveränität ist zum politischen Schlagwort geworden –doch Schilz warnt davor, dies als rein ideologisches Projekt zu ver-

stehen. „Ehrlich gesagt ist das kein neues Thema für Menschen, die tief in der Tech-Industrie verwurzelt sind“, erklärt er. „Wir kennen seit langer Zeit alle Risiken, die mit derNutzungausländischerTechnologien verbunden sind – und nicht nur amerikanischer.“ Er erinnert an die Enthüllungen von Edward Snowden und anderen Whistleblowern, die aufgezeigt hatten, wie USUnternehmen und Regierungsbehörden europäische Regierungen und Unternehmen ausspionierten. „Das Neue ist, dass dies jetzt in den öffentlichen Raum eintritt, was sehr gut ist. Es öffnet eine Debatte undschafftBewusstseininderbreiten Öffentlichkeit“, so Schilz Aus seiner Sicht gehe es weniger um Protektionismus als um operatives Risikomanagement und Resilienz. Die USA und China würden ihre heimischen Tech-Sektoren schließlich seit Jahrzehnten durch öffentliche Beschaffung fördern – „und wir haben uns nie darüber beschwert“, merkt er an.

Sicherheit muss unsichtbar sein

Ein Grund, warum viele souveräne IT-Initiativen in der Vergangenheit scheiterten, war schlechte Nutzerakzeptanz. Produkte wurden mit

Fokus auf Sicherheit und spezifische Features entwickelt, ohne die Benutzererfahrung zu berücksichtigen. „Diese Ära ist vorbei“, ist Schilz überzeugt. „Selbst wenn Sie ein Produkt für den Bundeskanzler oder Nachrichtendienste entwickeln – in ihrem Privatleben nutzen diese Menschen auch Consumer-Grade-Tools, die einfach zu bedienen sind und die sie gerne verwenden.“

Wire verfolgt daher einen Ansatz bei dem Sicherheit nahezu unsichtbar sein soll: „Für uns ist Sicherheit nicht verhandelbar für die Art von Produkt, die wir entwickeln. Aber wir arbeiten intensiv an User Experience und User Interface.“ Das bedeute doppelte Innovationsarbeit – die Balance zwischen höchster Sicherheit und einfacher Bedienbarkeit. Die Plattform setzt auf den MLS-Standard (Messaging Layer Security), einen internationalen Standard, den Wire mitentwickelt hatunddervomBSIfürRegierungskommunikation empfohlen wird. Der Standard sei zudem quantensicher – ein wichtiger Aspekt für die Zukunftsfähigkeit. Im Gegensatz zu manchen Annahmen ist Wire dabei keine proprietäre Lösung: Sowohl die Clients als auch derWire-Backend-ServersindOpen Source und auf GitHub verfügbar.

Starkes Wachstum bei öffentlichen Auftraggebern

Die Nachfrage nach souveränen Lösungen steige spürbar. „Wir haben unseren Umsatz im vergangenen Jahr verdoppelt und in den letzten acht Monaten etwa 50 neue Mitarbeiter eingestellt“, berichtet Schilz. Wire sei für Skalierbarkeit und anspruchsvolle Kunden konzipiert –mit verschiedenen DeploymentOptionen, von der europäischen Cloud bis zu On-Premises-Installationen in eigenen Rechenzentren kritischer Kunden.

Die Diskussionen mit potenziellen Kunden hätten sich deutlich verändert: „Vor ein oder zwei Jahren begannen die meisten Gespräche, besonders bei kritischen Infrastrukturen, mit dem ComplianceAspekt rund um NIS2 und andere Regulierungen. Jetzt starten viele Diskussionen mit dem Thema digitale Souveränität – selbst bei Unternehmen, die nicht unter NIS2 fallen.“ Die Kombination aus digitaler Souveränität und ComplianceDruck mache europäische Lösungen wichtiger denn je.

Gesunde Konkurrenz statt Fragmentierung

Mit Blick auf den von der Bundeswehr entwickelten Bundesmessenger, der auf dem Open-Source-Protokoll Matrix basiert, sieht Schilz keinen Widerspruch, sondern gesunden Wettbewerb. „Competition ist immer gesund“, betont er. „Es gibt keine Probleme mit dem Bundesmessenger, der spezifische Bedürfnisse der Bundeswehr erfüllt. Wettbewerb treibt uns an, bessere Produkte zu entwickeln.“

Wire selbst setzt auf den MLS-Standard, der als moderner internationaler Standard entwickelt wurde und auch Post-Quantum-Kommunikation ermöglicht. Schilz sieht darin keinen Widerspruch zum Matrix-Protokoll, sondern unter-

schiedliche Ansätze für unterschiedliche Anforderungen.

Die Leistungsfähigkeit Europas

Auf die Frage, ob Europa langfristig mit den Ressourcen und Ökosystemen der Silicon-Valley-Giganten konkurrieren könne, zeigt sich

Schilz optimistisch:

„Ich habe viele Jahre auf der USSeite gearbeitet und kenne das Silicon-Valley-Ökosystem sehr gut. Ich denke, ja, wir können mithalten.“ Die Welt habe sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verändert

Heute gebe es in Europa zahlreiche Venture-Capital- und Private-Equity-Fonds, die Startups und Initiativen in ganz Europa finanzieren „Vor zehn Jahren war das Geld nicht da, heute ist es da – und es wird sogar in europäische Unternehmen investiert, um Tech in Europa zu entwickeln.“

Europa habe die Talente, die Fähigkeiten und einen riesigen Markt –auch wenn dieser durch unterschiedliche Sprachen und lokale Regulierungen herausfordernd sei.

„Wenn jetzt der öffentliche Sektor beginnt, mehr Verträge zu unterschreiben und intensiver mit europäischen Unternehmen zusammenzuarbeiten – auch mit digitalerSouveränitätimHinterkopf–wird das dem gesamten Sektor helfen zu wachsen und stärker zu werden“, prognostiziert Schilz.

Sein klarer Appell an die europäische Politik: „Auf Regierungs- und EU-Ebene ist es extrem wichtig, öffentliche Förderung an in Europa ansässige Privatunternehmen zu lenken, die europäische Technologie entwickeln.“

Dies sei kein Protektionismus, sondern das, was die USA und China seit Jahrzehnten praktizierten. „Die französischeRegierunghaterstdiese Woche angekündigt, dass öffentliche Aufträge zuerst an europäische Lösungen gehen sollten, wenn diese verfügbar sind. Ich finde das sehr gesund.“

Realistische Unabhängigkeit

Für die kommenden Jahre formuliert Schilz realistische Erwartungen: „Wir müssen ehrlich sein –selbst in fünf Jahren ist das Ziel nicht, alle Verbindungen zu den USA oder ausländischen Technologien zu kappen. Das Ziel ist, unabhängige Lösungen verfügbar zu haben.“ Im SaaS- und Tech-Bereich könne Europa für jedes ausländische Produkt starke gleichwertige und alternative Lösungen haben. „Das ist extrem wichtig.“ Gleichzeitig müsse man realistisch bleiben: In Bereichen wie Hardware, CPU-Chips oder KI-Chips gebe es in Europa nichts „Wir werden in drei bis fünf Jahren keine Industrie aufbauen, um vollständig unabhängig zu sein.“ Europa lebe in einer vernetzten und offenen Welt und müsse mit anderen Ländern zusammenarbeiten und Technologien austauschen. „Aber wir brauchen auch unabhängige Lösungen – für den Fall, dass Dinge schiefgehen, um als Länder überleben zu können.“ jk

Benjamin Schilz leitet seit 2024 die Geschicke des Kommunikationsanbieters Wire.

Marktplatz Deutschland Digital startet

Der Marktplatz Deutschland Digital (MDD) ist offiziell eröffnet. Bund, Länder und Kommunen finden hier den zentralen Anlaufpunkt für die Beschaffung digitaler Produkte für die Verwaltungen. An der vollständigen Integration der EfA-Leistungen wird noch gearbeitet.

Ein zentraler Marktplatz statt mehrerer paralleler Plattformen – im März letzten Jahres hat der IT-Planungsrat die Konsolidierung seiner föderalen Marktplätze FITStore, EfA-Marktplatz und Cloud Service Portal (CSP) der Deutschen Verwaltungscloud (DVC) beschlossen. Das Projekt, das zunächst unter dem Arbeitstitel „Marktplatz der Zukunft“ lief, ist nun – ein Jahr später – in der Gegenwart angekommen: Über die Plattform „Marktplatz Deutschland Digital“ können Bund, Länder und Kommunen sowie öffentliche IT-Dienstleister digitale Produkte beziehen, am 19. März war der Produktivstart. Die technische Grundlage für den konsolidierten Marktplatz bildet das Cloud-Service-Portal (CSP) der DeutschenVerwaltungscloud(DVC) – mit einheitlichen AGBs, Mindeststandards und der Einordnung der Servicesin ein Reifegradmodell. Für

Organisationen, die das CSP bereits nutzen, ändert sich somit nichts es ist auch kein Eingreifen erforderlich, alle Zugänge und Verträge bleiben bestehen. Derzeit sind rund 70 DVC-konforme Cloud-Services über das Portal beziehbar. Einsehbar, aber noch nicht bestellbar, sind zudem 68 EfA-Leistungen. Hier läuft die Bestellung derzeit noch über den Marktplatz für EfALeistungen; die vollständige Integration dieses Marktplatzes ist 2027 vorgesehen. Dieses Jahr sind die Konsolidierungsmaßnahmen dafür geplant sowie die Erweiterung des Angebotsportfolios. „Auf dem Marktplatz Deutschland Digital werden in den kommenden Monaten immer mehr IT-Lösungen für die Verwaltung an einem Ort auffindbar und bestellbar“, verspricht Stephan Bartholmei, Leitung Produktmanagement der FITKO. „Bund, Länder und Kommunen pro-

fitieren von einer hohen Vergleichbarkeit und einer einfacheren Beschaffung von IT-Lösungen, Anbietende von einer deutlich höheren Sichtbarkeit ihrer Produkte.“ In der DVC, als Teil des Gesamtbilds des Deutschland-Stacks, soll auch das Angebot an DVC-konformen Cloud-Services erhöht werden. Der Schwerpunkt liegt aber auf dem Ausbau der souveränen CloudInfrastruktur für die öffentliche Hand, konkret: auf dem Aufbau einer Betriebsplattform und darauf aufsetzenden Basisdiensten. Die Governance für das ursprünglich von govdigital entwickelte CSP geht indessen auf das MDD-Produktboard über.

Geplant ist zudem, den Marktplatz Deutschland Digital künftig auch für private Anbieter zu öffnen und weitere Marktplatz-Plattformen wie den Marktplatz der KI-Möglichkeiten zu integrieren. nh

KI-Agenten in der Verwaltung

Der Bund bringt autonomeKI-Systeme in die öffentliche Verwaltung. 18 Pilotprojekte in 17 Kommunen sollen zeigen, wie KI-Agenten Anträge prüfen, Dokumente analysieren und Verwaltungsprozesse beschleunigen können.

Mit dem „Agentic AI Hub“ hat das BMDS eine Initiative gestartet, die autonome künstliche Intelligenz in die öffentliche Verwaltung integrieren soll. Der Agentic AI Hub fungiert dabei als Schnittstelle zwischen öffentlicher Verwaltung und KI-Start-ups. Als virtueller, standortübergreifender Arbeitsbereich werden bürokratische Herausforderungen in technische Prototypen übersetzt,unterrealenBedingungen getestet und im Erfolgsfall skaliert. Die Plattform dient außerdem dem Aufbau einer Community aus Verwaltungspraktikern, Technologieanbietern und wissenschaftlichen Experten. Ziel ist es, administrative Routinen durch autonom handelnde KI-Systeme zu übernehmen, um die staatliche Handlungsfähigkeit zu sichern und Deutschland als Technologiestandort zu stärken. Auf den Aufruf zur Bewerbung hatten zwischen Ende Januar und Ende Februar rund 400 Start-ups und knapp 200 Kommunen Interesse

bekundet Aus diesen Bewerbungen wurden 18 Pilotprojekte ausgewählt, die nun in 17 Kommunen verschiedener Größen in Zusammenarbeit mit zehn Start-ups die praktische Anwendung agentischer KI erproben.

Auswahlkriterien für die Pilotprojekte

Die Auswahl der Pilotprojekte erfolgte nach einem strukturierten Bewertungsprozess, der von einem Fachbeirat aus Wissenschaft und Wirtschaft begleitet wurde. Drei Kriterien waren dabei ausschlaggebend: Die strategische Passfähigkeit das heißt die Zuordenbarkeit zu einem der fünf definierten Einsatzfelder – Vereinfachung der Interaktion mit Bürgerinnen und Bürgern, Unterstützung bürgernaher Verwaltungsprozesse, Optimierung verwaltungsinterner Abläufe, Bau digitaler Tools sowie Aufbau der Infrastruktur für agentische KI.

Zweitens die Repräsentativität, um sicherzustellen, dass die Erkenntnisse auf unterschiedliche kommunale Kontexte übertragbar sind. Drittens die Skalierbarkeit, also das Potenzial, Lösungen bundesweit auszurollen. Die autonomen KI-Agenten prüfen Anträge auf Vollständigkeit, fordern fehlende Dokumente eigenständig nach, analysieren Unterlagen und machen Vorschläge für behördliche Entscheidungen. Dieser Ansatz soll Verwaltungsvorgänge beschleunigen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten, sodass diese sich stärker auf komplexe Einzelfälle und persönliche Beratung konzentrieren können. In den kommenden drei Monaten werden die Projektteams an der Umsetzung ihrer KI-Lösungen arbeiten. Das BMDS wird sie dabei mit Unterstützung des DigitalService auf Wirksamkeit und Skalierbarkeit überprüfen und im Prozess begleiten. jk

Agentic AI Hub

Von SH in die Republik

Bundesweiter Rollout: Digitale Stolpersteine für die digitale Bildung

Schleswig-Holstein nutzte bereits 2024 Digitalisierung für die Erinnerungskultur: Das Bundesland digitalisierte seine Stolpersteine und entwickelte eine App, die an die Opfer der NS-Verbrechen erinnert. Nach der erfolgreichen Erprobung im Norden wird die Anwendung jetzt bundesweit ausgerollt.

In vielen Städten gehören sie längst zum Straßenbild. Oft werden sie im Vorübergehen übersehen – obwohl sie eigentlich genau dafür gemacht sind, Aufmerksamkeit zu wecken. Stolpersteine sollen kein körperliches Hindernis sein, sondern ein gedankliches: Sie holen die Geschichte aus den Museen auf die Straße und laden Passantinnen und Passanten dazu ein, kurz innezuhalten, zu lesen und sich zu erinnern.

Es sind kleine quadratische Tafeln aus Messing, die an die damaligen Verbrechen des Nationalsozialismus erinnern sollen – das größte dezentrale Mahnmal Deutschlands Bereits in den 1990er Jahren entwarf der Künstler Gunter Demnig Stolpersteine, um an die individuellen Schicksale der Opfer jener Zeit zu erinnern In Europa existieren mehr als 100.000 Messingtafeln, davonetwa90.000alleininDeutschland.

Seit zwei Jahren gibt es nun eine App, die diese Erinnerungskultur auch digital zugänglich macht: Damals hieß die App allerdings noch „Stolpersteine SH“. „Mit der Stolpersteine-App haben wir eine digitale Lösung geschaffen, diese besondere Form der Erinnerungskultur lebendiger zu machen. Die App macht es möglich, sich über das Leben der Menschen zu informieren, und

schafft so eine neue Form des Gedenkens“, erklärt Silke TessmannStorch, Vorständin von Dataport. Nun soll die App bundesweit ausgerollt werden – und zwar unter dem seit 2025 bekannten Namen „Stolpersteine Digital“. Dr Christian Meyer-Heidemann, Landesbeauftragter für politische Bildung in Schleswig-Holstein, sagt: „Mit der Ausweitung der App halten wir die Erinnerung an die Lebens- und Leidensgeschichten der vielen Opfer des Nationalsozialismus in ganz Deutschland wach. Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Menschen über die NS-Verbrechen vor ihrer Haustür informieren.“ Das Ziel ist es, bis Ende 2027 alle 90.000 Steine in Deutschland in die App zu integrieren. So entsteht ein flächendeckendes,digitalesErinnerungsnetzwerk für die Verfolgten – nicht nur an Gedenktagen, sondern jederzeit und überall.

Digital zur Bildung

DieDigitalisierungderStolpersteine macht Geschichte zugänglich, erlebbar und fördert die historische Bildung. Es ist daher auch ein zentrales Anliegen des Projekts, historisches Wissen insbesondere an jüngere Generationen zu vermitteln. „Gerade in einer Zeit, in der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen

Die Anwendung erhebt minimale Nutzerdaten (etwa bei Gedenkkerzen), die nach sieben Tagen gelöscht werden. Stolpersteine Digital läuft ausschließlich über Server in Deutschland.

zunehmend fehlen, gewinnt diese Form der digitalen Erinnerung an Bedeutung“, betont Dr. MeyerHeidemann.

Begonnen hat das Projekt als Graswurzelbewegung. Folglich sind lokal und regional auch andere Apps dieser Art entstanden. „Stolpersteine Digital“ hat allerdings als erste App das Ziel, alle Stolpersteine in Deutschland mitsamt hinterlegten Biografien zu erfassen. Bislang fehlte eine vollständige und bundesweite Übersicht über die

Lebensgeschichte der Opfer. Diese Lücke schließt die Anwendung – ursprünglich sollte dies nur in Schleswig-Holstein geschehen. Das Projekt wurde dann aufgrund des bundesweiten Interesses ausgedehnt. Aktuell befinden sich knapp 3.000 Stolpersteine in der Anwendung – damit sind alle bisher bekannten Steine in Schleswig-Holstein und Bremen (außer Bremerhaven) erfasst Auch einige Steine in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind bereits integriert und sollen bis Herbst dieses Jahres um den Rest vervollständigt werden Inzwischen wurde die App laut des Landesbeauftragten rund 176.000 Mal heruntergeladen. BesonderspositiveRückmeldungen während der Testphase in SH gab es aus den Schulen, Initiativen sowie von einigen Einzelpersonen. „Wir wissen, dass die App gerne und regelmäßiginSchulengenutztwird. Informationen, die sonst schwieriger zu erhalten waren, sind nun in wenigen Sekunden erreichbar“, so Dr. Meyer-Heidemann. Neben der App entsteht eine begleitende Website mit Unterrichtsmaterialien für Schulen (stolpersteine.digital), die eine vertiefte Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen ermöglicht.

Der vereinfachte Zugang zu OpferBiografien und zur Beschäftigung mit NS-Verbrechen vor Ort wurde aber auch allgemein gelobt: „Der individuellen Opfer des Nationalsozialismus kann somit an ihrem letzten freigewählten Wohnort gedacht werden. Daher ist die Gedenkfunktion nur vor Ort nutzbar.“

Funktion und Features

Stolpersteine werden lokal verortet und digital erfasst: Wer eine Messingtafel auf dem Boden entdeckt, scannt sie per Kamerafunktion wie einen QR-Code. Die zugehörigen Biografien erscheinen anschließend direkt in der App. „Stolpersteine Digital“ verfügt allerdings auch über eine Kartenfunktion, sodass Stolpersteine ortsunabhängig abgerufen und gesucht werden können. Die Messingtafeln sind stets am letzten frei gewählten Wohnort der jeweiligen Person verlegt. Stolpersteine nennen in der Regel Name, Geburts- und Sterbedatum, Sterbeort sowie – falls bekannt –die Todesursache der verfolgten Person.

Die App verbindet digitale Inhalte mit interaktiven Elementen. Dadurch wird Geschichte erst niedrigschwellig und alltagsnah. Denn mittels Augmented Reality ist es für Passanten möglich, eine virtuelle Gedenkkerze vor Ort zu platzieren die sieben Tage auch für andere Nutzerinnen und Nutzer sichtbar bleibt – ebenso wie der Name und die hinterlassene Botschaft: Eine von fünf Gedenkbotschaften stehen in der App zur Auswahl. „Ein Filter verhindert, dass diese Funktion durch eingegebene Namen missbräuchlich verwendet werden kann. Stolpersteine Digital ist somit nicht nur ein Werkzeug der Wissensvermittlung, sondern ermöglicht den Usern ebenso, Teil einer digitalen Erinnerungskultur zu werden“, so Dr. Meyer-Heidemann. Dazu gehört auch, die Steine ab und an zu pflegen: Eine Putzanleitung zeigt Schritt für Schritt, wie Stolpersteine sauber gehalten werden, „sodass das Gedenken in der realen Welt genauso lebendig bleibt wie in der digitalen.“

Stolpern über Hürden

Woher aber stammen die Biografien? Da es sich um rund 90.000 Biografien in Deutschland handelt, ist es besonders

herausfordernd, Recherche für alle Stolpersteine zu betreiben. So sei es aufgrund der hohen Anzahl schlicht unmöglich, jeden Text gegenzulesen und zu überprüfen. Der Landesbeauftragte freue sich daher über Mithilfe aus der Bevölkerung. Die Texte hinter den Steinen stammeninderRegelvonEinzelpersonen, Ehrenamtlichen oder Initiativen, die sich vor Ort für die Verlegung des Stolpersteins engagiert haben. Zu diesen gehören beispielsweise Schulklassen, Angehörige oder auch historisch interessierte Menschen. Daher variieren die Biografien in Länge und Wortwahl. Zu jeder Lebensgeschichte wird der Autor oder die genutzte Quelle und Literatur genannt. In Kürze soll die App über eine Feedback-Funktion zu einzelnen Biografien verfügen. „Wenn Userinnen und Usern etwas Ungewöhnliches an einer Biografie auffällt, kann dies einfach gemeldet werden.“

Die Landeszentrale für politische Bildung entwickelt die App kontinuierlich weiter. Künftig sollen Bürgerinnen und Bürger selbst Stolpersteine hinzufügen und Informationen ergänzen können. Weitere Schwerpunkte sind Barrierefreiheit, eine optimierte Benutzeroberfläche (UI) und zusätzliche Medienformate wieFotos, Videos oder Tondokumente.

Wider digital, wieder analog

Bisher geht es bei dem Projekt speziell um NS-Verbrechen und die Opfer des Nationalsozialismus. Ein solches Projekt – in Verbindung von physischen Orten mit digitalen Inhalten – wäre auch für die Vermittlung allgemeiner Stadtgeschichte oder im Smart-City-Kontext denkbar – das sei aktuell jedoch noch nicht geplant. Die Erinnerungskultur kennt grundsätzlich viele Wege – und braucht verschiedene Formate. Die Bundesdruckerei trägt analog dazu bei: Sie druckte 1,2 Millionen Briefmarken mit innovativer Technik. Eine Kombination aus Offsetdruck, Flexodruck und halbtransparenter Metallic-Folie mit Nanoprägestruktur lässt die Briefmarke beim Kippen messingfarben schimmern – wie ein echter Stolperstein.„EintechnischesHighlight, das so bisher noch nie für Briefmarken genutzt wurde“, schreibt die Bundesdruckerei auf LinkedIn. se

Dr. Christian Meyer-Heidemann, Landesbeauftragter für politische Bildung in Schleswig-Holstein.

7. bis 8. Mai 2026

eGovernment Summit

CIO und Staatssekretär ErnstBürger lädt als Gastgeber und Schirmherr zum interdisziplinären Austausch über Strategien, Infrastrukturen und die digitale Zukunft der Verwaltung ins SchlossNeuhardenberg in Brandenburg ein. Die Bundesländer stehen als Schlüsselakteure zwischen Bund und Kommunen im Mittelpunkt der Diskussion.

Zum 19. eGovernment Summit in SchlossNeuhardenbergtreffensich Staatssekretäre,CIOsundCDOsvon Bund und Ländern. Erwartet werden zudem hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, Entscheidungsträger aller Verwaltungsebenen und öffentliche ITDienstleister. Der Summit bietet Raum für interdisziplinären Aus-

Überblick

eGovernment Summit

7. bis 8. Mai 2026

Schloss Neuhardenberg

Schinkelplatz 1 15320 Neuhardenberg

Veranstaltungszeiten:

1. Tag: 10.30 bis 18.30 Uhr, danach Dinner/Bar

2. Tag: 9 bis 13 Uhr, danach Mittagessen

Veranstalter/Kontakt:

Vogel IT-Akademie

Franziska Magai: franziska.magai@vogel.de

KatharinaRimkus:katharina.rimkus@vogel.de

Eintrittspreise: kostenfrei für Spitzenvertreter

Hotelzimmer im Hotel Schloss Neuhardenberg: 134 Euro / Nacht inkl. Frühstück

[ egovernment-summit.de ]

27. bis 28. Mai 2026

NØRD

eGovernment Summits 2026.

tausch, um Strategien zu schärfen und Allianzen zu schmieden.

SchirmherristErnstBürger,Staatssekretär und CIO des Landes Brandenburg, der zu neuen Impulsen und wichtigen Debatten rund um dieVerwaltungsdigitalisierungeinlädt: Skalierbare Verwaltungsclouds,digitaleIdentitäten,vernetzte Behördenzusammenarbeit: Bei allen Aspekten bilden Sicherheit und Souveränität das Fundament für eine resiliente Demokratie.

Auf der Agenda:

„ Jahresbilanz unter der neuen Bundesregierung

„ OZG 2.0 und Registermodernisierung

„ Die Rolle der Länder in der Verwaltungsdigitalisierung

„ Skalierbare IT-Infrastrukturen, Verwaltungsclouds und digitale Souveränität

„ Fachkräftemangel und heterogene IT-Landschaften

„ Sichere digitale Identitäten se

In der HanseMesseRostock geht es Ende Mai um die digitale Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns: Von Open Source über KI im Gesundheitswesen bis SmartCity: Die Veranstaltung bietet ein breites Themenspektrum rund um digitale Transformation.

Die NØRD geht in die vierte Runde: In der HanseMesse Rostock treffen sichExpertinnenundExperten,um aktuelle digitale Entwicklungen und konkrete Lösungen zur digitalen Transformation zu diskutieren. An zwei Tagen bietet sich die Möglichkeit, Wissen zu teilen, Impulse zugewinnenunddasNetzwerkauszubauen.

Speaker-Auswahl im Überblick:

„ Elisabeth Kaiser, Beauftragte der BundesregierungfürOstdeutschland

„ JacquelineBernhardt,Ministerin für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz

„ Marc Reinhardt, Präsident der Initiative D21

„ Sven Thomsen, CIO von Schleswig-Holstein

„ Sascha Lobo, Podcaster und Spiegel-Kolumnist

Die Veranstaltung bietet ein breit gefächertes Programm rund um OpenSourceundoffeneInnovation

KI-Praxis, Verwaltungsdigitalisierung, Digitalisierung im Gesundheitswesen,Cybercrime,SmartCity und digitale Zwillinge. Dazu zählen Keynotes, Workshops, Pitches sowie Projekt- und Produktvorstellungen und Diskussionsrunden. Partnerland ist Lettland: Die Teilnahme Lettlands unterstreicht die strategische Zusammenarbeit mit Mecklenburg-Vorpommern. Eine hochrangige lettische Delegation besucht die Digitalkonferenz, angeführt vom Minister für Smart Administration und regionale Entwicklung. Der baltische Staat ist mit einem eigenständigen Programm vertreten und stellt darin Beiträge aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft vor. Im Fokus stehen konkrete digitale Lösungen für den öffentlichen Sektor. Im Verlauf der Veranstaltung verleiht das Land MecklenburgVorpommern Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien an

Menschen, Teams und Projekte aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft – begleitet von den jeweiligen Schirmherren. Der NØRD Award 2026 würdigt die aktive Mitgestaltung des digitalen Wandels im Bundesland Für die Favoriten kann ab dem 15. April online abgestimmt werden. se

Überblick

NØRD 27. bis 28. Mai 2026

Zur HanseMesse 1-2 18106 Rostock

Öffnungszeiten: 1. Tag: 9 bis 22 Uhr 2. Tag: 9 bis 20 Uhr

Veranstalter: Ministerium für Inneres und Bau

Eintrittspreise: kostenfrei

[ digitalesmv.de/noerd ]

Das Schloss Neuhardenberg in Brandenburg ist der Veranstaltungsort des

Lösungspartner

DIGITAL SECURITY

genua GmbH

Ansprechpartner: Katrin Pfeil

Domagkstraße 7 85551 Kirchheim bei München Tel. +4989991950-902 vertrieb@genua.de www.genua.de

genua schützt IT-Infrastrukturen von Behörden zuverlässig vor Cyber-Risiken – mit IT-Sicherheit „Made in Germany“. Als Unternehmen der Bundesdruckerei-Gruppe und enger Kooperationspartner des BSI unterstützen wir von der Konzeption über die Auswahl und Implementierung geeigneter Lösungen – wie PAP-Strukturen und mobile Zugangslösungen für VS-NfD-Kommunikation – bis hin zur Unterstützung bei beschleunigten Zulassungsverfahren.

G DATA CyberDefense AG Ansprechpartner: Felix Adami Königsallee 178 a 44799 Bochum Tel.: +49 152 04932509 Felix.Adami@gdata.de www.gdata.de

Die G DATA CyberDefense AG ist ein führendes deutsches IT-Sicherheitsunternehmen. Das Portfolio der Bochumer Firma reicht von Managed Extended Detection and Response (MXDR) über Security Awareness Trainings bis hin zu Penetration Tests und Incident Response.

DIGITALES VERTRAGSMANAGEMENT

TQG – Die souveräne digitale KIgestützte Vertragsmanagementlösung(LCM)fürBund, Länder und Kommunen. Unser Mehrwert fürdieVerwaltung:KI-Vertragsmanagementsoftware – Elektronische Aktenführung –eSignatur – Bürgerportal – Automatisierte Verwaltung von EVB-IT.

ECM & DMS

OPTIMAL SYSTEMS Hannover ist seit 1997 die treibende Kraft für ein optimales Enterprise Content Management System in Öffentlichen Verwaltungen. In dem ECM enaio® werden Dokumente digital erfasst ausgewertet, verwaltungsweit für alle berechtigten Mitarbeiter*innen bereitgestellt und rechtssicher archiviert. Dank der ausgeprägten Schnittstellenvielfalt zu kommunalen Fachverfahren ist ein reibungsloser Datentransfer möglich.

TQG The Quality Group GmbH

Ansprechpartner: Bünyamin Colak Konrad-Zuse-Platz 1 71034 Böblingen Tel. 0157 / 58834890 info@tqg.de www.tqg.de

OPTIMAL SYSTEMSVertriebsgesellschaft mbH Hannover

Ansprechpartner: Björn Wittneben Wöhlerstraße 42 30163 Hannover Tel: +49511123315-0 hannover@optimalsystems.de www.optimalsystems.de/hannover

ECM, DMS & INTELLIGENTE PROZESSE

CC e-gov GmbH

Ansprechpartnerin: Seher Soylu Gotenstraße 10 20097 Hamburg Tel. 040/227199-0 info@cc-egov.de www.cc-egov.de

Die CC e-gov GmbH bietet mit CC ECM (DMS), ALLRIS (RIS), workflowbasierten Vorgangslösungen sowie Schnittstellen zu Fachverfahren und KI-gestützten Funktionen die digitale Abbildung von Verwaltungsprozessen. Cloud-Services, Hosting sowie gezielte Beratung und Angebote der Akademie sichern eine reibungslose Einführung und dauerhafte Nutzung.

PDV GmbH

Ansprechpartnerin: Anne Sprechert-Bode Haarbergstraße 73 99097 Erfurt Tel. 0361/4407-100 info@pdv.de www.pdv.de

DiemodulareECM-PlattformVIS-Suiteder PDV GmbH unterstützt Bund, Länder und große Organisationen von der Antragsbearbeitung bis zur Archivierung. NoCode ProzessautomationundKIgestützteAssistenten erweitern die Plattform als mögliche Add-ons um moderne Effizienzfunktionen. Die VIS-Suite ist bei über 250.000 Nutzenden im Einsatz und erfüllt höchste Anforderungen an Datenschutz, Interoperabilität und digitale Souveränität.

regisafe GmbH

Ansprechpartnerin: Katja Benkenstein Heerstraße 111 71332 Waiblingen Tel. 07151/96528-200 info@regisafe.de www.regisafe.de

Die regisafe GmbH bietet mit ihrem Dokumentenmanagementsystem regisafe, den ergänzenden Fachverfahren und OnlinePortalen sowie den Funktionen von adKOMMinVerwaltung,Finanzen,Bauund Bürgerservice integrierte Lösungen speziell für die öffentliche Kommunalverwaltung KI-gestützte Funktionen und automatisierte Prozesse treiben die Lösungen weiter voran und steigern die Effizienz.

ELEKTRONISCHE BESCHAFFUNG

veenion

Ansprechpartner: Carsten Blaha Europaallee 11-13, 67657 Kaiserslautern Tel: +49 631 520846-50 info@veenion.de www.veenion.de

veenion ist einer der führenden Anbieter digitaler Beschaffungslösungen für den öffentlichen Sektor. Mit über 25 Jahren Erfahrung und Projekten in Bund, Ländern, Städten und Universitäten bietet die Plattform eine transparente, steuerbare und vergabekonforme Abwicklung von Direktaufträgen und Rahmenverträgen.

ELEKTRONISCHE VERWALTUNGSARBEIT

Fabasoft ist österreichischer IT-Innovations- und Marktführer im Bereich elektronischerAktenimDACH-Raumundsorgt für effizientes Dokumenten- und Prozessmanagement. Die Fabasoft eGov-Suite ist Teil der Fabasphere und macht dank KI elektronische zu „intelligenten Akten“ für moderne Verwaltungsarbeit.

Fabasoft Deutschland GmbH THE SQUAIRE 13, Am Flughafen 60549 Frankfurt/Main Tel: +49696435515-0 Fax: +49696435515-99 egov@fabasoft.com www.fabasoft.com

KOMPLETT-DIENSTLEISTER

AKDB

Hansastraße 12-16, 80686 München Tel. 089/5903-1533 Fax 089/5903-1845 presse@akdb.de www.akdb.de

Der Marktführer für kommunale Software: Die AKDB bietet Entwicklung, Pflege und Vertrieb qualifizierter Lösungen für alle Bereiche der Kommunalverwaltung. Zur Angebotspalette gehören im BSI-zertifizierten Rechenzentrum gehostete Fachverfahren für das Finanz-, Personal-, Verkehrs-, Sozialund Grundstückswesen. Das Bürgerservice-Portal ist die bundesweit modernste und reichweitenstärkste E-Government-Plattform für Online-Verwaltungsdienste.

Governikus KG

Ansprechpartner: Stefan Rauner

Hochschulring 4 28359 Bremen Tel. 0421/20495-0 Fax 0421/20495-11 kontakt@governikus.de www.governikus.de

Die Governikus KG ist ein führender Anbieter von IT-Lösungen für den gesamten Zyklus elektronischer Kommunikation vonderAuthentisierungüberdensicheren Datentransport bis hin zur Beweissicherung elektronischer Daten. Gesetzeskonformität, Sicherheit und Innovation stehen für das in Deutschland und EU agierende Unternehmen im Vordergrund.

PROSOZ Herten GmbH Ewaldstraße 261 45699 Herten Tel. 02366/188-0 info@prosoz.de www.prosoz.de

Mit innovativen Lösungen, praxisorientierter Qualifizierung und hoher Beratungskompetenz hat sich Prosoz in den zurückliegenden 35 Jahren vom Softwarehersteller für Kommunen zum Komplettlösungsanbieter in den Bereichen Soziales, Jugend sowie Bauen und Umwelt entwickelt. Als Vordenker für die Digitalisierung in den Kommunen stehen wir Ihnen als strategischer Partner zur Seite.

saascom GmbH

Ansprechpartner: Martina Diederich Heidelberger Straße 6 64283 Damstadt Tel. 06151/3600808 vertrieb@saascom.de www.saascom.de www.civento.de

IT-Experte für öffentliche Verwaltungen! saascom versteht die Bedürfnisse der Verwaltungen und unterstützt durch innovative Lösungen bei der digitalen Transformation. Mit civento© bieten wir eine zukunftssichere Low-Code-Digitalisierungsplattform, die vereinfachte und voll digitalisierte Sachbearbeitungsprozesse mit Endezu-Ende-Automatisierung ermöglicht.

MANAGED SERVICES

SysEleven GmbH

Ansprechpartnerin: Christin Rehbein Boxhagener Str. 80 10245 Berlin Tel.: +49302332012105 marketing@syseleven.de www.syseleven.de

SysEleven GmbH, eine Tochter der secunet, betreut 500+ Kunden im DACHMarkt und bietet Cloud- und Kubernetes Managed Services, darunter die OpenStack Cloud und „MetaKube“. Als CNCF-Mitglied und zertifizierter Kubernetes Provider legt SysEleven Wert auf Datenschutz und hostet in nachhaltigen Rechenzentren.

VIDEOKOMMUNIKATION

Voigtmann GmbH

Ansprechpartner: Jens Bornschein Tel.: 0911 47776542 hallo@voigtmann.de meinvideotermin.de Kieslingstr. 76 90491 Nürnberg

Die Mein Videotermin-Suite ermöglicht sichere und niederschwellige Videoberatung für Bürgerinnen und Bürger sowie Mitarbeitende der Verwaltung. Sie stärkt digitale Souveränität, erhöht Servicequalität und Effizienz und gewährleistet höchste Datenschutzstandards. Durch intuitive Bedienung und stabile Technologie wird moderne Behördenkommunikation zuverlässig und zukunftssicher gestaltet.

SPEZIAL – VERLAGSSONDERVERÖFFENTLICHUNG

E-HEALTH

DIGITALISIERUNG DES GESUNDHEITSWESENS

KRITIS

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Telemedizin

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Dokumentation

Künstliche Intelligenz

Telematikinfrastruktur

Personalisierte Medizin

Digitale Identitäten

Die Zeit wird knapp

2026 – das Jahr des Rennpferds?

Während Ärzte und Pflegekräfte im Verborgenen ChatGPT und Co. für Arztbriefe und Dokumentationspflichten nutzen, tickt die Uhr. Zum 2 August 2026 tritt der EU AI Act vollständig in Kraft. Bis dahin müssen deutsche Krankenhäuser ihre KI-Anwendungen in geregelte Bahnen lenken.

Die Szene ist vielerorts dieselbe. Ein überlasteter Oberarzt tippt Patientendaten in ChatGPT, um schneller einen Entlassungsbrief zu generieren. Eine Pflegekraft lässt sich von einem kommerziellen KITool bei der Medikationsdokumentation helfen. Was nach pragmatischer Arbeitserleichterung klingt, ist für Krankenhausleitungen ein Albtraum namens Schatten-KI.

„Unkontrollierte KI-Tools bergen das Risiko inkonsistenter Dokumentationen und gefährden die Datenintegrität“ warnt etwa Dr. Peter Bonis, Chief Medical Officer bei Wolters Kluwer Health Während die klinische Wirksamkeit solcher Anwendungen oft unklar blieben entstünden regulatorische Grauzonen. Patientendaten wanderten in kommerzielle Cloud-Systeme, deren Datenschutzkonformität ungeklärt seien, so Bonis. Schlimmer noch: Halluzinationen – frei erfundene, aber plausibel klingende Inhalte – könnten unbemerkt in die Versorgung einfließen und für mittelschwere Komplikationen sorgen.

Eine aktuelle Studie von nexum, DRF Luftrettung und HC&S unter rund 60 Geschäftsführungen deutscher Krankenhäuser zeigt, dass 41 Prozent bereits KI-Maßnahmen implementiert haben. Doch nahezu die Hälfte befinden sich – gemäß der Studie – noch in (frühen) Testphasen. Nur etwa jedes zehnte Krankenhaus bezeichnet sich als „Heavy User“.

GenauhiersetztdieForderungnach KI-Governance an. 2026 wird nach Einschätzung von Branchenexperten das Jahr, in dem Klinikleitungen formale Rahmenwerke und Compliance-Richtlinien schaffen müssen. Oder anders ausgedrückt das Jahr, in dem das Rennpferd gesattelt werden muss.

In wenigen Monaten – genauer gesagt zum 2. August – endet eine Schonfrist. Ab diesem Datum müssen Betreiber von HochrisikoKI-Systemen im Gesundheitswesen die vollständigen Anforderungen des EU AI Act (Verordnung 2024/1689) erfüllen. Die meisten medizinischen KI-Systeme fallen in diese Kategorie – von der radiologischen Diagnostik über Laborauswertungen bis zur KI-gestützten Therapieempfehlung.

Die Bundesregierung hat am 11. Februar 2026 das KI-Marktüberwachungs- und Innovationsförderungsgesetz (KI-MIG) beschlossen, welches die EU-Vorgaben national umsetzt. Die Bundesnetzagentur übernimmt dabei die zentrale Koordinierung, während sektorale Behörden wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die fachliche Aufsicht behalten. Innovationsfreundliche Aufsichtsstrukturen sollen verhindern, dass Compliance-Anforderungen die Entwicklung abwürgen.

Doch was bedeutet das konkret für Krankenhäuser? Gemäß Artikel 26 des EU AI Act müssen Betreiber ab August umfassende Pflichten erfüllen:

„ Menschliche Aufsicht durch kompetente Personen, typischerweise der behandelnde Arzt, „ ein Register aller eingesetzten KISysteme, „ kontinuierliches Risikomanagement sowie „ lückenlose Compliance-Dokumentation inklusive Datenschutz-Folgenabschätzungen. Für KI-Systeme, die bereits vor dem 2. August 2026 im Einsatz sind, gilt eine Übergangsfrist. Sie müssen nur bei wesentlichen Änderungen nachgerüstet werden. Medizinprodukte mit KI-Komponente, die eine Benannte Stelle nach der Medizinprodukteverordnung (MDR) erfordern, haben sogar bis 2. August 2027 Zeit. Dennoch: Die Uhr tickt. Unerbittlich.

KI-Nutzung zwischen Effizienz und Chaos

Die Zahlen zur KI-Nutzung im Gesundheitswesen zeichnen ein widersprüchliches Bild Eine Befragung von Deloitte zeigt, dass ein Viertel der Bevölkerung bereits KIAnwendungen bei Gesundheitsfragen einsetzt. Generative KI-Tools wie ChatGPT, Copilot oder Perplexity übernehmen gar eine tragende Rolle, besonders bei der Einschätzung, ob ein Arztbesuch nötig ist. Parallel stieg die Bereitschaft zum Teilen von Gesundheitsdaten um 18 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Die Bevölkerung erwartet digitale Unterstützung – und nutzt sie, auch wenn das Gesundheitssystem sie nicht offiziell anbietet.

In Krankenhäusern selbst konzentriert sich der KI-Einsatz auf Notaufnahme und Radiologie. Fast 60 Prozent der Nutzer berichten von Zeitgewinnen zwischen 10 und 20 Prozent. Radiologen verzeichnen

stark verkürzte Befundzeiten, Pflegekräfte einen reduzierten Gesamtaufwand. Knapp ein Drittel sehen zudem präzisere Diagnosen durch KI-Unterstützung. Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen stehen bremsende Faktoren wie etwa Datenschutzbedenken, unzureichende Förderung oder technische Hürden und fehlende Fachkenntnisse.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert in ihrem Positionspapier vom Oktober 2025 deshalb explizite gesetzliche Leitlinien für das Training von KI-Systemen mit medizinischen Daten, erweiterte Forschungsregelungen und eine klare Haftungsklärung. Sie betont, dass erfolgreiche KI-Implementation eine breite, interoperableDatenbasiserfordert,diekrankenhausübergreifend zugänglich ist. Als Lösungsvorschlag bringt die DKG KI-Hubs auf regionaler oder nationaler Ebene ein, die Kliniken bei der Entwicklung von KI-Strategien unterstützen sollen. Zudem fordert der Verband eine Fortsetzung des Krankenhauszukunftsfonds, um offene Plattformen, Betriebskosten und flexible Infrastrukturkomponenten gegenzufinanzieren. Die Diskrepanz zwischen Pilotprojekten und Regelversorgung bleibt jedoch groß. Während einzelne Unikliniken wie Dresden oder die Charité in Berlin mit KI-gestützter Dokumentation experimentieren, fehlt vielerorts die Möglichkeit strukturierter Skalierung. Das BMG hat in seiner weiterentwickelten Digitalisierungsstrategie das Ziel ausgegeben, dass bis 2028 über 70 Prozent der Einrichtungen KIgestützte Dokumentation nutzen sollen.

Sicherheitszonen und Expert-in-the-Loop

Die Preisfrage lautet also, wie sich Schatten-KIeindämmenlässt, ohne dabei Innovation abzuwürgen. Die

Compliance-Marathon bis August

Biszum2.August2026bleibendeutschen Krankenhäusern noch gut vier Monate Zeit. Was muss in diesem Zeitfenster geschehen? Zuallererst eine vollständige Bestandsaufnahme aller eingesetzten KI-Systeme. Viele Kliniken wissen gar nicht, wo überall KI im Einsatz ist – sei es in der Radiologie-Software, in der Labordiagnostik oder als Add-on für Praxisverwaltungssysteme. Diese Inventarisierung ist Grundlage für das geforderte KIRegister.

Parallel dazu müssen Risikoklassifizierungen erfolgen. Welche Systeme gelten als Hochrisiko-KI? Die Faustregel hierbei lautet, dasssämtliche KI-Anwendungen, die diagnostische oder therapeutische Entscheidungen beeinflussen und eine Benannte Stelle nach MDR benötigen, darunterfallen. Dokumentations-KIohnedirekteklinischeAuswirkung könnte geringer eingestuft werden – doch auch hier istVorsicht geboten.

Antwort darauf, so der Tenor vieler Experten: kontrollierte KI-Sicherheitszonen. Dabei handelt es sich um abgegrenzte Umgebungen, in denen zugelassene KI-Tools mit definierten Datensätzen getestet werden können – unter Aufsicht und mit klaren Protokollen „KI-Sicherheitszonen ermöglichen es, neue Anwendungen zu erproben, ohne Patientendaten zu gefährden oder regulatorische Grenzen zu überschreiten“, erklärt Alex Tyrrell, Chief Technology Officer bei Wolters Kluwer Health.

Pilotprojekte dazu laufen bereits am Universitätsklinikum Dresden, an der Charité Berlin und im britischen National Health Service (NHS). Die KI fungiert dort als validierter Partner, dessen Quellen transparent und dessen Empfehlungen jederzeit durch Experten verifizierbar sind.

Das sogenannte Expert-in-theLoop-Prinzip ist zentral für vertrauenswürdige KI-Integration. Anders als beim Human-in-the-Loop, bei dem ein beliebiger Nutzer eingreifen kann, fordert Expert-in-theLoop die Beteiligung qualifizierter Fachkräfte. Bei der Arztbrief-Generierung etwa muss ein Arzt den Text vor Freigabe fachlich prüfen. Bei radiologischen Befunden muss ein Radiologe KI-Markierungen validieren.

Das Frankfurt University Working Paper betont, dass „zukünftige Managementstrategien generative KI als umfassende Organisationsentwicklung, nicht nur als IT-Projekt begreifen müssen“. KI-Governance erfordere interdisziplinäre Teams aus Klinikleitung, IT, Recht, Datenschutz und medizinischen Fachbereichen. Chief-AI-Officers – wie sie einige Unikliniken bereits etabliert haben – könnten diese koordinierende Rolle übernehmen. Transparenz sei dabei Grundvoraussetzung. Patienten wie auch Ärzte müssten nachvollziehen können, wie eine KI zu ihren Empfehlungen komme.

Schulungen sind seit Anfang Februar 2025 ohnehin Pflicht. Artikel 4 des EU AI Act fordert KI-Kompetenz für alle Anbieter und Betreiber. In der Praxis bedeutet das, dass Ärzte, Pflegekräfte und IT-Manager dazu in der Lage sein müssen, zu verstehen, wie die von ihnen genutzten KI-Systeme funktionieren, welche Grenzen sie haben und wie Fehler erkannt werden. Verträge mit KI-Anbietern müssen auf den Prüfstand. Wer haftet bei Fehldiagnosen? Wer ist verantwortlich, wenn eine KI halluziniert? Wie werden Updates eingespielt, ohne die Konformitätzugefährden?All diese Fragen müssen vor dem 2. August geklärt sein.

Auch Incident-Response-Prozesse sind Bestandteil der Compliance. Was passiert wenn eine KI einen Fehler macht? Wie wird dokumentiert? Wer wird informiert? Der EU AI Act fordert an dieser Stelle ein kontinuierliches Risikomanagement über den gesamten Lebenszyklus – von der Beschaffung über den Betrieb bis zur Außerbetriebnahme. Die gute Nachricht für alle Beteiligten: Die Bundesnetzagentur richtet einen KI-Service-Desk für KMU und Start-ups ein, Reallabore sollen risikobasierte Tests ermöglichen, und Schulungsangebote werden ausgebaut Zudem gilt für Behörden-KI eine Frist bis 2030 – Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft könnten davon profitieren, sofern die dort verwendeten Systeme nicht als Hochrisiko klassifiziert sind. Dennoch ist der Aufwand erheblich. Kleinere Häuser ohne dedizierte Digitalstrategie stehen vor der Herausforderung, neben Personalmangel und Kostendruck auch noch Compliance-Strukturen aufzubauen. Schleswig-Holsteins DigitalisierungsministerDirkSchrödterfasste es jüngst präzise zusammen: „Digitalisierung darf keine bürokratische Last sein, sondern muss echten Mehrwert schaffen – für Patienten und für die, die täglich im Gesundheitssystem arbeiten.“ Ob das gelingt, zeigt sich in den kommenden Monaten. jk

Bild: Midjourney / KI-generiert

Sicher digital vernetzt im Gesundheitswesen

Die Kommunikationslücke im KIM schließen

Die Nutzung des Dienstes „Kommunikation im Medizinwesen“, kurz KIM, ist für viele Parteien innerhalbdesdeutschenGesundheitssystemsverpflichtend Arztpraxen,Psychotherapeut:innen, Apotheken, Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser – sie alle müssen diesen sicheren Weg zur Übermittlung für ePA, eAU und Co innerhalb der Telematikinfrastruktur (TI) nutzen Gleichzeitig sind zahlreiche weitere Akteur:innen im Versorgungssystem nicht KIM-fähig Medienbrüche, Zeitverlust und rechtliche Risiken sind die Folgen. Seit Anfang 2026 steht diesen Akteur:innen das fehlende Bindeglied bereit, das die digitale Lücke zum elektronischen Rechtsverkehr (ERV) schließt: eBO plus.

KIM stellt einen sicheren E-MailDienst innerhalb der TI dar. Es ermöglicht den Datenaustausch zwischen Leistungserbringern im Gesundheitswesen, z. B. beim Austausch von Arztbriefen oder Befunden zwischen Praxen und Krankenhäusern. Einige zentrale Akteur:innen sind jedoch nicht an das KIM-System angebunden:

Rechtliche Betreuer:innen, Sozialdienste, Rechtsstellen und Forensik sind nur einige Gruppen, die sich täglich zwischen diesen Schnittstellenbewegen.Sobaldeine dieser Parteien in Verfahren mit juristischer Relevanz involviert wird, stößt KIM an Grenzen.

Rechtliche Betreuer:innen im Kommunikationsnetz zwischen Justiz, Medizin und Mensch

DieBerufsgruppederBeteuer:innen steht tagtäglich im engen AustauschmitGerichten,Sozialträgern

medizinischen Einrichtungen und Angehörigen. Die Teilnahme an KIM setzt eine Anbindung an die TI voraus, einschließlich spezieller Hardware wie Konnektoren und Kartenterminals.

Die Hardware steht ihnen nicht zur Verfügung, obwohl sie regelmäßig in Behandlungs- und Entlassprozesse involviert sind. Ohne ein angemessenes Tool, das die Kommunikation zu anderen Berufsgruppen und Gerichten absichert, bleiben sie in analogen, langsamen Prozessen stecken.

Seit Anfang Januar 2026 können sie endlich einen sicheren elektronischen Übermittlungsweg nutzen dank eBO plus.

Die Lösung von Governikus bindet Betreuer:innen sowie weitere professionelle Akteur:innen an das Elektronische Gerichts- und Verwaltungspostfach (EGVP) an und begegnet folgenden Bedarfen: „ Hohe Anforderungen an Vertraulichkeit und Dokumentation.

„ Zeitdruck bei der Übermittlung fristgebundener Unterlagen.

„ Bisherige Umwege über Papier, E-Mail oder Fax sind nicht mehr zeitgemäß.

„ VerbesserteZusammenarbeitmit Kolleg:innen – z. B. bei Krankheitsvertretung oder Fallübertragungen.

Wo Handlungsdruck im digitalen Gesundheitssystem entsteht

Eine Schnittstelle zu Gerichten erweist sich als besonders fragil: bei der Genehmigung medizinischer Maßnahmen im Eilverfahren. Dies wird am Beispiel der Fixierung von Patient:innen deutlich Diese gilt nach deutschem Recht ab einer Dauer von 30 Minuten juristisch als Freiheitsentzug. Fixierungen müssen unverzüglich dem zuständigen Gericht angezeigt werden. Psychiater:innen sind in der Regel zuständig für diese Kommunikati-

Krankenhaus handelt, reduziert Medienbrüche und beschleunigt Genehmigungs-undAbstimmungsprozesse.

Viele Apparate, verschiedene Postfächer

Eine Organisation wie ein öffentliches Krankenhaus verwaltet mehrere unterschiedliche Postfächer Diese dienen der sicheren, rechtsverbindlichenKommunikationmit Gerichten und Behörden im ERV. Das besondere Behördenpostfach richtet sich an Behörden und Körperschaften des öffentlichen Rechts, Gesundheitsämter, öffentliche Krankenhäuser oder eigenständige rechtsmedizinische Institute Das elektronische Bürger- und Organisationenpostfach ist für Unternehmen, Organisationen und Verbände vorgesehen, die rechtssicher mit Gerichten kommunizieren müssen, wie beispielsweise private Klinikträger und Gutachterbüros.

Das eBO plus erweitert dieses Organisationenpostfach um die Kommunikation zwischen eBO plusTeilnehmenden. Es eignet sich für rechtliche Berufsbetreuer:innen, Inkassobüros, Rechtsabteilungen. Ob privat oder öffentlich: Die klare Differenzierung stellt sicher, dass jede Institution den gesetzlich vorgesehenen und passenden Zugang zum EGVP erhält.

Interoperabilität über KIM hinaus

Während KIM die medizinische Kommunikation für eine Vielzahl an Parteien abdeckt, verbinden die besonderen Postfächer Organisationen untereinander sowie mit Gerichten und Behörden. Interoperabilität ist entscheidend für durchgängige,effizientedigitaleProzesse. Kliniken benötigen eine Kommunikationsarchitektur, die das gesamte Spektrum von der Versorgung bis zur juristischen Absicherung abdeckt. KIM allein reicht an dieser Stelle nicht aus.

Digitale Infrastruktur von Kliniken in der Zukunft

on. Digitale Meldungen über Fixierungen bei Gerichten können über zwei Postfächer erfolgen: Über das besondereBehördenpostfach,wenn diePsychiater:inneninöffentlichen Krankenhäusern beschäftigt sind oder über das elektronische Bürger- und Organisationenpostfach, sollte es sich um private Einrichtungen handeln.

Entlassmanagement für Sozialdienste optimieren

Der Sozialdienst im Krankenhaus organisiert im Rahmen des Entlassprozesses Betreuungs- oder Pflegeleistungen. Dabei sind

Betreuer:innen, Gerichte und Behörden involviert. Rechtlich relevante Abstimmungen entstehen, wenn Patient:innen nach beendigter stationärer Behandlung weiterhin pflegebedürftig sind. Ein digitales Postfach, wie das eBO im Falle einer Privatklinik, oder das beBPo, wenn es sich um ein öffentliches

Damit Kliniken künftig digital souverän aufgestellt sind, brauchen sie durchgängige, rechtskonforme Prozesse. Krankenhäuser Betreuer:innen, Sozialdienste und Rechtsabteilungen benötigen neben KIM einen sicheren Zugang zumelektronischenRechtsverkehr. Die besonderen Postfächer beBPo, eBO und eBO plus schließen diese Lücke.

Wer heute in interoperable KommunikationslösungenundeID-Services investiert, beschleunigt Verfahren und schafft eine belastbare Grundlage für die nächste Stufe der Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Software-Umstellung in Kliniken

Großprojekt IS-H

Das Verwaltungssystem SAP IS-H wird nicht weiterentwickelt, bis spätestens 2030 müssen Kliniken und Krankenhäuser ihre Systeme umstellen. Ein Mammutprojekt, das weit über eine reine SoftwareMigration hinausgeht.

Das Thema IS-H (Industry Solution Healthcare) stellt Kliniken und Krankenhäuser seit geraumer Zeit vor große Herausforderungen. Die Administrations- und Abrechnungssoftware von SAP wird nicht weiterentwickelt und mittelfristig abgesetzt. Der reguläre Support endet bereits 2027, die verlängerte, teurere Wartung ist bis 2030 möglich. Hintergrund: Das Modul IS-H basiert auf dem ERP-System SAP ECC,dasinSAPS/4HANAüberführt wird – ohne eine technisch komplexe Anpassung von IS-H. Für die Krankenhäuser heißt das: Sie haben noch maximal vier Jahre Zeit, sich für einen IS-H-Nachfolger zu entscheiden und zu migrieren.Zudemmüssensich die Häuser strategisch positionieren: Soll tatsächlich „nur“ auf ein neues administratives Modul geswitcht werden – oder soll es doch eher gleich ein komplett neues Krankenhausinformationssystem (KIS) werden? Beides ist möglich. Es gibt reine ISH-Ersatzmodule, die lediglich den Patientenmanagement- und Abrechnungsteil ersetzen. Es lassen sich beispielsweise neue Systeme parallel zur bestehenden Software aufbauen, die dann schrittweise migriert werden. Doch der Umstieg ist komplex, da IS-H tief im KIS integriert ist. Viele Kliniken wollen

daher komplett wechseln und nicht nur das IS-H-Modul erneuern. Neben der Schnittstellen- und Architekturproblematik kann diese Entscheidung auch an anderer Stelle sinnvoll sein: um die Chance der Digitalisierung und die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz zu nutzen.

Christian Albrecht, Mitgründer von Avelios Medical, sieht die aktuelle Lage als Momentum, das positiv genutzt werden sollte. Er spricht von aktuell etwa 400 Krankenhäusern in Deutschland und 1.000 europaweit, die auf ein neues System umstellen müssen und auch wollen. „Wir hören aus zahlreichen Gesprächen,dassesfürdieKrankenhäuser keinen Sinn ergibt, nur die administrative Seite neu zu beschaffen“, sagtAlbrecht.„Siebeschäftigensich mit dem kompletten Thema Krankenhausinformationssystem.“

Heißt: 400 Häuser allein hierzulande orientieren sich derzeit aktiv am Markt, welches System für sie das richtige ist. „Das ist kein kleines Digitalisierungsprojekt, sondern eine wirklich große Weichenstellung – letztlich für die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland, wenn man ehrlich ist“, betont Albrecht.

Aktuell laufen laut Albrecht bereits einige große Ausschreibungen, und

tegie. Das sieht auch Albrecht so: „Man muss sich bewusst sein, dass man damit eine sehr große Entscheidung für die Zukunft trifft. Das System wechselt man nicht alle Jahre.“ Sein Rat an Kliniken und Krankenhäuser lautet daher: Die eigenen Digitalisierungsziele genauansehen.Meistwollemannicht nur die Behandlungsdokumentationdigitalisieren,sondernallgemein die Qualität der medizinischen Behandlung verbessern und administrative Aufwände reduzieren. „Das war bisher sehr schwer möglich, weil vor allem das Thema strukturierte Daten oft ein Hemmnis war“, sagt Albrecht. Die bisherige Architektur sei oftmals sehr monolithisch gewesen worin andere Lösungen nicht sinnvoll zu integrieren waren. „Jetzt hat man die große Chance, daran etwas zu ändern“, sagt Albrecht und empfiehlt deshalb,beiAusschreibungennicht leichtfertig den Zuschlag zu erteilen, „um nicht in fünf oder zehn Jahren noch vor dem gleichen Dilemma zu stehen“.

„einige wenige“ sind bereits vergeben. Der große Teil des Marktes beschäftige sich aber derzeit damit, sich zu orientieren. Albrecht rechnet damit, dass in den kommenden sechs bis zwölf Monaten viele Entscheidungen fallen werden, vor allem bei den größeren Häusern. „Einige große Kliniken sind vorangeschritten, es sind aber auch noch recht viele offen“, erläutert Albrecht. „Die kleineren Häuser warten eher noch ein bisschen und schauen, was die großen Kliniken machen.“

Angesichts der Investitionsmenge und der digitalstrategischen Bedeutung ist ein Abwarten und Orientieren nicht die schlechteste Stra-

Auch das Thema künstliche Intelligenz könne beim Systemwechsel mitgedacht werden. „Die Entscheidung, die man jetzt mit dem neuen Kernsystem trifft, beeinflusst ganz massiv, welche Möglichkeiten man künftig im Bereich KI hat“, ist Albrecht überzeugt. Denn auch hier kommeesaufdieDatenqualitätund damit auf eine passende und vor allem flexible Architektur an: „Man braucht eine Architektur, die einem die Flexibilität lässt, moderne Modelle einzusetzen, wenn sich neue Modelle entwickeln. Damit man sich keine Chancen nach vorne verbaut.“

Sein eigenes Unternehmen Avelios Medical, das ebenfalls KIS-Anbieter ist, sieht er in diesem Zusammenhang gut aufgestellt. Ende 2020 wurde das Unternehmen gegründet und befinde sich aufgrund der IS-H-Thematik nun „in einem positiven Sturm“. Die Avelios-Lösung basiert auf strukturellen Daten und ist modular aufgebaut – ein Modell, das laut Albrecht nur möglich war, da 2020 auf der grünen Wiese neu gedacht werden konnte „Wir werden als sehr modern wahrgenom-

men, mit guten inhaltlichen Antworten auf die vielen Themen rund um KI und Digitalisierung“, freut er sich. Die aktuell spannende Phase für sein Unternehmen wird noch befeuert durch ein aktuelles, strategisches Investment durch SAP. „Das hilft uns sehr“, sagt Albrecht. Gerade in der Kommunikation gegenüber den Kunden, da man eng mit SAP zusammenarbeite und das bisherige,alteSystemverstehe.Dies sei für viele ein Aspekt der Sicherheit und damit „ein Verkaufsargument“. Gleichwohl gebe es auch Kunden, die mit dem SAP-Rückzug hadern und sich vor einigen Jahren, als die Aufkündigung von IS-H bekannt wurde, im Stich gelassen fühlten. „SAP hat das damalige Feedback, das nachvollziehbar war, ernst genommen und die eigene Strategie entsprechend angepasst und erweitert“, sagt Albrecht. Und durch die Partnerschaft mit Avelios könne jetzt aus SAP-Sicht wieder eine Lösung angeboten werden. „In Summe wird es sehr positiv wahrgenommen“, sagt er. Bei den bisherigen Migrationsprojekten konnte Avelios viel Erfahrung sammeln. Im Fokus: der Blick nach vorne Neben „viel Projektarbeit“ würden auch die Prozesse angeschaut,harmonisiertundmöglichst standardisiert. „Man muss auch schauen“, sagt Albrecht, „ welche Informationen man aus dem alten System übernimmt und wie man die Migration sauber abbildet.“ Ein solches Digitalisierungsprojekt dauere bei Universitätskliniken gut und gerne eineinhalb bis zwei Jahre. Zeit, die man sich nehmen sollte: „In solch einem Projekt liegt eine große Chance, viele Abläufe und die Qualität zu verbessern.“ Krankenhäusern und Kliniken, die sich noch nicht entschieden haben, rät Albrecht, sich erst einmal in Ruhe zu orientieren und zu schauen, welche Lösungen sich in den kommenden ein oder zwei Jahren durchsetzen und gut bewertet werden. Auf diese Weise könne ein Grundstock an gut funktionierenden Standards genutzt werden – ein Vorteil gerade für kleinere Häuser, die ein solches Großprojekt allein schon personell oft nicht stemmen können. „Ich würde nicht jeder kleinen Klinik empfehlen, ein eigenes riesiges Beratungsprojekt durchzuführen und die gleichen Übungen zu machen, die gerade parallel alle Großen auch machen“, meint Albrecht. Zeitdruck besteht nach seiner Einschätzung noch nicht. Die Häuser sollten sich lieber dieses oder auch nächstes Jahr noch orientieren, auch in puncto Digitalisierungsstrategie, und sich dann für eine Lösung entscheiden, die ihren Zielen entspreche und den Weg für kontinuierliche Weiterentwicklungen biete su

Die nächste Ausgabe der eGovernment erscheint am Montag, den 27. April 2026.

Das SPEZIAL dieser Ausgabe widmet sich dem Thema IT & eGovernment Consulting. Anzeigenschluss ist der 13. April 2026.

Anzeigenhotline: 0821/2177-212

Christian Albrecht, Mitgründer von Avelios Medical.
Bild: A ve lios Medical
Krankenhäuser und Kliniken müssen bis 2030 einen Ersatz für das SAP-Modul IS-H finden.
Bild: KI-generiert

Sicher, digital souverän und KI-gestützt

Dokumentenaustausch im Gesundheitswesen

KI, elektronische Patientenakte und Telemedizin dominieren die digitale Agenda im deutschen Gesundheitswesen. Doch hinter diesen Schlagworten verbirgt sich eine ungelöste Basisfrage: Wie lassen sich sensible Patientendaten zuverlässig, rechtskonform und effizien zwischen allen Akteuren des Gesundheitswesens austauschen?

DasKrankenhausinformationssystem (KIS) ist das digitale Herzstück jeder Klinik, seine Integrität wird vom BSI in Kooperation mit dem Fraunhofer SIT intensiv geprüft EinederHerausforderungenimKlinikalltag bleibt dabei der nahtlose, sichere Übergang von eingehenden Dokumenten ins KIS. Eine Studie von techconsult im Auftrag von FerrarielectronicausdemJahr2025 untersucht den aktuellen Stand der Dokumentenkommunikation in deutschen Unternehmen und Organisationen und zeigt erhebliche Defizite auf, Branchenschlusslicht ist das Gesundheitswesen. Viele Organisationen nutzen und kombinieren verschiedene Kanäle fürdenDokumentenaustausch,was zu Fragmentierung und Ineffizienz führt. Zwar dominieren verschlüsselte E-Mail-Lösungen und CloudDienste,mit68bzw.61Prozent,den-

nochsetzen überraschend vieleder befragten Unternehmen weiterhin auf unverschlüsselte E-Mails, nämlich 35 Prozent. Die Mehrheit der Fachabteilungen empfindet den Aufwand fürdie Dokumentenübertragung als belastend, wobei manuelle Schritte und komplexe Bedienoberflächen die Effizienz hemmen.Medienbrücheundzusätzliche Portalsysteme verursachen spürbare Produktivitätsverluste und erfordern häufig umständliche Workarounds.

Digitaler Dokumentenaustausch ist die Zukunft

Trotz aller Bestrebungen sind analoge Prozesse weiterhin fester Bestandteil des Klinikalltags Viele Zubringerärzte verfügen schlicht über keine IT-Infrastruktur für einen sicheren digitalen Datenaus-

tausch. Dokumente kommen per Fax, werden ausgedruckt, manuell geprüft und händisch ins KIS eingepflegt – ein fehleranfälliger, zeitaufwendiger Prozess.

HiersetztdieOfficeMasterSuitedes BerlinerUnternehmensFerrarielectronic an. Die Lösung bietet sicherenunddatenschutzkonformenDokumentenaustauschinnerhalbvon IP-Netzwerken und integriert NGDX, Fax, Voicemail und SMS auf einer einzigen Plattform. Entscheidend dabei: Die Suite integriert sich in bestehende E-Mail-Systeme wie Microsoft Outlook, sodass Anwender keine neuen Werkzeuge erlernen müssen.

Kern der sicheren Übertragung ist derStandardzumDokumentenaustausch NGDX (Next Generation Document Exchange), der eine manipulations- sowie rechtssichere Übermittlung gewährleistet Dabei

werden Dokument und Übertragungsweg gleichermaßen verschlüsselt; Hash-Werte schließen jedeManipulationzwischenAbsender und Empfänger aus. Für Dokumente außerhalb des NGDX-Standards greift Optical Character Recognition (OCR): Die Technologie überführtTextinformationenautomatisch ins Zielsystem – ohne manuellen Eingriff. Das entlastet das Klinikpersonal spürbar und reduziert Fehlerquellen.

Neu in der Version 9

In der neuen Version 9 der OfficeMaster Suite wird erstmals RCS (Rich Communication Services) unterstützt – der moderne Nachfolger der klassischen SMS, der nativ in Android- und iOS-Smartphones integriert ist. Damit öffnet sich die Kommunikation erstmals auch in

ng Patienten: Formulare wie Anamnesebögen lassen sich beispielsweise künftig sicher auf dem Smartphone empfangen, ausfüllen und zurücksenden –ohne App-Installation, ohne Medienbruch.

Gleichzeitig setzt Ferrari electronic mit OfficeMaster Speech AI auf den Einsatz Künstlicher Intellinz: Sprachnachrichten en automatisch in Text umg andelt und können so asynchron gelesen und weiterverarbeitet werden – ein echter Effizienzgewinn im hektischen Klinikalltag. Entscheidend dabei ist der Aspekt der Digitalen Souveränität: Die KI läuft vollständig im lokalen Netzwerk der Einrichtung, ohne dass sensible Daten das geschützte IT-Umfeld verlassen. Datenhoheit ist damit technisch gewährleistet. ErfolgreicheDigitalisierunggelingt nur durch integrierte Ansätze, die technische Sicherheit, regulatorische Anforderungen und Nutzerfreundlichkeit von Anfang an und konsequent mitdenken. Hinter jedem Datentransfer steht ein Mensch,dessenGesundheitvonder QualitätdieserKommunikationabhängt.

Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen stehen vor der Herausforderung, große Mengen unterschiedlichster Dokumente effizient zu verarbeiten. Viele Kliniken haben deshalb bereits damit begonnen, papierbasierte Prozesse zu digitalisieren und Dokumente zentral zu erfassen Dabei stellt sich jedoch zunehmend eine neue Frage: Wie lassen sich diese Informationen künftig intelligenter und effizienter nutzen?

Moderne Erfassungslösungen entwickeln sich von reinen Scan- und ArchivierungswerkzeugenzuPlattformen für intelligente Dokumentenverarbeitung. Die Kodak Info Input Solution 7.5 verfolgt genau diesen Ansatz. Sie verbindet klassische Dokumentenerfassung mit modernen KI-Technologien und schafft so die Grundlage für die automatisierte Verarbeitung medizinischer und administrativer Informationen. Ein zentraler Anwendungsfall ist die automatisierte Klassifizierung eingehender Dokumente. KI kann beispielsweise erkennen, ob es sich um einen Laborbericht, einen Arztbrief oder eine

Einweisung handelt, und das Dokument automatisch dem richtigen Zielort zuordnen, etwa durch Weiterleitung an die zuständige Abteilung oder direkte Ablage in der elektronischen Patientenakte. Gleichzeitig lassen sich relevante InformationenwiePatientendaten, Behandlungszeitpunkte oder Fallnummern extrahieren und als Indexwerte nutzen. Ein neuer Ansatz ermöglicht diese Klassifizierung über einfache, textbasierte Anweisungen, sogenannte Prompts. Anstatt aufwendig trainierte Modelle zu pflegen, kann in natürlicherSprachebeschriebenwerden, welche Dokumententypen erkannt

und welche Informationen extrahiert werden sollen. Dadurch lassen sich auch heterogene medizinische Dokumente flexibel und effizient verarbeiten.

Unterstützung bei Informationsauswertung

Auch bei der Auswertung umfangreicher Dokumente kann KI unterstützen. MehrseitigeArztbriefe,Befundberichte oder medizinische Korrespondenzlassensichautomatisch zusammenfassen und strukturieren. Mitarbeitende erhalten schneller einen Überblick über Inhalte,relevanteDiagnosenodernot-

wendige nächste Schritte. Neben medizinischen Dokumenten profitieren auch administrative Bereiche von intelligenten Erfassungsprozessen. So können beispielsweise Unterlagen im Personalwesen, Bewerbungsdokumente oder Vertragsunterlagenautomatisiertklassifiziert und den entsprechenden Personalakten zugeordnet werden. Auch die Weiterleitung an zuständige Stellen innerhalb der Organisation lässt sich anhand der Dokumenteninhalte automatisieren.

Datenschutz als zentrale Voraussetzung

ImGesundheitswesenspieltderDatenschutz eine zentrale Rolle Viele Kliniken dürfen sensible Patientendaten nicht über öffentliche Cloud-Dienste verarbeiten. DieInfo Input Solution 7.5 unterstützt deshalb alle gängigen KI-Dienste und unterschiedliche Betriebsmodelle. KI-Technologien können so-

wohl in privaten Cloud-Umgebungen als auch On-Premises im eigenen Rechenzentrum betrieben werden, etwa mit Microsoft Document Intelligence. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, personenbezogene Daten vor einer externen Verarbeitung automatisch zu anonymisieren oder zu schwärzen.

Grundlage für zukünftige Automatisierung

Die offene Architektur von Info Input Solution ermöglicht die Integration unterschiedlicher KI-Technologien und lässt sich flexibel in bestehende IT-Landschaften mit KIS,Dokumentenmanagementund elektronischenPatientenakteneinbinden. So ist sie auch für künftige und autonome KI-Systeme gerüstet. Dadurch können Gesundheitseinrichtungen ihre Architektur flexibel weiterentwickeln und neue Verfahrenintegrieren,ohnedieIDPPlattform austauschen zu müssen.

Bild:F
se KI

MIGRA-MD

Multimodaler Ansatz zur Migräne-Therapie

Das Innovationsfonds-Projekt MIGRA-MD unter Konsortialführung des Klinikums der LMU verfolgt einen neuen Ansatz zur strukturierten fachärztlichen Migräneversorgung, der digitaleToolsundmultimodale Angebote einbindet.

Migräne schränkt die Lebensqualität deutlich ein, betroffen sind rund 10 Prozent der Bevölkerung Trotz neuer Medikamente und Er-

kenntnisse erhalten viele von ihnen noch keine leitliniengerechte und individuell abgestimmte Therapie. Hier setzt das Innovations-

fondsprojekt „MIGRA-MD – Strukturierte fachärztliche Migräneversorgung – multimodal und digital“ an: Es verknüpft fachärztliche Behandlung mit digitalen Tools und Lernmodulen und fördert die aktive Mitarbeit der Patientinnen und Patienten.

Unter der Konsortialführung des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München beteiligen sich als Konsortialpartner die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG), das Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald, das Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof, die smartlytic GmbH, die Universitätsmedizin Rostock, der Berufsverband Deutscher Neu-

rologen e.V., das Koordinierungszentrum für klinische Studien der Technischen Universität Dresden sowie die BARMER und die AOK Bayern. Kooperationspartner ist die MigräneLiga e.V. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) fördert das bundesweite Projekt mit über fünf Millionen Euro von Juni 2025 bis Mai 2029.

Facharztbehandlung und digitale Tools verknüpft

Seit Anfang März läuft die Patientenrekrutierung. Insgesamt 1.000 Patientinnen und Patienten können sich beteiligen. Die Teilnehmenden erhalten alle das gleiche Therapieprogramm und starten in zwei Gruppen, zeitversetzt um drei Monate Dazu dokumentieren sie zunächst ihre Kopfschmerzen digital mit der DMKG-App Diese Daten fließen ins DMKG-Kopfschmerzregister Das Programm beinhaltet jeweils drei Facharzttermine, dafür sind Kopfschmerzzentren in ganz Deutschland eingebunden. Die teilnehmenden Fachärztinnen und Fachärzte werden von der DMKG zur Migränebehandlung geschult und erhalten den patientenbezogenen Zugriff auf die Daten im Kopfschmerzregister. Zusätzlich zur fachärztlichen Behandlung stehen Patientinnen und

Patienten über die Online-Plattform MIGRA-MD speziell für das Projekt entwickelte Informationen zur Verfügung: Videos und Audios, die über über Migräne, verstärkende Faktoren und Behandlungsmöglichkeiten aufklären, sowie Anleitungen zur nicht medikamentösen Migränevorbeugung, zu Stressreduktion, Entspannungsverfahren und Bewegungstherapie. In LiveWebinaren können Patienten zudem Fragen an Expertinnen und Experten stellen. Um die digitale Komponente, die Konzeption und Implementierung aller benötigten Softwarekomponenten, kümmern sich das Institut für Informationssysteme (iisys) der Hochschule Hof und die smartlytic GmbH,eineAusgründungderHochschule. Für das Projekt wurden die bestehende DMKG-App und das Arztportal erweitert und das Wissensportal erstellt.

„Innovative Versorgung entsteht nicht von allein – man muss sie gestalten. Migräne ist ein Beispiel dafür, wie groß der Bedarf nach strukturierter, leitliniengerechter Behandlung und besserer Patientenorientierung ist. MIGRA-MD verbindet fachärztliche Kompetenz, digitale Unterstützung und Wissenstransfer“, fasst Christina Ruckert, Geschäftsbereichsleiterin Ambulante Versorgung bei der AOK Bayern, zusammen. nh

Hub-and-Spoke-Konzept

Schlaganfälle

per Telemedizin besser behandeln

Forschende des Universitätsklinikums und der Universität Düsseldorf haben in einer aktuellen Studie untersucht, wie Schlaganfallpatienten mit Hilfe eines telemedizinisch gestützten Hub-and-Spoke-Modells schneller versorgt werden können.

Bei Schlaganfällen entscheidet die umgehende Behandlung über den Therapieerfolg. Bei einem ischämischen Schlaganfall wäre das etwa die Lysetherapie zur medikamentösen Auflösung des Gerinnsels. Je schneller die nötigen Maßnahmen eingeleitet werden, desto mehr Hirngewebe kann gerettet werden Aber wie stehen die Chancen hierzulande, bei einem Schlaganfall rechtzeitig adäquate Behandlung zu erhalten? Forschende des Instituts für Interventionelle und Diagnostische Radiologie und der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) haben untersucht, wie schnell Patientinnen und Patienten in Deutschland derzeiteineSchlaganfallversorgung erreichen können und ob sich diese Zeiten mit einem neuen, telemedizinisch gestützten Versorgungsmodell verkürzen lassen. Ihre Ergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift The Lancet Regional Health veröffentlicht. In der Untersuchung wurden zunächst die Fahrtzeiten bis zu einer zertifizierten „Stroke Unit“ erfasst Eine solche Spezialstation zur DiagnoseundBehandlungvonSchlag-

anfallpatienten ist demnach nur für 85 Prozent der Patienten innerhalb von 30 Minuten erreichbar. Die Zahl der Stroke Units in Deutschland wird mit 349 angegeben. Deutlich breiter verfügbar in Deutschlands Krankenhäusern sind dagegen Computertomographie-Geräte (CT). Darauf aufbauend, haben die Forscher als Alternative ein Huband-Spoke-Modell untersucht: In diesem Fall würden die Schlaganfall-Betroffenen in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht werden, das über ein CT verfügt. Dort sollte die bildgebende Untersuchung durchgeführt und dann per Telemedizin gemeinsam mit einer spezialisierten „Stroke Unit“ über den sofortigen Beginn einer Lysetherapie direkt im Krankenhaus entschieden werden. Bei Bedarf würden Patienten weiterverlegt in ein spezialisiertes Zentrum, etwa für einen Eingriff per Katheter.

Verschiedene Szenarien simuliert

Für die Untersuchung wurden Stroke Units, „stroke-ready“-Krankenhäuser mit hoher Schlaganfall-

In der Studie wurden die Fahrzeiten zu verschiedenen Schlaganfallstrukturen modelliert: Ein Krankenhaus mit CT ist vor allem in ländlichen Regionen deutlich schneller zu erreichen als eine Stroke Unit.

ExpertisesowieKrankenhäusermit CT erfasst. In den Berechnungen wurden verschiedene Szenarien simuliert wie etwa unterschiedliche Rettungswagen-Geschwindigkeiten oder Verzögerungen im zuerst angefahrenen Krankenhaus.

„Um genaue Vergleiche vor Ort treffen zu können [,] haben wir die Ergebnisse dafür auch für Landkreise und Bundesländer berechnet und als interaktive Webapp veranschaulicht – so können sich Fachpersonal aber auch Laien ein Bild von der Lage in der eigenen Umge-

bung machen“, erläutert Dr. Lars Masanneck, Erstautor der Studie und Co-Leiter der Arbeitsgruppe „Digitale Translation in der Neurologie“ am UKD. Laut den Studienergebnissen können 98,9 Prozent der Menschen in Deutschland innerhalb von 30 Minuten ein CT-ausgestattetes Krankenhaus erreichen und 90 Prozent ein „stroke-ready“-Krankenhaus. Demnach könnte für 36,4 Prozent der Bevölkerung die Bildgebung mindestens 10 Minuten früher starten als bei einer direkten Fahrt in

eine „Stroke Unit“. Allerdings schwindet dieser Zeitvorsprung bei CT-Verzögerungen im Krankenhaus, wie die Simulationen zeigten

Unterschiede in den Bundesländern

Deutlich wurden auch erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen die Vorteile unter fünf Prozent lagen, könnte zum Beispiel in einem Flächenland wie Sachsen-Anhalt unter Standardannahmen fast die Hälfte der Bevölkerung vom Hub-and-Spoke-Modell profitieren. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine konsequente Nutzung CTausgestatteter Krankenhäuser in Kombination mit Telemedizin helfenkönnte,DiagnostikundLysetherapie schneller verfügbar zu machen und damit die Versorgungslücke insbesondere im ländlichen Raum zu verkleinern“, erklärte Prof. Dr. Michael Gliem, kommissarischer Direktor der Klinik für Neurologie und Leiter der „Stroke Unit“ am UKD. Gleichzeitig wies er auch auf noch offene Fragen hin: Welche Abläufe und Qualitätsstandards sind nötig, um Verzögerungen im ersten Krankenhaus zu minimieren? Wie sind Transportlogistik, Personalressourcen und Zuständigkeiten zu organisieren? Und wie sieht die Kosten-Nutzen-Bilanz im Vergleich zu anderen Ansätzen wie mobilen „Stroke Units“ aus? nh

Visualisierung

Die Ergebnisse, auch für Landkreise und Bundesländer, stehen als interaktive Webapp zur Verfügung:

[ voge.ly/vgllnsF ]

Vom Background zum Backbone

Die neue Rolle von Netzwerken im Gesundheitswesen

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet voran – und mit ihr die Abhängigkeit von stabilen, sicheren und leistungsfähigen IT-Infrastrukturen. Elektronische Patientenakten, vernetzte Medizingeräte und digitale Kommunikation sind Alltag. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Verfügbarkeit, Sicherheit und Effizienz – bei begrenzten personellen Ressourcen.

Für IT-Verantwortliche entsteht dabeieinSpannungsfeld:Systememüssenjederzeitzuverlässigfunktionieren, während die Komplexität der Netzwerkestetigzunimmt NeueAnwendungen, steigende Datenmengen und eine wachsende Zahl vernetzter Geräte machen klassische, manuelle Betriebsmodelle zunehmend untragbar.

Komplexität als zentrale Herausforderung

In modernen Gesundheitseinrichtungen sind unterschiedlichste Systeme miteinander verbunden – von Medizintechnik bis Verwaltung. Diese heterogene Landschaft muss performant,sicherundjederzeitverfügbar sein. Bereits kleine StörungenkönnenklinischeAbläufebeeinträchtigen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Compliance und Cybersecurity, während IT-Teams

häufig unterbesetzt sind. Als Teil kritischer Infrastruktur sind KrankenhäusereinemhohenRisiko durchgezielteAngriffeoderSystemausfälle ausgesetzt. Moderne Netzwerkarchitekturen verzahnen Sicherheit und Betrieb stärker miteinander. Statt isolierter Sicherheitsmaßnahmen sind integrierte Ansätze essenziell, die

Bedrohungen frühzeitig erkennen und automatisch darauf reagieren können.

Sicherheit und Betrieb zusammendenken

Lösungen wie Network Fabrics unterstützendabei,potenzielleAuswirkungen von Angriffen durch

Baden-Württemberg

Kabinett beschließt

Blockieren von Lateralbewegungen zu begrenzen während intelligente Analysen Anomalien in Echtzeit sichtbar machen.

DiesträgtnichtnurzumSchutzsensibler Patientendaten bei, sondern ermöglicht auch einen reibungslosen Betrieb. Netzwerke werden damitzueinemaktivenBestandteilder ResilienzstrategievonGesundheitseinrichtungen.

Automatisierung als Schlüssel zur Entlastung

Angesichts des Fachkräftemangels rückt ein weiterer Faktor in den Fokus: Automatisierung. Routineaufgaben,FehleranalysenundBetriebsprozesse lassen sich zunehmend durch intelligente Systeme unterstützen–bishinzuvollständigautomatisieren. Das reduziert nicht nur den manuellen Aufwand, sondern erhöht gleichzeitig die Stabilität. KI-

dauerhaften

Betrieb der MEDI:CUS-Plattform

Im Projekt MEDI:CUS wird parallel zum Aufbau der technischen Infrastruktur auch an der Vorbereitung für den Regelbetrieb gearbeitet. Ein aktueller Kabinettbeschluss ermöglicht jetzt den dauerhaften Betrieb. Dafür soll zunächst ein Verein gegründet werden.

Mit einem Kabinettsbeschluss vor gutzweiJahrenhatderbaden-württembergische Ministerrat den Weg frei gemacht für ein ambitioniertes Vorhaben – eine landesweite cloudbasierteDatenplattformfürGesundheitsdaten in Versorgung und Forschung. Inzwischen hat MEDI:CUS nicht nur bundesweit Strahlkraft

Hintergrund

entwickelt, die Plattform nimmt auch immer mehr Gestalt an: Nach den erfolgreichen Tests zur technischen Anbindung im letzten Jahr läuft 2026 bereits die Pilotphase: 17 klinische Einrichtungen unterschiedlicher Größe sollen in den kommenden Monaten sukzessive angeschlossen werden.

Über die Gesundheitscloud MEDI:CUS

MEDI:CUS steht für Medizindaten-Infrastruktur: cloudbasiert, universell, sicher. Als cloudbasierte Datenplattform für den Gesundheitsbereich soll

MEDI:CUS die Implementierung digitaler Fachanwendungen künftig vereinfachen und den Austausch und die Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung und Versorgung ermöglichen.

In dem Projekt arbeiten mehrere Ministerien in Baden-Württemberg gemeinsam: Seit 2023 bis Ende 2026 wird es vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration, dem Ministerium für Wissen-

ParallelzumAufbaudertechnischen Infrastruktur arbeitet das Projektteam von Anfang an auch an einem Betriebs- und Finanzierungsmodell –damitdasProjektvoneinemdurch dieöffentlicheHandgetragenenVorhabenzueinereigenständigen,nachhaltigenOrganisationwerdenkann. DieGründungderMEDI:CUS-Zielor-

schaft, Forschung und Kunst und dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus mit 25,6 Millionen Euro gefördert; die organisatorische Federführung hat das Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen übernommen. Mit dem Aufbau der Plattform ist Govtech Deutschland beauftragt. Im Rahmen der Pilotphase sollen die 17 teilnehmenden Einrichtungen laut Plan eine von voraussichtlich jeweils zwei Telekonsil- und Messengerlösungen beziehen, testen und bis zur produktionsnahen Verwendung begleiten können.

gestützte Netzwerkplattformen gehennochweiter:Sieliefernkontextbezogene Einblicke, geben Handlungsempfehlungen und können Prozesseeigenständiganstoßen.Die IT entwickelt sich damit vom reaktiven Betrieb hin zur strategischen Steuerung mit dem „Human in the Loop“, der die Entscheidungen lenkt und validiert.

Plattformansätze schaffen Transparenz

Um der steigenden Komplexität zu begegnen,bietenzentralePlattformlösungen wie Extreme Platform ONE™einenganzheitlichenAnsatz SiebündelnNetzwerkmanagement, Sicherheit und Automatisierungsfunktionen in einer zentralen Umgebung. Das schafft Transparenz über alle Standorte, Geräte und Anwendungen hinweg – und ermöglicht eine effizientere Steuerung. ZugleichbleibtdieInfrastrukturflexibel genug, um neue Technologien sicher zu integrieren und bestehendeSystemeweiterzuentwickeln.Gerade im Gesundheitswesen, wo SystemeüberJahregewachsensind, ist diese Anpassungsfähigkeit entscheidend.

Getrieben durch Digitalisierung, regulatorische Vorgaben und neue Versorgungsmodelleentwickelnsich Netzwerke zunehmend zum strategischen Enabler. Wer Komplexität reduziert, Sicherheit integriert und Prozesse automatisiert, schafft die Grundlage für eine stabile, sichere und zukunftsfähige Patientenversorgung.

ganisation ist für die erste Jahreshälfte 2026 geplant

Gründung eines Vereins und einer GmbH geplant

Mit seinem Beschluss vom 3. März hat das Kabinett nun auch die dauerhafte Weiterführung des Projekts beschlossen – und damit „die Weichen für den zukünftigen Regelbetriebgestellt“,wieMinisterpräsident Winfried Kretschmann im Anschluss an die Sitzung des Ministerrats erklärte. Laut Kabinettsbericht sieht der Beschluss vor, einen Verein zu gründen, in dem das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration das Land als Ehrenmitglied vertreten soll. Alle am Projekt beteiligten Ministerien hätten ihr langfristiges Engagement für die MEDI:CUS-Plattformbekräftigt.Vor allem aber sollten sich die nutzendenEinrichtungenindiesemVerein engagierenunddiestrategischeund inhaltliche Weiterentwicklung der

Plattformvorantreiben.„Dasschafft Vertrauen und zeigt: Das Land Baden-Württemberg steht auch in Zukunft sichtbar und verlässlich hinter der MEDI:CUS-Vision“, erläuterteDigitalisierungsministerThomas Strobl.

Für den Betrieb und die operative Weiterentwicklung der Plattform sollderVereindanneineGmbHgründen und dieser den strategischen Rahmen vorgeben. Damit soll auf der einen Seite der bislang erfolgreiche Projektansatz einer „größtmöglichen und verantwortlichen Beteiligung aller Stakeholder“ weiterverfolgt werden. Betrieb und operative Arbeit sollen aber weitgehend autark laufen, um mit der GeschwindigkeitundDynamikderDigitalisierung Schritt halten zu können. nh

Weitere Informationen und Aktuelles zu MEDI:CUS: [ digital-laend.de/medicus ]

Anbieter & Bezugsquellen

eGovernment 4/2026 by vit - Issuu