DE Wir leben verteilt über den ganzen Erdball, geografisch weit entfernt voneinander. Kulturelle, wirtschaftliche und politische Unterschiede zwischen den Weltregionen, in denen wir jeweils zuhause sind, prägen unsere Erfahrungen. Wir empfinden diese Differenzen als Bereicherung, als Erkenntnis. Zusammengebracht hat uns die universelle Kunst des Theaters – die Kunst, die unmittelbar und intensiv, in direkter Interaktion in einem Moment zwischen Darsteller:innen und Publikum in einem gemeinsamen Raum stattfindet, und in diesem auch sofort vergeht. Die Kraft der Imagination, das lebendige Wahrnehmen und Erfahren von Unbekanntem, die Fähigkeit zur Verwandlung und die Erinnerung gehören für uns zu den menschlich größten Erlebnissen.
Keine Kunstform ist derzeit so lebendig wie das Theater und verändert sich so revolutionär: Gleichermaßen bringt es Text und Sprache, Bewegung und Körper, Licht, Bühnenbild und Kostüm, Komposition und Gesang, Ton und Musik miteinander ins Spiel, nutzt dabei mechanische wie elektronische Techniken, und lässt so Inhalte in immer wieder neuen Formen entstehen.
In vieler Hinsicht ist die Festivalausgabe von THEATER DER WELT in Chemnitz eine ganz besondere: Bereits im Bewerbungsprozess zum Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 wurde das Bedürfnis der Kunst- und Kulturinstitutionen nach internationaler Vernetzung formuliert. Die Einladung an die Festival Academy aus Brüssel in Zusammenarbeit mit THEATER DER WELT ein Festival Atelier für junge Theater-Kurator:innen in der Kulturhauptstadt auszurichten, war Grundlage einer sich entwickelnden Partnerschaft des Theaters Chemnitz, der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH und der international agierenden Festival Academy. Durch ihre weltweit organisierten Festival Ateliers bringt die Festival Academy aufstrebende Kurator:innen zusammen und bietet eine globale Plattform für Dialog, kritische Reflexion und berufliche Weiterentwicklung. Heute bildet die Festival Academy eine weltweite Gemeinschaft von mehr als 1.500 Theater-Kurator:innen aus über 100 Ländern. Mit stetem Wachsen dieser Partnerschaft in Gleichberechtigung, mit Orientierung auf Nachhaltigkeit, Interdisziplinarität und Digitalität, nahm die Idee zu einer gemeinsamen Ausrichtung des Festivals THEATER DER WELT für 2026 Gestalt an. Erstmalig in der Festivalgeschichte wurde ein neunköpfiges internationales Kurator:innenTeam von allen Kontinenten zur künstlerischen Leitung des Festivals eingeladen.
Das Bewerbungsverfahren suchte nach Persönlichkeiten mit eigenständigen künstlerischen Positionen, internationaler Perspektive und der Bereitschaft zum kollektiven Arbeiten. Gefragt war nie nach Repräsentation einzelner Länder. In einem mehrstufigen Prozess fand sich ein Team, das sich in Austausch, Recherche und gegenseitiger Auseinandersetzungen formte. Aus individuellen Blickwinkeln entstand gemeinsame künstlerische Verantwortung für dieses Festival.
Jede:r von uns bringt jeweils ganz unterschiedliche Erfahrungen aus der Berufswelt des Theaters ein. Entstanden ist daraus unser gemeinsames Programm, was Sie hier in der Hand halten. Auf neun Seiten in diesem Heft findet sich von jeder und jedem von uns noch ein ganz persönliches Statement. Vom großen Figurentheater aus Indonesien über ein Erlebnis mit Extended Reality aus Taipeh, hin zu einem Heldenepos aus dem Indien des 13. Jahrhunderts bis zu einer Pop-Oper aus Südafrika: In 33 künstlerischen Positionen ist die Programmatik des Festivals THEATER DER WELT 2026 in Chemnitz zu erfahren: Freiheit des Ausdrucks, Lebensgefühl der Selbstbestimmung, universelles Verstehen unserer Menschlichkeit. Kunstfreiheit bedeutet für uns nicht persönliche Zustimmung zu jeder einzelnen der vertretenen Positionen, sondern das Recht, diese zu äußern – dafür gibt das Festival den Rahmen.
Viele einzelne Mikrowelten sind zu erleben, von überall her und doch dramaturgisch miteinander verbunden.
Jede unserer neun kuratorischen Perspektiven entfaltet sich aus anderer Richtung: aus Fragen nach Zugehörigkeit und Repräsentation, aus der Auseinandersetzung mit Hegemonie und Peripherie, aus dem Nachdenken über Umwelt, Körper und Erinnerung, aus Vertrauen auf Spiel, Imagination und kindliche Wahrnehmung, aus Beharren auf Genauigkeit und Verständlichkeit, Verantwortung und künstlerischem Risiko.
Was uns verbindet, ist, dass jede und jeder von uns unterschiedliche Fragen in das Programm eingebracht hat. Wie finden wir Gemeinsamkeiten in einer Welt, die zunehmend in Extreme gespalten ist? Wie reagieren wir auf historische Machtstrukturen, die bestimmen, wer spricht und wer gehört wird? Wie schaffen wir Strukturen, die Vielfalt nicht nur verkünden, sondern Verantwortung dafür übernehmen? Wie lässt sich unsere kuratorische Praxis definieren, oder warum sollten wir sie definieren? Zusammengenommen offenbaren sie eine temporäre, gemeinsame Erfahrung: einen Ort des Zuhörens, einen Raum, in dem Differenz nicht aufgelöst, sondern angenommen und diskutiert wird, einen Raum, in dem eine nicht-monolithische Übersetzung zwischen Sprachen, Körpern, Kulturen und Generationen stattfindet.
Unser THEATER DER WELT 2026 antwortet darauf nicht mit einem homogenen Programm. Es antwortet mit Positionen, die unter sehr unterschiedlichen Bedingungen entstanden sind. Mit Künstler:innen, die große Erzählungen ebenso wie intime Details des Alltags auf die Bühne bringen. Mit Formaten, die den Bühnenraum erweitern, ihn infrage stellen oder radikal neu denken.
In diesem Prozess ging es nie um Repräsentation im statistischen Sinne. Es ging um Perspektive. Um künstlerische Arbeiten, die aus ihrer jeweiligen Realität heraus eine Dringlichkeit entwickeln. Um Werke, die Gemeinschaft ins Zentrum stellen, die Rituale und Begegnungen schaffen, die Erinnerung als lebendigen Prozess begreifen und Umwelt nicht als Kulisse, sondern als Partnerin.
Die Entscheidung, neun internationale Kurator:innen mit der künstlerischen Verantwortung zu betrauen, ist Ausdruck eines bewussten Risikos und Vertrauens. Es bedeutet, Kuratieren im Sinne von geteilter Verantwortung, unterschiedlichen Sensibilitäten und vielfältigen Stimmen zu begreifen. Unterschiedliche Erfahrungsräume nicht zu nivellieren, sondern produktiv aufeinander treffen zu lassen. Unsere Zusammenarbeit war geprägt von Diskussionen, Widersprüchen, Annäherungen und Verschiebungen. Aus individuellen Positionen ist ein kollektives Programm entstanden, das keine einheitliche Handschrift, sondern eine gemeinsame Verantwortung trägt.
THEATER DER WELT in Chemnitz ist damit nicht nur ein Festival, das Arbeiten aus verschiedenen Weltregionen präsentiert. Es ist ein Ort, an dem Fragen nach Zugang, Sichtbarkeit und künstlerischer Freiheit konkret verhandelt werden. Wir verstehen dieses Festival als einen Raum der Gastfreundschaft, der Auseinandersetzung und der Imagination.
Viele einzelne Mikrowelten und doch ein gemeinsamer, riesiger Moment. Für zweieinhalb Wochen entsteht in Chemnitz ein temporärer Raum, in dem sich unterschiedliche Wirklichkeiten begegnen. Was daraus entsteht, liegt nicht allein in der Auswahl der Arbeiten, sondern in der Begegnung zwischen Künstler:innen, Publikum und Stadt.
EN We live spread across the globe, geographically distant from one another. Cultural, economic, and political differences between the regions where we are each at home shape our experiences. We feel these differences as enriching and insightful. The universal art of theatre is what has brought us together. It is immediate and intense in its direct, in-the-moment interaction between performer and audience in a shared space, wherein it also immediately vanishes. The power of the imagination, vivid perception, the experience of the unknown, the capacity for transformation, and memory are for us among humanity’s greatest experiences.
No art form at present is as lively as theatre and undergoing such revolutionary transformation. In equal measure, it involves: text and language, movement and the body, light, set design and costume, composition and song, sound and music. It employs mechanical as well as electronic technologies, thereby giving rise to content in ever renewed forms.
This festival edition of THEATER DER WELT in Chemnitz is special in many respects. Art and cultural institutions’ need for international networking had been formulated as early as the application process for the 2025 European Capital of Culture title. The invitation to The Festival Academy in Brussels to partner with THEATER DER WELT and organise an Atelier for Young Festival Managers in the European Capital of Culture served as the foundation for a developing partnership between Theater Chemnitz, Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH, and the globally operating Festival Academy. Through its Festival Ateliers organised worldwide, The Festival Academy connects emerging curators and provides a global platform for dialogue, critical reflection and professional development. The Festival Academy is today a global community of 1500+ festival leaders from 100+ countries. Growing steadily in equality, the partnership’s focus on sustainability, interdisciplinarity, and digitality shaped
a common direction for the 2026 THEATER DER WELT Festival. A first in the festival’s history, a nine-person international team of curators from all continents was invited to be the artistic leadership.
The application process sought people with original artistic positions, international perspective, and a willingness to work collectively. It was never about the representation of individual countries. In a multi-stage process, a team was formed through exchange, research, and mutual discussion. Individual perspectives gave rise to shared artistic responsibility for this festival.
Each of us contributes vastly different experience from the professional world of theatre. This is what comprises our shared programme that you are holding in your hands right now. On nine pages in this issue there is a personal statement by each of us.
Giant puppet theatre from Indonesia, an Extended Reality experience from Taipei, a heroic epic from 13th century India, a pop opera from South Africa – there are 33 artistic positions through which to experience the 2026 THEATER DER WELT Festival in Chemnitz. Freedom of expression, a self-determined attitude towards life, universal understanding of our humanity – for us, artistic freedom does not mean personal approval of each of the positions represented, but the right to express them. The festival provides just the setting for this.
Many individual micro-worlds can be experienced; they hail from everywhere, yet are dramaturgically linked. Each of our nine curatorial perspectives unfolds from a different direction – from issues of belonging and representation, an engagement with hegemony and periphery, from reflection upon the environment, bodies, and memory, from trust in play, imagination, and childlike perception, from insisting on precision and intelligibility, responsibility, and artistic risk.
What connects us is that each of us has brought different questions into the programme. How do we find common ground in a world increasingly divided into extremes? How do we respond to historical power structures that determine who speaks and who is heard? How do we create structures that do not merely proclaim diversity but take responsibility for it? How can our curatorial practice be defined, or why should we define it? Taken together, they reveal a temporary shared experience: a place of listening, a space where difference is not resolved but held and discussed, a space where a not monolithic translation takes place between languages, bodies, cultures and generations.
Our 2026 THEATER DER WELT does not respond with a homogeneous programme. It answers with positions that have emerged in vastly different conditions. With artists who bring big narratives as well as intimate, everyday details to the stage. With formats that expand upon the stage, question it, or radically rethink it.
This process was never about representation in the statistical sense. It was about perspectives. About artistic works whose urgency develops out of their respective realities. About works that put community in the centre, that create rituals and encounters, that understand memory as a living process and the environment not as scenery but as a partner.
The decision to entrust nine international curators with artistic responsibility expresses conscious risk and faith. It means thinking about
curatorship through shared responsibility, diverse sensitivities, and multiple voices. It means allowing different fields of experience to meet productively rather than smoothing them out. Our collaboration was shaped by discussions, contradictions, convergences, and shifts. From individual positions a collective programme has emerged. It is not uniform in handwriting, it carries collective responsibility.
THEATER DER WELT in Chemnitz is not just a festival that presents work from various regions in the world. It is a place where issues of access, visibility, and artistic freedom are negotiated. We understand this festival as a space of hospitality, debate, and imagination. Many individual micro-worlds and yet one shared, major moment. For two and a half weeks, a temporary space comes to life in Chemnitz where diverse realities encounter one another. What results resides not solely in the selection of works, but in the encounter between artists, audience, and city.
Simon Abrahams
Joshua Dalledonne
Rodrigo González Alvarado Faye Kabali-Kagwa
meets Chemnitz
DE Wem gehört die Bühne? Wer geht eigentlich ins Theater? Und was zeichnet das Theater einer Stadt aus? Seit mehr als zweieinhalb Jahrzehnten bestimmen Fragen nach lokaler Identität und Beteiligung das Rollenverständnis der Theaterarbeit in einer sich weiterhin rasant globalisierenden, zunehmend von Multikrisen geprägten Welt. Was ist es, was einem Festival wie THEATER DER WELT auf so seltsame Weise zu eigen ist? Internationale Künstler:innen kommen in eine Stadt und eröffnen einen Raum des Dialogs. Im besten Fall entsteht ein lebendiger Austausch mit der Stadtgesellschaft, künstlerische Reisen, die Neugier wecken, Freude bereiten und gemeinsame Horizonte erweitern. Und aus diesem Spannungsfeld heraus entsteht die Möglichkeit für Reflexion: Wie viel Lokales findet sich im Globalen, wie viel Globales im Lokalen? Worin äußert und zeigt sich das, was Soziolog:innen wie Gabriele Klein das „Glokale“ nennen?
Die 17. Ausgabe von THEATER DER WELT führt nicht nur viele Besuchende von auswärts, sondern auch uns als Internationales Theaterinstitut (ITI) erstmalig im Rahmen dieses Formats nach Chemnitz. Entlang der Eigenlogik einer Stadt entwickelt jede Festivalausgabe ihre originären Charakteristiken: Ausgehend vom Motto der Kulturhauptstadt Europas „C the Unseen“ stellen sich in Chemnitz im Kontext internationaler Kultur- und Programmarbeit nicht zum ersten Mal Fragen nach lokaler Identität und stadtgesellschaftlicher Eigenlogik im globalen Verhältnis.
Die Eigenlogik einer Stadt bestimmt sich anhand ihrer Verhältnisse zur eigenen Zeitlichkeit – je nach Fokussierung auf Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft – und ihrer räumlichen Selbstverortung. Chemnitz war immer Stadt der Moderne, die Beschäftigung mit ihrer Nachbarschaft und dem Weltgeschehen haben in der Stadt bleibende Spuren hinterlassen. Aufbauend und doch ganz anders als das Programm der Kulturhauptstadt wird THEATER DER WELT wesentlich von künstlerischen Perspektiven geprägt, die diese Stadt auf exemplarische Weise von außen spiegeln. Während der Kulturhauptstadt gestalteten die Menschen dieser Stadt das Programm vornehmlich selbst, jetzt laden gleich neun internationale Kurator:innen ein, die Vielfalt ihrer Positionen kennenzulernen. Und auch hier wird sich das Trennende wieder im Verbindenden zeigen, finden sich im Individuellen die Spuren des Kollektiven, verschmelzen Lokales und Globales.
Ein Festival entsteht nicht allein durch Aufführungen, vielmehr ist es ein Zusammenspiel: Die Präsenz der Künstler:innen und Kompanien in dieser Stadt, die erwartungsvollen Besuchenden von nah und fern, das gesamte Festivalteam – sie alle gestalten Räume, schaffen Atmosphären und wirken in dieser Stadt. Als ITI ist es uns ein Anliegen, durch THEATER DER WELT einen Impuls in die jeweilige Stadt zu geben: Perspektiven auf internationale Arbeitsweisen und künstlerische Entwicklungen zu öffnen, Netzwerke und Kooperationen über Ländergrenzen und Festivalzeiträume hinweg zu etablieren und die Stadtgesellschaft vor Ort zu aktivieren.
Während das Festival von Stadt zu Stadt wechselt, versteht das ITI seine Aufgabe nicht nur im organisatorischen Wissenstransfer, sondern auch in der kontinuierlichen Präsenz zwischen den Ausgaben. Daher freuen wir uns, in Chemnitz mit dem Archiv von THEATER DER WELT Einblicke in frühere Editionen zu geben, vor Ort erneut den ITI-Preis zu verleihen und unsere Jahrestagung ebenso wie die ITI-Academy auszurichten. Für letztere begrüßen wir aus über 500 Bewerbungen 12 internationale Künstler:innen, die gemeinsam in Chemnitz für eine Woche zu kollektiver Resilienz und widerständiger Praxis in Kunst und Theater arbeiten.
Die Verleihung des ITI-Preises an Nicoleta Esinencu aus der Republik Moldau, und die Präsentation ihrer Inszenierung MEMORY DISTORTION. MIXTAPE versteht sich als künstlerisches Bindeglied zur Kuration des Festivals. Doch viel wichtiger als die eigenen programmatischen Beiträge des ITI ist die Gesamtschau auf das größte, vielleicht das bedeutendste Festivalformat der deutschen Theaterlandschaft: THEATER DER WELT, 2026 zu Gast in Chemnitz. Möglich wird es durch die gemeinsame Kraftanstrengung und Förderung von Bund, Land und Stadt. Danke dafür an unsere Partner:innen und Förder:innen in Chemnitz, Sachsen und auf Bundesebene! Die Ausrichtung dieses Festivals steht für ein Verständnis von Internationalität nicht nur als Spiegel, sondern als integrales Merkmal der eigenen Identität – Ausdruck unserer Offenheit und Stärke, in Chemnitz und weit darüber hinaus.
EN Who owns the stage? Who actually goes to the theatre? And what is it that distinguishes a city’s theatre scene? For over two and a half decades, questions around local identity and participation have shaped how we perceive the role of theatre work in a world that is not only undergoing rapid globalisation but also has increasingly been marked by multiple crises. What is it that makes a festival like THEATER DER WELT so incredibly unique? International artists come to a city and carve out a space for dialogue. This optimally results in a lively exchange with the local community as well as artistic expeditions that awaken curiosity, bring joy, and broaden shared horizons. And this interchange yields the opportunity for reflection: How much of the local can be found in the global, or the global within the local? Borrowing a term from sociologists such as Gabriele Klein, what are the expressions and manifestations of the ‘glocal’?
The 17th edition of THEATER DER WELT not only attracts many visitors from abroad but also brings us, the International Theatre Institute (ITI), to Chemnitz, and for the first time within this framework. Each edition of the festival develops its own novel attributes based on a city’s intrinsic logic: Echoing the motto of the European Capital of Culture, ‘C the Unseen’, Chemnitz has long posed questions about local identity and the inner workings of the city in relation to a global context through its international cultural and programme work.
A city’s intrinsic logic is determined by its relationship to its own temporarily – whether the focus is on the past, present, or future – and by its spatial self-positioning. Chemnitz has always been a city of modernity; vestiges remain as evidence of the city’s engagement with its own locality as well as world affairs. THEATER DER WELT both builds upon and yet diverges from the Capital of Culture programme, in that the festival is fundamentally shaped by the artistic perspectives that provide exemplary, external reflections of the city. During the Capital of Culture, the people of this city primarily designed the programme themselves; now, nine international curators invite audiences to become acquainted with the diversity of their positions. And here, too, we will discover the elements that divide us in those that unite us; traces of the collective will be found in the individual, and the local and global will blend together.
A festival is not forged through performances alone, but rather by an interplay of forces – namely, the presence of the artists and theatre companies, the eager visitors from near and far, and the entire festival team. These individuals construct spaces and create atmospheres; their effects resonate throughout this city. ITI is invested in the momentum that THEATER DER WELT brings to each city: The festival widens perspectives on international working methods and
artistic developments, establishes networks and collaborations across national borders and festival timeframes, and activates local communities.
As the festival moves from city to city, ITI enables knowledge sharing, and equally maintains a continuous presence between festival editions. We are therefore delighted to be able to offer glimpses into previous editions with the THEATER DER WELT Archive in Chemnitz. The city will also host the ITI award ceremony, our annual conference, and the ITI Academy, which welcomes 12 international artists chosen out of over 500 applications. These selected practitioners will work together in Chemnitz for a period of one week on collective resilience and resistance practices in art and theatre.
The awarding of the ITI Prize to Nicoleta Esinencu from the Republic of Moldova, together with the presentation of her production MEMORY DISTORTION. MIXTAPE, forms an artistic link to the festival’s curatorial direction.
Yet, much more important than ITI‘s own programmatic contributions is the largest and arguably most significant festival in German theatre: THEATER DER WELT, hosted by Chemnitz in 2026. This is made possible through the joint efforts and support by the federal government, the state, and the city. We express our thanks to our partners and sponsors in Chemnitz, Saxony, and at the federal level! The focus of this festival is oriented toward an understanding of internationality not only as a mirror, but as an integral feature of our own identity – an expression of our openness and strength, in Chemnitz and far beyond.
Yvonne Büdenhölzer Präsidentin
Internationales Theaterinstitut - Zentrum Deutschland
President of ITI Germany
Dr. Juliane Zellner Direktorin
Internationales Theaterinstitut - Zentrum Deutschland Director of ITI Germany
Grußwort des Staatsministers /
Dr. Wolfram Weimer __________
DE Theater der Welt 2026 in Chemnitz setzt ein starkes Zeichen für die Universalität der Kunst und ihre Fähigkeit, Menschen über Grenzen, Sprachen und unterschiedliche Kulturen hinweg miteinander zu verbinden.
Besonders richtungsweisend ist die in dieser Form nie dagewesene Kuration durch ein Team von neun jungen Menschen von allen Kontinenten. Sie stehen für eine Vielfalt der Perspektiven. Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt sind in Chemnitz zu Gast und machen das Festival zu einem Bindeglied zwischen den internationalen künstlerischen Communities und Zuschauerinnen und Zuschauern vor Ort. Theater wird damit zum Ort des Dialogs und des gegenseitigen (Kennen)Lernens.
Seit 2021 ist das Kinder- und Jugendtheater aus aller Welt fester Bestandteil des Programms. Jungen Menschen wird so erfahrbar, dass Theater eine internationale Kunst ist, die Gemeinschaft stiftet und ein tragendes Fundament des demokratischen Miteinanders sein kann.
Dass Chemnitz, die Europäische Kulturhauptstadt 2025, nun Gastgeberin dieses international renommierten Festivals ist, unterstreicht die kreative Dynamik und kulturelle Strahlkraft dieser Stadt. Sie zeigt, wie Kunst aus Transformation entsteht – mutig, offen, zukunftsgewandt und nicht zuletzt wird eines hier besonders deutlich: Kunst ist universell, weil sie menschlich ist.
Ich wünsche allen Gästen, den Beteiligten und dem Publikum inspirierende Momente, bewegende Begegnungen und bleibende Eindrücke bei Theater der Welt 2026 in Chemnitz.
EN The Theater der Welt 2026 festival in Chemnitz powerfully embodies the universality of art and the ability of art to bring people together across languages, cultures and borders.
The festival’s unprecedented curation by a team of nine young people from far-flung continents is especially groundbreaking. This curatorial team represents diversity of perspectives. Artists from around the world will come together in Chemnitz, making the festival an important link between international artistic communities and local audiences. Through these connections, the theatre will become a place of dialogue, of encounters and of mutual learning.
Since 2021, children’s and youth theatre productions from around the world have been part of the festival programme. This enables young people to experience theatre first-hand as an international art form that fosters community and can strengthen the foundations of democratic society.
The fact that Chemnitz, the 2025 European Capital of Culture, is now playing host to this internationally renowned festival underscores how dynamic and attractive the city’s creativity is. It shows how art emerges from processes of transformation – with courage, openness and a view to the future. And not least, art in this context shows especially strikingly that art is universal precisely because it is human.
I hope that all guests, participants and audiences at this year’s Theater der Welt in Chemnitz will enjoy inspiring moments, moving encounters and lasting impressions.
Grußwort der Sächsischen Staatsministerin /
Welcome from the Saxon State Minister
Barbara Klepsch _____________
DE Liebe Theaterfreunde, nach drei Jahrzehnten ist das Festival Theater der Welt zurück in Sachsen! 1996 war Dresden Gastgeber, nun wird Chemnitz zur globalen Bühne für zeitgenössische Kunst. Damit beweist die Stadt, dass sie auch nach ihrem Jahr als europäische Kulturhauptstadt 2025 ein internationaler Hotspot bleibt.
Als bedeutendstes internationales Festival der darstellenden Künste in Deutschland ist das Theater der Welt ein großer Erfolg für Sachsen und Chemnitz als Gastgeber. Es bietet eine einmalige künstlerische Plattform für unterschiedliche (globale) Perspektiven auf gesellschaftliche Fragen, die uns alle bewegen.
Was beim Theater der Welt aber genauso im Vordergrund steht, ist der wertvolle künstlerische Austausch von Ideen, Blickwinkeln und kulturellen Hintergründen. Erstmals wurde mit den Theatern Chemnitz ein 5-Sparten-Haus ausgewählt – ein mutiger, zukunftsweisender Schritt, der die Vielfalt und Innovationskraft unserer Theaterlandschaft unterstreicht.
Die Theater Chemnitz, gemeinsam mit der Festival Academy Brüssel und der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH, sind also ideale Ausrichter des Festivals. Sie können vielfältige internationale Impulse aufnehmen und ihnen die entsprechenden Bühnen bieten.
Mein herzlicher Dank gilt allen an der Umsetzung Beteiligten, ganz besonders den Theaterschaffenden, die an 18 Festivaltagen mit über 30 Produktionen – von Theater und Oper über Musik, Konzert, Performance bis hin zu Clubbing und Diskussionen – eine unglaubliche kulturelle Vielfalt präsentieren.
Liebe Gäste, ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung und tolle Inspirationen – lassen Sie sich entführen in die bunte Welt des Theaters!
EN Dear friends of the theater, three decades later, the Theater der Welt Festival is back in Saxony! In 1996 Dresden hosted, now Chemnitz is transforming into an international stage of contemporary art. The city is thus demonstrating that it can still be an international hotspot after its 2025 European Capital of Culture year.
The most important international performing arts festival in Germany, Theater der Welt is a great success for Saxony and Chemnitz as its host. It provides a one-time artistic platform for various (international) perspectives on social issues that concern us all.
Equally foregrounded at Theater der Welt is the valuable exchange of artistic ideas, perspectives, and cultural backgrounds. For the first time, with Theater Chemnitz a five-genre theater was selected – a brave, pioneering step that underscores the diversity and ingenuity of our theatrical landscape.
Theater Chemnitz, the Festival Academy in Brussels, and the European Capital of Culture Chemnitz 2025 gGmbH are the ideal presenters for this festival. They are able to incorporate diverse international currents and give them a fitting stage.
My heartfelt gratitude goes to all who make this possible, especially the theatre professionals, with 18 days and more than 30 productions – from drama, opera, music, and concerts to performance, clubbing, and discussions. They display incredible cultural diversity.
Dear guests, I wish you great merriment and much inspiration. Get carried away in the colourful world of the theatre.
Grußwort des Oberbürgermeisters /
Welcome from the Mayor
Sven Schulze
_________________
DE Nachdem 2025 im Jahr der Kulturhauptstadt Europas ganz Europa zu Gast in Chemnitz war, gehen wir nun den nächsten Schritt: Mit dem Festival Theater der Welt laden wir die ganze Welt in unsere Stadt ein und das passt gut zu Chemnitz.
Unsere Stadt hat in den vergangenen Monaten und Jahren eindrucksvoll gezeigt, wie offen, neugierig und engagiert sie als Gastgeberin großer kultureller Ereignisse ist. Dieses Selbstverständnis ist gewachsen – getragen von einer Stadtgesellschaft, die Kultur nicht nur konsumiert, sondern aktiv erschafft und gestaltet.
Eine zentrale Rolle kommt dabei unserem Theater Chemnitz zu. Mit seinen fünf Sparten ist es ein Ort des Austauschs, der Verständigung und des gemeinsamen Erlebens – weit über die Bühne hinaus. Gerade in einer diversen Stadtgesellschaft schafft unser Theater Räume, die es braucht, damit Perspektiven aufeinandertreffen können und Dialog möglich wird.
Wir bauen dabei auf unseren Erfahrungen aus dem Kulturhauptstadtjahr auf, die 2026 konsequent fortgeführt werden. Die enge Vernetzung und Zusammenarbeit zahlreicher Einrichtungen in unserer Stadt war eine große Stärke von 2025 – und sie bleibt es. Besonders dankbar sind wir für das außergewöhnliche Engagement der vielen Freiwilligen, die schon im Kulturhauptstadtjahr zum Gelingen beigetragen haben und nun auch das Theater der Welt mittragen. Dieses Engagement ist nicht hoch genug einzuschätzen – und es macht uns weiterhin unglaublich stolz. Schön, dass es weitergeht.
Ich wünsche dem Festival inspirierende Begegnungen, starke künstlerische Impulse und viele begeisterte Gäste aus aller Welt – herzlich willkommen in Chemnitz.
EN After all of Europe visited Chemnitz in its 2025 Capital of Culture year, we’re taking the next step. With the Theater der Welt Festival we’re inviting the whole world to our city – fitting for Chemnitz.
In the past months and years, our city has been outstanding with its openness, curiosity, and commitment in hosting cultural events. This self-concept has expanded, bolstered by an urban community which not only consumes culture but also actively shapes and creates it.
This gives our Theater Chemnitz a key role. With its five genres, it is a place of exchange, understanding, and shared experience – far beyond the stage. In a diverse urban community, our theatre creates the spaces needed for perspectives to meet and dialogue to happen.
We’re building upon our Capital of Culture experience and moving it forward in 2026. The close networking and collaboration of a number of institutions in our city was a great strength in 2025; it still is. We are especially grateful for the exceptional dedication of the many volunteers who contributed to the title year’s success and now help carry Theater der Welt. The value of their involvement cannot be overstated, and it still makes us incredibly proud. They’re still on board, and that’s great.
My wish for the festival is inspiring encounters, bold artistic inspiration, and many enthusiastic visitors from all over the world. Welcome to Chemnitz.
Herzlichst Ihre Warmly yours,
Barbara Klepsch
Kultur und Medien
Dr. Wolfram Weimer Staatsminister für
Minister of State for Culture and the Media
Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus Saxon State Minister for Culture and Tourism
Sven Schulze
Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz Mayor, City of Chemnitz
Herzlich willkommen Warm Welcome ___
DE Achtzehn spannende Festivaltage mit 33 künstlerischen Positionen aus aller Welt liegen vor den Festivalbesucher:innen aus nah und fern. Vom Opernhaus und dem Theaterplatz in der Innenstadt hin zu den Bühnen im Spinnbau und dem dazugehörigen Garten, über den Club Atomino zur Hartmannfabrik, dem Terra Nova Campus und einigen Orten des Sportes, verstreut in der Stadt: Mit etwa 500 internationalen Künstler:innen und eingeladenen Gästen, sind etwas mehr als 250 Veranstaltungen zu erleben. Getragen von vielen Fördernden und ganz besonders von den Freiwilligen des Kulturhauptstadtjahres gilt der Dank an dieser Stelle allen Unterstützer:innen.
Für die jüngsten Besucher:innen und ihre Familien beginnt das Programm um 09:30 Uhr in der Hartmannfabrik. Bis einschließlich Sonntag lädt das Polyglot Theatre aus Australien zum kreativen Kunstschaffen ein.
Diese ganz besondere Ausgabe des internationalen Festivals THEATER DER WELT hat eine spannende Geschichte. Die Intendanz des Festivals: Inge Ceustermans von der Festival Academy aus Brüssel, Generalintendant Dr. Christoph Dittrich und Stefan Schmidtke von der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 stimmen ein auf viele große und kleine Erlebnisse.
Freuen Sie sich auf Gäste, Begegnungen und Austausch zum Festival.
DE Eröffnung ___________________
18:30
Begrüßung durch die Festivalintendanz
Inge Ceustermans, Dr. Christoph Dittrich und Stefan Schmidtke
Grußworte
Dr. Wolfram Weimer Staatsminister für Kultur und Medien
Barbara Klepsch Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus
Sven Schulze Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz
Yvonne Büdenhölzer Präsidentin Internationales Theaterinstitut - Zentrum Deutschland
Zum Programm
Die Festivalkurator:innen Simon Abrahams, Joshua Dalledonne, Rodrigo González Alvarado, Faye Kabali-Kagwa, Nikos Mavrakis, Aya Nabulsi, Srishti Ray, Ndèye Mané Touré und ZHANG Yuan erzählen ihre Festivalgeschichte.
19:30
Direkt im Anschluss ist die Deutschlandpremiere von Split Tooth: Saputjiji mit Tanya Tagaq und ihrer Künstler:innengruppe aus Kanada zu erleben.
EN Eighteen exciting festival days with 33 artistic positions from around the world lie ahead for visitors from near and far. From the Opera House and Theaterplatz in the city centre to the stages at Spinnbau and its garden, from Club Atomino to the Hartmannfabrik, the Terra Nova Campus and several sports venues across the city: with around 500 international artists and invited guests, audiences can experience more than 250 events.
Supported by many partners and sponsors, and carried above all by the volunteers of the European Capital of Culture year, special thanks go to all supporters and contributors.
For the youngest visitors and their families, the programme begins at 09:30 at the Hartmannfabrik. Until Sunday, Polyglot Theatre from Australia invites audiences to take part in creative artistic activities.
This very special edition of the international festival THEATER DER WELT has its own remarkable story. The festival’s directors, Inge Ceustermans from the Festival Academy in Brussels, General Director Dr Christoph Dittrich, and Stefan Schmidtke from the European Capital of Culture Chemnitz 2025, invite audiences to many large and small experiences.
Look forward to our guests, many encounters and conversations throughout the festival.
EN Opening _____________________
18:30
Welcome by the Festival Directors
Inge Ceustermans, Dr Christoph Dittrich and Stefan Schmidtke
Welcome addresses
Dr Wolfram Weimer Minister of State for Culture and the Media
Barbara Klepsch Saxon State Minister for Culture and Tourism
Sven Schulze Mayor, City of Chemnitz
Yvonne Büdenhölzer President of ITI Germany
About the Programme
The festival curators Simon Abrahams, Joshua Dalledonne, Rodrigo González Alvarado, Faye Kabali-Kagwa, Nikos Mavrakis, Aya Nabulsi, Srishti Ray, Ndèye Mané Touré and ZHANG Yuan share their festival story.
19:30
Immediately following, Split Tooth: Saputjiji with Tanya Tagaq and her group of artists from Canada.
Opernhaus
Do 18.06. 18:30 – 20:45
Eröffnung
Tanya Tagaq
Hartmannfabrik
Do 18.06. + Fr 19.06.
09:30 – 10:30 für Schulen
11:00 – 12:00 für Schulen
14:00 – 16:00
Sa 20.06. + So 21.06. 10:00 – 12:00
14:00 – 16:00
DEUTSCHLANDPREMIERE
Installation, Partizipative Performance
Mit wenig deutscher und englischer Sprache
Für Familien geeignet
Am 18.06. um 13:45 gibt es ein Grußwort der Festivalintendanz.
Besucher:innen können innerhalb der gebuchten Vorstellungszeit beliebig kommen und gehen.
Kinder: 6 € , Erwachsene: 12 € 35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Tournee-Team
Briony Farrell, Lachlan MacLeod, Zak Pidd, Rainbow Sweeny, Meg Taranto, Alexandra Wood
Originalkonzept Sue Giles AM
Originalkonzept Szenografie Mischa Long
Polyglot Theatre wird von der australischen Regierung über Creative Australia, ihre zentrale Förder- und Beratungsstelle für die Künste, sowie von der Regierung des Bundesstaates Victoria über Creative Victoria unterstützt.
Polyglot Theatre
DE Falten, reißen, bauen in der Hartmannfabrik: Eine Einladung an Kinder und Erwachsene zum gemeinsamen Bau einer riesigen, fantasievollen Welt aus Pappe und Papier.
EN Folding, ripping, and building at Hartmannfabrik. Children and adults are invited to collectively build a vast, imaginative world out of cardboard and paper.
DE In der Hartmannfabrik wächst ein Wald aus Karton, mit hohen Bäumen, alles ist aus Pappe. Papier raschelt wie Laub, Licht fällt durch ein selbst gebasteltes Blätterdach. Kinder und Erwachsene sind hier nicht etwa Zuschauende – sie selbst entwerfen und bauen den Wald. Es wird gerissen, geklebt, gefaltet und Geschichten werden erfunden. Figuren entstehen, die sich verwandeln können, je nach Gefühlslage. Paper Planet ist kein fertiges Stück zum Anschauen, es ist eine Einladung an Kinder und Erwachsene, selbst kreativ zu werden – und sich einen eigenen Planeten zu erschaffen und diesen auch zu beleben. Das Polyglot Theatre aus Melbourne bietet ein Theatererlebnis zum Selbermachen, in dem Spiel, Kunst und Performance ineinander übergehen. Die australischen Künstler:innen begleiten, reagieren, setzen Impulse, ohne zu lenken oder zu erklären. Kinder entscheiden selbst, ob sie still bauen, beobachten oder sich mitten ins Geschehen stürzen. Von Tag zu Tag wächst der Wald, jede:r Teilnehmende hinterlässt einen eigenen Fußabdruck in der Landschaft.
Für diese interaktive Theateraktion öffnet die Hartmannfabrik ihre Türen für vier volle Tage. Die australischen Künstler:innen bieten ein sinnliches, offenes Erlebnis für verschiedene Generationen. Das Polyglot Theatre ist international bekannt für außergewöhnliche Kunstformate für Kinder und Familien. Zu einer nicht öffentlichen Veranstaltung ist das Polyglot Theatre zum Abschluss seines Gastspiels vom Terra Nova Campus – Die Entdeckerschule eingeladen. Extra für Schüler:innen des Campus wird die Installation und partizipative Performance noch einmal zu erleben sein. Direkt an dem Ort, an dem sie lernen, leben und wohnen.
EN At Hartmannfabrik a cardboard forest is growing with tall trees. Everything is made of cardboard. Paper rustles like leaves, light falls through a hand-made canopy. Kids and adults are not only spectators here – they design and build the forest themselves. They tear, fold, tape, and they invent stories. Characters emerge which transform according to one’s emotional state.
Paper Planet is not a finished piece for viewing, it invites children and adults to be creative themselves – to create their own planet and animate it.
Polyglot Theatre from Melbourne puts on a do-it-yourself theatrical experience, in which play, art, and performance melt together. The Australian artists assist, react, and add momentum, without distracting or explaining. Kids decide for themselves if they want to build quietly, look on, or fling themselves into the middle of the action. Day to day the forest grows. Each participant leaves their footprint in the landscape.
For this interactive theatre action, Hartmannfabrik is opening its doors for four full days. The Australian artists offer an open, sensory experience for multiple generations. Polyglot Theatre is internationally renowned for its extraordinary artistic formats for children and families.
To conclude its stay in Chemnitz, Polyglot Theatre has been invited by the Terra Nova Campus – The School of Discoverers. Students of the special needs school campus will have the opportunity to experience the installation and participatory performance right where they learn, live and reside.
Tanya Tagaq
DE Kehlkopfgesang und Tanz, Bilder aus der Arktis: Tanya Tagaq singt von Herkunft und Mythos. Körper verschmelzen zu einem ekstatischen, musikalischen Erinnerungsraum.
EN Throat singing and dance, images from the Arctic.
Tanya Tagaq sings about origin and mythology. Bodies blend into an ecstatic musical space of memory.
Opernhaus
Do 18.06. 18:30 – 20:45
DEUTSCHLANDPREMIERE
Musiktheater
In englischer Sprache mit deutscher Übertitelung
30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Foyer des Opernhauses statt.
27 – 54 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
DE Tanya Tagaq stammt aus Nunavut im Norden Kanadas. Sie ist die derzeit prägnanteste Frauenstimme indigener Kunst in Nordamerika. Und das im vollen Wortsinn: Sie ist Sängerin, sie ist Musikerin, komponiert und sie ist Autorin. Einordnen lässt sich ihre Kunst kaum. Jedes ihrer Werke hat eine Eigenheit. Als Künstlerin und Inuk engagiert sie sich für Minderheitenrechte und Gleichstellung. Ihr Schreiben, ihre Alben und Auftritte vermitteln Millionen Menschen Lebensfreude und Selbstbewusstsein.
Tanya Tagaq eröffnet das Festival THEATER DER WELT in Chemnitz mit einem Blick in den Abgrund zwischen Zerstörung und Rettung. Sie vereint Motive aus ihrem autobiografischen Roman „Split Tooth“, in Deutsch erschienen unter dem Titel „Eisfuchs“, mit Kompositionen aus ihrem aktuellen Album „Saputjiji“ zu einer besonderen literarisch-musikalischen Form.
Entführt wird das Publikum in ein Städtchen am Rande des Eismeers über dem Polarkreis. Tanya Tagaq erzählt von einem heranwachsenden Mädchen, das geprägt wird von der übermächtigen Natur und der sich auflösenden indigenen Gemeinschaft. Mit poetischer Kraft schildert Tagaq, wie das Kind in den Mythen der Inuit seine Wurzeln entdeckt. Unter Polarlichtern verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch und Natur, Zeit und Raum, und es beginnt eine Selbstsuche, die alte Wunden zu heilen vermag.
Mit einer unheimlichen Wucht trifft diese Seelenlandschaft auf Tagaqs neuestes Album: „Saputjiji“. Militärische Codes, Beats und elektronische Schichtungen schneiden zerstörend durch die Szenen, werden wieder zer-
legt, überlagert von Kehlkopfgesang, Atem und Stille. Saputjiji, in Tagaqs Muttersprache Inuktitut ein Wort für Beschützer, erscheint als Retter.
Die Inuit wurden seit dem Kontakt mit europäischen Kolonialmächten einer Zwangssozialisierung ausgesetzt, unterdrückt und erleben erst seit einer Gesetzesänderung von 1982 verfassungsmäßige Gleichberechtigung.
Tanya Tagaq durchforstet mit ihrer Stimme, ihrem Körper und ihrem Text das Leben wie geologische Schichten: grabend, freilegend, voller Widerstand. Ihr Kehlkopfgesang ist kein folkloristisches Zitat, sondern ihre zeitgenössische Praxis. In Zusammenarbeit mit Regisseurin Kaneza Schaal fand die Uraufführung im Februar auf dem diesjährigen PuSh International Performing Arts Festival in Vancouver statt.
EN Tanya Tagaq comes from Nunavut in northern Canada. She is currently the most prominent female voice in indigenous art in North America – in the truest sense of the word: she is a singer, musician, composer, and author. Her art is difficult to categorise, as each of her works possesses its own unique character. As an artist and Inuk, she is committed to minority rights and equality. Her writing, her albums, and her performances convey joie de vivre and self-confidence to millions of people.
Tanya Tagaq opens the THEATER DER WELT Festival in Chemnitz with a glimpse into the abyss that lies between destruction and salvation. She combines motifs from her autobiographical novel ‘Split Tooth’, with compositions from her current album ‘Saputjiji’ to create a unique literary-musical form.
The audience is taken off to a small town bordering the Arctic Ocean, above the Arctic Circle. Tanya Tagaq tells the story of a young girl who is shaped by the overwhelming power of nature and her disintegrating indigenous community. With poetic force, Tagaq describes how the child discovers her roots in Inuit myths. Under the northern lights, the boundaries between humans and nature as well as time and space blur, marking the beginning of a journey of self-discovery that has the ability to heal old wounds.
This spiritual landscape is reflected with uncanny weight in Tagaq‘s latest album, Saputjiji. Military codes, beats, and electronic layers cut destructively through the scenes, only to be dismantled again, layered with throat singing, breath, and silence. Saputjiji, which means ‘protector’ in Tagaq‘s native Inuktitut, appears as a saviour.
Since coming into contact with European colonial powers, the Inuit have been subjected to forced assimilation and oppression, and were only granted constitutional equality through legal reform in 1982.
Tanya Tagaq uses her voice, body, and text to comb through life as if through geological layers: digging, exposing, full of resistance. Her throat singing is not a folkloric citation, but rather her contemporary practice. In collaboration with director Kaneza Schaal, the premiere of Split Tooth: Saputjiji took place in February at this year’s PuSh International Performing Arts Festival in Vancouver.
Von und mit Tanya Tagaq
Regie Kaneza Schaal
Koproduktion
National Arts Centre‘s National Creation Fund, Banff Centre for Arts and Creativity, PuSh International Arts Festival, Holland Festival, Brooklyn Academy of Music‘s, NEXT WAVE Festival
Unterstützt durch Canada Council for the Arts, Botschaft von Kanada
DE Ndèye Mané Touré leitet das senegalesische Unternehmen Makeda Production und setzt künstlerische Formate und kulturelle Veranstaltungen um. Im Jahr 2023 rief sie das Bideew Festival ins Leben und trägt damit künstlerische Impulse gezielt in ländliche Regionen.
Weitere Informationen: theaterderwelt.de/ueber-uns
EN Ndèye Mané Touré leads the Senegalese company Makeda Production and develops artistic formats and cultural events. In 2023, she founded the Bideew Festival, bringing artistic impulses specifically to rural regions.
Further information: theaterderwelt.de/ueber-uns
Kuratorin / Curator
Ndèye Mané Touré
DE Polaritäten ____________________
Wie ein Philosoph, der über die Grundlagen seiner Fragestellung staunt, wie ein Alchemist, der außergewöhnliche Transformationen erforscht, war es für mich naheliegend, die Schönheit in einer gebeutelten und polarisierten Welt zu suchen und zu offenbaren. Ich fand diese Hoffnung in den Künstler:innen, die Begegnung und kulturelle Verschmelzung fördern und einen differenzierten Blick auf die Möglichkeit einer besseren Welt eröffnen.
Diese zeitgenössischen Schöpfungen sind eine Einladung, das zu sehen und anzunehmen, was diese Welt werden könnte, und weisen zugleich auf ihre Schwächen und Fehler hin. Die Herausforderung liegt darin, weiterhin als Künstler:innen zu arbeiten – Künstler:innen, die soziale Normen erschüttern, alternative Wege gehen und den Mut aufbringen, ungewohnte Pfade zu beschreiten.
Ich habe die künstlerischen Antworten auf die politische, wirtschaftliche und soziale Krise der heutigen Welt auf meine Weise gesucht und dabei die Arbeiten zahlreicher Künstler:innen kennengelernt, vor allem die Arbeit von Frauen, die wesentliche sozio-kulturelle Fragen in ihren jeweiligen Lebensrealitäten innerhalb von zwei bis drei Jahren verarbeitet haben. Identität, Klima, Integration und Unbeständigkeit – eine reiche Bandbreite von Themen bildet die Grundlage ihrer hochaktuellen Auseinandersetzungen.
Durch Künste wie Puppenspiel, Theater und Performance konnte ich die Dynamiken der Kunstszene eines bestimmten französischsprachigen Teils von Afrika intensiv kennenlernen. Heute freue ich mich, diese belebte Bühne voller Talente mit der ganzen Welt teilen zu dürfen, dank einer Institution, die sie mit Stolz präsentiert: Theater der Welt 2026.
EN Polarities ______________________
Like a philosopher surprised at laying the foundations of his questioning, like an alchemist in search of wonderful transformations, it seemed obvious to me to seek and reveal beauty in a troubled and polarised world. This hope I found in artists who summon encounter and cultural intermingling and who offer a sensitive look at the possibility of a better world.
These contemporary creations are an invitation to see and embrace what the world could become, while directly pointing out the flaws and defects around it. The challenge is to continue being artists capable of shaking up social codes, taking alternative paths, and daring to venture off the beaten track.
Seeking in my way an artistic response to the political, economic, and social crisis of today’s world, I have encountered the work of many artists, especially women, who have approached major socio-cultural issues in their environments over a twoor three-year period. Identity, climate, integration, impermanence – a rich palette of subjects gives substance to their contemporary concerns.
Through the arts of puppetry, theatre, and performance, I was able to closely observe the dynamics of the arts scene in a particularly francophone part of Africa. A teeming stage whose talent I am pleased to share with the whole world today, thanks to an entity that bears it with pride: Theater der Welt 2026.
FR Polarités _______________________
Tel un philosophe qui s’étonne avant de poser les bases de son questionnement, tel un alchimiste en quête de transformations merveilleuses, il m’a semblé évident de chercher et de révéler le beau dans un monde troublé et polarisé.
Cet espoir, je l’ai trouvé auprès d’artistes qui convoquent la rencontre et le brassage culturel, et qui proposent un regard sensible sur la possibilité d’un monde meilleur.
Ces créations contemporaines sont une invitation à voir et à embrasser ce que le monde pourrait devenir, tout en pointant sans détour les failles et les tares qui l’entourent. L’enjeu est de demeurer des artistes capables de bousculer les codes sociaux, d’emprunter des chemins de traverse et d’oser sortir des sentiers battus.
Cherchant, à mon échelle, une réponse artistique à la crise politique, économique et sociale du monde actuel, j’ai rencontré le travail de nombreux artistes, notamment des femmes, qui abordent sur une temporalité de deux à trois ans les grandes questions socio-culturelles de leur environnement. Qu’il s’agisse d’identité, de climat, d’intégration ou d’impermanence, une riche palette de sujets donne corps à leurs préoccupations contemporaines.
À travers l’art de la marionnette, du théâtre et de la performance, j’ai pu observer de près la dynamique de la scène artistique d’une partie de l’Afrique, notamment francophone. Une scène foisonnante dont il me plaît aujourd’hui de partager le talent avec le monde entier, grâce à un dispositif qui le porte avec fierté : Theater der Welt 2026.
Ndèye Mané Touré
Mia + Eric
DE Waldarbeit als Alltag –in der Kunst. Eine meditative Videoinstallation lädt ein zum Verständnis von Fürsorge und gemeinsamer Verantwortung für Landschaft.
EN Forestry as daily reality –in art. A meditative video installation invites understanding of care and shared responsibility for the landscape.
DE Die Künstler:innen Mia Rushton und Eric Moschopedis aus Calgary in Kanada, einem der waldreichsten Länder der Erde, haben über mehrere Jahre hinweg 150 Förster:innen, Aktivist:innen, Landverwalter:innen und Waldhüter:innen aus verschiedenen
Ländern eingeladen, ihre auf den Wald bezogenen Tätigkeiten körperlich, ohne Worte oder Erklärungen, vor einer Kamera zu vollziehen.
Keine Rollen, kein Schauspiel.
Die Videoinstallation In a Strange Place eröffnet eine meditative Perspektive auf Arbeit, Verantwortung und Beziehung zu einem Ort, der manchen Menschen unheimlich, Manchem Heimat und allen Menschen Grundlage des Lebens ist. „Eigenartiger Ort“ heißt das Ganze auf Deutsch.
Aufgenommen auf Video sind
Menschen einzeln zu erleben bei der Ausführung bekannter, sich unendliche Male wiederholender Handgriffe, vollzogen in kaum wahrnehmbaren, langsam und ästhetisch geführten Bewegungen. Waldarbeit wird nicht vorgeführt, sondern als physische Erfahrung verkörpert.
Dabei tragen die Gefilmten selbstgefertigte Masken, die imaginäre Wesen aus einem zukünftigen Wald darstellen. Die Masken erzeugen Blickkontakt mit dem Publikum und schaffen so eine eigentümliche Beziehung zwischen Publikum und Performer:innen.
So ist eine Videoinstallation mit neun Bildschirmen entstanden, die in einem begehbaren Kreis aufgestellt sind. Die Installation gibt kein lineares Sehen vor. Der Raum ist frei begehbar, Anfang und Ende des Erlebens bestimmen die Besuchenden selbst.
Der Wald erscheint weder als Idylle noch als Katastrophenraum, er ist auch kein „Held“, sondern vielmehr Bühne, Arbeitsfeld und Ort von Begegnung.
EN Over several years, artists Mia Rushton and Eric Moschopedis from Calgary, Canada — one of the most densely forested countries on earth — invited 150 rangers, activists, land managers, and forest stewards from various countries to perform their forest-related activities physically, without words or explanations, in front of a camera.
No roles, no acting. The video installation In a Strange Place opens up a meditative perspective on the labour of forest caretaking, responsibility, and our relationship to a place that is eerie to some, home to others, and the basis of life for all.
Recorded on video, people individually perform familiar, infinitive repetitive tasks, carried out in barely perceptible, slow, and aesthetically guided movements. Forest work is not demonstrated, but embodied.
The participants filmed wear handmade masks depicting imaginary beings from a future forest. The masks insist on direct eye contact with the viewer, creating a strange relationship between audience and performer.
The result is a video installation with nine screens arranged in a circle. The installation does not prescribe linear viewing. The space is freely accessible, and visitors themselves determine the beginning and end of the experience.
The forest appears neither as an idyll nor as a place of disaster; equally it is not a ‘hero’, but rather a stage, a field of work, and a place of encounter.
Während der Öffnungszeiten ist die Installation jederzeit frei zugänglich und läuft kontinuierlich. Ein vollständiger Durchlauf dauert 124 Minuten.
Zur Eröffnung der Installation am 19.06.2026 um 16:00 sind die Künstler:innen anwesend.
Eintritt frei
Konzept, Kreation
Mia Rushton, Eric Moschopedis
Video
Benjamin Hotz
Sounddesign
Kris Demeanor
Co-Producers
Maíra Wiener, Jenna Winter
Künstlerische Assistenz
Maíra Wiener, Rachel Rose
Koordination Indigene Beziehungen
Pam Beebe
Aufnahmeorte
Deutschland, Norwegen, Vereinigtes
Königreich, Kanada
Unterstützt durch
Canada Council for the Arts, Botschaft von Kanada
In a Strange Place wurde produziert von Matchbox, Gateshead International Festival of Theatre und Festspillene i Nord-Norge.
Spinnbau Große Bühne
Fr 19.06. 19:00 – 20:10
Sa 20.06. 21:00 – 22:10
DEUTSCHLANDPREMIERE
Interdisziplinäre Performance
In Mandarin mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer der Großen Bühne im Spinnbau.
Am 19.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch auf der Großen Bühne im Spinnbau statt.
18 – 30 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Von und mit
Hung Chien-Han, Hung Wei-Yao, Ray Tseng
Dramaturgie
Tang Fu-Kuen
Künstlerischer Mitarbeiter
River Lin
Szenografie
Jaivi Chen
Lichtdesign
You Tee, Ray Tseng
Video Huang Yong-Hsin
Musik, Sound Cheng Chao-En
Kostüm
Yen Ting-Ju
Internationale Produktion
Tiffany Lay
Audio, Video
Wei-Hsuan Huang
Hung Chien-Han, Hung Wei-Yao,
DE Drei Menschen, ein Pingpong-Tisch. Eine intime Performance über queere und progressive Familienmodelle und gesellschaftliche Kontroversen.
Ray Tseng
EN Three people. One pingpong table. An intimate performance about queer and progressive family models and social controversy.
DE Ein Liebespaar, ein Geschwisterpaar, drei Menschen, ein Ping-PongTisch. Das erstaunliche Setting in FAMILY TRIANGLE, einem Familiendreieck, will die Grundlagen von Familie neu verhandeln: Familie ist etwas, das entsteht, nicht etwas, das feststeht. Beziehungen werden in diesem Bühnenexperiment nicht behauptet, sondern ausprobiert, verschoben und neu sortiert.
In vielen Ländern der Welt sind queere Lebensformen nichts Ungewöhnliches. Der menschliche Wunsch nach eigenen Kindern hingegen, und insbesondere der Weg dahin, stellt viele Paare oft vor rechtlich und kulturell komplexe Situationen, obwohl die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare vielerorts anerkannt wurde. Fragen nach Elternschaft, Reproduktion und rechtlicher Absicherung queerer Familien bleiben dennoch gesellschaftlich und politisch umkämpft.
Die Inszenierung aus Taipeh nimmt diese Realitäten ernst, ohne sie zu problematisieren. Stattdessen öffnet das Stück einen Raum, in dem unterschiedliche Formen von Familie nebeneinander denkbar werden.
Die Regisseurin Hung Chien-Han, ihr jüngerer Bruder Hung Wei-Yao, Schauspieler, und die Lichtdesignerin Ray Tseng sind nicht nur eine künstlerische Produktionsgemeinschaft. Ihr Zusammenleben zu dritt bildet die Grundlage der Performance FAMILY TRIANGLE
Ein verblüffendes Ping-Pong zwischen Video und Spielszenen, Ansprache an das Publikum und weiteren theatralen Kniffen nimmt alle mit auf einen Roadtrip intensiver Verhandlungen von persönlichen, höchst intimen Themen der Darsteller:innen.
EN A pair of lovers, a pair of siblings, three people, and a ping-pong table –the surprising setting of FAMILY TRIANGLE seeks to renegotiate the fundamentals of family: family is something that develops – it is not a fixed entity. In this stage experiment, relationships are not asserted, but rather tried out, shifted, and rearranged.
In many countries around the world, queer lifestyles are nothing unusual.
The human desire to have children of one’s own, however, and especially the path to achieving this, often presents many couples with legally and culturally complex situations, despite meanwhile marriage to same-sex couples is accepted in many places. Nevertheless, questions of parenthood, reproduction, and legal protection for queer families remain socially and politically contentious.
The performance from Taipei takes these realities seriously without problematising them. Instead, the play opens up a space in which different family structures become conceivable.
Director Hung Chien-Han, her younger brother Hung Wei-Yao, an actor, and lighting designer Ray Tseng do not merely form an artistic production collective. It is the life they share that forms the basis of the performance FAMILY TRIANGLE
Theatrical techniques including an amazing ping-pong between video and live scenes as well as directly addressing audiences, take us on a road trip through an intense negotiation of the performers’ personal, deeply intimate matters.
Papermoon Puppet Theatre
DE Großes Figurentheater der Erinnerung: Kunstvoll gefertigte Puppen, Licht und Bewegung schaffen eine fantasievolle Welt für alle Generationen.
EN A giant puppet theatre of memory. Artfully crated puppets, light, and movement create an imaginative world for all generations.
DE Mit „Strom der Erinnerung“ könnte man den Titel dieses ebenso leisen wie intensiven Figurentheaterabends aus Indonesien übersetzen. Während der erzwungenen Vereinzelung der Menschen in den Jahren der CoronaPandemie begann das Künstler:innenpaar Maria Tri Sulistyani und Iwan Effendi eine Arbeit zu entwickeln, die ihrer Sehnsucht nach Nähe, Beziehung und dem Gefühl von Verbundenheit mit anderen Menschen entsprang. Aus dieser Sehnsucht ist eine Bühnenerzählung ganz ohne Worte entstanden, eine Geschichte über das Erinnern, das Vergessen und das, was zwischen Menschen bleibt, wenn Vergänglichkeit hereinbricht. Der unterhaltende Abend ist für jüngere und ältere Menschen gleichermaßen gedacht.
Auf der Bühne ist ein riesenhaftes Wesen namens Kali zu erleben. Es symbolisiert vergessene Flüsse, ist gleichzeitig Hüter der Erinnerung und Zeuge einer Welt im Wandel. Ihm begegnen Fantasiefiguren, die sich zwischen Andeutungen von Häusern, reißendem Flusswasser, Licht und Sand bewegen. Sie sprechen nicht, sie atmen. Jede ihrer Bewegungen, jeder Klang, jedes Licht im Raum erschafft einen Rhythmus, der mehr spürbar als erklärbar ist. Kalis Weg durch die Welten und Zeiten entwickelt einen Sog der Faszination des ewig Unfassbaren.
Mit meisterlich verarbeiteten Materialien wie Holz, Stoff, Rattan, Lehm
und Leder, geführt durch magische Bewegungen, lässt das indonesische Ensemble des Papermoon Puppet Theatre fantasievolle Welten entstehen. Auch wenn die Bühne fast leer bleibt, ereignet sich viel und es entsteht ein ganz eigenwilliges Bühnenleben. Stream of Memory ist eine Einladung, zuzuschauen, wahrzunehmen und sich zu erinnern: an Flüsse, an Begegnungen, an das, was trotz Vergänglichkeit bleibt. Das Papermoon Puppet Theatre aus Yogyakarta auf der Insel Java gehört seit fast zwei Jahrzehnten zu den eindringlichsten Stimmen des zeitgenössischen Figurentheaters in der internationalen Theaterwelt.
EN Stream of Memory is a work of puppet theatre from Indonesia which is as quiet as it is intense. During the forced isolation in the covid pandemic years, artistic duo Maria Tri Sulistyani and Iwan Effendi initiated a work that emerged from their desire for closeness, relationship, and a feeling of connection with other people. From this yearning, a stage narrative with no words emerged, a story about memory, forgetting, and that which remains when mortality befalls people. This entertaining piece is for young and old alike.
On stage, viewers experience a giant being named Kali. It symbolises forgotten rivers, is at once a keeper of memory and witness to a transforming
Opernhaus
Fr 19.06. 19:30 – 20:30
Sa 20.06. 16:00 – 17:00
EUROPAPREMIERE
Figurentheater
Ohne gesprochenes Wort
Jeweils 15 Minuten vor und bis 30 Minuten nach der Vorstellung ist das Publikum eingeladen den Performer:innen und Figuren persönlich zu begegnen.
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Foyer des Opernhauses statt.
Für Familien geeignet
Kinder: 8 € , Erwachsene: 14 – 39 € 35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
world. Kali encounters imaginary characters which alternate between intimations of buildings, river rapids, light, and sand. They do not speak, they breathe. Each of their movements, every sound, all the light in the space engenders a rhythm more sensory than explicable. Kali’s path through worlds and times creates a fascinating undertow of the eternally unfathomable.
With magical movements and masterfully crafted materials such as wood, textile, rattan, clay, and leather, the Indonesian ensemble Papermoon Puppet Theatre spawns imaginative worlds. Even if the stage is nearly empty, a lot is going on, and it takes on a life of its own.
Stream of Memory invites you to watch, perceive, and to remember: rivers, encounters, that which persists despite impermanence. From Yogyakarta on the island of Java, Papermoon Puppet Theatre is among the most urgent voices in contemporary puppet theatre worldwide.
Puppenspieler:innen
Anton Fajri, Beni Sanjaya, Pambo Priyojati, Hardiansyah Yoga, Muhammad Alhaq, Agus Margiyanto
Anton Fajri, Iwan Effendi, Beni Sanjaya, Pambo Priyojati, Hardiansyah Yoga, Muhammad Alhaq, Ega Kuspriyanto
Choreografie
Daphney Chen, Retno Setyorini
Original Lichtdesign
James Tan
Multimedia-Design
Gilang Kusuma
Musik, Sounddesign
Yennu Ariendra
Kostüm
Retno Intiani
Producer
Rachel Lim
Produktionsmanagement
Andreas Praditya
Stage Management
Febrinawan Prestianto
In Auftrag gegeben und produziert
Esplanade – Theatres on the Bay, Singapur
Spinnbau Ostflügel
Fr 19.06. 21:00 – 21:55
Sa 20.06. 18:00 – 18:55
DEUTSCHLANDPREMIERE
Physical Theatre
In englischer Sprache mit deutscher Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer des Ostflügels im Spinnbau.
Am 19.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch im Ostflügel im Spinnbau statt.
20 € 35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Noma Yini PTY LTD
DE Franz Kafka im Bühnenformat: ein Solo über Anpassung als Überlebensstrategie. Fortschritt als Dressur. Ein Spiel um Macht und Verlust.
EN Franz Kafka for the stage – a solo about adaptation as survival strategy. Progress as training. A play about power and loss.
Von und mit
Tony Bonani Miyambo
Regie, Adaption, Story
Phala Ookeditse Phala
Stage Management, Producer
Matjamela Motloung
Unterstützt durch
UJ Arts and Culture Faculty of Art, Design and Architecture
DE Der Affe ergreift das Wort. Um zu erklären, warum Freiheit keine Option mehr war. In Franz Kafkas „Bericht für eine Akademie“ geht es für Rotpeter, den der Akademie berichtenden Affen, um Anpassung als Überlebensstrategie. Er beschreibt das Lernen als Zwang, die Menschwerdung als Verlust. Der südafrikanische Regisseur Phala Ookeditse Phala und der Schauspieler Tony Bonani Miyambo nehmen diesen Text beim Wort und schreiben ihn mit ihrer Bearbeitung Kafka’s Ape in einen Körper, in eine Gegenwart, in eine Geschichte hinein, die offensichtlich keine Befriedung findet.
Ihre dramaturgisch bestechende Bühnenstudie zeigt nicht ein Tier, das zum Menschen wird, sondern einen Menschen, der die emotionale Gewalt dieser Verwandlung offenlegt. Sprache, Haltung und die Bewegungen werden unter Druck aus seinem Körper extrahiert. Der Körper wird lesbar wie ein Datenstreifen. Zu sehen ist, wie er lernt, was zu akzeptieren ist. Und was nicht. Was als Fortschritt verkauft wird, enttarnt sich so als Dressur. Der Bericht wird zur Anklage.
Leise, aber unumkehrbar verschiebt diese Bühnendramaturgie Kafkas Text. Aus ihm treten nun Fragen nach Assimilation und Fremdzuschreibung hervor, ohne benannt werden zu müssen. Wer spricht hier zu wem? Wer darf erzählen? Und zu welchem Preis? Der Körper auf der Bühne trägt nicht nur Kafkas Figur, sondern vielmehr eine Geschichte von Zuschreibungen, Anpassungszwängen und struktureller Gewalt.
In Südafrika, einem Land, das nicht nur die Folgen des europäischen Kolonialismus, sondern auch die der Apartheid-Politik zu bewältigen hat, besitzt die Verarbeitung dieses Stoffes eine ganz besondere Sprengkraft. Mechanismen der Unterwerfung sind für Kafka literarisches Experiment und für das Selbstbewusstsein der multinationalen, jungen südafrikanischen Nation Überlebensfrage.
Herausragend kombiniert Tony Bonani Miyambo in seiner Solo-Performance Schauspieltechniken vielfältiger kultureller Prägungen. Sein hochkonzentriertes Spiel zeigt, wie nah Zivilisation und Brutalität beieinanderliegen. Und wie dünn die Linie zwischen Überleben und Anpassung ist.
EN The ape takes the floor. To explain why freedom was no longer an option. In Franz Kafka’s ‘Report to an Academy’, it is Red Peter the ape who is doing the titular reporting. For him, conformity is a survival strategy – he describes learning as coercion, becoming human as loss. South African director Phala Ookeditse Phala and actor Tony Bonani Miyambo take this text at face value and, in their adaptation of Kafka’s Ape, write it into a body, into a present, into a story that clearly finds no peace. Their dramaturgically captivating stage study does not show an animal becoming human, but rather a human being who reveals the emotional violence inherent in this transformation. Language, posture, and movements are extracted from his body under pressure. The body becomes legible, like a barcode. The audience witnesses what he learns to accept—and not to accept. What is sold as progress is thus exposed as training. The report becomes an indictment.
Quietly but irreversibly, the dramaturgy shifts Kafka’s text, which now yields questions around assimilation and external attribution, without having to be named. Who is speaking to whom here? Who is allowed to tell the story? And at what price? The body on stage carries not only Kafka’s character, but more so a history of ascriptions, coercion to conform, and structural violence.
In South Africa, a country that must cope with the consequences of both European colonialism and apartheid policy, the processing of this material carries a particularly explosive impact. For Kafka, mechanisms of subjugation are a literary experiment, but for the self-confidence of the multinational, young South African nation, they become a question of survival.
In his solo performance, Tony Bonani Miyambo masterfully combines acting techniques from a variety of cultural influences. His highly charged performance shows the proximity of civilisation and brutality to one another. And how thin the line between survival and conformity is.
DE Übersetzen weckt in uns süße – oder saure – und stets drängende Verwirrungen über Sprache, Existenz und Politik […] sowie über die Wahrheiten und Täuschungen von Identität.
Marcelo Cohen, 2014. Der Kampf gegen eine hegemoniale Kultur (historisch auf sämtlichen Ebenen extraktivistisch) ist eine Praxis, die eine Selbstbetrachtung impliziert – nicht zwingenderweise im Spiegel. Sie bedeutet, die Zeit neu zu befragen und neu zu schreiben, um zu untermauern, dass jenes Andere ein fester Teil von uns selbst ist und dass jede Stellungnahme bedeutet, sich der zentralen Kultur zuzuwenden. In den vergangenen Jahren jedoch haben sich die Künstler:innen und Festivals dieser Länder dazu entschlossen, mit Mut hinzusehen. Hinzusehen bedeutet nicht, etwas gutzuheißen; hinzusehen bedeutet, etwas zu bewohnen und zu entschlüsseln sowie trotz Schmerz und Gewalt zu feiern.
Unsere Raumzeit – aus multiplen Gravitationen, unterschiedlichen Weltentstehungslehren, unebenen Fiktionen und anti-erfolgsorientierten Minderheitenpositionen – wird von politischer Praxis getragen: Der Blick wird nicht ausgeübt, er wird bewohnt. Von diesem anderen Zentrum aus – jenem Zentrum, das uns gehört und proprio ist (sowohl in der Bedeutung, dass es zu uns gehört, als auch, dass es für uns geeignet, konstituierend und passend ist) – vom Zentrum der sogenannten Peripherie aus laden wir die anderen, die hegemonialen Anderen, ein: Kommt, bewohnen wir dieses Land der Verwirrungen gemeinsam; lasst uns Tschüss sagen und tanzen! Und in genau diesem Akt des Bewohnens skizzieren wir – illusorisch, provisorisch – Hypothesen, um einander zu verstehen und um uns selbst verständlich zu machen: Wir übersetzen uns selbst, wir übersetzen die anderen, und wir erlauben uns, übersetzt zu werden. Irgendetwas schlüpft immer durch und verflüchtigt sich.
Den Blick zu bewohnen bedeutet, dass wir uns von uns selbst verabschieden; es bedeutet, zu wissen, dass etwas gefehlt hat und immer fehlen wird. Indem wir uns dazu einladen, von innen heraus zu schauen, betonen wir ausdrücklich, dass es hier nicht darum geht, zu suchen um zu finden oder das aufzuzeigen, was proprio bedeutet (das, was uns gehören sollte und was in einem bestehenden Kontext geeignet – oder passend – ist). Auch geht es hier nicht um die Frage: Gibt es dieses proprio überhaupt? Um das, was zwischen dem liegt, was passt, und dem, was man besitzt: zwischen dem, was man für geeignet hält, und dem, was man sich aneignen kann. Denn unsere Aufgabe liegt weder darin, uns die Künstler:innen oder deren Arbeit anzueignen, noch darin, sie als geeignet für diesen Rahmen einzuordnen – was genau das ist, was Hegemonie tut.
Ich lade Sie ein, hier all das zu bewohnen, was nicht war: unentdeckte Territorien, ungehörte Diskurse, Relikte des Ungehörigen. Das ist noch längst kein lückenloses Gewebe; es ist der Versuch, eine kleine Portion
zu übersetzen – und zwar in der Gegenwart. Ein Stückchen Zeit, um genauer zu betrachten und Hypothesen aufzuspüren, um andere Arten des Sehens zu bewohnen.
Wir greifen in das Seltsame ein – so seltsam proprio (auf unheimliche Weise eigen, auf intime Weise fremd) – jenes Andere, das Hegemoniale; wir verleiben es uns ein, treten ihm entgegen, interpretieren es, übersetzen und umarmen es – wenn auch unter Schmerzen. Schließlich verabschieden wir uns, noch während wir tanzen und feiern, damit etwas Neues beginnen möge, weit weg und nahebei zugleich.
us’, constitutive of us, and ‘proper’), the centre of what is called the periphery— we invite the others, the hegemonic ones: Come, let us inhabit this land of perplexities together; let us say chao while we dance! And in the very act of inhabiting we will sketch—illusorily, provisionally—hypotheses to understand one another and to make ourselves understood: we translate ourselves, we translate them, and we allow ourselves to be translated. Something will always slip away and dissipate.
To inhabit the gaze is to say farewell to ourselves, to know that something was missing and will always be missing.
EN Translating stirs in us sweet – or sour – and always compelling perplexities about language, existence, politics (…) and the truths and fallacies of identity.
Marcelo Cohen, 2014
To set oneself against a hegemonic culture (historically extractivist at every level) is an exercise that entails looking at oneself – not necessarily in a mirror. It means revisiting and rewriting time in order to confirm that this Other is unfailingly part of us, and that every act of taking a stance implies looking toward the central culture. Yet in recent years, the artists and festivals of these lands have chosen to look with courage: to look is not to endorse; to look is to inhabit and to decipher; it is to celebrate even within pain and violence.
Our space-time – of multiple gravities, diverse cosmogonies, uneven imaginaries, and anti-success minoritarian positions – issustained by a political exercise: the gaze is not exercised; it is inhabited.
From this other centre – this centre that is ours and propio (both ‘our own’ in the sense of belonging to us, ‘proper to
ES Traducir provoca en uno dulces o ácidas y siempre interesantes perplejidades sobre el lenguaje, la existencia, la política (...) y las verdades y falacias de la identidad
Marcelo Cohen, 2014.
To invite ourselves to look from within is to make explicit that this is not about searching in order to discover, nor about displaying what is propio (what is supposed to be ours and what is appropriate – or proper – to a given context). Not here either: does the propio even exist?
That which lies between what is fitting and what is owned: between what is considered proper and what seems available for appropriation. For our task is neither to appropriate the artists or their works, nor to designate them as ‘proper’ to this framework – that is what hegemony does.
What I invite you to inhabit here is precisely all that was not: unsuspected territories, discourses that will not be heard, vestiges of improprieties. This is far from a complete weaving; it is an attempt to translate a small portion – to translate in the present. A slice of time in which to look and to trace hypotheses, to inhabit other ways of looking.
We intervene in the strange, so strangely propio (uncannily one’s own, intimately foreign), that Other, the hegemonic; we ingest it, confront it, interpret it, translate it, and embrace it – however painful. And then we say goodbye while we dance and celebrate, so that something new may begin, both far away and close at hand.
Anteponerse a una cultura hegemónica (históricamente extractivista en todo plano) es un ejercicio que implica mirarse y no necesariamente en un espejo: es revisitar y reescribir los tiempos para corroborar que eso Otro es indefectiblemente parte nuestro y que toda toma de posición implica mirar a la cultura central. Sin embargo, durante los últimos años los artistas y los festivales de estas tierras han decidido mirar con valentía: mirar no es revalidar, mirar es habitar y descifrar, es celebrar incluso en el dolor y la violencia. Nuestro espacio-tiempo de gravedades varias, de cosmogonías diversas, de imaginarios poco homogéneos y de minorías anti-exitistas se sostiene en un ejercicio político: la mirada no se ejerce, se habita. Desde este otro centro, este nuestro y propio, el centro de lo que denominan periferia, invitamos a los otros, a los hegemónicos: ¡Vengan, habitemos juntos esta tierra de perplejidades, digamos chao mientras bailamos! Y en la acción misma de habitar trazaremos ilusoria y transitoriamente hipótesis para entendernos y para hacernos entender: nos traducimos, los traducimos y nos dejamos traducir. Algo siempre se escapará y esfumará. Habitar la mirada es decirnos adiós, saber que algo faltó y siempre faltará. Invitar a mirarnos desde dentro es explicitar que no se trata de buscar para descubrir, ni de mostrar lo propio. Aquí tampoco: ¿Existe acaso lo propio? Eso que está entre lo idóneo y lo que se posee, lo que se considera adecuado y lo plausible de ser apropiado. Pues nuestra tarea no se trata ni de apropiarse de los artistas o sus obras, ni de designarlos como los propios para este marco: eso hace la hegemonía.
Lo que invito a habitar aquí es justamente todo lo que no fue: territorios insospechados, discursos que no oyerán, vestigios de improperios; esto está muy lejos de ser un tejido completo, es un intento de traducir una pequeña porción, de traducir en el presente. Un recorte de tiempo para mirar y trazar hipótesis, para habitar otros modos de mirar.
Intervenimos lo extraño –tan extrañamente propio–, eso otro, lo hegemónico; lo deglutimos, lo enfrentamos, lo interpretamos, lo traducimos y lo abrazamos –aunque duela–. Y después, decimos adiós mientras bailamos y celebramos, para que algo nuevo empiece, lejos y cerca.
DE Rodrigo González Alvarado, in Kolumbien geboren, ist Kulturmanager und lebt in Buenos Aires. Seit 2019 ist er Assistant der künstlerischen Leitung des Festival Internacional de Buenos Aires (FIBA) und koordiniert MARKET/ FIBA, die internationale Branchenplattform des Festivals. Zudem ist er Mitglied der Fakultät am Centro Universitario de Idiomas der UBA und an der Universidad de Palermo.
Weitere Informationen: theaterderwelt.de/ueber-uns
EN Rodrigo González Alvarado is a Colombian-born cultural manager based in Buenos Aires. He is Artistic Direction Assistant at the Festival Internacional de Buenos Aires (FIBA) and coordinates MARKET/FIBA, the festival’s international industry platform, since 2019. He is a faculty member at the Centro Universitario de Idiomas of the UBA and at the Universidad de Palermo.
Further information: theaterderwelt.de/ueber-uns
Rodrigo González Alvarado
Spinnbau Halle 5
Sa 20.06. 18:30 – 20:30
So 21.06. 20:00 – 22:00
URAUFFÜHRUNG, KOPRODUKTION
Installative Performance
In deutscher, chinesischer und englischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer der Großen Bühne im Spinnbau.
Am 20.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch in Halle 5 im Spinnbau statt.
20 € 35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Mit
Elena Bechter, Wang Yanan, Sheyang Sibo, Jingwen Li
Regie
Tian Gebing
Choreografie, Producer
Wang Yanan
Dramaturgie
Christoph Lepschy
Musik
Piotr Kurek
Regieassistenz, Übersetzung
Jingwen Li, Yuchen Xie
Technische Direktion
Wang Tiange
Lichtdesign
Zhao Tong
Szenografie, Kostüm
Paper Tiger Theater Studio
Video
Xin Tong
Unterstützt durch
中本智 Zhong Ben Zhi, AWW Germany GmbH, Shenzhen Ming Culture Communication Co. LTD
Koproduktion
Festival THEATER DER WELT
Chemnitz 2026, Humboldt Forum Berlin, Paper Tiger Theater Studio
Paper Tiger Theater Studio
DE „Berge Meere und Giganten“: Döblins Zukunftsroman von 1924 trifft auf uns im Heute: ein deutschchinesisches futuristisches Live-Szenario aus Bildern, Performance und Klang.
EN ‘Mountains Oceans Giants’: Döblin’s 1924 science fiction novel resonates with us in the present moment. A futuristic German-Chinese live scenario in images, performance, and sound.
DE Der Aufstieg Chinas definiert Asien neu, damit auch Europa. Ist er Bedrohung für die westlich dominierte Weltordnung? Wird ein Konflikt in Eurasien der „letzte große Krieg“ dieser Welt sein? Die Jetztzeit scheint im Schwebezustand.
Vor 100 Jahren hat Alfred Döblin in seinem Zukunftsroman „Berge Meere und Giganten“ diesen Zustand bereits literarisch als „Tatsachenphantasie“ beschrieben: als unablässig aneinandergereihte Kette von Klimakatastrophen und Kontinentaldrift, Krisen, Pandemie, Weltwirtschaftskrise. Das chinesisch-deutsche Paper Tiger Theater Studio hat diesen Stoff für die Bühne entdeckt. Die Uraufführung im Festival lässt neugierig werden auf eine Bilder- und Tonwelt, viel Bewegung und eine Erzählung mit verblüffend einfachen wie auch sinnlichen Mitteln. Das Künstler:innen-Ensemble existiert zwischen den Welten. Die Stücke entstehen in stetem Austausch zwischen deutscher und chinesischer Geschichte und Geschichten.
Vier Tänzer:innen, Schauspieler:innen und Sänger:innen aus China und Deutschland arbeiten mit Videografie und Raumgestaltung. Ihre Körper, von unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und zeitgenössischen Diskursen geprägt, verkörpern die widersprüchlichen Emotionen zwischen düsteren Zukunftsvisionen und der Realität der Gegenwart.
Chinesisch, Deutsch, Englisch und andere Sprachen verschiedener Kulturen verweben sich zu einem vielschichtigen Klangteppich.
EN China’s ascent is redefining Asia, and with it, Europe. Is the Westerndominated world order under threat? Will a conflict in Eurasia constitute the world’s ‘last great war’? We seem to be hovering in a state of limbo.
A hundred years ago, Alfred Döblin described these conditions in his futuristic novel ‘Berge Meere und Giganten’ (‘Mountains Oceans Giants’), as ‘Tatsachenphantasie’ (factual fantasy): a relentless chain of climate catastrophes and continental drift, as well as crises, pandemics, and global economic crises. In 1924, Döblin offered a vision of a war between Europe and Asia and Europe’s great exodus to Greenland.
The Chinese-German Paper Tiger Theater Studio has adapted this material for the stage in a production whose world premiere takes place at the THEATER DER WELT festival. Sparking curiosity about a realm of images and sounds, the performance promises a great deal of movement as well as a narrative that is at once astonishingly simple and sensorial. The ensemble of artists exists between worlds, in that their productions are created through constant exchange between German and Chinese histories and stories.
Four dancers, actors, and singers from China and Germany work with videography and spatial design. Their bodies, shaped by different cultural backgrounds and contemporary discourses, embody the contradictory emotions generated between dark visions of the future and the reality of the present.
Chinese, German, English, and other languages from various cultures interweave to form a multi-layered tapestry of sound.
Visuelles Konzept Ai Weiwei
Silencio Blanco
DE Eine Militärkatastrophe inspiriert zu einfühlsamem
Figurentheater: Ein Spiel über Jugend, Abhängigkeit, Gehorsam, institutionelle
Verantwortung und Hoffnung.
EN A military catastrophe inspires empathic puppet theatre. A play about youth, dependency, belonging, institutional responsibility, and hope.
DE Winter 2005 in den chilenischen Anden. Eine militärische Übung, schlecht vorbereitet, schlecht ausgerüstet. Bei einem Marsch am Vulkan Antuco sterben 44 junge Rekruten und ein Unteroffizier an Kälte und Erschöpfung. Was bleibt, sind Leere, Wut und Unverständnis im ganzen Land.
Die Gruppe Silencio Blanco aus Santiago de Chile wählt bewusst diese tief nachwirkende Tragödie für ihr Stück. Nicht das erschütternde Manöver wird thematisiert, sondern das, was danach kommt: das Warten, das Zurückbleiben, der Alltag der Familien. Der Situation angemessen, entwerfen die Künstler:innen ein konzentriertes Figurentheater, ohne ein einziges Wort. Mit scharfer szenischer Bildsprache werden die Militarisierung der Jugend und die Verknüpfung ihres Lebensunterhalts mit der Institution Armee behandelt.
Gestenreich entfaltet sich ein Spiel um die Verführung kindlicher Fantasien zu Heldentum und Abenteuer, die dann im Militärapparat ernüchternd enden. In Chile ist der Militärdienst bis heute für viele junge Menschen aus ländlichen Regionen eine der wenigen Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs. Zugleich bleibt das Militär eine Institution, deren Rolle zwischen nationalem Selbstbild, Disziplin und verdrängter Verantwortung umstritten ist.
Mit einfachen Materialien, in einer reduzierten Schwarz-Weiß-Ästhetik, entstehen eindringliche Szenen, in denen Wind, Schnee und Körper gleichermaßen erzählen. Die Natur ist nicht Kulisse, sondern wird zur übermächtigen Kraft, der niemand entkommt. Das Wetter wird zur Handlung, die Landschaft zum Zeugen. Heroisch ist hier nichts.
Silencio Blanco, was übersetzt ein „ganz unheimliches, tiefes Schweigen“ meint, lenkt präzise und poetisch den Blick auf Verantwortung, Erinnerung und Verlust.
EN It is winter 2005, in the Chilean Andes. A military exercise is undertaken – the men are unprepared and unequipped. As they march along the Antuco Volcano, 44 young recruits and one sergeant perish of cold and exhaustion. What remains is emptiness, anger, and incomprehension, felt throughout the country.
The group Silencio Blanco from Santiago de Chile have chosen to stage this deeply affecting tragedy in particular. The focus is not on the harrowing manoeuvre itself, but on the aftermath: the waiting, the leaving behind, the day-to-day reality for the families. As is fitting to the situation, the artists have created a puppet theatre play without a single word of dialogue. Through powerful scenic imagery, they address the militarisation of youth and the link between their livelihoods and the army as an institution.
A multitude of gestures unfurls a play about the seduction of childish fantasies of heroism and adventure, which are brought to a sobering end by the military apparatus. In Chile, military service continues to provide one of the few opportunities for social advancement for many young people from rural areas. At the same time, the military remains a contested institution that is caught between national self-image, discipline, and denial of responsibility.
Simple materials and a minimalist black-and-white aesthetic give rise to haunting scenes in which wind, snow, and bodies tell the story in equal measure. Nature is no backdrop – it becomes an overwhelming force that no one can escape. The weather becomes the plot, the landscape the witness. There is nothing heroic here.
Silencio Blanco, which translates to ‘eerie, deep silence’, precisely and poetically directs our gaze to questions surrounding responsibility, memory, and loss.
Spinnbau Figurentheater
Sa 20.06. 21:00 – 21:55
So 21.06. 18:00 – 18:55
DEUTSCHLANDPREMIERE
Figurentheater
Ohne gesprochenes Wort
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Foyer des Figurentheaters im Spinnbau statt.
Am 20.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch im Figurentheater im Spinnbau statt.
20 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Mit Camila Pérez, Marco Reyes, Camilo Yáñez, Consuelo Miranda, José Calderón
Regie, Figurendesign, Bühne
Santiago Tobar
Creative Producer
Dominga Gutiérrez
Sounddesign
Ricardo Pacheco
Bühne
Belén Abarza
Spinnbau Große Bühne
Mo 22.06. 19:00 – 22:00
Di 23.06. 20:00 – 23:00 mit Pause
DEUTSCHLANDPREMIERE
Musiktheater
In arabischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt.
Bei schlechtem Wetter im Foyer der Großen Bühne im Spinnbau.
Am 22.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch auf der Großen Bühne im Spinnbau statt.
18 – 30 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Edinburgh International Festival, Cité internationale de la langue française, Théâtre des 13 vents, Espoo Theatre, Teatre Nacional de Catalunya
Bashar Murkus & Khulood Basel – Khashabi Theatre
DE Faszinierendes Epos, hinreißender Gesang: eine epische Erzähltradition aus dem arabischen Raum. Musik, Poesie und Heldengeschichte im Hier und Jetzt.
EN Spellbinding epic, enchanting song. An epic storytelling tradition from the Arabic-speaking world. Music, poetry, and an heroic tale in the here and now.
DE Mit eleganter Leichtigkeit gleiten gewaltige Schlachtrösser durch die Luft, gigantische Vögel ziehen ihre Kreise über Büsche, die wie eine Armee durch die bizarr schöne nordafrikanische Berglandschaft marschieren. Musik, Gesang und hinreißend rhythmisch skandierte Textpassagen in arabischer Sprache treiben die Vorrückenden an.
Mit nur sieben Spieler:innen setzt der palästinensische Autor und Regisseur Bashar Murkus ein quirliges und farbenfrohes großes Welttheater in Bewegung. Das kleine und entschlossene Theater Khashabi aus Haifa bringt mit Al-Sirah Al-Hilaliyyah ein großes Epos auf die Bühne. Diese Wiederentdeckung ist für die Künstler:innen ein wesentlicher Bestandteil ihrer zeitgenössischen Arbeit an der arabischen Theaterkunst.
In Al-Sirah Al-Hilaliyyah wird die Geschichte der Migration der Banū Hilāl Beduinen von der Arabischen Halbinsel nach Tunesien in Nordafrika erzählt. Aus der Vielzahl der Figuren seien einzig hier erwähnt: Abu Zayd alHilali, ein verstoßener Adliger, Anführer auf dem langen Weg, und Al-Jaziyya, eine einflussreiche Frau, die der Truppe politischer und moralischer Kompass ist. Für die kulturell sehr unterschiedlichen und territorial weit zu fassenden arabischen Volkstraditionen ist es das einzige Epos, das zu Hochzeiten oder privaten Feiern noch in seiner ursprünglichen musikalischen Form aufgeführt wird, begleitet von der Stachelgeige Rabab oder einem Perkussionsinstrument.
Die alle Grenzen des Theaters überschreitende neue Interpretation strotzt vor Körperlichkeit und atemberaubenden Bildern. Die Mischung aus Konzert, visueller Performance, Theater und Tanz ist wie ein fröhlich beschwingter Karneval mit Live-Elektronikmusik. Tanz, große Puppen, Schattenspiele und wechselnde Hintergründe, geschaffen durch Licht und Farbe, liefern eine zeitgenössisch unterhaltende Übersetzung des Stoffes. Khulood Basel und Bashar Murkus gründeten 2015 gemeinsam mit einer Gruppe palästinensischer Theater-
das Khashabi Theatre in Haifa. Das Khashabi Theatre ist ein unabhängiges palästinensisches Theater, das sich für eine palästinensische Gesellschaft einsetzt, in der Kunst und Kreativität frei als grundlegendes Recht praktiziert werden können. Gleichzeitig strebt es danach, die kulturelle Identität zu erneuern, indem unabhängige Kultur in den Mittelpunkt gestellt wird.
EN Mighty warhorses glide through the air with elegant ease. Gigantic birds circle above bushes that march like an army through the bizarre and beautiful North African mountainous landscape. Music, singing, and entrancingly rhythmic passages chanted in Arabic drive the advancing troops forward. With only seven performers, Palestinian author and director Bashar Murkus sets in motion a lively and colourful great world theatre. Based
in Haifa, the small and stalwart Khashabi Theatre brings a grand epic to the stage with Al-Sirah Al-Hilaliyyah This rediscovery makes up an essential part of the artists’ contemporary work in Arab theatre.
Al-Sirah Al-Hilaliyyah tells the story of the Banū Hilāl Bedouins’ migration from the Arabian Peninsula to Tunisia in North Africa. Out of the multitude of characters, only two are mentioned here: Abu Zayd al-Hilali, an outcast nobleman and leader along the lengthy journey; and Al-Jaziyya, an influential woman who embodies the political and moral compass of the group. Among the culturally diverse and geographically widespread Arab folk traditions, it is the only epic that is still performed in its original musical form at weddings or private celebrations, accompanied by the rabāb fiddle or a percussion instrument.
Bursting with physicality and breathtaking images, this new interpretation transcends the boundaries of theatre. The melange of recital, visual performance, theatre, and dance verges on a joyful, spirited carnival with live electronic music. Dance, large-scale puppetry, shadow play, and diverse backdrops created through light and colour make for a contemporary, entertaining rendering of the material.
Khulood Basel and Bashar Murkus co-founded with a group of Palestinian theatre makers the Khashabi Theatre in Haifa in 2015. Khashabi Theatre is an independent Palestinian theatre that works towards a Palestinian society that freely practices art and creativity as a natural right, and strives to renew its cultural identity by placing independent culture front and center.
macher:innen
Juan Pablo Gómez
DE Ein Strudel der Umnachtung: Ein Vater verschwindet aus seiner gewohnten Umgebung. Eine akustische Performance über Alter und brüchige Erinnerung.
EN A vortex of oblivion. A father disappears from his usual surroundings. An acoustic performance about old age and fragmented memory.
DE Victor ist über achtzig Jahre alt. Er ist da, auf der Bühne mit seinen Kindern zusammen, und zugleich hat er sich schon längst auf den Weg gemacht, alle zu verlassen. Der argentinische Autor und Regisseur Juan Pablo Gómez hat mit Los bienes visibles, übersetzt „Die sichtbaren Dinge“, einen berührenden Theaterabend über das Abschiednehmen entwickelt. Dem Thema nähert er sich nicht über Handlung, Geschichte oder Psychologie, sondern über Klang, Geräusche, Lieder und Pausen. Zu erleben ist ein akustisches Setting, in dem selbst Sehen zweitrangig wird. Verlassen können sich die Zuschauer:innen auf ihre Ohren, vielfältiger Klang führt durch Situationen. Auch Worte sind zu hören, sie brechen ab, werden getragen von Atem, Gesang und Stille. So wird lebendig vermittelt, wie sich der Vater aus einer gemeinsamen Gegenwart herausbewegt, während die Kinder versuchen, ihn festund in ihrer Nähe zu halten. Es ist der Prozess einer langsamen Akzeptanz des Entfremdens, das doch als natürliche Tatsache zu erleben ist. Begleitet von Tönen aus einem Sampler, von Instrumenten und den Stimmen dreier Sänger:innen, bewegen sich alle Spieler:innen im Raum. Sie wandern, wenden sich und wechseln die Positionen. Sie steigen auf Podeste, auf denen ein Teil des Publikums sitzt, während die übrigen Zuschauer:innen auf Stühlen im Raum verteilt sind. So vereinen sich die Künstler:innen mit dem Publikum.
Juan Pablo Gómez’ aufwühlende Stücke handeln über das Erwachsenwerden, über gescheiterte Elternschaft und über die Erfahrung, die eigenen Eltern zu verlieren. Los bienes visibles richtet den Blick auf „die Dinge“, die sichtbar waren und nun verschwinden. Und auf das, was sich gerade deshalb neu formt.
EN Victor is over eighty years old. There he is, onstage with his children, and yet he’s long harboured the intention to leave everyone behind. With Los bienes visibles (The visible things), Argentine author and director Juan Pablo Gómez has developed a touching theatre piece about valediction. He approaches the subject not through plot, story, or psychology, but through sound, noises, songs, and pauses.
The result is an acoustic setting in which even seeing becomes secondary. The audience can rely on their ears, as a multiplicity of sounds guides them through situations. Words are also audible – they break off, carried by breath, song, and silence. This portrayal vividly conveys how the father moves away from a shared present, whilst his children try to hold fast to him. It is the process of slowly accepting alienation, which must nevertheless be experienced as a natural fact.
Accompanied by sounds from a sampler, instruments, and the voices of three singers, the performers move around the space. They wander, turn, and change positions. They climb onto
Spinnbau Halle 5
Di 23.06. 18:00 – 19:20
Mi 24.06. 19:00 – 20:20
EUROPAPREMIERE
Performance
In spanischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung.
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer der Großen Bühne im Spinnbau.
Am 23.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch in Halle 5 im Spinnbau statt.
20 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
platforms where some spectators are seated, while the rest are scattered around the room on chairs. In this way, the artists merge with the audience.
Juan Pablo Gómez‘s stirring pieces tackle themes of growing up, failed parenthood, and even the experience of losing one’s own parents. Los bienes visibles focusses on ‘the things’ that were visible and are now disappearing. And on what is forming anew as a result.
Unterstützt durch Galpón de Guevara, Fundación Cazadores, Instituto Nacional del Teatro, Proteatro, Fondo Metropolitano
DE Srishti Ray ist Theaterproduzentin und Kunstmanagerin mit einem besonderen Interesse an Musik, Tanz und Theater. Sie hat einen Masterabschluss in Arts Management von der Lancaster University in Großbritannien und arbeitet derzeit als Associate Producer bei QTP Entertainment Pvt. Ltd. in Bombay. Zu ihren Arbeiten zählen Produktionen wie Lungs und The Mirror Crack’d des NCPA und Festivals wie Literature Live! The Mumbai LitFest. Als ehemalige Teilnehmerin des Thespo-Fellowship-Programms engagiert sie sich heute als Mentorin für junge Kunstmanager:innen.
Weitere Informationen: theaterderwelt.de/ueber-uns
EN Srishti Ray is a theatre producer and arts manager with interests across music, dance, and theatre. She holds a Master’s degree in Arts Management from Lancaster University, UK, and is currently an Associate Producer at QTP Entertainment Pvt. Ltd., Bombay. Her work includes productions such as Lungs and NCPA’s The Mirror Crack’d, and festivals like Literature Live! The Mumbai LitFest. A former Thespo Fellow, she now mentors emerging arts managers.
Further information: theaterderwelt.de/ueber-uns
Kuratorin / Curator
Srishti Ray ______________________________________________________
DE Theater bringt Menschen zusammen – mit Emotionen, Gefühlen, Empathie und Idealen. Ich glaube daran, dass dieses Festival die Chance birgt, in den Darstellenden Künsten eine gemeinsame Sprache zu finden.
Die Arbeit an der kollektiven Programmgestaltung eines Festivals im Ausland hat überraschende Wege genommen: die Suche nach einer gemeinsamen Stimme und die Rückbesinnung auf die eigene Perspektive; Fragen der Repräsentation und Geschichten, die über Grenzen hinausgehen; das Fremdsein und das Finden einer neuen Heimat über Kontinente hinweg. Dabei waren mir das Chaos, die Diskussionen und Feedback-Gespräche, die dieses Programm geprägt haben, mitunter die liebsten Momente. Sie brachten uns immer wieder zurück zu unserer geteilten Liebe für die Kunst und die Künstler:innen.
Mich persönlich reizen an der darstellenden Kunst nicht das Spektakel, nicht die große Geste, sondern Präzision. Ein:e gute:r Schauspieler:in, die:der einen Raum halten kann. Eine Geschichte, die genau weiß, was sie sagen will. Eine Produktion, in die viel Sorgfalt und Haltung geflossen ist. Zu diesen Punkten kehre ich immer wieder zurück, egal, wo die Arbeit herkommt und welche Sprache sie spricht.
In den letzten Monaten habe ich viele Festivals bereist und zahlreiche Produktionen gesehen. Sie haben meinen Glauben an ein Theater bestärkt, das seine Kraft über sämtliche Sprachen und Kulturen hinweg entfaltet. Ich staunte über den Reichtum an Geschichten, die Bandbreite an Experimentierfreudigkeit und die pure Leidenschaft, die Künstler:innen und Festivals antreibt. Besonders eindrucksvoll waren jene Arbeiten, die tief in ihren Ursprungsländern verwurzelt sind und klar und selbstbewusst eine moderne Theatersprache sprechen. Diese Stücke kommen mit ihren eigenen Geschichten, Fragen und Dringlichkeiten.
Das Festival ist eine internationale Brücke zwischen Publikum und Performance, eine Zufallsbegegnung, um die Magie des Theaters zu entdecken, durch Aufmerksamkeit, Rhythmus und gelebte Erfahrung im Raum. Wenn Sie sich durch das Festivalprogramm bewegen, lade ich Sie ein, bei dem zu verweilen, was Sie anspricht, was Sie fordert und was jenseits des unmittelbar Offensichtlichen liegt. Theater will nicht immer in seiner Gänze verstanden werden, es bittet lediglich um Zeit, Präsenz und Großzügigkeit.
Denn das Theater war immer schon von Bedeutung. Nicht, weil es die Welt erklärt, sondern weil es uns an diesem Ort zusammenbringt.
EN Theatre has the power to unite people, through emotions, feelings, empathy, and ideals. I believe that this festival is an opportunity to use performance as a shared language.
This process of co-curating a theatre programme for a festival away from home has evolved in unexpected ways. From seeking a collective voice to owning our unique perspectives. From questions of representation to embracing stories that move beyond borders. From being strangers to finding homes across continents. The chaos, conversations, and feedback that shaped the programme have been some of my most cherished moments. They constantly reminded us of the collective love we share for the art and the artists. Personally, what draws me to performance is not spectacle or scale, but rigour. A strong performer who can hold the room. A story that knows exactly what it wants to say. A production that has been shaped with care and intention. These are the qualities I return to again and again, regardless of where a work comes from or what language it speaks.
Over the last few months, travelling across festivals and watching a
large number of productions have only strengthened my belief in the power of theatre across languages and cultures. I found myself marvelling at the diversity of stories being told, the range of experimentation, and the sheer passion that fuels artists and the festivals that hold them. Works deeply rooted in the land they emerged from, while being presented with clarity and confidence within a contemporary theatre vocabulary, were especially striking. These performances arrive carrying their own histories, questions, and urgencies. The festival is a global bridge between the audience and the works. A chance encounter to discover the magic of theatre through attention, rhythm, and lived experience in the space. As you move through the programme, I hope you allow yourself to stay with what resonates, what challenges you, and what lingers beyond immediate clarity. Theatre does not always ask to be understood in full; it does ask for time, presence, and generosity. Because theatre has always mattered. Not because it explains the world, but because it allows us to sit inside it together.
Srishti Ray
Philip Miller MusoreliefSA
DE Eine knallbunte Oper über einen südafrikanischen Aktivisten. Voguing, Protestlieder und Archivmaterial erzählen eine Geschichte von Politik, Körpern und Clubkultur.
EN A bright, colourful opera about a South African activist. Voguing, protest songs, and archival material tell a story of politics, bodies, and club culture.
DE Willkommen zum grandiosesten Ball aller Zeiten! Ein Moderator, ein Voguing-Rapper, betritt die Bühne. Er ist Gastgeber des Abends. Das Orchester setzt ein, und ein Chor aus 20 Sänger:innen und Tänzer:innen schreitet durch einen riesigen Kleiderschrank auf die Rampe, begleitet vom stampfenden Rhythmus einer einzelnen Trommel. „Wir sind hier. Wir sind queer!“, skandieren sie. Mehrere Videoleinwände erscheinen im Hintergrund der Bühne, während der Moderator verkündet: „Und das Thema lautet: Stellt euch euren Widrigkeiten!“
Entwickelt von dem südafrikanischen Komponisten Philip Miller, mit Texten von S‘BO GYRE und Philip Miller entstand unter der Regie von Greg Karvellas eine Oper, deren rasante Bilderfolge sich bewusst gegen klare Kategorisierung stellt.
Held der Geschichte ist Simon Nkoli. Ein Schwarzer Anti-ApartheidAktivist, der offen schwul lebte. Nkoli: A Fierce & Fabulous Life ist kein biografisches Porträt, sondern ein hybrider Musikabend voller Energie, Lebensfreude und mit klarer politischer Botschaft. Der im südafrikanischen System mehrfach exponierte Simon Nkoli erlebte Ausgrenzung, Apartheid, Homophobie und institutionelle Gewalt. Er lebte, wie Hunderttausende, in ständiger Gefahr.
Millers Komposition verbindet Operngesang mit Protestliedern und Club-Sounds mit Ballroom Culture. Bilder, Körper, Musik und Archivmaterial stehen gleichberechtigt nebeneinander. Auf der Bühne ist es voll und laut, alles befindet sich in permanenter Bewegung. Voguing, Rap, Lip-Sync und orchestrale Elemente überlagern einander in ständiger Aufgewühltheit. Die
Geschichte entfaltet sich fragmentarisch, nicht chronologisch. Der Ballsaal, als politischer Raum, ist die Projektionsfläche für Fragen von Zugehörigkeit, Sichtbarkeit und Widerstand. Unterhaltung und Ernst sind hier keine Gegensätze, sondern untrennbar miteinander verbunden. Nkolis Coming-out ist dabei keine Privatangelegenheit, sie wird ein öffentlicher Akt in einem repressiven System. Die Show ist offen und durchlässig für eine Vielzahl musikalischer und performativer Sprachen, für Körper und Stimmen.
EN Welcome to the grandest ball of all times! A host and voguing rapper steps on stage. He is the host of the show. The orchestra begins and a chorus of 20 singers and dancers strides through a huge wardrobe onto the apron, accompanied by the pounding rhythm of one single drum. ‘We’re here. We’re queer!’ they chant. Various video projections appear as the host announces, ‘The subject is: Face your adversities!’ Developed by the South African composer Philip Miller, with lyrics by S’BO GYRE and Philip Miller, and directed by Greg Karvellas an opera was created whose rapid sequence of images deliberately defies clear categorisation.
The hero of the story is Simon Nkoli, a black anti-apartheid activist who was openly gay. Nkoli: A Fierce & Fabulous Life is not a biographical portrait, rather a hybrid music show full of energy and vitality with a clear political message. In the South African system, Simon Nkoli was variously exposed to discrimination, apartheid, homophobia, and institutional violence. He lived, as did hundreds of thousands, in constant danger.
Opernhaus
Di 23.06. + Mi 24.06. 19:30 – 21:50 mit Pause
EUROPAPREMIERE
Zeitgenössische Oper
In Englisch, Zulu und Sotho mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Foyer des Opernhauses statt.
Am 23.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch im Foyer des Opernhauses statt.
22 – 49 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Miller’s composition combines opera with protest songs and club sounds with ballroom culture. Images, bodies, music, and archival material are on equal footing with one another. On stage it’s loud and saturated, everything is in constant motion. Voguing, rap, lip-syncing and orchestral elements overlap in constant chaos. The story unfolds in fragments, not chronologically. The ballroom, a political space, serves as container for issues of belonging, visibility, and resistance. Entertainment and seriousness are not opposed here; they are inextricably linked. And Nkoli’s coming out is not a private matter, it becomes a public act in a repressive system. The show is open and permeable to a variety of musical and performative languages, to bodies and voices.
Mit Niza Jay, Simbone Qonya, Ann Masina, Nokuthula Magubane und weiteren
Komposition, Konzept
Philip Miller
Lyrics
S‘BO GYRE, Philip Miller
Regie Tshegofatso Moeng
Kostüm, Styling
Sikelela Mr Allofit, Birrie Roux
Producer Harriet Perlman, Philip Miller
Video
Catherine Meyburgh S.A.G.E
Motion Graphics
Marcos Martins
Choreografie
Llewellyn Mnguni
Spinnbau Figurentheater
Do 25.06. + Fr 26.06.
19:00 – 20:30
DEUTSCHLANDPREMIERE
Sprechtheater
In portugiesischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Foyer des Figurentheaters im Spinnbau statt.
Am 25.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch im Figurentheater im Spinnbau statt.
20 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Mit Ana Gigi, Keli Freitas
Regie, Dramaturgie
Keli Freitas
Bühne, Kostüm Elsa Romero, Manu Curtiss
Lichtdesign Ariene Godoy
Residenz
Teatro Viriato, O Espaço do Tempo, A Oficina
Koproduktion
O Espaço do Tempo, A Oficina e Cineteatro Louletano (Projeto CASA)
Produktion
Trypas Corassão AC
Keli Freitas
DE Generationen im persönlichen Gespräch über Herkunft: Eine Spurensuche nach einer kolonialen und migrantisch geprägten
Familiengeschichte über Kontinente hinweg.
EN Generations get personal about their background. A cross-continental search for the traces of a colonial and immigrant family history.
DE Mit 77 Jahren betritt Ana Gigi aus Kap Verde in Lissabon zum ersten Mal als Darstellerin einen Theaterraum. An ihrer Seite ist Keli Freitas aus Brasilien. Sie ist Migrantin in Portugal und arbeitet als Künstlerin. Die beiden Frauen präsentieren sich an diesem Abend im Theater als Chronistinnen ihrer jeweiligen Herkunft. Mit der Suche nach den Spuren von Freitas’ portugiesischbrasilianischer Familiengeschichte begann für die junge Künstlerin nicht nur eine persönliche, sondern auch eine politisch motivierte Recherchearbeit zu aktuellen Fragen der Zugehörigkeit und Staatsbürgerschaft. Zu erleben ist ein sich über vier Generationen spannender, ebenso tiefgründiger wie gefühlvoller Theaterabend über Nähe, Erinnerung – und über das Recht, da zu sein.
Keli Freitas ist von Beruf Autorin. Provokativ trägt ihr Stück den gleichen Titel wie ein international produziertes Reality-Fernsehformat, in Deutschland vermarktet als „Auf der Flucht: Das Experiment“. Verarbeitet werden darin kontrovers behandelte Themen wie Flucht, Migration, Fremdsein und Heimatlosigkeit.
Es sind genau diese Themen, die Keli Freitas bewegen bei der Untersuchung ihrer Familiengeschichte. Da Migration zwischen Portugal und Brasilien Teil einer historisch lang ge -
wachsenen Bewegung ist, erscheinen genau diese Themen an diesem Abend in einem völlig neuen Licht. Migration ist hier eine Geschichte von Gemeinschaftsbildung. Sie wird durch diese außergewöhnlich persönliche Begegnung auf der Bühne zur Erfahrung für alle. Herkunft wird nicht festgeschrieben, sondern tastend befragt. Wer entscheidet, wo jemand hingehört?
Go Back to Where You Came From von Keli Freitas ist eine autobiografische Arbeit, die nicht rückwärts blickt, um Antworten zu finden, sondern vorwärts, um Lücken sichtbar zu machen.
EN At 77, Ana Gigi from Cape Verde takes the stage as an actress for the first time in Lisbon. At her side is Keli Freitas from Brazil. She is an immigrant to Portugal and works as an artist. Both women present themselves as chroniclers of their respective origins in this show. In Freitas’ search for the traces of her Portuguese-Brazilian family history, the young artist initiated both personally and politically motivated research on current issues of belonging and citizenship. The experience is a show spanning four generations, as profound as it is sensitive, about closeness, memory – and about the right to be there.
Keli Freitas is an author by profession. Provocatively, her piece shares a title with an international reality TV
show. It addresses controversial topics such as escape, migration, foreignness, and homelessness.
These are precisely the topics which motivate Keli Freitas’s investigation into her family history. Because migration between Portugal and Brazil is an historically evolving movement, precisely these topics appear in an entirely new light in this show. Here, migration is a story of community-building. This extraordinary personal encounter turns into an experience for all on stage. Origin is not pegged, but rather tentatively questioned. Who decides where someone belongs? Go Back to Where You Came From by Keli Freitas is an autobiographical work that does not look back to find answers, it looks forward to make gaps visible.
Ivo Dimchev
DE Im Atomino verwandelt Ivo Dimchev Johann Strauss‘ Walzer in eine kollektive Eskalation. Mitmachen!
EN At Atomino, Ivo Dimchev turns Johann Strauss’ waltzes into a collective escalation. Join in!
DE Der Choreograf, Singer-Songwriter und Queer-Aktivist Ivo Dimchev bringt in seinen Performances Hoch- und Subkultur, Pop und Balkanfolklore zusammen. In DI/Strauss technique verwandelt er das rauschhafte Potenzial der Musik von Johann Strauss in ein schweißtreibend-musikalisches
Workout mit dem Publikum. Ausgehend von der Musik des Walzerkönigs kreiert Dimchev eigene Healing Songs, mit denen er verschiedene Körperteile beschwört.
Dass der Abend wie eine gut organisierte Eskalation funktioniert, hängt vom Publikum ab. Eingeladen zu kollektiver Bewegung, haben die Zuschauer:innen auch Gelegenheit zu Austausch und Abbau von Hemmungen: Stimmen werden lauter, Bewegungen größer, Scheu immer kleiner. Es wird miteinander gesprochen. In die tanzend-singende Masse platziert Dimchev Themen wie Selbstliebe, Geldsorgen, sexuelle Selbstbestimmung oder emotionale Überforderung, um darauf sofort selbst in göttlicher Absurdität künstlerisch zu reagieren. Nie mit erhobenem Zeigefinger. Sie werden weggesungen, weggelacht, weggewalzt. DI/Strauss technique ist vor allem das: ein Gemeinschaftserlebnis. Eine temporäre Gesellschaft, die sich für einen Abend erlaubt, unperfekt zu sein. Operette trifft Club, Chorprobe trifft Tanzfläche. Wer reinkommt, geht selten unverändert wieder raus. Kein Lehrstück. Kein Wohlfühlversprechen. Sondern ein kollektives Durchdrehen mit System. Ein Walzer, der aus dem Ruder läuft.
EN Choreographer, singer-songwriter, and queer activist Ivo Dimchev brings together in his performances high culture and subculture, pop and Balkan folklore. In DI/Strauss technique, he transforms the intoxicating potential of Johann Strauss’s music into a sweat-inducing musical workout with the audience. Based on the music of the Waltz King, Dimchev creates his own ‘Healing Songs’, with which he evokes different parts of the body.
Whether or not the evening functions as a well-organised escalation depends on the audience. Spectators are invited to participate in collective movements and also have the opportunity to exchange ideas and break down inhibitions; voices become louder, movements grander, and reticence smaller. People talk to one another. Dimchev scatters themes such as selflove, money troubles, sexual self-determination, or emotional overload into the dancing and singing crowd, only to offer an immediate artistic response with divine absurdity – never with a raised finger. They are sung away, laughed away, waltzed away.
DI/Strauss technique is first and foremost a communal experience, a temporary society that allows itself to be imperfect for one evening. Operetta meets nightclub, choir rehearsal meets dance floor. Rarely does anyone leave unchanged. There is no didactic lesson, no feel-good promise. Instead, Dimchev offers a methodical, collective freakout. A waltz that spins out of control.
Atomino
Do 25.06. 21:15 – 22:35
Fr 26.06. 19:00 – 20:20
DEUTSCHLANDPREMIERE
Performance
In englischer Sprache ohne Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Atomino statt.
20 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Zutritt zu DI/Strauss technique erhalten nur Personen ab 18 Jahren.
Text, Choreografie, Performance Ivo Dimchev
Musik
Ivo Dimchev & Johann Strauss
Produktion Wiener Festwochen
Spinnbau Große Bühne
Fr 26.06. + Sa 27.06.
19:00 – 20:50
EUROPAPREMIERE
Performance
In Englisch, Tamil und Sinhala mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer der Großen Bühne im Spinnbau.
Am 26.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch auf der Großen Bühne im Spinnbau statt.
18 – 30 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Von und mit Akalanka Prabashwara, Anjana Premawardena, Bhanuka Ekanayake, Chathuranga Thilakarathna, Duminda Sandaruwan, Mashika Methmini, Murthaaz Abdul Barry, Nipuni Sharada, Oshada Kumarikkanda, Pathum Dharmarathna, Samuel Sundaralingam, Sasindu Randeepa, Shashini Don Pawulu, Sudeera Chinthaka, Sanjeewa Upendra, Pia Hatch, Shenali Williams
Text & Regie
Ruwanthie de Chickera
Musik
Ranil Goonawardene mit Palitha Abeyrathne
Bühne
Jayampathi Guruge
Lichtdesign
Niransha Akalanka
Unterstützt durch Esufally Foundation, Sunethra Bandaranaike Trust, Deva Surya Sena Center, United Science Organization, ICES, CALOSH
Stages Theatre Group
DE Sieben Jahrzehnte
Sri Lanka: Bildgewaltiges Schauspiel um Macht, Gewalt und Hoffnung in einem Geschichtsmosaik voller Körperlichkeit.
EN Seven decades of Sri Lanka. A visually stunning spectacle about power, violence, and hope in an embodied, historical mosaic.
EN 1948: Unabhängigkeit für Ceylon, das heutige Sri Lanka. Ein neues Land, ein neues Wir, ein neues Versprechen. Aber niemand weiß zu diesem Zeitpunkt so genau, was dieses neue „Wir“ eigentlich meint. Seit dem Ende des britischen Kolonialreichs besteht Sri Lanka nunmehr 70 Jahre als unabhängiger Staat. In etwas freier Übersetzung des Titels: „Ganz ehrlich, liebe Kinder ...“ beginnt eine Rückschau, deren besondere dramatische Qualität eine Verunsicherung ist. Stages Theatre Group, die seit 25 Jahren mit künstlerischen Aktionen, ungewöhnlichen Formaten und in stets wechselnden Konstellationen arbeitet, bringt in dieser Inszenierung Stimmen zu Gehör, die sich erinnern, ohne sich einig zu sein: Momente, die größer werden als sie zunächst scheinen. Sieben Szenen, sieben Jahrzehnte. Keine lineare Erzählung, sondern eine Abfolge von Situationen, in denen sich Macht verschiebt, Zugehörigkeit neu verteilt und Gewalt langsam normalisiert wird. Statt historischer Erklärung liefert der Theaterabend ein für europäische Zuschauer:innen aufregend unbekann -
tes Mosaik aus Momenten, Bildern und körperlichen Zuständen in einer weitgehend ungewohnten Bildsprache: Ein Bus, der zunächst alle mitnimmt und am Ende nur noch wenige. Ein Tanz, der aus jugendlicher Energie entsteht und in blanke Zerstörung kippt. Und schließlich eine weibliche Stimme, alt und müde, die von Vertreibung erzählt, als gehöre sie zum Alltag.
Das energetische und aus unterschiedlichen Talenten zusammengesetzte Ensemble ist dabei Motor und Gedächtnis zugleich. Wortkaskaden verdichten historische Einschnitte, die sich in körperliche Bilderwelten verwandeln, dabei nicht illustrieren, sondern aufeinander reagieren. Die Bühne ist ein beweglicher Ort, wandelbar, immer bereit, in eine neue Realität zu kippen. Szenen entstehen und zerfallen schnell, manchmal brutal. Humor blitzt auf, um sofort wieder zu verschwinden. Hoffnung wird sichtbar, ist aber nie sicher.
Dear Children, Sincerely… 7 Decades of Sri Lanka erzählt Sri Lankas Geschichte nicht aus einer Distanz. Die Künstler:innen lassen uns diese miterleben, aus ihrer Mitte heraus.
EN 1948: Independence for Ceylon, now known as Sri Lanka – a new country, a new ‘we’, a new promise. But at this point, no one knows exactly what this new ‘we’ actually signifies. Sri Lanka has been in existence as an independent state for 70 years – since the end of the British colonial empire.
Dear Children, Sincerely… 7 Decades of Sri Lanka sets off a retrospective whose particular dramatic quality is one of uncertainty. For 25 years, Stages Theatre Group has worked with artistic actions, unusual formats, and ever-changing constellations, bringing to life voices that remember without agreeing; moments that become greater than they initially seem.
Seven scenes, seven decades. There is no linear narrative, but rather a sequence of situations in which power shifts, belonging is redistributed, and violence slowly becomes normalised. In place of historical explanation, European audiences encounter a thrillingly novel mosaic of moments, images, and physical states in a largely unfamiliar visual language: a bus that at first takes
everyone aboard, and in the end only a few remain. A dance that arises from youthful energy and tips over into sheer destruction. And finally, a female voice, old and tired, telling of displacement as if it had long since become part of her daily reality.
The energetic ensemble, which comprises a wide variety of talents, is both the driving force and the memory itself. Cascades of words compress historical turning points, transforming them into physical imagery – not as illustration but rather in reaction to one another. The stage is a mobile place, changeable, always ready to tip over into a new reality. Scenes arise and disintegrate quickly, at times violently. Humour flashes up, only to disappear again straight away. Hope becomes visible, but is never certain.
Dear Children, Sincerely… 7 Decades of Sri Lanka does not tell Sri Lanka’s story from a distance. The artists invite audiences to experience it from within.
DE Man stelle sich eine Welt ohne Theater vor.
Falls wir das nicht schon wieder vergessen haben. Während der COVID19-Pandemie fanden wir heraus, dass die Welt auch ohne Theater, ja sogar ohne Kunst, fortbestehen könnte. Jetzt, in einer Zeit wachsender Unruhen, in der frühere Erfahrungen ihre Gültigkeit verlieren, stehen alle Werte auf dem Prüfstand. Wie bewerten wir das Theater neu?
Der Philosoph Byung-Chul Han merkt in „Die Krise der Narration“ an, dass Informationen die Welt ordnen. „Der digitale Bildschirm hat das Lagerfeuer ersetzt […].“ Das Theater muss dieses Lagerfeuer sein, ein unbeschreibliches, fesselndes Live-Erlebnis, das die Seele ergreift – keine Ansammlung erklärbarer Informationen. Jenes gelobte Land der Erzählung ist noch nicht vollständig verdrängt worden. Das Theater von heute wird weder von sogenannten Meister:innen noch von Genies beansprucht, um wichtige „Botschaften“ zu offenbaren und zu vermitteln, noch lässt sich das zeitgenössische Theater rund um den Globus unter dem Begriff „postdramatisches Theater“ einordnen. Welche Transformation erfährt dieses uralte Medium? Im vergangenen Jahr habe ich versucht, dringliche und unerwartete Ausdrucksformen zu entdecken. Ich betrat jedes Theater mit Fragen und Erwartungen und pflegte den Dialog mit einigen der Macher:innen. Drei neue Arbeiten werden gezeigt – Arbeiten, die sich nicht leicht in Kategorien einordnen lassen. Ihre stark abweichenden Narrative und Erzählsprachen übersteigen mein bisheriges Verständnis dessen, was Theater sein kann. Was bedeutet Theater heute und wo bewegt es sich hin? Diese Arbeiten bieten uns vielleicht einen flüchtigen Blick darauf, was uns erwartet.
KUSTE von Mayunkiki+ ist eine Geschichte, gewebt aus Worten, Songs, Klängen, Licht und Schatten. Kuste ist ein transitives Verb in Ainu. Es bedeutet „etwas hindurchführen“ bzw. „etwas durch einen Ort hindurchgehen lassen“. Ahn:innen und Nachfahr:innen kommen im Theater zusammen, und wir, die außerhalb ihrer Erinnerungen und Lebensumstände stehen, werden auf unerklärliche Weise hineingezogen und finden uns in Momenten plötzlicher Klarheit mitten in den inneren Welten der Schöpfer:innen wieder.
Jeong Seyoungs neueste Arbeit „Except That You Cannot See Me“ zeigt einen unsichtbaren Protagonisten, der an einer degenerativen Erkrankung – dem sogenannten „Transparenzsyndrom“ – leidet. Die Arbeit setzt sich mit dem visuellen Instrumentarium des Theaters auseinander. Sie lädt das Publikum ein, sich dem Unsichtbaren anzunähern – es zu fühlen, zu imaginieren und zu verhandeln. Indem Seyoung auf die grundlegenden Konzepte von Mimesis und Diegesis aus der antiken griechischen Poetik zurückgreift, entwirft er eine eigenständige Vision von Theater.
Das Paper Tiger Theater Studio hat sich für seine Arbeit Luftmasse von Alfred Döblins Roman „Berge Meere und Giganten“ (1924) inspirieren lassen. Das Buch entstand zwischen den beiden Weltkriegen und prophezeit auf gespenstische Weise unsere heutigen Krisen: Klimakrise, Pandemie und Wirtschaftskrise. Vor dem Hintergrund eines Krieges zwischen Europa und Asien überführt eine afrikanische Diaspora mit gemischtem ethnischen Hintergrund europäische Geflüchtete nach Grönland. Diese Visionen lesen
sich wie Parabeln auf unsere Gegenwart. Nach ihrem Umzug nach Berlin im Jahr 2019 etablierten Paper Tiger ihre Praxis eines Theaters zwischen den Welten, das sich außerhalb starrer kultureller Identitäten bewegt. Aus dieser Außenperspektive auf Europa heraus entschlüsseln sie Döblins Geheimnis. Freuen Sie sich auf diese Weltpremiere beim Festival.
Theater der Welt reagiert aktiv auf tiefgreifende Verschiebungen in der Zeit nach der Pandemie. Diese Ausgabe wurde erstmals von neun internationalen Kurator:innen gemeinsam kuratiert. Neun Individuen, neun unterschiedliche Auffassungen von Theater – jeweils in ihren eigenen Lebensrealitäten verwurzelt doch in vielfältigen kulturellen Kontexten daran beteiligt, das jeweils „Andere“, wechselseitig hervorzubringen. Es ist eine große Ehre, ein Teil davon zu sein und erleben zu dürfen, wie sich die Welt wie ein Kaleidoskop entfaltet.
Zwischen dem Kulturhauptstadtjahr 2025 und der Ausrichtung von Theater der Welt ein Jahr später hat auch die Stadt Chemnitz einen Wandel durchlaufen. Die Förderung kultureller und künstlerischer Initiativen belebt das einstige Karl-Marx-Stadt neu. Wir haben Chemnitz in zwei schneereichen Wintern besucht und ihre Wärme sowie eine spürbare Aufbruchsstimmung selbst erlebt. Jetzt, in diesem Sommer, werden sich Theater und Theatermacher:innen aus der ganzen Welt hier versammeln.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen, um das Theater neu zu denken.
EN Imagine a world without theatre.
If we have not yet forgotten. During the crisis of the COVID-19 pandemic, we realised the world could carry on without theatre, even without art. Now in an era of escalating turbulence, when past experience seems obsolete, all values demand re-evaluation. How do we evaluate theatre?
The philosopher Byung-Chul Han in ‘Die Krise der Narration’ (The Crisis of Narration), notes that ‘information ‘stellt’ (adjust) the world… the digital screen has replaced the hearth…’ Theatre ought to be a hearth, the ineffable, captivating presence of live experience capable of seizing the soul — not a collection of explicable information. This promised land of ‘Erzählen’ (narration), has not yet been fully supplanted. But today’s theatre is no longer tasked to so-called masters or geniuses for transmitting or revealing important ‘messages’; nor can contemporary theatre around the world be captured under the single category of ‘post-dramatic theatre’. What transformation is this ancient medium undergoing?
Over the past year, I attempted to discover urgent and unforeseen expressions by entering theatres with questions and expectations, and engaging in dialogue with some of the creators. Three new works that defy easy categorisation will be presented. Their vastly divergent narratives and narrative languages surpass my previous understanding of what theatre can be. What does theatre mean today, and where is it heading? These works may offer us a glimpse of what’s to come.
Mayunkiki+’s ‘KUSTE’ is a story woven through words, songs, sounds, light, and shadow. ‘Kuste’ is a transitive verb in the Ainu language, meaning‘ to make (something) pass through (a place)’. Ancestors and descendants meet in the theatre, and we, situated outside their memories and circum -
stances, find ourselves inexplicably drawn in — arriving, in moments of sudden clarity, at the inner world of the creators.
How does theatre work? This is the question that has always preoccupied Jeong Seyoung. ‘Except That You Cannot See Me’ presents an invisible protagonist afflicted with a degenerative condition called ‘transparency syndrome’. Through an inquiry into theatre’s visual apparatus, it invites the audience to sense, imagine, and negotiate what cannot be seen. By visiting the foundational concepts of ‘mimesis’ and ‘diegesis’ from ancient Greek poetics, Seyoung proposes a distinct vision for theatre.
Paper Tiger Theater Studio’s ’Luftmasse’ (Air-Being) draws inspiration from Alfred Döblin’s novel ‘Mountains Oceans Giants’ (1924). Written between two world wars, it eerily prophesies our turbulent reality: climate crisis, pandemic, economic depression. Following a war between Europe and Asia, a mixed-race African diaspora leads European refugees to Greenland. These visions read as parables for our present. After relocating to Berlin in 2019, Paper Tiger initiated its ‘Theatre Between Worlds’ practice which steps outside fixed cultural identities. It is through this external perspective on Europe that they uncover Döblin’s secret. Look forward to its world premiere at the festival.
Theater der Welt actively responds to seismic shifts post-pandemic. This edition is unprecedentedly co-curated by nine curators from across the globe. Nine individuals, nine ways of understanding theatre — each grounded in their own reality, yet mutually constituting ‘the other’ within plural cultural contexts. It is such a great honour to be part of this and to witness the world unfold like a kaleidoscope.
Going from last year’s European Capital of Culture to hosting Theater der Welt this year, the city of Chemnitz is also undergoing a transformation. Proliferating culture and art initiatives are rejuvenating the former Karl-MarxStadt. We visited during two snowy winters, gleaning firsthand its warmth and anticipation. Now, this summer, companies and theatre-makers from across the world will gather here.
DE ZHANG Yuan ist Kurator für Performances und lebt in Shanghai, China. Er war als Kurator für darstellende Kunst am Ming Contemporary Art Museum sowie als Theaterproduzent am Shanghai Dramatic Arts Center tätig. Er ist Mitbegründer des ersten Niao Niao Festivals als auch des ACT Asia Contemporary Theatre Festival.
Weitere Informationen: theaterderwelt.de/ueber-uns
EN ZHANG Yuan is a performing arts curator based in Shanghai, China. Apart from having served as curator at Ming Contemporary Art Museum and as producer at Shanghai Dramatic Arts Center, he is also a founding member of the Asia Contemporary Theatre Festival (ACT) and the inaugural Niao Niao Festival, a platform for independent performance makers.
Further information: theaterderwelt.de/ueber-uns
teatru-spă l ătorie
EN Concert as archive. Voices, beats, and loops make Moldova’s fragmented history heard and seen. Spinnbau Halle 5
Fr 26.06. 19:30 – 21:10
Musiktheater
In rumänischer und russischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung
30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer des Ostflügels im Spinnbau.
20 € 35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Im Anschluss an die Vorstellung wird Nicoleta Esinencu mit dem Preis des Internationalen Theaterinstituts ausgezeichnet. Weitere Informationen auf Seite 54
DE Ein Konzert als Archiv: Stimmen, Beats und Loops lassen Moldaus fragmentierte Geschichte hörbar und sichtbar werden.
Swiss Agency for Development and Cooperation in Moldova, Internationales TheaterinstitutZentrum Deutschland
DE In Memory Distortion. MIXTAPE läuft die Geschichte als Schleife. Nicht immer vorwärts. Sie springt. Wiederholt sich. Hakt. Sie ist etwas, das immer wieder abgespielt, überspielt, gelöscht und neu aufgenommen wird. So wie auch Erinnerungen, auf die der Titel mit dem psychologischen Fachbegriff Gedächtnisverzerrung anspielt. Memory Distortion. MIXTAPE ist ein Konzert, ein Archiv, eine Versuchsanordnung. Die Inszenierung produziert Musik, die im Moment entsteht wie Gedanken. Stimmen werden gesampelt, geloopt, verzerrt, überschrieben. Regisseurin, Autorin und Performerin Nicoleta Esinencu, Trägerin des ITI-Preises des Jahres 2026, stammt aus Moldau. Das kleine Land mit rumänischer und sowjetischer Vergangenheit und unklarer Zukunft scheint eingeklemmt zwischen West- und Osteuropa.
Ihre Performance aus Beats, Video, Texten und Akustik schöpft aus diesem Kontext: Vom kolonialisierten Land über den sozialistischen Staat zur neoliberalen Demokratie stürzt es von einem politischen Bündnis ins nächste. Diese Übergänge hinterlassen Spuren, aber selten Denkmäler. Viele Geschichten haben nie Eingang in die Schulbücher gefunden. Sie existieren als Fragmente, als private Erinnerungen, als Geräusche. Memory Distortion. MIXTAPE macht diesen Zustand hörbar. Politische Reden verwandeln sich in Atmosphäre, Parolen in Rauschen. Wiederholung wird zur Geste. Nicht als Nostalgie, sondern als Widerstand gegen das Vergessen. Wer entscheidet, was archiviert wird? Was bleiben darf? Was überschrieben wird? Ein Werk, konfrontativ, konzentriert, interdisziplinär zwischen Konzert, Soundperformance und Theater.
EN In Memory Distortion. MIXTAPE , the story runs in a loop, though not always forwards. It jumps. Repeats itself. Gets stuck. Like something that is played over and over again; recorded over, deleted, and re-recorded. Just like memories, a phenomenon that the titular psychological term alludes to. Memory Distortion. MIXTAPE is a concert, an archive, an experimental arrangement. The production creates music that arises in the moment, like thoughts. Voices are sampled, looped, distorted, overwritten.
Winner of the 2026 ITI Prize, director, author, and performer Nicoleta Esinencu comes from Moldova. This small country has both a Romanian and Soviet past and an unclear future, wedged as it seems to be between Western and Eastern Europe. Esinencu’s performance of beats, video, texts, and acoustics draws on this context: From a colonised country to a socialist state to a neoliberal democracy, it plunges from one political alliance into the next. These transitions leave traces, but rarely monuments. Many stories have never found their way into school textbooks. They exist as fragments, as private memories, as sounds. Memory Distortion. MIXTAPE makes this state audible.
Political speeches are transformed into atmosphere, slogans into noise. Repetition becomes gesture. Not as nostalgia, but as resistance against forgetting. Who decides what is archived? What is allowed to remain? What is overwritten? A work that is confrontational, condensed, interdisciplinary, and somewhere between concert, sound performance, and theatre.
Mit
Artiom Zavadovsky, Doriana Talmazan, Kira Semionov
Von Artiom Zavadovsky, Doriana Talmazan, Nicoleta Esinencu, Kira Semionov, Nora Dorogan
aRANYA THEATRE
DE Gesang, Rhythmus und Geschichten: Ein beliebtes indisches Musiktheaterstück beleuchtet das Leben des Sufi-Dichters Amir Khusrau aus der indischen Sultanszeit.
EN Song, rhythm, and story. A popular musical theatre piece from India illuminates the life of Sufi poet Amir Khusrau during the Indian Sultanate era.
DE Das Musical JO DOOBA SO PAAR, hinreißend präsentiert von einem Ensemble aus Mumbai, erzählt die Geschichte des berühmten Dichters und Musikers Amir Khusrau. Er lebte im 13. Jahrhundert in der indischen Sultanszeit und schrieb Lieder, Geschichten und Gedichte. JO DOOBA SO PAAR heißt einer seiner berühmten Verse, auf Deutsch übersetzt „Wer eintaucht in die Liebe, kommt an das andere Ufer“. Bemerkenswert an diesem Abend ist nicht nur sein selten zu erfahrender Inhalt, sondern auch die Form der Aufführung im traditionellen Stil der Urdu-Erzählkunst, die man als Dastangoi bezeichnet. Diese Kunstform des Vortrages von Text und Musik, die im 13. Jahrhundert auf dem indischen Subkontinent entstand, erlebt seit den Zweitausenderjahren eine popkulturelle Renaissance im modernen Indien. Magie, Abenteuer und auch Romantik, alles ist dabei.
Die Aufführung besteht aus Geschichten, Liedern und Momenten, die Khusrau umkreisen. Sein Werk und Leben werden als Wandel zwischen verschiedenen Welten behandelt. Als Schüler des Sufi-Meisters Nizamuddin Auliya lebte er im 13. Jahrhundert zwischen Sultanshof und Kloster, zwischen Macht und Rückzug, zwischen Sprache und Gesang. Seine Lieder, Gedichte und Geschichten, niedergeschrieben in Farsi, sind voller Poesie, durchdrungen von menschlicher Aufrichtigkeit.
Was erzählt uns das heute? Der Aufführung gelingt es, die Haltung Khusraus in die Gegenwart zu transportieren: Liebe als Lebensgrundlage, Musik und Erzählung als Elemente von Verbindung.
Entnommen dem traditionellen Vortragsstil, leiten zwei Erzähler durch die Geschichte. Mohit Agarwal und Ajitesh Gupta bestimmen durch ihren rasanten Erzählerwechsel den Rhythmus des Abends. Text und Musik für das Musical haben sie selbst geschrieben. Die Produktion aus Mumbai hat die größten indischen Festivals besucht und ist nun erstmals in Europa zu erleben.
EN The musical JO DOOBA SO PAAR, by an enchanting ensemble from Mumbai, tells the story of the famous poet and musician, Amir Khusrau. He lived in the 13th century in the Delhi Sultanate and wrote songs, stories, and poems. JO DOOBA SO PAAR was one of his famous couplets, meaning: ‘Those who drown in love, make it to the other side of the river.’ Remarkable about this show is not only its scarcely available content, but also the traditional style of Urdu storytelling known as Dastangoi. This artform of textual and musical recitation goes back to the 13th century on the Indian subcontinent and has been enjoying a pop-culture renaissance in modern India. Magic, adventure, romanticism –it has it all.
Spinnbau Festivalzentrum
Fr 26.06. + Sa 27.06. 21:30 – 23:30
EUROPAPREMIERE
Musiktheater
In Urdu, Hindi, Persisch und Englisch mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer der Großen Bühne im Spinnbau.
Eintritt frei
The performance consists of stories, songs, and moments revolving around Khusrau. His work and life are treated as a fluctuation between various worlds. A student of the Sufi master, Nizamuddin Auliya, he lived in the 13th century between the sultan’s palace and the monastery, between power and withdrawal, between language and song. His songs, poems, and stories, set down in Farsi, are full of lyricism and imbued with human candour.
What does this tell us today? The performance succeeds in transporting Khusrau’s attitude into the present: love as life’s foundation, music and storytelling as modes of connection.
As per the traditional style, two narrators take the audience through the story. Quick-switching narrator roles, Mohit Agarwal and Ajitesh Gupta are the beat of the show. They wrote the words and music for this piece themselves. This production from Mumbai has played the largest festivals in India and is having its European premiere in Chemnitz.
In tschechischer Sprache mit deutscher und ukrainischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Foyer statt.
Am 27.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch im Foyer des Opernhauses statt.
14 – 39 € 35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Mit
Táňa Malíková, Gabriela Míčová, Stanislav Majer, Václav Marhold, Martin Pechlát
Autorin
Sofia Andruchowytsch
Übersetzung ins Tschechische Petr Ch. Kalina
Theaterfassung, Regie, Bühnenbild Dušan David Pařízek
Kostüm
Kamila Polívková
Mitarbeit Bühne, Kostüm
Magdaléna Vrábová
Musik, Video
Peter Fasching
Dramaturgie
Klára Metge
Producers
Lenka Havlíková, Kryštof Koláček
Produktion
Gabriela Kolečková, Petra Kupcová
Koproduktion
Theater Divadlo X10, Prag, Festival THEATER DER WELT Chemnitz 2026, Theatre World Brno
Unterstützt durch Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds
Divadlo X10 Prag
DE Drei berührende Frauenschicksale, ein Jahrhundert Geschichte der Ukraine: Die epochale Roman-Trilogie von Sofia Andruchowytsch auf der Bühne.
EN The touching destinies of three women. A century of Ukrainian history in the epic trilogy by Sofia Andrukhovych on stage.
DE Sofia Andruchowytsch – eine der prägnantesten Stimmen der jungen ukrainischen Literatur – schuf mit AMADOKA eine epochale Roman-Trilogie. Der tschechische Regisseur Dušan David Pařízek bringt diese mit seinem herausragenden Ensemble Prager Schauspieler:innen auf die Bühne. Romana, Uljana und Sofia sind die Heldinnen der Geschichte. Jeder ist einzeln ein Roman gewidmet. Die Trilogie verwebt deren persönliche Schicksale miteinander und spannt den Bogen über ein ganzes Jahrhundert ukrainischer Geschichte.
AMADOKA ist bei Herodot ein See in Europa, mehrere Jahrhunderte lang verzeichnet in antiken und mittelalterlichen Karten, auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Er ist spurlos verschwunden. Aber wie verschwinden Seen, Welten, Kulturen?
Angetrieben von der Grausamkeit des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, sucht die Inszenierung nach einer Erzählung, wie systematische Auslöschung von Sein und Erinnerung wirkt. Erinnerung ist in AMADOKA ein brüchiger Zustand. Sie kann verschwinden, manipuliert werden, sich verschieben, aber vor allem bleibt sie immer wirksam.
Der Theaterabend entwirft eine Denk- und Gefühlsstruktur. Szenen lösen einander nicht logisch ab, sondern überlagern sich. Zeiten kippen ineinander, Figuren erscheinen als Träger von Erinnerungen, sie sind fluid und keine abgeschlossenen Charaktere. Das Theater erschließt die Trilogie in einer neuen Dimension. Sprache, Musik und Körperarbeit erzeugen einen Raum, in dem Erinnerung immer wieder neu zusammengesetzt wird und erneut zerfällt.
Die Fragen, die Sofia Andruchowytsch stellt, sind keine psychologischen, sondern politische: Was bleibt von einem Menschen, wenn ihm Geschichte genommen wird?
Dušan David Pařízek, bekannt für seine Theaterarbeiten in Hamburg, Wien und Zürich, inszeniert diesen Stoff bewusst in seiner Heimat.
Mit dieser Koproduktion findet die im Kulturhauptstadtjahr 2025 begonnene Zusammenarbeit mit zahlreichen Partner:innen in der Tschechischen Republik ihre Fortsetzung.
Das Ukraine-Haus Chemnitz e. V. lädt zu den Vorstellungszeiten zu Kulinarik und Musik auf den Theaterplatz ein.
EN Sofia Andruchowytsch – one of the most distinctive voices among Ukrainian literary writers – created an epochal trilogy of novels with her work AMADOKA. Czech director Dušan David Pařízek brings it to the stage with his outstanding ensemble of Praguebased actors.
Romana, Uljana, and Sofia are the heroines of the story. Each has a novel dedicated to her. The trilogy weaves their personal fates together and spans an entire century of Ukrainian history.
AMADOKA is a lake in Europe recorded by Herodotus, charted for several centuries in ancient and medieval maps, and located in what is now Ukraine. It has disappeared without a trace. But how do lakes, worlds, and cultures disappear?
Driven by the cruelty of Russia’s war of aggression against Ukraine, the production seeks to tell a story about the effects of the systematic erasure of being and memory. In AMADOKA, memory is a fragile state. It can disappear, shift, be manipulated, but first and foremost, it always remains effective.
The performance creates a structure of thought and emotion. Scenes do not follow each other logically, but rather overlap. Times merge into one another, characters appear as bearers of memories – they are fluid and not self-contained. The theatre opens up the trilogy in a new
dimension. Language, music, and bodywork create a space in which memory is constantly reassembled and only to disintegrate again.
The questions Sofia Andruchowytsch asks are not psychological, but rather political: what remains of a person when their history is taken away? Dušan David Pařízek, known for his theatre works in Hamburg, Vienna, and Zurich, deliberately stages this material in his homeland.
This co-production continues the collaboration with numerous partners in the Czech Republic that began in the European Capital of Culture year 2025.
The Ukraine-Haus Chemnitz e.V. invites you to enjoy culinary delights and music on Theaterplatz during performance hours.
DE Während ich dieses Programm entwickelte, hatte ich drei Aufgaben: potenzielle Festivalbeiträge zu suchen, zu sichten und vorzuschlagen. Geografie und Migration sind ein essentieller Bestandteil von Theater der Welt, einem Festival, das Theaterproduktionen aus allen Teilen der Welt in einer deutschen Stadt zusammenbringt. Die Welt ist weit und unüberschaubar. Die Stadt Chemnitz ist konkret. Sie hat festgelegte Grenzen. Meine erste Aufgabe: die Suche. Ich begegne den Arbeiten anderer afrikanischer Kolleg:innen häufiger in Europa oder den Vereinigten Staaten als auf dem Kontinent, den ich meine Heimat nenne. Die globale Ökonomie bedingt diese Situation. Im Jahr 2025 besuchte ich mehr Theaterprojekte aus unterschiedlichen afrikanischen Ländern und auf afrikanischem Boden als in meinem gesamten bisherigen Leben. Es ist wichtig, diese Realität anzuerkennen. In meinem Kontext findet man Theater durch Mundpropaganda, entweder über soziale Medien oder durch persönliche Begegnungen. Es ist das eigene Netzwerk, das einen schließlich zu den jeweiligen Spielstätten bringt. Dort angekommen, wurde ich zur Beobachterin.
Bei meiner Suche haben mich vor allem die Dimensionen interessiert: Wie wäre es, eine Geschichte zu haben, die sich ihren Raum nimmt? Geschichten, die nicht wirtschaftlich denken. Geschichten, die sich nicht einfach in einen Koffer packen und über den Ozean fliegen lassen. Am anderen Ende der Dimensionen standen sehr spezifische Geschichten, Geschichten über die feinen Details des alltäglichen Lebens. Abermals haben mich jene Geschichten fasziniert, die nicht besonders reisetauglich waren, weil sie einem Ort, einer Sprache oder einem bestimmten Stil treu bleiben wollten. Das Programm, das Sie jetzt vor sich haben, bündelt diese Impulse, die daraus entstandenen Gespräche und die Wirklichkeiten, mit denen wir konfrontiert waren.
Dieses Programm ist eine Antwort auf die unmittelbare Gegenwart. Es ist kein Fixpunkt, eher ein Pendel, das zwischen ideologisch und materiell hin- und herschwingt. Sein Entstehungsprozess bedeutete, die Spannung zu halten, damit sich die einzelnen Positionen im Austausch miteinander bewegen und verändern können. Wir möchten Sie einladen, diese Spannung mit uns zu halten.
EN In the process of creating this programme I was called to do three things: to seek, to witness, and to present potential invites to the festival. Geography and migration are fundamental to the Theater der Welt project which brings theatre from all over the world to a single German city. The world is expansive and uncertain. The city, Chemnitz, is specific. It has prescribed boundaries. The first mandate: seek. I am more accustomed to encountering work from other African colleagues when in Europe or the United States than on the continent I call home. The global economy necessitates this arrangement. In 2025 I was witness to more live theatre performances from different African countries – and on African soil – than I have ever seen in my life. This reality is important to acknowledge. In my context, theatre is found through word of mouth either through social media posts or physical interaction. It is your network that will eventually lead you to the performance grounds. Once there, I became a witness.
In my search I was interested in exploring scale. What would it be like to have a story that took up space?
Stories that did not consider economy. Stories that could not easily be held between suitcases and flown across the sea. On the other end of the scale were stories concerned with specificity, and the granular details of everyday life. Again, I was drawn to the stories that are not usually considered suitable for travel because of their insistence on place, or language, or style. The programme before you is a culmination of these impulses, the conversations they inspired, and the realities set before us.
This programme is born from a response to the current moment. It is not a fixed point but a pendulum that swings between the ideological and the material. The process of creating it has meant holding the tension so that positions are able to shift and change in response to each other. We invite you to hold that tension with us.
Faye Kabali-Kagwa
DE Faye Kabali-Kagwa lebt und arbeitet in Kapstadt, Südafrika. Fast ein Jahrzehnt lang war sie bei ASSITEJ South Africa tätig und leitete dort Projekte im Bereich Theater für Kinder und junges Publikum. Heute arbeitet Faye als Kuratorin und Creative Producer.
Weitere Informationen: theaterderwelt.de/ueber-uns
EN Faye Kabali-Kagwa lives and works in Cape Town, South Africa. She worked for ASSITEJ South Africa for nearly a decade leading projects in theatre for children and young people. Faye now works as a curator and creative producer.
Further information: theaterderwelt.de/ueber-uns
Spinnbau Ostflügel
Sa 27.06. 18:00 – 18:45
So 28.06. 20:00 – 20:45
DEUTSCHLANDPREMIERE
Sprechtheater
In arabischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer des Ostflügels im Spinnbau.
Am 27.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch im Ostflügel im Spinnbau statt.
20 € 35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Mit Ramsi Lehner, Nanda Mohammad
Regie, Text
Ahmed El Attar
Musik Hassan Khan
Bühne, Kostüm
Hussein Baydoun
Lichtdesign
Charlie Aström
Producer Henri jules Julien
Produktion Orient productions
Unterstützt durch
Tamasi performing arts collective, La Filature, scène nationale – Mulhouse
Ahmed El Attar
DE Zwei Körper auf einem Nagelbrett sprechen über Angst, Stillstand und Sehnsucht im Ägypten vor der Revolution von 2011.
DE Die 18 Tage anhaltenden Demonstrationen und blutigen Auseinandersetzungen auf dem Tahrir-Platz in Kairo im Jahr 2011 sind als ägyptischer Teil des „Arabischen Frühlings“ in die Weltgeschichte eingegangen. Die Kunst- und Kulturszene Ägyptens arbeitet heute, als hätten diese Ereignisse nie stattgefunden: Einzig harmlose Unterhaltungsformate und Seifenopern sind gefragt.
In Before the Revolution beschäftigt sich der ägyptische Regisseur und Autor Ahmed El Attar nicht mit den Auslösern des Umsturzes von 2011. Er gibt vielmehr einen tiefen Einblick in die Gemütslage der Nation vor diesem eruptiven Moment. El Attar macht die gesamtgesellschaftliche Stagnation
EN Two bodies on a bed of nails discuss fear, standstill, and desire in Egypt before the 2011 revolution.
spürbar, die eine ungeheure Sehnsucht nach Veränderung zur Folge hatte. Er macht auch deutlich, dass in der ägyptischen Gesellschaft bisher noch keine ausreichende Verständigung darüber stattgefunden hat, wie diese Veränderungen nachhaltig gestaltet werden sollen.
Zurückhaltend und dennoch impulsiv verarbeitet er Ereignisse, die vor der „Stunde Null auf dem TahrirPlatz“ stattfanden: die Ermordung des bekannten Publizisten Farag Foda, die islamistischen Terroranschläge in Luxor und Scharm El-Scheich, den großen Eisenbahnunfall von Al-Ayyat, Fußballgesänge und religiöse Predigten bis hin zu Songs der jungen Musikstars Oka & Ortega.
Begleitet vom Soundtrack des Musikers Hassan Khan bietet Before the Revolution ein Kaleidoskop von Eindrücken. Die Akteur:innen Nanda Mohammad und Ramsi Lehner stehen auf einem Nagelbrett und sprechen parallel in einer Art Wechselgesang zwei hochenergetische Monologe. Ihr virtuoses Sprechtheater macht diffuse Bedrohung spürbar, versucht aufzurütteln und beweist, dass die jüngere ägyptische Geschichte alles andere als eine Seifenoper ist.
EN The 18 days of demonstrations and bloody clashes on Tahrir Square in Cairo in 2011 have gone down in world history as Egypt’s contribution to the ‘Arab Spring’. Today, Egypt’s art and culture scene operates as if these events had never taken place; there is only demand for harmless entertainment and soap operas.
In Before the Revolution, Egyptian director and author Ahmed El Attar does not take up the catalysts of the 2011 uprising. Rather, he provides deep insight into the state of the nation prior to this eruptive moment. El Attar makes palpable the stagnation of that society as a whole, which resulted in tremendous longing for change. He also makes clear that there has not yet been sufficient rapprochement within Egyptian society on how these changes should be shaped to be sustainable.
In a restrained yet impulsive manner, he processes events that took place before the ‘zero hour on Tahrir Square’: the murder of the well-known journalist Farag Foda, the Islamist terrorist attacks in Luxor and Sharm El-Sheikh, the major railway accident in Al-Ayyat, football chants and religious sermons, and even songs by young music stars Oka & Ortega.
Accompanied by musician Hassan Khan, Before the Revolution offers a kaleidoscope of impressions. Actors Nanda Mohammad and Ramsi Lehner stand on a bed of nails and deliver two high-energy monologues in parallel, in a kind of antiphonal singing. Their virtuoso spoken theatre makes palpable a diffuse threat; as they attempt to shake up, they prove that recent Egyptian history is anything but a soap opera.
Figurentheater für die ganze Familie erzählt über Ungleichheiten bei der Verteilung von Lebensressourcen.
EN Water – the source of life. Visually stunning puppet theatre for the whole family addresses inequalities in the distribution of vital natural resources.
DE Parole d‘eau / Water Words lädt dazu ein, Wasser auf neue Weise wahrzunehmen: als kostbare Ressource, als verbindendes Element und als Träger von Erinnerungen, Stimmen und Geschichten. Das Theatererlebnis für junges Publikum ab sechs Jahren soll Neugier wecken und die Vorstellungskraft erweitern, ohne einfache Antworten zu liefern.
Zwei Frauen, zwei Lebenswelten, zwei Perspektiven: Die eine ist in einer Region aufgewachsen, in der Wasser, Schnee und Eis allgegenwärtig sind. Die andere kennt Wasser als etwas, das gesucht, getragen und geteilt werden muss. Aus der langjährigen Zusammenarbeit der senegalesischen Künstlerin Mamby Mawine und der kanadischen Puppenspielerin Hélène Ducharme entstand ein poetisches Figurentheater über ein Element, das unser Leben seit jeher bestimmt und dessen Bedeutung hierzulande oft unterschätzt wird. Wasser taucht hier nicht abstrakt als Thema, sondern als ein ganz persönlicher Bestandteil des Lebens auf: Es ist eingeschrieben in Körper, als Speicherstoff, der Erinnerungen und Gewohnheiten in sich trägt. Die Künstlerinnen öffnen dem Publikum Zugang zu einer Wahrnehmung, die einen ganzen Kosmos des Wassers in uns und in unserer Welt aufzeigt. Auf der Bühne machen sie das Wasser mit Theatermitteln erlebbar. Wasser besteht so aus Stoffen, Objekten und Körpern. Zeitgenössische Livemusik, gespielt auf traditionellen westafrikanischen Instrumenten, gibt dem Wasser
eine Stimme. Zusammen zaubern diese Elemente eine Welt, in der Wasser fließt, fehlt, verdampft, friert und immer wiederkehrt. Und es zeigt die Menschen, die es tragen, suchen, teilen und vermissen. Mit poetischer Bitterkeit zeigt die Inszenierung die Abhängigkeit allen Lebens vom Wasser bis in alle Randbereiche der Existenz. Mawine und Ducharme erzählen von ungleichen Lebensbedingungen, von Verantwortung und aus ihren weiblichen Perspektiven. Ihr Blick ist offen, die Ästhetik verspielt und von feinem Humor getragen.
EN Parole d‘eau / Water Words offers an invitation to perceive water in a new way: as a precious resource, a connecting link, and a carrier of memories, voices, and stories. Designed for audiences aged six a nd above, this theatre piece aims to arouse curiosity and expand the imagination without providing simple answers.
Two women, two worlds, two perspectives: one of the women grew up in a region where water, snow, and ice are omnipresent. The other knows water as something that must be sought, carried, and shared. The long-standing collaboration between Senegalese artist Mamby Mawine and Canadian puppeteer Hélène Ducharme has now given rise to a poetic piece of puppet theatre. The play pivots around an element that has always determined our lives, and whose importance is often underestimated in this country.
Spinnbau Figurentheater
So 28.06. 16:00 – 16:55 Mo 29.06. 10:00 – 10:55 für Schulen
DEUTSCHLANDPREMIERE
Figurentheater
In französischer Sprache mit deutscher Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer des Figurentheaters im Spinnbau.
Jeweils im Anschluss an die Vorstellung findet ein Nachgespräch im Figurentheater im Spinnbau statt.
Für Kinder ab 6 Jahren geeignet
Kinder: 6 € , Erwachsene: 12 € 35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Water is not an abstract theme – instead, it makes up a very personal part of life: it is inscribed in the body, a storage vessel carrying memories and habits within it. The artists offer audiences access to a perception that reveals an entire cosmos of water in us and in our world. They use theatrical means to make water experiential onstage. Water thus comprises materials, objects, and bodies. Contemporary live music, performed on traditional West African instruments, gives water a voice. Together, these elements conjure a world in which water flows, disappears, evaporates, freezes, and returns again and again. And it shows the people who carry, seek, share, and miss it. With poetic bitterness, the production shows the dependence of all life on water, right up to the very edges of existence. Mawine and Ducharme recount unequal living conditions as well as responsibility from their female perspectives. Their gaze is open and the aesthetics playful, bolstered by subtle humour.
Von und mit Mamby Mawine, Hélène Ducharme
Dramaturgie
Jennifer Tremblay
Puppen- & Requisitendesign
Jean Cummings, Claude Rodrigue
Kostüm
Valentina Sartori
Lichtdesign
Jérome Bérubé
Musik
Dramane Dembélé
Livemusik
Dramane Dembélé, Lasso Sanou
Erde und Wasser
Alessandro Fanni
Unterstützt durch
CITF international co-production programme, Canada Council for the Arts, Conseil des Arts et des Lettres du Québec, Conseil des Arts de Longueui, Botschaft von Kanada, Vertretung der Regierung von Québec in Berlin
Spinnbau Große Bühne
Di 30.06. 19:00 – 20:30
Mi 01.07. 21:00 – 22:30
EUROPAPREMIERE
Sprechtheater
In Englisch, Hindi, Kannada, Ladakhi, Garwali, Sirmouri und Punjabi mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer der Großen Bühne im Spinnbau.
Am 30.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch auf der Großen Bühne im Spinnbau statt.
18 – 30 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
DE Ein Tisch – das ist das ganze Bühnenbild für Mezok. Mit ihm, an ihm, auf und unter ihm entfaltet die indische Autorin und Regisseurin Jyoti Dogra ein zeitgenössisches Drama um die Welt der Arbeit und der oft damit verbundenen Migration. Der Tisch ist Arbeitsplatz, Grenze, Behörde, Durchgang. Er ist täglicher Treff- und Erfahrungsort für Millionen von Arbeitssuchenden in der Metropole Mumbai. Der Tisch ist ein Objekt, welches Bewegungen strukturiert, Körper festhält, Menschen scheitern und weiterziehen lässt.
Mezok ist der Name eines erfundenen Berges. Er steht für das, was Menschen mit sich herumtragen: Erwartungen oder Hoffnungen auf ein besseres Leben. Während Formulare, Nummern, Ausweise und Genehmigungen den Alltag äußerlich regeln, bleibt dieser innere Berg im Stück unbeweglich. Das fulminante indische Ensemble aus Mumbai setzt diese konträren Dynamiken körperlich hinreißend um. Mit reduzierten Gesten, Stimmen, Atem und wiederkehrenden Abläufen entwerfen die Spieler:innen ein Bild von Systemen, die funktionieren, während Menschen darin festhängen.
Jyoti Dogra
DE Ein Tisch ist Amt, Grenze und Arbeitsplatz: In diesem Schauspiel ist zu erleben, wie Menschenträume durch Bürokratie organisiert werden und daran scheitern können.
EN One table is: government agency, border, and workplace. This play shows the experience of bureaucracy organising people’s dreams and its potential failings.
Idee und mit Ambika Kamal, Jai Prakash Kumar, Naveen Kumar J, Pranshu Shrimali, Pranjal Vaid, Tsering Lhamo
Text, Regie Jyoti Dogra
Kostüm Pallavi Patel
Lichtdesign
Jose Koshy, Yash Potnis (Operator)
Sounddesign
Kaizad Gherda
Bühne
Siddharth Sirohi, Baro Design
Grafik
Arjuna Shankar
Produktionsleitung
Himanshu Borkar, Anoop Gupta
Produktion
G5A (Residenzprogramm), Jyoti Dogra
Unterstützt durch
Nirdigantha, BNP Paribas, Meena Gonsalves
Die Aufführung besticht durch eine Aneinanderreihung von Situationen, lose gestreute Momenten, die unerbittlich den Drang nach einem besseren Leben aufblitzen lassen. Die Szenenfolge lässt ständig Aufbruch spüren, Neuanfang, aber auch das schmerzliche Zurücklassen. Die Helden im Stück sind junge Männer, die in den Städten Uber fahren, und daheimgebliebene Frauen, die sich aufreiben zwischen Warten, Hoffnung und Abstinenz. Die konzentrierte Inszenierung lässt ihre Körper zur sichtbaren Schnittstelle zwischen persönlichem Streben und anonymer Verwaltung werden. Ein künstlerisch eindrucksvoll transportiertes Bild. Im wirtschaftlich und politisch aufsteigenden Indien, dem Land mit der größten Bevölkerung der Erde, lässt die Geschwindigkeit des Alltags die Menschen oft ihre Menschlichkeit vergessen.
EN One table. That is the entire set for Mezok . With it, at it, on, and under it, the Indian author and director, Jyoti Dogra weaves a contemporary drama about the working world and its associated migration. The table is: workplace, border, government agency, passage. It is a daily experience and meeting place for millions of jobseekers in the metropolis of Mumbai. The table is an object which structures movement, detains bodies, and sees people fail and move
Mezok is the name of an imaginary mountain. It stands for what people carry around with them. Expectations or hopes for a better life. While forms, numbers, IDs, and permits outwardly rule the day, the inner mountain in the piece remains immovable. The brilliant Indian ensemble from Mumbai gorgeously performs these contradictory dynamics with their bodies. With minimal gestures,
voice, breath, and repetition, the actors create a picture of systems that function while people get trapped inside them. The performance is captivating with its series of situations, loosely scattered moments that reveal glimpses of the urge for a better life. The various scenes engender a constant feeling of awakening, new beginnings, but also the pain of leaving things behind. The heroes in the piece are young men who are urban Uber drivers and stay-at-home women who wear themselves out waiting, hoping, and abstaining. This focused staging shows their bodies as an interface between personal aspiration and anonymous administration – impressive in the artistry it transports. In an India economically and politically on the rise, the country with the largest population on earth, the speed of everyday life often has people forgetting their humanity.
Kurator / Curator
Simon Abrahams ____________________________________________
DE Die Welt mit Kinderaugen zu sehen bedeutet nicht, weniger zu sehen, sondern ihr auf eine neue Weise zu begegnen.
Kinder sehen zuallererst Bilder, Farben, Abstraktion, Bewegung, Textur und Rhythmus. Wissen wird ertastet, Zeit ist zyklisch und Bedeutung entsteht aus den Beziehungen der Dinge zueinander. Zusammen ergibt das eine intuitive Offenheit, die eindimensionalen Deutungen widersteht und Erkenntnisse kontinuierlich anpasst.
Genau wie die Welt eines Kindes beginnt das Theater mit einer Erfahrung: Körper im Raum, Licht und Schatten, Geste und Wiederholung, Klang und Stille. Es ist unmittelbar, körperlich und relational. Theater ist ein Raum, in dem Welten entstehen. Zeit wird dehnbar, im Spiel geht es um etwas und Fantasie wird miteinander geteilt. Sich dem Theater aus kindlicher Perspektive anzunähern, ist demnach keine Vereinfachung, sondern eine Wiedererweckung seiner ureigenen Stärke. Dieser Ansatz hat meine kuratorische Herangehensweise an das Programm von Theater der Welt geprägt. Die von mir ausgewählten Arbeiten verstehen Spiel als ernsthafte Praxis des Welterschaffens. Sie konzentrieren sich auf Neugier, Vorstellungskraft und endlose Möglichkeit, anstatt zu versuchen, die Komplexität der Welt aufzulösen. Vielmehr laden sie das Publikum dazu ein, der Welt als etwas zu begegnen, das sich kontinuierlich weiterentwickelt.
Über das ganze Festival hinweg werden kindliche Sichtweisen greifbar. In Paper Planet erschaffen Kinder und Familien gemeinsam Welten durch Berührung und Spiel. Stream of Memory, BLUR und Family Triangle laden uns ein, Erinnerungen, Familie, die Gegenwart und mögliche Zukünfte als lebendige, geteilte Prozesse zu erfahren. All diese Arbeiten kommen aus benachbarten asiatisch-pazifischen Regionen, verbunden durch Wasser, Bewegung und gemeinsame Zukünfte. Zusammen erforschen sie geteiltes Erbe zwischen Generationen und ermutigen uns, einen frischen Blick auf die Welt zu werfen. Diese Arbeiten bevorzugen nonverbale Kommunikationsformen – Gesten, Bilder, Bewegungen –, um komplexe und nuancierte Geschichten zu erzählen. Ihrem Verständnis nach muss nicht alles benannt, aufgelöst oder erklärt werden, um bedeutsam zu sein. Zugleich verhandeln sie Erinnerungen als etwas Lebendiges, etwas, das die Identität prägt, Lücken füllt und Bedeutung formt, Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart verwischt und die Zukunft mitgestaltet.
In einer zunehmend komplexen, entfremdeten Welt müssen wir uns auf unsere kollektive Vorstellungskraft besinnen. Wir müssen bewusst offen bleiben. Wenn Sichtweisen zunehmend starrer werden, ermöglicht das Theater etwas, das Kinder intuitiv begreifen: Die Welt ist noch im Werden, und wie wir sie gemeinschaftlich erleben, beeinflusst, in welche Richtung sie sich entwickelt. Die Welt mit Kinderaugen zu sehen, ist darum keine Flucht vor Komplexität oder Verantwortung, sondern eine Chance, neu und anders zu beginnen.
EN To see the world through children’s eyes is not to see less, but to encounter it differently.
Children’s perspectives focus on image, colour, abstraction, movement, texture, and rhythm first. Knowledge is felt, time is cyclical, and meaning emerges from how things relate to one another. The result is an innate openness, a resistance to singular meaning, and a willingness to shift and constantly change understandings.
Like a child’s world, theatre begins with experience – with bodies in space, with light and shadow, with gesture and repetition, with sound and silence. It is immediate, embodied, and relational. Theatre is a space where worlds are built; time is elastic, play is high stakes, and imagination is shared. To approach theatre through children’s ways of seeing is therefore not to simplify it, but to restore its essential power.
This approach has driven my curatorial approach for the Theater der Welt programme. I have selected works which privilege play as a serious act of world-making. They centre on curiosity, imagination, and endless possibility and do not try to resolve the world’s complexity. Rather, they invite audiences to encounter the world as continuously evolving.
Across the festival, children’s ways of seeing are made tangible. In Paper Planet, children and families co-create worlds through touch and play. Stream of Memory, BLUR, and Family Triangle ask us to experience memory, family, the present moment, and possible futures as living, shared processes. These works emerge from neighbouring Asia-Pacific regions connected by water, movement, and shared futures. Together they explore intergenerational inheritance and encourage us to see the world anew.
These works privilege non-verbal communication – gesture, image, movement – to tell complex and nuanced stories with the understanding that not everything must be named, resolved, or explained in order for it to be meaningful. They speak to memory, too, as something living that forms identity, fills gaps, and shapes meaning, blurring boundaries between past and present and informing the future.
In an increasingly complex and disconnected world, what we need to focus on is our shared imagination. We must resolve to remain open. When views are increasingly fixed, theatre offers what children intuitively understand: the world is still in formation, and how we experience it together shapes what it can become. Seeing the world through children’s eyes is therefore not an escape from complexity or from responsibility, but an opportunity to begin again, differently.
Simon Abrahams
DE Simon Abrahams gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der australischen Kunst- und Kulturszene. In seiner Arbeit untersucht er die Beziehung zwischen künstlerischer Praxis und gesellschaftlicher Teilhabe und macht Stimmen aus marginalisierten Perspektiven hörbar. Seit 2015 ist er Creative Director und CEO des Melbourne Fringe und prägt damit maßgeblich die vielfältige und progressive Festivallandschaft des Landes.
Weitere Informationen: theaterderwelt.de/ueber-uns
EN Simon Abrahams is one of the leading figures in Australia’s arts and cultural scene. His work explores the relationship between artistic practice and civic participation, amplifying voices from the margins. Since 2015, he has been Creative Director and CEO of Melbourne Fringe, shaping the country’s diverse and progressive festival landscape.
Further information: theaterderwelt.de/ueber-uns
Opernhaus auf der Bühne
Di 30.06. 19:30 – 21:10
Mi 01.07. 18:00 – 19:40
DEUTSCHLANDPREMIERE
Installative Performance
In Anishinaabemowin, Inga, Französisch, Englisch und Spanisch mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Foyer des Opernhauses statt.
Am 30.06.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch im Foyer des Opernhauses statt.
25 € 35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Von und mit Émilie Monnet, Waira Nina
Performerin, Requisite, Perlenstickerei
Maria Belén Jacanamijoy Mutumbajoy
Sounddesign, Szenografie, Instrumentenentwicklung
Leonel Vasquez
Dramaturgie Yohayna Hernández
Videodesign
Mélanie O’Bomsawin
Bühne
Julie Christina Picher
Lichtdesign
Chantal Labonté
Musik, Sounddesign
Frannie Holder
Klangraum / Sound-Spatialisation Frédéric Auger
Kostüm Yso
Drums Tribal Spirit Music
Handwerker:innen South Street Boatbuilders
Handwerk: Rindenkörbe
Sylvie Dubé
Handwerk: Wassergefäße Daphnée Cardinal
Mit den Stimmen von Amanda Roy, taita Luciano Mutumbajoy, Sonia Mutumbajoy, Anik Sioui, Sharon Day, Eudosia Mutumbajoy, Alanis O’Bomsawin-Galand, Élouan O’Bomsawin-Galand
DE Musik und Ritual: Indigene Einwohnerinnen aus Nord- und Südamerika erzählen voller Poesie über die Bedrohung ihrer Lebenswelten.
DE Ein dunkler, feuchter Wald, von Wasser durchzogen. Töne dringen aus der Tiefe, aus der Ferne, aus menschlichen Körpern. In Nigamon/Tunai wird die Inszenierung nicht nur betrachtet, sondern betreten. Das Publikum sitzt inmitten einer Dschungellandschaft aus Wasserflächen, Pflanzen, Schatten und Klang, umgeben von Atem, Gesang und vibrierenden Leibern. Blickachsen bieten keine Orientierung, einzig Resonanz ist wahrzunehmen.
Onishka
EN Music and ritual. Indigenous populations from North and South America poetize their threatened life-worlds.
Produktion ONISHKA
Koproduktion Festival TransAmériques, Espace GO.
Unterstützt durch National Arts Centre’s, National Creation Fund, Cole Foundation (Intercultural Dialogues), Residenzen: Dramaturgies Circle Banff Centre for Arts and Creativity, Kokolampoe Drama Center, Centro de la escucha de Sibaté, Botschaft von Kanada, Vertretung der Regierung von Québec in Berlin
Beide Wörter im Titel des Stücks –Nigamon und Tunai – bedeuten Gesang, einmal in der Sprache der in Kanada lebenden indigenen Gemeinschaft der Anishinaabe sowie in der Sprache des indigenen Inga-Volkes Kolumbiens. Die Regisseurin Émilie Monnet stammt aus Kanada, ihre Regiekollegin Waira Nina aus Kolumbien. Ihre außergewöhnliche Klangrauminstallation macht ungehörte Stimmen hörbar: Gesänge ihrer Vorfahren, Geräusche ihrer Lebenswelt ebenso wie die schmerzhaften Kakophonien der Zerstörung durch Raubbau an natürlichen Ressourcen. Die Töne auf der Bühne verbinden diese weit voneinander entfernt liegenden Territorien, die gleichzeitig auch durch ähnliche Verwundungen wie Abholzung und die Fremdnutzung von Wasser und Boden Bezug zueinander haben,
durch Gewalt, die Landschaften und Körper gleichermaßen prägt. Gesang ist in diesen indigenen Kulturen nichts, was unterhält, sondern etwas, das der Erinnerung dient. In den Gebieten der Anishinaabe in Kanada verwüsten Rohstoffkonzerne nach wie vor große Gebiete, die eigentlich allen gehören sollten und oftmals die Lebensgrundlage der indigenen Völker sind. Tausende Kilometer weiter südlich ist die Situation anders und doch gleich: Ganze Landstriche werden in Kolumbien zerstört, um Kupfer zu fördern.
Dieser Abend ist mehr als ein poetisches Manifest. Monnet und Nina lassen das Publikum erleben, dass Wasser die gemeinsame Lebensgrundlage aller ist.
EN A dark, damp forest permeated by water. Sounds from the deep, in the distance, from human bodies. In Nigamon/Tunai, visitors do not just watch the show, they step into it. The audience sits in the middle of a jungle landscape with water, plants, shadows, and sounds, surrounded by breath, singing, and vibrating bodies. Sight lines do not provide orientation, only vibes can be perceived.
Both words in the title of the piece, nigamon and tunai, mean singing, both in the language of the Anishinaabe indigenous community living in Canada as well as in the language of the indigenous Inga people of Colombia. The director, Émilie Monnet, is from Canada, her colleague Waira Nina is from Colombia. Their extraordinary installation makes unheard voices heard. The songs of their ancestors. The sounds of their lifeworld. And the painful cacophonies of destruction from the overexploitation of natural resources. The sounds on stage unite these distant territories. They reference similar wounds, such as deforestation and the foreign use of water and soil, with violence equally characteristic of landscapes and bodies. Song is not entertainment in these indigenous cultures, it serves as remembrance. In Anishinaabe territory in Canada, raw materials conglomerates continue to devastate large areas which should belong to everybody – and are often the lifeblood of indigenous peoples. Thousands of kilometres to the south the situation is different, yet the same. Entire tracts of land are being destroyed in Colombia for copper mining. This show is more than a poetic manifesto. Monnet and Nina allow the audience to experience that water is the common lifeblood of all.
DE Modernes Leben spiegelt antike Tragödien. Ob Oedipus, Antigone oder Medea, das Schauspiel zeigt, wie sich im Heute dramatische Analogien finden.
EN Modern life reflects ancient tragedy. Oedipus, Antigone, Medea – this play shows how dramatic analogies are found in the present day.
DE The Shadows ist ein stilles Schauspieler:innentheater. Es erzählt heutige Geschichten von Menschen, die auffallend an bekannte Figuren der griechischen Tragödie erinnern. Ohne antike Anleihen tauchen Ödipus, Antigone und Medea plötzlich inmitten unserer Gegenwart auf. Der Titel des Stücks, im Deutschen „Die Schatten“, macht viele Assoziationen auf. Zum einen ist da ein Mann, der als Erwachsener erfährt, dass er während der argentinischen Militärdiktatur geraubt wurde und bei einer fremden Familie aufwuchs. Mit diesem Wissen geraten seine Liebe, seine Herkunft, sein Leben und seine gesamte Identität aus den Fugen. Daneben steht eine Journalistin, die ihren Bruder sucht, der als Arzt in einem Kriegsgebiet verschwunden ist. Gegen jede Warnung reist sie selbst dorthin, entschlossen, ihn zu finden, egal ob lebend oder tot. Schließlich flieht eine Frau mit Mann und Kind nach Europa. Auf der Suche nach Erfüllung des Versprechens für ein besseres Leben wird sie betrogen, verlassen und bleibt schließlich allein in einem Flüchtlingslager zurück. Ihre Liebe schlägt erst in Wut um, dann in Hoffnung und schließlich in Verzweiflung.
Die Zuschauer:innen werden an diesem Abend herausgefordert sich zu positionieren. Sie sind Teil von allem. Die iranische Regisseurin und Autorin
Afsaneh Mahian spricht in ihrem Stück das Publikum direkt an. Sie erzählt von ihrer Recherche, von realen Biografien, von Momenten, in denen sie erkennt: Diese alltäglichen und modernen Leben folgen denselben Mustern wie in alten Tragödien. Klassische Themen wie Macht, Schuld, Loyalität und Verrat sind nicht vergangen, sondern noch immer hochaktuell. Das zeitgenössische Stück aus Iran verhandelt die Fragen nach Schuld, Gesetz und persönlicher Verantwortung nicht theoretisch. Diese sind existenziell und politisch.
Das Wort Shieveh bedeutet im Persischen so viel wie Methode, Stil oder Art und Weise. Das Shieveh Theater aus Teheran besteht seit über 25 Jahren und ist mit seinen Produktionen auf Festivals in der ganzen Welt zu sehen.
EN The Shadows is a silent theatre piece, which tells contemporary stories of people who are strikingly reminiscent of well-known characters from Greek tragedy. Without any references to antiquity, Oedipus, Antigone, and Medea suddenly appear in the midst of our present day. The title of the play evokes many associations.
A man learns as an adult that he was abducted during the Argentine military dictatorship and raised by a foreign family. This knowledge completely upends his love, his origins, his life, and his
entire identity. Then there is a journalist searching for her brother, who disappeared while working as a doctor in a war zone. Against every warning, she travels there herself, determined to find him, dead or alive. Lastly, a woman flees to Europe with her husband and child in search of the promise of a better life. Betrayed and abandoned, she is ultimately left alone in a refugee camp. Her love turns first to anger, then to hope, and finally to despair.
The audience are challenged to take a stance this evening. They are part of everything. Iranian director and author Afsaneh Mahian addresses the audience directly in her play. She describes her research, real biographical stories – moments when she realises that these everyday, modern lives follow the same patterns as those in ancient tragedies.
Classical themes such as power, guilt, loyalty, and betrayal are not a thing of the past; on the contrary, they remain highly relevant today. This contemporary play from Iran does not tackle questions of guilt, law, and personal responsibility in a theoretical way – these are existential and political interrogations.
In Persian, the word shieveh means method, style, or manner. The Shieveh Theatre is based in Iran and has been in existence for over 25 years. Their productions can be seen at festivals all over the world.
Spinnbau Halle 5
Di 30.06. 21:00 – 22:40
Mi 01.07. 19:00 – 20:40
EUROPAPREMIERE
Sprechtheater
In Farsi mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer der Großen Bühne im Spinnbau.
20 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Mit Nastaran Davari, Shaghayegh Lotfali Khan Mohajer, Shakiba Hosseini
Text, Regie Afsaneh Mahian
Regieberatung, Bühne, Kostüm Manouchehr Shoja
Regieassistenz, Übersetzung, Internationale Beziehungen Gilnaz Yousefian
Spinnbau Halle 2
Mi 01.07. – So 05.07.
15:00 – 15:45
16:00 – 16:45
17:00 – 17:45
19:00 – 19:45
20:00 – 20:45
21:00 – 21:45
DEUTSCHLANDPREMIERE
Extended Reality (XR)
In englischer Sprache. Eine deutsche Übertitelung wird in die VR-Brille eingeblendet.
20 € 35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Regie, Text
Craig Quintero, Phoebe Greenberg
Mit Ning Chang, Mei-Chun Hsiang, Yi-Hsuan Chen, Sia-Jhih Lin
Entwickler
Thomas Azoug, Édouard LanctôtBenoît, Victor Groot, Aurele Chanal
Kreative und Interaktive Entwicklung PHI Studio
Immersives Theater Design Riverbed Theatre
3D Assets, Umgebung, Visuelle Effekte Behaviour Interactive
360° Filme Funique VR
Unterstützt durch Canada Media Fund, Taiwan
Creative Content Agency, Société de développement des entreprises culturelles, Onassis Culture, Botschaft von Kanada, Vertretung der Regierung von Québec in Berlin
Dieses Projekt wird durch den Innovative Content Grant for International Co-Funding or CoProductions von TAICCA unterstützt.
Unterstützt durch die Taiwan Week, organisiert von der National Theater & Concert Hall.
PHI Studio, Riverbed Theatre, Onassis Culture
DE Mit VR-Brille durch unbekannte Welten der Wahrnehmung: Die Extended Reality Performance lässt Nähe, Entgrenzung und die Instabilität des Lebens erfahren.
EN With VR goggles through unknown perceptual worlds. This extended reality performance is an experience of closeness, blurred boundaries, and life’s instability.
DE In Zeiten von Biohacking, Klonen und Künstlicher Intelligenz verschieben sich die Grenzen von Leben, Tod und Endlichkeit. BLUR erforscht diesen Grenzbereich und macht spürbar, was Theater auch sein kann. Das Publikum ist eingeladen, in eine virtuelle Welt einzutauchen. Diese spricht alle Sinne an und erzeugt das Gefühl eines neuen Seins, bringt so aber auch Gewissheiten ins Wanken. Jede:r Besucher:in erhält eine Virtual-Reality-Brille und begibt sich damit in eine künstlich erzeugte Welt. In dieser agiert jede:r als Avatar: Bewegungen werden mit Hilfe von Motion Capture, einer Bewegungssoftware, in die digitale Welt übersetzt. Körper, Stimme und Orientierung im Raum existieren gleichzeitig in der realen und der digitalen Welt. Präsenz wird zu etwas Fragilem und nicht ganz Fassbarem.
Unterhaltsam und präzise führt dieses Erlebnis der virtuellen Realität zu einer ewig aktuellen Frage der Menschheit: Wie empfinden wir Endlichkeit in einer Zeit, in der Biotechnologien und künstliche Intelligenz versuchen, ein Ende aufzuheben? BLUR, im Deutschen so etwas wie verschwommen oder Unschärfe, begegnet dieser Frage sinnlich und erfahrungsbasiert, liefert keine Erklärung. Die Teilnehmenden durchqueren surreale Szenarien, in denen Erinnerung, Verlust und Identität körperlich spürbar werden.
Die in Taipeh und Montreal entstandene Performance spekuliert nicht über die Zukunft. Das Publikum erlebt einen Moment im Hier und Jetzt und ist doch in einer anderen Welt. So ermöglicht Theater, sich auf einen flüchtigen Zustand einzulassen und ethische, emotionale und existenzielle Fragen einer möglichen Zukunft körperlich zu erfahren. Dieses bahnbrechende Erlebnis gibt keine Antworten, es verschiebt die Wahrnehmung und lädt dazu ein, neue Fragen zu stellen.
Technologie bleibt in diesem Theater nicht Effekt, sondern wird zur Erzählung selbst. Sie erzeugt zugleich Nähe und Distanz und verführt dazu, einen Welt-Raum zu erleben, der ebenso faszinierend wie unheimlich ist. Die international zusammengesetzte Künster:innengruppe Riverbed Theatre arbeitet seit 1998 an der Schnittstelle von Wissenschaft, Technik und Kunst. BLUR war im letzten Jahr ein Publikums-Hit auf der Kunstbiennale in Venedig.
EN In times of biohacking, clones, and artificial intelligence, the boundaries of life, death, and finality are shifting. BLUR investigates this threshold and allows for what theatre can be. The audience is invited to dive into a virtual world. It appeals to all the senses and engenders the feeling of a new way of being, but it also destabilizes certainties. Each visitor gets virtual reality glasses and then enters an artificially created world where everyone is an avatar. Motion Capture, a movement software, translates the visitors’ movements to the digital world. Body, voice, and spatial orientation exist simultaneously in real and digital worlds. Presence grows fragile, not exactly tangible.
In a precise and entertaining manner, this virtual reality experience leads to an ever-present question facing humanity: How do we sense finality at a time when biotechnologies and artificial intelligence are attempting to negate endings? BLUR meets this question sensuously and from experience, yet offers no explanation. Participants traverse surreal scenarios in which they physically sense memory, loss, and identity.
The performance, produced in Taipei and Montreal, does not speculate about the future. The audience experiences the moment here and now, while
also being in another world. Theatre allows one to be in a fleeting state and to physically experience the ethical, emotional, and existential issues of a possible future. This groundbreaking experience offers no answers; it shifts perception and invites new questions. Here, technology is not only for effect, it becomes the narrative itself. It creates both proximity and distance and beguiles one into experiencing a spatial world as captivating as it is uncanny. The international artist group, Riverbed Theatre, has been working at the intersection of science, technology, and art since 1998. BLUR was a fan favourite at last year’s Venice Biennale.
La Lune Nouvelle
DE Ein eindringliches Solo erzählt Herkunftsgeschichte:
Zwischen indischer Mutter und einem Vater aus Guadeloupe erzählt die Tochter koloniale Vergangenheit.
EN A penetrating solo about an origin story. Between her Indian mother and her father from Guadeloupe, a daughter talks about the colonial past.
DE In Mutikkappatâta setzt sich die Schauspielerin Nathalie Vairac mit Geschichte auseinander, deren Hinterlassenschaft scheinbar endlos nachwirkt. Ihre Soloarbeit geht von der eigenen Biografie aus: Geboren in Bordeaux als Tochter einer indischen Mutter und eines Vaters aus Guadeloupe, stößt ihr Erzählversuch schnell auf koloniale Vergangenheit, die Körper, Sprachen und Bewegungen bis heute formt. Kolonialgeschichte erscheint hier nicht als historisches Kapitel, sondern als leise, hartnäckige Dauerpräsenz.
Das Stück fragt in eindringlichem Ton, mit Video und Bildern, wie Gewalt weitergegeben wird, auch dort, wo dies nicht offensichtlich passiert. Es zeigt, wie sich koloniale Erfahrungen in Familien fortsetzen, auch wenn heute Kolonialismus offiziell nicht mehr existiert. Als Schweigen, als Bruch, als etwas ständig Anwesendes. Erinnerung wird dabei nicht erzählt, sondern schauspielerisch erfahrbar gemacht in Atem, Stimme, Rhythmus und Stillstand.
Die entstehenden, sich überlagernden Bilder aus Video und Bewegung sind fragil. Sie verweisen auf Territorien, Durchquerungen und Verluste. Nathalie Vairacs Körper selbst wird zum sichtbaren Archiv, durchzogen von Geschichten aus Indien, Vietnam, der Karibik, Europa und Afrika. Mutikkappatâta fragt, was es heißt, mit einer Geschichte zu leben, die nie ganz die eigene war, aber als eine eigene angenommen sein muss, und wie sich Identität aus vielen teils widersprüchlichen Schichten zusammensetzt.
Die Aufführung verweigert klare Antworten. Stattdessen öffnet sie einen Raum, in dem persönliche Erinnerung und politische Geschichte untrennbar werden.
Nach vielen Jahren des Studiums der Psychoanalyse und einer Ausbildung in therapeutischer Heilung vermittelt Nathalie Vairac ihre Kunst mit der Absicht, eine Spur beim Publikum zu hinterlassen. Sie gründete die Compagnie La Lune Nouvelle in Dakar. Sie hat an bedeutenden Ausstellungen teilgenommen. Vairac lebt und arbeitet in Dakar, Senegal.
EN In Mutikkappatâta, actor Nathalie Vairac comes to grips with history, its legacy endlessly lingering. Her solo work originates in her own biography. Born in Bordeaux, the daughter of an Indian mother and a father from Guadeloupe, her attempt at narrative comes right up against the colonial past that still shapes bodies, languages, and movements today. Colonial history appears here not as an historical chapter, but as a quiet, stubborn, constant presence.
The piece is forceful in tone, questioning through video and images how violence is perpetuated, even where it is not obviously occurring. It shows how colonial experiences are sustained in families, even if colonialism no longer officially exists today. As silence, as rupture, as a persistent presence. Memory is not narrated here; it is experientially rendered in breath, voice, rhythm, and stillness.
The resultant superimpositions of video and movement are fragile images. They refer to territories, crossings, and losses. Nathalie Vairac’s body itself becomes a visible archive, traversed by stories from India, Vietnam, the Caribbean, Europe, and Africa. Mutikkappatâta asks what it means to live with a history that was never fully one’s own but must be accepted as such, and how identity is composed of many partly contradictory layers.
This performance refuses clear answers. Instead, it opens a space in which personal memory and political history become inseparable.
After many years of studying psychoanalysis and training in therapeutic healing, Nathalie Vairac transmits her art intending to leave her mark on the audience. She founded the Compagnie La Lune Nouvelle in Dakar. She has participated in major exhibitions. Vairac lives and works in Dakar, Senegal.
Spinnbau Figurentheater
Mi 01.07. 19:30 – 20:30
Do 02.07. 20:30 – 21:30
EUROPAPREMIERE
Interdisziplinäre Performance
In französischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer des Figurentheaters im Spinnbau.
Am 02.07.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch im Figurentheater im Spinnbau statt.
20 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Von und mit Nathalie Vairac
Video Tiziana Manfredi
Regie
Jean Pierre Nepost
Unterstützt durch
RAW Material Company, O.S.I.W.A,
Institut italien Sénégal, Trust Africa
Spinnbau Ostflügel
Do 02.07. 19:00 – 20:00
Fr 03.07. 21:00 – 22:00
DEUTSCHLANDPREMIERE
Szenische Lesung
In russischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer des Ostflügels im Spinnbau.
Am 02.07.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch im Ostflügel im Spinnbau statt.
10 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Mit Anna Brækkan, Evgeny Goman, Georgii Chentemirov, Irina Ivanova und weitere
Regie
Evgeny Goman
Licht, Ton
Aleksei Tsalko
Unterstützt durch Pikene på Broen
Evgeny Goman
DE Eindringliche Stimmen nordeuropäischer indigener Menschen: Dokumentarmaterial aus Russland über das heutige Leben der Samen.
EN Powerful voices of Northern Europe’s Indigenous peoples: documentary material from Russia about the lives of the Sámi today.
DE Als vor 200 Jahren Grenzen zwischen Russland, dem dazugehörigen Großfürstentum Finnland und Norwegen gezogen wurden, durchschnitten diese das Siedlungsgebiet der Skoltsami, einer Volksgruppe der Samen, welche im hohen Nordosten Europas lebt. Das Gesamtsiedlungsgebiet der indigenen Bewohner:innen des europäischen Nordens heißt Sápmi. Die Samen waren gezwungen, sich zu entscheiden, in welchem der neuen Nationalstaaten sie verbleiben sollten. Seit 1826 leben die Samen auf der russischen Seite hinter der Grenze anders als die Samen „auf der anderen Seite“. Die Aufteilung der Samen auf national bestimmte Territorien und der Versuch, sie zu assimilieren, gehören zu einer der historisch-zivilisatorischen Katastrophen europäischer Kolonialisierungs- und Nationalitätenpolitik.
Nach dem umfassenden Einmarsch Russlands in die Ukraine ist der Kontakt zwischen den Samen auf norwegischer, schwedischer und finnischer Seite und den Samen auf russischer Seite fast vollständig abgebrochen.
TIRRV. DIVIDED – basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück –bringt persönliche und zutiefst bewegende Geschichten, die bisher unbekannt waren, zu Gehör. Aus 25 Stunden Audiomaterial und 200 Seiten gesammelter Texte entstanden authentische Monologe von Samen im Alter von 6 bis 90 Jahren, die auf der russischen Seite von Sápmi leben. Das Stück wurde 2019 vom Arktischen Theater in Murmansk erarbeitet und uraufgeführt. Das Original-Dokumentartheaterstück „Tirrv“ (was in der Sprache der Kola-Samen „Hallo“ bedeutet) basiert auf Interviews, die 2018 von fünfzehn Theaterschaffenden mit Samen im Ort Lovozero in der Region Murmansk geführt wurden. Einheimische Samen bezeichneten das Stück als eine der wichtigsten Theaterproduktionen über indigene Völker.
Wie die russischen Samen können auch die Schauspieler:innen der Uraufführungsproduktion die Grenze nicht mehr überqueren. Der Autor und Regisseur des Stücks, Evgeny Goman, verließ Russland und lebt nun im norwegischen Kirkenes.. Dort ist er Teil von Pikene på Broen, einer Gruppe von Kurator:innen, die interdisziplinär arbeitet. TIRRV. DIVIDED wird von russischsprachigen Schauspieler:innen aus dem norwegischen Kirkenes als szenische Lesung präsentiert.
EN Two hundred years ago, borders were drawn between Russia, the Grand Duchy of Finland, which belonged to Russia at the time, and Norway. This resulted in the division of the Skolt Sámi Settlement Area, inhabited by the Sámi in the far northeast of Europe. The entire settlement area of these indigenous peoples of northern Europe is called Sápmi. The Sámi were forced to choose one of the new nation states where they would remain living in. Since 1826, the Sámi who reside on the Russian side of the border have lived differently from the Sámi ‘on the other side’. The division of the Sámi into nationally defined territories and the attempt to assimilate them are among the historical-civilisational catastrophes of European colonisation and nationality policy.
Following Russia’s full-scale invasion of Ukraine, contact between the Sámi residing on the Norwegian, Swedish, and Finnish side and the Sámi on the Russian side has almost completely broken down.
TIRRV. DIVIDED – based on the play of the same name – presents personal and deeply moving stories that were previously unknown. 25 hours of audio material and 200 pages of collected texts gave rise to authentic monologues by Sámi individuals aged 6 to 90 who live on the Russian side of Sápmi. The play was developed and premiered in 2019 by the Arctic Theater in Murmansk. The original documentary theatre play Tirvv (which means ‘hello’ in the Kola Sámi language) is based on interviews with the Sámi conducted in 2018 by fifteen theater professionals in Lovozero in the Murmansk region. Local Sámi people described the play as being one of the most important theatre productions about indigenous peoples.
Like the Russian Sámi the actors who appeared in the premiere production are no longer able to cross the border. The play’s author and director, Evgeny Goman, left Russia and now lives in Kirkenes, where he is part of Pikene på Broen, a group of interdisciplinary curators. TIRRV. DIVIDED is performed by Russian-speaking actors from Kirkenes in Norway.
DE Vom 19. Juni bis zum 5. Juli wird das renommierte Kunstfestival BEGEHUNGEN im derzeit ungenutzten Chemnitzer Schauspielhaus stattfinden. Jedes Jahr nutzt das Festival andere, leerstehende Orte für Kunst. Das Schauspielhaus kann seit 2022 wegen baulicher Mängel nicht mehr als Theater genutzt werden. Anlass der Kooperation der beiden Festivals THEATER DER WELT und BEGEHUNGEN ist die Korrespondenz zwischen bildender und darstellender Kunst.
Als historischer Ort der Inszenierung verweist das Theater unmittelbar auf die Mechanismen von Herstellung und Vermittlung von Wirklichkeit. Im Kontext digitaler Medien, KI-gestützter Bildgenerierung und beschleunigter Öffentlichkeiten lösen sich die Grenzen zwischen Realität und Simulation zunehmend auf. In diesem Spannungsfeld geraten demokratische Aushandlungsprozesse unter Druck, während autoritäre und technokratische Herrschaftsmodelle an Einfluss gewinnen. Das Kunstfestival Begehungen will die ambivalenten Inszenierungsstrategien von Wirklichkeit unter dem Titel-Thema IN DER VORSTELLUNG mit den Mitteln der Kunst reflektieren und einen Raum für mögliche Gegenentwürfe öffnen.
In der Chemnitzer Politik und Zivilgesellschaft findet aktuell eine lebhafte Debatte zu Für und Wider von Sanierung des Schauspielhauses oder Errichtung eines Neubaus statt. Diese Debatte wird um das konkrete Objekt geführt, und steht stellvertretend für Diskurse über den Wert von Kultur und den Umgang mit dem Bauerbe der DDR allgemein.
Gezeigt werden 20 bis 25 Werke internationaler zeitgenössischer Künstler:innen, ergänzt durch ein Festivalprogramm mit Konzerten, Lesungen, Vorträgen und Performances.
Die Ausstellungseröffnung findet am 19. Juni um 19 Uhr statt. Danach ist sie bis zum 05. Juli täglich von 12:00 –20:00 geöffnet.
EN From June 19 to July 5, the renowned art festival BEGEHUNGEN will take place in the Chemnitz Schauspielhaus theatre, which would otherwise remain unused. Every year, the festival utilises different vacated locations for art. Due to structural deficiencies, the theatre has been unusable since 2022. The collaboration between THEATER DER WELT and BEGEHUNGEN is based on the correlation between visual and performing arts.
As a historical venue for staging performances, the theatre directly recalls the mechanisms involved in the production and communication of reality. In the context of digital media, AI-supported image generation, and accelerated public spheres, the boundaries between reality and simulation are increasingly dissolving. Within this realm of friction, democratic negotiation processes are coming under pressure, while authoritarian and technocratic models of governance are gaining influence. With the title IN DER VORSTELLUNG (In the Performance), the Begehungen art festival aims to provide not only reflections upon the ambivalent strategies of performing reality through the medium of art, but a space for possible counter-concepts as well.
In Chemnitz a lively debate is currently underway in the political arena and civil society about the pros and cons of either renovating the theatre or constructing a new building. Though the debate is centred around this specific building, it is representative of discourse concerning the value of culture as well as the architectural heritage of the GDR in general.
20 to 25 works by international contemporary artists are to be displayed, in dialogue with a festival programme featuring concerts, readings, lectures, and performances.
The exhibition opens on June 19 at 7 p.m. It will then be open daily from 12 to 8 p.m. through July 5.
Schauspielhaus Chemnitz Fr 19.06. 19:00
Ausstellungseröffnung
Sa 20.06. – So 05.07. 12:00 – 20:00
Ausstellung
Festivalzentrum Spinnbaugarten Ab 16:00
In a Strange Place Spinnbau Halle 2 16:00 – 22:00
Das Ban Hil l Epos Spinnbau Große Bühne 19:00 – 22:00
Festivalzentrum Spinnbaugarten Ab 16:00
In a Strange Place Spinnbau Halle 2 16:00 – 22:00
Los bienes visibles Spinnbau Halle 5 18:00 – 19:20
Nkoli: A Fierce & Fabulous Life Opernhaus 19:30 – 21:50
Das Ban Hil l Epos Spinnbau Große Bühne 20:00 – 23:00
Festivalzentrum Spinnbaugarten Ab 16:00
In a Strange Place Spinnbau Halle 2 16:00 – 22:00
Los bienes visibles Spinnbau Halle 5 19:00 – 20:20
Nkoli: A Fierce & Fabulous Life Opernhaus 19:30 – 21:50
Speak So I May See You Spinnbau Figurentheater 18:00 – 18:45
Vortex Nukak Opernhaus auf der Bühne 18:00 – 18:55 19:30 – 20:25 21:00 – 21:55
KUSTE
Spinnbau Halle 5 19:30 – 20:50
Kuratorin / Curator
Aya Nabulsi
DE Das Theater ist ein Fenster zum Leben und, in seinen besten Momenten, ein Akt der Liebe. Ein Raum, der Komplexität zulässt, statt zu vereinfachen, wo das Zuhören zu einer Form von Fürsorge wird.
In einer Zeit weltweiter Krisen erfüllt mich die Arbeit im Kurator:innenteam mit Hoffnung und Licht. Wir sind in verschiedenen geografischen, sprachlichen und künstlerischen Kontexten beheimatet und doch treffen wir uns in einem Punkt: im Glauben an das Theater als einen Ort des Zuhörens, der Empathie und der gemeinsamen Vorstellungskraft. Jene Unterschiede trennen uns nicht, sondern prägen die Art, wie wir ein und dieselbe menschliche Geschichte erzählen.
Als arabische Programmkuratorin in diesem internationalen Team möchte ich Stimmen, die oft überhört, missverstanden und verkürzt wiedergegeben werden, für einen breiteren Austausch öffnen. Die Arbeiten arabischer Künstler:innen in diesem Rahmen zu präsentieren, ist spannend und bestärkend zugleich – eine Erinnerung daran, dass uns trotz vielfältiger Biografien und Lebenswirklichkeiten Gemeinsamkeiten wie Unterschiede verbinden.
Die Arbeiten, die ich ausgewählt habe, erkunden vielfältige Lebenswege: Historisches und Gedanken zum Thema Freiheit, Momente von Verlust und Verunsicherung sowie Wege, die sich
allmählich der Klarheit und Wahrheit annähern. Sie bieten keine einfachen Lösungen, öffnen jedoch Räume für Anerkennung, Fragen und Verbindung.
In diesem Sinne ist meine Arbeit mit Theater der Welt nicht vom Leben getrennt. Sie ist Teil eines Prozesses, in dem ich lerne, das Leben ehrlicher zu betrachten und genauer hinzuhören, was es von uns verlangt.
EN Theatre is a window onto life and, at its best, an act of love. A space where complexity is allowed to exist without being reduced, and where listening becomes a form of care.
Being part of this curatorial group has brought light and hope to me during heavy times in the world. We come from different geographies, languages, and artistic traditions, yet we meet at the same point: a belief in theatre as a space for listening, empathy, and shared imagination. Our differences do not divide us; they shape how we tell the same human story.
As the Arabic programmer within this international group, I see my role as bringing voices that are often unheard, misunderstood, or simplified into a wider conversation. Sharing the work of artists from the Arab world in this context has been both exciting and deeply affirming, a reminder that we are as similar as we are different, even when our histories and realities are not.
The works I curated explore multiple journeys of life: from history to reflections on freedom, from moments of loss and uncertainty to paths that move slowly toward clarity and truth. They do not offer easy answers, but spaces for recognition, questioning, and connection.
In this sense, my work with Theater der Welt is not separate from life itself, but part of learning how to observe it more honestly, and how to listen more carefully to what it asks of us.
Jeong Seyoung
EN Theater als Experiment zu Raum und Zeit: unsichtbare und gleichzeitig sichtbare Körper in Betten. Verblüffendes Spiel mit Wirklichkeit und Unwirklichkeit.
EN Theatre as an experiment in space and time. Invisible, yet visible bodies in beds. An amazing play on reality and unreality.
DE Ein leeres Krankenhausbett steht auf der Bühne. In den fast leeren Raum ragt eine Tür. Seltsame Dinge geschehen. Wird die Tür sich jemals öffnen, liegt etwa jemand in dem Bett, ohne gesehen zu werden? Offensichtlich passiert nichts, doch ständig ändert sich die Atmosphäre im Raum. Das Bett regt sich, es hebt sich und senkt sich. Es kippt, als folge es dem Gewicht eines sich darin bewegenden Menschen. Eine Stimme schaltet sich ein und beschreibt den Zustand eines unsichtbaren Körpers. Seine Lage, seine Bewegungen, sein Atmen. Spannung liegt in der Luft, von Neugier getrieben. Ständig passiert etwas. Die vom Autor und Regisseur Jeong Seyoung in Südkorea entwickelte, ebenso spannende wie heitere Theateranordnung fußt auf direkten Erfahrungen aus einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem medizinische Institutionen, Pflege, Kontrolle und soziale Ordnung eng miteinander verwoben sind. Seyoungs Arbeiten gehen immer von bekannten Alltagssituationen aus und entdecken hinter dem Gewöhnlichen spektakulär Ungesehenes. Und wie der Titel „Außer, dass du mich nicht sehen kannst“ verspricht, gibt es eine Form von Theater zu erleben, die bewusst mit den Formen des Theaters spielt. Mit dem, was sichtbar ist, mit dem, was erzählt wird, woran erinnert wird und vor allem damit, welche Vorstellungskraft das Publikum entwickelt. Es ist eine Einladung an alle Zuschauer:innen, die eigene Wahrnehmung zu testen, die Aufmerksamkeit zu überprüfen und Vorstellungskraft als Quintessenz des Theaters zu erleben.
Das Multitalent Seyoung spielt in seinen außergewöhnlichen Arbeiten auf der gesamten Klaviatur des Theaters, von Szenografie über Choreografie bis hin zu Licht – seine Inszenierungen überraschen bewusst mit dem Durchbrechen bekannter Sehgewohnheiten.
EN An unoccupied hospital bed stands onstage. A door protrudes into the nearly empty room. Strange things come to pass. Will the door ever open? Is there someone lying in the bed, unseen? Nothing evidently happens, but the atmosphere in the room is constantly in flux. The bed moves; it rises and falls. It tilts as if responding to the weight of a person moving upon it. A voice flickers to life and describes the condition of an invisible body. Its position, its movements, its breathing. Tension hangs in the air, driven by curiosity. There is something constantly happening.
Developed in South Korea by author and director Jeong Seyoung, this both thrilling and cheerful theatrical arrangement is based on direct experiences from a social environment in which medical institutions, care, control, and social order are closely intertwined. Seyoung’s works always take as their point of departure familiar, day-to-day situations, and reveal the unseen spectacular behind the ordinary.
And as the title, Except That You Cannot See Me promises, there exists a form of experiential theatre that deliberately plays with theatre forms: with what is visible, what is told, what is remembered and, first and foremost, with the imaginative power that the audience develops. It is an invitation to all viewers to test their own perception, to examine their attention, and to experience imaginative power as the quintessence of theatre.
In the extraordinary works of this multi-talented theatre practitioner, Seyoung plays the entire keyboard of theatre, from scenography and choreography to lightning – his productions deliberately surprise by breaking with familiar perceptive habits.
Opernhaus Ballettsaal
Do 02.07. 20:00 – 21:00 Fr 03.07. 18:00 – 19:00
EUROPAPREMIERE
Installative Performance
In koreanischer und deutscher Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Foyer des Opernhauses statt.
Am 02.07.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch im Foyer des Opernhauses statt.
20 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Mit Jongyeol Lee, Dohyeon Yoo, Chae-ri Won
Konzept, Kreation, Regie
Jeong Seyoung
Komposition, Co-Regie
Jaemin Lee
Technische Direktion Seohyo Hong
Producer Yoonhyung Kim
Produktion
National Theater Company of Korea (New Play Development Div.)
Spinnbau Große Bühne
Fr 03.07. + Sa 04.07. 19:00 – 20:20
DEUTSCHLANDPREMIERE
Sprechtheater
In französischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer der Großen Bühne im Spinnbau.
Am 03.07.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch auf der Großen Bühne im Spinnbau statt.
18 – 30 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Les Francophonies – des écritures à la scène, la MC93 – Maison de la Culture de Seine-Saint-Denis, Le Méta CDN de Poitiers, le TAP – scène nationale de Poitiers, les 3T – scène conventionnée de Châtellerault et l’OARA
Unterstützt durch DRAC Nouvelle-Aquitaine, E.C.ART
Pomaret, SPEDIDAM, Scène nationale d’Aubusson, Scènes de territoire / Scène Conventionnée d’Intérêt National – Agglo2b, Théâtre de l’Aquarium, Scène nationale de l’Essonne
Compagnie La Nuit te soupire / Anthony Thibault
DE Eine Nichtigkeit macht eine Frau zur starken Bärin. Ein Schauspiel um Wut, als Selbstermächtigung gegen Kontrolle und institutionelle Gewalt.
EN A trifle turns a woman into a strong bear. A play about anger as self-empowerment against control and institutional violence.
DE Eine Frau wirft ein Bonbonpapier auf den Boden. Das reicht. Eine Polizeikontrolle, eine Festnahme, eine Nacht in Gewahrsam. Der Vorwurf ist banal, die Konsequenz nicht. Ihr Körper wird fixiert, befragt, reduziert. Ordnung wird durchgesetzt. La Grande Ourse, deutsch „Die Große Bärin“, beginnt dort, wo staatliche Macht alltäglich wird. Die Autorin Penda Diouf hat ihre Wurzeln im Senegal und in der Elfenbeinküste. In Frankreich lebend, schreibt sie keine Metapher für Gewalt, sie beschreibt deren Mechanismen: Überwachung, Disziplinierung, Beschämung, vollzogen an einer Frau. Sie wird beobachtet und bewertet. Der dichte Text lässt keine Distanz zu, er bleibt nah am Körper, an der Stimme. Dioufs Schreiben setzt dort an, wo Sprache oft versagt: bei Scham, Wut, Kontrollverlust. Im Stück beginnt die Frau zu hören, was unter der Oberfläche liegt. Der Körper verändert sich. Die Wut nimmt Gestalt an. Die Frau wird zur großen Bärin. Penda Diouf ist eine der eindringlichsten Stimmen der jungen Dramatik aus Frankreich. In ihrem Stück verbindet sie politische Gegenwart mit mythischem Denken. Polizeigewalt, Überwachung, institutioneller Rassismus und Misogynie sind keine abstrakten Begriffe, sondern konkrete Erfahrungen eines Körpers, der gedemütigt wird. Dioufs literarische Wut wirkt hier nicht zerstörerisch, sondern produktiv. Sie ist Energie, Orientierung und Schutz. Frankreich verfügt über eines der präsentesten Polizeisysteme Europas. Zugleich sind Debatten über Polizeigewalt, institutionellen Rassismus und staatliche Kontrolle seit Jahren zentraler Bestandteil öffentlicher Auseinandersetzungen.
Inszeniert von Anthony Thibault entfaltet sich der Text in einem reduzier-
ten Raum, tritt vom Alltag über in eine märchenartige Erzählung. In ihr wird die Frau stets begleitet von einem Griot, dem westafrikanischen Übermittler von schlechten Nachrichten, der das, was geschieht, kommentiert.
Thibault und Diouf gründeten in Frankreich das Label „Jeunes textes en liberté“, unter dem zeitgenössische Theatertexte gefördert werden. Sie setzen sich für Diversität und Parität im Theater ein.
EN A woman throws a sweet wrapper on the floor. That’s enough: a police check, an arrest, a night in custody. The accusation is trivial, the consequences are not. Her body is restrained, questioned, reduced. Order is enforced. La Grande Ourse, in English ‘The Great Bear’, begins where state power becomes an everyday occurrence.
The author Penda Diouf has her roots in Senegal and Ivory Coast. Now living in France, she does not write metaphors for violence; she describes its mechanisms – surveillance, discipline, shaming, carried out on a woman. She is observed and evaluated. The dense text allows no distance; it remains close to the body, to the voice. Diouf’s writing begins where language often fails: with shame, anger, loss of control. In the play, the woman begins to hear what lies beneath the surface. Her body changes. Her anger takes shape. The woman becomes the Great Bear.
Penda Diouf is one of the most powerful voices among young French drama practitioners. In her play, she combines contemporary politics with mythical thinking. Police violence, surveillance, institutional racism, and misogyny are not abstract concepts, but rather concrete experiences of a body subjected to humiliation.
Diouf‘s literary anger is not destructive here; it is productive. It is energy, orientation, protection. France has one of the most present police systems in Europe. At the same time, debates about police violence, institutional racism, and state control have made up a central part of public discourse for years.
Directed by Anthony Thibault, the text unfolds in a reduced space, moving from daily reality into a fairy-tale-like narrative: the woman is constantly accompanied by a griot, the West African harbinger of bad news, who comments upon what is taking place.
Thibault and Diouf founded the label ‘Jeunes textes en liberté’ in France, which promotes contemporary theatre texts. They are committed to diversity and parity in theatre.
Yoko
Ando
DE Körper begegnen Körpern. Bewegung wird zu Tanz: Eine choreografische Untersuchung von Nähe, Gemeinschaft und Transformation.
EN Bodies encountering bodies. Movement becomes dance. A choreographic investigation into closeness, community, and transformation.
DE „Von Körper zu Körper“ ist die Übersetzung des Titels dieser Tanzproduktion. Erarbeitet wird sie von der japanischen Choreografin Yoko Ando aus Yokohama, gemeinsam mit der Gruppe Tanzende Nachbarn aus Chemnitz. Diese Initiative, entstanden im Zuge des europäischen Kulturhauptstadtjahres 2025, vereint Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Historien bei gemeinsamem Tanz. Von Beginn an fördert das Projekt den interkulturellen und intergenerationellen Austausch. Als Teil dieses Dialogs wurde eine Zusammenarbeit mit dem Seniorentanzprogramm „Challenge of the Silver“ in Kanagawa entwickelt, das von der Kanagawa Arts Foundation geplant und produziert wird. In diesem Zusammenhang treten Tänzer:innen aus Japan in der Performance auf und stärken so den künstlerischen Austausch zwischen Chemnitz und Kanagawa.
Im Stück stehen die Menschen zusammen auf einer Bühne. Ihre Körper tragen verschiedene Geschichten, Rhythmen, Erfahrungen und bewegen sich doch im selben Raum, zur selben Zeit. Was daraus entsteht, ist kein Abbild von Alltag, sondern eine präzise choreografische Begegnung unterschiedlicher Identitäten.
Yoko Ando, selbst auch Tänzerin, entwickelt mit den Tanzenden Nachbarn ein konzentriertes choreografisches Gefüge, das Nähe, Aufmerksamkeit und körperliche Differenz nicht erklärt, sondern sichtbar macht. Zu erleben ist eine Abfolge von Bewegungen, Blicken und räumlichen Konstellationen. Körper bewegen sich nebeneinander, lösen sich voneinander, finden temporäre Allianzen. Mal steht das Kollektiv im Vordergrund, mal ein einzelner Körper, der aus der Gruppe hervortritt. Alter wird dabei nicht thematisiert, sondern verkörpert. Die Nähe entsteht nicht durch Gleichheit, sondern durch Aufmerksamkeit. Bewegung wird zu einer Form des gegenseitigen Zuhörens.
Die Produktion ist ein künstlerischer Höhepunkt im Schaffen der Tanzenden Nachbarn. Seit drei Jahren trainieren und proben sie regelmäßig gemeinsam. Diese Zeit wird spürbar: im Vertrauen zwischen den Tänzer:innen und der Choreografin, in der Ruhe der Bewegungen, in der Genauigkeit von Übergängen. Die Choreografie erklärt nichts. Sie öffnet einen Raum, in dem Verschiedenheit koexistieren und gefeiert werden kann.
Hartmannfabrik Fr 03.07. + Sa 04.07. 20:00 – 20:45
URAUFFÜHRUNG
Tanzperformance
Ohne gesprochenes Wort
Jeweils 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn gibt es ein Grußwort der Festivalintendanz.
Für Familien geeignet
From ‘Body to Body’ is the translated title of this dance production, which was developed by Japanese choreographer Yoko Ando from Yokohama, together with the group Tanzende Nachbarn (Dancing Neighbours) from Chemnitz. This initiative, which arose over the course of the European Capital of Culture 2025, joins people of different ages and backgrounds to dance together. Since its beginning, the project has fostered intercultural and intergenerational exchange. As part of this ongoing dialogue, Dancing Neighbours has developed a collaboration with the senior dance program ‘Challenge of the Silver’ in Kanagawa, which is planned and produced by the Kanagawa Arts Foundation. Dancers from Japan will also participate in this performance, further strengthening the artistic exchange between Chemnitz and Kanagawa.
In the piece, people stand together onstage. Their bodies carry different stories, rhythms, and experiences, yet they move within the same space at the same time. The result is not a reflection of our daily reality, but rather a precisely choreographed encounter between different identities.
Yoko Ando, who is also a dancer, has developed a charged choreographic structure alongside Tanzende Nachbarn: it does not explain closeness, attention, or physical differences – it makes them visible. What arises is a sequence of movements, glimpses, and spatial constellations. Bodies move side by side, separate from one another, and form temporary alliances. Sometimes the collective is in the foreground; at other times a single body emerges from the group. Age is not thematised, but embodied. Proximity emanates not through equality, but through attention. Movement becomes a form of mutual listening.
The production is an artistic highlight in Tanzende Nachbarn’s body of work. They have trained and rehearsed with Yoko Ando for three years, and this time together is palpable – in the trust between the dancers and the choreographer, in the serenity of the movements, in the precision of the transitions. The choreography explains nothing. It opens up a space in which diversity can coexist and be celebrated.
Eintritt frei
Mit Tanzende Nachbarn: Sabine Ahrens, Nina Basaeva, Ria Benz, Jutta Berger, Monika BullaMüller, Nils Dittmar, Gabriele Einmahl, Simone Fischer, Hannah Grosse, Catrin Grünberg, Karin Hänßchen, Andrea Horlbeck, Ines Jacob , Silvia Kökert, Eike Krusche, Andrea Küttner, Irina Markov, Undine Meister, Albrecht Meister, Janet Meusel, Monika Meyer, Birgit Mittelstädter, Petra Müller, Ute Orobko, Terry Pedersen-Pfeiffer, Manuela Pioch, Beate Prahm, Annett Raßmus, Christine Roscher, Sabine Sachtleben, Andrea Sawertal, Natalja Schreiber, Gerd Schumann, Sabine Strauchmann, Anne Strauss, Alexandra Takats, Heidrun Teucher, Angelika Tittmann, Sabine Wagler, Petra Cornelia Walter, Alexandra Weber, Cornelia Weiß, Doris Wolf
Regie, Choreografie, Projektleitung „Challenge of the Silver“ Yoko Ando
Regieassistenz, Übersetzung Sonoko Hashimoto
Choreografieassistenz Nami Kaigaishi
Choreografiedozent Masaharu Honada, Yuya Maruyama
Film, Regieassistenz Isao Kanemaki
Produktionsleitung
Yoshika Tsunaiguchi, Mai Yokoyama, Michal Sandor, Alexandra Takats
Produktion
Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH
Koproduktion Kanagawa Arts Foundation
Unterstützt durch EU-Japan Fest Japan Committee
DE Joshua Dalledonne ist Kurator, Programmgestalter und Produzent für Live-Performances in Calgary. Als Associate Director Presenting am Werklund Centre, dem größten Zentrum für darstellende Künste im Westen Kanadas, verantwortet er den Präsentationsbereich. Darüber hinaus berät er professionelle Kunstnetzwerke und engagiert sich ehrenamtlich an der Calgary Arts Academy als stellvertretender Vorsitzender des Board of Directors.
Weitere Informationen: theaterderwelt.de/ueber-uns
EN Joshua Dalledonne is a curator, programmer and producer for live performance in Calgary. He leads presenting as Associate Director Presenting for Werklund Centre, western Canada’s largest performing arts centre. His advises for professional arts networks and volunteers his time for Calgary Arts Academy as ViceChair of the Board of Directors.
Further information: theaterderwelt.de/ueber-uns
Kurator / Curator
Joshua Dalledonne
DE Unsere Fähigkeit, einander zu verstehen und somit auch zusammen zu leben, wurde und wird fortwährend auf immer neue Weise auf die Probe gestellt. Da das Theater seinem Wesen nach eine kollaborative Kunstform ist, rücken die Arbeiten, für die ich mich für dieses Programm eingesetzt habe, Zusammenarbeit direkt ins Zentrum ihres Schaffens – eine eindringliche Gegenposition zur Teilung. Diese Arbeiten bringen Künstler:innen über sämtliche Grenzen hinweg zusammen. Es sind zutiefst relational angelegte Arbeiten, die ohne Gemeinschaft als ihr Zentrum nicht denkbar wären.
Das führt mich zur Idee einer Mitte und zur wachsenden Bedeutung der Spannungen und Chancen, die sie in sich vereint. Die Mitte erschien mir schon immer als ein unbequemer Ort. Es fehlt ihr an der Klarheit eines Extrems, an zufriedenstellender Deutlichkeit; zudem kann man sie scheinbar kaum irgendwo verorten. Die Mitte wird von zwei Extremen zusammengehalten (oder zusammengequetscht); sie ist auch der Ort, an dem sich die meisten von uns aufhalten: zerfasert, frustriert und immer unbewohnbarer.
Diese Künstler:innen halten einer Welt der Extreme ihre Rituale und Feste entgegen, in Räumen, die sie für ein Miteinander gestaltet haben – ein wirkmächtiges Heilmittel, das uns den Sinnen und dem elementaren Akt, einen Raum zu teilen, wieder näherbringt. Ihre Arbeiten offenbaren und halten die wunderbare Spannung unserer Welt. Sie laden uns ein, tief in den Kern ihrer Wahrheit vorzudringen, indem sie damit spielen, wie wir Fürsorge und Zerstörung üben, und indem sie Gräben überwinden. Es liegt eine couragierte Weisheit darin, wie sie ihr künstlerisches
Schaffen auf einem Terrain ansiedeln, das sich jeglichem Konsens entzieht.
Diese Arbeiten existieren mitten unter uns. Sie lösen weder Fragen noch Probleme – und genau das ist der Punkt. Die Wurzeln ihrer Schöpfungen wachsen tief, breit und hoch. Von ihrer Anhöhe aus eröffnet sich uns ein freier Blick, um uns selbst zu verorten. Wenn diese Künstler:innen von der Welt reden, sprechen sie über die Umwelt – darüber, wie wir sie erschaffen, ausnutzen, manipulieren, zerstören, reparieren und zu ihr zurückkehren. Dabei bildet unsere Beziehung zur Umwelt – sowohl zur Natur als auch zu unserem eigenen Körper (unsere Ur-Umwelt) – die Plattform, auf der sie mit unterschiedlichen Theaterformen spielen. Sie spiegeln, was wir unserer Umwelt abverlangen, verbiegen, erproben und erweitern dabei die Formsprachen – nicht als stilistischer Kunstgriff, sondern als Herausforderung und Reaktion auf eine abstrakte, zunehmend unkenntlich gewordene Welt.
Wie gelingt ein Zusammenleben? Wie verorten wir die Mitte? Was ist unser Blick auf unsere Umwelt? Wie meisterhaft die Künstler:innen dieses Festivals diese Fragen und ihre Antworten auch gestalten – am Ende zählt, wie sie uns zu einem tieferen Verständnis führen: wie wir uns selbst verstehen, wie wir andere verstehen und wie wir uns durch die anderen verstehen.
EN Our ability to understand one another, and thus live together, has and continues to be tested in new and not-so-new ways. While theatre is an innately collaborative artform, the works I’ve championed in this programme place collaboration at the centre of their creation – a powerful counterposition to division. These works bring artists together across borders, they do not exist without community at their centre, and they are deeply relational. They are works in conversation and for conversation that ask: With so many ways to be in the world, how do we live together?
This brings me to the idea of the ‘middle’ and the increasing importance of the pressure and possibility therein. I’ve always found the middle to be an uncomfortable place. It lacks the definition of an extreme, the satisfaction of clarity, and is seemingly impossible to locate. Defined by the extremes it holds together (or is squeezed between) the middle is also where most of us are: frayed, frustrated, and finding it increasingly difficult to inhabit.
In a world so often at extremes, these artists offer ritual and celebration in the spaces they’ve created for coexistence, a meaningful remedy returning us to the senses and the essential act of sharing space. Their works reveal and hold the beautiful tension of our world by inviting us deep into the centre
of their truth, by playing with how we care and destroy, and by connecting across divides. There’s a courageous wisdom in how their artistry is planted in terrain that is anything but agreed upon. These works live squarely in the world with us – no question or issue is solved because of them – and this is the point. The roots of their ideas go deep, wide, and grow tall so that from their height we’re offered a vantage point for locating ourselves.
If these artists are speaking of the world, they do so by speaking about the environment, how we build, benefit, manipulate, damage, repair, and return to it. Our connection to the environment, both the natural world and our own bodies (our original environment), is the platform through which these works play with the form of theatre. Mirroring what we ask of our environments, they bend, test, and stretch the form not as a stylistic trick but as a challenge and response to an abstract and increasingly unrecognizable world. How do we live together? How do we locate the middle? How do we consider our environments? However masterfully the artists of this festival shape these questions and their replies, it is how they move us towards understanding that matters: how we understand ourselves, how we understand others, and how we understand ourselves through one another.
Joshua Dalledonne
Compagnie Ivoire Marionnettes
DE Mitten auf dem Theaterplatz: Seltsame Wesen krabbeln aus einer riesigen blauen Kugel. Figurentheater verzaubert mit einem Spiel über Vielfalt und Gemeinschaft.
EN In the middle of Theaterplatz. Strange beings crawl out of a huge blue ball. Puppet theatre casts a spell in a piece about diversity and community.
Theaterplatz
Sa 04.07. + So 05.07. 16:00 – 16:45
EUROPAPREMIERE
Figurentheater
In französischer Sprache mit deutscher Übersetzung
Für Familien geeignet
Eintritt frei
DE Eine riesige blaue Kugel auf offenem Platz. Sie bewegt sich langsam, schwerfällig und zugleich verspielt. Eigenwillige Wesen quellen aus ihr heraus: tastend, einander neugierig beäugend, wirr und doch elegant agierend. Niemand spricht. Die Kugel wechselt die Farbe. Es entsteht ein buntes Treiben. Dann wird verhandelt, gestritten und gelacht. Aus dieser Dynamik entwickelt sich eine Abfolge widersprüchlicher Situationen. Missverständnisse gehören dazu, Nähe genauso wie Distanz. Schritt für Schritt erwächst eine skurrile Gemeinschaft aus einer Art Gleichzeitigkeit an Situationen, die nicht Einheit zum Ziel hat, sondern Koexistenz. Unterschiede bleiben sichtbar. Genau darin liegt ihre poetische Kraft. Große Bilder und Freude am Erleben sind die Stärken dieser Produktion. Humor und visuelle Klarheit schaffen ein Theatererlebnis für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Es ist ein Stück, das mit wenigen Worten auskommt und dennoch viel verhandelt:
wie Gemeinschaft entsteht, wie Unterschiede sichtbar bleiben dürfen und wie Verständigung jenseits von Sprache möglich wird.
Die Compagnie Ivoire Marionnettes aus Abidjan in der Elfenbeinküste arbeitet mit einer monumentalen Großpuppe, die zugleich Figur, Raum und Gegenüber ist. Sie zieht Blicke an, sammelt Menschen um sich, schafft einen temporären Mittelpunkt. Ohne großes Bühnenbild und ohne technische Raffinessen entfaltet sich ein Theater, das direkt wirkt: körperlich, farbig, einladend.
Wie Diversität ein gemeinsamer Nenner sein kann, erzählt dieses Figurentheater auf humorvolle und unterhaltsame Art. Brodelt das Theatergeschehen als kunterbuntes Etwas, kann sich jede:r an dieser Vielfalt erfreuen, innehalten und diese genießen. LA BOULE BLEUE gelingt es, mit verblüffender Einfachheit ein so komplexes Thema wie Diversität greifbar und es jungen Menschen sinnlich und spielerisch zugänglich zu machen.
EN An enormous blue ball in open space. It moves slowly, heavily, yet playfully. Idiosyncratic entities pour out of it, tentatively, eyeing each other curiously, confused, yet elegant in their actions. No one speaks. The ball changes colour. Multi-coloured drifting ensues. Then: negotiations, conflict, laughter. This dynamic gives rise to a series of contradictory situations, including misunderstandings, proximity as well as distance. Step by step, a whimsical community grows out of a kind of situational simultaneity which does not aim for unity, but co-existence. Differences remain visible. Therein lies its poetic power.
Big images and experiential joy are the strengths of this production. Humour and visual clarity create a theatrical experience for children and adults alike. This is a piece that gets by with little words while dealing with a lot: how community forms, how differences remain visible, and how understanding is possible beyond language.
The Compagnie Ivoire Marionnettes from Abidjan, Ivory Coast, works with a monumental puppet, which is at once a character, space, and counterpart. It attracts attention, gathers people around it, creates a temporary focus. With no large set and no technical sophistication, a theatre direct in its effect unfolds: embodied, colourful, inviting.
This is puppet theatre that explains how diversity can be a common denominator in a funny, entertaining way. If the performance goes topsy-turvy, everyone can enjoy the diversity, pause, and relish it. LA BOULE BLEUE succeeds with flying colours in realising a complex topic like diversity while making it accessible to young people in a sensory and playful manner.
Toussaint, Kamagate Adama, Louhon Franck Cedrick, N‘Wole Edgar
Idee Soro Badrissa
Text, Regie
Luis Marquès assistiert von Soro Badrissa
Choreografie
Goualy Rachelle
Figurendesign
Soro Badrissa
Figurenbau
Soro Badrissa, Koro Souleymane
Kostüm
Koro Souleymane
Musik Abou Bassa
Checho Tamayo
DE Sport ist Kultur. Kultur baut Gesellschaft. Ein Beteiligungsprojekt von und mit Chemnitzer:innen.
EN Sport is culture. Culture builds society. A participatory project by and with the people of Chemnitz. An verschiedenen Orten in der Stadt
Sa 04.07. + So 05.07. 17:00 – 17:45
DEUTSCHLANDPREMIERE
Partizipative Performance
In deutscher und englischer Sprache ohne Übertitelung
Für die Performance werden Teilnehmende gesucht. Zur Vorbereitung auf die Performance wird ein Workshop stattfinden.
Interessierte können am 06.05. ab 18:00 an einer Informationsveranstaltung in der Hartmannfabrik teilnehmen.
Der Workshop findet vom 29.06. bis 03.07. statt und dauert täglich drei Stunden.
Die gemeinsam entwickelte Performance wird anschließend am 04.07. und 05.07. an öffentlichen Orten in Chemnitz präsentiert.
Die Orte werden bekanntgegeben.
Anmeldungen zur Teilnahme sind per E-Mail an workshops@ theaterderwelt.de möglich.
Der Workshop findet auf Deutsch, Englisch und Spanisch statt.
Eintritt frei
DE LOS JUEGOS x Oxymoron bringt Bewegung in die Stadt. Was passiert, wenn Menschen, die sich nicht kennen, zusammen neue Spiele erfinden? Wenn es dabei nicht ums Gewinnen geht, sondern einfach ums Mitmachen? Wenn Regeln nicht feststehen, sondern gemeinsam entstehen?
Der Künstler Checho Tamayo, geboren in Kolumbien und heute in Madrid lebend, bringt die Erfahrung mit, dass Spiel und Bewegung Teil des Alltags sind. In Kolumbien gehört Fußball auf der Straße zum Aufwachsen dazu. Tanz ist Teil von Protesten und hält Nachbarschaften zusammen. Bewegung bedeutet dort oft Gemeinschaft – nicht nur Wettbewerb.
EN LOS JUEGOS x Oxymoron brings movement into the city. What happens when people who have never met begin inventing new games together? When the point is not to win, but simply to take part? When rules are not fixed in advance, but evolve collectively?
Artist Checho Tamayo, born in Colombia and now based in Madrid, draws on the experience that play and movement are woven into everyday life. In Colombia, street football is part of growing up. Dance becomes part of protest and a way for neighbourhoods to come together. Movement often creates a sense of community – not just competition.
Mit Lokalen Teilnehmer:innen aus verschiedenen Bewegungs- und Kreativpraktiken, ausgewählt durch einen Open Call
Konzept, Künstlerische Leitung
Checho Tamayo
Musik, Sounddesign
Jose Venditti, Sammy Metcalfe
Künstlerische Produktionsmitarbeit
Synnøve Urgilez Maldonado
Künstlerische Unterstützung
Poliana Lima, Lucas Condró
Für fünf Tage treffen sich in Chemnitz Freiwillige aus der Stadt und arbeiten gemeinsam mit Sportler:innen von Athletik Sonnenberg. Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Hintergründen kommen zusammen: mit oder ohne Vorerfahrung in Tanz oder Sport. Gemeinsam probieren sie einfache Bewegungen aus, hören aufeinander, erfinden Regeln und testen, was funktioniert. Schritt für Schritt entstehen neue Spiele, irgendwo zwischen Fußball, Tanz und Ritual. Es geht um Teamgeist statt Konkurrenz. Um Fantasie statt Leistungsdruck. Um die Freude daran, zusammen etwas auszuprobieren.
Am letzten Festivalwochenende tauchen diese neu erfundenen Spiele im öffentlichen Raum auf: auf Plätzen, in Passagen, vielleicht sogar in der Bahn. Plötzlich wird die Stadt zum Spielfeld. Zuschauende können beobachten, mitdenken oder spontan mitmachen.
LOS JUEGOS x Oxymoron lädt dazu ein, sich eine einfache, aber große Frage zu stellen: Wie wollen wir eigentlich miteinander spielen und leben?
For five days in Chemnitz, volunteers from across the city meet and collaborate with athletes from Athletic Sonnenberg. People of different ages and backgrounds come together, with or without experience in dance or sport. They try out simple movements, listen to one another, invent rules and explore what works. Step by step, new games take shape somewhere between football, dance and ritual.
The focus is on team spirit rather than rivalry. On imagination rather than performance. On the pleasure of experimenting together.
During the final festival weekend, these newly invented games appear in public space – on squares, in passageways, perhaps even on the tram. Suddenly the city itself becomes a playground. Passers-by can watch, reflect, or join in spontaneously.
LOS JUEGOS x Oxymoron invites everyone to consider a simple yet far-reaching question: How do we want to play, and live, together?
Mapa Teatro
DE Eine begehbare Installation lädt an den Amazonas: Ein berühmtes Buch ist Grundlage für eine Erzählung über Ausbeutung und Vertreibung indigener Einwohner:innen.
EN An immersive installation takes you to the Amazon. A famous book undergirds a story about the exploitation and displacement of an Indigenous people.
Opernhaus auf der Bühne Sa 04.07. + So 05.07.
18:00 – 18:55 19:30 – 20:25
21:00 – 21:55
DEUTSCHLANDPREMIERE
Immersives Theater
In Spanisch und Nukak mit deutscher und englischer Übertitelung
DE Der Amazonas trägt Gewalt und Widerstand in seinem Gedächtnis. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwandelte der Kautschukboom den Regenwald im Dreiländereck von Kolumbien, Venezuela und Brasilien in eine Zone menschlicher Grausamkeiten. Von Abenteurer:innen und Verbrecher:innen in einen Geldrausch hineingezogen, wurden indigene Gemeinschaften versklavt und ausgebeutet. Diese Abgründe beschreibt der Kolumbianer José Eustasio Rivera 1924 in seinem bahnbrechenden Roman „Der Strudel“. Die eindringliche Produktion aus Kolumbien überführt Motive daraus in eine begehbare, installative Form.
Bekannt für seine bildstarken Inszenierungen, entwickelt das Mapa Teatro aus Bogota ein Kaleidoskop aus Video, Texten und Situationen. In einer geschickten Dramaturgie ist der Roman präsent und doch geht es auf der Bühne vor allem um diejenigen, die darin nur am Rand vorkommen: die Mitglieder der Nukak, eine der letzten nomadischen Gemeinschaften Kolumbiens. Ihr Schicksal ist eng mit der Gewalt verbunden, die die Kautschukindustrie ausgelöst hat. Durch die mutige Entscheidung einer Gruppe von Nukak, an der Entstehung dieses Kunstwerkes mitzuwirken, ist ein außergewöhnliches Bühnenwerk entstanden.
Als Vertreter:innen einer Kultur, die ständig um ihr Überleben kämpfen muss, gestalten sie dieses Kunstwerk aktiv mit und stehen live auf der Bühne. Umgeben von visuell beeindruckenden Videos werden die Zuschauer:innen hineingesogen in einen Traum, in dem Dokumente, Fiktionen und körperliche Eindrücke ineinanderfließen. Auch der Amazonas erscheint nicht als Kulisse, sondern als lebendiges Gegenüber und Zeuge des Lebens. Mit der Uraufführung dieser Produktion in Bogota wurde im Frühjahr 2025 ein Erweiterungsbau des Nationalen Zentrums für Kunst Kolumbiens eröffnet.
EN The Amazon carries violence and resistance in its memory. At the beginning of the 20th century, the rubber boom transformed the rain forest in the tri-border region of Colombia, Venezuela, and Brazil into a zone of inhumane barbarity. Roped into a gold rush, adventurers and criminals enslaved and exploited indigenous communities. Colombian author José Eustasio Rivera portrays this in his groundbreaking 1924 novel ‘The Vortex’. This haunting piece from Colombia conveys the novel’s themes in an installation. Known for their strong imagery, Bogotá’s Mapa Teatro creates a kaleidoscope of video, text, and situations. The novel is present in a dramaturgically skilful way, but the action on stage concerns its peripheral characters: members of the Nukak, one of Colombia’s last nomadic communities. Their destiny is entwined with the violence which the rubber industry has wrought. The brave decision by a group of Nukak to collaborate on this piece has given rise to an extraordinary stage work.
Representatives of a culture constantly struggling to survive, they actively co-create this artwork and appear live on stage. Surrounded by vivid videos, the spectators are sucked into a dream, in which documents, fictions, and bodily impressions coalesce. The Amazon is not a mere backdrop; it is a living counterpart and witness to life. In spring 2025, the premiere of this work in Bogotá inaugurated an extension to Colombia’s National Arts Centre.
Eine Einführung ist aktiver Teil jedes Vorstellungsslots.
Am 04.07.2026 findet im Anschluss an die letzte Vorstellung ein Nachgespräch im Foyer des Opernhauses statt.
20 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite
Centro Nacional de las Artes, Ministerio de las Culturas, las Artes y los Saberes de Colombia, Mapa Teatro
Koproduktion
Berliner Festspiele
Spinnbau Figurentheater
Sa 04.07. + So 05.07.
18:00 – 18:45
EUROPAPREMIERE
Sprechtheater
In arabischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer des Figurentheaters im Spinnbau.
Am 04.07.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch im Figurentheater im Spinnbau statt.
20 € 35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Mit Ahmed Al-Harbi, Mohammed Al-Mutawa, Sawsan Al-Idris, Jawad Al-Sayigh, Mahdi Al-Marhoon, Mohammed Al-Marzouq, Houra Al-Hazim
Text, Regie
Yousef Ahmed Al-Harbi
Musik, Sound Abdulaziz Al-Aswad
Lichtdesign
Nawaf Al-Harbi
Bühne
Shahd Ahmed Al-Harbi
Kostüm
Ikram Al-Omari
Maskenbild
Houra Al-Hazim
Stage Management
Ahmed Al-Bannai
Yousef Ahmed Al-Harbi
DE Ein szenisch starkes Spiel um Irrung und Wirrung, auch eine Parabel über Orientierung, Autorität und zerstörerische Hoffnung in einem Schauspiel.
DE Eine Gruppe Menschen irrt durch einen Bühnenraum. Dieser verändert sich ständig. Die Zuschauer:innen verfolgen die verzweifelte Suche der Verirrten mit Spannung und könnten vermuten, dass die Menschen blind sind. Mitgeteilt wird dies nicht. Offensichtlich weiß die Gruppe nicht, wo sie sich befindet. Oder doch?
Der Titel Speak So I May See You, auf Deutsch „Sprich, damit ich dich sehen kann“, lädt in ein originelles Setting und ist Spielanleitung. Sehen oder nicht sehen (können)? Hören und nicht hören (können)? Der saudi-arabische Theatermacher Yousef Ahmed Alharbi bietet eine theatrale Versuchsanordnung, in der die Verwirrung zwischen Wahrnehmung und Wahrheit, Täuschung und Enttäuschung Triebfeder einer tragischen Handlung ist. Er untersucht so spielerisch die Steuermechanismen, die zur Bildung von Hierarchien, Ordnungen und letztlich autoritär geführten Machtvertikalen angewendet werden.
EN A visually compelling play about errancy and confusion. Also a parable about direction, authority, and destructive hope all in one piece.
Ob das Publikum eine Parabel über blinde Gefolgschaft und die Gefahren erlebt, die das Auslagern von Verantwortung mit sich bringt – oder eben ganz das Gegenteil, ist Interpretationsrahmen. Dass die Zuschauer:innen eine andere Welt wahrnehmen als die Menschen auf der Bühne, ist ein ebenso einfach inszenierter wie verblüffend wirkender Theatermoment. Entstanden ist die außergewöhnliche Arbeit in Saudi-Arabien, einem Land, dessen Theaterkultur in Europa bisher fast unbekannt ist. Dass SaudiArabien als autoritär geführtes Land gilt, ist bekannt. Die Inszenierung will Ungesehenes über Menschen erlebbar machen, aus einem Land, das für Reisende erst vor wenigen Jahren zugänglich geworden ist.
EN A group of people wander through a theatre. Not enough. It is constantly changing. The spectators follow the wanderers’ desperate search with bated breath. They might assume the wanderers are blind. This has not been communicated. Obviously, the group does not know where it is. Or does it?
The title, Speak So I May See You, both invites viewers into a creative setting and serves as instructions for the game. To see or not (be able) to see? To hear or not (be able) to hear?
The Saudi Arabian theatre-maker Yousef Ahmed Alharbi provides an experimental theatre setup in which the confusion of perception and truth, deception and disappointment, is the driving force of a tragic plot. He playfully examines the control mechanisms which are used in the formation of hierarchies, orders, and ultimately authoritarian power verticals.
The audience may experience a parable about blind fealty and the dangers that come with outsourcing responsibility – or just the opposite. This is the range of interpretation.
The spectators’ perception of world different to that which the people on stage are perceiving is a theatrical moment as simple as it is amazing. This extraordinary work was made in Saudi Arabia, a country whose theatre culture has been all but unknown in Europe. Saudi Arabia is known as an authoritarian country. This show seeks to make experiential that which is unseen about people from a country that became accessible to travellers only a few years ago.
DE Im August 2024 las ich, dass ein historisches experimentelles Theater in Thessaloniki verkauft werden sollte. Ein Raum, der einst als Leuchtturm des kulturellen Lebens der Stadt gedient hatte, drohte zu etwas anderem zu werden – zu einem weiteren Ort ohne Gedächtnis. Mein Team und ich beschlossen, ein Risiko einzugehen –es zu renovieren, sein künstlerisches Programm zu entwickeln und es der Stadt zurückzugeben.
Unser Schwerpunkt lag auf neuen, ortsansässigen Stimmen, auf Diversität, Inklusion und Experimentieren. Vor allem in der Peripherie sind solche Orte kein Luxus. Sie sind vielmehr eine Grundvoraussetzung dafür, dass künstlerisches Schaffen überleben kann. Das Theater wurde neu belebt, um jene zu unterstützen, die in den vorherrschenden Narrativen keinen Platz haben – Stimmen, die als „nicht unbedenklich“ oder „nicht markttauglich“ wahrgenommen werden.
Als ich mit meiner kuratorischen Arbeit für Theater der Welt begann, wurde mir klar, dass die Herausforderung dieselbe war, diesmal jedoch auf internationaler Ebene: Wie kann man Künstler:innen wirklich unterstützen? Kuratieren bedeutet nicht nur, Arbeiten auszuwählen, sondern auch Verantwortung zu übernehmen. Es geht um die andauernde Frage, wer Zugang hat, wer eine Stimme hat, wer Raum hat, zu scheitern, zu experimentieren und letztlich überhaupt zu existieren. Es gibt eine Sache, die ich für absolut wesentlich halte und die ich auf einer internationalen Plattform wie Theater der Welt in den Mittelpunkt stellen möchte: kulturelle und zivilisatorische Polyphonie. Nicht als Trend, sondern als bewusste politische Entscheidung. Ich glaube fest an den Wert dieses Risikos und an Vertrauen als einen Akt. Ich vertraue darauf, dass ein internationales Festival ein Ort der Gastfreundschaft, des Austauschs und der wahrhaftigen künstlerischen Freiheit sein kann.
Wenden wir den Blick in eine andere Richtung. Auf Künstler:innen, die unter schwierigen Bedingungen arbeiten, auf Gemeinschaften, die Erinnerung, Trauma, Zartheit und ihre Wurzeln bewahren. Inklusion ist kein Werkzeug, sondern eine Notwendigkeit. Ein Kampf gegen die Monophonie. Jahrhundertelang stand Europa im Mittelpunkt der weltweiten Aufmerksamkeit und prägte die dominanten Narrative. In diesem Jahr geht Theater der Welt ein echtes Risiko ein: Es überträgt die Programmgestaltung an ein Kollektiv von neun Kurator:innen aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Das ist kein symbolischer Akt, sondern eine tiefgreifende Machtübertragung. Es ist nicht die Aufgabe der Peripherie, das Zentrum zu validieren; vielmehr ist sie dazu angehalten, ihre eigene Perspektive auf Unterrepräsentierung einzubringen.
Wir tragen die Verantwortung, die Dinge anders zu machen und gemeinsam mit den eingeladenen Künstler:innen Widerstand zu leisten, um nicht zu vergessen, dass wir eine Stimme haben – denn wir haben überlebt, um eine
Stimme zu haben –, und dass die Diskriminierung und Ausgrenzung unserer Gemeinschaft eines Tages überwunden sein wird.
Mit uns – bei diesem Festival – tragen wir all unsere Hoffnung.
Willkommen im Theater der Welt.
EN In August 2024, I read that an historic experimental theatre in Thessaloniki was being put on the market. A space that had once served as a beacon in the city’s cultural life was at risk of becoming something else – another place without memory. My team and I decided to take a risk: to renovate it, to shape its artistic programme, and to give it back to the city.
We emphasised new local voices, diversity, inclusivity, and experimentation. Especially at the periphery, such spaces are not a luxury but a prerequisite for artistic creation to survive. The theatre was reborn to support those who are not part of the dominant narrative. Voices that are not considered ‘safe’ or ‘marketable’.
When I began the curatorial process for Theater der Welt, I realised that the challenge was the same, but on a global level: how do you truly support artists? Curation is not merely the selection of works; it is the assumption of responsibility. It is the ongoing question of who has access, who has a voice, who has the space to fail, to experiment, and ultimately to exist.
If there is something I consider absolutely crucial to highlight through an international platform such as Theater der Welt, it is cultural and civilizational polyphony. Not as a trend, but as a conscious political choice.
I deeply believe in the value of this risk. In trust as an act. In the possibility of an international festival functioning as a place of hospitality, exchange, and genuine artistic freedom.
We are turning our gaze elsewhere. To artists who create under difficult conditions, to communities that carry memory, trauma, tenderness, roots. To works by ethnocultural, gender, social, and age minorities. Inclusion is not a tool; it is a necessity. A struggle against monophony.
For centuries, Europe occupied the centre of global attention, shaping dominant narratives. This year, Theater der Welt is taking a real risk: it has entrusted curatorial responsibility to nine co-curators from different parts of the world. This is not a symbolic gesture, but a substantive transfer of power. The periphery is not called upon to validate the centre, but to put forth proposals from its own experience of underrepresentation.
We have the responsibility to do things differently. To resist together with the artists we invite.
To not forget that we have a voice, because we are the ones who survived in order to have one.
That discrimination and exclusion of our communities will one day be overturned.
With us – at this festival – we carry all our hope.
Welcome to the theatre of the world.
ενάντια στη μονοφωνία. Για αιώνες, η Ευρώπη κατείχε το κέντρο της παγκόσμιας προσοχής, διαμορφώνοντας τα κυρίαρχα αφηγήματα. Φέτος, το Theater der Welt παίρνει ένα πραγματικό
ρίσκο: παραχωρεί την επιμελητική ευθύνη σε εννέα co-curators από
διαφορετικά σημεία του κόσμου.
Δεν πρόκειται για μια συμβολική χειρονομία, αλλά για μια ουσιαστική μεταφορά δύναμης. Η περιφέρεια δεν καλείται να επιβεβαιώσει το κέντρο,
DE Nikos Mavrakis arbeitet seit 2014 im Bereich Kulturmanagement und internationale Beziehungen. Er ist Gründer und Geschäftsführer von TooFarEast, einem Unternehmen für zeitgenössische darstellende Künste sowie für die Entwicklung internationaler Projekte und Tourneen. Im Jahr 2025 belebte er das historische Amalia Theatre in Thessaloniki neu und etablierte es als Basis für lokale Künstler:innen und als Ort künstlerischer Experimente.
Weitere Informationen: theaterderwelt.de/ueber-uns
Nikos Mavrakis
DE Nikos Mavrakis has worked in cultural management and international relations since 2014. He is the founder and Managing Director of TooFarEast, a company dedicated to contemporary performing arts and the development of international projects and tours. In 2025, he revived Thessaloniki’s historic Amalia Theatre as a base camp for local artists and a home for experimentation.
Further information: theaterderwelt.de/ueber-uns
Spinnbau Halle 5
Sa 04.07. 21:00 – 22:20
So 05.07. 19:30 – 20:50
EUROPAPREMIERE
Interdisziplinäre Performance
Traditionelle Ainu-Lieder, ohne gesprochenes Wort
Jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet eine Stückeinführung im Festivalzentrum im Spinnbaugarten statt. Bei schlechtem Wetter im Foyer der Großen Bühne im Spinnbau.
Am 04.07.2026 findet im Anschluss an die Vorstellung ein Nachgespräch in Halle 5 im Spinnbau statt.
20 €
35 % Ermäßigung mit Festivalpass, weitere Ermäßigungen auf Seite 62
Von und mit Apetunpe (Rekpo, Mayunkiki), KANO Utowa, SATO Naoko, SUIKA KEIMAI (HIROSE Tact, Mayunkiki), hoshifune (KOYANO Tetsuro, WATANABE Naoka), WHITELIGHT, YAMADA Hiroki (ayamelab)
DE Ein Schatten- und Klangtheater über die Auswirkungen der europäischen Modernisierung auf Japan und die Insel Hokkaido.
EN A shadow-and-sound theatre work reflecting on the impact of European modernisation on Japan and the island of Hokkaido.
DE Ein Fluss teilt die Landschaft. Eine Eisenbahnlinie schneidet durch Berge. Etwas muss hindurch, obwohl großer Widerstand da ist. KUSTE bedeutet in der Ainu-Sprache der indigenen Bevölkerung Nordjapans so viel wie „etwas durch einen Ort hindurchgehen lassen“.
Genau davon erzählt dieser sensorische Theaterabend. Die Bühne wird erfüllt von einer stillen Bilderwelt. Atmosphären laden ganz einfach zum Staunen und Beobachten ein. Die Zuschauer:innen treffen auf die Geschichte und das Leben der Ainu, deren Schicksal eng verbunden ist mit modernen Infrastrukturprojekten, die Landschaften erschließen und zugleich indigene Lebensweisen verdrängen.
Im Zentrum des Abends steht die Recherche über Kaneto Kawamura, den Großvater der auf der Bühne stehenden Performer:innen Mayunkiki und Rekpo. Ein Anführer der Ainu in Asahikawa und Vermessungsingenieur bei der Japanischen Staatsbahn. Er leitete den Bau eines der schwierigsten Eisenbahnprojekte seiner Zeit: der Sanshin-Eisenbahn, die durch die steilen Schluchten des reißenden TenryuFlusses führt, der von Nagano durch die Region Oku-Mikawa in Aichi fließt, bevor er in Shizuoka ins Enshu-Meer mündet. In KUSTE erscheint dieser Bahnbau als Eingriff in Land, Kultur und Erinnerungen, nicht als Fortschritt.
Der Theaterabend behandelt diesen Bruch nicht erzählerisch, die Bilderwelt reflektiert durch Materialien und Klänge, rudimentäre Projektionsformen erzeugen topografische Linien. Dabei werden Schatten zu Spuren und Musik und Stimmen zu Trägern von Geschichte und Leben. Sprache taucht fragmentarisch auf, in Ainu und Japanisch, bleibt aber stets Teil eines größeren klanglichen und visuellen Gefüges. Nicht nur Menschen treten auf. Auch eine Modelleisenbahn zeichnet großartige, bewegte und bewegende
Bilder auf eine Wand. Diese Dynamik, kombiniert mit der reduzierten Ästhetik, ist eine theatrale Spezialität des interdisziplinären Kollektivs Mayunkiki+ und markiert zugleich dessen internationales Debüt unter diesem Namen. Ihre Inszenierung eröffnet neue Wege, Geschichte wahrzunehmen und sich an sie zu erinnern. Sie entstand als Auftragsarbeit der internationalen Aichi Triennale 2025, einem der richtungsweisenden Kunstfestivals in Japan.
EN A river divides the landscape. A railway line cuts through mountains. Something insists on passing through, even in the face of resistance. In the Ainu language of the indigenous people of northern Japan, KUSTE means ‘to let something pass through a place’.
This is precisely what this sensory theatre piece achieves. The stage is filled with a silent world of images. The atmosphere simply invites you to marvel and observe. The audience encounters the history, lives, and living presence of the Ainu, whose history is deeply intertwined with modern infrastructure projects that opened up the land while displacing Indigenous ways of life.
The performance focusses on research about Kaneto Kawamura, the grandfather of the performers onstage, Mayunkiki and Rekpo. A leader of the Ainu community in Asahikawa and a surveying engineer for the Japanese National Railways. He oversaw the construction of one of the most difficult railway projects of his time: the Sanshin Railway, built through the steep gorges of the Tenryu River, a fast-flowing river that runs from Nagano through the Oku-Mikawa region of Aichi before reaching the Enshu Sea in Shizuoka. In KUSTE, this railway construction appears as an encroachment on land, culture, and memory – not as progress.
The performance does not take up this rupture narratively; instead,
the imagery unfolds through materials and sounds. Rudimentary projections trace topographical lines. Shadows become traces, and music and voices become carriers of history, life, and living presence. Language emerges as fragments, in Ainu and Japanese, but always remains part of a larger sonic and visual structure. It is not only people who perform. A model railway also projects magnificent, moving, and emotive images onto a wall. This dynamic, combined with a minimalist aesthetic, is characteristic of the interdisciplinary collective Mayunkiki+, marking their international debut under that name. Their production opens up new ways of sensing and remembering history; it was commissioned by the international Aichi Triennale 2025, one of Japan’s leading art festivals.
Festivalzentrum
Festival Centre
DE Im grünen Innenhof des Spinnbaus lädt während des zweieinhalbwöchigen Festivalzeitraumes das Festivalzentrum als zentraler Aufenthalts- und Begegnungsort zum Verweilen, Informieren, Essen, Trinken, Feiern und Austauschen ein. Der offene Ort ist dabei für alle kostenfrei zugänglich, um zwischen, vor und nach den Vorstellungen, den Spinnbaugarten neu zu entdecken. Aber nicht nur im Zusammenhang mit Vorstellungen: Das Festivalzentrum fungiert auch ganz allein als Ausflugsziel. Kein abgeschlossener Veranstaltungsraum, sondern ein offener Ort, an dem sich Publikum, Künstler:innen, Festivalteam und Nachbarschaft begegnen. Wer eine Pause braucht, sich informieren möchte oder einfach Zeit im Umfeld des Festivals verbringen will, findet hier einen unkomplizierten Anlaufpunkt.
Für seine Gäste bietet das Festivalzentrum dafür verschiedenste Sitzmöglichkeiten, schattige und sonnige Bereiche, zentrale Infopunkte und ein reichhaltiges gastronomisches Angebot.
Rahmenprogramm __________
Während der täglichen Öffnungszeiten finden im Festivalzentrum und in den Spielstätten Einführungen und Nachbesprechungen der einzelnen Stücke statt. In der Regel findet 30 Minuten vor jeder Vorstellung eine Einführung im Festivalzentrum beziehungsweise bei schlechtem Wetter im Foyer der jeweiligen Spielstätten statt.
Darüber hinaus bildet das Festivalzentrum einen Raum für diverse Formate wie Podiumsdiskussionen, kleine musikalische Darbietungen und Partys.
Die Programmpunkte des Rahmenprogramms finden sich detailliert ab Anfang Juni unter theaterderwelt.de
EN During the two-and-a-half-week festival period, the festival centre becomes a central place to meet, linger and spend time together. Visitors are invited to pause, gather information, eat, drink, celebrate and exchange ideas. Open and freely accessible to everyone, it offers a welcoming space to discover and enjoy the courtyard of the Spinnbau before, between and after performances.
Yet the festival centre is not only connected to the performances themselves. It also functions as a destination on its own. Rather than a closed event venue, it is conceived as an open, public space where audiences, artists, the festival team and neighbours can encounter one another and share the atmosphere of the festival.
Anyone in need of a break, looking for information, or simply wishing to spend time within the festival’s surroundings will find an easy and welcoming place to arrive here. Whether for a short pause or a longer stay, the festival centre invites visitors to experience the festival beyond the theatre halls.
To make this possible, the festival centre offers a wide range of seating options, both sunny and shaded areas, central information points and a generous selection of food and drinks.
Framework Programme _____
During the daily opening hours, the festival centre and the venues host introductions and post-show conversations of the productions. Introductions usually take place around 30 minutes before each performance, either at the festival centre or, in case of bad weather, in the foyer of the respective venue.
Beyond this, the festival centre also becomes a lively space for a variety of additional formats, including panel discussions, musical performances and parties.
Detailed information on the events of the framework programme will be available from early June at theaterderwelt.de
Spinnbau Festivalzentrum Innenhof
Fr 19.06. – So 05.07. Geschlossen am Mo 29.06. Täglich ab 16:00
DE THEATER DER WELT –Ein Festival des Internationalen Theaterinstituts
Mit der 17. Ausgabe von THEATER DER WELT in Chemnitz blicken wir auf über 40 Jahre Festivalgeschichte zurück: 1979 organisierte das Deutsche Zentrum des Internationalen Theaterinstituts (ITI), damals noch unter dem Namen Theater der Nationen – die Urausgabe dieses internationalen Theaterfestivals.
Seitdem wird das Festival im zweibis dreijährigen Turnus vom ITI an eine Stadt in Deutschland vergeben, u.a. Köln (1981), Frankfurt a.M. (1985), Stuttgart (1987), Hamburg (1989), Essen (1991), München (1993), Dresden (1996), Berlin (1999), KölnBonn-Düsseldorf-Duisburg (2002), Stuttgart (2005), Halle (2008), Mülheim und Essen (2010), Mannheim (2014), Hamburg (2017), Düsseldorf (2021) und Frankfurt a.M. / Offenbach (2023). Durch die wechselnden Austragungsorte, die Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Partnern und die Vielfalt der künstlerischen Perspektiven schafft das Festival einen einzigartigen Raum für Innovation, Dialog und nachhaltige Impulse für die Theaterlandschaft in Deutschland und weltweit.
Eine Kontinuität zwischen den einzelnen Ausgaben von THEATER DER WELT schaffen die Formate des ITI: die ITI Academy, die Preisverleihung des ITI Preises, die Jahrestagung und die Ausstellung des Archivs von THEATER DER WELT.
DE Das Deutsche Zentrum des Internationalen Theaterinstituts
Das ITI versteht sich als Plattform und Schnittstelle zwischen nationaler und internationaler Theaterarbeit, die den beteiligten Akteur:innen Raum für Zusammenarbeit, Dialog und Auseinandersetzung ermöglicht. Das Deutsche Zentrum realisiert national wie international Projekte, initiiert Begegnungen und steht im Austausch mit Projektpartner:innen, Künstler:innen und einem weltweiten Netzwerk, in den Bereichen Theater und Tanz, kulturelle Bildung, kulturelles Erbe sowie Kultur- und Kreativwirtschaft.
Das deutsche ITI ist Teil des International Theatre Institute, der 1948 auf Initiative der UNESCO gegründeten, größten weltweiten Organisation der Darstellenden Künste. Es ist als Verein organisiert und konstituiert sich aus mehr als 200 persönlichen und korporativen Mitgliedern.
Das Programm des ITI bei THEATER DER WELT wird gefördert aus Mitteln des Staatsministers für Kultur und Medien.
So 21.06. – So 28.06.
Geschlossene Veranstaltung Closed to the public
DE Während THEATER DER WELT findet die ITI ACADEMY WEEK statt – ein Raum für internationale Begegnung und künstlerisches Forschen und ein Labor für kollektive Resilienz und widerständige Praxis in Kunst und Theater.
EN THEATER DER WELT –A Festival of the International Theatre Institute
For the 17th edition of THEATER DER WELT in Chemnitz, we are looking back on more than 40 years of festival history. In 1979, the German Centre of the International Theatre Institute (ITI), organised the first edition of this international theatre festival, then still known as Theater der Nationen.
Since then, the ITI has allocated the festival to a city in Germany in a rotation of two to three years, including: Cologne (1981), Frankfurt am Main (1985), Stuttgart (1987), Hamburg (1989), Essen (1991), Munich (1993), Dresden (1996), Berlin (1999), Cologne-Bonn-Düsseldorf-Duisburg (2002), Stuttgart (2005), Halle (2008), Mülheim and Essen (2010), Mannheim (2014), Hamburg (2017), Düsseldorf (2021), and Frankfurt am Main/ Offenbach (2023).
With its changing venues, collaboration with local and international partners, and range of artistic perspectives, the festival creates a unique space for innovation, dialogue, and sustainable impulses for the theatre landscape in Germany and internationally.
The ITI formats create continuity between the individual editions of THEATER DER WELT: the ITI Academy, the ITI Prize award ceremony, the annual conference, and the exhibition representing the archive of THEATER DER WELT.
EN The German Centre of the International Theatre Institute
The ITI understands itself as a platform and interface between national and international theatre work which facilitates space for collaboration, dialogue, and engagement. The German ITI realies projects nationally and internationally, initiates encounters, and is in regular contact with project partners, artists, and an international network of theatre and dance, cultural education, cultural heritage, as well as the cultural and creative industries.
The German ITI is part of the International Theatre Institute, founded as a UNESCO initiative in 1948 and one of the largest international performing arts organisations. Organised as an association, it consists of more than 200 individual and corporate members.
The programme of the ITI at THEATER DER WELT is funded by the Minister of State for Culture and the Media.
18 junge Menschen aus Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft kommen für eine Woche aus aller Welt zusammen. Sie besuchen die Vorstellungen und Veranstaltungen des Festivals und tauschen sich zu Themen wie Kunstfreiheit und Zensur, Praktiken kollektiver Fürsorge, faire Zusammenarbeit und Dekolonisierung aus. Ausgehend von den Geschichten und Strategien, die zu Formen des kollektiven Widerstands und Stärkung von Resilienz gegenüber repressiven, autoritären Regimen erarbeitet wurden, werden in der ITI ACADEMY WEEK Ansätze geteilt, wie Solidarität unter Künstler:innen und Kulturorganisationen gestaltet werden kann.
Die Verständigung über unterschiedliche Perspektiven, Ästhetiken und Arbeitsweisen spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Teilnehmenden werden in das dauerhafte AlumniaeNetzwerk der ITI ACADEMY aufgenommen, das internationale Verbindungen weiterführt und stärkt. Das weltweite Netzwerk des Internationalen Theaterinstituts bildet dafür die Grundlage.
Als Teil des Rahmenprogramms gibt es am 27. Juni 2026 einen Einblick in die ITI ACADEMY WEEK. Zeit und Ort werden unter theaterderwelt.de bekannt gegeben.
Weitere Informationen unter: tdw.iti-germany.de
EN During THEATER DER WELT the ITI Academy Week will take place, a space for international encounter and artistic research, and a laboratory for collective resilience and practices of resistance in art and theatre.
Eighteen young people from art, science, and society gather from all over the world. They attend festival performances and events and exchange views on topics such as: artistic freedom and censorship, practices of collective care, fair collaboration, and decolonisation. Starting from the histories and strategies elaborated into forms of collective resistance and empowering resilience towards repressive, authoritarian regimes, participants in the ITI Academy Week will share approaches to creating solidarity between artists and cultural organisations. Here, understanding various perspectives, aesthetics, and working methods are key. Participants will be accepted into the ITI Academy alumni network in perpetuity which maintains and strengthens international ties. The global network of the International Theatre Institute is its bedrock.
As part of the framework programme, there will be a preview of the ITI ACADEMY WEEK on June 27, 2026. Time and location will be announced at theaterderwelt.de
Further information at: tdw.iti-germany.de
Spinnbau Halle 5 Fr 26.06. 21:10
Eintritt frei Free admission
DE „Ich schreibe, weil ich über die Gesellschaft sprechen möchte, in der ich lebe, egal wo ich geboren wurde. Die Probleme, die ich benenne, haben keine Grenzen.“
Nicoleta Esinencu
Im Anschluss an das Gastspiel von Nicoleta Esinencus Performance Memory Distortion. MIXTAPE erhält die Regisseurin den ITI Preis 2026 für ihre Arbeit als transnational wirkende Theaterkünstlerin. Der Preis wird durch die Präsidentin des ITI Yvonne Büdenhölzer übergeben. Die Laudatio hält Kathrin Tiedemann. Nicoleta Esinencu (*1978, Chișinău, UdSSR / Republik Moldau) wurde vor 17 Jahren in Deutschland mit FUCK YOU, Eu.ro.Pa! bekannt, einem wütenden Monolog, der in ihrer moldawischen Heimat eine politische Kontroverse auslöste. Ihre Stücke zeichnen sich durch eine drastische Sprache aus. An ihrem Sound nehmen viele in Moldawien Anstoß. Und an den Themen, die sie auf die Bühne bringt: an der unaufhörlichen Arbeitsmigration, am gesellschaftlichen Tabuthema Homosexualität und damit verbundenen Diskriminierungserfahrungen, an der Korruption, an der Selbstbedienungsmentalität von neureichen Oligarchen und ehemals kommunistischen Funktionären, an der Benennung der schwierigen Beziehung zwischen der Republik Moldau und der EU. Nicoleta Esinencu verbindet dabei das Dokumentarische mit dem Poetischen und übersetzt akribisch recherchierte Fakten in eine dichte, rhythmische Sprache. Was Nicoleta Esinencu in ihrer Heimat hält, ist in erster Linie das teatru-spălătorie, das als Kollektiv geleitet wird und unter schwierigsten Bedingungen arbeitet, jedoch stets aufklärerisch, international vernetzt, unerschrocken mutig.
EN ‘I write because I want to talk about the society in which I live, regardless of where I was born. The problems I name have no borders.’
Nicoleta Esinencu
Following the performance of Nicoleta Esinencus’s Memory Distortion. MIXTAPE, the director will be awarded the 2026 ITI Prize for her work as a transnational theatre artist. ITI President, Yvonne Büdenhölzer, will present the award. Kathrin Tiedemann will speak in her honour.
Nicoleta Esinencu (*1978, Chișinău, USSR/Moldova) gained notoriety in Germany 17 years ago for FUCK YOU, Eu.ro.Pa!, an angry monologue that triggered political controversy in her native Moldovia. Sharp language characterises her pieces. Many in Moldova take offense at her tone. And at the subject matter she presents on stage: relentless labour migration, the social taboo of homosexuality and its related discrimination, corruption, the self-serving mentality of nouveau riche oligarchs and former communist functionaries, naming the difficult relationship between Moldova and the EU.
Nicoleta Esinencu combines documentary and poetics and translates meticulously researched facts into dense, rhythmic language. What keeps Nicoleta Esinencu in her homeland is mainly the Teatru-spălătorie, run as a collective and working in the direst of conditions, yet ever educational, internationally networked, and unflinching.
DE UM-AUF-AB-AUS-NEU –
Archiv und Festival THEATER DER WELT als temporäre Orte
EN BUILD – UNBUILD – REBUILD –The Archive and the Festival THEATER DER WELT as temporary spaces
Spinnbau Ostflügel Foyer
Fr 19.06. – So 28.06. 16:00 – 22:00
Di 30.06. – So 05.07. 16:00 – 22:00
Eintritt frei Free admission
DE Ausstellung
Seit 45 Jahren bereist das Festival THEATER DER WELT Deutschland, bei jeder Ausgabe findet es an einem neuen Ort statt. Wie prägt ein Festival die Stadt, in der es stattfindet und wie prägt die Stadt wiederum das Festival? In diesem Jahr ist das Festival THEATER DER WELT zu Gast in Chemnitz. Mit einem Fokus auf das Temporäre im Festival, im Archiv und im Theater wagt diese Ausstellung einen Blick hinter die Kulissen.
Temporäres Archiv –Archiv des Temporären
Seit fast 10 Jahren archiviert das Internationale Theaterinstitut Deutschland, Träger des Festivals, die einzelnen Ausgaben. Als temporäre Installation vor Ort in Chemnitz gibt das Archiv Einblick in die bisherigen Ausgaben von THEATER DER WELT. Es zeigt die Vielfalt der Festivalausgaben und der Orte, an denen diese stattfanden. Das digitale Archiv gibt Besucher:innen die Möglichkeit, durch Produktionen, Personen, Dokumente, Bilder und Texte der Festivals zu stöbern und mehr über deren Zusammenhänge zu erfahren. Mit einer Audio-Installation stellen wir Zeitzeug:innen verschiedener Festivalausgaben vor, die Einblick in ihre Perspektive auf das Festival geben. Im diesjährigen Fokus werfen wir einen Blick auf temporäre Festivalorte. Wie prägen Spielstätten und Festivalzentren die Begegnung mit THEATER DER WELT vor Ort? Immer wieder werden neue Orte entdeckt, entwickelt und weitergebaut – für das Festival und für die Stadt. Temporarität geht oft in Beständigkeit über und Festivals können als kulturpolitische Motoren für die Entwicklung von (neuen) Kunststätten wirken.
Den Faden spinnen
Das THEATER DER WELT Archiv ist ein Archiv im Werden. Dabei sind wir uns bewusst, dass vieles sicherlich noch fehlt, vieles noch entsteht. Permanent wird das Archiv durch Recherchen, Interviews, Schnipsel und Materialien ergänzt und vervollständigt.
Wir möchten auch euch einladen, uns eure Geschichten zum Festival und zum Theater zu erzählen. In einer interaktiven Installation bauen wir mit euch gemeinsam an der Geschichte des Festivals.
Das detaillierte Programm ist der Website des ITI zu entnehmen: tdw.iti-germany.de
EN Exhibition
For 45 years, the THEATER DER WELT Festival has toured Germany with a new location each year. How does a festival shape the city in which it takes place, and how does the city shape the festival in turn? This year THEATER DER WELT is coming to Chemnitz. With a focus on the temporariness of the festival, the archive, and the theatre, this exhibition dares to look behind the scenes.
Temporary Archive –Archive of the Temporary
For almost 10 years, the German International Theatre Institute, the carrier of the festival, has been archiving the individual editions of the festival. A temporary installation on-site in Chemnitz, the archive provides insight into previous editions of THEATER DER WELT. It shows the diversity of the festival editions and their locations. The digital archive allows visitors to browse through productions, people, documents, images, and texts from the festivals and to learn more about their connections. An audio installation featuring witnesses of various festival editions provides insightful perspective on the festival.
This time, we‘re focusing on temporary venues at festivals. How do venues and festival centres shape the experience of THEATER DER WELT on-site? New places are always being discovered, developed, and built – for the festival and for the city. Temporary spaces often become permanent, and festivals can become cultural and political drivers in the development of (new) art venues.
Spinning the thread
The THEATER DER WELT archive is an archive in the making. We are aware that much is still missing, and much is still in creation. The archive is constantly being supplemented and completed through research, interviews, snippets, and materials.
We would like to invite you, too, to tell us your stories about the festival and the theatre. In an interactive installation, we will work with you to build the history of the festival.
A detailed programme is available on the ITI website: tdw.iti-germany.de
BRIDGING THE GAPS. CONNECTING THE DOTS. Deconfining cross-continental collaborations between Africa and Europe
DECONFINING – Grenzen auflösen, Räume öffnen, Privilegien hinterfragen. Vier Jahre lang prägte dieses Leitmotiv den künstlerischen Austausch zwölf europäischer Organisationen und ihrer afrikanischen Partner – zwischen Burkina Faso und Litauen, Kroatien und Tunesien, Polen und Sambia, Deutschland und Tansania, Österreich und Togo, Slowenien und Senegal, Norwegen und Mali, Spanien und Uganda, Belgien und Marokko. Aus der Zusammenarbeit im Rahmen von DECONFINING ARTS, CULTURE, AND POLITICS IN EUROPE AND AFRICA ist ein dichtes Netzwerk mit diversen Querverbindungen untereinander und zu weiteren Kulturorganisationen und Künstler:innen in den Ländern Europas und Afrikas entstanden.
Ihr gemeinsames Ziel: Paternalistische und koloniale Sichtweisen zu überwinden, partizipatorische Ansätze zu stärken und einen besseren Zugang zu Informationen für interkontinentale Mobilität und transnationale Kooperation zu schaffen.
Wie kann künstlerischer Austausch über Kontinente hinweg gelingen –und welche Bedingungen braucht es dafür? Welche Art der Verschränkung zwischen Kunst und Politik stärkt uns, um neue Wege beschreiten zu können? Mit diesen Fragen, den im Projekt entstandenen Studien und den daraus gewonnenen kulturpolitischen Erkenntnissen beschäftigt sich diese Konferenz. Sie bildet den Abschluss des Creative-Europe-Projekts DECONFINING ARTS, CULTURE, AND POLICIES IN EUROPE AND AFRICA.
Das detaillierte Programm ist der Website des ITI zu entnehmen: tdw.iti-germany.de
Die Konferenz findet im Rahmen des DECONFINING-Projekts statt. In Zusammenarbeit mit dem GoetheInstitut Madrid.
Gefördert durch die Europäische Union, die Kulturstiftung der Länder und den Staatsminister für Kultur und Medien.
EN Conference
DECONFINING – in other words: breaking down boundaries, opening spaces, questioning privileges. For four years, the guiding principle of ‚DECONFINING‘ has shaped the artistic exchange between 12 European organisations and their African partners – between Burkina Faso and Lithuania, Croatia and Tunisia, Poland and Zambia, Germany and Tanzania, Austria and Togo, Slovenia and Senegal, Norway and Mali, Spain and Uganda, Belgium and Morocco. These collaborations within the project DECONFINING ARTS; CULTURE, AND POLICIES IN EUROPE AND AFRICA have given rise to a close network with diverse links, both among themselves and with other cultural organisations and artists in European and African countries.
Their common aim: overcoming paternalistic and colonial views, bolstering participatory approaches, and creating better access to information on intercontinental mobility and transnational cooperation.
How can artistic exchange work across continents? And what conditions are necessary? What kind of entanglement between art and politics empowers us to break new ground? This conference grapples with these questions, the project’s studies, and the cultural-political insights obtained from them. It also concludes the Creative Europe-funded project DECONFINING ARTS; CULTURE, AND POLICIES IN EUROPE AND AFRICA.
A detailed programme is available on the ITI website: tdw.iti-germany.de
The conference is part of the DECONFINING project. In collaboration with the Goethe-Institut Madrid.
Supported by the European Union, Kulturstiftung der Länder, and the Minister of State for Culture and the Media.
DE Verantwortlich für den Inhalt dieser Doppelseite ist das Internationale Theaterinstitut - Zentrum Deutschland.
Es stehen Parkplätze im öffentlichen Raum zur Verfügung.
Barrierefreiheit
In allen Bühnen stehen ausgewiesene Plätze für Rollstuhlfahrer:innen zur Verfügung. Der Zutritt in den Ostflügel sowie in das Figurentheater erfolgen barrierefrei. Die Rollstuhlplätze im Großen Saal sind über einen Treppenlift erreichbar. Vor dem Haus befinden sich ausgewiesene barrierefreie Parkplätze.
Übertitelung
Vorstellungen in nicht-deutscher
Lautsprache werden in deutscher Sprache übertitelt. Es gibt außerdem nonverbale Aufführungen.
EN Address
Altchemnitzer Straße 27, 09120 Chemnitz
Directions station ‘Altchemnitzer Straße’: bus 52, station ‘Rößlerstraße’: tram 5, Chemnitz Bahn C11
Parking
Parking spaces are available in public areas.
Accessibility
Designated spaces for wheelchair users are available in all the Spinnbau’s stages. The Ostflügel and the Figurentheater are fully accessible. The wheelchair spaces in the Große Bühne are accessible via a stairlift. There are designated disabled parking spaces in the front of the building.
Surtitling
Performances in languages other than German are subtitled in German. There are also nonverbal performances.
Festivalzentrum ____ Festival Centre _____
DE Das Festivalzentrum befindet sich auf dem Gelände des Spinnbaus und ist an allen Festivaltagen, außer am 18. und am 29. Juni, jeweils ab 16:00 Uhr geöffnet. Im Festivalzentrum steht ein Cateringangebot zur Verfügung.
Es stehen Parkplätze im öffentlichen Raum zur Verfügung.
Barrierefreiheit
Das Freiluftgelände Spinnbau ist mit dem Rollstuhl zu erreichen. Das Gelände hat einen unebenen Untergrund. Vor dem Theater im Spinnbau sind ausgewiesene barrierefreie Parkplätze.
EN The festival centre is located on the grounds of the Spinnbau Theatre and is open on all Festival days, except June 18 and 29, from 4pm. Catering is available at the festival centre.
Address
Altchemnitzer Straße 27, 09120 Chemnitz
Directions station ‘Altchemnitzer Straße’: bus 52, station ‘Rößlerstraße’: tram 5, Chemnitz Bahn C11
Parking Parking spaces are available in public areas.
Accessibility
The outdoor area at the Spinnbau is wheelchair accessible. The ground is uneven. There are designated accessible parking spaces in front of the theater in the Spinnbau.
Unter dem Opernhaus befindet sich eine Tiefgarage mit 175 kostenpflichtigen Parkplätzen. Sie erhalten zum Festivaltarif für 3,-€ beim Servicepersonal des Opernhauses Ausfahrtickets.
Barrierefreiheit
Es stehen bis zu sechs Rollstuhlplätze zur Verfügung. Diese sind barrierefrei über den Haupteingang erreichbar. Ein barrierefreier Zugang vom 1. Untergeschoss der Tiefgarage zum Opernhaus ist über einen Treppenlift möglich. Im Haus ist jede Etage über einen Aufzug erreichbar. Neben dem Opernhaus sowie in der Tiefgarage befinden sich ausgewiesene barrierefreie Parkplätze.
Hörverstärkung
Im Opernhaus steht eine begrenzte Anzahl von Plätzen eine Hörverstärkung durch Induktionsschleife zur Verfügung, die mit Hörgeräten mit integriertem Induktionsempfänger nutzbar ist. Bitte beim Ticketkauf dafür anmelden.
Übertitelung
Vorstellungen in nicht-deutscher Lautsprache werden in deutscher Sprache übertitelt. Es gibt außerdem nonverbale Aufführungen.
EN Address
Theaterplatz 2, 09111 Chemnitz
Directions station ‘Theaterplatz’, tram 3, 4, Chemnitz Bahn C11, C13, C14, bus 51, 79
Parking
There is an underground car park with 175 parking spaces beneath the opera house. You can obtain exit parking tickets for the festival rate of €3 from the opera house service staff.
Accessibility
The opera house has a total of six wheelchair spaces available. They have barrier-free access via the main entrance. From the upper car park level, the Opernhaus can be accessed via a stairlift from the first underground level. Every floor in the building is accessible by elevator.
Hearing amplification
A limited number of seats in the opera house are equipped with induction loop hearing amplification, which can be used with hearing aids that have a built-in induction receiver. Please register for this when purchasing your ticket.
Surtitling
Performances in languages other than German are subtitled in German. There are also nonverbal performances.
Google Maps
Hartmannfabrik _________________________
DE Adresse
Fabrikstr. 11, 09111 Chemnitz
Anfahrt
Haltestelle “Hohe Brücke”: Bus 21, 32, 636, PlusBus 650
Parken
Es stehen Parkplätze im öffentlichen Raum zur Verfügung.
Barrierefreiheit
Das Gebäude ist mit dem Rollstuhl barrierefrei zu erreichen. Im Erdgeschoss gibt es ein taktiles Bodenleitsystem. Dieses führt zum Empfang, Garderobe, Aufzug, und der Toilette. Eine barrierefreie Toilette befindet sich im Eingangsbereich im Erdgeschoss. Es gibt zwei behindertengerechte Parkplätze.
EN Address
Fabrikstr. 11, 09111 Chemnitz
Directions station ‘Hohe Brücke’: bus 21, 32, 636, PlusBus 650
Parking Parking spaces are available in public areas.
Accessibility
The building is wheelchair accessible. There is a tactile floor guidance system on the ground floor. This leads to the reception, cloakroom, elevator, and restroom. An accessible restroom is located in the entrance area on the ground floor. There are two disabled parking spaces.
DE Adresse
Annaberger Str. 73, 09111 Chemnitz auf dem Wirkbau-Gelände, Zugang über Elsässer- und Lothringer Straße
Es stehen Parkplätze im öffentlichen Raum zur Verfügung.
Barrierefreiheit
Der Ort ist mit dem Rollstuhl barrierefrei zu erreichen. Eine barrierefreie Toilette ist vorhanden sowie barrierefreie Parkplätze auf dem Wirkbau-Gelände nahe dem Eingang zum Club Atomino.
EN Address
Annaberger Str. 73, 09111 Chemnitz, Access via Elsässer- and Lothringer Straße
Directions station ‘Bernsbachplatz’: Chemnitz Bahn C13, C14, C15, Buslinie 52, 82, tram 2, 3, station ‘Gustav-FreytagStraße’: Straßenbahnlinie 5
Parking Parking spaces are available in public areas.
Accessibility
The venue is wheelchair accessible and has an accessible toilet. There are designated accessible parking spaces near the venue on the Wirkbau site.
Als global agierender Werkzeugmaschinenhersteller mit Stammsitz in Chemnitz wissen wir: Spitzenleistung entsteht durch Innovationen –braucht aber auch ein starkes Umfeld. Unsere industriell geprägte Stadt lebt vom Miteinander. Theater der Welt weitet den Blick, stärkt Bindungen über Grenzen hinweg und schafft einzigartige kulturelle Erlebnisse.
Geschäftsführender Gesellschafter
Prof. Dr.-lng. Eh. Hans J. Naumann
– 26.07.26
BIOGRAFIEN
Zeitgenössisches Figurentheater für zu Hause:
Mit „Der Erlkönig“ oder „Die Goldgräber“ in die digitale Theaterwelt eintauchen!
Ihnen stehen verschiedene Zahlungsarten wie PayPal, Kreditkarte und SEPA-Lastschrift zur Verfügung. Ihr Ticket erhalten Sie wahlweise per Post, als Print@Home-Ausdruck oder als Passbook-Datei für Ihr Wallet auf Ihr mobiles Endgerät.
Abendkasse
Die Abend- bzw. Tageskasse an allen Veranstaltungsorten mit Eintritt öffnet jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.
Ihr Ticket – Ihr Fahrschein im VMS
Tickets für die Vorstellungen im Festival THEATER DER WELT gelten gleichzeitig als Fahrschein zur Nutzung der öffentlichen Nahverkehrsmittel im Verbundraum des VMS ab vier Stunden vor, bis sechs Stunden nach Veranstaltung. Sie erkennen dies durch den Aufdruck der VMS-Logos auf Ihren Tickets.
Mit dem Festivalpass sparen
Mit dem Festivalpass für einmalig 35 Euro erhalten Sie 35 % Rabatt auf Vollpreistickets für alle Vorstellungen im Programm des Festivals Theater der Welt. Alternativ gibt es den Partnerpass für 70 Euro, damit können Sie bis zu zwei Vollpreistickets pro Vorstellung mit 35% Rabatt buchen. Der Festivalpass ist personengebunden und nicht übertragbar. Der Festivalpass ist im Onlineshop oder an den Vorverkaufsstellen erhältlich. Der Rabatt wird bei jeder Ticketbuchung, online oder vor Ort, automatisch berücksichtigt.
Ermäßigungen
50 % Ermäßigung auf Vollpreistickets im Programm des Festivals THEATER DER WELT erhalten: Kinder, Schüler, Auszubildende, Studierende, Teilnehmende am Freiwilligen Sozialen Jahr, Teilnehmende am Bundesfreiwilligendienst, junge Menschen bis 27 Jahre, Arbeitslose, Schwerbehinderte ab 50 % und Begleitperson mit Merkzeichen B, Inhaber eines Familienpasses. Ermäßigungen können nur in Verbindung mit einem entsprechenden Ausweis gewährt werden und sind nicht kombinierbar. Bitte beachten Sie, dass bei Onlinebuchungen nicht alle Ermäßigungen verfügbar sind.
Ermäßigungen für Menschen mit Behinderung Gegen Vorlage eines amtlichen Schwerbehindertenausweises mit Merkzeichen B, G, GI oder H erhält eine notwendig anerkannte Begleitperson ein kostenloses Ticket. Rollstuhlplatz-Tickets können ausschließlich im Vorverkauf reserviert werden.
Kulturticket für Studierende Studierende der TU Chemnitz erhalten je nach Verfügbarkeit ab 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn eine kostenfreie Karte pro Person an der Abendkasse.
We accept standard payment methods such as PayPal, credit card und SEPA direct debit. You will receive your ticket by post, or you can have it sent directly to your mobile device.
Day and evening box offices
The box office opens one hour before the performance or concert begins and only for paid events.
Your theatre ticket – your ticket for local transport
Your admission tickets and subscription passes for Theater Chemnitz events are also valid as a ticket on local public transport in the VMS network. You will see the VMS logos printed on your tickets.
Festival pass
With the Festival pass for a one-time fee of €35, you receive a 35% discount on full-price tickets for all performances in the THEATER DER WELTfestival programme. Alternatively, there is the Partner pass for €70, which allows you to book up to two full-price tickets per performance with a 35% discount. The Festival pass is personal and non-transferable. The Festival pass is available in the online shop or at advance sales outlets. The discount is automatically applied to every ticket booking, whether online or on site.
Discounts
50% discount on full-price tickets in the THEATER DER WELT festival programme is available to: children, school pupils, apprentices/trainees, students, participants in the Voluntary Social Year (FSJ), participants in the Federal Volunteer Service (BFD), young people up to the age of 27, unemployed persons, persons with severe disabilities (degree of disability of 50% or more) and one accompanying person with disability marker B, and holders of a family pass. Discounts can only be granted upon presentation of valid ID and cannot be combined. Please note that not all discounts are available for online bookings.
Discounts for people with disabilities
Upon presentation of an official disability ID card with marker B, G, GI or H, a recognised necessary accompanying person receives a free ticket. Wheelchair-accessible seats can only be reserved in advance.
Culture Ticket for students
Students of Chemnitz University of Technology (TU Chemnitz) can receive one free ticket per person at the box office, subject to availability, from 15 minutes before the performance begins.
Festivalteam THEATER DER WELT ____ _________________________ Chemnitz 2026
Festivalintendanz / Festival Directors
Inge Ceustermans, Dr. Christoph Dittrich, Stefan Schmidtke
Kuration / Curation
Simon Abrahams, Joshua Dalledonne, Rodrigo González Alvarado, Faye Kabali-Kagwa, Nikos Mavrakis, Aya Nabulsi, Srishti Ray, Ndèye Mané Touré, ZHANG Yuan
Künstlerisch-organisatorische Mitarbeit / Artistic and organisational coordination
Fabiola Eidloth, Behlül Taskingül
Kaufmännische Geschäftsführung / Managing Director
Julia Fischer, Melanie Hirsch, Jason Jack Weißbach
Dramaturgie / Dramaturgy
Kathrin Brune, Jonas Diercks, Agnieszka Jabłońska, Maria Kordasch, Friederike Pank, Friederike Spindler, Ben Ullrich, Heike Vieth
Produktion / Production
Alisa Golomzina (Leitung), Susanne Berthold, Oksana Fischer, Paula Jörk, Paul Viebeg
Übertitel / Surtitles
Panthea Berlin
DE Dank an alle Mitarbeitenden und Gewerke des Theaters Chemnitz, der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH und der Festival Academy Brüssel sowie an die vielen Freiwilligen des Kulturhauptstadtjahres für ihren Einsatz.
Kommunikation und Marketing / Communication
Mareike Holfeld (Leitung), Nasser Hashemi, Kati Hilmer, Paula Kirchner, Nicole Lappöhn, Kerstin Riedel, Theresa Schultz, Frizzi Seltmann, Emma Volkova, Caroline Witosseck
Gestaltung Festival Corporate Design / Brand Design
EN Thanks to all staff members of Theater Chemnitz, Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH, and the Festival Academy Brussels, as well as to the many volunteers of the European Capital of Culture year for their dedication.
Veranstaltet
Das Festival THEATER DER WELT Chemnitz 2026 wird veranstaltet von / Presented by______________________
In Kooperation mit / In Cooperation with ___________________
Impressum ________ _____________ Imprint
Herausgeber / Publisher
Städtische Theater Chemnitz gGmbH
Käthe-Kollwitz-Straße 7 09111 Chemnitz
Dr. Christoph Dittrich Generalintendant
Redaktion / Editors
THEATER DER WELT ist ein Festival des deutschen Zentrums des Internationalen Theaterinstituts e.V. / Held by the German Centre of the International Theatre Institute e.V. ________________________________________________
Kathrin Brune, Jonas Diercks, Maike Hänsel, Mareike Holfeld, Agnieszka Jabłońska, Maria Kordasch, Friederike Pank, Stefan Schmidtke, Friederike Spindler, Behlül Taskingül
THEATER DER WELT Chemnitz 2026 wird gefördert von / Supported by __________
Gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes
Druck / Print
DierichsDruck+Media GmbH & Co.KG Frankfurter Str. 168, 34121 Kassel
Anzeigenakquise Chemnitz Inside Verlag GmbH, Katrin Kastell
Weitere Förderer / Additional Funders ____________________
Académie Ivoire Marionnettes (S. 47), Mostafa Abdel Aty (S. 30), Khulood Basel (S. 18), Prauda Buwaneka (S. 24), You-Wei Chen (S. 36), Huang Huang Chih (S. 12), Ivo Dimchev (S. 23), Djarama et Motus (S. 31), Elisa Freitas (S. 22), Jan Gates (S. 9), Juan Luis Garcia (S. 48), Pigu Gómez (S. 19), Marjorie Guindon (S. 34), Nasser Hashemi (S. 15, 20, 25, 51, 56), Benjamin Hotz (S. 11), Hamed Iran Parast (S. 35), Marek Koliha (S. 28), Mark Lewis (S. 21), Philip Maglieri (S. 46), Manna Photo Studio, Courtesy of National Theater Company of Korea (S. 43), Zivanai Matangi (S. 14), Ramin Mazur (S. 26), Matt Muller (S. 29), Aya Nabulsi (S. 42), Tom Noble (S. 33), Paper Tiger Theater Studio (S. 16), Christophe Pean (S. 44), Johannes Richter (S. 39), Ricardo Rodriguez (S. 49), Peter Rossner (S. 45, 57), Yujiro Sagami (S. 52), Sahil Shikalgar (S. 27), Alysse Thomé (S. 17), Ndèye Mané Touré (S. 10), Ernseto Uhlmann (S. 57), Nathalie Vairac (S. 37), Sarah Walker (S. 8), Rangga Yudhistira (S. 13)
Stand Redaktion / Editorial status 16.03.2026, Änderungen vorbehalten / subject to change